Archiv für Bild.de

Jetzt nehmen uns die Muslime auch noch das Schwimmbad weg

Die Sache ist eigentlich schon dämlich genug: Ein Vater, der mit seiner zweijährigen Tochter regelmäßig einen Mutter-Kind-Treff besucht, wird gebeten, nicht zum Schwimmausflug mitzukommen. Die Kursleiterin spricht ihm vorher auf die Mailbox:

„Ich wollte dir Bescheid geben: Wir sind ja am Mittwoch alles Frauen. Und es sind auch muslimische Frauen dabei. Deswegen wäre es gut, wenn deine Frau kommen würde. Du kannst dann leider nicht kommen. (…) Ich hoffe auf dein Verständnis!“

Wie gesagt: dämlich genug. Sogar so dämlich, dass die für den Mutter-Kind-Treff zuständige Bremer Sozialbehörde gegenüber „Bild“, wo auch das Transkript der Mailboxaufnahme erschienen ist, sagt:

„Wir wollen mehr Väter in den Eltern-Kind-Gruppen. Wir wollen auch, dass Väter häufiger in die Elternzeit gehen. Sie sollen natürlich mit muslimischen Eltern gemeinsam am Kinderschwimmen teilnehmen. Was dort praktiziert wurde, ist grundsätzlich nicht die Linie unseres Hauses.“

Also: Eine falsche Reaktion einer Mitarbeiterin, mit der der Sprecher der Sozialbehörde über diesen Fehler reden wolle. Soll alles so nicht wieder vorkommen.

In der Bremen-Ausgabe der „Bild“-Zeitung hyperventilieren sie diesen einmaligen Fehler einer Person zu einem generellen Schwimmverbot für Vater und Tochter, „weil Muslime im Bad sind“:

Ausriss Bild-Zeitung - Weil Muslime im Bad sind - Jetzt darf Papa mit der Tochter hier nicht mehr schwimmen
(Alle Unkenntlichmachungen durch uns.)

„Jetzt darf Papa mit der Tochter hier nicht mehr schwimmen“ ist schlicht falsch. Natürlich — und zum Glück — kann niemand Tim F. verbieten, mit seiner Tochter in das Bremer Schwimmbad zu gehen, ob nun Muslime dort im Becken sind oder nicht. „Weil Muslime im Bad sind“ ist mindestens heftig verbogen. Dass Tim F. am fraglichen Tag nicht am Schwimmausflug teilnehmen sollte, bezog sich nicht darauf, dass allgemein auch Muslime im Schwimmbad waren, sondern speziell auf die Zusammensetzung der Mutter-Kind-Gruppe. Das macht den Fehler der Kursleiterin und die Angelegenheit für Vater und Tochter nicht besser, aber die „Bild“-Dachzeile falscher.

Bei Bild.de ist vor der Paywall nur Folgendes lesbar:

Screenshot Bild.de - Weil Muslime im Bad sind - Papa darf mit Tochter (2) nicht mehr zum Schwimmen - Papa Tim F. und Tochter Amelia-Sophie hatten sich so aufs Kinder-Schwimmen gefreut. Doch daraus wurde nichts. Der engagierte Vater wurde aus der Schwimmgruppe ausgeschlossen.

Die Antwort der Bremer Sozialbehörde und all die anderen Relativierungen können hingegen nur zahlende Kunden lesen.

Die Aufregung, die die „Bild“-Medien erzeugen, findet selbstverständlich Widerhall in den Sozialen Netzwerken: Muslime, die Personen mit deutschen Vornamen vermeintlich das Schwimmen unmöglich machen — da springen „AfD Rosenheim Kreisverband“, „Anno 1273 Oberlungwitzer Patrioten“, „Völker dieser Welt erheben sich !!“, „AfD – Kreisverband Rottweil/Tuttlingen“ und ähnliche Kandidaten gerne auf.

Und auch auf der Facebookseite von „Bild“ ist ordentlich was los. Der Post zum Artikel wurde über 5200 Mal geliket, mehr als 1200 Mal geteilt und knapp 1600 Mal kommentiert. Dass Dachzeile und Überschrift bei Bild.de sowie die Überschrift, die auf der „Bild“-Facebookseite angezeigt wird („Muslimische Frauen wollen ihn nicht: Vater darf mit Tochter (2) nicht mehr zum Schwimmen“), für ziemliche Verwirrung sorgen, wem nun was alles scheinbar von welcher Gruppe verboten werde, hat offenbar auch die „Bild“-Redaktion gemerkt. Sie kommentiert selbst:

Screenshot eines Facebook-Kommentars der Bild-Redaktion - Nur noch mal zum Verständnis: Auf dem Titelbild ist Eltern-Kind-Bereich zu sehen. Das liegt daran, dass es im Bad einen Bereich gibt, der kindergerecht gestaltet ist. In diesem speziellen Fall geht es allerdings um einen Ausschluss vom Mutter-Kind-Treff, also einer Schwimmveranstaltung beziehungsweise einem Treffen.

Mit Dank an Ingmar D. und Christian M. für die Hinweise!

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„Bild“ am Rande des Merzinfarkts

Morgen wird darüber abgestimmt, wen die CDU als neuen Vorsitzenden oder neue Vorsitzende haben will. Wen die „Bild“-Zeitung als neuen CDU-Vorsitzenden haben will, steht längst fest.

