Archiv für Sport Bild

Woher kam der Mega-Hype um Sturm-Juwel Super-Fiete?

Screenshot Bild.de: 13 Monate kein Tor, nur Stürmer Nr. 3 - HSV Talent Arp zu früh hochgejubelt
(„Bild“, gestern)

Ja, Mensch, wer macht denn sowas?

Screenshot Bild.de: HSV-Fiete ganz groß
(„Bild“, 05.11.2017)

Der Junge ist rich­tig gut. Zu gut für den HSV? Ham­burgs Sturm-Ju­wel Fiete Arp (17) dreht bei der U17-WM in In­di­en auf.

(„Bild“, 17.10.2017)

Jann-Fiete Arp heißt der Stürmer, mit dessen Talent Hamburg seit vielen Jahren niemand Vergleichbaren mehr gesehen hat. Experten sagen ihm eine ganz große Karriere voraus.

(„Bild“, 06.11.2017)

HSV-Idol über Sturm-Juwel – Hrubesch adelt Arp: „Fiete wird ganz oben ankommen

(„Sport Bild“, 02.01.2018)

Ein Bubi als Hoffnungstäger – Nur Trainer Gisdol lässt sich nicht vom Arp-Hype anstecken

(„Sport Bild“, 18.11.2017)

Screenshot Bild.de: Jetzt gibt der HSV Vollgas bei Super-Fiete
(„Bild“, 17.05.2017)

Noch in dieser Woche soll geklärt werden, ob HSV-Sturmjuwel Fiete Arp (18) zu den Bayern wechselt.

(„Bild“, 18.7.2018)

Nach seinem spektakulären Einstand im Herbst 2017 mit zwei Toren in den ersten drei Spielen entwickelte sich ein Mega-Hype um das HSV-Eigengewächs

(„Bild“, 27.2.2018)

Screenshot Sportbild: "Super-Bubi Arp: Erst die WM gewinnen, dann die HSV retten"
(„Sport Bild“, 19.10.2017)

Wende beim größten HSV-Juwel!

(„Bild“, 20.7.2018)

18-jähriges Supertalent – Für den HSV: Arp verzichtete auf 8,5 Mio.

(„Sport Bild“, 23.8.2018)

Screenshot Sportbild: Kampf um HSV-Juewel! Chelsea will Top-Talent Arp
(„Sport Bild“, 12.05.2017)

Für das HSV-Sturmjuwel ist die Partie eine ganz besondere.

(„Bild“, 13.8.2018)

Verliert der HSV nach dem Abstieg sein größtes Juwel an Bayern München?

(„Bild“, 8.3.2018)

Screenshot Bild.de: Super-Fiete: HSV will sofort verlängern!
(„Bild“, 4.11.2017)

Warum das HSV-Juwel Chelsea absagt

(„Bild“, 2.8.2017)

Hamburgs Sturm-Juwel wird seinen bis 2019 laufenden Kontrakt beim HSV nicht verlängern.

(„Bild“, 17.5.2018)

Screenshot Bild.de: Erst Mathe-Abi, dann Werder-Finale - Die Wahnsinns-Woche von HSV-Juwel Arp
(„Bild“, 2.5.2018)

Mit Dank an @WarnenUndMahnen für den Hinweis!

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„Ich kann noch alles ändern“

Ich sage dies, weil es teilweise bekannt ist, weil es Fotos gibt — und dass ich „Vetternwirtschaft“ oder Beeinflussung bei dieser Recherche trotzdem komplett ausgeschlossen habe.

Das versprach „Bild“-Kolumnist Alfred Draxler im Oktober 2015. Sein Text zur Sommermärchen-Affäre, zur möglicherweise gekauften Fußball-WM 2006 in Deutschland, war laut Draxler das Ergebnis einer „Intensiv-Recherche“:

Screenshot Bild.de - Das Sommermärchen war nicht gekauft - So war es wirklich mit den 6,7 Millionen Euro

Draxlers Unabhängigkeitserklärung, die Betonung, er habe „Beeinflussung bei dieser Recherche“ komplett ausgeschlossen, wirkte damals bereits ziemlich lächerlich, schließlich beruhte sein Freispruch für seine Kumpels beim Deutschen Fußball-Bund einzig auf „langen und intensiven“ Gesprächen mit seinen Kumpels beim Deutschen Fußball-Bund. Jetzt scheint sich Draxlers Beteuerung als glatte Lüge zu entpuppen.

Ein Text im aktuellen „Spiegel“ zu einem Gerichtsurteil rund um das Sommermärchen beginnt mit dieser Geschichte:

Das Arbeitsprinzip des Sportjournalisten Alfred Draxler ist das eines Unterziehleibchens: Keiner klebt so eng am Deutschen Fußball-Bund wie der Chefkolumnist der „Bild“, keiner umgarnt die großen Namen so hautfreundlich wie Draxler.

