Archiv für 6 vor 9

Irans Internetzensur, Milliarden-Begräbnis, Totgeschwiegene Promis

1. Wie wir die Internetzensur umgehen
(deutschlandfunk.de, Anh Tran & Brigitte Baetz)
Im Iran gehen immer mehr Menschen auf die Straße, um gegen das Regime zu protestieren. Vor allem in den Sozialen Medien kann man sehen, wie mutige Frauen sich öffentlich die Haare abschneiden oder ihre Hijabs vom Kopf reißen und verbrennen. Mittlerweile sperren Irans Herrscher rigoros Internetdienste, damit derartige Bilder nicht an die Öffentlichkeit gelangen, und sich die Leute nicht vernetzen können. Im Deutschlandfunk beschreibt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club, wie man Menschen im Iran einen anonymen Online-Zugang ins freie Internet verschaffen kann.
Weitere Lesehinweise: Bei der “taz” erklärt “NetBlocks”-Gründer Alp Toker, wie die Internet-Blockaden funktionieren, und welche Alternativen die Menschen haben. Der Deutsche Journalisten-Verband fordert Bundesaußenministerin Annalena Baerbock auf, sich bei der iranischen Regierung für die sofortige Freilassung aller inhaftierten Journalistinnen und Journalisten im Land einzusetzen.

2. Die totgeschwiegenen Promis
(faz.net, Harald Staun)
Der Philosoph Richard David Precht und der Soziologe Harald Welzer haben ihr neues medienkritisches Buch vorgestellt. Es trägt den Namen “Die vierte Gewalt – Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist”. Was die Resonanz betrifft, können die beiden Autoren nur gewinnen, findet Harald Staun: “Man wird, was immer man auch sagt, den beiden Denkern nur Recht geben können – sei es, indem man ihrer Diagnose von der ‘Einhelligkeit der veröffentlichten Meinung’ zustimmt; oder indem man ihnen widerspricht und damit die Intoleranz für abweichende Meinungen belegt, die sie beklagen.”

3. Scheinreferendum, hurra!
(t-online.de, Lars Wienand)
Bei den russischen Scheinreferenden in der Ost-Ukraine sind Recherchen von t-online.de zufolge mehrere Deutsche im Einsatz, darunter auch ein ehemaliger ARD-Moderator, der für allerlei Falschbehauptungen verantwortliche Betreiber der Seite “Anti-Spiegel” sowie ein langjähriger NDR-Redakteur. Letzterer hat inzwischen seinen Lehrauftrag an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft verloren.

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4. TikTok droht wegen möglicher Datenschutzverstöße Millionenstrafe
(zeit.de)
TikTok soll in Großbritannien zwischen 2018 und 2020 die Daten von Kindern ohne angemessene Einwilligung der Eltern verarbeitet haben. Dem Unternehmen drohe nun laut einer Mitteilung der britischen Datenschutzbehörde ICO eine Strafe in Höhe von 27 Millionen Pfund (etwa 30 Millionen Euro). TikTok habe der Einschätzung der Behörde widersprochen und eine Stellungnahme angekündigt.

5. Vor allem Bildung
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner und FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai stellten am Montag fünf Vorschläge für einen “modernen, leistungsfähigen und transparenten” öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor, die das Präsidium der Partei zuvor beschlossen hatte. Aurelie von Blazekovic fasst den Reform-Vorstoß für die “Süddeutsche” zusammen.

6. Wie “Oe24” und die “Krone” die Kosten für das Queen-Begräbnis maßlos in die Höhe schießen lassen
(kobuk.at, Elisabeth Kröpfl)
Wenn man den Angaben der österreichischen Boulevardredaktionen “Krone” und “Oe24” Glauben schenkt, hat das Queen-Begräbnis 6,8 Milliarden Euro gekostet. Elisabeth Kröpfl hat sich für das Medienwatchblog “Kobuk” angeschaut, wie es um die Mathematikfähigkeiten der beiden Blätter bestellt ist.

Rechnungshof rügt BR, Klagen gegen Netflix, Länder setzten Ultimatum

1. Teure Berater
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Der Bayerische Oberste Rechnungshof hat den Bayerischen Rundfunk wegen dessen Auftragsvergabe gerügt. Der BR habe bei Beratungsaufträgen in den Jahren 2015 bis 2020 teilweise gegen seine eigene Beschaffungsordnung verstoßen. In seiner Stellungnahme zum Prüfbericht habe der Sender der Kritik des Rechnungshofs beigepflichtet und angekündigt, seine Prüf- und Kontrollverfahren zu überarbeiten.

2. Länder setzen ARD und ZDF ein Ultimatum
(faz.net, Helmut Hartung)
Die Rundfunkkommission der Bundesländer ist sich einig: Die jüngst bekanntgewordenen Vorfälle in mehreren ARD-Anstalten würden “dem gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk schaden”. Nun fordern die Länder von den Sendern “finanzwirksame Selbstverpflichtungserklärungen” und eine Überarbeitung ihrer Aufsichts- und Compliancestrukturen.

