Scheuers Spielchen, Dubiose Internet-Gurus, Welterklärer

1. Scheuers Spielchen mit den Medien
(tagesschau.de, Martin Kaul & Antonius Kempmann)
Dass Ministerien und Behörden zur Presse manchmal nicht das beste Verhältnis haben, ist bekannt. Ein interessantes Beispiel liefert derzeit das Ministerium von Andreas Scheuer. Interne Mails aus dem Bundesverkehrsministerium würden zeigen, wie man dort versucht habe, kritische Berichterstattung zu erschweren. Einige dem WDR und NDR vorliegende Dokumente würden gar dokumentieren, „wie der Minister Anweisung gab, die Arbeit eines ‚Spiegel‘-Journalisten bei der Aufarbeitung der Maut-Affäre zu konterkarieren“.
Weiterer Lesetipp: Daniel Bouhs kommentiert: Scheuers PR-Tricks werden Folgen haben! (ndr.de).

2. Dubiose Internet-Gurus: Wenn 14-Jährige das große Geld versprechen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
In den Sozialen Netzwerken tummeln sich unzählige Online-Coaches, die den gutgläubigen Interessentinnen und Interessenten Reichtum, Erfolg und ein sorgloses Leben versprechen. Oft mit allerlei Tricks: Da wird geschwindelt, getäuscht und manipuliert. Da verspricht dann schon einmal ein 14-Jähriger seinen potenziellen Kunden und Kundinnen den lang ersehnten „Ausbruch aus dem Hamsterrad“. Matthias Schwarzer hat sich einige der Online-Gurus und deren fragwürdige Coachingangebote angeschaut.

3. Mehrere dicke Enden auf einmal
(taz.de, Erica Zingher)
Mit dem Popmagazin „Spex“ und dem Berliner Stadtmagazin „Zitty“ werden gleich zwei jahrzehntelang existierende Projekte eingestellt. Der Grund für das zweifache Aus sollen die coronabedingt fehlenden Werbeeinnahmen gewesen sein, doch ist das die einzige Wahrheit? Erica Zingher wirft einen Blick in die Vergangenheit und geht der Frage nach, ob es schon zuvor Anzeichen für das nahende Ableben beider Magazine gegeben hat.

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4. „Die Hautfarbe war nie ein Hinderungsgrund“
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Der Musiksender Viva ist auch heute noch ein positives Beispiel für Diversität in den Medien. Kathleen Hildebrand hat sich mit dem früheren Viva-Chef Dieter Gorny über das Musikfernsehen von damals unterhalten und ihm die Frage gestellt, warum das deutsche Fernsehen heute so gleichförmig aussehe: „Es hat, was Diversität, aber auch was Innovation angeht, eine jahrzehntelange Minus-Entwicklung gegeben. Es gibt eine Kluft zwischen Fernsehen und Popkultur. Das normale Mainstream-Fernsehen begreift sich eher nicht als Trendscout und produziert für eine Gesellschaftsstruktur, die es so eigentlich immer weniger gibt.“

5. Thomas Fischer erklärt die Welt
(lto.de, Pia Lorenz)
Es gibt bereits einige beliebte Podcasts zu Rechtsfragen, doch der allergrößten Beliebtheit erfreuen sich True-Crime-Formate. Im SWR2-Podcast „Sprechen wir über Mord?!“ erklärt der bekannte Kolumnist und Ex-Bundesrichter Thomas Fischer seinen Mit-Podcastenden Viktoria Merkulova und Holger Schmidt seine Sicht auf einen konkreten Fall beziehungsweise darauf, was bei diesem Fall das tatsächliche Problem sei. „Ein echtes Hörvergnügen für alle, die True Crime und Strafrecht lieben“, findet Pia Lorenz in ihrer Rezension.

6. Über eine Million US-Dollar pro Post trotz Corona: Das ist die „Instagram Rich List 2020“
(omr.com, Torben Lux)
OMR hat sich die aktuelle „Instagram Rich List“ angeschaut, die wiedergibt, welcher Star am meisten für einen (werblichen) Instagram-Post kassiert. Auch wenn die Liste wegen ihrer vielfach nur geschätzten Zahlen mit Vorsicht zu genießen sei, gebe sie einige aufschlussreiche Hinweise. Angeführt wird die Tabelle vom Schauspieler und ehemaligen Wrestler Dwayne „The Rock“ Johnson, der für einen Werbe-Post rund eine Million Dollar aufrufen könne.

Geldsegen für Verlage, Nazi-Tattoo, Upskirting und Unfallfotos

1. Verlage bekommen 200 Millionen Euro Fördergelder
(wuv.de, dpa)
Die Große Koalition will die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in den nächsten Jahren mit maximal 220 Millionen Euro fördern. Das gehe aus einem Entwurf der Fraktionen für den zweiten Nachtragshaushalt 2020 hervor, der dieser Tage beschlossen worden ist. Hintergrund sei die „Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens zur Förderung des Absatzes und der Verbreitung von Abonnementzeitungen, -zeitschriften und Anzeigenblättern“. Die für dieses Jahr ursprünglich geplanten Förderung der Zeitungszustellung mit 40 Millionen Euro solle es stattdessen doch nicht geben.
Weiterer Lesehinweis: ver.di fordert „klare Kriterien und Bedingungen für die Verteilung der am 2. Juli vom Deutschen Bundestag beschlossenen staatlichen Fördergelder für Verlage in Höhe von 220 Millionen Euro. ‚Wer von öffentlichen Geldern profitieren will, der muss auch die Einhaltung tariflicher Standards, gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Vergütung nachweisen‘, verlangte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz.“ – Geldsegen für Verlage nicht bedingungslos (verdi.de).

