Archiv für 6 vor 9

Afghanistan-Doku mit Todesfolge?, Horse-Race-Journalismus, ADB

1. Preisgekrönte Afghanistan-Doku soll zum Tod eines »Kollaborateurs« geführt haben
(spiegel.de)
Der preisgekrönte Dokumentarfilm “Retrograde” dokumentiert die letzten Monate der US-Truppen in Afghanistan. Trotz mehrfacher Warnungen von US-Militärs seien die Gesichter der afghanischen Helfer in der Doku nicht unkenntlich gemacht worden. Dies habe mindestens in einem Fall zur Identifizierung, Folterung und Ermordung durch die Taliban geführt. Der Regisseur und die Produzentin von “Retrograde” hätten angegeben, sich an entsprechende Warnungen nicht erinnern zu können.

2. Wer macht das Rennen in Wahlumfragen?
(verdi.de, Bärbel Röben)
Bärbel Röben beschäftigt sich mit der Eigenart von Redaktionen, die Ergebnisse von Wahlumfragen wie ein Pferderennen darzustellen (Horse-Race-Journalismus). Der Journalismusprofessor Tanjev Schultz kritisiere diese Art der Berichterstattung, die vor allem in der Endphase vor Wahlen den Wettbewerb zwischen Parteien sowie Kandidatinnen und Kandidaten anhand von Umfrageergebnissen in den Vordergrund stellt. Die Berichterstattung über Umfragen werde seriöser, konstatiert Röben, aber der Horse-Race-Journalismus bleibe.

3. Gericht entscheidet: Springer darf wegen Israel-Nazi-Vergleich kündigen
(msn.com, Jochen Zenthöfer)
Jochen Zenthöfer berichtet über einem interessanten arbeitsrechtlichen Fall: Demnach habe das Arbeitsgericht Berlin eine Probezeitkündigung des Springer-Konzerns für wirksam erklärt, die sich gegen einen Auszubildenden richtete, der öffentlich anti-israelische Positionen vertrat und Springer-Bildmaterial in einem Propagandavideo verwendete. Der Auszubildende verteidigte sich mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Das Gericht hielt die Kündigung jedoch für gerechtfertigt, da sie betrieblichen Interessen entspreche und während der Probezeit ohne Begründung möglich sei.

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4. “Krone” bestätigt Abbau von rund 40 Jobs mit Sozialplan
(derstandard.at)
Wie der “Standard” berichtet, hat die österreichische “Kronen Zeitung” den Abbau von rund 40 Stellen angekündigt. Der Verband Österreichischer Zeitungen reagierte mit Sorge auf die Sparmaßnahmen bei dem Boulevardblatt: “Das ist ein Teil einer überaus ernstzunehmenden Entwicklung, von der alle Medienhäuser in Österreich gleichermaßen betroffen sind und vor der der Verband schon seit längerem warnt.”

5. Meta muss 20 Millionen Euro an die Telekom nachzahlen
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie netzpolitik.org berichtet, hat das Landgericht Köln entschieden, dass Meta (Mutterkonzern unter anderem von Facebook und Instagram) 20 Millionen Euro an die Deutsche Telekom zahlen muss. Der Social-Media-Konzern habe trotz Kündigung weiterhin Daten über exklusive Leitungen der Telekom versendet, ohne dafür zu bezahlen. Tomas Rudl erläutert den Fall, der Auswirkungen auf die künftige Regelung des Datenaustausches zwischen Anbietern von Internetinhalten und Netzbetreibern haben könnte.

6. Die ARD und ihre ADB
(br.de, Sozusagen, Hendrik Heinze, Audio: 13:27 Minuten)
“Schirurgie oder Kirurgie, Gündogan oder Gündoan, Sophia Loreeen oder Sophia Loooren. Und wie hieß noch mal die israelische Sängerin beim ESC?” Bei diesen und ähnlichen Frage zur Aussprache hilft die ADB, die AusspracheDatenBank der ARD. Hendrik Heinze, Moderator des Sprachmagazins “Sozusagen”, hat sich mit BR-Nachrichtensprecherin Julia Cortis über die praktische Audio-Unterstützung unterhalten.

“Nius” steigt beim “Exxpress” ein, Pocher, ChatGPT auf Einkaufstour

1. Julian Reichelts “Nius” steigt bei Wiener “Exxpress” ein
(derstandard.at, Harald Fidler)
Wie der “Standard” berichtet, steigt “Nius”, das rechtslastige Krawallportal des ehemalige “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt, beim österreichischen “Exxpress” ein. Die hinter “Nius” stehende Vius SE übernehme “zum Start einer Kooperation” 25 Prozent am “Exxpress”. Harald Fidler resümiert recht treffend: “Es wächst zusammen, was zusammengehört.”

2. Keine Bühne mehr für Pocher
(taz.de, Carolina Schwarz)
Der Entertainer Oliver Pocher hat bei einer SWR-Veranstaltung eine Zuschauerin gedemütigt und dies anschließend auf Instagram zur Schau gestellt. Der öffentlich-rechtliche Sender reagierte erst zögerlich, dann distanzierte er sich ein wenig. Ein Armutszeugnis, findet Carolina Schwarz in der “taz”: “Denn wer Menschen, die jahrelang mit Sexismus und anderen Diskriminierungsformen ihr Geld verdienen, eine Bühne bietet, der hat es nicht anders gewollt. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen wirklich Verantwortung übernehmen wollen, sollten sie künftig überlegen, wem sie eine Bühne bieten möchten.”

