Pictor Roy ist ein wahrer Künstler. Und ein bisschen berühmt ist er inzwischen auch: Die “Bild”-Zeitung berichtet heute über ihn, die deutsche “Huffington Post”, Mopo.de, Express.de, Heute.at und der Online-Auftritt des “Berliner Kurier”.
Bis vor wenigen Tagen allerdings war Pictor Roy “nur in Insiderkreisen” bekannt, wie Bild.de erklärt. Ein “Geheimtipp in der Kunstszene”. Dann kam sein Durchbruch. Mit diesem Bild:
Und nicht nur das: “orgasm to hell” gelte zwar als Roys “provokantestes” Werk, schreibt Bild.de. “Begehrt und von der internationalen Kunstszene gefeiert” seien aber auch:
“orgasm to music” mit Elvis Presley, “orgasm to peace” mit Mahatma Gandhi, “orgasm to sport” mit Muhammad Ali und “orgasm to science” mit Albert Einstein.
Spätestens hier hätten die Journalisten ruhig mal stutzig werden können. Vielleicht hätten sie dann auch ein wenig recherchiert statt nur die Pressemitteilung des Auktionshauses abzuschreiben — und gemerkt, wie unglaublich die ganze Geschichte wirklich ist.
Pictor Roy, der also bevorzugt Spermien mit Gesichtern prominenter Menschen malt und für dessen Werk angeblich 19,5 Millionen Dollar gezahlt wurden, hat keinen Wikipedia-Eintrag, aber dafür 40 Follower bei Twitter. Von seinen 15 Tweets beziehen sich zehn auf das Hitler-Bild.
Das angebliche Online-Auktionshaus, bei dem Roys Bild angeblich versteigert wurde, listet exakt einen Künstler — Pictor Roy. Und exakt eine Auktion — Roys Penis-Bild. Die Domain ist erst vor drei Wochen registriert worden, auf eine Adresse in Uruguay. Und die Londoner Adresse im Impressum findet sich sonst nur auf merkwürdigen, deutschenPressemitteilungs–Sammel–Seiten.
Auch sehr interessant: Der Käufer des Hitler-Orgasmus-Bildes — laut Mopo.de ein “Internetunternehmer aus Palo Alto in Kalifornien” — ist offenbar niemand Geringeres als der Facebook-Chef persönlich:
Da wundert es dann auch nicht mehr, dass Pictor Roy — hier auf einem Foto bei Bild.de:
Wie gesagt: Pictor Roy ist ein wahrer Künstler. Aber noch viel besser als im Penisse-Malen ist er ganz offensichtlich im Journalisten-hinters-Licht-Führen.
Mit Dank an Jörg F.
Nachtrag, 15.35 Uhr: “Huffington Post”, express.de, mopo.de und berliner-kurier.de finden jetzt auch, dass die Geschichte “vermutlich nur ein Fake” war und haben ihre Artikel korrigiert. Bild.de hat ihn einfach gelöscht.
Nachtrag, 16.10 Uhr: Jetzt ist er bei Bild.de wieder da.
Nachtrag, 10. Mai: … und mit folgendem Hinweis versehen:
Update: Die Pressemitteilung des Auktionshauses hat sich im Nachhinein als unwahr herausgestellt. Das tut uns leid. Aus Transparenzgründen ist der Beitrag aber weiter auffindbar.
Sie wollen wissen, wie supertoll und megaluxuriös das “fliegende Hotelzimmer” wird, das die Fluggesellschaft Etihad Airways plant? Nun, dann können Sie sich entweder das 90-sekündige Werbevideo des Unternehmens anschauen, oder Sie investieren ein bisschen mehr Zeit und lesen diesen Artikel beim Onlineauftritt der “Welt”:
Das Werbevideo können Sie sich danach immer noch anschauen — die “Welt” hat es am Ende des Textes freundlicherweise gleich eingebettet, für alle Fälle.
Aber das ist eigentlich nicht nötig, denn nach der Lektüre des 5.000 Zeichen langen Textes werden Sie ohnehin schon längst überzeugt sein von der unschlagbaren Grandiosität der Etihad-Luxus-Suite. Die “Welt” gibt sich jedenfalls größte Mühe, kein einziges der vielen fantastischen Details zu vernachlässigen.
Schon die ersten beiden Sätze machen die Marschrichtung klar.
Wer dachte, mit der First Class sei der ultimative Luxus im Linienflugzeug bereits erreicht, muss sich von der arabischen Etihad Airways eines Besseren belehren lassen. Denn der neue Wohnraum “The Residence” fängt dort an, wo die First aufhört.
(Im Original liegt hinter “‘The Residence'” ein Link zur Unternehmensseite.)
