Archiv für 6 vor 9

Zeitstempel-Gelbwesten, Maskupedia, Eine Vergewaltigung ist kein Sex!

1. Verschwörungstheorien wegen eines Tweets
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing & Sabine Wachs)
Nach dem Anschlag in Straßburg zirkuliert in Kreisen der protestierenden „Gelbwesten“ die Verschwörungstheorie, der französische Staat stecke dahinter. Als angeblicher Beleg dient unter anderem ein Tweet einer Polizeipräfektur mit einem scheinbar entlarvenden Zeitstempel. Die Gründe dafür sind jedoch technischen Ursprungs. Patrick Gensing und Sabine Wachs erklären das Phänomen, das auf Twitter in ähnlicher Form immer wieder für Verwirrung sorgt.

2. It’s a man’s world: Wie weibliche Editorinnen von der Wikipedia verdrängt werden
(netzpolitik.org, Carolina Schwarz)
Carolina Schwarz hat für das Gesellschaftsmagazin „ROM“ aufgeschrieben, wie schwer es Frauen bei Wikipedia haben. „Oh, Hasilein, lösch dich von Wikipedia und kümmer dich lieber um das, was du wirklich gut kannst: shoppen, putzen und deinen Mann umgarnen.“ Solche Sätze musste sich beispielsweise die Wikipedia-Editorin „Sophia“ (Pseudonym) anhören. Anderen Frauen sei es ähnlich ergangen. Der Verein Wikimedia kenne das Problem und versuche gegenzusteuern. Wie es gelöst werden kann, bleibe jedoch offen.

3. Kritiker über Facebook verfolgt
(reporter-ohne-grenzen.de)
Dass man kritische Stimmen auch im Ausland unterdrücken kann, beweisen die böswilligen Facebook-Angriffe auf den in Deutschland im Exil lebenden Journalisten Trung Khoa Le aus Vietnam. Unbekannte hätten ausgenutzt, dass es auf Facebook bis vor Kurzem möglich war, eine andere Person unwissentlich zum Administrator einer Seite zu machen, auf der in grober Weise gegen die „Community Standards“ vorstoßen wird. Das Resultat in derartigen Fällen: Der unfreiwillige Administrator wurde für die Verstöße verantwortlich gemacht und mit einer Sperre belegt. Christian Mihr, Geschäftsführer der „Reporter ohne Grenzen“: „Facebook eröffnet vielen Journalisten die Chance auf eine freie Berichterstattung, doch offensichtlich kann das Unternehmen solch zensurähnlichen Missbrauch nicht verhindern. Es braucht endlich eine demokratische Kontrolle des Konzerns, um die Rechte der Nutzer wirksam zu stärken.“

4. Die Dinge beim Namen nennen – Warum eine Vergewaltigung kein Sex ist
(genderequalitymedia.org, Vic Schulte)
Es ist eigentlich so einfach: Eine Vergewaltigung ist kein Sex! Dennoch schreiben Medien Vergewaltigungsfälle gerne zu klicksteigernden Sex-Stories um. Vic Schulte zählt einige unschöne Beispiele auf und fasst am Ende zusammen: „Wenn bei Sexualstraftaten statt von Belästigung und Vergewaltigung von „Sex“ die Rede ist, sieht das auf der Titelseite zwar aufregend und ein bisschen skandalös aus und hilft möglicherweise, Verkaufs- oder Klickzahlen in die Höhe zu treiben. Aber durch die Vermischung der Begriffe wird zugunsten der Unterhaltsamkeit ein Gewaltverbrechen trivialisiert und verharmlost.“

5. Erfolgsfaktor Natur – das Genre „Nature Writing“
(fachjournalist.de, Torsten Schäfer)
Journalismusprofessor Torsten Schäfer ist als langgedienter Wissenschafts- und Umweltjournalist Experte für grüne, sprich naturnahe Themen. In einem Beitrag für den „Fachjournalist“ beschäftigt er sich mit dem angloamerikanischen „Nature Writing“. Dieses Literaturgenre erobere den deutschen Buchmarkt und die Feuilletons, werde aber im Journalismus selbst kaum diskutiert — obwohl es viele Chancen für die Lokal- und Umweltberichterstattung biete.

6. Kleinvieh-Strategie: Endemol Shine erstmals an der Spitze
(dwdl.de, Torsten Zarges)
„DWDL“ hat ein Ranking der TV-Produzenten für das Jahr 2018 erstellt. Spitzenreiter ist die Firma Endemol Shine, die mit zehn verschiedenen Formaten unter den 100 meistgesehenen Sendungen des Jahres vertreten ist. Wer sich für das TV-Geschäft interessiert, findet in dem Artikel viele Zahlen und Informationen über das milliardenschwere Geschäft mit der Fernsehunterhaltung.

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Wenig Wikipedianerinnen, „Star der Gegenöffentlichkeit“, Tübinger Troll

1. Ermittlungen gegen „CumEx“-Journalisten
(ndr.de, Video, 3:17 Minuten)
Das Medienmagazin „Zapp“ hat sich mit dem Chefredakteur des Investigativbüros „Correctiv“ Oliver Schröm getroffen. Schröm deckte mit seinen Berichten den Steuerbetrug mit „CumEx“-Geschäften auf und steht nun selbst im Visier der Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf: Er habe einen Informanten zum „Geheimnisverrat“ angestiftet. Sorgen macht auch eine neue EU-Richtlinie zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen, die sich auf die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten negativ auswirken könnte. Journalistenverbände und Medien warnen vor dem neuen Gesetz.

