ZDF vs. “Bild”, Irre Geschichte, Patt bei der Intendantenwahl

1. “Berliner Runde”: ZDF erwirkt einstweilige Verfügung gegen “Bild”
(dwdl.de, Alexander Krei)
“Bild TV” strahlte am Abend der Bundestagswahl über 13 Minuten lang den Beginn der “Berliner Runde” von ARD und ZDF aus. Eine derartig lange Passage hätte der Springer-Kanal laut einer Entscheidung des Kölner Landgerichts jedoch nicht übernehmen dürfen. Die einstweilige Verfügung gegen “Bild” geht auf eine Klage des ZDF zurück, das Verfahren der ARD gegen Springer läuft derzeit noch.

2. Eine Journalistenschule für jede und jeden
(tagesspiegel.de, Anne Klesse)
Der langjährige “Spiegel”-Reporter Cordt Schnibben hat 2007 mit seinen Kollegen Stephan Lebert von der “Zeit” und Ariel Hauptmeier das “Reporter-Forum” gegründet, eine jährliche Fortbildungs- und Netzwerkveranstaltung für den journalistischen Nachwuchs. 2017 startete Schnibben mit der “Reporterfabrik” das nächste Fortbildungsprojekt, eine Webakademie für jedermann. Anne Klesse hat bei Schnibben nachgefragt, wie sich die Fabrik in den zurückliegenden Jahren entwickelt hat.

3. Irre Geschichte über “irres Gesetz”, das Klauen in Kalifornien erlaubt
(uebermedien.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris ist sich nicht sicher, was “Focus Online” mit einem Artikel über angeblich legalen Diebstahl in Kalifornien bezweckt: “Es könnte ein Experiment sein, und ich bin der, der gerade darauf reinfällt, aber ich bin mir fast sicher, bei ‘Focus Online’ meinen sie den Artikel ‘Irres Gesetz ist schuld: In Kalifornien schieben Tausende Diebe Beute seelenruhig aus Läden’ ernst. Was erstaunlich ist, denn ihn zu lesen, ist so faszinierend und kopfschmerzhaft zugleich, wie jemandem dabei zuzusehen, wie er ein fünf Meter langes Auto in eine vier Meter lange Parklücke bugsiert, indem er vorne und hinten so lange andengelt, bis das Auto kurz genug ist.”
Update: “Focus Online” hat den Artikel (hier archiviert) anscheinend gelöscht. Ein Klick auf den Link führt zu einer entsprechenden Fehlermeldung.

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4. Nach Patt bei der Intendantenwahl: HR-Mitarbeiter wünschen sich Doppelspitze
(rnd.de, Imre Grimm)
Beim Hessischen Rundfunk steht die Neubesetzung der Intendanz an, doch bei der Wahl Ende Oktober stand es nach drei Wahlgängen 16 zu 16 zwischen dem Bewerber und der Bewerberin – also eine klassische Pattsituation. Am 3. Dezember werde nun erneut gewählt. Einige Beteiligte plädieren für eine Doppelspitze, was einer kleinen Revolution gleichkäme. Imre Grimm erklärt die schwierige, aber auch chancenreiche Situation.

5. Digitale Gewalt – nicht mit uns
(freischreiber.de)
Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten unterstützt die “Meldestelle Misogynie”. Die Initiative kritisiert das “Zögern der Social-Media-Plattformen, entschiedene Maßnahmen zur Verringerung geschlechtsspezifischer digitaler Gewalt zu ergreifen”. Das habe “nicht nur reale Auswirkungen auf die Opfer selbst, sondern auch auf die Demokratie, die Meinungsfreiheit und die Gleichstellung der Geschlechter”.

6. A–Z: Fremdscham
(freitag.de)
“Was haben Philister mit dem Jugendwort des Jahres zu tun? Warum sollten Mütter nicht auf Snapchat gehen – und erinnert sich überhaupt noch jemand an Trumps Gesichtsfarbe?” Der “Freitag” hat verschiedene Autorinnen und Autoren gebeten, kurze Erklärschnipsel für ein “Fremdscham-Lexikon” zu liefern.

KW 45: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Auf der Spur des Geldes
(arte.tv, Susanne Binninger & Britt Beyer, Video: 1:27:27 Stunden)
Die Regisseurinnen Susanne Binninger und Britt Beyer haben für Arte über Monate das Investigativteam von “Correctiv” begleitet. Ihr Film zeichnet die Wege von zwei Recherchen nach, die in letzter Zeit große Aufmerksamkeit bekamen: die internationalen Enthüllungen rund um den Cum-Ex-Steuerraub und der AfD-Spendenskandal, der ein immer größeres Ausmaß annehme.

2. Die letzten Reporter
(ardmediathek.de, Jean Boué, Video: 1:33:33 Stunden)
Der Dokumentarfilm “Die letzten Reporter” begleitet drei Journalistinnen und Journalisten, die für Lokalzeitungen schreiben: eine Nachwuchsjournalistin, einen Gesellschaftsreporter und einen Sportberichterstatter. Der Film bietet interessante Einblicke in den Berufsalltag der drei Medienschaffenden, wurde aber auch kritisiert, unter anderem, weil er zu wenig hinterfrage.

