Kleistern gegen Bedeutungslosigkeit, Gesetz gegen SLAPPs, Weimers Flut

1. Kleistern gegen die Bedeutungslosigkeit
(taz.de, Hanno Fleckenstein)
Die “taz” berichtet über eine Werbekampagne des rechten Krawallportals “Nius” in Berliner U-Bahnen, die online Kritik und eine Petition ausgelöst habe. “taz”-Autor Hanno Fleckenstein ordnet die Werbekampagne als Versuch ein, mangelnde Reichweite zu kompensieren: “Nius” habe laut Branchendaten deutlich sinkende Klickzahlen, schreibe rote Zahlen und sei stark von Geldgeber Frank Gotthardt abhängig.

2. Gesetz gegen Einschüchterungsklagen: SLAPPS
(verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi wirbt für ein wirksames deutsches Gesetz gegen SLAPPs, also Einschüchterungsklagen gegen Journalistinnen, Journalisten und andere kritische Stimmen. Zwar habe die EU ihre Mitgliedstaaten verpflichtet, gegen derartige missbräuchlichen Klagen vorzugehen, der deutsche Gesetzentwurf sei jedoch so stark abgeschwächt worden, dass er kaum noch Schutz biete. Verdi ruft deshalb zu einer Aktion auf: “Schreib Deinen Wahlkreisabgeordneten von CDU/CSU, um sie umzustimmen. Nur, wenn möglichst viele Unions-Abgeordnete das Problem anerkennen, kann ein wirksames Gesetz gegen SLAPPs kommen. Mach mit!” (Musterbrief)

3. Wolfram Weimer: “Die Flut, die da kommt, wird alle Boote heben”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Interview mit “DWDL” verteidigt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die neue Investitionsverpflichtung für Mediendienste als großen Schub für den Produktionsstandort Deutschland. Neben 250 Millionen Euro Bundesfilmförderung sollen Streamer, private Sendergruppen und Öffentlich-Rechtliche künftig stärker verpflichtet werden, in deutsche Produktionen zu investieren. Weimer erwartet bis zu 15 Milliarden Euro an Investitionen in fünf Jahren und spricht von einem “Filmbooster”. Teils offene Fragen bleiben bei der tatsächlichen Wirkung der Quoten, möglichen Ausweichstrategien internationaler Anbieter und der Durchsetzung bei Nichterfüllung.

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4. Sozialverband reicht Programmbeschwerde gegen ZDF-Dokumentation ein
(medien.epd.de)
Der Verein Sanktionsfrei habe Programmbeschwerde gegen die ZDF-Dokumentation “Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?” eingereicht. Die vor zwei Wochen ausgestrahlte Sendung arbeite wiederholt mit außergewöhnlichen Einzelfällen, ohne diese ausreichend statistisch einzuordnen, und erwecke so den Eindruck, Sozialleistungsbetrug sei weit verbreitet. Sozialverbände, Armutsforschung oder die Bundesagentur für Arbeit kämen kaum zu Wort. Helena Steinhaus, Gründerin von Sanktionsfrei, kritisiert: “Gerade öffentlich-rechtliche Formate tragen eine besondere Verantwortung, gesellschaftlich sensible Themen faktenbasiert und differenziert darzustellen.”

5. Meta startet kostenpflichtige Plus-Modelle
(spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta führe weltweit kostenpflichtige Plus-Modelle für Instagram, Facebook und WhatsApp ein. Die Abos sollen Zusatzfunktionen bieten, etwa bessere Statistiken, Story-Analysen, Profilanpassungen, Premium-Sticker und individuelle Klingeltöne. Konkrete Preise nenne Meta noch nicht. Verschiedene Medien würden von etwa 3,99 Dollar monatlich für Instagram Plus und Facebook Plus sowie 2,99 Dollar für WhatsApp Plus berichten. Ziel sei offenbar, zusätzliche Einnahmequellen neben Werbung aufzubauen.

6. Wie “Germany’s Next Topmodel” ein Exempel statuierte
(rhein-zeitung.de, Celina de Cuveland)
Celina de Cuveland erklärt anhand einer Erfahrung beim Finale von “Germany’s Next Topmodel” 2017, warum journalistische Absprachen wie Sperrfristen wichtig seien. Damals hätten Medien Ergebnisse der Liveshow wegen einer technischen Verzögerung erst mit einigen Minuten Versatz veröffentlichen dürfen. Eine Kollegin habe diese Absprache gebrochen und sei sofort aus der Veranstaltungshalle begleitet worden. De Cuvelands Fazit: “Wenn wir als Journalisten uns bewusst nicht an Absprachen halten, sollte das einen triftigen Grund haben oder das öffentliche Interesse sollte die Entscheidung rechtfertigen. Das hat nichts mit Angst oder Einflussnahme zu tun – sondern vielmehr mit Fairness, die in unserem Beruf relevant ist.”

7. Hitzeberichte ohne Hinweis auf die Klimakrise?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator, dass ARD und ZDF über die aktuelle Hitzewelle in Westeuropa ausführlich berichten, sie aber laut der Initiative “Klima vor acht” nicht als Folge der Klimakrise einordnen würden. Wenn Medien die Klimakrise aus der Berichterstattung ausblenden, erleichtere dies der Politik den Weg, die Klimaziele aufzuweichen.

Friedrich und der AfD-Kongress, Desinformation, Apotheken Umschau

1. Verleger Holger Friedrich spricht bei “Demokratiekongress” der AfD
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert, dass Verleger Holger Friedrich beim geplanten “Demokratiekongress” der AfD im Bundestag auftreten will. Meisner ordnet dies als weiteren Beleg dafür ein, dass Friedrichs “Ostdeutsche Allgemeine” rechtsextreme und rechtsradikale Akteure hofiere. Experten sähen Friedrichs Teilnahme an dem Kongress nicht als Debattenbeitrag, sondern als problematische Normalisierung demokratiefeindlicher Kräfte.