2. Ein Star der Gegenöffentlichkeit
(journalist-magazin.de, Matthias Holland-Letz)
Der Schweizer Historiker Daniele Ganser hat eine große Fangemeinde. Seine Verschwörungstheorien treffen anscheinend einen Nerv der Zeit: Gansers Vortrag über die „wahren Hintergründe“ des Anschlags vom 11. September erzielte über eine Million Aufrufe bei YouTube. Der „journalist“ hat sich mit dem „Star der Gegenöffentlichkeit“ getroffen.

3. Warum das Frauenproblem bei Wikipedia so tief sitzt
(spiegel.de, Leonie Bossemeyer)
Wikipedia hat ein tiefsitzendes Problem: In der Online-Enzyklopädie schreiben vor allem Männer die Artikel und das habe negative Auswirkungen, so die Meinung der Kritiker. Frauenbiografien seien zum Beispiel deutlich unterrepräsentiert. Leonie Bossemeyer hat sich die Datenlage näher angeschaut.

4. So oft könnten Verlage künftig an Bezahlartikeln verdienen
(golem.de, Friedhelm Greis)
Eigentlich ist es eine Win-Win-Situation: Suchmaschinen wie Google sorgen dafür, dass Inhalte aufgerufen werden. Die Rechteinhaber dieser Inhalte (zum Beispiel Medien- und Nachrichtenseiten) freuen sich über die von Google vermittelten Besucher, denen sie Werbung ausspielen können. Das reicht den Verlegern jedoch nicht, sie wollen von Google eine zusätzliche Vergütung kassieren. Und das sogar für die Links auf Artikel, die hinter einer Paywall stehen. Friedhelm Greis erklärt das lukrative Modell der angestrebten Mehrfachvergütung.

5. Fake News unfaked
(freitag.de, Martin Andree)
Der Medienwissenschaftler Martin Andree beschäftigt sich mit der Debatte um den Begriff „Fake News“ und setzt dabei lange vor Trump an. Wenn man den Begriff, wie oft geschehen, bis zur Unkenntlichkeit verallgemeinere, seien Fake News tatsächlich so alt wie die Lüge und damit wie die Menschheit: „Dann kann man tatsächlich etwa Ramses II. zum Urvater der Fake News erklären, der nach der verlorenen Schlacht von Kadesch (1274 v. Chr.) seinen ruhmreichen Triumph in Stein meißeln ließ: Nicht weniger als 2.500 hethitische Streitwagen soll der Pharao mit eigener Hand zurückgeworfen haben.“
Weiterer Lesehinweis, passend zum Thema Trump: Der Nachrichtenapparat bin ich — US-Präsident Trump streitet sich mit demokratischen Oppositionsführern und -führerinnen. Ein CNN-Video zeigt die Eskalation (taz.de, Aron Boks).

6. Übers schwäbische Stöckchen gesprungen
(deutschlandfunk.de, Arno Orzessek)
Kaum ein Bürgermeister Deutschlands ist so bekannt wie der Tübinger OB Boris Palmer. Das liegt an seinen Provokationen, Troll-Aktionen und sarkastischen Sarrazinismen. Es liege aber auch an den Medien, die über jedes Stöckchen springen, die Palmer ihnen hinhalte, wie Arno Orzessek in seiner Glosse findet.

Falschen im Visier, Medienphänomen „Gelbwesten“, Politisches Adbusting

1. Ermittlungen wegen CumEx-Files: Angriff auf die Pressefreiheit?
(daserste.ndr.de/panorama)
Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen den Investigativjournalisten und „Correctiv“-Chefredakteur Oliver Schröm. Im Oktober hatte „Correctiv“ gemeinsam mit 18 Medienpartnern die Rechercheergebnisse zum Cum-Ex-Skandal veröffentlicht, der als größter Steuerraubzug Europas (geschätzter Schaden: mehr als 55 Milliarden Euro) in die Geschichte eingehen könnte. Anstatt Schröm (und die anderen an der Aufdeckung Beteiligten) mit dem Verdienstkreuz auszuzeichnen, ermittelt man gegen ihn wegen angeblicher „Anstiftung zum Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen“.
Weiterer Lesehinweis: Journalismus ist kein Verbrechen: Der offene Brief von „Correctiv“ an Justizministerin Barley und Finanzminister Scholz: „Sehr geehrter Herr Finanzminister Olaf Scholz, wir fordern Sie auf, gemeinsam mit Ihren Kollegen in Europa endlich unsere Staatskassen vor Ausplünderung zu schützen. Sehr geehrte Frau Justizministerin Katarina Barley, wir fordern Sie auf, investigative Recherchen von Journalisten nicht zu kriminalisieren. Sorgen Sie dafür, dass Journalisten nicht wegen Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen strafrechtlich verfolgt werden können. Der Rechtsstaat muss sich auf die Verfolgung der Täter konzentrieren. Steuerraub ist ein Verbrechen. Journalismus nicht.“
Bei „Spiegel Online“ ordnet Tobias Gostomzyk, Professor für Medienrecht an der TU Dortmund, den Fall juristisch ein: „Pressefreiheit stößt manchmal an Grenzen“.

