„Sie haben es sicher bemerkt“

Bitte nicht erschrecken!

Die Seite 1 der „Hamburger Morgenpost“ sieht heute so aus …

Ausriss Titelseite Hamburger Morgenpost - Noch acht Tage bis zur Kollision - Bestätigt: Asteroid trifft Erde - Wo gibt es noch die letzten Bunkerplätze? Politiker und die große Schuldfrage - Der Impact und die Finanzen: Dollar oder Gold? Wie groß ist unsere Überlebenschance?
(Hier in größerer Version.)

… die Seite 2 so …

Ausriss Hamburger Morgenpost - Ein Asteroid rast auf Mitteleuropa zu. Die neue Serie auf Sky. Acht Tage

… und die Seite 3 so:

Ausriss Hamburger Morgenpost - Wein leiser! So soll der Hamburger Rapper Famo eine Frau verhöhnt haben, die er laut Anklage gerade vergewaltigte

Da rechts am Rand steht:

Ausriss Hamburger Morgenpost - Liebe Leserinnen und Leser, heute sieht Ihre Mopo anders aus als gewohnt. Aber natürlich geht nicht demnächst die Welt unter! Sie habe es sicher bemerkt: Die komplette Seite eins ist ausnahmsweise eine Anzeige, die eigentliche Titelseite ist hier auf der dritten Seite. Mit dieser Marketing-Aktion macht der Fernsehsender Sky auf eine neue Serie aufmerksam, in der ein Asteroid auf die Erde zurast. Ihre Mopo-Redaktion

Jaja, „Sie haben es sicher bemerkt“ — und weil das alles so offensichtlich ist, erklärt „Ihre MOPO-Redaktion“ lieber noch mal, dass sie ihre Titelseite an Sky verscherbelt hat, und dass sich die Leserinnen und Leser nun doch nicht um „die letzten Bunkerplätze“ kloppen müssen.

Schon klar, oben rechts auf Seite 1 hat sich die „Hamburger Morgenpost“ mit einem kleinen „ANZEIGE“ abgesichert. Dass die dazugehörige dünne, schwarze Linie aber auch den Schriftzug der Zeitung einschließt, ist mindestens befremdlich. Sky kann dort mit dem offiziellen Logo der „Mopo“-Redaktion werben.

Und wer jetzt sagt: „Naja, aber das Schriftbild sieht ja ganz anders aus als auf der echten Titelseite“ — nur zum optischen Vergleich die Titelseite von gestern:

Ausriss Titelseite Hamburger Morgenpost von gestern - Die Felgen-Mafia - Organisierte Banden stehlen Räder in Sekunden. Immer mehr Fälle

Eine mögliche Erklärung für den traurigen Ausverkauf der Seite 1: Das Blatt steht mächtig unter Druck. Laut IVW ist die verkaufte Auflage der „Hamburger Morgenpost“ im vergangenen Jahr um 17,2 Prozent eingebrochen. Seit 2016 sogar um 27,4 Prozent. Gut möglich also, dass im Verlag tatsächlich Weltuntergangsstimmung herrscht, auch wenn der Asteroid nur ein Werbegag ist.

Nachtrag, 16:02 Uhr: Bei „DWDL“ berichtet Alexander Krei, dass neben der „Hamburger Morgenpost“ auch der „Express“, die „tz“ und der „Berliner Kurier“ ihre Titelseiten für die Sky-Anzeige (optisch jeweils abgeändert) hergegeben haben.

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Tatort-Grabscher zieht Klage zurück, Presserecht als Waffe, Opernfreund

1. Ex-„Tatort“-Koordinator Henke zieht Klage gegen Charlotte Roche zurück
(spiegel.de, Laura Backes & Ann-Katrin Müller)
Es liest sich schon recht erbärmlich, was der „Spiegel“ berichtet: Sechs Frauen hatten dem langjährigen „Tatort“-Koordinator und früheren WDR-Filmchef Gebhard Henke vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Nachdem Henke sich mit dem WDR über sein Ausscheiden verständigt hatte, verklagte er den „Spiegel“ sowie Charlotte Roche und versuchte, die Zeuginnen und die Journalistinnen zu diskreditieren. Besonders heftig und persönlich waren die Attacken gegen Roche, deren Glaubwürdigkeit er anzweifelte und als „sündenstolze Lügnerin“ bezeichnete. Nun haben sieben weitere Frauen unter Nennung ihrer Namen Vorwürfe gegen Gebhard Henke erhoben. Wieder sei es um anzügliche Bemerkungen, um Po-Grapscher in aller Öffentlichkeit, um Hände auf dem Oberschenkel und um ungewollte Küsse gegangen. Das Resultat: „Keine 24 Stunden vor der Verhandlung zog Henke seine Klage dann zurück. Charlotte Roche darf also weiter sagen, von Gebhard Henke am Po begrapscht worden zu sein.“

2. Presserecht als Waffe
(kontextwochenzeitung.de, Markus Köhler)
Der Jurist Markus Köhler hat die „Kontext Wochenzeitung“ erfolgreich in dem Verfahren vertreten, das „Kontext“ vor dem Landgericht Mannheim und dem Oberlandesgericht Karlsruhe gegen einen rechtsradikalen Mitarbeiter zweier AfD-Abgeordneter führte. In einem Gastbeitrag schreibt Köhler über das „Presserecht als Waffe“ und erläutert die Motive, die aus seiner Sicht hinter den Attacken stecken. Sein Resümee: „Mit dem Rechtsstaat ist es wie mit der Demokratie: Beide sind durch das als Waffe eingesetzte Presserecht verletzlich und müssen tagtäglich geschützt werden.“
Weiterer Lesehinweis: Ebenfalls bei „Kontext“ bewertet Ex-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin das Verfahren: Keine Macht dem Ungeist.

3. Schluss mit der Featureritis, her mit den Fakten!
(journalist-magazin.de, Florian Harms)
Im Medienmagazin „journalist“ gibt es einen weiteren Teil aus der Serie „Mein Blick auf den Journalismus“, in der prominente Mediengrößen über besseren Journalismus nachdenken. Diesmal hat Florian Harms, Chefredakteur von t-online.de, sieben Anregungen formuliert, wie eine Redaktion zum „Leuchtturm in der Informationsflut“ werden kann.

4. Das „absolute Unverständnis“ des Axel Voss
(golem.de, Friedhelm Greis)
Der CDU-Politiker Axel Voss ist Berichterstatter des Europaparlaments bei der Urheberrechtsreform, eine verantwortungsvolle Aufgabe, bei der man eigentlich Kompetenz erwartet. Diese scheint jedoch nicht sonderlich ausgeprägt, wenn man sich die teilweise widersprüchlichen, teilweise falschen Äußerungen von Voss näher anschaut. Auch Friedhelm Greis kritisiert den Nicht-Experten: Obwohl dieser seit anderthalb Jahren über die EU-Urheberrechtsreform verhandele, habe er noch immer zentrale Punkte in der Debatte nicht verstanden. Greis fragt sich ratlos: „Wie soll das EU-Parlament auf Basis seiner Erläuterungen eine Entscheidung zu Leistungsschutzrecht und Uploadfiltern treffen?“

5. Storytelling: „Der Datenjournalismus ist im Alltag angekommen“
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Der „Fachjournalist“ hat sich mit einem Fachmann für Datenjournalismus unterhalten: Sascha Venohr, dem „Head of Data Journalism“ bei „Zeit Online“: Was macht den Datenjournalismus aus? Hat dieser bereits seinen Zenit überschritten? Und was empfiehlt Venohr Nachwuchsjournalisten jedweden Ressorts?

