Archiv für 6 vor 9

KW 15: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Hab ich für mein Alter genug erreicht?
(druckausgleich.podigee.io, Annkathrin Weis & Luca Schmitt-Walz, Audio: 37:06 Minuten)
Beim “Druckausgleich”-Podcast des Magazins “journalist” geht es um “den Berufsstart in der Medienbranche, die Kunst der Prokrastination und gegen den Druck, alles und ständig perfektionieren zu müssen”. Die aktuelle Folge behandelt unter anderem die Altersstruktur freier Journalistinnen und Journalisten, Prekarisierung im Journalismus und die Nachwuchssorgen der Medienbranche.

2. “Charité intensiv”: Warum brauchen wir diese Corona-Bilder?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 55:42 Minuten)
Die vierteilige Dokumentation “Charité intensiv: Station 43” von Carl Gierstorfer (zu sehen in der ARD-Mediathek) verlangt mit ihren eindringlichen Bildern und nahegehenden Szenen beim Zuschauen allerhand ab. Über Monate haben Regisseur und Autor Gierstorfer sowie Co-Autorin Mareike Müller die Arbeit auf der Intensivstation begleitet und das Schicksal von Covid-19-Betroffenen dokumentiert. Holger Klein hat sich mit dem Filmemacher unterhalten, der zuvor bereits Dokumentarfilme über HIV und Ebola gedreht hat.
Weiterer Lesetipp: Dokumentation aus der Charité – Die nächste Phase der Pandemie: Nach der Ohnmacht und der Wut – die Trauer (uebermedien.de, Kai Kupferschmidt).

3. #DiePodcastin über #MaleFail
(diepodcastin.de, Isabel Rohner & Regula Stämpfli, Audio: 52:17 Minuten)
Der feministische Wochenrückblick mit Isabel Rohner und Regula Stämpfli behandelt unter anderem das sogenannte #sofagate anlässlich Ursula von der Leyens Erdoğan-Besuchs, Gewaltverbrechen im ZDF, Hannah Arendt und die Causa Cohn-Bendit. Außerdem findet ein Thema der Vorwoche seine Fortsetzung: Sexismus in der Schweizer Medienbranche. In diesem Zusammenhang verliest Rohner einen Meinungsbeitrag, den das Schweizer Medienunternehmen CH Media bei ihr zum Thema zwar bestellt, jedoch zum Abdruck abgelehnt habe.

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4. Die Influencer-Show mit Ole Nymoen & Wolfgang M. Schmitt im Literaturhaus Hannover
(youtube.com, Literaturhaus Hannover, Video: 1:25:29 Stunden)
Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen (gemeinsamer Podcast: “Wohlstand für alle”) haben ein Buch verfasst, in dem sie mit dem Geschäftsmodell der Influencer abrechnen: “Influencer: Ideologie der Werbekörper”. In einer unterhaltsamen und erkenntnisreichen Bühnenshow führen sie durch die schillernde Welt der digitalen Selbstvermarkter.

5. “False Balance ist der größte Fehler der Journalisten”
(deutschlandfunkkultur.de, Philip Banse & Bettina Conradi & Vera Linß, Audio: 54:30 Minuten)
“Wie sollte die Berichterstattung über Wissenschaft aussehen in einer Zeit, in der Forschung und ihre Ergebnisse eng mit dem Alltag verwoben und direkt an politische Interessen geknüpft sind?” Dieser spannenden Frage geht Philip Banse beim Deutschlandfunk nach und hat sich dazu drei Leute vom Fach eingeladen: die Neuro- und Kommunikationswissenschaftlerin Maren Urner, den Wissenschaftsjournalisten Lars Dittrich und die Literaturwissenschaftlerin Nicola Gess.

6. Wie sollte die ARD mit “Querdenken”-Demos umgehen?
(youtube.com, Zapp – Das Medienmagazin: Video: 1:29:57 Stunden)
“Querdenker”-Demos sind für Medienschaffende ein gefährliches Pflaster. Sie müssen nicht nur mit Beschimpfungen, sondern auch mit körperlichen Übergriffen rechnen. Wie sollte etwa die ARD damit umgehen? Und welche Rolle sollte die “Querdenken”-Bewegung in ihren Programmen spielen? Darüber diskutieren die Programmdirektorin des Hessischen Rundfunks, Gabriele Holzner, SWR-Intendant Kai Gniffke und die Sozialpsychologin Pia Lamberty live im “Zapp Talk” mit Daniel Bouhs.

Umsturz-Experte Frank, Facebooks Demokratiefeinde, Julians TV-Pläne

1. Aufgespürt: Dieser Mann vernetzt alle Umsturzideen
(t-online.de, Lars Wienand)
t-online.de und das ARD-Magazin “Kontraste” haben eine, wenn nicht die Schlüsselfigur hinter unzähligen rechtsesoterischen und rechtsextremen Telegram-Gruppen aufgespürt: Frank Schreibmüller sei direkt oder indirekt an 4.000 Gruppen und Kanälen bei dem Messenger beteiligt. Lars Wienand hat den spektakulären Fall aufgeschrieben. In der ARD-Mediathek gibt es dazu den unbedingt sehenswerten TV-Beitrag der “Kontraste”-Redaktion: Radikalisierung auf Telegram (Silvio Duwe & Chris Humbs & Pune Jalilevand, Video: 6:42 Minuten).