Das war schon so, als er 2015 den Verband nach einer angeblichen „Intensiv-Recherche“ in Schutz nahm. Nein, das Sommermärchen, die deutsche WM 2006, sei nicht gekauft gewesen, schrieb er in einer Kolumne. Was der Leser damals nicht erfuhr: dass Draxler seinen Artikel zuvor noch dem amtierenden DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach zum Gegenlesen geschickt hatte, mit der devoten Betreffzeile „Ich kann noch alles ändern.“

Genauso ging das Stück vorab auch an Elvira Netzer, Ehefrau von Altstar Günter Netzer, der ebenfalls in jenen dubiosen Deal um 6,7 Millionen Euro aus der deutschen WM-Kasse verwickelt war: „Ich kann noch alles ändern.“

Alfred Draxler soll seinen Text also den Leuten, über die er berichtet hat, zum Gegenlesen geschickt und ihnen versprochen haben, er könne „noch alles ändern“ — und hat dann in genau diesen Text geschrieben, dass er „bei dieser Recherche“ Beeinflussung „komplett ausgeschlossen“ habe.

Ein anderer Satz in Draxlers DFB-Verteidigungsschrift lautete:

ICH BIN MIR BEWUSST, DASS ICH MIT DIESEM ARTIKEL MEINE REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER AUFS SPIEL SETZE.

Kai Diekmann, damals noch „Bild“-Chefredakteur, fand das wohl so überzeugend, dass er in gleich zwei Tweets jubelte, was für eine vermeintliche „Hammer!!!“-Enthüllung seinem Kolumnisten Draxler da gelungen sei. Und auch für die „Zeit“ wurde es etwas peinlich: Den redaktionellen Twitter-Account hatte auf Einladung „Bild am Sonntag“-Chefredakteurin Marion Horn übernommen, die im Namen der „Zeit“ ihrem „Bild“-Kollegen zur Seite sprang und schrieb, dass sie „keinen Grund“ habe, „an den Recherchen von Alfred Draxler zu zweifeln“. Zu diesem Zeitpunkt war schon recht offensichtlich, dass es sich nicht um eine Recherche handelte, sondern lediglich um einen Kniefall vor DFB-Buddys.

Alfred Draxler schreibt auch heute noch über die Sommermärchen-Affäre. Am Dienstag erschien in „Bild“ ein Artikel von ihm mit der Überschrift „Kein Stimmenkauf!“. Auch dazu finden die „Spiegel“-Redakteure Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt sehr treffende Worte:

So gesehen war es keine Überraschung, dass Draxler in dieser Woche wieder für den DFB jubelte. Hintergrund: Das Landgericht Frankfurt hatte die Sommermärchen-Anklage gegen drei Ex-Funktionäre des DFB verworfen, darunter Niersbach. Den Beschluss legte Draxler gewohnt verbandsnah aus: „Der schwere Vorwurf des Stimmenkaufs wurde entscheidend entkräftet.“ Eine Lesart, die mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun hat.

Die Frage, ob das Sommermärchen gekauft war oder nicht, war nämlich zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der zweieinhalb Jahre währenden Ermittlungen.

Mehr zu Alfred Draxlers Tätigkeit als inoffizieller DFB-Pressesprecher:

Exklusiv-geklaut-Foto SPORT BILD

Am späten Freitagabend schien Henning Feindt, der stellvertretende „Sport Bild“-Chefredakteur, mächtig stolz zu sein:

Thomas Tuchel, bis zur vergangenen Bundesligasaison noch Trainer bei Borussia Dortmund, wurde am Düsseldorfer Flughafen fotografiert, unterwegs nach München. Der FC Bayern München hat gerade erst seinen Trainer Carlo Ancelotti entlassen und sucht derzeit nach einem Nachfolger — was Tuchels München-Trip zumindest für den Sport-Boulevard interessant macht (wobei man auch erwähnen muss, dass Thomas Tuchel schon seit längerer Zeit eine Wohnung in München hat). Die „exklusiv-fotos“, die Henning Feindt in seinem Tweet — retweetet von „Bild“-Sportchef Walter M. Straten, geliket von „Sport Bild“-Chefredakteur Alfred Draxler sowie von „Sport Bild“-Fußballchef Chrisitan Falk — beklatscht und die er seinem „Sport Bild“-Kollegen Sven Westerschulze zuschreibt, sind aber alles andere als ein „Great Job“. Sie sind geklaut.

Simon Schlenke war am Freitag gerade auf dem Weg nach Prag, als er und sein Bruder am Flughafen in Düsseldorf Thomas Tuchel sahen. Schlenke machte ein Foto und postete es um 14:28 Uhr bei Twitter:

Nach eigener Aussage schickte er das Bild auch per WhatsApp an Freunde.

Am Freitagabend tauchte ein Ausschnitt von Schlenkes Foto bei Bild.de auf:

Screenshot Bild.de - Exklusiv-Fotos von Sport Bild - Hier fliegt Tuchel nach München - Verhandlungen mit Bayern laufen - Welcher Trainer Plan B ist

Einer der drei Autoren des dazugehörigen Textes: Sven Westerschulze. Am Samstag erschien „Fußball Bild“ mit diesem Titelfoto …

Ausriss der Titelseite von Fußball Bild - Tuchel schon in München

… und mit dieser Aufmachung auf den Seiten 2 und 3:

Ausriss Doppelseite von Fußball Bild - Hier fliegt Tuchel nach München

Am selben Tag sah die erste der Sportseiten in der „Bild“-Bundesausgabe so aus:

Ausriss Bild-Zeitung - Hier fliegt Tuchel nach München

Und sportbild.de veröffentlichte Samstagmittag auch noch einen Artikel zum Thema.