6. In eigener Sache
(deropernfreund.de)
„Der Opernfreund“ ist die nach eigenen Angaben älteste deutsche private Opernzeitung und erscheint nun bereits im 51. Jahrgang. Die Website zählt vermutlich zu den meistgelesenen Opernwebsites im deutschsprachigen Europa. Das Besondere: Hier berichten begeisterte Opernliebhaber ohne finanzielles Interesse von ihren Opernbesuchen. Naturgemäß fällt manche Kritik negativ aus, und dann erweist sich, ob die Gegenseite damit gut umgehen kann. Im Fall des Intendanten des Staatstheaters Wiesbaden wohl weniger gut: Dieser habe mitgeteilt, dass es ab sofort keine Pressekarten für den „Opernfreund“ geben würde. Pech für ihn, dass der Rezensent die Karten eh im Vorverkauf erwirbt.

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Bild.de berichtet über positiven HIV-Test eines Pornodarstellers

Ein spanischer Pornodarsteller soll positiv auf HIV getestet worden sein, was in der Branche, in der der Mann tätig ist, natürlich für größere Unruhe sorgt. Von einem spanischen Onlineportal auf das angebliche Testergebnis angesprochen, sagte er:

„Ich weiß nicht woher ihr die Info habt, aber sie ist geschmacklos. Ich werde dazu nichts sagen, danke.“

Dieses Zitat bringt auch Bild.de heute in einem Artikel. Und dazu den Künstlernamen des Mannes sowie Fotos, die ihn unverpixelt zeigen. Eines davon aktuell auch auf der Startseite:

Screenshot Bild.de - Darsteller HIV-positiv getestet - Europaweiter Produktionsstopp von Sex-Filmen
(Die Unkenntlichmachung der Gesichter durch uns, die der Brüste durch Bild.de)

Ein positiver HIV-Test ist Privatsache, auch bei Pornodarstellern. Sicher müssen in einem solchen Fall Maßnahmen ergriffen werden, aber dazu gehören keine Berichte auf Boulevardstartseiten. Es ist auch nicht so, dass nun Pornodarstellerinnen gewarnt oder frühere Drehpartnerinnen aufgeklärt werden müssten — das ist bereits passiert. Die spanischen Behörden sollen Bescheid wissen und das übliche Prozedere in Gang gesetzt haben: alle Sexualpartnerinnen aus der jüngsten Zeit informieren und ihnen Termine für HIV-Tests vermitteln.

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Eins, zwei, Polizei

Vergangene Woche legte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) dem Innenausschuss des Landtags in Düsseldorf einen Bericht vor. Darin enthalten: Jede Menge Statistiken zum Tagesordnungspunkt „Kriminalitätsentwicklungen im Hambacher Forst“. In dem Rest-Wald am rheinischen Braunkohle-Revier gehe es wild zu, so der Innenminister.

Allein im Zeitraum vom 03.10.2018 bis zum 28.01.2019 führte [die Polizei] über 1.500 Einsätze im Hambacher Forst sowie in den daran angrenzenden Ortschaften durch.

… heißt es in dem Bericht etwa. Und weiter:

Für den Auswertezeitraum 01.01.2015 bis 31.12.2018 wurden im Kriminalpolizeilichen Meldedienst – Politisch motivierte Kriminalität mit Bezug zum Hambacher Forst insgesamt 1.674 Straftaten erfasst.

Diese Zahlen sind natürlich beeindruckend und beunruhigend. Entsprechend machten sie auch die mediale Runde.

Nur: Diese Zahlen sind auch mindestens irreführend. Anett Selle ist Reuls Bericht für die „taz“ durchgegangen und hat dabei festgestellt: Zu „polizeilichen Einsätzen für diese außergewöhnliche Lage“ zählt der Innenminister etwa auch normale Streifenfahrten und Verkehrsunfälle. Selle kommt auf 56 bis 79 Einsätze (wohlgemerkt: 56 bis 79 von 1500), die in einem direkten Zusammenhang mit der Besetzung des Hambacher Forsts stehen.

Und weiter:

Bei den „1.674 Straftaten“ zwischen 2015 und 2018 ist es nicht viel besser. Zunächst zeigt die Tabelle keine Straftaten, wie Reul wörtlich behauptet, sondern den Verdacht auf Straftaten. Die Tabelle zeigt, wie viel und was in vier Jahren angezeigt wurde — aber eine Anzeige macht noch keine Straftat. Auch, dass von 1.674 Strafanzeigen in vier Jahren mehr als ein Drittel wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz erfolgten, und davon 90 Prozent im Jahr 2015, kann nicht als Beleg für die von Reul behauptete zunehmende Kriminalität dienen.

Die Gleichsetzung von Strafanzeigen und Straftaten ist unter Innenpolitikern recht beliebt und wird von Journalistinnen und Journalisten oft (wahlweise wissentlich oder unwissentlich) übernommen.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schrieb zwar von „1700 Strafverfahren wegen politisch motivierter Taten“ und schränkte ein:

Wie viele Täter dann später tatsächlich verurteilt wurden, ist unklar.

Die Statistiken in dem Bericht hatte sich dort aber offenbar niemand genauer angeschaut:

Allein von Oktober 2018 bis Ende Januar 2019 gab es dem Bericht zufolge 1500 Polizeieinsätze im Hambacher Forst und den angrenzenden Ortschaften.

Die Online-Redaktion der „Welt“ übernahm von der dpa eine gewisse Skepsis, titelte aber auch:

Screenshot Welt.de - Brandsätze und Zwillenbeschuss - 1500 Polizeieinsätze im Hambacher Forst seit Oktober 2018

In einer späteren Fassung arbeitete die dpa die Unterschiede zwischen Strafverfahren und Verurteilungen deutlicher heraus, ließ Kritiker zu Wort kommen und verbreitete die Zahl von 1500 Polizeieinsätzen nicht mehr, wie Nachrichtenchef Froben Homburger auf Twitter dokumentierte.

Bild.de titelt indes immer noch fröhlich:

Screenshot Bild.de - Innerhalb von drei Jahren - 1700 Straftaten im Hambacher Forst

Mit Dank an @roxar90 für den Hinweis!

