Mit nicht existenten Mordaufrufen Stimmung machen. Oder soll man es lassen?

Ich ärgere mich gerade. Ich ärgere mich über Journalisten angesehener Medienhäuser, die von einem Mordaufruf gegen sie berichten, den es nicht gibt. Ich ärgere mich über Journalisten, die ihre Redlichkeit und das Vertrauen in ihre Verlage beschädigen und damit Kollegen beleidigen, die tatsächlicher Verfolgung ausgesetzt sind. Die manipulative, weil Mitleid- und Solidarität-triggernde Empörungs-Tweets absetzen, welche den Verdacht nahelegen, dass sie mit dem Mittel der Täter-Opfer-Umkehr von eigenen Fehlern ablenken wollen. Und ich ärgere mich über Journalisten, die all das Mordaufruf-Gerede nachplappern, weil es ihnen in ihr Weltbild passt.

Doch der Reihe nach.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichte vergangenen Donnerstag ein Pro & Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung von Geflüchteten. Massive Kritik gab es vor allem für die in der Überschrift formulierte Frage „Oder soll man es lassen?“, wohl auch, weil aus ihr nicht klar hervorging, dass mit „es“ nur die private Seenotrettung gemeint war und nicht die Seenotrettung im Allgemeinen:

Ausriss Die Zeit - Oder soll man es lassen?

In einem „SZ“-Kommentar kritisiert Heribert Prantl die „Zeit“. Man dürfe Menschen nicht als Sache betrachten und behandeln. So ein Pro & Contra sei vielleicht gut gemeint, aber nicht gut. Es relativiere die Menschenwürde:

Wer sich auf eine solche Denkweise einlässt, der landet bei der Folter und bei der Todesstrafe.

Auch die Publizistin Ingrid Brodnig beanstandet die Fragestellung. Diese sei ein Beispiel für „False Balance“ im Journalismus: Journalisten seien darauf gedrillt, „beide Seiten“ zu beleuchten. Dies führe im schlimmsten Fall dazu, dass menschenfeindliche Positionen denkbare Optionen werden:

Es ist ein Irrtum, dass ausgewogener Journalismus bedeutet, man gibt allen Meinungen Raum — egal wie menschenfeindlich oder faktenfern sie sind. Dieses Streben nach „alle Seiten müssen vorkommen“ kann im Journalismus dazu führen, dass wir plötzlich Menschenrechte infrage stellen.

Bei „Deutschlandfunk Kultur“ kritisiert Journalistik-Professor Klaus-Dieter Altmeppen die von der „Zeit“ gewählte Form des Beitrags:

Man kann diese Frage natürlich stellen, aber dann muss sich die „Zeit“ auch die Frage gefallen lassen, was das denn soll, diese Frage zu stellen.

Es sei ganz einfach eine Frage von Humanität und Menschenwürde, Leben zu retten. Und da gebe es kein Contra.


Doch hier soll es nicht vornehmlich um die inhaltliche Bewertung des „Zeit“-Artikels gehen, sondern um die Legende vom Mordaufruf gegen „Zeit“-Redakteure.

Der Versuch einer Chronologie - 12. Juli 2018, 12:04 Uhr

Auf Twitter reagiert „Titanic“-Chefredakteur Tim Wolff auf die vielerorts als unanständig und inhuman empfundene „Zeit“-Überschrift mit einer gespiegelten, ebenso unanständigen und inhumanen Gegenfrage samt Pro-Contra-Abstimmung:

Screenshot des Tweets von Tim Wolff - Zeit-Mitarbeiter auf offener Straße erschießen? Wahlmöglichkeiten: Pro und Contra

(Mittlerweile wurde der Tweet von Twitter gelöscht. Zunächst war Wolff mehrfach mitgeteilt worden, dass Beschwerden vorlägen, denen man jedoch nicht stattgegeben habe. Inzwischen hat Twitter offenbar seine Meinung geändert, den Tweet gelöscht und Wolff mit einer zwölfstündigen Sperre belegt.)

12. Juli 2018, 13:55 Uhr

Der renommierte Medienmanager und ehemalige Chefredakteur von „Zeit Online“ Wolfgang Blau kommentiert:

Screenshot des Tweets von Wolfgang Blau - Zwei Wochen nach dem Amoklauf bei der Capital Gazette schlägt der Chefredakteur des Magazin Titanic vor, Journalisten zu erschießen und einer Autorin das Gesicht mit heißem Wasser zu verbrühen. Und sagt, dann bestimmt das sei Satire. Nein, das ist Aufruf zum Mord.

Nun ist es aber recht offenkundig, dass der Wortlaut des Tweets von Tim Wolff einen derartigen Mordaufruf nicht hergibt. Nur zur Erinnerung: Der „Titanic“-Chefredakteur reagierte mit einer ungehörigen Gegenfrage auf eine aus der Sicht von vielen ungehörige Frage (die, was wir am 12. Juli noch nicht wissen, der verantwortliche Redakteur später selbst als Fehler bezeichnen wird).