3. Reizüberflutete Reizlieferanten? Resilienter Journalismus
(sr.de, Thomas Bimesdörfer, Audio: 14:51 Minuten)
Im Interview mit Thomas Bimesdörfer spricht Stephan Weichert, Leiter des “Vocer”-Instituts, über die von ihm und Matthias Daniel (Chefredakteur “journalist”) herausgegebene Essay-Sammlung “Resilienz im Journalismus”: Wie kann sich der Berufsstand gegen Reizüberflutung schützen und für einen konstruktiven Dialog in der Gesellschaft sorgen?

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4. Maria Lorenz-Bokelberg über Podcasts und Perspektiven.
(turi2.de, Tim Gieselmann)
Maria Lorenz-Bokelberg gilt mit ihrer Firma Pool Artists als Deutschlands erfolgreichste Podcast-Produzentin. Im “turi2”-Interview geht es um den beschwerlichen Einstieg (“Es lief zwei Jahre scheiße”), die Frage, wie viel “Family and Friends” im Unternehmen steckt, und die Entscheidung, eine Zusammenarbeit mit Springer auszuschließen. Lesenswert, weil tiefergehend.

5. Ein Politikerleben ohne Twitter ist möglich. Oder nicht?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Erst Robert Habeck, dann Kevin Kühnert, jetzt Jens Spahn – in letzter Zeit haben sich einige prominente Politiker von Twitter verabschiedet. Eine Tendenz, die Joachim Huber bedauert: “Sicher, das Diskursklima ist toxisch, mir will nur nicht in den Kopf, warum die Schreihälse, die Faktenverdreher, die Leugner und Verschwörungstheoretiker dadurch mehr Platz und Raum bekommen, dass die Vernünftigen und die Venunftbegabten diese räumen. Auf der Straße geht jeder für seine Überzeugungen demonstrieren, warum dann auch nicht im Netz?”

6. Zu falsch, um wahr zu sein?
(taz.de, Daniel Schütz)
Der Streaminganbieter Netflix wurde in Zusammenhang mit Biopics, also: Filmbiografien, diverse Male wegen Verleumdung verklagt – und zwar nicht von den im Zentrum des jeweiligen Films stehenden Hauptpersonen, sondern von Nebenfiguren. Daniel Schütz fragt sich, wie frei Fiktion mit Wahrheit umgehen darf und ob es nicht zumindest ein ethisches Gebot sein sollte, real existierende Personen vor fiktiven Zuschreibungen zu schützen, die negative Auswirkungen auf ihren Ruf haben könnten.

KW 38/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Die rbb-Affäre
(hinterdenzeilen.de, Niklas Münch & Tobias Hausdorf, Audio: 47:42 Minuten)
Niklas Münch und Tobias Hausdorf haben sich gefragt, wie die rbb-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter mit den Verfehlungen ihrer Führungsspitze umgehen. Sie haben deshalb Oliver Noffke aus dem rbb-eigenen Rechercheteam in ihren Podcast “Hinter den Zeilen” eingeladen. Und sie haben Stimmen gesammelt – zu Desillusionierung, Erschöpfung und neuer Motivation.

2. An allen Fronten
(zdf.de, Charlotte Krüger, Video: 43:23 Minuten)
Ohne die Arbeit von Kriegsreportern und Kriegsreporterinnen gäbe es viel weniger bis keine Informationen über das, was sich bei Kriegen und kriegsähnlichen Auseinandersetzungen tatsächlich abspielt; es gäbe kaum Informationen, wie sich die militärischen Ereignisse auf die Zivilbevölkerung auswirken. In Charlotte Krügers Dokumentation “An allen Fronten” berichten einige bekannte Journalistinnen und Journalisten von ihrer riskanten Arbeit und erzählen, wie sie mit der täglichen Gefahr umgehen. (Triggerwarnung: Im Film sind logischerweise auch Aufnahmen aus Kriegsgebieten zu sehen, darunter auch (geblurrte) Bilder getöteter Menschen.)

3. Wie schwer kanns schon sein, eine Falschmeldung zu verbreiten?
(youtube.com, Walulis, Video: 20:11 Minuten)
“Wie schwer kann’s schon sein, eine Falschmeldung in seriösen Medien einzuschleusen?” Die “Walulis”-Redaktion hat sich einige Falschmeldungen aus der jüngsten Vergangeneheit angeschaut, kurzerhand eine “Initiative Interaktive Medien” erfunden und selbst eine Falschmeldung herausgegeben, die prompt von verschiedenen Medien übernommen wurde.

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4. Tulpen, Tomaten, Königshaus – Klischees in der Niederlande-Berichterstattung
(deutschlandfunk.de, Pia Behme, Audio: 40:08 Minuten)
Im Deutschlandfunk-Gespräch mit Hörerinnen und Hörern geht es dieses Mal um Klischees in der Niederlande-Berichterstattung: Woran hapert es bei der Auslandsberichterstattung? Und wie arbeiten Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten überhaupt? Ein Dlf-Hörer diskutiert mit der Niederlande-Korrespondentin Kerstin Schweighöfer, dem Medienwissenschaftler Janis Brinkmann und Pia Behme aus der Dlf-Medienredaktion.

