Das hat er nicht gesagt

In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ist heute ein Interview zur Corona-Krise mit Lothar Wieler, dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), erschienen. Für die Überschrift hat die Redaktion ein Zitat Wielers gewählt. Und das klingt ziemlich beunruhigend:

Ausriss Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung - Wir müssen mit Zuständen wie in Italien rechnen

Wenn schon der RKI-Chef sowas sagt. Bloß: Wieler hat das nicht gesagt, auch wenn die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“) mit den An- und Abführungszeichen so tut.

Die entsprechende Passage im Interview geht so:

Kann es bei uns zu so schlimmen Zuständen wie in Spanien, Italien oder dem Elsass kommen, wo Ärzte entscheiden müssen, wem sie helfen und wen sie sterben lassen?

Wir können nicht ausschließen, dass wir hierzulande ebenfalls mehr Patienten als Beatmungsplätze haben. Ob es so kommt, ist Spekulation. Wir müssen jedenfalls damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, ganz klar.

Lothar Wieler sagt, dass wir damit rechnen müssen, „dass die Kapazitäten nicht ausreichen“. Das ist etwas anderes als die Aussage: „Wir müssen mit Zuständen wie in Italien rechnen“. Das wörtliche Zitat aus der Schlagzeile ist im Interview nie gefallen.

FAZ.net hat die Überschrift inzwischen geändert. Sie lautet nun:

„Wir müssen damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht reichen“

Mit Dank an @kungler und @Engel_Re für die Hinweise!

Nachtrag, 17:02 Uhr: Zahlreiche andere Redaktionen haben das Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mit Lothar Wieler in eigenen Artikeln aufgegriffen. Viele von ihnen, darunter Welt.de, Bild.de, bz-berlin.de, RTL.de und der Deutschlandfunk, haben den Tenor übernommen, dass der RKI-Präsident vor Verhältnissen wie in Italien warne. Die „heute“-Redaktion des ZDF verwendet sogar das erfundene Zitat eins zu eins.

***

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von BILDblog zu sichern. Bitte mach mit!
Hier erfährst Du, wie Du uns per Überweisung oder Paypal unterstützen kannst.
Und hier kannst Du uns bei Steady unterstützen:

Unterstütze uns auf Steady

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe) (3)

Teil 3 unserer Corona-Clickbait-Spezial-Serie! Auch diesmal wieder „Für Sie geklickt“: „DerWesten“, das Seuchen-Portal der Funke-Mediengruppe.

***

Sitzbereiche wurden geschlossen.

***

Sie bewacht sein Haus. Passiert aber nicht in Deutschland, sondern im US-Bundesstaat Kentucky.

***

Verschlechterter Geruchs- und Geschmackssinn.

***

„… in unseren Auftragszentren Haushaltswaren, medizinische Versorgung und andere stark gefragte Produkte priorisieren, um diese schneller erhalten, nachfüllen und versenden zu können.“

***

… Notfallreserven zu haben, für „Seuchen, Umweltkatastrophen, Terrorszenarien oder den Verteidigungsfall“. (Was übrigens kein Geheimnis ist.)

***

… in den eigenen vier Wänden trainieren.

***

… den ganzen Tag in den eigenen vier Wänden verbringen.

***

„… ist der Mensch nicht sozial.“

***

Strom billiger machen.

***

Auf einen Teil seines Gehalts verzichten.

***

„… hätte man vielleicht gesagt, wir haben dieses Jahr eine schwerere Grippewelle.“

***

Auf einen Teil seines Gehalts verzichten.

***

… noch eine Weile warten müssen, bis sie ihren Enkel Harry wiedersieht, der gerade in Kanada ist.

***

Herbert Grönemeyers Song „Bochum“, der an einem Tag um 21 Uhr überall gespielt wurde.

***

Eingerahmte Klopapierrolle.

***

„… Aldi auch während der Krise vollumfänglich agieren kann.“ (McDonald’s- Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter werden in Aldi-Filialen eingesetzt.)

***

… eine neue Rubrik im Sinne einer Nachbarschaftshilfe eingeführt.

***

Mario Götze. Denn er stand in diesem Jahr nur selten für den BVB auf dem Platz, am 30. Juni endet sein Vertrag.

***

„An alle Influencer: Stellt umgehend euer Internet ab. Neue Studie hat ergeben, das Virus verbreitet sich auch rasend schnell auch über das World Wide Web! Bitte schützt euch und andere!“

***

Raser.

***

Bitteschön. Keine Ursache.

***

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von BILDblog zu sichern. Bitte mach mit!
Hier erfährst Du, wie Du uns per Überweisung oder Paypal unterstützen kannst.
Und hier kannst Du uns bei Steady unterstützen:

Unterstütze uns auf Steady

Abos verkaufen mit der Corona-Erkrankung eines Menschen

Bei Bild.de vor der Paywall (natürlich ohne Unkenntlichmachung — die stammt von uns, da die betroffene Person sich bisher nicht zu der angeblichen Erkrankung geäußert hat):

Screenshot Bild.de - Er hat sich mit dem Coronavirus angesteckt - ... Intensivstation!

Bei Bild.de hinter der Paywall:

Der veranlasste Corona-Test fiel positiv aus. Da bei ihm eine Lungenentzündung festgestellt wurde, wurde er sofort auf die Intensivstation gebracht und unter Quarantäne gestellt.

Mittlerweile soll es dem Musiker wieder besser gehen. Lebensgefahr besteht derzeit nicht.

Mit Dank an @ExilSchorfheide für den Hinweis!

Nachtrag, 14:40 Uhr: Die „Bild“-Redaktion scheint die Bezahlschranke bei dem Artikel inzwischen rausgenommen zu haben.

Erfinder des Drosten-Podcasts, Restle und Naiv, Pekinger Bettdecke

1. Meinungsfreiheit in Zeiten von Corona – Monitor studioM
(youtube.com, Monitor, Video: 1:08 Stunden)
Bei „studioM“ sprechen „Monitor“-Chef Georg Restle und Tilo Jung („Jung & Naiv“) über journalistisches Arbeiten in Zeiten des Coronavirus und über die Gefahren, die aus den derzeitigen Grundrechtseinschränkungen erwachsen können. Außerdem dabei: Die Journalistin Katja Gloger, die als Vorstand bei Reporter ohne Grenzen über die Lage in anderen Ländern berichten kann.

