Umgang mit Föderl-Schmid, Angriff auf “NZZ”, Fantasiefreies Fernsehen

1. Medienethiker Filipovic zum Umgang mit Föderl-Schmid: “Eigentlich müssten wir uns alle schämen und die Klappe halten”
(kress.de / KNA-Mediendienst, Alexander Riedel)
Im Interview mit Alexander Riedel vom KNA-Mediendienst bewertet Medienethiker Alexander Filipović die Berichterstattung über und das Agieren der Kritiker von “SZ”-Vize-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid: “Eigentlich müssten wir uns alle schämen und die Klappe halten, weil wir natürlich Teil dieser fatalen Kommunikationsdynamik sind, die entsteht und die einen Menschen in die Verzweiflung drängen kann. Man muss sich klarmachen, dass die öffentliche Sphäre massive Auswirkungen auf das individuelle Seelenheil hat.”
Dazu noch ein Hörtipp: Für “BR 24 Medien” hat sich Linus Lüring mit Barbara Tódt von der österreichischen Wochenzeitung “Falter”, der Medienwissenschaftlerin Wiebke Möhring von der TU Dortmund und Daniela Kraus, Generalsekretärin des Presseclub Concordia aus Wien, über den Fall unterhalten: Was sollten wir aus dem Fall Föderl-Schmid lernen? (br.de, Audio: 24:51 Minuten)

2. Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg: “Die Öffentlichkeit hat das Recht, Dinge zu erfahren, die ungesetzlich sind”
(fr.de, Bascha Mika)
Die “Frankfurter Rundschau” fragt im Interview den ehemaligen Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg, ob Wikileaks den Journalismus weiterentwickelt hat, was Domscheit-Berg bejaht: “Ich denke, dass man das heute so sagen kann. Nicht nur im Blick auf die Entwicklung von Datenjournalismus, sondern auch was die investigative Praxis angeht. Was Edward Snowden oder die Rechercheure der Panama Papers gemacht haben, war definitiv von unserer Arbeit beeinflusst. Wir haben für andere die Basis gelegt, haben gezeigt, wo der Raum ist und was man damit machen kann. Und das hat andere Leute inspiriert – oder auch abgeschreckt.”

3. Kriminelle Hacker greifen die NZZ an und erpressen sie. Das Protokoll einer Krise
(nzz.ch, Lukas Mäder)
Die “Neue Zürcher Zeitung” wurde vergangenes Jahr Opfer eines Cyberangriffs durch Hacker, die mit Hilfe von Ransomware sensible Daten stehlen konnten und den Verlag erpressten. Lukas Mäder hat ein Protokoll der Ereignisse verfasst, das sich spannender als mancher Krimi liest und die schwerwiegenden Folgen eines solchen Angriffs aufzeigt.

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4. Der Niedergang von X wird zum Problem für Elon Musk
(manager-magazin.de, Philipp Klöckner)
In seiner Kolumne fürs “Manager Magazin” rät Philipp Klöckner, sich nicht davon täuschen lassen, dass X (vormals Twitter) eher langsam an Bedeutung verliere: “Was durch Netzwerkeffekte exponentiell gewachsen ist, schrumpft auch wieder logarithmisch: Wenn sich diese Effekte einmal auflösen, kann der Exodus sehr schnell gehen. Siehe: StudiVZ. Oder MySpace.”

5. Auch dahin gehen, wo es weh tut
(meine-kirchenzeitung.de, Arnd Henze)
Arnd Henze hat einen Essay über die evangelische Publizistik verfasst: “Die große Zeit der evangelischen Publizistik ist ein Mythos, der seine Entmythologisierung noch vor sich hat. Richtig ist: Nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft gelang es der EKD und ihren westdeutschen Gliedkirchen, aus der Erbmasse der Weimarer Republik und der Verlage des sogenannten ‘Kirchenkampfes’ ein beeindruckendes Medienimperium zu schaffen – mit freundlicher Unterstützung der westlichen Siegermächte, die den Kirchen bei der Vergabe von Drucklizenzen einen besonderen Vertrauensvorschuss entgegenbrachten.”

6. 111 Fantasiefreie Fernsehformate – oder: Ewig lebt die Pannenshow
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader kritisiert die Praxis der Sender ProSieben und Sat.1, ihre Primetime mit vergleichsweise billigen Clipshows wie “Darüber staunt die Welt” und “111 …” zu füllen, die wenig Kreativität erfordern und vor allem auf Unterhaltung durch tierische und menschliche Missgeschicke setzen. Derlei Formate seien “nicht totzukriegen”, so Schader, “nicht jedenfalls, so lange noch genügend cabriofahrende Schafe, deosprayende Hunde, panierfischraubende Möwen, keyboardspielene Hühner, gitarrezupfende Tauben, tanzende Spinnen und ohnmachtsimulierende Hunde übrig sind, zwischen denen sich ein bisschen Werbung zeigen lässt.”