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Allzu freies Storytelling, Der ewige Hendricks, Vossianische Antonomasie

1. „Protagonistin erfunden“: SZ Magazin trennt sich von preisgekröntem Autor – Spiegel und Zeit überprüfen Artikel
(meedia.de, Marvin Schade)
Laut „Meedia“ hat das „SZ Magazin“ einen freien Autor und Kolumnisten beim allzu freien Storytelling erwischt. Eine Verlagssprecherin dazu: „Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat eine für den Druck vorgesehene Geschichte eines freien Journalisten nicht veröffentlicht, weil Redaktion und Dokumentation des Magazins feststellen mussten, dass eine die Geschichte tragende Person nicht existiert.“ Man werte dies als „groben Verstoß gegen die journalistischen Standards“ und habe die Zusammenarbeit mit dem Journalisten beendet. Der namentlich ungenannte Journalist hat auch für andere Medien gearbeitet. Dort würden nun alle bisherigen Texte des Autors geprüft.

2. Abtreibungsgegner Yannic Hendricks geht gegen BuzzFeed News in Berufung, weil wir seinen Namen nennen
(buzzfeed.com/de, Juliane Loeffler)
Der Abtreibungsgegner und notorische Ärzte-Anzeiger Yannic Hendricks hat Berufung gegen das Urteil in einem Rechtsstreit mit „BuzzFeed News Deutschland“ eingelegt. Das Düsseldorfer Landgericht hatte im Januar entschieden, dass „BuzzFeed“ den Namen von Yannic Hendricks öffentlich nennen durfte. Yannic Hendricks besteht jedoch anscheinend weiterhin darauf, dass sein Name (Yannic Hendricks) nicht genannt wird.

3. RTL-Gruppe macht Ex-Bild-Frau Tanit Koch zur n-tv-Chefin
(wuv.de, Petra Schwegler)
Tanit Koch leitete zusammen mit Julian Reichelt die „Bild“-Redaktion, bis sie vor einem Jahr plötzlich aus dem Unternehmen ausschied. Von einem verlorenen Machtkampf mit Reichelt war die Rede. Nun wechselt Koch ins RTL/Bertelsmann-Imperium und übernimmt beim Fernsehsender n-tv die Geschäftsführung. Ihre Kernaufgabe laut RTL-Pressemitteilung: „Aufbau einer gemeinsamen, journalistischen Redaktions-Einheit für n-tv, die RTL-News & Magazine sowie die Digital-Plattformen der Mediengruppe RTL unter ihrer Führung als Chefredakteurin“.

4. „Interpretationsspielraum“
(facebook.com, Christian Schilling)
So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein: Die Prozessberichterstattung über die Verurteilung einer Hambacher-Forst-Aktivistin weicht in erheblichem Umfang voneinander ab. Bei der „WAZ“ ist von übereinstimmenden Polizisten-Aussagen die Rede, die „taz“ spricht von offenkundig widersprüchlichen Aussagen. Sogar zum Ende der Gerichtsverhandlung gibt es verschiedene Beobachtungen: Bei der „WAZ“ grinst die Angeklagte nach dem Urteilsspruch, bei der „taz“ hatte sie Tränen in den Augen. Christian Schilling, dem das Ganze aufgefallen ist, kommentiert auf Facebook: „Wie unterschiedlich Ohren doch hören können!“

5. Wenn Journalisten von „starken Frauen“ sprechen
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell)
Wenn Journalisten im Zusammenhang mit der Berlinale von „starken Frauen“ sprechen, hört sich das für viele oberflächliche Zuhörer und Leser vielleicht nach einem freundlichen Lob an, doch Kolumnist Matthias Dell erkennt darin eine große Portion Ignoranz: „Das automatisierte Reden von der „starken Frau“ bezeichnet eine gewisse Denkfaulheit: Es gibt heute mehr Filme als vor 50 Jahren, in denen Frauen nicht nur Dekoration sind. Aber anstatt endlich über diesen Umstand hinwegzukommen und Frauen, das vermeintlich „schwache Geschlecht“, in den Filmen als das zu beschreiben, was sie wirklich sind, macht es sich die Kritik durchs scheinbare Lob einfach: Es geht um „starke Frauen“. Was übrigens auch schön zeigt, dass Frauen sich anstrengen, etwas Besonderes sein müssen, wenn sie das tun wollen, was Männer immer tun dürfen: Hauptrollen spielen.“

6. Complete List of Successfully Extracted VA
(vossanto.weltliteratur.net, Frank Fischer & Robert Jäschke)
Formulierungen wie „der Franz Beckenbauer der Philosophie“ werden in der Wissenschaft auch als „Vossianische Antonomasie“ bezeichnet („Teilweise kam die Figur der Vossianischen Antonomasie schon in der Antike vor. So nannte der Stoiker Panaitios von Rhodos Platon den „Homer der Philosophie“, der römische Kaiser Severus Alexander bezeichnete Vergil als den „Platon der Dichter““, Wikipedia). Die beiden Wissenschaftler Frank Fischer und Robert Jäschke haben in einem frisch veröffentlichten Paper beschrieben, wie sie Vossianische Antonomasie aus 20 Jahren „New York Times“ extrahierten: „Dabei haben wir viel über journalistische Pattern gelernt: Welche bekannten Leute werden benutzt, um unbekanntere Leute zu beschreiben.“ Auch für Nicht-Wissenschaftler ein bemerkenswertes Projekt, das unbedingt einen Besuch wert ist.

The „Bild“ is dark and full of errors

Milde „Game of Thrones“-Spoilerwarnung: Eigentlich wird nichts verraten, was man sich nicht schon denken könnte, wer aber absolut gar nichts über die neue Staffel wissen will, sollte lieber hier weiterlesen.

Eine Fan-Seite will nämlich herausgefunden haben, dass in der achten Staffel die Charaktere Tormund Giantsbane und Beric Dondarrion wieder dabei sein werden. Tormund und Beric — wer waren die noch mal, Bild.de?

Screenshot Bild.de

Tormund Giantsbane (Kristofer Hivju, 40) ist der wilde Anführer von dem fiktiven Kontinent Westeros

Äh … nee. Anführer von Westeros ist, wenn überhaupt, der König/die Königin auf dem „Eisernen Thron“, damit hat Tormund aber überhaupt nichts zu tun. Er kommt ursprünglich vom „Freien Volk“, und selbst bei denen war er nicht der Anführer, sondern ein Vertrauter des Anführers.

Und Beric?

Screenshot Bild.de

Beric ist das Oberhaupt des Hauses Dondarrion und genießt noch immer das Leben eines Ritters

Diesen Satz hat Bild.de aus dem „Game of Thrones“-Fan-Wiki geklaut, aber auch der ist nicht ganz richtig, denn Beric „genießt“ nicht „das Leben eines Ritters“, sondern haust mit seinen Kumpels in irgendwelchen Höhlen und verlassenen Häusern, betet einen mysteriösen Gott an und stirbt hin und wieder. Nicht gerade Fünf-Sterne-Ritter-Deluxe.

Und was ist mit den beiden passiert?

Beide waren zuletzt in der siebten Staffel zu sehen, als die Mauer vom Nachtkönig Daenerys zerstört wurde.

Uff. Okay. Also. Daenerys ist nicht der Nachtkönig und hat auch nicht die Mauer zerstört. Daenerys ist eine Frau und die Gegnerin des Nachtkönigs, sie wollte die Mauer nicht zerstören, sondern vor dem Nachtkönig beschützen.

