RT Deutsch hat Expansionspläne, Extremismusforscher, Teurer Tweet

1. RT DE will Online-Sender zum Fernsehkanal ausbauen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:59 Minuten)
Der vom russischen Staat bezahlte Auslandssender RT Deutsch produziert in Berlin-Adlershof deutsche Inhalte fürs Internet. Doch nun soll aus dem Youtube-Sender, der regelmäßig durch einseitige Berichterstattung oder Desinformation auffällt, ein echter Fernsehkanal werden. Das wirft Fragen auf, denn die dafür notwendige Sendelizenz dürfe laut Medienstaatsvertrag nicht an staatlich finanzierte Betreiber vergeben werden.

2. “Auf Facebook wird wenigstens gestritten”
(zeit.de, Tanya Falenczyk)
Jakob Guhl ist Extremismusforscher und untersucht in London am Institute for Strategic Dialogue, wie Hass und Radikalisierung im Internet entstehen. “Zeit Online” hat ihn im Interview unter anderem gefragt, ob es etwas bringt, radikale Stimmen von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter zu verbannen. Guhl ist hin- und hergerissen: “Ich glaube, Deplatforming ist nur ein Werkzeug in einem ganzen Werkzeugkasten. Dass Plattformen ihr Hausrecht nutzen und radikale Accounts sperren, finde ich richtig, wenn es eben transparenter wird. Aber wir brauchen online auch Gegenrede, im Kommentarbereich und im direkten Austausch.”

3. Doch, PCR-Tests weisen Infektionen nach – und Christian Drostens Doktorarbeit gibt es
(correctiv.org, Till Eckert)
In Corona-Leugner- und “Querdenker”-Kreisen wird oft der Vorwurf erhoben, PCR-Tests würden keine Infektionen nachweisen, und der Virologe Christian Drosten sei eigentlich “gar kein Doktor”. Dank Social Media schwappen die Meldungen auch in andere Kreise und sorgen dort für Verunsicherung. “Correctiv” hat in einem Faktencheck beide Behauptungen geprüft: Sie sind, wenig überraschend, falsch.

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4. US-Forscher*innen verlangen Anpassung des Urheberrechts während der Pandemie-Notlage
(irights.info, Georg Fischer)
Mehr als 100 Organisationen sowie knapp 150 Einzelpersonen fordern in einer gemeinsamen Erklärung an die Welthandelsorganisation einen flexibleren Umgang mit Urheberrechten während der Pandemie. “Der Zugang zu wissenschaftlichem Wissen sei essentiell, um die Pandemie auf globaler Ebene zu bekämpfen, so die Erklärung. Die Regelungen geistigen Eigentums in vielen Ländern, darunter vor allem Urheber- und Patentrechte, würden diesen Zugang jedoch erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.”

5. RSF klagt gegen Facebook
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen kritisiert Facebooks Umgang mit Hassrede und Desinformation und hat bei der Pariser Staatsanwaltschaft Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Der Klagegrund: “Betrügerische Geschäftspraktiken”. Die in den Nutzungsbedingungen und Gemeinschaftsstandards getroffenen Zusagen zum Verbraucherschutz würden größtenteils nicht eingehalten. Facebook habe beispielsweise zugelassen, dass sich Falschinformationen im Kontext der Covid-19-Pandemie sowie Hasskommentare und Drohungen gegen Medienschaffende ungehindert verbreiteten.

6. Erster Tweet der Welt bringt bei Auktion fast drei Millionen Dollar
(spiegel.de)
Der Twitter-Mitgründer und heutige Firmenchef Jack Dorsey hat seinen ersten Tweet – genauer: die digitale Originalkopie davon – für gut 2,9 Millionen US-Dollar versteigern lassen. Dorsey hatte am 21. März 2006 geschrieben: “just setting up my twttr”. Der Auktionserlös kommt einer Organisation zugute, die arme Menschen auf dem afrikanischen Kontinent unterstützt.

Fakemobil, Aserbaidschan-Affäre, “Klima vor acht”

1. NDR distanziert sich vom Dokumentarfilm “Lovemobil”
(ndr.de)
Der NDR distanziert sich von dem preisgekrönten (und vom NDR mitproduzierten) Kino-Dokumentarfilm “Lovemobil” der Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss. Der Film zeigt das Leben von Prostituierten, die unter entwürdigenden Umständen in Wohnmobilen am Rande von Bundesstraßen arbeiten. Wie sich nun herausstellt, sind viele der gezeigten Szenen mit Darstellern inszeniert worden. Die Autorin versucht, ihr Vorgehen mit einem bemerkenswerten Statement zu rechtfertigen: “Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorwerfen, die Realität verfälscht zu haben, weil diese Realität, die ich in dem Film geschaffen habe, ist eine viel authentischere Realität.”

2. Aserbaidschan-Affäre: Der Diktator, die CDU, der Moderator und das Geld
(vice.com, Felix Dachsel & Robert Hofmann)
Ein gekaufter Berliner Lokalsender, eine selbsternannte Journalistenlegende und ein seltsames Lobby-Unternehmen sind die Hauptbeteiligten in dieser atemberaubenden “Vice”-Geschichte über die Aserbaidschan-Affäre. Und natürlich die Unions-Abgeordneten, die sich von den aserbaidschanischen Lobbyisten haben umgarnen lassen.