Die gespiegelte Gegenfrage stellt vor allem ein rhetorisches Mittel dar. Sie ist ein Vergleich, der verdeutlichen soll, wie unverschämt die Denkweise ist, die einer solchen Frage zugrunde liegt. Vielleicht ist es daher noch nicht mal Satire, sondern nur sehr zugespitzte Gegenrede. Man kann Wolffs Gag gut finden oder auch nicht. Was er auf jeden Fall nicht ist: ein ernst gemeinter Mordaufruf. Und das ist jedem klar, der soweit alphabetisiert ist, dass er aus einem Zusammenhang sinnentnehmend lesen kann.

Das Märchen vom Mordaufruf macht unter Journalisten dennoch weiter die Runde.

12. Juli 2018, 15:05 Uhr

Nun lässt die Chefredakteurin der „Deutschen Welle“ ihrer Empörung freien Lauf:

Screenshot des Tweets von Ines Pohl - Was soll das? Schaut Euch mal um in der Welt, solche Aktionen sind weder lustig noch öffnen sie irgendwelche Perspektiven. Das ist schlicht Aufruf zum Mord. Pfui!

12. Juli 2018, 21:31 Uhr

Und „FAZ“-Redakteur Philip Plickert schreibt:

Screenshot des Tweets von Philip Plickert - Zeit-Redakteurin fragt, ob die private Seenotretter im Mittelmeer nicht auch Schlepperei ermuntern und ob dieses Retten von Migranten wirklich richtig ist. Dafür gibt es jetzt Tötungsaufrufe gegen Zeit-Mitarbeiter. Sagt viel über unsere Refugees-Welcome-Fanatiker.

Hier ließe sich einiges anmerken: Zum Setzen des Wortes Seenotretter in Anführungszeichen und der dadurch deutlich gemachten Unterstellung, es handele sich gar nicht um eine Rettung, oder zum diffamierenden Ausdruck „Refugees-Welcome-Fanatiker“. 
Doch bleiben wir bei der Legende von den „Tötungsaufrufen gegen „Zeit“-Mitarbeiter“.

12. Juli 2018, 21:38 Uhr

Nur wenige Minuten später twitterte der verantwortliche „Zeit“-Redakteur Bernd Ulrich:

Screenshot des ersten Tweets von Bernd Ulrich - Ich habe heute am eigenen Leib mitbekommen, wie es ist, wenn die flüchtlingsfreundliche Gemeinde ins Gefecht zieht. Arsch offen, Zeit-Redakteure töten? Zivilisationsbruch, die Zeit aus dem Diskurs raus, mit Kaffee verbrühen, maßlose Enttäuschung.
Screenshot des zweiten Tweets von Bernd Ulrich - ich kann besser erspüren, warum Leute aus Trotz weiter nach rechts gehen. Ich bin kein fragiles Gemüt, bei mir wird das nicht passieren. Aber man sollte schon mal überlegen, ob Humanismus mit nichthumanem Sprechen erreicht werden kann. Gute Nacht Freude

Auch hier könnte man einiges anmerken, zum Beispiel zum selbstmitleidigen und passiv-aggressiven Duktus und dem abschätzigen Gerede von der „flüchtlingsfreundlichen Gemeinde“, die gegen Ulrich und die „Zeit“ angeblich ins „Gefecht“ gezogen sei. Zur Wortwahl und Rechtschreibung, die wohl Emotionalität und Nachdenklichkeit signalisieren soll. Oder zu dem kühnen Vorwurf, dass derartige Kritik für den Rechtsruck in Deutschland verantwortlich sei. Hier soll es jedoch nur um die Bemerkung „Zeit-Redakteure töten?“ gehen, die sich auch bei Ulrich wiederfindet.

13. Juli 2018

Und die beim Deutschen Journalisten-Verband einzieht. Dort kommentiert Hendrik Zörner im hauseigenen Blog:



Geht’s noch? Da ersaufen im Mittelmeer täglich Menschen, die Armut und Unterdrückung in ihren Heimatländern entkommen wollen. Hierzulande entspinnt ein Blatt eine akademische Diskussion über das Für und Wider von Humanität. Und unter dem Deckmantel der Satire wird ein kaum verdeckter Mordaufruf in die Welt gesetzt.

Noch einmal: Beim Tweet des „Titanic“-Chefredakteurs handelte es sich eindeutig nicht um einen Mordaufruf. Tim Wolff erklärt seine Technik mit folgenden Worten:

Ich kenne keine andere Methode, so jemanden in dieser kalten Routine der Bestätigung der mörderischen Verhältnisse zu stören, als ihn kurz spüren zu lassen, wie es sich anfühlt, wenn die eigene körperliche Versehrtheit öffentlich lässig verhandelt wird.

Bleibt die Frage, ob es sich bei der viral gestreuten Mordaufruf-Legende um Vorsatz oder Fahrlässigkeit handelt. Echte Sorgen scheinen sich die Empör-Journalisten jedenfalls nicht gemacht zu haben: Von dem naheliegenden Gang zur Polizei und dem Stellen einer Anzeige ist nichts bekannt. Auch nicht bei der „Titanic“, bei der wir extra nochmal nachgefragt haben.

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Belästigt & Verklagt, „Handelsblatt“ vs. Tichy, Jeremy Corbyn gelinkt?