Viel mehr kann man eigentlich nicht falsch machen, Bild.de hat es trotzdem geschafft:

Laut der Besetzungs-Liste der achten Staffel sollen auch Edmure Tully (gespielt von Tobias Menzies, 44) und Robin Arryn (gespielt von Lino Facioli, 18) aus der letzten Staffel wiederkehren.

Die beiden waren in der vergangenen Staffel gar nicht dabei, sondern zuletzt in der sechsten.

[Der Sender] HBO habe die Idee, drei Kinofilme nach dem Vorbild der „Herr der Ringe“-Reihe zu drehen, zwar abgelehnt, aber das Budget für die Staffel verdreifacht. Die einzelnen Episoden kosteten demnach 15 Millionen Dollar — und sind mit jeweils 60 Minuten auch entsprechend lang.

Das Budget wurde nicht verdreifacht. Die Episoden der neuen Staffel sollen zwar tatsächlich 15 Millionen Dollar kosten, bei den letzten beiden Staffeln kosteten sie aber auch schon 10 Millionen.

Freuen dürfen sich die Fans aber nicht nur auf bekannte Gesichter, sondern auch auf die erste Folge der neuen Staffel in Extra-Länge. Laut der Fan-Seite soll Episode 1 rund 60 Minuten lang sein.

Die Episoden der anderen Staffeln dauerten im Schnitt auch schon 55 Minuten, die letzten beiden Folgen von Staffel 7 sogar 70 und 80 Minuten.

Die achte (und letzte) Staffel von „Game of Thrones“ wird ab April 2019 im US-Fernsehen zu sehen sein.

Immerhin das haben sie richtig hinbekommen. Gut zwei Monate noch bis zur nächsten Staffel. Vielleicht schaffen es die Experten von Bild.de bis dahin ja auch, sich wenigstens mal anzugucken, worüber sie da schreiben.

Mit Dank an @FlDieckmann für den Hinweis!

Nachtrag, 21. Februar: Der Artikel wurde jetzt komplett überarbeitet und am Ende mit einem Hinweis versehen:

In einer früheren Version des Artikels wurden u.a. die Seriencharaktere der Schauspieler Kristofer Hivju und Richard Dormer fehlerhaft beschrieben. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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Mit Fehlern kennt Bild.de sich aus

Am kommenden Sonntag werden in Los Angeles die Oscars verliehen, und bei Bild.de sind sie schon ganz aufgeregt:

Was nur wenige wissen: Die Gewinner stehen bereits fest!

„Nur wenige“ — also all jene, die die Oscar-Vorberichterstattung von Bild.de in den Jahren 2018, 2014 und 2013 gelesen haben, in der jeweils stand, dass zwei bis drei Mitarbeiter der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers schon vorab die Gewinner kennen.

Die hatten auch Schuld an „DEM Oscar-Faux­pas im Jahr 2017“:

Damals händigten Brian Cullinan (59) und Martha Ruiz (46) einen falschen Umschlag aus und die Laudatoren Faye Dunaway und Warren Beatty verkündeten das erste Mal in der Oscar-Geschichte den falschen Gewinner. Und das auch noch in der Königs-Kategorie Bester Film! Für 23 Sekunden war damals „La La Land“ der Film des Jahres. Obwohl die Juroren für „Moonlight“ gestimmt hatten.

Das stimmt so nicht: Schon 1964 hatte der Sänger Sammy Davis Jr. einen falschen Gewinner verkündet. Als er den Preisträger der Kategorie „Beste adaptierte Musik“ nennen sollte, nannte er John Addison für „Tom Jones“, obwohl der in dieser Kategorie gar nicht nominiert war — sondern in der folgenden, „Beste Original-Musik“. Schuld war auch damals ein verwechselter Umschlag:

Und auch die Behauptung von Bild.de, „La La Land“ sei „für 23 Sekunden“ der Film des Jahres gewesen, ist falsch. Es waren quälende 2 Minuten und 23 Sekunden (im Video von Minute 1:54 bis 4:17), bis klar war, dass „Moonlight“ ausgezeichnet werden sollte:

Nachtrag, 21. Februar: Bild.de hat den Absatz unauffällig bereinigt:

Damals händigten Brian Cullinan (59) und Martha Ruiz (46) einen falschen Umschlag aus und die Laudatoren Faye Dunaway und Warren Beatty verkündeten den falschen Gewinner. Und das auch noch in der Königs-Kategorie Bester Film! Und so wurde „La La Land“ als Film des Jahres gekürt – obwohl die Juroren für „Moonlight“ gestimmt hatten.

Jetzt liest es sich halt so, als sei der Fehler damals gar nicht aufgefallen und nicht korrigiert worden …

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Bild  

Bei „Bild“ gibt’s mehr Nullen als die Polizei erlaubt

Screenshot eines Tweets der Bild-München-Redaktion - Laut Polizei München sind über 15.000 Demonstranten auf der Straße.

Ja, nur dass die Polizei München das etwas anders sieht:

Screenshot eines Tweets der Polizei München - Bei der Auftaktkundgebung waren es 1500. Derzeit sind es circa 3000.

Der zuständige Twitterer von „Bild München“ hatte allerdings direkt eine Erklärung für den Fehler parat:

Screenshot eines Tweets der Bild-München-Redaktion - Ein Null zu viel gedrückt am Smartphone

… und blöderweise auch den Tausenderpunkt nach „15“ und nicht nach „1“ gesetzt. Zufälle gibt’s.

Mit Dank an @Sp3cko für den Hinweis!

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Framing-Eigentor, „Digitaler Gangster“ Facebook, Artikel 13

1. Das Eigentor: Wie die ARD rechten Kritikern in die Karten spielte
(haz.de, Imre Grimm)
Dominierendes Thema in der Medien-Berichterstattung ist derzeit das Framing-Gutachten, das die Sprachforscherin Elisabeth Wehling für die ARD angefertigt hat. Imre Grimm kommentiert: „Die Empörung mag überdreht und bigott sein, doch für die ARD ist das „Framing Manual“ ein klassisches Eigentor. Sie wollte ihr Image verbessern — und hat das Gegenteil erreicht.“
Stefan Niggemeier nennt das Ganze auf „Übermedien“ „eine absurde Debatte um ein misslungenes Papier“. Die ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab spricht im „Deutschlandfunk“ von einen Denkanstoß für die interne Diskussion: „Es ist kein Geheimpapier, sondern es ist schlicht und ergreifend nicht für die Öffentlichkeit gedacht.“
Detlef Esslinger kritisiert in der „SZ“ die Kritiker, die in Zusammenhang mit dem Gutachten von „Umerziehung“ und „Neusprech“ sprechen: „Mehrere Autoren nutzen die Werkzeuge der Linguistik, um eine Linguistin zu diskreditieren, weil sie der ARD empfiehlt, sich mithilfe ihres Fachs gegen die Feinde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu wehren. Dies ist ebenso raffiniert wie infam.“
Mittlerweile hat die ARD laut „SZ“ auch die Kosten für das von ihr beauftragte „Framing Manual“ offengelegt: Die „Workshop-Unterlage“ (Ulrich Wilhelm, ARD-Vorsitzender) habe in Verbindung mit den veranstalteten Workshops 120.000 Euro gekostet.