2. WDR zeigt Urlauber mit Nazi-Tattoo
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Ein WDR-Team ist nach Mallorca geflogen, um sich anzuschauen, unter welchen Bedingungen deutsche Durchschnitts-Touristinnen und -Touristen dort derzeit urlauben. Natürlich musste auch ein Interview vom Ballermann dabei sein, und an dieser Stelle beginnt das Problem: Ein interviewter deutscher Tourist trug deutlich sichtbar Tätowierungen aus dem rechtsextremen Umfeld – darunter ein Symbol, dessen Verwendung teilweise strafbar sei. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland hat beim WDR nachgefragt, wie es dazu kommen konnte.

3. Helden der Informationsfreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen hat eine Liste der „Heldinnen und Helden der Informationsfreiheit“ (PDF, englisch) veröffentlicht. Dort werden Medienschaffende gewürdigt, die sich in der Corona-Krise in besonderem Maß für freie Berichterstattung eingesetzt haben. Die Liste umfasse exemplarisch 30 Journalistinnen, Whistleblower, Medien und Vereinigungen, die mit besonderem Mut und Hartnäckigkeit über die Pandemie berichtet hätten.

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4. Wo Ziesel wetzen und Vögel fischen
(faz.net, Kai Spanke)
„FAZ“-Redakteur Kai Spanke hat in die gestern ausgestrahlte Arte-Naturreportage „Die Moldau – Der goldene Fluss“ reingeschaut und war wenig begeistert. Als störend empfand Spanke die geringe Sorgfalt beim Umgang mit dem Material und die offensichtlichen Schummeleien: „Hat wirklich ein Adler den Fisch fallen gelassen oder ein Mitglied des Filmteams? Wie viel Zeit verging zwischen den einzelnen Teilen der Sequenz? Ist sie überhaupt an der Moldau gedreht worden? Gerade mal die Hälfte der Dokumentation haben wir zu diesem Zeitpunkt geschafft, ihre Glaubwürdigkeit ist jedoch schon verloren.“

5. Bundestag stellt Upskirting und Unfallfotos unter Strafe
(spiegel.de)
Der Bundestag hat eine Gesetzesverschärfung verabschiedet, die das sogenannte Upskirting unter Strafe stellt. Darunter versteht man heimliche Fotos unter den Rock oder in den Ausschnitt. Auch das Fotografieren und Filmen von Unfalltoten ist nun verboten – die bisherigen Regeln bezogen sich nur auf lebende Unfallopfer. Zudem habe der Bundestag nach jahrelangen Diskussionen die Werbung fürs Rauchen beziehungsweise für Tabakprodukte weiter eingeschränkt.

6. Offen­sicht­liche Wer­bung muss nicht gekenn­zeichnet werden
(lto.de)
Die Rechtsprechung zur Kennzeichnung von Influencer-Werbung ist an deutschen Gerichten nicht einheitlich. Dies mag daran liegen, dass die Materie neu und die Lage nicht immer eindeutig ist. In einem aktuellen Urteil habe das Oberlandesgericht Hamburg entschieden, dass offen­sicht­liche Wer­bung nicht unbedingt und in jedem Fall gekennzeichnet werden müsse. Anlass war eine Instagrammerin mit 1,7 Millionen Followerinnen und Followern, die verschiedene Anpreise-Posts nicht als Werbung gekennzeichnet hatte und deswegen von einem Wettbewerbsverband abgemahnt worden war.

Unbekannter Pionier, „Coolibri“ vor dem Aus, Google und die Verleger

1. „Sind die Bilder erst einmal im Netz, ist alles zu spät“
(zeit.de, Lisa Hegemann)
(Triggerwarnung: Kindesmissbrauch) Familienrechtler Rudolf von Bracken vertritt seit mehr als drei Jahrzehnten Betroffene von Kindesmissbrauch vor Gericht. Im Gespräch mit „Zeit Online“ erklärt er, wie Betroffene Missbrauchsabbildungen aus dem Internet bekommen (gar nicht), warum es für die Bekämpfung von dokumentiertem Kindesmissbrauch keine Vorratsdatenspeicherung braucht, und warum er sowohl auf den Staat als auch auf die Gesellschaft wütend ist: „Weil der Missbrauch unter den schlafenden Augen des Staates passiert. Weil die Gesellschaft all das weiß oder zumindest ahnt. Aber sie guckt einfach weg, und das schon immer.“

2. Paywall: „Tagesspiegel“ führt neues Bezahlangebot ein
(dwdl.de, Alexander Krei)
Unter dem Namen „Tagesspiegel Plus“ führt der „Tagesspiegel“ ein kostenpflichtiges Angebot für ausgewählte Inhalte ein. Das neue Abo koste 9,99 Euro im Monat und werde vom „Tagesspiegel“-Geschäftsführer in feinstem Marketingsprech gepriesen: „Nachdem wir die ‚Leser Experience‘ konsequent optimiert haben, runden wir gemäß unserer subscription first strategy mit ‚Tagesspiegel Plus‘ unser Digitalabo-Angebot ab“.

3. Ruhrpott-Magazin „Coolibri“ vor dem Aus
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
37 Jahre nach der ersten Ausgabe droht dem Ruhrpott-Magazin „Coolibri“ das wirtschaftliche Aus. Gedruckte Stadtmagazine hätten es bereits vor der Corona-Krise schwer am Markt gehabt. Doch nun könnten die wegbrechenden Anzeigenerlöse die unheilvolle Entwicklung beim Veranstaltungsmagazin mit Sitz in Dortmund beschleunigt haben.

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4. Google will News, und umgekehrt
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die Zeitungsverleger liegen seit Jahren mit Google im Clinch. Der Suchmaschinenriese würde ihre Inhalte ausbeuten und das Anzeigengeschäft kaputt machen. Eine Folge des Wehklagens war das Leistungsschutzrecht, das sich für die Verlage jedoch aus verschiedenen Gründen nicht ausgezahlt hat. Nun gebe es überraschend Anzeichen für eine Kooperation zwischen den verfeindeten Parteien.