1. Per Facebook belästigt, dann verklagt
(spiegel.de, Hasnain Kazim)
Als die ehemalige österreichische Grünen-Abgeordnete Sigi Maurer via Facebook zutiefst beleidigende und obszöne Facebook-Nachrichten erhält, macht sie den Vorgang öffentlich. Doch der Besitzer des Accounts, von dem die Nachrichten stammen sollen, bestreitet, der Verfasser zu sein (wenn auch einige Indizien gegen ihn sprechen), und verklagt nun Maurer wegen „Kreditschädigung“ und „übler Nachrede“. Rund 60.000 Euro verlangt er von Maurer. Plus die Übernahme der Kosten für das Verfahren.

2. Wie die britische Labour-Partei ihren eigenen Parteichef mit Microtargeting linkte
(netzpolitik.org, Leo Thüer)
Man mag es fast nicht glauben, so ungeheuerlich klingt es: Im britischen Parlaments-Wahlkampf 2017 soll Oppositionsführer Jeremy Corbyn von seiner eigenen Partei per Social Media manipuliert worden sein. Führende Funktionäre in der Labour-Parteizentrale hätten Werbeanzeigen auf Facebook im Wert von ein paar Tausend Pfund eingekauft, die ausschließlich für Corbyn und seine engsten Vertrauten ausgespielt wurden. Angebliches Ziel der Labour-Parteiführung: Ihren eigenen Kandidaten von einem allzu linken Wahlkampf abzuhalten.

3. Klarstellungen des „Handelsblatt“ zum Bericht von Fritz Goergen auf „Tichys Einblick“
(twitter.com/handelsblatt)
Das „Handelsblatt“ und „Tichys Einblick“ tragen ein öffentliches Duell aus. Zunächst hatte das „Handelsblatt“ von einem Streit um den Vorsitzenden der Ludwig-Erhard-Stiftung Roland Tichy berichtet (Eklat in der Ludwig-Erhard-Stiftung – Friedrich Merz lehnt Preis ab, Bezahlartikel).
Daraufhin warf der Autor Fritz Goergen auf Tichys Internet-Plattform „Tichys Einblick“ dem „Handelsblatt“ unter anderem „billige Agitation“ vor. Worauf das „Handelsblatt“ auf Twitter nun mit seinen „Klarstellungen“ reagiert.
Weitere Lesehinweise: Die Analyse des „SZ“-Autors Detlef Esslinger: Um keinen Preis auf einer Bühne mit Tichy stehen.
Und wer mit „Tichys Einblick“ so überhaupt nichts anfangen kann, freut sich vielleicht über die Einordnung auf „Übermedien“. Sie stammt zwar aus dem Jahr 2016, ist jedoch auf gewisse Weise zeitlos: Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit (Michalis Pantelouris).

4. So spielt Horst Seehofer mit den Medien | WALULYSE
(youtube.com, Video, 9:05 Minuten)
Fernsehsatiriker Philipp Walulis hat sich angeschaut, wie Horst Seehofer mit den Medien spielt. Es geht um Horserace-Journalismus, tröpfelnde Infos, Rücktritts-Rücktritte, Stimmungsmache und Framing sowie die Unterstützung durch „Bild“.

5. Der Krawallmodus wird ihr nicht helfen
(deutschlandfunkkultur.de, Peter Zudeick)
Im politischen Feuilleton bei „Deutschlandfunk Kultur“ widmet sich Peter Zudeick in einem Kommentar der „Bild“-Zeitung. Dank fetter Schlagzeilen, dünner Storys und Skandalen, die keine sind, sei „Bild“ wieder ganz das alte Krawallblatt. Letztlich würde das jedoch nicht helfen, den negativen Auflagentrend zu stoppen, so Zudeick. (Leider dabei die großen Digtalzuwächse außer Acht lassend, wie Dennis Horn auf Twitter kommentiert.)

6. Liebe Focus-Redaktion, unsere STERN-Kollegen sitzen gerade an der Titelgeschichte „Die 100 besten Ideen fürs Sommerloch“.
(twitter.com/grunerundjahr)
Das Verlagshaus „Gruner & Jahr“ legt auf Twitter den hauseigenen „Stern“ und das Burda-Magazin „Focus“ nebeneinander: Beide titeln, wenig einfallsreich, mit den „50 Traumzielen“ in Deutschland/vor der Haustür. Humorig schreibt der „Gruner & Jahr“-Twitter-Beauftragte im meta-ironischen Höhöhö-Sound: „Liebe Focus-Redaktion, unsere STERN-Kollegen sitzen gerade an der Titelgeschichte „Die 100 besten Ideen fürs Sommerloch“. Wollen wir bei der Recherche 50/50 machen?“ Das könnte lustig sein, wenn es nicht so traurig wäre: Was das penetrante Perpetuieren der ewig gleichen Sommerlochgeschichte anbelangt, ist der „Stern“ nämlich ein unverbesserlicher Serientäter.

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Bild  

La Le Lu

Könnte man als Redaktion nicht auf die Idee kommen, noch mal kurz zu checken, ob es im Französischen wirklich le vidéo oder doch eher la vidéo heißt, bevor man riesengroß zum WM-Sieg Frankreichs das hier titelt?

