Archiv für 6 vor 9

Chronologie einer Geisterfahrt, Kein Glyphosat, “Mitbürger”-Begriff

1. Chronologie einer Geisterfahrt
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Anhand bislang unveröffentlichter Akten aus dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt Ingo Dachwitz, warum die Regierung mit dem Versuch einer Presseförderung scheiterte und wie groß der Einfluss der Presseverleger auf den Prozess war. So heiße es in einem Schreiben eines Staatssekretärs aus dem Ministerium an den Verlegerverband BDZV: “Wir tun alles, um die Belange der Verlagsbranche so gut wie möglich zu berücksichtigen”.

2. AfD muss ARD-“Monitor” zu Parteitag zulassen
(faz.net)
Wie der WDR meldet, hat das Landgericht Erfurt eine einstweilige Verfügung gegen die AfD Thüringen erlassen, nach der die Partei Journalistinnen und Journalisten des ARD-Magazins “Monitor” Zugang zum Landesparteitag gewähren muss. Die AfD hatte dem Fernsehteam zuvor die Akkreditierung verweigert, weil sie dessen Berichterstattung ablehnt. Ellen Ehni, Chefredakteurin Politik und Zeitgeschehen des WDR, kommentiert: “Das ist ein Erfolg für die freie Berichterstattung in diesem Land – und für die Demokratie. Das Gericht bestärkt uns in unserem Auftrag. Dazu gehört auch die Berichterstattung über Landesparteitage, bei denen kritische Fragen selbstverständlich möglich sein müssen.”

3. Weshalb man Juden nicht “Mitbürger” nennen sollte
(deutschlandfunk.de, Henry Bernhard)
Henry Bernhard diskutiert die problematische Verwendung des Begriffs “jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger”. Er argumentiert, dass die Bezeichnung eine sprachliche Grenze schaffe, die “Jude” als abweichend von der “Normalität” darstelle. Dies gelte auch in anderen Fällen: “Wer den anderen mit einem vorgesetzten Adjektiv als ‘Mitbürger’ bezeichnet, zieht eine Grenze zwischen sich und ihm, zwischen sich und ‘dem Anderen’, dem er aber verbal in paternalistischer Pose wohlmeinend auf die Schulter klopft. Man sagt ihm dabei, dass man selbst ‘normal’ sei, der andere aber irgendwie anders. Oder auch schwächer, betreuungsbedürftig.”

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4. Das ist kein Glyphosat. Das auch nicht. Das auch nicht. Das auch nicht.
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier kritisiert bei “Übermedien” die falsche Bebilderung von Glyphosat in der Berichterstattung mehrerer Medien. Anhand von Beispielen zeigt er, dass häufig Bilder von Traktoren, die über Felder fahren und dabei verschiedene Substanzen versprühen, fälschlicherweise als Illustrationen für Glyphosat verwendet werden. Solche Aufnahmen würden einen falschen Eindruck vom Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters vermitteln und die Unkenntnis der Redaktionen über die tatsächliche Wirkungsweise und Anwendung von Glyphosat zeigen.

5. Sinn und Zweck
(journalist.de, Jennifer Spatz & Celine Schäfer)
Der “journalist” hat sich bei Medienschaffenden, Wissenschaftlerinnen und Strategen umgehört, wie sie zum Thema “Purpose” stehen: Wie spiegelt sich das Thema Sinn in der Medienbranche wider? Dabei wird deutlich, dass der oft missverstandene oder ignorierte Begriff eine vielschichtige Bedeutung haben und ganz individuell bewertet werden kann.

6. “Stumpf jeden Scheiß zu präsentieren – ich würde mich schämen” – Oliver Kalkofe über Social Media und TV.
(turi.de, Markus Trantow)
In einem Interview mit “turi2” äußert sich Oliver Kalkofe, unter anderem bekannt durch seine satirische Fernsehsendung “Kalkofes Mattscheibe”, kritisch über Social Media und Fernsehen. Er zeigt sich besorgt über Jugendliche, die Influencern nacheifern, und über die Tendenz des Fernsehens, irreführende oder minderwertige Inhalte zu präsentieren. Kalkofe reflektiert auch den Wandel in der Werbelandschaft, indem er die vergangene Ära von Werbeikonen wie Frau Sommer und Herrn Kaiser mit der heutigen Generation von Influencern vergleicht (der Beitrag ist ein Auszug aus dem “turi2”-Podcast mit Kalkofe, der Ende September erschienen ist).

“Süddeutsche” bedauert, AfD vs. “Monitor”, Reichelts Taliban-Tweet

1. »Süddeutsche Zeitung« bedauert »Fehler« in Berichterstattung über Jens Söring
(spiegel.de)
Die “Süddeutsche Zeitung” hat für Fehler in der Berichterstattung über den in den USA verurteilten Mörder Jens Söring um Entschuldigung gebeten. Chefredakteur Wolfgang Krach räumte gegenüber dem Medienmagazin “Zapp” ein (Pressemitteilung, Video), dass die Journalistin Karin Steinberger gegen Ende ihrer Recherchen die notwendige journalistische Distanz zu Söring und dessen Umfeld verloren habe. Auch Steinberger, die Söring über zwölf Jahre bis zu dessen Freilassung im Dezember 2019 begleitet und mehr als ein Dutzend Artikel über den Fall geschrieben hat, bedauerte, in einigen E-Mails Grenzen überschritten zu haben.

2. “Monitor” darf nicht zu AfD-Landesparteitag
(dwdl.de, Manuel Weis)
Wie “DWDL” berichtet, hat die thüringische AfD dem TV-Magazin “Monitor” den Zutritt zu ihrem Landesparteitag verweigert, mit der Begründung, dass bei der ARD-Sendung “überhaupt nicht mehr von einer journalistischen Berichterstattung die Rede sein” könne. “Monitor”-Chef Georg Restle kritisiert die Entscheidung als “Offenbarungseid eines rechtsextremen AfD-Landesverbandes, der zeigt, was die Partei von kritischem Journalismus und Meinungsfreiheit in diesem Land hält”. Der WDR prüfe rechtliche Schritte gegen die verweigerte Akkreditierung.

3. Julian Rei­chelt muss Taliban-Tweet löschen
(lto.de, Max Kolter)
Das Kammergericht Berlin hat auf Betreiben des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung einen Tweet des ehemaligen “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt untersagt, in dem dieser behauptete, Deutschland habe 370 Millionen Euro Entwicklungshilfe an die Taliban gezahlt. Das Gericht habe darin eine unwahre Tatsachenbehauptung gesehen, die geeignet sei, das Vertrauen der Bevölkerung in die Bundesrepublik zu gefährden. Diese Entscheidung stelle eine Abkehr von der vorherigen Einschätzung durch das Landgericht Berlin dar, das Reichelts Tweet noch als zulässige Meinungsäußerung eingestuft habe.

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4. “Musk hat einen Safe Space für Rassisten geschaffen”
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk ist laut einer Untersuchung des Center for Countering Digital Hate (CCDH) eine Zunahme von Rassismus und Antisemitismus auf der Plattform zu beobachten. Die Untersuchung ergab, dass 98 Prozent der gemeldeten hasserfüllten Beiträge online blieben, darunter solche, die zu Gewalt aufrufen, den Holocaust leugnen oder Nazis verherrlichen. Imran Ahmed vom CCDH kommentiert: “Das ist das unvermeidliche Ergebnis, wenn man Sicherheits- und Moderationspersonal abbaut […] und jedem, der bereit ist, 8 US-Dollar pro Monat zu zahlen, mehr Sichtbarkeit bietet. Musk hat einen safe space für Rassisten geschaffen und versucht, aus der Straffreiheit, die sie dazu bringt, marginalisierte Gemeinschaften anzugreifen, zu belästigen und zu bedrohen, eine Tugend zu machen.”

5. KI-Jobs im Journalismus: Wettrennen gegen die Technologie
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Gunter Becker beschäftigt sich beim “Fachjournalist” mit der wachsenden Bedeutung von KI-bezogenen Jobs in der Medienbranche. Einige Medienhäuser würden inzwischen aktiv nach Spezialisten für Künstliche Intelligenz suchen, um Redaktion, Marketing und Management zu optimieren. Becker hat mit einem erfahrenen Chefredakteur und einem Medienwissenschaftler darüber gesprochen, ob damit bereits eine neue Jobwelle auf die Branche zurollt oder ob es sich noch um vereinzelte “Pionier-Stellen” handelt.

6. Google-KI sagt Wetter genauer und viel sparsamer als die besten Supercomputer vorher
(derstandard.at, Andreas Proschofsky)
Andreas Proschofsky beschreibt, wie Googles Künstliche Intelligenz namens Graphcast die Genauigkeit und Effizienz von Wettervorhersagen verändert. Laut Google übertrifft Graphcast die derzeit besten Systeme in den meisten Fällen und könne Wettervorhersagen für zehn Tage in nur einer Minute erstellen, wobei es lediglich einen Bruchteil der Energie herkömmlicher Supercomputer verbrauche.

600.000 Euro aus Russland?, Reißerische Talkshowtitel, Auf1-Deal

1. Journalist Hubert Seipel: 600.000 Euro aus Russland?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Journalist und Dokumentarfilmer Hubert Seipel, bekannt für seine Bücher über und Interviews mit Wladimir Putin, soll laut ZDF und “Spiegel” 600.000 Euro aus Russland erhalten haben. Diese Information beruhe auf vertraulichen Dokumenten aus der internationalen Recherche “Cyprus Confidential”. Seipel habe die finanzielle Unterstützung durch den russischen Oligarchen Alexej Mordaschow bestätigt, betone aber, dass dies keinen Einfluss auf den Inhalt seiner Bücher gehabt habe. Der NDR, für den Seipel mehrfach Putin interviewt hatte, sieht das anders und hat eine Untersuchungskommission eingesetzt: “Es besteht der Verdacht, dass wir und damit auch unser Publikum vorsätzlich getäuscht worden sind. Dem gehen wir jetzt nach und prüfen rechtliche Schritte”, so NDR-Intendant Joachim Knuth.

2. Doch keine “Medienrevolution”
(taz.de, Anne Fromm)
Der Fernsehsender Auf1, der für die Verbreitung von Verschwörungsmythen und rechter Hetze bekannt ist, darf in Deutschland nicht mehr über Satellit senden. Der in Österreich gegründete Sender, der vor allem bei Corona- und Klimawandelleugnern, Putin-Fans und Rechtsextremen beliebt ist, hatte es mit einem Trick ins deutsche Fernsehen geschafft: Er hatte Sendezeit bei einem Regionalsender gekauft. Nun habe die Landesmedienanstalt Baden-Württemberg entschieden, dass dieser Deal gegen den Medienstaatsvertrag verstößt und die Ausstrahlung von Auf1 in Deutschland nicht mehr erlaubt ist.

3. Reißerische Talkshowtitel und der Gaza-Konflikt
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer)
Sascha Wandhöfer beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Verwendung von dramatischen und reißerischen Überschriften in politischen Talkshows, insbesondere im Kontext des Krieges in Nahost. Solche Titel könnten zwar hohe Einschaltquoten generieren, hätten aber auch negative Effekte wie Themenverdrossenheit und Nachrichtenmüdigkeit. Experten und Medienforscher betonen die Notwendigkeit eines sorgfältigen Framings und plädieren für konstruktivere Ansätze in der Berichterstattung, um eine bessere Diskussions- und Problemlösungskultur in der Gesellschaft zu fördern.

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4. Ampel will Streaming von Gerichtsprozessen ermöglichen
(spiegel.de)
Nach Informationen des “Spiegel” plant die Ampelkoalition, das Streaming von Gerichtsverhandlungen zu ermöglichen, so dass Prozessbeteiligte an Zivilgerichten digital an den Verhandlungen teilnehmen können. Der Gesetzesentwurf sehe auch vor, dass Videoverhandlungen der Öffentlichkeit per Streaming zugänglich gemacht werden können.

5. Gazprom-Lobby: Sigmar Gabriel erstreitet Halbsatz gegen CORRECTIV
(correctiv.org, Justus von Daniels & Annika Joeres)
Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel hat eine einstweilige Verfügung gegen das Recherchezentrum “Correctiv” erwirkt, um die Darstellung seiner Haltung zu Russland in einem Artikel über die “Gazprom-Lobby” zu korrigieren. Trotz dieser gerichtlichen Entscheidung bleibe die Grundaussage des Artikels bestehen, schreibt “Correctiv”. Man werde gegen das Urteil Berufung einlegen: “Wir halten diese Entscheidung in mehrfacher Hinsicht für höchst problematisch. Vor allem befürchten wir, dass es der Presse künftig schwer gemacht wird, komplexe Sachverhalte zusammenfassend auf den Punkt zu bringen”, so der “Correctiv”-Anwalt.

6. “Stört soziale Harmonie”: Nepal verbietet TikTok
(orf.at)
Die nepalesische Regierung plane, die Videoplattform TikTok zu verbieten, da sie der Ansicht sei, dass die App negative Auswirkungen auf die “soziale Harmonie” im Land habe. Die Ankündigung des Verbots habe in der Öffentlichkeit große Aufregung ausgelöst. Kritiker sähen in der Maßnahme einen Versuch, die Meinungsfreiheit zu beschneiden.

KI-Regeln und KI-Fälschungen, Twitter und der Rechtsruck, ARD-Presseclub

1. Künstliche Intelligenz als “unterstützendes Werkzeug”
(deutschlandfunk.de, Martin Krebbers, Audio: 5:02 Minuten)
Mehrere Journalismusverbände, darunter der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), haben die sogenannte Paris-Charta unterzeichnet, die Grundregeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Medien festlegt. Diese Regeln betonen, dass KI im Journalismus nur als unterstützendes Werkzeug eingesetzt werden sollte, wobei die redaktionelle Verantwortung und die Verpflichtung zur Transparenz bei KI-generierten Inhalten gewahrt bleiben müssen. KI könne unterstützend wirken, etwa beim Vorlesen, Untertiteln oder Transkribieren, dürfe aber nicht zu einem synthetischen Journalismus führen, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster.

2. Falsche tagesschau-Audiodateien im Umlauf
(tagesschau.de, Carla Reveland & Pascal Siggelkow)
Der “Tagesschau”-“Faktenfinder” warnt vor gefälschten, KI-generierten Audiodateien, die vermeintlich von der “Tagesschau” stammen sollen. Diese Soundclips würden suggerieren, dass sich die Redaktion für angebliche Lügen in ihrer Berichterstattung entschuldige, insbesondere zu Themen wie dem Krieg in der Ukraine und der Corona-Pandemie.

3. Plädoyer für den mündigen Zuschauer. Der “Presseclub” in der ARD
(epd.de, Christopher Hechler)
Christoph Hechler lobt die Sendung “Presseclub”, die sich wohltuend von anderen öffentlich-rechtlichen Talkshows abhebe. Besonders angetan ist er von der anschließenden Diskussion mit den Zuschauerinnen und Zuschauern: “Richtig glänzen kann der ‘Presseclub’ aber dann, wenn er seine bei Phoenix, WDR5 und im Netz ausgestrahlte Verlängerungs-Viertelstunde für die ‘Nachgefragt’-Rubrik nutzt – denn immer wieder präsentieren sich die Zuschauer als informierte Journalismus-Interessierte, die am Diskussionstisch in der Sendung ebenso gut aufgehoben wären wie manche Teilnehmer.”

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4. Twitter, der Rechtsruck und die paralysierte Linke
(mspr0.de, Michael Seemann)
Michael Seemann diskutiert den politischen Rechtsruck in Deutschland und dessen möglichen Zusammenhang mit dem Niedergang von Twitter. Der Wegfall von Twitter als einheitlicher Vernetzungsraum für die linksliberale bis linksradikale Szene habe zu einer Fragmentierung und einem Verlust an diskursiver Relevanz geführt. Seemann befürchtet, dass sich die jüngere Generation zunehmend von textbasierten Diskursen abwendet und stattdessen auf visuellen Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube kommuniziert, wo reflektierte linke Stimmen in die Minderheit geraten könnten.

5. Was sind extrem rechte Memes?
(belltower.news)
Der Artikel auf “Belltower.News” beschäftigt sich mit rechtsextremen Memes in der Internetkommunikation. Solche Memes würden als Propagandainstrumente und zur Verbreitung extremistischer Ideologien eingesetzt, indem sie komplexe politische Themen vereinfachen und emotionalisieren. Sie trügen zur Normalisierung von Hass und Diskriminierung bei und dienten in extremistischen Online-Communities als Mittel der Identitäts- und Gruppenbildung. Die Aufklärungsbroschüre kann hier als PDF heruntergeladen werden.

6. Das passiert, wenn man eine Schimpfwort-Forscherin in eine Talkshow einlädt
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 1:23 Minuten)
Himmel, Arsch und Zwirn! Boris Rosenkranz hat in unterhaltsamen 83 Sekunden zusammengeschnitten, was passiert, wenn eine Expertin fürs Schimpfen in eine TV-Talkrunde eingeladen wird.

Anti-SLAPP-Richtlinie, Wert von Silbereisen, Ende der “Klaukästen”

1. Offener Brief an die EU
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (ROG) und 73 weitere zivilgesellschaftliche Organisationen zeigen sich besorgt über den aktuellen Stand der Verhandlungen zur Anti-SLAPP-Richtlinie der EU, die Medienschaffende und Menschenrechtsaktivisten vor Einschüchterungsklagen schützen soll. Ohne die Möglichkeit, unbegründete Klagen frühzeitig abzuweisen, verliere die Richtlinie ihre Wirkung. ROG betont die Notwendigkeit einer starken Anti-SLAPP-Gesetzgebung in Europa, um Journalisten, Aktivisten und NGOs wirksam vor Einschüchterungsklagen zu schützen.

2. Bilder aus Gaza: Ein Balanceakt für die Medien
(ardmediathek.de, Marie Blöcher & Kim Kristin Mauch, Video: 15:56 Minuten)
Das Medienmagazin “Zapp” beschäftigt sich mit der schwierigen Berichterstattung über den Gaza-Krieg. Sowohl die Terrororganisation Hamas als auch die israelische Armee würden versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Da Journalistinnen und Journalisten nicht in den Gaza-Streifen reisen könnten, seien die Berichte der sogenannten Stringer umso wertvoller. Dabei handelt es sich um freie Mitarbeiter, die vor Ort ansässig sind und zum Teil direkt aus dem Geschehen berichten. Die Berichterstattung sei trotzdem ein Balanceakt.

3. Was kosten die Shows von Florian Silbereisen?
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Markus Ehrenberg diskutiert im “Tagesspiegel” die finanziellen Aspekte der vom MDR produzierten Shows von Florian Silbereisen. Der Sender soll von 2020 bis 2023 angeblich rund 45 Millionen Euro für Silbereisens Shows ausgegeben haben, was Fragen nach der Angemessenheit der Ausgaben für öffentlich-rechtliche Medien aufwerfe. Eine Gremiensitzung zur Zukunft Silbereisens beim MDR sei wegen Krankmeldungen abgesagt worden, was Ehrenberg nachdenklich stimmt: “Drückt man sich da womöglich vor einer Entscheidung? Es wäre vielleicht interessant zu erfahren, ob es auch in den nächsten Jahren so viel öffentlich-rechtliches Geld für Silbereisen-Shows gibt. Private können da kaum mithalten.”

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4. Staatsstreiche gegen Pressefreiheit
(taz.de, Katrin Gänsler)
Die Westafrika-Korrespondentin Katrin Gänsler weist in der “taz” auf die kritische Lage des Journalismus in der westafrikanischen Sahelzone hin. Seit August 2020 habe es in Westafrika sechs Staatsstreiche gegeben, die zu einer zunehmenden Unterdrückung der Pressefreiheit geführt hätten, insbesondere in den Ländern Burkina Faso, Mali und Niger. Journalistinnen und Journalisten würden dort häufig bedroht, verhaftet oder sogar getötet.

5. Das Ende der Klaukästen
(clap-club.de, Daniel Häuser)
Der Axel-Springer-Konzern habe das Ende der sogenannten “Klaukästen” angekündigt, in denen seit Jahrzehnten Boulevardtitel wie “Bild” in Städten zum Mitnehmen angeboten werden. Ab dem 20. November werde die München-Ausgabe der “Bild”-Zeitung nicht mehr in diesen Kästen erhältlich sein, weitere Städte sollen folgen. Das Unternehmen wolle sich auf den stationären Einzelhandel konzentrieren und Kosten sparen. Die Entscheidung sei Teil der “Digital-Only”-Strategie von Springer-Chef Mathias Döpfner und ein weiterer Schritt weg von den traditionellen Vertriebswegen für Printmedien.

6. Ein berühmter YouTuber rettet Afrika – glaubt er jedenfalls
(spiegel.de, Heiner Hoffmann)
Heiner Hoffmann beschreibt eine Aktion des weltweit erfolgreichsten Youtubers “MrBeast”, der für ein Video 100 Brunnen in Afrika bohren ließ, um den dort lebenden Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. “MrBeast” behauptete in seinem Video, dass diese Brunnen 500.000 Personen versorgen könnten, aber diese Zahl sei stark übertrieben und viele der Brunnen seien noch nicht funktionsfähig. Die Aktion habe in Kenia eine Debatte über die Rolle der Regierung und das Konzept des “weißen Retters” ausgelöst.

KW 45/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Taiwancast 35: China-Korrespondent Philipp Mattheis
(intaiwan.de, Klaus Bardenhagen, Audio: 56:39 Minuten)
Wer sich für China und Taiwan interessiert, kommt in der aktuellen Folge des “Taiwancast” gleich doppelt auf seine Kosten: Der Journalist und “Taiwancaster” Klaus Bardenhagen hat den Journalisten Philipp Mattheis zu Gast, der bereits auf ein bewegtes Korrespondentenleben zurückblicken kann und jahrelang für große Magazine aus Shanghai berichtet hat. Unbedingt hörenswert, weil der Podcast viele Schilderungen und Einschätzungen bietet, die man vielleicht nur in einem solchen Gespräch bekommt.

2. Weshalb sterben so viele Journalisten im Gaza-Krieg?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:07 Minuten)
“Es ist der tödlichste Beginn eines Krieges im 21. Jahrhundert”, sagt Christopher Resch, Pressesprecher der Organisation Reporter ohne Grenzen, beim Blick auf die Zahlen getöteter Journalisten und Journalistinnen in Gaza und in Israel. Im “Übermedien”-Podcast spricht Resch auch über die Vorwürfe gegen Agentur-Reporter aus Gaza, Helfer der Terroristen der Hamas zu sein, sowie über die Vermutung, dass das israelische Militär zumindest vereinzelt gezielt Journalisten ins Visier nimmt.

3. Kriegspropaganda: Journalisten zwischen Wahrheit und Desinformation
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 23:11 Minuten)
Vergangenes Wochenende haben wir hier auf eine Gemeinschaftsproduktion von “BR24 Medien” und dem ARD-Podcast “Lost in Nahost” aufmerksam gemacht (Wie kommen Journalisten an Informationen aus Gaza und Israel?). Darin ging es um die schwierigen Bedingungen für das Korrespondententeam, das derzeit nicht in den Gaza-Streifen kann, und die Wichtigkeit der dortigen Mitarbeiter. Diese Woche gibt es quasi eine Fortsetzung: “Julio Segador aus dem ARD-Studio in Tel Aviv berichtet, wie ihn Propagandavideos, Des- und Falschinformationen zugespielt werden – und wie er damit umgeht. Außerdem erklärt BR24-Faktencheckerin Julia Ley, wie sie Informationen überprüft – manchmal in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen in den ARD-Studios vor Ort.”

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4. Richard C. Schneider – “Draußen ist immer Gefahr”
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 1:45:39 Stunden)
In “Freiheit Deluxe” spricht Journalist und Autor Richard C. Schneider anlässlich der aktuellen Ereignisse im Nahen Osten mit Gastgeberin Jagoda Marinić unter anderem über die Darstellung von Gewalt in Medien, das Aufwachsen mit dem Trauma der Eltern und die komplexen Perspektiven des Nahostkonflikts.

5. The Pioneer: Wie gewinnt man Abonnenten mit Newslettern und Podcasts?
(podcasters.spotify.com, Lennart Schneider, Audio: 1:11:56 Stunden)
Zu Gast bei “Subscribe Now” ist Moritz Klein von “The Pioneer”, dem Medienunternehmen des ehemaligen “Handelsblatt”-Chefredakteurs Gabor Steingart. “The Pioneer” ist wegen seiner Wirtschaftsnewsletter und Podcasts bekannt, aber auch wegen seines Medienschiffs, mit dem die Crew durch das Berliner Regierungsviertel schippert. In dem Gespräch geht es vor allem um die Frage, wie das Unternehmen aus Leserinnen und Lesern zahlende Kundinnen und Kunden macht.

6. Krisen, Kriege, Katastrophen – nur noch zum Abschalten?
(youtube.com, Susanne Amann, Audio: 54:06 Minjuten)
Das Vertrauen in Medien ist schwer angeschlagen, viele Menschen wenden sich von den klassischen Medienangeboten ab und meiden Nachrichtensendungen. Was bedeuten diese Entwicklungen für unsere Demokratie? Und was können die Medien selbst tun, um diesen Trends entgegenzuwirken? Wie muss Journalismus sich verändern, wenn sich um uns herum alles ändert? Darüber diskutierten beim Festival “b future”: Katrin Eigendorf (ZDF-Korrespondentin), Daniel Kraft (Pressesprecher Bundeszentrale für politische Bildung), Ulla Fiebig (SWR-Direktorin) und Gordian Fritz (RTL-Reporter).

Lauernde Schlupflöcher, Selbstzensur aus Angst, Streik-Ende in Hollywood

1. Proisraelische NGO erhebt Vorwürfe gegen Agenturfotografen aus Gaza
(spiegel.de)
Die pro-israelische NGO “Honest Reporting” erhebt schwere Vorwürfe gegen freie Fotografen aus Gaza, die für westliche Nachrichtenagenturen arbeiten. Diese hätten vorab von den Angriffen der Hamas auf Israel gewusst. Die betroffenen Agenturen AP und Reuters weisen die Vorwürfe entschieden zurück und betonen, ihre Bilder seien deutlich nach dem Beginn der Angriffe entstanden.

2. Diese Schlupflöcher lauern
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Die neue EU-Verordnung zu politischer Online-Werbung führe zwar zu mehr Transparenz, indem sie Kennzeichnungspflichten einführe und Auskunft über Targeting-Kriterien sowie die Finanzierung von Anzeigen verlange, sie bleibe aber hinter den Erwartungen zurück, da gezielte Werbung mit Einwilligung weiterhin erlaubt sei. netzpolitik.org-Redakteur Ingo Dachwitz ist unzufrieden mit der Verordnung, die Schlupflöcher lasse und politisches Targeting nicht verhindere: “Der sicherere Weg wäre gewesen, politisches Targeting klar zu verbieten oder zumindest die dafür nutzbaren Daten drastisch zu beschränken, etwa auf Alter, Geschlecht und Ort.”

3. Grow-Stipendium von Netzwerk Recherche
(netzwerkrecherche.org)
Drei gemeinnützige Medienprojekte wurden mit dem Grow-Stipendium des Netzwerk Recherche und der Schöpflin Stiftung ausgezeichnet: die Journalistin Nalan Sipar für deutsch-türkische Klimanachrichten auf Social Media, Podcasterin Nine-Christine Müller für die Weiterentwicklung ihres Podcasts über ostdeutsche Identitäten und die Gründer Tobias Hübers und Daniel Moßbrucker für ein Unternehmen, das Redaktionen IT-Support bei Recherchen bietet. Neben einer Anschubfinanzierung von je 3.000 Euro erhalten die Stipendiatinnen und Stipendiaten ein Jahr lang Beratung und Weiterbildung durch das Netzwerk Recherche.

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4. A. L. Kennedy über Selbstzensur aus Angst: “Viele Bücher erscheinen gar nicht”
(derstandard.at, Michael Wurmitzer)
In einem Interview mit dem “Standard” spricht die britische Autorin A. L. Kennedy von einer zunehmenden Selbstzensur britischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Angst vor Angriffen konservativer Medien und Politiker. Dies führe dazu, dass viele Bücher nicht veröffentlicht würden. Es gebe eine große Nervosität unter “Autoren darüber, dass sie von der konservativen Presse und rechten Politikern gecancelt und dämonisiert werden, die die Kontrolle über das Narrativ haben wollen. Autoren sind nervös, etwas zu sagen, das die Daily Mail nicht mögen könnte.”

5. heise online auf Mastodon: Bilanz nach dem ersten Jahr im Fediverse
(heise.de, Martin Holland)
Martin Holland zieht Bilanz über das erste Jahr von “heise online” auf Mastodon, einer Twitter/X-Alternative. Die Redaktion habe festgestellt, dass das Netzwerk eine ernstzunehmende Alternative mit einem starken Wachstum der Nutzerzahlen und Interaktionen sei, wobei die absoluten Besuchszahlen über Mastodon immer noch niedriger seien als über Twitter. Trotz eines allgemeinen Rückgangs der Zugriffe und Interaktionen im Laufe des Jahres bleibe Mastodon eine kostengünstige Plattform mit einer aktiven Community.

6. Schauspieler beenden Streik
(taz.de)
Nach einem fast viermonatigen Streik haben sich die Hollywood-Schauspielerinnen und -Schauspieler einerseits und die großen Filmstudios andererseits auf einen neuen Vertrag geeinigt. Dieser sehe Mindestlöhne sowie einen neuen Beteiligungsbonus für Filme und Serien bei Streamingdiensten vor. Die Vereinbarung mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde US-Dollar enthalte auch Schutzmaßnahmen gegen die unerlaubte Nutzung von Bildern, die von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden, um der Sorge der bislang Streikenden Rechnung zu tragen, durch digitale Doubles ersetzt zu werden. Mit dieser von der Gewerkschaft SAG-AFTRA ausgehandelten Vereinbarung kann die Produktion in Hollywood zum ersten Mal seit Mai wieder normal laufen.

Neutrale Umschläge, Teure Fotos von Helene Fischer, Politik-Werbung

1. “Jüdische Allgemeine” soll in neutralen Umschlägen geliefert werden
(t-online.de, Martin Küper)
Die Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München haben die “Jüdische Allgemeine” gebeten, ihre abonnierten Zeitungen künftig in neutralen Umschlägen zu erhalten. Dahinter steht die Sorge, dass die sichtbare Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben zu Gewalt gegen die jeweilige Person führen könnte. Die Gemeinde habe ihre Mitglieder zudem aufgefordert, sich in der Öffentlichkeit nicht als Juden zu erkennen zu geben und Pro-Palästina-Demonstrationen zu meiden.

2. Springer soll 80.000 Euro wegen Fotos von Helene Fischer zahlen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” unter Berufung auf einen “Übermedien”-Artikel (nur mit Abo lesbar) berichtet, hat das Landgericht Berlin den Axel-Springer-Verlag zu einer Entschädigungszahlung von 80.000 Euro verurteilt, weil die Zeitungen “Bild” und “B.Z.” unerlaubt Fotos von Helene Fischer und deren Baby veröffentlicht hatten. Das Gericht sah in der Veröffentlichung eine schwere Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Sängerin, die zwei Tage lang von einem Fotografen verfolgt worden sei. Springer prüfe derzeit, ob mal gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen will.

3. Nach Interessenkonflikten: “Spiegel” plant nicht mehr mit seinem Autor
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Ein Journalist und Männermodel steht in der Kritik, weil er für den “Spiegel” über Themen aus seiner Modeltätigkeit geschrieben hat, ohne dies transparent zu machen. Der “Spiegel” habe nach Prüfung der Texte festgestellt, dass bei sechs Reiseberichten Transparenzhinweise fehlten, und diese nachträglich ergänzt. Als Konsequenz plane das Magazin vorerst keine weitere Zusammenarbeit mit dem umtriebigen Journalisten: “Dass wir dem Hinweis auf Gefälligkeitsjournalismus nicht sofort nachgegangen sind, bedauern wir sehr”, so die Pressestelle des “Spiegel”.

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4. Kritik an Menschenrechtslage in Deutschland
(reporter-ohne-grenzen.de)
In der von Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit ist Deutschland innerhalb weniger Jahre um acht Plätze von Rang 13 auf Rang 21 abgerutscht. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr vermisst selbstkritische Töne der Bundesregierung und merkt an: “Auch bei der Aufnahme gefährdeter Journalistinnen und Journalisten aus Russland oder Afghanistan blieb die Bundesregierung hinter ihren Ankündigungen zurück, sich aktiv für Menschenrechte und Pressefreiheit einzusetzen. Das ist nicht konsistent mit dem eigenen Anspruch in Sachen Menschenrechte.”

5. Strengere EU-Regeln für politische Werbung im Netz
(deutschlandfunk.de, Carolin Born)
Die EU hat neue Regeln für politische Werbung im Internet beschlossen, um Manipulationen zu verhindern und die Transparenz zu erhöhen. Künftig müssen politische Anzeigen klar gekennzeichnet sein, einschließlich der Angabe von Informationen über die Finanzierung und den Betrag, der für die Werbung bezahlt wurde. Außerdem plane die EU eine Datenbank, in der Auftraggeber und Finanzierung von Online-Anzeigen erfasst werden.

6. “Ein Katz-und-Maus-Spiel”
(taz.de, Amira Klute)
Der Rundfunk in Deutschland feiert sein 100-jähriges Bestehen, und von Beginn an gab es Bestrebungen, das Medium unabhängig und selbstbestimmt zu nutzen. Amira Klute sprach mit Alex Körner, einem Kenner der Geschichte und der Gegenwart der Freien Radios. Bereits in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hätten sich Radiobegeisterte zusammengeschlossen: “Schon im April 1924 gründete sich der Arbeiter-Radio-Klub. Da traf man sich zum Basteln und Radiohören. Solche Werkstätten gab’s bald in über 150 Städten. Die Mitglieder haben schnell gemerkt, dass das Programm wenig mit ihrer Lebensrealität zu tun hatte. Man wollte selbst zu Wort kommen.”

Viel Hölle und wenig Himmel, Abschied von Print, Zwist um Mediatheken

1. Viel Hölle und ein kleines Stück Himmel
(freischreiber.de)
Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, hat seinen “Himmel-und-Hölle-Preis” für das Jahr 2023 verliehen, mit dem die herausragende Unterstützung für Freie beziehungsweise besonders negative Einflüsse auf deren Arbeitsbedingungen gewürdigt werden. Der Hölle-Preis ging an Bertelsmann-Manager Thomas Rabe für “die Zerschlagung von Gruner+Jahr, die Zersetzung von Redaktionen und den ignoranten Umgang mit Freien”. Der Himmel-Preis ging an Joachim Telgenbüscher, Redaktionsleiter von “Geo Epoche”, für seinen erfolgreichen Widerstand gegen die Einstellung des Magazins durch RTL.

2. Abschied von Print auf die harte Tour
(journalist.de, Henning Kornfeld)
Der Beitrag von Henning Kornfeld im “journalist” macht noch einmal auf die dramatische Lage der Zeitungsbranche aufmerksam. Fast 40 Prozent der Abonnentinnen und Abonnenten seien älter als 75 Jahre, in den nächsten fünf bis zehn Jahren drohe ein dramatischer Rückgang der Printauflagen, so ein Experte. Kornfeld berichtet von der schwierigen Situation der Verlage, einerseits die Kosten für Print zu senken und andererseits die Transformation zum Digitalen voranzutreiben.

3. Vaunet stört sich an US-Blockbustern in der ZDF-Mediathek
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier berichtet bei “DWDL” über einen Streit zwischen dem Privatsenderverband Vaunet und den öffentlich-rechtlichen Sendern. Die Privaten seien verärgert, dass die Öffentlich-Rechtlichen seit Juli US-Serien und -Blockbuster in ihre Mediatheken stellen. Dabei gehe es auch um die Auslegung der geltenden Regeln: “Wenn das ZDF für Filme wie Men in Black 3 den besonderen Kultur- und Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Profils bemüht oder das Auffüllen programmlicher Vielfalt mit beliebten Mainstream-Blockbustern begründet, führt das den gezielt einschränkenden Charakter dieser Mediatheken-Regelung vollständig ad absurdum”, so Vaunet-Chef Claus Grewenig.

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4. Journalismus braucht Förderung
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert die Einrichtung einer staatsfernen Journalismusförderung, die an bestimmte Bedingungen wie Tarifbindung und angemessene Honorare geknüpft ist. Dies haben die 200 Delegierten des DJV-Verbandstags in Magdeburg beschlossen, um den Journalismus insbesondere im digitalen Bereich zu unterstützen. Der frisch gewählte neue DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster betonte in diesem Zusammenhang, dass die Förderung von Printausgaben nicht ausreiche, sondern die eigentliche Herausforderung im Aufbau digitaler journalistischer Angebote liege.

5. Media Freedom Coalition: Hintergründe und Ambitionen
(de.ejo-online.eu, Roja Zaitoonie)
Die Media Freedom Coalition ist ein Bündnis von 50 Ländern, das 2019 gegründet wurde, um die Medienfreiheit und den Schutz von Journalistinnen und Journalisten zu verbessern. Dabei ziele sie “insbesondere auf die Verbesserung politischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ab, die eine unabhängige, diverse und plurale Medienlandschaft fördern”. Roja Zaitoonie erörtert in ihrem Beitrag die Ziele der Koalition und fasst die Ergebnisse eines Evaluierungsberichtes zusammen, der sich vor allem mit der Startphase des Projekt beschäftigt.

6. Ferngespräche: Spanien
(ardaudiothek.de, Holger Klein, Audio: 54:04 Minuten)
In den radioeins-“Ferngesprächen” lässt Holger Klein Korrespondentinnen und Korrespondenten über deren jeweilige Region zu Wort kommen. Diesmal hat er sich mit Franka Weltz zusammengeschaltet, die von Madrid aus über aktuelle Ereignisse in Spanien, Portugal, Gibraltar und Andorra berichtet. Ein besonderer Schwerpunkt des Gesprächs sind die Wahlen in Spanien im vergangenen Sommer und die schwierige Regierungsbildung, die sich bis in den Oktober hineinzog.

“Bild”-Werbekampagne, Durchgeboxt, Einfluss der Bilder aus Nahost

1. Kampagne gegen Auflagen-Absturz
(taz.de, Valérie Catil)
Der Springer-Verlag hat in der vergangenen Woche eine groß angelegte Werbekampagne für die “Bild”-Zeitung gestartet, mit der offenbar der rapide Rückgang der verkauften Auflage gestoppt werden soll. Valérie Catil kommentiert in der “taz”: “Mit der ‘Bild bleibt Bild’-Kampagne gibt das Blatt seinen Leser_innen das Gefühl, resistent gegen Wandel zu sein, nicht progressiv oder ‘woke’ sein zu müssen. Die Bild tut so, als springe sie auf den Anti-Establishment-Zug auf. Dabei schaufelt sie ihm Kohle in den Schlund und ist selbst maßgeblich für diese Stimmung verantwortlich.”

2. ARD-Team von israelischen Soldaten festgehalten
(tagesschau.de)
Ein ARD-Team soll im Westjordanland von israelischen Soldaten festgehalten und bedroht worden sein. Die Soldaten hätten sich aggressiv verhalten, Waffen auf das Team gerichtet und es gefilmt. Christian Limpert, Leiter des ARD-Studios Tel Aviv, kommentiert den Vorgang: “Für uns ist es der zweite Vorfall innerhalb einer Woche. Unser Team hat sich klar als akkreditierte Pressevertreter ausgewiesen und war fernab militärischer Sicherheitsbereiche. Wir können das Vorgehen des israelischen Militärs nicht akzeptieren.”