2. Absage an eine Gesellschaft
(spiegel.de, Nils Minkmar)
Die französischen „Gelbwesten“ sind das perfekte Medienphänomen, wie Nils Minkmar bei „Spiegel Online“ ausführt: „Man kann etwas Revolutionsfolklore hineindeuten, nach Belieben personalisieren und viel Häme gegen Macron verbreiten. Gescheiterter Star, das lesen die Leute ja gern. Aber diese Deutungen verkennen die fundamentale, ja intime Dimension der Verzweiflung in Frankreich. Sie hat mit der Erkenntnis zu tun, dass der Nationalstaat nicht mehr viel, aber Europa noch lange nicht genug vermag, um normale Bürger zu fördern.“

3. Livestreams von Schießereien
(twitter.com, Martin Kaul)
„taz“-Reporter Martin Kaul erklärt auf Twitter, warum aus seiner Sicht Leute ohne journalistischen Hintergrund keine Livestreams von Schießereien erstellen sollten.

4. Wenn Unternehmen unfreiwillig gegen die AfD werben
(faz.net, Jonas Jansen)
Jonas Jansen berichtet über die aktuellen Fälle von politischem Adbusting. Dabei handelt es sich um gefälschte Wahlplakate, auf denen bekannte Marken vermeintlich eine politische Botschaft verkünden. Für großes Aufsehen hatte kürzlich ein angebliches Coca-Cola-Plakat gesorgt („Sag nein zur AfD“). Nun wurde ein Nutella-Plakat gefälscht und das Bild davon in den sozialen Medien verbreitet. Die Einordnungen der Adbustings gehen auseinander: Die Aktivisten sehen sie als legitime politische Äußerung, die betroffenen Unternehmen als Sachbeschädigung und Rufgefährdung.

5. Übersetzungsautomaten statt Sprachbarrieren
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Die Übersetzungstechnologie hat in den vergangenen Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Medienhäuser könnten davon profitieren, indem sie ihre Publikationen demnächst in verschiedenen Sprachen anbieten und dadurch ausländische Märkte erschließen. Dabei sind sie jedoch auf Unternehmen wie Google und deren Übersetzungsdienste angewiesen. Adrian Lobe sieht neben den Chancen auch die Risiken: „Die Gefahr dabei ist, dass der Internetkonzern nicht nur die Verbreitung von Inhalten kontrolliert (wer sieht welche Artikel?), sondern dass dem Konzern auch eine Sprachmacht zuwächst, indem seine Algorithmen Auslegungsregeln für Übersetzungen festzurren. Es geht dabei nicht um Stilkritik, sondern um die Deutungshoheit über Begrifflichkeiten. Ob man die Ausschreitungen in Chemnitz als einen „wütenden Mob“ (angry mob, so die NYT) oder „Hetzjagd“ bezeichnet, macht in der politischen Bewertung der Vorkommnisse einen erheblichen Unterschied.“

6. 26 Jahre später …
(twitter.com, Patrick Bahners)
Vor 26 Jahren hatte Patrick Bahners in der „FAZ“ über die plagiatsverdächtige Doktorarbeit von Margarita Mathiopoulos geschrieben und dafür eine Gegendarstellung kassiert. 26 Jahre später schließt sich der Kreis: Die Potsdamer Honorarprofessorin verliert ihren zusammenplagiierten Doktortitel nun endgültig. Ihre Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurde abgelehnt.

Bot-Debatte, Google-Tier, Kramp-Zungenbrecher

1. Ein Bot allein macht keine Revolte. Und auch keine Migrationsdebatte.
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Stammen tatsächlich 28 Prozent der Tweets zum UN-Migrationspakt von Bots, wie die „Welt“ unter Bezug auf eine Studie berichtete? Experten wie der Datenspezialist Luca Hammer haben daran ihre Zweifel. Markus Reuter von Netzolitik.org zählt auf, wer sich bei politischen Debatten jenseits von Bots noch alles einmischt, von Troll-Sockenpuppen und Fake-Influencern bis hin zu staatlich gelenkten Social-Media-Akteuren. Sein Fazit: „Kurzfristig wird die Wichtigkeit und die Schwere der Einflussnahme von Bots für den öffentlichen Diskurs total überschätzt. Langfristig müssen wir aber grundrechtskonforme Wege finden, diese Gefahr zu beseitigen. In diesem Sinne ist der Fokus des Welt-Artikels und der Widerhall, den der Artikel oftmals ungeprüft und ohne Kenntnis der vollständigen Studienergebnisse in anderen Medien erlangte, kritisch zu hinterfragen.“

2. Smartspeaker: Und täglich grüßt das Google-Tier
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Google arbeitet an einer Art Nachrichtenradiosender für Smartspeaker und Smartphones, einer sprachgetriebenen Version von Google News. Journalist und Medienexperte Christian Jakubetz prognostiziert: „Einmal mehr wird ein Großkonzern den Medienunternehmen spürbar voraus sein. Nicht nur, weil ein Konzern wie Google über nahezu unbeschränkte Möglichkeiten verfügt. Sondern auch, weil die klassischen Medienhäuser den selben Fehler machen wie zu Anbeginn des kommerziellen Internets: Sie entwickeln nicht für einen neuen Kanal ein neues Angebot, sondern versuchen einfach nur, einen neuen Markt mit alten Inhalten zu besetzen.“