3. ChatGPT bekommt Zugriff auf »Wall Street Journal« und »Times«
(spiegel.de)
OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, habe eine Kooperation mit Rupert Murdochs News Corp geschlossen. Diese beinhalte den Zugriff auf aktuelle Artikel und Archivmaterial unter anderem des “Wall Street Journal”, der Londoner “Times”, der “New York Post” und der “Sun”. Ähnliche Vereinbarungen gebe es bereits mit dem deutschen Axel-Springer-Konzern, der französischen Zeitung “Le Monde” und der “Financial Times”.

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4. “Journalismus ohne Datenjournalismus wäre heute unvollständig”
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Christian Endt ist stellvertretender Leiter des Ressorts Daten und Visualisierung bei “Zeit Online”. Im Interview mit dem “Fachjournalist” spricht er unter anderem über sein Verständnis von Datenjournalismus, die Herausforderungen und Chancen seines Berufs und die Frage, an welchen Stellen ihm Künstliche Intelligenz die Arbeit erleichtert.

5. Bundeskabinett beschließt Roths Entwurf zum Filmförderungsgesetz
(faz.net, Andreas Kilb)
Das Bundeskabinett habe den von Kulturstaatsministerin Claudia Roth vorgelegten Entwurf für ein neues Filmförderungsgesetz beschlossen, das Steuererleichterungen und Pflichtförderungen für Produktionsfirmen sowie eine Investitionsverpflichtung für Fernsehsender und Streamingdienste vorsehe. Das Gesetz stehe jedoch vor Herausforderungen: “Die Steueranreize will der Bund durch Erleichterungen bei der Körperschaftsteuer setzen, die den Ländern zusteht, welche dafür einen Ausgleich verlangen. Eine Einigung Roths mit den Sendern und Streamingdiensten steht ebenfalls noch aus.”

6. Die große Grundgesetz-Lobhudelei
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell, Audio: 4:01 Minuten)
Deutschlandfunk-Kolumnist Matthias Dell findet den Großteil der Beiträge zum 75-jährigen Bestehen des Grundgesetzes zu langweilig und meint, auch den Grund dafür zu kennen: “Der Jubiläumstext muss zwei Sachen gleichzeitig machen: informieren und feiern. Was zur Folge hat, dass das Informieren die Laune nicht zu sehr trüben darf. Man kennt das von privaten Geburtstagsfeiern – da sind Reden auf die Jubilarin auch nicht dazu gedacht, am Tag des Festes die problematischen Teile ihres Charakters herauszustreichen.”

7. 200.000 Euro Entschädigung nach KI-Interview mit Michael Schumacher
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:47 Minuten)
Als siebter und zusätzlicher Link, weil in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Entschädigungszahlung der Funke Mediengruppe an Ex-Rennfahrer Michael Schumacher und dessen Familie wegen eines vermeintlichen, mit Hilfe von KI erfundenen Interviews: “Die Chefredakteurin verteidigte sich damit, dass sie mit ihrer Lügengeschichte lediglich den ‘Erwartungshorizont’ ihrer Leserschaft bedient habe. ‘Erwartungshorizont’ – das ist besorgniserregend zynisch, wie ich finde.”

Funkes teures KI-Interview, Schertz, “Aus Respekt vor Frau Johansson”

1. Funke zahlte Schumacher 200.000 Euro nach KI-Interview
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Das Funke-Magazin “Die Aktuelle” veröffentlichte im April 2023 ein vermeintliches Interview mit Michael Schumacher, das in Wirklichkeit von einer Künstlichen Intelligenz generiert wurde. Wie “DWDL” unter Berufung auf Informationen von “Übermedien” (nur mit Abo lesbar) berichtet, zahlte Funke der Familie Schumacher dafür eine Entschädigung in Höhe von 200.000 Euro. Außerdem habe der Medienkonzern laut “Übermedien” (nur mit Abo lesbar) der Chefredakteurin des Magazins gekündigt, sei damit aber vor Gericht bislang gescheitert.

2. “Weg­bomben” für die Gerech­tig­keit
(lto.de, Thomas Fischer)
Anfang vergangener Woche wiesen wir in den “6 vor 9” auf die ARD-Doku “Der Star-Anwalt: Christian Schertz und die Medien” hin. Rezensent Thomas Fischer, selbst prominenter Jurist, ist wenig begeistert. Trotz der Einblicke in Schertz’ berufliche Tätigkeit und zahlreicher Interviews mit bekannten Persönlichkeiten bleibe die Dokumentation oberflächlich und beantworte die zentrale Frage nicht überzeugend: “Selten sah man ein ‘Portrait’, das auf die selbstgestellte Frage ‘Wer ist dieser Mensch?’ so wenig Antwort gab.”

3. Umweltjournalismus weltweit in Gefahr
(verdi.de)
Die UNESCO-Studie “Press and planet in danger” habe die Gefahren und Herausforderungen für die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten, die über Umweltthemen berichten, untersucht. Zwischen 2009 und 2023 seien weltweit mindestens 749 von ihnen angegriffen worden, vor allem bei der Berichterstattung über Umweltproteste, Bergbau und Landkonflikte. Die Studie dokumentiere zudem, dass physische Angriffe und rechtliche Bedrohungen wie SLAPPs stark zugenommen hätten, wobei Frauen und Freiberufler besonders betroffen seien.