5. Spiel mit der Wahrheit
(deutschlandfunkkultur.de, Susanne Burg, Audio: 11:08 Minuten)
Bully Herbig hat die “Spiegel”-Affäre um Claas Relotius verfilmt, der Film kommt nächste Woche in die Kinos. Im Gespräch mit Susanne Burg erzählt Herbig, wie es dazu kam. Als er hörte, dass die Ufa sich die Filmrechte gesichert hat, habe ihn das zunächst gewurmt. Zwei Wochen später sei das Regieangebot gekommen, so Herbig: “Das war ein riesen Glücksfall für mich.”

6. Wie überlebt man als London-Korrespondentin eine Queen-Beerdigung?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 26:39 Minuten)
Holger Klein hat sich mit ARD-Korrespondentin Annette Dittert über die Tage rund um die Beerdigung der Queen unterhalten: “Wie erlebt man als Journalistin so ein Ereignis? Warum ist beim deutschen Publikum das Interesse für die britischen Royals so groß? Muss das sein, dass die ARD da acht Stunden live sendet? Gab es genügend Raum für Kritik?”

Die Schlappe Röhns, Journalist verklagt Polizei, Jugend an die Macht

1. “Fake News”: Welt-Reporter scheitert vor Gericht gegen Kritiker
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Für den “Volksverpetzer” berichtet Matthias Meisner über die juristische Niederlage des “Welt”-Chefreporters Tim Röhn: “Die Schlappe Röhns vor dem Landgericht Hamburg ist auch deshalb bemerkenswert, weil Röhn immer wieder juristisch gegen Kritiker:innen seiner Corona-Berichterstattung vorgeht.”

2. Bund bezuschusst Hate Aid mit 497.000 Euro
(spiegel.de)
Eine finanzielle Unterstützung von rund einer halben Million Euro ist dem Bundestag die Arbeit der gemeinnützigen Organisation “HateAid” wert, die Opfern von Hass und Hetze im Internet zur Seite steht. Das “HateAid”-Team hatte vor einigen Tagen für mediale Beachtung gesorgt, als es das Konto des rechtspopulistischen Autors Akif Pirinçci pfänden ließ. Weil Pirinçci die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer beleidigt hatte, war er zu einer Entschädigungszahlung verurteilt worden, dieser aber nicht nachgekommen (siehe “6 vor 9” vom 15.09.2022).

3. Journalist verklagt Polizei wegen Geheimnisverrats
(t-online.de, Andreas Raabe)
Der Leipziger Journalist Aiko Kempen hat das Landeskriminalamt Sachsen verklagt: “Er geht dabei einem Verdacht nach, der, sollte er sich bestätigen, Auswirkungen auf viele spektakuläre Ermittlungen und Prozesse in Deutschland haben könnte: Manipuliert die Polizei mit Durchstechereien gezielt die Öffentlichkeit – und beeinflusst damit sogar die Rechtsprechung eigentlich unabhängiger Gerichte?”

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4. Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung verschmelzen – wurde der Schritt von Mediahuis veranlasst?
(kress.de, Marc Bartl)
Die beiden Zeitungen “Aachener Zeitung” und “Aachener Nachrichten” verschmelzen Ende 2022 zu einer Marke. Marc Bartl erklärt die Hintergründe der Zusammenlegung und zeigt, was diese für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Leserinnen und Leser bedeutet.
Weiterer Lesetipp: die ausführlichen Fragen und Antworten zur Verschmelzung von “Nachrichten” und “Zeitung” (aachener-nachrichten.de).

5. Qantara.de erhalten
(djv.de, Hendrik Zörner)
Qantara.de ist ein Projekt der Deutschen Welle, an dem auch das Goethe-Institut und das Institut für Auslandsbeziehungen als beratende Mitglieder im Projektbeirat beteiligt sind. Es will zum Dialog mit der islamischen Welt beitragen und wurde bislang vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Doch nun droht dem Portal das Aus – das Auswärtige Amt wolle die zum Weiterbetrieb erforderlichen Mittel streichen. Der Deutsche Journalisten-Verband setzt sich für einen Erhalt der Plattform ein. Sie sei ein wichtiges Medium gegen die Herrscherpropaganda in einigen islamischen Ländern. Das gelte es zu bewahren.

6. Überleben der Öffentlich-Rechtlichen – Jugend an die Macht!
(tagesspiegel.de, Bendix Lippe)
Bendix Lippe wurde 2020 vom Landesjugendring Brandenburg als jüngestes Mitglied in den ZDF-Fernsehrat berufen, inzwischen ist der 25-Jährige wieder aus dem Gremium ausgeschieden. Er kennt den Programmbetrieb also auch aus dem Blickwinkel des Kontrollierenden. Angesichts der heute bevorstehenden Fernsehratssitzung hat Lippe aufgeschrieben, welche Themen ihm besonders am Herzen liegen.