3. “Jens Spahns Ehemann” – “Spiegel” bedauert irreführende Überschrift
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Der “Spiegel” erzeugte in einer Überschrift den Eindruck, dass der Ehemann von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Firma besitzt, die Masken an das Gesundheitsministerium verkaufte. Nach viel Kritik änderte das Nachrichtenmagazin die Überschrift um in: “Arbeitgeber von Spahns Ehemann verkaufte Masken ans Gesundheitsministerium” und begründet dies gegenüber “Meedia” wie folgt: “Wir verstehen, dass die ursprüngliche Überschrift für sich genommen einen missverständlichen Eindruck erzeugen kann. Deshalb haben wir sie am Sonntag gegen 21.50 Uhr geändert und bedauern, falls bei Leserinnen und Lesern ein falscher Eindruck entstanden sein sollte. Gleichwohl stand von Anfang an im Vorspann des Artikels unmissverständlich, dass es um die Burda GmbH geht, und Herr Funke als Leiter der Hauptstadtrepräsentanz des Unternehmens dessen Angestellter ist.”

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4. Was die ARD unter “sehr, sehr viel Klima-Berichterstattung” versteht
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die Initiative “Klima vor acht” wünscht sich von der ARD mehr Klimaberichterstattung, ein geeigneter Zeitpunkt seien die Minuten vor der “Tagesschau”, die derzeit von den kurzen “vor acht”-Sendungen genutzt werden. Der zuständige Koordinator wiegelt ab: Klimaschutz sei elementarer Bestandteil der “vor acht”-Sendungen. Nun haben die Aktivisten von “Klima vor acht” die Themenangaben aller 227 Sendungen des Jahres 2020 ausgewertet.
Weiterer Lesehinweis: Die Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf, die Klimaforscherin Insa Thiele-Eich, der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker und der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke haben sich mit einem Offenen Brief an die ARD gewandt: “Lieber Herr Buhrow, nehmen Sie eine Vorreiterrolle in der deutschen TV-Landschaft ein: Lassen Sie ein Format wie ‘Klima vor acht’ entwickeln und umsetzen, und geben Sie ihm einen guten Sendeplatz – zum Beispiel unmittelbar vor der Tagesschau!”

5. TV und YouTube – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert
(dwdl.de Uwe Mantel)
Für viele Medien ist es eine vertrackte Situation: Wenn man die eigenen Filme auf Youtube stellt, erreicht man mehr Menschen, stärkt aber auch den eh schon dominanten Konkurrenten im Bewegtbildmarkt. Darüber hinaus stellen sich weitere Fragen: Ist es medienpolitisch erwünscht beziehungsweise erlaubt, dass die Öffentlich-Rechtlichen für Plattformen kommerzieller US-amerikanischer Anbieter produzieren? Immerhin wurden die Inhalte mit öffentlich-rechtlichen Geldern bezahlt. Um diese und um weitere damit in Zusammenhang stehende Fragen geht es in den nächsten Tagen bei “DWDL”.

6. “Inzidenz-Starrsinn”: Wie “Bild” im Vorfeld des Bund-Länder-Gipfels Stimmung für offene Kitas und Schule macht – mit Erfolg
(news4teachers.de)
“News4Teachers” kritisiert die Corona-Berichterstattung der “Bild”-Redaktion zu Kitas und Schulen: “Das Blatt schreibt: ‘Zwar werden bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren seit der letzten Februarwoche mehr Ansteckungen gemessen. Aber das liegt unter anderem an massenhaften Tests. Denn seit einigen Wochen dürfen Schüler bestimmter Jahrgänge wieder zur Schule gehen. In vielen Klassenzimmern und Turnhallen wird seitdem intensiv getestet.’ Fakt hingegen ist: Zwar hat die Ministerpräsidentenkonferenz flächendeckende Tests von Schülerinnen und Schülern vor zwei Wochen beschlossen – tatsächlich aber haben die Kultusministerien diesen Beschluss in der Praxis kaum umgesetzt.”

Uneinige Union, Elefant im Raum, Wikipedia-Gärtner

1. Die Feigheit der Männer
(taz.de, Waltraud Schwab)
Für Waltraud Schwab sind die Vorgänge an der Berliner Volksbühne und bei “Bild” ein Anlass, über Sexismus gegenüber Frauen zu sprechen: “Solange integre, gendersensible Männer bei Sexismus schweigen, machen sie sich zu Komplizen der Täter.”
Weiterer Lesehinweis: #MeToo in der Schweiz: Gegen die Machomedia (taz.de, Çiğdem Akyol).

2. Gewalt gegen Presse und uralte Hetze gegen Juden auf rechtsextremer Kundgebung in Berlin, 20.03.2021
(jfda.de)
Auf Demonstrationen von Corona-Leugnern und Corona-Maßnahmen-Verweigerern kommt es immer wieder zu Angriffen auf Pressevertreter:innen, Relativierungen der Shoah und antisemitischen Bekundungen. Die Versammlung am 20. März im Zentrum Berlins scheint in dieser Hinsicht keine Ausnahme gewesen zu sein. Im Beitrag wird beschrieben, mit welchen Tricks Neonazis und Rechtsradikale arbeiten, um ihre rassistischen und antisemitischen Hassbotschaften zu verbreiten.
Weiterer Lesehinweis: Wie Pressefreiheit im Lockdown leidet (verdi.de, Susanne Strack-Neumann).