2. “Desinformation gefährdet Leben”
(verdi.de, Till Schmidt)
Im Interview blickt Johannes Hillje auf den medialen Umgang mit der AfD, konkret auf das SWR-Triell mit Markus Frohnmaier (AfD), Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU). Die Konstellation habe der AfD geholfen, sich als Gegenpol zu “allen anderen” zu inszenieren, statt die Unterschiede zwischen den möglichen Ministerpräsidenten herauszuarbeiten. Hillje plädiert dafür, die AfD nicht pauschal auszuschließen, sie aber auch nicht wie eine normale Partei zu behandeln.

3. Wie geht Innovation im Lokaljournalismus?
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler gibt einen Überblick über Innovationen im Lokaljournalismus und nennt drei zentrale Entwicklungen: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Redaktion, Produktion und Distribution, neue Modelle für Community, Finanzierung und Vertrauen sowie die Frage, wie Lokalmedien ihre Rolle als demokratische Infrastruktur sichern können. Lokale Medien würden nicht allein durch mehr Inhalte zukunftsfähig, sondern bräuchten bessere Werkzeuge und stärkere Communities.

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4. Was KI mit dem Journalismus macht: Zwischen Effizienz, Entmündigung und Reichweitenverlust
(ardsounds.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 28:50 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” geht es um die Frage, wie KI den Journalismus verändert: als Werkzeug für effizientere Redaktionsarbeit, aber auch als Machtfrage. Auf der re:publica hätten Expertinnen und Experten darüber diskutiert, wer künftig die Informationsinfrastruktur kontrolliert, wer an journalistischen Inhalten verdient und wie Medien durch KI-Suchsysteme Reichweite und Refinanzierung verlieren. Christian Schiffer spricht von “KI-Kapitalismus”, Matthias Spielkamp kritisiert Googles KI-Übersichten als unfairen Deal zulasten der Verlage.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 257
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Barbara Junge)
Der Newsletter des Netzwerk Recherche blickt auf das bevorstehende Jahrestreffen NR26 in Hamburg sowie auf das 25-jährige Bestehen des Vereins. Im Mittelpunkt stehen die Rolle von investigativem Journalismus, Lokaljournalismus, Datenjournalismus und Klimajournalismus in einer angespannten politischen und medialen Lage. Außerdem bündelt der Newsletter viele Hinweise zu Rechercheförderung, Pressefreiheit, Informationsfreiheit, lokalen Recherchen, internationalen Projekten, Preisen, Stipendien und Weiterbildungen.

6. 70 Jahre Apotheken Umschau: Hochwertige Fachinformationen für alle
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
Dennis Ballwieser, Chefredakteur der “Apotheken Umschau”, erzählt im Interview, wie sich das Magazin zum 70-jährigen Bestehen als modernes Gesundheitsmedium neu positioniert hat. Ballwieser betont den Anspruch, geprüfte medizinische Informationen verständlich und alltagsnah zu vermitteln, damit Patientinnen und Patienten besser mit Ärztinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern sprechen können. Weitere Themen sind die stärkere Ausrichtung auf Frauengesundheit, einfache Sprache, digitale Kanäle und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

ARD-Studio Kiew beschädigt, Weimers Absprachen, Geldscheine als Waffe

1. ARD-Studio Kiew massiv beschädigt
(tagesschau.de)
Bei einem schweren russischen Drohnen- und Raketenangriff auf Kiew sei das dortige ARD-Studio massiv beschädigt worden. Weil sich während des Angriffs keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Studio befunden hätten, sei niemand verletzt worden. Studioleiter Vassili Golod erklärt: “Rausgerissene Fensterrahmen, überall Splitter, zerstörte Technik – den eigenen Arbeitsplatz völlig verwüstet zu sehen, ist ein Schock. Die russischen Luftangriffe sind seit Jahren massiv, rücksichtslos und Teil der brutalen Lebensrealität in der Ukraine.”

2. Weimers Behörde und Weimers Unternehmen stimmten sich ab
(taz.de, Kersten Augustin)
Die “taz” berichtet über neue Hinweise auf eine mögliche Vermischung von Amt und Geschäftsinteressen bei Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Interne Mails würden zeigen, dass sich der Sprecher von Weimers Behörde und der Sprecher der Weimer Media Group bei Presseanfragen zum umstrittenen Ludwig-Erhard-Gipfel abgestimmt hätten. Zudem sei Wolfram Weimer selbst in Unternehmensmails einbezogen worden, obwohl er nach eigener Darstellung keine operative Rolle mehr in dem Unternehmen habe.

3. Nicht das Wort als Waffe, sondern die Geldscheinchen des Verlegers Holger F.
(bruchstuecke.info, Wolfgang Storz)
Wolfgang Storz kritisiert die “Ostdeutsche Allgemeine” von Verleger Holger Friedrich als rechtsoffenes Medienprojekt, das Meinungsfreiheit beschwöre, Kritiker aber juristisch und wirtschaftlich unter Druck setze. Storz verweist auf Fraktur-Ästhetik, unklare Eigentumsstrukturen und ein publizistisches Profil zwischen rechtskonservativ und rechtsoffen. Im Zentrum stehen die Konflikte mit dem Portal “Volksverpetzer” und dem Journalisten Matthias Meisner.

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4. Klaas Klever ist gefasst
(blog.ub.uni-leipzig.de, Stephan Wünsche)
Stephan Wünsche von der Universitätsbibliothek Leipzig zieht Bilanz nach seiner Warnung vor KI-generierten Fake-Fachbüchern beim Self-Publishing-Verlag tredition. Die Recherche habe breite mediale Resonanz ausgelöst und dazu geführt, dass tredition die Problematik eingeräumt, betroffene Titel zurückgezogen und neue Prüfmechanismen angekündigt habe. Wünsche warnt zugleich, dass der Fall nur ein Zwischenstand sei. Bibliotheken, Wissenschaft und IT sollten enger zusammenarbeiten, da KI-generierte Fake-Fachbücher auch künftig ein Problem bleiben dürften.