KW 07/24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. »Wir alle können auf Desinformation hereinfallen«
(spiegel.de, Marius Mestermann, Audio: 43:01 Minuten)
Thomas Laschyk, Gründer des Blogs “Volksverpetzer”, setzt auf emotionale Inhalte, die Aufmerksamkeit generieren und über reine Faktenchecks hinausgehen sollen. So wollen er und sein Team den Narrativen von Populisten und Extremisten entgegenwirken. Wie sie dabei vorgehen, ist Thema der aktuellen Folge des “Spiegel”-Podcasts “Stimmenfang”.

2. Der Fehler als Chance
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 31:24 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine Sendung und tauschen sich mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um den Umgang mit Fehlern und die Frage, wie eine bessere Fehlerkultur aussehen könnte. Es diskutieren DLF-Hörer Filip Kolb, ZDF-Online-Nachrichtenchef Frederic Huwendiek, Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Stephan Beuting vom Deutschlandfunk.
Tipp aus unserem Archiv: In diesem Zusammenhang sei gerne an Ralf Heimanns achtteilige Serie Kleine Wissenschaft des Fehlers bei uns im BILDblog erinnert.

3. Mark D. Cole zur Reform von ARD und ZDF
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 5:52 Minuten)
Mark David Cole ist Jurist, Professor für das Recht der neuen Informationstechnologien und wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Europäisches Medienrecht. Außerdem war er Mitglied des sogenannten Zukunftsrats von ARD und ZDF. In einer knapp sechsminütigen Bonus-Episode des Podcasts “Läuft” verrät Cole, wie zufrieden er mit dem ist, was die Bundesländer als Reaktion auf die Anregungen des Zukunftsrats vorgelegt haben.

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4. Hörbar Rust mit Jessy Wellmer
(radioeins.de, Bettina Rust, Audio: 1:26:47 Stunden)
Jessy Wellmer, die seit Oktober 2023 die “Tagesthemen” moderiert, blickt auf eine vielseitige journalistische Karriere zurück: Sie moderierte verschiedene Nachrichten- und Sportformate und produziert Dokumentationen über Ressentiments zwischen Ost- und Westdeutschen. Darüber und über vieles mehr spricht sie in der “Hörbar Rust”.

5. Tschechien
(ardaudiothek.de, Holger Klein: 1:19:19 Stunden)
“Die Wirtschaft durch-oligarchisiert, mehr Geflüchtete in Arbeit und der Brotaufstrich teurer als in Deutschland.” In den radioeins-“Ferngesprächen” lässt Holger Klein Korrespondentinnen und Korrespondenten über ihre jeweilige Region und ihre Arbeit vor Ort zu Wort kommen. Diesmal berichtet Marianne Allweiss aus Tschechien.

6. Warum werden Challenges immer heftiger?
(ndr.de, Mirko Drotschmann, Video: 10:46 Minuten)
Auf Social-Media-Plattformen werden viele zum Teil sehr gefährliche Mutproben gepostet, sogenannte Challenges: “Bei den Mutproben kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen und sogar zu Todesfällen. Warum machen so viele da mit? Was fasziniert an den Challenges? Und warum werden diese immer krasser?” Das wollte Mirko Drotschmann, auch bekannt als “MrWissen2go”, von Youtubern und Content Creatorn wissen.

Nachrichtenrelevant, Die AfD auf TikTok, Superwahljahr

1. Wann wird ein Krieg “nachrichtenrelevant”?
(de.ejo-online.eu, Ladislaus Ludescher)
“Zahlreiche Kriege und Katastrophen, die sich im Globalen Süden ereignen, finden abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit statt. Woran liegt das?” Dieser Frage geht Ladislaus Ludescher in seiner Analyse nach. Anhand des medial vernachlässigten Krieges im Jemen kommt er zu einem ernüchternden Fazit: “Berichtet wird anscheinend erst, wenn Menschen oder Interessen des Globalen Nordens in irgendeiner Form betroffen sind.”

2. “Das ist wie ein kleines Propagandaposter”
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 6:14 Minuten)
Mehrere Bahnhofsbuchhandlungen haben in den vergangenen Tagen angekündigt, den Verkauf des als rechtsextrem eingestuften Magazins “Compact” einzustellen. Dies sei ein herber Rückschlag für das Magazin, das mit seinen provokativen und emotionalen Inhalten bisher eine große Wirkung erzielt habe. Die auffälligen “Compact”-Titelbilder hätten wie Propagandaplakate gewirkt und so Aufmerksamkeit und Neugier geweckt, selbst wenn das Heft nicht gekauft wurde.

3. Die AfD auf TikTok – Leider erfolgreich
(belltower.news, Stefan Lauer)
Das Interview mit Theresa Lehmann von der Amadeu Antonio Stiftung beleuchtet die große Präsenz der AfD auf TikTok, wo sie durch polarisierende Inhalte und eine breit angelegte Strategie auffalle, die vom Einsatz von Memes bis zu Erklärformaten reiche. Trotz der Sperrung ihres Hauptaccounts bleibe die Reichweite der Partei durch zahlreiche Einzelaccounts ungebrochen. Lehmann kritisiert, dass die demokratischen Parteien die jungen Menschen auf der Plattform nicht ernst genug nehmen und so der AfD Raum geben, ihre Botschaften effektiv zu verbreiten.