5. Auf der Suche nach mehr als Brosamen
(sueddeutsche.de, Claus Hulverscheidt)
Die renommierte „New York Times“ steigt bei Apples Journalismus-Flatrate-Angebot Apple News aus. Claus Hulverscheidt kommentiert: „Der US-Finanzsender CNBC etwa berichtete vor einiger Zeit, viele Medien erlösten über das in Deutschland nicht erhältliche Apple-News-Angebot gerade einmal wenige Zehntausend Dollar im Monat. Für ein Unternehmen wie die New York Times, das im Jahr einen Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar erwirtschaftet, ist das kaum der Rede wert. Überlegt man zudem, dass die Zusammenarbeit mit Apple zwar die Reichweite erhöht, zugleich aber die Vermarktung der eigenen, bezahlpflichtigen App erschwert, erscheint die Entscheidung des Blattes nachvollziehbar.“

6. Ein unbekannter Pionier aus Leipzig
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:20 Minuten)
Kaum jemand kann etwas mit dem Namen Timotheus Ritzsch anfangen, dabei hat der Mann vor genau 370 Jahren die Tageszeitung erfunden. Der Deutschlandfunk erinnert an den Verleger und hat mit dem Medienwissenschaftler Uwe Krüger sowie mit Stephanie Jakobs vom Buch- und Schriftmuseum über die Bedeutung des Mediums Tageszeitung gesprochen.

Wirecard-Berichterstattung, „Medien-Doktor“, Fremder Fame

1. Zuerst wurden die Journalisten verdächtigt
(deutschlandfunk.de, Christopher Ophoven, Audio: 6:21 Minuten)
Jahrelang berichtete die „Financial Times“ über die Unregelmäßigkeiten beim Finanzdienstleister Wirecard. Dies bekam auch die zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit. Doch anstatt Anzeige gegen das mittlerweile insolvente Unternehmen zu stellen, dem auf rätselhafte Weise 1,9 Milliarden Euro abhanden gekommen sind, von denen unklar ist, ob es sie jemals gab, erstattete die Behörde Anzeige gegen die Journalistinnen und Journalisten.

2. Es gibt jetzt einen Medien-Doktor für Ernährungsjournalismus
(medien-doktor.de, Marcus Anhäuser)
Beim „Medien-Doktor für Ernährungsjournalismus“ geht es darum, wie Redaktionen über Lebensmittel, Ernährungsformen, Diäten und Substanzen berichten, und um die Frage, was gut und was schlecht läuft in der Berichterstattung. Das Forschungsprojekt untersuche Beiträge aus deutschen Medien, in denen positive oder negative Effekte von Ernährung beschrieben werden. Einer der Projektverantwortlichen erklärt das Ziel: „Mit dem Medien-Doktor Ernährung möchten wir die Verbraucher sensibilisieren, nicht jedem Heilsversprechen in den Medien Glauben zu schenken. Wir schaffen Transparenz, indem wir die Quellen und dahinter liegenden Studienergebnisse überprüfen.“

3. YouTube löscht sechs bekannte rechtsextreme Kanäle
(spiegel.de)
Vor ein paar Tagen machte Reddit das Forum „The_Donald“ dicht, in dem sich rund 800.000 Trump-Sympathisanten, Rassisten, Verschwörungsmystiker und Anhänger der neurechten Alt-Right-Bewegung tummelten. Die Video-Plattform Twitch sperrte gar den Kanal des US-Präsidenten, wenn auch nur zeitweilig (weiterführende Infos). Nun hat Youtube sechs der bekanntesten rassistischen und rechtsextremen US-Kanäle geschlossen: den des rechtsnationalen Richard Spencer und seines „National Policy Institute“, die Kanäle eines Ex-Ku-Klux-Klan-Anführers und eines neurechten Bloggers sowie das Magazin „American Renaissance“ mitsamt seines Podcast-Angebots.

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4. Attila Hildmann ist der am schlechtesten vorbereitete Verschwörungstheoretiker Deutschlands
(vice.com, Theresa Locker)
Der vom Kochbuchautor zum Verschwörungserzähler gewandelte Attila Hildmann sei erstaunlich einfach schachmatt zu setzen, findet Theresa Locker: „Man könnte Hildmann sogar als den am schlechtesten vorbereiteten Anhänger von Verschwörungsmythen bezeichnen – sobald jemand nachhakt, kommt er schneller ins Straucheln, als er seinen Telegram-Pin eintippen kann.“ Im direkten Gespräch und wenn es um Quellen für seine Behauptungen gehe, wirke Hildmann oft schlicht und ratlos, „was ihn fast schon sympathisch macht, würde es nicht um hasserfüllte Ideologien gehen, die er verbreitet.“

5. Ein gefährlicher Präzedenzfall
(taz.de, Niklas Franzen)
Ein brasilianischer Kolumnist der Deutschen Welle habe auf seinem Twitter-Account eine satirische Abwandlung eines historischen Zitats veröffentlicht, die sich gegen die engen Beziehungen zwischen der Regierung des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und den fundamentalistischen Pfingstkirchen richtet. Der Journalist wurde dafür nicht nur von Bolsonaro-Fans angefeindet und bedroht, sondern verlor auch seinen Job bei der Deutschen Welle (DW). Niklas Franzen kommentiert: „Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Druck der Rechten ausschlaggebend für die Entscheidung der DW war.“

6. „FameMaker“: Hat Stefan Raab seine neue Show nur abgekupfert?
(rnd.de, Thomas Kielhorn)
Vor drei Wochen habe der Fernsehsender ProSieben den Start einer völlig neuen Musikcomedyshow verkündet, die von Stefan Raab entwickelt worden sei. Bei „FameMaker“ würden die Kandidatinnen und Kandidaten unter einer schalldichten Glaskuppel vor der Jury performen. Ob es sich tatsächlich um eine Erfindung Raabs handelt, sei fraglich: Das Konzept ähnele auffällig dem südkoreanischen Erfolgsformat „I Can See Your Voice“, das von RTL für den deutschen Markt eingekauft wurde und im Sommer gesendet werden soll.

