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NSA, Nazi-Vergleich, Vereinsreportler

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Eine offene Rechnung”
(brandeins.de, Mathias Irle)
Journalist Mathias Irle wartet immer noch auf den Zahlungseingang eines Honorars, das ihm zusteht für einen Text, den er 2010 für das Magazin “Struktur” geschrieben hatte.

2. “Wie eine Schulstunde zur Staatsaffäre wurde”
(faz.net, Regina Mönch)
Hintergründe über den “Nazi-Vergleich”, den Wolfgang Schäuble angeblich im Gespräch mit Schülern in Berlin gezogen hatte: “Er hatte sich, so die Schüler, im Kontext der historischen Erzählung bewegt, erklärt, welche historischen Erfahrungen Europa gemacht habe, und dann ausdrücklich hinzugefügt, man könne beides aber nicht vergleichen. Eine Analogie also, keine Gleichsetzung. Aber mit diesem Nichtvergleichssatz hätte der mediale Skandal nicht funktioniert, deshalb blieb er weg. Wie die Adressaten, die Schüler, das verstanden hatten, wollte offenbar niemand wissen. Das besonders empört die Schüler. Sie halten die Zuspitzung für eine Lüge und für eine Beleidigung. Sie haben es anders gehört und anders verstanden, was aber offenbar keine Rolle spielt.”

3. “Von selbsternannten Experten und schlafenden Medien”
(batz.ch, Monika Bütler)
Die “NZZ am Sonntag” bezeichnet einen jungen Mann als Berater der UNO, der die UNO gar nicht berät: “Es ist schon bemerkenswert, wie weit es ein selbsternannter Experte bringen kann und noch mehr, dass niemandem die Täuschung auffallen will. Eine Woche später bezeichnet die NZZaS den Mann nämlich noch immer als UNO Berater.”

4. “Journalisten sind auch nur Fans”
(zeit.de, Christian Spiller)
Die Nähe von Fußballjournalisten zu den Fußballvereinen: “Wer Vereinsreportler ist, also jeden Tag einen Text über seinen Verein abliefern muss, kommt dem unter Umständen zu nahe. Man steigt zusammen auf, zusammen ab, und wenn es gut läuft, fährt man nach Barcelona, Manchester oder Rom. Kritisches wird nur vorsichtig formuliert, weil man den Protagonisten schon am nächsten Tag wieder in die Augen schauen muss und am übernächsten einen Interviewtermin braucht.”

5. “Introducing the ACLU’s NSA Documents Database”
(aclu.org, Emily Weinrebe, englisch)
Im neuen NSA Archive finden sich alle bisher von Edward Snowden geleakten Dokumente zur NSA: “This tool will be an up-to-date, complete collection of previously secret NSA documents made public since last June.”

6. ” Sensationsjournalismus zu Schumacher zeigt erste ‘Momente des Erwachens'”
(der-postillon.com)

ZDF, Hater, Aufreger

6 vor 9

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1. “Jürgen Klopp”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Fußball: Das ZDF-Interview mit Jürgen Klopp (youtube.com, Video, 1:51 Minuten) nach dem Spiel Real Madrid gegen Borussia Dortmund wird von vielen Medien als “Eklat” aufgefasst. “Das ist gängige Praxis: Kritik an ihrer eigenen Berichterstattung wenden Sportreporter immer gegen den Kritik Übenden. Sie wähnen sich dabei als Sprachrohr des Zuschauers oder des Fans. In Wahrheit sind sie auf der Suche nach dem Fettnäpfchen, dem Eklat, der einen Aussage, die eine Diskrepanz zwischen Mannschaft und Spieler X oder Kapitän Y dokumentiert. Kommt man ihnen auf die Schliche, argumentieren sie mit der Pflicht zur Berichterstattung.”

2. “Journalisten, die provozieren? Bäh!”
(taz.de, Jürn Kruse)
Das Gespräch war später auch noch Thema bei “Markus Lanz”: “Nur dass Jürgen Klopp mittlerweile arge Schwierigkeiten hat, seinen GesprächspartnerInnen (Béla Réthy, Claudia Neumann, Oliver Kahn und nun Breyer) den nötigen Respekt entgegenzubringen, oder dass langweilige FragenstellerInnen, die überhaupt nichts beim Gegenüber provozieren, eine Zumutung für den Zuschauer sind, das findet niemand in der Runde perfide. Schade.”