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In den vergangenen Jahren war es bei „Bild“ ziemlich ruhig geworden um Friedrich Merz. Hin und wieder packte die Redaktion nochmal die Steuererklärung-auf-einem-Bierdeckel-Sache aus oder entdeckte Merz „schlank und braun gebrannt“ am Rande irgendeiner Veranstaltung, sonst aber trat der CDU-Mann in der „Bild“-Zeitung kaum in Erscheinung.

Bis vor ein paar Wochen. Am 29. Oktober, keine halbe Stunde nach den ersten Gerüchten zu Angela Merkels Rückzug als Parteichefin, meldete „Bild“ exklusiv:

„Bild“ hatte es — vor allen anderen — „aus dem Umfeld von Friedrich Merz“ erfahren.

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In der Print-Ausgabe stellte „Bild“ am nächsten Tag die Runde der potentiellen Nachfolger vor. An erster Stelle: Friedrich Merz.

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Am nächsten Tag: der Kandidaten-Check. Oder eher: die Verteilung der Labels. Jens Spahn? Der Homosexuelle. Annegret Kramp-Karrenbauer? Die mit dem Doppelnamen. Friedrich Merz? Der Millionär.

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Am nächsten Tag: Titelseite.

Und im Innenteil, nahezu James-Bond-haft:

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Am nächsten Tag:

Auf der gleichen Seite widmete die Redaktion dem Mozart-Messias noch zwei weitere Schlagzeilen (Jens Spahn bekam immerhin eine):

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Am nächsten Tag: noch ein Kandidaten-Check.

Fazit zu Kramp-Karrenbauer?

Konservatives Familienbild und hartes Durchgreifen, Recht und Ordnung bei Migranten. AKK will keine „Mini-Merkel“ sein!

Fazit zu Spahn?

Geförderte auch gefordert werden, Spahn will wirtschaftsliberale Politik, Leitkultur, Recht und Ordnung. Wie Merz ist Spahn der Anti-Merkel.

Fazit zu Merz?

Klare Kante, klare Worte, eigene Meinung! Merz war und ist DER Gegenentwurf zu Kanzlerin Angela Merkel.

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Am nächsten Tag:


Außerdem eine Umfrage. „Wen würden die Deutschen zum CDU-Chef wählen?“ Tada:

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Zwei Tage später:

Antwort: Doch, hätte es wohl, aber fragen kann man ja mal.

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In der nächsten „Bild am Sonntag“:

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Am nächsten Tag:

Selbst die Klatsch-Seite schenkte ihm ein paar Zeilen:

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Zwei Tage später:





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Und damit war sie entfacht, die …

Doch „Bild“ erklärte die Debatte kurzerhand zu einer „Neiddebatte“, und „Bild“-Kommentatoren forderten:

Wir sollten Friedrich Merz nicht daran messen, was er verdient, sondern daran, ob er die Sorgen und Nöte der Menschen hören und verstehen kann! Das ist es, was wirklich zählt.

Und damit war sie dann schon wieder beendet, die „große Debatte um Millionär Merz“.

Außerdem: So abgehoben ist der ja gar nicht!

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Und so stellte „Bild“ weiter die naheliegenden Fragen:

Ergebnis des Experten: „Den größten Respekt hätten die mächtigsten Machos der Welt vermutlich vor Friedrich Merz.“

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Wenig später sprachen die drei Kandidaten Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn auf einer Veranstaltung in Baden-Württemberg. Schlagzeile?

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Kurz darauf veröffentlichte „Bild am Sonntag“ eine große Übersicht, auf der aufgelistet wurde, für welchen Kandidaten die 1001 CDU-Delegierten stimmen wollen. Deutlicher Favorit der Befragten: Friedrich Merz.

Noch am selben Tag erklärten einige der Delegierten, sie hätten überhaupt nicht mit „Bild am Sonntag“ gesprochen.

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Doch die „Bild“-Medien sind in diesen Wochen nicht nur bemüht, die vermeintliche Popularität, die angeblichen Vorzüge und Stärken ihres Wunschkandidaten hervorzuheben, sondern auch seine möglichen Schwachpunkte zu entkräften.

Als Merz etwa mit einer Lobbyisten-Firma in Verbindung gebracht wurde, die für Saudi-Arabien arbeitet, veröffentlichte „Bild am Sonntag“ sogleich ein Statement, in dem Merz beteuerte, er habe „keinerlei Kontakte nach Saudi-Arabien“ und auch „keine Gespräche angebahnt oder anbahnen lassen.“

Auch was die Firma BlackRock angeht („Bild“: die „größte Investmentfirma der Welt!“), für die Merz als Aufsichtsratsvorsitzender und Lobbyist tätig ist, versicherte „Bild“ immer wieder, dass da natürlich alles mit rechten Dingen zugehe:

Der ehemalige Unions-Fraktionschef FRIEDRICH MERZ (62) arbeitet für eine renommierte Kanzlei und ist Cheflobbyist des deutschen Ablegers von „BlackRock“. Anders als oft behauptet, ist „BlackRock“ kein Unternehmen, das SPD-Legende Müntefering „Heuschrecke“ nennen würde. Sein klassisches Geschäftsmodel ist also nicht, Unternehmen zu kaufen, zu zerschlagen und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Die größte Investmentfirma der Welt hält aber eine beträchtliche Anzahl von Aktien an Dax-Konzernen.

