Archiv für Der Westen

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe) (5)

Der (vorerst) letzte Teil unserer Corona-Clickbait-Spezial-Serie! Auch diesmal wieder “Für Sie geklickt”: “DerWesten”, DAS Portal der Funke-Mediengruppe.

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Eine Ikea-Filiale hängte vor dem Parkplatz ein Banner auf, auf dem stand: “Vom Supermarkt bis Krankenhaus. Was ihr gerade leistet, verdient Applaus.”

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… Präsident Trump in diesem Jahr an einer schweren Krankheit sterben und Präsident Putin einem Anschlag zum Opfer fallen wird. Denn sie ist “die wohl bekannteste Seherin ihres Heimatlandes Bulgarien”.

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Die ISS.

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Die Frau war Corona-Patientin. Die Unfallaufnahme musste in Schutzkleidung durchgeführt werden.

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In Großbritannien kann man nur noch bestimmte Mengen eines Produktes kaufen.

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Sie wollte in ihrer Wohnung Kita-Kinder betreuen. Aber solche Gruppenkontakte sollen ja vermieden werden.

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Sie verschenkt die gebuchten Hotelzimmer an Obdachlose.

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Sie hilft Betrieben beim Stellen eines Antrags auf Liquiditätshilfen: “Hier geht es um Kundengruppen, bei denen vor allem Zuschüsse wirksam sind und mit Krediten nur im Ausnahmefall geholfen werden kann.”

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Viel Sonne und viel Wind.

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“… Prioritäten setzen.”

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Ausgerechnet in Krisenzeiten nach dem Toilettengang improvisieren zu müssen, könnte bei vielen Menschen Ekel und damit Panik auslösen, mutmaßt eine Wirtschaftspsychologin.

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Die Rechte an der australischen A-League, in der zu dieser Zeit noch gespielt wurde.

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Der Kauf der Rechte an der australischen A-League, die kurz darauf ihren Spielbetrieb einstellte.

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Sie zeigten sich uneinsichtig und wurden in Gewahrsam genommen.

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“Als seine Mutter vom Einkaufen nach Hause kam, konnte er seinen Augen nicht trauen. Seine Mutter hatte nämlich mindestens neun prall gefüllte Einkaufstüten angeschleppt (…). Der Sohn aus München schoss daraufhin ein Foto von den Einkaufstüten und lud es in der App Jodel hoch. Dazu schrieb er: ‘Sag mal Mama, geht’s noch?!? Fremdschämen hoch 100’.”

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“Der Kunde reagierte heftig und trat dem 32-jährigen Angestellten zwischen die Beine!”

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“… so weitermachen, geht es uns wie Italien.”

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“Als er am Freitag aus dem Fenster schaute, sah er eine Gruppe von mehreren Personen im Garten an einer Bierbank stehen. Seine Beobachtung teilte der Anwohner auf der lokalen App ‘Jodel’, Kommentar: ‘Seid ihr eigentlich vollkommen bescheuert?'”

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Nein.

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1. Den Tag strukturieren
2. Tagebuch führen
3. Kontakt mit anderen halten
4. Über Ängste sprechen
5. An die frische Luft gehen
6. Pläne schmieden für „danach“

Und an dieser Stelle noch sechs weitere Tipps von uns:

1. Nicht auf “DerWesten” klicken
2. Nicht auf “DerWesten” klicken
3. Nicht auf “DerWesten” klicken
4. Nicht auf “DerWesten” klicken
5. Nicht auf “DerWesten” klicken
6. Nicht auf “DerWesten” klicken

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Bitteschön. Keine Ursache.

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe) (4)

Teil 4 unserer Corona-Clickbait-Spezial-Serie! Auch diesmal wieder “Für Sie geklickt”: “DerWesten”, das Katastrophen-Portal der Funke-Mediengruppe.

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Kuchen in Form von Klopapier.

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Wein. (Vier Flaschen.)

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Nein.

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“… Lockdown.”

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Menschengruppen im Park.

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… nicht vom Virus, sondern von Ungewissheiten zu ihrer beruflichen Zukunft: Spieler, deren Verträge auslaufen oder die derzeit ausgeliehen sind.

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Dass sonntags von 12 bis 14 Uhr nur Senioren über 60 einkaufen können.