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4. Die Marginalisierung des Globalen Südens in der reichweitenstärksten Nachrichtensendung der USA
(de.ejo-online.eu, Ladislaus Ludescher)
Ladislaus Ludescher weist in seiner Analyse darauf hin, dass die vielgesehene US-amerikanische Nachrichtensendung “ABC World News Tonight” dem globalen Süden, in dem 85 Prozent der Weltbevölkerung leben, im Jahr 2022 nur etwa drei Prozent ihrer Sendezeit widmete. Dies stelle eine erhebliche Marginalisierung dieser Regionen dar. Ludeschers Fazit: “Dem titelgebenden Anspruch, Weltnachrichten abzubilden, werden die ABC World News Tonight keinesfalls gerecht. Der Titel der Sendung ist für das untersuchte Jahr 2022 als irreführend zu bezeichnen.”

5. Himmlische KI-Versprechen und reale Nebenwirkungen
(background.tagesspiegel.de, Jürgen Pfeffer & Matthias Pfeffer)
Jürgen Pfeffer von der TU München und Matthias Pfeffer vom Council for European Public Space beschäftigen sich mit den Risiken und Herausforderungen, die mit der rasanten und unregulierten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz verbunden sind: “Schon lange steuern Algorithmen die Informationsflüsse und übernehmen immer stärker die Rolle von Gatekeepern der öffentlichen Meinung. Mit der automatisierbaren Erzeugung von Texten, Bildern, Videos, und jetzt auch Stimmen sind sie nun in der Lage, auch die Produktion der Informationen zu steuern, und zwar in einer Weise, die die Quellen verschüttet, aus denen sie sich speisen. Ungebremst führt diese Entwicklung direkt in eine Ära der strukturellen Desinformation.”

6. Hat OpenAI die Stimme von Scarlett Johansson kopiert?
(spiegel.de)
Weil OpenAI-Chef Sam Altman offenbar ein Fan des US-Films “Her” ist, in dem sich ein Mann in eine KI verliebt, wollte er die Stimme der Schauspielerin und “Her”-KI-Darstellerin Scarlett Johansson für den ChatGPT-Sprachassistenten lizenzieren. Johansson lehnte jedoch ab und war umso überraschter, als sie bei der Präsentation der neuen ChatGPT-Version ihre eigene Stimme als Sprachoption “Sky” hörte. OpenAI habe daraufhin geantwortet, dass die KI-Stimme von einer anderen Schauspielerin stamme, deren Namen man aber nicht nennen wolle. “Aus Respekt vor Frau Johansson” habe man die Stimme jedoch aus der Software entfernt.

Assange-Auslieferung gestoppt, Klagen als Waffen, Stand-up-Shows

1. Assange wird erstmal nicht ausgeliefert
(netzpolitik.org, Constanze Kurz)
Julian Assange darf vorerst nicht an die USA ausgeliefert werden. Der britische High Court habe dem Wikileaks-Gründer das Recht auf ein Berufungsverfahren zugesprochen; die Zusicherungen der US-Regierung für ein faires Verfahren seien nicht ausreichend. Constanze Kurz fasst den Fall bei netzpolitik.org noch einmal kommentierend zusammen: “Der Australier hat in Zusammenarbeit mit internationalen Medienhäusern im Kern journalistisch gearbeitet. Seine Auslieferung wäre daher ein gefährlicher Präzedenzfall für die Verfolgung von investigativen ausländischen Journalisten.”

2. Klagen als Waffen
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
SLAPP ist die Abkürzung für Strategic Lawsuits Against Public Participation, also strategische Klage gegen öffentliche Beteiligung. Solche Klagen sollen Medienschaffende sowie Aktivistinnen und Aktivisten einschüchtern und von ihrer Arbeit abhalten. Sonja Peteranderl beschreibt anhand aktueller Fälle, wie neue Initiativen den Betroffenen helfen wollen, sich gegen derartige Klagen zu wehren.

3. EU-Länder sperren prorussische Plattform “Voice of Europe”
(sueddeutsche.de)
Die EU-Staaten hätten die prorussische Plattform “Voice of Europe”, die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti sowie die Medien “Iswestija” und “Rossijskaja Gaseta” wegen der Verbreitung von Propaganda und der Unterstützung des Angriffskrieges gegen die Ukraine gesperrt. Trotz der Sperrung dürfen die betroffenen Medien und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin in der EU recherchieren und Interviews führen.

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4. Ist der Lokaljournalismus zu retten oder drohen Nachrichtenwüsten?
(ardaudiothek.de, Nina Landhofer, Audio: 26:58 Minuten)
Welche Folgen hat die Ausdünnung des Lokaljournalismus angesichts der bevorstehenden Europawahl und dreier Landtagswahlen in diesem Jahr? Was bedeutet es, wenn, wie der Verlegerverband BDZV befürchtet, bis 2025 vierzig Prozent der Kommunen zu sogenannten Nachrichtenwüsten werden könnten? Darüber spricht Nina Landhofer mit Katja Bauroth, Redaktionsleiterin der “Schwetzinger Zeitung”, dem freien Journalisten Michael Kraske und dem Medienwissenschaftler Christopher Buschow.