3. Uneinige Union
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 5:30 Minuten)
Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU und CSU hat Vorschläge zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorgelegt, die jedoch auch in den eigenen Parteien umstritten seien. Der Eine-Anstalt-Vorschlag sei der weitreichendste in dem Dokument. Für ein Interview habe die MIT mit Verweis auf Termingründe nicht zur Verfügung gestanden.

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4. Immerhin mal den Elefant im Raum beschrieben, ohne noch mehr Porzellan zu zerstören
(uebermedien.de, Samira El Ouassil)
Als Samira El Ouassil sich auf den Rassismus-Themenabend im WDR einließ, war sie sich nicht sicher: “Kann der Sender, dessen redaktionelle Strukturen die Z-Ausgabe der ‘Letzten Instanz’ über den Äther gehen ließ, einen mehrstündigen Diskussionsabend stemmen, bei dem nicht nur viele Informationen vermittelt, sondern die Themenkomplexe auch mit einer großen Sensibilität verhandelt werden?” In ihrem Beitrag versucht sie, eine Antwort auf ihre Fragen zu finden.

5. “Wir brauchen dringend mehr Menschen, die sich engagieren”
(zeit.de, Jens Tönnesmann)
Der Jurist Lukas Mezger ist nicht nur leidenschaftlicher Wikipedia-Autor, sondern seit 2018 auch ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins Wikimedia Deutschland. Im Interview mit “Zeit Online” erzählt er unter anderem, wie erfüllend das Verfassen von Beiträgen sein kann: “Einen Artikel auf Wikipedia zu veröffentlichen, fühlt sich an, als würde man im Garten ein neues Beet anlegen: Yippie-yeah! Mit einem Unterschied: Was ich auf Wikipedia erschaffe, ist nicht nur für mich da, sondern auch für andere. Und das gibt mir persönlich viel, auch weil ich fest daran glaube: Je mehr Wissen frei verfügbar ist, umso besser für die Welt.”

6. 140 Zeichen sollt ihr sein
(spiegel.de, Andrej Sokolow & Christoph Dernbach, dpa)
Twitter feierte am gestrigen Sonntag sein 15-jähriges Bestehen. Der “Spiegel” blickt zurück auf die vergangenen anderthalb Dekaden – von erstem Tweet des Gründers Jack Dorsey (“just setting up my twttr”) bis zu dem Punkt, an dem Dorsey diesen Tweet für einen Millionenbetrag versteigern lässt.
Weiterer Lesehinweis: Twitter fragt seine Nutzerinnen, ob seine Regeln auch für Staatslenkerinnen gelten sollen (turi2.de, Andreas Grieß).

KW11: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Kasia Lenhardt: Die Rolle der Medien
(youtube.com, Zapp – Das Medienmagazin, Video: 19:25 Minuten)
(Trigger-Warnung: In diesem Film geht es in Auszügen um Suizid-Gedanken und Depressionen! Solltest Du Suizid-Gedanken haben, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der “TelefonSeelsorge”, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222) erreichen kannst.)
Model und Influencerin Kasia Lenhardt beging, eine Woche nachdem ihre Trennung von Fußballprofi Jerôme Boateng bekannt geworden war, mutmaßlich Suizid. Die Boulevardmedien hatten ausführlich über die Trennung berichtet, Details preisgegeben und über die Beziehung spekuliert. “Zapp” ist dem Fall nachgegangen und hat mit der Influencerin Cathy Hummels, Medienkritikerin Samira El Ouassil und dem Anwalt für Medienrecht Matthias Prinz über die Verantwortung der Medien gesprochen.

2. #DiePodcastin zu Macht, Sexismus, Misogynie bei Tamedia, BILD u.a.: Isabel Rohner & Regula Stämpfli über Medienstrukturen
(diepodcastin.de, Isabel Rohner & Regula Staempfli, Audio: 51:40 Minuten)
Im feministischen Wochenrückblick mit Isabel Rohner und Regula Staempfli geht es unter anderem um Machtmissbrauch und strukturellen Sexismus in Redaktionen. Mit dem Schweizer Medienkonzern Tamedia, “Bild” sowie der Berliner Volksbühne liegen gleich drei Fälle vor, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen.

3. 20. Jahrhundert 1930-1939 – Wie die NS-Zeit die Medien verändert hat
(youtube.com, Terra X, Video, 12:50 Minuten)
In der aktuellen Youtube-Folge von “Terra X” geht es um den Einfluss der Nationalsozialisten auf die Medien. Die Nazis hatten schnell die Nützlichkeit des Radios als Propagandainstrument für sich entdeckt. Da zu Beginn der 1930er-Jahre nur wenige Haushalte einen Radioapparat besaßen, brachte Propaganda-Reichsminister Joseph Goebbels den erschwinglichen “Volksempfänger” auf den Markt.