3. “FCB verurteilt Berichterstattung in zwei englischen Medien”
(fcbayern.de)
Der FC Bayern München meldet, die britischen Medien “Daily Mirror” und “The Sun” hätten “in respektloser, diskriminierender und persönlich beleidigender Form” über Bastian Schweinsteiger berichtet. Deshalb werde man ihren Vertretern “beim Rückspiel FC Bayern München gegen Manchester United (09.04.) in der Allianz Arena keine Medienakkreditierung zukommen lassen.”

4. “Hater, bleibt weg – hier immer nur lieb kommentieren!”
(horstson.de)
“Leser sind Kunden!”, schreibt Horstson zur Auseinandersetzung zwischen Autor und Kommentierer. “Und wenn Diskussionen mal aus dem Ruder laufen, kann man immer noch bitten, den Dialog via Mail weiter zu führen. Mit einem Quäntchen Humor, dem Wille zur Selbsterkenntnis und -kritik, bekommt man das hin, auch sehr kritischen Kommentaren angemessen zu begegnen.”

5. “Journalisten-Stalking: Bei Hoeneß Dahoam”
(ardmediathek.de, Video, 2:35 Minuten)
Über 150 Journalisten zu Besuch in der JVA Landsberg.

6. “Der 11FREUNDE-Aufreger”
(11freunde.de/aufreger)

Aprilscherz, JVA Landsberg, Presseausweise

6 vor 9

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1. “Tabu spielen im Knast”
(sueddeutsche.de, Stefan Mayr)
Mehr als 150 Journalisten drängen in die JVA Landsberg, um einen “Gefängnis-Rundgang mit anschließender Fragestunde” zu absolvieren. “Was folgt, ist ein einstündiger Frage-Antwort-Reigen, der an das lustige Gesellschaftsspiel ‘Tabu’ erinnert. Alle reden über Uli Hoeneß, aber keiner darf den Namen Uli Hoeneß nennen.”

2. “Facebook: Wenn dich die Kommentarflut überrollt…”
(freiepressevolontaere.wordpress.com, Cornelia Hennersdorf)
Cornelia Hennersdorf schildert, wie die Redaktion der “Freien Presse” mit Facebook-Kommentaren umgeht und fragt: “Wie soll es eine kleine Online-Redaktion mit wenigen Mitarbeitern schaffen, die Posts aller spannenden, kontroversen Themen rund um die Uhr zu kontrollieren?”

3. “Mehr als eine Rabattkarte”
(taz.de, Daniel Bouhs)
Presseausweise in Deutschland: “‘Jeder kann sich eine Karte drucken und darauf ‘Presseausweis’ schreiben’, skizziert Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) den Status quo, auch wenn in der Praxis noch immer eher die Ausweise akzeptiert werden, die sein DJV und fünf weitere Verbände ausgeben.”

4. “Konkurs von Radio 3fach: Mässiger Aprilscherz”
(werbewoche.ch)
Radio 3fach macht “in einer Medienmitteilung die Einstellung des Betriebs noch für den Montag” bekannt und stellt vorübergehend den Sendebetrieb ein. “Auf die ausdrückliche Frage, ob es sich um einen Aprilscherz handle, sagte Programmleiter Dani Glur gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, es handle sich um keinen Scherz.” Die Aktion stellt sich dennoch als Aprilscherz heraus, was die Verantwortlichen der Nachrichtenagentur erzürnt. Chefredakteur Bernard Maissen: “(…) in einer Zeit, in welcher der Journalismus ein grosses Glaubwürdigkeitsproblem hat, leistet ihr der Branche einen Bärendienst, wenn ihr Kollegen einfach anlügt.”

5. “Ulli Potofski: ‘Die Pöbler tun mir leid'”
(dwdl.de, Manuel Schumann)
Fußball-Kommentator Ulrich Potofski glaubt die Fußballfans zu kennen: “Der gemeine Fußballfan kennt kein Grau, sondern nur Schwarz und Weiß. Daran orientieren sich folglich auch diejenigen, die die Konsumenten bedienen, also wir Sportjournalisten. Drei Punkte, Top-Tabellenplatz, alles geil, Trallala. Oder eben das Gegenteil: Derbypleite, Scheiß-Millionäre, Trainer raus! Profifußball ist nun mal ein stellvertretendes Element unserer Gesellschaft.”