2. Erst handeln, wenn es zu spät ist
(netzpolitik.org, Josefine Kulbatzki)
Sophie Zhang war bei Facebook unter anderem für das Aufdecken verdächtiger Netzwerke zuständig. Mehrere Male erlebte sie, wie demokratiefeindliche Regierungen mit schmutzigen Tricks ihre Bevölkerung manipulierten und politische Gegner diskreditierten. Zhang meldete die Vorgänge, die von ihr erwarteten Konsequenzen hätten ihre Meldungen jedoch meist nicht gehabt. Nach zweieinhalb Jahren wurde Zhang von Facebook gefeuert. Eine “Guardian”-Recherche deckt das ganze Ausmaß der staatlich unterstützten Manipulation auf der Plattform auf.

3. Die Journalistin* der Zukunft baut der Community eine Bühne (* Männer sind mitgemeint)
(journalist.de, Peter Turi)
Beim “Blick auf den Journalismus” schreibt diesmal Peter Turi, Journalist, Gründer und Geschäftsführer der turi2 GmbH, über den “Community-Journalismus”: “Ich bin überzeugt: Es gibt eine großartige Zukunft für uns, für etablierte und für neue, junge Medienmacherinnen und Journalisten – wenn wir die Art ändern, wie wir die Welt betrachten, beschreiben und bearbeiten. Nach dem Boulevard-, dem Katastrophen-, dem Haltungs-, Meinungs-Journalismus sollte eine neue Form von Journalismus erblühen: der Community-Journalismus. Der Journalismus auf Augenhöhe, die Kommunikation mit der und für die Zielgruppe.” Wie nahezu alle Ausgaben der Serie eine Pflichtlektüre für Medienschaffende und Medieninteressierte!

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4. Corona trifft Fotobranche hart
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Professor Lars Bauernschmitt von der Fachhochschule Hannover hat sich bei Fotografen und Fotografinnen nach den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie umgehört: “Während die Fotograf*innen durchschnittliche Umsatzrückgänge in Höhe von 23,7 Prozent verzeichneten, lagen diese bei den Bildagenturen sogar bei 26,3 Prozent. Dem standen bei den beteiligten Bildagenturen Förderungen in Höhe von 2,3 Prozent (gemessen an den Ausfällen) gegenüber.”

5. Journalismus mit rechts
(medienwoche.ch, Benjamin von Wyl)
Die Schweizer Satirezeitschrift “Nebelspalter” hat in ihrer fast 150-jährigen Geschichte schon manche Umbrüche erlebt. Aktuell suche sie ihren Platz rechts der “NZZ”, wo bereits die “Weltwoche” grase, so Benjamin von Wyl. Trotzdem würden sich die beiden rechten Publikationen in zentralen Punkten unterscheiden. von Wyl hat sich beide Medien angeschaut und eine lesenswerte Analyse verfasst.

6. Warum “Bild”-Chef Julian Reichelt bei seinen Fernsehplänen mehr einfallen muss
(meedia.de, Gregory Lipinski)
2021 findet die Bundestagswahl statt. Ein geeigneter Zeitpunkt für den Start eines neuen TV-Senders, mag sich der Axel-Springer-Konzern gedacht haben und startet “Bild-TV”. Das derzeitige Programmangebot sei jedoch zu dünn, findet Gregory Lipinski: “Nun ist ‘Bild’ eine bekannte Medienmarke, die schnell Marktanteile aufbauen kann. Doch das wird langfristig nicht ausreichen, um sich vom Werbekuchen der Branchen-Schwergewichte ein größeres Stück abzuschneiden.” Der Ausweg für “Bild TV” könne in einer Zusammenarbeit mit dem Münchener Fernsehunternehmen Leonine liegen, an dem Springer-Miteigentümer KKR ebenfalls Anteile besitze.

Tod auf Raten, “Klimawandel” im Sprachcheck, Krauses Angst

1. Bedenken ernst nehmen
(djv.de)
Die mögliche Verschmelzung des Verlags Gruner + Jahr mit dem Privatsender RTL wird von Seiten der Arbeitnehmervertretung kritisch beurteilt. Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, teilt die Sorgen und warnt davor, die G+J-Titel radikalen Stellenstreichungen zu unterwerfen: “Das wäre für Geo, Stern und andere der langsame Tod auf Raten.”

2. Rechercheplattform “Dossier” kämpft ums Überleben
(derstandard.at, Oliver Mark)
Hinter dem österreichischen “Dossier” steht eine gemeinnützig arbeitende Redaktion, die seit 2012 investigativen und Datenjournalismus betreibt. Doch nun ist das Projekt in Not: “Mit der Absetzung der ORF-Sendung Gute Nacht Österreich haben wir einen wichtigen Auftrag verloren. Nun klafft ein Loch in unseren Büchern – und die sprechen eine deutliche Sprache: Aus eigener Kraft und mit unserem bisherigen Wachstum schaffen wir es nicht. Wir brauchen einen kräftigen Schub.”

3. Ist “Klimawandel” der passende Begriff?
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 2:16 Minuten)
In den Medien ist oft vom “Klimawandel” die Rede. Doch taugt der Begriff zur Beschreibung des Phänomens? Im “Sprachcheck” des Deutschlandfunks kommentiert Stefan Fries: “Wer deutlicher über die Veränderungen sprechen will, kann auch deutlichere Worte wählen, die die Folgen des ‘Klimawandels’ konkreter benennen.”

