Schicksalsjahr 2026?, Meta ignoriert Vorgaben, Schlechter Jahrgang

1. Warum 2026 zum Schicksalsjahr werden könnte
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 38:14 Minuten)
Die KI- und Technikjournalisten Marie Kilg und Moritz Metz sowie Medienwissenschaftler Stephan Weichert diskutieren darüber, ob das Jahr 2026 durch den rasanten Einzug generativer KI zu einem Schicksalsjahr für den Journalismus werden könnte. Während Kilg dafür plädiert, die Technologie aktiv und transparent zu nutzen, um nicht den Anschluss zu verlieren, warnt Metz vor einer gefährlichen Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen und einer schwindender Medienkompetenz bei der Jugend. Weichert mahnt ethische Mindeststandards an, da durch den KI-Einsatz eine “Verantwortungsdiffusion” drohe.

2. Meta ignoriert Transparenzvorgaben
(verdi.de, Volker Nünning)
Das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht habe im Eilverfahren entschieden, dass der Social-Media-Konzern Meta die Transparenzvorgaben des deutschen Medienstaatsvertrags bei Facebook vorläufig umsetzen müsse. Das Gericht gewichte das öffentliche Interesse an der Offenlegung der Algorithmen höher als die wirtschaftlichen Interessen des US-Unternehmens. Da Meta die Vorgaben laut der zuständigen Medienanstalt bislang ignoriere, drohe die Behörde nun mit weiteren Maßnahmen.

3. Eckart von Hirschhausen über Gesundheit, Klima, Fake News und Kirche
(evangelische-zeitung.de, Gottfried Bohl)
Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen erklärt im Interview mit der “Evangelischen Zeitung”, dass Klimaschutz, Gesundheit und der Kampf gegen Desinformation eng zusammenhängen würden. Er fordert die Kirchen auf, ihren großen Einfluss und Besitz zu nutzen und als analoge Begegnungsorte gegen die Spaltung durch Soziale Medien zu wirken. Zudem warnt er vor den Gefahren durch KI-generierte Fälschungen, sogenannte Deepfakes. Diese würden nicht nur einzelne Personen, wie ihn selbst, für Betrug missbrauchen, sie untergrüben auch das Vertrauen in Medien und Demokratie.

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4. Nach Monaten der Blockade: MDR durchschlägt den gordischen Knoten
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nach dem Scheitern des ersten Versuchs sei Boris Lochthofen nun erfolgreich zum neuen Chef der künftig zusammengelegten MDR-Programmdirektionen in Halle und Leipzig gewählt worden. Seine Aufgabe bestehe darin, bis zum Jahr 2028 Doppelstrukturen abzubauen und die getrennten Bereiche zu einer Einheit zu formen. Die Klärung der Führungsfrage komme gerade noch rechtzeitig. Der MDR stehe angesichts der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und der politischen Drohungen durch die AfD vor einem entscheidenden Jahr.
Weiterer Lesetipp: Bericht von der 232. Sitzung des MDR-Rundfunkrat (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy).

5. EU-Kom­mis­sion leitet wei­tere Unter­su­chung gegen X ein
(lto.de)
Die EU-Kommission habe eine Untersuchung gegen Elon Musks Plattform X eingeleitet, weil deren KI-Programm “Grok” auf Befehl von Nutzern künstliche Nacktbilder echter Personen erstellt habe. Die Behörde prüfe nun, ob das Unternehmen gegen europäische Gesetze verstoßen habe, indem es die Risiken für Frauen und Kinder vorab nicht ausreichend bewertet und verhindert habe. X habe die Bild-Funktion inzwischen zwar eingeschränkt, dem Konzern würden bei einem bestätigten Verstoß aber dennoch empfindliche Geldstrafen drohen.

6. Oscars 2026: Die besten Filme – Ein schlechter Jahrgang!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt, Video: 27:54 Minuten)
Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt hat sich den Oscar-Jahrgang 2026 angeschaut. Einigermaßen enttäuscht fragt er sich: “Warum hat ‘Sinners’ 16 Nominierungen erhalten? Weshalb steht ‘Frankenstein’ überhaupt auf der Liste? Sollte man wirklich bei ‘Hamnet’ viele Tränen verdrücken?”
Weiterer Hörtipp: Bei “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Christoph Borgans mit dem Kulturjournalisten und SR-Redakteur Oliver Hottong über den Filmfestival Max-Ophüls-Preis und den deutschen Filmnachwuchs: “Welche Themen treibt die neue Generation von Filmemachern um? Wie erzählen sie? Und: Was braucht der deutsche Film, um in Schwung zu kommen?” (ardaudiothek.de, Audio: 19:05 Minuten)

Herausgabe der Schröder-Akten, US-TikTok rückt zu Trump, Deepfakes

1. Schröder-Akten: Auskunftsklage gegen Kanzleramt
(correctiv.org, Justus von Daniels & Hans-Martin Tillack)
Die “Correctiv”-Redaktion berichtet in eigener Sache, dass sie gemeinsam mit dem Journalisten Hans-Martin Tillack Klage gegen das Kanzleramt eingereicht habe, um Zugang zu Akten über Gerhard Schröders Kontakte zu Wladimir Putin im Jahr 2005 zu erhalten. Hintergrund sei, dass der Ex-Kanzler 178 Aktenordner, die potenziell Details zur Nord-Stream-Planung enthalten könnten, nach seiner Amtszeit mitgenommen und mittlerweile bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung eingelagert habe. Da das Kanzleramt trotz gesetzlicher Archivierungspflichten auf eine rechtliche Rückforderung verzichte, bleibe der Öffentlichkeit sowie Historikerinnen und Historikern die Einsicht in diese amtlichen Unterlagen verwehrt.