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“… die Menschheit so einen ‘Breakdown’ gebraucht hat?”

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Sie kauften tausende Flaschen Handdesinfektionsmittel, um sie auf Amazon teuer weiterverkaufen zu können, doch Amazon strich die Produkte aus dem Angebot.

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“… zuhause.”

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“Es war ein Fehler, den hat er jetzt auch eingesehen.”

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Eine Sexshop-Besitzerin.

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Autokino.

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“Die ganzen Gespräche über das Coronavirus nerven.”

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Kondome.

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Er nieste einen Mitbürger an.

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“… eine Ausnahmesituation, in der es auch in unseren dm-Märkten zu Diskussionen kommen kann.”

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“… dass wir durch die Hamsterkäufe der anderen dazu gezwungen sind, teure Produkte zu kaufen.”

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Drehstopp.

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Abschaltung wegen Netzüberlastung: Nein.

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Bitteschön. Keine Ursache.

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe) (3)

Teil 3 unserer Corona-Clickbait-Spezial-Serie! Auch diesmal wieder “Für Sie geklickt”: “DerWesten”, das Seuchen-Portal der Funke-Mediengruppe.

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Sitzbereiche wurden geschlossen.

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Sie bewacht sein Haus. Passiert aber nicht in Deutschland, sondern im US-Bundesstaat Kentucky.

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Verschlechterter Geruchs- und Geschmackssinn.

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“… in unseren Auftragszentren Haushaltswaren, medizinische Versorgung und andere stark gefragte Produkte priorisieren, um diese schneller erhalten, nachfüllen und versenden zu können.”

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… Notfallreserven zu haben, für “Seuchen, Umweltkatastrophen, Terrorszenarien oder den Verteidigungsfall”. (Was übrigens kein Geheimnis ist.)

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… in den eigenen vier Wänden trainieren.

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… den ganzen Tag in den eigenen vier Wänden verbringen.

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“… ist der Mensch nicht sozial.”

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Strom billiger machen.

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Auf einen Teil seines Gehalts verzichten.

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“… hätte man vielleicht gesagt, wir haben dieses Jahr eine schwerere Grippewelle.”

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Auf einen Teil seines Gehalts verzichten.

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… noch eine Weile warten müssen, bis sie ihren Enkel Harry wiedersieht, der gerade in Kanada ist.

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Herbert Grönemeyers Song „Bochum“, der an einem Tag um 21 Uhr überall gespielt wurde.

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Eingerahmte Klopapierrolle.

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“… Aldi auch während der Krise vollumfänglich agieren kann.” (McDonald’s- Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter werden in Aldi-Filialen eingesetzt.)

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… eine neue Rubrik im Sinne einer Nachbarschaftshilfe eingeführt.

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Mario Götze. Denn er stand in diesem Jahr nur selten für den BVB auf dem Platz, am 30. Juni endet sein Vertrag.

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“An alle Influencer: Stellt umgehend euer Internet ab. Neue Studie hat ergeben, das Virus verbreitet sich auch rasend schnell auch über das World Wide Web! Bitte schützt euch und andere!”

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Raser.

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Bitteschön. Keine Ursache.

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe) (2)

Teil 2 unserer Corona-Clickbait-Spezial-Serie! Auch diesmal wieder “Für Sie geklickt”: “DerWesten”, das Klopapier-Portal der Funke-Mediengruppe.

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… noch eine Weile in seiner Heimat Madeira bleibt.

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… bei ihrer Hochzeit auf den Empfang im Garten des Buckingham Palace verzichten.

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In Kliniken.

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“Wie sollen sie von ihrem monatlichen Regelsatz von rund 150 Euro einen großen Vorrat [an Lebensmitteln] anlegen?”

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“… weiterhin Blut gespendet wird.”

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Menschengruppen auf dem Münchner Viktualienmarkt.

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Bis September.

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Spülmittel.

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… verschoben.

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Geschäftsschließungen.

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Cannabis.

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Falsche Mediziner, die bei älteren Menschen klingeln und unter dem Vorwand, einen Coronavirus-Test durchzuführen, in die Wohnung gelangen wollen.

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“… uns beleidigen lassen, weil alles nicht schnell genug geht und uns die Ware ausgeht.”

