Archiv für 6 vor 9

Schroeders Satirefarbe, Regina Ziegler, Wie eine Überdosis Brokkoli

1. Florian Schroeder will provozieren. Aber wen eigentlich?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Mit dem “Journal Deluxe” wolle Florian Schroeder eine neue, liberalere Satirefarbe ins ZDF bringen, scheitere in der Premierenfolge jedoch an den eigenen Ansprüchen, urteilt Alexander Krei bei “DWDL”. Schroeder kreise zu Beginn vor allem um die eigene Person und die vorab laut gewordene Kritik. Im Gespräch mit Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang würden seine vorbereiteten Spitzen weitgehend wirkungslos verpuffen. Die Sendung halte sich letztlich für deutlich unangepasster und mutiger, als sie in Wirklichkeit sei.

2. Müssen sich Medien an Absprachen halten?
(tagesschau.de, Max Bauer)
Anlässlich des Falls der Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp erörtert ARD-Rechtsexperte Max Bauer die juristischen Grenzen von Interviewabsprachen. Formelle Freigaben gälten vor Gericht als verbindliche zivilrechtliche Verträge, deren Bruch ein Veröffentlichungsverbot nach sich ziehen könne. Bei Eralp gehe es jedoch um versehentlich übermittelte Randnotizen über ihre Furcht vor Terrorsympathisanten. “Spiegel”-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit habe die Publikation mit einem überwiegenden öffentlichen Interesse gerechtfertigt. Wer Regierende Bürgermeisterin werden wolle, müsse hinnehmen, dass Fragen der inneren Sicherheit über dem persönlichen Schutzbedürfnis stehen.

3. Filmproduzentin Regina Ziegler ist tot
(spiegel.de)
Die Filmproduzentin Regina Ziegler ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Sie galt in den vergangenen Jahrzehnten als eine der prägendsten Personen der deutschen Film- und Fernsehbranche. Ihr Werk umfasst mehr als 500 Produktionen, darunter die Serie “Weissensee” sowie die Filme “Malou” und “November Days”, zahlreiche davon mit Preisen ausgezeichnet.
Weiterer Lesetipp: “DWDL” hat einige der vielen Reaktionen auf den Tod Zieglers zusammengestellt.

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4. Wie eine Überdosis Brokkoli
(taz.de, Carolina Schwarz)
Immer mehr deutsche Autorinnen und Autoren würden die Newsletter-Plattform Substack für sich entdecken und dort persönlichen Texte, Essays und Buchtipps publizieren. Anders als werbelastige Soziale Netzwerke hinterlasse die Plattform dank ihres News-Feeds ein konstruktiveres, inspirierendes Gefühl, schreibt Carolina Schwarz. Viele Beiträge würden keinen klassischen journalistischen Standards genügen, aber gesellschaftliche Trends oft schneller aufgreifen. Mittlerweile würden auch in Deutschland erste Schreibende sechsstellige Einnahmen erzielen.

5. Wozu Journalisten? Es gibt ja Konserven!
(infosperber.ch, Marco Diener)
Nach wiederholten Entlassungswellen greife der Schweizer Verlag Tamedia verstärkt auf das Zweitverwerten alter Inhalte zurück. So hätten der “Tages-Anzeiger” und weitere Partnertitel ein Beziehungsinterview aus dem Vorjahr nahezu unverändert nochmals abgedruckt. Kritiker würfen dem Konzern vor, mit minimalem Rechercheaufwand das Maximum aus dem Abonnentenmarkt herausholen zu wollen, was im Widerspruch zu den eigenen Qualitäts- und Innovationsversprechen stehe.

6. Echtes Schauspiel, künstliche Welten
(out-takes.de, Rainer Matsutani)
Schauspielerinnen und Schauspieler sollten sich der Künstlichen Intelligenz nicht pauschal verschließen, schreibt Regisseur Rainer Matsutani. Bei hybriden Produktionen würden echte Spielszenen vor der Kamera erhalten bleiben, lediglich Hintergründe und Effekte entstünden per KI. Dies ermögliche auch anspruchsvolle Genrestoffe mit kleineren Budgets. Weil das Publikum reale Menschen auf der Leinwand sehen wolle, brauche es verbindliche Schutzregeln. Das Erstellen digitaler Klone oder nachträgliche Modifikationen von Mimik und Sprache dürften nur mit Zustimmung der Schauspielerinnen und Schauspieler erfolgen.

KW 44/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Polizei bei der “Zeit”: Wie weit darf ein Gericht gehen?
(ndr.de, Konstanze Nastarowitz, Video: 14:46 Minuten)
Die Beschlagnahme unveröffentlichter Tonaufnahmen aus der Redaktion der “Zeit” löse scharfe Proteste aus, berichtet das NDR-Medienmagazin “Zapp”. Das Landgericht Hamburg habe die Herausgabe von Gesprächen mit der Tochter im Entführungsprozess um Christina Block angeordnet, um mögliche Fremdbeeinflussungen vor den polizeilichen Vernehmungen zu prüfen. Die Wochenzeitung wehre sich juristisch und sehe das Redaktionsgeheimnis bedroht. Die Veröffentlichung von Originaltönen der damals 13-Jährigen im Podcast “House of Block” werfe jedoch ethische Fragen auf. Das Oberlandesgericht müsse nun über die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahmung entscheiden.

2. Dürfen Journalisten einfach so alles aus den gehackten AfD-Files berichten?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:17 Minuten)
Hacker haben über 420.000 E-Mails aus AfD-Postfächern erbeutet. “SZ”-Redakteurin Valerie Höhne verteidigt die journalistische Auswertung der Daten. Im “Übermedien”-Podcast “Holger ruft an” betont sie, dass Journalistinnen und Journalisten durchaus aus solchen Leaks berichten dürfen, sofern ein klares öffentliches Interesse besteht. Es gehe keineswegs um die Preisgabe privater Telefonnummern oder Klarnamen unbeteiligter Personen, sondern um relevante Einblicke in das Innenleben einer in Teilen rechtsextremen Partei. Zwar habe das Rechercheteam bislang keine “Smoking Gun” gefunden, der Erkenntnisgewinn über parteiinterne Abläufe sei dennoch groß.