5. Biounterricht wie auf Speed
(taz.de, Valérie Catil)
Valérie Catil stellt bei taz.de den Naturreporter “Robinga Schnögelrögel” vor, der in seinen Instagram-Videos auf humorvolle Weise Wissen über Pflanzen und Tiere vermittele. In seiner Reihe “Pflanzen, die ich hasse” kritisiere der “Plantfluencer” ökologisch nutzlose Gewächse und veröffentliche Rageposts über ineffektive Insektenhotels. Mit Begeisterung lobe er hingegen wichtige Arten wie Regenwürmer und erkläre, wie man die Natur im eigenen Garten unterstützen kann.

6. Stand-up-Shows im Fernsehen: Der Letzte lacht das Licht aus
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader beobachtet bei “DWDL” das Revival der Stand-up-Shows im deutschen Fernsehen. Er endet mit einem Stoßseufzer: “Vielleicht sind die Zeiten, in denen das Fernsehen für die Stand-up-Szene das gelobte Land war, in das es immer wieder neue Auftrittsmöglichkeiten hineinregnete, einfach ein für alle mal vorbei. Entweder das. Oder das Publikum hat inzwischen einfach alle Gag-Variationen, die man über Helikoptereltern, Kinderpipi und Fahrradfahren in Köln machen kann, schon mal gehört und wartet darauf, dass sich irgendjemand mal was Neues einfallen lässt.”

KW 20/24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Worum geht es in “vertraulichen Runden” von Politik und Medien wirklich?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 14:07 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast geht es um die vertraulichen Hintergrundgespräche von Ministerien und Bundesbehörden mit ausgewählten Medien. “Tagesspiegel”-Journalist Jost Müller-Neuhof legt den Finger in die Wunde: “Wir wissen alle, dass diese vertraulichen Gespräche auch darauf angelegt sind, dass die Öffentlichkeit hintenrum doch irgendwie informiert werden soll. Es soll nur nicht so aussehen, als sei es die Bundesregierung oder ein Vertreter der Bundesregierung oder irgendein anderer behördlicher Akteur aus einer Regierungsstelle, der diese Informationen verteilt.”

2. Brauchen wir “Friedensjournalismus”?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 40:48 Minuten)
Bei “Nach Redaktionsschluss” kritisiert der Politik-, Islam- und Medienwissenschaftler Kai Hafez die deutsche Gaza-Berichterstattung als zu einseitig. Er wünscht sich mehr “Friedensjournalismus”. Mit Hafez diskutieren die Journalistin und Nahost-Expertin Kristin Helberg und Brigitte Baetz aus der Deutschlandfunk-Medienredaktion.

3. Link-Extremismus
(netzpolitik.org, Serafin Dinges & Sebastian Meineck, Audio: 49:36 Minuten)
netzpolitik.org hat eine neue Podcast-Doku-Reihe gestartet: “Systemeinstellungen”. In der ersten Folge geht es um die Geschichte eines Journalisten von Radio Dreyeckland, der sich derzeit vor Gericht verantworten muss. Durch das Setzen eines Links zu einem Archiv eines Portals der linken und linksradikalen Szene habe er eine verbotene Vereinigung unterstützt, so der Vorwurf. Die Frage ist: “Kann es sein, dass ein Journalist wegen eines Links in den Knast muss?”

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4. Staffelhighlights: Medien und die AfD
(sueddeutsche.de, Nils Minkmar & Nadia Zaboura, Audio: 18:57 Minuten)
Beim Medienpodcast “quoted” gibt es eine Zusammenstellung der interessantesten Statements aus der vergangenen Staffel zum Umgang von Medien mit der AfD: “Sozialpsychologin Pia Lamberty erklärt, warum es gefährlich ist, den Erfolg der Partei als reine ‘Protestwahl’ abzutun. Kommunikationsexperte Johannes Hillje ordnet ein, wie weit die AfD beim Versuch ist, ein eigenes (Des-)Informations-Ökosystem aufzubauen. Und Medienwissenschaftlerin Mandy Tröger analysiert die Bedeutung der medialen Unterbelichtung Ostdeutschlands für die dortigen Erfolge der AfD.”

5. Das ganze Gespräch: Christian Rainer
(share.transistor.fm, Luis Paulitsch, Audio: 36:19 Minuten)
Der Podcast “Über.Medien.Ethik” ist eine Kooperation des Österreichischen Presserats mit dem Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien. Aktuell gibt es dort ein Gespräch mit Christian Rainer zu hören, der über 25 Jahre lang Chefredakteur des österreichischen Nachrichtenmagazins “profil” war: “Wie hat sich sein Leben seit seinem Rückzug bei profil verändert – was macht Christian Rainer heute?”

6. This Fake Piano Trend Must Be STOPPED
(youtube.com, Brett Yang & Eddy Chen, Video: 12:41 Minuten)
Auf ihrem Youtube-Kanal “TwoSetViolin” liefern die australischen Geiger Brett Yang und Eddy Chen regelmäßig unterhaltsame Inhalte aus der Welt der klassischen Musik. Im verlinkten Video – ausnahmsweise in englischer Sprache – geht es um einen aktuellen Trend, beim dem Musiker, meist Pianisten, scheinbar spontan an öffentlichen Orten spielen und so andere Musiker zum Mitspielen animieren. Sind diese Begegnungen wirklich spontan? Oder inszeniert?