3. Es geht um Produkte, nicht um Eitelkeiten
(lead-digital.de, Stefan Ottlitz)
Stefan Ottlitz (vormals Plöchinger) war sieben Jahre Chefredakteur bei Süddeutsche.de und ist nun Produktchef beim „Spiegel“. In einem Gastbeitrag spricht er über die Schwierigkeiten, die viele Journalistinnen und Journalisten mit der Vokabel „Produkt“ haben, und erzählt, wie nützlich es sei, Erfahrungen mit der Konkurrenz zu teilen: „Wir haben, als wir das neue Abo-Modell Spiegel+ eingeführt haben, auf unserem Devblog alle Zahlen und Einblicke publiziert. Daraufhin haben sich Kollegen aus anderen Häusern gemeldet, die heute ja weniger Konkurrenten als Weggefährten sind und ihre Erfahrungen geteilt haben. (…) Wer Produktentwicklung als offenen Prozess begreift, lernt schneller von und mit anderen, wie man die digitale Dis­ruption übersteht.“

4. Eine letzte gibt es noch, dann war es das vorerst einmal mit Lesungen.
(facebook.com, Hanna Herbst)
Die Journalistin Hanna Herbst (ehemals „Vice“ Österreich) hat das Buch „Feministin sagt man nicht“ geschrieben. Auf Facebook postet sie einen Text aus ihren Lesungen: „Ehe ich mich versah, nahm mir der Feminismus meine Berufsbezeichnung weg. War ich auf Podiumsdiskussionen kurz zuvor noch Journalistin gewesen, war ich auf einmal Feministin. „Es diskutieren Rechtsanwalt Sepp Hubendübel, Medienimperiumsbesitzer und Schriftsteller Franz Hackenbuchner, Schauspielerin Lise Huber und Feministin Hanna Herbst.“ Eine ganz klare Einordnung, unter der meine Aussagen zu hören und zu werten waren. Ein Disclaimer. Und unter diesem Disclaimer waren auch alle Aussagen und Anliegen für viele quasi zu verwerfen, weil überzogen, weil hysterisch, weil männerfeindliche Männerhasserin. Weil Feministin.“

5. Worin unterscheidet sich ZDFneo vom ZDF, Frau Bilke?
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath hat die neue ZDFneo-Senderchefin Nadine Bilke interviewt, die beim ZDF vorher unter anderem für die Mediathek verantwortlich war. Im Gespräch geht es um lineares und nicht-lineares Fernsehen, die inhaltliche Ausrichtung des Senders und das prominente Erfolgsformat „Neo Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann.
Weiterer Lesehinweis: Jakob Buhre war für „Planet Interview“ auf der ZDF-Pressekonferenz: Wenn das „Traumschiff“ zum Pay-Angebot wird, „profitiert der Beitragszahler“.

6. Der Kampf mit den fünf Rs
(sueddeutsche.de, Martin Schneider)
Annegret Kramp-Karrenbauers Name ist für ungeübte Zungen sperrig und sprengt die Kurzmeldungsspalte jeder Zeitung. Darf man also das Kürzel AKK in der Berichterstattung verwenden? Und wie sieht die neue CDU-Bundesvorsitzende das Ganze?
Dazu auch: Bei „Übermedien“ haben sie in einem Clip internationale „Ännegreat Crump-Karrenbouwha“-Aussprachen gesammelt.

Obdachlos im Medienzirkus, Witzbildmaler Ruthe, Migrationspakt

1. Nicht ohne meinen Vater: Wie ein Obdachloser im Medienzirkus untergeht
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Vor einem Jahr machte das „Twitter-Märchen“ vom Sohn die Runde, der seinen obdachlosen Vater via Netzwerk suchte … und fand. Die emotionale Geschichte sorgte für große Aufmerksamkeit: Der Account @deinTherapeut wurde „meist genannter deutscher Twitter-Nutzer“ im Jahr 2018. Nächstes Jahr soll die Geschichte als Buch bei einem großen Publikumsverlag erscheinen. Eine Geschichte, zu der es schon jetzt einige kritische Fragen gibt.
Weiterer Lesehinweis: Darf der das? (faz.net, Sebastian Eder). „Mit einer Geschichte über seinen Vater wurde @deinTherapeut zum meistgenannten deutschen Twitter-Account 2018. Doch Kritiker werfen ihm „grobe Fahrlässigkeit“ im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Jugendlichen vor. Was sagt er dazu?“

2. Wie wir arbeiten
(deutschlandfunk.de, Ann-Kathrin Büüsker, Audio, 27:09 Minuten)
Seit über einem Jahr gibt es den (empfehlenswerten) „Deutschlandfunk“-Podcast „Der Tag“. In einer Sonderausgabe spricht Ann-Kathrin Büüsker mit ihren Kollegen über die tägliche redaktionelle Arbeit, das Moderatorenprinzip, die Kunst, kontroverse Interviews zu führen, und erklärt, warum es keine perfekte Sendung gibt.