3. Aufgedeckt: Österreichische Medienkorruption ist wild
(youtube.com, Florian Scheuba, Video: 18:55 Minuten)
In der Web-Show “Fun Facts” behandelt Kabarettist Florian Scheuba die Kumpanei zwischen Politik und Boulevard in Österreich: “Österreich hat ein Problem mit Inseratenkorruption. Dass ‘Inseratenkorruption’ in Österreich als Brauchtum gesehen wird, ist keine Pointe. Nein, das hat sich Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz von einem Universitäts-Professor in einem Gutachten bestätigen lassen. In herkömmlichen Demokratien gibt es Presseförderung. Die ist in Österreich nicht wirklich relevant, stattdessen gibt es Inserate der öffentlichen Hand. Die Dimensionen sind atemberaubend.”

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4. Medienmarken und Medienköpfe – Wer gewinnt im KI-Zeitalter das Vertrauen des Publikums?
(deutschlandfunk.de, Martin Krebbers, Audio: 26:59 Minuten)
Im Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” debattieren Melanie Amann (Funke Mediengruppe), Thomas Hinrichs (BR) und Lea Thies (“Augsburger Allgemeine”) über die Rolle von Personenmarken. Hinrichs sieht in prominenten Köpfen unverzichtbare Brücken, um auf Plattformen jüngere Publika an Qualitätsinhalte heranzuführen. Thies betont, dass persönliche Sichtbarkeit und transparente Methoden Vertrauen schaffen, warnt jedoch vor substanzloser Selbstinszenierung und Shitstorms. Amann unterstreicht das Potenzial starker Persönlichkeiten für Verlage. Sie gibt aber zu bedenken, dass professionelles Einordnen von Teilen des Publikums zunehmend mit Argwohn betrachtet wird.

5. Die Ellisons – ein Medienimperium in den USA
(ardsounds.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 24:27 Minuten)
Durch Zukäufe von Paramount, Warner Bros. Discovery und Anteilen an TikTok schaffe Oracle-Gründer Larry Ellison mit Sohn David eine beispiellose Medienmacht. Neben Filmstudios bündele der Konzern mit CBS und CNN zwei zentrale Nachrichtenmarken unter einem Dach. Zwar beteuere David Ellison die redaktionelle Unabhängigkeit, Kritiker würden jedoch auf den bereits erfolgten Rechtsruck bei CBS nach der Einsetzung von Bari Weiss als Chefredakteurin und dem Aus für Stephen Colberts TV-Show verweisen.

6. 7 Tage, 7 Köpfe: Darüber haben wir wirklich gelacht?!
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 17:48 Minuten)
Bei “Walulis” geht es um den Erfolg des RTL-Klassikers “7 Tage, 7 Köpfe”. Nach einem missratenen Piloten habe Rudi Carrell das Format gerettet, indem er es strikt auf seichte Gags und feste Rollenklischees getrimmt habe. Hinter den Kulissen habe Carrell das Ensemble mit eiserner Disziplin geführt: Textabweichungen hätten zu heftigen Eklats und gar zum Rauswurf von Karl Dall geführt. Das Original habe RTL einst Millionenquoten beschert, die spätere Neuauflage mit Guido Cantz sei jedoch gefloppt.

Eralps private Notizen, Datenspeicher der AfD, Echokammer Deluxe

1. Dass der Spiegel private Notizen von Elif Eralp veröffentlicht hat …
(instagram.com, Gilda Sahebi, Video: 4:25 Minuten)
Die Veröffentlichung interner Notizen von Elif Eralp zu einem Interview durch den “Spiegel” breche alle journalistischen Regeln, kritisiert Gilda Sahebi in einem Instagram-Video. Bei der Autorisierung des Gesprächs sei der Redaktion versehentlich ein Entwurf zugegangen. Darin habe die Berliner Linken-Politikerin notiert, dass sie aus Sorge um ihre Kinder keine mutmaßlichen Extremisten namentlich nennen wolle. Der “Spiegel” habe diese privaten Notizen sowie nicht autorisierte Passagen dennoch veröffentlicht. Ein berechtigtes öffentliches Interesse gebe es dafür nicht, so Sahebi. Auch das Argument der Redaktion, Eralp fehle wegen ihrer Angst der Mut für das angestrebte Amt der Regierenden Bürgermeisterin, weist sie zurück. Der “Spiegel” nehme die Gefährdung einer Familie für die eigene Profilierung in Kauf.

2. AfD speicherte Daten von hunderten Journalisten öffentlich
(correctiv.org, Martin Böhmer & Lilith Wittmann)
Nach Recherchen von “Correctiv” hätten Fotos von rund 1.000 Presseausweisen samt Wohnadressen über Jahre offen auf der Website der AfD gelegen. Die Partei habe die Kopien bei Akkreditierungen verlangt und eigentlich eine Löschung versprochen. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union spricht von einem gefährlichen Pranger, der Medienschaffende gezielt einschüchtere. Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail fordert die Datenschutzbehörden zum Eingreifen auf. Zudem verlangt die Gewerkschaft, Journalistinnen und Journalisten im geplanten Gesetz gegen digitale Gewalt ausdrücklich als besonders gefährdete Gruppe abzusichern.

3. Himmler über “ZDF Magazin”: “Abgeschliffen und zu fanatisch”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
ZDF-Intendant Norbert Himmler äußere sich im Interview mit der “Zeit” kritisch über das auslaufende “ZDF Magazin Royale”. Jan Böhmermanns Show habe sich “abgeschliffen” und sei “am Ende zu fanatisch geworden”. Angriffe auf Privatpersonen wie einen Imker halte Himmler für unverhältnismäßig. Satire müsse sich auf Mächtige konzentrieren. Vorwürfe über zu hohe Kosten des Senders weise er unter Verweis auf eine Personalkostenquote von 15 Prozent zurück.