5. BILD-Fundstücke
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi blickt anhand alter “Bild”-Schlagzeilen auf wiederkehrende Muster des Boulevardjournalismus zurück: Empörungskampagnen gegen Rundfunkgebühren, Benzinpreise oder Promillegrenzen, rassistische und sexistische Framings, Häme gegenüber Kranken sowie sensationsheischende Kriminal- und Kriegsschlagzeilen.

6. Comedy-Presseschau
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
In seiner “Comedy-Presseschau” bündelt Bernhard Hiergeist aktuelle Debatten, Kritiken und Podcasts rund um Satire, Stand-up und Unterhaltungsindustrie. Themen sind unter anderem die Wirkung von Satire jenseits ihrer Absicht, Hape Kerkelings neuer Horst-Schlämmer-Film, Männlichkeitsbilder in “Scrubs”, Stephen Colberts Late-Night-Erbe, Russell Brands Wandel ins rechtspopulistische Milieu sowie Arbeits- und Machtstrukturen bei “Saturday Night Live”.

KW 21/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Ganz normale Medien und ihr Beitrag zum Comeback des Faschismus
(youtube.com, Leonhard Dobusch & Nadia Zaboura, Video: 30:13 Minuten)
Auf der re:publica kritisieren Leonhard Dobusch und Nadia Zaboura, dass auch “ganz normale” Qualitätsmedien durch eingeübte journalistische Routinen zum Erstarken autoritärer und neofaschistischer Kräfte beitrügen. An Beispielen von “Tagesschau” und “New York Times” zeigen sie, wie problematische Begriffe, fehlende Einordnung oder scheinbare Neutralität rechte und autoritäre Narrative normalisieren könnten.

2. Wie wehrt man sich gegen 500.000 Fake-Follower?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 28:15 Minuten)
Bei Holger Klein ist die freie Wissenschaftsjournalistin Sanaz Saleh-Ebrahimi zu Gast, die wegen ihrer kritischen Berichterstattung nicht nur Hasskommentaren, sondern auch einer Attacke mit Hunderttausenden von Fake-Followern auf Instagram ausgesetzt ist: “Wie wehrt sie sich gegen so einen Angriff? Woran erkennt man Fake-Follower überhaupt? Und warum will sie trotzdem weiter auf Instagram bleiben?”

3. Die OpenAI Story
(ardsounds.de, Jasmin Körber & Fritz Espenlaub & Klaus Uhrig & Christian Schiffer, sechs Folgen zu je 34 bis 39 Minuten)
Die Macherinnen und Macher der “Peter Thiel Story” beschäftigen sich in ihrer neuen, sechsteiligen Podcastserie “Die OpenAI Story” mit einem weiteren Prominenten der Tech-Szene: “Mit ChatGPT hat Sam Altman OpenAI von einem kleinen Forschungslabor in ein milliardenschweres Tech-Imperium verwandelt. Das ist die Geschichte der KI-Revolution, einer entfesselten Technik – und des Mannes, der sie geprägt hat.”

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4. Wie war es, für Jan Böhmermann zu arbeiten?
(ndr.de, Daniel Bröckerhoff & Fritz Lüders, Video: 42:52 Minuten)
Im Podcast “Flugmodus” des Medienmagazins “Zapp” spricht Daniel Bröckerhoff mit Sebastian Hotz (“El Hotzo”) über dessen Karriere zwischen Twitter, Satire, Öffentlich-Rechtlichen und Shitstorms. Hotz erzählt vom Arbeiten bei Jan Böhmermanns “ZDF Magazin Royale”, von Konkurrenzdruck, von Selbstverwirklichung und Ausbeutung in kreativen Medienjobs sowie von seinem neuen Buch über die Fernsehwelt. Außerdem geht es um Hotz’ umstrittene Posts, den Rauswurf beim RBB und die Nervosität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegenüber rechten Shitstorms.

5. Hollywood in Deutschland
(youtube.com, Stella Valerie Ulrich, Video: 29:45 Minuten)
Die ZDF-Reportage von Stella Valerie Ulrich zeigt, wie deutsche Kulissenbauer und Kostümbildnerinnen aufwendig Film-, TV- und Bühnenwelten erschaffen. Vorgestellt werden unter anderem Kulissenbauer, die Requisiten und Filmsets wie ein Jurassic-Park-Tor nachbauen, eine Kostümbildnerin, deren Atelier komplexe Kostüme für Shows wie “The Masked Singer” fertigt, sowie die Werkstätten von Studio Hamburg, die Bühnenteile für das Musical “Zurück in die Zukunft” anpassen.

6. Die deutsche Stimme von Spider-Man packt aus! Christian Zeiger über Marvel, KI & Synchronskandale
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 1:04:17 Stunden)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” spricht Charles Rettinghaus mit Synchronsprecher und -regisseur Christian Zeiger über dessen frühen Einstieg ins Synchronfach, die Arbeit als deutsche Stimme von Spider-Man (Tom Holland) und Zeigers Erfahrungen als Synchronregisseur. Es geht um Castinggeschichten, den besonderen Arbeitsprozess im Studio sowie die Frage, ob Rollen nach Identität oder schauspielerischer Fähigkeit besetzt werden sollten.