3. Ich äußere mich nicht politisch, sondern menschlich
(viertausendhertz.de, Christian Möller, Audio, 82:09 Minuten)
Ralph Ruthe ist nicht nur für seine Cartoons, sondern auch für seine klare Haltung bekannt. „Viertausendhertz“-Podcaster Christian Möller hat sich mit Witzbildmaler Ruthe zum Spaziergang durch Bielefeld verabredet.

4. Alberne Panikattacken
(spiegel.de, Thomas Fischer)
„Spiegel Online“-Kolumnist und Ex-BGH-Richter Thomas Fischer kommentiert die Debatte um den Migrationspakt: „Warum so furchtsam? Was soll die absurde Behauptung, man unterzeichne einen „Pakt“, der gar nichts bedeutet und keinerlei Folgen haben kann? Der Pakt ist, nach meiner Ansicht, im Grundsatz vollkommen in Ordnung; er beeinträchtigt staatliche Souveränität nicht, formuliert aber gemeinsame Ziele; und selbstverständlich wird erwartet, dass sich die Vereinbarungsparteien daran halten, auch wenn das nicht erzwungen werden kann. Warum fürchtet man sich davor, das klar zu sagen?“

5. Ex-Bild-Chef Kai Diekmann im Gespräch – #118
(falter.at, Florian Klenk, Audio, 62:59 Minuten)
Beim Europäischen Mediengipfel Ende November haben sich Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann und „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk zum Branchentalk getroffen. Nun gibt es das Gespräch zum Nachhören. Es geht um Medienwelt und Medienwandel, Donald Trump und Fake News, die verkaufte „Hörzu“ und Diekmanns angebliche Penisverlängerung.

6. Clickbait-Knüppel aus dem Sack! Wie Medien ein harmloses Knecht-Ruprecht-Zitat ausnutzen
(meedia.de)
Grünen-Politikerin Josefine Paul findet, wie viele andere auch, dass die angstbesetzte Figur des Knecht Ruprecht nicht mehr in das heutige Bild der Kindererziehung passe. Das wurde in einigen Medien und von der AfD sofort mit überdrehten Überschriften sinnentstellend und klickträchtig verarbeitet und zur Skandalmeldung hochgejazzt.

Nazi-Schufa, Relevanzkriterien, Rechte „Alternativmedien“ wachsen

1. Das Zentrum für politische Schönheit spielt Nazi-Schufa
(t3n.de, Enno Park)
Die Website „SOKO Chemnitz“ des Zentrums für politische Schönheit (ZPS) löste eine heftige Kontroverse aus. Nun wird behauptet, bei dem Online-Pranger habe es sich um einen „Honeypot“ gehandelt, um an die Daten von Neonazis zu gelangen. Enno Park hat begründete Zweifel: „Wahrscheinlicher ist beim derzeitigen Stand aber, dass die ganze Aktion ein Fake war, nicht nur der ursprüngliche „Online-Pranger“, sondern auch das darauffolgende Statement, das Ganze sei nur ein Honeypot gewesen. Das würde bedeuten, dass das ZPS nicht nur Rechtsradikale verarscht hat, sondern alle. Man könnte das dann noch als subversive Guerilla-Aktion feiern, wenn es nicht so große Schäden hinterließe — etwa weil Antifaschisten dabei zusehen müssen, wie ihre Arbeit durch solcherlei „Aktionskunst“ diskreditiert wird, ohne dass sie viel dagegen tun könnten. Oder weil Rechtsradikale einmal mehr Gelegenheit bekommen, sich als Opfer aufzuspielen.“

2. Eine Frage der Relevanz
(taz.de, Aron Boks)
Als in Sankt Augustin eine 17-Jährige ermordet wurde, berichtete vielen Medien ausführlich darüber. Eine entscheidende Rolle spielte dabei die Nationalität des mutmaßlichen Täters. Aron Boks fragt: „Welche Relevanzkriterien sind erfüllt, die die umfangreiche Berichterstattung rechtfertigen? Bei Straftaten wie in Sankt Augustin in der Regel keine. Deswegen hört und liest man so selten von ihnen in der überregio­nalen Presse, obwohl Gewalt, Mord und Totschlag täglich in Deutschland passieren.“

3. So wollen Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner die Zeit digitaler machen
(horizont.net, Roland Pimpl)
Die „Zeit“ strukturiert um. „Horizont“ hat mit den beiden Chefredakteuren Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner über deren neue Zuständigkeiten, neue Ressorts und das Zusammenspiel von Print und Online gesprochen. Eine Enttäuschung für Bahnfahrer, die im Zug mit dem großen Format der Zeitung kämpfen müssen: Die von vielen unterstützte Umstellung auf das kleinere Tabloid-Format wird es nicht geben. Zu groß war die Sorge vor höheren Produktionskosten und möglichen negativen Auswirkungen auf das Anzeigengeschäft.

4. „Journalisten sind schützenswert“
(deutschlandfunk.de, Henning Hübert)
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) klagt in einer Resolution die zunehmende Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten an und fordert besseren Polizeischutz. Es gebe eine „massive Zunahme von persönlichen Anfeindungen, ehrverletzenden Beschimpfungen und auch körperlichen Angriffen auf Bildberichterstatter und Reporter der Agentur insbesondere in Ostdeutschland, aber auch in Regionen Westdeutschlands“.