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“… ist zehn Mal so hoch wie bei einem Influenzafall.”

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„An dieser Stelle noch einmal die Bitte an alle Mitarbeiter von Durstexpress.de, die sich momentan krankgeschrieben haben, oder nicht zum Dienst erscheinen wollen. Wir brauchen euch gerade mehr denn je und ihr tut uns einen riesigen Gefallen, wenn ihr die Getränke bis an unsere Haustür liefert. Deswegen versucht, zur Arbeit zu erscheinen. Wenn es euch gut geht und ihr nicht krank seid, dann kommt zur Arbeit. Wir brauchen euch. Habt Mut!“

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Dass einige Haushaltsgegenstände nicht mehr im Lager vorrätig sind.

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“Der Instagram-Post zeigt Michael Wendler und seine Laura, die sich nach der Show einen Kuss geben. Keinesfalls unbedenklich, wie einige Fans behaupten. In einer Zeit, in der sogar vom alltäglichen Händeschütteln abgeraten wird.”

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Aldi UK spendete 250.000 britische Pfund an eine Hilfsorganisation, die ältere Menschen unterstützt.

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“Das wird davon abhängen, welche Stornierungsbedingungen Sie festgelegt haben.”

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„(Um 17:00 Uhr gehe ich ins Styling! Und draußen fangen die Menschen an Partys zu feiern … sie stehen eng an eng, liegen sich in den Armen. Mehrere Menschen trinken aus einer Flasche Bier. Nuckeln alle NACHEINANDER an einer shisha…. Hup-Konzerte, Autorennen. Irgendwann schmeißt einer den Grill an und legt Bratwürste darauf. Wisst ihr was? Ich finde das sowas von zum kotzen. Wie viele Egoisten sind eigentlich unterwegs? Wie viele haben nicht die geringste Spur von Solidarität in sich? Wie viele haben NULL gesellschaftliche Verantwortung??? Was glauben diese Menschen ???“

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Bitteschön. Keine Ursache.

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe)

Unsere Taskforce hat sich mal wieder durch den Clickbaitdschungel gekämpft, damit Ihr nicht selber klicken müsst, aber trotzdem immer auf dem neuesten Stand bleibt!

Und weil sich “DerWesten”, das Onlineportal der Funke-Mediengruppe, in diesen Tagen ganz besonders viel Mühe gibt, wollen wir diese Anstrengungen auch angemessen würdigen. Darum widmen wir ihm ab heute eine Serie — das Für-Sie-geklickt-“DerWesten”-Corona-Spezial! Legen wir gleich los mit DIESEN krassen Geschichten …

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Michaelle Hunziker in Corona-Quarantäne: Du ahnst nicht, was sie vorhat

Sich Beauty-Gesichtsmasken machen.

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Helene Fischer: Coronavirus-Schock! Die Sängerin muss jetzt...

… ein Konzert absagen.

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Coronavirus - kann sich mein Haustier anstecken?

Nein.

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Coronavirus in NRW: Familie ist zwei Wochen in Quarantäne  Vater hat DIESE große Angst

Dass er seinen Job verliert.

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NRW: Wegen Coronavirus - Deutsche Bahn sieht diese drastische Veränderung

“Um bis zu 20 Prozent sei der Verbrauch von Seife und Desinfektionsmitteln in den vergangenen Tagen und Wochen an Bord der Züge gestiegen, heißt es.”

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München: Frau will sich auf Corona testen lassen und wird bitter enttäuscht: Es ist schon absurd

Sie musste über eine Stunde in einer Schlange warten, weil die Zimmer nach jedem Test penibel gereinigt wurden.

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Teuer weiterverkaufen.

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“… dann würde das System vermutlich explodieren.” [Wenn in Essen eine drei- bis vierstellige Zahl von Fällen auftreten würde.]

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“… sehen Sie nichts :) Toilettenpapier momentan leider nicht lieferbar!”

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… Termine absagen.

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Nein.

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… zuhause in Quarantäne bleiben, weil sein Trainer positiv getestet wurde.

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Tische auseinanderrücken.

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Nein.

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… ist, “die Verbreitung des Virus einzudämmen.”

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“… nicht im Stich.” Die Tafeln seien auch nicht von den Hamsterkäufen betroffen, das sei “absoluter Quatsch”.