2. US-TikTok rückt zu Trump
(netzpolitik.org, Martin Schwarzbeck)
Um einem drohenden TikTok-Verbot in den USA zu entgehen, habe der chinesische Mutterkonzern ByteDance den Großteil seines US-Geschäfts an ein internationales Konsortium verkauft. Eine zentrale Rolle spiele dabei der IT-Konzern Oracle, dessen Gründer Larry Ellison als enger Vertrauter von Donald Trump gelte und der nun die technische Kontrolle über die Daten und Algorithmen habe. Damit verschiebe sich der Einfluss auf die Plattform lediglich von der chinesischen Regierung hin zum direkten Umfeld des US-Präsidenten.

3. Bildbasiert aber unsichtbar
(verfassungsblog.de, Theresia Crone)
Beim “Verfassungsblog” kritisiert die Juristin Theresia Crone, dass Opfer von künstlich generierten Nacktbildern (Deepfakes) derzeit kaum rechtlichen Schutz hätten, da die bestehenden Gesetze diese neue Form der digitalen Gewalt oft nicht erfassen würden. Crone fordert: “Angesichts der wachsenden Zahl von pornografischen Deepfakes muss der Gesetzgeber einen Umgang mit dieser Form digitaler Gewalt finden. Denn die Bilder und Videos verletzen die Intimsphäre der betroffenen Person bereits bei ihrer Herstellung.”

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4. Sandra Navidi: “Trump wird die USA an die Wand fahren”
(youtube.com, Zsolt Wilhelm, Video: 20:57 Minuten)
Wenn es um eine differenzierte Berichterstattung aus den USA geht, ist Sandra Navidi eine viel gefragte Expertin, zum Beispiel regelmäßig beim TV-Sender ntv. Im Gespräch mit dem “Standard” schildert die Juristin und Finanzexpertin, wie sich ihr einstiges Traumland von einem Ort der unbegrenzten Möglichkeiten zu einem gesellschaftlich gespaltenen Krisenherd gewandelt habe. Und sie analysiert, wie ein rücksichtsloser Sozialdarwinismus und der immense Einfluss von Tech-Milliardären unter Donald Trump die demokratischen Institutionen aushöhlen und das System destabilisieren würden.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 253
(netzwerkrecherche.org, Christian Esser & Greta Linde)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Christian Esser zu der unmittelbar bevorstehenden Fachkonferenz zur Verdachtsberichterstattung und der im Juni erfolgenden “Jubiläumskonferenz”. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. In memoriam Friedhelm Brebeck, Kriegsreporter
(ardaudiothek.de, Martin Durm, Audio: 23:47 Minuten)
Im Alter von 91 Jahren ist der profilierte Kriegsreporter Friedhelm Brebeck verstorben. Der Bayerische Rundfunk würdigt dessen Arbeit mit der Wiederholung eines Porträts von Martin Durm, der Brebeck im Ahrtal besuchte. Dort, wo der Journalist nach Jahren in Krisengebieten selbst eine Katastrophe überleben musste.

KW 04/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Müssen Korrespondenten in der Ukraine inzwischen darum kämpfen, im Nachrichtenchaos noch durchzudringen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 32:38 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit dem ARD-Korrespondenten Vassili Golod in Kiew: “Wie ist es inzwischen, aus dem Krieg in der Ukraine zu berichten? Und wie sehr müssen Reporter vor Ort um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit buhlen bei all den vielen Meldungen von Krisen in der ganzen Welt, die Tag für Tag kursieren?”

2. Das Ende der BILD-Zeitung
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 20:45 Minuten)
“Bild” bleibe laut Mats Schönauer trotz massiv sinkender Verkaufszahlen der gedruckten Zeitung durch ihre riesige Online-Präsenz weiterhin eines der mächtigsten und einflussreichsten Medien. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Schönauer, wie die “Bild”-Redaktion regelmäßig Falschmeldungen und Lügen verbreite, die Medien weltweit oft ungeprüft übernähmen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Medien, Macht und die Gewöhnung an Rechts!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt & Stefan Schulz, Video: 52:36 Minuten)
Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz analysieren bei “Die Neuen Zwanziger” anhand von Podcast-Ausschnitten, wie führende Medienvertreter Friedrich Merz trotz rassistischer Äußerungen und außenpolitischer Fehltritte verharmlosen und normalisieren würden. Dabei gehe es darum, das bürgerliche Lager zu schützen. Außerdem diskutieren die beiden über die Gefahr einer schleichenden Gewöhnung an rechtspopulistische Positionen. In manchen Fällen verlören Journalistinnen und Journalisten die kritische Distanz und würden selbst offensichtliche Lügen oder gefährliche politische Annäherungen an die AfD schönreden.

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4. Verdient das ZDF einen neuen Intendanten?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 23:34 Minuten)
Alexander Matzkeit thematisiert im Gespräch mit “FAZ”-Redakteur Michael Hanfeld die angestrebte Wiederwahl von ZDF-Intendant Norbert Himmler und die wachsende Kritik des Fernsehrats an Himmlers vager Haltung in Debatten.

5. Die Medienhölle – Episode #002
(youtube.com, Jörg Wagner, Video: 1:33:02 Stunden)
Jörg Wagner analysiert in seiner “Medienhölle” die manipulative Berichterstattung des Portals “Nius” über einen Auftritt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther in der Talksendung von Markus Lanz und diskutiert im Anschluss mit Stefan Ruß-Mohl über ein verengtes Meinungsspektrum im Journalismus. Zudem behandelt Wagner die Hintergründe zum linearen Ende des BR-Jugendsenders Puls. Und er führt ein Interview mit dem Wetterexperten Jörg Kachelmann, der erklärt, warum er sich als KI-Avatar klonen ließ.

6. Vom Luxus zum Spendenlink – wenn Mitleid zum Geschäftsmodell wird
(youtube.com, Sashka, Video: 16:32 Minuten)
YouTuberin Sashka kritisiert Influencerinnen und Influencer, die ihren luxuriösen Lebensstil offen zur Schau stellen (“flexen”), aber bei finanziellen Engpässen oder Steuerschulden sofort nach Mitleid bei ihren Fans suchen, um Spenden oder Verkäufe zu generieren. Anhand von Beispielen zeigt sie, dass oft schlechte Planung oder Unwissenheit über Steuerthemen der Grund für die Pleiten seien, diese Fehler aber emotionalisiert als Schicksalsschlag verkauft würden.