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4. nano vom 16. März 2021: Wikipedia
(3sat.de, Thomas Hauer & Rene Kirschey, Video: 8:15 Minuten)
Wikipedia hat den Anspruch, das Weltwissen neutral abzubilden. Von diesem Anspruch sei die Online-Enzyklopädie jedoch weit entfernt. Besonders bei politischen und zeitgeschichtlichen Einträgen gebe es keine Neutralität. Wissenschaftler der Europa-Universität Viadrina haben seit Jahren ein waches Auge auf das digitale Nachschlagewerk: “Wer eigentlich bestimmt, was wir in Wikipedia nachschlagen können? Wo tobt ein Edit War? Wer sind / was machen die knapp 193 Administratoren? Welche Artikel sind gesperrt? Wo wehren sich Betroffene – zu oft vergeblich – gegen falsche Darstellungen?”
Zusätzlicher Lesehinweis: “Seit 20 Jahren gibt es die deutschsprachige Wikipedia. Die Online-Enzyklopädie wird von einem streitlustigen sozialen Netzwerk gemacht, aber es mangelt an weiblichen und jüngeren Aktiven. Bekommt die Gemeinschaft das jetzt in den Griff?” Wikipedia in Deutschland: Eine für alle, alle für eine (zeit.de, Jens Tönnesmann)

5. Ein radikaler Umbau von ARD und ZDF – wie soll das gehen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 52:53 Minuten)
TV-Autor Stefan Stuckmann hat bei “Übermedien” Anfang März einen Essay zur Zukunft der Medienlandschaft vorgelegt: Wer einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk will, muss ihn radikal umbauen! Im Gespräch mit Holger Klein überlegt er, wie man den Angriffen auf den öffentlichen-rechtlichen Rundfunk konstruktiv begegnen kann: “Denn diese Debatte wird jedes Jahr lauter und sie kommt mit immer stärkerer Frequenz. Es ist an der Zeit, Gegenvorschläge zu machen, die radikaler sind, die mutiger sind.”

Transparenzhinweis: Hier stand für einige Stunden eine Medienkritik eines Youtubers, der in der Vergangenheit mit zweifelhaften Äußerungen aufgefallen ist, wie uns ein aufmerksamer BILDblog-Leser berichtet hat. Wir haben die Empfehlung daher gelöscht.

ZDF-Doku mit Streeck, Silikon im Hirn, Institut für Rundfunktechnik

1. ZDF-Doku mit Hendrik Streeck: Warum ein Virologe kein TV-Moderator sein sollte
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Matthias Schwarzer hat sich im ZDF die vom Virologen Hendrik Streeck moderierte Corona-Doku angesehen. Er kritisiert die seiner Meinung nach generell zu geringe Distanz zwischen Medien und Experten, darüberhinaus habe die Streeck-Doku jedoch ein besonderes Geschmäckle: “Man wird das Gefühl nicht los, dass auch diese Sendung wieder der eigenen Selbstinszenierung dient. Und man fragt sich, warum das ZDF da mitspielt.”

2. 4,125 Millionen Euro – Kaufpreis für Spahns Villa darf jetzt genannt werden
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Der “Tagesspiegel” berichtet, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) offenbar nicht mehr gegen Medien vorgehen wolle, die über den Kaufpreis seiner Villa in Berlin-Dahlem berichten. Zuvor habe Spahn, unter anderem gegen den “Tagesspiegel”, gerichtliche Verfügungen erwirkt, denen zufolge die Kaufsumme von 4,125 Millionen Euro öffentlich nicht genannt werden dürfe. Ganz freiwillig sei Spahns Kehrtwende jedoch nicht: Der Ruf nach Transparenz sei immer lauter geworden, und es sei fraglich, ob das Oberlandesgericht Hamburg Spahns Klagen stattgegeben hätte.

3. ZDF: Silikon im Hirn
(klima-luegendetektor.de)
Das Team des “Klima-Lügendetektors” hat sich eine Doku zur Energiewende bei ZDFinfo angeschaut und ist gewissermaßen entsetzt: “Das ist reinstes ‘Energiewende-Bashing’ ohne jegliche Substanz. Erstens erhebt sich die Frage, ob das ZDF keine eigenen Autoren besitzt, um sich fundiert den Nebenwirkungen der Energiewende zu widmen. Zweitens fragt man sich, warum nicht wenigstens der Filmstoff von internen Experten auf Plausibilität geprüft wurde, bevor ihn das ZDF einkaufte.”
Weiterer Hinweis: Bei Twitter weist der “Graslutscher” darauf hin, dass es sich um eine bereits von ihm kritisierte Doku handele, die bei Arte lief und von 89 auf 42 Minuten verdichtet worden sei. Hier sein empfehlenswerter Beitrag zum ungekürzten Original aus dem November: ARTE-Filmemacher wollen die Klimakrise jetzt durch Verzicht auf Windkraft und E-Autos lösen (graslutscher.de, Jan Hegenberg).

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4. Warum drei Schwarze Frauen bei der WDR-Runde zu Rassismus abgesagt haben
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Nachdem die verunglückte Rassismus-Ausgabe der WDR-Talkshow “Die letzte Instanz” (Erstausstrahlung im November, Wiederholung im Januar) viel Kritik geerntet hatte, hat der Sender für gestern einen Themenabend organisiert. Stefan Niggemeier kommentiert: “Der WDR wollte es diesmal besser machen – und hält sich selbst eigentlich für superprädestiniert, es richtig zu machen. Doch ausgerechnet bei der Organisation des großen Themenabends, der auch ein großer Wiedergutmachungsabend sein sollte, mit ‘Reinwaschungs-Talk’, wie es die Komikerin Enissa Amani nannte, ließ die Redaktion offenbar jegliches Gespür für die Anliegen mehrerer Schwarzer Teilnehmerinnen vermissen.”

5. “Innovation ist mehr als ein neues Produkt”
(quotenmeter.de, Sabrina Harper)
Mit dem Förderprogramm Media Company Fellowship des Media Lab Bayern sollen gezielt kleinere Medienhäuser unterstützt werden. “Quotenmeter” hat sich mit den Projekt-Macherinnen Linn Timm und Anita Zielina unterhalten. Es geht um Innovationen in der Medienbranche, Anpassungsfähigkeit und Interdisziplinarität.