3. Medien und Klima: Versagt?!
(ndr.de, Daniel Bouhs, Video: 20:34 Minuten)
Der Klimawandel ist das Top-Thema unserer Zeit. Das spiegelt sich jedoch nicht in der medialen Berichterstattung wider. Daniel Bouhs hat sich mit Experten wie dem ARD-Meteorologen Karsten Schwanke über die Defizite in der Behandlung dieses wichtigen Themas unterhalten. Schwanke wünscht sich von seinem Haus mehr Unterstützung: “Es würde der ARD gut zu Gesicht stehen, eine Sendung zu kreieren, bei der das Wort ‘Klima’ wirklich im Titel steht – neben der Berichterstattung in allen anderen Formaten. Wir können auch nicht sozusagen die Ausputzer für die ARD sein, für das, was vielleicht noch nicht gemacht wird.”

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4. Verbindend? – das Lesen
(wdr.de, Jürgen Wiebicke, Audio: 55:53 Minuten)
“Das Lesen hat ein gutes Image. Es bringt die Persönlichkeit weiter und auch die Gesellschaft, so heißt es oft. Aber worüber genau reden wir eigentlich, wenn wir über das Lesen sprechen?” Darüber sprechen im “philosophischen Radio” der Hörfunk-Journalist und Schriftsteller Jürgen Wiebicke und die Philosophin Julika Griem.

5. Fakten, Folter, Fakenews: Interview mit einem globalen Wikipedia-Administrator
(youtube.com, Niklas Steenfatt, Video: 1:59:54 Stunden)
Wer sind eigentlich die Menschen, die hinter der Wikipedia stecken? Youtuber Niklas Steenfatt hat mit einem von ihnen gesprochen: “Martin Rulsch ist eine der aktivsten und einflussreichsten Figuren in der Wikipedia-Szene. Unter dem Benutzernamen ‘DerHexer’ wirkt er seit 16 Jahren an Wikipedia und ihren Schwesterprojekten mit. Er schreibt Artikel, nimmt Fotos auf, organisiert Community-Projekte, programmiert Software-Tools und bekämpft Vandalismus.” Ein Gespräch, das tiefe Einblicke in das Online-Lexikon liefert. Tipp: In der Videobeschreibung auf Youtube gibt es Kapitelmarken (“Timestamps”), über die man die einen interessierenden Themen direkt anspringen kann.

6. Wie Kommunisten-Nazis in Deutschland Nordkorea-Propaganda machen (ernsthaft!)
(youtube.com, Walulis Story – SWR3, Philipp Walulis, Video: 15:52 Minuten)
Das nordkoreanische Regime betreibt seit jeher einen großen Aufwand zur medialen Selbstinszenierung, seit Kurzem auch auf Social Media und in deutscher Sprache. Das Walulis-Team hat sich die Medienarbeit der Nordkoreaner angeschaut – wie immer mit der nötigen Portion satirischer Distanz.

Parlament gegen SLAPP-Klagen, Diversität, Dislike für Dislikes

1. EU-Parlament gegen SLAPP-Klagen
(verdi.de)
“SLAPP” ist die englische Abkürzung für strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung (Strategic Lawsuits Against Public Participation). Sie dienen dazu, Medienschaffende sowie Aktivistinnen und Aktivisiten einzuschüchtern und von ihrer Arbeit abzuhalten. In einer gestern in Brüssel mit großer Mehrheit verabschiedeten Resolution haben die EU-Abgeordneten unter anderem Regeln für die frühzeitige Abweisung solcher Klagen gefordert.

2. Moderator Dirk Steffens: “Es ist falsch, Verblendeten das Wort zu erteilen”
(rnd.de)
Der “Terra-X”-Moderator Dirk Steffens hat im Gespräch mit der Nachrichtenagentur “teleschau” den Umgang von Medien mit Corona- und Klimaleugnern kritisiert und als “Grundversagen” bezeichnet: “Es ist falsch, über Unsinn zu berichten und Verblendeten das Wort zu erteilen. Wir haben das journalistisch die ganze Zeit gemacht und damit riesigen Schaden angerichtet.”

3. Üble Nachrede: Wolfgang Fellner bekennt sich falscher Aussagen über Katia Wagner schuldig
(derstandard.at)
Bis zuletzt hatte Wolfgang Fellner, Herausgeber der Zeitung “Österreich” und des Onlineportals oe24.at, die gegen ihn erhobenen Belästigungsvorwürfe abgestritten und als “frei erfunden” bezeichnet. Nun hat die Angelegenheit vor Gericht eine Wendung und damit ein unerwartet rasches Ende gefunden: Nachdem der Anwalt der Opferseite angeboten hatte, dem Gericht als Beweismittel Tonaufnahmen vorzulegen, knickte Fellner ein.

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4. Youtube verbirgt Zahl der “Mag ich nicht”-Klicks bei Videos
(faz.net)
Youtube will seinen Uploadern künftig die Möglichkeit einräumen, die Zahl der Negativ-Bewertungen (“Dislikes”) unter ihren Videos verbergen. Damit sollen Mobbing und sogenannte “Dislike-Attacken” verhindert werden, so das Unternehmen. Die Nutzer und Nutzerinnen sollen sich laut Youtube sicher fühlen, sich auf der Plattform auszudrücken.