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4. Echokammer Deluxe
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Mit Florian Schroeders neuem Format “Journal Deluxe” versuche das ZDF vergeblich, gesellschaftliche Echokammern zu öffnen, kritisiert Bernhard Hiergeist: “Laut dem Konzeptpapier erhofft sich der Sender auch eine ‘Diskurserweiterung’ und das Öffnen von ‘Echokammern’, um so auch die ‘Vermeider des ÖRR’ zu erreichen. Ok. Unabhängig vom Inhalt der Sendung halte ich es aber für sehr wahrscheinlich, dass dieser Plan scheitern wird. Der Diskurs wird nicht erweitert und schon gar nicht werden Echokammern aufgebrochen.”

5. EU-Kommission spielt Gefahren für Grundrechte herunter
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Die EU-Kommission spiele in ihrer Folgenabschätzung zum geplanten “Kids Act” erhebliche Risiken für Grundrechte herunter, schreibt Sebastian Meineck. Der Gesetzentwurf verlange flächendeckende Altersprüfungen per Ausweisdokument oder Gesichtsscan für Plattformen und Spiele, womit auch Erwachsene unter Generalverdacht stünden. Das Begleitpapier blende mildere Mittel wie geräteseitige Software aus und stelle Expertenstimmen selektiv dar. Warnungen des Deutschen Ethikrats würden gänzlich ignoriert.

6. Wer stoppt endlich die Tech-Bros?
(youtube.com, Maja Göpel, Video: 20:34 Minuten)
In der Webshow “Fun Facts” warnt Transformationsforscherin Maja Göpel davor, dass Tech-Milliardäre die gemeinsame Wirklichkeit zerstören. Algorithmen und der Abbau von Faktenprüfungen würden verlässliche Fakten zugunsten emotionaler Bauchgefühle an den Rand drängen. Zudem würden Akteure wie Elon Musk und Peter Thiel ihre Plattformen und Finanzmacht nutzen, um Enzyklopädien umzuschreiben oder kritischen Journalismus juristisch unter Druck zu setzen.

Künast-Klage gegen Meta, Emoji-Reaktionen, Chinas Staatsfluencer

1. Künast-Klage gegen Meta: Wieso es für den Social-Media-Giganten um mehr als ein Falschzitat geht
(correctiv.org, Max Bernhard & Kimberly Nicolaus)
Der jahrelange Rechtsstreit zwischen Grünen-Politikerin Renate Künast und dem Social-Media-Konzern Meta gehe vor den Europäischen Gerichtshof, meldet “Correctiv”. Der Bundesgerichtshof lasse klären, inwieweit Soziale Netzwerke für rechtswidrige Inhalte haften. Künast fordere, dass Meta ein ihr zugeschriebenes, seit Jahren kursierendes Falschzitat nicht nur nach Einzelmeldungen löscht, sondern auch sinngleiche Beiträge proaktiv entfernen muss. Sie strebe ein Grundsatzurteil an, das das bisherige Haftungsprivileg des Digital Services Act einschränken und Plattformen zu mehr digitaler Produktverantwortung verpflichten könnte.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Ich bin nicht der Europäische Gerichtshof. Aber ich sag’s mal so: Wer entscheidet, welchen Zettel Millionen Leute als Erstes auf ihrer Pinnwand sehen, der betreibt eine Redaktion. Und eine Redaktion ist nicht neutral. Und wer nicht neutral ist, muss sich auch um die Fälschungen kümmern, die er verteilt.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:25 Minuten)

2. Menschengemachter Journalismus in der Krise
(taz.de, Rahel Bueb)
Der Schweizer Verlag Tamedia baue 41 redaktionelle Stellen ab und löse unter anderem die Kulturredaktion des “Tages-Anzeiger” auf. Beschäftigte würfen dem Medienhaus vor, Renditeziele von bis zu zehn Prozent vor journalistische Qualität zu stellen. Das Unternehmen begründe den Schritt mit veränderten Nutzungsgewohnheiten. Zugleich sorge der forcierte Einsatz generativer Software für Proteste: Interne Vorgaben würden die Mitwirkung von Künstlicher Intelligenz an fast allen Texten ohne zwingende Kennzeichnung erlauben.

3. Was Emoji-Reaktionen über das politische Klima sagen
(belltower.news, Markus Conrad)
Eine vergleichende Auswertung der Facebook-Aktivitäten im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin belege ein massiv aufgeheiztes politisches Klima. Gegenüber den Wahlen von 2021 sei die Zahl negativer Emoji-Reaktionen je Beitrag drastisch angestiegen: Vor allem die Emojis für “wütend” sowie das im politischen Diskurs oft hämisch gemeinte “haha” hätten Zuwächse von mehreren tausend Prozent verzeichnet. Rechtspopulistisch orientierte Internetnutzerinnen und -nutzer würden gezielt die Kanäle politischer Mitbewerber ansteuern, um dort Ablehnung und Spott zu bekunden.

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4. Musste “Ben Ungeskripted” sein Pub­likum auf Höckes Lüge hin­weisen?
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Vor dem Verwaltungsgericht Köln streitet Podcaster Ben Berndt (“ungeskriptet by Ben”) mit der Landesanstalt für Medien NRW über journalistische Pflichten, berichtet “Legal Tribune Online”. Die Aufsichtsbehörde habe gerügt, dass Berndt eine historisch falsche Aussage von Björn Höcke zur NS-Organisation SA unkommentiert ließ. Berndt greife die Einstufung seines Formats als journalistisches Angebot juristisch nicht an, wehre sich jedoch gegen den festgestellten Sorgfaltsverstoß. Nun müsse das Gericht klären, ob Interviewende gesetzlich verpflichtet sind, Falschbehauptungen ihrer Gäste einzuordnen.