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Mark Uth, Leihspieler beim 1. FC Köln, sollte nach der Saison eigentlich verkauft werden.

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31,40 Euro.

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Nö. Nicht Sex wurde verboten, sondern der Betrieb in Bordellen pausiert.

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… nichts. Der “Coronavirus-Schock” ist, dass er eventuell von einem Ausreiseverbot betroffen gewesen wäre, dann aber doch ausreisen konnte.

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Bitteschön. Keine Ursache.

Clickbait mit dem möglichen Tod einer 15-Jährigen

Bietet ein Vermisstenfall, bei dem Medien wie im Live-Ticker-Modus jede Kleinigkeit zu einem Beitrag verwursten, mal keine Neuigkeiten, greifen Redaktionen auch auf besondere Mittel und Quellen zurück, um dem Klickvieh etwas hinwerfen der Leserschaft einen Artikel präsentieren zu können:

Screenshot Der Westen - Rebecca (15) vermisst: Hellseher sicher - hier liegt die Leiche

Was für ein erbärmlicher Clickbait auf Kosten einer vermissten 15-Jährigen und deren Familie. Wohlgemerkt: Es steht nicht fest, ob Rebecca noch lebt oder tot ist. Die Polizei geht davon aus, dass sie nicht mehr lebt, aber sicher ist das nicht.

Ärgerlicherweise geht die rücksichtslose, klickgeile Rechnung der “Der Westen”-Redaktion auch noch auf:

Screenshot Der Westen - Eure Favoristen - dazu eine Hitliste mit den meistgelesenen Artikel von Der Westen - auf Platz eins der Artikel zum Hellseher - von bisher 218.840 Personen gelesen

Mit Dank an @jens0331 für den Hinweis!

Bitte ausschneiden und aufhängen: “Indymedia” ist keine seriöse Quelle

Screenshot Welt.de - Attacke auf AfD-Politiker - Bekennerschreiben im Fall Magnitz aufgetaucht

… steht seit heute Mittag bei Welt.de. Und auch auf ihrem Twitter-Kanal lässt die Redaktion es so wirken, als wäre im Fall des am Montag angegriffenen AfD-Politikers Frank Magnitz ein Bekennerschreiben “aufgetaucht”, also so ein richtiges:

Screenshot eines Tweets der Welt-Redaktion - Bekennerschreiben im Fall Magnitz aufgetaucht

Das Problem dabei, und das kommt erst später im “Welt”-Text: Es gibt erhebliche Zweifel an der Authentizität des Schreibens, das von einer bisher unbekannten Gruppe namens “Antifaschistischer Frühling Bremen” stammen soll. Diese Zweifel liegen vor allem an der Quelle: Das “Bekennerschreiben” ist nämlich bei “Indymedia” aufgetaucht, wo jeder anonym solche Texte veröffentlichen kann. Noch einmal, weil Redaktionen das offenbar gerne vergessen: Jeder kann bei “Indymedia” unter irgendeinem Namen ein angebliches “Bekennerschreiben” veröffentlichen. Welt.de schreibt zur aktuellen (und inzwischen wieder gelöschten Veröffentlichung bei “Indymedia”) dennoch: “Es wurde von einer Antifa-Gruppe im Internet veröffentlicht”.

Wie falsch das sein kann, haben nun schon mehrere Fälle gezeigt. 2016 etwa tauchte nach zwei Sprengstoffanschlägen in Dresden, einer davon auf eine Moschee, bei “Indymedia” ein vermeintliches Bekennerschreiben einer Antifa-Gruppe auf, das sich als Fälschung entpuppte. Dennoch berichteten mehrere Medien, als wäre “Indymedia” eine ganz normale, seriöse Quelle. 2017, nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB, tauchte bei “Indymedia” ein vermeintliches Bekennerschreiben einer Antifa-Gruppe auf, das sich als Fälschung entpuppte. Und wieder berichteten Medien, als wäre “Indymedia” eine ganz normale, seriöse Quelle.

Nun taucht bei “Indymedia” also ein angebliches Bekennerschreiben zum Angriff auf AfD-Mann Magnitz auf, und Welt.de veröffentlicht eine Überschrift, als wäre “Indymedia” eine ganz normale, seriöse Quelle. (Man kann durchaus dafür plädieren, dass ein anonymes Posting auf “Indymedia” überhaupt “keinen Bericht wert” ist.)

