Projekt „Hassmaschine“, Taschengeld fürs Lokale, Zwang zur Solidarität

1. Wie Facebook im Kampf gegen Hass versagt
(tagesschau.de, Benedikt Nabben & Maximilian Richt & Niels Ringler & Robert Schöffel & Hakan Tanriverdi & Maximilian Zierer & Nils Altland & Sebastian Pittelkow & Christian Basl & Katja Riedel)
Das Projekt „#Hassmaschine“ von BR, NDR und WDR offenbare das Versagen von Facebook im Umgang mit der rechten, mitunter rechtsextremen Schattenwelt der Facebook-Gruppen. In einer gemeinsamen Auswertung habe man 2,6 Millionen Posts und Kommentare aus 138 meist geschlossenen rechten Facebook-Gruppen technisch erfasst und analysiert. Mit einer einfachen Schlagwortsuche habe man neben mehr als 10.000 schweren Beleidigungen (viele davon rassistisch) weit mehr als 1000 mutmaßlich rechtswidrige Inhalte identifizieren können, darunter Aufrufe zur Vergewaltigung, SS-Runen oder antisemitische Hasspropaganda. Facebook habe auf eine Weise reagiert, mit der ein derartiges Unternehmen wohl standardmäßig reagiert: „Wir möchten Hassrede natürlich löschen. Und wir haben im Kampf gegen Hassrede in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht.“
Weiterer Lesehinweis: Lesens- und sehenswert, auch wegen der interaktiven Aufbereitung der Recherche: Wie Facebook beim Hass im Netz versagt (br.de).
Und wegen des Bezugs zu Facebook die aktuelle Meldung: BGH stoppt Datensammlung von Facebook: „Der Bundesgerichtshof hat eine Verbotsverfügung des Bundeskartellamts im Eilverfahren bestätigt. Es stimme, dass Facebook seine marktbeherrschende Stellung missbrauche.“ (zeit.de)

2. 3F3A: Wieder mehr Transparenz bei NDR Info
(fair-radio.net, Mario Köhne)
Die Initiative „fair radio“ setzt sich für ein glaubwürdiges Radio ein, das offen damit umgeht, wann live moderiert wird und wann Konserven gesendet werden. Aktuell vermeldet „fair radio“ eine positive Nachricht aus dem NDR. Die Initiative sei im Besitz einer internen Mail des Senders mit „Transparenzkriterien für Gesprächsaufzeichnungen“.

3. Bremen: Regionale Nachrichten für alle
(mmm.verdi.de, Eckhard Stengel)
Eine neue App will zum Aggregator für Lokalnachrichten werden. Das mit Forschungsmitteln des Bundes entwickelte „molo.news“ stellt die wichtigsten Artikel regionaler Medien, aber auch Mitteilungen von lokalen Vereinen und Initiativen zusammen. Die Entwicklung der App habe bislang 800.000 Euro gekostet, das meiste Geld sei vom Bundesforschungsministerium gekommen. Anmerkung des Kurators: Nach einem kurzen Testlauf fragt man sich, wie dieser Betrag zustande kam. Die beteiligten Medienhäuser würden ihre Nachrichten gratis liefern, und die Personalkosten dürften sich in Grenzen halten, denn die Redaktion bestehe lediglich aus fünf bezahlten studentischen Hilfskräften „mit journalistischer Vorerfahrung“.

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4. ze.tt wird Ressort von ZEIT ONLINE
(zeit-verlagsgruppe.de)
„ze.tt“, das Jugendportal der „Zeit“ verliert seine Eigenständigkeit und wandert im Herbst als eigenes Ressort zu „Zeit Online“. Die Umstrukturierung solle „ze.tt“ „langfristig auf eine wirtschaftlich zukunftsfähige Basis stellen und den Austausch mit anderen Angeboten von ZEIT ONLINE verstärken“. Man kann also annehmen, dass sinkende Werbeerlöse der Grund für den Umbau waren. Damit ist die „Zeit“ nicht allein – vor Kurzem hatte es den „Spiegel“-Ableger für junge Leute „Bento“ getroffen, der zum Herbst eingestellt wird.

5. Nur ein Taschengeld
(taz.de, Steffen Grimberg)
„Obwohl Lokaljournalismus so wichtig ist, wird dort beschissen bezahlt“, so Steffen Grimbergs markige Zusammenfassung des neuen Honorarreports der Freischreiber. Über ein Viertel der freien Lokaljournalistinnen und -journalisten würden laut der Umfrage des Berufsverbandes maximal 10 Euro brutto pro Stunde verdienen.

6. Ich will mich nicht solidarisieren, muss es aber doch
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner von Deutschen Journalisten-Verband kommentiert die bislang nicht umgesetzte, aber eventuell noch erfolgende Strafanzeige des Bundesinnenministers gegen eine „taz“-Kolumnistin: „Der Minister also, der qua Amt die Pressefreiheit besonders schützen soll, holt den Knüppel aus der Schublade. Der Minister, der bisher trotz mehrmaliger Aufforderungen keine sichtbaren Anstrengungen unternommen hat, Journalisten vor rechtsextremistischem Hass zu schützen. Horst Seehofer zwingt damit mich und viele andere Journalisten zur Solidarität mit der taz-Kolumnistin. Das ist bitter. Denn ich finde die ‚Kolumne‘ wirklich abgrundtief schlecht.“