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4. Zeilen für den Minister
(de.ejo-online.eu, Roman Winkelhahn)
Ende März veröffentlichte die Otto-Brenner-Stiftung eine Analyse über “Gastbeiträge von Politiker*innen in ausgewählten Tageszeitungen” (PDF). Roman Winkelhahn hat sich das Diskussionspapier angeschaut und die aus seiner Sicht wichtigsten Erkenntnisse herausgestellt.

5. Die Zukunft bleibt spannend
(medium.com, Katharina Kulzer)
Als Mitglied des “BR-Next”-Teams arbeitet Katharina Kulzer an der Zukunft des Bayerischen Rundfunks. Beim WDR machen das Lisa Zauner und Alexander Nieschwietz vom “Innovation Hub”. Die drei jungen Journalisten und Journalistinnen haben sich über Trendforschung im Allgemeinen und Besonderen unterhalten. Es geht um Tanker und Schnellboote, Kapitäne und Matrosen sowie um echte Veränderung und bloßes Innovationstheater.

6. Herr Krause hat Scheißangst
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 1:40 Minuten)
Die “Pierre M. Krause Show” ist eine Late-Night-Show des SWR, in der Gastgeber Krause auf prominente Gäste trifft. In den Gesprächen scheint ihn eine Angst besonders umzutreiben, die ich hier aus Sorge vor einem möglichen Shitstorm jedoch nicht nennen will.

Corona-Karten, Sat.1 am Tiefpunkt, Prekarisierung im Journalismus

1. Corona-Inzidenzwerte und ihre Abbildung in der tagesschau
(blog.tagesschau.de, Marcus Bornheim & Helge Fuhst & Juliane Leopold)
In den vergangenen Tagen war gelegentlich der Vorwurf zu hören, die “Tagesschau” habe die Deutschlandkarte mit den Corona-Inzidenzwerten manipuliert, um die Lage dramatischer aussehen zu lassen. Nun reagiert die ARD-aktuell-Chefredaktion mit dem Eingeständnis eines Fehlers: “Der Eindruck, wir hätten in der Darstellung etwas verändert, ist dadurch entstanden, dass im Fernsehen für die gleiche Karte eine andere Farbskala eingesetzt wurde. So war eine Darstellung mit helleren Farben im Umlauf. Diese Karte wurde am 17.03. auch auf Instagram verwendet. Unser Fehler war, dass wir uns innerhalb unseres Hauses nicht ausreichend abgestimmt haben und zwei verschiedene Darstellungen parallel veröffentlicht wurden.”

2. Armin Laschet braucht ein Kanzler-Coaching – von Markus Söder
(uebermedien.de, Hendrik Wieduwilt)
Dass die CDU-Kanzlerkandidatenkandidaten Armin Laschet und Markus Söder eine unterschiedliche mediale Wirkung entfalten, liegt auch an ihren “stimmlichen Führungsqualitäten”, so Hendrik Wieduwilt. Er hat die Redetechniken und den Stimmeinsatz von Laschet und Söder miteinander verglichen. Unbedingt lesenswert – nicht nur wegen des Erkenntnisgewinns, sondern weil man in Zukunft noch genauer hinhört und unter Umständen auch sein eigenes Reden überprüft.

3. Hass im Netz und kein Ende
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:58 Minuten)
Neue Gesetze sollen den Hass im Internet zurückdrängen und die Strafverfolgung erleichtern. Anbieter Sozialer Netzwerke sollen Straftaten künftig nicht nur blockieren und löschen, sondern auch an das Bundeskriminalamt melden. Außerdem sollen auch die Androhungen von Straftaten verfolgt werden. Tipp: Bookmark anlegen wegen des angefügten Kastens mit Angeboten gegen Hass im Netz.

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4. Die Leiden der freien Schreiber
(kontextwochenzeitung.de, Peter Dietrich)
Die Ludwig-Maximilians-Universität in München hat eine Studie zur “Prekarisierung im Journalismus” durchgeführt mit, man ahnt es schon, alarmierenden Ergebnissen (PDF). Nur 31 Prozent der befragten freien Medienschaffenden könnten von dem Beruf leben, ohne weiteren Beschäftigungen nachgehen zu müssen. Peter Dietrich befürchtet, dass immer mehr freie Journalistinnen und Journalisten in PR und Öffentlichkeitsarbeit abwandern: “PR ist für Freie zwar verpönt, weil es die Unabhängigkeit gefährdet, aber oft überlebensnotwendig – da besser bezahlt.”