5. China auf Hochglanz: Wie prägen “Staatsfluencer” unser Bild?
(ardsounds.de, Joyce Lee & Max Seib, Audio: 32:50 Minuten)
Im ARD-Podcast “Welt.Macht.China” beschäftigen sich Joyce Lee und Max Seib mit dem Boom viraler Social-Media-Clips aus Metropolen wie Chongqing. Die Clips würden das Bild einer hypermodernen Hightech-Supermacht zeichnen, Missstände und Repressionen jedoch ausblenden. Laut Sören Kittel von Reporter ohne Grenzen verfolge Peking eine gezielte Strategie zur Diskurskontrolle. Ziel dieser Einflussnahme sei es, ein unkritisches, regierungsnahes Medienverständnis im Ausland zu normalisieren.

6. Große Story, großer Irrtum: Wie Medien auf Josephine R. hereinfielen
(ndr.de, Lisa Beusch & Julia von Buddenbrock, Video: 25:05 Minuten)
Ein vermeintlicher Missbrauchsfall habe sich als gravierender Justizirrtum entpuppt. Auf Basis erfundener Anschuldigungen einer jungen Frau aus Goslar saßen deren Eltern jahrelang unschuldig im Gefängnis, ehe der Bundesgerichtshof das Urteil aufhob. Kriminalreporter Erik Westermann räumt selbstkritisch ein, die gefälschte Opfererzählung unhinterfragt verbreitet zu haben. Gemeinsam mit einem Ermittlungsleiter, der früh Zweifel anmeldete, zeichnet die Recherche des NDR-Medienmagazins “Zapp” nach, wie Ermittlungsbehörden sowie Journalistinnen und Journalisten von den Schilderungen getäuscht werden konnten.

KI-Lokaljournalismus, Wo war Wolfram Weimer?, Block-Aufnahmen

1. Rechter Autor, linkes Medium
(taz.de, Ann-Kathrin Leclere)
Das Datenleck der AfD belaste den Religionswissenschaftler Thomas K. Gugler, berichtet Ann-Kathrin Leclere in der “taz”. Gugler schreibe seit 2019 regelmäßig für die linke Wochenzeitung “Jungle World”, vor allem zu den Themen Pakistan und Islam. Den geleakten Unterlagen zufolge sei er jedoch bereits 2017 in die AfD aufgenommen worden und habe sich in den Jahren 2018 und 2022 auf Referentenstellen der Partei in Nordrhein-Westfalen beworben. Die “Jungle World” habe von der Parteizugehörigkeit Guglers nichts gewusst. Stelle sich heraus, dass Autorinnen oder Autoren der AfD angehören oder ihr nahestehen, beende die Redaktion grundsätzlich die Zusammenarbeit.

2. Lokaljournalismus, der keine Lokaljournalisten mehr braucht
(uebermedien.de, Annika Schneider)
Nach der Entlassung aller rund 60 Lokalredakteurinnen und -redakteure der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft fülle das Kölner Medienhaus DuMont seine Umlandzeitungen wie den “Rhein-Sieg-Anzeiger” zunehmend mit fehlerhaften, KI-gestützten Inhalten. An die Stelle gewachsener Redaktionsstrukturen vor Ort seien kleine, zentral gesteuerte “Regio-Teams” getreten. Diese würden externe Online-Quellen und Pressemitteilungen mithilfe automatisierter Werkzeuge auswerten. Die Folge seien grobe Falschmeldungen, unkritisch übernommene PR-Texte sowie ortsfremde Füllinhalte.

3. Kammer hält an Sicher­stel­lung von Pod­cast-Auf­nahmen fest
(lto.de, Jakob Hoffmann)
Das Landgericht Hamburg halte trotz Beschwerden an der Sicherstellung der Rohaufnahmen für den “Zeit”-Podcast “House of Block” fest. Eine Gefährdung der Pressefreiheit liege nicht vor, da sich die Gesprächspartner selbst als Quellen identifiziert hätten und um die Aufzeichnung wüssten. Vertrauliche Hintergrundgespräche seien weiterhin geschützt. Über die Rechtmäßigkeit der Maßnahme entscheide nun das Hanseatische Oberlandesgericht.

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4. Milei wünscht Journalisten auf den Scheiterhaufen – Amnesty reagiert empört
(spiegel.de)
Eine verbale Entgleisung des argentinischen Präsidenten Javier Milei gegen Journalistinnen und Journalisten sorge für Kritik, sowohl von Menschenrechtsorganisationen als auch aus den eigenen politischen Reihen. Bei einem Auftritt vor einer Denkfabrik habe Milei Medienschaffende namentlich als korrupt attackiert und geäußert, manche von ihnen sollten auf dem Scheiterhaufen brennen. Anlass seines Zorns sei die vorangegangene Berichterstattung über eingestellte Betrugsermittlungen gewesen. Amnesty International sehe darin eine gefährliche Eskalation und wolle den Fall vor die Vereinten Nationen sowie die Interamerikanische Menschenrechtskommission bringen.

5. “Denkverbote”? Wo war Wolfram Weimer die letzten Jahre?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der jüngste Gastbeitrag von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zur Zukunft von ARD und ZDF bringe die medienpolitische Debatte nicht voran, kommentiert Uwe Mantel bei “DWDL”: “Sich jetzt nochmal als Vordenker zu präsentieren, ohne die Ideen des Zukunftsrats auch nur zu erwähnen (ohne dass man sie alle teilen müsste), und stattdessen altbekannte Überlegungen als neu zu verkaufen, ist mehr Eitelkeitenpflege als weiterführender Diskussionsbeitrag.”

6. Metas Willkür unterworfen
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Die automatisierte Kontenmoderation bei Instagram und Facebook führe vermehrt zu willkürlichen Sperrungen queerer, migrantischer und politischer Stimmen, berichtet Anna Ströbele Romero bei netzpolitik.org. Trotz europäischer DSA-Vorgaben nenne Mutterkonzern Meta meist keine konkreten Gründe, Einsprüche würden oft automatisiert abgewiesen. Das Unternehmen bestreite eine gezielte Benachteiligung und verweise auf einheitliche Regeln. Wegen mangelhafter Beschwerdewege und des Verdachts auf Zensur würden Verfahren der EU-Kommission laufen; zudem hätten NGOs in den Niederlanden Klage eingereicht.

