1. Warum “Emma” dem Feminismus zuletzt mehr schadete als nutzte
(taz.de, Carolina Schwarz)
Dass Alice Schwarzer ihr feministisches Magazin “Emma” nach fünfzig Jahren im Dezember einstellt, sei eine gute Nachricht, findet Carolina Schwarz in der “taz”: “Sollte es einen nicht bestürzen, wenn in Zeiten eines reaktionären Backflashs und einer zunehmenden Faschisierung ein feministisches Magazin eingestellt wird? Eigentlich ja, doch die Emma hat der feministischen Bewegung gerade in den letzten Jahren mehr geschadet als genutzt. Und das liegt an ihrer Chefin Alice Schwarzer.”
Zusätzlicher Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Heft und Herausgeberin waren fünfzig Jahre lang dasselbe. ‘Emma’ wurde gegründet, damit Frauen eine eigene Stimme haben. Aber am Ende hat das Heft genau eine Stimme, die zählt.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:18 Minuten)
2. “Man muss die alle verklagen”: Wegner rechnet mit KI-Firmen ab
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Medienhäuser müssten KI-Anbieter wegen des unberechtigten Abgreifens journalistischer Inhalte konsequent verklagen, habe “Zeit”-Chefredakteur Jochen Wegner beim Mediengipfel der Medientage München gefordert. Gleichzeitig warne er davor, sich rein auf juristische und technische Abwehr zu beschränken. In den Redaktionen herrsche bezüglich eigener KI-Werkzeuge und -Recherchehilfen eine produktive Aufbruchstimmung. Für BR-Intendantin Katja Wildermuth ständen bei der Zusammenarbeit mit Plattformen vier Kernprinzipien im Fokus: Autorisierung, Genauigkeit, Quellenzuordnung und Auffindbarkeit verlässlicher Inhalte. Medienforscherin Alexandra Borchardt habe in der Runde darauf hingewiesen, dass von Lizenzverträgen mit Tech-Konzernen bislang fast nur Großverlage profitieren würden.
3. Kommunikation geht nur mit Menschen
(journalist.de, Felix Rieger)
Wenn Kommunikationsarbeit vollständig durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden könne, habe sie ohnehin wenig getaugt, schreibt Felix Rieger vom KI-Kompetenzzentrum Medien. KI eigne sich zur internen Entlastung, beispielsweise bei Datenanalysen oder Quellensichtungen. Bei öffentlicher Kommunikation gehe durch die Orientierung der KI an statistischen Wahrscheinlichkeiten jedoch der individuelle Fingerabdruck verloren. Das Publikum reagiere auf erkennbare algorithmische Glätte zu Recht mit Misstrauen. Rieger wünscht sich daher mehr Mut zum unperfekten, aber echten Text.
4. ZDF: Mehr Barrierefreiheit dank KI
(verdi.de, Volker Nünning)
Mit dem Entwicklungsplan “Access 2028” wolle das ZDF seine barrierefreien Angebote über alle Ausspielwege hinweg deutlich ausbauen und setze dabei verstärkt auf Künstliche Intelligenz. Vor allem bei der Untertitelung im Streaming-Portal und bei Event-Livestreams soll KI für eine rasche Abdeckung sorgen. Im Bereich der Audiodeskription nutze der öffentlich-rechtliche Sender für Formate wie “Terra X” bereits KI-optimierte Stimmen, lasse die Hörtexte aber weiterhin von Menschen verfassen. Zudem teste die Tochterfirma ZDF Sparks Werkzeuge für Einfache Sprache per Knopfdruck, und für die Deutsche Gebärdensprache werde die Entwicklung eines Avatars geprüft.
5. “Zulasten des Volkes”
(kontextwochenzeitung.de)
Die redaktionelle Zentralisierung sowie die optische Vereinheitlichung der zur Neuen Pressegesellschaft Ulm gehörenden Regionalzeitungen stoße auf scharfe Kritik aus Journalismus, Kultur und Politik, berichtet die Wochenzeitung “Kontext”. Uwe Vorkötter, früherer Chefredakteur der “Stuttgarter Zeitung”, beklagt den Verlust des publizistischen Profils seines ehemaligen Blattes. Das Kulturschaffenden-Ehepaar Sigrid Klausmann und Walter Sittler warnt vor dem Entstehen einer inhaltlichen Einfalt. SPD-Landtagsfraktionschef Sascha Binder fordert angesichts drohender Zeitungswüsten eine aktive Medienpolitik des Landes Baden-Württemberg. Und Kommunalpolitiker Hannes Rockenbauch bemängelt, dass durch den Rückzug kritischer Berichterstattung aus den Rathäusern der Resonanzraum für sachorientierte Lokalpolitik verloren gehe.
6. “Amerikas Schicksalswahl”: Diese Podcasts erklären euch, was bei den US-Midterms auf dem Spiel steht
(omr.com, Tim Sohr)
Knapp zwei Wochen vor den US-Zwischenwahlen stehe die Politik von Präsident Donald Trump vor einem entscheidenden Stimmungstest, heißt es in einer Übersicht mit empfehlenswerten Audioformaten über “Amerikas Schicksalswahl”. Neben Podcasts von Brancheninsidern wie “The Rest Is Politics US” oder “Pod Save America” böten journalistische Analysen wie “OK, America?” der “Zeit”, “The Political Scene” des “New Yorker” sowie historische Einordnungen des Deutschlandfunks (“Amerika verstehen”) vielfältige Zugänge zu den politischen Spannungen in den Vereinigten Staaten.