Vor den Bus geschubst, Klimakrise schön geredet, Influencer-Aufnahmen

1. “Wir sollten nicht fürchten müssen, vor den Bus geschubst zu werden”
(netzpolitik.org, Chris Köver)
Im Interview mit netzpolitik.org schildert Josephine Ballon von der Organisation HateAid, welche Folgen das von den USA verhängte Einreiseverbot gegen sie und ihre Co-Geschäftsführerin habe. Das US-Außenministerium werfe ihnen Zensur gegen US-Plattformen vor, obwohl HateAid als Trusted Flagger offiziell im Rahmen des europäischen Digital Services Act (DSA) arbeite. Ballon fordert mehr praktische Unterstützung durch Bundesregierung und EU sowie eine entschiedene Durchsetzung des DSA gegenüber großen Plattformen.

2. Wird die Klimakrise plötzlich doch nicht so schlimm?
(bsky.app, Lobbycontrol)
Auf Bluesky fragt der Verein Lobbycontrol in einem Erklärthread: “Wird die Klimakrise plötzlich doch nicht so schlimm? Genau diesen Eindruck erweckt derzeit eine Kampagne, die mit verzerrten Darstellungen in die Irre führt. Und wieder mit dabei: WELT-Redakteur Axel Bojanowki und die frühere CDU-Politikerin Kristina Schröder.”

3. Katapult MV: Die Stimme für den Norden
(verdi.de, Claudia Krieg)
Patrick Hinz, Chefredakteur von “Katapult MV”, beschreibt das Regionalmedium als kritische Ergänzung zur dünnen Medienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Im Fokus stehe besonders die AfD, deren kommunale Strukturen und Wahlkampfversprechen man datenjournalistisch einordnen wolle. Hinz kritisiert, dass viele lokale Medien zu unkritisch über die AfD berichten würden und so zu deren Stärke beitrügen.

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4. Achtung, Influencer: Wann sind öffentliche Aufnahmen rechtskonform?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha erklärt, wann öffentliche Aufnahmen für Social Media, TV oder Radio rechtlich zulässig sind. Anlass sind Influencer-Formate wie “Streichbruder”, bei denen fremde Menschen in Zügen oder auf der Straße ungefragt Teil von Videos würden. Der Text macht deutlich: Sobald Privatpersonen erkennbar im Mittelpunkt stehen oder aktiv einbezogen werden, braucht es in der Regel eine Einwilligung.

5. Demokratieförderung 3.0
(npj.news, Leif Kramp)
Leif Kramp argumentiert in seinem Text, dass Journalismus stärker als Teil der Demokratieförderung verstanden werden müsse. Programme wie “Demokratie leben!” würden zwar Bildung, Beteiligung und Extremismusprävention fördern, aber weitgehend ausblenden, dass Demokratie auch eine funktionierende lokale Öffentlichkeit brauche. Angesichts schrumpfender Lokalmedien und wachsender “Nachrichtenwüsten” plädiert Kramp dafür, Journalismus, Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung und digitale Plattformen gemeinsam als “kommunikative Infrastruktur” zu fördern.

6. Wie mich der Eurovision Song Contest kaufen wollte
(taz.de, Anastasia Zejneli)
Anastasia Zejneli schildert selbstironisch, wie schwer beim Eurovision Song Contest (ESC) in Wien die Grenze zwischen Berichterstattung, Fan-Kultur und PR zu ziehen gewesen sei. Akkreditierte Journalistinnen und Journalisten hätten ein umfangreiches Gratis-Rahmenprogramm, Goodiebags, Sightseeing-Angebote und Einladungen bekommen: “Mehr als eine Woche lang könnte man sich theoretisch von morgens bis abends mit exklusivem ESC-Programm und dem normalen Sightseeing (alle Museumseintritte, Riesenrad fahren und Hop-on-Hop-off-Bus) kostenlos beschäftigen.”

Welle der Solidarität, Copy and Waste, Priens Kahlschlag

1. Weltweite Solidarität mit der Deutschen Welle
(verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi berichtet von internationaler Solidarität mit der Deutschen Welle (DW), nachdem die Bundesregierung das Budget des Auslandssenders um 10 Millionen Euro kürzen wolle. Der DW-Rundfunkrat habe daraufhin einen Sparplan von mehr als 20 Millionen Euro beschlossen. Über 200 Vollzeitstellen sollen wegfallen, vor allem zulasten befristet Beschäftigter und Freier. Zugleich würden deutliche Programmeinschnitte drohen, unter anderem beim griechischen Dienst sowie bei spanischen, arabischen, portugiesischen und deutschsprachigen Angeboten.

2. Copy and Waste
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Ann-Kathrin Leclère kritisiert in ihrem Kommentar das gescheiterte Projekt von “Correctiv” und “Katapult”, eine frei zugängliche Suchdatenbank zur NSDAP-Mitgliederkartei bereitzustellen. Die Idee, historische Quellen ohne Paywall zugänglich zu machen, sei grundsätzlich begrüßenswert. Kurz nach Veröffentlichung musste die Datenbank allerdings offline gehen, weil die Daten offenbar aus der bereits aufbereiteten “Zeit”-Datenbank stammen könnten. Solche Fehler würden das Vertrauen in journalistische Datenprojekte beschädigen.

3. Wie sich Priens Kahlschlag auswirkt
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Tomas Rudl beschreibt die Folgen der geplanten Kürzungen und Umstrukturierungen beim Bundesprogramm “Demokratie leben” durch Bildungsministerin Karin Prien. Mehr als 200 Projekte und vor allem langfristig aufgebaute Netzwerke gegen Rechtsextremismus, digitale Gewalt, Hassrede, Desinformation und Radikalisierung könnten aus der Förderung fallen. Dies betreffe Organisationen wie die Amadeu Antonio Stiftung, AlgorithmWatch, HateAid, Das NETTZ, die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur oder die Open Knowledge Foundation.