2. Über 15 Mio. Abrufe: Der gewaltige Erfolg des „Coronavirus Update“ mit Professor Christian Drosten
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Nur wenige kennen Norbert Grundei, Leiter des Radiosenders N-Joy und des NDR-Audio-Labs Think Radio. Viele kennen jedoch einen Podcast, den er angestoßen hat: Das „Coronavirus-Update“ mit dem Virologen der Berliner Charité Christian Drosten. Bei „Meedia“ verrät Grundei, wie es zu der Idee kam, wieviele Personen an der Produktion beteiligt sind und wie es um die Reichweite bestellt ist.

3. Wenn die Wahrheit zur Corona-Pandemie nicht ans Licht kommen soll
(tagesspiegel.de, Gloria Geyer)
Die Corona-Krise ist in vielen Teilen der Welt auch eine Medienkrise. Der Geschäftsführer der Reporter ohne Grenzen habe sich im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ alarmiert gezeigt: „‚Ich bin selber überrascht, dass es fast auf der ganzen Welt Einschränkungen wegen der Coronavirus-Ausbreitung gibt.'“ In vielen Ländern würden die Sichtweisen, die nicht dem Handeln der Regierung entsprechen, eingeschränkt.

4. Wie wir jetzt arbeiten – Journalismus in Zeiten von Corona
(stern.de)
Auch beim „Stern“ entstehen Magazin und Website mittlerweile an vielen verschiedenen Orten und in den unterschiedlichsten Homeoffice-Umgebungen. Die Arbeitsbedingungen sind so vielfältig wie die Journalisten und Journalistinnen selbst, die über die ganze Welt verstreut sind — von Hamburg bis nach New York, von Berlin bis nach Shanghai.

5. Wie das Coronavirus Journalist:innen auf die Probe stellt
(netzpolitik.org, Dominic Lammar)
Volker Stollorz ist Geschäftsführer und Redaktionsleiter des Science Media Center Germany. Im Gespräch mit netzpolitik.org geht es um den Umgang der Medien mit wissenschaftlichen Fakten: Wie sollen Journalistinnen und Journalisten mit wissenschaftlichen Unklarheiten umgehen? Wie kann der Umgang mit ungeprüften Studien und widersprüchlichen Aussagen erfolgen? Und wie lassen sich Falschnachrichten herausfiltern?
Weiterer Lesehinweis: Beatrice Lugger ist Direktorin des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation. Bei „Zeit Online“ ermuntert sie Forscherinnen und Forscher zum Dialog mit den Nichtexperten: „Forscher sollten lernen, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.“

6. Wenig Licht am Ende des Tunnels
(blog.tagesschau.de, Tamara Anthony)
Tamara Anthony berichtet für die „Tagesschau“ aus dem ARD-Studio Peking. Was zu normalen Zeiten schon schwierig ist, gestaltet sich jetzt als besondere Herausforderung: Anthony befindet sich in Quarantäne. Im Blog der „Tagesschau“ erzählt sie, wie sie und ihr Team mit den derzeitigen Umständen umgehen, einschließlich der Vertonung unter der akustikverbessernden Bettdecke.

Christian Drosten ist „schockiert“ vom „Stern“. Zu Recht? Nein und ja.

Christian Drosten ist schockiert:

Screenshot eines Tweets von Christian Drosten - Christian Drosten im stern: Keine vollen Fußballstadien in den nächsten zwölf Monaten - Diese Zuspitzung und Selbstverkürzung durch den Stern ist mir peinlich und entspricht nicht dem Zusammenhang des Interviews. Ich bin schockiert - dazu ein Link zu einem Artikel von stern.de

Der Direktor der Virologie an der Berliner Charité hatte Stern.de ein längeres Interview gegeben. Mit dem, was die Redaktion daraus gemacht hat, war er offenbar überhaupt nicht zufrieden. Drosten bekam bei Twitter für seinen Vorwurf in Richtung „Stern“ viel Zuspruch. Aber war seine Kritik berechtigt? Nein und ja.

In Christian Drostens Tweet geht es genau genommen nicht um das Interview selbst, sondern um einen Begleitartikel bei Stern.de, in dem die Redaktion das Interview zusammenfasst. Diesen Artikel hat Drosten auch in seinem Tweet verlinkt. Die Überschrift lautet:

Screenshot Stern.de - Virologe im Interview - Christian Drosten im stern: Keine vollen Fußballstadien in den nächsten zwölf Monaten

Nimmt man nur diese Überschrift, ist Drostens Ärger nicht so richtig nachzuvollziehen. Die entsprechende Passage im Interview sieht so aus:

Wann wird im öffentlichen Raum wieder so etwas wie Normalität einkehren können?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube aber überhaupt nicht daran, dass wir in irgendeiner absehbaren Zeit wieder Fußballstadien voll machen. Das ist überflüssig. Das wird es bis nächstes Jahr um diese Zeit nicht geben. Auf Dinge, die schön sind, aber nicht systemrelevant, wird man lange verzichten. Bei Schulen wiederum wird man vermutlich relativ bald nachschauen, ob die Maßnahmen so relevant sind, oder ob man da den Druck wieder rausnehmen kann.

Die „Stern“-Redaktion hat also aus Drostens Aussage „Ich glaube aber überhaupt nicht daran, dass wir in irgendeiner absehbaren Zeit wieder Fußballstadien voll machen. (…) Das wird es bis nächstes Jahr um diese Zeit nicht geben.“ gemacht: „Christian Drosten im stern: Keine vollen Fußballstadien in den nächsten zwölf Monaten“.

Klar, da fehlt das „Ich glaube“ in der Überschrift, die leicht nach einer Forderung Drostens klingt. Und vielleicht ist es für einen Virologen, der in einem Interview viele schlaue Dinge sagt, auch etwas ärgerlich, wenn eine Redaktion sich aus diesen ganzen schlauen Dingen die zum Fußball rauspickt. Mit dem redaktionellen Recht, Schwerpunkte zu setzen, müssen aber schon immer alle Interviewten leben.