6. Ausgeforscht
(taz.de, Steffen Grimberg)
Dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) verdanken wir einige revolutionäre Techniken, beispielsweise das Videokompressionsverfahren MPEG. Nun soll das IRT, das bislang allen Öffentlich-Rechtlichen inklusive Schweiz und Österreich gehörte, abgewickelt werden. Es hätte dank lukrativer Patente eine passable Einnahmequelle werden können, aber rund 200 Millionen Euro seien dank eines windigen Rechtedeals in andere Kassen geflossen.

ZDF als Reputations-Waschanlage, Instanzenweg, Gegendarstellung

1. Das ZDF als Reputations-Waschanlage
(uebermedien.de, Christian Schwägerl)
Der Wissenschaftsjournalist Christian Schwägerl hat sich die aktuelle Corona-Doku des ZDF angeschaut (Untertitel: “Fakten mit Hendrik Streeck”). Er kommt zu einem vernichtenden Urteil: “Wenn diese Sendung ein Ziel hatte, dann kann das nicht gewesen sein, das Publikum zu informieren, wie es dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entsprechen würde. Es ging offenbar darum, das Publikum für einen Mann zu gewinnen, über dessen Aussagen sich Spitzenfunktionäre der deutschen Wissenschaft schon seit Längerem mehr als nur ärgern.”

2. “Der Stern hatte mich gestern gebeten …”
(twitter.com, Jörg Kachelmann)
Der Moderator Jörg Kachelmann schreibt, er sei vom “Stern” darum gebeten worden, etwas zu den aktuellen Entwicklungen um Julian Reichelt und “Bild” zu verfassen. Weil die Sammelgeschichte nicht erschienen sei, veröffentliche er seinen Beitrag dazu nun auf Twitter. Wie man es von Kachelmann gewohnt ist, fallen deutliche Worte: “Erst wenn alle den Mut haben, nicht mehr übers Bild-Stöckchen zu springen, den Mut haben, sich nicht mehr nötigen zu lassen und Friede Springer und Mathias Döpfner für ihr bösartig kalkuliertes Geschäft mit der Menschenverachtung gesellschaftlich ausgrenzen, kann Deutschland ein besseres Land werden.”

3. Schönenborn über “Letzte Instanz”: “Kollektiv tiefrote Linien übersehen”
(dwdl.de, Alexander Krei)
WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn hat sich im “Tagespiegel” selbstkritisch zu der verunglückten Rassismus-Ausgabe der Talkshow “Die letzte Instanz” geäußert, dabei aber auch die in seinen Augen schnelle Reaktion des Senders gelobt. Alexander Krei ist anderer Meinung: “Allein, ‘schnell’ ist in diesem Zusammenhang relativ, denn was aus dem Interview im ‘Tagesspiegel’ nicht hervorgeht: Die Entschuldigung des WDR und die genannten Reaktionen erfolgten erst nach der Wiederholung im Januar – und damit zwei Monate nach der Erstausstrahlung, die offensichtlich weitgehend unbemerkt über den Sender ging.”
Weiterer Lesehinweis: Heute soll es im WDR einen Schwerpunkt zum Thema Rassismus geben, zu dem man auch die Comedy-Künstlerin Enissa Amani eingeladen hatte. Amani hatte als Reaktion auf die misslungene WDR-Sendung “Die letzte Instanz” auf eigene Kosten selbst einen Talk auf die Beine gestellt: “Die beste Instanz”. Auf Twitter macht sie ihrem Ärger über die Umstände der Einladung Luft: “Der WDR, hat sich am 20. Februar bei mir gemeldet, PER SMS, (Nummer über einen Comedian rausgefunden, ich war sehr sauer, dass man nicht die Courtesy hat zu mailen bei einer Person der Öffentl.) und wollte mich zum grossen ‘Reinwaschungs-Talk’ einladen. Ich habe abgelehnt.” Im sich daran anschließenden Thread geht es um ihre konkreten Ablehnungsgründe.

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4. Der aktuelle Zustand ist sehr bitter: Warum sich Datenjournalisten über das RKI und die Politik ärgern
(kress.de, Henning Kornfeld)
Die Datenjournalistin Christina Elmer (“Spiegel”) und ihr Kollege Johannes Schmidt-Johannsen (SWR) haben unter dem Dach des Netzwerk Recherche eine Fachgruppe gegründet, die bereits 70 Mitglieder habe. Das Ziel: Auf “eine höhere Verlässlichkeit der Daten zu drängen, zum Beispiel der des Robert Koch-Instituts. Wenn das gelänge, müssten die Kolleg:innen nicht dauernd ihre Skripte umstellen oder Daten händisch einpflegen. Der aktuelle Zustand ist sehr bitter, weil der Datenjournalismus viel mehr leisten könnte, wenn die Daten und Zugänge besser wären. Wir wollen als Fachgruppe darauf aufmerksam machen, dass es da einen großen Nachholbedarf gibt.”