Nackter Kaiser, Von Menschen gemacht, Gefälschte Schneemassen

1. Kaiser Trump ist nackt
(derstandard.at, Olivera Stajić)
Olivera Stajić warnt in ihrer Kolumne davor, dass normale journalistische Arbeit bei Donald Trump gefährlich sei, weil das nachträgliche Ordnen seiner wirren Reden den US-Präsidenten vernünftiger wirken lasse, als er eigentlich sei. Trump verbreite am laufenden Band Lügen und beschimpfe Gegner, weshalb man sein Verhalten nicht wie normalen politischen Alltag behandeln dürfe. Stattdessen sollten Medien wie im Märchen “Des Kaisers neue Kleider” ganz offen aussprechen, dass der Präsident nicht normal handele, sondern gefährlich und unberechenbar sei.

2. “Wir verkaufen keine Informationen – wir sind Gastgeber von Gemeinschaften”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Im Interview mit dem “journalist” betont “Zeit”-Chefredakteur Jochen Wegner, dass in einer von Künstlicher Intelligenz geprägten Welt vor allem der “spürbar von Menschen gemachte” Journalismus sowie persönliche Formate wie Podcasts entscheidend seien, um das Vertrauen des Publikums zu sichern. Zwar setze auch Wegners Redaktion Technologie bereits intensiv zur Effizienzsteigerung ein, doch er stellt klar, dass KI den journalistischen Kern niemals ersetzen dürfe. Originäre Recherche und menschliche Einordnung würden unersetzbar bleiben.

3. Fakes in geordneten Bahnen
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka liege zwar wirklich viel Schnee, doch viele spektakuläre Bilder dazu im Internet seien per KI gefälscht und völlig übertrieben, schreibt Ann-Kathrin Leclère. Diese Fake-Fotos seien so beliebt, weil sie Emotionen wecken und ein friedliches Alltagsleben zeigen würden, das man sonst kaum aus Russland sehe.

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4. Haftbefehl-Doku und ARD-Korrespondentin von der Tann für Grimme-Fernsehpreis nominiert
(spiegel.de)
Das Grimme-Institut habe seine diesjährigen Nominierungen bekannt gegeben, zu denen unter anderem die Netflix-Dokumentation über Rapper Haftbefehl, die ARD-Journalistin Sophie von der Tann sowie der Comedian Till Reiners zählen würden. Die Geschäftsführung habe jedoch kritisiert, dass wichtige Aspekte wie eine “hochkarätige Auseinandersetzungen mit dem Thema Krieg”, der Klimakrise oder der aktuellen politischen Situation in den USA in den TV-Medien zu wenig Raum bekämen. Außerdem fehle es der Unterhaltungsbranche an Mut zu Innovationen. Insgesamt seien aus mehr als 750 Einreichungen 71 Produktionen und Einzelleistungen als Nominierte ausgewählt worden.

5. Preisverleihung: Kooperation mit Otto Brenner Stiftung
(netzwerkrecherche.org)
Nach einer einjährigen Pause schreibe die Otto Brenner Stiftung ihre Auszeichnungen für kritischen Journalismus wieder aus und prämiere dabei erstmals die beste lokale Recherche. Zudem stärke die Stiftung ihre Rechercheförderung, indem sie künftig vier statt drei Recherchestipendien vergebe und die finanziellen Mittel hierfür auf 24.000 Euro erhöhe. Die Preisverleihung finde im Rahmen einer neuen Kooperation mit dem Netzwerk Recherche (NR) am 11. Juni dieses Jahres in Hamburg als Auftakt zur dortigen NR-Jahreskonferenz statt.

6. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
“DWDL”-Autor Simon Pycha stellt in seinem “Trend-Ticker” diverse virale Social-Media-Trends der vergangenen Wochen vor, die von humorvollen Imitationen berühmter Stars als Eulen bis hin zu nostalgischen Rückblicken auf das Jahr 2016 reichen. Neben kreativen Reaktionen auf politische Debatten zur Zusammenlegung von Bundesländern thematisiert er auch solidarische Aktionen wie lilafarbene Profilbilder als Protest gegen Femizide. Gleichzeitig weist Pycha auf problematische Entwicklungen hin, darunter verbreitete Falschmeldungen über eine angebliche KiKa-Abschaltung sowie Vandalismus an Straßenschildern.

Richter-Rücktritt, Gemeinsamer KI-Kodex, Abzocke mit Stearinlicht

1. Ostdeutsche Allgemeine Zumutung
(campact.de, Matthias Meisner)
Der Verleger Holger Friedrich plane die Gründung der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung”. Laut Matthias Meisner würden Kritiker dies als Versuch werten, ein pro-russisches und demokratieskeptisches Leitmedium zu etablieren. Besonders die Einstellung des Journalisten Florian Warweg, der zuvor für “Russia Today” und die “NachDenkSeiten” tätig gewesen sei, bestätige laut Meisner die Befürchtung, dass das Blatt als Plattform für Kreml-Propaganda dienen könne.

2. Rücktritt nach taz-Recherche
(taz.de, Nadine Conti)
Gert Armin Neuhäuser, Präsident des Verwaltungsgerichts Osnabrück, sei als Vorsitzender des Verbandes der niedersächsischen Verwaltungsrichter und Verwaltungsrichterinnen zurückgetreten, nachdem er durch Recherchen der “taz” unter den Verdacht geraten sei, unter einem Pseudonym Hasskommentare gegen Frauen und queere Personen verfasst zu haben (BILDblog berichtete). Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg sowie die Staatsanwaltschaft Göttingen würden derzeit dienstrechtliche beziehungsweise strafrechtliche Konsequenzen prüfen. Das niedersächsische Justizministerium und die Universität Hannover, an der Neuhäuser als Honorarprofessor lehre, seien zwar entsetzt über die Inhalte, würden aber auf den noch fehlenden Beweis der Urheberschaft verweisen.

