1. Wieso Trump sich mit seinem Medien-Bann schaden könnte
(zdfheute.de, Katharina Schuster)
US-Präsident Donald Trump habe durch den Ausschluss von CNN, MS NOW und “Politico” aus dem Weißen Haus eine juristische Gegenoffensive ausgelöst. Politikwissenschaftler sähen in dem Bann den Versuch, kritische Berichterstattung zu unterdrücken und demokratische Kontrollinstanzen zu schwächen. Für Trump berge das Vorgehen jedoch ein Risiko: Da er wie kaum ein anderer Politiker von TV-Präsenz abhängig sei, drohe ihm vor den anstehenden Midterms durch den Boykott etablierter Sender der Verlust jener medialen Reichweite, die seine politische Marke trage.
2. Peter Thiel: Umstrittener Unternehmer bekommt Springer-Award
(sueddeutsche.de)
Der Medienkonzern Axel Springer zeichne den rechtskonservativen US-Milliardär und Investor Peter Thiel mit dem “Axel Springer Award” aus. Konzernchef Mathias Döpfner bezeichne Thiel als den “wahrscheinlich mit Abstand einflussreichsten Deutschen unserer Zeit” sowie als mutigen Vordenker. Thiels umstrittene Datenanalyse-Firma Palantir sehe Döpfner nicht als Bedrohung, sondern als “Schutzmacht der Demokratie”. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Meta-Gründer Mark Zuckerberg, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Tesla-Chef Elon Musk.
3. Wirtschaftsfaktor Creator Economy: Ist der Influencer-Markt übersättigt?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Eine Studie der Landesanstalt für Medien NRW und der Wirtschaftsförderung “KölnBusiness” zeige die große Wirtschaftskraft der Creator Economy. Deutschland sei mit 7,7 Milliarden Euro Marktvolumen Spitzenreiter in der EU, und allein in Nordrhein-Westfalen gebe es 4.800 größere Accounts, vor allem in der Medienstadt Köln. Die Werbeeinnahmen für Influencerinnen und Influencer überträfen inzwischen sogar die Radio-Werbeerlöse. Dennoch kämpfe die Branche mit Problemen: Der Markt sei übersättigt, organische Reichweiten sänken, und die großen Plattformen würden mit 63 Prozent den Großteil der Einnahmen für sich behalten.
4. Meta sperrt Werbung für Virginia-Woolf-Theaterstück wegen Feminismus
(spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta habe einem Theater in Barcelona untersagt, auf Instagram und Facebook für ein Stück nach Virginia Woolfs feministischem Essay “Ein Zimmer für sich allein” zu werben. Ein automatischer Filter habe die Anzeige blockiert, da Erwähnungen von Feminismus, Bürgerrechten oder sozialen Reformen pauschal als verbotene Werbung zu gesellschaftlichen Themen eingestuft würden. Meta habe dem Theater empfohlen, solche Schlüsselwörter zu tilgen. Das Haus und die Hauptdarstellerin würden die Blockade als ungerechtfertigten Eingriff in Kultur- und Bürgerrechte kritisieren. Mittlerweile habe Meta ein Versehen eingeräumt.
5. Comedy is ■■■■■ ■■■ pain
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
In seinem Newsletter analysiert Bernhard Hiergeist das Verhältnis von Humor, Fakten und Aufklärungsanspruch anhand von Beispielen um Dieter Nuhr, Nikolai Binner sowie einem Satirebeitrag der “Welt”. Die Labels “Satire” und “Comedy” würden heute oft als Feigenblatt für die Bedienung diffuser Ressentiments und falscher Tatsachenbehauptungen missbraucht. Bei manchen Akteuren diene die bewusste Verdrehung von Fakten nicht mehr der Pointenkunst, sondern werde vom Publikum als vermeintlicher Tabubruch und Ausweis von Widerständigkeit gegen eine gefühlte “Wokeness”-Norm honoriert.
6. Sie traute Lesern viel zu
(taz.de, Mathias Greffrath & Christiane Grefe)
Vor wenigen Tagen sei die Münchner Verlegerin Antje Kunstmann im Alter von 77 Jahren gestorben. Die “taz” würdigt sie als leidenschaftliche, weltoffene Verlegerin und “tolerante Hedonistin”. Über vier Jahrzehnte habe Kunstmann ihren 1976 übernommenen Independent-Verlag mit politischer Haltung, Risikofreude und kaufmännischem Realismus durch alle Branchenkrisen gesteuert: “Immer war ihr Programm eine Mischung aus Schön und Notwendig, Politisch und Privat, Humor und Realismus.”