3. Jugendliche und die Bilder aus Nahost
(wdr.de, Christoph Sterz, Audio: 4:40 Minuten)
Grausame Bilder aus dem Nahen Osten hätten einen besonders starken Einfluss auf Jugendliche, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet. Christoph Sterz sprach mit der Neurowissenschaftlerin Maren Urner und mit Steffen Bronner von der Online-Jugendberatung Juuuport über das Thema, mit dem sich auch Eltern auseinandersetzen sollten.

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4. Durchgeboxt: RBB-Staatsvertrag
(verdi.de, Günter Herkel)
Günter Herkel kommentiert den neuen RBB-Staatsvertrag. Dieser sei von den beteiligten Landesregierungen gegen breiten Widerstand und ohne öffentliche Anhörung durchgesetzt worden, um die Sichtbarkeit Brandenburgs im Programm zu erhöhen. Dies werde als Eingriff in die Programmautonomie des öffentlich-rechtlichen Senders empfunden und verursache zusätzliche Kosten. Trotz finanzieller Engpässe enthalte der Vertrag aber auch positive Elemente wie die Deckelung der Gehälter und eine verbesserte Kontrolle des RBB. Der Vertrag muss noch von den Landesparlamenten ratifiziert werden und könnte Anfang 2024 in Kraft treten.

5. Meta verbietet offenbar Einsatz von KI-Produkten für Wahlwerbung
(spiegel.de)
Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, plant offenbar, den Einsatz seiner KI-Produkte für Wahlwerbung zu verbieten, um das Potenzial für die Verbreitung von Falschinformationen einzuschränken. Die neuen Regeln würden die bereits bestehenden Vorschriften für Online-Werbung erweitern und den Einsatz generativer KI-Tools einschränken. Diese Maßnahme kommt zu einer Zeit, in der die Besorgnis über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Manipulation von Wahlkampagnen, wie etwa die Erstellung von Deepfakes, zunimmt.

6. Hans Meiser, der Grenzgänger des Privatfernsehens
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei erinnert an den kürzlich verstorbenen Fernsehmoderator Hans Meiser, an die Höhe-, aber auch an die Tiefpunkte in dessen Karriere. Meiser habe es wie kaum ein anderer verstanden, Einschaltquoten zu erzielen, auch auf umstrittene Weise wie durch ein Live-Telefonat mit einem der Geiselnehmer von Gladbeck oder in seiner als zu drastisch kritisierten Unfallserie “Notruf”. Meiser starb im Alter von 77 Jahren kurz nach einem neuen Sendestart bei einem kleinen Radiosender in Schleswig-Holstein.

Freiheit im Fadenkreuz, “Rassige Schönheiten”, Antisemitischer Hass

1. Freiheit im Fadenkreuz
(taz.de, Jean-Philipp Baeck & Christian Jakob & Luisa Kuhn)
“Seit Jahren wird der Journalist Alexander Roth wegen seiner Berichterstattung von Rechten attackiert. Er macht weiter – trotz Morddrohungen.” Der “taz”-Artikel beschreibt, wie Journalisten und Journalistinnen in Deutschland zunehmend zur Zielscheibe rechter Hetze und Gewalt werden, wobei die Angriffe sowohl online als auch offline stattfinden: “In einer einjährigen Recherche hat die taz die Kampagne gegen den Waiblinger Journalisten rekonstruiert, hat vor Ort recherchiert, Beteiligte mit ihrer Hetze konfrontiert und das Social-Media-Netzwerk analysieren lassen, in dem sich der Hass verbreitet.”

2. “Rassige Schönheiten”: Für “das neue” sehen Schwarze Frauen alle gleich aus
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Das Regenbogenblatt “das neue” von der Bauer Media Group, die sich auf ihrer Website für Vielfalt und gegen Diskriminierung ausspricht, veröffentlichte einen Artikel, in dem darüber spekuliert wird, ob Boris Becker seinem Sohn die Freundin ausspannen könnte, weil diese “sonnengeküsste Haut, rehbraune Augen, eine dunkle Mähne” habe – angeblich ähnlich wie Boris Beckers Ex-Frauen. Der Artikel verwendet den Begriff “rassige Schönheiten” und stellt die “unfassbare Vermutung” auf, dass Becker und dessen Sohn das gleiche “Beuteschema” hätten, was kritische Fragen bezüglich rassistischer Stereotype und der redaktionellen Linie aufwirft. Auf Nachfrage von “Übermedien” distanziert sich der Verlag von einem möglichen Vorwurf und betont, in Zukunft “noch genauer auf eine sensible Wortwahl zu achten.”

3. Ermittler verzeichnen deutliche Zunahme antisemitischer Hasskommentare
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Verschiedene Behörden berichten von einem Anstieg antisemitischer Straftaten im Internet seit Anfang Oktober, wobei die hessische Hatespeech-Meldestelle “Hessen gegen Hetze” eine Vervierfachung der Meldungen zu antisemitischen Online-Beiträgen verzeichnet habe. Auch das Bundeskriminalamt verfolge eine steigende Anzahl von Hinweisen auf antisemitische Online-Postings und arbeite an einem Auswertungsprojekt, um intensiv antisemitische Straftäter zu identifizieren und Ermittlungsverfahren in den Bundesländern einzuleiten.

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4. Der RBB braucht Zukunft – aber seine eigene
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) strebt nach einer Krisenphase unter neuer Leitung einen Neuanfang an. Ein neuer Staatsvertrag, den die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg ohne Mitbestimmungsrecht des Senders abgeschlossen haben, gebe ihm jedoch eine straffere Agenda vor, kommentiert Joachim Huber im “Tagesspiegel”. Der Vertrag soll die Sichtbarkeit Brandenburgs im öffentlich-rechtlichen RBB erhöhen und führe sowohl eine Gehaltsobergrenze für die Geschäftsführung als auch eine stärkere Kontrolle des wirtschaftlichen Verhaltens ein. Maßnahmen, bei denen laut Huber der Verdacht aufkommen darf, “dass die Politik die Schwächephase des Senders ausnutzen wollte, um ihre Vorstellung von einem durchregionalisierten RBB durchzusetzen.”

5. “Wir müssen schauen, was eigentlich unsere Rolle ist”
(journalist.de, Kathi Preppner)
Timo Conraths, seit März Hauptgeschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), spricht im Interview mit dem DJV-eigenen Magazin “journalist” über die Notwendigkeit einer Neupositionierung des Verbandes, um auf die rasanten Veränderungen in der Medienlandschaft reagieren und die Rolle des Verbandes neu definieren zu können. Er erläutert die Herausforderungen in der Tarifpolitik, insbesondere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in den Verlagen, und betont die Bedeutung von Tarifverhandlungen in Zeiten hoher Inflation und schwieriger Arbeitsbedingungen. Und natürlich geht es auch um die Herausforderungen, die Künstliche Intelligenz für den Journalismus und das Urheberrecht mit sich bringt.

6. Rudolf Augstein: “Journalist des Jahrhunderts” und seine “Machtworte”
(mediummagazin.de, Annette Milz & Andreas Spaeth)
Rudolf Augstein, der Gründer des “Spiegel”, wurde 1999 vom “medium magazin” als “Journalist des Jahrhunderts” ausgezeichnet. Am Wochenende wäre Augstein 100 Jahre alt geworden. Für das “medium magazin” ein guter Anlass, auf das letzte große externe Interview Augsteins hinzuweisen (PDF). Darin äußerte er sich zu Themen wie der Anpassung des “Spiegel” an den Zeitgeist bis hin zu journalistischen Tabus und betonte die Bedeutung von Authentizität und Tradition im Journalismus.

KW 44/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Was kann das “Bild”-“Manifest” außer spalten?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:37 Minuten)
Die Redaktion der “Bild am Sonntag” hat vor einigen Tagen ein eigenes “Manifest” für Deutschland veröffentlicht (das der “Postillon” bereits mit guten Belegen dekonstruiert hat). Nun spricht Holger Klein im “Übermedien”-Podcast mit dem Journalisten Nils Minkmar über das Dokument, das dieser für “spalterisch” sowie “gedanklich und sprachlich verunglückt” hält.

2. Alles anders machen – Das kurze Leben der Ost-taz
(ardmediathek.de, Michael Biedowicz, Video: 43:39 Minuten)
Nach dem Fall der Mauer startete mit der “ost-taz” der Versuch, eine ost-westdeutsche Zeitung auf dem Medienmarkt zu etablieren. Regisseur Michael Biedowicz, Gründungsmitglied der “ost-taz”, hat einen spannenden Dokumentarfilm über das Experiment gedreht. Gunter Becker findet in seiner ausführlichen Filmkritik im “Fachjournalist” lobende Worte für diesen Film über ein “vergessenen Stück deutscher Zeitungsgeschichte”: “Die Doku macht wegen ihres rasanten Tempos, des lakonisch-trockenen Erzähltons der Protagonist:innen und der pointierten Montage jede Menge Spaß beim Ansehen.”

3. Giovanni di Lorenzo in der Hörbar Rust
(ardaudiothek.de, Bettina Rust, Audio: 1:27:39 Stunden)
In der “Hörbar Rust” erzählt Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der “Zeit”, Autor, Herausgeber und Moderator der Talkrunde “3 nach 9”, warum er nicht Psychotherapeut oder Manager geworden ist und warum es ihn zum Journalismus gezogen hat (seine lange Medienkarriere begann ganz unspektakulär mit einem Schülerpraktikum).

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4. Mediensozialisation in der Langzeitstudie
(podcast.leibniz-hbi.de, Johanna Sebauer, Audio: 37:10 Minuten)
Paulina Domdey und Katrin Potzel untersuchen in ihrer Studie “Connected Kids” die Wirkung von Medien auf Kinder und Jugendliche. Im “Bredowcast” berichten sie über Aufbau und Inhalt der Studie sowie über die verschiedenen Herausforderungen, die ein solches Langzeitprojekt mit sich bringt.

5. Wie kommen Journalisten an Informationen aus Gaza und Israel?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 22:34 Minuten)
Die aktuelle Folge von “BR24 Medien” ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem ARD-Podcast “Lost in Nahost” und behandelt die schwierigen Bedingungen für das Korrespondententeam, das derzeit nicht in den Gaza-Streifen kann. Umso wichtiger seien deshalb die beiden Mitarbeiter der Korrespondenten vor Ort in Gaza.

6. Jens Söring: Medienkarriere eines Mörders
(ndr.de, Lea Eichhorn, Video: 35:53 Minuten)
Bereits im Februar vergangenen Jahres schrieb Medienkritiker Stefan Niggemeier bei “Übermedien” über “Die erstaunliche Medienkarriere des verurteilten Doppelmörders Jens Söring”. Für das Medienmagazin “Zapp” hat Lea Eichhorn das Thema aufgegriffen und auch mit Niggemeier über den Fall gesprochen, bei dem einige Medien nicht unbedingt eine glückliche Rolle spielen.

Kurbjuweit-Interview, Attrappe war Attrappe, Transformer-Moment

1. Dirk Kurbjuweit kritisiert SZ – und sagt, wie er Spiegel-Chefredakteur wurde
(kress.de, dpa, Sven Gösmann und Anna Ringle)
Dirk Kurbjuweit, der im Mai auch für ihn überraschend zum Chefredakteur des “Spiegel” berufen wurde, hat der dpa ein Interview gegeben. Aufhänger ist die Erinnerung an “Spiegel”-Gründer Rudolf Augstein, der am Wochenende 100 Jahre alt geworden wäre. In dem Gespräch geht es um das Vermächtnis des Magazingründers, um Kurbjuweits Gedanken zu Gegenwart und Zukunft des “Spiegel”, aber auch um das dunkle Kapitel um den Reporter Claas Relotius.

2. Wie Twitter einem Datenforscher das Leben schwer macht
(netzpolitik.org)
Der Berliner Datenanalyst Travis Brown wurde von Twitter gesperrt, als er zu Hass auf der Plattform recherchierte. Trotz einer vorübergehenden Freischaltung nach einem Gerichtsbeschluss wurde sein Account nach einem erneuten Rechtsstreit wieder gesperrt. Brown, der von der Organisation HateAid unterstützt wird, sieht in Twitters Vorgehen einen Versuch, Forschung zu Extremismus und Desinformation zu unterdrücken.

3. Ein neues Werkzeug zur Wirkungsmessung von investigativem Journalismus
(de.ejo-online.eu, Anya Schiffrin & Judith Odenthal)
Anya Schiffrin berichtet über ein neues Werkzeug, das Medienorganisationen ermöglichen soll, die Wirkung ihrer investigativen Projekte zu messen. Durch die Messung könnten Medienunternehmen beispielsweise vor Beginn einer langwierigen Recherche feststellen, ob es ein Publikum für eine ausführliche Berichterstattung gibt, oder Geldgebern die Wirkung einer Reportage aufzeigen.

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4. Maja Göpel über den Einfluss von Medien auf die öffentliche Meinung
(youtube.com, Medientage München, Sebastian Bergsteiner, Video: 7:22 Minuten)
“Wie beeinflussen Medien die öffentliche Meinung und das gesellschaftliche Bewusstsein für die großen Fragen unserer Zeit?” Darüber hat Sebastian Bergsteiner am Rande der Medientagen München mit der Transformationsforscherin Maja Göpel gesprochen.

5. Der Transformer-Moment
(internationalepolitik.de, Johannes Kuhn)
Die rasante Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) wirft Fragen zu einer globalen Regulierung auf. Es gibt sowohl positive Aussichten, wie Fortschritte in der Medizin, als auch Bedenken, wie Massenarbeitslosigkeit durch Automatisierung. Derzeit wird weltweit über eine transnationale Regulierung von KI diskutiert, ein konkreter globaler Rahmen steht jedoch noch aus. Johannes Kuhn fasst den aktuellen Stand der Debatte und die Spannungsfelder der KI-Regulierung zusammen.
Weiterer Lesehinweis: Vielleicht ein bisschen viel Science-Fiction: “In London diskutieren Staatschefs und Elon Musk darüber, wie man zukünftige Super-KI absichern kann. Ganz schön früh, wenn man bedenkt, was ChatGPT heute kann.” (zeit.de, Jakob von Lindern)

6. Entwarnung nach Handgranaten-Alarm beim Hessischen Rundfunk
(hessenschau.de)
Nachdem eine Reinigungskraft einen Gegenstand gefunden hatte, der wie eine Handgranate aussah, wurden zwei Gebäude des Hessischen Rundfunks evakuiert. Der später als Attrappe identifizierte Gegenstand wurde von Spezialisten untersucht und als ungefährlich eingestuft. Die Attrappe war versehentlich in der Redaktion zurückgelassen worden und war Teil einer Recherche – zur Echtheit und Verwechselbarkeit von Attrappen.

Straffreiheit beenden, Fit für die Generation TikTok, Burn-out-Schutz

1. Straffreiheit beenden
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat sich einem Aufruf der UNESCO angeschlossen und fordert ein Ende der Straffreiheit (beziehungsweise Straflosigkeit) bei Morden und Gewaltverbrechen an Journalistinnen und Journalisten. Anlässlich des Internationalen Tages gegen die Straffreiheit am heutigen 2. November kritisiert der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall, dass Täter in vielen Ländern keine Sanktionen zu befürchten hätten, obwohl in den vergangenen 30 Jahren 1.600 Medienschaffende gewaltsam ums Leben gekommen seien. Nur in 10 Prozent der Fälle sei es zu Gerichtsverfahren gekommen.

2. Wortwahl, Quellen, Social Media
(taz.de, Daniel Zylbersztajn-Lewandowski)
Daniel Zylbersztajn-Lewandowski, Großbritannien-Korrespondent der “taz”, berichtet von zahlreichen Beschwerden, die die öffentlich-rechtliche BBC wegen ihrer Berichterstattung über den Nahostkonflikt erhalten habe. Die Kritik komme von beiden Seiten, wobei die Wortwahl der BBC, ihre Quellen und der Umgang mit Sozialen Medien im Mittelpunkt stünden. Auch innerhalb des Senders gebe es Proteste und sogar Kündigungen.

3. “Gutes Sicherheitsmanagement ist der beste Burn-out-Schutz”
(journalist.de, Marlene Halser)
Yemile Bucay arbeitet als Sicherheitsexpertin für Journalistinnen und Journalisten und berät Redaktionen in Sicherheitsfragen. Im Interview mit dem “journalist” gibt sie Einblicke in die vielfältigen Aspekte des Themas und betont die Notwendigkeit eines umfassenden Sicherheitsverständnisses, das physische, psychische und soziale Risiken einschließt. Sie sagt: “Allen Beteiligten muss klar sein, dass Sicherheit in diesem Beruf sehr leicht erodiert und dass man nicht mehr ordentlich arbeiten kann, wenn Sicherheit nicht gegeben ist.”

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4. EU-Datenschutzbehörde will Meta personalisierte Werbung verbieten
(spiegel.de)
Die europäische Datenschutzbehörde EDPB will Meta, dem Mutterkonzern von Facebook und Instagram, personalisierte Werbung untersagen und hat die irische Datenschutzbehörde angewiesen, dies im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum durchzusetzen. Meta hatte auf die europäische Gesetzgebung mit der Ankündigung einer werbefreien, aber kostenpflichtigen Abo-Option für seine Plattformen reagiert, die ab November für mindestens 9,99 Euro pro Monat verfügbar sein soll. Die EDPB habe den Vorschlag von Meta zur Kenntnis genommen und werde ihn nun gemeinsam mit der irischen und anderen Datenschutzbehörden prüfen.

5. Helene Reiner – Host der “News-WG”
(podcasters.spotify.com, Lisabell Shewafera, Audio: 36:02 Minuten)
Der Podcast “Inside Medien” stellt die BR-Journalistin Helene Reiner vor, die beim Bayerischen Rundfunk als Autorin und Presenterin für das Instagram-Nachrichtenformat “News-WG” arbeitet. Reiner sammelte Erfahrungen durch Praktika beim ZDF in Paris, bei der “FAZ” und der ARD-Sendung “Anne Will” und war von 2016 bis 2018 Volontärin beim BR. Im Podcast teilt sie ihre Erfahrungen, spricht über ihren beruflichen Werdegang, ihre besondere Begegnung mit Emmanuel Macron und gibt Tipps für angehende Moderatorinnen und Moderatoren.

6. Wie Verlage ihre Produkte fit machen für die Generation TikTok.
(turi2.de, Anne-Nikolin Hagemann)
Um in der digitalen Welt sichtbar zu bleiben und ein jüngeres Publikum anzusprechen, müssen Medien mit der Zeit gehen und die Präsentation ihrer Produkte entsprechend anpassen. Wie das geschehen kann, beschreibt Anne-Nikolin Hagemann anhand von praktischen Beispielen – von “Spiegel” und “Welt” bis hin zu Burda und “Apotheken Umschau”.

RBB-Staatsvertrag in Kritik, “Gegen Gruselgehalt”, Grusel-TV

1. Geplanter RBB-Staatsvertrag weiter in der Kritik
(epd.de)
Die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) Ulrike Demmer habe ihre Kritik am geplanten RBB-Staatsvertrag bekräftigt, insbesondere an der Einrichtung eines “Kollegialorgans” und der Eröffnung eines weiteren Regionalbüros in Brandenburg. Demmer habe betont, dass der RBB ein “Heimatsender” für Berlin und Brandenburg sei, und sich für eine Investition “in Journalismus anstatt in Miete” ausgesprochen. Der Staatsvertrag stehe weiterhin in der Kritik, da er nach Ansicht einiger Experten die Rundfunkfreiheit verletze und zu mehr Bürokratie führe.

2. “Gegen Gruselgehalt!” Beschäftigte der Frankfurter Rundschau kämpfen weiterhin für einen Tarifvertrag
(dju.verdi.de, Ute Fritzel)
Die Beschäftigten der “Frankfurter Rundschau” haben an Halloween erneut für einen Tarifvertrag und eine bessere Bezahlung demonstriert. Zuvor habe Geschäftsführer Max Rempel mitgeteilt, dass der Arbeitgeber nicht bereit sei, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Die Gewerkschaften Verdi und DJV Hessen fordern die Anerkennung des Flächentarifvertrages für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen.

3. Keine Medienhetze
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appelliert an die Teilnehmer und Teilnehmerinnen von Pro-Palästina-Demos, Journalistinnen und Journalisten “nicht zu behindern, anzupöbeln oder zu beschimpfen”, und betont die Bedeutung einer freien, unabhängigen und kritischen Berichterstattung. Es habe Berichte von DJV-Mitgliedern gegeben, die bei einigen Demonstrationen massiv angegangen und bei ihrer Arbeit behindert worden seien.

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4. Berlusconi: “Wollen großen europäischen Sender schaffen”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie “DWDL” unter Berufung auf die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet, hat Pier Silvio Berlusconi, Chef des Konzerns MediaForEurope und Sohn des verstorbenen italienischen Medienunternehmers Silvio Berlusconi, angekündigt, einen großen europäischen Fernsehsender gründen zu wollen: “Um dem Druck der multinationalen Konzerne standzuhalten, müssen wir größer werden. Wir sind nicht daran interessiert, einen Fernsehsender in Frankreich oder Deutschland zu kaufen, sondern wir wollen einen großen europäischen Sender schaffen”, so Berlusconi, der wegen Steuerbetrugs in einer anderen Mediensache schon mal zu 14 Monaten Haft verurteilt worden war.

5. Anika Decker – Sex und Pasta
(hr2.de, Freiheit Deluxe, Jagoda Marinić, Audio: 1:50:13 Stunden)
Im Podcast “Freiheit Deluxe” spricht die Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker über viel Persönliches, aber auch über den laufenden Rechtsstreit um eine faire Beteiligung an den Erlösen der Filme “Keinohrhasen” und “Zweiohrküken”. Decker erzählt, wie sich dieser Konflikt auf ihre Beziehungen in der Filmbranche ausgewirkt habe und warum sie von vielen Einladungslisten gestrichen worden sei.

6. Öffentlich-rechtliches Fernsehen: gruselig
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video 2:30 Minuten)
Dass Halloween auch auf einer anderen Ebene gruselig sein kann, zeigt der zweieinhalbminütige Zusammenschnitt verschiedener Halloween-Inhalte aus mehreren öffentlich-rechtlichen Fernsehsendungen.

“Postillon” vs. “Bild”, “Nahtlose Heimat”, Bebilderungszwang

1. 7 Punkte aus dem “Bild-Manifest”, bei denen die “Bild”-Zeitung selbst durchfällt
(der-postillon.com)
An manchen Tagen findet sich in den “6 vor 9” eine Meldung des Satiremagazins “Postillon”, heute sogar auf Platz 1. Die Satiriker haben nämlich das am Wochenende veröffentlichte “Bild”-“Manifest” aufgegriffen, das in 50 Punkten darlegen will, was die deutsche Gesellschaft zusammenhält. Anhand von sieben konkreten Beispielen macht der “Postillon” klar, dass die “Bild”-Redaktion den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Den Abschluss bildet die provokante Frage des “Postillon”, wann die Regierung “diese Chaoten” endlich abschiebt.

2. Wie berichten ohne Fakes?
(deutschlandfunk.de, Anh Tran & Christoph Sterz, Audio: 6:49 Minuten)
Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit den Herausforderungen der Berichterstattung über den Konflikt zwischen Israel und der Hamas, insbesondere mit der Verbreitung von Falsch- und Desinformation im Internet. Sophie Timmermann vom Faktencheck-Team von “Correctiv” gibt Einblicke, wie Desinformation aufgedeckt werden kann, und betont die Notwendigkeit, mit Informationen aus Sozialen Medien vorsichtig umzugehen. Sowohl pro-israelische als auch pro-palästinensische und pro-Hamas-Kanäle würden gezielt Falschinformationen verbreiten.

3. Unbefriedigende elf Seiten
(taz.de, Michael Sontheimer)
Im Wahlkampf habe sich Annalena Baerbock noch für die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange eingesetzt, doch als Außenministerin zeige sie wenig Engagement für den inhaftierten Journalisten, meint Michael Sontheimer in der “taz”. Baerbocks Staatssekretär habe auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sevim Dağdelen geantwortet, die Bundesregierung vertraue der britischen Justiz und äußere sich grundsätzlich nicht zu vertraulichen Gesprächen mit anderen Regierungen. Die 11-seitige Replik auf Dağdelens 28 Fragen gebe kaum befriedigende Antworten und zeige, dass die Bundesregierung den Beschluss des Bundestages, sich für die Freilassung Assanges einzusetzen, ignoriere.

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4. “Warum muss ich eigentlich Infrastrukturen schaffen, bei denen jeder Artikel ein Bild braucht?”
(de.ejo-online.eu, Marcus Kreutler)
Felix Koltermann, Kommunikationswissenschaftler, Journalist und Fotograf, beleuchtet in diesem Interview den Status quo des deutschen Fotojournalismus, die Rolle von Bildredaktionen und die Problematik des “Bebilderungszwangs” im Online-Journalismus. Er betont die Notwendigkeit einer transparenten Bildunterschrift, kritisiert den exzessiven Einsatz von Symbolbildern und fordert ein Überdenken der Infrastrukturen im Online-Journalismus, um der “Falle der Visualisierung” zu entkommen und die Qualität der Bildverwendung zu verbessern.

5. Staatsanwaltschaft stellt Betrugsverfahren gegen Reichelt ein
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie “DWDL” unter Berufung auf die “FAZ” berichtet, hat die Berliner Staatsanwaltschaft das Betrugsverfahren gegen den entlassenen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt eingestellt, weil sich der Verdacht nicht erhärtet habe. Reichelts ehemaliger Arbeitgeber, der Axel-Springer-Verlag, hatte ihn angezeigt, weil Reichelt angeblich gegen Klauseln in dessen Aufhebungsvertrag verstoßen haben soll. Offen bleibe, ob Reichelt gegen Springer wegen falscher Anschuldigung vorgehen wird, während Springer die Entscheidung der Staatsanwaltschaft respektiere und keine Rechtsmittel einlegen wolle.

6. Wie die ARD Audiothek Radioheimat werden will
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 34:29 Minuten)
Die Audiothek der ARD strebe danach, eine “nahtlose Heimat” für alle Radiohörerinnen und -hörer zu werden, wie aus einem Gespräch mit Anke Mai, SWR-Programmdirektorin für Kultur, Wissen und junge Formate, hervorgeht. In der Diskussion werden die Entstehung der Audiothek, ihre aktuellen Stärken und Schwächen sowie die Zukunftspläne der ARD-Anstalten für die Plattform beleuchtet.

Umfrage zur Meinungsfreiheit, “Helpline”, Himmel- und Hölle-Preise

1. Umfrage zur Meinungsfreiheit: suggestiv, diskriminierend und rassistisch
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Lisa Kräher kritisiert in ihrem Kommentar bei “Übermedien” eine Umfrage der “Ruhr Nachrichten” zur Meinungsfreiheit, die sie als “suggestiv, diskriminierend und rassistisch” beschreibt. Die Umfrage, die Teil einer sechsmonatigen Serie zu verschiedenen gesellschaftlichen Themen ist, enthalte Fragen, die bestimmte diskriminierende Begriffe und Stereotype reproduzieren und infrage stellen würden, ob diese als diskriminierend einzustufen sind.

2. Wie Medien über die AfD berichten
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 33:28 Minuten)
Der Deutschlandfunk greift regelmäßig Kritik von Hörerinnen und Hörern auf und diskutiert sie im Podcast “Nach Redaktionsschluss”. Diesmal kommt ein Hörer zu Wort, der die Berichterstattung über die AfD kritisiert – diese konzentriere sich zu sehr auf die ausländerfeindlichen Aspekte der Partei. Mit dem Hörer diskutieren Ann-Katrin Müller vom “Spiegel”, die Populismusforscherin Paula Diehl und der Medienjournalist Michael Borgers.

3. Newsletter Netzwerk Recherche
(netzwerkrecherche.org, Christian Esser)
Der Newsletter des Netzwerk Recherche vom 27. Oktober behandelt verschiedene Themen, die für Journalistinnen und Journalisten, aber auch für Medieninteressierte im Allgemeinen relevant sind. Vorgestellt wird unter anderem eine neue “Helpline” für Journalistinnen und Journalisten, die ab dem 2. November zur Verfügung steht und Unterstützung bei psychischen Belastungen biete. Außerdem gibt es Informationen zu verschiedenen journalistischen Projekten, Recherchen und Veranstaltungen.

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4. Nominiert: 2 x Himmel, 3 x Hölle
(freischreiber.de)
Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, stellt die Nominierten für seinen “Himmel- und Hölle-Preis” 2023 vor, mit denen die herausragende Unterstützung für Freie beziehungsweise besonders negative Einflüsse auf deren Arbeitsbedingungen gewürdigt werden. Für den “Hölle-Preis” sind zwei Medienmanager und ein Verlag nominiert, darunter die Mediengruppe Klambt für ihre restriktiven Rahmenverträge und Gerrit Bastian Mathiesen vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag für seine herablassenden Äußerungen über freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf der anderen Seite stehen eine Freischreiberin und ein Redaktionsleiter als Kandidaten für den “Himmel-Preis”, die sich besonders für die Belange von Freien beziehungsweise die Erhaltung eines Magazins eingesetzt hätten.

5. Journalismus und Künstliche Intelligenz
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Kurt Sagatz denkt im “Tagesspiegel” über den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus nach und stellt die neun Grundsätze des ZDF für den Einsatz generativer KI vor. Wie Redaktionen mit dem Thema umgehen, sei ihnen selbst überlassen, so Sagatz, es sollte jedoch “grundsätzlich gelten, dass KI-Inhalte kenntlich gemacht werden und Medien transparent mit den eigenen Entwicklungen in Sachen KI umgehen”.

6. Mund halten im Zeitalter von Social Media
(blog-cj.de)
Christian Jakubetz diskutiert die Bedeutung des Zuhörens im Zeitalter von Social Media und kritisiert die vorherrschende Kultur des ständigen Redens und Postens. Er betont, dass in Sozialen Netzwerken oft zu viel geredet und zu wenig zugehört werde, was zu einer Verstärkung von Unwissenheit und Ignoranz führen könne: “Natürlich, jeder hat das Recht, sich zu äußern. Es geht nicht darum, das Grundrecht zu bestreiten. Sondern um die Frage des ‘Wie’. Und ob es unbedingt klug ist, immer zu allem irgendwas sagen zu wollen, und das auch noch möglichst laut und mit Cool-Attüde.”

KW 43/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Krieg in Nahost: Verantwortung der Medien
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 33:47 Minuten)
Im Medienpodcast “quoted” geht es um die Berichterstattung über den Nahostkonflikt und die damit verbundene Verantwortung der Berichtenden. Für Nadia Zaboura und Nils Minkmar stellen sich verschiedene Fragen: “Berichten die Medien angemessen? Wählen sie die richtigen Worte, zeigen sie angemessene Bilder? Gelingt es, die Geschehnisse in Israel und Palästina in einen Kontext zu setzen, ohne zu relativieren, was nicht relativiert werden darf?”

2. Macht Künstliche Intelligenz den Journalismus besser?
(br.de, Linus Lüring, Audio: 22:50 Minuten)
“BR24 Medien” beschäftigt sich mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Journalismus – von der Euphorie über die neuen Möglichkeiten bis hin zu kritischen Fragen nach den Grenzen der Technologie und ethischen Aspekten. Linus Lühring und das BR24-Team sprachen dafür mit verschiedenen Expertinnen und Experten wie Katharina Barley (Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments), Alena Buyx (Vorsitzende des Deutschen Ethikrates), Mirko Drenger (Geschäftsführer Antenne Deutschland) und Björn Ommer (Leiter der Computer Vision & Learning Group an der LMU München).

3. Erdogans Influencer: Wie sie rechte Propaganda verbreiten
(ndr.de, Manuel Biallas, Video: 16:07 Minuten)
Die Wiederwahl von Präsident Recep Tayyip Erdoğan kam auch durch die Stimmen der Wahlberechtigten in Deutschland zustande, von denen fast zwei Drittel für Erdoğan stimmten. Influencer wie Bilgili Üretmen und Yunus Celep, die in Deutschland für den neuen und alten Präsidenten und dessen Partei AKP werben, sollen das beeinflusst haben. “Zapp”-Autor Manuel Biallas ist der Sache nachgegangen.

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4. Diversität beginnt im Writer’s Room
(deutschlandfunknova.de, Tom Westerholt & Anna Wollner, Audio: 46:43 Minuten)
Bei Deutschlandfunk Nova geht es unter anderem um die Bedeutung von Diversität und nachhaltiger Produktion in der deutschen Filmindustrie. Juliana Maug, Diversity Managerin bei der Filmproduktionsgesellschaft UFA, betont, dass Diversität bereits “im Writer’s Room”, also in der Phase der Stoffentwicklung und des Drehbuchschreibens, beginnen sollte, um authentische und vielfältige Geschichten zu erzählen.

5. Sind ALLE Reaction-Videos verboten?
(youtube.com, Christian Solmecke, Video: 21:58 Minuten)
Auf Youtube gibt es eine Vielzahl sogenannter Reaction-Videos, in denen Youtuber, Influencer oder Livestreamer auf ein bereits bestehendes Video oder einen anderen Film reagieren. Manchmal nehmen sie dafür nur kurze Ausschnitte, manchmal ganze Sendungen. Das wirft die Frage nach der Rechtmäßigkeit auf. Rechtsanwalt Christian Solmecke zeigt anhand von Beispielen, was aus seiner Sicht erlaubt ist und was nicht.

6. Vom Hörfunk zu Audio? – 100 Jahre Radio
(sr.de, Kai Schmieding & Michael Meyer, Audio: 19:05 Minuten)
Kai Schmieding und Michael Meyer haben sich mit Hans-Ulrich Wagner vom Leibniz-Institut für Medienforschung über 100 Jahre Radio unterhalten.
Weiterer Hörtipp: Radio gestern, heute, morgen – Sondersendung zu 100 Jahren Radio (wdr.de, Steffi Orbach, Audio: 44:26 Minuten).

Ringen um Gemeinnützigkeit, Ein Jahr Musk, KI-Grundsätze des ZDF

1. Die Bundesregierung muss gemeinnützigen Journalismus endlich möglich machen
(netzpolitik.org, David Schraven)
David Schraven, “Correctiv”-Gründer und Vorstand des Forums Gemeinnütziger Journalismus, sorgt sich in einem Gastbeitrag um die im Koalitionsvertrag versprochene steuerrechtliche Anerkennung des gemeinnützigen Journalismus: “Sollte sich die Bundesregierung entscheiden, den Koalitionsvertrag nicht umzusetzen und den gemeinnützigen Journalismus zu ignorieren, wird sie einen neuen Keil zwischen die privilegierten Zentren und die vernachlässigten ländlichen Räume treiben, in denen kein Ersatz für wegbrechende Medien geschaffen werden kann.”

2. KI-Grundsätze des ZDF
(zdf.de)
“Das ZDF sieht im Einsatz von generativer KI Chancen, aber auch Risiken. Es geht deshalb offen und zugleich kritisch mit dem Thema um. Generative-KI-Tools sollen die Arbeit der Redaktionen unterstützen, aber nicht ersetzen.” Das ZDF hat neun Grundsätze zum eigenen Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) vorgelegt. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert Medienunternehmen auf, sich ebenfalls mit dem Thema auseinanderzusetzen: “Es ist gut, dass das ZDF einen Rahmen schafft”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall, “aber genauso dringend sind KI-Regeln bei den anderen Sendern und Verlagen, die sie bisher noch nicht haben.”

3. Content-Moderator bekommt Recht
(verdi.de)
Der Content-Moderator Cengiz Haksöz hat die Arbeitsbedingungen bei seinem Arbeitgeber Telus International öffentlich kritisiert und sei daraufhin ausgesperrt und mit einer fristlosen Kündigung bedroht worden, während er gleichzeitig Wahlvorstandsvorsitzender für eine Betriebsratswahl war. Mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi habe er dagegen geklagt und vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf Recht bekommen. Das Gericht habe nach Verdi-Angaben keine ausreichenden Gründe für eine fristlose Kündigung gesehen und betont, dass konstruktive Kritik an den Arbeitsbedingungen zulässig sei.

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4. Medienvertrauen: Die unantastbare Variable der Demokratie
(de.ejo-online.eu, Roman Winkelhahn)
“Während Diskussionen über Desinformation, Medienkompetenz, ‘Fake News’ und Plattformmacht den medienpolitischen Diskurs prägen, wird das Medienvertrauen selten direkt angesprochen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass das Medienvertrauen der Bevölkerung vom demokratischen Staat nicht angetastet werden kann, obwohl – oder gerade weil – es eine Voraussetzung für die Demokratie ist.” Roman Winkelhahn behandelt das Thema Medienvertrauen und dessen zentrale Rolle in der Demokratie, wobei er auf die Herausforderungen und die Fragilität dieses Vertrauens hinweist.

5. Müssen sich Medienmarken vom Screen emanzipieren, Jochen Wegner?
(turi2.de, Jochen Wegner)
Jochen Wegner, Chefredakteur von “Zeit Online”, thematisiert in seinem Gastbeitrag für “turi2”, wie sich Medien aus seiner Sicht an die digitale Welt anpassen müssen. Er erklärt, dass “Zeit Online” nicht nur Artikel für den Bildschirm produziere, sondern auch Podcasts und Live-Events anbiete, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Wegner betont, dass die Zukunft der Medien in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz und anderen Technologien liege, um Inhalte auf verschiedenen Plattformen und in verschiedenen Formaten verbreiten zu können. Medienunternehmen müssten lernen, den “Kleintierzoo digitaler Angebote” effektiv zu nutzen.

6. Ein Jahr Twitter unter Elon Musk – eine Bilanz in fünf Grafiken
(wiwo.de, Tobias Gürtler)
Ein Jahr nach der Übernahme von Twitter durch Elon Musk hat sich sowohl die Plattform als auch das Unternehmen dahinter mit drastischen Stellenkürzungen, schwerwiegenden Eingriffen und der Umbenennung in X stark verändert. Mangels verlässlicher wirtschaftlicher Kennzahlen sei es nicht einfach, eine belastbare Bilanz zu ziehen, schreibt Tobias Gürtler in der “Wirtschaftswoche”. Er hat sich die bekannten Parameter vorgenommen und die Daten in verschiedene Grafiken umgesetzt, die den Rückgang der Nutzerzahlen, der Reichweite und der Werbeeinnahmen dokumentieren.
Weiterer Lesetipp: Der Discounter Aldi Nord hat eine Stellungnahme zu einem Vorfall auf X/Twitter veröffentlicht, bei dem es zu rassistischen Kommentaren und Diskriminierung in Bezug auf die Darstellung von Models im aktuellen Werbeprospekt gekommen sei: “Da seitens der Plattformbetreiber nicht ausreichend gegen solche sogenannte Hate Speech vorgegangen wird, haben wir entschieden, selbst aktiv zu werden.”