Was falsch läuft, Klenks Kampf, Diversitäts-Checkliste

1. Was falsch läuft im Journalismus
(br.de, Knut Cordsen)
Birk Meinhardt schrieb lange Zeit als festangestellter Reporter für die „Süddeutsche Zeitung“, doch irgendwann setzte eine Entfremdung ein, und Meinhardt verließ schließlich das Blatt. In seinem neuen Buch „Wie ich meine Zeitung verlor“ schildert er, warum er der „SZ“ den Rücken kehrte. Im Telefoninterview mit dem BR gibt Meinhardt den Medien eine Mitschuld am Lagerdenken: „Der Journalismus trägt meines Erachtens eine Riesenschuld an der Verhärtung der Fronten, die er selber beklagt. Er bringt sie maßgeblich mit hervor und er beklagt sie danach.“ Typisch sei ein Satz, der einmal in der „Süddeutschen“ gestanden habe: „Da hieß es: Wir sollten schon mit den Ausgescherten, also mit den Populisten, den Wütenden, all denen, zu denen wir nicht mehr dringen, reden, auch wenn es fast sicher ist, dass wir sie nicht werden überzeugen können. Das ist ein scheinbar banaler Satz. Wenn man ihn aber einmal hin- und herwendet, dann ist eine ungeheure Anmaßung darin enthalten: die Anmaßung, wir, die Journalisten, könnten und müssten die Leute von etwas überzeugen, auch wenn uns das nicht gelingen wird. Und was auch darin steckt: Wir müssen nicht überzeugt werden. Wir wollen von der Gegenseite gar nichts empfangen.“

2. Reddit sperrt Gruppe mit 800.000 Trump-Anhängern
(spiegel.de)
Die Online-Plattform Reddit hat eine Trump-Supporter-Gruppe mit 800.000 Mitgliedern wegen fortgesetzter Hassrede geschlossen. Die Moderatoren hätten sich geweigert, „unsere einfachsten Erwartungen zu erfüllen“, so die Reddit-Verantwortlichen. Bei der Amazon-Tochter Twitch sei der offizielle Kanal von US-Präsident Donald Trump wegen beleidigender Kommentare in einem Stream zumindest zeitweilig gesperrt worden.
Weiterer Lesehinweis: Reddit, Acting Against Hate Speech, Bans ‚The_Donald‘ Subreddit (nytimes.com, Mike Isaac).

3. Dieter E. Zimmer gestorben
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Die „Süddeutsche Zeitung“ erinnert an den Journalisten, Autor und Übersetzer Dieter E. Zimmer („der letzte Universalfeuilletonist“), der vergangene Woche im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben ist.

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4. Ich hab mich ja schon gefragt, wieso die Krone und ihr Redakteur Pommer so auf mich gefeuert hat.
(twitter.com/florianklenk)
„Falter“-Chefredakteur Florian Klenk wurde vor einiger Zeit vom „Krone“-Kolumnisten Michael Jeannée auf besonders üble Weise beschimpft und in die Nähe des sexuellen Missbrauchs gerückt (auf Klenks Facebook-Seite per Foto dokumentiert). Im März hat das Landesgericht Wien über die Sache entschieden und Jeannée zu einer Geldstrafe von 9000 Euro sowie die „Krone“ zu einer Entschädigung von 6000 Euro verurteilt. Das Urteil weise nach Klenks Ansicht jedoch einen Schönheitsfehler auf: „Wir werden das Urteil aber bekämpfen, denn der Richter hat nur einen kleinen Teil der Suada berücksichtigt, die Jeannee über mich ergossen hat. Viele andere Unwahrheiten blieben unsanktioniert und wurden ihm als ‚Meinung‘ erlaubt. Das werden wir vor dem OLG monieren.“ Auf Twitter schreibt er weiter dazu: „Mein ‚Sieg‘ gegen Jeannee ist nur zum Teil Grund zur Freude. Denn das Gericht hat nur die Bezeichung ‚verderbte Figur‘ als Beleidigung gewertet. Alle anderen Insultationen wurden als ’sachbezogene Kritik‘ beurteilt. Ich reibe mir immer noch die Äuglein.“

5. Filmförderung führt Diversitäts-Checkliste gegen Klischees ein
(rnd.de)
Wer bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) einen Förderantrag stellt, muss auch einen Diversity-Fragebogen ausfüllen. Dabei gehe es in erster Linie darum, die Drehbuchautoren, Produzentinnen oder Regisseure auf diesem Gebiet zu sensibilisieren und unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen. „Wir wollen verstehen und wissen, warum sie ihre Rollen so besetzt und den Stoff so entwickelt haben, wie sie es getan haben“, so die FFHSH-Sprecherin Claudia Hartmann. „Manchmal gibt es ja auch inhaltliche Gründe, warum ein Film nicht divers ist. Die wollen wir aber nachvollziehen können.“

6. Neue Glücks-Zahlen eingetroffen!
(uebermedien.de, Mars Schönauer)
Mats Schönauer ist der offizielle Regenbogenpressebeauftragte des medienkritischen Portals „Übermedien“. Dort ruft er regelmäßig zum „Schlagzeilenbasteln“ auf: „Kettensägen raus, es wird wieder gebastelt! Wir geben Ihnen eine Nachricht, und Sie schnippeln daraus eine titelseitenwürdige Schlagzeile. Sind Sie so gut wie die Profis? Probieren Sie es aus!“