Weimer fordert Umbau, Klimamedium, Synchro-Streit bei Netflix

1. Kulturstaatsminister Weimer fordert Umbau von ARD und ZDF
(medien.epd.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer dränge in einem Gastbeitrag für die “Welt am Sonntag” auf eine tiefgreifende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, meldet “epd medien”. Zwar bleibe das System als Vertrauensmedium unverzichtbar, es sei jedoch “hypertroph organisiert und viel zu teuer”. Weimer schlage vor, die ARD auf vier bis fünf Landesrundfunkanstalten zu reduzieren und das Nebeneinander von zwei bundesweiten Vollprogrammen zu überdenken.

2. “Wir brauchen auch Geschichten, die Mut machen”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Mit seinem neuen Projekt “Otter News” wolle der Investigativjournalist Daniel Drepper der sinkenden Aufmerksamkeit für die Klimakrise entgegenwirken. Das geplante Medium soll investigative Enthüllungen mit konstruktiven Lösungsansätzen verbinden. Statt monatelang im Verborgenen zu recherchieren, setze Drepper auf Transparenz und wolle das Publikum bereits während der Recherche über Social-Media-Formate einbinden. Finanziert werden soll das Vorhaben über eine Mitgliederkampagne mit mindestens 3.000 zahlenden Abonnentinnen und Abonnenten.

3. Synchro-Streit: Der Meisterdieb spricht mit neuer Stimme
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Auf Grundlage umstrittener Vertragsklauseln zum Training von Künstlicher Intelligenz habe Netflix zentrale deutsche Synchronstimmen der Erfolgsserie “Lupin” ausgetauscht. Weil der Streamingdienst Sprachaufnahmen ohne zusätzliche Vergütung für KI-Modelle nutzen wolle, rufe der Verband Deutscher Sprecher:innen seit Monaten zum Boykott der Verträge auf.

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4. “So dumm kann kein Rechts­an­walt sein”
(lto.de, Felix W. Zimmermann & Christian Rath, Audio: 44:46 Minuten)
In der neuen Folge des Podcasts “Die Rechtslage” sprechen Felix W. Zimmermann und Christian Rath über die neuesten Entwicklungen im Block-Prozess. Das Landgericht Hamburg habe rund 160 Stunden unveröffentlichtes Audio-Material einer Podcast-Recherche der Wochenzeitung “Die Zeit” sichergestellt. Nach Einschätzung von Jakob Hoffmann, Redakteur bei “Legal Tribune Online”, verletze dieser Durchsuchungsbeschluss die geltende Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum Schutz des Redaktionsgeheimnisses. Das Verfahren erfordere jedoch eine komplexe Abwägung zwischen Pressefreiheit und strafrechtlicher Wahrheitsfindung.

5. Psychologin: “Halten Sie sich von sozialen Medien fern”
(derstandard.de, Julia Sica)
Soziale Netzwerke seien darauf ausgelegt, Ängste kommerziell auszunutzen und gesellschaftliche Spaltungen zu vertiefen, warnt die Psychologin Mirta Galesic im Interview mit dem “Standard”. Da Algorithmen extreme Aussagen mit Reichweite belohnen würden, verschiebe sich die gesellschaftliche Wahrnehmung des Normalen. Für eine wirksame Gegenrede empfiehlt die Forscherin nach der Analyse von über 130.000 Twitter-Diskussionen sachliche, unaufgeregte Reaktionen wie “Ich stimme nicht zu” oder Humor statt hitziger Debatten. Zur politischen Meinungsbildung rät sie, Plattformen gänzlich zu meiden und auf journalistische Texte, Bücher sowie den persönlichen Austausch zu setzen.

6. Schriftsteller Joachim Lottmann ist tot
(zeit.de)
Der Schriftsteller und Journalist Joachim Lottmann ist im Alter von 70 Jahren nach schwerer Krankheit in Wien gestorben, meldet die dpa unter Berufung auf sein persönliches Umfeld. Lottmann, der 1987 mit seinem Debütroman “Mai, Juni, Juli” bekannt geworden ist und als prägende Figur der deutschen Popliteratur gilt, habe seine Krebserkrankung zuvor öffentlich gemacht. Unter dem Titel “Langweiliges Tagebuch” habe er seinen Krankheitsverlauf sowie das nahende Lebensende seit Beginn des Jahres 2026 im Internet schonungslos dokumentiert.

“Nius” darf in Kanzlerflieger, Meta-Zensur, Vollprogrammwerdung

1. Rechts-außen-Portal »Nius« darf erstmals im Kanzlerflieger mitreisen
(spiegel.de)
Bei einer Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Westbalkan-Gipfel nach Montenegro habe erstmals ein Reporter des rechtspopulistischen Portals “Nius” in der Regierungsmaschine mitreisen dürfen. Zuvor seien 24 Mitreiseanträge des von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geleiteten Mediums abgelehnt worden. Laut dem mitgereisten Reporter Ralf Schuler habe das Portal seinen Platz im Flugzeug über juristische Schritte und eine “Kaskade von Anfragen und Gerichtsverfahren” erstritten.

2. Angriff auf die letzten kritischen Medien
(verdi.de, Krsto Lazarević)
Vor den Parlamentswahlen in Serbien seien die wenigen freien Medien unter Druck geraten. Präsident Aleksandar Vučić und dessen Partei würden die nationalen Sender fast vollständig beherrschen, Oppositionelle kämen kaum zu Wort. Zudem habe der portugiesische Investor Alpac Capital, bei dem Gelder aus dem Umfeld von Viktor Orbán eine Rolle spielen würden, ein Netzwerk wichtiger kritischer Medien übernommen. Nach der Absetzung beliebter Formate und vieler Kündigungen würfen Beschäftigte und Journalistenverbände der neuen Führung vor, kritische Redaktionen noch vor dem Urnengang politisch auf Regierungslinie gebracht zu haben.