6. “Schau! Mich! An!”
(diepresse.com, Julia Ortner)
Julia Ortner denkt nach über das Angesehenwerden im Fernsehen: “Das Nichts überwinden. Größer als die Wirklichkeit – das macht das Fernsehen aus jenen, die öfter auf dem Schirm zu sehen sind. Oder anders gesagt: Wer auf dem Bildschirm zu sehen ist, der spürt das Sein so richtig und überwindet das Nichts.”

WM-Maskottchen Fuleco verarscht

Mensch, diese Fifa schon wieder. Kaum steht die Fußball-WM vor der Tür, leistet sie sich die nächste “Blamage” (Welt.de). Einen “peinlichen Fehlgriff” (stern.de). Einen “Fauxpas” (oe24.at). Eine “unnötige” (mopo.de) und “verheerende” (“RP Online”) “Panne”.

Es geht um den Namen des Maskottchens. “Fuleco” heißt das Vieh Gürteltier, wie seit November 2012 bekannt ist. In einer mehrmonatigen Abstimmung hatten zuvor fast zwei Millionen Brasilianer über den Namen abgestimmt. “Fuleco” setzte sich als klarer Sieger gegen die beiden anderen Vorschläge durch. Laut offizieller Fifa-Erklärung ist das Wort “eine Verschmelzung von ‘futebol’ (Fussball) und ‘ecologia” (Umweltschutz)”.

Die “Welt” weiß es aber besser:

Außerdem – und das mag die Fifa nicht gewusst haben – existiert das Wort “Fuleco” in der brasilianischen Umgangssprache bereits und heißt nichts anderes als … Arsch. Tja, nun ist es raus.

Fifa-Blamage - Das Maskottchen der Fußball-WM 2014 heißt "Arsch"

Das ließen sich die anderen nicht zweimal sagen:
Gürteltier "Fuleco" - Namenspanne! Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"
(mopo.de)

Kugelgürteltier "Fuleco" - Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"
(stern.de)

Fauxpas - Peinlich! WM-Maskottchen heißt "Arsch"
(oe24.at)

WM 2014 - Peinliche Panne: WM-Maskottchen Fuleco heißt „Arsch“
(tt.com)

Fußball / WM 2014 - WM-Maskottchen heißt "Arsch"
(sport1.de)

Fussball-WM 2014 - Maskottchen „Fuleco“ – der „Arsch“
(shz.de)

Gürteltier "Fuleco" - Namenspanne! Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"
(express.de)

Peinliche Panne in Brasilien - "Arsch" ist das Aushängeschild der Fußball–WM
(“RP Online”)

Peinliche FIFA-Panne - Brasiliens WM-Maskottchen heißt "Arsch"
(n24.de)

Wir machen es kurz: Das ist alles Unsinn. “Fuleco” heißt nicht “Arsch”. Bis vor Kurzem existierte das Wort im Sprachgebrauch nicht einmal.

Der Journalist Dietmar Lang, der seit zehn Jahren in Brasilien lebt und laut eigenen Angaben weder im beruflichen noch im privaten Umfeld “jemals nur im entferntesten” gehört hat, “dass der Name ‘Fuleco’ negativ besetzt ist oder sein könnte”, hat das in einem Blogeintrag ausführlich erläutert. Ein anderer Journalist aus Brasilien hat uns unabhängig davon das Gleiche geschildert: Das Wort bedeute keineswegs “Arsch” und tauche — wenn überhaupt — erst seit der Vorstellung des Maskottchens hin und wieder auf.

Auch in den Kommentaren bei Welt.de regte sich gleich Widerspruch:meine Frau ist Brasilianerin, sie meinte das stimmt nicht, Fuleco bedeutet gar nichts, ist kein Wort aus Brasilien...und sie muss es ja wissen... Als Brasilianerin finde ich äußerst peinlich, dass ein solcher Text ohne Recherche veröffentlicht wird. Fuleco existierte bis 2012 nicht in unserer Sprache, damit meine ich auch die Umgangssprache. Ich bin Brasilianer und kenne das Wort "Fuleco" nicht. Falls es "Arsch" bedeuten sollte, muss es regional sein, denn viele von uns kennen es nicht.