3. ARD, ZDF, Deutschlandradio und DW mit gemeinsamen KI-Kodex
(dwdl.de, Alexander Krei)
ARD, ZDF, Deutsche Welle und Deutschlandradio hätten sich auf gemeinsame Grundsätze für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz verständigt, um die Technologie im Einklang mit ihren Werten und dem öffentlich-rechtlichen Auftrag zu nutzen. Kern der Vereinbarung sei der Grundsatz, dass die publizistische Verantwortung stets beim Menschen verbleibe und KI-generierte Inhalte transparent gekennzeichnet werden müssten, um das Vertrauen des Publikums zu sichern.
Weiterer Lesetipp: Zwischen Leitlinien und Redaktionstisch: Verantwortungsvoller KI-Einsatz im Journalismus: “Das EU-Projekt PROMPT hat sich damit beschäftigt, wie Journalismus, Fact-Checking und KI verantwortungsvoll zusammenspielen können – und daraus konkrete Best-Practice-Guidelines entwickelt.”

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4. Femizid: So machen Medien Johanna G. ein zweites Mal zum Opfer
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi kritisiert die sensationslüsterne Berichterstattung über den Mord an Johanna G., bei der Boulevardmedien wie die “Kronen Zeitung” und “oe24” dem Opfer durch Schlagzeilen über angebliche “Tinder-Affären” und private Spekulationen eine Mitschuld zugeschrieben hätten. Zudem werde der mutmaßliche Täter, ein Polizist, durch die unkritische Übernahme seiner Verteidigungsstrategie (“Sex-Unfall”) sowie durch Bezeichnungen wie “Elite-Polizist” oder “Halbgott” als faszinierende Figur stilisiert und verharmlost.

5. Festnahme und Abschiebungsandrohung gegen den französischen Journalisten Raphaël Boukandoura alarmieren RSF
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt sich alarmiert über die Festnahme des französischen Journalisten Raphaël Boukandoura, der am 19. Januar in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen worden sei. Dem langjährigen Türkei-Korrespondenten drohe nun die Abschiebung, nachdem er über eine von den Behörden nicht genehmigte Demonstration berichten wollte. RSF verurteilt das Vorgehen gegen den akkreditierten Journalisten als willkürlichen Angriff auf die Pressefreiheit und fordert, das Unrecht umgehend zu korrigieren.

6. Wie Forum-User 9Live das Handwerk legten
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 17:12 Minuten)
Philipp Walulis blickt zurück auf die fragwürdigen Methoden des einstigen Fernsehsenders 9Live, der Zuschauerinnen und Zuschauer mit kaum lösbaren Rätseln und Tricks wie dem “Hot Button” systematisch abgezockt habe, um hohe Umsätze zu generieren. Er zeigt anhand eines konkreten Skandals, wie Redakteure sogar betrogen haben sollen, indem sie eine erratene Lösung (“Stearinlicht”) während der Livesendung heimlich gegen eine andere ausgetauscht hätten, um den eigentlich fälligen Gewinn nicht auszahlen zu müssen.

7. AI Slop statt Erinnerung: Wie KI den Holocaust verzerrt
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: “Mehr als 40 Holocaust‑Gedenkstätten warnen vor einer Flut täuschend echter KI‑Bilder zur NS‑Zeit. Lorenz Meyer erklärt in seinem Kommentar, wie ‘AI‑Slop’ historische Fakten verzerrt, Erinnerungskultur beschädigt und warum Social‑Media‑Plattformen dringend handeln müssen.”

Ein Jahr Trump, Springer braucht Schutzkodex, “Wetten, dass..?”

1. Ein Jahr Trump: Chronologie der Angriffe auf die Presse
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich des ersten Jahrestages von Donald Trumps zweitem Amtsantritt hat Reporter ohne Grenzen eine detaillierte Chronologie veröffentlicht, die die systematischen Angriffe der US-Regierung auf die Pressefreiheit im vergangenen Jahr dokumentiert. Die Organisation verurteilt darin scharf Maßnahmen wie Finanzkürzungen bei Sendern, den Ausschluss kritischer Medien und insbesondere die jüngste FBI-Durchsuchung bei einer Reporterin der “Washington Post”.
Weiterer Lesetipp: In der “taz” zieht die Autorin Annika Brockschmidt Bilanz: “Ihr könnt uns nicht alle töten!” (taz.de)

2. “Die Rolle der konfrontativen Marktschreierin würde mir niemand abkaufen”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Gespräch mit Jan Freitag zieht Caren Miosga nach zwei Jahren als Gastgeberin des ARD-Sonntagstalks Bilanz. Sie erläutert ihren Umgang mit der AfD als größter Oppositionspartei und betont, dass sie Polarisierung vermeiden wolle, indem sie auf Grautöne setze, statt die Rolle einer “konfrontativen Marktschreierin” einzunehmen. Lesenswert, auch weil Freitag die richtigen, kritischen Rückfragen stellt.

3. Springer braucht Schutzkodex
(verdi.de, Danica Bensmail)
Anlässlich des Rücktritts von “Welt”-Chefredakteur Jan Philipp Burgard, offiziell wegen gesundheitlicher Gründe, bei dem Recherchen allerdings ein mögliches Fehlverhalten nahelegen würden, fordert die dju-Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail einen verbindlichen Schutzkodex für den Axel-Springer-Verlag. Bensmail kritisiert, dass der bloße Funktionsverlust bei weiterbestehender Betriebszugehörigkeit keine transparente Verantwortungsübernahme darstelle. Außerdem fehle es an neutralen Anlaufstellen, um die Unternehmenskultur nachhaltig zu ändern. Erst der Beitritt zu einem externen Schutzkodex mit unabhängigen Verfahren böte echten Schutz für Betroffene.