Überall war das Foto zu sehen, das Simon Schlenke gemacht hatte (und in „Fußball Bild“ und „Bild“ auch noch ein Foto, das laut Schlenke sein Bruder aufgenommen hatte). Und überall stand als Fotocredit „Exklusiv-Foto SPORT BILD“. Eine Erlaubnis, das Foto zu benutzen, hatten offenbar weder Bild.de noch sportbild.de noch „Fußball Bild“ noch „Bild“. Auf Nachfrage erklärte Schlenke bei Twitter:

Mit Dank an @GNetzer und @Phisoloph für die Hinweise!

Ehrenmänner unter sich

Alfred Draxler. Sie wissen schon: Der Chefredakteur der „Sport Bild“, der einst seine „REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER AUFS SPIEL“ setzte und dieses Spiel verlor, hat ein großes Interview mit Dietmar Hopp, dem Mäzen des Bundesligaklubs TSG Hoffenheim, geführt. In der aktuellen Ausgabe der „Sport Bild“ präsentiert er es auf vier Seiten und obendrauf gibt es auch noch einen Kommentar von Alfred Draxler zu Hopp:

Draxler schreibt:

Den Unterschied zwischen RB Leipzig und der TSG Hoffenheim nennt Dietmar Hopp im Interview mit SPORT BILD selbst: „Bei Leipzig steckt ein wirtschaftliches Interesse dahinter.“

Das kann der „Sport Bild“-Chef nur bestätigen:

Damit man mich nicht falsch versteht: Ich habe nichts gegen Leipzig und freue mich über die Erfolge des Klubs. Aber in der Tat hat Hopp über den Fußball niemals Werbung für sich selbst oder für das DAX-Unternehmen SAP, dessen Mitbegründer er ist, betreiben wollen.

Stattdessen habe Dietmar Hopp „seinen enormen Reichtum stets für die Region und für soziale Aufgaben eingesetzt.“

Denn Dietmar Hopp ist ein absoluter Ehrenmann!

Hopp hat also „in der Tat“ nie „über den Fußball“ „für das DAX-Unternehmen SAP“ Werbung betreiben wollen? Schauen wir doch mal in den offiziellen Online-Fanshop der TSG Hoffenheim:

Dieses „SAP“ dort auf dem Trikot muss da aus Versehen hingeraten sein. Um stinknormale Trikotwerbung kann es sich laut Draxler ja nicht handeln.

Und auch auf der Homepage der TSG Hoffenheim findet man nichts zu SAP. Also bis auf das Logo des Unternehmens:

Und wenn man draufklickt, landet man auf der Homepage von SAP. Wenn man dort schon ist, kann man auch mal im SAP-Fanshop (gibt es wirklich — für wen auch immer SAP-Fanartikel interessant sein sollen) vorbeischauen. Dort gibt es eine SAP-Mütze mit dem Vereinswappen der TSG Hoffeneheim zu kaufen.

Vielleicht stimmt es ja, was Alfred Draxler schreibt: Der „absolute Ehrenmann“ Dietmar Hopp hat „über den Fußball niemals Werbung für sich selbst oder für das DAX-Unternehmen SAP, dessen Mitbegründer er ist, betreiben wollen“. Gemacht hat er es aber durchaus.

Mit Dank an @J_Ehemann für den Hinweis!

Alfred Draxlers 84 Cent zu den „Zwangsgebühren“

Alfred Draxler hat eine Meinung. Immer wieder und zu vielen Themen. Diese Woche hat der „Sport Bild“-Chefredakteur eine Meinung zu „ARD“, „ZDF“ und der Vergabe der Übertragungsrechte für Olympia. Bei sportbild.de fordert er:

In der gedruckten „Sport Bild“ ist er etwas zurückhaltender:

Dass die Olympischen Winter- und Sommerspiele 2018 bis 2024 nicht, wie bisher, live bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern zu sehen sein werden, sondern bei „Eurosport“, nutzt Draxler für eine Abrechnung mit „ARD“, „ZDF“ und den „17,50-Euro-GEZ-Zwangsgebühren“:

Als Sport-Fan frage ich mich auf der anderen Seite aber mehr und mehr, warum man mir unverändert die 17,50-Euro-GEZ-Zwangsgebühr abverlangt.

Dass es die GEZ seit vier Jahren nicht mehr gibt — geschenkt.

Was Alfred Draxler seinen Lesern nicht verrät: Welcher Anteil des monatlichen Rundfunkbeitrags von 17,50 Euro überhaupt in die TV-Sportberichterstattung fließt. Nehmen wir als Beispiel die „ARD“, die mit 12,37 Euro den größeren Part dieser Summe bekommt. Davon gehen 8,41 Euro an die „ARD“-Landesrundfunkanstalten wie WDR und NDR, und 3,96 Euro an die „‚ARD‘-Gemeinschaftsaufgaben“, zu denen auch „Das Erste“ zählt. Bei den Landesrundfunkanstalten sind 14 Cent für Sport vorgesehen, beim „Ersten“ 70 Cent. Insgesamt also 84 Cent pro Monat (PDF). Zusammen mit dem „ZDF“-Anteil dürfte die Sportberichterstattung jeden Gebührenzahler monatlich knapp einen Euro kosten. Wohlgemerkt: für Sport allgemein auf allen „ARD“-Sendern und im „ZDF“, nicht nur für die Olympischen Spiele im „Ersten“ und „Zweiten““.