Wie kommt die “Welt”-Autorin also darauf, dass die Vokabel “im Brasilianischen schon besetzt” war (ergo: peinliche Blamage für die Fifa)? Eine Quelle für diese Behauptung gibt sie nicht an.

Vielleicht hat dieser Eintrag in einem portugiesischen “Urban Dictionary” etwas damit zu tun. Dort ist nämlich in der Tat zu lesen, “Fuleco” bedeute “Arsch”. Doch der Eintrag wurde exakt an dem Tag veröffentlicht, an dem auch die Namenswahl verkündet wurde. Dietmar Lang schreibt:

Ein schlechter Scherz, ein Hoax, den im Land des fünffachen Weltmeisters keiner ernst genommen hat – zumal auf besagter Seite weitere 53 zweifelhafte Definitionen nachzulesen sind. Auch die brasilianischen Medien haben eine mögliche Zweideutigkeit nie aufgegriffen.

Inzwischen sind auch einige deutschen Medien nicht mehr ganz so überzeugt von dem, was sie zuvor noch munter nachgeplappert hatten. Die “Huffington Post” hat unter ihrem Artikel einen Nachtrag veröffentlicht, in dem sie mit Verweis auf Langs Blogeintrag einräumt, dass “Fuleco” “offenbar doch nicht ‘Arsch'” bedeute. Bei Bild.de haben sie ihren ursprünglichen Artikel (“Au, Backe! WM-Maskottchen heißt ‘A….'”) lieber gleich ganz gelöscht. In einem neuen Artikel (“Wirbel um Namen von WM-Maskottchen”) stellen sie nun fest, dass “ziemlich viel Verwirrung” geherrscht habe, freilich ohne zu erwähnen, dass auch sie ziemlich viel verwirrt waren.

Die “Welt”-Autorin wehrt sich jedoch gegen die Kritik und beharrt weiterhin auf ihrer Version:

Das Wort “Fuleco” hatte schon zu Zeiten der afrikanischen Sklaven in Brasilien eine Bedeutung. Weil sie das R zwischen Vokalen nur schwer aussprechen konnten, sprachen sie es wie L (s.g. lambdacismo). Deshalb wurde aus dem Wort Furo (Loch) das gesprochene Wort Fulo. Das Suffix “eco” wird in der brasilianisch/portugiesischen Sprache auch als Verkleinerungsform genutzt. Aus Fulo + eco wurde Fuleco, um “kleines Loch” zu sagen. Das war mir als Erklärung in der Kolumne aber zu viel des Guten, weswegen ich es nur wie im veröffentlichten Text beschrieben habe.

Sie fügt noch eine Textstelle auf Portugiesisch als “Quelle” an, die aber lediglich erklärt, warum aus “furo” “fulo” wurde (“Lambdazismus”). Alle anderen Behauptungen belegt sie nicht.

Und selbst wenn die Geschichte stimmt: Wie aus dem “kleinen Loch” der “Arsch” und letztlich die große “Fifa-Blamage” wurde, hat sie damit immer noch nicht erklärt.

Mit Dank an Marcelo S.

TV Total, Autoflotte, Experten

6 vor 9

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1. “Von Content-Marketing (Y-Titty), Leserporträts (Handelsblatt) und Schleichwerbung”
(socialmediarecht.de, Nina Diercks)
Nina Diercks schreibt über Unternehmensporträts im “Handelsblatt”, die derzeit in der Diskussion stehen: “Meines Erachtens ist die Zahlung von ‘Lizenzgebühren’ für die Nutzungsrechte derartiger Unternehmensporträts nichts anderes als der Versuch mittels dieses vermeintlichen ‘Kniffs’ das Trennungsgebot von Werbung und Redaktion zu umgehen. Letztlich ist die Zahlung einer Lizenzgebühr in solch einem Fall in der Gesamtschau aus den vorgenannten Gründen als Zahlung eines Entgelts für eine redaktionelle Veröffentlichung zu werten.”

