1. “Zeit” wehrt sich gegen angedrohte Redaktionsdurchsuchung
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wegen des Doku-Podcasts “House of Block” (abgesehen von Folge 1 nur mit Abo hörbar) über den Fall der Steakhaus-Erbin Christina Block hätten Staatsanwaltschaft und LKA Hamburg Geschäftsräume der “Zeit” aufgesucht. Den Redaktionsmitgliedern sei dabei mit einer Durchsuchung gedroht worden. Die Ermittler hätten Tonaufnahmen und angebliche Verträge mit der 15-jährigen Tochter Blocks beschlagnahmen wollen, die im Podcast erstmals öffentlich spreche. Die “Zeit”-Chefredakteure Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner hätten die Tonspuren zwar versiegelt übergeben, jedoch sofort Beschwerde eingelegt. Sie sähen in dem Vorgehen einen unverhältnismäßigen Angriff auf Pressefreiheit und Quellenschutz.
Weitere Lesetipps: Die Berichterstattung der “Zeit”-Redaktion in eigener Sache sowie die Pressemitteilung der “Zeit”-Verlagsgruppe.
2. dju will verlässlichen Quellenschutz
(verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi kritisiert einen Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Ausweitung der Befugnisse des Bundesnachrichtendienstes und des Verfassungsschutzes. Besonders problematisch sei eine Schutzlücke: Werde nicht die Redaktion selbst, sondern der Informant beziehungsweise die Informantin ins Visier genommen, greife die Abwägungsklausel nicht, wodurch Quellen beiläufig enttarnt werden könnten. Für Recherchen zu Terror, Extremismus oder Spionage sei das verheerend.
3. taz-Journalistin von israelischer Regierung an Einreise gehindert
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die israelische Regierung habe der “taz”-Journalistin Serena Bilanceri die Einreise verweigert. Die Behörden hätten sich dabei offenbar auf den Vorwurf berufen, Bilanceri habe zu einem Boykott Israels aufgerufen. Eine Gesetzesverschärfung erlaube die Abweisung von Personen wegen unliebsamer öffentlicher Äußerungen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen verurteilt den Vorgang als Angriff auf die Pressefreiheit. Wer Berichterstattung an politische Loyalität knüpfe, gefährde unabhängigen Journalismus.
Weiterer Lesetipp: Die Berichterstattung der “taz”-Redaktion in eigener Sache.
4. “Flood the zone”? Wie tagesschau.de auf Trumps Informationsflut reagiert
(de.ejo-online.eu, Flórián Gombos & Katinka Böhm & Paulina Bermúdez)
Mit der Taktik “Flood the zone with shit” würden Donald Trump und dessen Umfeld seit Jahren versuchen, Medien durch eine Dauerschleife aus Provokationen und Dekreten gezielt zu überfordern. Eine vergleichende Inhaltsanalyse der TU Dortmund habe nun untersucht, wie tagesschau.de in den ersten vier Wochen nach Trumps Amtsantritten 2017 und 2025 über den US-Präsidenten berichtet hat. Das Ergebnis: Entgegen der Annahme sei der Anteil der Trump-Artikel keineswegs explodiert, sondern habe jeweils bei exakt 18 Prozent des Gesamtaufkommens gelegen.
5. Aus nach 52 Jahren: Radiolegende Peter Urban verlässt NDR 2 im Zorn
(rnd.de, Imre Grimm)
Nach 52 Jahren am Mikrofon beende Moderator Peter Urban seine wöchentliche Show auf NDR 2. Hintergrund des überraschenden Abschieds sei ein Streit mit dem öffentlich-rechtlichen Sender über die Weiterverbreitung des Podcasts “Urban Pop”. Urban störe sich daran, dass die Episoden über offene RSS-Feeds auch auf kommerziellen oder fragwürdigen Drittseiten landen würden, die seinen ethischen Grundsätzen widersprächen. Der NDR verteidige das Vorgehen. Die Bereitstellung per offenem RSS-Feed sei im Podcast-Bereich absolut marktüblich und diene dem Auftrag, möglichst viele Hörerinnen und Hörer zu erreichen.
6. “Authentische Einblicke entstehen nicht allein am Schreibtisch”
(lto.de, Pauline Dittrich)
Immer mehr deutsche Amts-, Land- und Fachgerichte würden mit eigenen Instagram-Accounts in die Sozialen Medien vorstoßen. Wie eine Recherche von “Legal Tribune Online” zeigt, würden die meisten Justizbehörden die aufwendige Videoproduktion ohne zusätzliche Stellen oder Freistellungen stemmen, rein im Nebenamt. Die Bundesgerichte würden sich noch scheuen, doch auf den unteren Ebenen zöge man eine positive Bilanz. Der direkte Draht baue Vorurteile ab, stärke die Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und erreiche jüngere Zielgruppen jenseits trockener Pressemitteilungen.