Das ist also der Grund, warum der „Sport Bild“-Chef gegen die „Zwangsgebühren“ der Öffentlich-Rechtlichen wettert: ein Bruchteil von einem Euro pro Monat.

Das einzige inhaltliche Argument, das Draxler in seinem Kommentar zum seiner Meinung nach zu hohen Rundfunkbeitrag bringt:

Schon immer ärgere ich mich zum Beispiel darüber, dass ARD und ZDF bei Olympischen Spielen beide in Mannschaftsstärke angerückt sind und sich täglich mit der Berichterstattung abwechselten. Ein Tag Arbeit, ein Tag frei! Das nenne ich Gebühren-Verschwendung!

Nun kann man es sicher kritisch sehen, dass zwei Sender zweimal den gleichen großen Aufwand betreiben, um über dieselbe Sportveranstaltung zu berichten. Mit „Ein Tag Arbeit, ein Tag frei!“ liegt Intensiv-Rechercheur Alfred Draxler aber schlicht daneben. Wenn beispielsweise „Das Erste“ in diesem Sommer Olympia aus Rio im TV übertragen hat, hat das „ZDF“ im Internet viele kommentierte Livestreams angeboten — und umgekehrt:

Was kümmern einen schon Fakten, wenn man eine richtig starke Meinung hat?

Nachtrag, 7. Dezember: In der aktuellen „Sport Bild“-Ausgabe hat sich Alfred Draxler für seinen Irrtum entschuldigt:

Aber der Sportteil!

In den vergangenen Tagen haben sich gleich mehrere Fußballvereine und ein Handballer gegen die Berichterstattung der „Bild“-Medien gewehrt. Ein kleiner Überblick.

***

Schon vor anderthalb Wochen hatte der FC Bayern erklärt, die vor allem von der „Sport Bild“ verbreiteten „Alkohol-Gerüchte“ um Bayern-Spieler Arturo Vidal und die Behauptung, er verdiene acht Millionen Euro netto im Jahr, seien „frei erfunden“, „böswillig und falsch“ (BILDblog berichtete). Am vergangenen Donnerstag teilte der Verein schließlich mit:

Der FC Bayern München hat von den Zeitschriften „SPORT BILD“ und „Kicker“ die Unterlassung falscher Behauptungen verlangt. Beide hatten geschrieben, der „Netto-Jah­res­ver­dienst von Arturo Vidal“ liege bei rund „acht Millionen Euro“. „SPORT BILD“ wie „Kicker“ haben jeweils eine so genannte strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben und damit eingeräumt, dass ihre Behauptung nicht der Wahrheit entspricht.

„SPORT BILD“ hatte weiter behauptet, Arturo Vidal solle „das Mannschaftsquartier während des Trainingslagers mehrmals verlassen und bei seiner Rückkehr alkoholisiert gewirkt haben.“ Der FC Bayern München wie Arturo Vidal haben auch hier Unterlassung der falschen Behauptung verlangt und von „SPORT BILD“ eine strafbewehrte Unterlassungserklärung bekommen. Damit hat „SPORT BILD“ auch hier eingeräumt, dass diese Behauptung nicht der Wahrheit entspricht.

Nach der ersten Stellungnahme des Vereins hatte die „Sport Bild“-Redaktion zuerst noch bekräftigt, sie bleibe bei ihrer Darstellung. Inzwischen sind die Artikel aber aus den Onlineauftritten von „Bild“ und „Sport Bild“ verschwunden.

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Gestern äußerte sich Hannover 96 zu einem „Bild“-Artikel. Das Blatt hatte am Samstag behauptet:

Dazu merkt der Verein in einer Stellungnahme an:

Der gesamte Bericht erweckt den Anschein, dass es sich ausschließlich um aktuelle Geschehnisse rund um den Nachwuchsbereich von Hannover 96 handelt. Das ist schlichtweg falsch. Dem Klub sind die Vorfälle im Bezug auf die meisten geschilderten Vorkommnisse bekannt. Allerdings resultieren diese überwiegend aus der Saison 2013/14, wurden bereits aufgearbeitet und teilweise sanktioniert. Einige damals handelnde Personen stehen bereits nicht mehr im Angestelltenverhältnis zu Hannover 96. Auch haben Spieler, die damals angeblich „gemobbt“ wurden, aktuell die Möglichkeit nach einer Rückkehr zu Hannover 96 angefragt.

Dem Klub liegen keine Erkenntnisse über „Damenbesuch“ sowie eine angeblich größere Anzahl an Spielern mit Spielsucht vor. Hannover 96 wird sich aber noch intensiver mit dieser Thematik beschäftigen.

Wir möchten betonen, dass alle handelnden Personen im Rahmen der Möglichkeiten zielgerichtet und qualifiziert ihren Verpflichtungen nachgehen. Auf dieser Basis wird zudem eine Weiterentwicklung stattfinden. Der Klub hat erkannt, dass er die infrastrukturellen Bedingungen ändern muss und investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in ein hochfunktionelles Nachwuchsleistungszentrum, das mit fachkundigem Personal besetzt sein wird.

***

Auch Ewald Lienen, Trainer des von der „Bild“-Zeitung so innig geliebten FC St. Pauli, wehrt sich aktuell gegen eine „Bild“-Geschichte.