(„Bild“, 31.10.2018)

„BlackRock ist eine Vermögensverwaltung“

Merz weiß um das (falsche) Image seines bisherigen Arbeitgebers BlackRock als „Finanzhai“ und „Heuschrecke“. Menschen vertrauen dem größten Vermögensverwalter der Welt ihr Geld an; es ist kein aggressiver Fonds. Trotzdem: Diese Flanke wird noch öfter attackiert werden.

(„Bild“, 1.11.2018)

Und selbst wenn bei dem Unternehmen was verdächtig ist, heißt das ja nicht, dass auch bei Merz was verdächtig ist:


(„Bild“-Titelseite, 8.11.2018)

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Gestern dann, auf Seite 2 der Bundesausgabe:

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Und heute, einen Tag vor der Abstimmung beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg:

(Merz natürlich mit Heiligenschein, die anderen ohne.)

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Und was haben die „Bild“-Medien davon, dass sie sich so für Friedrich Merz ins Zeug legen?

Merz klickt sich gut, das beobachtet man in der Redaktion. Und wenn sich ein Thema gut klickt, dann wird nachgelegt.

schrieb die „taz“ vor ein paar Tagen. Doch für „Bild“ geht es nicht nur um Klicks oder um Auflage, es geht um viel mehr: Wenn Merz morgen gewinnt, steht er in der Schuld von „Bild“. Dann kann der Chef der „Bild“-Zeitung jederzeit zum Chef der CDU sagen: „Ohne uns wärst du nicht da, wo du bist. Wir haben was gut bei dir.“ Kein besonders beruhigender Gedanke.

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Woher kam der Mega-Hype um Sturm-Juwel Super-Fiete?

Screenshot Bild.de: 13 Monate kein Tor, nur Stürmer Nr. 3 - HSV Talent Arp zu früh hochgejubelt
(„Bild“, gestern)

Ja, Mensch, wer macht denn sowas?

Screenshot Bild.de: HSV-Fiete ganz groß
(„Bild“, 05.11.2017)

Der Junge ist rich­tig gut. Zu gut für den HSV? Ham­burgs Sturm-Ju­wel Fiete Arp (17) dreht bei der U17-WM in In­di­en auf.

(„Bild“, 17.10.2017)

Jann-Fiete Arp heißt der Stürmer, mit dessen Talent Hamburg seit vielen Jahren niemand Vergleichbaren mehr gesehen hat. Experten sagen ihm eine ganz große Karriere voraus.

(„Bild“, 06.11.2017)

HSV-Idol über Sturm-Juwel – Hrubesch adelt Arp: „Fiete wird ganz oben ankommen

(„Sport Bild“, 02.01.2018)

Ein Bubi als Hoffnungstäger – Nur Trainer Gisdol lässt sich nicht vom Arp-Hype anstecken

(„Sport Bild“, 18.11.2017)

Screenshot Bild.de: Jetzt gibt der HSV Vollgas bei Super-Fiete
(„Bild“, 17.05.2017)

Noch in dieser Woche soll geklärt werden, ob HSV-Sturmjuwel Fiete Arp (18) zu den Bayern wechselt.

(„Bild“, 18.7.2018)

Nach seinem spektakulären Einstand im Herbst 2017 mit zwei Toren in den ersten drei Spielen entwickelte sich ein Mega-Hype um das HSV-Eigengewächs

(„Bild“, 27.2.2018)

Screenshot Sportbild: "Super-Bubi Arp: Erst die WM gewinnen, dann die HSV retten"
(„Sport Bild“, 19.10.2017)

Wende beim größten HSV-Juwel!

(„Bild“, 20.7.2018)

18-jähriges Supertalent – Für den HSV: Arp verzichtete auf 8,5 Mio.

(„Sport Bild“, 23.8.2018)

Screenshot Sportbild: Kampf um HSV-Juewel! Chelsea will Top-Talent Arp
(„Sport Bild“, 12.05.2017)

Für das HSV-Sturmjuwel ist die Partie eine ganz besondere.

(„Bild“, 13.8.2018)

Verliert der HSV nach dem Abstieg sein größtes Juwel an Bayern München?

(„Bild“, 8.3.2018)

Screenshot Bild.de: Super-Fiete: HSV will sofort verlängern!
(„Bild“, 4.11.2017)

Warum das HSV-Juwel Chelsea absagt

(„Bild“, 2.8.2017)

Hamburgs Sturm-Juwel wird seinen bis 2019 laufenden Kontrakt beim HSV nicht verlängern.

(„Bild“, 17.5.2018)

Screenshot Bild.de: Erst Mathe-Abi, dann Werder-Finale - Die Wahnsinns-Woche von HSV-Juwel Arp
(„Bild“, 2.5.2018)

Mit Dank an @WarnenUndMahnen für den Hinweis!

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„Mit ‚Bild am Sonntag‘ habe ich nie gesprochen“

Matthias Hauer hatte da noch eine Frage:

Screenshot eines Tweets des CDU-Bundestagsabgeordneten Matthias Hauer - Wieso denkt sich die Bild am Sonntag bei mir ein Votum aus? Ich bin auf die Antwort (und Klarstellung) gespannt

Hauer ist einer der 1001 Delegierten, die beim CDU-Bundesparteitag am kommenden Freitag in Hamburg über die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze entscheiden dürfen. In einer langen Auflistung auf 16 Seiten hat „Bild am Sonntag“ diese vielen Delegierten abgebildet, mit Namen, Alter, Funktion/Position, Kreisverband und dem Namen des Kandidaten/der Kandidatin, der/die die jeweilige Stimme beim Parteitag bekommen soll: Jens Spahn, Friedrich Merz oder Annegret Kramp-Karrenbauer.