2. “Dr. Seltsam ist heute online”
(faz.net, Frank Schirrmacher)
Frank Schirrmacher beklagt einen rasch urteilenden und verurteilenden Echtzeitjournalismus. “Helmut Kohl, Helmut Schmidt und Henry Kissinger haben alle höchst abwägend und behutsam auf die aktuellen Ereignisse reagiert. Der Echtzeitdramaturg sagt: weil sie alt sind. Alter ist kein Kriterium für Rationalität. Entschleunigung aber ist es.”

3. “Eine kurze Expertise über die kurzen Expertisen”
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Roberto De Lapuente befasst sich mit dem Experten: “Die Experten in der Mediokratie sind Herolde der Sensationsmeldung, Verkündiger der Eskalation, Boten des schlimmsten anzunehmenden Vorfalls. Wenn irgendwo eine Bombe hochgeht, sagen sie, dass weitere Anschläge wahrscheinlich sind. Gibt es einen Virus, geben sie als Expertise ab, dass es sich wie eine Spanische Grippe auswirken könnte. Dass man beruhigt sein sollte, nichts so heiß gegessen wie gekocht wird, ‘Bleibm Se mal cool!’ hört man von ihnen eher nicht.”

4. “Gefälschte Wahlergebnisse: Autozeitschrift sagt Preisverleihung ab, Chefredakteur schon weg”
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Eine Preisverleihung der Fachzeitschrift “Autoflotte” wird abgesagt, weil es “Ungereimtheiten bei der Stimmenauszählung für den Autoflotten-Award gegeben” habe. “Der Verlag wirft einzig dem langjährigen Chefredakteur vor, die Zahlen manipuliert zu haben.”

5. “Liebe ARD”
(almostsw.de, Johannes Eber)
Johannes Eber schaut mit seinem Sohn “Frag doch mal die Maus – Die große Familienshow” und wird den Eindruck nicht los, dass die ARD genau das beibehalten hat, was sich überholt hat: “Der große Auftritt des Showmasters im tosenden Applaus. Auswändig gelernte Witze. Absehbarkeit. Blitzendes Licht und laute Musik, statt tatsächlicher Aufregung.”

6. “‘Blamielen odel Kassielen’ oder ‘TV Total vs. NEO MAGAZIN mit Jan Böhmermann'”
(youtube.com, Video, 10:13 Minuten)
Jan Böhmermann lässt die Macher von “TV Total” glauben, ihre Sendung werde in China kopiert.

Uli Hoeneß, taz, Equal Pay Day

6 vor 9

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1. “Der Medienfall des Ulrich Hoeneß”
(funkkorrespondenz.kim-info.de, Dietrich Leder)
Mit Verwunderung blickt Dietrich Leder zurück auf jene “bizarre Fernsehwoche”, in der in deutschen Medien so über den Prozess gegen Uli Hoeneß berichtet wurde, “als geschehe nichts anderes auf der Welt und in der Bundesrepublik Deutschland”. “Erst das Fernsehen machte aus Ulrich Hoeneß jene Medienmarke, jenen Medienakteur und jenen Medienprofiteur, der spätestens seit den 1990er Jahren zur Spitze der bundesrepublikanischen Gesellschaft zählte. Was dazu führte, dass ihn das Fernsehen seither auch außerhalb des Sports hofierte und ihn zu jedem und allem befragte. Hoeneß gehörte zum Stammpersonal der Talkshows, in denen er als Marke und Akteur gleichermaßen saß, um seinen Ruf weiter zu pflegen und gleichzeitig zu vermarkten. (…) Die eigene Rolle hat das Fernsehen in diesen Tagen des Hoeneß-Hypes nicht angesprochen, geschweige denn kritisch aufgearbeitet.”

2. “Künstlicher Name für eine Kunstfigur”
(faz.net)
Die neue Frankfurter “Tatort”-Kommissarin wird nun doch nicht nach dem Holocaust-Opfer Selma Jacobi benannt: “Die Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks, Liane Jessen, sagte: ‘Die Diskussion um die Namensgebung unserer Kommissarin hat uns überrascht. Der Rollenname war als eine kleine Geste gegen das Vergessen gemeint. Uns tut es leid, mit der angestoßenen Diskussion die Gefühle einzelner verletzt zu haben’. Nach dieser Diskussion ist die Namensänderung aber auch aus künstlerischer Sicht notwendig geworden: ‘Die Rolle wäre immer mit dem Holocaust-Opfer Selma Jacobi in Verbindung gebracht worden. Eine freie Weiterentwicklung der Figur wäre unter diesem Aspekt nicht mehr möglich.'”