Hintergrund war ein Zitat von ihm von einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche, auf der ein Sondertrikot für das Spiel gegen RB Leipzig vorgestellt wurde. Aufdruck: „Kein Fußball den Faschisten“. Anlass dafür war der Abschluss der Holocaust-Gedenktage.

Auf dieser Pressekonferenz wurde Lienen von „Bild“ gefragt, „ob Bedingungen wie in Leipzig, also Geld ohne Ende“, nicht auch für ihn „das Paradies“ seien. Darauf Lienen:

„Wenn die Alternative wäre, den Fußball den Faschisten und dem Kommerz zu überlassen, verzichte ich gerne auf diese Möglichkeit.“

Eine merkwürdige Antwort, doch St. Paulis Pressesprecher erklärte den „Bild“-Reportern im Anschluss:

„Das sollte kein Angriff auf Leipzig sein. Das war von Ewald Lienen unglücklich formuliert.“

Auch der Sprecher des RB Leipzig sagte „Bild“:

„St. Pauli hat sich umgehend gemeldet und versichert, dass Ewald Lienen mit seiner Aussage insgesamt die Zusammenhänge so nicht herstellen wollte sowie die explizite Wortwahl nicht uns galt. Und damit ist zwischen den Vereinen alles geregelt.“

Und auch Lienen selbst erklärte den „Bild“-Leuten laut eigenen Angaben, dass er die Aussage nicht so gemeint habe, wie sie sie verstanden hatten.

Doch das alles hielt sie nicht davon ab, am nächsten Tag zu schreiben:

So sah sich auch Ewald Lienen gezwungen, die Sache öffentlich klarzustellen:

***

Um welche Sportart es in ihren Märchen geht, ist den „Bild“-Mitarbeitern übrigens Latte. Am Freitag titelten sie online:

Im Artikel heißt es:

Wiede: „Ich hatte ihn Donnerstag vor dem 10-Uhr-Training auf dem Parkplatz vor dem Welli im Sportforum Hohenschönhausen abgestellt. Als ich um 11.30 Uhr raus kam, war die Scheibe an der Fahrerseite eingeschlagen. Sehr ärgerlich, wenn man auf dem Handy und dem Computer sein halbes Leben gespeichert hat.

Wiede rief die Polizei, aber die kam nicht.

Wo hier das Zitat von Wiede endet, ist unklar, weil die schließenden Anführungszeichen fehlen. Ob also der Satz …

Sehr ärgerlich, wenn man auf dem Handy und dem Computer sein halbes Leben gespeichert hat.

… von Wiede stammt oder von der „Bild“-Redaktion, ist nicht zu erkennen. Falsch sei er aber so oder so, erklärt Wiede in einem Interview mit „Sport 1“:

„Das Iphone war eh kaputt und der Laptop war noch gut, aber es waren jetzt auch keine wertvollen Sachen darauf. Die ‚Bild‘ hat da irgendwas geschrieben, dass irgendwelche Super-Dateien darauf waren, aber das ist alles Quatsch. Die haben sich irgendetwas ausgedacht.“

***

Da dürfen sich die Reporter von „Bild“ nicht wundern, wenn in Zukunft auch andere Sportler und Funktionäre so reagieren wie Gertjan Verbeek, der Trainer des VfL Bochum — kleiner Ausschnitt aus der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel:

Verbeek und der "Bild"-Reporter

Wie VfL Bochum 1848-Trainer Gertjan Verbeek auf Fragen des "Bild"-Reporters reagiert. (Danke an Philip! Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=k28kZLk4q8k)

Posted by BILDblog on Donnerstag, 11. Februar 2016

Mit Dank an Philip W., Alexander B., Chris H. und Julius A.

„Ebenso böswillig wie falsch“

Jetzt, wo sich „Sport Bild“-Chef Alfred Draxler ohnehin keine Sorgen mehr um seine „REPUTATION ALS JOURNALIST“ machen muss, geben sich er und sein Blatt beim Skandalbasteln wieder mit weit weniger zufrieden als einer Intensivrecherche.

Jetzt reichen — Gerüchte.

„Nach SPORT BILD-Informationen“ soll Bayern-Fußballer Arturo Vidal nämlich während des Trainingslagers in Katar …

das Mannschaftsquartier mehrmals verlassen und bei seiner Rückkehr alkoholisiert gewirkt haben.

Die Zeitschrift beruft sich dabei auf einen „anonymen Spieler“, der jetzt „ausgepackt“ habe.

Gestern erklärte FC-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer auf einer Pressekonferenz, die Geschichte sei „frei erfunden“.

Ich war sehr überrascht über das, was ich jetzt gelesen habe. Das stimmt nicht und ist die Unwahrheit – dass das klar ist. Wir haben mit Arturo [Vidal] ein absolut enges Verhältnis. Natürlich sprechen wir ihn auch auf gewisse Themen an. Er selbst hat gesagt, dass da nichts dran ist – unabhängig von Katar, sondern insgesamt. Dagegen werden wir als Klub auch vorgehen – das ist ganz klar. Man versucht vielleicht mit allen Mitteln gegenüber dem FC Bayern, die Liga spannend zu machen. Aber ich kann nur sagen: Sie erreichen das Gegenteil. Wir werden noch enger zusammenrücken, das werden wir nicht zulassen. Im Fall Vidal werden wir mit allen rechtlichen Mitteln vorgehen.