5. Der Cancel-Culture-Strohmann
(taz.de, Malte Göbel)
Das Landgericht München hat die “Süddeutsche Zeitung” dazu verpflichtet, eine Gegendarstellung des Berliner Publizisten und Bloggers Johannes Kram (“Nollendorfblog”, einst auch als BILDblog-Kolumnist tätig) abzudrucken. Das Gericht urteilte, die “Süddeutsche”, konkret der “SZ”-Autor Andrian Kreye, habe Kram falsch wiedergegeben. Malte Göbel dröselt auf, worum es bei dem Konflikt geht, und erklärt, warum die Schlussfolgerung des, seiner Ansicht nach, ansonsten um Ausgewogenheit bemühten “SZ”-Textes falsch sei: “Johannes Kram hat das nie so gesagt oder geschrieben. Er taugt nicht als Hetzer. Kreye hat einen Cancel-Culture-Strohmann aufgebaut und niedergestreckt.”
Weiterer Lesehinweis: Johannes Kram erwirkt einstweilige Verfügung gegen die “SZ” (queer.de, Micha Schulze).

6. Beschwerdestelle verzeichnet Rekord bei gemeldeten Rechtsverstößen
(spiegel.de)
Die Zahl der berechtigten Beschwerden über kriminelle Inhalte im Internet in Deutschland sei weiter angestiegen, so der Internetverband eco in seinem Jahresbericht (PDF). Es habe knapp 19 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr gegeben. Wer der eco Beschwerdestelle etwas melden will, kann dies unter beschwerdestelle.eco.de oder internet-beschwerdestelle.de tun.

Moskau droht Deutschland wg. RT, Wikipedia wird 20, Zu wenig Frauen

1. Moskau droht Deutschland mit “harten Gegenmaßnahmen” wegen Umgang mit Sender RT
(sueddeutsche.de)
Russlands Außenministerium beklagt, dass deutsche Banken die Eröffnung eines Geschäftskontos für den staatlichen TV- und Youtube-Kanal RT (früher Russia Today) ablehnen würden. Im Hintergrund schwelt offenbar ein Konflikt um die Pläne des russischen Staatskonzerns, RT zu einem vollwertigen deutschsprachigen TV-Sender auszubauen.

2. 200-Mio-Förderung: BDZV kritisiert Vorgaben der Politik
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Bundesregierung hat ein 220 Millionen Euro schweres Förderprogramm für die deutsche Print-Landschaft aufgelegt. Die Richtlinie sei laut Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) jedoch “nicht sinnvoll durchführbar”. Die Vorgaben seien unpraktikabel und daher abzulehnen. Sie müssten dringend geändert werden, so der BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.

3. Julian Reichelt: Halali auf “Bild”-Chefredakteur
(ndr.de, Katrin Schmidt)
Bei “Zapp” kommentiert Medienwissenschaftlerin Elisabeth Prommer das Betriebsklima bei “Bild”, unter dem anscheinend besonders Frauen leiden müssen: “Was wir ja schon verfolgen konnten, ist das in den letzten Jahren weibliche Chefredakteurinnen, Co-Chefredakteurinnen, den Konzern verlassen haben, und das wirkte dann – auch wenn nicht darüber geredet wird – schon so ein bisschen so: Die sind irgendwie rausgedrängt, rausgeekelt worden.”

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4. Frauen sind an den Redaktionsspitzen noch immer unterrepräsentiert
(de.ejo-online.eu, Tina Bettels-Schwabbauer)
Das Reuters Institute hat sich die Führungsstrukturen von Medien in verschiedenen Länder angeschaut. In elf von zwölf untersuchten Fällen sei die Mehrheit der Spitzenpositionen im Journalismus mit Männern besetzt. Die Ausnahme: Südafrika mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent weiblicher Führungskräfte.

5. “Gefährlich für Leib und Leben”
(taz.de, Klaus-Helge Donath)
Am Montag gab es in Russland einen Anschlag auf die unabhängige, kremlkritische Zeitung “Nowaja Gaseta”. Für das oppositionelle Blatt nicht das erste Mal: 2006 wurde die bekannte Journalistin Anna Politkowskaja in ihrem Hausflur erschossen. 2018 stand ein Korb mit abgetrenntem Hammelkopf vor der Tür – “Mit besten Grüßen an den Chefredakteur”.

6. Zum 20. Geburtstag: 20 Dinge, die Sie noch nicht über Wikipedia wussten
(rnd.de, Imre Grimm)
Die deutschsprachige Wikipedia feiert ihren 20. Geburtstag, und Imre Grimm feiert mit “20 Dingen, die Sie noch nicht über Wikipedia wussten” mit. Informativ und unterhaltsam!

Zwischen den Zeilen, Hedonismus in Filmbewertungen, Schimpfdesaster

1. Aufklärungsarbeit und viel Häme gegen “Bild”
(deutschlandfunk.de, Michael Meyer, Audio: 3:38 Minuten)
Der Axel-Springer-Verlag hat den “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt wegen eines laufenden Compliance–Verfahrens freigestellt. In den vergangenen Tagen ergoss sich Spott und Häme über den Konzern, dessen Stellungnahme von vielen als unglaubwürdig empfunden wurde.
Weiterer Lesehinweis: Auf Twitter interpretiert ein Anwalt das Springer-Schreiben. Zwischen den Zeilen erkenne er wenig Chancen für Reichelt: “Die kleinen Signale. Das, was eben nicht gesagt wird. Kein Ausdruck des Vertrauens, kein ‘Der Bitte sind wir im Interesse von Redaktion, Verlag und Aktionären gerne nachgekommen’, sondern ein ‘ist erfolgt’. Das Eingeständnis, dass Hinweise vorliegen und diese sogar ‘konkret’ sind. Sie müssen die ‘Glaubwürdigkeit und Integrität’ aller Beteiligten bewerten, also auch von JR? Wenn ich nicht komplett falsch liege, wird es keine Rückkehr geben.”