Später Triumph, Unpure Pur-Abos, Tönnies und der Buddy-Journalismus

1. Der späte, aber große Triumph der Financial Times
(meedia.de, Nils Jacobsen)
Der mittlerweile insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard galt vor seinem tiefen Fall lange Zeit als Vorzeigevertreter des Finanztechnologie-Sektors. Die „Financial Times“ warnte hingegen seit Jahren vor dem Unternehmen sowie dessen Geschäftspraktiken und handelte sich für ihre kritische Berichterstattung viel Ärger, Widerstand und eine Schadensersatzklage ein. Nils Jacobsen würdigt in seinem Beitrag die Beharrlichkeit der Finanzrechercheure, die den Fall Wirecard mit aufzudecken halfen: „Es ist ein Triumph des Journalismus, der in Zeiten der andauernden Branchenkrise eine nicht zu überschätzende Beachtung verdient.“

2. Nicht ganz ohne
(netzpolitik.org, Matthias Eberl)
Der österreichische „Standard“ bietet seit einiger Zeit ein sogenanntes „Pur-Abo“ an. Damit sei der Besuch der Website werbefrei, werbetrackingfrei, trackingfrei und DSGVO-konform. „Zeit Online“ und „Spiegel“ sind dem „Standard“ gefolgt und bieten ebenfalls „Pur-Abos“ an. Ganz so pur wie das Vorbild aus Österreich seien diese jedoch nicht, wie der Journalist und Datenschutz-Experte Matthias Eberl in seiner Recherche herausgefunden hat.

3. „Zielgruppe ist die breite Masse“
(taz.de, Baha Kirlidokme)
Die „taz“ hat sich mit Thomas Laschyk unterhalten, der unter dem Namen „Volksverpetzer“ eine Art „Anti-Fake-News-Blog“ betreibt. In dem Interview geht es unter anderem um die Fragen, warum sich Verschwörungsmythen auf Social Media vor allem unter Rechten so gut verbreiten und was man dem entgegensetzen kann. Der „Volksverpetzer“ bediene sich bei seinen Schlagzeilen oft eines reißerischen Tons, so ein Vorhalt: „Wenn wir gehört werden wollen, müssen wir nach den Regeln von Social Media spielen. Dazu gehört eindeutiges Framing, die richtigen Schlagworte oder der Appell an Emotionen. Wir versuchen also die Strategien der Verschwörungsideologen gegen sie zu verwenden, allerdings ist unser Anspruch, auch alles belegen zu können.“

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4. Liebesgrüße nach Rheda-Wiedenbrück
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
„Ich will gar nicht erst versuchen, den Eindruck zu erwecken, ich sei unvoreingenommen. Clemens Tönnies war bei meiner Geburtstagsfeier eingeladen. Ich bei seiner. Wir kennen uns schon viele Jahre, wir haben uns über den Fußball kennengelernt.“ So lauten die ersten Zeilen eines „Bild“-Beitrags über die Causa Tönnies. Jürn Kruse findet: „Wenn man dem eigenen Kommentar eine solche Präambel voranstellen muss, sollte man eigentlich die Finger von dem Thema lassen“. Er hat trotzdem weitergelesen und fühlte sich prompt an einen anderen Fall von Buddy-Journalismus erinnert.

5. Facebook will stärker gegen Hassbotschaften vorgehen
(zeit.de)
Wenn Facebook demnächst stärker gegen Hassbotschaften und Rassismus vorgeht, liegt das eventuell nicht an Appellen der Zivilgesellschaft, Forderungen von Justiz und Politik oder gar einer eigenen moralischen Einsicht, sondern schlicht an wirtschaftlichen Interessen: Erst der Boykott einiger zahlungskräftiger Werbekunden habe den Konzern dazu bewogen, seine bisherige Praxis zu überdenken.

6. Gefährlicher Insta-Hype im Nationalpark
(br.de, Florian Heinhold, Video: 5:24 Minuten)
Der Königsbach-Wasserfall im Nationalpark Berchtesgaden mitsamt seines „Infinity-Pools“ ist ein beliebter Foto-Spot für Influencerinnen und Influencer. Am Königssee ist man jedoch nicht begeistert über den Hype: Die Instagram-Junkies brächten sich und andere in Gefahr, würden die Natur stören und Müll hinterlassen. Was tun?

„Katapult“-Effekt, Seehofers „Nicht-Anzeige“, Wumms, Bumms und Rumms

1. Werk und Wirkung
(spiegel.de, Sebastian Fischer)
Sebastian Fischer kommentiert Horst Seehofers „Nicht-Anzeige“ gegen eine „taz“-Kolumnistin. Die gut zwei DIN-A4-Seiten lange Erklärung des Bundesinnenministers sei „Politpoesie für Fortgeschrittene“ eines Politikers, der schwer zu fassen sei: „Seehofers Wendungen – Spitzname: Drehhofer – sind Legion. Das Hin und Her, das So-tun-als-ob, das Heute-hier-morgen-dort sind das Betriebssystem, mit dem der Politiker Seehofer operiert. Erinnern Sie sich noch an die Ansage, er werde keine Koalitionsvereinbarung unterschreiben, die keine Steuersenkung beinhaltet? Oder an die Sache mit der Maut? Oder die Obergrenze für Flüchtlinge? Ist am Ende alles irgendwie gekommen und zugleich auch nicht gekommen. Seehofer ist nicht zu fassen.“
Weiterer Lesehinweis: Die „taz“-Chefredakteurin Barbara Junge kritisiert, Seehofer habe für seine Entscheidung zu lange gebraucht. Für seinen Vorschlag, mit der „taz“-Chefredaktion über die umstrittene Kolumne zu sprechen, hat sie einen Gegenvorschlag: „taz will mit Seehofer in Polizeischule“ (taz.de).