Radiomoderator ruft zum Mord auf, Medienerziehung, Leben retten

1. Belgiens Regierungschef erstattet Anzeige nach Mordaufruf von Radiomoderator
(spiegel.de)
Ein belgischer Radiomoderator habe nach dem Attentat auf den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico seine Zuhörerinnen und Zuhörer zu einer ähnlichen Aktion aufgerufen und sie ermutigt, den belgischen Premierminister zu töten. Wortwörtlich habe er gesagt: “An alle, die erwägen, Alexander De Croo zu erschießen, sich aber wegen der Sicherheitsvorkehrungen um ihn herum nicht trauen: Ihr seht, es ist möglich, einen Premierminister zu erschießen. Also sage ich: nur zu.” Der Moderator sei daraufhin suspendiert worden. Außerdem habe De Croo Strafanzeige erstattet.

2. Wenn die KI das Zeitungslayout macht
(deutschlandfunk.de, Bastian Brandau, Audio: 5:35 Minuten)
Die Redaktion der “Nordwest-Zeitung” setzt beim Layout auf die Kraft der Künstlichen Intelligenz. Der Deutschlandfunk hat nachgefragt, wie das funktioniert. Und mit Chefredakteur Ulrich Schönborn gesprochen, der die Entscheidung etwas einschränkt: “Aber es geht keine Seite raus, ohne dass noch mal ein Redakteur draufgeschaut hat. Es gibt sicherlich aber auch Bereiche, da wird man immer so ein bisschen nacharbeiten müssen.”

3. Leben retten – Berichterstattung über Suizid
(sr.de, Katrin Aue & Florian Mayer, Audio: 22:51 Minuten)
Thomas Niederkrotenthaler ist Suizidforscher und Professor für Public Mental Health an der Medizinischen Universität Wien. Katrin Aue und Florian Mayer haben mit ihm unter anderem über die neue Suizidpräventionsstrategie des Gesundheitsministeriums und die Suizidberichterstattung gesprochen. In diesem Zusammenhang sei auch an die “6-vor-9”-Empfehlung über den Umgang mit Suizid in Medien vom vergangenen Dienstag erinnert: Rufen Sie bitte später zurück (taz.de, Shoko Bethke).

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4. Antimuslimischer Rassismus in Sachsens rechten Telegram-Kanälen
(belltower.news, Nicola Eschen)
Die neue Ausgabe des EFBI Digital Reports (PDF) beschäftigt sich mit den Reaktionen der extrem rechten Telegram-Szene in Sachsen auf die Ereignisse vom und nach dem 7. Oktober 2023: “Wie wurden der terroristische Angriff der Hamas, die militärische Reaktion der israelischen Streitkräfte, aber auch die Solidaritätsdemonstrationen mit Palästina eingeordnet und kommentiert?” “Belltower News” hat eine vertiefende Analyse von Nicola Eschen vom Bündnis gegen anti-muslimischen Rassismus Sachsen daraus veröffentlicht.

5. Elaborated Report 2024 – Online-Risiken und elterliche Medienerziehung
(act-on.jff.de)
Der “ACT ON! Elaborated Report 2024” (PDF) beschäftigt sich mit “Online-Risiken und elterlicher Medienerziehung aus Sicht der 10- bis 14-Jährigen“. Rund 60 bis 75 Jugendliche pro Jahr in den Altersgruppen 10 bis 12 Jahre und 12 bis 14 Jahre wurden in Forschungsworkshops zu Themen wie Cybermobbing, Hatespeech, sexuelle Belästigung und Scamming befragt. Der Bericht enthält neben dem Analyseteil auch Schlussfolgerungen für die Medienkompetenzförderung und Medienerziehung.

6. Eigentum verpflichtet selbst uns
(taz.de)
Wie die “taz” in ihrem “Hausblog” berichtet, steht das Rudi-Dutschke-Haus, der ehemalige Sitz der Zeitung, vor einer denkmalgerechten Sanierung. Die geplanten Sanierungsarbeiten, darunter die Modernisierung der sanitären Anlagen und die Installation einer Photovoltaikanlage, sollen nicht nur das Gebäude erhalten, sondern auch die Mieteinnahmen sichern.

Medien und die AfD, AstroTV stellt Glaskugel weg, Neues bei OpenAI

1. Björn Höcke, Maximilian Krah & Co: Scheitern Medien an der AfD?
(ndr.de, Nils Altland & Mandy Mülling, Video: 35:51 Minuten)
In diesem Jahr stehen einige Wahlen an. Wahlen, bei denen die AfD eine wichtige Rolle spielen könnte. Doch die Berichterstattung über eine pressefeindliche Partei ist nicht einfach. Das Medienmagazin “Zapp” hat einige Journalisten nach ihren Erfahrungen mit der AfD gefragt, darunter “Correctiv”-Reporter Marcus Bensmann, Youtuber Tilo Jung, Peter Hagen von der “Ostthüringer Zeitung”, Henry Bernhard vom Deutschlandfunk-Landesstudio Thüringen sowie Politikberater Johannes Hillje.

2. Die mit Worten zur Gewalt aufwiegeln
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband)
Marina Weisband kritisiert in ihrer Deutschlandfunk-Kolumne den Umgang von Medien mit der AfD: “Natürlich schürt die AfD mit ihren generellen Anti-Ampel-Parolen den Eindruck, dass die Regierungsparteien das Land in Elend stürzen und dem Zuhörer persönlich etwas wegnehmen wollen. Aber muss man sie dann in alle Sendungen einladen, damit sie genau diese Nachricht verbreiten können? So trägt man zu stochastischem Terrorismus bei. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch das persönlich nimmt und dagegen ‘handeln’ will, steigt mit jeder Talkshow.”