2. Rund 40 Publisher starten eigenen Newsletter bei Steady
(steadyhq.com)
Viele Publisher nutzen Steady zur Abwicklung von Mitglieder-Abos. Auch wir beim BILDblog tun dies (dabei gleich die Erinnerung: Wer noch nicht BILDblog-Unterstützer oder -Unterstützerin ist, kann dies ganz einfach werden). Nun hat der Dienst ein Tool entwickelt, mit dem die Publikation und Vermarktung von Newslettern möglich ist. Zum Start sind rund 40 Medienschaffende dabei (Transparenzhinweis: Dazu zählt auch der “6 vor 9”-Kurator).
Hörtipp: Bei “Unter Zwei” spricht Levin Kubeth mit Steady-Gründer Sebastian Esser darüber, wie Steady den Newsletter-Markt aufmischen will (1:22:46 Stunden).

3. Ja, Nice! Wie junge Menschen auf Filme schauen
(meedia.de, Sabine Trepte)
Sabine Trepte ist Professorin für Medienpsychologie an der Universität Hohenheim. In ihrem Beitrag bei “Meedia” geht es um die Frage, wie Menschen Filme bewerten. Forscher hätten 35.000 Filmreviews ausgewertet und seien vor allem auf Hedonismus gestoßen: “Wenn also Menschen Filme bewerten, dann teilen sie mit: Ich bin außer mir, euphorisch, fröhlich und begeistert. Ich finde das lustig, ich habe gelacht und mich amüsiert, denn es ging und Liebe, Freundschaft, Familie, Menschen. Es war Horror, hart, böse und deshalb wunderbar. Hedonismus ist das wichtigste Bewertungskriterium!”
Weiterer Lesehinweis: Schatten im Schlaraffenland: Ist der Kunde bei Netflix gar nicht König? (rnd.de, Tilmann P. Gangloff)

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4. Das sind die Nominierten für die Goldenen Blogger 2021
(die-goldenen-blogger.de)
Ende April werden erneut die “Goldenen Blogger” verliehen. Unter den Nominierten in 16 Kategorien finden sich der Wissenschaftspodcast “Methodisch Inkorrekt”, der Unterhaltungskünstler El Hotzo, aber auch etablierte Mediengrößen wie Moderator Kai Pflaume, der für seinen Youtube-Kanal “Ehrenpflaume” nominiert ist. Überraschend: Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kann auf einen “Goldenen Blogger” hoffen – in der Kategorie “Beste BloggerIn ohne Blog”.

5. Das Schimpfdesaster
(uebermedien.de, Christian Meier)
Christian Meier kritisiert den teilweise überhitzten Ton in der derzeitigen öffentlichen Debatte. Meier denkt dabei an Begriffe wie “Staatsversagen”, die seiner Meinung nach weit über das Ziel hinausschössen: “Wie die ‘Querdenker’ verkennen die Nutzer des Begriffes ‘Staatsversagen’ die Dimension der Gefahr durch das Virus. Ohne einen funktionierenden Staat wäre die Gesellschaft wohl längst an dieser Seuche zerbrochen. Man braucht einen Staat, um das Wüten des Virus zu zügeln. Ungebremst hätte es das Gesundheitssystem kollabieren lassen und einer halben Million Menschen das Leben gekostet.”

6. Erwähne Memphis und dein Account ist gesperrt
(spiegel.de)
Am Sonntag kam es bei Twitter zu einem rätselhaften Phänomen: Wer den Namen der Stadt Memphis erwähnte, egal in welchem Kontext, musste damit rechnen, gesperrt zu werden. Wie es zu dem rätselhaften Fehler kam, sei derzeit nicht bekannt.

Reichelts Freistellung, Konfettikanone Kindermann, Bedrohter Podcastmarkt

1. “Bild”-Chef beurlaubt
(taz.de, Peter Weissenburger)
Einige (ehemalige) “Bild”-Mitarbeiterinnen erheben offenbar schwerwiegende Vorwürfe gegen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt. Nun hat sich die Konzernleitung dazu entschieden, ihn vorübergehend zu beurlauben, angeblich auf Wunsch Reichelts: “Um eine ungestörte Aufklärung sicherzustellen und die Arbeit der Redaktion nicht weiter zu belasten, hat er den Vorstand darum gebeten, bis zur Klärung der Vorwürfe befristet von seinen Funktionen freigestellt zu werden.”

2. “MDR um 4” – wenn eine Ziffer Programm genug ist
(uebermedien.de, David Denk)
David Denk hat zwei Nachmittage mit René Kindermann verbracht, wenn auch nur indirekt am Fernsehgerät: Kindermann moderiert das werktägliche Spätnachmittagsmagazin “MDR um 4”. Denk hält Kindermann für den idealen Moderator für diese Sendung: “Er führt Interviews mit der Zielstrebigkeit und Präzision einer Konfettikanone. Seine Fragen führen zu nichts, er ist schließlich da, wo er ist, ganz zufrieden. Er ist ja im Fernsehen. Hauptsache, es menschelt, gerne auch geheuchelt.”