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4. Politischer Journalismus im Wandel
(verdi.de, Günter Herkel)
Mitte der Woche wurde an der Freien Universität Berlin über den Wandel des politischen Journalismus diskutiert. Dabei ging es um die Notwendigkeit einer ausgewogenen Berichterstattung und die Bedeutung der politischen Bildung im Journalismus. Auch die Anpassung an Plattformlogiken und die damit einhergehende Machtverschiebung hin zu den Plattformbetreibern als Herausforderung für eine demokratische Informationsvermittlung wurden thematisiert.

5. Zwei Drittel der Titelgeschichten schreiben in Österreich noch immer Männer
(kobuk.at, Anna Wiesinger)
Das Medienwatchblog “Kobuk” hat über mehrere Monate die Titelseiten der sieben größten österreichischen Tageszeitungen analysiert. Das Ergebnis: Rund 65 Prozent der Titelgeschichten wurden von Männern geschrieben. Besonders auffällig sei das Ungleichgewicht bei den “Oberösterreichischen Nachrichten” mit 76 Prozent von Männern verfassten Titelgeschichten, während “Die Presse” und “Der Standard” mit einem vergleichsweise höheren Anteil an von Frauen verfassten Titelgeschichten etwas ausgeglichener seien.

6. Gewalt gegen Journalisten im Superwahljahr
(reporter-ohne-grenzen.de)
Im Superwahljahr 2024, in dem weltweit in über 60 Staaten gewählt wird, geraten Medienschaffende zunehmend unter Druck, vor allem in autoritären Regimen, wo sie oft zur Zielscheibe von Gewalt werden. “Rund um Wahlen erreichen uns besonders viele Hilferufe von Journalistinnen und Journalisten, die mit brutalen Mitteln an unabhängiger Berichterstattung gehindert werden”, sagt Katja Gloger, Vorstandssprecherin von Reporter ohne Grenzen.

TikTok sperrt, “Schluss mit den Ankündigungen”, Leserbriefe

1. TikTok sperrt »Hoss und Hopf«
(spiegel.de)
TikTok habe den Kanal des rechtslibertären Podcasts “Hoss und Hopf” mit rund 166.000 Followern wegen der Verbreitung von “gefährlichen Falschinformationen und Verschwörungstheorien” dauerhaft gesperrt. Die Sperrung richte sich nicht gegen einzelne Videos, sondern gegen den ganzen Kanal, heiße es aus Kreisen der Plattform. Ergänzung des “6-vor-9”-Kurators: “Hoss und Hopf” war einer breiteren Öffentlichkeit jüngst durch einen bei stern.de veröffentlichten Erfahrungsbericht einer Mutter bekannt geworden und in die Kritik geraten: Einer der erfolgreichsten Podcasts impft unsere Kinder mit radikalem Gedankengut – und keiner kriegt’s mit.

2. Schluss mit den Ankündigungen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appelliert an Bundesinnenministerin Nancy Faeser, ihrer Ankündigung, energisch gegen Rechtsextremismus vorzugehen, “Taten folgen zu lassen”. Faeser habe bereits zu Beginn ihrer Amtszeit einen entschlossenen Kampf gegen den Rechtsextremismus angekündigt, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Das war vor zwei Jahren. Seitdem sind die Bedrohungen und Anfeindungen gegen Medienschaffende nicht weniger, sondern mehr geworden.”

3. Leserbriefe verzerren das Bild der Öffentlichkeit
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband)
Marina Weisband kritisiert in ihrer Kolumne Medien dafür, dass diese die AfD häufig in Diskussionen über den Schutz der Demokratie einbeziehen, während über Massenproteste gegen Rechts zu wenig berichtet werde. Sie weist dabei darauf hin, dass rechtsextreme Gruppierungen durch große Brief- und Mailaktionen den Eindruck erwecken können, dass ihre Ansichten weit verbreitet seien, was Medien und Politik beeinflussen kann: “Sie bombardieren Politiker, Redaktionen, Prominente – jeden der bei Drei nicht auf den Bäumen ist – mit hasserfüllten Beschwerden über Wokeness, über den Verfall von Werten, über das Ignorieren der armen AfD und so weiter.” Weisband empfiehlt, das dadurch entstehende verzerrte Bild durch aktives Anschreiben von Medien und Politik zu korrigieren.

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4. ARD-Freienrat fordert Ende von “Haushonoraren”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” berichtet, fordert der ARD-Freienrat die Abschaffung der sogenannten “Haushonorare” in den ARD-Landesrundfunkanstalten. Diese Regelung, die ursprünglich die Verteilung lukrativer Honoraraufträge unter Festangestellten verhindern sollte, gelte mittlerweile als überholt und führe eher zu Bürokratie und Diskriminierung insbesondere von Teilzeitbeschäftigten, so die Kritik. Der Freienrat argumentiere, dass es wirksamere Maßnahmen zur Verhinderung von Compliance-Verstößen gebe, und fordere die Abschaffung der Honorarkürzung für befristet Beschäftigte und Teilzeitkräfte.