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4. KI soll 50.000 Urteile anony­mi­sieren
(lto.de)
Bayern wolle mithilfe von Künstlicher Intelligenz deutlich mehr Gerichtsurteile veröffentlichen. Das Tool “ALeKS” solle Entscheidungen automatisch anonymisieren, damit sensible Daten nicht mehr vollständig von Hand geschwärzt werden müssen. Geplant sei, in den kommenden Jahren 50.000 Urteile zugänglich zu machen. Über die Veröffentlichung sollen jedoch weiterhin die jeweiligen Richterinnen und Richter entscheiden.

5. Gutachten für die ARD: Was sind Vielfalt und Ausgewogenheit?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Gutachten im Auftrag des Bayerischen Rundfunks habe untersucht, was Vielfalt und Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Journalismus bedeuten und wie sie redaktionell gesichert werden können. Die Studie empfehle mehr Monitoring, Vielfalts-Checks, Fortbildungen und interne Werkzeuge für Redaktionen.

6. Britischer Radiosender meldet irrtümlich Tod von König Charles III.
(spiegel.de)
Der britische Sender Radio Caroline habe um Entschuldigung gebeten, nachdem er versehentlich den Tod von König Charles III. gemeldet habe. Ursache sei laut Senderchef Peter Moore ein Computerfehler gewesen, durch den das vorbereitete Notfallprotokoll für den Tod eines Monarchen ausgelöst worden sei. Der Sender habe die Falschmeldung live und online korrigiert.

7. Angela Merkel auf allen Kanälen
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:43 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschreibt der “6-vor-9”-Kurator Angela Merkels neue öffentliche, mediale Sichtbarkeit als Rollenwechsel von der früheren Kanzlerin zur “politischen Bürgerin”. Die Pointe: Wenn ausgerechnet die Politikerin ohne aktuelles Amt den meisten Applaus bekomme, sage das viel über den Zustand der derzeitigen Politik.

Baerbocks SMS, Bestseller und Brainrot, “Wir sind Systemmedien”

1. Informationsfreiheit gilt auch für SMS
(fragdenstaat.de, Hannah Vos)
Die Transparenzinitiative “FragDenStaat” berichtet über ein Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin, laut dem auch SMS von Regierungsmitgliedern amtliche Informationen sein können und nach dem Informationsfreiheitsgesetz herausgegeben werden müssen. Anlass sind SMS der damaligen Außenministerin Annalena Baerbock an Vertreterinnen und Vertreter anderer Uno-Mitgliedsstaaten zur Unterstützung einer UN-Resolution zur Ukraine. Das Auswärtige Amt habe die Herausgabe verweigert, sei damit aber vor Gericht weitgehend gescheitert.

2. “New York Times” verklagt Pentagon
(taz.de)
Die “New York Times” verklage erneut das US-Verteidigungsministerium, weil Reporterinnen und Reporter das Pentagon nur noch in Begleitung betreten dürfen. Die Redaktion sehe darin einen verfassungswidrigen Eingriff in die unabhängige Militärberichterstattung. Das Pentagon weise die Kritik zurück und bezeichne sie als “Versuch, die Hürden zu beseitigen, um an klassifizierte Informationen zu gelangen”.

3. “Wir sind Systemmedien – wir sind Medien des demokratischen Systems”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Bei der re:publica haben der ARD-Vorsitzende Florian Hager und der ZDF-Intendant Norbert Himmler darüber diskutiert, wie öffentlich-rechtliche Medien in einer von Netflix, TikTok, YouTube und Google geprägten Öffentlichkeit relevant bleiben können (Videomitschnitt, youtube.com, 1:01:41 Stunden). Beide hätten betont, ARD und ZDF seien längst mehr als klassische Fernsehsender und müssten auch auf problematischen Plattformen präsent sein, um junge Menschen zu erreichen.

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4. MV: Wie Medien AfD-Wahlkampf machen, ohne es zu merken
(volksverpetzer.de, Leonie Wiegel)
Leonie Wiegel kritisiert, dass einige Medien mit ihrer Berichterstattung über das AfD-Wahlprogramm in Mecklenburg-Vorpommern ungewollt AfD-Narrative verstärken würden. Manche Überschriften würden den Eindruck fördern, eine AfD-Regierung sei bereits realistisch oder fast sicher, obwohl es dafür derzeit keine Koalitionspartner gebe. Wiegels Fazit: “Mit jeder Überschrift entscheidet man sich für eine Perspektive auf die Geschichte. Es ist alarmierend, dass die meisten Medien dabei eher zur rechten, zur AfD-Perspektive tendieren, und immer wieder auch Perspektiven einnehmen, die offensichtlich weiter weg von den Fakten sind, als andere.”

5. Guter Rat ist … anders
(arminwolf.at)
ORF-Moderator Armin Wolf kritisiert die parteipolitische Dominanz im ORF-Stiftungsrat und schlägt eine grundlegende Reform des Aufsichtsgremiums vor. Statt 35 Mitgliedern mit parteinahen “Freundeskreisen” solle es nur noch 15 Stiftungsräte geben. Die Mitglieder sollten transparenter und überparteilicher ausgewählt werden, etwa über öffentliche Hearings und qualifizierte Mehrheiten. Ziel sei ein Aufsichtsgremium des österreichischen öffentlich-rechtlichen Senders, das unabhängig die bestmögliche Führung suche.

6. Zwischen Bestseller und Brainrot – Wie der Markt die Literatur sortiert
(54books.de, Berit Glanz)
Berit Glanz analysiert, wie ökonomische Marktlogiken den gegenwärtigen Literaturbetrieb prägen. Ausgangspunkt ist ein Moment auf der re:publica, in dem öffentlich wurde, wie stark sich Buchvorschüsse unterscheiden können. Hohe Vorschüsse würden nicht nur Geld, sondern auch Sichtbarkeit und Marketing bedeuten, die sogenannte Midlist gerate dabei immer mehr ins Hintertreffen. Es stelle sich die Frage, unter welchen materiellen Bedingungen gute Literatur überhaupt noch entstehen könne.