Der “Gipfel des Genusses”, meint die “Welt”, werde
eine immerhin fast zwölf Quadratmeter große Wohnfläche sein, die ein Maß an Luxus und Privatsphäre bieten wird, wie es sonst nur in Privatjets vorgefunden wird.
“Das Wohnzimmer” sei
unter anderem mit einem 1,50 Meter breiten Zweisitzersofa (ausklappbar zu einem Liegesofa), ausklappbaren Ottomanen, Intarsien-Esstisch, gekühlter Minibar und 32-Zoll-TV-Bildschirm ausgestattet.
“Im Schlafbereich” stehe
ein 205 mal 120 Zentimeter großes Doppelbett mit Leselampen und Stimmungslicht, ein Nachtschrank, Kleiderschrank, hinterleuchtete holzgeschnitzte Wände und ein 27-Zoll-Fernseher.
Und das “private Duschbad” ermögliche
eine vier Minuten währende Dusche sowie Toilette, Waschtisch mit Kosmetikspiegel und Föhn.
Wir erfahren, dass jedem Gast “ein persönlicher Butler zur Verfügung” steht und dass diese “qualifizierten Servicekräfte” an der “Londoner Savoy Butler Academy speziell geschult” werden.
Wir erfahren, dass ein “‘Fünfsterne-Verpflegung'” dazugehört und der Chefkoch “auf Wunsch eine persönliche Menüplanung berücksichtigt”. Dass der Fluggast “mit luxuriöser Bettwäsche, Schlafanzug” und anderem Schnickschnack “umsorgt” wird. Dass sich “ein spezielles VIP-Reise-Concierge-Team um die Top-Gäste” kümmert und “dafür sorgt, dass jedes Reisedetail, einschließlich Bodentransport, Küche und Annehmlichkeiten, optimal auf die Anforderungen des Gastes zugeschnitten sind.”
Dann folgen Angaben zum Preis, zu den geplanten Strecken, den kooperierenden Flughäfen, den angepeilten Terminen und den Platzkapazitäten des Flugzeugs.
Anschließend darf der Etihad-Chef noch persönlich erklären, dass diese “neuartigen Wohnräume” die “Erwartungen von Flugreisenden in Bezug auf Bordkomfort und Luxus nachhaltig verändern [werden]”. Und die Konkurrenz darf er auch noch niedermachen erwähnen:
Mit Blick auf Mitbewerber um begehrte First-Class-Passagiere wie die Golf-Rivalen Emirates und Quatar Airways, aber auch Singapore Airline und British Airways habe man sich entschlossen, die größten “First Class Suites” anzubieten.
Aber auch das ist noch lange nicht alles.
Und so plant der Carrier neben dem Top-Produkt “The Residence by Etihad” auch noch eine Vielzahl weiterer Service-Veränderungen.
Die kürzen wir aber jetzt mal ab.
… “First Apartments” (neun Stück in einer 1-1-Anordnung also mit nur einem Gang) … 1,60 Meter hohen Schiebetür … Liegesessel … Ottomane … Full-Flat-Bett mit einer Länge von 2,03 Metern … gekühlte Minibar … persönlicher Waschtisch … schwenkbarer TV-Monitor zur Nutzung vom Sitz oder vom Bett aus … 74 Prozent größere Grundfläche als die aktuellen, preisgekrönten First Class Suites … verbesserte “First Suite” … acht Suiten (in 1-2-1-Anordnung) … großen Sitz … Ottomane … Full-Flat-Bett von 2,05 Metern Länge … lassen sich die Armlehnen zurückschieben … können zwei Suiten in eine Einheit mit Doppelbett umgewandelt werden … gekühlte Minibar … 24-Zoll-TV-Monitor … 20 Prozent mehr persönlichen Platz bieten … direkten Zutritt zum Gang … Full-Flat-Bett mit einer Länge von 2,05 Metern …
… und so weiter.
Der Artikel ist (inklusive Etihad-PR-Video und zehnteiliger Klickstrecke) vergangenen Montag erschienen, im redaktionellen Bereich des Online-Ablegers der “Welt”.
In der Print-Ausgabe, zumindest in der “Welt kompakt”, suchte man ihn vergeblich. Dort wurde stattdessen auf die klassische Weise für “The Residence” geworben — per Anzeige über drei ganze Seiten.
Bei den Fluggesellschaften gebe es einen “Kampf um die zahlungskräftige Klientel”, schreibt die “Welt” noch. Gut für die, die ihre Verbündeten schon gefunden haben.
Gestern berichtete “Bild” über den Tod der Tennisspielerin Elena Baltacha:
Das Foto zeigt jedoch nicht die Britin Baltacha, die Rechtshänderin war, sondern die Tschechin Petra Kvitová, die derzeit in Madrid um Weltranglisten-Punkte spielt.