Genauso die Redaktion von “Der Westen”:

Screenshot Derwesten.de - AfD-Politiker Magnitz schwer verletzt: Dieses Bekennerschreiben taucht jetzt im Netz auf

Kein distanzierendes “angeblich” in der Titelzeile (wie beispielsweise bei tagesschau.de und RTL.de), kein “Zweifel” (wie beispielsweise bei FAZ.net und stern.de). Als wäre es sicher, dass es sich um ein authentisches Bekennerschreiben handelt. Und als wäre “Indymedia” eine ganz normale, seriöse Quelle.

In Verruf gekürzt

Die Räumung des Hambacher Forsts geht weiter. Eine Woche, nachdem ein Journalist von einer Hängebrücke gestürzt und kurze Zeit später gestorben ist, ließ die Polizei nun auch die Gedenkstätte für diesen Journalisten entfernen. Sie sicherte allerdings zu, dass die Kerzen und Blumen und Fotos nach Abschluss der Arbeiten wieder aufgebaut werden könnten.

Zu diesem aktuellen Vorgang und dem tödlichen Unfall in der vergangenen Woche schreiben Morgenpost.de, Abendblatt.de und “DerWesten” (alle Teil der Funke Mediengruppe) unter anderem:

Der 27-Jährige war am vergangenen Mittwoch in dem von Aktivisten besetzt gehaltenen Waldgebiet durch die Bretter einer mindestens 15 Meter hohen Hängebrücke gebrochen, die zwischen zwei Baumhäusern gespannt war. Er starb noch am Unglücksort. “Er war wohl zu schnell eine Leiter hochgeklettert und dann abgerutscht. Von uns helfen lassen wollte er sich anschließend nicht”, sagte ein Polizeisprecher.

Das, was so klingt, als sei jemand lieber gestorben, als sich von der Polizei helfen zu lassen, ist tatsächlich nur schlampige Arbeit der Funke-Redaktionen.

Ihre Artikel sind ein Mix aus Meldungen der Agenturen dpa und epd. Die oben zitierte Passage stammt von der dpa, wobei Morgenpost.de, Abendblatt.de und “DerWesten” sie so unglücklich gekürzt haben, dass ein völlig falscher Eindruck entsteht.

Man kann das zum Beispiel beim “Greenpeace Magazin” nachvollziehen, wo die dpa-Meldung ungekürzt veröffentlicht wurde:

Der 27-Jährige war am vergangenen Mittwoch in dem von Aktivisten besetzt gehaltenen Waldgebiet zwischen Köln und Aachen durch die Bretter einer mindestens 15 Meter hohen Hängebrücke gebrochen, die zwischen zwei Baumhäusern gespannt war. Er starb noch am Unglücksort. Die Landesregierung hatte daraufhin die Räumung der Baumhütten im Wald vorübergehend gestoppt.

Bei einem Sturz aus rund zwei Metern Höhe verletzte sich am Dienstag ein Baumbesetzer leicht. «Er war wohl zu schnell eine Leiter hochgeklettert und dann abgerutscht. Von uns helfen lassen wollte er sich anschließend nicht», sagte ein Polizeisprecher.

Die Aussage des Polizeisprechers bezieht sich also auf einen völlig anderen, viel harmloseren Vorfall.

Mit Dank an @bjokie für den Hinweis!

Nachtrag, 27. September: Die drei Redaktionen haben ihre Texte inzwischen korrigiert und im Sinne der Transparenz diesen Hinweis hinzugefügt:

(Anm. d. Red.: In einer früheren Fassung dieses Artikels haben wir leider einen Polizeisprecher aus dem Kontext gerissen zitiert. Im Anschluss an den oberen Absatz hieß es: “‘Er war wohl zu schnell eine Leiter hochgeklettert und dann abgerutscht. Von uns helfen lassen wollte er sich anschließend nicht’, sagte ein Polizeisprecher.” Diese Aussage bezog sich aber auf einen anderen Vorfall. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.)

Mit Dank an @de_noogle für den Hinweis!

Gilt Robert Wagner wirklich als Verdächtiger? Nicht von Interesse!