Tiefrote “Nius”-Bilanz, Merz sagt “Nein”, Digitale Macht begrenzen

1. Verluste bei Reichelts “Nius” weiten sich aus
(t-online.de, Lars Wienand)
Lars Wienand hat ins Unternehmensregister geschaut und die Bilanz für das Jahr 2024 der Betreibergesellschaft von Julian Reichelts rechtem Krawallportal “Nius” analysiert. Diese sei “tiefrot”: “Bei einer Bilanzsumme von gut sieben Millionen Euro lag 2024 das Minus, der Jahresfehlbetrag, bei knapp 16,2 Millionen Euro. Den Kosten stehen weiterhin kaum Erlöse gegenüber.” Der “Nius”-Geldgeber Frank Gotthardt habe “wieder einen zweistelligen Millionenbetrag nachschießen” müssen, die Abo-Einnahmen von Reichelts Portal seien “vergleichsweise winzig”, und die Zahl der Leserinnen und Leser sei “zuletzt auf ein Rekordtief gefallen.”

2. Verfassungsrechtler über AfD-Pläne: “Kompliziert, langwierig und teuer”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Im Interview mit “DWDL” ordnet der Verfassungs- und Medienrechtler Christoph Degenhart die AfD-Pläne ein, in Sachsen-Anhalt die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Rechtlich sei eine Kündigung zwar möglich, praktisch aber mit enormen Problemen verbunden: Sachsen-Anhalt müsste dann wohl ein eigenes öffentlich-rechtliches Angebot organisieren, Vermögen, Rechte und Pensionslasten des MDR müssten aufwendig auseinandergesetzt werden, und günstiger würde es vermutlich auch nicht.

3. Merz sagt “Nein” zu Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Bundeskanzler Friedrich Merz habe auf dem Deutschen Katholikentag ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige abgelehnt. Stattdessen habe er sich dafür ausgesprochen, Plattformen besser zu regulieren und Risiken für Kinder und Jugendliche gezielter zu adressieren. Ganz eindeutig sei seine Position allerdings nicht, weil Merz zugleich Altersgrenzen und Zugangsbeschränkungen als möglichen “richtigen Weg” bezeichnet habe.

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4. re:publica 26: Markus Beckedahl – Digitale Macht begrenzen: Der Weg in die digitale Souveränität
(youtube.com, Markus Beckedahl, Video: 59:35 Minuten)
In seiner Keynote anlässlich der re:publica 2026 spricht sich Markus Beckedahl dafür aus, digitale Macht zu begrenzen, um den “Weg in die digitale Souveränität” freizuräumen: “Um die Macht zu begrenzen, sind gute Regeln und ihre Durchsetzung notwendig. Aber die besten Regeln bringen nichts, wenn wir nicht auch Alternativen fördern, damit wir eine Wahlfreiheit haben.”

5. Abschied vom Schlagwort
(taz.de, Klaudia Lagozinski)
Klaudia Lagozinski erklärt in den “wichtigsten Fragen und Antworten”, wie KI-Zusammenfassungen die Onlinesuche verändern. Websites seien lange vor allem für Google und SEO optimiert worden, doch nun verschiebe sich der Fokus zur direkten Antwort durch Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Für Medien und Webseitenbetreiber bedeute dies weniger Klicks, weil Nutzerinnen und Nutzer oft schon mit der KI-Antwort zufrieden seien.

6. Wie politisch darf gemeinnütziger Journalismus sein?
(npj.news)
“NPJ.news”, eine Seite über Nonprofit-Journalismus im deutschsprachigen Raum, hat die aktuelle Rechtslage zum gemeinnützigen Journalismus zusammengefasst. Das Fazit: “Gemeinnütziger Journalismus darf politisch relevant sein. Es muss aber gezeigt werden, dass die politische Relevanz der Berichterstattung aus Aufklärung, Information und Einordnung entsteht und nicht etwa aus parteipolitischer oder kampagnenförmiger Zielsteuerung. Weil Journalismus kein eigener Steuerzweck ist, müssen Redaktionen in gemeinnütziger Trägerschaft diese Grenze sorgfältiger ziehen als klassische Medienunternehmen.”

Böhmermanns Kritik an der Kritik, Struktureller Sexismus, Jobfresser

1. Politischer Einfluss auf den ÖRR
(zdf.de, Jan Böhmermann, Video: 33:53 Minuten)
Jan Böhmermann widmet sich im “ZDF Magazin Royale” der politischen Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ausgangspunkt sind Vorwürfe, dass ARD und ZDF zu teuer seien, zu groß oder zu links, sowie aktuelle Aussagen von Politikerinnen und Politikern wie Julia Klöckner, Wolfram Weimer und Markus Söder. Außerdem geht es um Fragen wie “Was bedeutet eigentlich ‘staatsfern’? Wie viele TV-Total-Nippel verträgt eine ZDF-Show? Und: Ist der Star-Moderator wirklich ein größeres Arschloch als ein Blauwal-Anus?”

2. Von Rocklegenden und Popfeen: Der strukturelle Sexismus im Musikjournalismus
(kobuk.at, Sarah Neururer)
Eine Analyse von mehreren hundert Artikeln bei “Rolling Stone”, “Musikexpress”, “Spiegel” und “Standard” zeige, dass männliche Musiker deutlich häufiger als “Legenden”, “Götter”, “Pioniere” oder “Genies” beschrieben würden. Künstlerinnen würden hingegen öfter verniedlicht, sexualisiert oder über Klischees wie “Prinzessin”, “Engel”, “Domina” und “Rotzgöre” eingeordnet. Sarah Neururers Fazit: “Solche Zuschreibungen prägen sich ein, sie schreiben alte Rollenklischees fort und sind sexistisch. Indem der Musikjournalismus unterscheidet, wer eine Legende sein darf und wer eine Fee bleibt, prägt er auch unser kulturelles Gedächtnis.”