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4. Übermedien wirkt!
(uebermedien.de)
Die “Übermedien”-Redaktion legt dar, dass ihre Arbeit oft direkte Konsequenzen habe und Medien dazu bringe, Fehler zu korrigieren oder journalistische Standards zu überdenken. Recherchen aus den vergangenen zehn Jahren hätten wiederholt gravierende Fehltritte aufgedeckt, die in mehreren Fällen zu personellen Konsequenzen bis hin zu Entlassungen geführt hätten. Sender wie die ARD oder der Bayerische Rundfunk hätten auf die Kritik reagiert, indem sie fragwürdige Werbepraktiken gestoppt oder die Zusammenarbeit mit umstrittenen Protagonisten beendet hätten.

5. Wie Medienmarken mit Kurzvideos (kein) Geld verdienen
(dwdl.de, Simon Pycha)
Journalistische Unternehmen könnten im Gegensatz zu einzelnen Creatorn ihre Kurzvideos auf Plattformen wie TikTok kaum direkt monetarisieren, weshalb diese Kanäle oft reine Zuschussgeschäfte bleiben würden. Branchenvertreter würden bessere Schnittstellen zu den eigenen Paid-Content-Angeboten fordern. Aufwendig produzierte, als Werbung gekennzeichnete Reportagen seien laut “DWDL”-Autor Simon Pycha derzeit einer der wenigen funktionierenden Wege zur Refinanzierung.

6. Bill und Tom Kaulitz übernehmen “Wetten, dass …?”: Junge Gesichter für eine alte Idee
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Medienberichten zufolge sollen die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz die Moderation von “Wetten, dass..?” übernehmen. Es handele sich um den strategischen Versuch des ZDF, das überalterte Publikum zu verjüngen. Joachim Huber zieht im “Tagesspiegel” Parallelen zwischen dem einstigen “Paradiesvogel” Thomas Gottschalk und den heute 36-jährigen Brüdern, deren aktueller Erfolg sowie Toms Ehe mit Heidi Klum internationale Prominenz versprächen. Allerdings ist Huber skeptisch, ob die selbstdarstellerischen Entertainer die nötige dienende Rolle einnehmen können, um Gäste und Wettkandidaten glänzen zu lassen.

Weihnachtsfeier mit Folgen?, Propagandaradio, Welt­wissen

1. Eine Firmen-Weihnachtsfeier – und der Abgang eines Chefredakteurs
(correctiv.org, Anette Dowideit)
Der Chefredakteur der “Welt”-Gruppe, Jan Philipp Burgard, sei offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, doch Recherchen würden einen Zusammenhang mit einer internen Untersuchung zu seinem Verhalten auf einer Weihnachtsfeier nahelegen, bei der er einer Mitarbeiterin unangemessen nahegekommen sein soll. Anette Dowideit schreibt: “Bei Burgard gibt es eine Vorgeschichte, CORRECTIV hatte im November 2024 darüber berichtet: Bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem WDR, war der Journalist von seinem Posten als stellvertretender Studioleiter in Washington degradiert worden, als herauskam, dass er einer jungen Journalistin gegenüber gegen deren Willen sexuell übergriffig geworden sein soll.” Laut Medienberichten (zum Beispiel Deutschlandfunk) wehre sich Burgard gegen entsprechende Presseberichte, sein Anwalt spreche von einer Verleumdungskampagne.

2. Propagandaradio für Patrioten
(taz.de, Florian Bayer)
Mit dem Start des 24-Stunden-Radiosenders “Austria First” baue die FPÖ ihr Medienuniversum in Österreich weiter aus. So könne die Partei ihre politischen Inhalte “ungefiltert” und unter Umgehung klassischer Medien direkt verbreiten. Florian Bayer kritisiert in seinem Kommentar das Projekt als Propaganda, die sich als Journalismus tarne. Unter der Leitung des umstrittenen Publizisten Werner Reichel werde gegen “Systemmedien” gehetzt, während journalistische Standards wie ein Impressum in der App fehlen würden. Diese Entwicklung füge sich in eine “Renaissance der Parteimedien” in Österreich ein.

3. MDR-Team bei Pro-Palästina-Demo in Leipzig angegriffen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks sei am Samstag am Rande einer propalästinensischen Demonstration in Leipzig körperlich angegriffen worden. Nachdem zwei Personen die Journalisten bedrängt hätten, sei die Situation eskaliert. Die Polizei sei daraufhin eingeschritten, habe die Personalien der Beteiligten aufgenommen und dem Fernsehteam anschließend Begleitschutz gewährt.

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4. Verlegerin Goetz-Weimer wehrt sich: “Der Ludwig-Erhard-Gipfel ist nicht gefährdet”
(kress.de)
Verlegerin Christiane Goetz-Weimer verteidige den “Ludwig-Erhard-Gipfel” gegen Vorwürfe der Käuflichkeit und sehe die Veranstaltung trotz zahlreicher Absagen prominenter Politiker wie Markus Söder nicht in ihrer Existenz gefährdet. Zudem weise sie Berichte über verkauften Zugang zu Entscheidungsträgern kategorisch zurück. Die Ursache der Kritik sei eine “gezielten Diffamierung” durch die AfD, die sich gegen ihren Mann, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, richte.

5. Finger weg von Bildgeneratoren
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck rät Redaktionen dringend von der Nutzung von KI-Bildgeneratoren ab, da deren künstliche Ästhetik oft unseriös wirke und das Vertrauen der Leserschaft beschädigen könne. Er warnt vor einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen Tech-Konzernen, die durch die Zentralisierung der KI-Infrastruktur eine enorme Machtposition aufbauen und Urheberrechte missachten würden. Zudem thematisiert Meineck die hohen unsichtbaren Kosten der Technologie, darunter der enorme Energieverbrauch und die Ausbeutung von Arbeitskräften im Globalen Süden.

6. Welt­wissen aus der Gerichts­bi­b­lio­thek
(lto.de, Martin Rath)
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Wikipedia blickt Martin Rath zurück auf eine Zeit, in der Gerichte das Konversationslexikon “Brockhaus” als belastbare Quelle für Definitionen und Allgemeinwissen nutzten. Anhand historischer Urteile zeigt er, wie Richter den Brockhaus konsultierten, um etwa Sonnenaufgangszeiten für Tatort-Rekonstruktionen zu ermitteln oder steuerrechtliche Begriffe wie “Müllabfuhr” und “Schrott” zu klären.