1. “‘Jeder Scharlatan bekommt ein Forum für seinen Stuss'” (theeuropean.de, Thore Barfuss)
Ein Interview mit Jörg Kachelmann, der bedauert, “dass sich die meisten Medien in Duldungsstarre vor der ‘Bild’-Zeitung begeben haben”. “Das langsame Sterben der Printmedien” verwundere nicht: “Recherche bedeutet heute meistens, dass ein Mensch, der Zugang zu einem nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Papier hat, die Nummer eines sogenannten Investigativjournalisten kennt, der auf einen Anruf wartet.”
2. “Wie Putin seine Journalisten-Armee einsetzt” (welt.de, Julia Smirnova)
In Russland werden über 300 Journalisten von Wladimir Putin “mit Orden und Medaillen” ausgezeichnet. “Dass derartig viele willfährige Redakteure und Reporter für ihre Arbeit mit Orden behängt werden, ist beispiellos.”
3. “Der Fussballfan wird zum Staatsfeind geschrieben” (kurzpass.ch, Daniel Ammann)
Daniel Ammann beschäftigt sich mit einem Artikel in der “Sonntagszeitung”, der mit “258 Straftaten im Umfeld von Stadien” übertitelt ist, jedoch von “grossformatigen Fotos von bengalischem Feuer und schwarzem Rauch” begleitet wird. “Das Fazit des Artikels könnte alternativ auch heissen: 2013 wurden rund um Schweizer Sportstätten Polizisten häufiger beschimpft als im Jahr zuvor und es wurden mehr Ohrfeigen und Fusstritte verteilt, während die Gewalt innerhalb der Stadien sank.”
5. “‘Big things are happening in Denmark'” (b.dk, Edward Snowden, englisch)
Edward Snowden schreibt einen Brief zur Debatte um das Boulevardmagazin “Se og Hør”, das Kreditkarten-Daten von Prominenten gekauft haben soll.
Die Frau des Fußballers Robert Lewandowski, der zur kommenden Saison vom BVB zum FC Bayern wechselt, hat sich zum Abschied aus Dortmund etwas ganz Romantisches einfallen lassen:
Warum da immer noch das Trikot von Moritz Leitner hängt (obwohl er zurzeit gar nicht in Dortmund spielt), erklärt “Bild” leider nicht. Und warum beim BVB die Türklinken in der Luft schweben, bleibt ebenfalls offen.
Könnte aber alles daran liegen, dass sich die beiden nicht in der Kabine geküsst haben, sondern vor einer Fototapete im VIP-Bereich des BVB.
Mit Dank an Christoph.
Nachtrag, 17.25 Uhr: Bild.de hat den Artikel korrigiert und unter dem Text einen Hinweis veröffentlicht:
*BILD hatte Tomaten auf den Augen
Zu der Geschichte “Kabinen-Kuss zum Abschied” zeigten wir ein Foto von Dortmund-Stürmer Robert Lewandowski, der seine Frau Anna küsst. Den Kuss gab’s aber nicht in der BVB-Kabine, sondern vor einer Foto-Tapete. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “Eine Meldung – und ihre Geschichte” (blog.zeit.de/kabul, Ronja von Wurmb-Seibel)
Die Geschichte hinter der dpa-Meldung “Pakistan: Zwei Berliner Brüder festgenommen”: “Im Bus gibt es dann englischsprachige Zeitungen zu lesen und auf Seite zwei entdecken wir die Schlagzeile über unser Ergreifen, maßlos übertrieben und wenig informativ. (…) Eine ganze Reihe deutscher Medien hat diese fälschliche Schlagzeile reproduziert, teilweise noch pikanten Details verfeinert.”
2. “Qualitätsjournalismus Fehlanzeige: Journalisten als Lobbyisten” (meedia.de, mit Video, 6:48 Minuten)
Die ZDF-Sendung “Die Anstalt” zeigt Verflechtungen deutscher Journalisten mit Lobbygruppen auf. “In der Mitgliederliste der Atlantik-Brücke, der u.a. Bild-Chef und -Herausgeber Kai Diekmann vorsitzt, tauchen neben ‘heute’-Anchor Claus Kleber auch Theo Koll, noch Politbarometer-Experte und bald Leiter des ZDF-Studios in Paris, und Grünen-Politiker Cem Özdemir auf, der den stv. Vorsitz des ZDF-Fernsehrates inne hat.”
3. “Rebellion unter den Lesern” (medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Die Meinungsvorherrschaft der Journalisten zerbröckle, stellt Rainer Stadler fest angesichts der breiten Kritik von Lesern, Journalisten würden im Konflikt um die Ukraine “die Ereignisse einseitig aus westlicher Optik darlegen und bewerten”: “Ich bezweifle allerdings, dass diese Erkenntnis ins Bewusstsein vieler professioneller Informationsverarbeiter gedrungen ist. Der Wille, die Rebellion im Publikum ernst zu nehmen, ist kaum vorhanden.” Siehe dazu auch “Der Westen und die Massenmedien sind zu tadeln!” (nzz.ch, Lorenz König).