2. Der Hintergrund bleibt stets im Vordergrund
(migazin.de, Clara Herdeanu)
In Zusammenhang mit den jüngsten Geschehnissen in Stuttgart, verwendete die „Bild“-Redaktion in einer Überschrift die Formulierung von den „Deutschen mit Migrationshintergrund“, einem Begriff von dem es oft heiße, es handele sich doch lediglich um eine offizielle und amtliche Bezeichnung. So einfach sei es jedoch nicht, wie die Linguistin Clara Herdeanu erklärt. Die Formulierung sei „ein Paradebeispiel eines sprachlichen Phänomens, das Linguisten als semantischen Kampf bezeichnen. Und das führt uns auch dazu, weshalb diese Formulierung eben nicht nur eine amtliche, vermeintlich neutrale Bezeichnung ist, sondern in ihr auch stets unterschwellig bestimmte Deutungen und Wertungen mitschwingen.“

3. Zeit-Autoren kopieren gesamtes KATAPULT-Buch
(katapult-magazin.de, Benjamin Fredrich)
Der für seine Infografiken und Karten bekannte „Katapult“-Verlag wirft seinem bisherigen (Buch-)Verlag vor, andere Autoren mit der Umsetzung eines Fortsetzungswerks beauftragt zu haben, das dem bisherigen Werk auffällig ähnele. „Katapult“-Chefredakteur Benjamin Fredrich hat sich seinen Frust über den unerquicklichen Vorgang in bemerkenswerter Offenheit von der Seele geschrieben, was sich recht unterhaltsam liest.
Weiterer Lesehinweis: Einer der neuen Autoren des vermeintlich oder tatsächlich abgekupferten Buchs hat auf seiner Website mit einer Stellungnahme reagiert: „Ich kann ja verstehen, dass ihr sauer seid, aber …“ (herrfischer.net, Martin Fischer).

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4. „Die Zuschauer müssen sofort verstehen, worum es geht“
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Der „Fachjournalist“ hat sich mit Peter Kloeppel unterhalten, dem Chefmoderator der Nachrichtensendung „RTL aktuell“. Es geht um Kloeppels Werdegang, den Arbeitsalltag eines Nachrichtenredakteurs, die Entwicklungen im Nachrichtenressort, die Verzahnung von Fernsehen und Onlinemedien sowie die Frage, was Kloeppel Nachrichten-Neulingen rät.

5. Klage wegen ungleicher Bezahlung: ZDF-Reporterin Birte Meier siegt vor Bundesarbeitsgericht
(berliner-zeitung.de, Christine Dankbar)
Nach einem fünfjährigen juristischen Streit hat die ZDF-Reporterin Birte Meier vor dem Bundesarbeitsgericht einen Teilsieg in Richtung gleicher Bezahlung errungen: Das Entgelttransparenzgesetz gelte auch für Beschäftigte eines Unternehmens, die dort nicht im klassischen Sinne festangestellt sind. Meier war bei ihrer Arbeit für das ZDF-Magazin „Frontal21“ aufgefallen, dass nahezu alle männlichen Kollegen mehr verdienten als sie selbst. Der juristische Sieg bezieht sich jedoch nicht auf die ungleiche Bezahlung, sondern nur auf die Anwendung des Entgelttransparenzgesetzes. Dementsprechend kommentiert die Gesellschaft für Freiheitsrechte, welche die Klage begleitet hatte: „Mit dieser Entscheidung ist die Klägerin ihrem Ziel – gleicher Lohn wie die männlichen Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit – jedoch noch nicht nähergekommen. Selbst wenn der herausgegebene Median der männlichen Vergleichsgehälter höher ist, bleibt dies für das ZDF erst einmal ohne Konsequenzen. Das Entgelttransparenzgesetz sieht keinerlei Sanktionen für Arbeitgeber vor. Auch deutschen Gerichten reicht ein höherer Median bislang nicht als Indiz für Diskriminierung.“

6. Wumms, Bumms und Rumms: Hört auf, mit Wählern wie mit Kindern zu sprechen
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm ärgert sich über die Unsitte einzelner Politiker und Politikerinnen, ihre Wähler und Wählerinnen auch sprachlich wie Kinder zu behandeln: „Ob Wumms, Rumms, oder Bumms: Die Infantilisierung der Politrhetorik schreitet voran. Kurze Frage: Wäre es bitte möglich, mit Wählern nicht so zu sprechen, wie mit Waldmenschen, deren Vorfahren noch gemolken wurden?“

Wenigstens werden diesmal keine Witwen geschüttelt

20 Millionen Euro soll der Axel-Springer-Verlag derzeit in den Versuch stecken, „Bild“ auch als (Live-)Video-Plattform zu etablieren. Das kann schon aus rein inhaltlicher Sicht kein wohltätiges Projekt sein und das soll es sicher auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht sein – Springer will mit „Bild TV“ Geld verdienen.

Das soll vor allem durch Werbung reinkommen. Seit ein paar Wochen kann man beobachten, wie das beim „Bild“-Fernsehen aussieht: In der Fußball-Talk-Sendung „Reif ist live“ mit Marcel Reif ist seit einigen Folgen auf ganz geschickte und natürliche Weise eine Produktplatzierung eingebunden. Nicht mit dem Holzhammer – das würde ja stören und kaum wirken -, sondern feinfühlig, wie man es von „Bild“ gewohnt ist. Aber seht selbst:

In einem Prospekt (PDF) präsentiert der Springer-Vermarkter Media Impact die verschiedenen Möglichkeiten, mit denen Firmen in „Reif ist live“ werben kann. Auch dabei: „PRODUCT PLACEMENT“. Wie viel Müllermilch dafür bezahlt hat, dass der Chefredakteur des „Bild“-„Sport-Kompetenzcenters“ Matthias Brügelmann die Flaschen schüttelt, als hätte er schon immer mal einen Sex on the Beach mit einem Augenzwinkern servieren wollen, oder der „Bild“-Sportchef Walter M. Straten verzweifelt nach Überleitungen sucht, die ihn nicht komplett wie einen Werbeheini aussehen lassen, erfährt man dort leider nicht.

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Aber kommt dieses Bauerntheater bei den „Bild“-Zuschauerinnen und -Zuschauern an? Lohnt sich das eifrige Werbeschütteln? Die Reaktionen unter den entsprechenden „Reif ist live“-Youtube-Videos lauten:

Wegen dieser beschissenen Werbung werde ich mir nie wieder auch nur 1 einzige Flasche Müller Milch kaufen.