3. “Der Equal Pay Day und die 22 Prozent”
(heise.de/tp, Alexander Durin)
Hat es mit Diskriminierung zu tun, dass “Frauen 22 Prozent weniger als Männer verdienen”? Alexander Durin hält das für Unsinn: “Die statistischen Untersuchungen zeigten, dass Frauen eine wesentlich engere Berufswahl als Männer bevorzugten und konsequent in Berufen tätig sind, die geringer entlohnt sind als die von Männern. Nicht das Geschlecht per se, sondern die Berufswahl der Vertreter des Geschlechts ist ausschlaggebend.”

4. “Warum die taz sich ein neues Haus baut”
(blogs.taz.de/hausblog, Sebastian Heiser)
Aufgrund “stabiler Werbeeinnahmen”, “neuer Angebote” und einem “einzigartigen Geschäftsmodell” steigen die Einnahmen der “taz” kontinuierlich: “In den letzten 20 Jahren um 110 Prozent (und damit deutlich überhalb des inflationsbedingten Preisanstiegs von 42 Prozent in diesem Zeitraum). Derzeit nehmen wir rund 26 Millionen Euro pro Jahr ein.”

5. “Warum ich um CC-NC einen großen Bogen mache”
(kaffeeringe.de, Stef­fen Voß)
Warum Stef­fen Voß die Creative-Commons-Lizenz “Non-Commercial” meidet.

6. “Was passiert eigentlich, wenn man einen Mörder und Vergewaltiger foult? Zu Besuch im Strafraum der JVA Lenzburg”
(watson.ch, Alex Dutler)

Selma Jacobi, Audi, Kimchi

6 vor 9

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1. “‘Tatort’-Kommissarin wird nach Nazi-Opfer benannt”
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
Eine neue “Tatort”-Kommissarin soll den Namen Selma Jacobi tragen, nach einer Frau, die 1943 im Ghetto Theresienstadt starb. Die verantwortliche Leiterin des HR-Fernsehspiels, Liane Jessen, wird im Artikel wie folgt zitiert: “Wir tun hier etwas Gutes. ‘Tatort’-Kommissare sind schließlich die modernen Helden unserer Zeit, und wir lassen Selma Jacobi als Heldin wiederauferstehen. Das hätte ihr sicher gefallen.”

2. “Audis Pep-Scoop: Wie aus einer PR-Story eine weltweite Sportnews wurde”
(meedia.de, Alexander Becker)
Ein Interview mit Pep Guardiola im Geschäftsbericht 2013 von Audi. “Je wichtiger das Thema Content-Marketing wird, desto häufiger werden wir schon bald solche exklusiven Interviews und Berichte auf PR-Plattformen von Unternehmen lesen, statt in den Sportteilen der großen Medienmarken. Denn längst gilt auch für Unternehmen: Content is King.”

3. “Geht es noch öffentlicher als über Twitter?”
(de.globalvoicesonline.org, Jillian C. York)
Eine Diskussion um die Frage, wie öffentlich Tweets sind und was Medien damit machen können: “Mit der immer größeren globalen Verbreitung von Twitter und anderen sozialen Medien müssen Journalisten lernen, vorsichtiger mit ihnen umzugehen.”

4. “Ödnis als Tarnkappe”
(textdump.antville.org, gHack)
“Der zuverlässigste Schutz für zeitgenössische Cracker und Fracker, die sich so ein richtig großes und saftiges Stück vom Kuchen abschneiden wollen”, bleibe die Langeweile, glaubt gHack: “Es gibt einfach nichts langweiligeres als juristische Fitzeleien, steuerrechtliche Feinsinnigkeiten und EU-Richtlinien. Und genau dort setzen die Experten der Ödnis an. Sie manipulieren mit opaken Formulierungen den Fluss der Geldströme, sichern sich die leckersten Jobs und Aufträge, oft genug unter den Augen der Öffentlichkeit.”