5. Crowdfunding nach europäischem Vorbild soll auch in den USA den Journalismus retten
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Noch vor den crowdgefundeten Journalismus-Projekten wie „Kautreporter“ oder „Republik“ gab es in den Niederlanden „De Correspondent“. Dort plant man nun die Expansion: Aus der niederländischen Website soll in den USA im nächsten Jahr „The Correspondent“ werden. Adrian Lobe wirft einen Blick auf den amerikanischen Medien-Markt und schätzt die Aussichten des ehrgeizigen Projekts ein.

6. Facebook-Medien-Report, Teil 4: „Alternativ-“ und Verschwörungsmedien leiden nicht unter Facebooks Algorithmus-Änderungen
(meedia.de, Jens Schröder)
Der „Facebook-Medien-Report“ von „Meedia“ zeigt, dass die meisten deutschsprachigen Medienseiten seit Facebooks Algorithmus-Änderung massiv an Likes und Shares verloren haben. Dies gilt jedoch nicht für die rechten bis rechtsextremen „Alternativmedien“, die stabil blieben oder ein rasantes Wachstum aufweisen.

Strunzdummes Frühstücksfernsehen, Plattmacher, Tils Wurzelbehandlung

1. Zöpfe, Lederhosen, Stasi-Ossis: Bei Sat.1 wird im Duett desinformiert
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Beim vom berühmt-berüchtigten Claus Strunz geleiteten Sat.1-Frühstücksfernsehen ging es um die zum Skandal hochgejazzte Kita-Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung. Stefan Niggemeier hat die „sechseinhalb Minuten Idiotie und Desinformation“ fachgerecht seziert und kommt zum Schluss: „Sat.1 kämpft mit Verleumdungen gegen Pädagogen, die sich Gedanken machen, wie sie Kinder vor Menschenfeindlichkeit und rechtsextremer Ideologie schützen können. Und ist auch noch stolz darauf.“

2. Tagesspiegel gewinnt gegen BfV
(taz.de)
Ein „Tagesspiegel“-Redakteur verlangte vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Auskünfte zu den Treffen des ehemaligen Verfassungsschutz-Chefs Maaßen mit AfD-Politikern. Nachdem das Amt ihm diese Auskünfte verweigerte, wandte sich der Journalist an das Verwaltungsgericht Köln und — bekam Recht. Das Bundesamt müsse seine Fragen beantworten.

3. Die Portfolio-Bereinigung
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Die Zeitungskrise ist eine Zeit für Schnäppchenjäger und Krisengewinnler. Josef-Otto Freudenreich berichtet über den Stuttgarter Medienkonzern SWMH, der systematisch kleinere Verlage aufkaufe und sie Stück für Stück „plattmache“. Verlierer seien die Medienvielfalt und die Beschäftigten.

4. Faktencheck: Die Macht der Lüge
(ndr.de, Sabine Schaper, Video, 5:10 Minuten)
„Zapp“ hat zwei prominente Faktenchecker besucht: Den „Faktenfinder“ der ARD, Patrick Gensing, und „Buzzfeed News“-Redakteur Karsten Schmehl. Beide bekommen viel Zuspruch, werden aber auch stark angefeindet.

5. Der üblichste Verdächtige
(zeit.de, Frida Thurm)
„Zeit“-Kolumnistin Frida Thurm denkt über die Berichterstattung im Fall der getöteten 17-Jährigen in Sankt Augustin nach. Es sei grundsätzlich richtig, über Flüchtlingskriminalität zu berichten, es gebe jedoch ein Problem: „Wenn wir Medien über Kriminalität durch Flüchtlinge berichten, weil die gesellschaftlich diskutiert wird, trägt das dazu bei, dass sie noch stärker wahrgenommen und diskutiert wird, was wiederum ihre Relevanz erhöht und damit die Wahrscheinlichkeit, dass wir mehr darüber berichten werden. Ein Effekt, der sich selbst verstärkt. Wir erzeugen den Wind, von dem wir uns dann getrieben fühlen.“ Der mutmaßliche Täter ist übrigens gar kein Flüchtling.

6. „So lustig wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung“
(sueddeutsche.de)
Til Schweiger hat ein englischsprachiges Remake seines Erfolgsfilms „Honig im Kopf“ in die US-Kinos gebracht und die dortigen Medien überschlagen sich vor … nun ja … Reaktionen. Beispiel gefällig? Hier ein „Observer“-Zitat: „Es gibt keinen überzeugenden Moment in diesem Fiasko. Am Ende hat die Hauptfigur ihren Verstand völlig verloren. Gut möglich, dass die Zuschauer sich genauso fühlen.“

Bedingungsloser Grundirrtum, Klima, Brüste nur noch mit Baby dran

1. Rheinau? Rheingau? Schnurzegau!
(tagesanzeiger.ch, Marius Huber)
Als der „Spiegel“ über eine missglückte Initiative zum bedingungslosen Grundeinkommen in einem Schweizer Dorf berichtet, greift er gleich zweimal daneben: Die Redaktion bebildert nicht nur falsch, sondern benennt auch falsch. Dies sorgt nun für allerlei Spott aus der Schweiz.