3. Der Osten braucht einen starken MDR
(verdi.de)
Aus Sicht der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) stellen die beim MDR angekündigten Kürzungspläne “eine Gefahr für die Sicherheit von Arbeitsplätzen und die Demokratie in den betreffenden Bundesländern dar”. Die dju-Bundesvorsitzende Tina Groll klagt: “In Ostdeutschland gibt es kaum noch eine kritische Medienlandschaft, vielerorts nicht einmal mehr Tageszeitungen – der öffentlich-rechtliche Rundfunk füllt hier wichtige Löcher. Und angesichts der starken Zustimmungswerte für nicht-demokratische Parteien in der Region ist ein starker MDR wichtiger denn je.”

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4. Nach 20 Jahren: AstroTV wird Ende 2024 eingestellt
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, stellt der umstrittene Esoteriksender AstroTV nach zwei Jahrzehnten die Glaskugel zur Seite und den Betrieb ein. Grund sei eine “strategische Neuausrichtung”. Der Sender hatte in der Vergangenheit immer wieder für Kopfschütteln, Kritik und Kontroversen gesorgt.

5. Ein gutes Team für professionelle Podcasts: Audacity und Auphonic
(fachjournalist.de, Brigitte Hagedorn)
Immer mehr Medienschaffende podcasten oder liebäugeln mit diesem Medium. Für den “Fachjournalist” hat Brigitte Hagedorn eine Übersicht mit nützlichen Tools zusammengestellt, die bei der Audiobearbeitung Zeit und Nerven sparen können. Dazu gehören die kostenlose Schnittsoftware Audacity und der Webservice Auphonic, mit dem man die Qualität der Aufnahmen auf Knopfdruck deutlich verbessern könne.

6. Der Mann, der uns vor der Super-KI schützen wollte
(zeit.de, Titus Blome)
“Der OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever verlässt die Firma. Er gilt als einer der wohl letzten Vertreter der ursprünglichen Vision von OpenAI: Idealismus statt Kommerz.” Bei “Zeit Online” erklärt Titus Blome, warum der Weggang von Sutskever weitaus mehr als eine bloße Personalie ist.

7. KI-Innovationen: Ein Grund zum Feiern oder macht uns Künstliche Intelligenz langfristig überflüssig?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Und als zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die angekündigten Neuerungen bei ChatGPT: “GPT-4o und ähnliche Systeme werden unsere Welt auf eine Weise verändern, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Wir sollten die Technologie weder verteufeln noch verherrlichen. Aber wir müssen die Entwicklung in die richtigen Bahnen lenken. Dazu brauchen wir einen breiten gesellschaftlichen Dialog, klare ethische Leitlinien und Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang.”

Höcke-Urteil, Schutz vor Ohrfeigen, Kollapsjournalismus

1. Höcke-Urteil: “FAZ” veröffentlichte “vorbereitete Meldung” zu früh
(dwdl.de, Manuel Weis)
Wie “DWDL” berichtet, ist der “FAZ” ein recht peinlicher Fehler unterlaufen: Eine vorbereitete Nachricht über eine Verurteilung von AfD-Politiker Björn Höcke sei veröffentlicht worden, obwohl das Urteil noch gar nicht gesprochen war. Anscheinend hatte jemand in der Onlineredaktion statt auf “Speichern” auf “Veröffentlichen” geklickt.
Ergänzung des “6-vor-9”-Kurators: Mittlerweile hat das Landgericht in Halle sein Urteil gesprochen: AfD-Rechtsaußen Höcke wegen Nazispruchs zu Geldstrafe verurteilt (spiegel.de).

2. Anlaufstelle zum Schutz publizistischer Arbeit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisationen Blueprint for Free Speech, Reporter ohne Grenzen, der Deutsche Journalisten-Verband, die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi, “FragDenStaat” sowie Aktion gegen Arbeitsunrecht haben eine Anlaufstelle zum Schutz vor missbräuchlichen Einschüchterungsklagen eingerichtet, von denen auch immer wieder Medienschaffende betroffen sind. Mit den sogenannten SLAPPs soll auch unliebsame Berichterstattung unterdrückt werden: “Die No-SLAPP-Anlaufstelle bietet Information, Beratung und Training, um potenziell Betroffene über ihre Rechte aufzuklären und sie bei der Verteidigung gegen solche SLAPP-Klagen zu unterstützen.”

3. Kollapsjournalismus
(lorenzmatzat.substack.com)
Lorenz Matzat kritisiert in seinem Beitrag, dass die deutsche Medienlandschaft der Klimakrise nicht die nötige Aufmerksamkeit und Dringlichkeit schenkt, sondern oft oberflächlich und neutral berichtet. Er fordert einen “Kollapsjournalismus”, der die drohenden gesellschaftlichen Zusammenbrüche offen anspricht: “Im Unterschied zum derzeitigen Verdrängungsjournalismus konfrontiert ein Kollapsjournalismus Entscheider:innen mit dem möglichen Zusammenbruch und fordert Auseinandersetzung ein, auch von seinen Leser:innen.”