3. Das nächste Virus geht schon viral
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Ann-Kathrin Leclère kritisiert die mediale Aufregung um den Hantavirus-Ausbruch auf der “MS Hondius”. Obwohl laut Weltgesundheitsorganisation derzeit kein Pandemie-Szenario drohe, würden Schlagzeilen, Liveticker und Social-Media-Videos alte Corona-Bilder und Ängste reaktivieren. Medien sollten zwischen gesicherten Informationen und Spekulationen klar unterscheiden. Beim Thema Hantavirus heiße das, eher ruhig einzuordnen als im Breaking-News-Modus zu berichten.

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4. Frisst Künstliche Intelligenz die Jobs im Journalismus?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:48 Minuten)
Bei “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit Medienjournalist Marvin Schade vom “Medieninsider” über Stellenabbau bei “Bild” und “Spiegel”, wo Aufgaben in Produktion und Layout künftig automatisiert oder von Künstliche Intelligenz übernommen werden sollen. Schade sieht KI nicht grundsätzlich kritisch und hält sie etwa beim Redigieren für kleinere Redaktionen für nützlich.

5. Wer einen Chatbot betreibt, ist für dessen Lügen verantwortlich
(spiegel.de)
Das Oberlandesgericht Hamm habe entschieden, dass Betreiber von Chatsbots für deren falsche Aussagen haften. Im konkreten Fall habe der Chatbot einer Schönheitsklinik erfundene beziehungsweise unzutreffende Facharztbezeichnungen für Ärzte genannt. Das Gericht habe die Angaben als irreführende geschäftliche Handlung gewertet. Ähnlich habe zuvor schon das Landgericht Hamburg entschieden: Auch Plattformbetreiber wie X müssten für falsche Aussagen ihrer KI-Systeme einstehen.

6. Der ewige Streit um “moderne Medien”: Wie Straf­ver­fahren die Ste­no­grafie vor­an­brachten
(lto.de, Martin Rath)
Martin Rath zeichnet den Streit um ausführliche Protokolle in Strafverfahren medienhistorisch nach und zeigt, dass schon die Stenografie als “modernes Medium” juristische Machtfragen auslöste. Ausgangspunkt ist ein Fall des Bundesgerichtshofs von 1963, in dem eine stenografierende Anwaltsgehilfin zu Unrecht aus dem Gerichtssaal gewiesen worden sei. Außerdem geht es um frühere Auseinandersetzungen um Kurzschrift, Gerichtsprotokolle, parlamentarische Dokumentation und spätere Ton- und Filmaufnahmen in Prozessen.

KW 20/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Ein zahnloser Tiger? Der Deutsche Presserat!
(youtube.com, Markus Wolsiffer & Tanjev Schultz, Video: 39:26 Minuten)
In der aktuellen “Medienversteher”-Folge sprechen Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz über den Deutschen Presserat als freiwillige Selbstkontrolle der Presse. Dabei geht es auch um typische Konfliktfelder wie Sorgfaltspflicht, Opferschutz, Persönlichkeitsrechte, Schleichwerbung und Sensationsberichterstattung. Die zentralen Fragen: Hat der Presserat zu wenig Sanktionsmacht? Und wie kann er sich im digitalen Zeitalter, etwa mit Blick auf KI und neue Medienformen, weiterentwickeln?

2. “Viele Leute sind total dankbar, wenn man ihnen Dinge mal erklärt”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 43:17 Minuten)
Bei “Nice & Nötig” unterhält sich Annika Schneider mit dem “Lage-der-Nation”-Macher Philip Banse über den Erfolg des Politik-Podcasts, den er zusammen mit Ulf Buermeyer betreibt. Die ruhige und detailreiche Analyse helfe vielen Hörerinnen und Hörern gegen Nachrichtenstress und erreiche laut Banse bis zu zwei Millionen Downloads im Monat.

3. Meinung in Medien: Wie wir berichten sollten in Zeiten von Krisen
(bonjourno.de, Olivia Samnick, Audio: 40:48 Minuten)
Olivia Samnick tauscht sich in ihrem Podcast “Bonjourno” mit der Journalistin und Autorin Özge İnan über Meinung in Medien aus: “Wie hilft Meinungsjournalismus in Zeiten vermehrter Krisen? Kann er Orientierung bieten? Und: Wie schafft man überhaupt fundierte Meinungen für die Öffentlichkeit?”

Bildblog unterstuetzen

4. Medienwandel: Papier oder Social Media?
(youtube.com, Kim van der List & Nele Nitschky, Audio: 46:26 Minuten)
Bei den Schülermedientagen 2026 haben zwei Volontärinnen erklärt, wie Lokaljournalismus heute für Print, Online und Instagram aufbereitet wird, warum Social-Media-Beiträge viel Planung, Recherche und Schnittarbeit brauchen und weshalb journalistische Standards auch dort gelten. Es geht um die Präsenz im Netz und die Frage: “Oder liegt das journalistische Glück doch noch in der Zeitung, die ich in der Hand halte, und die ganzen Social-Media-Kanäle sind ‘out’ bevor sie ‘in’ waren”?

5. Krise im Sportjournalismus: Droht eine “Abwärtsspirale”?
(ardsounds.de, Linus Lüring, Audio: 27:25 Minuten)
Linus Lüring unterhält sich bei “BR24 Medien” mit dem Sport- und Kommunikationswissenschaftler Christoph Bertling von der Deutschen Sporthochschule über dessen Buch “Abwärtsspirale” und über die Krise im Sportjournalismus: “Warum unterscheidet sich Sportjournalismus von anderen Medienbereichen? Sind Sportjournalisten vor allem Fans und haben zu wenig Distanz? Und müssen ARD und ZDF eigentlich Spitzensport übertragen?”