Leergeräumte Arbeitsplätze, Streit um Werbeverbot, Fotojournalismus

1. Gefährdet Cem Özdemirs geplantes Werbeverbot wirklich den Journalismus?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:40 Minuten)
Holger Klein und sein Gast Martin Rücker setzen sich im “Übermedien”-Podcast kritisch mit einer Kampagne auseinander, die von Verbänden der Werbebranche, der Lebensmittelindustrie und privaten Medien ins Leben gerufen wurde, um gegen das von Bundesernährungsminister Cem Özdemir geplante Werbeverbot für ungesunde Kinderprodukte zu protestieren: “Was hat es mit dem geplanten Werbeverbot eigentlich auf sich? Wie berichten Medien darüber? Und welche Wirkung könnte so ein Gesetz eigentlich haben?”

2. Brutal vom Hof gejagt
(taz.de, Wilfried Urbe)
Wilfried Urbe berichtet in der “taz” über die unerfreulichen Entwicklungen beim Kölner DuMont-Verlag: “Für 200 Festangestellte sowie zahlreiche befristet Beschäftigte der hauseigenen Druckerei des DuMont-Verlags war es ein Schock: Als sie Anfang Oktober wie gewohnt zur Arbeit gingen, hatte jemand ihre Arbeitsplätze leergeräumt. Zu belichtende Druckerplatten, Beilagen oder Papierrollen – alles war am Feiertag zuvor mit Lkws nach Koblenz geschafft worden, wo fortan preisgünstiger der Kölner Stadtanzeiger, die Kölnische Rundschau und das Boulevardblatt Express produziert werden.” Nun würden die Gewerkschaften mit dem Verlag über einen Sozialplan verhandeln.

3. Quartalsberichte aus der Medienwirtschaft 3/2023
(dju.verdi.de, Gert Hautsch)
Bei Zeitungen, Zeitschriften und Büchern sinken Auflagen und Umsätze, audiovisuelle Medien und Games wachsen, während der Videostreaming-Markt gesättigt scheint. Dies und mehr zeigen die Quartalsberichte der Gewerkschaft Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union, die sich in “Branchenübersichten” (PDF), “Konzernübersichten” (PDF) und dem Bericht über “Übernahmen, Beteiligungen und Gemeinschaftsunternehmen” (PDF) aufteilen.

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4. “Was ist es uns wert, dass es gute Dokus gibt?”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
“DWDL” berichtet von den Medientagen München, wo über die Rolle des Dokumentarfilms in der heutigen Medienlandschaft diskutiert wurde. Dokumentarfilme hätten Blockbuster-Potenzial, seien aber unterfinanziert, so die Produzenten. Stagnierende Budgets trotz allgemeiner Preissteigerungen würden sich negativ auf die Qualität der Filme auswirken – besonders gefährdet seien die Recherche- und Vorproduktionsphasen.

5. Fotojournalismus und Bildredaktion – wohin geht der Weg?
(fachjournalist.de, Ralf Falbe)
Andreas Trampe, “Senior Photo Editor” in der Bildredaktion des “Stern”, berichtet im Interview mit dem “Fachjournalist” über seine langjährigen Erfahrungen und gibt Einblicke in die Welt des Fotojournalismus und der Bildredaktion. Er betont die Bedeutung von Emotionen, hoher Bildqualität und journalistischer Relevanz für gute Fotos. Außerdem geht Trampe auf die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Branche ein, die sich auch durch Künstliche Intelligenz bedroht sieht.

6. Twittert Lauterbach privat oder hoheitlich?
(lto.de, Marie Winzek & Markus Sehl)
Bei “Legal Tribune Online” schreiben Marie Winzek und Markus Sehl über ein Gerichtsurteil, nach dem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach auf seinem privaten Social-Media-Account einen Journalisten blockieren darf. Das Amtsgericht Berlin-Mitte habe entschieden, dass der Twitter- beziehungsweise X-Account von Lauterbach privat betrieben werde und daher keine “virtuelle öffentliche Einrichtung” darstelle, weshalb kein genereller Auskunftsanspruch des Journalisten bestehe.

Angriffe und Drohungen, Timeline des Grauens, Schönheitswahn

1. Angriffe und Drohungen in der ganzen Konfliktregion
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation “Reporter ohne Grenzen” (“ROG”) berichtet über Angriffe und Drohungen gegen Medienschaffende im Nahen Osten, insbesondere im Gazastreifen, im Westjordanland, im Südlibanon und in Israel. Nach den Terrorangriffen der Hamas auf Israel seien Journalistinnen, Journalisten und Redaktionen besonders gefährdet beziehungsweise unter Druck. Elf Medienschaffende seien bei israelischen Luftangriffen in Gaza und im Süden des Libanons getötet worden. “ROG”-Vorstandssprecherin Katja Gloger betont die Notwendigkeit unabhängiger Berichterstattung aus dem gesamten Konfliktgebiet und warnt vor den wachsenden Gefahren für Journalistinnen und Journalisten in der Region.

2. 30 Jahre Schutz der Pressefreiheit
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 6:21 Minuten)
Immer wieder setzen Reporter und Reporterinnen in Krisengebieten ihr Leben aufs Spiel. Seit 30 Jahren unterstützt der Verein “Journalisten helfen Journalisten” diese mutigen Menschen und deren Familien. Isabelle Klein sprach mit Mitbegründerin Christiane Schlötzer, deren Verein bisher mehr als 1.000 Betroffenen geholfen hat.

3. Die Timeline des Grauens
(zeit.de, Eike Kühl)
Ein Jahr ist es her, dass Elon Musk stolz mit einem Waschbecken in der Twitter-Zentrale einmarschierte, und seitdem ist bei dem Kurznachrichtendienst so viel passiert, dass man es kaum fassen kann. Eike Kühl bezeichnet diese ersten zwölf Monate des Unternehmens unter Elon Musk als “einige der chaotischsten und absurdesten in der bisherigen Geschichte der Technikbranche” und hat zur besseren Orientierung “eine unvollständige Übersicht der Ereignisse” zusammengestellt.

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4. Google-Kampagne hilft Menschen, Manipulationen im Internet zu erkennen
(belltower.news)
Google hat in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in Deutschland eine “Prebunking”-Kampagne gestartet, um Desinformation im Internet zu bekämpfen und Menschen zu helfen, Manipulationen zu erkennen. Im Mittelpunkt der Kampagne stand die Aufklärung über gängige Manipulationstechniken wie Dekontextualisierung, Panikmache und Whataboutism. Die Aktionsvideos liefen mindestens sechs Wochen lang als Anzeigen bei Youtube, Facebook und Instagram, berichtet die Redaktion “Belltower.News” der Amadeu Antonio Stiftung, die an der Aktion beteiligt war.

5. US-Bundesstaaten verklagen Meta wegen Gefahren für Kinder
(spiegel.de)
Mehrere US-Bundesstaaten hätten den Technologiekonzern Meta, die Muttergesellschaft von Facebook und Instagram, wegen der Suchtgefahr seiner Sozialen Netzwerke verklagt. Die Klage werfe Meta vor, die Öffentlichkeit über die erheblichen Gefahren seiner Plattformen für die psychische Gesundheit insbesondere von Kindern und Jugendlichen getäuscht zu haben. Die klagenden Bundesstaaten würden Funktionen wie “Gefällt mir” und Benachrichtigungen, die junge Nutzerinnen und Nutzer an den Bildschirm fesseln, kritisieren und beanstanden, dass die Nutzung dieser Plattformen zu Problemen wie Essstörungen beiträgt.

6. Schönheitswahn und Deepfake-Pornos – Jasmin Gnu im Talk
(ardmediathek.de, Aminata Belli & Aurel Mertz, Video: 22:19 Minuten)
Passend zum vorherigen Link eine Empfehlung für das Gespräch mit der Youtuberin und Influencerin Jasmin Gnu, die eindringlich vor den körperlichen und mentalen Gefahren der oberflächlichen Social-Media-Welt warnt. Gnu kennt viele der von ihr kritisierten Verhaltensweisen aus eigener Erfahrung und kann daher besonders glaubwürdig darüber berichten.

Anfragen der “Welt”, Vorgefasste Gefühlsmeinung, Knappe Zeit

1. Wie die “Welt” Prominente vorführt, weil sie ihr kein “Statement gegen den Judenhass” schicken
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die “Welt” kritisierte jüngst Prominente, die auf die Anfrage, ein Statement “gegen Judenhass” abzugeben, nicht reagiert oder der Redaktion abgesagt haben. Der Artikel der “Welt” suggerierte, dass das Schweigen der Prominenten eine stillschweigende Zustimmung zu dem Hass auf Juden sein könnte. Boris Rosenkranz kritisiert diesen Ansatz und betont, dass die Nichtbeantwortung einer Presseanfrage viele Gründe haben kann und nicht zwingend eine Meinung zum Thema widerspiegelt. Sein Fazit: “Man wird den Eindruck nicht los, dass die ‘Welt’ mit diesem Artikel nicht eine berechtigte Debatte für eine wichtige Sache führen, sondern eine Kampagne fahren wollte, um einzelne Prominenten schlecht aussehen zu lassen.”

2. “Es gibt eine vorgefasste Gefühlsmeinung”
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Video: 8:53 Minuten)
Die Journalistin Esther Schapira kritisiert im Deutschlandfunk, dass Falschmeldungen der Hamas aus Gaza von Medien verbreitet wurden, da sie eine gefühlte Wahrheit bei vielen Journalisten und Journalistinnen bestätigten würden. Schapira betont, dass Antisemitismus in Redaktionen lange verharmlost worden sei. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung solcher Falschmeldungen und vorgefassten Meinungen in den Köpfen vieler Medienschaffender.

3. So katastrophal bewertet die Medienbranche Twitter
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Markus Reuter)
netztpolitik.org hat sich in der Medienbranche zum Zustand von Twitter/X umgehört. Journalistinnen und Journalisten sowie ganze Medienhäuser würden einen Verlust von Relevanz und Reichweite bemerken, die Plattform als “toxisch” beschreiben und überlegen, sie zu verlassen. Die Antworten würden ein Dilemma spiegeln: “So kritisch viele die Entwicklung bei X sehen: Solange Medien und Politik weiter in großer Zahl dort anzutreffen sind, ist es schwer, die Plattform zu verlassen.”

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4. RSF und HateAid fordern stärkere Nutzerrechte
(reporter-ohne-grenzen.de)
Gerade Medienschaffende seien auf Social-Media-Plattformen oftmals sexualisierten Beleidigungen, Morddrohungen und Verleumdungen ausgesetzt; die Reaktionen der Plattformen seien oft unzureichend. Dagegen setzen sich die Organisationen Reporter ohne Grenzen (ROG) und HateAid ein und appellieren an den Deutschen Bundestag, mit einem Gesetz gegen digitale Gewalt die Betroffenen besser zu schützen. “Nicht erst seit der Berichterstattung über das Querdenken-Milieu beobachten wir eine starke Zunahme von Hass und Hetze gegen Medienschaffende im Netz. Das führt zu Selbstzensur und stellt eine Gefahr für die Informationsfreiheit in Deutschland dar”, so ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

5. Die Zeit ist knapp
(taz.de, David Muschenich)
Lokale Medien stehen derzeit vor zahlreichen Herausforderungen. Um Lösungsansätze zu diskutieren, trafen sich Journalistinnen und Journalisten bei der Konferenz Correctiv.Lokal. Themen wie die Zukunft des Lokaljournalismus, Klima und Vielfalt in den Redaktionen standen auf dem Programm. Das Netzwerk Correctiv.Lokal versuche, den vielfältigen Herausforderungen durch Kooperation und Erfahrungsaustausch zu begegnen.

6. RBB erhöht die Forderungen gegen Ex-Intendantin Schlesinger
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” berichtet, hat der RBB seine Forderungen gegen die ehemalige Intendantin Patricia Schlesinger vor Gericht auf 270.000 Euro erhöht. Dabei gehe es vor allem um die Rückzahlung variabler Bezüge. Während Schlesinger die Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Verschwendung zurückweist, erhebe sie ihrerseits Forderungen gegen den öffentlich-rechtlichen Sender und verlange die Auszahlung ihrer Versorgungsleistungen.

Verdacht, “Purpose”, Jugendwort “goofy”

1. “Wir wollen niemanden canceln”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Seit dem Aufkommen der #MeToo-Bewegung habe die Verdachtsberichterstattung über sexualisierte Gewalt zugenommen, wobei Journalistinnen und Journalisten strengen Regeln folgen müssten. Lena Kampf, stellvertretende Leiterin des Ressorts Investigative Recherche bei der “Süddeutschen Zeitung”, spricht über die Herausforderungen und juristischen Auseinandersetzungen, die mit einer solchen Berichterstattung einhergehen. Sie betont die Bedeutung von eidesstattlichen Versicherungen für die Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen und die Notwendigkeit, das Informationsinteresse der Öffentlichkeit mit dem Persönlichkeitsrecht der Betroffenen abzuwägen.

2. Warum Löschen keine gute Lösung ist
(netzpolitik.org, Carla Siepmann)
Online verbreiten sich Informationen, einschließlich Falschmeldungen, besonders schnell. Um einen demokratischen Diskurs zu gewährleisten, sollten falsche oder gefälschte Inhalte jedoch nicht voreilig gelöscht werden, findet Carla Siepmann: “Statt auf Eile zu setzen, sollten wir stärker gegen Desinformation vorgehen, indem mutmaßlich falsche Inhalte gekennzeichnet und kommentiert werden. Ansonsten droht eine Zensur des digitalen Raums.”

3. US-Journalistin festgenommen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Nach Informationen von Reporter ohne Grenzen (ROG) wurde die amerikanisch-russische Journalistin Alsu Kurmaschewa am 18. Oktober in Kasan, der Hauptstadt der autonomen russischen Teilrepublik Tatarstan, verhaftet. Sie soll sich in Russland nicht als “ausländische Agentin” registriert haben. Kurmaschewa arbeite für den US-finanzierten Sender Radio Free Europe/Radio Liberty und habe sich intensiv mit den Problemen nationaler Minderheiten in Tatarstan und Baschkortostan beschäftigt. ROG befürchtet, dass Russland verhaftete Journalistinnen und Journalisten wie Kurmaschewa als Druckmittel einsetzen könnte und fordert ihre sofortige Freilassung.

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4. Journalismus braucht Strukturen, die seinem “Purpose” gerecht werden
(journalist.de, Patrick Breitenbach)
Unternehmensberater und Innovationsmanager Patrick Breitenbach diskutiert die Bedeutung von “Purpose” im Journalismus und betont, dass viele Organisationen sich von ihrem ursprünglichen Zweck entfernt haben. Für Medienorganisationen hat er einen wichtigen Tipp: “Besinnt euch auf den ursprünglichen Zweck des Journalismus und beginnt endlich damit, an den Strukturen und nicht an den Psychen eurer Mitarbeitenden zu arbeiten.”

5. Bei diesen Artikeln über KI hätte Heute.at besser eine KI gefragt
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Wie “Kobuk” berichtet, hat die österreichische Gratis-Tageszeitung “Heute” in mehreren Artikeln über Künstliche Intelligenz (KI) übertriebene oder falsche Behauptungen aufgestellt, beispielsweise dass ChatGPT einen Master-Abschluss habe, dass KI bald für Wladimir Putin Entscheidungen treffen werde, und dass eine KI die Menschheit vernichten wolle. Andrea Gutschi kritisiert die ungenaue und unseriöse Berichterstattung und stellt klar, dass viele der Behauptungen nicht der Wahrheit entsprechen.

6. “Goofy” ist Jugendwort des Jahres 2023
(tagesschau.de)
“goofy” wurde zum Jugendwort des Jahres 2023 gewählt. Weitere Finalisten sind “side eye” (in etwa: skeptischer Blick) und “NPC”, eine Abkürzung für “non-player character” aus Videospielen. Tagesschau.de geht den Fragen nach, ob Jugendliche solche Wörter wirklich benutzen, was eine junge Poetry-Slammerin von Jugendwörtern hält und wofür diese eigentlich gut sind.

KW 42/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Bad news are good news? Wenn schlechte Nachrichten zuviel werden
(ardaudiothek.de, Nina Landhofer, Audio: 26:12 Minuten)
“Bad news are good news” ist ein Prinzip, das seit rund 100 Jahren im Journalismus gilt, Aufmerksamkeit erregt und heute vielleicht als Clickbait bezeichnet werden könnte. Schon in den 1950er-Jahren hätten Forscher vor den negativen Folgen dieses Ansatzes gewarnt, doch geändert habe sich wenig. Nina Landhofer hat sich mit Medienwissenschaftler Uwe Krüger über Lösungsansätze unterhalten.

2. Weil der Verlag sich ändern muss
(youtube.com, Thomas Knüwer, Video: 30:45 Minuten)
“Das Vertrauen in große Medienmarken ist auf einem Tiefpunkt angelangt – und ihre wirtschaftliche Situation sieht oft nicht besser aus. Daran sind sie selbst mit Schuld. Was muss sich ändern, damit große Medienmarken ihre Funktion wieder erfüllen und sie sich gleichzeitig wieder finanzieren?” Thomas Knüwer wäscht den Verlagen eine halbe Stunde lang in seiner bekannt direkten Art den Kopf.

3. Dennis Horn über Elon Musk und Twitter / X
(denkangebot.org, Katharina Nocun, Audio: 1:07:04 Stunden)
In über 200 Folgen hat Dennis Horn mit Gavin Karlmeier im gemeinsamen Podcast “Haken dran” über die Entwicklungen bei X (ehemals Twitter) diskutiert. Jetzt ist er zu Gast bei Katharina Nocun, und die beiden haben jede Menge Gesprächsstoff: “Jüdische Verbände kritisieren eine massive Zunahme von Hassbotschaften und Antisemitismus auf X/Twitter. Journalisten beklagen außerdem eine wahre Flut an Desinformation – und machen sich große Sorgen in Bezug auf anstehende Wahlen – auch in den USA.”

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4. Generative KI verändert die Medienlandschaft!
(youtube.com, Video: 1:06:34 Stunden)
Im “X Club” des SWR wird die Rolle der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) in der Medienlandschaft diskutiert. Gäste wie Sven Sobotta von baden.fm sprechen über den Einsatz von KI im Radiojournalismus, während Elisabeth L’Orange von Oxolo Tools vorstellt, die automatisch Werbevideos aus Amazon-Produktlinks generieren. Johannes Schmid-Johannsen vom SWR erzählt, wie der öffentlich-rechtliche Sender die Potenziale von KI nutzt, um den Journalismus zu unterstützen und die Qualität der Angebote zu verbessern.

5. Kein Ende im Streit um Presseähnlichkeit?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 33:24 Minuten)
Die Debatte darüber, wie “presseähnlich” öffentlich-rechtliche Angebote im Internet sein dürfen, ist mit dem Medienstaatsvertrag 2018 eigentlich beigelegt, flammt aber immer wieder auf. So kritisiert der Verleger Arist von Harpe, der 2020 die “Hamburger Morgenpost” übernommen hat, den NDR und prangert unlauteren Wettbewerb an. Im Podcast “Läuft” spricht er mit der Medienjournalistin Ellen Nebel über die anhaltenden Auseinandersetzungen und die Aussichten auf eine mögliche Versöhnung.

6. Rettet Booktok die Buchläden?
(zeit.de, Carla Neuhaus & Zacharias Zacharakis, Audio: 50:38 Minuten)
In “Ist das eine Blase?”, dem Wirtschaftspodcast von “Zeit” und “Zeit Online”, spricht Nina Hugendubel, Geschäftsführerin der Buchhandelskette Hugendubel, über die Bedeutung des TikTok-Phänomens “Booktok” für ihr Unternehmen und erzählt, wie Buchhändler zu beliebten Influencern auf der Plattform werden.

Was ist Desinformation?, KI in der Schule, Babylonische Verwirrung

1. Entscheidet jetzt die EU, was Desinformation ist?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 32:28 Minuten)
Holger Klein spricht im “Übermedien”-Podcast mit Autor, Moderator und Strategieberater Hendrik Wieduwilt über das Digitale-Dienste-Gesetz der EU, das unter anderem Social-Media-Plattformen zwinge, Inhalte stärker zu moderieren: “Unklare Nachrichtenlagen, wie sie derzeit in Nahost vorliegen, werden so auch zur Herausforderung für die Meinungs- und Pressefreiheit: Was fällt unter Desinformation? Was wird gelöscht und wie wird es transparent gemacht? Wer entscheidet das? Und werden offizielle Einschätzungen der EU bevorzugt?”

2. Mit Wasserzeichen gegen die babylonische Verwirrung
(netzpolitik.org, Daniel Leisegang)
“In der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel verwirrt Gott die Sprache der Menschen, sodass sie sich nicht mehr verständigen können. Wie berechtigt die Sorge vor einer Verwirrung durch generative KI ist, hat sich in der vergangenen Woche einmal mehr deutlich gezeigt.” Auf netzpolitik.org beschäftigt sich Daniel Leisegang mit der Schwierigkeit, echte von gefälschten Bildern zu unterscheiden.

3. Wie KI Schule macht
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Susanne Stracke-Neumann hat das Netzwerktreffen der Initiative “Journalismus macht Schule” besucht, der Medienhäuser und Organisationen wie SWR, “Correctiv” und “Lie Detectors” angehören. Es sei vor allem über Künstliche Intelligenz (KI) und deren Einfluss auf die deutsche Bildungslandschaft diskutiert worden, wobei Themen wie KI im Unterricht, Medienkompetenz von Lehrkräften und das Erkennen von “Fake News” im Vordergrund standen.

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4. Bert Habets: “Wir haben keine Zeit zu verschenken”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“DWDL”-Chefredakteur Thomas Lückerath hat sich mit dem ProSiebenSat.1-Chef Bert Habets über die Neuausrichtung des Unternehmens unterhalten. Habets betont im Interview die Notwendigkeit von Veränderungen, um im Unterhaltungssektor wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei geht er auch auf die schrumpfenden Werbeeinnahmen ein. Er habe “noch nie zwei Jahre hintereinander einen so deutlichen Rückgang des Werbemarktes um jeweils neun bis zehn Prozent erlebt”.

5. Erlesenes: Von kulturellen Stereotypen, amerikanischem Arbeitskampf und weitverbreiteten Kompetenzlücken beim FBI
(reframetech.de, Asena Soydaş & Michael Puntschuh)
Asena Soydaş und Michael Puntschuh haben bei “Reframetech” (“Algorithmen fürs Gemeinwohl”) eine bunte Medienrundschau zusammengestellt. Darin geht es unter anderem um die Schwierigkeiten von KI-Bildgeneratoren, die Vielfalt unserer Welt korrekt abzubilden, und den monatelangen Streik der Drehbuchautoren und -autorinnen in den USA rund um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Filmindustrie.

6. Deutschlandfunk verlässt (teilweise) Twitter
(twitter.com, Deutschlandfunk Lab)
Der Twitter-Exodus geht weiter: Nun haben auch das Deutschlandfunk Lab und das Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio “angesichts der Entwicklungen auf dieser Plattform” den Kurznachrichtendienst verlassen. Die Hauptkanäle des Deutschlandfunks und weitere Unterredaktionen scheinen hingegen noch aktiv zu sein.

Prechtsprechung, Der Krieg der Bilder, “Collateral Damage”

1. Precht bittet um Entschuldigung, Lanz fühlt sich nach Vorwürfen “wirklich verletzt”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Markus Lanz und Richard David Precht haben auf die Kritik an der jüngsten Folge ihres Podcasts reagiert. Precht hatte darin fälschlicherweise behauptet, ultraorthodoxe Juden dürften aus religiösen Gründen nicht arbeiten (“Ein paar Sachen wie Diamanthandel und ein paar Finanzgeschäfte ausgenommen”), woraufhin das ZDF die Passage gestrichen hatte. Sowohl Precht als auch Lanz wurden für die Podcastfolge heftig kritisiert und teilweise als Antisemiten bezeichnet. Nun gehen sie in einer Sonderausgabe auf die Vorwürfe ein, die sie nach 24 Minuten beenden. “Zum Glück für die beiden, denn es hat nicht viel gefehlt und sie hätten ihren Klartext mit Fragezeichen versehen”, schreibt Joachim Huber.

2. Krieg der Bilder
(taz.de, Monika Hübscher)
Monika Hübscher berichtet in der “taz” über die Social-Media-Kriegsführung der Hamas. Der Einsatz Sozialer Medien in der Kriegsführung durch die Terrororganisation habe bereits am Tag des Angriffs auf Israel begonnen. Hübscher warnt davor, die derzeit im Umlauf befindlichen Gräuelbilder zu teilen: “Auch wenn manche Social-Media-Nutzer diese krassen Bilder und Videos nur auf ihren Profilen teilen, um über diese Verbrechen zu informieren, verbreiten sie damit doch Hamas-Propaganda. So werden Use­r*in­nen in den Netzwerken Teil der erfolgreichen algorithmischen Kriegsführung der Hamas.”
Weiterer Lesetipp: “Klare Parteilichkeit ist möglich”: “Nach den Hamas-Angriffen verbreiten auch deutsche Medien antisemitische Vorurteile. Kim Robin Stoller über die hohe Bedeutung, Sprache zu entlarven.” (taz.de, Erica Zingher)

3. “Wir können uns da auf keine Seite schlagen”
(deutschlandfunk.de, Jan-Christoph Kitzler, Audio: 8:02 Minuten)
Jan-Christoph Kitzler, Nahost-Korrespondent für Deutschlandfunk und ARD, betont, dass er sich bei seiner Berichterstattung aus dem Nahen Osten nicht auf eine Seite schlagen könne. Nach einem Raketeneinschlag im Al-Ahli-Krankenhaus in Gaza, bei dem zunächst von Hunderten Toten die Rede war, müsse er in seiner Berichterstattung vorsichtig sein und beide Seiten der Geschichte berücksichtigen. Kitzler könne derzeit nicht direkt aus dem Gazastreifen berichten und sei daher auf Informationen von Nachrichtenagenturen und lokalen Journalisten, sogenannten Stringern, angewiesen.

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4. Wir müssen darüber reden, wie wir über Künstliche Intelligenz berichten.
(wissenschaftskommunikation.de, Marcus Anhäuser)
Ein Jahr nach dem Start von OpenAIs Bildgenerator DALL-E und der Künstlichen Intelligenz (KI) ChatGPT wird im Journalismus diskutiert, wie über KI berichtet werden soll. Für Marcus Anhäuser stellen sich dabei einige Fragen: “Wie sollten Journalist*innen (und auch Kommunikator*innen) über Anwendungen, die auf Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen basieren, berichten? Was braucht es, um Rezipient*innen angemessen und mit einem kritischen Blick über die neuesten Entwicklungen zu informieren? Welche Fragen müssen sie stellen, um sich reflektiert mit KI auseinanderzusetzen?”

5. Streit um News-App: Verleger verklagen den SWR
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie erwartet, haben 16 südwestdeutsche Verlage im Streit mit dem SWR um die “Newszone”-App eine Klage angekündigt, berichtet Timo Niemeier bei “DWDL”. Damit gehe der Streit zwischen den Verlagen und dem öffentlich-rechtlichen Sender in die nächste Runde. Der SWR prüfe nun, wann die App wieder veröffentlicht werden könne – eine neue Version sei von einem möglichen Verbot nicht betroffen.

6. Verfolgung Assanges Gefahr für Medien weltweit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Verfolgung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange durch die USA stellt nach Ansicht von Reporter ohne Grenzen (ROG) eine Bedrohung für die Medien und das Recht auf freie Information weltweit dar. In der neuen Anzeigenkampagne “Collateral Damage” machen ROG und verschiedene Redaktionen auf diese Gefahr aufmerksam. Das Thema sei hochaktuell: Eine Auslieferung Assanges von Großbritannien an die USA könne bereits in wenigen Wochen erfolgen.

Von “Bild” bedroht?, Freundliche “Krone”, Mehr Urlaubsgeld

1. Stefan Mross wirft “Bild”-Unterhaltungschefin Drohungen vor
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Schlagersänger und Moderator Stefan Mross habe in einem Social-Media-Post die “Bild”-Unterhaltungschefin Tanja May scharf kritisiert und ihr vorgeworfen, ihm über seinen Manager gedroht zu haben. Mross beschwere sich über die negative Berichterstattung der “Bild”-Redaktion über ihn und behaupte, May habe gedroht, “ganz andere Geschichten aus der Schublade zu holen”, wenn er nicht rechtliche Schritte gegen einen ihrer Artikel einstellt. Der Axel-Springer-Verlag, zu dem “Bild” gehört, habe sich nicht zu den Vorwürfen geäußert.

2. Kaum Hilfe für Exiljournalisten
(verdi.de)
Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan seien laut Erkenntnissen der Organisation Reporter ohne Grenzen durch die Bedrohung und Verfolgung durch die Taliban in ständiger Gefahr. Das Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan der Bundesregierung soll gefährdeten Medienschaffenden helfen, doch bisher habe keine der von der Organisation vorgeschlagenen Personen nach Deutschland einreisen können. In Summe seien nur 13 Menschen eingereist. Reporter ohne Grenzen kritisiere die mangelnde Unterstützung und fordere die Bundesregierung auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden sowie die Aufnahmeentscheidungen zu beschleunigen.

3. So freundlich berichteten “Krone” und “Heute” im Wahlkampf 2017 über Sebastian Kurz
(kobuk.at, Franziska Schwarz)
Franziska Schwarz beschäftigt sich bei “Kobuk” mit der Berichterstattung der österreichischen Medien “Krone” und “Heute” über Sebastian Kurz im Wahlkampf 2017. Eine Analyse von mehr als 1.100 Artikeln zeige, dass das Boulevardblatt “Kronen Zeitung” besonders positiv über Kurz berichtet habe, während die Gratiszeitung “Heute” eine weniger eindeutige Tendenz zeige. Gegen die “Heute”-Herausgeberin Eva Dichand werde dennoch ermittelt. Es bestehe der Verdacht, dass Kurz im Gegenzug für Inserate und ein günstigeres Stiftungsgesetz positive Berichterstattung erhalten habe. Auch gegen Eva Dichands Ehemann, “Krone”-Herausgeber Christoph Dichand, wird ermittelt.

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4. TV-Nachrichten in der Schweiz: “Das Wichtige des Tages” ohne den Globalen Süden?
(de.ejo-online.eu, Ladislaus Ludescher)
Die wichtigste Schweizer Nachrichtensendung, die “Tagesschau” des SRF, berichte in nur rund 10 Prozent ihrer Sendezeit über den Globalen Süden, obwohl dort rund 85 Prozent der Weltbevölkerung leben. Trotz bedeutender humanitärer Krisen und Konflikte im Globalen Süden, wie dem Bürgerkrieg in Tigray und der humanitären Krise im Jemen, werde diesen Themen wenig bis keine Aufmerksamkeit geschenkt. Ladislaus Ludescher erinnert am Schluss seiner Analyse daran, “dass der Wert von Nachrichtengeschehen nach ihren menschlichen Dimensionen und nicht nach ihrem geografischen Standort beurteilt wird.”

5. Das Warten auf den TikTok-Account
(deutschlandfunk.de, Magdalena Neubig, Audio: 5:01 Minuten)
Der Deutschlandfunk berichtet über eine Diskussion im Hamburger Körber-Forum zum digitalen Umgang von Kindern mit Smartphones und Sozialen Medien. Während einige Eltern ihren Kindern den Zugang zu Plattformen wie TikTok verwehren wollen, würden Experten betonen, dass nicht das Smartphone an sich, sondern bestimmte Anwendungen das Problem seien. Der Psychologe Christian Montag empfiehlt, Soziale Medien nicht vor dem 13. Lebensjahr zu nutzen, während andere die Verantwortung der Eltern betonen, den digitalen Konsum ihrer Kinder zu überwachen und zu begleiten.

6. Mehr Urlaubsgeld für Freie
(djv.de, Paul Eschenhagen)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) begrüßt die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, dass arbeitnehmerähnliche Freie beim Deutschlandradio Anspruch auf ein höheres Urlaubsgeld haben, da Wiederholungshonorare in die Berechnung einbezogen werden müssen. Bis 2017 wurden diese Honorare in die Berechnung einbezogen, ab 2018, als der WDR die Abrechnungen übernahm, nicht mehr, was zu einer Kürzung des Urlaubsgeldes führte. DJV und Verdi hatten erfolgreich gegen diese Praxis geklagt. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall weist darauf hin, dass die Entscheidung auch rückwirkend gelten könnte.

Berichten über Nahost, Senioren Zukunft des TV, Immobilienverkäufe

1. Ausnahmezustand: Berichten über den Krieg in Nahost
(sr.de, Katrin Aue & Thomas Bimesdörfer, Audio: 15:49 Minuten)
Katrin Aue und Thomas Bimesdörfer diskutieren mit Tobias Kühn von der “Jüdischen Allgemeinen” darüber, wie deutsche Medien über den aktuellen Konflikt im Nahen Osten berichten: Wer wird als Aggressor dargestellt und wer als Leidtragender? Welche Veränderungen könnten und sollten in der Berichterstattung vorgenommen werden?

2. Der RBB drängt auf den Immobilienmarkt
(tagesspiegel.de, Anna Ringle)
Wie der “Tagesspiegel” berichtet, will der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) im Rahmen seines Sparprogramms seinen gesamten Immobilienbestand auf mögliche Verkäufe überprüfen. Die neue Intendantin Ulrike Demmer habe bestätigt, dass es zu weiteren Immobilienverkäufen kommen werde, der genaue Umfang sei aber noch unklar. Dieser Schritt sei Teil der Bemühungen des RBB, bis Ende 2024 eine Finanzlücke von 49 Millionen Euro zu schließen.

3. “Senioren sind die Zukunft des linearen Fernsehens”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath hat mit der TV-Expertin Virginia Mouseler über aktuelle Entwicklungen auf dem Fernsehmarkt gesprochen. Ein bemerkenswerter Trend sei, dass Dating-Formate für Seniorinnen und Senioren immer beliebter werden. Als Beispiele nennt Mouseler “The Golden Bachelor” auf dem US-Sender ABC und “My Mum, your dad” auf Vox. Sie betont, dass diese Zielgruppe die Zukunft des linearen Fernsehens sei und dass “Old-School-Fernsehen” ein möglicher Trend für lineare Fernsehsender sein könnte.

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4. Franca Lehfeldt verlässt Springer-Verlag
(spiegel.de, Anton Rainer)
Franca Lehfeldt, Chefreporterin bei Welt TV und Ehefrau des Finanzministers Christian Lindner, verlässt laut einer dem “Spiegel” vorliegenden Abschiedsmail zum Monatsende den Axel-Springer-Verlag. Offenbar will sie eine Agentur für Kommunikation und Marketing gründen, was sie gegenüber der “Zeit” 2022 noch ausgeschlossen habe.

5. Fusionen sind noch keine Reformen
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Leonhard Dobusch diskutiert bei netzpolitik.org die Frage, ob Fusionen öffentlich-rechtlicher Medien die richtige Antwort auf die digitalen Herausforderungen sind. Fusionen könnten kurzfristig hohe Investitionen erfordern und nicht unbedingt zu den erhofften Einsparungen führen. Helfen könnte ein kooperativer und dezentraler Ansatz, der auf offene Software, Standards und Protokolle setzt und ein kooperatives Management fördert.

6. Wahl pro Pressefreiheit
(div.de, Paul Eschenhagen)
Bei den jüngsten Wahlen in Polen habe sich eine klare Mehrheit für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freie Medien ausgesprochen. Die Wählerinnen und Wähler hätten sich gegen die nationalpopulistische Partei PiS und für das demokratische Parteienbündnis von Oppositionsführer Donald Tusk entschieden. Trotz der Schwierigkeiten bei der anstehenden Regierungsbildung seien die Aussichten für die Pressefreiheit in Polen, die unter der PiS-Regierung stark gelitten habe, positiv, meint Paul Eschenhagen in seinem Kommentar.

Nahost-Konflikt, ZDF löscht Precht-Aussage, Apocalypse not now

1. Warum wird es immer so emotional, wenn es um den Nahost-Konflikt geht?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:02 Minuten)
“Was sollten Journalistinnen und Journalisten beachten, die über den Nahost-Konflikt berichten? Und warum ist es nicht gut, von der einen und der anderen Seite zu sprechen?” Darüber hat sich Holger Klein mit der Politikwissenschaftlerin, Ärztin und Journalistin Gilda Sahebi unterhalten: “Warum wird es immer so emotional, wenn es um den Nahost-Konflikt geht?”
Weiterer Lesetipp: Die EU-Kommission erhöht den Druck auf X (vormals Twitter): “Die EU-Kommission leitet eine Untersuchung gegen die Plattform X ein. Der Vorwurf: Sie gehe nicht ausreichend gegen Falschinformationen nach den Angriffen auf Israel vor.” (zeit.de, Meike Laaf)

2. ZDF löscht Precht-Aussage über orthodoxe Juden
(spiegel.de)
In einer kürzlich erschienenen Episode des ZDF-Podcasts “Lanz und Precht” hat sich Richard David Precht in einer Art über das orthodoxe Judentum geäußert, die viel Kritik hervorgerufen hat. Besonders deutlich äußerte sich die israelische Botschaft in Berlin auf dem Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter): “Lieber Richard David Precht, wenn man keine Ahnung vom Judentum hat, sollte man besser nichts darüber sagen, als uralte antisemitische Verschwörungstheorien aufzuwärmen.” Die ZDF-Redaktion hat inzwischen die umstrittene Passage entfernt und nachträglich ein Statement von Precht eingefügt.

3. Apocalypse – not now
(taz.de, Christian Jakob)
Christian Jakob beleuchtet bei taz.de, wie Medien die Darstellung von Krisen oft verschärfen, was bei Menschen zu Überwältigung und Entmutigung führe. Dem könne jedoch von Medienseite entgegengewirkt werden: “Mit der Zumutung der Wirklichkeit muss man leben. Mit einem wettbewerbsgetriebenen Alarmismus, der sich verschärfende Krisen noch weiter anspitzt, und Social-Media-Echokammern, die Fatalismus zementieren, nicht.”

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4. Transparency Russia: Aus dem Exil gegen Korruption
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Transparency Russland, ein Zweig der NGO Transparency International, wurde von der russischen Regierung als “ausländischer Agent” eingestuft und musste 2022 das Land verlassen. Trotz des Exils setze die Organisation ihre Arbeit fort und führe investigative Recherchen durch. Im Interview spricht Geschäftsführer Ilya Shumanov über seine Arbeitsbedingungen vor der Flucht ins Ausland und darüber, was sich für ihn im Exil verändert hat.

5. Umfassendes Forschungsprojekt zum gemeinwohlorientierten Journalismus gestartet
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche will mit vier europäischen Partnern den gemeinwohlorientierten Journalismus in Europa erforschen. Ziel sei es, detaillierte Daten über die unabhängige Medienlandschaft zu sammeln: “Wir möchten wissen, welche Geschäftsmodelle unter welchen Bedingungen am besten funktionieren, wie es den Medienorganisationen gelingt, die Zahlungsbereitschaft beim Publikum zu wecken, und wo die größten Hindernisse für nachhaltiges Wachstum liegen.” Wer in einer gemeinnützigen Redaktion arbeitet und die Aktion unterstützen möchte, findet den Fragebogen hier (englisch, circa 30-45 Minuten).