Deswegen also „schockiert“ sein? Das klingt recht übertrieben.

Allerdings gibt es in dem Artikel ja noch mehr als die Überschrift. Und da hat die „Stern“-Redaktion tatsächlich so schlecht gearbeitet, dass man Drostens Ärger verstehen kann.

In seinem NDR-Podcast sprach er am Montag auch über die Sache mit dem „Stern“ (ab Minute 26:17, auch im Skript der Folge (PDF) nachlesbar):

Und es besorgt mich ganz besonders, wenn ich sehe, dass das dann auch noch zusammenkommt mit dem Verkürzen von Aussagen. Beispielsweise was jetzt gerade am Wochenende passiert ist, ist, dass ich in einer großen Zeitschrift ein relativ differenziertes Interview gegeben habe, wo es über zwei, drei Fragen hinweg um das Thema ging: Wie kann es jetzt denn weitergehen? Also: Was macht man denn jetzt? Jetzt sind diese Maßnahmen alle in Kraft. Und wie sieht jetzt unsere Zukunft aus? Kann man da wieder raus?

Und dann habe ich schon so zum Beispiel gesagt: Naja, also wenn man sich mal anschaut: Fußballstadien mit Leuten füllen oder zur Schule gehen — da ist doch das Zurschulegehen wichtiger. Und deswegen glaube ich, dass wir so schnell nicht mehr volle Fußballstadien haben werden, aber dass wir relativ bald uns darauf konzentrieren müssen, Daten zu kriegen, um zu entscheiden, ob man vielleicht die ganze Schule oder auch nur einige Jahrgänge der Schule wieder zulassen kann. Denn das ist ja wirklich wichtig.

Es ging mir um diese Unterscheidung: Was ist hier eigentlich Spaßfaktor? Und was ist essenziell in der Gesellschaft wichtig? Und wo kann man jetzt drauf fokussieren, wenn man wieder aus diesen Kontaktmaßnahmen raus will? Und dann wurde das verkürzt. Und zwar von der Zeitschrift selber, im Internet. Natürlich um Aufmerksamkeit auf diesen Artikel zu sammeln. Und da wurde im Prinzip nur noch gesagt: „Drosten: Ein Jahr kein Fußball mehr.“ Und dann wurde noch dazugeschrieben, was gar nicht in dem Interview vorkam, dass sich das wohl auch darauf erweitern lässt, selbst ohne Zuschauer Fußballspiele abzuhalten. Also: Selbst davon würde ich abraten. Was gar nicht stimmt. Das war gar nicht der Inhalt.

Tatsächlich verdrehte Stern.de die Aussage Drostens enorm. Schon im Teaser des Artikels steht:

Der Virologe Christian Drosten erwartet nicht, dass in den kommenden zwölf Monaten wieder Fußballfans in die Stadien dürfen. Auch Geisterspiele hält er nicht für richtig.

Während der Wissenschaftler von „wieder Fußballstadien voll machen“ sprach, behauptet die Redaktion, er erwarte, dass ein Jahr lang überhaupt keine Fußballfans mehr ins Stadion dürfen. Das ist ein großer Unterschied: Bei Borussia Dortmund zum Beispiel liegen zwischen voll und gar keine Fans 81.364 Abstufungen. Und dann schriebt Stern.de auch noch, Drosten habe sich sogar gegen Spiele ohne jegliche Zuschauer ausgesprochen, was so schlicht nicht stimmt. Da kann man schon mal „schockiert“ sein.

Besonders ärgerlich in diesem Fall: Während der Begleitartikel mit dem falschen Teaser für jeden lesbar war, steckte das Interview selbst hinter der Bezahlschranke. Wer sich nach dem Teaser also wütend dachte: „Will der Drosten jetzt meinen schönen Fußball verbieten?!“, konnte ohne Abo nicht überprüfen, ob Christian Drosten das wirklich so gesagt hat (was er nicht hat). Auch das ärgerte den Virologen, wie er im NDR-Podcast sagte:

Und dann kommt noch dazu, dass dieser Artikel zusätzlich auch noch hinter einer Paywall steht. Das heißt, wenn man dann auf diese Internetmeldung geht und dann sich das Interview anschauen will, dann muss man auch noch bezahlen. Und das ärgert mich dann schon, weil das war für mich ein ganzer Nachmittag meiner Zeit, den ich da investiert habe.

Inzwischen kann man das Interview auch ohne Abo komplett lesen. Außerdem hat die „Stern“-Redaktion den Teaser des Begleitartikels umgeschrieben — dort ist jetzt nicht mehr die Rede von leeren Stadien und „Geisterspielen“. Am Ende des Textes steht eine längere „Anmerkung der Redaktion“.

Noch einen Tick schlechter als Stern.de hat es übrigens Bild.de hinbekommen. Da war schon in der Überschrift alles falsch:

Screenshot Bild.de - Chef-Virologe Drosten warnt - Ein Jahr lang leere Bundesliga-Stadien!

Dass solche Verdrehungen nicht nur üble Fehler von Redaktionen sind, sondern reale Folgen haben für die, deren Worte verdreht werden, auch darüber spricht Christian Drosten im NDR-Podcast:

Das macht mir als Person auch Angst, weil ich merke natürlich, wenn so etwas verkündet wird. Das ging, glaube ich, irgendwann Sonntagnachmittag raus über die Server. Ich habe das daran gemerkt, dass in meinem E-Mail-Eingang plötzlich aggressive Kommentare auftauchen, die mich wirklich angreifen. Und wo ich merke: Da sind Leute, die ich nicht kenne, die mich nicht kennen, die aber meine E-Mail-Adresse rausgekriegt haben und die mich jetzt befeuern.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

***

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von BILDblog zu sichern. Bitte mach mit!
Hier erfährst Du, wie Du uns per Überweisung oder Paypal unterstützen kannst.
Und hier kannst Du uns bei Steady unterstützen:

Unterstütze uns auf Steady

Zum Würfeln: Post von Wagner

Zeitknappheit, Personalmangel, begrenzte Ressourcen …

Wir kennen die Probleme der Redaktionen nur allzu gut und haben dafür die Lösung: Mit unserem neuen Würfelspiel „Kurz vor Redaktionsschluss“ lassen sich, jawoll, auch kurz vor Redaktionsschluss auf die Schnelle druckreife Teaser, kurze Artikel und sogar ganze Kolumnen erstellen.