2. Presserat sieht in Verwendung von Civey-Umfragen keinen Verstoß gegen den Pressekodex
(stefan-fries.com)
Im Netz gibt es ein Überangebot an Umfragen, auch befeuert durch die inflationär eingesetzten und oft sehr flach ansetzenden Fragen von Civey, die unter vielen Beiträgen von Nachrichtenseiten erscheinen. Klassische Meinungsforscher halten die Methoden der Online-Umfrageinstitute für unseriös und gefährlich (siehe dazu auch: Methodenstreit der Meinungsforschung: Was ist repräsentativ? (deutschlandfunk.de, Stefan Fries)).
Nun haben Forsa, Infas und die Forschungsgruppe Wahlen eine Beschwerde beim Presserat angestrengt, sich aber eine Abfuhr eingehandelt.

3. Floskel des Monats: freiwillige Ausreise
(journalist-magazin.de)
Floskel des Monats beim Medienmagazin „journalist“ ist die von der „freiwilligen Ausreise“. Aus der Begründung: „Kaum einer hinterfragt, was an der freiwilligen Ausreise denn freiwillig sein soll, wenn abgelehnte Asylbewerber ihrer Abschiebung zuvorkommen und Deutschland verlassen.“

4. 10 Fakten zum Klimawandel, die wirklich stimmen
(zeit.de, Michael Lindner & Antonia Schuster)
Aufklärung zum Thema Klimawandel hat seine Tücken: Je öfter Klimaforscher auf Klima-Mythen eingehen, desto mehr verfestigen sie sich in den Köpfen und desto mehr merken sich Leute Falschinformationen. In einem Gastbeitrag zweier Klimawandel-Experten gibt es deshalb „10 Fakten zum Klimawandel, die wirklich stimmen“.

5. Brüste nur noch mit Baby dran
(faz.net, Andrea Diener)
Ab dem 17. Dezember soll auf der Mikroblogging-Plattform tumblr keine Pornographie mehr zu sehen sein. Der Hintergrund: Apple hatte die tumblr-App aus dem App-Store geschmissen, da kinderpornografische Darstellungen durch den Filter gerutscht seien. Dies sorgt nun für einen Umbau der Plattform in Richtung „familienfreundlich“. Sexuell explizite Inhalte soll es nur noch in Textform geben dürfen.

6. Ein Siebenjähriger ist der am besten verdienende Youtube-Star
(haz.de)
Die Top Ten der Youtube-Großverdiener wird von einem Siebenjährigen angeführt, der dort Spielzeug testet. Der Kanal „Ryan ToysReview“ soll aufgrund seiner Youtube-Werbeeinnahmen und anderer Einkünfte auf Einnahmen von jährlich 22 Millionen US-Dollar kommen.

Soko Chemnitz, Schal mit schalem Beigeschmack, Non Paper

1. Provokation gelungen: #SokoChemnitz nimmt Ermittlungen auf
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter beschäftigt sich mit der neuesten Aktion des Künstler- und Politkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“, dem Online-Pranger auf soko-chemnitz.de. Reuter kommentiert: „Wer sich heute das laue mediale Lüftchen anschaut, das die Hannibal-Enthüllungen auslösten — und den Sturm der Entrüstung, der auf diese grenzwertige und umstrittene Kunstaktion folgt, der sieht eben auch gesellschaftliche Konfliktlinien und Defizite. Diese sichtbar zu machen, ist dann wieder Kunst, auch wenn es wehtut und möglicherweise justiziabel ist.“

2. Alles für den guten Zweck?
(taz.de, Anne Fromm)
Käuferinnen und Käufer des „Spendenschals“ der „Brigitte“, glauben, dass sie damit in allererster Linie syrische Kinder unterstützen. Die größten Profiteure des Charityverkaufs könnten jedoch die „Brigitte“ selbst und ein an der Aktion beteiligtes Unternehmen sein. Anne Fromm hat für die „taz“ den Taschenrechner angeworfen, die Materialpreise addiert und ist auf merkwürdige Kalkulationsdifferenzen gestoßen. Auffällig sei zudem, dass seit einiger Zeit nur noch die Rede davon ist, dass alle Beteiligten die Aktion unterstützten. Das bei früheren Schalverkäufen verwendete Wort „unentgeltlich“ sei unauffällig eliminiert worden.

3. Wie ein virtueller Mitarbeiter die t-online.de-Redaktion unterstützt
(t-online.de, Björn Schumacher)
t-online.de hat sich einen Bot programmieren lassen, der die Redaktion bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt. „Buddy“, so der Name des virtuellen Kollegen, klinkt sich in die Chat-Software Slack ein und informiert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort über Seitenaufrufe, meldet Rechtschreibfehler und Floskeln und schlägt Alarm, wenn besonders viele Leser aus einem Artikel abspringen.

4. Non Paper: Dokumente, die offiziell nicht existieren
(investigativ.welt.de, Manuel Bewarder)
In der Politik existieren Geisterpapiere, die zwar von Beamten in Ministerien geschrieben werden, aber offiziell nicht existieren. Derartige „Non Papers“ kommen ohne Stempel, Unterschrift oder Aktenzeichen aus, was bedeutet, dass sie nicht zugeordnet werden können, und sich niemand für sie rechtfertigen muss. Manuel Bewarder vom Investigativressort der „Welt“ erklärt, was es damit auf sich hat.