Richter als Hasskommentierer?, Presserat-Rüge, Social-Media-Verbot

1. Anonym verurteilt
(taz.de, Laurenz Schreiner)
Die “taz” berichtet, dass Indizien darauf hindeuten würden, dass ein hochrangiger Richter hinter einem Account stecken könnte, der seit Jahren Frauen und queere Menschen im Internet mit Hasskommentaren überziehe. Laurenz Schreiner ist der Sache in einer lesenswerten Recherche nachgegangen. Er habe dazu auch die betreffende Person angefragt, die davon nichts wissen wolle. Eine Folge habe es dennoch gegeben: “Nach Eingang der taz-Anfrage an Neuhäuser wurden zahlreiche der beanstandeten Kommentare des Accounts gelöscht. Der Anwalt weist darauf hin, dass daraus keine Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers gezogen werden dürften.”

2. Presserat-Rüge: Irreführende Berichterstattung der WELT über NGOs
(lobbycontrol.de, Christina Deckwirth & Nina Katzemich)
Der Deutsche Presserat habe die “Welt” wegen einer irreführenden Artikelserie über Nichtregierungsorganisationen öffentlich gerügt. Die Redaktion habe fälschlicherweise behauptet, dass Umweltverbände durch geheime Verträge von der EU-Kommission für Lobbyarbeit bezahlt würden. LobbyControl begrüßt diese Entscheidung des Presserats als wichtiges Signal gegen gezielte Diffamierungskampagnen und für die Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflichten.

3. Putins tote Soldaten: Reporter enthüllen die Bilanz des Krieges
(ndr.de, Roman Schell, Video: 15:38 Minuten)
“Zapp”-Reporter Roman Schell geht der Frage nach, wie hoch die russischen Verluste im Krieg gegen die Ukraine tatsächlich sind, und wie Medienschaffende für Transparenz sorgen. Da der Kreml die offiziellen Zahlen geheim halte, würden Journalistinnen und Journalisten versuchen, die Daten selbst zu rekonstruieren. Sie würden dafür öffentlich zugängliche Quellen wie lokale Todesanzeigen, Nachrufe und Beiträge in Sozialen Medien nutzen. Diese Arbeit sei für sie sehr gefährlich, da sie dadurch in Russland als “Auslandsagenten” gälten und meist aus dem Exil operieren müssten.

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4. Social-Media-Verbot ist nicht die beste Lösung
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine Umfrage unter 875 Eltern und Kindern habe ergeben, dass eine Mehrheit Soziale Medien lieber einschränken als komplett verbieten wolle. Zwar fänden viele Eltern ein gesetzliches Verbot für Personen unter 16-Jahren prinzipiell gut, allerdings lehne der Nachwuchs dies mehrheitlich ab. Die beliebteste Lösung sei für beide Gruppen daher nicht ein Komplettverbot, sondern eine technische Einschränkung von Funktionen. Einig seien sich fast alle Befragten, dass der Staat hier nicht allein entscheiden solle, sondern die Eltern weiterhin die Hauptverantwortung tragen müssten.
Weiterer Lesetipp: Fast fünf Millionen Konten von australischen Jugendlichen im ersten Monat gesperrt: “Seit Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greifen TikTok, Instagram und andere Techkonzerne hart durch: Innerhalb eines Monats wurden 4,7 Millionen Jugendkonten gesperrt – weit mehr als zuvor erwartet.” (spiegel.de)

5. Algo­rithmen regu­lieren statt Mei­nungen bestrafen
(lto.de, Carl Christian Müller)
Rechtsanwalt Carl Christian Müller argumentiert in seinem Gastbeitrag für “Legal Tribune Online”, dass die Debatte um Daniel Günthers missverstandenes “Ja” in der Talksendung von Markus Lanz den Blick auf die eigentlich relevanten rechtlichen Instrumente verstelle. Zivilrechtliche Schritte gegen bewusste Falschbehauptungen sogenannter alternativer Medien seien keineswegs Zensur, sondern rechtsstaatliche Normalität und für demokratische Institutionen sogar geboten. Die massenhafte strafrechtliche Verfolgung einzelner Social-Media-Posts sieht Müller hingegen kritisch. Diese wirke oft unverhältnismäßig und verstärke ungewollt Opfernarrative.

6. Mutter von Elon Musks Kind verklagt seine Firma wegen gefälschter Nacktbilder
(spiegel.de)
Die Autorin Ashley St. Clair, Mutter eines Kindes von Elon Musk, verklage dessen Unternehmen xAI, weil das KI-Tool “Grok” ohne Zustimmung sexuelle Deepfakes von ihr erstellt und auf der Plattform X veröffentlicht habe, teilweise auf Basis von Kinderfotos. Nachdem St. Clair diesen Missbrauch öffentlich kritisiert hatte, soll X als Vergeltungsmaßnahme ihren Premium-Status entzogen und ihr Konto demonetarisiert haben.

KW 03/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

1. Wer in den Medien zu Wort kommt
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 34:18 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, welche Personen und Gruppen von Menschen in Medien zu Wort kommen. Deutschlandfunk-Hörer Hans Pfleiderer diskutiert darüber mit Anna Mayr von der “Zeit” und Journalismus-Professorin Annika Sehl.

2. Wieso ist Medienkritik nicht nur was für Nerds, sondern wichtig für alle?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 38:59 Minuten)
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens von “Übermedien” blicken Redakteurin Annika Schneider und Gründer Boris Rosenkranz gemeinsam mit Holger Klein auf die Entwicklung des Magazins zurück. Dabei steht das unabhängige Geschäftsmodell im Fokus, das komplett auf Werbung und externe Fördergelder verzichte und stattdessen rein von der Community getragen werde. Die Leserschaft fungiere aber nicht nur als Finanzier, sondern liefere auch essenzielle Hinweise für die redaktionelle Arbeit.