Folge 1 unserer 16-teiligen Serie: Post von Wagner.

Das neue BILDblog-Würfelspiel Kurz vor Redaktionsschluss - Bild-Kolumne Post von Wagner - Schritt 1: Würfeln Sie den Adressaten - Schritt 2: Würfeln Sie die Einleitung - Schritt 3: Würfeln Sie den Hauptteil - Schritt 4: Würfeln Sie den Schlusssatz - Variante 1 - Lieber Jogi Löw, Sie stehen da wie eine Niete, die sich vor der Arbeit drückt. Ein freundlicher Mond, der das Wasser silbern blinken ließ. Wollen wir Fische sein oder wollen wir überleben? - Variante 2 - Liebe Angela Merkel, ich komme gerade von der Geburtstagsfeier eines Freundes. Ein Stein hat uns besucht. Ein Stein ohne Mitleid. Ohne Fußball wären wir ein ausgedörrter Brunnen. - Variante 3 - Liebe Bundesliga, Sie haben den Drachen besiegt. Beim letzten toten Freund war ich auf seiner Beerdigung. Ich sehne mich nach einem Regenschirm. - Variante 4 - Lieber Boris Becker, woran erinnert sich ein Baum? Kämpfen ist besser, als Ferrari zu fahren. Ich denke, dass Gott sich so eine Welt vorgestellt hat. - Variante 5 - Liebe Bundeswehrsoldaten, niemals habe ich eine Treibjagd wie gegen Sie erlebt. Man macht die Fenster zu und alles ist gut. In meiner Erinnerung höre ich es rascheln. - Variante 6 - Lieber kleiner Baby-Prinz, Sie haben einen Messermann erschossen. Jeder lebt hinter seiner eigenen Wohnungstür. Wie wärmend ist das für unsere eigene Seele.

Hier gibt es eine größere JPG und hier eine größere PDF zum Ausdrucken.

Am Montag folgt Ausgabe 2.

***

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von BILDblog zu sichern. Bitte mach mit!
Hier erfährst Du, wie Du uns per Überweisung oder Paypal unterstützen kannst.
Und hier kannst Du uns bei Steady unterstützen:

Unterstütze uns auf Steady

Leiterdreh beim „Spiegel“-Lenker, Verdrostet, Nehmen Sie doch Urlaub

1. Coronakrise: „Spiegel“-CvD arbeitet im Homeoffice
(ndr.de, Caroline Schmidt, Video: 5:59 Minuten)
Janko Tietz ist Chef vom Dienst beim „Spiegel“ und hat es derzeit mit einer besonderen beruflichen Herausforderung zu tun: Seine Familie und er befinden sich seit einem Skiurlaub in Österreich in häuslicher Quarantäne. Tietz muss die „Spiegel“-Website daher von Zuhause aus steuern. Caroline Schmidt hat ihm bei der Arbeit zugeschaut und musste dafür einige technische Hürden nehmen, denn sie durfte das Haus nicht betreten.

2. Coronavirus-Zeiten: Medienhäuser verkaufen mehr Digital-Abos
(rnd.de)
Für die Medienhäuser wirkt sich die Corona-Krise geschäftlich höchst unterschiedlich aus. Einerseits gebe es große Rückgänge und Stornierungen im Anzeigenmarkt, andererseits würden mehr Digital-Abos abgeschlossen.

3. Veränderung im Zeitraffer
(sueddeutsche.de, Fabian Heckenberger)
„Chefredaktion, Nachrichtenchefs und Ressortleiter besprechen sich am Konferenztisch, Mindestabstand zwei Meter. An einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden Passierscheine ausgegeben, mit denen sie im Falle von Ausgangssperren bei Polizeikontrollen nachweisen können, dass sie sich auf dem notwendigen Weg in die Redaktion befinden. Auf den Stockwerken ist es still. Die Kantine steht leer, die Cafeteria bietet Suppe, Eintopf, viel Kaffee — überreicht von weiß behandschuhten Händen.“ Fabian Heckenberger berichtet, welche Folgen das Coronavirus für die Arbeit der „Süddeutschen Zeitung“ hat.

4. Datenverkehr für Videokonferenzen steigt um 100 Prozent
(spiegel.de, Matthias Kremp)
Immer mehr Menschen greifen auf Videokonferenz-Software zurück, um sich beruflich oder privat mit anderen zu verständigen. Das macht sich auch beim weltgrößten Internetknoten in Frankfurt am Main bemerkbar: Dort habe sich der durch Videokonferenzen verursachte Traffic verdoppelt. Der durchschnittliche Datenverkehr an den Internetknoten sei jedoch nur um insgesamt zehn Prozent gestiegen.

5. Nehmen Sie doch Urlaub! Streit um Corona-Hilfen für NDR-Mitarbeiter
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
„Hamburg hält zusammen“ heißt die gemeinsame Aktion der NDR-Hörfunkwelle 90,3 und der NDR-Fernsehsendung „Hamburg Journal“, bei der Hilfesuchende und Hilfe zusammenfinden sollen. So lobenswert die Aktion ist, so wenig lobenswert scheint der Zusammenhalt im eigenen Haus — jedenfalls, was die Hilfe für die freien Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen betrifft. Die stehen derzeit nämlich ziemlich alleine da, wie Jürn Kruse bei „Übermedien“ berichtet.

6. Verdrostet!
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell, Audio: 4:29 Minuten)
Matthias Dell denkt in seiner Deutschlandfunk-Kolumne über den Podcast „Coronavirus-Update“ mit dem Virologen Christian Drosten nach: „Interessant ist das Modell von Information, das die ruhigen, tastenden Auskünfte von Drosten vorstellen. Es kommen einem beim Zuhören nicht Thesen und Ansagen entgegen, sondern man wird Teil einer Denkbewegung. Drosten schafft im Gespräch mit der NDR-Redakteurin Anja Martini Orientierung und Verständnis dadurch, dass er den Raum seines Wissens absteckt — was auch bedeutet, dessen Grenzen zu kennen, etwa wenn der Mediziner über das Verhältnis zur Politik redet, die anders funktioniert als die Wissenschaft.“

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe) (2)

Teil 2 unserer Corona-Clickbait-Spezial-Serie! Auch diesmal wieder „Für Sie geklickt“: „Der Westen“, das Klopapier-Portal der Funke-Mediengruppe.