Ausriss Bild-Zeitung - Vive le vidéo

Mit Dank an Mirko G. für den Hinweis!

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Tichys Fehlblick, Geh sterben!, 100.000 erfundene Rehkitze

1. Wie „Tichys Einblick“ fast einen Skandal beim ZDF-„Politbarometer“ aufdeckte
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Ein Stamm-Autor des rechten Online-Magazins „Tichys Einblick“ meint einen Skandal um das ZDF-Politbarometer aufgedeckt zu haben, doch der eigentliche Skandal ist, dass es keiner ist. Oder um Stefan Niggemeier zu zitieren: „Es handelt sich dabei, freundlich formuliert, um ein Missverständnis.“
Weiterer Lesehinweis: Der Ex-CDU-Politiker Friedrich Merz lehnt die Annahme des Ludwig-Erhard-Preises ab (turi2.de). Er wolle nicht mit dem Stiftungsvorsitzenden Roland Tichy auf einer Bühne stehen. Nach der Absage von Merz seien die Journalisten Rainer Hank, Ursula Weidenfeld, Ulric Papendick und Nikolaus Piper aus der Jury des Preises zurückgetreten, denen nach der Absage von Merz anscheinend aufgefallen ist, für wen sie da in der Jury sitzen.

2. Beliebt, bedroht, beschossen – Leben mit Morddrohungen
(ennolenze.de)
Enno Lenze ist Verleger, Autor und Journalist, aber auch Museumsdirektor und politischer Aktivist. Und er zahlt für sein Engagement einen hohen Preis: Derzeit hätten 581 Personen angekündigt, ihn töten zu wollen. („Wie sie die Reihenfolge festlegen wollen, ist mir unklar — aber wäre für mich dann ja auch das gleiche.“) In einem Blogbeitrag beschreibt Lenze, was das für ihn im Alltag bedeutet, ob in Berlin oder in Kriegsgebieten wie der Autonomen Region Kurdistan.

3. Twitter sperrt meinen Account für zwölf Stunden
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Rechtsanwalt Thomas Stadler ist wegen eines Tweets zu Horst Seehofer („Geh endlich sterben, menschenverachtender Zyniker“, verbunden mit einem Link) mit einer zwölfstündigen Twitter-Sperre belegt worden. Zu Unrecht wie er findet: „Mein Tweet bewegt sich äußerungsrechtlich ganz klar im zulässigen Bereich. Mit dem Tweet habe ich Seehofer keinesfalls den Tod gewünscht. Es handelt sich vielmehr um eine drastische Aufforderung endlich zu verschwinden, ähnlich einer Formulierung wie „Fahr zur Hölle“. Der Tweet setzt sich mit kontroversen politischen Aussagen des Innenminsters auseinander und stellt somit eine Kritik an öffentlichen Äußerungen eines Spitzenpolitikers dar.“ Stadler hat seinen Beitrag mittlerweile zweimal aktualisiert und um Bemerkungen zu Debattenkultur und Meinungsfreiheit ergänzt.

4. David Berger: Ein Theologe im Kampf gegen „Islamisierung” und „Nanny-Medien”
(correctiv.org, Caroline Schmüser)
Der Blog „Philosophia Perennis“ ist ein Leitmedium der rechten Szene und in Kreisen der sogenannten „alternativen Medien“. Im Mai habe es die Seite auf Platz 18 der Seiten mit den meisten Social-Media-Interaktionen geschafft, noch vor n-tv.de, taz.de oder Tagesspiegel.de. Die Plattform fällt besonders durch spekulative Berichterstattung, Falschmeldungen und AfD-Nähe auf. Hinter der Seite steckt David Berger, ein katholischer Theologe, der gewissermaßen zum Islamhasser konvertiert ist. „Correctiv“ hat die Hintergründe um Person und Seite recherchiert.

5. Drei Pressemitteilungen und eine Abschiebung
(keienborg.de)
Der Jurist Marcel Keienborg ist Spezialist für Asyl- und Aufenthaltsrecht und hat deshalb besonders aufmerksam registriert, dass vergangene Woche ein Tunesier abgeschoben wurde, obwohl ein Gericht die Abschiebung untersagt hatte. In einem Blogbeitrag widmet er sich den Pressemitteilungen, die zu diesem Thema vom Verwaltungsgericht veröffentlich wurden. Der Vorgang sei in jeder Beziehung ungeheuerlich: „Wenn Behörden sich nicht mehr verpflichtet fühlen, Gerichten gegenüber vollständige und wahre Angaben zu machen, was eben auch eine gewisse Sorgfalt bei der Lektüre der eigenen Akten voraussetzt, ist letztlich die Effektivität der gerichtlichen Kontrolle der Behörden insgesamt in Frage gestellt.“

6. Unser Hospitant ist Landwirt. Und er hat sich gefragt, ob eigentlich die immer wieder genannte Zahl stimmt, dass jedes Jahr 100 000 Bambis gekillt werden.
(twitter.com/vierzueinser, Jonas Jansen)
Erik Hecht ist für die „FAZ“ der Frage nachgegangen, woher die jährlich in den Medien auftauchende Zahl von 100.000 von Mähdreschern getöteten Rehkitzen stammt. Die Antwort ist verblüffend: Die „Deutsche Wildtier Stiftung“ habe sie nach eigenen Angaben irgendwann mal erfunden. Der Wert sei viel zu hoch. Die Hälfte sei wohl wahrscheinlicher, „wenn überhaupt“.