5. Hamburger Datenschützer eröffnet Verfahren gegen Facebook
(spiegel.de)
Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat ein Verfahren gegen Facebook eröffnet. Damit soll verhindert werden, dass der dominierende Internet-Konzern Daten von WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzern erhebt und zu eigenen Zwecken verarbeitet. WhatsApp werde in Deutschland mittlerweile von fast 60 Millionen Menschen genutzt und sei die mit Abstand meistgenutzte Social-Media-Anwendung, noch vor Facebook, so Caspar. Dies dürfe nicht zu einer missbräuchlichen Ausnutzung der Datenmacht führen.
Weiterer Lesetipp: Abgesaugt: “Datenlecks wie jüngst bei Facebook werden zunehmen. Bedrohlich wird die Sache durch die schiere Masse preisgegebener Informationen.” (taz.de, Daniél Kretschmar)

6. Homophobe Attacke in der Sat.1-Primetime: ein Sender am Tiefpunkt
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Im Rahmen der Trash-Show “Promis unter Palmen” (Sat.1) wurde minutenlang eine homophobe Verbalattacke des Bordellbesitzers “Marcus Prinz von Anhalt” ausgestrahlt. Ein neuer Tiefpunkt des Privatfernsehens, wie Matthias Schwarzer findet: “Unter diesen Umständen ist Sat.1 jedoch nicht mehr als eine skrupellose Plattform für unerträgliches Proll-TV, das zur besten Sendezeit Homophobie fördert.”
Update: Nachdem der Sender die Ausstrahlung der Sendung zunächst verteidigt hatte, kam nun der Sinneswandel: “Prinz Marcus von Anhalt hat sich bei ‘Promis unter Palmen’ inakzeptabel homophob geäußert. Wir haben versucht, diese Aussagen im Umfeld und im Anschluss der Sendung einzuordnen. Aber wir müssen feststellen: Diese Einordnung war so nicht ausreichend. Deswegen haben wir uns entschieden, die Folge online von allen Plattformen zu entfernen. Prinz Marcus von Anhalt wird in Zukunft in keiner Show von Sat.1 mehr stattfinden.” Man ist versucht, ein “Warum nicht gleich so?” anzufügen, denn dem Sender war natürlich genau bekannt, wem er dort eine Bühne bot.

Gefährliches Feld, G+J-Betriebsrat wehrt sich, Russische Kampagnen

1. “Das gefährlichste Feld für Journalisten überhaupt”
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster, Audio: 5:27 Minuten)
Innerhalb von wenigen Jahren wurden in Europa zwei Journalisten und eine Journalistin ermordet: Die Maltesin Daphne Caruana Galizia, der Slowake Ján Kuciak und, ganz aktuell, der Grieche Giorgios Karaivaz. Juliane Matthey von Reporter ohne Grenzen sieht in den Fällen Parallelen. Alle Mordopfer hätten sich mit Themen wie Korruption und Organisierter Kriminalität beschäftigt: “(…) wenn Journalisten zu solchen Themen recherchieren und gerade auch zu Verbindungen der organisierten Kriminalität in die Politik, in die Verwaltung, ist das ein sehr, sehr gefährliches Feld, und eigentlich das gefährlichste Feld für Journalistinnen und Journalisten überhaupt.”

2. Der liberale Westen sei im Niedergang, Extremisten seien die Guten – wie Moskaus Propaganda die Gesellschaft destabilisieren will
(nzz.ch, Markus Ziener)
Deutschland sei das Hauptzielland russischer Propagandaaktivitäten, so Markus Ziener in der “NZZ”. Kein anderer EU-Staat werde heftiger angegriffen. Laut einer Analyse des Europäischen Auswärtigen Dienstes sei Berlin seit Ende 2015 mehr als 700 Mal das Ziel von Kampagnen russischer Medien gewesen. Wie ist der Wunsch auf Einflussnahme zu erklären? Was bewegt die russische Regierung zu dieser Art von Aktivität?

3. “Bild” wird zum TV-Sender
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Mit “Bild Live” will der Axel-Springer-Konzern einen neuen Fernsehsender starten. Online hatte es schon ein Liveprogramm gegeben. Der neue TV-Sender soll über Kabel, Satellit und im Internet zu empfangen sein. Programmchef des neuen Kanals soll Claus Strunz werden, der Fernsehmoderator und ehemalige Chefredakteur von “Bild am Sonntag”. Der postfaktische Strunz ist für Sätze wie “Populismus ist das Viagra einer erschlafften Demokratie” bekannt, siehe dazu auch: Claus Strunz will es der Demokratie besorgen (übermedien.de, Boris Rosenkranz, aus 2017).

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4. EM in zwölf Ländern “verantwortungslos”
(zdf.de)
Im Sommer steht nicht nur ein Sport-, sondern auch ein Medienereignis an: die Fußball-Europameisterschaft. “Zehntausende Fans in den EM-Stadien, dazu Nationalmannschaften, die für ihre Spiele munter zwischen Amsterdam, Bukarest oder London hin- und herreisen – für den SPD-Gesundheitsexperten ein Unding inmitten der Pandemie.”

5. G+J-Betriebsrat spricht sich gegen Fusion mit RTL aus
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Betriebsrat von Gruner + Jahr spricht sich gegen eine mögliche Fusion mit RTL aus. Zuvor hatte es im Verlag bereits eine wichtige Personalie gegeben: G+J-Chefin Julia Jäkel war durch den RTL-Verantwortlichen Stephan Schäfer ersetzt worden. Spätestens seit diesem Zeitpunkt deutet vieles auf eine mögliche Fusion der beiden Häuser hin (siehe dazu: Raus aus dem Dschungelcamp, spiegel.de, Isabell Hülsen & Anton Rainer & Alexander Kühn).