Schaut man sich die Überschriften verschiedener deutscher und österreichischer Medien zu den neuesten Entwicklungen zum Tod von Schauspielerin Natalie Wood an, könnte man ja fast meinen, dass ihr früherer Ehemann Robert Wagner offiziell als Verdächtiger gilt:

Screenshot Bild.de - Todesfall von Ehefrau Natalie Wood - Ehemann Robert Wagner gilt jetzt als verdächtig
(Bild.de)
Screenshot morgenpost.de - Ermittlungen - Todesfall Natalie Wood – Ehemann gilt als verdächtig
(Morgenpost.de)
Screenshot Bunte.de - Hollywood-Star Natalie Wood - 36 Jahre nach ihrem mysteriösen Tod: Jetzt wird ihr Witwer verdächtigt
(Bunte.de)
Screenshot Derwesten.de - Todesfall Natalie Wood nach 36 Jahren vor schockierender Wende - Ehemann gilt als verdächtig
(DerWesten.de)
Screenshot heute.at - TV-Star Robert Wagner
(Heute.at)

Nur: Wagner gilt nicht offiziell als verdächtig — egal, wie viele Redaktionen das behaupten.

Seit 2011 gibt es neue Ermittlungen zum Tod von Schauspielerin Natalie Wood, die 1981 unter bislang nicht endgültig geklärten Umständen ums Leben kam. Lange ging die Polizei von einem Unfall aus, inzwischen ist der Fall als “verdächtiger Tod” eingestuft. Der US-Sender CBS hat gestern ein Interview mit einem Sheriff veröffentlicht, in dem dieser über Robert Wagner sagt:

As we’ve investigated the case over the last six years, I think he’s more of a person of interest now.

Wagner gelte als die letzte Person, die Wood vor deren Verschwinden gesehen hat. Aber: “Person of interest” bedeutet nicht automatisch, dass Wagner als Verdächtiger gilt. Den Begriff benutzen die Ermittlungsbehörden in den USA für Personen, bei denen sie vermuten, dass diese Informationen besitzen, die für einen Fall hilfreich sein könnten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass aus einer “person of interest” ein Verdächtiger wird. Nur ist man als “person of interest” nicht automatisch Verdächtiger.

Und dass Robert Wagner überhaupt als “person of interest” gilt, sei nun auch nicht so neu, berichtet jedenfalls “NBC News”:

A sheriff’s department spokesperson told NBC News that Wagner has remained a person of interest, and there has been no change in the status of the case. An investigation into Wood’s death was reopened in 2011 after police sought to interview witnesses about claims of foul play, but it was never classified as a criminal case and no one has ever been charged.

Mit Dank an James B. und @Dabo_612 für die Hinweise!

“Nach BILD-Informationen”

Bei dieser Nachricht vom vergangenen Freitag …

Screenshot Bild.de - JVA Heidering - U-Bahn-Treter im Knast verprügelt

… johlte das Volk mal wieder los:

Und das, liebe Freunde, nennt man Karma. Da hats mal den/die richtigen getroffen

der sollte jeden Tag Prügel bekommen, Täterschutz geht mir schon lange auf den …… wer schützt in Deutschland die Opfer

Wenn der Staat bei der Gerechtigkeit versagt kümmern sich halt die Häftlinge darum 👍 finde ich klasse und hoffe, dass es nicht das letzte mal war.

Und das sind noch die harmloseren der rund 4000 Kommentare unter dem Facebook-Post der “Bild”-Redaktion. Das Problem dabei, abgesehen von der breiten Zustimmung zur Selbstjustiz: Die Berichte von “Bild” und Bild.de sind ziemlich fehlerhaft — es ist auch heute nicht ganz klar, ob wirklich der “U-Bahn-Treter im Knast verprügelt” wurde, auf jeden Fall wurde er nicht “krankenhausreif geprügelt”, wie die “Bild”-Medien behaupten.

Am Freitagabend berichtete Bild.de, dass ein Mann in der Justizvollzugsanstalt Heidering von anderen Häftlingen zusammengeschlagen worden sei. Am Samstag gab es dazu auch in der Berlin/Brandenburg-Ausgabe der “Bild”-Zeitung einen Artikel:

Ausriss Bild-Zeitung - U-Bahn-Treter von Häftlingen krankenhausreif geschlagen

Es soll sich dabei laut “Bild”-Redaktion um jenen Mann handeln, der im Oktober 2016 auf dem Berliner U-Bahnhof Hermannstraße einer Frau in den Rücken trat. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Nach einer Öffentlichkeitsfahndung wurde der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt.

