Appell der Faktenprüfer, Unwort “Pushback”, Ausgeschlagene Zähne

1. Offener Brief an die CEO von YouTube von Faktenprüfern aus der ganzen Welt
(correctiv.org)
Mehr als 80 professionelle Faktencheck-Organisationen aus über 40 Ländern wenden sich in einem offenen Brief an Youtube: “Als internationales Netzwerk von Faktencheck-Organisationen beobachten wir, wie sich Lügen im Internet verbreiten – und wir sehen jeden Tag, dass YouTube einer der wichtigsten Kanäle für Online-Desinformation und Fehlinformationen weltweit ist.” Sie belassen es jedoch nicht bei ihren Vorwürfen, sondern machen konkrete Vorschläge zur Beseitigung des Missstands und bieten Youtube ihre Mitarbeit an.

2. “Pushback” ist Unwort des Jahres 2021
(tagesschau.de)
Die Jury der “Sprachkritischen Aktion” kürt jedes Jahr das “Unwort des Jahres”. Dieses Jahr hat sie sich für den Ausdruck “Pushback” entschieden. Der Begriff beschönige einen Prozess der Abschiebung, der Menschen die Möglichkeit verwehre, das Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen: “Den Flüchtenden wird somit ein faires Asylverfahren vorenthalten. Der Einsatz des Fremdwortes trägt zur Verschleierung des Verstoßes gegen die Menschenrechte und das Grundrecht auf Asyl bei. Mit dem Gebrauch des Ausdrucks werden zudem die Gewalt und Folgen wie Tod, die mit dem Akt des Zurückdrängens von Migrant:innen verbunden sein können, verschwiegen.”
Weiterer Lesehinweis: Bei Twitter erklärt Europaparlamentarier Erik Marquardt, warum er die Wahl “sehr gut” finde, die Begründung der Jury aus seiner Sicht jedoch den Kern des Problems verfehle.

3. Warum Gegenrede nicht immer funktioniert
(netzpolitik.org, Olaf Pallaske)
Ein Forscherteam einer Schweizer Hochschule habe nachgewiesen, dass Hassrede durch Gegenrede reduziert werden kann. Dies gelte jedoch nicht uneingeschränkt und es bleibe offen, ob Gegenrede auch zu einer tatsächlichen Meinungsänderung führen kann. Zudem drohe der sogenannte Backfire-Effekt, eine emotionale Abwehrreaktion, die selbst dann auftrete, wenn die Informationen auf anerkannten Fakten basieren.

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4. Zusammenführung: RTL und Gruner + Jahr starten gemeinsam mit 7500 Mitarbeitenden
(rnd.de)
Nachdem im Sommer 2021 bekannt wurde, dass RTL weite Teile des Medienkonzerns Gruner + Jahr erworben hatte, ist nun die Zusammenführung der zwei Unternehmen erfolgt. Bei dem erweiterten Unternehmen RTL Deutschland würden nun in Köln, Hamburg, Berlin und an 14 weiteren deutschen Standorten 7.500 Personen arbeiten.
Weiterer Lesehinweis: Bei “DWDL” analysiert Chefredakteur Thomas Lückerath den Zusammenschluss: Gewinner und Verliererinnen der großen RTL-Rochade.

5. Voraussetzung für Rundfunk-Demokratie
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
“Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird 2022 ein wegweisendes Jahr. Erst soll die Senderverfassung, sprich Auftrag und Struktur, überarbeitet werden, im zweiten Schritt steht die Reform der Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio an.” Joachim Huber erklärt, was da im Einzelnen auf die Verantwortlichen zukommt.

6. Alle Kosten selbst tragen
(taz.de, David Muschenich)
Als Teil eines Filmteams wollte die Journalistin Lea Remmert 2020 die Demonstrationen zum 1. Mai begleiten, als sie von einem Polizeitrupp überrannt und verletzt wurde. Das Resultat: zwei ausgeschlagene Zähne und eine hohe Zahnarztrechnung. Verantwortung dafür wolle jedoch niemand übernehmen, auf den Kosten werde sie wohl sitzen bleiben.