6. Gamerin mogelt Fragen in Pressekonferenzen des Weißen Hauses
(spiegel.de, Markus Böhm)
In den USA ist es einer Person gelungen, als angebliche Korrespondentin Zugang zu den Pressekonferenzen des Weißen Hauses zu erhalten und dort Fragen unterzubringen. “Die Trollaktion dürfte einigen, die ‘Kacey Montagu’ für eine echte Kollegin hielten, peinlich sein. ‘Kacey Montagu’ selbst sammelt auf ihrem Twitteraccount derweil Begriffe wie ‘Hochstaplerin’, mit denen sie Medien wie Fox News beschreiben. Zugleich betont sie aber, offen für Jobangebote von Medien zu sein, die jetzt über sie berichten.”

Psychoterror und Zwangsumzug, RTL wird anständig, Reden wird Gold

1. Psychoterror und Zwangsumzug: Wenn “liberale” Influencer Zielpersonen “markieren” – Jasmina Kuhnke
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk & Alex Urban & Philip Kreißel)
Die Comedy-Autorin und Twitterin Jasmina Kuhnke musste aufgrund von Bedrohungen der rechten Szene und Trollen (“Sifftwitter”) den Wohnort wechseln. Der “Volksverpetzer” hat den Vorgang in einem längeren Beitrag aufgearbeitet: “Durch gewisse Influencer:innen, die sich an Jasmina Kuhnke (und vielen anderen) abarbeiten, werden gewisse rassistische und sexistische Narrative bedient. (…) Jasmina Kuhnke ist ‘laut’, provokant und direkt – aber disqualifiziert sie das für den öffentlichen Diskurs? Rechtfertigt irgendeine ihrer Aussagen diesen Psychoterror, diese finanziellen Bürden?”

2. RTL wird anständig: Die Selbstzähmung des Biests
(dwdl.de, Peer Schader)
RTL will sich neu erfinden und scheint bereit, sich von seinem alten Markenimage zu lösen. Keine leichte Aufgabe, wie Peer Schader findet: “Eine Marke wie RTL mit neuen Werten aufzuladen – Empathie, Inspiration, Respekt – ist ein bisschen so, als wolle man einem Prollauto mit Heckspoiler bei laufender Fahrt zwei Kindersitze auf die Rückbank schrauben und den lackzerkratzten Prellbock vorne mit Blumenkästen verzieren.”

3. Journalismus der Zukunft: radikal metamedial
(dirkhansen.net)
“Der Journalismus wird immer radikaler. Der Deutungsmachtkampf wird immer intensiver. Das Medienmeta wird immer wichtiger.” Dirk Hansen hat sich lesenswerte Gedanken zum Journalismus gemacht, die neue Perspektiven eröffnen. Eine gelungene Mischung aus Meta-Beobachtung und praktischen Beispielen.

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4. Schluss mit Mainstream
(taz.de, Leonard Maximilian Schulz)
Anbieter wie Netflix und Amazon Prime beherrschen den Streaming-Markt. Ins Hintertreffen geraten dabei Portale, die zwar weniger bekannt sind, aber ebenfalls ein interessantes Filmangebot vorhalten. Leonard Maximilian Schulz stellt vier dieser Streaming-Alternativen vor: Sooner (“Europäisches Festivalkino”), Filmfriend (“Das familienfreundliche Angebot”), Shasha Movies (“Kino aus Nahost und Nordafrika”) und Mubi (“Zeitgenössischer Arthouse-Film”).

5. Reden wird Gold
(zeit.de, Jakob von Lindern)
Die Audio-App Clubhouse führt ein neues Feature ein: Mittels “Payments” können Nutzerinnen und Nutzer ab sofort anderen Menschen über Clubhouse Geld schicken. Das eröffnet neue Perspektiven für all diejenigen, die mit dem gesprochenen Wort Geld verdienen wollen. Jakob von Lindern sieht die App-Macher jedoch zunächst in einer anderen Pflicht: “Hass, Verschwörungen und illegale Inhalte sind Probleme, mit denen alle sozialen Netzwerke zu kämpfen haben. Bei Audio-Apps kommt dazu, dass es besonders schwer ist, gesprochene Inhalte zu moderieren. (…) Der Erfolg von Clubhouse könnte auch davon abhängen, ob die Macher einen guten Weg finden, damit umzugehen, vielleicht sogar einen besseren als die Konkurrenz.”
Weiterer Lesehinweis: Von Beginn an wurde Clubhouse für seinen Umgang mit Daten und dem Räubern des Adressbuchs kritisiert. Nun sind Daten von 1,3 Millionen Clubhouse-Nutzern abgegriffen worden. (golem.de, Andreas Donath).
Und apropos Datenleck: Karrierenetzwerk LinkedIn: Daten von Millionen Nutzern im Netz zum Verkauf angeboten (spiegel.de).

6. Bitte zu Tisch
(sueddeutsche.de, Gerhard Matzig)
“Süddeutsche”-Redakteur Gerhard Matzig hat sich das Mobiliar in TV-Studios angeschaut. Besonders angetan haben es ihm die überdimensionierten Tisch-Konstruktionen: “James Bond, Einbaum, Titanentheke. Warum stehen im Fernsehen überall diese Monstermöbel?”