3. Der mühsame Kampf gegen willkürliche Sperrungen
(taz.de, Julia Belzig)
Die Zensur auf Plattformen wie Instagram und Facebook treffe zunehmend gezielt progressive Stimmen, Organisationen für reproduktive Gesundheit und queere Kunstschaffende, so die Nichtregierungsorganisation Repro Uncensored. Auslöser seien häufig automatisierte Moderationsfilter. Problematisch werde das System jedoch vor allem dann, wenn Einsprüche von Betroffenen nachweislich ohne eingehende personelle Prüfung pauschal abgewiesen würden. Der Mutterkonzern Meta weise Vorwürfe einer systematischen Diskriminierung zurück.

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4. Ex-Chefredakteurin schießt öffentlich gegen Alice Schwarzer
(t-online.de)
Die frühere “Emma”-Chefredakteurin Lisa Ortgies widerspreche öffentlich den Aussagen von Magazingründerin Alice Schwarzer. Diese habe das Aus des Blattes zum Jahresende 2026 verkündet und Ortgies dabei im Rückblick als bloße “Fernsehfrau” abgetan. Auf LinkedIn halte Ortgies dagegen: Sie habe an der Henri-Nannen-Schule gelernt, lange für Printmagazine gearbeitet und vor ihrer Leitungsfunktion viele Jahre für die Zeitschrift kolumniert. Auch den Vorwurf mangelnden Engagements bei ihrem verzögerten Amtsantritt weise sie entschieden zurück. Damals sei ihr Vater schwer erkrankt und gestorben, zugleich habe sie einen Säugling betreut. Dies seien Umstände, über die Alice Schwarzer stets vollständig im Bilde gewesen sei.

5. Lob tut gut, Kritik bringt weiter
(de.ejo-online.eu, Judith Odenthal)
Trotz des Rückzugs vieler Großverlage aus der Branchenberichterstattung stehe es keineswegs schlecht um die Zukunft des Medienjournalismus, erklärt Frederik von Castell, Chefredakteur des “Medium Magazin”, im Interview. Durch unabhängige Angebote wie “Übermedien” sei das Fachgebiet im Netz heute präsenter als noch vor einigen Jahren. Zudem wachse das Interesse junger Journalistinnen und Journalisten an medienkritischen Formaten, so von Castell. Er plädiert für eine konstruktive Kritik, die Missstände und falsche Ausgewogenheit offen benennt.

6. Show must go on: Netflix und die Vollprogrammwerdung
(dwdl.de, Peer Schader)
Netflix entferne sich immer weiter von seinen Wurzeln als innovativer Nischenanbieter und nähere sich dem klassischen Fernsehen an, analysiert Peer Schader bei “DWDL”. Aufgrund eines schwächeren Nutzerwachstums und sinkender Börsenkurse setze der Konzern nun auf Werbung, Preiserhöhungen und teure Sportübertragungen. Zudem binde der Dienst in Ländern wie Frankreich bereits traditionelle Sender wie TF1 direkt ein.

KW 43/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Tragen Medien mit ihren Berichten über Demos dazu bei, dass Proteste eskalieren?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 29:27 Minuten)
Die mediale Berichterstattung über Proteste trage maßgeblich zur Eskalation sozialer Bewegungen bei, kritisiert der Konfliktforscher Jannis Grimm. Warnungen vor Ausschreitungen nach französischem Vorbild würden wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung wirken. Journalistinnen und Journalisten würden friedliche Protestmärsche vernachlässigen und sich stattdessen auf Randale und Radikalisierung fokussieren. Grimm bemängelt außerdem, dass Redaktionen selten direkt mit Demonstrierenden sprächen und wissenschaftliche Expertise selektiv heranzögen: Zu internationalen Unruhen wie in Frankreich gebe es reges Interesse; zu inländischen linken Protesten oder Solidaritätskundgebungen mit Palästina würden Protestforscher hingegen kaum angefragt.

2. Prepositions: the war on, for, about and against them
(instagram.com, Moritz Klein, Video: 2 Minuten)
Bei Instagram kritisiert der Journalist Moritz Klein in einem Video eine sinnentstellende Titelübersetzung der deutschsprachigen Ausgabe von Rashid Khalidis Standardwerk “The Hundred Years’ War on Palestine”, das im Unionsverlag unter dem Titel “Der hundertjährige Krieg um Palästina” erschienen ist. Die englische Wendung “War on” bezeichne eindeutig einen Krieg gegen etwas, analog zu geläufigen Begriffen wie “War on Terror”. Die deutsche Formulierung verwässere Khalidis kolonialen Fokus. Andere internationale Fassungen, etwa die französische (“Contre la Palestine”), hätten die Stoßrichtung des Originals beibehalten. Auf Kleins Nachfrage habe der Verlag die Übersetzung verteidigt und auf die Mehrdeutigkeit der Präposition “on” verwiesen. Recherchen hätten jedoch gezeigt, dass es bereits im Vorfeld der Veröffentlichung Unstimmigkeiten zwischen Autor und Verlag über den deutschen Titel gegeben habe.

3. Der Charisma-Bonus: Medien und ihre Lieblinge
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 50:07 Minuten)
Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer sprechen bei “Die Medienversteher” über die Bedeutung von Charisma im Zusammenspiel mit Medienlogiken. Charisma sei keine feste Eigenschaft, sondern primär eine soziale Zuschreibung des Publikums, die durch Berichterstattung verstärkt werde. Anhand von Beispielen wie Jürgen Klopp, Angela Merkel oder Karl-Theodor zu Guttenberg diskutieren sie darüber, wie Personalisierung komplexe Themen vereinfache, aber auch das Risiko rascher Abstürze berge. Und es geht natürlich auch um die Frage, welche Rolle der Journalismus dabei spielt.

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4. Philosoph Michael Hampe über Big Tech & Konkurrenz vs. Kooperation
(youtube.com, Tilo Jung, Video: 3:31:29 Stunden)
Bei “Jung & Naiv” spricht der Philosoph Michael Hampe mit Tilo Jung über die Gefahren eines technokratischen Elitendenkens und die Dominanz digitaler Konzerne. Hampe warnt vor einem wiederkehrenden Sozialdarwinismus, der sich als Glaube an eine unkontrollierbare Intelligenzelite manifestiere. Über Plattformen und algorithmische Auswertungen werde menschliches Verhalten auf wenige Faktoren reduziert und gezielt für Geschäftsmodelle oder politische Machtinteressen instrumentalisiert. Mediale Öffentlichkeiten würden sich zunehmend in kriegsähnliche Räume verwandeln.