6. Re:publica 2026 – oder: Warum wir das Netz nicht aufgeben
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 32:33 Minuten)
Bei “Satzzeichen” spricht Gastgeber Christian Jakubetz mit Andreas Gebhard, Mitgründer und Geschäftsführer der re:publica, über Geschichte, Selbstverständnis und Zukunft der Digitalkonferenz. Es geht um die Anfänge als Blogger-Treffen, die besondere Atmosphäre der Veranstaltung und das diesjährige Motto “Never Gonna Give You Up”. Gebhard beschreibt die re:publica als Hoffnungsort für eine freie, offene digitale Gesellschaft.

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BILDblog-Klassiker

neu  

Von Katzen und dummen Menschen

Gestern berichtete “Bild”:

… und okay-okay, im letzten Absatz, ganz am Ende ihrer Berichterstattung hat “Bild” im Vornamen der darin zitierten Tierschützerin “Annelise Krauß” ein “e” vergessen. Aber selbst Anneliese Krauß findet das nicht so schlimm. Allerdings steht ihr Name natürlich nicht nur zum Spaß in “Bild”. Zitiert wird sie dort – und zwar wie folgt:

‘Das ist so schlimm wie grausame Tierversuche’, wettert Annelise Krauß vom Tierschutzverein Dresden.”

Und das sei nun wirklich “Quatsch”, sagt Krauß, wenn man sie fragt. Weil sie nämlich den von “Bild” zitierten Satz weder gewettert noch gesagt habe. Im Gegenteil: “Das wäre ja auch idiotisch,” sagt Krauß, “denn wenn es um tote Tiere geht, dann ist das ja kein Problem des Tierschutzes!” Zusammenfassend sagt uns die Tierschützerin über die Erfindung von Christian Koch (der laut “Bild” ja “aus Katzen Benzin machen” kann):

“Von unserer Seite ist daran nichts auszusetzen.”

Und genau so habe sie das im Übrigen auch zu “Bild” gesagt. (Aber, so Krauß weiter, wenn “der Herr Helfricht”, also einer der Autoren des “Bild”-Artikels, sie anrufe, dann wisse sie schon aus Erfahrung, dass hinterher Sachen in “Bild” stünden, die sie so gar nicht gesagt habe. Das gehe in Dresden schließlich schon über zehn Jahre so, so Krauß. — Und soviel vielleicht nur zum letzten Absatz des obigen Artikels.)

Kommen wir zum Rest, dem Eigentlichen, also darum, dass “Dr. Christian Koch (55) aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen)”, wie es in “Bild” heißt, “aus Katzen Benzin machen” könne: Denn dass die “Benzin”-Überschrift Unsinn ist, verrät schließlich schon der dazugehörige “Bild”-Text selbst, weil darin nur von “Bio-Diesel” oder “Diesel” die Rede ist… Tatsächlich aber hat Koch offenbar eine ungewöhnliche und effektive Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung entwickelt: die katalytische drucklose Verölung (KDV), über die beispielsweise schon der MDR im Mai 2003, 3sat im Juli 2004, die “Welt” im Januar 2005, die “Pirmasenser Zeitung” im Juli, der RBB vergangene Woche oder auch RTL berichteten. Und all diesen Berichten ist eines gemein: dass sie dem Gegenstand, über den sie (durchaus auch kritisch) berichten, gerecht werden.

“Bild” indes nennt Kochs Erfindung einen “Spezialreaktor” und schreibt Sätze wie diesen:

“Die Katzen-Kraft lässt sich theoretisch exakt berechnen: Aus einem ausgewachsenen 13-Pfund-Kater könnten 2,5 Liter Sprit entstehen, vier Miezen würden für 100 Kilometer reichen, für eine Tankfüllung wären 20 tote Katzen erforderlich.”

Und fragt man einfach mal nach bei dem “Mann, der (Stuben-)Tiger in den Tank packen kann” (“Bild”), antwortet Christian Koch, der “Bild”-Bericht habe “nichts mit der Wahrheit zu tun” und sei “zudem grenzenlos dumm”. Koch weiter:

“Wie kann man mit gekochtem tierischen Material Auto fahren? Wasser würde jeden Motor sofort zum Stillstand bringen. Hier wird an die niedrigsten Instinkte von dummen Menschen appelliert, um eine wertvolle Entwicklung zu verunglimpfen. (…) Mir zu unterstellen, dass ich mit Tierkadavern herumhantiere, ist kriminell. Das ist nicht im geringsten der Inhalt der Entwicklung und kann deshalb nur als gezielte Verleumdung angesehen werden.”

Auf der Website von Kochs Firma heißt es zudem inzwischen:

Mit Dank an Jan S. für die Anregung.
 
Nachtrag, 12:15:
“Bild” hat die Sache mit der “Katzen-Kraft” heute noch einmal aufgegriffen:

Darf man aus Katzen wirklich Benzin machen?

Doch wenn es jetzt etwas vorsichtiger als gestern heißt, dass Christian Koch “theoretisch auch aus Katzen” Bio-Diesel herstellen “könnte”, wenn jetzt nicht Koch, sondern ein Konkurrent die gestern von “Bild” aus der Luft gegriffene Skandalisierung zurechtrücken darf, wenn nun auch die gelassene Position der Tierschützer weniger sinnenstellend als gestern wiedergegeben wird und sich im heutigen “Bild”-Bericht immerhin ein einziger halbwegs sinnvoller Satz (“Die Diskussion ist überflüssig”) wiederfindet, dann macht das alles den Nonsens von gestern weder ungeschehen noch besser — und sei es nur deshalb, weil es “Bild” offenbar immer noch nicht gelingen will, zwischen “Benzin” (Überschrift) und “Diesel” (Text) zu unterscheiden…

Mehr dazu hier und hier.