5. Das Streben nach Diversität in deutschen, britischen und schwedischen Redaktionen
(de.ejo-online.eu, Olivia Samnick)
In einer neuen Studie diskutieren die Autorinnen und Autoren, wie sich Redaktionen divers(er) gestalten lassen. Sie haben dazu 18 Nachrichtensender in Deutschland, Schweden und Großbritannien untersucht. Olivia Samnick fasst die Ergebnisse zusammen und macht auf ein dort benanntes, weiteres Problem aufmerksam: “Vergangene Untersuchungen legen nahe, dass ein diverses Team noch lange nicht diversere Medieninhalte hervorbringt.”

6. Wetten, dass das alte Fernsehen eine Zukunft hat?
(meedia.de, Tobias Singer)
Gegen alle Streaming-Tendenzen bricht “Meedia”-Redakteur Tobias Singer eine Lanze für das lineare Fernsehen und wagt eine Prognose: “Der Streaming-Hype wird abebben. Netflix und Co. sichern sich die großen Marktanteile, aber am Ende gibt es eine Übersättigung, dann kommt die Langeweile, gefolgt von einer Abkehr. Und auch Netflix staubt als Label für gute Unterhaltung an. Und das lineare Fernsehen wird eine Sehnsucht nach einem festen Programm zu einer festen Uhrzeit befriedigen.”

Drostens Hoffnung, Rand der Meinungsfreiheit, Liebesbeziehungen

1. “Ich hoffe, dass man nicht wieder Schulen schließt”
(zeit.de, Giovanni di Lorenzo & Andreas Sentker)
“Ich habe immer wieder dasselbe gesagt: Die Impfung ist der Weg aus der Pandemie, die Impflücken müssen geschlossen werden. Viel mehr gibt es jetzt nicht mehr zu sagen.” Die “Zeit” hat sich mit dem Chefvirologen der Charité, Christian Drosten, über den bevorstehenden Corona-Winter unterhalten. In dem Interview geht es auch um Drostens Blick auf Medien und um die Angriffe bestimmter Medien auf einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

2. Wie wir trotz der Corona-News nicht zusammenbrechen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Antje Allroggen, Audio: 5:25 Minuten)
Die große Menge an Nachrichten und Zahlen zur Corona-Pandemie führen bei vielen Menschen zu Frustration, Abstumpfung und Überlastung. Die Kakophonie der Berichterstattung versetze das Hirn in einen permanenten Zustand der Unsicherheit, sagt Maren Urner, Professorin für Medienpsychologie, im Deutschlandfunk. Die Folge sei Überforderung: “Wir wissen nicht mehr so richtig, wo oben und unten ist, und müssen irgendwie unseren Weg finden.” Urner empfiehlt zu überlegen, wann und wie man sich über Corona-Themen informieren wolle.

3. Am Rande der Meinungsfreiheit
(taz.de, Christian Jakob & Lisa Schneider)
Die Reform des Medienstaatsvertrags macht es möglich, dass die Medienaufsicht gegen Hetze und “Fake News” auf Webseiten vorgehen kann. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hatte beispielsweise dem Internetportalbetreiber Ken Jebsen einen “Verstoß gegen die journalistischen Sorgfaltspflichten” vorgeworfen und ihn aufgefordert, die monierten Beiträge “kritisch durchzusehen und anzupassen”. Lisa Schneider und Christian Jakob schreiben: “Das Ganze ist fraglos heikel – eine ‘Operation am offenen Herzen der Meinungsfreiheit’ nennt es die Sprecherin der MABB. Dass manche, die die Medienaufsicht in den Blick nimmt, über ‘Zensur’ oder ein ‘Ministerium für Wahrheit’ wie im Roman ‘1984’ klagen, liegt auf der Hand. Dass die Landesmedienanstalten sich selbst immer explizit als ‘staatsfern’ definieren, ändert daran nichts.”

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4. Liebesbeziehungen sind privat
(djv.de, Hendrik Zörner)
Als Reaktion auf eine Ankündigung des Springer-Konzerns stellt der Deutsche Journalisten-Verband klar, dass Liebesbeziehungen zwischen Beschäftigten eines Unternehmens Privatsache seien. Eine Informationspflicht über derartige Beziehungen im Konzern sei mit dem deutschen Recht ebenso wenig vereinbar wie mit dem Grundrecht eines jeden Menschen auf Privatsphäre. Ein Transparenzbericht, der tief in die Privatsphäre von Beschäftigten eingriffe, sei das falsche Gegenmittel zur Bekämpfung von Machtmissbrauch.

5. “Deswegen lohnt es sich, in konstruktiven Journalismus zu investieren”
(meedia.de, Torben Heine)
Seit vielen Jahren wird über konstruktiven Journalismus diskutiert, der Lösungen aufzeigt, statt nur über Negatives zu berichten. In Deutschland habe sich der Ansatz bisher nicht (flächendeckend) etablieren können. Ellen Heinrichs macht sich bei der Deutschen Welle für lösungsorientierten Journalismus stark. Im Gespräch mit “Meedia” verrät sie, warum sich konstruktiver Journalismus für Medien lohnen kann.
Weiterer Lesehinweis: Gemeinnütziger Journalismus: Vorsichtiger Optimismus (kontextwochenzeitung.de, Susanne Stiefel).