KW14: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Die Fernsehschatztruhe: Holm Dressler
(podcast.de, Frank Battermann & Alex Schindler, Audio: 1:30:30 Stunden)
Bei der “Fernsehschatztruhe” ist eine TV-Legende zu Gast: Holm Dressler, der als Autor, Regisseur und Produzent für die verschiedensten Fernsehprojekte zuständig war. Darunter TV-Klassiker wie “Wetten, dass..?” mit Thomas Gottschalk (ZDF) oder die erste tägliche Late-Night-Show mit Gottschalk bei RTL. Dressler kann sich noch gut an den gemeinsamen Wechsel zum Privatfernsehen erinnern: “Helmut Thoma hat uns mit Geld überzeugt. Wir haben ein Begrüßungsgeld bekommen: Thomas bekam drei Millionen und ich eine halbe Million – ohne irgendwas zu machen, außer Ja zu sagen!”

2. Zahlen mit Friederike Freiburg und Christina Elmer
(dennishorn.de, Audio: 55:12 Minuten)
Friederike Freiburg und Christina Elmer arbeiten in der Entwicklungsredaktion des “Spiegel” und kümmern sich dort unter anderem um die Entwicklung neuer digitaler Produkte. Dennis Horn unterhält sich mit den beiden über Daten, Metriken und Erfolgskriterien: “Wir diskutieren, welchen Stellenwert in einer durchanalysierten Medienlandschaft die Kreativität noch hat. Und wir klären, wie wir es schaffen, dass die Chefetage bei ihren Entscheidungen auf ‘die richtigen Metriken’ blickt.”

3. Belästigung auf Instagram mit Kim Chakraborty von Antiflirting
(medienzirkus.podigee.io, Greta Linde, Audio: 32:07 Minuten)
Auf der Instagram-Seite “Antiflirting” werden übergriffige, nun ja, Flirtversuche gepostet, die bei Frauen in den Direktnachrichten landen. Das reicht vom missglückten Anmachspruch bis zum Penisbild oder einer Vergewaltigungsfantasie. Greta Linde vom “Medienzirkus”-Podcast hat sich mit der “Antiflirting”-Gründerin Kim Chakraborty über das Projekt unterhalten. Dabei gibt auch es zwei gute Tipps: “Dickstinction. Wenn ihr ein ungewünschtes Penisbild zugeschickt bekommen habt, könnt ihr das über die Plattform Dickstinction unkompliziert anzeigen. Mehr Infos findet ihr unter dickstinction.com oder auf Instagram bei @dickstinction_. Falls ihr Opfer von sexueller Gewalt geworden seid, könnt ihr beispielsweise das Hilftsportal Sexueller Missbrauch des Bundesfamilienministeriums nutzen, das ihr unter 08000 116 016 erreicht (kostenlos und anonym).”

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4. Arnold Marquis, dt. Synchronsprecher
(ardaudiothek.de, Andrea Klasen, Audio: 14:53 Minuten)
Der Schauspieler Arnold Marquis (1921-1990) war einer der meistbeschäftigten deutschen Synchronsprecher und synchronisierte mit seiner markanten Stimme unter anderem John Wayne, Robert Mitchum, Richard Widmark, Bud Spencer, James Coburn und Kirk Douglas. Im WDR-“Zeitzeichen” denkt man an den Mann zurück, mit dessen Stimme ganze Generationen von Fernsehzuschauerinnen und Kinobesuchern aufgewachsen sind.

5. Poker um Fußballrechte – bald ohne ARD und ZDF?
(sr-mediathek.de, Katrin Aue & Thomas Bimesdörfer, Audio: 17:05 Minuten)
Ist es angebracht, dass die öffentlich-rechtlichen Sender Millionen Euro für Fußball-Übertragungsrechte ausgeben? Werden damit die Gebührengelder der Beitragszahler verschwendet? Oder zählt der Sport zur Grundversorgung? Darüber diskutieren Katrin Aue und Thomas Bimesdörfer mit Professor Michael Schaffrath, der als Kommunikationswissenschaftler an der Sportfakultät der TU München forscht.

6. Lebensgefährliches Selfie: Folgen des Social Media Tourismus
(youtube.com, Zapp, Video: 16:16 Minuten)
Viele Influencer und Influencerinnen befinden sich in einem regelrechten Wettbewerb um die spektakulärsten Bilder. Waghalsige Naturfotos auf Klippen oder Felsen, an Abgründen oder Wasserfällen versprechen zahlreiche Likes, sind aber auch gefährlich. Ein Ort, der Selfie-Touristen anscheinend magisch anzieht, sei Berchtesgaden in Bayern. Doch aus dem Selfie kann schnell ein “Killfie” werden. Aaron Moser ist an den Königsee gereist und hat sich dort unter anderem mit Verantwortlichen des Nationalparks über das riskante Treiben der Fotojäger unterhalten.

Neue Hass-Dimension, RTL richtet neu aus, Chinas TV-Zensur radiert aus

1. Hass und Hetze im Netz: Kaum Schutz für Opfer
(wdr.de, Lara Straatmann, Video: 7:32 Minuten)
Die couragierte und meinungsstarke Comedyautorin Jasmina Kuhnke sieht sich seit Jahren Einschüchterungen, Beleidigungen und Morddrohungen ausgesetzt. Doch nun erreicht die auch von rechtskonservativen Journalisten angefeuerte Online-Hetze einen neuen traurigen Höhepunkt: Aufgrund der akuten Bedrohungslage musste Kuhnke samt ihrer vier Kinder den Wohnort wechseln.