6. Muss der Beitragszahler die Sendungen der Kirchen bezahlen?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Derzeit wird diskutiert, ob es angemessen ist, dass die evangelische und die katholische Kirche bei ARD und ZDF sowie im Deutschlandradio insgesamt 14 Stunden Sendezeit pro Woche erhalten, die sie selbst gestalten können und deren Kosten die Sender tragen. Joachim Huber kommentiert: “Keine Lösung wäre es, wenn die Konfessionen mittels einer medialen Reformation aus den Programmen vertrieben werden, dafür zeugen selbst die schwindenden Mitgliederzahlen für eine große, weiterhin bestehende Relevanz. Aber eines darf passieren: Dass die evangelische und die katholische Kirche ihre Verkündigungssendungen selber bezahlen. So viel Einsatz für den lieben Gott darf schon sein.”

KW 41/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Mediale Problemzone? – Berichterstattung über Ostdeutschland
(ndr.de, Konstanze Nastarowitz & Mandy Mülling, Video: 15:06 Minuten)
“33 Jahre nach der Wiedervereinigung sollte die Mauer gänzlich verschwunden sein, doch sie verharrt in den Köpfen und Unterschiede zwischen Ost und West bleiben. Welche Rolle spielen dabei die Medien?”, fragen Konstanze Nastarowitz und Mandy Mülling im NDR-Medienmagazin “Zapp”. Für ihre Suche nach einer Antwort haben sie unter anderem mit Jan Hollitzer, Chefredakteur der “Thüringer Allgemeinen”, und Anne Hähnig, Leiterin des Leipziger Büros der “Zeit”, gesprochen.

2. KI im Journalismus in 10 Jahren
(soundcloud.com, Sascha Fobbe, Audio: 36:57)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Ohne Block und Bleistift” spricht Sascha Fobbe mit Dennis Horn über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus. Horn rät zur Gelassenheit, warnt vor dystopischen Vorstellungen und betont die Notwendigkeit des menschlichen Gewissens im Journalismus. Medienhäuser sollten sich proaktiv den Herausforderungen der Zeit stellen und die Entwicklung von KI in der Branche aktiv mitgestalten, um nicht, wie in den Anfangszeiten von Social Media, ins Hintertreffen zu geraten.

3. Kriegsreporter Friedhelm Brebeck: Schicksal ist, was kommt
(br.de, Martin Durm, Audio: 41:23 Minuten)
Friedhelm Brebeck, einer der prominentesten Kriegsreporter der 90er-Jahre, berichtete unter lebensgefährlichen Bedingungen aus Kriegs- und Krisengebieten wie dem damals belagerten Sarajevo. Martin Durm hat sich mit dem fast 90-jährigen Brebeck über dessen einzigartiges Journalistenleben und dessen Erfahrungen unterhalten.

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4. Radio macht Geschichte
(ardaudiothek.de, Audio: 15 Folgen zu je 12 bis 14 Minuten)
Wann gab es die erste Live-Reportage eines Fußball-Länderspiels? Inwieweit hat Radio dem Jazz und der Popmusik zum Durchbruch verholfen? Was brachte der Rundfunk Neues für die Kultur? Die 15-teilige Serie “Radio macht Geschichte” erkundet die Einflüsse des Radios seit dessen erster Ausstrahlung in Deutschland im Jahr 1923. Die Gemeinschaftsproduktion von RBB Kultur, SWR Wissen und MDR Kultur bietet eine informative und unterhaltsame Reise durch 100 Jahre Radiogeschichte.

5. Populismus – Fake News als politischer Kampfbegriff
(deutschlandfunknova.de, Nina Bust-Bartels, Audio: 39:26 Minuten)
Im Vortrag der Kommunikationswissenschaftlerin Jana Egelhofer geht es um den Begriff “Fake News”, der oftmals tendenziös und als politischer Kampfbegriff verwendet werde. Egelhofer erklärt, wie der Begriff die politische Debatte beeinflusst und das Vertrauen in die Medien untergräbt.

6. Die kleine Youtuberin aus Nordkorea
(youtube.com, Camille Bourleaud, Video: 11:35 Minuten)
Der Arte-Beitrag von Camille Bourleaud stellt die elfjährige “Song A” aus Nordkorea vor, die auf Englisch über ihr Leben in der Hauptstadt Pjöngjang und ihre Freizeitaktivitäten berichtet. Die Bilder sollen authentisch wirken, unterliegen aber der staatlichen Kontrolle und verdeutlichen die Absicht des Regimes, Influencer-Plattformen für eigene Botschaften zu nutzen, um ein geschöntes Bild des Landes zu erzeugen.

Lindemann verliert, Google zahlt, Zwangsvollstreckung für Hildmann

1. “Rammstein”-Sänger verliert vor Gericht gegen die “SZ”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Wie Joachim Huber berichtet, hat das Landgericht Frankfurt eine der ersten großen Recherchen über Rammstein-Sänger Till Lindemann für zulässig erklärt. Der am 2. Juni dieses Jahres in der “Süddeutschen Zeitung” (“SZ”) erschienene Beitrag (nur mit Abo lesbar) beschreibt ein Casting-System, mit dem Lindemann junge Frauen zu Partys eingeladen haben soll, sowie mehrere sexuelle Kontakte zwischen ihm und Konzertbesucherinnen. Trotz der Einwände von Lindemanns Anwälten, dass die sexuellen Handlungen einvernehmlich gewesen seien und die Berichterstattung die Intimsphäre des Sängers verletze, habe das Gericht laut “SZ” die Unterlassungsklage abgewiesen, da die Darstellung des Casting-Systems im öffentlichen Interesse liege, insbesondere im Hinblick auf die Prävention.

2. Google zahlt Verlagen 3,2 Millionen Euro pro Jahr
(spiegel.de)
Laut einer Mitteilung von Google habe sich das Unternehmen mit der Verwertungsgesellschaft Corint Media, von der sich einige deutsche Verlage vertreten lassen, geeinigt, jährlich 3,2 Millionen Euro für die Nutzung von Presseinhalten zu zahlen. Diese Zahlung sei Teil einer vorläufigen Übereinkunft nach jahrelangem Streit um die Nutzung von Presseinhalten durch Google und liege weit unter den Vorstellungen der Verwertungsgesellschaft, die allein für das Jahr 2022 eine Zahlung von 420 Millionen Euro gefordert habe.

3. Zwangsvollstreckung bei Attila Hildmann: Erfolg für Volker Beck und HateAid
(hateaid.org)
Der in die Türkei geflohene ehemalige Kochbuchautor und aktuelle Verschwörungsideologe Attila Hildmann muss per Zwangsvollstreckung eine Geldentschädigung aus den Erlösen seiner Buchverkäufe zahlen. Wegen massiver Angriffe auf den Politiker Volker Beck war Hildmann zu einer Zahlung in Höhe von rund 1.000 Euro (plus Verfahrenskosten) verurteilt worden, der er nicht nachgekommen war: “Die Erlöse werden so lange gepfändet, bis die Forderung vollständig abgegolten ist”, teilt die Organisation HateAid mit, die das Verfahren gegen Hildmann vorfinanziert hatte.

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4. Frankfurter Rundschau: Beschäftigte fordern Fortsetzung der Tarifverhandlungen
(dju.verdi.de, Ute Fritzel)
Die Beschäftigten der “Frankfurter Rundschau” (“FR”) kämpfen seit Monaten für faire Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag, doch die Verhandlungen seien im August einseitig von der Geschäftsführung abgebrochen worden. Die Gewerkschaften Verdi und DJV lehnen den Abbruch der Gespräche ab, da die Gehaltsstrukturanpassung angesichts der Inflation unzureichend sei und in vielen Fällen nicht einmal die Reallohnverluste der vergangenen Jahre ausgleiche. Um den Druck auf die Verleger zu erhöhen, planen die Beschäftigten der “FR” für den 17. Oktober eine “aktive Mittagspause” vor den Redaktionsräumen in Frankfurt.

5. Springers Politico startet mit Gordon Repinski und Cecil von Busse in Berlin
(kress.de, Marc Bartl)
Wie kress.de berichtet, startet “Politico”, das zum Springer-Verlag gehört, Anfang 2024 in Deutschland unter der Leitung von Gordon Repinski mit dem täglichen Newsletter “Berlin Playbook”. Cecil von Busse übernehme als Geschäftsführer die Verantwortung für den Markteintritt in Deutschland und den weiteren Aufbau der Medienmarke. Die Expansion sei Teil einer Partnerschaft zwischen Springer und Gabor Steingarts “Media Pioneer”.

6. Was kostet die Welt? Ein Magazin erklärt Kindern Wirtschaft
(uebermedien.de, Katrin Wilkens)
Katrin Wilkens stellt bei “Übermedien” ein Wirtschaftsmagazin für Kinder vor: “weil.” sei vom Carlsen Verlag und der Brand Eins Medien AG entwickelt worden, um Wirtschaftsthemen kindgerecht aufzubereiten. Ziel des Magazins sei es, Wirtschaft zeitgemäß, aber nicht belehrend zu erklären und Kindern ein besseres Verständnis für alle Vorgänge rund um Euro und Cent zu vermitteln.

Antidiskriminierung verlässt X, “Unglücklicher Zufall”, Müllhalde

1. Antidiskriminierungsbeauftragte ruft staatliche Institutionen zum Verlassen von X auf
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat angekündigt, X (ehemals Twitter) zu verlassen. Als staatliche Institution habe man eine Vorbildfunktion, daher sei ein Verbleib bei X nicht mehr vertretbar. Darüber hinaus fordert die Antidiskriminierungsstelle andere Institutionen auf, ebenfalls über einen Ausstieg nachzudenken: “Alle Ministerien und andere öffentliche Stellen sollten sich fragen, ob es weiterhin tragbar ist, auf einer Plattform zu bleiben, die zu einem Desinformations-Netzwerk geworden ist und dessen Eigentümer antisemitische, rassistische und populistische Inhalte verbreitet.”

2. Gute Nachrichten für den Sponsor
(taz.de, Gernot Knödler)
Wie die “taz” berichtet, ließ sich das “Hamburger Abendblatt” von der Firma Eins-Komma-Fünf-Grad und der städtischen Messegesellschaft eine Jubiläumsaktion sponsern, bei der der Hamburger Fernsehturm angestrahlt wurde. Unmittelbar neben dem Artikel zu dieser Aktion erschien ein großer Beitrag über Eins-Komma-Fünf-Grad, der den Verdacht der Schleichwerbung aufkommen ließ. Die Funke Mediengruppe, zu der auch das “Hamburger Abendblatt” gehört, habe den Vorwurf entschieden zurückgewiesen und die Artikelkombination als ” einen – wenn auch ob der Wirkung unglücklichen – Zufall” bezeichnet.

3. Rezeption des Israel-Angriffs auf Telegram
(belltower-news.de)
Die Monitoring-Redaktion von “Belltower News” hat sich angeschaut, wie Rechtsextreme und Verschwörungsverbreiter die Terrorangriffe auf Israel nutzen, um ihre Narrative bei Telegram zu verbreiten. Das Fazit: “Nach einem unendlich langen Terror-Wochenende gegen die israelische Bevölkerung wirkt Telegram wie eine brennende Müllhalde entfesselter Menschenfeindlichkeit.”

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4. Warum zahlen Nutzer nicht für Nachrichten?
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Johanna Mack fasst eine Studie zusammen, die vier Hauptgründe nennt, warum Nutzerinnen und Nutzer nicht für Nachrichten bezahlen: als zu hoch wahrgenommene Preise, genügend kostenlose Nachrichtenquellen, mangelnde Bindungsbereitschaft sowie Liefer- oder technische Probleme. Viele der Befragten seien sich nicht bewusst, dass es durchaus günstigere Angebote gibt, oder fühlen sich durch andere Dienste wie Netflix oder Spotify übersättigt. Auch die Vielfalt kostenloser Informationen und das Zögern, sich auf ein Medium festzulegen, wirke sich negativ auf die Zahlungsbereitschaft aus.

5. Der Flächenbrand
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Sonja Peteranderl beschäftigt sich beim “journalist” mit der alarmierenden Zunahme von Burn-out-Erkrankungen bei Journalistinnen und Journalisten, die auf das hohe Arbeitstempo und den Stress zurückzuführen sei. Studien aus den USA und Deutschland würden die Dringlichkeit des Problems belegen und eine bessere Unterstützung der Medienschaffenden fordern.
Weiterer Lesetipp: Von Risiken und Druck im Beruf: “Journalist*innen in Deutschland sehen sich in einem hohen Maß Stress ausgesetzt. Die Mehrheit hat in letzter Zeit Beleidigungen im Internet und Herabwürdigungen ihrer Arbeit erlebt. Das kam bei einer repräsentativen Befragung heraus, die jetzt im Arbeitspapier ‘Journalismus in Deutschland 2023: Aktuelle Befunde zu Situation und Wandel’ vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans Bredow-Institut (HBI) veröffentlicht wurde.” (verdi.de)

6. Niggemeier und Rosenkranz übergeben Leitung von “Übermedien”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Zum Schluss noch eine Personalnachricht von den Kollegen von nebenan: Wie “DWDL” unter Berufung auf eine Pressemitteilung von “Übermedien” berichtet, ziehen sich Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz aus der Geschäftsführung des Online-Magazins zurück. Ab 2024 soll Alexander Graf, bisher Chefredakteur des “Medium Magazins”, als neuer Geschäftsführer und Chefredakteur die Leitung übernehmen. Niggemeier und Rosenkranz würden “Übermedien” aber als Autoren und alleinige Gesellschafter erhalten bleiben.

Rammstein-Recherchen, Lob der Vielfalt, Internetkrieger Musk

1. “Unsere Recherchen zum Fall Rammstein”
(journalist.de,. Daniel Drepper)
Daniel Drepper, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, schildert die umfangreichen Recherchen seines Teams zur Band Rammstein und zeichnet nach, wie diese in einen Kulturkampf mündeten: “Da die Vorwürfe, die juristische Aufarbeitung und das journalistische Handwerk oft kompliziert sind, zeitaufwändig und nur schwierig zu erklären, geht in der Diskussion vieles durcheinander. Das wird immer häufiger befeuert von einer Gegenseite, die durch aggressive Pressearbeit und das Erwecken falscher Eindrücke nicht nur rechtlich gegen die Recherchen vorgeht, sondern aktiv versucht, diese in der Öffentlichkeit zu diskreditieren. Auch deshalb sprechen wir derzeit vermehrt über unsere Arbeit.”

2. Internetkrieger in erster Reihe
(taz.de, Tatjana Söding)
Tatjana Söding beschäftigt sich in der “taz” mit dem “Rechtslibertarismus des Elon Musk”. Der US-Unternehmer, Eigentümer von X (ehemals Twitter) sowie CEO von Tesla und SpaceX sei in seinen Ansichten immer extremer geworden. Musk offenbare eine tiefe Ablehnung von Regeln und Normen sowie eine Tendenz zu rechten Ansichten. Das zeige sich beispielsweise in der Unterstützung rechter Tweets und der Verbreitung von Verschwörungserzählungen. Musk wehre sich gegen diese Vorwürfe und verweise auf sein Engagement für nachhaltige Energie und Umweltschutz.

3. Mitgliedstaaten müssen sich Parlament anschließen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Verhandlungen über das europäische Medienfreiheitsgesetz (European Media Freedom Act, EMFA) nähern sich in Brüssel ihrem Ende. Die Organisation Reporter ohne Grenzen drängt den Rat der Europäischen Union, den vom Europäischen Parlament verabschiedeten Entwurf des EMFA anzunehmen, der einen besseren Schutz für Medienschaffende vorsehe. Besonders umstritten sei derzeit noch ein Passus, der die Überwachung von Journalisten und Journalistinnen und die Vertraulichkeit ihrer Quellen betrifft.

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4. Neues Infoportal
(djv.de, Paul Eschenhagen)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat ein neues Informationsportal namens freien.info für freie Journalistinnen und Journalisten ins Leben gerufen. Das Portal biete ausführliche Informationen zur freiberuflichen Tätigkeit im Journalismus und soll Medienschaffenden bei der Existenzgründung helfen. Es enthalte berufsrelevante Informationen, die sowohl für Neueinsteiger als auch für erfahrene Journalistinnen und Journalisten nützlich seien.
Weiterer Tipp: Mit den “Freischreibern” gibt es seit 2008 auch einen (vom DJV unabhängigen) Berufsverband für freie Journalistinnen und Journalisten.

5. Ohne Vielfalt keine Demokratie
(verdi.de, Bärbel Röben)
Bärbel Röben berichtet über die Jahreskonferenz des Vereins Neue deutsche Medienmacher*innen. Dort wurde über die Bedeutung von Vielfalt im Journalismus und die Auswirkungen des aktuellen Rechtsrucks auf Medienschaffende diskutiert. Dabei wurde betont, dass guter Journalismus als “Grundpfeiler der Demokratie” Diskurse einordnen und marginalisierten Gruppen eine Stimme geben müsse. Röben fasst die Themen und Beiträge der Konferenz zusammen.

6. “… werden als verfassungswidrig aufgehoben.”
(arminwolf.at)
“Der Einfluss der Bundesregierung auf die ORF-Gremien ist zu groß. Das hat der Verfassungsgerichtshof (VfGH) jetzt in einem historischen Erkenntnis festgestellt. An dieser Entscheidung bin ich eventuell nicht ganz unschuldig”, schreibt der österreichische Moderator Armin Wolf in einem Blogbeitrag. Das aktuelle ORF-Gesetz, das die Bestellung von Stiftungs- und Publikumsrat regelt, müsse bis Ende März 2025 geändert werden. Wolf sieht darin eine historische Chance für die Unabhängigkeit der ORF-Gremien, ist aber skeptisch, ob die Politik in Österreich ihren Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Sender tatsächlich begrenzen wird.

Bei Opferbildern abwägen, Digital-Orakel, Stimmungsmache bei “Nius”

1. Presserat: Bei Opferbildern abwägen
(verdi.de)
Nach dem Angriff der Hamas auf Israel fordert der Presserat die Redaktionen auf, bei der Veröffentlichung von Fotos und Videos von Terroropfern sorgfältig abzuwägen und die Wirkung solcher Bilder zu berücksichtigen. “An der Berichterstattung über den beispiellosen Angriff der Hamas und die jetzt folgenden Kampfhandlungen besteht zweifellos ein überragendes öffentliches Interesse”, so Presserats-Sprecherin Kirsten von Hutten: “Dennoch müssen Redaktionen vor der Veröffentlichung von Fotos und Videos die Menschenwürde der Opfer und die Gefühle der Angehörigen im Blick behalten”.

2. BR und Arte beenden Zusammenarbeit mit Malcolm Ohanwe
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der Bayerische Rundfunk (BR) und Arte haben die Zusammenarbeit mit dem Journalisten Malcolm Ohanwe beendet, nachdem dieser in einem Tweet Verständnis für den Angriff der Hamas auf Israel gezeigt habe. Der BR kritisierte Ohanwes Äußerungen als “menschenverachtend” und betonte, sie entsprächen nicht dem journalistischen Selbstverständnis des Senders. Ohanwe wiederum erklärte, er habe den Terror nicht relativiert oder gerechtfertigt.

3. Verhetzen, verunglimpfen, verachten
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier kritisiert bei “Übermedien” die rechte Medienplattform “Nius”. Dort wurde kürzlich eine propagandistisch zugespitzte Bildcollage veröffentlicht, in der eine Aussage von CDU-Chef Friedrich Merz aufgegriffen wurde, der zuvor behauptet hatte, Asylbewerber würden sich auf Kosten der Steuerzahler “die Zähne neu machen” lassen. Niggemeier kommentiert: “Es geht nur darum, Stimmung zu machen gegen all die Horden, die es sich angeblich auf Kosten der Deutschen, der Mehrheit, gut gehen lassen. Und es geht darum, diese Menschen zu benutzen, um Stimmung zu machen gegen Leute, die der fremdenfeindlichen Rhetorik von Merz widersprechen, die nicht den Reflex haben, dass man jetzt darüber nachdenken sollte, ob Asylbewerber eigentlich überhaupt zum Zahnarzt gehen müssen oder dürfen oder nicht die Schmerzen einfach aushalten sollten, irgendwo hört’s mit der Humanität ja auch mal auf.”

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4. Reporter ohne Grenzen auf Distanz
(taz.de, Florian Bayer)
Der Konflikt um den ORF-Ukraine-Korrespondenten Christian Wehrschütz spitzt sich offenbar zu. Der Rechtsanwalt Gabriel Lansky, der Wehrschütz vertritt, soll Reporter ohne Grenzen (ROG) Österreich verlassen haben, bevor er möglicherweise aus dem Vorstand ausgeschlossen werden konnte. Der Grund: Ein Interessenkonflikt, weil Lansky Wehrschütz vertrete und ihn gleichzeitig innerhalb von ROG unterstütze. Wehrschütz, dessen Akkreditierung als Journalist in der Ukraine bereits abgelaufen sei, war zuvor in die Kritik geraten, weil er die ukrainische Luftabwehr gefilmt und seine Beiträge mit prorussischen Propagandavideos versehen habe.

5. BDZV einigt sich mit DJV auf Inflationsausgleichsprämie
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” berichtet, hat sich der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) auf eine Inflationsausgleichsprämie von 120 Euro monatlich geeinigt, die Redakteurinnen und Redakteuren von Tageszeitungen bis Ende des kommenden Jahres gezahlt werde. Die Vereinbarung verlängere jedoch den Gehaltstarifvertrag bis Ende 2024, was die Gewerkschaft dju kritisiere und als “tarifpolitische Bankrotterklärung” bezeichne.

6. Philipp Klöckner: Das Digital-Orakel von Ostvorpommern
(n-joy.de, Norbert Grundei, Audio: 1:28:54 Stunden)
Digital-Experte und Investor Philipp Klöckner ist einer der beiden Köpfe des hörenswerten “Doppelgänger-Tech-Talk”-Podcasts und profunder Kenner der Start-up-Szene. Norbert Grundei diskutiert mit Klöckner über dessen Karriereanfänge in Greifswald, den Streamingmarkt und gesellschaftliche Veränderungen.

Toter Vogel und blauer Himmel, Keine Medienvielfalt, Problem-Stimmen

1. Der blaue Vogel ist tot, lang lebe der blaue Himmel
(socialmediawatchblog.de, Martin Fehrensen & Simon Hurtz)
Im “Social Media Watchblog” beschäftigen sich Martin Fehrensen und Simon Hurtz mit Bluesky, das von vielen als Alternative zu Twitter gesehen wird. Es gebe einige Gründe für und gegen die Zukunft des Netzwerks. Während einige, wie Fehrensen, optimistisch sind und glauben, dass Bluesky einen nachhaltigen Hype auslösen kann, bleibt Hurtz skeptisch und hat mehr Fragen als Antworten. Eine lesenswerte Gegenüberstellung der wichtigsten Argumente.
Weitere Hör- und Lesetipps: Bei “Übermedien” hat sich Holger Klein mit Fehrensen über Bluesky unterhalten (25:56 Minuten). Beim SR hat Plattformexperte Michael Seemann seine Einschätzung dazu abgegeben (16:36 Minuten). Und bei der “taz” findet Carolina Schwarz, dass Bluesky unter den richtigen Bedingungen ein wichtiges demokratisches Instrument werden könnte.

2. Stern Preis für “Geschichte des Jahres” bleibt
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Die mit dem “Stern”-Preis 2022 ausgezeichnete “Spiegel”-Recherche über Ex-“Bild”-Chef Julian Reichelt bleibt trotz einer Korrektur des Nachrichtenmagazins ausgezeichnet. Das hätten Chefredaktion und Beirat des “Stern” nach einer erneuten Prüfung entschieden. Der “Spiegel”-Artikel sei zwar an einer Stelle korrigiert worden, weil sich eine Aussage über Reichelt als falsch herausgestellt habe. Der Beirat habe aber betont, dass der Kern des Artikels nicht angetastet und alle journalistischen Standards eingehalten worden seien.

3. Für Respekt in der Kommentar-Spalte
(taz.de, Fabian Schroer)
Community-Managerinnen und -Manager bei öffentlich-rechtlichen Sendern haben es manchmal nicht leicht. Der oft raue Umgangston und hasserfüllte Postings können psychisch belastend sein. Im Jahr 2022 habe beispielsweise das ZDF über 12 Millionen Kommentare auf seinen Social-Media-Kanälen erhalten, von denen nicht wenige Hass und Beleidigungen enthielten. KI-gestützte Modelle könnten in Zukunft helfen, Kommentare besser zu filtern. Bis dahin sei es wichtig, dass Community-Management als seriöse journalistische Arbeit anerkannt werde.

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4. Keine Medienvielfalt – Was Polen, Slowakei und Ungarn gemein haben
(ardaudiothek.de, Jonathan Schulenburg,Audio: 25:03 Minuten)
In “BR 24 Medien” geht es um die bedrohte Medienvielfalt in Ländern wie Polen, Ungarn und der Slowakei. Zu Gast sind Lutz Kinkel, Direktor des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit, der BR-Journalist und Osteuropa-Experte Henryk Jarczyk und die Journalistin Marianne Allweiss, die für die ARD über die Slowakei berichtet.

5. “Es ist erlaubt, Trash-TV zu mögen.”
(turi2.de)
Kai-Oliver Derks, Chefredakteur der Unterhaltungsnachrichtenagentur “Teleschau”, und “Teleschau”-Geschäftsführer Alexander Büttner sprechen im Interview mit “turi2” über die Entwicklung und Bedeutung der Fernsehkritik. Derks betont, dass es aus seiner Sicht Unsinn sei, wöchentlich mit Shows wie dem “Sommerhaus der Stars” abzurechnen und das Ende der Fernsehkultur zu prophezeien, während Büttner die Relevanz des gedruckten TV-Programms betont, da sich Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern nicht online über ihr Fernsehprogramm informieren würden.

6. Wenn die KI mit meiner Stimme spricht
(lto.de, Georg Manthey & Simon Liepert)
Mit fortgeschrittenen KI-Tools können menschliche Stimmen täuschend echt nachgeahmt werden, was ein erhebliches Missbrauchspotenzial birgt. Rechtlich sei die menschliche Stimme sowohl durch das Datenschutzrecht als auch durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht geschützt. Bei “Legal Tribune Online” betonen die Autoren Georg Manthey und Simon Liepert die rechtlichen Grenzen und den Schutz, den das Gesetz den Betroffenen bietet.

KW 40/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Medienjournalismus im Podcast mit Stefan Niggemeier und Nadia Zaboura
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 29:27 Minuten)
Der Medienkritiker Stefan Niggemeier ist nicht nur für seinen Unterhaltungspodcast mit Sarah Kuttner (“Das kleine Fernsehballett”) verantwortlich, sondern als einer der “Übermedien”-Geschäftsführer auch für den Podcast “Holger ruft an”. Nadia Zaboura wiederum podcastet wöchentlich mit ihrem Kollegen Nils Minkmar unter dem Dach der Civis Medienstiftung und der “Süddeutschen Zeitung” (“quoted – der Medienpodcast”). In “Läuft”, auch ein Podcast, sprechen sie darüber, warum sich Podcasts besonders gut für Medienthemen eignen, welches Feedback sie bekommen und welche Rolle sie persönlich in ihren Podcasts spielen.

2. Was mit dem neuen ARD-Studio Kiew besser werden soll
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 35:05 Minuten)
Seit dem 1. September ist Vassili Golod “crossmedialer Leiter” des ARD-Studios in Kiew. WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn begründete die Einrichtung des Studios damals so: “Wir haben das Studio in Kiew gegründet, weil es – selbst wenn der Krieg hoffentlich in naher Zukunft enden sollte – noch lange ein hohes Interesse an Berichterstattung aus der Ukraine geben wird. Dies wird nicht mehr wie in den vergangenen Jahren vom Standort Moskau aus zu leisten sein, denn eine Berichterstattung wird künftig immer beide Sichtweisen brauchen, die russische und die ukrainische.” Im Deutschlandfunk spricht Stephan Beuting mit Vassili Golod und der Osteuropa-Expertin Franziska Davies über die Berichterstattung aus der Ukraine.

3. Vor den Wahlen: Was bringen Umfragen eigentlich?
(tagesschau.de, Victoria Koopmann, Audio: 33:01 Minuten)
Am heutigen Sonntag finden in Hessen und Bayern Landtagswahlen statt. Seit mehr als 25 Jahren befragt die ARD die Bürgerinnen und Bürger nach ihren politischen Stimmungen und Ansichten und präsentiert die Ergebnisse im “Deutschlandtrend”. In einem etwa halbstündigen Audiobeitrag ermöglicht die ARD einen Blick in den “Deutschlandtrend”-Maschinenraum. Dazu hat die Redaktion die “Deutschlandtrend”-Moderatorin und WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni ins Studio eingeladen.

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4. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
(bpb.de, Holger Klein, Audio: 42:12 Minuten)
“Aus Politik und Zeitgeschichte”, ein Format der Bundeszentrale für politische Bildung, widmet sich diesmal dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der Kritik an dieser Institution. Wie kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk heute angesichts des Medienwandels seinen Auftrag am besten erfüllen? Darüber hat Holger Klein mit verschiedenen Expertinnen und Experten gesprochen: dem Historiker Konrad Dussel, der Publizistikwissenschaftlerin Ilka Jakobs, dem Medienjournalisten Christian Meier und der Journalistin Hadija Haruna-Oelker.

5. Angst vor rechten “Journos”?
(druckausgleich.podigee.io, Annkathrin Weis & Luca Schmitt-Walz, Audio: 56:51 Minuten)
Die Episode “Angst vor rechten ‘Journos’?” des Podcasts “Druckausgleich” beschäftigt sich mit der wachsenden Reichweite und den Ressourcen rechter Journalisten und Blogger, beispielsweise des ehemaligen “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt. Diese Akteure würden den Journalismus nutzen, um ihre Absichten zu verschleiern, Tatsachen zu verdrehen und Menschen zu verunsichern. Die Moderatoren Annkathrin Weis und Luca Schmitt-Walz diskutieren, wie man auf diese Entwicklung reagieren sollte und welche konkreten Möglichkeiten es gibt, dagegen vorzugehen.

6. Musk, Macht, Meinung mit Susanne Stichler
(ardaudiothek.de, Sarah Bosetti, Audio: 1:03:26 Stunden)
In der aktuellen Folge von “Bosettis Woche” ist die Journalistin und Moderatorin Susanne Stichler zu Gast und erzählt unter anderem von ihren Erlebnissen am 33. Tag der Deutschen Einheit, sie spricht darüber, wie Sprachnachrichten das Verhältnis zu ihrer Cousine verbessert haben und wie sich der Ton in der gesellschaftlichen Debatte verändert hat. Außerdem geht es um die negativen Auswirkungen des Internets, insbesondere des Kurznachrichtendienstes X (ehemals Twitter).

Böhmermann siegt gegen Reichelt, X verliert Werbegeld, Populismus-Falle

1. Jan Böh­m­er­mann siegt gegen Julian Rei­chelt
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt hatte wegen der Schönbohm-Sendung Vorwürfe gegen Jan Böhmermann und das “ZDF Magazin Royale” erhoben. Das Landgericht Hamburg habe ihm nun zentrale Aussagen aus seiner Sendung “Achtung, Reichelt!” untersagt – wegen unzulässiger Verdachtsberichterstattung und Unwahrheit. Insbesondere sei Reichelt verboten worden, den Verdacht zu verbreiten, das Bundesinnenministerium habe Einfluss auf den Inhalt der Böhmermann-Sendung genommen. Felix W. Zimmermann erläutert die vorgetragenen Argumente und juristischen Bewertungen des Streits.

2. KI als Bedrohung für das freie Internet
(netzpolitik.org, Leonhard Pitz)
Der “Freedom of the Net Report” der NGO Freedom House zeige, so Leonhard Pitz, dass Künstliche Intelligenz (KI) eine wachsende Bedrohung für die Freiheit im Internet darstelle. Autokratien würden KI zunehmend zur Desinformation einsetzen, wie etwa in Nigeria, wo ein KI-generierter Audioclip verbreitet wurde, der einen Präsidentschaftskandidaten der Opposition belastete. Trotz des Potenzials von KI für Desinformation und Zensur betone der Bericht, dass die Hauptarbeit im Bereich der Desinformation nach wie vor von Menschen und nicht von Maschinen geleistet werde.

3. Durchsucht, verhört, verhaftet
(taz.de, Natalie Mayroth)
Wie Natalie Mayroth berichtet, geht die indische Regierung hart gegen das regierungskritische Medium “Newsclick” vor, was zu landesweiten Protesten von Medienschaffenden führe. Die bekannte Schriftstellerin Arundhati Roy und weitere Journalistinnen und Journalisten kritisieren die Einschränkung der Pressefreiheit im Land. Die jüngsten Razzien und Verhaftungen von “Newsclick”-Mitarbeitern würden als Versuch gewertet, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.

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4. “X hat keinen Umgang mit Hassrede mehr”
(belltower.news, Theresa Lehmann)
In mehr als 200 Folgen hat der Podcast “Haken dran” von Gavin Karlmeier und Dennis Horn den Übergang von Twitter zu X dokumentiert, doch nun pausiert das Projekt. Karlmeier erzählt im Interview, wie die Idee zum Podcast entstand, wie dramatisch sich Twitter in der Elon-Musk-Ära verändert hat, und wie Medien, Politik und Zivilgesellschaft jetzt handeln sollten.

5. Elon Musks X verliert immer mehr Werbeeinnahmen
(spiegel.de)
Nach Angaben eines auf Werbeanalysen spezialisierten Unternehmens verzeichnet Elon Musks Plattform X, ehemals Twitter, einen drastischen Rückgang der Werbeeinnahmen – die Rede ist von mindestens 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Musk mache Aktivisten, insbesondere die Anti-Defamation League, für den Rückgang der Einnahmen verantwortlich.

6. Weidel, Söder, Merz: Die Populismus-Falle enthüllt
(ndr.de, Daniel Bröckerhoff, Video: 16:37 Minuten)
Daniel Bröckerhoff hat für das Medienmagazin “Zapp” das Verhältnis von Populismus und Medien untersucht. Vor allem Politikerinnen und Politiker wie Alice Weidel, Markus Söder, Friedrich Merz und Sahra Wagenknecht würden immer wieder mit populistischen Äußerungen auffallen. Bröckerhoff deckt verschiedene Strategien auf, mit denen sie um Aufmerksamkeit buhlen. Unterstützt wird er dabei vom Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje.

“Lasst Twitter brennen”, Mehr Komplexität wagen, Böhmermann

1. Warum Bluesky gerade durch die Decke geht – und was Mastodon daraus lernen kann
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter geht auf den aktuellen Massenumzug von Twitter/X zu Bluesky ein und zieht Vergleiche zu Mastodon. Seit dem Wochenende seien viele bekannte Twitter-Accounts, Journalisten und Medien zu Bluesky gewechselt, das zwar dezentral konzipiert sei, aber von einem Unternehmen kontrolliert werde. Was steckt hinter dem Hype? Und warum konnte Mastodon das Momentum seinerzeit nicht in ähnlicher Weise für sich nutzen?
Video-Tipp: Bei Youtube ruft Marina Weisband mit eindringlichen Worten (“Lasst Twitter brennen”) dazu auf, die Plattform Twitter zu verlassen, da sie zu einem Sammelbecken für Neonazis, Verschwörungstheoretiker und andere extremistische Stimmen geworden sei, die noch dazu vom Algorithmus bevorzugt würden. Weisband warnt davor, dass Journalisten und Politiker dort ein verzerrtes Bild der Gesellschaft erhalten könnten, und betont, dass es unmöglich sei, auf einer privaten Plattform gegen die Interessen des Eigentümers zu gewinnen.
Weiterer Lesetipp: In einem lesenswerten Statement erklärt der Social-Media-Experte Martin Fehrensen, warum er seinen Twitter-Account gelöscht hat. Elon Musk verfolge eine politische Agenda, die Plattform habe sich unter seiner Führung zu einem Netzwerk für Rechtsextreme entwickelt. Das neue X sei nicht für den Dialog, sondern für Eskalation konzipiert. Fehrensen glaubt, dass X nicht der richtige Ort für konstruktive Gespräche sei und ermutigt andere, ebenfalls ihre Accounts zu löschen: “Lösche aber auf gar keinen Fall das Feuer, das in dir brennt, um die Welt ebenfalls zu einem besseren Ort zu machen. Auch wenn Elon Musk alles daran setzt, dass es erlischen möge.”

2. “Humor darf den wahren Kern nicht verfälschen”
(journalist.de, Jan Freitag)
Jan Böhmermann gilt als eine der einflussreichsten Stimmen in Deutschland. Im Interview mit dem “journalist” spricht er unter anderem über seine Arbeit, die Bedeutung von Humor und die Herausforderungen, denen er in seiner Karriere begegnet ist. Böhmermann hebt hervor, dass für ein satirisches Produkt oft die bloße Wahrheit ausreiche und dass es wichtig sei, den Kern einer Sache humorvoll, aber wahrheitsgetreu zu ergründen. Dabei geht es auch um die Unterschiede zu Harald Schmidt: “Ich finde es immer schön, wenn Entertainment etwas Bedeutsames beinhaltet und Menschen nicht nur berührt, sondern auch betrifft. Kunst muss sich der Wirklichkeit verpflichtet fühlen. Harald kotzt bei solchen Sätzen, ich nicht. Ich halte sie aus.”

3. Caren Miosga würde »Tagesthemen« gern nach Berlin verlegen
(spiegel.de)
Am heutigen Donnerstag moderiert Caren Miosga ein letztes Mal die “Tagesthemen”. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur habe sie verraten, was sie sich für die in Hamburg produzierte Sendung wünscht: “Ich würde uns gern nach Berlin beamen, damit wir mehr Politikerinnen und Politiker im Studio hätten.” Gespräche mit einem direkten Gegenüber seien intensiver als jene über eine Fernverbindung. Nach 16 Jahren bei den “Tagesthemen” wird Miosga den Talk-Sendeplatz am Sonntagabend von Anne Will mit einer eigenen Sendung übernehmen. Sie freue sich auf den direkten Kontakt mit den Gästen.

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4. Presseähnlichkeit: EU-Kommission prüft mehrere Beschwerden
(epd.de)
Wie epd berichtet, prüft die EU-Kommission Beschwerden von Medienverbänden aus Österreich und Dänemark, die den öffentlich-rechtlichen Sendern in den jeweiligen Ländern eine presseähnliche Online-Berichterstattung vorwerfen. Demnach kritisieren der Verband Österreichischer Zeitungen und Danske Medier aus Dänemark, dass die öffentlich-rechtlichen Sender zu textlastige Online-Inhalte anböten, die den Angeboten von Zeitungen ähneln. In Deutschland strebe der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger wegen ähnlicher Vorwürfe ein Beihilfeverfahren bei der EU-Kommission an.

5. Fakten gegen Fakes: CORRECTIV startet Bildungskooperation mit TikTok
(correctiv.org)
Um einer möglichen Desinformation auf TikTok entgegenzuwirken, hat die Online-Journalistenschule “Reporterfabrik” von “Correctiv” eine Medienbildungskampagne in Zusammenarbeit mit der Videoplattform gestartet. Nutzerinnen und Nutzer aus Deutschland und Österreich, die Informationen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine suchen, werden auf eine Seite geleitet, die Tipps zum Erkennen von Falschnachrichten bietet. Die Kampagne, die bis Frühjahr 2024 läuft, umfasse auch fünf Videos, die Themen wie Quellencheck, Deep Fakes und kritisches Denken behandeln.