6. “Medienkorrespondenz” wird eingestellt
(faz.net, Miguel de la Riva)
Nach knapp 70 Jahren stellt die katholische Kirche ihre Fachzeitschrift “Medienkorrespondenz” ein. Die Berichterstattung über Medien werde von einem neuen Mediendienst fortgesetzt, einem wöchentlich erscheinenden digitalen Dienst der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Nischenthema Klimawandel, Angriff auf MDR-Team, “Drecksblätter”

1. Klimawandel bleibt ein Nischenthema
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 7:47 Minuten)
Angesichts der Klimakonferenz in Glasgow findet man in den Medien derzeit verhältnismäßig viele Beiträge zum Thema Klima. Michael Brüggemann, Professor für Kommunikationswissenschaft in Hamburg, bezeichnet dies jedoch als “Ausnahmesituation”. Insgesamt sei das Niveau der Klimaberichterstattung recht niedrig. Nur zwei bis drei Prozent der von ihm untersuchten Nachrichtenartikel enthielten das Wort “Klimawandel” oder entsprechende Synonyme. Das werde dem Problem nicht gerecht, so der Wissenschaftler.

2. MDR verurteilt Angriff auf eigenes TV-Team in Zwickau
(mdr.de)
Ein MDR-Team wurde am Montagabend in Zwickau tätlich angegriffen, während es für “MDR exakt” bei einem sogenannten “Spaziergang” gegen Corona-Maßnahmen drehte. Zu der nicht genehmigten Versammlung hatten unter anderem die “Freien Sachsen” aufgerufen, die vom sächsischen Verfassungsschutz zuletzt als rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Bestrebung eingestuft wurden. MDR-Intendantin Karola Wille kommentiert: “Die immer gewalttätigere Auseinandersetzung um Corona-Maßnahmen ist erschreckend und unerträglich, der MDR verurteilt den Angriff aufs Schärfste.”

3. Springer-Mitarbeiter sollen Beziehungen am Arbeitsplatz offenlegen
(sueddeutsche.de)
In einem Gespräch mit der “Financial Times” habe Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner angekündigt, die Angestellten des Konzerns dazu zu verpflichten, sexuelle Beziehungen von Führungskräften mit Mitarbeitenden offenzulegen. Springer müsse sich auf dem Weg zu einem globalen Unternehmen bewusst sein, dass auf dem wichtigen US-Markt striktere Regeln am Arbeitsplatz üblich seien.

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4. Hat der WDR im Fall von Nemi El-Hassan gegen Arbeitsrecht verstoßen?
(berliner-zeitung.de, Stefan Buchen)
Die Ärztin und Journalistin Nemi El-Hassan sollte eigentlich die Moderation der WDR-Wissenschaftssendung “Quarks” übernehmen, doch im Vorfeld tauchten Vorwürfe hinsichtlich El-Hassans Gesinnung auf, die auch von “Bild” befeuert wurden. Nachdem sich Nemi El-Hassan mit einer Stellungnahme in der “Berliner Zeitung” zu Wort gemeldet hatte (“Ich bin Palästinenserin – deal with it!”), rückte der WDR endgültig von einer Zusammenarbeit ab. Nun stelle sich die Frage, ob der Sender in Vorgesprächen womöglich zu weit gegangen ist und arbeitsrechtlich unzulässige Fragen gestellt hat.

5. DJV Update – Bundesverbandstag und eine kleine Bild-Geschichte
(getrevue.co, DJV Sachsen)
In seinem aktuellen Newsletter berichtet der DJV Sachsen von seiner Teilnahme am Bundesverbandstag des Deutschland Journalisten-Verbands. Im Anschluss gibt es noch eine kleine “Bild”-Geschichte: “Die Bild-Zeitung hat sich für ihre Berichterstattung über die Querdenker- und Neonazi-Demonstration am vergangenen Sonnabend in Leipzig beim Instagram-Account zweier junger Leipziger Kollegen bedient und einen Screenshot eines Videos als Foto genutzt. Offenbar in der Bundesausgabe, immerhin mit – kleinem – Quellenhinweis, ganz bestimmt aber ohne Rückfrage und Genehmigung.”

6. Wie und warum Günther Jauch gegen die “gelben Drecksblätter” kämpft
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Was Mats Schönauer über die Abwehrschlacht des TV-Unterhalters Günther Jauch gegen die Yellow Press zusammengetragen hat, ist in mehrfacher Hinsicht erschütternd: Es zeigt, mit welch industrieller Perfidie die Regenbogenbätter ihre Leserinnen und Leser in die Irre führen und welch gewaltigen Aufwand an Zeit und juristischen Mitteln Jauch seit Jahren an den Tag legt, ohne dass es grundsätzlich besser wird.