***

… noch eine Weile in seiner Heimat Madeira bleibt.

***

… bei ihrer Hochzeit auf den Empfang im Garten des Buckingham Palace verzichten.

***

In Kliniken.

***

„Wie sollen sie von ihrem monatlichen Regelsatz von rund 150 Euro einen großen Vorrat [an Lebensmitteln] anlegen?“

***

„… weiterhin Blut gespendet wird.“

***

Menschengruppen auf dem Münchner Viktualienmarkt.

***

Bis September.

***

Spülmittel.

***

… verschoben.

***

Geschäftsschließungen.

***

Cannabis.

***

Falsche Mediziner, die bei älteren Menschen klingeln und unter dem Vorwand, einen Coronavirus-Test durchzuführen, in die Wohnung gelangen wollen.

***

„… uns beleidigen lassen, weil alles nicht schnell genug geht und uns die Ware ausgeht.“

***

„… ist zehn Mal so hoch wie bei einem Influenzafall.“

***

„An dieser Stelle noch einmal die Bitte an alle Mitarbeiter von Durstexpress.de, die sich momentan krankgeschrieben haben, oder nicht zum Dienst erscheinen wollen. Wir brauchen euch gerade mehr denn je und ihr tut uns einen riesigen Gefallen, wenn ihr die Getränke bis an unsere Haustür liefert. Deswegen versucht, zur Arbeit zu erscheinen. Wenn es euch gut geht und ihr nicht krank seid, dann kommt zur Arbeit. Wir brauchen euch. Habt Mut!“

***

Dass einige Haushaltsgegenstände nicht mehr im Lager vorrätig sind.

***

„Der Instagram-Post zeigt Michael Wendler und seine Laura, die sich nach der Show einen Kuss geben. Keinesfalls unbedenklich, wie einige Fans behaupten. In einer Zeit, in der sogar vom alltäglichen Händeschütteln abgeraten wird.“

***

Aldi UK spendete 250.000 britische Pfund an eine Hilfsorganisation, die ältere Menschen unterstützt.

***

„Das wird davon abhängen, welche Stornierungsbedingungen Sie festgelegt haben.“

***

„(Um 17:00 Uhr gehe ich ins Styling! Und draußen fangen die Menschen an Partys zu feiern … sie stehen eng an eng, liegen sich in den Armen. Mehrere Menschen trinken aus einer Flasche Bier. Nuckeln alle NACHEINANDER an einer shisha…. Hup-Konzerte, Autorennen. Irgendwann schmeißt einer den Grill an und legt Bratwürste darauf. Wisst ihr was? Ich finde das sowas von zum kotzen. Wie viele Egoisten sind eigentlich unterwegs? Wie viele haben nicht die geringste Spur von Solidarität in sich? Wie viele haben NULL gesellschaftliche Verantwortung??? Was glauben diese Menschen ???“

***

Bitteschön. Keine Ursache.

***

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von BILDblog zu sichern. Bitte mach mit!
Hier erfährst Du, wie Du uns per Überweisung oder Paypal unterstützen kannst.
Und hier kannst Du uns bei Steady unterstützen:

Unterstütze uns auf Steady

Bild.de verlinkt Facebook-Profil einer Verstorbenen

In Großbritannien ist eine 21-Jährige, die keinerlei Vorerkrankungen gehabt haben soll, am Coronavirus gestorben. Dass die „Bild“-Redaktion in so einem Fall loszieht, Soziale Netzwerke nach Fotos der Frau durchsucht und die zusammengeklaubten Bilder dann ohne Skrupel und Verpixelung veröffentlicht, ist zwar erbärmlich, aber nichts Neues. Dass sie dabei den vollen Namen der Person nennt, überrascht uns auch nicht mehr.

Dass sie aber auch einen Link zum Facebook-Profil der Verstorbenen setzt, das kannten selbst wir bisher nicht:

Screenshot einer Meldung aus dem Bild-Corona-Liveticker zu dem Todesfall in Großbritannien. Dabei auch zu sehen: Dass die Bild-Redaktion das Facebook-Profil der Verstorbenen verlinkt hat
(Alle Unkenntlichmachungen durch uns.)

Mit Dank an Christian für den Hinweis!

Angst und Geld machen in Zeiten von Corona

Es ist nur ein Beispiel, aber dafür ein recht typisches, das zeigt, wie die „Bild“-Redaktion in diesen unsicheren Tagen a) Angst verbreitet und b) versucht, mit dieser Angst der Menschen Kohle zu machen:

Screenshot Bild.de - Italien schließt Zapfsäulen - Machen auch bei uns die Tankstellen dicht?

Jeder, der bisher nicht daran gedacht hat, dass ja vielleicht „auch bei uns die Tankstellen dicht“ machen könnten, kann nun denken: Oh Gott, machen auch bei uns die Tankstellen dicht?

Wenn man kein „Bild plus“-Abo hat, erfährt man dazu nur:

In Italien schließen demnächst die ersten Tankstellen, kündigen die Betreiberverbände an. Ab Mittwochabend sollen demnach zunächst die Zapfstellen an Autobahnen dichtmachen, dann sollen nach und nach andere Tankstellen folgen.

Tankstellen dicht — ist das auch bei uns möglich?

Lesen Sie mit BILDplus, wie die Mineralöl-Industrie die Versorgungslage in Deutschland einschätzt!