Bei Matthias Hauer sah das so aus:

Ausriss Bild am Sonntag - Matthias Hauer, 40 Jahre alt, Mitglied des Bundestags, Kreisverband Essen, Friedrich Merz

Nur: Hauer will gar nicht für Merz stimmen — der frühere CDU/CSU-Fraktionschef stehe bei ihm „klar auf Platz 3.“ Im Interview mit „Vice“ sagt Hauer:

Ich hatte im Vorfeld diverse Anrufe und E-Mails von Mitarbeitern der Bild am Sonntag bekommen, die mein Votum beim Parteitag abfragen wollten. Ich wollte mich dazu nicht äußern und habe es auch nicht getan.

Trotzdem hat „Bild am Sonntag“ einfach „Merz“ unter Hauers Foto geschrieben (wofür „BamS“-Chefredakteurin Marion Horn um Entschuldigung bat).

Und Hauer ist bei weitem nicht der einzige Delegierte, bei dem das in „BamS“ angegebene angebliche Votum falsch ist. Allein im Kreisverband von Matthias Hauer soll die Redaktion zwei weitere Fehler gemacht haben. Ebenfalls im „Vice“-Interview sagt der Bundestagsabgeordnete:

Ich kann natürlich nicht für 1.001 Delegierte sprechen, aber zumindest für mein Umfeld. Und bei drei von vier Delegierten der CDU Essen ist die Angabe des beabsichtigten Wahlverhaltens falsch.

Und es geht noch weiter. Die Delegierte Susanne Wetterich soll laut „Bild am Sonntag“ zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz schwanken:

Ausriss Bild am Sonntag - Susanne Wetterich, 62, Regionalräting, Kreisverband Stuttgart, Kramp-Karrenbauer oder Merz

Bei Twitter sagt Susanne Wetterich:

Screenshot eines Tweets von Susanne Wetterich - Mich haben sie ebenfalls nicht angerufen - aber ein angebliches Wahlverhalten veröffentlicht - alles Schall und Rauch!

Arnd Hilwig wolle für Kramp-Karrenbauer stimmen, so „Bild am Sonntag“:

Ausriss Bild am Sonntag - Arnd Hilwig, 45, Kreisvorsitzende Hamm, Kramp-Karrenbauer

Bei Twitter schreibt er, dass er a) Kreisvorsitzender sei (und nicht „Kreisvorsitzende“) und b) gar nicht geantwortet habe:

Screenshot eines Tweets von Arnd Hilwig - Bild am Sonntag arbeitet unsauber. Ich habe nicht geantwortet. Und bin ein Mann. Schönen ersten Advent.

Thomas Jarzombek sei laut „BamS“ noch „unentschlossen“:

Ausriss Bild am Sonntag - Thomas Jarzombek, 45, Mitglied des Bundestags, unentschlossen

Tatsächlich habe er der Redaktion aber gesagt, dass er nicht mitmachen wolle bei der Umfrage:

Screenshot eines Tweets von Thomas Jarzombek - Aus mache ich nicht mit wurde dann bei mir im Heft unentschlossen

Bernd Schulte wolle für Friedrich Merz stimmen, heißt es in „Bild am Sonntag“:

Ausriss Bild am Sonntag - Bernd Schlte, 32, Mitglied im NRW-Landesvorstand, Friedrich Merz

Das sei nicht falsch, so Schulte bei Twitter. Allerdings sei er nie in der Sache kontaktiert worden:

Screenshot eines Tweets von Bernd Schulte - Bild am Sonntag hat heute alle Delegierten zum CDU-Parteitag mit Foto und Wahlabsicht veröffentlicht. So weit so legitim. Meine Präferenz für Friedrich Merz ist auch nicht falsch. Die Bild hat mich aber nie kontaktiert und gefragt. Schlechter Journalismus!

Anna Stelten sei „unentschlossen“, wen sie wählen wolle, so „Bild am Sonntag“:

Ausriss Bild am Sonntag - Anna Stelten, 28, Pressesprecherin Kreisverband Heinsberg, unentschlossen

In der „Rheinischen Post“ stand allerdings bereits am Samstag, Stelten wolle für Annegret Kramp-Karrenbauer stimmen. Auf unsere Anfrage sagte Anna Stelten: „Mit ‚Bild am Sonntag‘ habe ich nie gesprochen.“

Olaf Lehne wolle seine Stimme Jens Spahn geben, steht in „BamS“:

Ausriss Bild am Sonntag - Olaf Lehne, 56, Mitglied des Landtags Düsseldorf, Spahn

Ebenfalls in der „Rheinischen Post“ stand bereits am Samstag, Lehne werde für Freidrich Merz stimmen. Das Büro von Olaf Lehne antwortete uns auf Nachfrage, dass der Landtagsabgeordnete nie mit „Bild am Sonntag“ gesprochen habe. Das, was in der „Rheinischen Post“ steht, stimme.

Matthias Grahl werde für Friedrich Merz stimmen, behauptet „BamS“:

Ausriss Bild am Sonntag - Matthias Grahl, Landesschatzmeister, Kreisverband Bautzen, Friedrich Merz

In der „Leipziger Volkszeitung“ steht hingegen, dass Grahl sich noch nicht festgelegt habe. Das sei auch richtig so, sagt uns Grahl auf Nachfrage. Mit „Bild am Sonntag“ habe er nie geredet.