Facebook-Whistleblowerin, Narrative, “Bild”-Bashing & DDR-Propaganda

1. Facebook-Whistleblowerin auf Europa-Tour
(deutschlandfunk.de, Marcus Schuler, Audio: 4:35 Minuten)
Dass Whistleblowerin Frances Haugen nun auch im EU-Parlament über die Missstände bei Facebook aussagt, sei Teil einer minutiös geplanten PR-Kampagne. Unterstützung erfahre Haugen von prominenten Geldgebern und Organisationen, die den Feldzug der ehemaligen Tech-Angestellten begleiten. Und das erscheint durchaus angebracht, wie ein anderer Fall zeigt: Die Facebook-kritische Informatikerin Sophie Zhang sei zuvor im Wortsinn abgeschaltet worden: “Facebook hat erst meinen Web-Server abschalten lassen, dann haben sie sogar meinen Domain-Namen gesperrt.”

2. Sachlich ja, unkritisch nein
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Medien werden für ihre Berichterstattung über die Corona-Pandemie und über die Maßnahmen zu deren Eindämmung streckenweise heftig kritisiert. Der Hauptvorwurf: Sie seien zu regierungsfreundlich und übernähmen die Position der Regierung zu unreflektiert und unkritisch. Doch ist das wirklich so? Aufschluss darüber könnten zwei Studien liefern, deren Ergebnisse gestern vorgestellt wurden.

3. “Es ist eine harte Zeit”
(taz.de, Lisa Schneider)
In Afghanistan habe sich die Arbeit von Medienschaffenden seit der Übernahme der Taliban grundlegend verändert. Viele Journalisten und Journalistinnen würden mittlerweile anonym aus dem Exil schreiben, sagt Samidullah Mahdi, der aktuell im türkischen Exil lebende Mitgründer des Zentrums für investigativen Journalismus in Afghanistan: “Wir sehen immer wieder: Wenn es Demonstrationen auf den Straßen Kabuls gibt und Journalisten darüber berichten wollen, werden sie von den Taliban verprügelt.”

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4. Urheberrecht verletzt oder ein Copy-Trick?
(verdi.de, Birgit Kiupel)
Viele Nutzerinnen und Nutzer verwenden lizenzfreie Bilder von Plattformen wie Flickr oder Pixabay, kümmern sich um die geforderte Kennzeichnung und glauben, sie seien damit auf der sicheren Seite. Dass dem nicht so ist, beweist die Geschichte einer Stadtführerin, die auf ihrer Website ein kleines, vermeintlich lizenzfreies Bild einer Sehenswürdigkeit verwendete und dafür Lehrgeld zahlen musste.

5. Nicht alles ist ein Narrativ. Aber ohne Narrativ ist alles nichts.
(uebermedien.de, Johannes Hillje)
“Der Koalitionsvertrag beschreibt, was die Koalitionäre tun wollen. Das Narrativ begründet, warum sie es tun wollen.” Bei “Übermedien” nimmt sich Johannes Hillje dem häufig verwendeten Begriff an: “Wer etwas intellektueller klingen will, spricht vom Narrativ. Naturgemäß führt die inflationäre Verwendung eines Begriffs zu einer Verunschärfung seiner Bedeutung. Vor einiger Zeit erlitt das ‘Framing’ ein ähnliches Schicksal.”

6. BILD-Bashing & DDR-Propaganda: Ich – Axel Cäsar Springer (1968 bis 1970)
(journalistenfilme.de, Patrick Torma)
Seit 2015 bespricht Patrick Torma auf seinem Filmblog Kino- und TV-Produktionen mit direktem oder indirektem Journalismus-Bezug: Welche journalistischen Werte vermittelt ein Film? Welche realen Scoops liegen den Beiträgen zugrunde? Auf welche Dramatisierungen und Klischees greift ein Film zurück? Aktuell widmet er sich einer DDR-Produktion über Axel Springer, die sich die DDR seinerzeit stolze sieben Millionen Mark habe kosten lassen. Warum arbeitete sich die DDR an Axel Springer ab? Woher hatten die Autoren ihr Wissen? Und wie zuverlässig ist die Produktion? All diesen Fragen geht Torma ausführlich und aufopferungsvoll nach. Der Blick auf Einzelszenen habe gelohnt, doch “am Stück war der Film für mich schwer zu ertragen, und das lag nicht allein an der zehnstündigen Laufzeit.”

“eXXpress” gegen Klenk, Nominiert, Show-Dinos sind wieder da

1. “eXXpress” gegen Klenk
(taz.de, Ralf Leonhard)
Ralf Leonhard, Österreich-Korrespondent der “taz”, erklärt die Hintergründe um den jüngsten Medienskandal der Alpenrepublik: Das noch recht neue österreichische Boulevardmedium “eXXpress” versuche sich derzeit an einem “Meisterstück von Rufmord und politischer Intrige”. Das Onlinemagazin wolle offenbar gleichzeitig die Korruptionsstaatsanwaltschaft und Florian Klenk, den Chefredakteur des “Falter”, in Misskredit bringen.