6. Weniger Selbstvergewisserung, mehr Komplexität
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell)
Langzeitdokumentationen wie “Ernstfall” von Stephan Lamby seien beliebt, aber in ihrer Erzählweise nicht wirklich informativ, findet Matthias Dell im Deutschlandfunk. Aus seiner Sicht gibt es Ansätze, die mehr Einblicke bieten. Dazu würden die Doku “Kevin Kühnert und die SPD”, die AfD-Beobachtung “Eine deutsche Partei” und die fünfteilige Arte-Doku-Serie “Capital B – Wem gehört Berlin?” über die Entwicklung Berlins nach der Wiedervereinigung gehören.

Medien und AfD, Faktenchecks, “ehemalig” und “damalig”

1. Medien und AfD: Extrem normal
(journalist.de, Michael Kraske)
Seit den Rekordumfragen der AfD steht die Partei wieder im Fokus des medialen Interesses. Michael Kraske diskutiert den journalistischen Umgang mit der AfD, ob im Lokalen auf kleiner oder im Fernsehen auf großer Bühne. Kraskes Beitrag ist ein Interview mit Uwe Vetterick, Chefredakteur der “Sächsischen Zeitung”, angefügt. Vetterick berichtet darin über den redaktionellen Umgang mit der AfD und weist auf ein aus seiner Sicht gefährliches Vorgehen hin: “Ein häufiger Fehler sind undifferenzierte Etikettierungen der AfD-Wähler. Natürlich sind etliche von ihnen Nazis, aber gewiss nicht alle. Solche Pauschalisierungen bewirken nach meiner Beobachtung nicht Reflexion und Einsicht, sondern eher Trotzigkeit.”

2. Gutachten nennt RBB-Wahl rechtswidrig
(verdi.de)
Laut einem Rechtsgutachten von Marcus Schladebach, Professor für Öffentliches Recht und Medienrecht an der Universität Potsdam, sei die Wahl der RBB-Intendanz im Frühjahr 2023 rechtswidrig, da sie an zahlreichen formalen und inhaltlichen Fehlern leide. Der Gutachter empfehle eine Neuwahl und spreche der seit 1. September amtierenden Intendantin Ulrike Demmer die Eignung für das Amt ab. Schladebach kritisiere zudem den Vorsitzenden des Rundfunkrats Oliver Bürgel und den brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke wegen des Wahlverfahrens.
Weiterer Lesehinweis: Stefan Niggemeier hat eine recht klare Meinung zu den Einschätzungen und Aussagen Schladebachs und kommentiert bei “Übermedien”: “Das ‘Gutachten’ zur rbb-Intendantenwahl ist eine bizarre, entglittene Auftragsarbeit” (nur mit Abo komplett lesbar).

3. Jubiläumsausgabe mit 50 Erkenntnissen nach 100 Folgen
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Die netzpolitik.org-Reihe “Neues aus dem Fernsehrat” reflektiert seit 2016 den digitalen Wandel der öffentlich-rechtlichen Medien. In der 100. Ausgabe blickt Leonhard Dobusch, ehemaliges Mitglied im ZDF-Fernsehrat und aktuelles Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat, zurück und hebt hervor, dass Themen wie öffentlich-rechtliche Plattformen, Transparenz in der Rundfunkaufsicht und freie Lizenzen für öffentlich-rechtliche Inhalte dominierten. Insgesamt 50 seiner “Erfahrungen, Einsichten und Erkenntnisse” hat Dobusch kurz und prägnant zusammengetragen.

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4. So war das mit den Faktenchecks nicht gedacht
(uebermedien.de, Frederik von Castell)
Der Beitrag von Frederik von Castell bei “Übermedien” thematisiert die aktuelle Praxis von Faktenchecks in Medien. Er kritisiert, dass viele der sogenannte Faktenchecks nicht mehr nur die Fakten prüfen, sondern auch Kommentare und Wertungen enthalten, wie etwa bei den Überprüfungen von Äußerungen des CDU-Chefs Friedrich Merz über Asylbewerber. Von Castell argumentiert, dass durch solche Praktiken der Begriff “Faktencheck” immer mehr an Bedeutung verliere.

5. Warum wir oft fälschlicherweise von der “ehemaligen DDR” sprechen
(deutschlandfunk.de, Henry Bernhard)
Henry Bernhard weist in der Sprachkolumne “Sagen & Meinen” darauf hin, dass das Wort “ehemalig” von vielen Redaktionen, insbesondere im Bezug auf die DDR, oft falsch verwendet werde. Während es korrekt sei, von der DDR als “ehemalig” zu sprechen, wenn man die fünf “jetzt auch nicht mehr so neuen Bundesländer” meine, sollte man bei historischen Bezügen schlicht “DDR” und nicht “ehemalige DDR” verwenden. Außerdem erläutert Bernhard den Unterschied zwischen “ehemalig” und “damalig”, wobei sich “damalig” auf einen bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit beziehe, während “ehemalig” einen früheren Zustand beschreibe.

6. Sendung mit der Maus: Türen auf für Pseudowissenschaft?
(volksverpetzer.de, Oliver Rautenberg)
Die “Sendung mit der Maus” ist für ihre Entscheidung kritisiert worden, im Rahmen ihrer Aktion “Türen auf mit der Maus” Kindern einen Besuch in einem Homöopathie-Labor zu ermöglichen. Viele Fans der Sendung hätten sich enttäuscht über diese Entscheidung geäußert, da Homöopathie nicht über den Placebo-Effekt hinaus wirke, so Oliver Rautenberg beim “Volksverpetzer”. Sein Fazit: “Die Maus genießt einen riesigen Vertrauensvorschuss, bei mir und bei den meisten anderen Maus-Fans. Den sollte sie nicht derart leichtfertig verspielen.”

Untergetaucht, Gestohlenes Wort, Chatkontrolle als Dauerthema

1. Untergetauchte Linksextremisten: Aktenzeichen NDR/WDR ungelöst
(uebermedien.de, Sebastian Weiermann)
Sebastian Weiermann kritisiert bei “Übermedien” die Berichterstattung von tagesschau.de über untergetauchte Linksextremisten. Die Nachrichtenseite habe Informationen von NDR und WDR über eine bevorstehende Öffentlichkeitsfahndung nach Johann G. und die Existenz von 20 untergetauchten Linksextremisten in Deutschland übernommen, wobei sich der Beitrag im Wesentlichen auf Angaben von Sicherheitsbehörden stütze und eine Einordnung fehle. Weiermann findet: “Dass sich ein Rechercheverbund, der sich investigativen Journalismus auf die Fahnen schreibt, für diese recht durchschaubare Sicherheitsbehörden-PR einspannen lässt, ist ein fragwürdiges Tauschgeschäft.”

2. Die Geburtsstunde der Synthetic Social Networks
(gutjahr.biz)
Wie der Konzern Meta auf einer Konferenz ankündigte, will er Facebook, Instagram und Whatsapp mit künstlich erzeugten Personas ausstatten, die sich an echten Berühmtheiten wie Football-Star Tom Brady, Rapper Snoop Dogg oder Starlet Paris Hilton orientieren. Richard Gutjahr hält dieses Spiel mit KI-Figuren für einen “diabolischen Schachzug” und kommentiert: “Falsche Freunde, denen wir unsere intimsten Gedanken, Sorgen, Wünsche und Ängste anvertrauen, damit IT-Konzerne unsere Stärken und Schwächen lebenslang auf ihren Servern speichern, auswerten und an Dritte verkaufen? Was könnte dabei wohl schiefgehen?”

3. Das gestohlene Wort
(zeit.de, Eike Kühl)
Bei “Zeit Online” thematisiert Eike Kühl die Verwendung von rund 197.000 Büchern aus illegalen Quellen für das Training großer KI-Sprachmodelle. Im Zentrum der Debatte steht der Datensatz “Books3”, der Werke von William Shakespeare bis Stephen King enthält und für KI-Modelle wie LLaMA von Meta und GPT-J von EleutherAI verwendet worden sei. Während einige Autorinnen, Autoren und Organisationen rechtliche Schritte gegen die aus ihrer Sicht unerlaubte Nutzung ihrer urheberrechtlich geschützten Werke einleiten, blicken andere, beispielsweise Stephen King, mit einer “schrecklichen Faszination” auf die unaufhaltsame Entwicklung kreativer Künstlicher Intelligenz.

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4. Beruf: Chatkontrolle
(netzpolitik.org, Chris Köver, Audio: 22:48 Minuten)
Im Mai 2022 schlug die EU-Kommission ein neues Gesetz zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder vor: Private Chats und Nachrichten sollen nicht nur von Verdächtigen, sondern von allen Menschen in der EU gescannt werden. Seitdem gibt es heftige Kritik an diesem Vorhaben, Experten sprächen von einer “nie dagewesenen Überwachungsstruktur” und einem “digitalen Angriff” auf die Privatsphäre. Chris Köver hat sich mit ihrem netzpolitik.org-Kollegen Markus Reuter unterhalten: “Wie ist es, zwei Jahre lang rauf und runter über ein Gesetzesvorhaben zu berichten, das viele betrifft, aber nur wenige so richtig aufregt?”

5. Ändern und streichen
(taz.de, Mark Spitz)
Mark Spitz schreibt über die aktuellen Herausforderungen und Veränderungen beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Der Sender stehe symbolisch für den Reformdruck im öffentlich-rechtlichen System, insbesondere die Kulturformate hätten es schwer. Spitz geht in seinem Text auf verschiedene interne Probleme und Skandale des Senders ein. Außerdem thematisiert er die Auswirkungen der ARD-Reformen und der veränderten Mediennutzung auf den MDR und dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

6. “Dorthin schauen, wo nur äußerst selten hingeschaut wird.” – Antje Pieper über 50 Jahre “Auslandsjournal”.
(turi2.de)
Antje Pieper spricht im Interview mit “turi2” über das 50-jährige Bestehen des ZDF-“Auslandsjournals”, das sie seit 2014 moderiert. Sie betont die Bedeutung der Sendung in der heutigen Zeit, da sie die Möglichkeit biete, Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen und das Weltgeschehen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Pieper, die selbst neun Jahre als Studioleiterin in Rom tätig war, schätzt die Möglichkeit, nicht nur aus Mainz, sondern direkt von vor Ort berichten zu können, und hebt die Arbeit der Korrespondentinnen und Korrespondenten hervor.

KW 39/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

0. Wie BILD aus einem kleinen Blechschaden einen “SUFF-UNFALL” macht
(tiktok.com, BILDblog, Video: 1:59 Minuten)
Gestern haben wir vom BILDblog einen TikTok- und einen Instagram-Kanal gestartet. Im ersten Video zeigen wir, wie die “Bild”-Redaktion aus einem harmlosen Zusammenstoß zweier Autos einen skandalträchtigen Unfall mit “SUFF!”, “CRASH!” und “AUSRASTER!” eines Olympiasiegers bastelt. Und, das sei schon mal verraten, an diesem Wochenende wird es mit dem nächsten Video weitergehen.

1. Warum berichten überregionale Medien groß, wenn in Nordhausen gewählt wird?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 38:04 Minuten)
Normalerweise berichtet die “Tagesschau” nicht über Kommunalwahlen – es sei denn, es geht um einen möglichen Erfolg der AfD. Als der AfD-Kandidat bei der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters in Nordhausen scheiterte, berichtete jedoch nicht nur die “Tagesschau”, sondern zahlreiche überregionale Medien. Holger Klein hat sich mit Reporter Martin Debes über das Phänomen unterhalten und darüber gesprochen, “wie Medien ungewollt zur Partei gemacht werden und was sie aus der Wahl in Nordhausen lernen können”.

2. Der deutsche Osten und die Medien
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 35:44 Minuten)
Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung fühlen sich viele Menschen aus Ostdeutschland in den Medien nicht angemessen repräsentiert und von ihnen oft bevormundet. Die Berichterstattung über Ostdeutschland, insbesondere vor dem Hintergrund der Erfolge der AfD, ist ein zentrales Thema der Debatte. Im Medienpodcast “quoted” diskutieren die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura, der “SZ”-Autor Nils Minkmar und die Medienwissenschaftlerin Mandy Tröger über diese Thematik und über die Herausforderungen der medialen Darstellung Ostdeutschlands.

3. Tatort WhatsApp: Was Polizisten lustig finden
(zdf.de, ZDF Magazin Royale, Video: 33:56 Minuten)
“Polizist*innen schicken sich bei Whatsapp rassistische, antisemitische und andere menschenverachtende Memes. Sachen, die sie für richtig witzig halten.” Zusammen mit “FragDenStaat” hat sich das Team des “ZDF Magazin Royale” durch die Chats von rechtsextremen Polizistinnen und Polizisten eines Frankfurter Reviers gekämpft, damit jeder sehen kann, was für abstoßende Schrecklichkeiten da so von Beamtinnen und Beamten ausgetauscht werden.

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4. Polen
(ardaudiothek.de, radioeins Ferngespräche, Holger Klein, Audio: 55:47 Minuten)
In den radioeins-“Ferngesprächen” lässt Holger Klein Korrespondentinnen und Korrespondenten über ihre jeweilige Region zu Wort kommen. Diesmal hat er sich mit Martin Adam zusammengeschaltet, der seit September 2022 als ARD-Korrespondent in Warschau arbeitet. In dem Gespräch geht es unter anderem um die bevorstehenden Parlamentswahlen in Polen, um die Polarisierung und die Aggressivität des Wahlkampfs und um das polnische Deutschlandbild.

5. BÄM! Die Geschichte des Comics
(ardmediathek.de, ARD Kultur, Video: vier Folgen zwischen 19 und 24 Minuten)
Die vierteilige ARD-Reihe “BÄM!” beschäftigt sich mit der Geschichte des Comics. In Folge 1 geht es unter anderem um “Max und Moritz”, die “Abrafaxe” und die deutsche Mangaszene. Folge 2 spannt den Bogen von “Batman” und “Spider-Man” bis hin zu Graphic Novels. Folge 3 beschäftigt sich unter anderem mit “Tim und Struppi”, “Asterix” und den “Schlümpfen”. Und Folge 4 mit “One Piece”, “Akira” und “Dragon Ball”. Der Vollständigkeit sei jedoch angemerkt, dass die schnell geschnittene Zeichentrickserie sicher nicht für jeden etwas ist und auch einige Fehler enthalten soll.

6. Luksan Wunder: WTFM 100, null
(3sat1.de, Luksan Wunder, Video: 29:00 Minuten)
Das Comedy-Ensemble “LuksanWunder” dürfte vielen durch den (empfehlenswerten) Radio-Parodie-Podcast WTFM 100,Null oder seinen anarchischen Youtube-Kanal bekannt sein. Beim 3satFestival präsentierte das Social-Media-Künstlerkollektiv eine Medienshow voller kleiner und großer Albernheiten, musikalischer Parodien, Stand-ups und Sketchen.

Über Merz reden?, Schweizer Medien auf SVP-Kurs?, “Netzkulturcharts”

0. Achtung, es gibt etwas Neues: Das BILDblog ist jetzt auch bei TikTok und Instagram
(tiktok.com)
In eigener Sache, daher als zusätzlicher Link: Uns gibt es ab sofort auch bei TikTok und bei Instagram. Heute am Nachmittag und in den nächsten Tagen wird es dort die ersten Videos zu sehen geben. Wir würden – völlig unvoreingenommen, versteht sich – sagen: Folgen lohnt sich!

1. Merz, Migration, Medien
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Pia Behme)
Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz steht wegen seiner Äußerungen in einer Talkrunde zur Asylpolitik im Mittelpunkt einer Debatte. Über Asylsuchende sagte er dort unter anderem: “Die sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine.” Diese Äußerung wurde in den Sozialen Medien teils heftig kritisiert, da sie nicht zutreffend sei und es sich um populistische und rassistische Hetze handele. Der Deutschlandfunk fragt sich: “Müssen Medien wiedergeben, was der Chef der größten deutschen Oppositionspartei sagt? Und wenn, reicht es, das dann entsprechend zu kommentieren?”
Weiterer Lesetipp: Bei “Legal Tribune Online” gibt es “Asylrecht zum Mitreden”. Tanja Podolski führt dort unter anderem aus, welche Leistungsansprüche Asylsuchende wirklich haben.

2. “Hamburger Morgenpost” ab 2024 nur noch zum Wochenende
(dwdl.de, Manuel Weis)
Wie “DWDL” unter Berufung auf Informationen der “Medieninsider” (nur mit Abo lesbar) meldet, werde die “Hamburger Morgenpost” künftig nur noch einmal pro Woche erscheinen, am Wochenende. Das bedeute gleichzeitig den Abbau von 15 Arbeitsplätzen. Verleger Arist von Harpe sehe sich in seiner düsteren These bestätigt: “Die Zeit der gedruckten Tageszeitung nähert sich dem Ende.”

3. Wie die Schweizer Medien auf SVP-Kurs geraten sind
(republik.ch, Dennis Bühler)
Dennis Bühler schreibt beim Schweizer Onlinemagazin “Republik” über den Einfluss der nationalkonservativen SVP auf die Schweizer Medien, analysiert die Gründe für diese Entwicklung und macht sich Gedanken über mögliche Auswirkungen auf die öffentliche Meinung und die Demokratie in der Schweiz. Der ehemalige SVP-Bundesrat Christoph Blocher habe eins seiner Ziele erreicht: “SVP-Positionen sind heute journalistischer Mainstream.”

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4. Dein liebster Star und Chatbot
(zeit.de, Eike Kühl)
Wie Eike Kühl bei “Zeit Online” berichtet, hat die Facebook-Mutter Meta auf einer Konferenz eine Reihe neuer KI-Funktionen vorgestellt, darunter einen KI-Assistenten namens Meta AI für WhatsApp, den Facebook Messenger und Instagram sowie 28 personalisierte Chatbots mit eigenen “Persönlichkeiten, Meinungen und Interessen”. Diese Chatbots sollen mit Bildern von US-Prominenten wie dem Rapper Snoop Dogg, dem Ex-Footballspieler Tom Brady und dem Youtuber Mr. Beast beworben werden, um die Interaktion spielerischer zu gestalten. Kühls Fazit: “Es könnte der nächste Schritt sein, um generative KI in den Alltag der größeren Bevölkerung zu bringen.”

5. Jella Haase als Beste Schauspielerin für »Kleo« ausgezeichnet
(spiegel.de)
Beim Deutschen Fernsehpreis wurden vorgestern und gestern verschiedene Fernsehproduktionen und -persönlichkeiten prämiert. Als beste Schauspielerin wurde Jella Haase für ihre Rolle in “Kleo” ausgezeichnet. Weitere Preisträger sind die RTL-Reality-Show “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus” in der Kategorie “Beste Unterhaltungsreality” und die (vielfach kritisierte) ZDF-Verfilmung des Bestsellers “Der Schwarm” als bester Mehrteiler. Im Bereich Information wurden unter anderem Arndt Ginzel für dessen Ukraine-Berichterstattung sowie die “Tagesthemen”-Ausgabe aus Kiew sechs Monate nach Kriegsbeginn ausgezeichnet.

6. Olaf Meme Scholz, viral Hooks, das römische Reich, Edgar, Taylor & Travis
(dirkvongehlen.de)
Die “Netzkulturcharts” von Dirk von Gehlen für den September stellen verschiedene, aus seiner Sicht bemerkenswerte Online-Phänomene vor. An erster Stelle steht Bundeskanzler Olaf Scholz mit einem “Augenklappen-Meme”, das von Gehlen als beeindruckende Social-Media-Aktion wahrnimmt. Weitere Themen sind “Viral Hooks”, der virale Trend rund um das Römische Reich auf TikTok, eine besondere Männerfrisur namens Edgar und ein TikTok-Spezial der Bundeszentrale für politische Bildung.

“Zuruf-Journalismus”, Falsche Debatte, Daubners Lachanfall

1. Die falsche Debatte
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband)
Marina Weisband setzt sich im Deutschlandfunk mit der aktuellen Berichterstattung über Migration auseinander. Sie stellt fest, dass die Art der Berichterstattung Ängste in der Bevölkerung schüre, obwohl die Anzahl der Asylanträge in den vergangenen Jahren nicht signifikant gestiegen sei. Viele Alltagsprobleme in Deutschland hätten nichts mit Migranten zu tun, sondern mit anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

2. Artikel auf Zuruf: Wenn Lokaljournalismus sich als Beschwerde-Verstärker missversteht
(uebermedien.de, Felix Zimmermann)
Bei “Übermedien” kritisiert Felix Zimmermann die Arbeitsweise der Oldenburger “Nordwest-Zeitung”, die er als “Zuruf-Journalismus” bezeichnet. Sein Vorwurf: Die Redaktion veröffentliche viele Geschichten nur aufgrund von Beschwerden einzelner Personen und ohne ausreichende eigene Recherche oder Hintergrundinformationen. Und sie neige dazu, sich auf die Seite der Beschwerdeführer zu stellen, auch wenn die Beschwerden nicht repräsentativ für ein größeres Problem seien. Dieser “Zuruf-Journalismus” gebe “Wutbürgern Raum und hinterfragt deren Wut nur selten oder deckt Hintergründe auf, die die Wut vielleicht ein wenig relativieren könnten. Manchmal macht er sich deren Wut auch zu eigen”.

3. “Leute heute”-Abschied: Roter Teppich, blaues Blut, jetzt ist’s gut
(dwdl.de, Peer Schader)
Das ZDF-Promimagazin “Leute heute” wird nach 26 Jahren eingestellt. Es habe sich von anderen Boulevardformaten dadurch unterschieden, dass es vor allem auf “Positives, Glanz und Glamour” gesetzt habe. Peer Schader blickt ironisch zurück – und dankbar: “Weil mich kaum etwas anderes so sehr davon hätte überzeugen können, professioneller Medienkritiker zu werden, wie als ZDF-Praktikant eine zeitlang täglich die Botschaften eines Werbepartners mit Meldungen von ‘Leute heute’ im Netz zusammenzuparfümieren, damit durch ‘solche Verwertungserlöse (…) die Rundfunkgebühren einigermaßen erträglich gehalten werden’ können, wie man sich in Mainz auf Anfrage zu erklären wusste.”

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4. Auf die ganze Welt neugierig
taz.de, Dominic Johnson & Sven Hansen)
Der Journalist Willi Germund, ehemaliger Korrespondent der “taz”, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. In einem Nachruf würdigt die Redaktion die Lebensleistung des weit gereisten Reporters, der mehr als 40 Jahre lang aus Lateinamerika, Afrika und Asien berichtet hat: “Er war einer der letzten Auslandskorrespondenten alten Schlages, ein Abenteurer, der immer neugierig blieb und stets Offenheit für andere Menschen zeigte.”

5. Zeitschriften-Umschau (September 2023)
(medienbildungshub.de)
Die “Zeitschriften-Umschau” für September auf medienbildungshub.de präsentiert Artikel aus aktuellen Fachzeitschriften zum Thema Medienbildung, Medienpädagogik und Medienkompetenz. Den Anfang macht die Zeitschrift “Medienimpulse”, die sich unter anderem mit der “medialen Materialität von Handys” in Filmen beschäftigt. Weitere besprochene Publikationen thematisieren den Umgang mit Künstlicher Intelligenz, die Verbindung von Ökonomie und Medien, die Medienkompetenz in der digitalen Welt und die Rolle von Social Media in der heutigen Gesellschaft.

6. Daubner bekommt Lachanfall in der tagesschau
(tagesschau.de, Video: 1:15 Minuten)
“Tagesschau”-Sprecherin Susanne Daubner ist selbst zum Berichtsgegenstand der “Tagesschau” geworden: durch einen Lachanfall – natürlich während der Aufzeichnung einer “Tagesschau”.

Geheimsache Nord Stream, Flüchtlings-Cover, X-Propaganda

1. Geheimsache Nord Stream: Wird die Aufklärung blockiert?
(ndr.de, Fritz Lüders, Video: 29:31 Minuten)
Vor einem Jahr wurde ein Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines verübt, bei dem drei der vier Pipelinerohre zerstört wurden. Seitdem recherchieren Journalisten und unabhängige Experten weltweit, um die Hintergründe des Anschlags aufzudecken. Dabei würden sie auf zahlreiche Hindernisse stoßen, darunter politischen Druck und Geheimhaltung seitens der Regierung. Das NDR-Medienmagazin “Zapp” ist der Sache nachgegangen und hat mit Journalistinnen und Journalisten gesprochen, die den Fall als einen der schwierigsten ihrer Karriere bezeichnen.

2. Wie der “Spiegel” sich aus einem Foto sein bedrohliches Flüchtlings-Cover bastelte
(uebermedien.de, Frederik von Castell)
Das aktuelle Titelbild des “Spiegel” zur deutschen Asylpolitik wurde vielfach kritisiert, unter anderem auch vom “6-vor-9”-Kurator (“Es ist für mich schwer nachvollziehbar, wie ein renommiertes Leitmedium wie der Spiegel, das für Qualitätsjournalismus stehen will, ein Titelbild veröffentlichen kann, das in Aufmachung und Bildsprache an die Angstmache und Hetze rechter Parteien und Verschwörungsblätter erinnert.”) Bei “Übermedien” hat Frederik von Castell die Bildquelle, die dem vom “Spiegel” verwendeten Ausschnitt zugrunde liegt, recherchiert und mit der Fotografin gesprochen. Es liege der Verdacht nahe, dass “das ‘Spiegel’-Cover mit dem Bild in der Realität nicht allzu viel gemein hat”.
Weiterer Hörtipp: Im NDR kommentiert Nadia Zaboura das Cover: “Man sieht nicht die Personen und die Lebensgeschichten, die damit verbunden sind, sondern es baut eine Art Bedrohungs-Szenario auf: Werden wir überrollt?” Neben ihrer Kritik macht Zaboura aber auch konkrete Vorschläge, was Medien in der Migrations-Berichterstattung aus ihrer Sicht verändern und besser machen können (ndr.de, Audio: 7:34 Minuten).

3. Lust auf die Zukunft
(journalist.de, Jeanne Wellnitz & Anna Faber)
Jeanne Wellnitz und Anna Faber beschäftigen sich im “journalist” mit Gegenwart und Zukunft des Klimajournalismus. Das Schweizer Onlinemagazin “Republik” habe beispielsweise ein “Klimalabor” ins Leben gerufen, in dem es gemeinsam mit seiner Leserschaft journalistische Inhalte entwickelt. Drei zentrale Erkenntnisse aus diesem Projekt seien: Die Mehrheit der Leserinnen und Leser wünsche sich konstruktive Berichte über mögliche Maßnahmen, sie möchten Dialogformate, die den Austausch mit Aktiven ermöglichen, und sie suchen nach Tipps, um Menschen in ihrem Umfeld für Klimathemen zu sensibilisieren.

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4. Investition in die Demokratie
(epd.de, Björn Staschen)
Die deutschen Printmedien leiden unter sinkenden Auflagen und wegbrechenden Werbeeinnahmen. Der Journalist und Medienberater Björn Staschen schlägt in einem Gastbeitrag alternative Fördermodelle vor, um das Mediensystem und die Demokratie zu stärken. Er nennt beispielsweise die Idee eines “Demokratiepasses”, mit dem Bürgerinnen und Bürger ein Jahresbudget für den Zugang zu Informations- und Meinungsbildungsmedien erhalten, und schlägt vor, Qualitätsstandards für Medienangebote festzulegen, die zur demokratischen Meinungsbildung beitragen.

5. Streit mit ARD & ZDF: BDZV wendet sich an EU-Kommission
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” berichtet, scheint die ursprüngliche Einigung zwischen Verlagen und öffentlich-rechtlichen Sendern aus dem Jahr 2018 gescheitert zu sein. Der Verlegerverband BDZV habe sich an die EU-Kommission gewandt und um Unterstützung im Streit mit ARD und ZDF um deren Textangebote im Internet gebeten. Der BDZV kritisiere, dass die Öffentlich-Rechtlichen online ein “presseähnliches Angebot” bereitstellen und damit den Verlagen Konkurrenz machen würden.

6. Einfluss von Propaganda-Accounts steigt
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 6:11 Minuten)
Im Deutschlandfunk hat sich Michael Borgers mit Roberta Schmid vom Faktencheck-Dienst “Newsguard” unterhalten. In dem Gespräch geht es vor allem um den wachsenden Einfluss von staatlichen Propaganda-Accounts auf der Plattform X (vormals Twitter). Die Interaktionsrate staatsnaher chinesischer, iranischer und russischer Medien sei in der Elon-Musk-Ära laut “Newsguard” um 70 Prozent gestiegen.

Mindesthonorare für Freie, Partei stört “Fernsehgarten”, Entsperrung

1. Mindesthonorare für Freie
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appelliert an Kulturstaatsministerin Claudia Roth, bei der Festlegung von Honoraruntergrenzen im künstlerischen Bereich auch die freien Journalistinnen und Journalisten zu berücksichtigen. Roth hatte angekündigt, dass vom Bund geförderte Kultureinrichtungen ab dem kommenden Jahr Mindesthonorare an freie Künstlerinnen und Künstler zahlen müssen. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall betont, dass Mindesthonorare in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Schritt in die richtige Richtung seien.

2. Umbruch in schwierigen Zeiten
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz & Isabelle Klein, Audio: 6:21 Minuten)
Medienmogul Rupert Murdoch hat sich im Alter von 92 Jahren entschieden, in den Ruhestand zu treten und die Leitung seines Unternehmens News Corp. abzugeben. Die Führung der Firma wird nun von seinem ältesten Sohn Lachlan übernommen, während die Rollen der anderen Kinder Murdochs im Unternehmen noch unklar seien. Lachlan Murdoch übernehme die Leitung zu einer Zeit, in der die Medienbranche, insbesondere der Printmarkt, vor großen Herausforderungen stehe.

3. Hollywood läuft wieder
(taz.de)
Noch läuft ihr Streik, doch die Drehbuchautoren und -autorinnen der US-amerikanischen Film- und Fernsehindustrie haben anscheinend eine vorläufige Einigung mit den Studios erzielt, die eine Wiederaufnahme ihrer Arbeit ermöglichen könnte. Sie fordern eine bessere Bezahlung und Schutz vor den Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz. Trotz der Einigung betont die Gewerkschaft WGA, dass der Streik bis zu einer endgültigen Einigung fortgesetzt werde.

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4. Sperrung von Achgut-Account war unzulässig
(spiegel.de)
Das Soziale Netzwerk X, vormals bekannt als Twitter, sei per Gericht verpflichtet worden, dem Blog “Die Achse des Guten” eine Entschädigung von etwa 1.400 Euro zuzüglich Zinsen für die temporäre Sperrung seines Accounts zu zahlen. Das Landgericht Karlsruhe habe entschieden, dass Twitter wettbewerbswidrig gehandelt und das Grundrecht auf Meinungs- und Pressefreiheit verletzt habe. Der Streit sei entstanden, nachdem “Achgut” auf Boykottaufrufe gegen Werbepartner reagiert habe, woraufhin Twitter den Account sperrte.

5. “Das Golden Age des Streaming ist vielleicht vorbei” – Nico Hofmann über Bildschirme und Business.
(turi2.de, Peter Turi)
Im Interview mit Peter Turi spricht Nico Hofmann, langjähriger CEO des Filmunternehmens Ufa, über die Veränderungen im Streaming-Markt, die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Filmindustrie und die Bedeutung von Qualität und Geduld beim Filmkonsum. Hofmann betont, dass trotz des technologischen Fortschritts die menschliche Autorenschaft nicht durch KI ersetzt werden könne.

6. Kiewel findet es “ganz traurig”: “Die Partei” stört im “Fernsehgarten” – Chef Sonneborn spricht von Wette
(tagesspiegel.de, Nora Ederer)
Mitglieder der Satirepartei Die Partei haben die Oktoberfest-Ausgabe der ZDF-Sendung “Fernsehgarten” gestört. Moderatorin Andrea Kiewel bezeichnete die Aktion als “ganz traurig und ganz daneben”. Gegenüber Ippen.Media habe Partei-Chef Martin Sonneborn ironisch erklärt, man habe die Aufstellung der Europaliste feiern wollen: “Wir haben gewettet, für was es mehr Aufmerksamkeit gibt in den deutschen Medien: Wenn der aserbaidschanische Diktator Aliyew Bergkarabach überfällt oder wenn ‘Die Partei’ beim ‘Fernsehgarten’ in den Pool pinkelt.”

Teurer Talk, Virtuelle Influencer, Kellner wird nicht Koch

1. Reden ist teuer
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg diskutiert in der “taz” die Produktionskosten von Polit-Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wie “Anne Will”, wo jede Ausgabe rund eine Viertelmillion Euro koste. Neben den Kosten kritisiert Grimberg auch die mangelnde Meinungs- und Themenvielfalt in den Sendungen. Als mögliche Lösung schlägt er eine vorübergehende Pause für politische Talkshows vor, um das eingesparte Geld in Dokumentationen mit mehr Vielfalt zu investieren.

2. Die schöne neue Welt der virtuellen Influencer
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Bei netzpolitik.org beschäftigt sich Markus Reuter ausführlich und mit vielen Querverweisen mit dem Phänomen der virtuellen Influencer, die durch Künstliche Intelligenz generiert werden und in Sozialen Medien wie Instagram, Twitter (X) und TikTok aktiv sind. Diese digitalen Persönlichkeiten werfen ethische Fragen auf, schreibt Reuter, da sie die Grenze zwischen Realität und Fiktion verwischen, aber auch neue Möglichkeiten für die Werbebranche bieten. Kommunikationswissenschaftlerin Nadja Enke zeige sich jedoch nicht sehr besorgt: “Es ist kein Massenphänomen und wird auch in Zukunft eher komplementär zu den echten Influencern stehen.”

3. KI: Der Kellner wird noch lange nicht Koch
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Medienexperte Christian Jakubetz argumentiert, dass die öffentliche Debatte über Künstliche Intelligenz (KI) oft von Extremen geprägt sei – entweder von übertriebener Euphorie oder von apokalyptischen Ängsten: “Beides ist nicht nur unangebracht, sondern in den allermeisten Fällen auch von grober Unkenntnis der Dinge geprägt”, so Jakubetz. Er ist überzeugt, dass KI in der Medienbranche ein nützliches Werkzeug sein werde, das Routineaufgaben automatisieren, aber die kreative Arbeit des Menschen nicht ersetzen könne.

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4. Warum eine “Auszeichnung für behinderte Journalist*innen”?
(journalismus-preis.org)
Die Otto Brenner Stiftung (OBS) hat eine “Auszeichnung für behinderte Journalist*innen” ausgeschrieben, die verschiedene Recherchestipendien und Geldpreise umfasst: “Mit der neuen OBS-Auszeichnung wollen wir Diversität als wichtigen Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft fördern”, so Jupp Legrand, Geschäftsführer der Stiftung. Die Ausschreibung endet am kommenden Samstag, 30. September: “Bewerben können sich Journalist*innen mit Behinderung bzw. Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Lerneinschränkungen. Bewerbungen von Personen, die neu im Journalismus-Beruf sind, sind sehr willkommen.”

5. Newsletter Netzwerk Recherche 225
(netzwerkrecherche.org, Elisa Simantke)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe bietet interessante Leseempfehlungen zur Verhaftung von Journalistinnen im Iran, zu Grundlagen der Verdachtsberichterstattung und zu außenpolitischen Themen. Darüber hinaus gibt es wie gewohnt einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien sowie zahlreiche Hinweise auf Fortbildungsmöglichkeiten.

6. Elon Musk ist schuld: Bluesky hat jetzt 1 Million aktive Nutzer
(futurezone.at)
Wie auf futurezone.at zu lesen ist, verzeichnete das Soziale Netzwerk Bluesky einen starken Anstieg der aktiven Nutzerinnen und Nutzer, nachdem Elon Musk in einem Gespräch mit dem israelischen Premierminister die Möglichkeit angedeutet hatte, dass Twitter (X) kostenpflichtig werden könnte. Am Tag nach der Ankündigung hätten sich mehr als 50.000 Personen neu bei Bluesky angemeldet, wodurch die Gesamtzahl der Accounts auf rund 1,13 Millionen gestiegen sei. Andere Twitter-Alternativen wie Threads und Mastodon hätten einen geringeren Zuwachs verzeichnet.

KW 38/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Neues Feindbild Wettermoderatoren?
(ardaudiothek.de, BR24 Medien, Nina Landhofer, Audio: 23:44 Minuten)
Kürzlich haben wir in den “6 vor 9” einen Beitrag des NDR-Medienmagazins “Zapp” empfohlen, in dem die Wettermoderatoren Karsten Schwanke (ARD) und Özden Terli (ZDF) über zunehmende Anfeindungen berichten und ein Psychologe versucht, die möglichen Gründe dafür zu erklären. Auch der Bayerische Rundfunk greift das Thema auf und spricht mit der Medienwissenschaftlerin Gina Schad, dem Vorsitzenden des Bayerischen Journalisten Verbands Harald Stocker und der Autorin des “Zapp”-Beitrags Isabel Schneider.

2. 50 Jahre Grimme-Institut und Rupert Murdoch, der letzte Medienmogul?
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 48:02 Minuten)
Das WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” beschäftigt sich mit so unterschiedlichen Themen wie den Hoffnungen der Print-Branche auf Künstliche Intelligenz, dem Rückzug des 92-jährigen Medien-Moguls Rupert Murdoch, dem 50. Geburtstag des Grimme-Instituts und den Hilferufen bedrohter Nischen-Magazine.

3. Carsten Knop (Herausgeber, Frankfurter Allgemeine Zeitung / F.A.Z.)
(youtube.com, Chengguang Li, Video: 1:32:46 Stunden)
Die Veranstaltungsreihe “CEO Leadership Series” der TU München will “hochkarätige Führungskräfte mit jungen Studierenden zusammenbringen”. In der aktuellen Ausgabe ist Carsten Knop zu Gast, der auf ein interessantes und abwechslungsreiches journalistisches Berufsleben zurückblicken kann und seit 2020 einer der Herausgeber der “FAZ” ist.

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4. Keine Angst vor der KSK-Prüfung
(freienpodcast.letscast.fm, Der Freien-Podcast, Geraldine Friedrich & Francoise Hauser, Audio: 42:21 Minuten)
Viele freie Journalistinnen und Journalisten sind über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert. Für die Beitragsberechnung geben sie jedes Jahr eine Prognose ab, in der sie das erwartete Einkommen des nächsten Jahres schätzen. Was passiert, wenn man geprüft wird und die Zahlen nicht stimmen? Was zählt zum Einkommen und was ist mit außerberuflichen Einkünften? Um diese und weitere Fragen geht es im “Freien-Podcast”, in dem diesmal Rechtsanwalt Andri Jürgensen zu Gast ist und Auskunft gibt.

5. Podiumsdiskussion: “Medien in Europa – mehr Regulierung für mehr Freiheit?”
(youtube.com, Jörg Wagner, Video: 1:15:44 Stunden)
Die dritte European Public Value Conference beschäftigte sich mit der Verantwortung öffentlich-rechtlicher Medien in und für Europa. Phoenix übertrug eine Podiumsdiskussion, bei der es um die Balance zwischen Regulierung und Freiheit ging. Es diskutierten Heike Raab (Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa und Medien), Dieter Dörr (Gründungsdirektor des Mainzer Medieninstituts), Ferdinand Kirchhof (Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts a.D.), Sigrun Albert (Geschäftsführerin des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger), Renate Nikolay (stellvertretende Generaldirektorin für Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien der EU-Kommission) und Ivo Indzhov (Dozent für Journalismus in Bulgarien).

