1. Nius-Leak: Wie Julian Reichelt Abonnenten gewinnt
(correctiv.org, Dominik Lenze & Jean Peters & Lilith Wittmann & Carli Bess Kutschera)
Ein Datenleak nach einem Cyberangriff gewähre seltene Einblicke in das Geschäftsmodell des rechten Krawallportals von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt. Wie eine Auswertung interner Abozahlen zeige, gewinne “Nius” zahlende Kundschaft vor allem dann, wenn eigene Kampagnen und scharfe Kontroversen gefahren werden. Die geleakten Bearbeitungsverläufe von “Nius”-Artikeln würden zudem belegen, wie die Talkshow-Aussagen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther nachträglich sinnentstellend gekürzt worden seien.
2. DJV kritisiert Siegmunds Drohung gegen Köster und das ZDF
(dwdl.de, Alexander Krei)
Auf den Fluren des Magdeburger Landtags habe AfD-Politiker Ulrich Siegmund dem “heute-show”-Reporter Fabian Köster nahegelegt, sich bald einen neuen Job zu suchen, und mit einer Kündigung des Medienstaatsvertrags gedroht. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verurteile den Vorfall als “pure Einschüchterung” und Grenzüberschreitung. Besorgt zeige sich der DJV zudem darüber, dass Köster im Anschluss von einem Team des AfD-nahen Portals “Deutschland-Kurier” durch das Parlamentsgebäude verfolgt worden sein soll.
3. Betreff: gelöscht
(taz.de, Robert Matthies)
Nach Kritik von Fachverbänden habe Niedersachsens rot-grüne Landesregierung die Reform des Archivgesetzes von 1993 vorerst auf Eis gelegt. Der Entwurf der Staatskanzlei habe vorgesehen, dass behördliche E-Mails, SMS und Messenger-Chats künftig nicht mehr verpflichtend dem Landesarchiv zur Übernahme angeboten werden müssen, wenn sie nicht ohnehin in offiziellen Akten landen. Historiker und Archivare hätten vor einem massiven Transparenzverlust gewarnt.
4. Programmreform mit der Brechstange
(verdi.de, Jochen Spengler)
Die geplante Programmreform beim Deutschlandfunk stoße intern wie extern auf massiven Widerstand. Mit dem Wegfall von sieben etablierten Fachformaten, darunter “Forschung aktuell”, “Büchermarkt” und “Europa heute”, verliere der Sender sein Alleinstellungsmerkmal der fundierten Fachredaktion. Das lineare Radio aus Furcht vor Relevanzverlust vorschnell zu schwächen, sei “Selbstmord aus Angst vor dem Tod”, findet Gastautor Jochen Spengler, ehemaliger Personalratsvorsitzender, Redakteur, Moderator und Korrespondent im Deutschlandradio.
5. W Social: Verifiziert heisst veroeffentlicht
(metacheles.de, Sascha Pallenberg)
Die als vertrauenswürdige europäische X-Alternative beworbene Plattform W Social stehe wegen massiver DSGVO-Mängel unter Druck: Trotz des Versprechens, Daten von Nutzerinnen und Nutzern nach einem Ausweisscan über die Partner-App “W Identity” nicht öffentlich zuzuordnen, seien sensible Verifikationsdaten in frei zugänglichen Repositories des Netzwerks gelandet. Tech-Blogger Sascha Pallenberg sieht darin ein strukturelles DSGVO-Problem. Besonders heikel sei der Vorgang, da auch EU-Institutionen auf die Plattform gewechselt seien.
6. »Ragebait« ist Jugendwort des Jahres
(spiegel.de)
Bei der jährlichen Onlineabstimmung des Langenscheidt-Verlags zum Jugendwort des Jahres habe sich der Begriff “Ragebait” mit 36,5 Prozent der Stimmen gegen “Peak” und “Crashout” durchgesetzt. Der wörtlich als “Wut-Köder” übersetzte Begriff beschreibe Inhalte im Internet, die gezielt auf Provokation, Empörung und algorithmische Reichweite durch Streit setzen. An der Abstimmung für 11- bis 20-Jährige hätten sich nach Verlagsangaben rund eine Million Menschen beteiligt.