Thomas Feist werde laut „Bild am Sonntag“ ebenfalls für Friedrich Merz stimmen:

Ausriss Bild am Sonntag - Thomas Feist, 53, Ex-MdB, Friedrich Merz

Der „Leipziger Volkszeitung“ sagte Feist allerdings: „Bis Mittwoch Nachmittag läuft noch unsere Mitgliederbefragung, dann sehen wir weiter.“ Daher sei er bisher „unentschlossen“.

Das sind allein die Delegierten, die sich selbst öffentlich zur „BamS“-Sammelwut geäußert haben, oder bei denen wir bei Stichproben Differenzen zu Aussagen in anderen Medien entdecken konnten. Es dürfte noch einige weitere solcher Fälle geben.

Wie schlampig „Bild am Sonntag“ gearbeitet hat, kann man auch bei den kleineren Fehlern sehen: Es wurden Kreisverbände genannt, die es gar nicht gibt, ein Stadtrat wurde zum „Stadtrad“, beim Delegierten Ulrich Lange aus Paderborn verwendete die Redaktion ein Foto des CSU-Politikers Ulrich Lange und so weiter.

(Davon abgesehen kann man die Aktion der „BamS“ auch aus anderen Gründen kritisieren: Es handelt sich um einen extrem hohen Aufwand mit überschaubarem Ergebnis — gerade mal 272 der 1001 Delegierten haben überhaupt eine Präferenz für Spahn, Merz oder Kramp-Karrenbauer genannt (dazu zählen auch jene, die sagen, dass sie nie mit „Bild am Sonntag“ geredet haben, siehe oben). Unter dem Großteil der Fotos steht also „keine Antwort“ oder „keine Angabe“. Samira El Ouassil schreibt drüben bei „Übermedien“ (derzeit nur mit Abo lesbar) ausführlicher über den Aspekt. Bezeichnend auch, wie die „BamS“-Leute sich als Kämpfer gegen böse Widerstände gerieren: „DIE GEHEIME LISTE DER CDU-DELEGIERTEN – Sie entscheiden, wer auf Merkel folgt! Aber die Bundes-CDU will nicht, dass SIE wissen, wer diese Menschen sind. BamS hat sie gesucht und angerufen“. Dass die CDU die Liste mit den 1001 Delegierten nicht einfach an die Redaktion rausgegeben hat, hat vor allem mit dem Datenschutz und Gesetzten zu tun und nichts mit Geheimhaltung oder Verschleierung.)

Für den stellvertretenden „BamS“-Chefredakteur Christian Lindner ist dieses ganze Durcheinander jedenfalls nichts Geringeres als

Screenshot eines Tweets von Christian Lindner - Ein Bekenntnis zu Recherche, Print und Demokratie: Trotz aller Widerstände der CDU druckt Bild am Sonntag auf 16 Extra-Seiten die Namen, Fotos und (soweit erfahrbar) Voten für AKK, Merz, Spahn fast aller 1001 Delegierten für den CDU-Bundesparteitag.

Ja, „ein Bekenntnis“ ist das allemal — eines zu unsauberen Methoden und schlechter Recherche.

Dazu auch:

Mit Dank an @dramhappert, @DerFalkeBlog und Daniel P. für die Hinweise!

Falsche Vergewaltigungsvorwürfe? Für „Bild“ kein Grund zur Korrektur

So sieht es aus, wenn die „Bild“-Zeitung über eine angebliche Vergewaltigung durch einen Afghanen in der Hamburger Innenstadt berichtet:

Ausriss Bild-Zeitung - Schlagzeile Titelseite: Schon wieder! Mansor S. ist seit fünf Jahren ausreisepflichtig - Schon neunmal verurteilt - Jetzt wegen Vergewaltigung einer 14-Jährigen verhaftet - Schlagzeile im Blatt: Polizei sicher - Abgelehnter Asylbewerber vergewaltigte 14-jähriges Mädchen

So sieht es aus, wenn die „Bild“-Zeitung berichtet, dass die Hamburger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Afghanen eingestellt hat:

Ausriss Bild-Zeitung - weiße Titelseite, weiße Seiten aus dem Blattinnern

Wir haben jetzt eine Woche gewartet und uns die „Bild“-Ausgaben in dieser Zeit besonders genau angeschaut. Weder in der Bundesausgabe noch in der Hamburg-Ausgabe konnten wir einen Artikel zum Ende der Ermittlungen, zum unglaubwürdigen vermeintlichen Opfer, zu den Widersprüchen, in die sich die 14-Jährige verstrickte, finden. Nicht mal eine kleine, versteckte Meldung. Nichts.

Wir hatten bei „Bild“-Chef Julian Reichelt nachgefragt, ob man mit einer Richtigstellung rechnen könne. Er hat nicht geantwortet. Wir hatten auch bei „Bild“-Pressesprecher Christian Senft nachgefragt, ob die Redaktion noch eine Richtigstellung veröffentlichen werde. Auch er hat nicht geantwortet.

In und von „Bild“ bisher also nichts. Bei Bild.de erschien am vergangenen Freitag ein neuer Beitrag zum Fall:

Screenshot Bild.de - Mutmaßliche Vergewaltigung am Saturn in Hamburg - Ermittlungen eingestellt: 14-Jährige beschuldigte Mansor S.