Die Antwort auf die „Bild“-Überschrift lautet, wie so oft, wenn dort ein Fragezeichen am Ende steht: nein. In Deutschland sei es „offenbar nicht der Fall“, dass Tankstellen bald schließen müssen, steht im Artikel. Ein Sprecher des Mineralöl-Wirtschaftsverbands sagt, „bei uns“ sehe es gut aus. Und der Hauptgeschäftsführer des Verbands antwortet auf die Frage, ob die Versorgung aufrechterhalten werden kann:

„Eindeutig ja, Benzin und Diesel sind jederzeit verfügbar.“

Die durchaus wichtige Info, dass an der Tankstellenfront alles in Ordnung ist, gibt es nur gegen Bezahlung.

Klar, auch die „Bild“-Redaktion muss zusehen, wie sie ihre Arbeit finanziert. Aber muss sie dafür wirklich die Notlage von Menschen ausnutzen, wie in diesem Fall?

Screenshot Bild.de - Diesen Artikel lesen Sie nur mit Bild plus - Was gestrandete Urlauber jetzt wissen müssen - So kriegen Sie einen Platz im Rettungsflieger

Zumal gestrandete Urlauberinnen und Urlauber die Antworten auf ihre wichtigsten Fragen sowieso beim Auswärtigen Amt bekommen — ohne vorher ein Abo abschließen zu müssen.

Wir würden gar nicht soweit gehen, dass alle Artikel zum Coronavirus, egal von welcher Redaktion, kostenfrei abrufbar sein sollten. Aber die grundlegenden. Die, die Menschen zum Beispiel bei der drängenden Frage helfen, ob sie sich „jetzt testen lassen“ sollen. Die „Bild“-Redaktion will mit der „ANGST VOR CORONA-INFEKTION“ aber lieber Geld machen:

Screenshot Bild.de - Angst vor Corona-Infektion - Soll ich mich jetzt testen lassen?

Eine kostenlose Antwort darauf gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Mit Dank an Bloodtrain für den Hinweis!

***

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von BILDblog zu sichern. Bitte mach mit!
Hier erfährst Du, wie Du uns per Überweisung oder Paypal unterstützen kannst.
Und hier kannst Du uns bei Steady unterstützen:

Unterstütze uns auf Steady

Blättern: 1 2 3 4 ... 989

BILDblog-Klassiker

„Bild“ gafft hinter den Sichtschutz

Um Menschen in Notsituationen vor den gierigen Blicken anderer zu schützen, versperren Rettungskräfte den Gaffern oft mit Decken oder Tüchern die Sicht.

Vergangene Woche gab es im saarländischen Riegelsberg so einen Fall. Ein stark übergewichtiger Mann musste ins Krankenhaus gebracht werden, doch ein Transport durch das Treppenhaus war nicht möglich. Also wurden Feuerwehr und THW gerufen, die es zuerst mit einer Drehleiter, dann mit einem Kran versuchen wollten, schließlich aber ein Fenster herausbrachen und den Mann mit Hilfe eines Baggers aus seiner Wohnung holten. Die Rettungsaktion dauerte sechs Stunden, Dutzende Helfer waren vor Ort, selbst der Bürgermeister kam zwischendurch mal vorbei, um sich die Sache anzuschauen.

Man kann nur erahnen, wie sich der Patient dabei gefühlt haben muss. Mit nacktem Oberkörper in der Baggerschaufel sitzend, überall Menschen, im Garten ein Krangerüst. Immerhin kamen die erwähnten Decken zum Einsatz, die die Rettungskräfte hochhielten, um den Mann vor den Blicken der Anwohner zu schützen.

Das Problem ist nur, dass auch ein Journalist vor Ort war. Und der hat die Szenen hinter dem Sichtschutz fotografiert und die Fotos dann an die „Bild“-Zeitung verkauft:

Hier wird ein 400-Kilo-Mann mit dem Bagger aus dem Haus geholt

Die Männer mit dem Sichtschutz sind in der Print-Ausgabe nicht zu sehen. Online aber schon:

Vorher musste der Fensterrahmen herausgestemmt werden! - 400-Kilo-Mann mit Bagger aus dem Haus geholt - [Bildunterschrift:] Mit Fingerspitzengefühl und schwerem Gerät befreien die Rettungskräfte [Vorname] L. aus seiner Wohnung, bringen ihn in der Baggerschaufel zum Spezial-Rettungswagen

Wir haben bei der Feuerwehr Riegelsberg nachgefragt, warum sie es zugelassen hat, dass der Fotograf — der übrigens auch für die offiziellen Internetseiten der örtlichen Feuerwehr und des THW arbeitet — hinter den Sichtschutz gelangt und dort auch noch fotografiert. Ein Sprecher antwortete uns, es sei „nicht immer möglich, die Pressefotografen an den Einsatzstellen fern- bzw. aufzuhalten.“ Der Fotograf sei in diesem Fall „nicht hinter den Sichtschutz gelangt, sondern verschaffte sich von einer erhöhten Position den Blick auf die dargestellte Situation.“

Danach sehen die Fotos allerdings nicht aus.

Mit Dank an Roland G.

Bild  

Blindes Stochern im Buchstabensalat

Können Sie das lesen? Ehct ksras!

Ehct ksras! Gmäeß eneir Sutide der Uvinisterät Cmbaidrge ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wort snid, das Ezniige, was wcthiig ist: dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiin sind. Der Rset kann ein ttoaelr Bsinöldn sein, tedztorm kann man ihn onhe Pemoblre lseen.

Da hat „Blid“ soagr fsat rehct: In der Tat knnöen wir Wröetr acuh mit Bhcutsabnealast ncoh eniiegmraeßn lseen. Nur hat deise Gshceihcte, für die „Blid“ huete sgoar erxta enien Pltaz auf der Ttielsiete feirgreäumt hat, drei kliene Haekn.

Esrter Haekn: Desies Pähmonen ist ein gnaz shöcn atelr Hut. In Dtuecshalnd shcrieb man sohcn vor mnidsetnes elf Jhaern drabüer.

Urprsüglnich… okay, jetzt reicht’s auch. Ursprünglich kommt der Text aber aus England, wo 2003 folgende E-Mail kursierte:

Aoccdrnig to a rscheearch at Cmabrigde Uinervtisy, it deosn’t mttaer in waht oredr the ltteers in a wrod are, the olny iprmoetnt tihng is taht the frist and lsat ltteer be at the rghit pclae. The rset can be a toatl mses and you can sitll raed it wouthit porbelm.