Auch Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, erklärte in einer Stellungnahme im Namen des Vereins:

„Beide Behauptungen sind ebenso böswillig wie falsch.“

(Er meint die Alkohol-Geschichte und das ebenfalls von der „Sport Bild“ verbreitete Gerücht, Vidal beziehe 8 Mio. Euro netto im Jahr.)

Und Arturo Vidal selbst teilte auf seiner Instagram-Seite mit:

Die „Sport Bild“ erklärte auf Anfrage der dpa, sie bleibe bei ihrer Darstellung.

Mit Dank an Jan H. und @StrohhutPirat.

Kai Diekmanns Revanchefoul an Andreas Rettig

Erinnern Sie sich noch an #BILDnotwelcome? Kleine Hilfe: Im September wollte die „Bild“-Zeitung die Profiklubs der 1. und 2. Fußballbundesliga für ihre „Wir helfen“-Werbekampagne vereinnahmen. Der FC St. Pauli weigerte sich, daraufhin polterte „Bild“-Chef Kai Diekmann bei Twitter los. Zahlreiche Zweitligavereine schlossen sich St. Pauli an, am folgenden Bundesligaspieltag positionierten sich auch viele Fans mit Bannern auf den Tribünen gegen „Bild“.

Damit könnte die Sache erledigt gewesen sein. Scheint sie für führende „Bild“-Mitarbeiter aber nicht. Denn der Mann, der sich beim FC St. Pauli damals zum Boykott der „Bild“-Aktion äußerte, Geschäftsführer Andreas Rettig, bekommt seitdem auf die Mütze.

Die erste Gelegenheit zur Revanche bot sich für Kai Diekmann Anfang Oktober (also gut drei Wochen nach #BILDnotwelcome). Rettig war als Gast zum „Sport-Stammtisch“ der Hamburger „Bild“-Redaktion gekommen. Ein Foto seines Besuchs landete in „Bild“. Und Diekmann twitterte los:

Kurze Zeit später meldete sich auch Intensivrechercheur und „Sport Bild“-Chef Alfred Draxler mit einer Erinnerung aus dem August (also einige Wochen vor #BILDnotwelcome) zu Wort, als Rettig beim „‚Sport Bild‘ Award“ war:

Andreas Rettig reagierte mit einem Schreiben und einer Salat-und-Getränke-Spende, wiederum bei Twitter dokumentiert durch Diekmann:

Und Alfred Draxler wollte auch noch mal was sagen:

Es war dann eine Weile Ruhe — bis sich die Fans des FC St. Pauli zur Olympiabewerbung der Stadt Hamburg äußerten. Die „Bild“-Zeitung, „überparteilich“, wie sie ist, war große Unterstützerin der Bewerbung. Sie hat mit Blick auf das Referendum unter anderem eine Gratis-Olympia-„Bild“ an 950.000 Hamburger Haushalte verteilt. Der unvoreingenommene Titel: „Moin moin, Olympia“.

Die Pauli-Fans hingegen waren gegen Olympia in Hamburg. Vereinspräsident Oke Göttlich und Geschäftsführer Andreas Rettig waren damit d’accord, schließlich gelte Meinungsfreiheit und -pluralität. Göttlich sagte:

„So wenig wie wir Pro-Olympia-Aktionen verbieten würden, so wenig werden wir das auch bei Aktionen tun, die sich gegen Olympia aussprechen. Wir als Verein werden weiterhin keine Empfehlung für das Referendum abgeben.“

Das fanden die Olympiafans der „Bild“-Zeitung nicht so lustig:

Damit war mit dem Anti-Andreas-Rettig-Kurs aber noch lange nicht Schluss. St. Paulis Geschäftsführer geriet vergangene Woche mit einem Vorschlag zur Vermarktung der TV-Rechte ins Visier. Rettigs Idee zusammengefasst: Bundesligaklubs, die große Geldgeber hinter sich haben (zum Beispiel der VfL Wolfsburg mit VW, Bayer Leverkusen mit Bayer, die TSG Hoffenheim mit SAP), sollten von der zentralen Vermarktung ausgeschlossen werden. Das stieß nicht nur bei den betroffenen Vereinen auf Gegenwind, aber vor allem dort. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler sagte:

„Das ist ein typischer Rettig. Er macht das, was er gerne tut: Er gibt ein bisschen Schweinchen Schlau.“

Eine Steilvorlage für Nachhaker Alfred Draxler:

Der FC St. Pauli reagierte …

… und Andreas Rettig sah ein, dass es „nicht der richtige Zeitpunkt “ für seinen Vorstoß gewesen sei. Der Verein zog seinen Antrag zur TV-Vermarktung zurück.

Den derzeitigen Höhepunkt der Rettig-Serie gab es aber vorgestern in „Bild“. Seit einiger Zeit hat die Sportredaktion die wöchentliche Serie „Jetzt kann ich es ja erzählen“ im Programm. Fußballer, Trainer und Manager plaudern dort darüber, dass sie trotz 1:6-Niederlagen ordentlich feiern gegangen sind oder dass sie beim Training mal verhaftet wurden.

Am Mittwoch durfte der frühere Nationalspieler Carsten Ramelow eine Anekdote erzählen. Und er entschied sich für die Geschichte, wie er mal in Leverkusen auf Wohnungssuche war. Mit dabei damals: Ramelows Frau und Andreas Rettig, der zu der Zeit für Bayer Leverkusen tätig war.