6. Klassiker: Mail Ping Pong mit Riesen-Verteiler grandios vertont von SWR
(soundcloud.com, Sandra Müller, Audio: 3:55 Minuten)
Beim SWR ging neulich mal wieder eine Mail versehentlich an einen Massenverteiler. SWR3 hat das Missgeschick “grandios vertont”, findet Sandra Müller.

Der Link als Tabu, Deepfakes, Sammelklage gegen OpenAI

1. Der Link, das ewige Tabu
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier kritisiert bei “Übermedien” die Praxis vieler Medienhäuser, insbesondere t-online.de, in ihren Artikeln die von ihnen verwendeten Quellen nicht zu verlinken. Dies widerspreche den Mindeststandards des Online-Journalismus und untergrabe die Glaubwürdigkeit: “Es ist so bezeichnend, dass rund 30 Jahre nach dem Beginn des Online-Journalismus in Deutschland grundlegende Standards wie das Verlinken von Quellen immer noch nicht selbstverständlich sind – und von manchen vermeintlich seriösen Redaktionen sogar ausdrücklich abgelehnt werden.” Zuvor hatten die “Medieninsider” über das Thema berichtet (nur mit Abo lesbar).

2. Mediale Glaubwürdigkeit in Gefahr
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 23:54 Minuten)
Im Deutschlandfunk spricht Sebastian Wellendorf mit der KI-Forscherin Maria Pawelec über die zunehmende Bedrohung der Glaubwürdigkeit von Medien und Journalismus durch Deepfakes. Pawelec fordert Maßnahmen von Politik und Plattformen, beispielsweise eine stärkere gesetzliche Regulierung und bessere Analysetools, um dem Problem zu begegnen. Sie betont auch die Notwendigkeit für das Publikum, eine gesunde Skepsis an den Tag zu legen und Informationen kritisch zu hinterfragen.

3. Untergang abgewendet: “Titanic” verkauft 6.000 neue Abos
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie bei “DWDL” zu lesen ist, habe das wirtschaftlich angeschlagene Satire-Magazin “Titanic” nach dem Start einer Rettungskampagne innerhalb von zwei Wochen 6.000 neue Abonnements und zusätzlich 500 T-Shirts verkaufen können. Außerdem habe die Redaktion 34.000 Euro an Spenden eingesammelt. Damit sei das Überleben des Magazins für mindestens ein Jahr gesichert. Chefredakteurin Julia Mateus äußerte sich auf “Titanic”-typische Weise: “Es wurde bestätigt, dass Print das Medium der Zukunft ist.”

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4. Haben Bild und B.Z. “journalistische Standards” gebrochen?
(lawblog.de, Udo Vetter)
Udo Vetter schreibt in seinem “Law Blog” über die Kritik der “taz” an den Zeitungen “Bild” und “B.Z.”, die geplante Straßenblockaden der “Letzten Generation” öffentlich gemacht hatten. Die “taz” wirft den Springer-Blättern vor, journalistische Standards verletzt und sich zu “Erfüllungsgehilfen der Polizei” gemacht zu haben. Vetter widerspricht diesen Vorwürfen und weist darauf hin, dass die Presse nach dem Pressekodex grundsätzlich keine Nachrichtensperren akzeptiere und die Polizei das Recht habe, “aktuelle Berichte über geplante Straftaten” zur Kenntnis zu nehmen.

5. Klimawandel: Warum Wettermoderatoren attackiert werden
(ndr.de, Zapp Medienmagazin, Isabel Schneider, Video: 9:19 Minuten)
Bei “Zapp” berichten die Wettermoderatoren Karsten Schwanke (ARD) und Özden Terli (ZDF) von zunehmenden Anfeindungen, weil sie die Klimakrise in ihren Wetterberichten thematisieren. Die Angriffe reichen von Beleidigungen und Unterstellungen bis hin zu Bedrohungen, wobei Terli auch rassistisch angefeindet wird. Der Psychologe Philipp Schmid bestätigt, dass solche Angriffe das Ziel haben, Wissenschaftler und Meteorologen einzuschüchtern und mundtot zu machen, um die Berichterstattung über das Klima zu unterdrücken.

6. Bestsellerautoren reichen Sammelklage gegen ChatGPT-Hersteller OpenAI ein
(spiegel.de)
Eine Gruppe von 17 Autorinnen und Autoren, darunter bekannte Namen wie John Grisham und George R.R. Martin, hat eine Sammelklage gegen den ChatGPT-Betreiber OpenAI eingereicht. Sie wirft dem Unternehmen vor, den Chatbot ohne Erlaubnis mit ihren Büchern trainiert zu haben. ChatGPT basiere auf “systematischem Diebstahl im großen Stil”. OpenAI habe in einer Stellungnahme betont, die Rechte der Autorinnen und Autoren zu respektieren und den Dialog zu suchen.

Referendarin beim Rechts-Sender, “weißer Ritter”, KI-Betrugsmasche

1. Grundschul-Referendarin moderierte bei rechtsextremistischem Sender – Ministerium wartete ab
(spiegel.de)
Der “Spiegel” berichtet unter Berufung auf den “Tagesspiegel” über eine 29-jährige Grundschulreferendarin in Brandenburg, die als Moderatorin für den rechtsextremistischen Sender Compact TV tätig war – mit Perücke und unter falschem Namen. Obwohl das brandenburgische Bildungsministerium seit Juli über mögliche rechtsextreme Verbindungen der Lehramtsanwärterin informiert gewesen sei, sei diese zunächst im Dienst belassen, nun jedoch freigestellt worden. Es bestünden erhebliche Zweifel an ihrer Verfassungstreue und Lehramtseignung.

2. RBB: Auch Kündigung der juristischen Direktorin war rechtens
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie Uwe Mantel bei “DWDL” berichtet, hat das Arbeitsgericht Berlin die Kündigung einer ehemaligen Justitiarin des RBB für rechtens erklärt. Der Vertrag sei wegen hoher Pensionszahlungen als sittenwidrig eingestuft worden. Zudem seien Pflichtverletzungen festgestellt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, beide Seiten können noch Berufung einlegen.

3. “Viel Platz, viel Licht, viel Sicht”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber kommentiert die Neuordnung der Immobilien des Axel-Springer-Konzerns in Berlin, die eine Vermietung der Altflächen vorsieht: “Die Büroflächen wurden von allem, was Zeitungsmenschen so hinterlassen, gereinigt. Der Axel Springer Verlag hatte sein Printportfolio ja radikal verkleinert, die verbliebenen und weiteren Mitarbeiter arbeiten trotz kostenlosen Frühstücks und Mittagessens gerne im Homeoffice – da haben sich die Hochhäuser wie von selbst geleert. Weil dieser Verlag seit jeher sehr viel vom Geldverdienen versteht, lag die großflächige Vermietung auf der Hand.”

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4. Großes Vorschusslob für neuen CNN-Chef Mark Thompson
(epd.de)
US-Medien begrüßen laut epd die Ernennung von Mark Thompson zum neuen CNN-Chef und bezeichnen ihn als “weißen Ritter” und “Transformationsführer”. Thompson, der zuvor als Aufsichtsratsberater bei Axel Springer tätig war, komme zu einer Zeit, in der CNN mit sinkenden Einschaltquoten zu kämpfen hat und eine neue politische Ausrichtung sucht.

5. EU-Kommissar hält an Lizenz zum Abklemmen sozialer Netze fest
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie netzpolitik.org berichtet, hält EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton trotz heftiger Kritik aus der europäischen Zivilgesellschaft an der Möglichkeit fest, Soziale Netzwerke bei sozialen Unruhen abschalten zu können. Kritiker wie der Europaabgeordnete Moritz Körner (FDP) zeigen sich besorgt und warnen, dass solch drastische Maßnahmen zu Overblocking führen und die Meinungsfreiheit einschränken könnten.

6. Der Typ sieht aus wie ich, klingt (fast) wie ich. Aber ich bin es nicht wirklich… Echt nicht.
(twitter.com, Christian Sievers)
Bei Twitter, das von seinem Eigentümer auch als X bezeichnet wird, macht der ZDF-Moderator Christian Sievers auf eine “fiese Betrugsmasche mit KI” aufmerksam. Betrüger haben eine Szene aus dem “heute Journal” genommen und dem Moderator einen Werbetext für ihre Abzock-Idee untergeschoben – mit der vermeintlich echten Stimme von Christian Sievers.

KI-Autorin beim Kölner “Express”, Leuchtturm gesucht, Döpfners Mären

1. KI bei “express.de” mit Autorin Klara Indernach, die nicht existiert
(derstandard.de)
“Klara ist jung, blond, hübsch. Und auch ganz schön fleißig, ihr ‘Output’ ist groß. Für die Kölner Boulevardzeitung ‘express.de’ schreibt sie über nervige Whatsapp-Funktionen, Ungemach für Schlagersänger Stefan Mross, aber auch über die beliebtesten Supermärkte oder Todesfälle. Wie schafft sie das alles bloß?” Die Antwort erschließe sich bei einem Klick auf den Namen, schreibt der “Standard” in seiner Glosse: Die Autorin “Klara Indernach” sei kein Mensch, sondern stehe beim Kölner “Express” für automatisch generierte KI-Texte. Selbst das Autorenfoto sei von einer Künstlichen Intelligenz erzeugt worden.

2. Debatte über Unabhängigkeit von Experten
(deutschlandfunk.de, Michael Meyer)
Zeitungs- und Fernsehredaktionen sind bei ihrer Berichterstattung auf Expertinnen und Experten angewiesen, vor allem wenn es um komplexe Themen geht, bei denen der Sachverstand von Fachleuten gefragt ist. Bei deren Auswahl spiele aber nicht nur die Fachkompetenz eine Rolle, sondern auch die Fähigkeit, ein Thema gut erklären zu können, so Ellen Ehni, Chefredakteurin des WDR-Fernsehens. Darüber hinaus gehe es um weitere Fragen, wie die nach der Unabhängigkeit der eingeladenen Person.

3. Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen Hinweisgeberschutzgesetz
(whistleblower-net.de, Annegret Falter)
Das am 2. Juli dieses Jahres in Kraft getretene Hinweisgeberschutzgesetz, mit dem Deutschland die EU-Richtlinie zum Schutz von Hinweisgeberinnen und -gebern in nationales Recht umgesetzt hat, verstößt nach Ansicht des Whistleblower-Netzwerks in zwölf Punkten gegen die Richtlinie. Das Netzwerk hat deshalb Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht (PDF). Sollte Deutschland nicht nachbessern, könnte die Kommission ein sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren einleiten.

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4. Wenn die KI die Arbeit übernimmt
(netzpolitik.org, Nora Nemitz)
Das US-amerikanische Start-up HeyGen hat ein Übersetzungsprogramm entwickelt, das mit Künstlicher Intelligenz Videos in bis zu zehn Sprachen übersetzen kann und dabei sowohl die Stimme anpasst als auch die Lippenbewegungen in der jeweiligen Sprache synchronisiert. “Für Influencer*innen könnte das neue Reichweite bedeuten, Synchronsprecher*innen fürchten dagegen um ihre Jobs”, schreibt Nora Nemitz. In Japan habe der Berufsverband Arts Workers bereits Schadenersatz für Künstlerinnen und Künstler gefordert, deren Werke für das Training von KI-Systemen verwendet wurden.

5. Medienlandschaft sucht Leuchtturm
(verdi.de, Tilmann P. Gangloff)
Das Grimme-Institut, bekannt für die Verleihung des renommierten Grimme-Preises, steht aktuell vor großen Herausforderungen. Trotz seiner Bedeutung für die Medienlandschaft und die Qualität von Medieninhalten, habe das Institut in den vergangenen Jahren an Sichtbarkeit verloren. Es leide unter finanziellen Schwierigkeiten und struktureller Unterfinanzierung, während es gleichzeitig versuche, sich den digitalen Umwälzungen und neuen Medientrends anzupassen.

6. Die Mären des Mathias Döpfner in der KI-Version
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Springer-Chef Mathias Döpfner hat sich in einem Artikel zur Rolle von Künstlicher Intelligenz im Journalismus geäußert und deren Potenzial für die Medienbranche betont. Thomas Knüwer stimmt ihm in Teilen zu, widerspricht aber an anderer Stelle scharf und betont, dass Döpfner viele Aspekte von KI und Journalismus missverstehe oder falsch darstelle.

Schwierige Audio-Messung, Kulturkürzungen, ÖR-Bezahlangebote

1. Die Probleme mit der Online-Auswertung
(deutschlandfunk.de, Martin Krebbers)
Wenig überraschend: Der Konsum von Audioinhalten übers Internet werde immer beliebter. Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse versucht mit der ma IP Audio, die Nutzung von Webradio-Livestreams zu messen, stößt dabei aber auf Schwierigkeiten. Im Interview mit dem Deutschlandfunk betont Jens Schröder vom Mediendienst “Meedia”, dass es schwierig sei, genaue Hörerzahlen zu ermitteln, da die Messung nur Livestreams, aber keine On-Demand- oder Podcast-Nutzung und nicht alle Sender erfasse.

2. Journalismus-Update: Nach Lösungen fragen
(verdi.de, Bärbel Röben)
In einer sich ständig verändernden und von Krisen geprägten Welt müssen Journalistinnen und Journalisten ihre Berichterstattung anpassen, indem sie nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch nach Lösungen suchen. Das sei jedenfalls der Tenor beim Journalismus-Festival b° future in Bonn gewesen. Bärbel Röben hat die Veranstaltung besucht und genau hingehört, was die Expertinnen und Experten über die Funktion von Medien zu sagen hatten.

3. NRW-Medienminister fordert Umdenken bei ARD Plus und ZDF Select
(dwdl.de, Manuel Weis)
Wie bei “DWDL” zu lesen ist, fordert der nordrhein-westfälische Medienminister Nathanael Liminski (CDU) eine Überprüfung der Bezahlangebote von ARD (ARD Plus) und ZDF (ZDF Select). Liminski kritisiere, dass durch derartige kostenpflichtige Angebote die Grenze zwischen privatem Medienunternehmen und öffentlich-rechtlichem Rundfunk verwischt werde. Er wolle das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Rundfunkkommission im Herbst setzen.

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4. Kathrin Röggla: Bei den Kulturkürzungen der ARD geht es nicht um Etats
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 22:56 Minuten)
Alexander Matzkeit spricht mit der Schriftstellerin und RBB-Rundfunkrätin Kathrin Röggla über die geplanten Kürzungen im Kulturbereich der ARD, die von manchen als “Kulturkahlschlag” bezeichnet werden. Geht es nach dem ARD-Vorsitzenden Kai Gniffke, werde der Kulturetat nur umgeschichtet. Wer hat Recht?
Siehe dazu auch unseren Lesetipp vom 13. September: Sender spricht von “Kulturoffensive”, Proteste in München (spiegel.de).

5. “Wir entscheiden nach Leidenschaft”
(taz.de, Carolina Schwarz)
“Magazin für Text und Musik” lautet die Selbstbeschreibung von “Das Wetter”. Seit zehn Jahren veröffentlichen die Macherinnen und Macher das gedruckte Magazin in Eigenregie. Mit Katharina Holzmann und Sascha Ehlert hat Carolina Schwarz zwei von ihnen interviewt und ihnen gleich zu Beginn eine drängende Frage gestellt: “Wenn man euch googelt, kommen Wetterberichte oder Katastrophenmeldungen. Wieso habt ihr euch Das Wetter genannt?”

6. Alle Zahlen unseres Krisenmanagements
(katapult-magazin.de)
Wie das in finanzielle Schieflage geratene Medienunternehmen Katapult mitteilt, konnte die drohende Insolvenz abgewendet werden. Dies sei auf eine erfolgreiche Rettungsaktion zurückzuführen, zu denen der Verkauf von Shopartikeln und der Abschluss neuer Abonnements gehört habe. Außerdem habe man die Abonnementpreise erhöht und sich von einigen Projekten getrennt.

Presserat rügt, Wagenknechts Medienhype-Partei, EU straft TikTok

1. Rügen wegen Vorverurteilung und Verstößen gegen den Opferschutz
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat hat in seiner vergangenen Sitzung insgesamt 16 Rügen ausgesprochen. Einige der Rügen betrafen Vorverurteilungen, Verstöße gegen den Opferschutz und die journalistische Sorgfaltspflicht. So erhielt die Bild.de-Redaktion eine Rüge, weil sie einem Beschuldigten im Zusammenhang mit einem Kinderporno-Vorwurf nicht ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben hatte. Gerügt wurden “Bild” und Bild.de auch für weitere Verstöße, wie die Darstellung der Vorwürfe gegen einen Rapper als Tatsache, die Veröffentlichung des Fotos eines Mordopfers sowie die erkennbare Abbildung ermordeter Kinder und deren Mutter.

2. “Natürlich habe ich Angst”
(taz.de, Johanna Treblin)
Devrim Akçadaǧ, deutscher Staatsbürger und Journalist kurdischer Herkunft, wurde während seines Urlaubs auf Sardinien von italienischen Behörden festgenommen, da die Türkei seine Auslieferung wegen einer angeblichen PKK-Mitgliedschaft fordert. Johanna Treblin hat Akçadaǧ gefragt, was genau ihm vorgeworfen wird, wie es zu seiner Festnahme und Inhaftierung kam, und was er von der Bundesregierung erwartet: “Die deutschen Behörden wissen, dass die Vorwürfe falsch sind und dass mich in der Türkei viele Jahre Gefängnis erwarten. In Italien entscheiden nicht nur Gerichte, sondern auch Behörden. Auf Gerichtsentscheidungen kann die Bundesregierung natürlich keinen Einfluss nehmen, aber bei den Behörden kann sie dies sehr wohl versuchen.”

3. Nun auch in “Zeit” und “Bild am Sonntag”: Wagenknechts Medienhype-Partei
(uebermedien.de, Johannes Hillje)
Seit Sommer 2022 gibt es Medienberichte über die mögliche Gründung einer neuen Partei durch Sahra Wagenknecht, obwohl die offizielle Gründung erst Anfang 2024 stattfinden könnte. Wagenknecht nutze die Medienaufmerksamkeit geschickt, indem sie Informationen nur häppchenweise preisgebe und so einen kontinuierlichen Medienhype erzeuge, findet der Politik- und Kommunikationsberater Johanns Hillje: “Sollte Wagenknecht ihre Partei tatsächlich bald gründen, wäre sie wohl auch die erste Medienhype-Partei unserer durchmedialisierten Demokratie.”

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4. Investigativer Journalismus
(mdr.de)
“Medien360G”, die “Medienkompetenzredaktion” des MDR, hat ein umfangreiches Dossier zum Thema “Investigativer Journalismus” veröffentlicht. Darin geht es unter anderem um die Frage, was eigentlich investigativer Journalismus ist, wie Medienschaffende aus dem Investigativbereich mit Drohungen, Angriffen und Klagen umgehen, und wie die Recherche-Redaktionen des MDR arbeiten.

5. Haushaltsmittel aufstocken
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert die aus seiner Sicht zu geringe Erhöhung der Mittel für die Deutsche Welle: “Eine gerade mal einprozentige Erhöhung des Bundeszuschusses ist die versteckte Forderung der Politik an den Intendanten, Leute rauszuschmeißen oder ihre Reallöhne drastisch zu kürzen”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall: “Das haben die Kolleginnen und Kollegen bei der Deutschen Welle nicht verdient.”

6. EU verhängt Strafe in Höhe von 345 Millionen Euro gegen TikTok
(zeit.de)
Die Europäische Union hat gegen TikTok eine Geldstrafe in Höhe von 345 Millionen Euro verhängt, weil die Plattform gegen die Datenschutz-Grundverordnung verstoßen habe, insbesondere im Umgang mit Daten von Minderjährigen. Zu den Verstößen gehörten unzureichende Altersüberprüfungen bei der Registrierung und Voreinstellungen, die Beiträge von Kindern und Jugendlichen öffentlich sichtbar und kommentierbar machten. TikTok zeige sich mit der Höhe der Strafe nicht einverstanden und betone, dass viele der beanstandeten Einstellungen bereits vor Beginn der Untersuchung geändert worden seien.

KW 37/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Embedded Journalism – Wie berichten aus Katastrophengebieten?
(sr.de, Florian Mayer & Michael Meyer, Audio: 15:48 Minuten)
Daniel Boehm ist Journalist und Korrespondent bei der “Neuen Zürcher Zeitung”, war kürzlich in Marokko und hat dort das Erdbebengebiet bereist. Mit Florian Mayer und Michael Meyer unterhält er sich über die schwierige Aufgabe, über Katastrophen zu berichten: Wie geht Journalismus unter Extrembedingungen?
Weiterer Hörtipp: Nach dem Erdbeben in Marokko: “Im Podcast erzählt Korrespondent Daniel Boehm von seiner Reise ins komplett zerstörte Bergdorf Aduz im marokkanischen Atlasgebirge. Er schildert, wie Hinterbliebene mit blossen Händen nach Verschütteten suchen, weil die Hilfe auf sich warten lässt.” (nzz.ch, David Vogel & Marlen Oehler, Audio: 17:13 Minuten)

2. Und der Alltag?
(sueddeutsche.de, Nils Minkmar & Nadia Zaboura, Audio: 42:50 Minuten)
Welches Bild zeichnen Medien vom Leben jüdischer Menschen in Deutschland? Über welche Ereignisse wird intensiv, über welche kaum berichtet? Welche Klischees werden bedient? Und welche Themen ausgespart? Darum geht es in der neuen Folge des Medienpodcasts “quoted”. Zu Gast ist diesmal der Journalist Ronen Steinke, innenpolitischer Korrespondent der “Süddeutschen Zeitung” und Autor des Buchs “Antisemitismus in der Sprache”.

3. “Tele Meloni” – ist Italiens Mediensystem in Gefahr?
(br.de, Linus Lüring, Audio: 29:44 Minuten)
Seit die rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Italien im Amt ist, gibt es im Mediensystem des Landes große Umwälzungen. Beim öffentlich-rechtlichen Sender RAI beispielsweise mussten der Intendant und weitere prominente Journalistinnen und Journalisten gehen. Ist die Unabhängigkeit der italienischen Medien in Gefahr? Und welche Rolle spielt dabei das Erbe des Medienmoguls und ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi? Darüber spricht Linus Lüring mit der Italien-Expertin Lisa Weiß.

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4. Kinder-Influencer verrichten Arbeit vor der Kamera
(n-tv.de, Caroline Amme, Audio: 10:12 Minuten)
Weltweit haben findige Eltern eine neue Einnahmequelle entdeckt und vermarkten ihre Kinder als Influencer auf Plattformen wie Instagram oder Youtube. Das bringt einige Probleme mit sich: Für viele Plattformen gibt es ein Mindestalter, die Einnahmen landen auf dem Konto der Eltern, die Grenzen zwischen Hobby und Kinderarbeit sind oft schwer zu ziehen und nicht zuletzt gilt es, die Persönlichkeitsrechte der Kinder zu wahren. “Wieder was gelernt” hat sich des Themas angenommen.

5. Katastrophen-Berichterstattung konstruktiv und Elon Musk-Biograf
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 47:09 Minuten)
Beim WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” werden die unterschiedlichsten medienrelevanten Themen behandelt. Unter anderem geht es um den journalistischen Umgang mit der Flutkatastrophe in Libyen, um mögliche Auswege aus Negativ-Nachrichten und um die Lehren aus der jüngst erschienenen Elon-Musk-Biografie. Die “Medienschelte” am Ende der Sendung beschäftigt sich ironisch mit der Berichterstattung über die vergangenen Fußball- und Basketball-Großereignisse.

6. Warum auf einmal ALLE Mark Zuckerberg lieben
(zdf.de, Was kostet die Welt?, Jessica von Blazekovic, Video: 18:38 Minuten)
Bei “Was kostet die Welt”, einem Kanal des jungen, öffentlich-rechtlichen Formats “Funk”, dreht sich alles um die Frage, wie es passieren konnte, dass der spröde und wenig charismatisch wirkende Mark Zuckerberg plötzlich für viele so etwas wie eine Identifikationsfigur und ein Hoffnungsträger ist. Jessica von Blazekovic hat sich mit der Wandlung des Meta-Chefs beschäftigt, die auch etwas mit seinem Rivalen Elon Musk zu tun hat.

Blockierter Journalismus, Causa Schönbohm, Ausgezeichnete Fotos

1. Google blockiert Journalismus über Pornoseiten
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Einer Recherche von netzpolitik.org zufolge hat Google seine Jugendschutzmaßnahmen so weit verschärft, dass nun auch journalistische Inhalte über Pornoseiten aus den Suchergebnissen entfernt werden. Sebastian Meineck erläutert das Phänomen anhand von konkreten Beispielen. Er habe sich deswegen auch an Google gewandt, wo man zunächst Interesse gezeigt, dann aber nur mit ausweichenden Sätzen reagiert habe.

2. “Werkzeuge wie Chat-GPT werden wir irgendwann so selbstverständlich nutzen wie Google”
(journalist.de, Ute Korinth)
Das Magazin “journalist” hat mit dem “Spiegel”-Kolumnisten und Professor für Digitale Kommunikation Christian Stöcker über den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) auf den Journalismus gesprochen. Stöcker betont, dass KI-Tools wie ChatGPT in Zukunft so selbstverständlich genutzt werden wie heute Google. Angesichts der exponentiellen Entwicklung von KI sei jedoch eine Regulierung notwendig: “Ich glaube – und habe das auch schon 2017 geäußert -, dass man Unternehmen, die KI-Systeme betreiben, verpflichten muss, Menschen mitzuteilen, wenn sie mit einer KI interagieren. Es wird schon bald KI-Systeme geben, die klingen wie ein Mensch. Die zweite Sache ist die Kennzeichnungspflicht von durch KI erzeugten Inhalten. Hier brauchen wir zeitnah eine Lösung. Der dritte Aspekt, und den finde ich wichtiger als alles andere, ist die Transparenz der Trainingsdatensätze.”

3. Durfte sie “Xxxxx-Xxxxxxxx” schreiben?
(deutschlandfunk.de, Katharina Thoms, Audio: 4:34 Minuten)
Das Landgericht Hamburg befasst sich unter anderem mit der Frage, ob die Bezeichnung “Xxxxx-Xxxxxxxx” (Update: Die Bezeichnung wurde inzwischen vom Gericht untersagt) in der medialen Berichterstattung zulässig war. Die Klage habe sich allerdings nicht gegen die “Bild”-Redaktion gerichtet, die den Begriff ursprünglich verwendet hatte, sondern gegen die Wochenzeitung “Kontext”, die das Wort lediglich zitiert hatte. Der betroffene Polizist verklagte die kleinere Redaktion.
Siehe dazu auch die Kolumne von Elena Wolf und das Editorial in “Kontext”.

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4. Ausgezeichnete Pressefotos
(verdi.de, Lars Hansen)
Der World Press Photo Award wird seit 1955 jährlich von der World Press Photo Foundation in Amsterdam verliehen. Im Rahmen der “Woche der Pressefreiheit” in Hamburg wurde jetzt die erste von mehreren Ausstellungen in Deutschland mit den prämierten Fotos eröffnet. Es ist unter anderem das Siegerfoto des Ukrainers Evgeniy Maloletka zu sehen, das eine schwangere Frau nach einem Luftangriff in Mariupol zeigt, sowie weitere ausgezeichnete Bilder, die wichtige globale Ereignisse und Themen festhalten.
Nachtrag: Der Veranstalter macht uns darauf aufmerksam, dass es sich (entgegen der Aussage im verlinkten Beitrag) nicht um “die erste von mehreren Ausstellungen in Deutschland” handelt: “In Berlin wurden die prämierten Aufnahmen in den letzten Monaten bereits gezeigt, ebenso in Jena und Balingen. Demnächst folgen noch Dortmund, Flensburg, Kitzingen und wir in Oldenburg.”

5. Journalismus aus dem Untergrund
(taz.de, René Martens)
Beim Exile Media Forum in Hamburg wurde die kritische Situation von Exiljournalistinnen und -journalisten diskutiert, insbesondere die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind. So wurde beispielsweise Farzad Seifikaran, Chefredakteur des iranischen Exilmediums Radio Zamaneh, vom iranischen Außenministerium des Terrorismus beschuldigt. Das von der Körber-Stiftung organisierte Forum habe den Teilnehmenden auch eine Plattform geboten, um sich zu vernetzen und Unterstützung in praktischen Fragen wie Visa, Organisation und Finanzierung zu erhalten.

6. Müssen Böhmermann und das ZDF dem ehemaligen BSI-Chef Schmerzensgeld zahlen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 35:02 Minuten)
Arne Schönbohm, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, hat angekündigt, das ZDF wegen einer kritischen Darstellung in Jan Böhmermanns “ZDF Magazin Royale” zu verklagen. In der Sendung wurde Schönbohm eine Nähe zu einer Firma mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst unterstellt, außerdem wurde er als “Cyberclown” bezeichnet. Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit Felix W. Zimmermann, Chefredakteur von “Legal Tribune Online”, über Schönbohms Klageaussichten.

Missglückter Ministeriums-Tweet, Klima, Böhmermann vs Reichelt

1. Verkehrsministerium macht falsche “Bild”-Meldung noch falscher
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
“Beeindruckend, auf ‘ne Art, wie viele Fehler man in einem Tweet unterbringen und wie wenige davon man im zweiten Anlauf korrigieren kann”, schreibt Stefan Niggemeier zu seinem Text über einen in mehrfacher Hinsicht missglückten Tweet des Bundesverkehrsministeriums. Niggemeiers Faktencheck bei “Übermedien” offenbart nicht nur inhaltliche Schwächen des Ministeriums, sondern auch dessen mangelnde Medienkompetenz und unzureichende Fehlerkultur – plus falsche “Bild”-Berichterstattung.

2. Klima als Dimension sichtbar machen – aber wie?
(journalist.de, Sara Schurmann)
Für Journalistinnen und Journalisten kann es herausfordernd sein, angemessen und fundiert über die Klimakrise zu berichten. Sara Schurmann, Mitgründerin des Netzwerks Klimajournalismus, zeigt in fünf Schritten auf, wie Medienschaffende die Klimakrise in ihrer Berichterstattung beleuchten können. Schurmann betont: “Journalist*innen müssen weder Klimawissenschaften studieren, noch den Journalismus neu erfinden, um gut und angemessen über die Klimakrise berichten zu können. Es reicht, sich die wichtigsten Zusammenhänge und unseren journalistischen Umgang damit tiefergehend bewusst zu machen.”

3. Rat und Parlament streiten, wann der Staat Journalist:innen hacken darf
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie Tomas Rudl berichtet, will das EU-Parlament Journalistinnen und Journalisten und deren Quellen besser vor Überwachung schützen, doch die EU-Länder im Ministerrat würden Ausnahmen für die “nationale Sicherheit” fordern. Dieser Konflikt könnte nun im Rahmen des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes eskalieren. Rudl erläutert die Gemengelage und die unterschiedlichen politischen Positionen.

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4. Jan Böhmermann schickt Julian Reichelt seinen Anwalt
(derstandard.at)
Der “Standard” berichtet unter Berufung auf Informationen der “Zeit” über eine juristische Auseinandersetzung zwischen Satiriker Jan Böhmermann und dem geschassten “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt. Dabei gehe es unter anderem um die Unterlassung der in der Sendung “Achtung, Reichelt!” getätigten Behauptung, das Bundesinnenministerium habe den früheren Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, “über die öffentlich-rechtlichen Medien mit frei erfundenen Vorwürfen hinrichten” lassen.

5. SWR-App: Schlichtung geplatzt
(verdi.de)
Das Schlichtungsverfahren zwischen dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der ARD bezüglich der Nachrichten-App “Newszone” des öffentlich-rechtlichen SWR sei ohne Einigung zu Ende gegangen. Der BDZV halte die App für presseähnlich und somit für rechtswidrig. Der SWR prüfe eine erneute Veröffentlichung der App und biete den Verlagen Kooperationsmöglichkeiten an. Diese erwögen wiederum eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission.

6. HiHö23: Wir brauchen euren Input
(freischreiber.de)
Die Vertretung freier Journalistinnen und Journalisten Freischreiber vergibt regelmäßig den “Himmel-und-Hölle-Preis”, mit dem sie “Engel und Teufel der Branche ehren und verdammen”. Vorschläge können noch bis zum 15. September eingereicht werden: “Wer hat euch im vergangenen Jahr unterstützt und damit euren freien Arbeitsalltag gen Himmel erhoben? Wer hat euch das Freiendasein zur Hölle gemacht?” Einen Rückblick auf die vorherigen Preisträgerinnen und Preisträger gibt es hier.

Protest gegen “Kulturoffensive”, Europas Medien, KI-Sprachpapst

1. Sender spricht von »Kulturoffensive«, Proteste in München
(spiegel.de)
Rund 200 Menschen haben am Montag vor dem Hochhaus des Bayerischen Rundfunks (BR) in München gegen eine geplante Programmreform im Kulturbereich protestiert. In einem offenen Brief der Initiative “Störsender” kritisieren Kulturschaffende die Reform, durch die im kommenden Jahr “mehrere Stunden eigenständiges Kulturprogramm” verschwänden. Der BR spreche hingegen von einer geplanten “Kulturoffensive”.

2. ver.di fordert lückenlose Aufklärung der Verhaftung zweier Journalisten in Dortmund
(dju.verdi.de, Lisa Isabell Wahr)
Im August wurden nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in Dortmund zwei Journalisten, die wegen eigener Recherchen vor Ort waren, in der Nähe eines Tatorts festgenommen und für 16 Stunden in Polizeigewahrsam gehalten. Während der Ermittlungen sei die Wohnung eines der Journalisten gewaltsam aufgebrochen und Arbeitsmaterial beschlagnahmt worden: “Wir bezweifeln, dass das Vorgehen verhältnismäßig war. Wenn Journalistinnen und Journalisten Sorge haben müssen, im Rahmen ihrer Berichterstattung von der Polizei in Gewahrsam genommen und über Stunden festgehalten zu werden, beschneidet sie das eindeutig in der Ausübung ihrer Tätigkeit und damit am Ende auch die Pressefreiheit.”

3. Europas Krisen und das Versagen der Medien – Die überfällige Europäisierung des Journalismus
(de.ejo-online.eu, Harald Schumann & Elisa Simantke)
“Seit Jahrzehnten berichten Europas Medien und ihre Journalistinnen und Journalisten über europäische Themen allein aus der jeweils nationalen Perspektive ihrer Sitzländer und mit geringer Kenntnis der Vorgänge in den EU-Institutionen und den jeweils anderen Staaten. Das gefährdet die europäische Demokratie – und die Pressefreiheit.” Harald Schumann und Elisa Simantke stellen verschiedene Beispiele vor, bei denen Medien in verschiedenen EU-Ländern wichtige Themen und Ereignisse falsch oder unvollständig dargestellt haben, und betonen die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Perspektive im Journalismus.

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4. Keine Spähsoftware gegen Journalisten
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert die EU-Institutionen auf, im Rahmen des EU-Medienfreiheitsgesetzes den Einsatz von Spähsoftware gegen Journalistinnen und Journalisten zu verbieten. Der vorliegende Gesetzentwurf habe Schlupflöcher, die von den Regierungen der Mitgliedstaaten ausgenutzt werden könnten. Diese Lücken müssten geschlossen werden, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall: “Sonst besteht die Gefahr, dass übereifrige Ermittler ganz legal Spionageprogramme wie etwa Pegasus benutzen und so in jeden Redaktionsrechner eindringen können.”

5. Plattformaufsicht könnte Journalisten stärken
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen unterstützt den Entwurf für das neue Digitale-Dienste-Gesetz zur Plattformregulierung, sieht aber weiteren Handlungsbedarf zum Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit: “Wenn uns Grundrechte wie Presse- und Informationsfreiheit wichtig sind, dann brauchen wir eine zentrale und durchsetzungsstarke Behörde, die die Rechte von Nutzerinnen und Nutzern gegen die Macht der Tech-Konzerne effektiv durchsetzt”, so Helene Hahn, die zuständige Referentin für Internetfreiheit bei Reporter ohne Grenzen.

6. Der künstliche Sprachpapst
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster, Audio: 5:55 Minuten)
Der im November 2022 verstorbene Wolf Schneider gilt vielen als der “Sprachpapst” schlechthin. Ganze Generationen von Medienschaffenden haben seine Bücher gelesen. Nun sollen Schneiders Sprachempfehlungen in eine Künstliche Intelligenz einfließen, die von der “Reporterfabrik” entwickelt wird. Der Deutschlandfunk sprach mit Cordt Schnibben über das Projekt, das sich derzeit noch in der Testphase befindet.

Böhmermann-Zwist, Neue Leitlinien, Umtriebige TV-Doktoren

1. “Gerechtigkeit für alle Kriegsopfer”
(taz.de, Tigran Petrosyan)
Katerina Sergatskova, Chefredakteurin des unabhängigen Online-Mediums “Zaborona” in Kiew, spricht im Interview mit der “taz” über die Herausforderungen für Journalisten und Journalistinnen in der Ukraine. Trotz Schwierigkeiten wie dem eingeschränkten Zugang zu Kriegsgebieten und der Kommunikation mit dem Militär sieht Sergatskova auch Positives: “Der Journalismus in der Ukraine ist sehr gereift. Meines Erachtens hat sich eine große Solidarität unter den Medienschaffenden entwickelt. Sie sind bereit, sich gegenseitig zu helfen, nützliches Wissen zu teilen, voneinander zu lernen. Im Vergleich zum Anfang der Invasion sind wir heute viel besser vorbereitet und zuversichtlicher in unserem Handeln.”

2. Hat Jan Böh­m­er­mann wir­k­lich falsch berichtet?
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Der ehemalige Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, hat rechtliche Schritte gegen das ZDF und insbesondere gegen die Sendung “ZDF Magazin Royale” von Jan Böhmermann eingeleitet, da er sich durch die Berichterstattung falsch dargestellt fühlt. Schönbohm verlangt eine Geldentschädigung in Höhe von 100.000 Euro und wendet sich gegen bestimmte Behauptungen in der Sendung. Bei “Legal Tribune Online” hat sich der Jurist Felix W. Zimmermann den Fall angesehen und kommt zu folgendem Ergebnis: “Zusammenfassend ist die ZDF-Sendung zu Schönbohm aufgrund ihrer Einseitigkeit und Selektivität kein Ruhmesblatt für den ‘journalistischen Arm’ des ZDF Magazin Royals. Presserechtlich angreifbar ist der Bericht allerdings nicht, da er nach aktueller Kenntnislage keine falschen Tatsachenbehauptungen enthält.”
Weiterer Lesetipp: Beim “RedaktionsNetzwerk Deutschland” kommt Jan Böhmermann zu Wort: “Ein Komplott? Ein herrlich deutscher Quatsch”: Jan Böhmermann verteidigt “Cyberclown”-Recherchen (rnd.de, Imre Grimm).