Zweiter Haken: Diese „Sutide der Uvinisterät Cmbaidrge“ oder auch „rscheearch at Cmabrigde Uinervtisy“ hat es nie gegeben. Zwar hat mal tatsächlich ein britischer Forscher ein ähnliches Phänomen in seiner Doktorarbeit untersucht, das war aber in Nottingham, nicht in Cambridge, und ist jetzt auch schon gut 40 Jahre her.

Dritter Haken: Es stimmt nicht, dass man die Buchstaben beliebig drehen kann. Eine (tatsächlich durchgeführte) Studie hat 2006 gezeigt, dass die Lesbarkeit sehr wohl von der Reihenfolge der Buchstaben abhängt. Bhcutsabnealast kann man vielleicht noch lesen, bei Btssbclhaaauent wird’s aber eng.

Also anders buchstbaiert: Ein zhen Jrhae atler Haox, der auf eniem 40 Jhare aeltn Pähonmen brehut, ist hutee Ttielgsehcihtce bei „Blid“. Ehct ksras!

Mit Dank an Martin K. und Robert.

„Bild“ tritt auf die Ärmsten der Armen ein

Wir wissen noch immer nicht, was bei „Bild“-Mitarbeitern an der Stelle sitzt, an der bei Nicht-„Bild“-Mitarbeitern ein Herz schlägt. Aber was immer sich dort befinden mag — es muss in der Lage sein, Empathie zu vermeiden und Wut zu erzeugen:

Dieses Bild macht wütend!

Diese Worte stammen von „Bild“-Reporter Julien Wilkens. Das Foto, das ihn so wütend macht, landete heute bei Bild.de ganz oben auf der Startseite …

Screenshot Bild.de - Diese Masche von Job-Verweigerern macht wütend - Hier wird aus Wasser Bier und der Staat zahlt
(Alle Unkenntlichmachungen durch uns.)

… und mit zwei weiteren Fotos in der „Bild“-Bundesausgabe auf Seite 3:

Ausriss Bild-Zeitung - Hier wird aus Wasser Bier und der Staat bezahlt es

Wilkens, immer noch wütend, schreibt dazu:

Wir sehen zwei Männer, die vor einem Supermarkt in Berlin stehen. Sie öffnen nacheinander zwölf Wasserflaschen, kippen sie in die Grünanlage. Siehe da: Wenig später wird aus Wasser Bier … Und der Staat zahlt!

Dieses Bild macht wütend! Denn einer der Männer, der offensichtlich der Trinker-Szene angehört, geht danach in den Supermarkt, gibt die Flaschen zurück — und kauft sich vom Pfand fünf Dosen Bier (je 29 Cent plus Pfand).

BILD erklärt die seltsame Tauschaktion: Das Wasser haben die Männer mit Lebensmittel-Gutscheinen [für Hartz-IV-Empfänger] gezahlt. Auf denen steht ausdrücklich: nicht für Tabak, nicht für Alkohol.

Ein Mann, offenbar Hartz-IV-Empfänger, offenbar alkoholkrank, offenbar einer der Ärmsten der Armen, kippt Wasser im Wert von 2,28 Euro (zwölf Flaschen à 19 Cent) weg, um seine Sucht stillen zu können. Dieser Pipibetrag reicht „Bild“-Mitarbeitern für eine Der-Staat-wird-ausgenommen-!-Skandalstory. 2,28 Euro reichen bei „Bild“ und Bild.de, um arme Gestalten vorzuführen, sie an den Pranger zu stellen, auf sie einzutreten.

Laut Credit hat Julien Wilkens die drei angeblich wütend-machenden Fotos selbst aufgenommen. Was für eine traurige Vorstellung: Ein „Bild“-Reporter, das Smartphone im Anschlag, verfolgt einen Alkoholabhängigen durch einen Supermarkt, um an einen Aufreger zu kommen. Allein der Gedanke macht wütend.

Mit Dank an Stefan P. und Simon für die Hinweise!

MDR hilft „RT“ und AfD, Heinos SS-Platte, Journalismus auf Blockchain

1. Wie der MDR der AfD und Moskau zugleich half
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Die Konstellation ist schon ganz interessant: Ein AfD-Politiker schimpft beim vom russischen Staat finanzierten TV-Sender „RT“ über den Islam, alles ermöglicht durch die technische Hilfe des öffentlich-rechtlichen MDR. Matthias Meisner fragt: „Musste das sein?“ Der MDR antwortet bei Twitter: Ja, das musste sein, „das handhaben wir bei allen Mitgliedern der EBU — der Europäischen Rundfunkunion, in der auch Russia Today International Mitglied ist — gleichermaßen.“ Nur: „RT“ ist gar nicht Mitglied in der „EBU“.

2. Heino schenkt Heimatministerin Platte mit SS-Liedern
(sueddeutsche.de, Christian Wernicke)
Das war ein bemerkenswertes Geschenk, das Schlagersänger Heino Nordrhein-Westfalens Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) zum „NRW-Heimatkongress“ mitgebracht hatte: eine Schallplatte von 1981 mit dem Titel „Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder“. Nur einer der 24 von Heino gesungenen Songs habe überhaupt einen Bezug zum Bundesland, schreibt Christian Wernicke: „Vieles hingegen klang schrecklich großdeutsch. „Wenn alle untreu werden“ ist ein Gassenhauer aus dem „Liederbuch der SS“. Und mit „Flamme empor“ und „Der Gott, der Eisen wachsen ließ“ intonierte Heino da noch weitere Melodien, die einst die Nazi-Schergen gesungen hatten.“

3. Emotionen statt Fakten
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries)
Man sieht sie inzwischen unter oder inmitten von vielen Artikeln: Online-Umfragen von Redaktionen, bei denen man einen Regler nach links oder rechts schieben und so beispielsweise kundtun kann, dass man die Zeitumstellung super oder total blöd findet. Das Problem dabei: Diese Umfrage sind ziemlich anfällig für Manipulationen — es reicht oft schon, einen Cookie zu löschen, um mehrfach abstimmen zu können. Jetzt hat sich auch der Presserat mit den manipulierbaren Online-Umfragen beschäftigt, wie Stefan Fries berichtet.