Man könnte es schäbig nennen

Aus einer Konzertkritik zu einem Auftritt von Helene Fischer in Hamburg, die vorhin bei Welt.de erschienen ist:

Zu „Viva La Vida“ und „Sonne auf der Haut“ wurde schon selig getanzt, bei der Coverversion von Matthias Reims „Verdammt, ich lieb dich“ zeigten sich erste Spuren von Euphorie im erstaunlich gemischten Publikum. Es ließe sich sagen: Von dort an hatte sie die Leute echt im Sack. Da stand sie auch bereits im dritten Outfit auf der Bühne, nach Hot Pants in Teil eins, die man wohlwollend als preiswert hätte beschreiben dürfen, auch wenn der gern mal derbe Hanseat vielleicht sogar zum Wort „nuttig“ gegriffen hätte, folgte das kurze, silbrige Paillettenkleid, es sollten, so wir uns denn nicht verzählt haben, fünf weitere Roben folgen.

Jaja, immer dieser „derbe Hanseat“. Nun liegen uns keine genaueren Zahlen vor, wie viele derbe Hanseaten in der Redaktion von Welt.de so sitzen. Die Leute dort hielten es jedenfalls für eine gute Idee, die Bezeichnung „nuttig“ auch in ihre Überschrift zu packen:

Screenshot Welt.de - Helene Fischer n Hamburg - Man könnte es nuttig nennen

Wohlgemerkt: Weil Helene Fischer Hot Pants trug. Durch den Konjunktiv und die Anführungszeichen in der Titelzeile wird das alles kein Stück besser.

Wenn eine große deutsche Redaktion es offenbar für völlig in Ordnung hält, eine Sängerin auf der Startseite aufgrund ihrer Klamotten mit den Begriff „nuttig“ und zusätzlich im Artikel mit dem Begriff „preiswert“ in Verbindung zu bringen, muss es auch niemanden mehr wundern, wenn Frauen immer wieder als minderwertig betrachtet und auf der Straße und im Internet häufig angefeindet werden.

Mit Dank an Stefan T. und Thomas H. für die Hinweise!

Nachtrag, 16. Juli: Welt.de hat die Titelzeile geändert. Dort steht nun:

Screenshot Welt.de - Schon nach drei Minuten rieselten Konfetti vom Himmel

Auch aus dem Text ist das Wort „nuttig“ verschwunden. Stattdessen:

… nach Hot Pants in Teil eins, die man wohlwollend als preiswert hätte beschreiben dürfen, auch wenn der gern mal derbe Hanseat vielleicht sogar zu ganz anderen Worten gegriffen hätte

Die Redaktion hat dazu diese „Anmerkung“ veröffentlicht:

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels verwendeten wir für die Beschreibung des Outfits der Sängerin eine unangemessene Wortwahl. Wir bitten dies zu entschuldigen.

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BILDblog dankt

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Ihr seid super!

Menschen im Koma schützen? Nicht mit „Bild“!

Bei „Bild“ und Bild.de interessieren sie sich offenbar nicht für den Schutz von hilflosen Personen.

Vor vier Monaten stürzte ein Mann beim Joggen in einem Park in Berlin-Wilmersdorf. Er wurde bewusstlos und liegt bis heute im Koma. Da er keinen Ausweis bei sich hatte und ihn niemand als vermisst meldete, wusste die Polizei lange nicht, wer der Mann ist. Bis gestern. Da meldete sich ein andere Mann, der auf einem von der Polizei veröffentlichten Foto einen Schlüssel wiedererkannte. Mit Hilfe des Anrufers konnten die Beamten die Wohnung des Joggers ausfindig machen und damit dessen Identität klären.

Bild.de veröffentlichte gestern einen Artikel zu der aktuellen Entwicklung. Darin auch dieses Zitat von Uwe Dziuba, Hauptkommissar in der Vermisstenstelle:

Screenshot Bild.de - Als er anrief, waren mein Kollege und ich gerade unterwegs, fuhren aber sofort zu der Adresse – die Schlüssel des Joggers passten. Im Flur fanden wir seinen Ausweis und seine Krankenkassenkarte, die wir mitnahmen und der Betreuerin übergaben. Sie bat uns darum, seine Identität zu schützen, deshalb geben wir seinen Namen nicht heraus. Die Betreuerin wurde umgehend informiert.

Nur drei Absätze später, unter der Zwischenüberschrift „Das ist der Jogger“, nennt die Bild.de-Autorin den Namen des Mannes:

Screenshot Bild.de - Sein Name
(Unkenntlichmachung durch uns.)