Google News und seine Quellen, Rechtes Netzwerk, Trauerarbeit

1. Google News verkauft Staatspropaganda als “vertrauenswürdig”
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck & Alexander Fanta & jocca)
Google News präsentiert sich als vertrauenswürdige Quelle für Nachrichten, doch zwischen seriösen News würden chinesische Staatspropaganda und für Falschmeldungen bekannte rechte Blogs auftauchen, so das Ergebnis einer netzpolitik.org-Recherche: “Google teilt gegenüber netzpolitik.org mit, es verstoße gegen die Richtlinien, wenn Inhalte dem wissenschaftlichen oder medizinischen Konsens zuwiderlaufen. Bei wiederholten oder schwerwiegenden Verstößen könne es passieren, dass eine Website nicht mehr bei Google News erscheinen dürfe. Fakten spielen bei Google News also durchaus eine Rolle. Aber Selbstbeschreibung und Wirklichkeit klaffen offenbar weit auseinander.”

2. “Der Kampf ist derselbe”: Wie “Unser Mitteleuropa” ein Netzwerk rechter Medien in Europa aufbaut
(correctiv.org, Alice Echtermann)
Recherchen von “Correctiv” zeigen, dass die Medienkooperation “Unser Mitteleuropa” wohl mehr als 25 Websites aus dem konservativen bis rechtsextremen Spektrum umfasst und Verbindungen zu mehreren rechtspopulistischen Parteien aus Europa aufweist: “Die Zusammenarbeit der Medien folgt einem simplen Prinzip: Unser Mitteleuropa übernimmt und übersetzt ihre Berichte und verhilft diesen – und sich selbst – zu größerer, internationaler Reichweite.” Alice Echtermann erklärt, wie das Netzwerk funktioniert.

3. Fassade des kritischen Journalismus in Katar
(deutschlandfunk.de, Ronny Blaschke, Audio: 5:16 Minuten)
Es sind nur noch wenige Wochen, bis im arabischen Wüstenstaat Katar mit großem Aufwand die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Das Land will sich als moderner Gastgeber präsentieren und um Investitionen, Touristen und Fachkräfte werben. Doch es könne sein, dass sich Katar kurz vor der WM als liberaler präsentiert, als es eigentlich ist, wie der Journalist Benjamin Best berichtet.

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4. Eure Plattform, unsere Lügen
(faz.net, Nina Bub)
Nina Bub hat sich angeschaut, was das “Disinformation Situation Center” über die Bemühungen Facebooks, die Verbreitung russischer Staatspropaganda einzudämmen, sagt. Bubs Ansicht nach versage Facebook “nicht nur darin, Inhalte auf der Plattform zu moderieren und zu entfernen, es bietet Anhängern des Kremls die Möglichkeit, Putin und Russland zu verherrlichen.” Außerdem zeige das Ausweichen auf andere Websites, dass die russische Regierung auf die Sperrung ihrer staatlichen Sender vorbereitet war. Bubs Fazit: “Es be­darf wohl weiterer Anstrengungen seitens der EU, um den Fluss der Desinformation des Kremls in der Europäischen Union zu unterbrechen.”

5. Drohen bei “Welt”- und “Bild”-Gruppe tiefgreifende Veränderungen?
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Der Branchendienst “Meedia” berichtet von einer E-Mail der Springer-Führungsspitze für das Ressort “News Media National”, in der diese die Neustrukturierung von “Welt” und “Bild” ankündigt. “Meedia”-Redakteur Gregory Lipinski berichtet: “Die betroffenen Mitarbeiter befürchten tiefgreifende Veränderungen. Dabei kochen diverse Spekulationen hoch. Von der Einstellung der werktäglich gedruckten Ausgabe der ‘Welt’ bis zu radikalen Änderungen in der Redaktionsstruktur bei der blauen und rote Gruppe machen die Runde, auch die Sorge über einen Stellenabbau ist im Gespräch.”

6. Trauer auf Twitter
(taz.de, Jagoda Marinić)
Jagoda Marinić hat Schwierigkeiten mit dem kollektiven Trauern über den Tod der Queen: “Über Tage zieht sich das Trauern, eine der längsten Warteschlangen in der Geschichte der Wartschlangen, um der Queen die letzte Ehre zu erweisen, die mediale Dauerpräsenz, die darin gipfelte, das königliche Begräbnis auf ARD und ZDF zu senden, als wollte man selbst für eine Zusammenlegung der beiden plädieren. Tagelang.”

Sieg für Pressefreiheit, Ulrike Guérot, Irgendeine ausgedachte Zahl

1. Sieg für Informantenschutz
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) begrüßt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung. Es sei ein Sieg für die Pressefreiheit und den Informantenschutz: “Der deutsche Gesetzgeber sollte aus dem Urteil die einzig richtige Konsequenz ziehen und das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung ersatzlos streichen”, so der DJV-Vorsitzende Frank Überall.
Weiterer Lesetipp: Eine Kommentierung sowie Reaktionen auf das Urteil gibt es bei netzpolitik.org (Markus Reuter).