Und auf einmal schüttelt er sich die müllermilch, ich Dreh ab

Dieses geschüttel während einer Fragestellung .. unmöglich

Reif Ehrenmann rührt Müllermilch nicht an

Ihr macht euch mit dieser Müllermilch lächerlich!!

Hahahaha der schüttelt die Müller Milch und legt sie wieder hin hahahah

Böse Zungen behaupten, der Bild-Sportmodertor geht nach jeder Talkshow erst einmal brechen.

Sorry, das ist so affig und zum Fremdschämen… geschüttelt, nicht gerührt. Wie fremdgesteuert muss hier geschüttelt werden… :-)

Also ich mochte Müller Milch aber jetzt würde ich das nicht mehr kaufen das nenne ich mal Werbung

Oh je ist das schlecht mit der Müllermilch, Leute lasst es einfach weg bitte und versucht nicht noch Werbeeinnahmen zu generieren.

Die Müller Milch Werbung ist einfach peinlich.

Diese unfassbar dumme Werbung ist soooooooooo peinlich und zum fremdschämen. Einfach nur lächerlich.

Diese Werbung nervt ungemein

Wie Horny die Müllermilch geschüttelt wird.

Verstehe ja, dass man Werbung macht um Geld zu verdienen aber das war schon sehr aufgesetzt und wirkte unangenehm unnatürlich.

Bild, einfach nur peinlich, wie immer !!! Warum hält er die Flasche nicht einfach debil grinsend direkt in die Kamera. Dann weiss auch der letzte wie seriöser Journalismus funktioniert !!

… wir könnten hier noch lange weitermachen.

Mit Dank an J. A. für den Hinweis!

Bundesminister für Hin und Her, „Krawallnacht“, Drosten und „Bild“

1. Bundesminister der Verzögerung, für Hin und Her
(spiegel.de, Florian Gathmann & Wolf Wiedmann-Schmidt)
Am Wochenende kündigte Bundesinnenminister Horst Seehofer an, Strafanzeige gegen eine „taz“-Autorin stellen zu wollen, allein es kam bislang nicht dazu. Der angebliche Grund: ein voller Terminkalender … Eine Begründung, die Seehofer nicht jeder abnimmt: „In Wahrheit dürfte er nur noch nach dem Weg suchen, möglichst gesichtswahrend aus der Sache wieder herauszukommen. Und es ist auch denkbar bei dem alten Politik-Spieler Seehofer, dass es ihm einfach einen Heidenspaß bereitet, die Öffentlichkeit so lange warten zu lassen.“
Weiterer Lesehinweis: Der differenzierte Kommentar des Kriminologen Thomas Feltes zur Arbeit der Polizei und dem sich dort auftuenden Spannungsfeld: Verfolgte Grundrechtsträger? Was passiert im Moment mit und in unserer Polizei? (verfassungsblog.de).

2. Stuttgart steht noch
(kontextwochenzeitung.de, Johanna Henkel-Waidhofer)
Johanna Henkel-Waidhofer kritisiert die Berichterstattung rund um die „Krawallnacht“ von Stuttgart. Diese habe bundesweit eine mediale Realität erzeugt, die von der Wirklichkeit weit entfernt sei: „Statt einzuordnen hat in der Medienberichterstattung aber vor allem die Übertreibung Konjunktur, seit in der Nacht zum Sonntag die ersten Mitschnitte die sozialen und die ersten Meldungen die klassischen Medien eroberten.“

3. „Das sind die nicht endenden, unterstellenden und aggressiven Anfragen der Bild-Zeitung.“
(twitter.com, Christian Drosten)
Am Dienstag erschien die vorerst letzte Ausgabe des „Coronavirus-Update“ mit dem Virologen Christian Drosten: Der Podcast befindet sich im Juli und August in der Sommerpause. Auf Twitter wurde Drosten von einem Hörer angesprochen: „In Folge 50 klangen Sie für meine Ohren erstmals erschöpft und auch auf eine neue Art ‚dünnhäutig‘. Ich kann das so sehr nachvollziehen und gönne Ihnen die Podcast Pause sehr. Hoffentlich können Sie Akkus aufladen.“ Drosten antwortete darauf: „Das sind die nicht endenden, unterstellenden und aggressiven Anfragen der Bild-Zeitung. Fast jeden Tag kostet das mich, die Pressestelle der Charité, sowie zwei Medienanwälte Stunden unserer Arbeitszeit. Seit über einem Monat geht das so.“

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4. Was Tiktok zeigt – und was nicht
(faz.net, Caroline Jebens)
Caroline Jebens weist auf das widersprüchliche Verhalten von Tiktok hin. Die chinesische App sei eine wichtige Plattform der „Black Lives Matter“-Proteste in den USA geworden, Clips zu den Demonstrationen in Hongkong würden jedoch zensiert.

5. Streit zwischen Storymachine und PR-Rat geht weiter
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
„Unprofessionell und leichtfertig“: Wegen der PR-Arbeit für die Heinsberg-Studie des Bonner Professors Hendrik Streeck hatte die Agentur „Storymachine“ eine Rüge des Deutschen PR-Rats kassiert. Nun hat die Agentur einen Medienrechtler losgeschickt, der dem Vorsitzenden des Trägervereins eine Interview-Aussage untersagen will. Die übersandte Unterlassungserklärung wolle dieser jedoch nicht unterzeichnen. Stefan Winterbauer kommentiert: „Freunde werden Storymachine und der PR-Rat in diesem Leben vermutlich nicht mehr.“

6. Umworbene Journalisten: PR für Urlaubsland Türkei
(spiegel.de, Oliver Mayer-Rüth, Video: 3:03 Minuten)
Das türkische Tourismusministerium hat 40 internationale Journalistinnen und Journalisten nach Antalya eingeladen, um Werbung für das Urlaubsland zu machen. Als das ARD-Team auf der Pressekonferenz mit dem zuständigen Minister allzu forsch nachfragte, kippte die schöne Urlaubs-Stimmung: „Skeptische Touristen, kritische Journalisten. Kein einfacher Job für die Minister. Es könnte trotz der Kampagne ein trauriges Jahr für den Tourismus in der Türkei werden.“
Weiterer Lesehinweis: Peter Steudtner zu Türkei: „Trage die Haft in meinem Gefühlsrucksack mit mir herum“ (rnd.de, Markus Decker).