5. Novelle vorgestellt: Wie deutsche Filmstandorte durch Reform der Filmförderung gestärkt werden sollen
(tagesschau.de)
Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat Reformpläne für die Filmförderung in Deutschland vorgestellt, um die Bedingungen für Filmproduktionen unter anderem durch steuerliche Anreize und eine Investitionsverpflichtung zu verbessern. Ziel der Reform sei es, den deutschen Film im internationalen Wettbewerb und gegenüber den Herausforderungen durch Streaming-Dienste zu stärken.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins hat der “6-vor-9”-Kurator die Reformpläne kommentiert: Filmförderung soll reformiert werden – was ist davon zu halten? (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:44 Minuten)

6. “Vice Deutschland” wird eingestellt
(taz.de)
Mit dem Deutschland-Ableger von “Vice” ist es bald endgültig vorbei, wie Chefredakteur Tim Geyer bei Twitter/X bekanntgibt: “Vice Deutschland schließt Ende März nach 18 Jahren. Danach wird es keine deutschsprachigen Inhalte mehr geben. Schade. Kein anderes deutsches Medium hat so konsequent gezeigt, wie guter Journalismus für junge Menschen geht. Wir hätten gerne für euch weitergemacht. Sorry Leute.”

Medienaufsicht vs. Fake-Nius, Hass im Netz, Karneval wandert in die Dritten

1. Medienaufsicht nimmt sich Reichelts neues Portal vor
(t-online.de, Lars Wienand)
Wie Lars Wienand bei t-online.de berichtet, steht das rechtslastige Wutmedium “Nius” um den geschassten Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt im Fokus der zuständigen Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Mehrere Beschwerden bei der Anstalt hätten die Frage aufgeworfen, in welchem Umfang Reichelts “Nius” gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstößt. Lars Wienand hat den Fall recherchiert und die Vorwürfe eingeordnet.

2. So verbreitet ist “Hass im Netz”
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine repräsentative Studie zeige, dass Hass im Netz weit verbreitet ist: Fast jede zehnte Person habe das Leaken intimer Bilder erlebt, und mehr als die Hälfte der Befragten ziehe sich aus Online-Debatten zurück. Die Studie offenbare auch, dass junge Frauen und marginalisierte Gruppen besonders von digitaler Gewalt betroffen seien, während eine knappe Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer angebe, nie Hass im Netz beobachtet zu haben. Die Ergebnisse würden die Notwendigkeit für mehr Unterstützungsangebote und eine stärkere Sensibilisierung im Umgang mit digitaler Gewalt unterstreichen.

3. Bund führt Mindesthonorare für Freie ein
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) begrüßt die Einführung von Mindesthonoraren für freie Journalistinnen und Journalisten in mit Bundesmitteln geförderten Einrichtungen ab dem 1. Juli. Die Regelung gelte “für alle Kreativen in den Sparten Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Wort, Musik und kulturelle Bildung”, wenn die Förderung mindestens 50 Prozent beträgt. “Ich freue mich, dass die Ministerin unsere Argumente ernstgenommen hat und die Freien im Journalismus künftig genauso behandelt werden wie alle anderen Kreativen”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster.

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4. Zukunft der Zeitungen: Mehr Digitales, mehr KI-Tools
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Kurt Sagatz berichtet beim “Tagesspiegel” darüber, wie sich die Zeitungsverleger und Digitalpublisher ihre Zukunft vorstellen: Bis 2030 werde ein deutlicher Anstieg bei E-Paper-Abos und Paid-Content erwartet, was die Bedeutung des Digitalgeschäfts stark erhöhen werde. Die Branche plane außerdem, sich durch den Einsatz von KI-Tools und personalisierten Inhalten weiterzuentwickeln, um Effizienz und Leserbindung zu steigern.

5. Digitale-Dienste-Gesetz: Feinschliff erforderlich
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) unterstützt den Entwurf des Gesetzes über digitale Dienste zur Stärkung der Rechte von Journalistinnen und Journalisten gegen digitale Angriffe, sieht aber Nachbesserungsbedarf, insbesondere bei der Datenweitergabe an Behörden und beim Umgang mit Beschwerden. ROG betont die Notwendigkeit, die Verfahren transparenter zu gestalten und zivilgesellschaftliche Expertise stärker einzubeziehen. Das Gesetz soll die europäischen Vorgaben des Digital Services Act umsetzen, verzögert sich in Deutschland aber.

6. Wie der Karneval aus den Hauptprogrammen verschwindet
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie Alexander Krei bei “DWDL” berichtet, wandern die Karnevalssendungen zunehmend vom Ersten und vom ZDF in die Dritten Programme ab – trotz ihrer Beliebtheit und hoher Einschaltquoten bei den Regionalsendern. Kreis Fazit: “Karneval im Fernsehen ist keineswegs aus der Mode geraten – aber eben eher regional als bundesweit.”