Sie nennt die zwei Vornamen des Mannes und den abgekürzten Nachnamen, auch in der gedruckten „Bild“. Sie nennt das Alter des Mannes und den Namen der Straße, in der sich seine Wohnung befindet (beide Informationen stehen auch in einer Pressemitteilung der Polizei). Sie nennt den Familienstand des Mannes, schreibt, wie lange er bereits in seiner Wohnung wohnt. Sie und ihre Redaktion zeigen ein Foto der Straße, in der sich die Wohnung des Mannes befindet. Sie zeigen ein Foto des Briefkasten des Mannes. Und sie zeigen ein Foto, auf dem der Mann im Koma zu sehen ist, ohne Verpixelung. Dieses Foto hatte die Polizei rausgegeben, als die Identität des Mannes noch nicht geklärt war. Nun ist sie geklärt. Für die „Bild“-Medien offenbar kein Grund, das Gesicht einer hilflosen Person nicht mehr zu zeigen.

Inzwischen hat die Bild.de-Redaktion eine wichtige Information aus ihrem Artikel gelöscht. Allerdings nicht den Namen des Mannes, oder den der Straße, in der sich seine Wohnung befindet. Sondern einen Teil des Zitats von Uwe Dziuba, dem Polizeibeamten, der sagt, dass man die Identität des Mannes schützen wolle. So wurde aus …

Screenshot Bild.de - Als er anrief, waren mein Kollege und ich gerade unterwegs, fuhren aber sofort zu der Adresse – die Schlüssel des Joggers passten. Im Flur fanden wir seinen Ausweis und seine Krankenkassenkarte, die wir mitnahmen und der Betreuerin übergaben. Sie bat uns darum, seine Identität zu schützen, deshalb geben wir seinen Namen nicht heraus. Die Betreuerin wurde umgehend informiert.

… auf einmal:

Screenshot Bild.de - Als er anrief, waren mein Kollege und ich gerade unterwegs, fuhren aber sofort zu der Adresse – die Schlüssel des Joggers passten. Im Flur fanden wir seinen Ausweis und seine Krankenkassenkarte, die wir mitnahmen und der Betreuerin übergaben.

Mit Dank an Daniel B., Ulrike, wolkenzottel und @kentrail_ticker für die Hinweise!

Unanständige Fragen, Rätselhaftes Verschwinden, Digitaler Nachlass

1. „Zeit“ gerät nach Pro-und-Contra zur Seenotrettung in die Kritik
(sueddeutsche.de, David Denk)
Die „Zeit“ hat mit einem Pro und Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung massive Kritik ausgelöst. Dabei ging es um die in der Überschrift formulierte Frage „Oder soll man es lassen?“ und die „Contra“-Position der „Zeit“-Korrespondentin Mariam Lau. In der Digitalausgabe wurde die Überschrift mittlerweile in „Gut? Oder nur gut gemeint?“ geändert. Die Redaktion will darin jedoch kein Eingeständnis eines Fehlers sehen, dem lägen nur „technische Gründe“ zu Grunde …
In einem „SZ“-Kommentar kritisiert Heribert Prantl die „Zeit“. Man dürfe Menschen nicht als Sache betrachten und behandeln. So ein Pro und Contra sei vielleicht gut gemeint, aber nicht gut. Es relativiere die Menschenwürde. „Wer sich auf eine solche Denkweise einlässt, der landet bei der Folter und bei der Todesstrafe.“
Vor allem auf Twitter wurde der Beitrag intensiv diskutiert. Hier drei Threads, die verschiedene Aspekte beleuchten: Simon Hurtz kritisiert den Text von Mariam Lau, plädiert jedoch für mehr Argumente und weniger Furor: „Bringt es uns wirklich weiter, wenn wir die Zeit jetzt als bürgerliche Bild-Zeitung bezeichnen oder den Untergang des Journalismus heraufbeschwören? Das ist doch genau das angebliche Sprechverbot, das Rechte immer beklagen.“ Julian Pahlke von „Jugend Rettet“ reagiert mit einer eindringlichen Tweetabfolge über das Sterben im Mittelmeer, wie er es selbst als Augenzeuge erlebt habe: „Der Tod im Mittelmeer ist nicht, wie man immer glaubt, ein lautes Ereignis. Er kommt langsam und wird immer ruhiger. Er ist gerade deshalb so dramatisch weil er so ruhig ist.“ Und laut Ingrid Brodnig illustriere die Frage der „Zeit“ das Problem der „False Balance“ im Journalismus. Journalisten seien darauf gedrillt, „beide Seiten“ zu beleuchten. Dies führe im schlimmsten Fall dazu, dass menschenfeindliche Positionen denkbare Optionen werden: „Es ist ein Irrtum, dass ausgewogener Journalismus bedeutet, man gibt allen Meinungen Raum — egal wie menschenfeindlich oder faktenfern sie sind. Dieses Streben nach „alle Seiten müssen vorkommen“ kann im Journalismus dazu führen, dass wir plötzlich Menschenrechte infrage stellen.“
Im Blog der „Zeit“ haben sich die verantwortlichen Chefredakteure Sabine Rückert und Bernd Ulrich mit einer Art Stellungnahme an die Leser gewandt: „Wir bedauern, dass sich einige Leser in ihrem ethischen Empfinden verletzt gefühlt haben, und dass der Eindruck entstehen konnte, die ZEIT oder auch Mariam Lau würden einer Seenotrettung generell eine Absage erteilen.“
Das Bedauern der „Zeit“-Verantwortlichen scheint sich jedoch hauptsächlich auf sich selbst zu beziehen: Auf Twitter klagt Bernd Ulrich selbstmitleidig und passiv-aggresiv über die „flüchtlingsfreundliche Gemeinde“. Und trägt dazu bei, dass sich das Märchen von „Mordaufrufen“ gegen „Zeit“-Redakteure verbreitet, was sich augenscheinlich auf „Titanic“-Chefredakteur Tim Wolff bezieht, der jedoch keineswegs zu irgendeiner Tötung aufgerufen, sondern eine unanständige Frage mit einer unanständigen Gegenfrage satirisch gespiegelt hat.
Nachtrag, 12:24 Uhr: Bernd Ulrich schreibt „nach einmal Drüberschlafen“ bei Twitter: „Die Überschrift war ein, war mein Fehler“ und kündigt einen eigenen Text zum Thema in der nächsten Ausgabe an.