Gerade mal vier Sätze ist der Artikel lang. Natürlich haben die Mitarbeiter von Bild.de ihn nicht so wirksam auf ihrer Startseite platziert wie die ursprüngliche Berichterstattung zu der vermeintlichen Vergewaltigung. Und mit keinem Wort erwähnen sie, dass sie selbst auf die Unschuldsvermutung gepfiffen und Mansor S. im August als „TÄTER“ schuldig gesprochen hatte:

Screenshot Bild.de - Der Täter (30) zog sie in einen Hauseingang - 14-Jährige in der Hamburger City vergewaltigt

Der Schuldspruch der Redaktion ist nach wie vor unverändert online:

Als sich die 14-Jährige entfernte, folgte er ihr, verwickelte sie immer wieder in Gespräche — und zog sie dann im Bereich von „Saturn“ an der Mönckebergstraße in einen Hauseingang.

Obwohl sich das Mädchen heftig wehrte, vergewaltigte der Mann es!

Es interessiert die Bild.de-Redaktion offenbar nicht besonders, was für ein falscher Mist auf ihrer Seite steht.

„Seid ihr einfach nur bescheuert oder habt keinen Anstand?“

Skirennläufer Thomas Dreßen gewann im Januar die prestigereiche Hahnenkammabfahrt auf der Streif in Kitzbühel, und plötzlich interessierten sich Redaktionen für ihn, die seinen Namen bis dahin gar nicht kannten.

In der „Stuttgarter Zeitung“ erzählt Dreßen von einer Erfahrung, die er in dieser Zeit mit dem Boulevard gemacht hat:

Nach Kitzbühel nahm ein deutsches Boulevardblatt seinen Sieg zum Anlass, die Seilbahntragödie, bei der sein Vater 2005 in Sölden ums Leben kam, noch einmal haarklein darzustellen — mit sehr viel Text und noch mehr Bildern. „Die haben wieder alles ausgegraben. Da habe ich mich gefragt: ‚Seid ihr einfach nur bescheuert oder habt keinen Anstand?'“

„Ein deutsches Boulevardblatt“. Welches das sein könnte? Am 20. Januar dieses Jahres, also an dem Tag, als Dreßen auf der Streif siegte, erschien bei Bild.de ein Beitrag mit dieser Überschrift:

Screenshot Bild.de - Sein Vater starb bei einem Seilbahn-Unglück - Die traurige Geschichte von Streif-Gigant Dreßen

Auf einen Link verzichten wir. Denn in dem Artikel erzählt die „Bild“-Redaktion von der Seilbahntragödie in Sölden, bei der auch Dreßens Vater starb, „mit sehr viel Text und noch mehr Bildern“.

Der „Stuttgarter Zeitung“ sagte Thomas Dreßen mit Blick auf das „deutsche Boulevardblatt“ noch:

„Die können zahlen, was sie wollen, die bekommen mein Lebtag kein Interview von mir.“

Mit Dank an Thomas (allerdings nicht Thomas Dreßen) für den Hinweis!

Nachtrag, 30. November: Entweder unterscheidet Thomas Dreßen sehr genau zwischen „Bild“ und „Bild am Sonntag“ — oder seine Behauptung „Die können zahlen, was sie wollen, die bekommen mein Lebtag kein Interview von mir“ war nicht besonders viel wert. Am 18. November, also drei Tage bevor Dreßens Aussagen in der „Stuttgarter Zeitung“ erschienen, brachte „BamS“ nämlich ein längeres Doppel-Interview mit Dreßen und Skispringer Andreas Wellinger. Einen Abend zuvor erschien das Interview bereits bei Bild.de.

Mit Dank an Jens und Marian für die Hinweise!

„Also ich würde euch anzünden“

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat „Bild“-Feigenblatt „Bild“-Ombudsmann Ernst Elitz uns alle beruhigt:

Der BILD-Ombudsmann - Bild löscht Hass

Werden Migranten einer Gewalttat verdächtigt, reagieren Leser auf die Facebook-Beiträge von BILD im Sekundentakt. Viele testen dabei die Grenzen des Rechts auf freie Meinungsäußerung aus. Mich erreichen Mails mit der Frage: Was tut BILD, um dabei den Hass „einzudämmen“ und nicht noch zu „schüren“? (…)

Die Redaktion greift bei unangemessenen Äußerungen ein, stellt Fake News richtig und sperrt Hetzer, die andere „an den Eiern aufhängen“ oder Flüchtlinge „wieder im Mittelmeer aussetzen“ wollen, mit einem Klick auf die Löschtaste aus.

So, so.

Heute hat die „Bild“-Redaktion diesen Beitrag auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht:

Screenshot eines Facebook-Posts der Bild-Redaktion - Die beiden Männer fielen auf einem unbeleuchteten Weg über die junge Frau her - Frau (19) nach Herbstmarkt vergewaltigt - Fahndung

Bis jetzt über 1900 Likes, mehr als 2700 Mal geteilt, knapp 600 Kommentare. Darunter der von „Bild“-Leserin Doris, die meint, die „Kameltreiber“ sollten „alle erstmal kastriert werden“, „bevor sie die Grenze übertreten dürfen“:

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - Zu zweit auf eine 19-jährige, was für Ehrenmänner. Irgendwann erwischen sie die Falsche, dann gibt es Rührei vom Feinsten. Die sollten, bevor sie die Grenze übertreten dürfen, alle erstmal kastriert werden. Mädels macht Selbstverteidigungskurse und zeigt den Kameltreibern mal, was deutsche Frauenpower bedeutet