AfD hängt auf TikTok alle ab, Falscher Fokus, Metas Politik-Angst

1. AfD hängt alle anderen Parteien auf TikTok ab
(zdf.de, Nils Metzger)
Eine Analyse des Politikberaters Johannes Hillje zeige, dass die AfD in verschiedenen Sozialen Medien deutlich erfolgreicher sei als andere politische Parteien, mit durchschnittlich höheren Impressionen pro Video auf TikTok und einer stärkeren Präsenz auf Plattformen wie Facebook und Youtube. Die Strategie hinter dem Erfolg der AfD beinhalte emotionale und polarisierende Botschaften, was die Partei besonders bei der jungen Wählerschaft beliebt mache und ihre Reichweite im digitalen Raum erhöhe.

2. Völlig falscher Fokus
(taz.de, Livio Koppe)
Das österreichische Nachrichtenmagazin “Profil” hat dem rechtsextremen Aktivisten und Wortführer der Identitären Bewegung Martin Sellner sein Titelbild gewidmet. Livio Koppe kritisiert die Entscheidung der Redaktion: “Nicht nur bei profil wird also eine einzelne Person unverhältnismäßig hochstilisiert. Für seine Anhänger zementiert das Sellners Kultstatus, für den Rest der Gesellschaft wird er größer gemacht, als er es ist.”

3. Instagram soll unpolitisch werden: Community enttäuscht
(wdr.de, Gavin Karlmeier)
Gavin Karlmeier kommentiert die Entscheidung von Instagram und Threads, politische Inhalte nicht mehr algorithmisch fördern zu wollen und damit die Sichtbarkeit solcher Inhalte einzuschränken. Die Definition dessen, was als “politisch” gilt, bleibe vage und umfasse Themen von Regierungen über Wahlen bis hin zu gesellschaftlich relevanten Themen: “Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen in Europa und den USA könnte die eingeschränkte Verbreitung von politischen Inhalten auch eine faktenbasierte Meinungsbildung erschweren – und stattdessen Effekte der gegenseitigen Bestätigung sogar noch beflügeln.”

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4. “Plagiate sind kein flächendeckendes Phänomen in den deutschen Medien”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Im Interview mit dem “Tagesspiegel” rät Mika Beuster, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, zu mehr Gelassenheit in der Plagiatsdebatte: “Plagiate sind kein flächendeckendes Phänomen in der deutschen Medienlandschaft. Dazu tragen Institutionen wie die funktionierende Selbstkontrolle des Presserats, knallhart recherchierende Medienjournalisten, ein ausgeprägtes Berufsethos sowie ein kritisches Publikum bei.”

5. EU dreht Beweislast um
(djv.de, Hendrik Zörner)
Die EU habe einen Kompromiss für die Richtlinie zur Plattformarbeit beschlossen, der vorsehe, dass digitale Plattformen ihre freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie festangestellte Beschäftigte behandeln müssen, wenn Anzeichen für Scheinselbständigkeit vorliegen, wobei die Beweispflicht bei den Unternehmen liege. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) begrüßt diese Entwicklung: “Es wurde Zeit, dass sich Europa mehr um die Rechte von Mitarbeitenden in digitalen Geschäftsmodellen kümmert”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster.

6. Tägliche Fernsehnutzung geht etwas zurück, Wachstum online
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier unter Berufung auf eine Mediennutzungsanalyse des Verbands Privater Medien VAUNET berichtet, ist die tägliche Nutzung von Bewegtbild-Inhalten in Deutschland vor allem aufgrund des Wachstums bei Online-Videos leicht gestiegen, während die Fernsehnutzung leicht zurückgegangen ist. Trotz des Rückgangs bleibe das lineare Fernsehen die wichtigste Quelle für die tägliche Mediennutzung.

Der Fall Alexandra Föderl-Schmid, Links-Drall?, Harte Altersgrenze

1. Zwei Lehren aus dem Fall Alexandra Föderl-Schmid
(falter.at, Barbara Tóth)
Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredakteurin der “Süddeutschen Zeitung” (“SZ”) und davor langjährige Chefredakteurin des österreichischen “Standard”, werden Plagiate nachgesagt, sowohl in ihrer journalistischen Arbeit als auch in ihrer Jahrzehnte zurückliegenden Disseration. Nachdem sie sich bis zur Klärung aus dem Tagesgeschäft der “SZ” zurückgezogen hatte, galt Föderl-Schmid für etwa 24 Stunden als vermisst, wurde aber stark unterkühlt aufgefunden. Barbara Tóth zieht “zwei Lehren aus dem Fall”. Unbedingt lesenswert ist auch Tóths Beitrag über “die Grenzen des Plagiats-Checks”, in dem sie den “schwerwiegenden Plagiatsverdacht” eines “Plagiatsjägers” entkräftet, und ihre Einordnung, was “die Rechtsaußenpresse” mit dem Fall zu tun hat. Den Fall zusammengefasst auf einer Seite gibt es beim “Standard”: Die Chronologie einer Hetzjagd auf Alexandra Föderl-Schmid. Ein weiterer Lesetipp: Wir sollten mehr Ethik lernen: “Das Drama um die Vizechefin der ‘Süddeutschen Zeitung’ sollte den Medien ein Lehrstück darüber sein, wie man besser nicht mit Verdächtigungen umgeht.” (taz.de, Gunnar Hinck) Und über die politische Dimension des Falls in Österreich berichtet Eva Sager: FPÖ-Mitarbeiterin hetzt gegen Journalistin Alexandra Föderl-Schmid (profil.at).