2. EU-Politiker Axel Voss nutzt auf Facebook urheberrechtlich geschützte Fotos und verrät uns nicht, ob er sie bezahlt hat
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Axel Voss sitzt für die CDU im EU-Parlament und hat dort das neue und strengere Urheberrecht vorangetrieben. Das neue Gesetz soll unter anderem Plattformen dazu zwingen, urheberrechtlich geschütztes Material mittels Uploadfilter zu blocken und damit ein Veröffentlichen durch Unberechtigte unmöglich zu machen. „BuzzFeed News“ hat sich bereits vor ein paar Tagen auf dem Facebook-Profil des Politikers umgeschaut und dort zahlreiche urheberrechtlich geschützte Bilder entdeckt. Auf Nachfragen, ob und wie eine Lizenzierung dieser Bilder erfolgt sei, reagierte das Büro des Politikers ausweichend. Doch nun passiert gerade ein Wunder: Wie auf magische Weise verschwinden immer mehr Einträge von Voss‘ Facebook-Seite, bei denen derartige Bilder verwendet wurden.

3. „Mehr Kontrolle von außen“
(taz.de, Frederic Valin)
Die „taz“ hat mit dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt gesprochen. Es geht um die aktuelle Fußball-WM, die Vergabe an Katar, diverse Substanzen und seine Entscheidung, nicht nach Russland zu fahren. Seppelts Resümee: „Die Doping- und Korruptionsskandale der vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen. Sport ist bei weitem eben nicht der schöne Schein, den uns die Hochglanzbilder vorgaukeln. Auch im Fußball nicht. Nur, weil die Menschen die WM im Fernsehen gucken, heißt das noch lange nicht, das sie goutieren, was die Fifa macht. Einschaltquoten sind kein ethisches Argument.“

4. „Wie würde es im Netz aussehen, wenn es uns nicht gäbe?“
(golem.de, Jennifer Fraczek)
Die rund 40.000 Mitglieder der Facebook-Gruppe #ichbinhier schreiben Erwiderungen auf Hasskommentare. Im Interview mit Golem.de erklärt der Gründer der Online-Initiative Hannes Ley, wie er die Idee aus dem Netz in die echte Welt bringen will: „Unser Ziel ist es, ein Konzept für die Lehrerbildungsinstitute (LBI) zu entwickeln.“

5. Face­book-Chats sind auch nur Briefe
(lto.de, Bastian Biermann)
Der Bundesgerichtshof hat ein wichtiges Urteil zum sogenannten digitalen Nachlass gefällt und Eltern, die nach der Todesursache ihrer 15-jährigen Tochter suchen, Zugriff auf deren Facebook-Account gewährt. Damit habe das Gericht den digitalen Nachlass dem analogen gleichgestellt, so Bastian Biermann in seiner Einordnung des Urteils. Im Sinne der Rechtsklarheit sei es jedoch wünschenswert, dass der Gesetzgeber eine eindeutige Regelung zum digitalen Erbe treffe. Bis es soweit ist, rät Biermann zu Vorsorgemaßnahmen zu Lebzeiten.

6. Speechless Speech: Mark Zuckerberg
(webtapete.de)
Zum Wochenausklang noch etwas Leichtes: Der für seine „Musicless“-Videos (hier ein Beispiel) bekannte Sounddesigner und Vertonungskünstler Mario Wienerroither hat Mark Zuckerberg vertont.

Oh, leever Photoshop, jev uns ein passendes Bild!

In Köln hat es schon länger nicht mehr ordentlich geregnet. Der Kölner „Express“ warnt auf Seite 1:

Ausriss der Express-Titelseite - Köln trocknet aus - Kaum Regen seit Wochen - Wiesen werden zur Steppe - Die Folgen der Dürre - Dazu ein Foto der Kölner Bastei sowie dem Rasen vor der Bastei

Das war das Titelblatt von gestern. Auf der letzten Seite der Ausgabe zeigt die Redaktion das Foto, auf dem die Bastei und vor allem der ausgedörrte Rasen davor zu sehen sind, ein weiteres Mal:

Ausriss Express- Oh, leever Jott, jev uns Wasser! Dazu erneut das Foto der Kölner Bastei sowie dem Rasen vor der Bastei

Im Artikel steht gleich zu Beginn:

Auch die kurzen Schauer am Dienstagabend und in der Nacht, die zusammen mit einzelnen Gewittern kamen, halfen nicht: Seit gut vier Wochen kaum ein Tröpfchen. Die andauernde Dürre zeigt er(n)ste Folgen: Steppe, wo Wiese war, gelbe statt grüne Blätter an den Bäumen, der Rheinpegel sinkt täglich.