5. “Kimchi und Käsebrot”
(freitag.de, Ji-Hun Kim)
Ji-Hun Kim schreibt über sein Leben in Deutschland: “Es klingt absurd, aber in Korea bin ich Ausländer auf den zweiten Blick und nach einigen Wochen wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein doppelt gebackenes Vollkornbrot mit Butter und Käse.”

6. “Awesomely fake trick shot video shows you can’t trust anything anymore”
(sploid.gizmodo.com, Video, 1:49 Minuten)

Blick, De:Bug, Die neue Frau

6 vor 9

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1. “Auf der Skipiste des Grauens”
(topfvollgold.de, Mats Schoenauer)
Der Artikel “Verzweifelte Schreie im Schnee” in der Zeitschrift “Die neue Frau” beschreibt einen Skiunfall von Ariane, der Tochter der niederländischen Königin Máxima.

2. “Vater des Amokläufers klagt gegen Springer”
(stuttgarter-zeitung.de, Thomas Schwarz)
Der Vater des Amokläufers von Winnenden fordert vom Axel-Springer-Verlag eine Entschädigung in der Höhe von 10 000 Euro, “weil in der ‘Bild’-Zeitung zwei Porträtfotos von ihm abgedruckt worden waren, die seiner Meinung nach seine Persönlichkeitsrechte verletzten”.

3. “Benzin im Blut, heulende Motoren im Ohr”
(nzz.ch, Marcel Gyr)
Mit 20 fing Roger Benoit beim “Blick” an – mit 65 ist der Formel-1-Reporter immer noch dabei. “Von Motoren oder Getrieben hat Boliden-Roger bis heute keine Ahnung. ‘Das interessiert mich nicht’, gibt er freimütig zu. Sobald es um Technik gehe, lasse er die Finger davon. ‘Dann zitiere ich nur noch die Experten.'”

4. “Der scheinheilige Blick”
(blog.tagesanzeiger.ch, Michèle Binswanger)
Der “Blick am Abend” mache sich lächerlich, wenn er sich sich zum Beschützer der Frauen aufspiele, findet Michèle Binswanger.

5. “Falschmeldungen: Kassel ist keine Unfall-Hochburg”
(hna.de)
“Men’s Health” berichtete, “dass Kassel bundesweit Spitzenreiter bei Verkehrsunfällen mit Verletzten sei”, Bild.de und Welt.de “übernahmen die Meldung ungeprüft”. “Auf HNA-Anfrage bei ‘Men’s Health’ räumte die Redaktion den Rechenfehler ein.”

6. “De:Bug verabschiedet sich”
(de-bug.de, Sascha Kösch)
Das Musikmagazin “De:Bug” kündigt eine letzte Ausgabe an. “Die Welt explodiert in Medien, die Konkurrenz für umsonst ist überall, die Margen werden immer kleiner und die Mischkalkulationen immer ausufernder. Dazu droht immer die große Schere: Alles für umme und alles jetzt sofort. Und so schön das ist, als Zeitung ist man eben einfach langatmiger.”

Krim, Kevin Spacey, Getty Images

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1. “Ukraine-Konflikt: Wir sind die Guten”
(novo-argumente.com, Stefan Korinth)
Stefan Korinth hat bei der Auslandsberichterstattung deutscher Medien den Eindruck von einem Einheitsbrei: “Afghanistan, Irak, Georgien, Libyen, Ägypten, Syrien – bei ausländischen Konflikten blieben die journalistischen Deutungsmuster oft symmetrisch, ja geradezu austauschbar. Das Vokabular ist das Gleiche, egal ob bei phoenix oder RTL. Die Schlussfolgerungen sind dieselben, egal ob in der taz oder F.A.Z.: Der Westen muss helfen, Russland blockiert, Krieg ist die Ultima Ratio, Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen.”

2. “Medienkritik: Der Krimkonflikt als News-Häppchen”
(ostpol.de, Boris Reitschuster)
Im Konflikt um die Krim würden es “Online-Portale und Nachrichtenagenturen vermeiden, Dinge beim Namen zu nennen, und oft Propaganda des Kreml wiedergeben”, glaubt Boris Reitschuster. Bedauerlich sei auch, “wie wenig in Deutschland über die Kriegstrommelei und den Hurra-Patriotismus der russischen Medien zu lesen ist.”