2. “Katapult” macht Lokalzeitung Konkurrenz
(deutschlandfunk.de, Silke Hasselmann, Audio: 5:23 Minuten)
Der für seine Infografiken bekannte “Katapult”-Verlag startet ein neues Online-Medium für Mecklenburg-Vorpommern. Im Deutschlandfunk erzählt “Katapult”-Chef Benjamin Fredrich von den Beweggründen – und die haben etwas mit dem marktbeherrschenden “Nordkurier”” zu tun.

3. Aufruf: Schützt unsere Reporterinnen und Reporter und ihre Teams!
(agra-rundfunk.de, Hubert Krech)
Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse (AGRA) ist eine Plattform, auf der sich die Redakteursvertreter von ARD, Deutschlandradio, Deutsche Welle und ZDF austauschen. Wegen der zunehmenden Angriffe und Übergriffe auf Reporterteams bei Demonstrationen hat die AGRA einen Offenen Brief an die Innen- und Justizminister (PDF) geschrieben: “Die Journalist*innen und ihre Teams werden schon seit einigen Jahren massiv beschimpft und bedrängt – und teilweise sogar körperlich angegriffen. Einige Reportage-Teams können schon länger ihre Arbeit nur unter Schutz von privaten Sicherheitsfirmen verrichten. Immer wieder werden Reporter*innen und Teammitglieder verletzt und müssen sogar ärztlich behandelt werden. (…) Das können und wollen wir nicht als mögliches Berufsrisiko hinnehmen.”
Weiterer Lesehinweis: Corona-Proteste in Österreich: ORF will Reporter besser schützen (deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz).

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4. “Das Thema Wohnen ist sehr emotional aufgeladen”
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Ulrike Bremm hat für den “Fachjournalist” mit zwei Verantwortlichen des Wohn- und Lifestyle-Magazins “Living at Home” gesprochen: Was fasziniert sie am “Living-Journalismus”? Welche Qualifikationen sollte man als “Living-Journalist” mitbringen? Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Und: Wie wohnen sie selbst?

5. Weniger laut und seriöser – Darum ist der angestrebte Imagewandel bei RTL ein richtiger Schritt
(meedia.de, Thomas Borgböhmer)
Unlängst sorgte eine Medienpersonalie für Schlagzeilen: Quasi im laufenden Geschäftsbetrieb trennte sich RTL von seiner langjährigen Programmikone, dem Pop-Star und “DSDS”-Juror Dieter Bohlen. Gleichzeitig holt sich der Sender Hape Kerkeling und Jan Hofer ins Programm. Keine zufälligen Entscheidungen, sondern Teil einer strategischen Neuausrichtung des Senders, wie “Meedia”-Redakteur Thomas Borgböhmer erklärt.

6. Chinas TV-Zensur radiert westliche Marken aus
(spiegel.de)
Einige Modefirmen wollen keine Baumwolle mehr aus der chinesischen Provinz Xinjiang beziehen. Ende vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass dort Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren als Zwangsarbeiter in der Baumwollproduktion eingesetzt werden. Als Reaktion auf den Baumwoll-Boykott haben chinesische TV-Sender damit begonnen, Hinweise auf Kleidungshersteller aus Europa und den USA in ihrem Programm zu überblenden. Das Resultat ist mitunter kurios.

Krautreporter vs. Bundesregierung, Pekings Propaganda, Facebooks Leck

1. Warum wir rechtlich gegen die Bundesregierung vorgehen
(krautreporter.de)
Die Bundesregierung will über 200 Millionen Euro Fördergelder an die Presse ausschütten. Der Haken: Das Geld geht nur an die etablierten Player der Print-Branche – digitale, unabhängige Medien bekommen nichts. Dagegen wollen sich die “Krautreporter” wehren. Zunächst mit einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, möglicherweise aber auch mit weiteren Schritten: “Sollte Minister Altmaier uns nicht bis zum 20. April bestätigen, dass er die Presseförderung in dieser Form unterlässt, gehen wir vor Gericht.”

2. Peking investiert in Propaganda
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Steffen Wurzel, Audio: 6:44 Minuten)
Nicht nur Russland will seinen medialen Einfluss im Ausland ausbauen. Auch China investiere in Propaganda, so der China-Korrespondent Steffen Wurzel im Deutschlandfunk. Die Kommunistische Partei setze laut einem australischen Thinktank systematisch auf die Sozialen Medien und auf Influencer. Erwähnung finden auch prominente Personen wie der frühere SPD-Bundesvorsitzende Rudolf Scharping und der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess.

3. Dann lieber den wütenden Rezo als die eiernde Birgitta
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Medienkritiker Stefan Niggemeier wundert sich über einen “Tagesthemen”-Kommentar von Birgitta Weber, der Inlandsfernsehchefin des SWR und Leiterin von “Report Mainz”. In ihrem Kommentar hat Weber sinngemäß beklagt, dass die politische Diskussion auch an den Osterfeiertagen weitergegangen sei. Niggemeier kommentiert: “Man kann wirklich viel sagen gegen Laschets ‘Brückenlockdown’ (und auch einiges dafür). Aber der eine Vorwurf, der wirklich zu dumm sein sollte für eine öffentliche Debatte und sogar einen ‘Tagesthemen’-Kommentar, ist der der öffentlichen Ruhestörung.”