5. Ist Ausgewogenheit im Journalismus messbar?
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 28:19 Minuten)
Angesichts zunehmender Vorwürfe politischer Einseitigkeit gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk widmet sich das Medienmagazin “BR24 Medien” der Frage, wie Ausgewogenheit im Programm greifbar und messbar gemacht werden kann. Anlass ist ein von BR-Intendantin Katja Wildermuth beauftragtes Gutachten. Bei einer Podiumsdiskussion der Medientage München debattieren Wildermuth, Studien-Mitautorin Birgit Stark, die Vorsitzende des neu geschaffenen Medienrats Natalie Wappler sowie Medienjournalist Stefan Niggemeier über methodische Kriterien und die praktische Umsetzbarkeit.

6. Die neuen Klassikstars
(arte.tv, Lily Küntzle, Video: 51:52 Minuten)
Ohne Soziale Netzwerke gehe auch im klassischen Musikbetrieb kaum noch etwas, zeigt eine Dokumentation von Arte über die Musiker Anna Lapwood, Hayato Sumino und Marcin Patrzałek. Alle drei nutzen digitale Kanäle, um ein Millionenpublikum für teils unkonventionell dargebotene Instrumente wie Kirchenorgel oder Akustikgitarre zu begeistern. Die neuen Verbreitungswege böten enorme kreative Freiheiten jenseits des etablierten Konzertbetriebs. Sie brächten jedoch zugleich hohen Druck und den Zwang zu ständiger Selbstvermarktung mit sich.

Berichten über Nahost, Versiegelte “Zeit”-Aufnahmen, Meta-Strafe

1. “Man stößt als Jour­na­lis­t:in schnell an Grenzen”
(taz.de, Martin Niewendick)
Eine Mehrheit befragter Medienschaffender nehme bei der Berichterstattung über den Nahostkonflikt eine gestiegene Bedrohungslage wahr, berichtet die Kommunikationswissenschaftlerin Carola Richter von der Freien Universität Berlin. Einer nicht-repräsentativen Umfrage unter 179 Journalistinnen und Journalisten zufolge verspüre ein Drittel der Befragten ein Bedürfnis nach Selbstzensur. Über 40 Prozent würden von Online-Diffamierungen oder Drohungen berichten, mehr als 20 Prozent hätten Ausgrenzung innerhalb des eigenen Mediums erlebt. Vor allem mit israelkritischen Positionen ecke man in Redaktionen eher an.

2. Sicher­ge­s­tellte Zeit-Auf­nahmen bleiben ver­sie­gelt im Tresor
(lto.de, Jakob Hoffmann)
Das Landgericht Hamburg habe angeordnet, die bei der “Zeit” sichergestellten rund 160 Stunden Rohaufnahmen eines Podcast zum Block-Prozess bis zur Entscheidung über die Beschwerden unangetastet zu lassen, berichtet “Legal Tribune Online”. Zur Begründung heiße es, das öffentliche Interesse an einer sofortigen Auswertung wiege nicht schwerer als die bedrohte Pressefreiheit, zumal den Betroffenen durch ein vorzeitiges Abhören schwere Nachteile drohen würden. Bis zur Entscheidung über eine mögliche Abhilfe oder bis zu einem Votum des Hanseatischen Oberlandesgerichts verbleibe das Tonmaterial damit unter Verschluss.

3. 25 Milliarden Dollar Strafe für Mark Zuckerberg
(digitalpolitik.de, Markus Beckedahl)
Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico habe den Meta-Konzern zu einer Strafe in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar verurteilt. Während die Mehrheit der US-Bundesstaaten zuvor einem Vergleich zugestimmt habe, habe New Mexico seine Klage wegen unzureichenden Datenschutzes und der Begünstigung von Desinformation weiterverfolgt. Im Prozess hätten unter anderem Mark Zuckerberg und die frühere Vizechefin Sheryl Sandberg aussagen müssen. Eine Jury habe dabei den Großteil ihrer öffentlichen Angaben als vorsätzlich irreführend bewertet. Meta habe bereits Berufung angekündigt und das Urteil als unzumutbar kritisiert.

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4. Social-Media-Verbot? “Ich bin von dieser radikalen Position abgerückt”
(dwdl.de, Simon Pycha)
In der Diskussion um gesetzliche Altersbeschränkungen für Soziale Netzwerke könnte sich eine Annäherung zwischen Befürwortenden und Kritikern abzeichnen, berichtet Simon Pycha von den Medientagen München. Medizinethikerin Alena Buyx und Content-Creator Fabian Grischkat seien beide von ihren ursprünglich radikalen Positionen abgerückt: Ein pauschales Plattformverbot greife zu kurz, riskiere das Ausweichen auf unregulierte Kanäle und beschneide die digitale Selbstbestimmung sowie Informationszugänge junger Menschen.

5. BND-Überwachung: RSF bedauert Zurückweisung seiner Beschwerde durch den EGMR
(reporter-ohne-grenzen.de)
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe Beschwerden der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) und des Rechtsanwalts Niko Härting gegen die strategische Telekommunikationsüberwachung des Bundesnachrichtendienstes für unzulässig erklärt, teilt RSF in einer Pressemitteilung mit. Geschäftsführer Christian Mihr bezeichnet den Beschluss als enttäuschend für den Quellenschutz. Er appelliert an den Bundestag, im Zuge der anstehenden Gesetzesreform wirksamere Kontrollmechanismen zu schaffen.