3. “Mein Kampf für die Russen”
(taz.de, Wladimir Kaminer)
Wladimir Kaminer schreibt auf, was er hört, wenn er sich bei seinen Freunden in Russland nach der Meinungsäußerungsfreiheit erkundigt. Sein ursprünglicher Beitrag bei Facebook hier.

4. “‘Ich habe niemandem weh getan'”
(11freunde.de, Benjamin Kuhlhoff)
Der 17-jährige Schüler Samuel Gardiner erfindet auf Twitter Transfermeldungen – und wird von den Medien als seriöse Quelle wahrgenommen. “Ich orientierte mich am Stil von renommierten Sportjournalisten, mixte bestätigte Meldungen, meine eigene Meinung und bestehende Gerüchte. Dann streute ich meine ausgedachten Meldungen ein. Und einige davon wurden tatsächlich wahr.”

5. “Getty Images makes 35 million images free in fight against copyright infringement”
(bjp-online.com, Olivier Laurent, englisch)
Getty Images gibt 35 Millionen Bilder frei, die kostenlos in Beiträge eingebettet werden können, solange ein “editorial context” besteht. Siehe dazu auch die Beiträge “10 facts about Getty Images’ embed feature” und “Getty’s move is cynical but inevitable, says British Press Photographers’ Association”.

6. “Kevin Spacey Answers Questions that Female Celebrities Get Asked”
(youtube.com, Video, 52 Sekunden, englisch)

Michael Schumacher, RTL Extra, Korrekturen

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1. “Phantasien statt Fakten”
(faz.net, Anno Hecker)
Die Medienberichterstattung über Michael Schumacher, der seit einem Unfall Ende Dezember 2013 im Koma liegt: “Im Lauf der vergangenen acht Wochen ist Schumacher in phantastischen Geschichten schon gestorben und auferstanden.”

2. “Fall Edathy: Im Zweifel für den Angeklagten”
(novo-argumente.com, Sabine Beppler-Spahl)
Sabine Beppler-Spahl erkennt in der Debatte über Sebastian Edathy (Edathy-Affäre) “Züge eines modernen Kreuzzugs”. “Auch wenn wir etwas besonders ekelhaft finden, gibt es einen Unterschied zwischen legal und illegal. Was einer in seiner Fantasie möglicherweise getan hat, sollte uns nicht interessieren. Es ist keinesfalls leichtfertig hinzunehmen, dass im Falle Sebastian Edathys eine bürgerliche Existenz zerstört wurde, bevor klar ist, ob überhaupt eine Straftat begangen wurde.”

3. “Warum der flüchtige Pädophile unbedingt ins Fernsehen will”
(basellandschaftlichezeitung.ch, Moritz Kaufmann)
Ein “verurteilter, chemisch kastrierter Pädokrimineller” flüchtet aus den Universitären Psychiatrischen Klinken Basel und gibt “RTL Extra” ein Interview. Siehe dazu auch “Auf der Flucht von RTL interviewt” (bazonline.ch, Daniel Wahl).

4. “Abgesetzt! Wie Sender Serienfans verärgern (und warum sich das kaum ändern wird)”
(blogs.stern.de/programmstoerer, Peer Schader)
Serien, die plötzlich abgesetzt und nicht bis zur letzten Folge ausgestrahlt werden: “Wenn das Publikum einmal gelernt hat, dass neue Serien im Fernsehen nur noch in unkalkulierbaren Ausnahmefällen bis zum Ende laufen, schaltet es in Zukunft womöglich gar nicht mehr ein. Und die Flopgefahr steigt schneller als es den Sendern lieb sein kann.”

5. “Wie Medien endlich sympathisch werden”
(welt.de, Lucas Wiegelmann)
Korrekturen bieten Medien “eine willkommene – vielleicht die einzige – Möglichkeit, sympathisch zu erscheinen”, glaubt Lucas Wiegelmann. Siehe dazu auch “Die ‘New York Times’ korrigiert nach 161 Jahren einen Tippfehler in einem ’12 Years A Slave’-Artikel” (watson.ch) und “Corrections: March 4, 2014” (nytimes.com, englisch).

6. “Calvin and Hobbes”
(gocomics.com/calvinandhobbes, englisch)

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