3. Neue Leitlinien für Berichterstattung über assistierten Suizid
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein & Martin Krebbers)
Medien kommt bei der Berichterstattung über Suizide eine besondere Verantwortung zu, da diese zu Nachahmungstaten führen kann. Bisherige Leitlinien für Journalistinnen und Journalisten hätten den assistierten Suizid kaum berücksichtigt, dies ändere sich nun, insbesondere durch Empfehlungen aus Österreich. Dort wurde der “Leitfaden zur Berichterstattung über Suizid” (PDF) entsprechend aktualisiert: “In der medialen Berichterstattung über assistierte Suizide gelten grundsätzlich die gleichen Prinzipien wie generell in der Berichterstattung über Suizid.”
(Solltest Du Suizid-Gedanken haben, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der “TelefonSeelsorge”, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222) erreichen kannst.)

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4. Journalistin Zhang Zhan: den Tod vor Augen
(reporter-ohne-grenzen.de)
In China werden kritische Medienschaffende nach wie vor gnadenlos verfolgt, wie die Fälle von Zhang Zhan, Yang Hengjun und Zhou Yuanzhi zeigen. Die Journalistin Zhang Zhan, die über die Anfänge der Covid-19-Pandemie in Wuhan berichtete, ist seit 2020 inhaftiert und durch einen Hungerstreik, mit dem sie ihre Unschuld beteuert, gesundheitlich schwer geschädigt. Die Organisation Reporter ohne Grenzen fordert die Freilassung aller in China inhaftierten Journalistinnen und Journalisten und weist auf die Risiken hin, denen diese ausgesetzt sind, sowie auf die häufige Verweigerung medizinischer Versorgung durch das Regime.

5. Bekannte TV-Doktoren nehmen auch Geld von Firmen
(infosperber.ch, Martina Frei)
Bei “Infosperber” geht es um die britischen Zwillingsbrüder und Ärzte Chris und Xand van Tulleken, die häufiger im TV auftreten. Diese hätten zugegeben, Geld von Firmen für Werbung und Vorträge angenommen zu haben. So seien Chris van Tulleken “routinemäßig” 20.000 britische Pfund für einen einstündigen Vortrag angeboten worden, während sein Bruder Xand rund 100.000 britische Pfund für eine Werbekampagne für private Bluttests erhalten habe. Aber auch die Tätigkeit der im deutschen Fernsehen aktiven Ärzte Eckart von Hirschhausen und Johannes Wimmer sei nicht immer unproblematisch.

6. Kann man sich den Fußball sparen?
(verdie.de, Günter Herkel)
Sport, insbesondere Fußball, ist eines der größten Zugpferde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, entsprechend viel Geld geben die Anstalten aus, um Inhalte einzukaufen. Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts, schlägt nun vor, dass ARD und ZDF aufgrund der hohen Kosten für die Übertragungsrechte aus dem Bieterwettstreit um die teuren Fußballübertragungen aussteigen sollten. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle sich auf ein “unabhängiges, werteorientiertes und wissensbasiertes Programm” konzentrieren. Gunter Herkel hält davon gar nichts und spricht von einem “Schlag ins Gesicht von Millionen Beitragszahler*innen, die selbstverständlich Live-Sport im öffentlich-rechtlichen TV sehen wollen.”

Polizei ermittelt gegen Böhmermann, Assange-Brief, “Titanic” funkt “SOS”

1. Wegen TV-Recherchen: Polizei ermittelt gegen Böhmermann
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie “DWDL” unter Verweis auf einen Beitrag von “Clap” berichtet, habe die Kölner Polizei ein Ermittlungsverfahren gegen Jan Böhmermann und das “ZDF Magazin Royale” eingeleitet. Hintergrund sei offenbar die verdeckte Teilnahme eines Mitarbeiters der Sendung an einem Seminar der Psychotherapeutin Michaela Huber. Das ZDF habe die Ermittlungen bestätigt, die Vorwürfe jedoch zurückgewiesen und betont, dass die Recherche allen journalistischen Standards entsprochen habe.

2. Der Kaiserin neue Kleider
(taz.de, Steffen Grimberg)
Das Grimme-Institut, bekannt durch die Verleihung des renommierten Grimme-Preises, steht finanziell nicht gut da und verzeichnet für 2023 eine “Unterdeckung” von 323.000 Euro bei einem Gesamtetat von rund drei Millionen Euro. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten hat die Direktorin des Instituts, Frauke Gerlach, den Wunsch nach einer dritten Amtszeit geäußert. Steffen Grimberg, der 2015 selbst den Grimme-Preis leitete, wundert sich: “Es zeugt schon von einer gehörigen Chuzpe, sich angesichts dieser Bilanz als Kandidatin für eine weitere Amtszeit zu empfehlen.”

3. Berichterstattung im Visier des Strafrechts
(verfassungsblog.de, Jens Puschke & Pascale Fett)
Im “Verfassungsblog” wird die Kritik an der Strafnorm des Paragrafen 353d des Strafgesetzbuches diskutiert, die Medienschaffende einer möglichen strafrechtlichen Verfolgung aussetzt, wenn sie Dokumente aus Strafverfahren veröffentlichen. Dies werde als “Kriminalisierung korrekter Berichterstattung” bezeichnet. Jens Puschke und Pascale Fett argumentieren, dass diese Norm die Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit beeinträchtige, und fordern ihre Streichung aus dem Strafgesetzbuch.

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4. Was Journalismus von der Mediation lernen kann
(journalist.de, Ellen Heinrichs)
In der Reihe “Mein Blick auf den Journalismus” hebt Ellen Heinrichs, Geschäftsführerin des Bonn Institute, die Bedeutung von Techniken aus der Mediation für den Journalismus hervor. Heinrichs argumentiert, dass Journalistinnen und Journalisten besser zuhören und mehr Empathie zeigen sollten, da dies der Schlüssel zu relevantem Journalismus sei. Sie betont, dass Mediation und Journalismus viele Gemeinsamkeiten hätten, insbesondere im Umgang mit Konflikten, und unterstreicht die Bedeutung von Empathie, professioneller Distanz und Unparteilichkeit in beiden Berufen.

5. Offener Brief an Baerbock: Prominente fordern Unterstützung für Assange
(fr.de, Thomas Kaspar)
In einem offenen Brief fordern zahlreiche Prominente aus Politik, Kultur und Medien Außenministerin Annalena Baerbock auf, sich bei ihrem bevorstehenden USA-Besuch für Wikileaks-Gründer Julian Assange einzusetzen: “Wir teilen die Auffassung von Amnesty International, Reporter ohne Grenzen und nahezu allen Menschenrechtsorganisationen und Journalistenverbänden weltweit, dass die Verfolgung von Julian Assange einen schwerwiegenden Angriff auf die Medienfreiheit darstellt.” Auch der Chefredakteur der “Frankfurter Rundschau” gehört zu den Unterzeichnern des Briefes, der in dem Beitrag in voller Länge dokumentiert ist.

6. Die “Titanic” sendet SOS
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Das bekannte deutsche Satiremagazin “Titanic” hat offenbar große finanzielle Schwierigkeiten. Grund seien unter anderem inflationsbedingte Kündigungen und stark gestiegene Papier- und Versandkosten. Um zumindest bis zum Jahresende weitermachen zu können, benötige der Verlag 5.000 neue Abonnements. Helfen soll nun eine Rettungs-Werbekampagne, die mit Maren Kroymann und Jan Böhmermann prominente Unterstützung hat.

KW 36/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Fiel StrgF auf einen Blender rein?
(youtube.com, Business Insider Deutschland, Video: 3:05 Minuten)
Vor gut zwei Monaten erschien auf Youtube ein Video des jungen Formats “Strg_F”, das seitdem über vier Millionen Mal aufgerufen wurde. In dem Film geht es um “Privatjets, Yachten, Kaviar” und die Frage: “Wie beeinflussen Superreiche das Klima?” Einer der Protagonisten, der 18-jährige Theo Stratmann, gibt sich darin betont großspurig, dekadent und ignorant und sorgt seit Wochen für ein enormes Echo in den Sozialen Medien und auf Youtube. Die Redaktion von “Business Insider” hat mit Theos Stratmanns Vater gesprochen, und der ist äußerst verwundert: “Mir ist es ein Rätsel, woher Theo das Geld für seinen angeblich so luxuriösen Lebensstil haben will”. “Business Insider” (“BI”) fragt sich: “Wie passt das mit der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Formats ‘StrgF’ zusammen: Ist das Format auf einen Blender reingefallen?” Mehr von der “BI”-Recherche zu Stratmann gibt es in einem weiteren Video.

2. Was macht Krisen-PR erfolgreich?
(br.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 26:01 Minuten)
Das Medienmagazin von BR24 nimmt die Aiwanger-Affäre zum Anlass, sich mit dem Thema Krisenkommunikation auseinanderzusetzen: Wie hat Hubert Aiwanger kommuniziert? Hat er dabei Fehler gemacht? Wie haben die Medien reagiert? Unter anderem darüber spricht Jonathan Schulenburg mit dem Krisenkommunikations-Berater Markus Ewald und Frank Roselieb, Direktor des Instituts für Krisenforschung.

3. Mental Health im Journalismus
(mediummagazin.de, Olivia Samnick, Audio: 46:53 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Bonjourno” geht es um die Frage, wie über psychische Erkrankungen diskriminierungsfrei berichtet werden kann. Zu Gast sind die freien Journalistinnen Lisbeth Schröder und Larena Klöckner. Gastgeberin Olivia Samnick hat die Folge mit einer Triggerwarnung versehen: “Es geht gleich auch um die Berichterstattung zu Amokläufen. Wenn euch das Thema zusetzt, überspringt diese Folge oder hört sie euch in Begleitung an.”

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4. Der Wert von Kritik
(buzzsprout.com, Mary-Jane Bolten & Human Nagafi, Audio: 1:14:22 Stunden)
Der “Corporate-Theory”-Podcast behandelt das große Thema Kritik. Dazu haben sich Mary-Jane Bolten und Human Nagafi jemanden eingeladen, der seit über einem Jahrzehnt selbst als Kritiker in Medien unterwegs ist: Wolfgang M. Schmitt (unter anderem “Die Filmanalyse”): “Wir vergleichen die Rolle eines Kritikers mit der Rolle von Gestaltern in Unternehmen. Welche Rolle spielt Kritik und welche Züge nimmt sie an? Was stört so an negativer Kritik und wie können wir emotional damit umgehen? Wir sprechen über den Drang, alles immer positiv zu formulieren und dem Trend, alle Meinung als valide Meinung durchgehen zu lassen – und was das über unsere Gesellschaft aussagt.”

5. Fotos melden bei der VG Bild-Kunst
(freienpodcast.letscast.fm, Geraldine Friedrich & Francoise Hauser, Audio: 26:37 Minuten)
Der “Freien-Podcast” beschäftigt sich mit einer Situation, die sicher nicht wenige Medienschaffende kennen: “Die Frist für die Meldung an die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst rückt näher – und wie geht das nochmal? Wie melde ich und lohnt sich das überhaupt?” Sandra Freischem, Juristin bei der VG Bild-Kunst, erklärt, was genau die Verwertungsgesellschaft macht, wie man daran teilhaben kann und was bei den Meldungen zu beachten ist.

6. Wie lustig ist es, wenn der Kanzler dazu auffordert, über ihn zu spotten?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 12:23 Minuten)
Nach einem Unfall beim Joggen trägt Bundeskanzler Olaf Scholz aktuell eine Augenklappe. In einem Tweet schrieb er (oder sein Social-Media-Team): “Wer den Schaden hat… Bin gespannt auf die Memes.” Der frühere “Titanic”-Chefredakteur Tim Wolff spricht im “Übermedien”-Podcast darüber, woran man einen guten Witz erkennt, und ob es vielleicht Leute oder Institutionen gibt, die todernst sein sollten: “Wenn ein Kanzler so etwas in die sozialen Medien gibt und sagt: Hier, macht mal Witze, dann hat sich die ganze Öffentlichkeit in eine Art ‘Titanic’-Redaktionssitzung verwandelt.” Das könne niemand wollen.

Lin­de­manns Nie­der­lage, Radiopreis, “Großangriff auf das Medienkartell”

1. Lin­de­mann mit Nie­der­lage gegen Süd­deut­sche Zei­tung
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Wie bei “Legal Tribune Online” zu lesen ist, hat das Landgericht Frankfurt einen Unterlassungsantrag des Rammstein-Sängers Till Lindemann gegen die “Süddeutsche Zeitung” zurückgewiesen. “Vermutlich sieht das Gericht für den Verdacht sexueller Übergriffe durch Lindemann genügend Beweistatsachen”, spekuliert Felix W. Zimmermann in seinem Bericht. Eine Urteilsbegründung liege allerdings noch nicht vor.

2. Anlasslose Vorratsdatenspeicherung ist rechtswidrig
(tagesschau.de)
Das Bundesverwaltungsgericht hat die anlasslose und flächendeckende Vorratsdatenspeicherung für rechtswidrig erklärt und ist damit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs gefolgt. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) begrüßt die Entscheidung: “Endlich herrscht Rechtssicherheit für die Journalistinnen und Journalisten, die von Berufs wegen von der Datenspeicherung in besonderem Maße betroffen waren”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

3. Rechter Angriff via TV
(taz.de, Andreas Speit)
Wie Andreas Speit in der “taz” berichtet, starte der österreichische Sender AUF1 im deutschen Fernsehen und bezeichne dies als “Großangriff auf das Medienkartell”. Der Sender werde über den deutschen Kanal SRGT (ehemals SchwarzRotGold TV) ausgestrahlt und behandle Themen wie “Great Reset”, “Hitzehysterie” und “Coronalügen”. Die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg sei über die Ausstrahlung der Inhalte von AUF1 nicht informiert und werde die rechtliche Situation prüfen.

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4. Wer Schadenersatz will, muss konkret werden
(netzpolitik.org, Hasset Tefera-Alemu & Ingo Dachwitz)
Das Oberlandesgericht Hamm habe entschieden, dass Meta, der Mutterkonzern von unter anderem Facebook, nicht verpflichtet sei, Schadenersatz für ein Datenleck zu zahlen, bei dem Telefonnummern von Nutzerinnen und Nutzern erbeutet wurden. Obwohl das Gericht Datenschutzverstöße durch Meta feststellte, sei die Klage einer Betroffenen abgewiesen worden. Der österreichische Datenschutzaktivist Max Schrems sehe in dem Urteil jedoch keine Signalwirkung.

5. Deutscher Radiopreis 2023: Die Gewinnerinnen und Gewinner
(dwdl.de, Alexander Krei)
Gestern fand in Hamburg die Verleihung des Deutschen Radiopreises statt, die von 60 Radiosendern übertragen wurde. Alexander Krei war von der “kurzweiligen Show” angetan: “Die 14. Radiopreis-Verleihung – die erste in der Neuen Flora – zeigte in gut zweieinhalb Stunden sehr eindrucksvoll, wie viel Potenzial noch immer in diesem Medium steckt, das vor ziemlich genau 100 Jahren seinen Siegeszug in Deutschland antrat und noch immer tagtäglich Millionen Hörerinnen und Hörer erreicht.”

6. Vom Glück, eine perfekt produzierte Sendung wie “Bares für Rares” zu gucken
(uebermedien.de, Friedrich Küppersbusch)
Bei “Übermedien” verrät Friedrich Küppersbusch im Rahmen der Reihe “Geheime Leidenschaften” seine Vorliebe für die ZDF-Sendung “Bares für Rares”, einem Format, das man nicht unterschätzen solle: “Die offensive Schlichtheit des Formates verleitet zum Ei-des-Columbus-Denken: Ja, nee, das hätte ja nun jeder gekonnt. Dagegen steht die jederzeit spürbare Perfektion des Handwerks. Da verhökern Leute die Eheringe verstorbener Partner, gehen Ölgemälde von Omi für wenige Euro weg und gelingt es, eine tragische Geschichte neben der nächsten Charakterlosigkeit in Grund und Boden zu flauschen.”

Rechtsextremisten entwaffnen, Grenze von Umfragen, Geldprobleme

1. Rechtsextremisten entwaffnen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert die Entwaffnung von Rechtsextremisten zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten, die ins Visier der rechtsextremen Szene geraten sind. Hintergrund ist eine von “Correctiv” veröffentlichte Karte, nach der 1.000 mutmaßliche Rechtsextremisten legal eine Waffe besitzen. “Daraus geht hervor”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall, “dass bewaffnete Rechtsextremisten fast überall zu finden sind. Unfassbar.”
Weiterer Lesetipp: Rechtsextreme mit Waffenerlaubnis: “Wir müssen noch weiter gehen” (correctiv.org, Anette Dowideit & Till Eckert).

2. Wo Umfragen an ihre Grenzen stoßen
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 6:29 Minuten)
Stefan Fries spricht im Deutschlandfunk über die Probleme und Grenzen von Umfragen wie die des “Stern” zur Entscheidung von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder, seinen Stellvertreter Hubert Aiwanger im Amt zu lassen. Die Umfrage habe methodische Schwächen wie einen kurzen Befragungszeitraum und eine komplizierte Fragestellung, die die Ergebnisse infrage stellen könnten. Fries warnt davor, Umfrageergebnisse unkritisch zu übernehmen, da sie oft unsicher seien und von vielen Faktoren beeinflusst werden könnten. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf einen aktuellen BILDblog-Beitrag: Die, die wenig haben, gegen die, die noch weniger haben.

3. Grimme-Institut hat Geldprobleme
(zdf.de)
Das Grimme-Institut soll vor einem Finanzdefizit von 323.000 Euro für das laufende Jahr stehen, das voraussichtlich im nächsten Jahr auf 430.000 Euro ansteigen werde. Die Ursachen seien höhere Tarifabschlüsse und steigende Veranstaltungs- und Energiekosten. Laut Institutsleiterin Frauke Gerlach sei das Defizit für 2023 bereits durch höhere Förderzusagen abgedeckt. Für 2024 hoffe sie auf weitere Unterstützung.

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4. “Facebook News” wird in Deutschland nicht weitergeführt
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie “DWDL” berichtet, wird Facebook sein Nachrichtenangebot “Facebook News” in Deutschland einstellen. Das Feature, das im Mai 2021 mit großen deutschen Verlagen als Partner gestartet war, sei nie prominent in der App platziert worden und werde nun wegen zu geringer Nutzung geschlossen. Die Entscheidung sei Teil der Facebook-Strategie, sich auf die Inhalte zu konzentrieren, die die Nutzerinnen und Nutzer “am meisten schätzen”.

5. So schreibt man Newsletter mit Nutzwert!
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Beim “Fachjournalist” gibt es ein Interview mit Anne-Kathrin Gerstlauer, die den größten Newsletter im Bereich Journalismus, PR und Marketing betreibe. Gerstlauer gibt Tipps für die erfolgreiche Konzeption und das Schreiben von Newslettern, darunter die Bedeutung von “snackable content”, die Wahl einer starken Betreffzeile und die Notwendigkeit, den Newsletter nützlich zu gestalten. Gerstlauer betont auch die Wichtigkeit der Zielgruppenanalyse und erklärt, wie sie ihre Reichweite und ihr Geschäft durch ihren Newsletter erweitert hat.

6. Meta scheitert vor Gericht
(taz.de)
Ein norwegisches Gericht habe eine Klage des US-Konzerns Meta gegen ein Verbot personalisierter Werbung auf Facebook und Instagram abgewiesen. Meta müsse weiterhin eine tägliche Strafe von einer Million norwegischer Kronen (ca. 88.500 Euro) zahlen. Die norwegische Datenschutzbehörde Datatilsynet habe das Urteil als “großen Sieg für den Schutz persönlicher Daten” bezeichnet.

“Katapult” vor Insolvenz, Tatort Aufnahmestudio, Höcke-Interview

1. “Katapult” ist insolvent und wirbt um Unterstützung bei seinen Leserinnen.
(turi2.de, Daniel Sallhof)
Wie der Branchendienst “turi2” unter Berufung auf eine Mitteilung des Unternehmens Katapult berichtet, stehe der Verlag kurz vor der Insolvenz. Herausgeber und Gründer Benjamin Fredrich habe den Start der geplanten Journalismusschule auf unbestimmte Zeit verschoben und rufe die Leserschaft auf, sich mit Rettungsideen einzubringen. Fredrich, der bereits des Öfteren in der Kritik stand und Ende Januar als Geschäftsführer und Chefredakteur zurückgetreten ist, verspreche eine “Insolvenz-Transparenz” und gebe an, dass dem Verlag derzeit 450.000 Euro fehlen (ein Betrag, den Fredrich auch über den Verkauf von Grashalmen, selbstgestalteten “Insolvenztassen” und “hässlich bemalten” Beuteln ausgleichen will).

2. Brauchte es wirklich das Höcke-Interview, damit Medien der Ableismus der AfD auffällt?
(uebermedien.de, Andrea Schöne)
Andrea Schöne kritisiert auf “Übermedien” die Medienreaktionen auf Björn Höckes ableistische Äußerungen über inklusive Bildung. Schöne argumentiert, dass die Medienlandschaft in Deutschland Menschen mit Behinderung und deren Perspektiven weitgehend ignoriere, was zu einer verzerrten Darstellung von Inklusion und Behindertenpolitik führe. Sie fordert eine umfassendere und differenziertere Berichterstattung über Behindertenpolitik und schlägt verschiedene Maßnahmen vor, um dies zu erreichen.

3. Tatort: Aufnahmestudio
(mediummagazin.de, Niklas Münch)
Im “medium magazin” diskutiert Niklas Münch das wachsende Genre der True-Crime-Podcasts und deren ethische Implikationen. Während diese Formate in Deutschland immer beliebter werden, kritisieren einige, dass sie die Grenze zwischen Qualitäts- und Boulevardjournalismus verwischen. Münch stellt die Frage, ob Medien Verbrechen als unterhaltsame, spannend erzählte Inhalte aufbereiten sollten, und beleuchtet verschiedene Perspektiven von Befürwortern und Kritikern zum Thema. In einem seien sich jedoch alle einig: “Niemand mag das Label ‘True Crime’.”

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4. Die besten Floskeln aller Zeiten
(infosperber.ch, Daniela Gschweng)
Daniela Gschweng blickt zurück auf das sprach- und medienkritische Projekt “Floskelwolke”, das vor Kurzem nach neun Jahren zu Ende gegangen ist. Die beiden Journalisten Udo Stiehl und Sebastian Pertsch hatten auf ihrer Website und auf Twitter auf Floskeln, Phrasen und Framing in der Nachrichtensprache aufmerksam gemacht und damit eine breite Leserschaft gefunden. Ein endgültiges Aus ist es aber nicht: Die “Floskel des Monats” wird es auch weiterhin in der Fachzeitschrift “journalist” geben.

5. “Veränderung ist jetzt eine Konstante”
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Der Bewegtbildexperte Evan Shapiro spricht im Interview mit dem Blog der Medientage München über die Herausforderungen und Chancen für TV und Streaming in Deutschland. Er betont, dass traditionelle Medienunternehmen ihre Geschäftsmodelle überdenken und sich dem veränderten Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer anpassen müssen, um gegenüber Tech-Giganten wie Google, Amazon und Netflix konkurrenzfähig zu bleiben. Shapiro sieht insbesondere im Gaming-Bereich Potenzial für Medienunternehmen und warnt davor, dass diejenigen, die sich nicht anpassen, langfristig verlieren werden.

6. Anja Rützel, was können wir vom Trash-TV über das Leben lernen?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 25:58 Minuten)
Anja Rützel ist nicht nur eine der profundesten Kennerinnen der deutschen Trash-TV-Szene, sondern auch eine geistreiche Kolumnistin mit viel Sprachwitz. Bei “Läuft”, der Programmschau von epd medien und Grimme-Institut, spricht Rützel darüber, was wir vom Trash-TV über das Leben lernen können, was sie an aktuellen Produktionen langweilt und warum sie sich ein Reality-TV-Format im bürgerlichen Milieu wünscht.

CSU-Pressesprecher als Störer, Lindemann-Streit, Kampagne?

1. Während Söder-Rede: CSU-Pressesprecher behindert Reporter
(t-online.de, Alexander Spöri & Jannik Läkamp)
Beim politischen Frühschoppen der CSU auf dem Gillamoos sollen ein Pressesprecher der Partei und zwei Sicherheitsleute die Arbeit von Journalisten behindert haben. Nachdem ein Journalist eine Protestaktion von Klimaschützern gefilmt hatte, habe sich der Pressesprecher neben die Journalisten an den Pressetisch gesetzt und versucht, die Veröffentlichung des Videos zu verhindern.

2. “Im Grunde eine Medienkampagne-Kampagne”
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sebastian Wellendorf, Audio: 7:38 Minuten)
Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit der Flugblatt-Affäre um Hubert Aiwanger, den stellvertretenden Ministerpräsidenten Bayerns und Bundesvorsitzenden der Freien Wähler. Aiwanger und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kritisieren die Medien und werfen ihnen eine “Schmutzkampagne” vor. Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje sowie Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, betonen jedoch die Bedeutung kritischer Berichterstattung und warnen vor einer “Medienopfer-Erzählung”.

3. RBB: Kein Anspruch auf Ruhegeld
(verdi.de)
Der ehemalige Verwaltungsdirektor des öffentlich-rechtlichen RBB, Hagen Brandstäter, ist nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mit einer Klage gegen seine Kündigung gescheitert. Das Arbeitsgericht Berlin habe entschieden, dass Brandstäters Vertrag von 2018 wegen der Pensionsregelungen sittenwidrig und damit nichtig sei. Dadurch bestehe auch kein Anspruch auf Ruhegeldzahlungen und Hinterbliebenenversorgung. Finanzielle Ansprüche des RBB gegen Brandstäter wies das Gericht ebenfalls zurück. Das erstinstanzliche Urteil ist noch nicht rechtskräftig, beide Parteien können noch Berufung einlegen.

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4. Spiegel siegt in Runde 2 gegen Lin­de­mann-Kanzlei
(lto.de, Max Kolter)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) berichtet, hat das Landgericht Hamburg auf Antrag des “Spiegel” eine Pressemitteilung der Anwälte des Rammstein-Sängers Till Lindemann teilweise untersagt. Die Kanzlei Schertz Bergmann dürfe nicht mehr behaupten, dem “Spiegel” seien zwei Tatsachenbehauptungen untersagt worden. Die Entscheidung ist Teil eines größeren Rechtsstreits zwischen dem “Spiegel” und der Kanzlei, die gegen die Entscheidung Berufung einlegen wolle. “LTO”-Redakteur Max Kolter erläutert die rechtlichen und prozesstaktischen Implikationen der juristischen Auseinandersetzung

5. Wie westliche Medien TikTok nutzen um die Generation Z zu erreichen
(de.ejo-online.eu, Tamar Merabishvili)
Der Artikel des “European Journalism Observatory” diskutiert, wie westliche Medien TikTok nutzen, um die Generation Z zu erreichen. Traditionelle Medienorganisationen wie die Deutsche Welle hätten TikTok-Strategien entwickelt, um Inhalte zu präsentieren, die speziell auf die Interessen der jüngeren Generation zugeschnitten sind. Trotz des rasanten Wachstums von TikTok gebe es Bedenken hinsichtlich Fehlinformationen und der chinesischen Eigentümerschaft der Plattform.

6. Twitter wegen angeblicher Hilfe für Saudi-Arabien verklagt
(spiegel.de)
Nach Informationen des “Guardian” werde Twitter beziehungsweise X von einer Frau verklagt, die behauptet, das Unternehmen habe der saudischen Regierung bei der Identifizierung ihres Bruders geholfen, der später zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Zwei ehemalige saudische Mitarbeiter des Kurznachrichtendienstes sollen – lange Zeit vor der Twitter-Übernahme durch Elon Musk – Nutzerdaten an die Behörden ihres Landes weitergegeben haben. Einer von ihnen wurde bereits in den USA zu einer Haftstrafe verurteilt, der andere hatte sich rechtzeitig nach Saudi-Arabien abgesetzt. Bei dem Vorgang könnten womöglich finanzielle Interessen eine Rolle spielen: “Saudi-Arabien ist bis heute über die Kingdom Holding Company (KHC) und das Büro von Prinz Alwaleed bin Talal einer der wichtigsten Geldgeber von Twitter.”

Das Versagen der “Republik”, “Nius”, Karlsruher Wochenvorschau

1. Vorwürfe der sexuellen Belästigung: Eine Stellungnahme
(republik.ch)
Vor einer Woche haben wir in der Wochenendausgabe der “6 vor 9” auf eine Sonderausgabe des SRF-“Medientalks” hingewiesen, in der es um den Vorwurf der sexuellen Belästigung durch einen bekannten Schweizer Journalisten des Magazins “Republik” und die Folgen für die Betroffenen ging. In der Zwischenzeit hat die “Republik”-Redaktion mit einer Stellungnahme reagiert, in der sie sich erschüttert zeigt und einräumt, in dieser Angelegenheit versagt zu haben, insbesondere in Bezug auf die Unternehmenskultur und die Führungsstrukturen: “Vieles ist falsch gelaufen bei der Republik. Wir wollen der externen Unter­suchung auf keinen Fall vorgreifen, eine abschliessende Beurteilung wird erst möglich sein, wenn sie vorliegt. Schon heute jedoch gibt es Indizien dafür, dass Fehler gemacht wurden, als der beschuldigte Mitarbeiter eingestellt wurde. Damals wehrte sich eine Republik-Mitarbeiterin, die von Vorwürfen wegen sexueller Belästigung wusste, gegen diese Einstellung. Die damalige Redaktions­leitung hat die Vorwürfe zur Kenntnis genommen, Gespräche geführt – und ist zum Schluss gekommen, dass die Vorwürfe nicht belegt seien und einer Einstellung deshalb nichts im Wege stehe.”

2. Reichelts “Nius” – Eine Beobachtung
(verdi.de, Günter Herkel)
Günter Herkel beschäftigt sich mit “Nius”, einem Onlineportal, das von dem Software- und Medienunternehmer Frank Gotthardt betrieben wird und rechtspopulistische und reaktionäre Inhalte verbreitet. Das “Nius”-Personal stamme zu einem großen Teil aus dem Umfeld des geschassten “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt. Die “Frankfurter Rundschau” habe das Geschäftskonzept bereits im Juli treffend beschrieben: “Mischt man die Flaggschiffe des Springer Verlags, ‘Bild’ und ‘Welt’, mit dem Haussender der US-Republikaner, Fox News, und gibt dem Ganzen einen vermeintlich hippen Look, kommt ‘Nius’ dabei heraus.”

3. Keine Medienkampagne
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) weist die Anschuldigungen des stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger zurück, Medien würden ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Jugendzeit für eine politische Kampagne gegen ihn missbrauchen. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall bezeichnet die Vorwürfe Aiwangers als “kruden Unsinn” und betont, dass es Aufgabe von Journalisten und Journalistinnen sei, kritisch über Politiker und Politikerinnen zu berichten. Aiwanger möge aktiv zur Aufklärung der Vorwürfe beitragen, anstatt Medien ungerechtfertigt zu beschuldigen.

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4. Was tun, wenn Politiker Journalisten zu Mikrofonhaltern degradieren?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 40:16 Minuten)
Am Freitag haben wir in den “6 vor 9” auf einen Beitrag des Deutschen Journalisten-Verbands hingewiesen, der die Bundesregierung für ihre “kommunikative Einbahnstraße” kritisierte. Medien hätten ein Recht auf Information: “Wir sind keine Mikrofonhalter. Wer glaubt, so mit den Medien umgehen zu können, hat die Rolle des Journalismus als kritische Institution in der Demokratie nicht verstanden.” Holger Klein spricht im “Übermedien”-Podcast mit der ZDF-Journalistin Winnie Heescher, die diese Praxis ebenfalls kritisiert hat.

5. Nicht zu ignorieren
(taz.de, Wilfried Urbe)
Eine Studie der Landesanstalt für Medien NRW zeige, dass Minderjährige oft unfreiwillig auf pornografische Inhalte im Internet stoßen, und dass dies einen erheblichen Einfluss auf ihre Sexualität und ihr Sexting-Verhalten hat. Die Behörde versuche, Portale wie “Pornhub” und “Xhamster” zur Einführung von Altersverifikationssystemen für den deutschen Markt zu verpflichten, stoße dabei aber auf rechtliche und technische Hürden. Eine entsprechende Regelung könne wohl nur auf EU-Ebene eingeführt werden.

6. Die neue Karlsruher Wochenvorschau
(lto.de, Christian Rath)
Wie Christian Rath bei “Legal Tribune Online” berichtet, hat das Bundesverfassungsgericht am 1. September eine neue Pressestrategie eingeführt. Dazu gehöre, dass jeden Freitag um 9:30 Uhr ein “Wochenausblick” publiziert werde, in dem die Entscheidungen angekündigt werden sollen, die in der folgenden Woche per Pressemitteilung veröffentlicht werden sollen. Die bisherige Praxis der Vorabinformation ausgewählter Journalistinnen und Journalisten werde eingestellt, den Pressemitteilungen werde eine etwa einseitige Zusammenfassung in allgemeinverständlicher Sprache vorangestellt.

KW 35/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Verdachtsberichterstattung im Fokus – was dürfen Journalisten?
(br.de, Ingo Lierheimer, Audio: 27:57 Minuten)
Der Medienpodcast von BR24 diskutiert die Grenzen der Verdachtsberichterstattung im Journalismus, die es Medien erlaubt, über Fälle zu berichten, auch wenn diese noch nicht gerichtlich geklärt sind. Als Beispiele werden die Beiträge über den stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger, die Band Rammstein und den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff genannt. Die Diskussionsteilnehmer, darunter Daniel Drepper, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, sowie der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Frank Überall, erörtern die ethischen und rechtlichen Aspekte.

2. “Clans”: Mediendebatte um einen (Kampf-)Begriff
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 35:16 Minuten)
In der aktuellen Folge des Medienpodcasts “quoted” sprechen Nadia Zaboura und Nils Minkmar über die Entwicklung des “Clan”-Begriffs in Medien: “Wie ist er zu einem medialen Dauerbrenner in unzähligen TV-Dokus, Sachbüchern und Schlagzeilen geworden? Wie sieht die Berichterstattung über kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien wirklich aus? Und würde ein Verzicht auf den umstrittenen Begriff die damit beschriebene Kriminalität wirklich verharmlosen?” Als Gast haben sich Zaboura und Minkmar den Soziologen Özgür Özvatan vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung eingeladen.

3. Warum TRIGGER-Warnungen oft triggern
(youtube.com, Filmanalyse, Wolfgang M. Schmidt, Video: 27:33 Minuten)
Unter einer Triggerwarnung versteht man eine Warnung vor möglichen auslösenden Reizen (Triggern). Traumatisierte Menschen sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, selbst zu entscheiden, ob sie sich den eventuell belastenden Inhalten aussetzen wollen. Der gut gemeinte Hinweis werde immer weiter ausgedehnt und umfasse mittlerweile auch Mikroaggressionen und überholte Stereotype, findet Wolfgang M. Schmitt und führt diese Ansicht in seiner “Filmanalyse” weiter aus.

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4. Mit Aktivismus in den Burnout?
(ndr.de, Daniel Bröckerhoff, Video: 24:33 Minuten)
Wer für eine Sache brennt, kann auch ausbrennen. Sogenannte Sinnfluencer sind in dieser Hinsicht womöglich besonders gefährdet. Daniel Bröckerhoff hat sich für seinen “Zapp”-Film mit Betroffenen über deren Erfahrungen unterhalten: mit der Nachhaltigkeitsaktivistin Louisa Dellert, der Krankenschwester und Pflegeaktivistin Franzi Böhler und dem queeren, veganen Arzt Aljosha Muttardi. Bröckerhoff hat dabei fünf Ursachen herausgearbeitet, warum das Leben als Sinnfluencer mental so anstrengend sei.

5. Was Dokufilme nicht zeigen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 37:37 Minuten)
Der Deutschlandfunk greift regelmäßig Kritik von Hörerinnen und Hörern auf und diskutiert sie im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss”. Diesmal kommt eine Hörerin zu Wort, die der Meinung ist, dass in Afrika-Dokumentationen “immer das Gleiche” gezeigt werde. Stimmt ihr Eindruck? Darüber diskutiert die Hörerin mit dem Filmemacher Jide Akinleminu, Arte-Redakteur Uwe Lothar Müller und Deutschlandfunk-Redakteurin Annika Schneider.

6. LNP466 Wodka Red Bull
(logbuch-netzpolitik.de, Tim Pritlove & Linus Neumann, Audio: 2:02:58 Stunden)
Julian Hessenthaler war einer der Köpfe hinter dem sogenannten “Ibiza”-Video, das einen der größten politischen Skandale Europas auslöste und in Österreich zum Bruch der Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ führte. Im “Logbuch Netzpolitik” erzählt Hessenthaler die ganze Geschichte mit dem großen Schlimmen und ihren vielen kleinen trivialen und absurden Nebenaspekten noch einmal und verrät, warum eine Veröffentlichung in österreichischen Medien nicht in Frage kam.

Keine Mikrofonhalter, Unklare Zukunft, Antifeminismus-Doku

1. “Wir sind keine Mikrofonhalter”
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert, dass die Bundesregierung nur noch Erklärungen an die Medien herausgebe und keine Fragen der Journalistinnen und Journalisten beantworte. Der DJV bezeichnet dies als eine “kommunikativen Einbahnstraße”. Die Medien hätten ein Recht auf Information: “Wir sind keine Mikrofonhalter. Wer glaubt, so mit den Medien umgehen zu können, hat die Rolle des Journalismus als kritische Institution in der Demokratie nicht verstanden”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

2. Wenn Medien als Gegner wahrgenommen werden
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sebastian Wellendorf, Audio: 7:43 Minuten)
Der Deutschlandfunk greift eine Studie der Universität Hohenheim auf, die zeige, dass etwa ein Fünftel der Deutschen ein rechtspopulistisches Weltbild habe und sich von klassischen Nachrichtenmedien fernhalte. Etwa ein Viertel der Befragten sei der Meinung, “Medien und die Politik arbeiten Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren”, und: “Medien bringen nur, was die Herrschenden vorgeben”. Wie können Medien dem entgegnen? Indem sie zum Beispiel Positionen und politische Prozesse besser erklären, so der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.

3. Unbequeme Wahrheiten aussprechen
(taz.de, Leif Kramp & Stefan Weichert)
In der “taz” plädieren Leif Kramp und Stefan Weichert für einen Journalismus, der sich stärker am Gemeinwohl orientiert und weniger an Reichweite und Klicks: “Wir brauchen einen neuen ‘alten’ Journalismus, der sich an ethischen Grundtugenden und demokratischen Werten orientiert, der die Menschen dadurch überzeugen kann, dass er ganzheitlich und transparent agiert, dass er Kontexte diskutiert. Und dass er sich frei von Abhängigkeiten macht – von Geldgebern, ökonomischen Launen, politischen Einflüssen und den digitalen Infrastrukturen des US-amerikanischen Tech-Kapitalismus.”

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4. Beten wir für eine bessere Doku über Antifeminismus
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Eine “Y-Kollektiv”-Doku geht der Frage nach, was Antifeminismus mit rechter Ideologie zu tun hat. Ein wichtiges Thema, wie Lisa Kräher bei “Übermedien” findet, dessen filmische Umsetzung jedoch von starker Kritik begleitet werde. Kräher hat sich die Kritik an der Doku angesehen und sortiert, was daran aus ihrer Sicht berechtigt ist und was nicht.