2. “Bild” hätte ARD-Interview und Prognosen nicht übernehmen dürfen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Berliner Kammergericht habe bestätigt, dass die Übernahme von öffentlich-rechtlichen Wahlprognosen und Hochrechnungen durch “Bild TV” rechtswidrig war. Auch die Übernahme des kompletten Interviews mit dem damaligen CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sei unzulässig gewesen, berichtet Uwe Mantel in seiner Zusammenfassung der Gerichtsentscheidung.

3. Berichterstattung über Proteste immens schwierig
(deutschlandfunk.de, Pia Behme & Sören Brinkmann)
Im Iran wurde die 22-jährige Mahsa Amini von der Sitten- und Religionspolizei festgenommen, weil sie angeblich “unangemessen” gekleidet gewesen sei. Indizien legen nahe, dass sie im Polizeigewahrsam zu Tode geprügelt wurde. Dies hat im Iran Proteste ausgelöst. Die Berichterstattung darüber ist wegen des repressiven Vorgehens gegen Medienschaffende jedoch nicht einfach.

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4. Dem NDR fehlt die Sorgfalt
(faz.net, Patrick Bahners)
Der NDR widerruft seine Einladung an die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot zur Mitarbeit in der Jury des NDR-Sachbuchpreises. Der Sender berufe sich dabei laut der Jury-Vorsitzenden Katja Marx nicht auf die weltanschaulichen Ansichten der Bonner Professorin, sondern auf die Werte der Wissenschaft. Zu Recht, wie Patrick Bahners findet: “Zur politischen Vernünftigkeit oder Unvernünftigkeit der Ansichten der als Europaexpertin prominent gewordenen Autorin des mit einem Vorabdruck im Internet-Magazin ‘Rubikon’ beworbenen Buches ‘Wer schweigt, stimmt zu’ kann Katja Marx schweigen, ohne den Eindruck der Zustimmung oder auch falscher Toleranz zu erwecken, weil die unwiderlegten Plagiatsvorwürfe Grund genug für die Aufkündigung der Zusammenarbeit jenseits der Kamera waren.”

5. Gutjahr & Knüwer: 9 Trends, die Medienprofis jetzt kennen sollten
(kress.de, Richard Gutjahr & Thomas Knüwer)
Die Medienexperten Thomas Knüwer und Richard Gutjahr sind zur Digitalkonferenz SXSW nach Austin gereist, um neue Medientrends zu recherchieren. Bei “kress” wagen sie einen Blick in die Kristallkugeln und geben neun Trendprognosen ab.

6. 4,1 Milliarden Zuschauer oder halt irgendeine andere ausgedachte Zahl
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Zahlreichen Medienberichten zufolge sollen 4,1 Milliarden Menschen auf der Welt das Begräbnis von Queen Elizabeth II. im Fernsehen verfolgt haben. Doch woher kommt eigentlich diese Zahl? Medienkritiker Stefan Niggemeier ist der Sache nachgegangen – mit einem verblüffenden Ergebnis.
Weiterer Lesehinweis: Auf Twitter zeigt Yellow-Press-Experte Mats Schönauer eindrucksvoll, welch bizarre Lügengeschichten die Regenbogenblätter zum Tod der englischen Königin auffahren. Die Behauptung der Klatschpresse, Elizabeth fehle “jetzt schon so sehr”, dürfte ausnahmsweise mal die Wahrheit sein, so Schönauer: “Ein Mensch weniger, den sie missbrauchen kann, um sich selbst zu bereichern.”

tagesschau.de und der “Erfinder”, “VerschwörungsChecker”, Royales

1. Fehler auf tagesschau.de zu “Erfinder” aus Simbabwe
(blog.tagesschau.de, Juliane Leopold)
tagesschau.de ist auf einen angeblichen Erfinder aus Simbabwe hereingefallen und veröffentlichte vergangenen Freitag einen Artikel, in dem der Hochstapler mitsamt seiner Quatsch-Technologie vorgestellt wurde. Nun meldet sich die verantwortliche Korrespondentin zu Wort: “Ich bin den pseudowissenschaftlichen Erklärungen des Protagonisten meines Beitrags aufgesessen. Die Forschungen des Simbabwers sind wissenschaftlich nicht belegt. Es ist wahrscheinlich, dass sie auch nie belegt werden, weil sie physikalischen Grundsätzen widersprechen. Für die Falschmeldung bitte ich aufrichtig um Entschuldigung. Sie trifft mich zutiefst in meinem journalistischen Selbstverständnis und steht nicht für mein Ethos als Berichterstatterin.”

2. Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Die Springer-Presse mache gerade vor, wie sich eine notwendige Diskussion über Missststände bei den Öffentlich-Rechtlichen in absoluten Nebensächlichkeiten verlieren kann, findet Joachim Huber im “Tagesspiegel”. Sein Vorschlag: “Vielleicht treten jetzt mal alle einen Schritt zurück, um die Problemlage genauer und schärfer zu erkennen, um vom Detail zum Großen und Ganzen zu kommen. Wenn ‘Bild’ und ‘Welt’ in ihrer Wadenbeißerei das nicht schaffen, dann müssen das die anderen Medien schaffen – aus der schlichten Erkenntnis heraus, dass es dieser Gesellschaft nicht gut bekäme, wenn Springers TV ARD und ZDF ersetzen würde.”