2. Haben die öffentlich-rechtlichen Sender einen “Links-Drall”?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 19:25 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe des “Übermedien”-Podcasts “Holger ruft an” diskutiert der Kommunikationswissenschaftler Pablo Jost die Ergebnisse einer Studie zur Perspektivenvielfalt in öffentlich-rechtlichen und in privaten Medien. Die Untersuchung zeige, dass das deutsche Mediensystem trotz aller Kritik sehr vielfältig sei. Untersucht wurde, wie ARD und ZDF im Vergleich zu privaten Medien berichten, wer zu Wort kommt, welche Themen behandelt und wie politische Akteure bewertet werden.

3. Berichterstattung über Proteste unerwünscht
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert die Festnahme von mindestens 20 Journalisten in Moskau: “Wir sind alarmiert über diesen gezielten Versuch, Medienschaffende einzuschüchtern”, so ROG-Vorstandssprecherin Katja Gloger: “Mit den Festnahmen sendet der Kreml wenige Wochen vor den Präsidentenwahlen ein klares Signal an die russischen, aber auch die ausländischen Medien: Berichterstattung über Proteste ist unerwünscht und soll unterdrückt werden!”

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4. Frankreich will harte Altersgrenze für soziale Medien einführen
(spiegel.de)
Frankreich plane, Kindern unter 13 Jahren den Zugang zu Sozialen Netzwerken zu verbieten und Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren die Nutzung nur noch mit Zustimmung der Eltern zu erlauben. Premierminister Gabriel Attal sei zuversichtlich, dass die Plattformen bei der Umsetzung dieser Maßnahmen kooperieren: “Sie werden mitspielen.”

5. TikTok ver­liert im Urhe­ber­rechts­st­reit um Lizenzen
(lto.de)
Wie “Legal Tribune Online” berichtet, hat das Landgericht München entschieden, dass TikTok urheberrechtlich geschützte Werke nicht ohne Erlaubnis nutzen darf, auch nicht, wenn die Plattform einfach behauptet, es gebe laufende Lizenzverhandlungen. TikTok sei verklagt worden, weil es Filme ohne Erlaubnis gezeigt und sich nicht ernsthaft um eine Lizenz bei den Rechteinhabern bemüht habe. Das Unternehmen müsse nun Schadenersatz zahlen und dürfe die Inhalte nicht mehr zeigen, bis die Nutzung geklärt ist.

6. Das steckt WIRKLICH hinter den Schlagzeilen der Klatschpresse
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 4:21 Minuten)
Klatschpresse-Kenner Mats Schönauer lädt ein zum fröhlichen Schlagzeilenbasteln: “Seid ihr so einfallsreich und skrupellos wie die Klatschpresse? Probiert es aus! Ich sag euch eine Nachricht, und ihr versucht zu erraten, welche hirnverbrannte Schlagzeile die Knallblätter daraus gemacht haben.”

KW 06/24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Propaganda in Nahost: Die Verdrehung der Wirklichkeit
(youtube.com, Michael Beverunge, Video: 14:00 Minuten)
“Unfreie Presse in der arabischen Welt und blinde Flecken bei den israelischen Medien. Das macht eine Verständigung der verfeindeten Völker nicht einfacher.” Das ZDF-“Auslandsjournal” beschäftigt sich mit der schwierigen Berichterstattung über den Krieg in Nahost.

2. Das ganze Gespräch: Fritz Jergitsch
(transistor.fm, Luis Paulitsch & Edwin Ring, Audio: 31:55 Minuten)
Bei “Über.Medien.Ethik.” ist Unterhaltungsjournalist Fritz Jergitsch zu Gast, Gründer und Chefredakteur des österreichischen Satiremagazins “Die Tagespresse”. Luis Paulitsch hat Jergitsch gefragt, wie die Satireseite entstanden ist und wie sie funktioniert.

3. Rudolf Augsteins Haltung zum Journalismus
(youtube.com, Volker Lilienthal & Konstanze Nastarowitz, Video: 1:03:19 Stunden)
Im Rahmen einer Ringvorlesung hat Volker Lilienthal, Professor für “Praxis des Qualitätsjournalismus” an der Universität Hamburg, Franziska Augstein, Journalistin und Tochter des “Spiegel”-Gründers Rudolf Augstein, eingeladen, das Journalismusverständnis ihres Vaters zu erläutern.

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4. Fehlt da was? Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Perspektivenvielfalt
(youtube.com, Leonard Novy, Video)
Welche Blickwinkel diverser Bevölkerungsgruppen sind für die Perspektivenvielfalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besonders wichtig – oder sollten es sein? Darüber diskutieren Bettina Schausten (Chefredakteurin ZDF), Stefan Brandenburg (WDR Chefredakteur Aktuelles), Stefan Locke (“FAZ”-Korrespondent für Sachsen und Thüringen) und Nadia Zaboura (Kommunikationswissenschaftlerin und Medienkritikerin).