2. „Wir überschätzen Desinformation in sozialen Medien maßlos“
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Der „Spiegel“ hat mit dem in Washington lehrenden Politikwissenschaftler und Geheimdienstexperten Thomas Rid über Geheimdienst-Operationen im Netz gesprochen. Sind staatlich gelenkte Desinformationskampagnen in sozialen Medien tatsächlich ernstzunehmende Angriffe auf unsere Demokratie, wie von manchen westlichen Politikern befürchtet? Rid ist gelassen: „Ich bin zumindest absolut sicher, dass wir Desinformation in sozialen Medien maßlos überschätzen. Gerade im Vergleich zu anderen Ansätzen wie dem Hacken von Politikern und der Veröffentlichung ihrer Daten und Dokumente, dem Hacken von Wahlinfrastruktur oder der Finanzierung von rechtsextremen Parteien.“
Weiterer Lesehinweis: Link 3, der zumindest in Großbritannien anderes befürchten lässt.

3. Massive Rechtsverstöße
(deutschlandfunk.de, Tobias Armbrüster & Mirjam Kid, Audio: 5:38 Minuten)
Welche Rolle spielte Facebook bei Desinformationskampagnen und Wahlbeeinflussung in Großbritannien, und welche Auswirkungen hatten diese beispielsweise auf das Brexit-Referendum? Britische Parlamentarier haben sich mit den Praktiken von Facebook beschäftigt und einen dramatischen Abschlussbericht vorgelegt: Das Unternehmen habe vorsätzlich und wissentlich gegen Datenschutz- und Wettbewerbsrecht verstoßen. Originalzitat: „Unternehmen wie Facebook, die sich selbst vor und über dem Gesetz sehen, sollte es nicht erlaubt werden, sich wie ‚digitale Gangster‘ in der Online-Welt aufzuführen“.

4. Uploadfilter waren gestern
(internet-law.de, Thomas Stadler)
IT-Anwalt Thomas Stadler hat sich den umstrittenen Artikel 13 der Richtlinie über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt näher angeschaut. Die neue Sprachregelung erfordere nicht nur die Einführung der viel diskutierten Uploadfilter, sondern verpflichte Plattformbetreiber, beim Rechteinhaber eine Lizenz zu erwerben: „Anbieter von User-Generated-Content Plattformen wie YouTube, nach meiner Einschätzung aber auch soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Twitter, werden damit also so behandelt, als würden sie die urheberrechtlichen Nutzungshandlungen ihrer User selbst vornehmen, weshalb sie auch originär dafür verantwortlich wären, sich selbst beim Rechteinhaber eine urheberrechtliche Gestattung (Lizenz) zu besorgen.“

5. TÜV für Glaubwürdigkeit?
(sueddeutsche.de, Jakob Maurer)
Das amerikanische Start-Up „NewsGuard“ beurteilt die Glaubwürdigkeit und Transparenz von Online-Medien. Ein Ampelsystem soll dem Nutzer im Browser die Vertrauenswürdigkeit von bislang 4500 englischsprachigen Nachrichtenseiten anzeigen. Finanzieren will man sich über die Plattformen und Suchmaschinen, die das Tool in ihr Interface aufnehmen. Mit Microsoft habe man sich bereits zu einer Kooperation verabredet: „NewsGuard“ soll Teil des auf Windows-System vorinstallierten Webbrowsers Edge werden. Ob das Ganze zielführend ist, wird kontrovers diskutiert. So ist der Mainzer Kommunikationswissenschaftler Philipp Müller skeptisch und sieht die Gefahr, dass „der Schuss nach hinten losgehen kann“.

6. Lührssen will Spitzenkandidat der Bürger in Wut werden
(weser-kurier.de, Kornelia Hattermann)
Nachdem der Fernsehjournalist Hinrich Lührssen damit gescheitert ist, sich als Spitzenkandidat der Bremer AfD aufstellen zu lassen, hat er die Partei verlassen. Lührssen will nun Karriere bei einer anderen Partei machen, den — Achtung, Realsatire — „Bürgern in Wut“.

Die differenzierte Abschiebe-Debatte in „Bild“ – wenn es um Deutsche geht

Bei kaum einem Thema ist die „Bild“-Redaktion so leidenschaftlich wie bei der Abschiebung von Gefährdern, Terrorverdächtigen und Terroristen aus Deutschland in deren jeweilige Herkunftsländer. Wobei, genauer: Vor allem bei Problemen bei diesen Abschiebungen wird sie richtig energisch.

Ausriss Bild-Titelseite - Warum darf so einer bleiben? Schiebt den Bin-Laden-Leibwächter jetzt endlich ab
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)

… allerdings, das nur am Rande, ist nie endgültig bewiesen worden, dass Sami A. tatsächlich Leibwächter von Osama bin Laden war.

Oder bei diesen Fällen:

Ausriss Bild-Titelseite - Nach Bin Ladens Leibwächter der nächste Abschiebe-Skandal um einen Terroristen - Und wir werden sie einfach nicht los

Screenshot Bild.de - Neuer Abschiebe-Skandal - Auch dieser Gefährder genießt Schutzstatus

Ihn haben die Behörden als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung eingestuft — und dennoch darf er bei uns bleiben. Ein neuer Abschiebe-Skandal, der wütend macht! (…)

Der Vorwurf gegen ihn: Er soll ISIS-Mitglied sein.

Screenshot Bild.de - Obwohl sie ausreisepflichtig sind - NRW kann 16 Dschihadisten nicht abschieben
Ausriss Bild-Zeitung - Und diese Gefährder sind immer noch hier!

Es müssen aber gar nicht unbedingt Gefährder oder (mögliche) Terroristen sein — es reichen kriminelle Ausländer. Klappen deren Abschiebungen aus Deutschland nicht, wird die „Bild“-Redaktion sogar zur Aktivisten-Truppe:

Screenshot Bild.de - Unterschreiben sie hier die Bild-Petition - Merkel soll Abschiebung zur Chefsache machen! Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, erklären Sie Abschiebungen von ausreisepflichtigen Kriminellen jetzt zur Chefsache

Eines der wichtigsten Probleme sind die Abschiebungen von ausreisepflichtigen Kriminellen. Das Problem: Jedes Bundesland handhabt die Abschiebung unterschiedlich – während einige Länder die Lage im Griff haben, scheinen andere überfordert.

Deshalb fordert BILD: Das muss Chefsache im Kanzleramt werden!

Wenn Sie das auch wollen: Schreiben Sie eine E-Mail an BILD ([email protected]) mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse.

BILD wird Ihre Botschaften im Kanzleramt überreichen. Und Druck machen.

… was ja übersetzt so viel heißt wie: Schiebt die endlich ab!

Wenn dieses Vorhaben dann an den Herkunftsländern scheitert, weil diese nicht wollen oder die Vorgänge verzögern, sind sie bei „Bild“ genervt, beleidigt oder sauer:

Screenshot Bild.de - Innere Unsicherheit - Kein Pass, keine Abschiebung

Bis zu 1000 deutsche Bundeswehr-Soldaten sind in Mali stationiert.