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4. Blog gegen Desinformation verliert die Gemeinnützigkeit
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wie netzpolitik.org berichtet, wurde dem Blog “Volksverpetzer” Ende April die Gemeinnützigkeit aberkannt. Das bedeutet konkret, dass Spenden an den “Volksverpetzer” nicht mehr steuerlich absetzbar sind und für das Projekt möglicherweise hohe Rückzahlungen anstehen. In Deutschland sei gemeinwohlorientierter Journalismus nicht als eigener Gemeinnützigkeitszweck anerkannt, weshalb derartige Projekte stets um ihren Status bangen müssten. Eine Petition fordert die Ampel-Koalition auf, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzulösen und Rechtssicherheit für gemeinnützigen Journalismus zu schaffen.

5. Wie geht guter Lokaljournalismus, Ralf Heimann?
(open.spotify.com, Katharina Heimeier, Audio: 1:00:01 Stunden)
Im Podcast “Sendekritik” spricht die Medienwissenschaftlerin Katharina Heimeier mit Gästen über Journalismus und die Medienbranche. In der aktuellen Folge zu Gast: Ralf Heimann, Medienbeobachter (“Altpapier”), BILDblog-Autor (“Kleine Wissenschaft des Fehlers”) und Mitbegründer eines lokaljournalistischen Mediums für Münster (“Rums”). In dem Gespräch geht es unter anderem um den Newsletter als journalistisches Produkt, um Bezahlabos und die Frage, wie Heimann die Zukunft sieht.

6. Post zu Hummels’ angeblichem EM-Aus geht viral
(spiegel.de)
Ein Fake-Account auf X/Twitter mit dem Namen “Mats Hummels” verbreitete die Nachricht, dass der Fußballprofi nicht für die anstehende Europameisterschaft nominiert worden sei, was sich viral verbreitete, bevor eine “Community Note” den Post als falsch kennzeichnete. Bislang gibt es weder von der deutschen Nationalmannschaft noch von Hummels selbst eine offiziell verkündete Entscheidung zur EM-Nominierung. Das geänderte Verifizierungssystem von X mache es schwieriger, echte Accounts von Fake-Accounts zu unterscheiden.

Offener Brief gegen Kürzungen, Telefonseelsorge, Wutköder

1. Offener Brief zu Kürzungen beim MDR
(djv.de)
Verschiedene Journalistinnen und Journalisten haben sich in einem offenen Brief gegen die Kürzungspläne des MDR im Bereich der investigativen Recherche und der regionalen Hintergrundberichterstattung gewandt: “Wir fürchten um die publizistische Schlagkraft des MDR, um die Erfüllung unseres öffentlich-rechtlichen Auftrags und nicht zuletzt um das Vertrauen unseres Publikums. Daher fordern wir Sie auf, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen braucht es mehr statt weniger investigative, regionale politische Berichterstattung.” Die im Brief angesprochene Leitungsebene des Senders hat mit einer Stellungnahme reagiert, über die Medienjournalist Stefan Niggemeier schreibt: “Da wird schroff deklamiert, statt den Kollegen, die es gut meinen und viele Leute hinter sich gesammelt haben, denen der MDR offenbar nicht egal ist, ein Gesprächsangebot zu machen.”

2. Rufen Sie bitte später zurück
(taz.de, Shoko Bethke)
Viele Medien, darunter auch das BILDblog, verbinden ihre Berichterstattung zum Thema Suizide mit einem Hinweis auf die Telefonseelsorge. Dies helfe Menschen in akuten Krisen jedoch nur bedingt. Die Erreichbarkeit und die Eignung für akute Fälle würden von einigen Personen, die versucht haben, die Telefonseelsorge zu erreichen, kritisch gesehen. Auch die Telefonseelsorge selbst fühlt sich überlastet. Medien wie der “Spiegel” und neuerdings auch die “taz” verweisen daher auf verschiedene Hilfsangebote.

3. Meine Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen die verleumderische Hetze von BILD
(michael-wildt.de)
Michael Wildt, Professor für Deutsche Geschichte mit Schwerpunkt Nationalsozialismus, hat beim Deutschen Presserat Beschwerde gegen einen seiner Ansicht nach verleumderischen Artikel der “Bild”-Zeitung eingelegt. Darin werde fälschlicherweise behauptet, er und weitere Unterzeichner einer Erklärung von Lehrenden an Berliner Universitäten würden “Juden-Hass-Demos” unterstützen. Der Artikel verdrehe laut Wildt bewusst die Tatsachen, da die unterzeichnete Erklärung lediglich den Polizeieinsatz an der Freien Universität Berlin kritisiere und das Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit verteidige.

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4. “Da kann man nur den Kopf schütteln”
(t-online.de, Amir Selim)
ZDF-Wettermoderator Özden Terli warnt nicht nur im Fernsehen, sondern auch in den Sozialen Medien vor den Folgen der Klimakrise. Amir Selim sprach mit ihm unter anderem über die aktuellen Temperaturrekorde. Außerdem geht es in dem Interview um die Fragen, welche konkreten Auswirkungen die hohen Temperaturen in Deutschland haben, worauf Terli bei seiner Berichterstattung Wert legt, und was Medien generell besser machen können.