Ein Objekt ist in Leverkusen-Opladen, fünf Autominuten vom Stadion entfernt. Ramelow: „Herr Rettig drückte auf eine Klingel. Es tat sich nichts. Er klingelte erneut. Dann machte plötzlich eine leicht bekleidete Frau auf.“ (…) Und weiter: „Da war uns klar: Wir waren hier falsch — wir waren in einem Puff gelandet. Die eigentliche Wohnung befand sich um die Ecke des Hauses, traf dann aber auch nicht unseren Geschmack.“

Und was macht „Bild“ aus dieser Geschichte, in der rein gar nichts passiert?

Bei Bild.de wurde überigens aus dieser Überschrift …

… inzwischen diese:

Der Hofnarr des Kaisers

Eins muss man Alfred Draxler lassen: So langsam erkennt der Chefredakteur der „Sport Bild“ den Mist, den er selbst gebaut hat:

So viel mehr, als sich beim „Spiegel“ und dessen Chefredakteur Brinkbäumer für den Hitler-Tagebücher-Vergleich, den Polterauftritt beim „Sport1“-Fußballtalk „Doppelpass“ und all die anderen Sticheleien zu entschuldigen, blieb ihm allerdings auch nicht übrig. Denn inzwischen scheint recht klar, dass Draxlers Kumpel Franz Beckenbauer, den er stets verteidigt hat, bei der Vergabe der Fußball-WM einen Bestechungsversuch zumindest geplant hat. Ein Vertragsentwurf mit Beckenbauers Unterschrift lässt das vermuten.

Das sieht seit heute auch Alfred Draxler ein:

Er klingt zerknirscht:

Ich hätte es mir nie vorstellen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir die WM 2006 auf saubere Art bekommen haben.

Heute früh musste ich aber bei BILD.de berichten, dass beim DFB ein Vertragsentwurf aufgetaucht ist, der möglicherweise als Bestechungs-Versuch benutzt werden sollte. Schon das Datum sagt viel aus: Vier Tage vor der WM-Vergabe am 6. Juli 2000!

Unterschrieben hat dieses Papier mein langjähriger Freund FRANZ BECKENBAUER!!

Bisher dachten wir, Draxlers „Intensivrecherche“ fuße einzig auf langen und intensiven Gesprächen mit guten und sehr guten Freunden, die gleichzeitig auch die Beschuldigten in der Affäre sind, zu der Draxler recherchiert hat. Es ist aber noch viel trauriger: Sie fußt vor allem auf Glauben und Nicht-Vorstellen-Können.

Dafür war Draxlers Caps-lock-Ankündigung in seinem „Das Sommermärchen war nicht gekauft“-Kommentar vom 22. Oktober ausgesprochen mutig:

ICH BIN MIR BEWUSST, DASS ICH MIT DIESEM ARTIKEL MEINE REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER AUFS SPIEL SETZE.

Höchstwahrscheinlich wird dieses Ausdemfensterlehnen keine beruflichen Konsequenzen für Alfred Draxler haben. Es wird nur heiße Luft gewesen sein, die er in diese Zeilen gepackt hat. Nächste Woche wird er vermutlich schon wieder irgendwo „Nachgehakt“ haben und mit seiner „Sport Bild“ über den „Lohnzettel eines Schalke-Stars“ oder die „Fehler-Schiris“ sinnieren, als hätte seine „REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER“ keinen Schaden genommen.

Hätte sich Alfred Draxler nicht freiwillig mit vollem Anlauf und Radschlag-Flickflack-Salto laut flatschend in den selbst aufgestellten Fettnapf geschmissen, könnte man fast Mitleid mit ihm haben. Wenn es tatsächlich so war, dass Franz Beckenbauer Draxler vesichert hat, bei der WM-Vergabe sei alles mit rechten Dingen zugegangen, wurde er von seinem langjährigen Freund belogen.

Wir hatten Alfred Draxler vor zwei Wochen als „DFB-Außenverteidiger“ bezeichnet. Das gefiel ihm irgendwie:

Inzwischen zeigt sich: Er war nicht mal das. Draxler war offenkundig nur eine willige Marionette, die Wolfgang Niersbach und Franz Beckenbauer benutzen konnten, um über „Bild“, Bild.de und „Sport Bild“ ihr eigenes Narrativ des Skandals unter die Leute zu bringen und so ihre persönlichen Positionen zu stärken. In diesem „Sommermärchen“ wirkt Alfred Draxler wie der Hofnarr des Kaisers.

Ähnlich närrisch wie Draxlers Verhalten rund um die WM-Affäre waren die Reaktionen seiner Kollegen aus dem Axel-Springer-Verlag. Die ganze „Bild“-Bande hatte dem „Sport Bild“-Chef auf die Schulter geklopft, als der vor zweineinhalb Wochen verkündete: Alles in Ordnung bei der WM-Vergabe. Es schien, als hielten sie Draxlers Artikel tatsächlich für das Ergebnis einer ordentlichen Recherche. Sie feierten ihn als großen Enthüller und taten so, als wäre die ungefilterte Wiedergabe von Aussagen der Beschuldigten Journalismus.