Projekt „Hassmaschine“, Taschengeld fürs Lokale, Zwang zur Solidarität

1. Wie Facebook im Kampf gegen Hass versagt
(tagesschau.de, Benedikt Nabben & Maximilian Richt & Niels Ringler & Robert Schöffel & Hakan Tanriverdi & Maximilian Zierer & Nils Altland & Sebastian Pittelkow & Christian Basl & Katja Riedel)
Das Projekt „#Hassmaschine“ von BR, NDR und WDR offenbare das Versagen von Facebook im Umgang mit der rechten, mitunter rechtsextremen Schattenwelt der Facebook-Gruppen. In einer gemeinsamen Auswertung habe man 2,6 Millionen Posts und Kommentare aus 138 meist geschlossenen rechten Facebook-Gruppen technisch erfasst und analysiert. Mit einer einfachen Schlagwortsuche habe man neben mehr als 10.000 schweren Beleidigungen (viele davon rassistisch) weit mehr als 1000 mutmaßlich rechtswidrige Inhalte identifizieren können, darunter Aufrufe zur Vergewaltigung, SS-Runen oder antisemitische Hasspropaganda. Facebook habe auf eine Weise reagiert, mit der ein derartiges Unternehmen wohl standardmäßig reagiert: „Wir möchten Hassrede natürlich löschen. Und wir haben im Kampf gegen Hassrede in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht.“
Weiterer Lesehinweis: Lesens- und sehenswert, auch wegen der interaktiven Aufbereitung der Recherche: Wie Facebook beim Hass im Netz versagt (br.de).
Und wegen des Bezugs zu Facebook die aktuelle Meldung: BGH stoppt Datensammlung von Facebook: „Der Bundesgerichtshof hat eine Verbotsverfügung des Bundeskartellamts im Eilverfahren bestätigt. Es stimme, dass Facebook seine marktbeherrschende Stellung missbrauche.“ (zeit.de)

2. 3F3A: Wieder mehr Transparenz bei NDR Info
(fair-radio.net, Mario Köhne)
Die Initiative „fair radio“ setzt sich für ein glaubwürdiges Radio ein, das offen damit umgeht, wann live moderiert wird und wann Konserven gesendet werden. Aktuell vermeldet „fair radio“ eine positive Nachricht aus dem NDR. Die Initiative sei im Besitz einer internen Mail des Senders mit „Transparenzkriterien für Gesprächsaufzeichnungen“.

3. Bremen: Regionale Nachrichten für alle
(mmm.verdi.de, Eckhard Stengel)
Eine neue App will zum Aggregator für Lokalnachrichten werden. Das mit Forschungsmitteln des Bundes entwickelte „molo.news“ stellt die wichtigsten Artikel regionaler Medien, aber auch Mitteilungen von lokalen Vereinen und Initiativen zusammen. Die Entwicklung der App habe bislang 800.000 Euro gekostet, das meiste Geld sei vom Bundesforschungsministerium gekommen. Anmerkung des Kurators: Nach einem kurzen Testlauf fragt man sich, wie dieser Betrag zustande kam. Die beteiligten Medienhäuser würden ihre Nachrichten gratis liefern, und die Personalkosten dürften sich in Grenzen halten, denn die Redaktion bestehe lediglich aus fünf bezahlten studentischen Hilfskräften „mit journalistischer Vorerfahrung“.

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4. ze.tt wird Ressort von ZEIT ONLINE
(zeit-verlagsgruppe.de)
„ze.tt“, das Jugendportal der „Zeit“ verliert seine Eigenständigkeit und wandert im Herbst als eigenes Ressort zu „Zeit Online“. Die Umstrukturierung solle „ze.tt“ „langfristig auf eine wirtschaftlich zukunftsfähige Basis stellen und den Austausch mit anderen Angeboten von ZEIT ONLINE verstärken“. Man kann also annehmen, dass sinkende Werbeerlöse der Grund für den Umbau waren. Damit ist die „Zeit“ nicht allein – vor Kurzem hatte es den „Spiegel“-Ableger für junge Leute „Bento“ getroffen, der zum Herbst eingestellt wird.

5. Nur ein Taschengeld
(taz.de, Steffen Grimberg)
„Obwohl Lokaljournalismus so wichtig ist, wird dort beschissen bezahlt“, so Steffen Grimbergs markige Zusammenfassung des neuen Honorarreports der Freischreiber. Über ein Viertel der freien Lokaljournalistinnen und -journalisten würden laut der Umfrage des Berufsverbandes maximal 10 Euro brutto pro Stunde verdienen.

6. Ich will mich nicht solidarisieren, muss es aber doch
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner von Deutschen Journalisten-Verband kommentiert die bislang nicht umgesetzte, aber eventuell noch erfolgende Strafanzeige des Bundesinnenministers gegen eine „taz“-Kolumnistin: „Der Minister also, der qua Amt die Pressefreiheit besonders schützen soll, holt den Knüppel aus der Schublade. Der Minister, der bisher trotz mehrmaliger Aufforderungen keine sichtbaren Anstrengungen unternommen hat, Journalisten vor rechtsextremistischem Hass zu schützen. Horst Seehofer zwingt damit mich und viele andere Journalisten zur Solidarität mit der taz-Kolumnistin. Das ist bitter. Denn ich finde die ‚Kolumne‘ wirklich abgrundtief schlecht.“

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