Bild.de schreibt zu dem angeblichen Vorfall in der JVA:

Nach BILD-Informationen soll der Angriff auf S[.] in Haus 1 der Berliner Haftanstalt passiert sein. Offenbar hatten die Angreifer die sogenannte Laufzeit abgewartet — Zeit, in der die Gefangenen zu ihren Arbeitsstellen, oder anderen Abteilungen in der JVA — gehen dürfen. […]

Pikant: S[.] wurde offenbar erst gestern nach Großbeeren gebracht, weil er in der JVA-Tegel nicht mehr “sicher” war. Wie es hieß, soll er “sicherungsverlegt” worden sein. […]

Meldepflichtig sind solche Angriffe auf Mithäftlinge spätestens dann, wenn das Opfer in ein Krankenhaus zur stationären Behandlung gebracht werden musste. Das soll gestern der Fall gewesen sein.

Wir haben bei der Berliner Senatsverwaltung für Justiz nachgefragt. Pressesprecher Sebastian Brux sagte uns, dass er zu einzelnen Häftlingen keine Informationen geben dürfe, allerdings sei allgemein festzustellen, dass “am Freitag in der JVA Heidering kein Gefangener krankenhausreif geschlagen” worden sei. Es habe auch keine Verlegung “in das Justizvollzugskrankenhaus Berlin oder in ein öffentliches Krankenhaus” stattgefunden. Brux bestätigte, dass es am Freitag “eine gewalttätige Auseinandersetzung zum Nachteil eines Gefangenen” gegeben habe. Allerdings sei dieser Insasse “zuvor nicht von der JVA Tegel in die JVA Heidering, sondern von der JVA Moabit in die JVA Heidering verlegt” worden. Es habe sich dabei auch nicht, wie von der “Bild”-Redaktion behauptet, um eine Sicherheitsverlegung gehandelt. Außerdem habe sich der Vorfall “nicht in einem Arbeitszusammenhang” ereignet.

Die “Bild”-Geschichte ist mit all ihren Fehlern bei vielen anderen Medien gelandet. “Der Westen” hat sie zum Beispiel übernommen:

Screenshot derwesten.de - Berliner U-Bahn-Treter im Knast krankenhausreif geprügelt

Genauso tz.de, immerhin mit einem Fragezeichen:

Screenshot tz.de - Wurde Berliner U-Bahn-Treter im Gefängnis krankenhausreif geschlagen?

t-online.de:

Screenshot t-online.de - Trotz Sicherheitsverlegung - U-Bahn-Treter in Gefängnis verprügelt

… wurde der 28-jährige Svetoslav S[.] von anderen Insassen attackiert und krankenhausreif zugerichtet.

rtl.de:

Screenshot rtlnext.de - Berliner U-Bahn-Treter in JVA-Heidering von Mithäftlingen krankenhausreif geprügelt

oe24.at:

Screenshot oe24.at - U-Bahn-Treter von Häftlingen verprügelt

Der 28-Jährige wurde am Freitag attackiert und krankenhausreif geprügelt.

Krone.at:

Screenshot krone.at - Berliner U-Bahn-Treter krankenhausreif geprügelt

Die Kommentare unter dem eingangs erwähnten Facebook-Post wurden irgendwann so grässlich, dass es selbst der “Bild”-Redaktion zu viel war. Sie schrieb:

Liebe User, diese Geschichte hat uns alle sehr schockiert. Aber der Täter wurde verurteilt und verbüßt seine Strafe. Es gibt ein Rechtssystem in Deutschland. Und auch, wenn manche Urteile einem persönlich nicht fair erscheinen, ist das trotzdem keine Berechtigung, Selbstjustiz zu verüben. Auch nicht im Gefängnis. Auch eine JVA ist kein rechtsfreier Raum. Darum bitten wir euch, bei euren Kommentaren sachlich zu bleiben. Hetzerische, beleidigende oder diskriminierende Aussagen werden moderiert und bei Bedarf gelöscht.

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