5. Unklare Zukunft für “Meedia” und “Blickpunkt Film”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, steht der Verlag hinter den Redaktionen von “Meedia” und “Blickpunkt Film” unter der Kontrolle eines Insolvenzverwalters, die Zukunft der Medienmarken sei ungewiss. Ursprünglich habe die Geschäftsführung versucht, das Unternehmen in Eigenregie zu sanieren, was sich jedoch als aussichtslos erwiesen habe.

6. Schülerzeitungen als Teil der Demokratie
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Der Schülerzeitungswettbewerb in Brandenburg für das Jahr 2022/2023 habe ungewöhnlich wenige Einsendungen, mit nur 17 teilnehmenden Zeitungen von Schülerinnen und Schülern. Brandenburgs Bildungsminister Steffen Freiberg und Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke betonten die wichtige Rolle dieser Zeitungsprojekte für die demokratische Mitbestimmung und Meinungsbildung an Schulen. Beim Wettbewerb habe ein besonderes Augenmerk auf dem Thema Urheberrecht bei redaktionell verwendeten Fotos gelegen. Die Liste aller Preisträger gibt es hier (PDF).

Ex-BSI-Chef vs. ZDF, Minderjährige und Pornos, Websites sperren KI aus

1. Ehemaliger BSI-Chef Schönbohm will 100.000 Euro vom ZDF
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nachdem Jan Böhmermann ihm in einer Folge des “ZDF Magazin Royale” eine zu große Nähe zu einem Verein mit angeblichen Kontakten zum russischen Geheimdienst vorgeworfen hatte, fordert Arne Schönbohm, ehemaliger Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), 100.000 Euro Entschädigung vom ZDF. Schönbohms Anwalt argumentiere, dass das ZDF den Ruf und die Karriere seines Mandanten zerstört habe. Das ZDF habe die Forderungen jedoch zurückgewiesen.

2. Mehr als ein Drittel der Minderjährigen hat Pornos gesehen
(spiegel.de)
Eine von der Landesanstalt für Medien NRW in Auftrag gegebene Studie zeige, dass mehr als ein Drittel der Minderjährigen zwischen 11 und 17 Jahren schon einmal pornografische Filme gesehen hat, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Der Konsum von Pornografie beeinflusse das Verhalten von Kindern und Jugendlichen: “Fast die Hälfte der Jungen gab an, dass sie beim Versenden erotischer Nachrichten Handlungen oder Begriffe verwendeten, die sie aus den Pornos kennen (46 Prozent). Bei Mädchen sei dieser Zusammenhang deutlich schwächer ausgeprägt (17 Prozent).”

3. Rechtsextreme sind keine guten Interviewpartner*innen.
(neuemedienmacher.de)
Der Artikel auf neuemedienmacher.de diskutiert, wie Journalistinnen und Journalisten verantwortungsvoll über die AfD und rechtsextreme Gruppierungen berichten können. Die “Neuen deutschen Medienmacher*innen” betonen, wie wichtig es sei, marginalisierte Gruppen in den Fokus zu rücken, und warnen davor, antidemokratischen Akteuren eine Plattform zu bieten. Außerdem gibt es fünf konkrete Tipps für die Berichterstattung über Rechtsextreme, darunter die Notwendigkeit von Kontextualisierung und Transparenz.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 224
(netzwerkrecherche.org, Anna Behrend)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. In der aktuellen Ausgabe stimmt Anna Behrend die Leserinnen und Leser auf die kommenden Konferenzwochen ein und verrät ihre Tipps des Monats. Außerdem gibt es wie gewohnt einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Wie der Konstruktive Journalismus gegen die Nachrichtenmüdigkeit wirken kann
(de.ejo-online.eu, Pauline Wörsdörfer)
Pauline Wörsdörfer geht der Frage nach, ob der Konstruktive Journalismus ein Mittel zur Bekämpfung der sogenannten Nachrichtenmüdigkeit sein kann. Konstruktiver Journalismus konzentriere sich auf Lösungsansätze und positive Perspektiven, um die Leserschaft zu ermutigen und gesellschaftliche Probleme anzugehen. Studien würden zeigen, dass diese Form des Journalismus bei den Leserinnen und Lesern positive Emotionen auslöse und so der Nachrichtenmüdigkeit entgegenwirken könne.

6. Bild, Spiegel, Amazon.de: Reichweitenstarke deutsche Websites sperren OpenAI’s GPT Bot aus
(omr.com, Roland Eisenbrand)
Roland Eisenbrand beschäftigt sich mit den Überlegungen von Websitebetreibern, wie man mit Künstlichen Intelligenzen (KI) wie ChatGPT umgehen soll. Viele große deutsche Medienhäuser und Marken hätten bereits Maßnahmen ergriffen, um den GPT Bot der Firma OpenAI von ihren Seiten fernzuhalten.

Equal-Pay-Streit, Schweigen und weitermachen, Zensur-Browser

1. ZDF einigt sich mit Journalistin
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Annika Schneider, Audio: 8:09 Minuten)
Nach achtjährigem Rechtsstreit haben sich die Journalistin Birte Meier und ihr ehemaliger Arbeitgeber ZDF in einem Equal-Pay-Streit auf einen Vergleich geeinigt. Meier verklagte das ZDF, nachdem sie herausgefunden hatte, dass sie deutlich weniger Geld verdiente als ihre männlichen Kollegen mit gleichen Aufgaben und gleichem Status als fest-frei Beschäftigte. Die genaue Vergleichssumme wurde nicht veröffentlicht, der Fall gelte aber als wichtiger Schritt im Kampf um Lohngerechtigkeit.
Siehe dazu auch die Stellungnahme der am Verfahren beteiligten Gesellschaft für Freiheitsrechte: “Equal Pay: Jahrelanger Rechtsstreit mit ZDF endet mit Vergleich”.

2. Schweigen und weitermachen
(taz.de, Florian Bayer)
Wie vor eineinhalb Wochen in den “6 vor 9” zu lesen war, sind die ORF-Nachrichten auf zwei prorussische Propagandavideos hereingefallen. Die Aufnahmen seien fälschlicherweise als Beispiele für Zwangsrekrutierungen in der Ukraine ausgestrahlt worden, sollen aber unter anderem die Festnahme eines russischen FSB-Spions gezeigt haben. Florian Bayer kritisiert in der “taz” den seiner Meinung nach wenig souveränen Umgang des österreichischen Senders mit dem Fehler.

3. Neues Gesetz in Frankreich will Browser zur Zensur verpflichten
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Ein in Frankreich geplantes Gesetz soll Webbrowser dazu verpflichten, von der Regierung erstellte Sperrlisten zu implementieren, um bestimmte Webseiten zu blockieren. Mozilla, die Stiftung hinter dem Firefox-Browser, warne davor, dass diese Maßnahme autoritären Regimen die Zensur erleichtern und die bisherige Zensur von der Ebene der Internet Service Provider auf die Ebene der Browser verlagern könnte. Die Mozilla Foundation habe daher eine Petition gegen den Gesetzesentwurf gestartet.

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4. 50 Jahre Bildung!
(medienbildungshub.de)
Der Artikel auf medienbildungshub.de beleuchtet die 50-jährige Geschichte des Grimme-Instituts, das 1973 als Adolf-Grimme-Institut gegründet und von seinem Gründer Bert Donnepp als “Modellversuch im Bildungswesen” bezeichnet wurde. Neben der Verleihung des Grimme-Preises betreibt das Institut unter anderem wissenschaftliche Forschung zu Medien und Bildung und beschäftigt sich mit den Herausforderungen neuer Medientechnologien.

5. X erlaubt in den USA wieder politische Werbung
(zeit.de)
Die ehemals als Twitter bekannte Online-Plattform X hebt das 2019 vom damaligen Twitter-Chef eingeführte Verbot politischer Werbung in den USA auf. Das Unternehmen betont, dass es Regeln für die bezahlte Verbreitung politischer Botschaften geben werde, einschließlich des Verbots falscher oder irreführender Informationen. Auch die Sicherheitsabteilungen der Plattform würden ausgebaut. Vor nicht allzu langer Zeit hatte es auch dort einen massiven Stellenabbau gegeben.

6. Spiegel-Gruppe übernimmt RTL-Anteile an “11 Freunde”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” unter Bezug auf eine “Spiegel”-Meldung berichtet, hat die “Spiegel”-Gruppe die Mehrheitsanteile am Fußballmagazin “11 Freunde” übernommen, die zuvor von Gruner + Jahr beziehungsweise RTL gehalten wurden. Die Übernahme soll nach Zustimmung der Kartellbehörden vollzogen werden, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. “Spiegel” und “11 Freunde” wollen unabhängig voneinander arbeiten, aber Synergien bei digitalen Produkten, Vertrieb und Werbung nutzen.

Radio-Razzia rechtswidrig, Kritik an “SZ”, Auf ein Stück Erdbeertorte

1. Razzia bei Radio Dreyeckland war rechtswidrig
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wie netzpolitik.org berichtet, habe das Landgericht Karlsruhe die Hausdurchsuchungen beim Freiburger Sender Radio Dreyeckland (RDL) letztinstanzlich für rechtswidrig erklärt. Dies hätten der Sender und die juristisch beteiligte Gesellschaft für Freiheitsrechte mitgeteilt. Die Durchsuchungen waren erfolgt, nachdem RDL einen Link zum Archiv der 2017 verbotenen Internetseite linksunten.indymedia.org veröffentlicht hatte. Das Gericht habe betont, dass die Durchsuchungen mehrere Grundrechte verletzt hätten und eine einschüchternde Wirkung ausüben könnten.

2. Kritik an der Berichterstattung der SZ
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sören Brinkmann, Audio: 8:12 Minuten)
Am Samstag berichtete die “Süddeutsche Zeitung” über ein antisemitisches Flugblatt (nur mit Abo lesbar), das vor rund 35 Jahren in einem bayerischen Gymnasium gefunden und mit dem heutigen stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger in Verbindung gebracht wurde. Aiwanger bestreitet, das Flugblatt verfasst zu haben. Stattdessen sagt sein Bruder, er sei der Urheber. Die Art der Berichterstattung hat Kritik hervorgerufen. Stefan Niggemeier erklärt im Interview mit dem Deutschlandfunk, worum es im Einzelnen geht und was die “Süddeutsche” seiner Meinung nach hätte besser machen können.

3. Auf ein Stück Erdbeertorte bei ganz normalen Leuten
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Bei “Übermedien” kritisiert Lisa Kräher die Berichterstattung der “Zeit” über Menschen, die 2020 versucht haben, das Reichstagsgebäude in Berlin zu stürmen. Kräher bemängelt, dass die Redaktion den Beteiligten eine große Plattform biete, ohne deren Motive und Hintergründe ausreichend kritisch zu hinterfragen. Sie argumentiert, dass die Darstellung verharmlosend wirken könne und die tatsächlichen Probleme nicht angemessen adressiere. Besonders kritikwürdig seien aus ihrer Sicht die von der “Zeit” in deren Social-Media-Kanälen verwendeten Zitatkacheln.

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4. “Hier findet Entgrenzung statt”
(taz.de Wilfried Urbe)
Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, spricht im Interview mit der “taz” über die Herausforderungen von Hass und Desinformation im Internet. Er betont, dass die Gesellschaft zunehmend Verantwortung übernehme, indem sie entsprechende Hassbotschaften melde. Die NRW-Initiative “Verfolgen statt nur Löschen” habe bereits zu zahlreichen Ermittlungsverfahren und Verurteilungen geführt: “Nachdem wir 2018 starteten, haben wir inzwischen 1.500 Anzeigen an das LKA NRW beziehungsweise das BKA weitergeleitet. Daraus sind 900 Ermittlungsverfahren entstanden und 400 Beschuldigte identifiziert worden. Aktuell laufen 52 Anklagen, bisher kam es zu 38 Verurteilungen.”

5. Länder wollen Intendantengehalt im RBB-Staatsvertrag deckeln
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Wie Joachim Huber beim “Tagesspiegel” berichtet, sieht der neue Staatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) eine Gehaltsobergrenze für die Intendanz von 180.000 Euro vor – deutlich weniger als das derzeitige Gehalt der Senderchefin Katrin Vernau von 295.000 Euro. Die Ziele der Reform seien eine bessere Kontrolle, höhere Wirtschaftlichkeit und mehr Transparenz im Sender. Neben der Gehaltskürzung seien auch strukturelle Veränderungen wie die Verschlankung der Senderspitze und die Professionalisierung der Aufsichtsgremien geplant.

6. Youtuber sind keine Journalisten
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert ein Urteil des Verwaltungsgerichts Minden, das einen Youtuber mit professionellen Journalistinnen und Journalisten gleichstelle. Das Gericht habe laut “FAZ” entschieden, dass es für die unterstellte Pressetätigkeit ausreichend sei, einen Youtube-Kanal zu haben, und die Reichweite des Kanals dabei unerheblich sei. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall findet das befremdlich und “verhaltensoriginell”. Er fragt unter der etwas generalisierend wirkenden Überschrift “Youtuber sind keine Journalisten”: “Wie will man eigentlich noch journalistische Angebote von lustigen Katzenvideos und anderem Klamauk unterscheiden?”

Doppelter Schirach, “Bravo” und die Fußballer, KI in der Medienaufsicht

1. “Auf die Community angewiesen”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Das feministische “Missy Magazine” feiert sein 15-jähriges Bestehen, steht aber vor finanziellen Herausforderungen. Die Produktionskosten seien aufgrund der Papierkrise und der Inflation gestiegen, die Inflation habe gleichzeitig zu “signifikant mehr Abokündigungen” im ersten Halbjahr 2023 geführt. Carolina Schwarz hat sich mit den beiden “Missy”-Chefinnen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihres Magazins unterhalten.

2. Der doppelte Schirach
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der bekannte Autor Ferdinand von Schirach hat ein neues Buch veröffentlicht und wurde vom “Stern” interviewt. Das Gespräch weise jedoch viele Ähnlichkeiten mit einem früheren Interview von Schirach im “SZ-Magazin” auf, beobachtet Stefan Niggemeier, sowohl in den Zitaten des Autors als auch in der Darstellung. Niggemeier kommentiert: “Verblüffenderweise ist jedes der Zitate, die der ‘Stern’ in seinem Schirach-so-privat-wie-noch-nie-Artikel besonders hervorhebt, eines, das sich mehr oder weniger wörtlich schon im ‘SZ-Magazin’ fand.”

3. Das BKA nutzt KI in der Medienaufsicht
(verdi.de, Günter Herkel)
Die Medienwächter der Landesanstalt für Medien NRW kooperieren seit Mai 2022 mit dem Bundeskriminalamt; diese Kooperation sei inzwischen auf alle Medienanstalten in Deutschland ausgeweitet worden. Bei dem Versuch, Kriminalität, Hass und Hetze im Internet zu bekämpfen, komme auch eine Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz: Die Software KIVI sucht online nach strafbaren Inhalten. Es gebe jedoch Bedenken hinsichtlich der Effektivität des Tools, möglicher Voreingenommenheit der KI und einer eventuellen Ausweitung des Einsatzes in autoritären Systemen. Günter Herkel hat Stimmen und Argumente zusammengetragen.

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4. Internetseiten mit “SEO-freundlich” umgeschriebenen Nachrichten von KI entdeckt
(heise.de, Martin Holland)
Im Internet tauchen immer mehr Websites auf, die von KI-Textgeneratoren umgeschriebene Nachrichten etablierter Medien veröffentlichen, um Einnahmen aus Online-Werbung zu erzielen. Dies habe die US-amerikanischen Firma NewsGuard festgestellt und darauf hingewiesen, wie schwierig es sei, derartige Inhalte zu identifizieren – es sei denn, der umgeschriebene Text enthalte Phrasen von Chatbots wie ChatGPT, die nicht entfernt wurden (beispielsweise: “Note: As an AI language model, I don’t have personal preferences or opinions. I have just tried to rephrase the title in a grammatically correct and alternative way.”).

5. Die Uhr tiktokt
(zeit.de, Pauline Schinkels)
TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer in der Europäischen Union können künftig personalisierte Vorschläge ausschalten und stattdessen regional oder international beliebte Videos sehen. Dieser Schritt sei eine Reaktion auf den Digital Services Act der EU, der Online-Plattformen zu mehr Transparenz und Kontrolle durch die User verpflichte. Trotz der Möglichkeit, den personalisierten Feed abzuschalten, erwarte der Medienforscher Stephan Dreyer, dass viele weiterhin die personalisierten Empfehlungen bevorzugen werden, da diese relevanter und ansprechender seien. Pauline Bartels fasst in ihrem Beitrag zusammen, was an TikTok sonst noch kritisiert wird.

6. Nicht warm, son­dern heiß
(11freunde.de, Andreas Bock)
Andreas Bock beschreibt bei “11 Freunde”, wie Fußballer in den 1970er-Jahren auch durch die Jugendzeitschrift “Bravo” zu Teenie-Schwärmen wurden. Insbesondere Hansi Müller gewann mehrfach den “Bravo Otto”, eine Trophäe, die bis dahin vor allem an Schauspieler und Musiker vergeben worden sei. Aber auch andere Fußballspieler wie Karl-Heinz Rummenigge seien von der Jugendzeitschrift mit viel medialer Aufmerksamkeit bedacht worden.

KW 34/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Sollten Medien das Wort “Clan-Kriminalität” streichen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:11 Minuten)
Die “Frankfurter Rundschau” (“FR”) hat beschlossen, den Begriff “Clan-Kriminalität” nur noch in Ausnahmefällen zu verwenden, da er Menschen stigmatisiere und “politisch missbraucht” werde (siehe die “6 vor 9” vom 16. August). Die Entscheidung wurde maßgeblich von der “FR”-Volontärin Yağmur Ekim Çay beeinflusst, die betont, dass Journalisten und Journalistinnen darauf achten sollten, wie sie über Themen sprechen und welche Begriffe sie verwenden. Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit ihr darüber, wie das Thema auf die Agenda kam, wie die redaktionsinterne Diskussion und die Entscheidungsfindung verliefen und welche Reaktionen es gab.

2. Clickworker – Ausgebeutet für künstliche Intelligenz
(swr.de, Christian Kretschmer, Audio: 28:45 Minuten)
Diese Woche empfahlen wir in den “6 vor 9” einen tagesschau.de-Beitrag von Christian Kretschmer über die Rolle und Situation von Clickworkern bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). Clickworker, oft aus Ländern wie Kenia oder Kolumbien, trainieren Maschinen, indem sie Daten für KI-Systeme sammeln, und sind oft prekären Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen ausgesetzt. Trotz ihrer entscheidenden Rolle bei der Entwicklung von KI berichten viele von Ausbeutung, Perspektivlosigkeit und intensiver digitaler Überwachung. Im SWR-Beitrag kann man Kretschmer auf seiner Recherchereise nach Kenia begleiten, wo er mit zahlreichen Betroffenen gesprochen hat.

3. Sechs Frauen werfen «Republik»-Reporter sexuelle Belästigung vor
(srf.ch, Salvador Atasoy & Oliver Kerrison, Audio: 28:48 Minuten)
In einer Spezialausgabe des SRF-Medientalks geht es um mutmaßliche sexuelle Belästigungen durch einen bekannten Schweizer Journalisten und die Folgen für die Betroffenen. Die Recherche beleuchtet die “Strukturen hinter den mutmaßlichen Übergriffen” und diskutiert, warum die Betroffenen bisher gezögert haben, rechtliche Schritte einzuleiten. Dabei wird ausdrücklich betont, dass bei allem die Unschuldsvermutung gilt.

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4. Zwischen Milliardengeschäft und öffentlichem Anspruch – Sportübertragungen im TV
(ardaudiothek.de, BR24 Medien, Ingo Lierheimer, Audio: 24:41 Minuten)
Es ist ein krasses Ungleichgewicht: Während die TV-Rechte der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft der Männer rund 200 Millionen Euro einbrachten, waren es für die TV-Rechte der Fußball-WM der Frauen vergleichsweise magere, geschätzte fünf Millionen Euro. Das BR24-Medienmagazin wirft einen Blick auf das Geschäft mit den Übertragungsrechten von Sportereignissen und die offensichtliche Schieflage. Der Medienwissenschaftler Thomas Horky bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass es im deutschen Sportfernsehen vor allem drei Sportarten gebe: “Fußball, Fußball und Fußball”.
Weiterer Hörtipp: Bundesliga: Profitabel dank TV-Rechten (deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 23:53 Minuten).

5. Medien im Exil – Freier Journalismus nach dem russischen Angriffskrieg
(deutschlandfunk.de, Axel Schröder, Audio: 18:58 Minuten)
Die Deutschlandfunk-Sendung “Hintergrund” thematisiert die schwierige Situation kremlkritischer Medien, die in Russland unter enormem Druck stehen und denen oft nur der Weg ins Exil bleibt. Es kommen russische Medienmacher und -macherinnen sowie Betroffene zu Wort, die unter abenteuerlichen und prekären Umständen ins Ausland übersiedeln mussten.

6. Videospiele und Journalismus? Die Gamescom in Köln
(sr.de, Thomas Bimesdörfer & Florian Mayer, Audio: 20:12 Minuten)
Anlässlich der in Köln stattfindenden Gamescom, der größten Videospielmesse der Welt, hat sich die SR-Mediensendung “Cross und Quer” mit Heiko Klinge, Chefredakteur des Videospielmagazins “GameStar”, über das Thema “Videospiele und Journalismus” unterhalten: Wo stehen Videospiele gesellschaftlich aktuell? Wie hat sich die Branche verändert? Und wie passt da der Journalismus rein?

Strafanzeige gegen Reichelt, Vom Winde verdreht?, Causa Mockridge

1. NDR erstattet Strafanzeige gegen Julian Reichelt
(spiegel.de, Anton Rainer)
Wie der “Spiegel” berichtet, hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt gestellt. Der NDR werfe Reichelt vor, in einem früheren Prozess gelogen zu haben, als er eidesstattlich versicherte, keine “diversen Affären” mit Mitarbeiterinnen des Springer-Konzerns gehabt zu haben. Als Beweis führe der NDR die eidesstattliche Versicherung einer betroffenen Frau an, die ihre Angaben durch einen Chatverlauf zwischen ihr und Reichelt bestätigt sieht.

2. Vom Winde verdreht? Mediale Narrative über Windkraft, Naturschutz und Energiewandel
(otto-brenner-stiftung.de, Georgiana Banita)
Die Kulturwissenschaftlerin Georgiana Banita hat im Auftrag der Otto Brenner Stiftung untersucht (PDF), wie Qualitätszeitungen “über klimapolitische Hoffnungen, ökonomische Erwartungen, wissenschaftliche Notwendigkeiten und umwelt- beziehungsweise gesundheitspolitische Bedenken” im Kontext der Windenergie berichten. Banita identifiziert “wiederkehrende Narrative, Mythen und Verzerrungen in der Berichterstattung” und betont, dass die mediale Debatte um Windenergie als Kulturkampf geführt werde.

3. Mockridge gegen “Spiegel”: Jetzt geht’s erst richtig los
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der “Spiegel” veröffentlichte im September 2021 einen Artikel über den Comedian Luke Mockridge, in dem Vergewaltigungsvorwürfe einer Ex-Freundin thematisiert wurden. Mockridge ging juristisch gegen die Berichterstattung vor und war im sogenannten Verfügungsverfahren zunächst erfolgreich, wodurch wesentliche Teile des Artikels verboten wurden. Nun beginne das Hauptsacheverfahren, in dem es auch um die Frage geht, wie ausgewogen und sorgfältig das Nachrichtenmagazin berichtet hat. Timo Niemeier ordnet den Rechtsstreit und seine möglichen Folgen ein.

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4. Ein Schuss, kein Tor, die Bayern
(uebermedien.de, Andrej Reisin)
Bei “Übermedien” beschäftigt sich Andrej Reisin mit einem Vorfall, bei dem während des Bundesligaspiels zwischen dem FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach ein Polizist einen Schuss abgegeben haben soll, der einen leeren Transporter eines Fanclubs traf. Die meisten Medienberichte dazu stützten sich auf eine Pressemitteilung der Polizei, die den Schuss als unbeabsichtigt darstellte und von vier verletzten Beamten berichtete. Reisin kritisiert die unkritische Übernahme der Polizeidarstellung durch viele Redaktionen und betont, dass solche Vorfälle einer genaueren Untersuchung und Berichterstattung bedürfen, insbesondere wenn die Polizei selbst involviert ist.

5. Schluss mit Willkürhaft
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die nach einem Geheimprozess beschlossene Verlängerung der Untersuchungshaft für Evan Gershkovich, Korrespondent des “Wall Street Journal” in Moskau. Gershkovich, dem die russischen Behörden Spionage vorwerfen, soll weitere drei Monate im berüchtigten Lefortowo-Gefängnis bleiben. Der stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster kritisiert die Vorwürfe als absurd und sieht Gershkovich “als Bauernopfer für die diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Russland”.
Weiterer Lesetipp: Im Interview mit der “Jungle World” berichtet die russische Investigativjournalistin Jelena Kostjutschenko über ihre mutmaßliche Vergiftung und ihre Erfahrungen mit dem russischen Geheimdienst. Bemerkenswert ist ihre Antwort auf die Frage, ob sich ihre Einstellung zu Russland in den vergangenen eineinhalb Jahren geändert habe: “Nein. Ich liebe mein Land, ich möchte dort leben und arbeiten. Für mich sind Russland und diejenigen, die versucht haben, mich zu töten, nicht ein und dasselbe. Es ist dumm und sinnlos, Journalisten zu töten. Der Journalismus bildet nur die Realität ab, und die verändert sich nicht durch die Ermordung von Journalisten.”

6. Wie Klickarbeiter in Kenia ausgebeutet werden
(tagesschau.de, Christian Kretschmer)
Tagesschau.de beschäftigt sich mit der Rolle und der Situation von Clickworkern bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). Die Klickarbeiter, oft in Ländern wie Kenia oder Kolumbien ansässig, trainieren Maschinen, indem sie Daten für KI-Systeme sammeln, sind aber oft prekären Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen ausgesetzt. Trotz ihrer entscheidenden Rolle bei der Entwicklung von KI berichten viele von Ausbeutung, Perspektivlosigkeit und intensiver digitaler Überwachung: “Es hat etwas von Sklavenarbeit. Denn die Menschen hier haben keine andere Wahl. Es gibt kaum Jobs”, so ein Betroffener.

24-Stunden-Frist, DLF bedauert Gewaltaufruf, Gelöschte Kritik

1. ver.di kritisiert Kanzleramt wegen 24-Stunden-Frist zur Kommentierung des BND-Gesetzes
(dju.verdi.de, Daniela Milutin)
Das Bundeskanzleramt habe betroffenen Verbänden und Organisationen, einschließlich der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, lediglich 24 Stunden Zeit gegeben, um den Referentenentwurf zur Überarbeitung des BND-Gesetzes zu kommentieren. Christoph Schmitz, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, kritisiert diese kurze Frist und betont, dass das BND-Gesetz die Rechte von Journalistinnen und Journalisten nicht ausreichend schütze, was bereits zu Kritik vom Bundesverfassungsgericht geführt habe. Die dju fordert das Kanzleramt auf, die Frist zur Stellungnahme anzupassen und die Verbände angemessen zu beteiligen.
Weiterer Lesehinweis: Bundeskanzleramt simuliert Verbändebeteiligung mit 24-Stunden-Frist (netzpolitik.org, Markus Reuter).

2. LinkedIn löscht sachliche Kritik an AfD
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie netzpolitik.org berichtet, hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch auf LinkedIn vor einer Zusammenarbeit mit der AfD gewarnt. Sein Beitrag sei daraufhin von der Plattform wegen angeblicher Hassrede gelöscht worden. Mesarosch klage nun mit Unterstützung der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) gegen die Löschung, da er die Maßnahme als Einschränkung seiner Meinungsfreiheit sieht. Die GFF argumentiert, dass Plattformen nicht willkürlich vorgehen dürfen und in Mesaroschs Beitrag keine Herabwürdigung zu erkennen ist.

3. Außergerichtlich geeinigt
(taz.de, Christian Rath)
Der Axel-Springer-Verlag und der geschasste “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt haben ihren arbeitsgerichtlichen Streit mit einem Vergleich beigelegt, wodurch Reichelt seine Abfindung von zwei Millionen Euro behalten könne. Der ursprünglich für den 15. November angesetzte Prozess sei abgesagt worden; die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Reichelt wegen Betrugs würden hingegen weiterlaufen. Die Kontroverse hatte mit Vorwürfen des Machtmissbrauchs gegen Reichelt begonnen. Als Gerüchte aufkamen, dass Reichelt nach seiner Entlassung anderen Medien Unterlagen aus seiner Springer-Zeit angeboten haben könnte, habe der Verlag die Abfindung infrage gestellt.

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4. DLF bedauert gesendeten Gewaltaufruf gegen Selenskyi
(dwdl.de, Manuel Weis)
Im Deutschlandfunk (DLF) wurde eine Hörermeinung ausgestrahlt, in der gefordert wurde, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj “lebendig zu vierteilen”. Diese Passage der Sendung “Kontrovers” sei mittlerweile entfernt worden, der Sender habe für den Vorfall um Entschuldigung gebeten. Der DLF habe die Ausstrahlung als “Fehler eines erfahrenen Redaktionsteams” bezeichnet und interne Gespräche angekündigt, um zu klären, wie es dazu kommen konnte.

5. Fußball-Experten ohne Distanz?
(deutschlandfunk.de, Constantin Eckner, Audio: 5:14 Minuten)
Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit dem Transferjournalismus, also der Berichterstattung über Spielerverkäufe im Profifußball (siehe dazu auch die “6 vor 9” vom 16. August). Das Interesse an den millionenschweren Deals sei immens, die journalistische Neutralität gerate dabei jedoch manchmal in den Hintergrund, so Sportjournalist Constantin Eckner: “Transfers sind gewiss ein besonderes Spektakel. Dieses mit ausreichender journalistischer Distanz zu beobachten, ist mitunter die größte Herausforderung.”

6. Die Formel 1 und das gute Gefühl, dass jederzeit etwas passieren könnte
(uebermedien.de, Sebastian Hotz)
Im Rahmen der “Übermedien”-Serie “Geheimen Leidenschaften” reflektiert Sebastian Hotz, bekannt als “El Hotzo”, seine Faszination für die Formel 1 trotz der offensichtlichen moralischen und ökologischen Bedenken, die der Sport mit sich bringe. Für ihn liege die Magie unter anderem “in den gewaltigen Anstrengungen, die Fernsehsender auf der ganzen Welt auf sich nehmen, um diesen Sport vollends zu vermarkten und aus perfekten Athleten, die in perfekten Autos perfekte Runden um perfekte Strecken drehen, irgendetwas aufregendes zu machen. Und darauf falle ich nur allzu gerne rein.”

Gluckernde Güllepumpe, Geseufztes Halleluja, Klimajournalismus

1. Andreas Ellermann und die Güllepumpe aus Trash
(uebermedien.de, Peter Breuer)
Bei “Übermedien” beschäftigt sich Peter Breuer mit der medialen Selbstvermarktung des Andreas Ellermann, der sich durch seine Beziehungen zu Prominenten wie Patricia Blanco und Nadja Abd el Farrag in die Schlagzeilen der Boulevardpresse katapultiert hat. Breuer kritisiert die Redaktionen für ihre Bereitschaft, Ellermanns Inszenierungen zu verbreiten und bezeichnet die Beziehung zwischen Ellermann und den berichtenden Medien als “Perpetuum mobile” und “gluckernde Güllepumpe aus Trash, die bereits mit minimaler Nährstoffanreicherung ein unfassbares Textwachstum düngt”.

2. Klimajournalismus – über Herausforderungen und Perspektiven eines zukunftsträchtigen Ressorts
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Die Klimajournalistin Annika Joeres spricht im Interview über die Entwicklung und Herausforderungen ihres Themenfeldes. Sie betont, dass Klimajournalismus nicht nur über physikalische Gesetzmäßigkeiten berichtet, sondern auch kritisch hinterfragt, welche politischen und wirtschaftlichen Interessen die Klimapolitik beeinflussen. Und sie hat einen Tipp für junge Journalistinnen und Journalisten: “Wer sich für den Klimajournalismus interessiert, sollte sich in die Europapolitik im Zusammenhang mit der Klimakrise einarbeiten. Da wird dringend Nachwuchs gebraucht!”

3. Ein geseufztes Halleluja zum Geburtstag: Wo steht Bild TV?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Mit großen Ambitionen startete der Springer-Konzern vor zwei Jahren sein Projekt “Bild TV”. Zum Jubiläum zieht Alexander Krei eine Zwischenbilanz. Die aktuellen Entwicklungen und Entscheidungen des Senders lassen in ihm Zweifel aufkommen, ob “Bild TV” langfristig in der Medienlandschaft bestehen kann: “In zwei Jahren steht die nächste Bundestagswahl an. Dass es dann noch einmal eine ‘Kanzlernacht’ bei Bild TV geben wird, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist da schon, dass dann mal wieder ein Film über das Schwarze Loch gesendet wird. Wenn überhaupt.”

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4. “Clankriminalität”: Berichten, aber wie?
(deutschlandfunk.de, Luise Sammann, Audio: 5:57 Minuten)
Im Deutschlandfunk geht es um die Berichterstattung über “Clankriminalität”. Obwohl das Wort von Medien und Polizei häufig verwendet werde, gebe es keine einheitliche Definition. Oft werde der Begriff mit einer bestimmten ethnischen Herkunft in Verbindung gebracht, was zu Diskriminierung und Pauschalisierung führen könne. Experten empfehlen, dass Redaktionen differenzierter berichten und auch nicht-kriminelle Familienmitglieder zu Wort kommen lassen sollten.

5. “Frankfurter Rundschau” ohne Tarif
(taz.de, Caspar Shaller)
Die “taz” berichtet über den Tarifkonflikt bei der “Frankfurter Rundschau” (“FR”). Die Gewerkschaften Verdi und DJV würden eine Rückkehr in die Tarifbindung fordern, was die Geschäftsführung des Blattes ablehne. Die “FR” sei vor zehn Jahren aus der Tarifbindung ausgestiegen, was dazu führe, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vergleich mehrere hundert Euro weniger im Monat bekämen. Die Eigentümerin der Zeitung, die Ippen-Gruppe, argumentiert, die “FR” könne sich höhere Gehälter nicht leisten, was die Gewerkschaftsvertreter bezweifeln. Sie fordern mehr Transparenz über die finanzielle Situation des Unternehmens.

6. Wenn Pointen von damals heute aufregen
(tagesspiegel.de, Ariane Bemmer)
Der WDR hat alte Sendungen von Otto Waalkes und Harald Schmidt in der eigenen Mediathek mit einem Hinweis versehen, dass einige Passagen heute als diskriminierend empfunden werden könnten. Dafür wurde der Sender in Sozialen Medien heftig kritisiert. Zu Unrecht, findet Ariane Bremmer. Sie spricht in diesem Zusammenhang von einem Akt der Rücksichtnahme: “Es wird damit nichts zensiert, es wird nichts ungeschehen gemacht, es wird nichts zurückgenommen.”

AfD in den Medien, Presserecht ausgehebelt, “Spiegel” vs. Steingart

1. Berichterstattung über die AfD: “Der Medienopfer-Mythos fruchtet bei ihren Anhängern”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
In einem Interview mit dem Kommunikationsberater Johannes Hillje beschäftigt sich der “Tagesspiegel” mit der Berichterstattung über die AfD und dem “Medienopfer-Mythos” der Partei. Hillje identifiziert rückblickend drei Phasen des journalistischen Umgangs mit der AfD: Erstens die mediale Verstärkung der rechtspopulistischen Rhetorik, zweitens eine Phase mit mehr journalistischer Verantwortung und drittens eine Phase der Orientierungslosigkeit, in der Medien wieder verstärkt über die AfD berichten. Er betont, dass die AfD die Normen der demokratischen Öffentlichkeit sprenge und einige Redaktionen nach wie vor Schwierigkeiten hätten, den Extremismus der Partei richtig einzuordnen.

2. Journalistenschelte überzogen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert die pauschalen Vorwürfe von Springer-Chef Mathias Döpfner gegen Journalistinnen und Journalisten. Döpfner hatte in einem Beitrag in der “Welt” Medienschaffenden, insbesondere jenen, die sich um den Politikbetrieb in Berlin kümmern, eine Mitschuld am Aufstieg der AfD gegeben und behauptet, sie würden zu Aktionismus und überzogenen moralischen Erwartungen an Politikerinnen und Politiker neigen. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall sagt, dass Döpfners Kritik in Einzelfällen zutreffen möge, sie zeichne aber insgesamt ein Zerrbild der Medienlandschaft.

3. Wenn Vereinsrecht Presserecht aushebelt
(verdi.de, Stefan Mey)
“In der deutschen Rechtsordnung gibt es also eine Hintertür, mit der sich eine Grundsäule des Rechtsstaats aushebeln lässt. Über ein wenig aufregend erscheinendes Gebiet namens Vereinsrecht lässt sich die Pressefreiheit hacken. Diese ‘Sicherheitslücke’ sollte dringend geschlossen werden.” Stefan Mey weist auf eine aus seiner Sicht gefährliche Schwachstelle unseres Rechtsstaates hin.

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4. Wie der “Spiegel” an Gabor Steingarts Bullshit scheiterte
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bei “Übermedien” beschäftigt sich Stefan Niggemeier mit einem Konflikt zwischen dem Nachrichtenmagazin “Spiegel” und dem Medien-Start-up “Media Pioneer” von Gabor Steingart. Der “Spiegel” kritisiere Steingarts Unternehmen und werfe ihm vor, dass Firmen und Vereine durch die Buchung von Steingarts “Medienschiff” für Veranstaltungen möglicherweise auch eine redaktionelle Vorzugsbehandlung erhalten könnten. Niggemeier stellt die Recherche des “Spiegel” infrage und betont, dass viele der vom “Spiegel” aufgeworfenen Punkte entweder irrelevant oder unbewiesen seien. Sein Fazit: “Die unendlich lange ‘Spiegel’-Geschichte ist vor allem ein erschütterndes Dokument einer gescheiterten Recherche.”

5. New York Times gegen ChatGPT
(deutschlandfunk.de, Doris Simon, Audio: 5:43 Minuten)
Die “New York Times” (“NYT”) soll eine Urheberrechtsklage gegen das US-Unternehmen OpenAI prüfen, das hinter der Künstlichen Intelligenz (KI) ChatGPT steht. Die KI sei auch mit Texten der “NYT” trainiert worden, so der Vorwurf. Doris Simon berichtet für den Deutschlandfunk aus Washington und weiß mehr über den Streit und seine möglichen Folgen.

6. Weniger Geld für Demokratie-Projekte?
(youtube.com, Monitor, Herbert Kordes & Till Uebelacker & Laurie Stührenberg, Video: 7:53 Minuten)
Die Bundesregierung plant, die Finanzierung von Projekten, die sich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus engagieren, zu kürzen. Hintergrund ist der Versuch, die sogenannte Schuldenbremse einzuhalten. Das treffe unter anderem die Organisation HateAid, die Betroffenen von rechter Hetze im Internet hilft, und die Bundeszentrale für politische Bildung mit zahlreichen Unterprojekten. Die Kürzungen seien ein falsches Signal und eine Gefahr für die Demokratie, kritisiert der “Monitor”-Beitrag.

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