5. ProQuoteCamp – Gespräch: Haltung im Journalismus!
(youtube.com, Sarah Stendel, Video: 20:58 Minuten)
Sarah Stendel, Vorstandsmitglied des Vereins ProQuote Medien, spricht mit Sheila Mysorekar über Haltung im Journalismus. Mysorekar ist Journalistin und Vorsitzende des Netzwerks Neue Deutsche Organisationen, einem bundesweiten Zusammenschluss von rund 120 Vereinen, Organisationen und Projekten. In dem Gespräch geht es um strukturellen Rassismus in den Medien, den Diskurs in bürgerlichen Medien und die Frage, wie eine journalistische Grundhaltung aussehen sollte.

6. Markus Lanz – über Niederlagen, Misstrauen und deutsche Politik
(youtube.com, Hotel Matze, Video: 3:16:31 Stunden)
Markus Lanz gehöt nicht nur zu Deutschlands bekanntesten Polittalkern, er ist auch erfolgreicher Dokumentarfilmer, Fotograf und Podcaster. Doch Lanz musste in seinem Leben auch berufliche Tiefschläge einstecken. Im Gespräch mit Matze Hielscher geht es deshalb auch um das Scheitern. Ein ausführliches Gespräch, in dem die beiden natürlich auch über die politische Landschaft in Deutschland sprechen.

Doppelt- und Dreifachbezüge, Inseratenaffäre, Satire vs. Satiriker

1. Ex-rbb-Direktoren kassierten doppelt und dreifach
(rbb24.de, Gabi Probst)
Wie der RBB nun selbst aufdeckt, erhielten frühere Direktoren des öffentlich-rechtlichen Senders nach ihrem Ausscheiden neben Ruhegeld zusätzliche Vergütungen für neue Positionen innerhalb der ARD, was zu doppelten und dreifachen Bezügen führte. Gabi Probst hat die haarsträubenden Vorgänge entwirrt und auch für personalrechtliche Laien verständlich aufgeschrieben.

2. Keine Kriminalisierung von Journalisten
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appelliert an Polizei und Ermittlungsbehörden, das Kunsturhebergesetz nicht gegen Journalistinnen und Journalisten einzusetzen, die in der rechtsextremen Szene recherchieren, nur weil sie beispielsweise Neonazis mit eintätowierten verfassungsfeindlichen Symbolen gezeigt haben: “Unfassbar, dass sich die Justiz ausgerechnet gegen die engagiertesten Aufklärer in Stellung bringt”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Das Kunsturhebergesetz darf nicht als Mittel dienen, die notwendige Aufdeckung rechtsextremer Umtriebe zu erschweren.”

3. Nach den Protesten: Wie umgehen mit der AfD-Medienstrategie?
(sueddeutsche.de, Nils Minkmar & Nadia Zaboura, Audio: 37:23 Minuten)
In der aktuellen Folge des Medienpodcasts “quoted” diskutieren Nils Minkmar und Nadia Zaboura, wie man mit der AfD-Medienstrategie umgehen sollte: “Wie nah ist die AfD dem Ziel einer alternativen Medienrealität also schon gekommen? Was wissen wir heute über die Kommunikationsstrategien rechtsextremer Akteure? Und wie können seriöse Medien diese entlarven?” Zu Gast ist der Politikberater Johannes Hillje, “der die Medientaktik rechtsextremer Gruppen seit Jahren untersucht.”

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4. Ukraine: Wie Selenskyj die Medien für sich nutzt
(ndr.de, Jelena Morgenstern & Konstanze Nastarowitz, Video: 18:28 Minuten)
Die Reden des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj lösen oft begeisterte Reaktionen aus, seine Videobotschaften verbreiten sich rasend schnell im Netz. Mit seiner direkten, selbstbewussten Art, seinem lässigen Auftreten in grüner Kleidung und scheinbar spontanen Selfie-Videos schafft er es, positive Resonanz zu erzeugen. Diese Strategie soll nicht nur die Moral der eigenen Bevölkerung und der Streitkräfte stärken, sondern auch internationale Unterstützung für die Ukraine mobilisieren. Das Medienmagazin “Zapp” geht der Frage nach, wie Selenskyj dieses Image gezielt steuert und mit welchen Strategien es geschützt wird.

5. Inseratenaffäre: Die Dichand-Studie ist ziemlich dünn
(kobuk.at, Franziska Schwarz)
In Österreich steht der Verdacht im Raum, dass Sebastian Kurz im Gegenzug für Inseratsbuchungen und ein freundlicheres Stiftungsgesetz positive Berichterstattung im österreichischen Boulevard bekommen hat. Nun haben die Redaktionen von “Profil” und “Kurier” Texte zu einer Studie veröffentlicht, die die Verleger Christoph und Eva Dichand in der Inseratenaffäre entlasten sollte. Diese erweise sich bei näherer Betrachtung jedoch als methodisch fragwürdig, findet Franziska Schwarz.

