Satzverlust, Autorengewinn, Orakelbilanz

1. Beitrag Steinmeiers erscheint in Russland ohne Ukraine-Bezug
(faz.net, Majid Sattar & Reinhard Veser)
Die „FAZ“ berichtet von einem merkwürdigen Satzverlust: Zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion habe Bundesaußenminister Steinmeier einen Gastbeitrag geschrieben, in dem er auch die Ukraine-Politik Putins kritisiert habe. („Die völkerrechtswidrige einseitige Veränderung von Grenzen und die Nichtachtung der territorialen Integrität von Nachbarstaaten — all das führt uns in überwunden geglaubte Zeiten zurück, die sich niemand wünschen kann.“) In den auf Russisch veröffentlichten Versionen des Beitrags in der ukrainischen Zeitung „Serkalo Nedeli“ und der weißrussischen Zeitung „Sowjetskaja Belorussija“ sei der Satz enthalten. Die russische Zeitung „Kommersant“ habe nach Informationen der „FAZ“ von der deutschen Botschaft in Moskau jedoch eine Übersetzung erhalten, in der dieser Passus fehlte. Das Auswärtige Amt bedauere den Vorgang und spreche von der Weitergabe einer „nicht autorisierten Fassung“.

2. Darf Lünstroth wieder?
(seemoz.de, H. Reile)
Beim „Südkurier“ in Konstanz wurde ein langjähriger Journalist abgemahnt und in die Schreibtisch-Verbannung geschickt. Über die exakten Gründe wurde und wird fleißig spekuliert, vielen erscheint es als Strafe für allzu kritische und offene Berichterstattung. Einen ausführlichen Bericht zur Causa Südkurier kann man bei der „Kontext Wochenzeitung“ lesen, die den von unterschiedlichsten Interessenlagen geprägten Konflikt zusammengefasst hat. Nun wurde der seit rund einem Monat mit Schreibverbot belegte Südkurier-Redakteur wieder auf der Pressebank einer Kulturausschuss-Sitzung gesichtet.

3. 10 (ideale) Tugenden und Werte für junge Journalisten von Morgen
(vocer.org, Marcus Nicolini)
Marcus Nicolini ist Leiter der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA) der Konrad-Adenauer-Stiftung und bildet seit 16 Jahren Journalisten aus. In zehn Thesen stellt er vor, was seiner Meinung nach an persönlichen Kompetenzen, Werten und Tugenden erforderlich sei, um in den Journalismus zu starten. Einiges davon können sich auch erfahrene Kollegen in Erinnerung rufen.

4. Rekordausschüttung für Autoren
(journalist.de, Monika Lungmus)
Warmer Geldregen für Autoren: Die VG-Wort konnte ihre Einnahmen nahezu verdoppeln, da die Geräteindustrie nachträglich gut 155 Millionen Euro als Reprografie-Abgabe an die Verwertungsgesellschaft abführt. Verantwortlich für diesen außergewöhnlichen Zuwachs sei eine Vergleichsvereinbarung, die die VG Wort mit dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) abschließen konnte. Darin ging es um strittige Druckervergütungen für den Zeitraum von 2001 bis 2007, die nun pauschal abgegolten wurden. Hinzu kämen noch etwaige Nachzahlungen, die sich aus dem jüngsten BGH-Urteil ergäben.

5. Werner Reinke: „Das Radio begeht gerade Selbstmord“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Medienmagazin „dwdl“ hat mit dem Hörfunkmoderator Werner Reinke gesprochen, der vielen als Radiolegende gilt. Reinke sieht die Zukunft des Radios düster, aber nicht ausweglos: „Das Medium Radio begeht gerade Selbstmord. Einen sehr schleichenden zwar, aber es begeht Selbstmord. Wir Radioleute müssen viel schneller reagieren auf die neuen Anforderungen und Konsumgewohnheiten, sind viel zu träge in dem, was wir machen. Neue Konkurrenz wie Spotify und Last.fm nehmen wir viel zu wenig wahr. Wir müssten jetzt endlich anfangen, intelligente Inhalte zu liefern, um ein Einschaltradio zu machen. Die Playlists, die hier Land auf, Land ab laufen, kann Ihnen Spotify zu jeder Zeit bieten, nicht aber den Mehrwert, der entsteht, wenn wir konsequent auf gute Inhalte setzen würden.“

6. EM 2016: Orakeltiere suchen ein Zuhause
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video, 3:11)
„Wir wissen, wer Europameister wird! Exklusiv! Naja, nicht ganz. Alle wissen, wer Europameister wird. Und alle wissen etwas anderes. Im Fernsehen haben sie Gockel befragt. Und Stachelschweine. Und Glaskugeln. Echt wahr!“