2. Nominierungen: Deutscher Reporter:innen-Preis 2021
(reporter-forum.de)
Das “Reporter:innen-Forum” hat mittlerweile alle Nominierungen für den “Reporter:innen-Preis 2021” veröffentlicht. Die Kategorien lauten: Beste Investigation, Beste Sportreportage, Datenjournalismus, Beste Lokalreportage, Multimedia, Kulturreportage, Bester Podcast, Beste Wissenschaftsreportage, Freie:r Reporter:in und Essay. Die Bekanntgabe der Gewinnerinnen und Gewinner erfolgt am Montag, 6. Dezember, um 20 Uhr auf Zoom. Tipp des “6-vor-9”-Kurators: Die Nominierungsliste bietet hochqualitativen Lesestoff und lohnt ein Abspeichern in den Favoriten.

3. Wie lässt sich die Klimakrise besser erklären?
(deutschlandfunkkultur.de, Teresa Sickert & Tim Wiese, Audio: 15:52 Minuten)
Die Berichterstattung über das Klima stellt eine besondere Herausforderung dar: Wie kann es gelingen, ein so komplexes Thema wie den Klimawandel verständlich zu vermitteln? Darüber hat sich Deutschlandfunk Kultur mit Laura Spengler vom Umweltbundesamt sowie der Journalistin Sara Schurmann unterhalten, die auch Medien in Fragen rund um die Klimaberichterstattung berät.

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4. Verleger erwarten Vertriebsförderung
(verdi.de, Günter Herkel)
Die deutschen Zeitschriftenverleger würden sich von der nächsten Bundesregierung verlässliche Rahmenbedingungen für gedruckte und digitale Medien wünschen. Dazu gehöre auch eine “diskriminierungsfreie Vertriebsförderung” der periodischen Presse, so der Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger auf dem diesjährigen Branchentreff “Publishers’ Summit”. Günter Herkel fasst zusammen, was auf der Konferenz sonst noch gesagt wurde.

5. Von wegen ausgestorben: Die Show-Dinos sind wieder da
(dwdl.de, Peer Schader)
Verschiedene TV-Sender reaktivieren ihre Unterhaltungsklassiker von damals, jüngstes Beispiel ist die “Wetten, dass ..?“-Ausgabe vom Wochenende. Peer Schader kommentiert: “Alles war wie immer, und gleichzeitig so wahnsinnig langsam, dass man schon nach einer Dreiviertelstunde, als gerade ein süßer Hund enthusiastisch Verpackungsmaterialien in die richtigen Mülltonnen trennte, eine sehr konkrete Ahnung davon bekam, warum diese Art der TV-Unterhaltung irgendwann ausgestorben ist.”

6. “Wetten, dass..?”, Medikamente für Covid-Patienten, „Stranger Things“
(meedia.de, Jens Schröder)
Im “Social Media Radar” von “Meedia” hat Jens Schröder unter anderem das Netzverhalten nach der “Wetten, dass ..?”-Comeback-Sendung ausgewertet und eine Rangliste der Wikipedia-Suchanfragen erstellt. Die beherrschenden Twitter-Themen des Wochenendes seien außerdem Medikamente für Covid-Patienten und der Trailer zur vierten Staffel der Netflix-Serie “Stranger Things” gewesen.

KW 44: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Boulevardblätter in Not – Haben Bild und Co. noch eine Zukunft?
(sr.de, Isabel Sonnabend & Michael Meyer, Audio: 16:04 Minuten)
In der aktuellen Folge von “Medien – Cross und Quer” geht es um die Zukunft des Boulevard: Steht das Segment der Boulevardzeitungen vor dem baldigen Aus? Oder wandern Boulevard-Inhalte einfach nur ins Netz und werden dann eben dort konsumiert? Ist Boulevard-Berichterstattung, so wie sie jetzt ist, überhaupt noch zeitgemäß? Und was kann und wird sich verändern? Unter anderem darüber sprechen Isabel Sonnabend und Michael Meyer mit dem Hamburger Medienwissenschaftler Michael Haller.

2. Wie gefährdet ist die Pressefreiheit in Polen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:18 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht der Journalist Thomas Dudek mit Holger Klein darüber, wie die polnische Medienlandschaft sich Stück für Stück verändert, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk Telewizja Polska zum Propagandaorgan der Regierung wurde, und weshalb die Parlamentswahl 2023 ein Wendepunkt für die Pressefreiheit in Polen sein könnte.
Weitere Empfehlung: Im Rahmen der MDR-Europakonferenz hat sich MDR-Programmdirektor Klaus Brinkbäumer mit den Botschaftern von Polen und Tschechien sowie einer Vertreterin von Reporter ohne Grenzen über Pressefreiheit sowie über “Medien und ihre gesellschaftliche Funktion in Europa” unterhalten (youtube.com, phoenix, Video: 1:56:10 Stunden).

3. True Crime: Online auf Verbrecherjagd
(ndr.de, Gudrun Kirfel, Video: 12:57 Minuten)
Das Verschwinden der US-amerikanischen Bloggerin Gabby Petito sorgte weltweit für großes Aufsehen. Der Hashtag #gabbypetito verzeichnete allein auf TikTok annähernd zwei Milliarden Aufrufe. Dort, bei Instagram und Youtube suchten unzählige Nutzerinnen und Nutzer den mutmaßlichen Mörder. “Zapp”-Reporterin Gudrun Kirfel hat die Welt der neuen Hobby-Detektive erkundet: Was treibt sie an? Wie hilfreich sind deren Hinweise?