5. Für Leugner ist kein Platz mehr
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz & Michael Borgers, Audio, 5:15 Minuten)
Muss man für eine ausgewogene Berichterstattung über den Klimawandel auch Klimawandelleugner einbeziehen? Bei der BBC gibt es dazu eine interne Richtlinie, die vor einem „falschen Gleichgewicht“ warnt. Doch wie verfahren die deutschen Medien? Der „Deutschlandfunk“ hat mit dem Wissenschaftsjournalisten Christopher Schrader über das Thema gesprochen.
Weiterer Lesehinweis: Neutralität mit Nebenwirkungen (riffreporter.de, Christopher Schrader): „Wer in der Debatte über die Klimakrise partout keinem Lager angehören will, gerät womöglich gerade damit auf eine Seite.“

6. Warum der Influencer-Hype bald vorbei sein könnte
(spiegel.de, Florian Gontek)
Ist der Hype um die Influencer bald vorbei? Nun, es könnte zumindest schwerer für sie werden, wie eine Studie der Werbeagentur Werbeagentur Jung von Matt/Sports besagt. Der Markt stoße an seine Grenzen, ein Verdrängungswettbewerb setze ein. Facebook spiele für Personen- und Influencer-Marketing kaum noch eine Rolle. Außerdem gebe es ein Glaubwürdigkeitsproblem. „Die Follower und vor allem die Unternehmen lassen sich immer seltener für dumm verkaufen“, so der Jung-von-Matt-Werber Toan Nguyen.

Radfahren in Berlin, Bedrohte Stiftung, Erfundene Guillotine

1. So gefährlich werden Radfahrer in Berlin überholt
(tagesspiegel.de)
Der Berliner „Tagesspiegel“ hat ein spektakuläres und in vielfacher Hinsicht äußerst bemerkenswertes Stück Datenjournalismus abgeliefert: Mittels ausgegebener Abstandssensoren hat die Redaktion erfasst, wie nah sich Rad- und Autofahrer auf Berlins Straßen wirklich kommen. Die Ergebnisse sind besorgniserregend und erklären, warum es auf Berlins Straßen teilweise so aggressiv zugeht. Alle Ergebnisse des Versuchs samt interaktiver Grafiken, Umfragen und Interviews gibt es auf der besuchenswerten und preisverdächtig gut aufbereiteten Seite radmesser.de.
Weiterer Lesehinweis: Auf Facebook erzählt „Tagesspiegel“-Redakteur Hendrik Lehmann vom Zustandekommen des Projekts, an dem so viele Menschen über einen langen Zeitraum mitgewirkt haben.

2. „In Österreich geht es verrohter zu“
(sueddeutsche.de, Oliver Das Gupta)
Die Wiener Grünen-Politikerin Sigi Maurer hat sich öffentlich gegen obszöne und beleidigende Verbalattacken gewehrt und ist dafür vom Gericht verurteilt worden (noch nicht rechtskräftig). Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt Maurer, wieso sie im Internet belästigten Frauen davon abrät, Täter offen anzuprangern, warum eine Klarnamenpflicht nicht die Lösung sei und was man als Opfer dennoch tun könne.

3. Massive Drohungen gegen Stiftung
(faktenfinder.tagesschau.de, Wolfgang Wichmann)
Verschiedene Boulevardmedien wie „Bild“ und „B.Z.“ prangerten eine Kita-Informationsbroschüre der Amadeu Antonio Stiftung als „Schnüffel-Fibel“ an („Übermedien“ berichtete). Nun sieht sich die Stiftung massiven Drohungen und Hassbotschaften ausgesetzt und musste die Polizei einschalten.

4. Pressedistribution: Deutsche Post plant starke Preiserhöhung für niedrige Gewichtsklassen
(dnv-online.net, Wolfgang Rakel)
Die Deutsche Post plant deutliche Preiserhöhungen für den Versand wenig wiegender Postvertriebsstücke. Davon stark betroffen sind Zeitungen wie die „junge Welt“, die aufgrund der erhöhten Portokosten ihre Existenz bedroht sieht.

5. Die erfundene Guillotine der „Gelbwesten“
(faz.net, Michaela Wiegel)
In der Auseinandersetzung zwischen „Gelbwesten“ und französischer Regierung bleibt auch die Wahrheit auf der Strecke. Das liegt daran, dass der Streit nicht nur auf der Straße, sondern auch in den sozialen Medien ausgetragen wird. Nicht immer mit fairen Mitteln, wie ein als Fotomontage entlarvtes Bild einer Guillotine beweist. Journalisten, die über die Demonstrationen berichten wollen, werden teilweise beschimpft und angegriffen, was auf unangenehme Art an die deutschen „Pegida“-Umzüge erinnert. Aber auch die französische Regierung nimmt es nicht so genau mit der Wahrheit.

6. Zusammenarbeit von Familienministerium und Inlandsgeheimdienst: Wir klagen für Transparenz
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Das Familienministerium lässt Demokratieprojekte vom Inlandsgeheimdienst auf ihre Demokratietauglichkeit überprüfen, ohne dass diese davon erfahren. Ein juristisches Gutachten habe ergeben, dass diese Überprüfung rechtswidrig sei, das Familienministerium habe seine Praxis jedoch fortgesetzt. Nun wehren sich die Informationsfreiheits-Kämpfer von „Frag den Staat“ mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht.

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