Sie helfen wie selbstverständlich, das afrikanische Land zu sichern. Will Deutschland aber Asylbewerber in ihre malinesische Heimat abschieben, stellt sich das Land quer, dauert eine Abschiebung Monate!

(Nur nebenbei: Es heißt „malische Heimat“.)

Ein anderer Fall:

Ausriss Bild-Zeitung - Der Asylantrag von Mortaza D. wurde bereits 2010 abgelehnt - Afghanistan schickt Verbrecher zurück nach Deutshcland

Einmal Kabul — und zurück!

Afghanistan hat einen Straftäter, der aus Deutschland abgeschoben wurde, wieder zurückgeschickt.

Screenshot Bild.de - Kommentar - Afghanistan und Abschiebungen

Es mag eine Ausnahme sein, dass Afghanistan einen Verbrecher nach Deutschland zurückschickt, der schon nach Kabul abgeschoben worden ist.

Keine Ausnahme ist, dass sich das Land am Hindukusch regelmäßig bei Abschiebungen querstellt.

Nun sitzen derzeit in Nord-Syrien und im Irak mehrere Dutzend Deutsche, die sich einst dem sogenannten „Islamischen Staat“ angeschlossen haben, in Gefängnissen. Und bei Bild.de ist es plötzlich nicht mehr so glasklar, dass ein Herkunftsland Terroristen oder Terrorverdächtige oder Gefährder oder kriminelle Ausländer zurücknehmen muss. Stattdessen soll erstmal diskutiert werden:

Screenshot Bild.de - Zurückholen oder dort lassen? Was tun mit deutschen ISIS-Mitgliedern?

Die „Bild“-Leserinnen und -Leser, die bei Facebook jede abgebrochene Abschiebung aus Deutschland mit „Raus mit denen“ oder „Ab in den nächsten Flieger“ kommentieren, sehen die Sache auf einmal auch etwas anders: Die Umfrage am Ende des Bild.de-Artikels „Sollen wir die deutschen ISIS-Mitglieder zurückholen?“ beantworten über 70 Prozent mit: „Nein, sie dürften unter keinen Umständen zurück“.

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BILDblog-Klassiker

Hund-zu-Hund-Propaganda

Christine hat einen Hund, den Boris. Und Boris hat ihr Leben verändert. Wie genau, das hat sie vor ein paar Wochen in ihrem Blog erzählt. Ihre Liste umfasst neun Dinge.

Punkt 1: Die gute Laune am Morgen.

Normalerweise ist Christine eher so der Morgenmuffel-Typ. Doch:

Seit ich Boris habe, beginnt mein Tag folgendermaßen: Sobald ich mich bewege, höre ich ein Klopfen auf dem Fußboden, dass ist Boris Schwanz, der wedelt und gegen den Boden knallt. Wenn ich dann meinen Fuß aus dem Bett strecke, kommt er angesaust und leckt ihn von oben bis unten ab und dann, wenn ich aufstehe, wird erst einmal eine Runde gekuschelt und danach, das könnt ihr mir glauben, hat jeder Morgenmuffel gute Laune.

Und damit kommen wir zu Doris.

Doris hat auch einen Hund, die Ronja. Und Ronja hat ihr Leben verändert. Wie genau, das hat sie vor ein paar Tagen bei der „Huffington Post“ erzählt. Ihre Liste umfasst neun Dinge.

Punkt 1: Die gute Laune am Morgen.

Normalerweise ist Doris eher so der Morgenmuffel-Typ. Doch:

Seit [Ronja] da ist beginnt mein Tag folgendermaßen: Sobald ich mich bewege, höre ich ein Tapsen auf dem Laminat, dann ein Schütteln und das Klappern des Halsbandes. Nicht mal zwei Sekunden später leckt mir jemand so gefühlvoll die Zehen, dass es nicht anders geht als gut gelaunt und mit einem Schmunzeln aus dem Bett zu steigen.

Sie sehen: Christine und Doris haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Sehr ähnliche sogar.

Punkt 2 bei Christine lautet: „Alles dauert länger“.
Punkt 2 bei Doris lautet: „Alles dauert länger“.

Punkt 3 bei Christine lautet: „Menschen kennenlernen“.
Punkt 3 bei Doris lautet: „Menschen kennenlernen“.

Punkt 4 bei Christine lautet: „Angst haben“.
Punkt 4 bei Doris — Sie können es sich denken.

Auch die Punkte 5 bis 9 gleichen sich aufs Wort. Und die dazugehörigen Texte klingen ebenfalls verblüffend ähnlich.

Ist Christine also in Wirklichkeit auch Doris? Hat die Bloggerin ihre Liste einmal in ihrem Blog und dann — unter Pseudonym — nochmal bei der „Huffington Post“ veröffentlicht?

Nein. Der Artikel bei der „Huffington Post“ ist ein Plagiat. Die Autorin hat ihn Punkt für Punkt beim Blog „Lilies Diary“ abgekupfert.

Nachdem die Sache aufgeflogen war, löschte die „Huffington Post“ den Text umgehend.

„HuffPo“-Chefredakteur Sebastian Matthes sagte uns auf Anfrage, es sei seines Wissens nach das erste Mal, dass ein Artikel woanders abgekupfert wurde. Die Redaktion habe den Text sofort gelöscht, die Autorin ermahnt und sich mit der ursprünglichen Verfasserin in Verbindung gesetzt. „So etwas darf nicht passieren“, sagt Matthes. „Wir wollen auf unserer Seite keine Plagiate haben.“

Inzwischen verlinkt das Portal nur noch den Original-Text.

Nazi-Skandal Reloaded

Vor knapp acht Jahren erschütterte ein Skandal die „Junge Union“ — und die „Bild“-Zeitung.

Mitten im Machtkampf der CDU platzt jetzt eine weitere Bombe! Mindestens drei CDU-Mitglieder sollen in einen Hakenkreuz-Skandal verwickelt sein. Jetzt tauchte ein geheimes Videoband bei der CDU-Zentrale im Abgeordnetenhaus auf. (…)

Der Film zeigt die CDU-Mitglieder während einer Fahrt vor zwei Jahren: Sie haben ihre Oberkörper mit Hakenkreuzen beschmiert, schreien wüste Nazi-Parolen!

Das mit den beschmierten Oberkörpern ist, wie wir schon damals festgestellt haben, völliger Quatsch. „Bild“ hatte das Video vor der Veröffentlichung des Artikels gar nicht gesehen.

Dummen Nazi-Mist gibt es in dem Video, das 2005 auf einer Reise der „Schüler Union“ in Riga entstanden ist, aber tatsächlich: Es zeigt mehrere junge, sichtlich alkoholisierte Männer, die sich zum Zeitvertreib wie in einer Talk-Show Fragen stellen. Irgendwann hält einer der Anwesenden kurz einen Sticker mit Hakenkreuz-Motiv vors Objektiv, den er an einem Rigaer Souvenirstand erworben hat; ein anderer findet es sichtlich lustig, mit rechten Parolen wie der Bekämpfung „des jüdischen Bolschewismus“ zu provozieren.