3. Der Journalismus der Zukunft
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl hat bei der “Besser-Online”-Konferenz des Deutschen Journalisten-Verbands über die Zukunft des Journalismus gesprochen: Wie kann moderner Journalismus aussehen? Und was braucht er unter den heutigen Bedingungen? Der Beitrag fasst die wichtigsten Punkte der Keynote zusammen.

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4. Wir müssen die Welt sichtbarer machen
(journalist.de, Carsten Stormer)
Kriegsreporter Carsten Stormer berichtet seit Jahren über Konflikte und Krisen. Beim “journalist” appelliert er an die Redaktionen, ihren Blick zu weiten. In einer globalisierten und vernetzten Welt hänge alles irgendwie miteinander zusammen: “Ich frage mich oft, wieso wird etwas erst dann zur Bedrohung, wenn es vor der eigenen Haustüre auftritt. So kommt der Journalismus zwangsweise immer zu spät.”

5. Neues Online-Tool gegen Verschwörungserzählungen
(belltower.news, Veronika Ertl)
Die Amadeu Antonio Stiftung hat einen “VerschwörungsChecker” programmieren lassen, mit dem man entsprechende Erzählungen ganz einfach auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können soll: “Der Checker ist so konzipiert, dass man jede beliebige Verschwörungserzählung checken kann – auch aus dem Grund, dass uns in unserer Arbeit und auch in der Pandemie so viele verschiedene Verschwörungserzählungen begegnet sind, die zwar zum Teil total absurd und leicht zu durchschauen sind, aber zum Teil eben auch sehr real klingen.”

6. Eine Königin, die mit Bildern herrschte
(deutschlandfunk.de, Pia Behme & Mirjam Kid)
Das Staatsbegräbnis der Queen war ein einzigartiges internationales Medienereignis mit Milliarden von Zuschauerinnen und Zuschauern. Anlass für den Deutschlandfunk, einen Blick auf die Medienarbeit und die Medienresonanz der verstorbenen Regentin zu werfen, die bereits bei der Inthronisierung für Rekorde sorgte: “Schon die Amtszeit der Queen begann mit einem bis dahin nie dagewesenen Medienspektakel. Die Krönung von Elisabeth II. am 2. Juni 1953 war die erste, die live übertragen wurde. Laut der BBC verfolgten damals mehr als 20 Millionen Menschen die Zeremonie im Fernsehen und übertrafen damit zum ersten Mal die Zahl der Radiohörenden.”
Weiterer Lesehinweis: Lindner fordert Deckelung der Rundfunkgebühren: “Dass mit ARD, ZDF und Phoenix drei deutsche Sender live und parallel vom Begräbnis der Queen aus London sendeten, belege sehr gut, welch ‘erhebliches Einsparpotenzial’ es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gebe, sagte Lindner.” (faz.net)

“Neffenwirtschaft”?, Eine Gemeinde wehrt sich, Selfie-Journalismus

1. Erst RBB und NDR, nun WDR? Von Vettern und Neffen
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Nun sieht sich auch der WDR Vorwürfen der Vetternwirtschaft beziehungsweise der “Neffenwirtschaft” ausgesetzt: Die “Welt” halte WDR-Programmchef Jörg Schönenborn vor, dass der Neffe seiner Ehefrau als einer von zwei Redaktionsleiter für den Polittalk “hart aber fair” arbeite. Kurt Sagatz erklärt, was es mit den Vorwürfen auf sich hat.

2. Das Gefühl, mitspielen zu können
(taz.de, Steffen Grimberg)
“Der Parteienproporz bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten ist eines der Grundübel unseres Systems. Solange ich Journalist bin, bleibe ich parteilos.” Mit diesem Satz des ZDF-Journalisten und ehemaligen “Frontal-21”-Leiters Claus Richter leitet Steffen Grimberg seine Überlegungen zur Verflechtung von Politik und Journalismus ein. Grimberg glaubt nicht an Medienschaffende als “politisches Neutrum”: “Ich möchte aber wissen – oder zumindest erahnen können -, wie jemand politisch tickt. Wenn das transparent gemacht wird, lassen sich auch die Auswirkungen auf die Berichterstattung fair einpreisen. Alles andere ist wie der Glaube an die Unbefleckte Empfängnis.”

3. Selfie-Journalismus – authentisch oder selbstverliebt?
(sr.de, Katrin Aue & Michael Meyer, Audio: 16:33 Minuten)
Bei “Medien – Cross und Quer” unterhalten sich Katrin Aue und Michael Meyer mit der Kolumnistin, Moderatorin und Portalbetreiberin Silke Burmester (“Palais F*luxx”) über den Trend zum Selfie-Journalismus und zur “Ichisierung”, die Konflikte zwischen Nabelschau und Neutralitätsgebot sowie die Möglichkeiten und Risiken dieser Art der Berichterstattung.