3. Mediale Taktgeber: Die Welt der Nachrichtenagenturen
(youtube.com, Markus Wolsiffer & Tanjev Schultz, Video: 47:18 Minuten)
Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz sprechen in “Die Medienversteher” über die zentrale Rolle von Nachrichtenagenturen, die oft als unsichtbares Fundament des modernen Journalismus fungieren würden. Sie heben besonders die Unabhängigkeit der dpa hervor, die im Gegensatz zu staatlichen Agenturen ausschließlich den beteiligten Medienunternehmen gehöre. Trotz des Wandels durch Künstliche Intelligenz würden Agenturen unverzichtbar bleiben, um in der Informationsflut Verlässlichkeit zu garantieren.

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4. Mehr als nur Technik – Innovation in den Medien
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 32:19 Minuten)
In der mittlerweile 301. Folge seines Podcasts “Satzzeichen” diskutiert Christian Jakubetz mit Anja Noster von der Hamburg Media School über den Innovationsbegriff in der Medienbranche. Am Beispiel des WPK Innovationsfonds und der Arbeitsweise von Content Creatorn erörtern sie, wie “pragmatischer Optimismus” und die Stärkung von Personenmarken zu zukunftsfähigen Entwicklungen beitragen.

5. Wer wann wie sprach und spricht
(deutschlandfunknova.de, Simon Kasper, Audio: 48:12 Minuten)
In seinem Vortrag beschreibt der Sprachwissenschaftler Simon Kasper einen starken Wandel der deutschen Sprache: Früher hätten vor allem regionale Dialekte bestimmt, wie Menschen sprechen. In den vergangenen 60 Jahren habe sich das jedoch grundlegend geändert. Durch mehr Mobilität und neue Medien seien die regionalen Unterschiede immer weiter zurückgegangen. Heute würden vor allem soziale Faktoren über unsere Sprache entscheiden.

6. Sandmännchen forever – Karriere einer Kultfigur
(ardmediathek.de, Sebastian Dehnhardt, Video: 1:09:28 Stunden)
Der Bayerische Rundfunk hat die Karriere einer Kultfigur nachgezeichnet: “Prominente und Wissenschaftler, Ostdeutsche und Westdeutsche, Kinder von einst und Eltern von heute: Sie alle tragen dasselbe Leuchten in den Augen, wenn sie vom Sandmännchen erzählen. Gemeinsam mit ihnen taucht die Dokumentation in das Leben und die Geschichte der Fernsehikone ein.”

Vertrauter als Treuhänder, Ausblick aufs Medienjahr, Keine Abschreckung

1. Wolfram Weimer setzt engen Vertrauten als Treuhänder ein
(handelsblatt.com, Martin Greive & Thomas Sigmund)
Wie das “Handelsblatt” berichtet, habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer seine Anteile an der Weimer Media Group ausgerechnet an einen leitenden Angestellten des eigenen Unternehmens treuhänderisch übertragen. Kritiker wie Lobbycontrol würden diesen Schritt als bloße Augenwischerei werten, da der Treuhänder weisungsgebunden und wirtschaftlich abhängig sei. Weimers Interessenkonflikt zwischen Amt und Geschäft werde damit keineswegs gelöst. Als Reaktion auf die anhaltende Debatte um angeblich käuflichen Regierungszugang hätten mittlerweile sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als auch mehrere Bundesminister ihre Teilnahme am kommenden “Ludwig-Erhard-Gipfel” abgesagt.

2. Keine Abschreckung gegen Donald Trump
(taz.de, Christian Rath)
Christian Rath befasst sich mit dem neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung gegen sogenannte SLAPP-Klagen. Zwar solle das geplante Gesetz, das eine EU-Richtlinie für grenzüberschreitende Fälle umsetze, Gerichte ermächtigen, missbräuchliche Klagen, schneller zu identifizieren und zu sanktionieren, die tatsächliche abschreckende Wirkung bleibe jedoch zweifelhaft. Sinnvoller als die eher symbolischen gesetzlichen Hürden seien prozessuale Beschleunigungen. Den besten Schutz für betroffene Medien biete aber weiterhin die offensive Mobilisierung der eigenen Öffentlichkeit gegen den Angreifer.

3. X will Chatbot Grok an Erstellen von KI-Nacktbildern hindern
(spiegel.de)
Nach heftiger internationaler Kritik habe Elon Musks Firma xAI neue technologische Hürden für den Chatbot Grok eingezogen, um die Erstellung sexualisierter KI-Bilder zu unterbinden. Der US-Bundesstaat Kalifornien habe bereits Ermittlungen wegen der Verbreitung nicht einvernehmlicher expliziter Inhalte eingeleitet. Die EU-Kommission habe angekündigt, die Wirksamkeit der Maßnahmen genau zu prüfen und notfalls das volle Arsenal des Digital Services Act einzusetzen.

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4. Reuters Institute: Ausblick auf das Medienjahr 2026
(medientage.de, Petra Schwegler)
Wie eine aktuelle Studie des Reuters Institute zeige, würden viele Medienmanagerinnen und -manager zwar skeptisch auf die Zukunft des Journalismus blicken, aber mehrheitlich zuversichtlich auf ihre eigenen Unternehmen. Um in Zeiten sinkender Suchmaschinen-Reichweiten und mächtiger KI-Plattformen bestehen zu können, würden Verlage verstärkt auf Automatisierung, Videoformate und die Zusammenarbeit mit Influencern setzen. Zudem würden viele Häuser auf Einnahmen durch Lizenzdeals mit KI-Firmen hoffen.

5. Misstrauen abbauen und selbst machen
(verdi.de, Claudia Krieg)
Unter Anleitung der Journalistin Janett Vogelsberg erarbeiten im sächsischen Zwenkau derzeit sieben Bürgerinnen und Bürger eigene journalistische Beiträge, um im Rahmen des Projekts “Bürger machen Journalismus” das journalistische Handwerk praktisch zu erlernen. Projektleiterin Judith Kretzschmar von der Universität Leipzig habe trotz des gelungenen Auftakts eingeräumt, dass die Gewinnung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern generell schwierig sei. Hintergrund des Vorhabens sei eine Studie über das wachsende Misstrauen gegenüber Medien.