Und auch „Bild“-Leserin Maria plädiert für die „Zwangskastration“:

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - Ach, die Geschwister Meier schon wieder. Zwangskastration, eine andere Sprache verstehen diese Typen nicht

„Bild“-Leserin Dorett ist für die Todesstrafe:

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - Direkt auf den elektrischen Stuhl, jepp, ohne großes reden

… genauso wie „Bild“-Leser Kai:

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - Anlegen und Feuer frei

„Bild“-Leser Timo findet, dass man solche Fälle nicht dem Staat überlassen sollte, und würde lieber zur Selbstjustiz greifen:

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - Also ich würde euch anzünden

„Bild“-Leser Max sieht das auch so:

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - man könnte die doch zum Abschuss frei geben, was glaubst du wie schnell in DE wieder Ruhe wäre

Von „Bild“-Leserin Claudi gibt es die üblichen Beleidigungen:

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - Bei unverschleierten Frauen fällt es schon schwer, die beschnittene Kümmelstange unter Kontrolle zu halten, nicht wahr

„Bild“-Leser Joe wünscht sich einen „Österreicher“ herbei — wen er damit wohl meint?

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - warum ist denn nie ein Österreicher da wenn man mal einen braucht?

Und „Bild“-Leser Alex wendet sich direkt an Adolf Hitler:

Screenshot eines Kommentars auf der Bild-Facebookseite - Oh man Addi, wo bist du, wenn man dich brauch?

Die „Löschtaste“, mit der die „Bild“-Redaktion laut Ombudsmann Elitz den Hass eindämmt, scheint derzeit zu klemmen.

Mit Dank an @bild_fb_watch für den Hinweis!

Klartext-Klartext über Ausländer

Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat vor Kurzem entschieden, dass ein in Deutschland aufgewachsener Türke, der vor sechs Jahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde, ausgewiesen werden muss. Der Mann hatte auf Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis geklagt, doch das Gericht lehnte seinen Antrag ab.

Der Täter, so das Gericht, zeuge „von einem archaischen Frauenverständnis“, das mit dem deutschen Grundgesetz „nicht in Einklang zu bringen“ sei. Die Ausweisung erscheine erforderlich, „um andere Ausländer in vergleichbarer Situation von ähnlichen Delikten abzuhalten.“

Oder in den Worten von „Bild“:

Ausriss Bild-Zeitung - Richterin spricht Klartext-Urteil des Jahres - Vergewaltiger wird zur Abschreckung in die Türkei abgeschoben, weil sein Opfer für ihn eine Schlampe war

Denn bei „Bild“ ist das so: „Klartext“ ist alles, was gegen Ausländer spricht.

Wenn ein Politiker sagt: „Wir haben zu viele junge kriminelle Ausländer!“ Oder: „Das läuft mit den Ausländern falsch!“ — dann ist das: „Klartext“.

Collage aus mehreren Bild-Schlagzeilen: Deutschlands mutigster Oberstaatsanwalt - Die Wahrheit über kriminelle Ausländer, Dauer-kriminelle Ausländer ausweisen! Das fordert Deutschlands mutigster Oberstaatsanwalt, Wir haben zu viele junge kriminelle Ausländer, Deutschlands klügster Kopf redet Klartext: Das läuft mit den Ausländern falsch

Wenn eine Schulleiterin sagt, ihre Klassen seien „arabisiert“, dann spricht sie „Klartext“.

Ausriss Bild-Zeitung - Eine Schulleiterin und ein Richter sprechen Klartext - Astrid-Sabine Busse (61) über ihre ersten Klassen - Wir sind hier an der Front. Wir sind arabisiert

Wenn ein Richter zu einer ausländischen Familie sagt:

Screenshot Bild.de - Richter Robert Grain (52) zu einer syrischen Familie - In Ihrer Kultur hat die Frau einen geringeren Stellenwert. Das ist bescheuert

… dann redet er: „Klartext“.

Wenn ein Richter zu einem straffälligen Ausländer sagt:

Screenshot Bild.de - Richter rechnet mit straffälligem Flüchtling ab - Wenn es bei uns so sch... ist, warum sind Sie dann hier?

… dann ist er ein: „Klartext-Richter“.

Wenn Hillary Clinton Angela Merkel rät, die Einwanderung nach Europa einzuschränken, dann ist das eine: „Klartext-Botschaft“.

Screenshot Bild.de - Klartext-Botschaft - Clinton empfiehlt Merkel weniger Einwanderung

Wenn eine Polizistin fragt: „Warum wird ein Marokkaner, der eine Frau vergewaltigt, nicht abgeschoben?“ Dann redet sie: „Klartext!“

Ausriss Bild am Sonntag - Eine Polizistin redet Klartext! - Warum wird ein Marokkaner, der eine Frau vergewaltigt, nicht abgeschoben? - Die Justiz und wir sind am Limit, du kannst die Anzeigen auch gleich in den Reißwolf stecken - Über Intensivtäter wird viel zu lange viel zu viel diskutiert

Wer ist für „Bild“ ein „Klartext-Politiker“? Thilo Sarrazin.

Screenshot Bild.de - Klartext-Politiker Thilo Sarrazin über Hartz IV - Es wächst eine weitgehend funktions- und arbeitslose Unterklasse heran

Die „Bild“-Kolumne, in der Heinz Buschkowsky auch gegen kriminelle Ausländer wettert, heißt: „Buschkowsky redet Klartext“.