3. Natascha Strobl: »Ich bin kein public good«
(neues-deutschland.de, Katharina Schwirkus)
Natascha Strobl, österreichische Politikwissenschaftlerin und Expertin für rechtsextreme Bewegungen, hat sich nach einem (erneuten) Shitstorm von der Plattform Twitter zurückgezogen. Katharina Schwirkus erklärt, wie sich die Sache aus einer vergleichsweise harmlosen Diskussion aufschaukelte. Der “6 vor 9”-Kurator kommentierte den Vorgang vergangene Woche auf Twitter: “Dass sich eine taffe und eloquente Frau wie Natascha Strobl keinen anderen Rat weiß, als sich zurückzuziehen, weil die Anfeindungen gegen sie und ihre Familie zu groß wurden, zeigt die unfassbare Dimension der derzeitigen Social-Media-Verrohung.”

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4. Arbeiten am Film-Set ohne Tarifvertrag?
(verdi.de, Julia Hoffmann)
Eigentlich regelt ein Tarifvertrag die Arbeitsbedingungen an den Sets deutscher Filmproduktionen, doch der wurde zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt. Die Verhandlungen zwischen ver.di, dem Bundesverband Schauspiel und der Produzentenallianz seien ins Stocken geraten. Den Beschäftigten drohe eine tariffreie Zeit.

5. Muss ich wirklich auf Social Media sein?
(druckausgleich.podigee.io, Annkathrin Weis & Luca Schmitt-Walz, Audio: 39:58 Minuten)
In Folge 2 des “Druckausgleich”-Podcasts für junge Medienschaffende gehen Annkathrin Weis und Luca Schmitt-Walz den Fragen nach: Muss ich wirklich auf Social Media sein? Muss man sichtbar sein oder nicht? Ist ein persönliches Social-Media-Profil auch immer direkt schon eine Haltung?

6. Warum wir Podcasts lieben – und uns das Medium trotzdem kaputt machen
(netzpiloten.de, Alex Jacobi)
Alex Jacobi blickt mit Sorge auf den Podcast-Markt, der inzwischen auch von internationalen Playern wie Spotify besetzt wird: “Mit dem Erfolg der großen Plattformen machen wir uns allmählich das Medium Podcast selbst kaputt, die ganz ursprüngliche Idee der Podcasts als demokratisches und dezentrales Kommunikationsmedium geht verloren.”

KW10: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Bromance auf dem Schrottkahn
(deutschlandfunkkultur.de, Timo Grampes, Audio: 9:18 Minuten)
In vier Folgen kann man derzeit auf Netflix verfolgen, wie der Heimwerker-Youtuber Fynn Kliemann und der Entertainer Olli Schulz das alte Hausboot des verstorbenen Sängers Gunter Gabriel wieder flottmachen. Die Medienwissenschaftlerin Maren Haffke hat sich die Mini-Serie angeschaut und legt einen Verriss zum Niederknien hin. Absolute Hörempfehlung!

2. Wolfgang M. Schmitt & Ole Nymoen, welche Ideologie verkörpern Influencer?
(influence.podigee.io, Alina Ludwig, Audio: 1:45:19 Stunden)
Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen betreiben den kapitalismuskritischen Podcast “Wohlstand für alle”. Vor wenigen Tagen ist ihr Buch über Influencer erschienen: “Influencer – Die Ideologie der Werbekörper”. Die Expertin für Influencer-Marketing und Podcasterin Alina Ludwig hat sich die beiden in ihren Podcast eingeladen und spricht mit ihnen über die Kernthesen ihres Buchs.

3. Rechte Propaganda im Bürgerblatt
(youtube.com, Zapp, Video: 11:41 Minuten)
Ein ehemaliger Bundesvorsitzender des NPD-Jugendverbandes Junge Nationalisten und selbsternannter Nationalsozialist verteilt in seiner Gemeinde eine harmlos wirkende Postille: Das “Groß Kramser Blättchen”. Was ist die Strategie dahinter? Und was passiert, wenn die Nachbarn sich wehren? “Zapp”-Reporter Hans Jakob Rausch hat sich auf den Weg nach Groß Krams gemacht und mit den verschiedenen Seiten gesprochen.

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4. Geht der Clubhouse-Boom zu Ende?
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 32:24 Minuten)
Die Chat-App Clubhouse erlebte für einige Zeit einen unglaublichen Hype. Viele Medien und Medienschaffende entdeckten Clubhouse für sich, die künstliche Verknappung durch das “Invite”-System steigerte die Attraktivität. Inzwischen hat sich die Aufregung etwas gelegt. Wie wird es mit der App weitergehen? Was dürfen wir generell von Social Audio erwarten? Darüber hat sich Christian Jakubetz mit dem Onlinejournalisten und Technologie-Experten Martin Hoffmann unterhalten. Nicht auf Clubhouse, sondern geradezu klassisch via Webcam.

5. Was macht gute Podcasts aus?
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Serafin Dinges, Audio: 45:02 Minuten)
Beim Hintergrund-Podcast von netzpolitik.org geht es – ganz metamäßig – um das Thema Podcasts: Was ist der Unterschied zwischen Feature-Podcasts und Laber-Podcasts? Wie unterhaltsam dürfen Info-Podcasts sein? Und welche Auswirkungen hat Spotify auf die freie Podcast-Szene?

6. So lächerlich blasen Medien das Interview auf
(youtube.com, Walulis Daily, Video: 7:39 Minuten)
Philipp Walulis schaut sich die Medienreaktionen auf das Oprah-Interview mit Meghan und Harry an. Wie immer mit dem satirischen Blick aufs Absurde.

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