6. Ein anderes Internet ist möglich
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Anlässlich des 25. Geburtstags der Wikipedia würdigt Markus Reuter die Online-Enzyklopädie als unverzichtbaren Gegenentwurf zum kommerziellen Internet. Gerade weil das Projekt auf faktenbasiertem Gemeinwohl fuße, sei es autoritären Akteuren wie Elon Musk heute ein Dorn im Auge. Neben der politischen Relevanz hebt Reuter den spielerischen Wert des “Wikipedia-Tauchens” hervor, bei dem man sich stundenlang in den endlosen Verknüpfungen des Wissens verlieren könne.

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BILDblog-Klassiker

neu  

Von Katzen und dummen Menschen

Gestern berichtete “Bild”:

… und okay-okay, im letzten Absatz, ganz am Ende ihrer Berichterstattung hat “Bild” im Vornamen der darin zitierten Tierschützerin “Annelise Krauß” ein “e” vergessen. Aber selbst Anneliese Krauß findet das nicht so schlimm. Allerdings steht ihr Name natürlich nicht nur zum Spaß in “Bild”. Zitiert wird sie dort – und zwar wie folgt:

‘Das ist so schlimm wie grausame Tierversuche’, wettert Annelise Krauß vom Tierschutzverein Dresden.”

Und das sei nun wirklich “Quatsch”, sagt Krauß, wenn man sie fragt. Weil sie nämlich den von “Bild” zitierten Satz weder gewettert noch gesagt habe. Im Gegenteil: “Das wäre ja auch idiotisch,” sagt Krauß, “denn wenn es um tote Tiere geht, dann ist das ja kein Problem des Tierschutzes!” Zusammenfassend sagt uns die Tierschützerin über die Erfindung von Christian Koch (der laut “Bild” ja “aus Katzen Benzin machen” kann):

“Von unserer Seite ist daran nichts auszusetzen.”

Und genau so habe sie das im Übrigen auch zu “Bild” gesagt. (Aber, so Krauß weiter, wenn “der Herr Helfricht”, also einer der Autoren des “Bild”-Artikels, sie anrufe, dann wisse sie schon aus Erfahrung, dass hinterher Sachen in “Bild” stünden, die sie so gar nicht gesagt habe. Das gehe in Dresden schließlich schon über zehn Jahre so, so Krauß. — Und soviel vielleicht nur zum letzten Absatz des obigen Artikels.)

Kommen wir zum Rest, dem Eigentlichen, also darum, dass “Dr. Christian Koch (55) aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen)”, wie es in “Bild” heißt, “aus Katzen Benzin machen” könne: Denn dass die “Benzin”-Überschrift Unsinn ist, verrät schließlich schon der dazugehörige “Bild”-Text selbst, weil darin nur von “Bio-Diesel” oder “Diesel” die Rede ist… Tatsächlich aber hat Koch offenbar eine ungewöhnliche und effektive Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung entwickelt: die katalytische drucklose Verölung (KDV), über die beispielsweise schon der MDR im Mai 2003, 3sat im Juli 2004, die “Welt” im Januar 2005, die “Pirmasenser Zeitung” im Juli, der RBB vergangene Woche oder auch RTL berichteten. Und all diesen Berichten ist eines gemein: dass sie dem Gegenstand, über den sie (durchaus auch kritisch) berichten, gerecht werden.

“Bild” indes nennt Kochs Erfindung einen “Spezialreaktor” und schreibt Sätze wie diesen:

“Die Katzen-Kraft lässt sich theoretisch exakt berechnen: Aus einem ausgewachsenen 13-Pfund-Kater könnten 2,5 Liter Sprit entstehen, vier Miezen würden für 100 Kilometer reichen, für eine Tankfüllung wären 20 tote Katzen erforderlich.”

Und fragt man einfach mal nach bei dem “Mann, der (Stuben-)Tiger in den Tank packen kann” (“Bild”), antwortet Christian Koch, der “Bild”-Bericht habe “nichts mit der Wahrheit zu tun” und sei “zudem grenzenlos dumm”. Koch weiter:

“Wie kann man mit gekochtem tierischen Material Auto fahren? Wasser würde jeden Motor sofort zum Stillstand bringen. Hier wird an die niedrigsten Instinkte von dummen Menschen appelliert, um eine wertvolle Entwicklung zu verunglimpfen. (…) Mir zu unterstellen, dass ich mit Tierkadavern herumhantiere, ist kriminell. Das ist nicht im geringsten der Inhalt der Entwicklung und kann deshalb nur als gezielte Verleumdung angesehen werden.”

Auf der Website von Kochs Firma heißt es zudem inzwischen:

Mit Dank an Jan S. für die Anregung.
 
Nachtrag, 12:15:
“Bild” hat die Sache mit der “Katzen-Kraft” heute noch einmal aufgegriffen:

Darf man aus Katzen wirklich Benzin machen?

Doch wenn es jetzt etwas vorsichtiger als gestern heißt, dass Christian Koch “theoretisch auch aus Katzen” Bio-Diesel herstellen “könnte”, wenn jetzt nicht Koch, sondern ein Konkurrent die gestern von “Bild” aus der Luft gegriffene Skandalisierung zurechtrücken darf, wenn nun auch die gelassene Position der Tierschützer weniger sinnenstellend als gestern wiedergegeben wird und sich im heutigen “Bild”-Bericht immerhin ein einziger halbwegs sinnvoller Satz (“Die Diskussion ist überflüssig”) wiederfindet, dann macht das alles den Nonsens von gestern weder ungeschehen noch besser — und sei es nur deshalb, weil es “Bild” offenbar immer noch nicht gelingen will, zwischen “Benzin” (Überschrift) und “Diesel” (Text) zu unterscheiden…

Mehr dazu hier und hier.