4. Die Blockchain-Technologie: Anwendungsbeispiele und Potenziale im Journalismus
(fachjournalist.de, Florian Regensburger)
Viele Digital-Experten und Krypto-Fans sehen in der Blockchain-Technologie, die auch die Grundlage von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum bildet, eine Lösung zahlreicher Probleme: beispielsweise bei Wahlen, bei Abschlüssen von Verträgen, bei Urheberrechtsfragen. Kann die Blockchain auch die Probleme lösen, mit denen sich der (digitale) Journalismus rumschlägt? Florian Regensburger hat sich einige bereits existierende mediale Anwendungsbeispiele auf Blockchain-Basis angeschaut.

5. Ich, ich, ich – aber wie viel Joko steckt in Jokos Zeitschrift?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Seit gestern gibt es ein neues Magazin bei „Gruner + Jahr“, es heißt „JWD. Joko Winterscheidts Druckerzeugnis“. Genauso wie bei „Barbara“ (Barbara Schöneberger) ist das Heft um eine prominente Person herum aufgebaut: in diesem Fall um — Überraschung! — Moderator Joko Winterscheidt. Alexander Krei hat „JWD.“ gelesen und wirkt recht angetan. Weiterer Lesetipp: Im Interview mit der „Zeit“ hat Winterscheidt nicht nur, aber auch über sein neues Magazin gesprochen.

6. Tageszeitung im Abo? Wie sich das 2018 anfühlt
(blog.franziskript.de, Franziska Bluhm)
„Seit sieben Jahren waren wir ohne, nun läuft seit ungefähr zehn Tagen in unserem Haushalt ein Experiment: Wir haben eine Tageszeitung.“ Das schreibt die experimentierfreudige Franziska Bluhm. Ihr erstes Fazit fällt gemischt, mit Hang zum Negativen aus.

Aus Kreisen, Gesichtserkennungs-Unstatistik, Publizistisches Einerlei

1. „Aus Kreisen…“ — das Spiel mit den Informationen
(deutschlandfunk.de, Henning Hübert, Audio, 6:47 Minuten)
Wie ist es zu erklären, dass manche Journalisten bereits kurz nach Bekanntgabe von Angela Merkels Rückzug als Parteivorsitzende mit Hintergrundinformationen an die Öffentlichkeit gehen konnten? Stephan Detjen, Chef des Hauptstadtstudios des „Deutschlandfunks“, erzählt von den ungeschriebenen Spielregeln des Berliner Medienbetriebs. Und erklärt, wie es einem der Kandidaten für das Amt des CDU-Vorsitzenden, Friedrich Merz, gelingen konnte, auch ohne politische Ämter all die Jahre über im Gespräch zu bleiben.

2. Unstatistik des Monats: „Erfolgreiche“ Gesichtserkennung mit Hunderttausenden Fehlalarmen
(rwi-essen.de)
Das Innenministerium hat sich mit einer Pressemitteilung über das angeblich erfolgreiche Projekt zur automatischen Gesichtserkennung die fragwürdige Auszeichnung „Unstatistik des Monats Oktober“ erworben. Die Statistik-Experten vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung haben nachgerechnet und kommen auf monatlich mehr als 350.000 unnötige Personenkontrollen durch Fehlalarme: „Dass das Gesichtserkennungssystem 99,3% der Verdächtigten zu Unrecht verdächtigt, ist mit der Regel von Bayes (ein Satz aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung) berechnet, die in Bayern inzwischen jeder Schüler der 11. Klasse lernt. Im Bericht und der Pressemitteilung ist sie nicht zu finden.“

3. Immer häufiger wird zugeschlagen
(taz.de, David Bauer)
Wenn Donald Trump Stimmung gegen Medien machte, bekamen dies bislang meist die Journalistinnen und Journalisten großer Medienhäuser wie CNN oder „New York Times“ zu spüren. Das Dauergehetze gegen die Redaktionen kommt mittlerweile jedoch auch beim Lokaljournalismus an. David Bauer schreibt vom alltäglichen Hass, der amerikanischen Pressevertretern aus Teilen der Bevölkerung entgegenschlägt. Und der sich nicht nur in Verbalattacken oder Drohungen, sondern auch in tätlichen Angriffen ausdrückt.

4. „Jeder Journalist sollte mal ins Gefängnis“
(mediummagazin.de, Jens Twiehaus)
Der Leiter der „Zeitenspiegel“-Reportageschule, Philipp Maußhardt, musste im Oktober für drei Tage ins Gefängnis, und das hat einen ungewöhnlichen Grund: Maußhardt hatte einen Ebay-Verkäufer wegen Nicht-Lieferung verklagt, war aber nicht zum von ihm selbst initiierten Gerichtstermin erschienen, was ein Ordnungsgeld nach sich zog. Weil er sich weigerte, dies zu bezahlen, wanderte Maußhardt für drei Tage in den Knast. Eine Erfahrung, die jeder mal gemacht haben sollte, wie er im Interview erklärt.

5. Publizistische Vielfalt ist bedroht
(de.ejo-online.eu, Linards Udris & Mark Eisenegger & Daniel Vogler)
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz betreiben Medienhäuser zunehmend redaktionelle Verbundsysteme. Was auf der einen Seite Kosten spart, beschneidet auf der anderen Seite die journalistische und publizistische Vielfalt. Und das ist nachweisbar: Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich hat für sein Jahrbuch einen automatisierten Textvergleich angestellt. Das Ergebnis: In den Schweizer Medien werden immer öfter dieselben Inhalte verbreitet.
Weiterer Lesetipp: Das komplette Jahrbuch sowie verschiedene in Kurzform aufbereitete Analysen können auf der eigens dafür eingerichteten Website kostenlos heruntergeladen werden.

6. Return of the Gruselpresse: 13 Horrorfilme mit Journalisten
(journalistenfilme.de, Patrick Torma)
Pünktlich zu Halloween stellt Patrick Torma 13 neue Horrorfilme mit Journalistinnen und Journalisten vor, die Slashern, Dämonen und allerlei mythologischem Getier auf die gruselige Pelle rücken.