5. »Wenn ich von links und rechts beschimpft werde, ist das genau richtig«
(spiegel.de, Markus Böhm)
Der “Spiegel” hat mit dem Youtuber Alexander Prinz gesprochen, der sich als “Dunkler Parabelritter” auf seinem Kanal mit politischen und kulturellen Kontroversen auseinandersetzt. Dabei fällt eine Parallele zum gestern verlinkten Interview mit der Aufklärungsseite “Volksverpetzer” auf, in dem Betreiber Thomas Laschyk erklärt, warum er oft reißerische Überschriften verwendet. Was für den einen reißerische Überschriften sind, sind für den anderen Vorschaubilder als Wutköder, über die Prinz sagt: “Von diesen wütenden Gesichtern würde ich gern wegkommen. Aber viele Leute klicken ohne solche Stilmittel nicht auf das Video. Und wenn mehrere Prozent der Zuschauer wegbleiben, ist das für den YouTube-Algorithmus und die weitere Verbreitung des Videos toxisch. Da kann die wochenlange Arbeit mehrerer Leute einfach untergehen.”

6. Wie Sie sehen, hören wir nichts
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:09 Minuten)
Boris Rosenkranz wollte sich beim NDR über den Hamburger Hafengeburtstag informieren, hatte aber Hörprobleme. Die lagen jedoch ausdrücklich nicht an ihm: “Beim Hafengeburtstag in Hamburg platziert der NDR seine Moderatorin direkt vor der schwimmenden Bühne. Wer hätte ahnen können, dass es da EIN BISSCHEN LAUT WIRD – und dass dann auch noch Scooter spielt!?”

Ende der Hintergrundrunde?, Schertz und die Medien, Auskoppel-Formate

1. Keine verschwiegenen Runden mehr im Kanzleramt
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Laut “Tagesspiegel” will sich Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt nicht mehr mit ausgewählten Journalisten und Journalistinnen zu vertraulichen Hintergrundgesprächen treffen. Jost Müller-Neuhof, rechtspolitischer Korrespondent beim “Tagesspiegel”, ist sich allerdings nicht sicher, wie ernst das zu nehmen ist: “Möglich, dass Schmidt seine Aktivitäten mit der Presse nun ausschließlich als Privatmann weiterführt – und sich amtlichen Transparenzpflichten damit entzieht. Auf eine Anfrage dazu gab es zunächst keine Reaktion.”

2. Der Star-Anwalt: Christian Schertz und die Medien
(ardmediathek.de, Nora Binder, Video: 59:20 Minuten)
Als “Star-Anwalt” ist Christian Schertz bekannt für die Vertretung von Prominenten und Medienschaffenden. Er vertrat Jan Böhmermann in der Schmähgedicht-Affäre gegen den türkischen Präsidenten Erdoğan, Moderator Günther Jauch gegen die Boulevardpresse und zuletzt Rammstein-Sänger Till Lindemann. Nora Binder hat Schertz für ihre einstündige Dokumentation in dessen Berliner Kanzlei besucht und mit Mandanten sowie Journalisten gesprochen. Der sehenswerte Film wirft viele interessante Fragen auf um “Recht, Moral, Medien und mächtige Männer”.

3. Vermitteln Medien eine europäische Öffentlichkeit?
(deutschlandfunk.de, Pia Behme, Audio: 30:31 Minuten)
Schaffen Medien eine europäische Öffentlichkeit? Können sie zu einem europäischen Bewusstsein beitragen? Darüber spricht Pia Behme mit Patrick Leusch von ENTR, einer Initiative der Deutschen Welle und France Médias Monde in Zusammenarbeit mit Medienunternehmen in sechs europäischen Ländern, und der Deutschlandfunk-Korrespondentin Carolin Born.

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4. Volksverpetzer: “Manchen Menschen ist die Wahrheit egal”
(christoph-koch.net)
Christoph Koch hat Thomas Laschyk, den Gründer des Blogs “Volksverpetzer”, interviewt. Laschyk verrät, warum er für seine Faktenchecks gerne reißerische Überschriften verwendet: “Wenn ich mir schon die Mühe mache, das alles nachzurecherchieren und zu widerlegen, dann brauche ich eigene Narrative, um die Menschen zu erreichen. Also fing ich an, die Methoden der Fake-Verbreiter gegen sie zu verwenden und auch reißerische Titel zu nutzen, um die Leserinnen und Leser emotional anzusprechen.”

5. AfroMedia Network
(de.ejo-online.eu, Elva Nziza)
Elva Nziza stellt das AfroMedia Network vor, eine Plattform für afrikanische Medienforschung und Zusammenarbeit. Das Netzwerk arbeite mit dem African Journalism Educators’ Network und dem European Journalism Observatory zusammen, um “Informationen auszutauschen und die Sichtbarkeit von für Afrika relevanten Geschichten zu erhöhen”.

6. Auskoppel-Formate: Wieviel Idee braucht eine Abendshow?
(dwdl.de, Peer Schader)
“ProSieben im Speziellen und das Fernsehen im Allgemeinen pflegt schon seit längerem eine Leidenschaft dafür, schnell und klein auf Sendung geschickte Ideen nachher nochmal in ganz großem Rahmen auszukoppeln. Mit unterschiedlichem Erfolg allerdings.” Peer Schader hat sich angeschaut, wie das mit den Auskopplungen funktioniert, wie groß eine Idee sein muss, um eine abendfüllende Show daraus zu machen, und warum ein Scheitern erfolgreiche Konzepte hervorbringen kann.

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