1. Meta sperrte »No Kings«-Account auf Instagram
(spiegel.de)
Der Tech-Konzern Meta habe um Entschuldigung dafür gebeten, den Instagram-Account der US-Protestbewegung “No Kings” am Wochenende vorübergehend offline genommen zu haben. Die Sperre sei durch automatisierte Schutzsysteme ausgelöst worden, da ein sprunghafter Aktivitätsanstieg fälschlicherweise wie Bot-Verkehr gewirkt habe, habe ein Unternehmenssprecher erklärt. Die Initiative habe im Vorfeld der Zwischenwahlen landesweit zu Tausenden Kundgebungen gegen die Migrationspolitik von US-Präsident Donald Trump mobilisiert. Die Organisatoren hätten die Erklärung von Meta als unzureichend zurückgewiesen. Beiträge zur Bewegung sowie zu Hinweisen zur Stimmabgabe seien auf Meta-Plattformen gedrosselt worden.
2. Propaganda trotz Sanktionen: Tätigkeit zweier russischer Korrespondenten wirft Fragen auf
(correctiv.org, Alexej Hock)
Die Tätigkeit zweier in Berlin lebender russischer Staatsbürger für den sanktionierten Telegram-Kanal “Rybar” sowie für die ebenfalls mit EU-Sanktionen belegte National Media Group werfe erhebliche Rechtsfragen auf, berichtet “Correctiv”. Die beiden Männer, die offiziell seit Jahren für das russische Medium “Iswestija” akkreditiert seien, seien bei Dreharbeiten für den militärischen Propaganda-Kanal in Prag aufgeflogen. Laut Fachjuristen bedeute bereits das Bereitstellen journalistischer Arbeitsleistung für sanktionierte Entitäten einen strafbaren Sanktionsverstoß.
3. Nachrichtenmüde? Wie Audio-News junge Leute erreichen wollen
(media-lab.de, Alina Meyer)
Knapp 80 Prozent der 18- bis 24-Jährigen würden Nachrichten zumindest zeitweise aus Selbstschutz vor Überforderung und Negativität meiden, schreibt Medienforscherin Alina Meyer im Blog des Media Lab Bayern. Um dieser zunehmenden “News Avoidance” entgegenzuwirken, böten Audio-Formate und Podcasts großes Potenzial für öffentlich-rechtliche Redaktionen. Aus Interviews mit Programmverantwortlichen leitet Meyer konkrete Empfehlungen ab: Redaktionen sollten die Lebensrealität junger Menschen stärker in der Themenauswahl verankern, konstruktive Ansätze zur Stärkung der Selbstwirksamkeit nutzen und Feedbackkanäle etablieren.
4. tbd & die Medientage München: Wer erfindet den Journalismus neu?
(ardsounds.de, Marie Müller, Audio: 27:34 Minuten)
Das journalistische Start-up “tbd” wolle verloren gegangenes Vertrauen in den Journalismus durch gezielten Publikumsdialog und persönliche Begegnungen vor Ort wieder aufbauen, berichtet der Podcast “BR24 Medien”. Im Gespräch mit Marie Müller bilanzieren Mitgründerin Ann-Kathrin Hipp, einst beim “Tagesspiegel”-“Checkpoint”, und Medienforscherin Alexandra Borchardt vom Reuters Institute die ersten Erfahrungen einer Deutschlandtour. “tbd” kritisiere etablierte Redaktionen dafür, sich zu sehr von der Lebensrealität der Menschen entfernt zu haben und Kritik reflexhaft abzuwehren.
5. Im Aufschwung
(taz.de, Anastasia Zejneli)
Das linke Wirtschaftsmagazin “Surplus” verzeichne anderthalb Jahre nach seiner Gründung eine Auflage von 12.000 Exemplaren und ein Jahreswachstum von rund 70 Prozent, berichtet die “taz” nach einem Redaktionsbesuch. Das im Berliner Brumaire Verlag erscheinende Blatt setze auf einen pluralen, keynesianisch geprägten Blick auf Wirtschaftspolitik und wolle ein Gegengewicht zu marktliberal dominierten Leitmedien bilden. Getragen werde das Projekt von bekannten Stimmen aus Forschung und Publizistik wie Maurice Höfgen, Isabella Weber und Adam Tooze. Für sechs von zehn Abonnentinnen beziehungsweise Abonnenten sei es das erste Wirtschaftsmagazin überhaupt. Gründer Lukas Scholle plane bereits eine internationale Expansion mit einer englischsprachigen Ausgabe.
6. Denkzettel für Leo Kirch: Wie Sat.1 mit “ran” um 20:15 scheiterte
(dwdl.de, Christian Richter)
Immer wieder interessant: Christian Richters Blick in die “Telegeschichte(n)”. Diesmal geht es um einen “Denkzettel für Leo Kirch”: Um mehr Abos für den Bezahlsender Premiere World zu verkaufen, habe Sat.1 seine Bundesliga-Zusammenfassungen im Sommer 2001 in die Hauptsendezeit verlegt, also auf einen späteren Zeitpunkt als bisher. So sollte die Attraktivität der kostenpflichtigen Liveübertragungen der Bundesliga-Spiele im Programm von Premiere World gesteigert werden. Der Schritt habe jedoch zu einem Quotenabsturz der Fußballsendung “ran” geführt. Nach heftigen Protesten von Fans, Vereinen und Politik habe Sat.1 bereits nach wenigen Wochen eingelenkt und die Sendung wieder in den Vorabend zurückgeholt.