Marion Horn zum Beispiel, Chefredakteurin der „Bild am Sonntag“, hatte zu der Zeit die Hoheit über den Twitteraccount der „Zeit“. Und nutzte die Gelegenheit, um mitzuteilen, dass sie keinen Grund sehe, an Draxlers Recherche zu zweifeln:

Matthias Müller, stellvertretender „Bild“-Sportchef, verbreitete Draxlers Kolumne ebenfalls:

Tobias Holtkamp, Chefredakteur von Springers Fußballportal transfermarkt.de, lobte Alfred Draxlers „Fakten“:

Und „Bild“-Chef Kai Diekmann musste gleich doppelt twittern:

Heute twitterte Diekmann wieder über eine Enthüllung Draxlers:

So kann man natürlich auch versuchen, aus der Nummer rauszukommen.

Alfred gegen den Rest der Welt (außer Franz)

Es waren große Worte in großen Buchstaben, die Alfred Draxler vergangenen Woche wählte:

ICH BIN MIR BEWUSST, DASS ICH MIT DIESEM ARTIKEL MEINE REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER AUFS SPIEL SETZE.

Draxler hatte sich in seiner „Bild“-Kolumne „Nachgehakt“ schützend vor seine Freunde Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach geworfen. Das WM-Organisationskomitee habe „das Sommermärchen“ nicht gekauft, der Chefredakteur der „Sport Bild“ versprach Aufklärung:

Das Ergebnis seiner „Intensivrecherche“: Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus sei 2002 mit umgerechnet 6,7 Millionen Euro für das deutsche WM-OK eingesprungen, als die FIFA diese Summe als eine Art Vorauszahlung gefordert haben soll. Nur durch eine Überweisung der 6,7 Millionen Euro an die FIFA sei eine spätere 170-Millionen-Euro-WM-Startunterstützung von der FIFA ans WM-OK möglich gewesen. Das mag logisch klingen oder nicht, es war jedenfalls Alfred Draxlers Sicht auf die Dinge.

Und mit der kam er zu dem Schluss, es gebe …

kein verkauftes Sommermärchen! Und es gibt keine „Schwarzen Kassen“, mit denen Wahlmänner bestochen wurden.

Heute melden „Bild“ und Bild.de:

Die US-Kanzlei „Quinn Emanuel“, die „im Auftrag des Weltfußballverbandes die Fifa-Konten für den fraglichen Zeitraum überprüfte“, habe „Bild“ mitgeteilt, dass sie keinen Zahlungseingang von Robert Louis-Dreyfus über 6,7 Millionen Euro gefunden habe.

Nach BILD-Recherchen kann das Darlehen für das Organisationskomitee nicht wie bisher behauptet für die Fifa-Finanzkommission bestimmt gewesen sein. Es waren offenbar wirklich Schmiergeld-Zahlungen.

„Bisher behauptet“ hatten das vor allem Wolfgang Niersbach, Franz Beckenbauer — und Alfred Draxler. Die Version des „REPUTATION“-Riskierers passt also nicht mit den Recherchen seiner „Bild“-Kollegen zusammen.

Ob die stimmen, ist wiederum auch fraglich. Im undurchsichtigen Gestrüpp rund um die Finanzströme beim „Sommermärchen“ hat die „Süddeutsche Zeitung“ inzwischen einen anderen möglichen Weg der 6,7 Millionen Euro aufgetan:

In Kreisen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) heißt es, dass in dem Schreiben vom 19. April 2005 zwar ein Konto bei der BNP Paribas als Empfänger genannt wurde. Allerdings sei das Geld dann nicht wirklich dorthin geflossen. Stattdessen sei die Überweisung auf ein Konto bei einer anderen Bank ausgestellt worden — angeblich bei der Zürcher UBS.

Möglicherweise, um dort eine schwarze Kasse zu füllen, „die ausgesuchten Fifa-Leuten zur Verfügung stand.“

Das findet auch Alfred Draxler interessant:

Dass auch diese Version nicht mit seinen Behauptungen vom vergangenen Donnerstag zusammenpasst, kümmert ihn aber offenbar nicht. Entweder liegt ihm nicht besonders viel an seinem Ruf „ALS JOURNALIST UND REPORTER“, oder er hat seine großen Worte nach einer Woche schon wieder vergessen.

In der grundsätzlichen Argumentationslinie sind er und seine Redaktion übrigens wieder zum alten Muster zurückgekehrt: Nach der anfänglichen Stufe 1, die Gegenseite und deren Quellen unglaubwürdig zu machen (wie beispielsweise beim Auftritt im „Sport1“-Fußballtalk „Doppelpass“), wechselte Draxler zwischenzeitlich auf Stufe 2, die Freunde zu beschützen. Im Editorial der aktuellen „Sport Bild“ kehrt er wieder zu Stufe 1 zurück und schießt gegen den früheren DFB-Präsidenten und aktuellen „Spiegel“-Informanten Theo Zwanziger:

Dazu gibt es auch eine Geschichte, die so auf der Titelseite …

… und so im Heftinnern überschrieben ist:

Kritische Töne zu Alfred Draxlers Freund Franz Beckenbauer, der in der WM-Affäre vermutlich die zentralste Rolle spielt, gibt es hingegen nirgends im Heft — obwohl es dafür genügend Gründe gäbe.

Mit ihrem Beckenbauer-Kuschelkurs haben Alfred Draxler und seine „Bild“-Kollegen dann auch wieder zueinandergefunden:

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