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4. Worauf es bei Podcast-Werbung ankommt
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Die jährlich erscheinende Audio-Untersuchung “Online-Audio-Monitor” (PDF) bescheinige in ihrer neuesten Ausgabe der Podcast-Werbung gute Werte: Drei Viertel der regelmäßigen Podcast-Hörerinnen und -Hörer könnten sich demnach an die Werbung erinnern, die Hälfte stufe die Werbung als “akzeptabel” oder “sehr akzeptabel” ein, was auf das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Usern und Hosts zurückzuführen sei. Ein Vertrauensverhältnis, das es durch kluge Wahl des Mittels zu bewahren gelte, so Petra Schwegler in ihrer Einordnung.

5. Twitter soll Verschwörungstheorien über Pädophilenring löschen
(spiegel.de)
Eine niederländische Gemeinde sieht sich in ihrem Ruf verletzt und fordert Twitter auf, Falschbehauptungen über Satanismus und Kindesmissbrauch in dem Örtchen zu entfernen. Drei bereits verurteilte Männer hätten krude Gerüchte über satanistische Pädophile in Umlauf gebracht. Dies habe unter anderem dazu geführt, dass Dutzende Personen, die die Verschwörungserzählungen geglaubt haben, den örtlichen Friedhof aufgesucht und an diversen Gräbern Blumen und Botschaften hinterlassen hätten.

6. Wozu journalistische Kommentare?
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 46:34 Minuten)
Was zeichnet einen guten Kommentar im Deutschlandfunk (Dlf) aus? Sind die abgedeckten Meinungsspektren breit genug? Welche Themen werden überhaupt kommentiert? Und von wem? Darüber diskutiert ein Dlf-Hörer mit Sina Fröhndrich, Leiterin der Dlf-Redaktion “Meinung & Diskurs”, Alexander Neubacher, Leiter “Meinung & Debatte” beim “Spiegel”, und Stefan Fries aus der Dlf-Medienredaktion.

KW 37/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Fritz Pleitgen: Zeuge seiner Zeit
(ardmediathek.de, Klaus Martens, Video: 1:14:52 Stunden)
Der bekannte Journalist, frühere ARD-Korrespondent und WDR-Intendant Fritz Pleitgen ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Die WDR-Doku “Zeuge seiner Zeit” würdigt Pleitgen, sein Leben und seine Werke und endet mit Pleitgens Krebsdiagnose und seinem Wunsch, “in geordneten Verhältnissen aus dieser Welt zu scheiden”.
Weiterer Hörtipp: Empfehlenswert ist auch die siebenteilige Podcastreihe “Fritz Pleitgen – sein Leben”, die gleichzeitig eine Reise durch circa 50 Jahre Zeit- und Rundfunkgeschichte ist (ardaudiothek.de, Jochen Rausch, zwischen 37 und 58 Minuten).

2. Schöne neue Parallelwelt – Netzwerke der “Alternativmedien”
(ardmediathek.de, Nils Altland & Lea Eichhorn & Amelia Wischnewski, Audio: 44:21 Minuten)
Beim Medienmagazin “Zapp” geht es um die Netzwerke der Alternativmedien und die bekannten Köpfe dahinter: “Dieses ZAPP spezial zeigt, wie sich Medienaktivisten wie Ken Jebsen oder der Österreicher Stefan Magnet gegen Widerstände durchsetzen und an einer neuen, vernetzen Gegenöffentlichkeit arbeiten.”
Weiterer Gucktipp: “Wie unabhängig ist Telegram wirklich?” “STRG_F”-Reporter sind nach Dubai gereist, um den Bürositz von Telegram ausfindig zu machen, und sprechen mit ehemaligen Vertrauten und Mitarbeitern von Telegram-Gründer Pavel Durov (youtube.com, Milan Panek & Nino Seidel, Video: 32:06 Minuten).

3. Journalisten unter Druck
(ardaudiothek.de, Weltspiegel, Audio: 31:04 Minuten)
Die Berichterstattung aus Ländern wie Russland und China wird immer schwieriger, die Möglichkeiten von Medienschaffenden werden immer weiter eingeschränkt. Mögliche Interviewpartner und -partnerinnen müssen Konsequenzen befürchten, wenn sie mit der Presse sprechen. Wie kann man unter solchen Bedingungen überhaupt noch über ein Land berichten?

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4. Die Klischeekiller: Fakten gegen Fake
(quoted-medienpodcast.podigee.io, Nils Minkmar & Nadia Zaboura, Audio: 24:42 Minuten)
Beim “quoted Medienpodcast” ist Fabio Ghelli vom “Mediendienst Integration” zu Gast. Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura und “SZ”-Journalist Nils Minkmar sprechen mit ihm über die besondere Bedeutung von Fakten in der oft aufgeheizten Debatte rund um die Einwanderungsgesellschaft.