6. Jan Böhmermann verliert vor Gericht
(t-online.de)
Der bekannte TV-Satiriker Jan Böhmermann ist vor dem Landgericht Dresden in einem Rechtsstreit gegen einen Imker aus dem sächsischen Meißen unterlegen und muss nun die Kosten des Verfahrens tragen. Der Streit entzündete sich daran, dass der Imker Rico Heinzig als Reaktion auf einen kritischen Beitrag Böhmermanns in der Sendung “ZDF Magazin Royale” ohne dessen Einwilligung mit Böhmermanns Bild für einen Honig geworben hatte, was Jan Böhmermann als Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte ansah.

Plagiatsvorwürfe, Universal vs. TikTok, Vergewaltigungsvorwurf

1. Früherer “Spiegel”-Chefredakteur soll Plagiatsvorwürfe prüfen
(sueddeutsche.de)
Der ehemalige “Spiegel”-Chefredakteur Steffen Klusmann, die Leiterin der Deutschen Journalistenschule Henriette Löwisch und der Journalistikprofessor Klaus Meier sind von der Chefredaktion der “Süddeutschen Zeitung” (“SZ”) beauftragt worden, Plagiatsvorwürfe gegen die stellvertretende “SZ”-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid zu untersuchen. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen unsauberen Umgang mit Quellen in Föderl-Schmids Texten und mögliche Verstöße gegen journalistische Standards. Zudem habe Alexandra Föderl-Schmid ihre Dissertation der Universität Salzburg zur Überprüfung übergeben, nachdem ein sogenannter Plagiatsjäger darin Plagiatsfragmente entdeckt habe, und sich bis zur Klärung aus dem operativen Geschäft der “SZ” zurückgezogen.
Weiterer Lesetipp: Auf netzpolitik.org kommentiert Daniel Moßbrucker die Entscheidung der “SZ”, die eigenen Redaktion zu durchleuchten: Heiligt der Zweck die Überwachung?

2. Bahnhofsbuchhändler nehmen Magazin “Compact” aus dem Verkauf
(zeit.de)
Wie gestern in den “6 vor 9” berichtet, hat Valora, Marktführer im deutschen Bahnhofsbuchhandel, angekündigt, den Verkauf des als rechtsextrem eingestuften Magazins “Compact” einzustellen. Nun haben auch andere Bahnhofsbuchhändler in Deutschland beschlossen, den Titel sowie weitere als extremistisch eingestufte Publikationen aus dem Sortiment zu nehmen.

3. “Mittelstandsinitiative” setzt auf rechte Medien
(deutschlandfunk.de, Christoph Richter, Audio: 5:31 Minuten)
In Brandenburg haben sich rund 400 Unternehmer zur “Mittelstandsinitiative” zusammengeschlossen. Diese Gruppe stehe den öffentlich-rechtlichen Medien kritisch gegenüber und bevorzuge stattdessen rechtsorientierte Medienkanäle wie “Kontrafunk” und “Auf1”.

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4. »Zeit«-Herausgeber Yascha Mounk lässt Amt nach Vergewaltigungsvorwurf ruhen
(spiegel.de, Anton Rainer)
Wie der “Spiegel” berichtet, habe der Autor und Politikwissenschaftler Yascha Mounk sein Amt im Herausgeberrat der Wochenzeitung “Die Zeit” vorübergehend ruhend gestellt. Grund seien Vorwürfe einer US-Journalistin, die Mounk der Vergewaltigung bezichtige. Mounk bestreite die Vorwürfe energisch.
Weiterer Lesetipp, allerdings zu einem anderen Fall: Weitere Belästigungen bei WOZ aufgedeckt (persoenlich.com).

5. Das sind Vorbilder im Technikjournalismus
(genderleicht.de, Selina Doulah)
Auf genderleicht.de berichtet Selina Doulah unter anderem über eine Studie der Agentur HypeAuditor, die zeige, dass trotz einer ähnlichen Anzahl von weiblichen und männlichen Creatoren auf Instagram Männer durchschnittlich sieben Prozent mehr pro Werbepost verdienen. Dieser Verdienstunterschied lasse sich nicht mit den üblichen Karrierepausen erklären, die Frauen häufig aufgrund familiärer Verpflichtungen einlegen, da die meisten Influencerinnen jung seien und ihre Tätigkeit auf Instagram ohne längere Pausen fortsetzten. Alles deute darauf hin, dass das Geschlecht allein ein Faktor für die ungleiche Bezahlung ist, selbst in einem Bereich, in dem die Sichtbarkeit theoretisch allen gleichermaßen zugänglich ist.

6. Leise zirpen die Grillen
(taz.de, Mathis Raabe)
Universal Music, eines der größten Musiklabels der Welt, hat zahlreiche Songs von TikTok zurückgezogen, da man sich mit der Plattform nicht auf höhere Lizenzgebühren einigen konnte. Außerdem störe sich Universal daran, dass TikTok seine Nutzerinnen und Nutzer ermutige, KI-generierte Musik zu nutzen. Die Entscheidung des Labels habe dazu geführt, dass Kanäle von Künstlern wie dem Berliner Rapper Ski Aggu und internationalen Stars wie Taylor Swift und Drake nun stumm seien.

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