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4. Entscheidung zu El-Hassan und Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 40:16 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin geht es um die folgenden Themen: Die Entscheidung zu Nemi El-Hassan, Afghanische Journalisten in Deutschland, Preisgekrönte Afghanistan-Reporterin, Berichterstattung an Polens Ostgrenze, Chance und Risiko von Gesichtserkennung, Online-Portal für historische Zeitungen. Den Abschluss bildet wie immer die “Medienschelte”, diesmal zum Revival von “Wetten, dass ..?”.

5. Nachhaltigkeits-Berichterstattung: Wie veränderungsbereit sind deutsche Medien, Daniel Bröckerhoff?
(youtube.com, turi2tv, Markus Trantow, Video: 9:26 Minuten)
Auf den Medientagen München wurde unter anderem über das Thema “Nachhaltigkeit in Medien und Gesellschaft” diskutiert. Daniel Bröckerhoff moderierte dort einen “Nachhaltigkeitsgipfel”. In der Nachbesprechung mit “turi2” fasst Bröckerhoff die unterschiedlichen Positionen und den Stand der Diskussion zusammen (“Am Ende hat es ein bisschen gekracht”).

6. Wieso sich das Militär jetzt auf die Gamer stürzen will
(youtube.com, Walulis Story – SWR3, Video: 13:07 Minuten)
Der Krieg der Kriegsspiele für den PC habe einen lachenden Gewinner aus der zweiten Reihe: Armeen. Für die könne es aktuell nicht genug Gaming geben. In der aktuellen “Walulis Story” geht es um die medialen Anstrengungen, aus Gamern Rekruten zu machen, und die Frage, wie die Spielehersteller dabei helfen.

Von der Lappalie zur Cancel Culture, Geschürter Volkszorn, Methode May

1. Der kurze Weg von der Lappalie zur Cancel Culture
(woz.ch, Adrian Daub)
Der Stanford-Professor Adrian Daub denkt über das Schlagwort “Cancel Culture” nach, das in den deutschsprachigen Feuilletons immer wieder für aufgewühlte und aufwühlende Beiträge herhalten muss: “In der deutschsprachigen Presse ist um diese Schauergeschichten für die Boomerseele ein regelrechtes Ökosystem entstanden. Da lohnt es sich zu fragen, warum. Gewiss sind solche Formen der Panikmache Ausdruck konkreter Ängste. Aber sie werfen auch ein Schlaglicht auf Verschiebungen in der deutschsprachigen Publizistik und im europäischen Selbstverständnis.”

2. WDR-Intendant Tom Buhrow – Feige, verloren oder was sonst?
(blog-der-republik.de, Christoph Lütgert)
Christoph Lütgert war viele Jahre Chefreporter des NDR und beobachtet das Mediengeschehen mittlerweile aus dem Ruhestand. Besonders unzufrieden ist er mit Arbeit und Verhalten des WDR-Intendanten Tom Buhrow, den er hinsichtlich des Umgangs mit der Causa Nemi El-Hassan als “mutlosen Wiederholungstäter” bezeichnet. Angesichts Buhrows öffentlich getätigter Aussagen über die Notwendigkeit unbequemer Haltungen bleibe nur die Wertung: “verlogen und heuchlerisch”.

3. “Wir brauchen eine totale Sensibilisierung für die Betroffenen”
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 8:35 Minuten)
Am 4. November 2011 flog der selbsternannte, rechtsterroristische Nationalsozialistische Untergrund, kurz NSU, auf. Welche Rolle haben Medien bei der Wahrnehmung und Bewertung der Taten des NSU gespielt? Und was haben sie gelernt in puncto Rassismus und Vorurteile? Darüber hat sich der Deutschlandfunk mit der Journalistin und Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke unterhalten.

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4. Eine Milliarde Umsatz bis 2026: RTL erhöht Streaming-Ziele
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die RTL Group wolle mit ihrem Streaming-Angebot RTL+ (vormals TV Now) bis Ende 2026 zehn Millionen zahlende Abonnentinnen und Abonnenten sowie einen Umsatz von einer Milliarde Euro erreichen. Dieses Vorhaben lasse sich das Unternehmen einiges an Investitionen kosten. Durchaus mit Erfolg: Innerhalb eines Jahres habe sich die Zahl der Abos, auch wegen einer Partnerschaft mit der Telekom, auf rund 2,4 Millionen mehr als verdoppelt.

5. Falschnachrichten für den Volkszorn
(tagesschau.de, Silvio Duwe & Susett Kleine & Daniel Laufer & Markus Pohl)
Jürgen Elsässers Magazin “Compact” docke gezielt an Verschwörungsmythen an. Diese seien laut Elsässer ein probates Mittel, um einen “Sturz des Regimes” herbeizuführen – auch wenn er sie selbst nicht glaube: “Schon vor der Pandemie sprach Elsässer unverblümt davon, dass sein Ziel der ‘Sturz des Regimes’ sei – also der demokratisch legitimieren Bundesregierung. Im Interview betont er aber, dass dieser Sturz selbstverständlich ‘demokratisch’ erfolgen solle.”