5. Wie bringt man Schüler:innen Nachrichtenkompetenz bei?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 17:33 Minuten)
“Woran erkennt man Fake-News? Was sind verlässliche Quellen? Und welche Rolle spielen Medien in einer Gesellschaft?” Darüber spricht Holger Klein mit Jörg Sadrozinski vom Verein “Journalismus macht Schule”.

6. Presselandschaft unter Druck: Steigende Papierpreise, langsame Digitalisierung
(br.de, Linus Lüring, Audio: 29:23 Minuten)
Im BR-Medienmagazin geht es um die Zeitungslandschaft im Wandel. Mit O-Tönen dabei sind Sigrun Albert (BDZV), Michael Husarek (“Nürnberger Nachrichten”), Kai Röhrbein (“Walsroder Zeitung”), Eugen Russ (“Vorarlberger Zeitung”), Martin Andree (Uni Köln) und Peter Stefan Herbst (“Saarbrücker Zeitung”).

Döpfners Adidas-Eigeninteresse, Fretterode-Urteil, US-Podcast-Szene

1. Axel-Springer-Chef Döpfner soll “Bild”-Kampagne gegen Adidas initiiert haben
(spiegel.de)
Springer-Chef Mathias Döpfner steht erneut in der Kritik. Wie die “Financial Times” berichtet (Bezahlartikel, englisch), soll er eine “Bild”-Kampagne angestoßen und dabei in einem Interessenkonflikt gesteckt haben: “Bild” empörte sich zu Beginn der Corona-Krise über das Verhalten des Unternehmens Adidas – der Sportartikelhersteller wollte keine Mieten mehr zahlen. Wie sich nun herausstellt, hatte Döpfner als Miteigentümer eines Mietobjekts, für das dann keine Mietzahlung von Adidas mehr gekommen wäre, ein Eigeninteresse.

2. Äußerst milde Strafen im Fretterode-Prozess
(belltower.news, Nicholas Potter)
Im sogenannten Fretterode-Prozess standen zwei Neonazis wegen ihres lebensgefährlichen Angriffs auf Journalisten vor Gericht. Nicholas Potter hält die Strafen (im einen Fall ein Jahr auf Bewährung, im anderen 200 Arbeitsstunden) für zu niedrig und spricht von einem “Skandal-Urteil”: “Das schwache Urteil im Fretterode-Prozess ist investigativen Journalist*innen, die die extreme Rechte in Thüringen und darüber hinaus beleuchten, nun ein weiterer Schlag ins Gesicht. Und für die Neonazi-Szene ein großer Grund zur Freude.”
Weiterer Lesehinweis: Auch der Landesverband Thüringen des Deutschen Journalisten-Verbands äußert sein “Unverständnis über Urteil im Fretterode-Prozess”.

3. Medienschaffende in Frankreich wollen klimagerechter berichten
(deutschlandfunk.de, Nina Magoley & Christiane Kaess & Sebastian Wellendorf, Audio: 4:18 Minuten)
In Frankreich haben sich mehr als 500 Medienschaffende und rund 30 Redaktionen auf eine Charta zum Klimawandel verständigt (hier die englische Übersetzung), die eine neue Form der Klimakommunikation definiert. Klima und Ökologie sollen nicht mehr länger als eigene Rubrik behandelt, sondern zum “Prisma” werden, durch das auch viele andere Themen betrachtet werden sollen. Außerdem soll die Bebilderung von Klimaphänomenen kritischer überdacht werden.

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4. Neuer Kodex für Faktencheck-Organisationen
(correctiv.org)
Mehr als 40 europäische Faktencheck-Organisationen haben sich auf professionelle Standards zur Bekämpfung von Fehlinformationen geeinigt. Für Deutschland seien “Correctiv” und die dpa maßgeblich an dem Projekt beteiligt gewesen.

5. “Mama ist mein größter Fan”
(taz.de, Clara Engelien)
In der “taz” plädiert die promovierte Chemikerin, Youtuberin und TV-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim für mehr Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tin­nen und -journalisten in politischen Redaktionen: “Das Problem ist, in politischen Formaten werden immer wieder Fachleute aus der Wissenschaft hinzugezogen als diejenigen, die mit Autorität etwas erklären, was nicht zur Debatte gestellt wird. Die Journalisten, die sie interviewen, sind selten gut genug vorbereitet, um sie kritisch hinterfragen zu können. Als Wissenschaftsjournalistin muss ich aber wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur übersetzen, sondern auch einordnen. Nicht jeder mit einem Professorentitel ist automatisch eine verlässliche Quelle.”

6. Marcus Schuler über die US-Podcast-Szene
(turi2.de, Marcus Schuler)
Marcus Schuler, USA-Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, analysiert in seinem Gastbeitrag die US-Podcast-Szene und diagnostiziert ein Überangebot: Die Zahl der Podcasts sei seit 2018 förmlich explodiert – von damals 550.000 auf mittlerweile mehr als zwei Millionen. “Das macht es für neue Sendungen schwieriger, ein Publikum zu finden. Jede neue Show hat quasi ein kleineres Publikum als ihre Vorgänger”, so Schuler.

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