Screenshot Bild.de - Buschkowsky redet Klartext - Warum Rücksicht nehmen auf hungernde Muslime?

Wenn eine Richterin sagt, die meisten Intensivtäter seien Ausländer, dann meint „Bild“:

Screenshot Bild.de - Kriminelle Ausländer - Diese mutige Richterin redet Klartext

„Klartext“ ist für die Leute von „Bild“ ein Qualitätssiegel. Sie verleihen es aber nicht an den klarsten Text, sondern an den, der am meisten Angst macht.

Aber da sind sie ja nicht die einzigen:

Wahlplakat der AfD: "Klartext zu Deutschland"

Mit Dank auch an den Hinweisgeber.

Der öffentliche Tod des Auswanderers

Am vergangenen Samstag ist Jens Büchner gestorben. Büchner, auch „Malle-Jens“ genannt, war durch zahlreiche Auftritte in TV-Shows (unter anderem „Goodbye Deutschland“, „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, „Das Sommerhaus der Stars“) bekannt geworden und hatte sich jahrelang von Kamerateams im Alltag begleiten lassen. Er hatte aus seinem Leben ein Geschäft gemacht.

„Bild“ macht eins aus seinem Tod.

Ausriss Bild-Zeitung - Drama um Deutschlands bekanntesten TV-Auswanderer - JENS LIEGT IM STERBEN
(Alle Unkenntlichmachungen in diesen Beitrag durch uns.)
Screenshot Bild.de - Jens Büchner (49), der Kult-Auswanderer aus Goodbye Deutschland - Unser Lieblings-Auswanderer ist tot
Screenshot Bild.de - TV-Auswanderer Jens Büchner (49) ist tot - Er starb an Lungenkrebs!
Screenshot Bild.de - Die letzten Tage und Stunden von Malle-Jens - Um 18 Uhr wurde es hektisch im Krankenzimmer - So sehen die Pläne für die Beerdigung aus
Screenshot Bild.de - Sie war bis zum Schluss bei ihrem Jens - Sein letzten Worte waren an Daniela gerichtet
Screenshot Bild.de - Das Achterbahn-Leben des TV-Auswanderers - Wie aus dem sächsischen Schlosser Malle-Jens wurde

So protokollieren „Bild“ und Bild.de seit Tagen das Leben und Sterben des „Kult-Auswanderers“. Mit Sätzen wie:

[Seine Frau Daniela und ein paar Freunde] fuhren in ein Hotel in Can Pastilla, etwa acht Kilometer von Palma entfernt. Dort verbrachte Daniela einige Stunden im Hotel. Der Grund: Sie war informiert worden, dass Reporter vor ihrem Haus auf sie warteten.

„Bild“ machte jedenfalls fleißig weiter.

Ausriss Bild-Zeitung - Letzte Ruhe in goldenen Turnschuhen
Screenshot Bild.de - Seine letzten Auftritte - Hier wusste Jens schon, dass etwas nicht stimmt
Screenshot Bild.de - Die Patchwork-Familie des Kult-Auswanderers - Acht Kinder werden Jens vermissen
Ausriss Bild-Zeitung - So erklärte die Witwe ihren Kindern den Tod von Malle Jens - Papa ist jetzt die Sonne
Screenshot Bild.de - Tochter von Jens Büchner - Ich werde dich immer lieben, Papa
Screenshot Bild.de - Sommerhaus-Kumpel Frank Fussbroich weint um Jens Büchner - Als würden die mir ein Stück aus dem Herz reißen
Screenshot Bild.de - Wie geht es nach dem Tod von Malle-Jens für Danni und die Kinder weiter? Das Geld reicht für ein Jahr
Screenshot Bild.de - TV-Auswanderer starb am Samstag an Lungenkrebs - Malle-Jens eingeäschert! Was er sich für seine Gedenkfeier wünschte
Screenshot Bild.de - Kult-Auswanderer gestorben - Zehn Tage vor seinem Tod wurde Jens noch einmal Opa
Screenshot Bild.de - Sie waren mit den Büchners im Sommerhaus der Stars - Bauer sucht Frau-Stars - Danni, wir sind immer für dich da!
Screenshot Bild.de - Danni Büchner gibt nicht auf - Witwe von Malle-Jens will auf Mallorca bleiben
Screenshot Bild.de - Bild-Malle-Reporter über das Phänomen Jens Büchner - Warum sein Tod so viele berührt

Warum sein Tod die „Bild“-Redaktion so berührt, ist kein großes Rätsel — das Thema gehört seit Tagen zu den meistgeklickten auf Bild.de, viele der Artikel sind kostenpflichtig. So wie dieser:

Screenshot Bild.de - Hier holt Daniela Büchner die Asche ihres Mannes [dazu ein von uns unkenntlich gemachtes Foto der Witwe, die eine Papiertüte in den Armen trägt]

Das (offenbar heimlich gefilmte) Video gibt es nur für zahlende Kunden.

Mit trauriger Klaviermusik unterlegt, zeigt Bild.de, wie die Witwe aus dem Krematorium kommt, die Urne mit der Asche ihres Mannes fest umschlossen. Das Bild friert ein, zoomt immer näher an die weinende Frau heran, während „Bild“ kommentiert: „Kaum vorstellbar, was in diesem Moment in ihr vorgehen muss.“

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