6. Für Tanja May ist Löschen jetzt das neue Schwarz
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Als Tanja May noch bei der “Bunten” arbeitete, mussten nachträglich regelmäßig ganze Passagen ihrer Artikel über Prominente geschwärzt werden, weil sie unwahr waren oder die Öffentlichkeit nichts angingen. Nach ihrem Wechsel in die “Bild”-Redaktion hat sich an Mays Vorgehensweise anscheinend wenig geändert, nur die Folgen seien andere: Statt Schwärzungen setze man bei “Bild” auf Löschungen. Das Perfide der Methode May: “Aus der Welt sind die privaten Dinge, die sie öffentlich gemacht hat, nach dem Löschen natürlich nicht. Auch die Informationen aus dem aktuellen Stück finden sich nun zwar nicht mehr bei ‘Bild’, aber in diversen anderen Medien.”

Klima-Medienkrise, “Falter-Gate”, Gesichtserkennung geht weiter

1. Programmauswertung: Wir haben mal nachgezählt…
(klimavoracht.de)
“Klima vor acht” versteht sich als “Initiative zur Förderung von Klimaberichterstattung zur besten Sendezeit”, also kurz vor 20 Uhr, unmittelbar vor der “Tagesschau”. Die Mitglieder der Initiative haben sich das zurückliegende öffentlich-rechtliche Programm seit 2016 angeschaut und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Im Verhältnis zum öffentlichen Interesse an der Klimakrise gebe es deutlich zu wenig Sendungen bei ARD und ZDF, die sich mit dem Thema befassen.

2. Facebook arbeitet weiter an Gesichtserkennung
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Wer die Nachrichten der vergangenen Tage verfolgt hat, könnte meinen, Facebook verabschiede sich von seiner umstrittenen Gesichtserkennnung. Wenn man die Pressemitteilung des Mutterkonzerns Meta genau lese, ergebe sich jedoch ein anderes Bild, schreibt Sebastian Meineck: Facebook halte nach wie vor an der Technologie fest, wolle sie nur gezielter einsetzen. Meinecks Tipp: “Wer auch in Zukunft sein Gesicht vor möglicher, biometrischer Erfassung durch den Konzern schützen will, sollte eher keine Facebook-Produkte nutzen.”

3. Falter-Gate: Wie kritische Journalist:innen eingeschüchtert werden sollen
(youtube.com, Moment Magazin, Natascha Strobl, Video: 3:41 Minuten)
In Österreich hat sich im ÖVP-nahen Umfeld eine Kampagne gegen Florian Klenk, Chefredakteur der Zeitschrift “Falter”, und gegen die Staatsanwaltschaft, die unter anderem gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz ermittelt, gebildet. Natascha Strobl erklärt in ihrer Video-Kolumne die dahinterstehende Strategie: “Desinformation wie Falter-Gate bietet eine Gegenrealität zur realen, auf Fakten basierenden Realität. In dieser Gegenrealität werden die eigentlichen Täter:innen zu Opfern und die Aufdecker:innen zu Täter:innen”.

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4. Holt mehr Journalistinnen mit Behinderung in die Redaktion!
(uebermedien.de, Andrea Schöne)
“Diversity in den Medien ist die Debatte schlechthin für den Journalismus der Zukunft. Meistens geht es hier um die Förderung von Frauen, von Menschen mit Migrationsgeschichte oder queeren Menschen. Alles wichtig. Genauso wichtig wäre aber, auch über die Sichtbarkeit von behinderten Menschen in Medien zu reden oder über ihre Mitarbeit hinter den Kulissen.” Die freie Journalistin Andrea Schöne beschreibt bei “Übermedien” ihre Erfahrungen als Journalistin mit Behinderung und erklärt, was sich tun müsste, damit der Zugang in den Journalismus endlich barrierefrei(er) wird.

5. “Müssen wir uns jetzt wieder beschimpfen lassen?”
(journalist.de, Thilo Komma-Pöllath)
Claudia Neumann ist seit 1999 Sportreporterin beim ZDF, seit 2008 kommentiert sie Fußballspiele live, seit 2016 auch Partien der Männer. Bei Letzterem schlagen ihr regelmäßig sexistische Kommentare, Beschimpfungen und Hass entgegen. Der “journalist” hat sich mit Neumann über ihre Vorbildrolle, die unterschiedliche Beurteilung von Frauen und Männern und den Umgang mit Fehlern unterhalten.

6. Expertinnen warnen vor Netflix-Serie “Squid Game” für jüngere Kinder
(rnd.de)
Die aus Südkorea stammende Serie “Squid Game” ist die weltweit erfolgreichste Netflix-Produktion aller Zeiten. Sie steht jedoch wegen ihrer Gewalttätigkeit in der Kritik. Vor allem für Kinder sei die Serie nach Ansicht von Experten und Expertinnen ungeeignet. Eltern sollten die Altersfreigabe ab 16 Jahren berücksichtigen und gegebenenfalls mit ihren Kindern über das Gesehene sprechen, um bei der Verarbeitung zu helfen.

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