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4. Facebook versucht, ein riesiges Datenleak kleinzureden
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Vergangenes Wochenende wurde publik, dass ein Unbekannter in einem Forum einen Datensatz mit Informationen zu mehr als 530 Millionen Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern veröffentlicht hat. Facebook versucht, das brisante Datenleck herunterzuspielen, und scheint sich auch ansonsten wenig Mühe zu geben, verantwortungsvoll zu handeln. So habe das Unternehmen nicht vor, die Betroffenen zu kontaktieren.

5. Die Guten müssen zusammenhalten
(kontextwochenzeitung.de)
Vor zehn Jahren wurde der Kontext-Verein für ganzheitlichen Journalismus e.V. gegründet – es war die Geburtsstunde der Online-Wochenzeitung “Kontext”. Zehn Jahre später schaut die Redaktion zurück auf die verstrichene Dekade und präsentiert besondere Momente der “Kontext”-Historie.

6. Vogelgezwitscher im Hintergrund
(blogs.taz.de, Lalon Sander)
Die “taz” hat zu Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr ein tolles Projekt gestartet: Leser und Leserinnen sprechen “taz”-Texte ein, die Ergebnisse kann man beim Messenger Telegram anhören. Mittlerweile seien 2.000 dieser Hörstücke zusammengekommen. Wer auch einen stimmlichen Beitrag zu dem Projekt beisteuern will, könne sich gerne unter [email protected] melden.

Grundgesetz-Paradoxon, Talkshows, Lichtundurchlässige Transparenz

1. Im Namen des Grundgesetzes gegen die Presse
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 6:32 Minuten)
Die sogenannten “Querdenker” berufen sich bei ihrem Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen gerne auf die im Grundgesetz verankerten Freiheiten. Die Pressefreiheit scheint in ihrem “Querdenken” jedoch weitgehend ausgeklammert: Medien werden pauschal oft als “Lügenpresse” abgetan, beschimpft, bedroht und attackiert. Für Medienschaffende stellt sich ein weiteres Problem: “Wenn Medien Fotos von Demo-Plakaten veröffentlichen, tragen sie die abgebildeten Slogans und Behauptungen in eine Öffentlichkeit, die über die der Veranstaltungsteilnehmer und -zuschauer weit hinausgeht, und verschaffen so auch falschen Tatsachenbehauptungen und Verschwörungsmythen eine Bühne.”

2. Erster Transparenzbericht: Was Pornhub unterschlägt
(sebastianmeineck.wordpress.com)
Sebastian Meineck hat sich den Transparenzbericht von “Pornhub” angeschaut. Die Porno-Plattform war zuvor in die Kritik geraten, weil es dort zahlreiche Fälle von Menschen gibt, die niemals vor einem Millionenpublikum nackt zur Schau gestellt werden wollten; es geht um Fälle von sexualisierter Gewalt, teilweise auch an Minderjährigen. Meinecks Eindruck: Der Transparenzbericht sei in weiten Teilen eher ein “Opazitätsbericht”.

3. Mehr Likes für die Täter
(katapult-magazin.de, Daniela Krenn)
Nachdem eine südkoreanische Staatsanwältin öffentlich von Übergriffen ihres Chefs berichtet hatte, verbreitete sich der Hashtag #MeToo auch in Südkorea und war dort großes Thema. Die anfängliche Solidarität mit Betroffenen und Unterstützung für Opfer sei zu Beginn groß gewesen, dann jedoch abgerissen und ins Gegenteil umgeschlagen. Eine Studie ist der Frage nachgegangen, wie es zu dem Meinungswandel kam.

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4. Zentrum des Fortschritts: Wie sich das ZDF neu erfindet
(dwdl.de, Alexander Krei)
Thomas Bellut befindet sich nach zwei Amtszeiten im letzten Jahr seiner Tätigkeit als ZDF-Intendant. Die bisherige Bilanz falle positiv für Bellut aus, so Alexander Krei: “On air könnte es für den Sender kaum besser laufen. Die Quoten stimmen und personell wurden jüngst wichtige Weichen gestellt.”

5. Das Comeback des Polittalks
(taz.de, Anne Fromm)
Die öffentlich-rechtlichen Talkshow-GastgeberInnen Anne Will und Markus Lanz können derzeit Rekordquoten verzeichnen. Anne Fromm kommentiert: “Der Erfolg liegt auch daran, dass Talkshows an Tiefe gewonnen haben. Hätten in den vergangenen Jahren so viele Mi­gra­ti­ons­ex­per­t:in­nen in den Talkshows gesessen wie heute Mediziner:innen und Bio­log:in­nen, wäre die Debatte um die Aufnahme von Geflüchteten anders verlaufen.”

6. Diese zehn seltsamen Nutzerfragen (und Millionen mehr) werden bald gelöscht
(spiegel.de, Markus Böhm)
Yahoo macht seine Ratgeber- und Frageportale dicht. Davon betroffen sind im englischsprachigen Raum “Yahoo Answers” und im deutschsprachigen Raum “Yahoo Clever”. Die Portale sollen nicht auf dem jetzigen Stand eingefroren werden, sondern tatsächlich samt aller Inhalte gelöscht werden. Markus Böhm hat sich angeschaut, was der Menschheit so alles an Weltwissen verloren geht. Spoiler: angesichts seiner Liste nicht unbedingt viel.

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