Und dazu die Bildunterschrift:

Gelbe statt grüne Wiesen — wie hier an der Bastei

BILDblog-Leser Norbert E. ist gestern an der Wiese vor der Bastei vorbeigekommen. Das Foto, das er um 16:23 Uhr mit einem herkömmlichen Smartphone und der darin beinhalteten Belichtungsautomatik aufgenommen und uns geschickt hat, sieht nun nicht unbedingt nach blühenden Landschaften aus. Es sieht aber auch nicht so aus, als würde sich die Grünanlage vor der Bastei gerade in eine Steppe verwandeln:

Foto von BILDblog-Leser Norbert E. - Darauf zu sehen: Die Bastei und die Wiese davor, nun allerdings nicht so ausgedörrt wie im Express und mit deutlich mehr grünen Stellen

Zum besseren Vergleich hier noch einmal beide Aufnahmen gegenübergestellt:

Gegenüberstellung der Express-Titelseite und der Aufnahme des BILDblog-Lesers von der Wiese vor der Bastei

Mit Dank an Norbert E. für Hinweis und Foto!

Nachtrag, 13. Juli: Mehrere Leserinnen und Leser weisen darauf hin, dass auch der zweite Teil der Titel-Optik — die abgestorbene Platanenrinde — Unsinn sei. Schließlich würfen Platanen regelmäßig ihre Rinde ab, nicht nur bei großer Hitze oder Dürre.

Der „Express“ schreibt dazu:

Die Platanen werfen zudem ihren Bast (abgestorbene Rinde) ab. Für manche Experten Zeugnis der Trockenheit. [Sachgebietsleiter beim Kölner Gründflächenamt] Schmidt hält dagegen: „Das Frühjahr war feucht und warm, ideal für die Vegetation. Alles ist stark gewachsen. Auch die Stämme der Platanen, die dicker wurden. Jetzt passt die Rinde nicht mehr und fällt ab. Wie bei einem zu engen Korsett.“

Die „Express“-Redaktion klärt die Sache also im Text auf. Dass sie trotz dieses Wissens das Foto mit der Platanenrinde auf den Titel packt, ist natürlich recht bescheuert.

Tickender Nachbar, Blockierer im Amt, Trumps 487 Beleidigungsziele

1. Wissen Sie, wie Ihr Nachbar tickt?
(zeit.de)
„Zeit Online“ und zehn Medienpartner aus Print, Online und Fernsehen starten die Aktion „Deutschland spricht“ unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Die Medienhäuser wollen am 23. September Zehntausende Menschen mit unterschiedlichen Ansichten miteinander ins Gespräch bringen. Dem voraus geht ein Matching, bei dem einige Ja-Nein-Fragen beantwortet werden müssen.

2. Sie sind so frei
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Eigentlich ist die „Eßlinger Zeitung“ ein ziemlich gewöhnliches Regionalblatt. Ungewöhnlich ist jedoch das, was ihre Freien machen: Sie streiken seit dem 28. Juni für eine bessere Bezahlung. Und viele Leser und Leserinnen unterstützen sie dabei. Josef-Otto Freudenreich berichtet von dem ungewöhnlichen und eher seltenen Vorgang und lässt einige Protagonisten zu Wort kommen.

3. Die Blockierer im Amt
(taz.de, Ralf Leonhard)
Ist in Österreich die Pressefreiheit in Gefahr? Das kann man zumindest befürchten, wenn man Ralf Leonhards Beitrag in der „taz“ liest, wonach die Regierungsparteien FPÖ und ÖVP daran arbeiten, Journalisten die Arbeit erheblich zu erschweren. Dies geschehe durch professionelle Inszenierung und „Message Control“.

4. Überallmedium
(sueddeutsche.de)
Die Deutschen hören werktags mehr als vier Stunden Radio. Das sagt jedenfalls die Media-Analyse, die von der Medien- und Werbewirtschaft durchgeführt wurde.

5. „Steile Lernkurve“
(message-online.com, Volker Lilienthal)
Jörg Schmitt ist als „Koordinator Investigativ“ beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ beschäftigt. Im Gespräch mit „Message“-Herausgeber Volker Lilienthal erklärt er, warum das Magazin erst im vergangenen Jahr ein eigenes Investigativ-Team aufbaute, was grenzüberschreitende Recherche mit der Globalisierung zu tun hat und warum die Zeit der einsamen Wölfe im Recherche-Journalismus vorbei ist.

6. The 487 People, Places and Things Donald Trump Has Insulted on Twitter: A Complete List
(nytimes.com, Jasmine C. Lee & Kevin Quealy)
Die „New York Times“ hat eine Liste mit allen Menschen, Dingen und Orten erstellt, die von Donald Trump auf Twitter seit der Verkündigung seiner Kandidatur beleidigt, beschimpft und verächtlich gemacht wurden. Es sind derzeit 487 Einträge vorhanden …

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