2008 wurde das Video dann der Berliner CDU zugespielt, kurz darauf berichteten „Bild“ und andere Medien (etwa der „Tagesspiegel“), es gab große Aufregung — und Konsequenzen: Die beteiligten Nachwuchspolitiker legten ihre Ämter nieder, traten aus der Partei aus, einer erstattete Selbstanzeige und bekam eine zweijährige Ämtersperre. Ihre politische Karriere war vorerst hinüber, vom öffentlichen Ansehen ganz zu schweigen.

Damit war das Thema erledigt, die Politiker hatten ihre Strafe bekommen.

Und wenn Sie sich fragen, warum wir heute, elf Jahre nach der Entstehung des Videos und acht Jahre nach der Berichterstattung darüber, plötzlich wieder damit ankommen — nun ja:

Das ist die „B.Z.“ von heute. Der Skandal ist der von damals.

Von mit Hakenkreuzen beschmierten Oberkörpern ist immerhin nichts mehr zu lesen, denn diesmal haben die Springer-Leute sich das Video sogar angeschaut, bevor sie darüber geschrieben haben, was im Grunde auch die einzige Neuigkeit ist.

Aber weil die beteiligten JU-Mitglieder inzwischen wieder in der Partei aktiv sind, haut die „B.Z.“ ihnen den Skandal einfach noch mal um die Ohren.

Das Blatt erwähnt zwar, dass die Sache elf Jahre her ist (die Männer kommen auch alle zu Wort und erklären, dass sie diesen „sehr, sehr dummen Fehler“ immer noch „zutiefst bereuen“), doch es klingt alles so, als käme die Sache erst jetzt an die Öffentlichkeit:

Sie sind in jungen Jahren schon weit gekommen: (…). Jetzt holt die drei Freunde mit CDU-Parteibuch die Vergangenheit des Jahres 2005 ein: ein Video von einer Reise der Schüler-Union nach Riga.

Jetzt ist ein Video aufgetaucht, das drei Unions-Fraktionäre bei einer Partei-Reise 2005 nach Riga zeigt: Hakenkreuze, Nazi-Parolen, Hass.

Das Video, das der B.Z. exklusiv vorliegt, kennen bislang nur führende CDU-Funktionäre.

Schwupps — Skandal wieder da.


(„Focus Online“)


(„Huffington Post“)


(berliner-zeitung.de)


(stern.de)


(news.de)


(mz-web.de)


(oe24.at)

Auch die „Bild“-Zeitung berichtet wieder:

Dass sie schon vor acht Jahren darüber geschrieben hat und damals noch von beschmierten Oberkörpern die Rede war, erwähnt die Redaktion — Überraschung: nicht.

Mit Dank an Matthias M.

Let’s Rundfunklizenz, Reise-Schönfärber, AfD-Talkshow-Zwist

1. Das ist keine Formalie
(faz.net, Axel Weidemann)
Die Landesmedienanstalt NRW hat die „Let’s Player“ von „Piet Smiet“ aufgefordert, eine Rundfunklizenz zu beantragen. Live-Streams mit bestimmten Kriterien (u.a. mehr als 500 Zuschauer, Regelmäßigkeit der Ausstrahlung) würden als Rundfunkangebot gelten, für das eine Lizenz zu beantragen sei. Der Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt, was für Konsequenzen der Vorstoß der Medienanstalt hat und ob das Medienrecht angepasst werden muss.

2. Streit um Compact auf der Leipziger Buchmesse
(blog.zeit.de, Paul Hildebrand)
„Für das Wort und die Freiheit – #FreeTheWords“, hieß es auf der Leipziger Buchmesse, doch zumindest bei einer Präsentation des rechtspopulistischen „Compact“-Magazins war es damit nicht weit her: Mehrfach sollen Journalisten bedrängt und eingeschüchtert worden sein.

3. Selbst die Natur bleibt von der Schönfärberei nicht verschont
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Sieben Jahre lang war Silke Burmester für die „taz“ als „Kolumnen-Kriegsreporterin“ unterwegs. Nun ist sie zurück mit ihrer Medienkolumne: beim Deutschlandfunk. Diesmal erzählt sie, warum man viele Reiseartikel nicht „journalistisch“ nennen kann und was Leser dagegen tun könnten: „Viele Reisemagazine und Reiseseiten haben den Anspruch „Journalismus“ verwirkt. Es wäre jetzt an Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, für einen Wandel zu sorgen. Machen Sie klar, dass Sie solche Medien nicht wollen. Verweigern Sie den Kauf. Oder gehen Sie den Chefredakteuren gehörig auf die Nerven.“

4. Jörg Meuthen, die AfD und die Talkshows
(ndr.de, Anja Reschke, Video, 1:27 Minuten)
AfD-Parteichef Jörg Meuthen will mit seiner Partei öfter in den Talkshows von ARD und ZDF vorkommen. Gleichzeitig hält er das bezahlte, öffentlich-rechtliche Rundfunkwesen für entbehrlich und fordert die Abschaffung aller Gebühren dafür. Anja Reschke vom NDR-Magazin „Zapp“ sieht darin einen Widerspruch, den sie ironisch-süffisant kommentiert. Gänzlich anderer Meinung ist Stefan Niggemeier auf „Übermedien“ und antwortet mit einem herzhaften „Was für ein Unsinn!“

5. „Focus“ streicht weitere Stellen
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon berichtet in der Medienkolumne von den drastisch bis dramatischen Sparmaßnahmen beim „Focus“. Ob das Ganze sinnvoll sei beziehungsweise etwas bewirke, müsse angezweifelt werden: „Vielleicht wäre es ehrlicher, „Focus“ den finalen Todesschuss zu geben, anstatt Jahr für Jahr wahlweise das Konzept zu ändern, den Chefredakteur auszuwechseln, die Redaktion zu verkleinern und dabei jedes Mal so zu tun, als werde nun alles gut.“

6. In der Synchronisationshölle
(tagesspiegel.de, Jan Freitag)
Jan Freitag rechnet im „Tagesspiegel“ mit schlecht synchronisierten Filmen ab: „Für die Illusion lippensynchroner Verständlichkeit wird fast jeder fremdsprachige Dialog ins Stahlbad teutonischer Emphase getaucht. Während sich Skandinaviern das Wesen des Originals untertitelt erschließen darf, bügelt Deutschland vom Filmklassiker über BBC-Dokus bis zur Netflix-Serie alles glatt. Der Beelzebub zweidimensionaler Unterhaltung, er heißt Synchronisation.“

Moscheereport, Mafiamethoden, FBI-Chef-Enttarnung

1. Gesicht der Misstrauenskultur
(taz.de, Daniel Bax)
Der Grimme-Preis-ausgezeichnete Journalist Constantin Schreiber hat Moscheen besucht und über seine Beobachtungen ein Buch verfasst („Inside Islam“) und für die „ARD“ den Mehrteiler „Moscheereport“ produziert. „taz“-Redakteur Daniel Bax wirft Schreiber fehlende Sorgfalt und fehlende Sachkenntnis vor: „Leider nähert sich Schreiber dem Thema aber wie ein Ethnologe aus der Kolonialzeit, der einem vermeintlich wilden und gefährlichen Indianerstamm nachspürt, was sich schon am Buchcover im Lawrence-von-Arabien-Stil zeigt. Und leider unterlaufen ihm ein paar peinliche Schnitzer.“
Schreibers Moscheereport wurde auch von anderer Seite kritisiert. Der „Tagesspiegel“ veröffentlich einen offenen Brief der Freiburger Islamwissenschaftlerin Johanna Pink an die zuständigen ARD-Chefredakteure.
Nachtrag: Daniel Bax ist Verfasser des Buchs „Angst ums Abendland“ und hat insofern zur ähnlichen Thematik publiziert.