6. Auch Faktenchecker streichen Stellen
(verdi.de, David Bieber)
Trotz großer Aufmerksamkeit und journalistischer Auszeichnungen für seine Enthüllungen baue das gemeinnützige Recherchezentrum “Correctiv” Personalstellen im unteren zweistelligen Bereich ab, berichtet das Verdi-Magazin “M – Menschen machen Medien”. Betroffen seien die Redaktion, der Bewegtbildbereich sowie das Faktencheck-Team. Begründet werde der Schritt mit Sparzwängen und einer organisatorischen Umstrukturierung. Zudem sehe sich das spendenfinanzierte Medienhaus mit Kritik an seinen Arbeitsbedingungen und einer Bezahlung unterhalb des Branchentarifs konfrontiert.

Der “Emma” reicht es, KI-Glätte, Podcasts zur Schicksalswahl

1. Warum “Emma” dem Feminismus zuletzt mehr schadete als nutzte
(taz.de, Carolina Schwarz)
Dass Alice Schwarzer ihr feministisches Magazin “Emma” nach fünfzig Jahren im Dezember einstellt, sei eine gute Nachricht, findet Carolina Schwarz in der “taz”: “Sollte es einen nicht bestürzen, wenn in Zeiten eines reaktionären Backflashs und einer zunehmenden Faschisierung ein feministisches Magazin eingestellt wird? Eigentlich ja, doch die Emma hat der feministischen Bewegung gerade in den letzten Jahren mehr geschadet als genutzt. Und das liegt an ihrer Chefin Alice Schwarzer.”
Zusätzlicher Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Heft und Herausgeberin waren fünfzig Jahre lang dasselbe. ‘Emma’ wurde gegründet, damit Frauen eine eigene Stimme haben. Aber am Ende hat das Heft genau eine Stimme, die zählt.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:18 Minuten)


2. “Man muss die alle verklagen”: Wegner rechnet mit KI-Firmen ab
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Medienhäuser müssten KI-Anbieter wegen des unberechtigten Abgreifens journalistischer Inhalte konsequent verklagen, habe “Zeit”-Chefredakteur Jochen Wegner beim Mediengipfel der Medientage München gefordert. Gleichzeitig warne er davor, sich rein auf juristische und technische Abwehr zu beschränken. In den Redaktionen herrsche bezüglich eigener KI-Werkzeuge und -Recherchehilfen eine produktive Aufbruchstimmung. Für BR-Intendantin Katja Wildermuth ständen bei der Zusammenarbeit mit Plattformen vier Kernprinzipien im Fokus: Autorisierung, Genauigkeit, Quellenzuordnung und Auffindbarkeit verlässlicher Inhalte. Medienforscherin Alexandra Borchardt habe in der Runde darauf hingewiesen, dass von Lizenzverträgen mit Tech-Konzernen bislang fast nur Großverlage profitieren würden.


3. Kommunikation geht nur mit Menschen
(journalist.de, Felix Rieger)
Wenn Kommunikationsarbeit vollständig durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden könne, habe sie ohnehin wenig getaugt, schreibt Felix Rieger vom KI-Kompetenzzentrum Medien. KI eigne sich zur internen Entlastung, beispielsweise bei Datenanalysen oder Quellensichtungen. Bei öffentlicher Kommunikation gehe durch die Orientierung der KI an statistischen Wahrscheinlichkeiten jedoch der individuelle Fingerabdruck verloren. Das Publikum reagiere auf erkennbare algorithmische Glätte zu Recht mit Misstrauen. Rieger wünscht sich daher mehr Mut zum unperfekten, aber echten Text.

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4. ZDF: Mehr Barrierefreiheit dank KI
(verdi.de, Volker Nünning)
Mit dem Entwicklungsplan “Access 2028” wolle das ZDF seine barrierefreien Angebote über alle Ausspielwege hinweg deutlich ausbauen und setze dabei verstärkt auf Künstliche Intelligenz. Vor allem bei der Untertitelung im Streaming-Portal und bei Event-Livestreams soll KI für eine rasche Abdeckung sorgen. Im Bereich der Audiodeskription nutze der öffentlich-rechtliche Sender für Formate wie “Terra X” bereits KI-optimierte Stimmen, lasse die Hörtexte aber weiterhin von Menschen verfassen. Zudem teste die Tochterfirma ZDF Sparks Werkzeuge für Einfache Sprache per Knopfdruck, und für die Deutsche Gebärdensprache werde die Entwicklung eines Avatars geprüft.

5. “Zulasten des Volkes”
(kontextwochenzeitung.de)
Die redaktionelle Zentralisierung sowie die optische Vereinheitlichung der zur Neuen Pressegesellschaft Ulm gehörenden Regionalzeitungen stoße auf scharfe Kritik aus Journalismus, Kultur und Politik, berichtet die Wochenzeitung “Kontext”. Uwe Vorkötter, früherer Chefredakteur der “Stuttgarter Zeitung”, beklagt den Verlust des publizistischen Profils seines ehemaligen Blattes. Das Kulturschaffenden-Ehepaar Sigrid Klausmann und Walter Sittler warnt vor dem Entstehen einer inhaltlichen Einfalt. SPD-Landtagsfraktionschef Sascha Binder fordert angesichts drohender Zeitungswüsten eine aktive Medienpolitik des Landes Baden-Württemberg. Und Kommunalpolitiker Hannes Rockenbauch bemängelt, dass durch den Rückzug kritischer Berichterstattung aus den Rathäusern der Resonanzraum für sachorientierte Lokalpolitik verloren gehe.

6. “Amerikas Schicksalswahl”: Diese Podcasts erklären euch, was bei den US-Midterms auf dem Spiel steht
(omr.com, Tim Sohr)
Knapp zwei Wochen vor den US-Zwischenwahlen stehe die Politik von Präsident Donald Trump vor einem entscheidenden Stimmungstest, heißt es in einer Übersicht mit empfehlenswerten Audioformaten über “Amerikas Schicksalswahl”. Neben Podcasts von Brancheninsidern wie “The Rest Is Politics US” oder “Pod Save America” böten journalistische Analysen wie “OK, America?” der “Zeit”, “The Political Scene” des “New Yorker” sowie historische Einordnungen des Deutschlandfunks (“Amerika verstehen”) vielfältige Zugänge zu den politischen Spannungen in den Vereinigten Staaten.

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