2. Die 10 BESTEN Grafiken über Donald Trump aller Zeiten
(medium.com, Frederic Huwendiek)
„Der US-Präsident macht Datenvisualisierung great again“, findet Frederic Huwendiek und zeigt, was sich „New York Times“, „Washington Post“, „Quartz“, „Politico“, „BuzzFeed“ und Co. haben Kreatives einfallen lassen in Sachen Trump-Regentschaft.

3. Wie der FBI-Direktor auf Twitter enttarnt wurde
(zeit.de, Patrick Beuth)
FBI-Direktor James Comey sprach auf einer Veranstaltung von seinem persönlichen Umgang mit Social-Media. Da er „großen Wert“ auf seine „Privatsphäre und Sicherheit im Internet“ lege, hätte er auf Twitter und Instagram „geheime“ Pseudonym-Accounts. Patrick Beuth erzählt, wie die Geheimkonten des FBI-Direktors von einer Journalistin enttarnt wurden und wie lange das Ganze gedauert hat: Etwa vier Stunden.

4. Von der Mafia lernen heißt schweigen lernen
(faz.net, Andreas Rossmann)
„Jeder, der über die Mafia schreibt, tut das auf eigene Gefahr.“ So steht es in einem Beitrag von Petra Reski in der Wochenzeitung „Freitag“. Nun scheint eben dieser Satz die Autorin in mehrfacher Hinsicht einzuholen. Sie wurde verklagt und von ihrer Zeitung im Stich gelassen, wie „FAZ“-Autor Andreas Rossmann findet.

5. Klicken Sie hier, es lohnt sich!
(spiegel.de, Markus Böhm)
Wie aus dem Nichts erschien vor drei Jahren die Webseite „Heftig“, die in Deutschland als so etwas wie der Inbegriff des „Clickbait“ gilt. Aus einem Zweimannprojekt ist eine 70-Personen-Firma geworden, die mehrheitlich der Funke Mediengruppe gehört. Markus Böhm hat sich durchs „Heftig“-Universum geklickt, zu dem mittlerweile vier deutsche Schwesterseiten gehören.

6. Doppelmoderation bei Sat.1 Bayern
(uebermedien.de)
Auf „Übermedien“ hatte man beim Beitrag über den Schottland-Besuch der bayrischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ein Déjà-vu … Die Redaktion von „Sat.1 Bayern“ begründet den seltsamen Doppler-Effekt mit unterschiedlichen Lizenzvereinbarungen.

Alter schützt vor „Bild“-Geilheit nicht

Die Mitarbeiter von „Bild“ und Bild.de gucken sich gern Aufnahmen von jungen Mädchen an und zeigen sie dann rum. Sie betrachten die Fotos, bewerten das Aussehen der Minderjährigen und schreiben darüber. 15 Jahre alt? 16 Jahre alt? 17 Jahre alt? Diese Jugendlichen können doch auch schon „heiße Kurven“ haben und „Hotchen“ sein. Und manchmal haben auch schon Neunjährige einen Schlafzimmerblick, wenn die „Bild“-Redaktion das findet.

Besonders ausgeprägt ist derzeit die Leidenschaft der „Bild“- und Bild.de-Mitarbeiter für Kaia Gerber. Die Tochter von Cindy Crawford ist aktuell 16 Jahre alt. Schon im Januar 2012 schrieb Bild.de über ihre „Rehaugen und die brünetten Locken“. Kaia Gerber war damals zehn. Mit 13 Jahren war sie für die Bild.de bereits:

Screenshot Bild.de - Crawford-Tochter Kaia Gerber (13) - So wunderwunderschön wie Mama!

„Im zarten Alter von gerade einmal 14 Jahren“ war Kaia dann reif für das „Bild“-Prädikat „hot“. Oder in der etwas niedlicheren Variante und zusammen mit ihrer Mutter:

Screenshot Bild.de - Cindy Crawford und Tochter Kaia - Das doppelte Hotchen

In den dazugehörigen Artikel hat Bild.de solche Sätze über das „unverschämt gute Aussehen“ des Teenagers geschrieben:

Dunkle Walla-Walla-Mähne, mandelbraune Augen, sinnliche Lippen und Beine bis zum Himmel! Ihr unverschämt gutes Aussehen hat der 14-jährige Teenie definitiv von Model-Mama Cindy geerbt.

Im Februar dieses Jahres schmachtete das Bild.de-Team erneut die „Beine bis zum Himmel“ der damals 15-Jährigen an. Anfang September vermeldete die Redaktion, dass Gerbers Beine 87 Zentimeter lang seien. Und vor zwei Tagen ging es mal wieder — oh Wunder — um die Beine der inzwischen 16-Jährigen:

Screenshot Bild.de - Crawford-Tochter Kaia Gerber (16) - Gehen zwei Streichhölzer bummeln

Die Leidenschaft für die „sinnlichen Lippen“, die „Beine bis zum Himmel“ und die „Rehaugen“ von Kaia Gerber teilen die „Bild“-Mitarbeiter übrigens mit ihren „Springer“-Kollegen von der „B.Z.“.

Kaia Gerber ist nicht die einzige Minderjährige, die die „Bild“-Medien sexualisiert. Im Januar dieses Jahres zeigte Bild.de ein Foto von „Beach-Babe“ Sasha Obama und schrieb über deren „heiße Kurven“ im Strandoutfit. Die Tochter von Barack Obama war zu der Zeit 15 Jahre alt. Vergangenes Jahr im Juli war Lionel Richies Tochter Sofia dran. Auch der damals 17-Jährigen attestierte Bild.de „heiße Kurven“:

Screenshot Bild.de - Lionel Richies Tochter Sofia (17) - Achtung, gefährlich heiße Kurven!

Endgültig irre wurde es vorgestern bei „Bild“. Auf der letzten Seite, beim „HINGUCKER des Tages“ schrieb das Blatt über Elvis-Tochter Lisa Marie Presley:

Mit ihr schauten ihre Tochter Riley (28) sowie ihre Zwillinge Harper und Finley (9) mit typischem Presley-Schlafzimmerblick in die Kameras.

Zwei Neunjährige mit „Schlafzimmerblick“?

Vielleicht ist das alles aber auch nur Gleichberechtigung: Warum sollten neun-, 15- oder 17-jährige Mädchen von der „Bild“-Redaktion nicht genauso auf ihr Äußeres reduziert werden wie erwachsene Frauen?

Mit Dank an Matthias L. für den Hinweis!