4. “Im Abseits” (sueddeutsche.de, Ralf Wiegand)
Insgesamt zwei gedruckte Interviews mit Pep Guardiola sind erschienen, seit dieser Trainer des FC Bayern München ist. “Viele Vereine aber führen intern schon Diskussionen, wozu man Sportjournalisten in den Stadien überhaupt noch braucht – wenn man doch alles selber machen kann.”
5. “Fünf Jahre taz-Hausblog: So viel Transparenz wie bei keiner anderen Zeitung” (blogs.taz.de/hausblog, Sebastian Heiser)
Das “taz”-Hausblog feiert den 5. Geburtstag: “Als Student hatte ich das Blog spiegelkritik.de betrieben, das sich am Spiegel und Spiegel Online abarbeiten wollte, aber leider nie das Niveau des großen Vorbilds bildblog.de erreicht hat. Noch mehr als über die journalistischen Fehler im Spiegel habe ich mich über den Umgang mit ihnen geärgert. Genauer: Den Nicht-Umgang. Die Journalisten – gerade beim Spiegel – dachten, es sei für ihre Arbeit essenziell, einen Nimbus der Unfehlbarkeit zu verbreiten und keine Fehler zuzugeben. Das ärgerte mich als Leser. Ich fand, Journalisten müssten mal von ihrem hohen Ross runterkommen, ihre Arbeit transparenter machen und sich der Kritik stellen. Und dann wechselte ich die Seiten.”
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
2. “Brücke nach rechts” (kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Anna Hunger reist nach Rottenburg am Neckar, wo der Kopp-Verlag “in seinem kargen Verlagsgebäude inmitten saftiger, grüner Idylle” beheimatet ist und spricht mit Verlagschef Jochen Kopp. “‘In jeder Meinung, und sei sie noch so abstrus, kann immer ein Körnchen Wahrheit stecken’, sagt er. Das ist seine Verlagsphilosophie. Nur wenn man ihn fragt, ob es den Holocaust gegeben hat, sagt er: ‘Dazu gibt es in Deutschland eine gesetzlich festgeschriebene Meinung. Als gesetzestreuer Bürger teile ich diese selbstverständlich.'”
3. “Undercover: Die Süddeutsche besuchte die DWN – aber keiner hat sie gesehen” (deutsche-wirtschafts-nachrichten.de)
Die “Deutschen Wirtschafts Nachrichten” reagieren auf einen Bericht über sie in der “Süddeutschen Zeitung”: “Selbstverständlich glaubt oder behauptet niemand bei den DWN, dass die Welt von einer geheimen Weltregierung systematisch gesteuert wird. Das ist blanker Unfug. Die Welt wird nicht von dunklen Mächten regiert, sondern vor realen, einzelnen Menschen – guten wie schlechten, gierigen wie verantwortungsbewussten, Kriminellen und Wohltätern.”
4. “Wie wir Sportjournalistinnen fördern wollen” (blogs.taz.de/hausblog, Andreas Rüttenauer)
Andreas Rüttenauer schreibt zum Männerüberschuß im Sportjournalismus: “Wir hoffen schon bald, einen Workshop für junge Frauen veranstalten zu können, die für Journalismus im Sport brennen. Und noch viel mehr hoffen wir, dass etliche der Teilnehmerinnen bald schon regelmäßig für uns schreiben werden.” Zu fehlenden Frauen siehe auch “Debattenkultur: Wir brauchen eine Frau! Mal Alice anrufen” (spiegel.de, Sibylle Berg).
5. “Hat Welke Recht? Hält uns das Fernsehen für doof?” (dwdl.de, Peer Schader)
Halten die TV-Programmmacher, auch jene der Öffentlich-Rechtlichen, ihr Publikum für zu doof? Peer Schader kommt zum Schluß: “Das Vorurteil stimmt.”
Das da oben sind Natali, Birte, Sabine, Angela und Jennifer. Sie sind Leserinnen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z), und sie testen für uns “fitmio”.
Das ist nett von ihnen, auch wenn es scheint, dass das Ergebnis schon vorab feststeht. Über dem Bericht der Tester heißt es nämlich:
fitmio ist das erste wissenschaftlich fundierte Online-Coaching-Programm, das alltagstauglich ist und nachhaltig wirkt — ohne Diät, stattdessen mit viel Genuss und leckeren Rezepten.
Das erste intelligente Abnehm- und Fitness-Coaching im Internet. (…) auf Basis wissenschaftlicher Forschung und dennoch einfach und alltagstauglich. (…) ohne Diät, dafür aber mit leckeren Rezepten.
Die unabhängigen Berichterstatter vom sh:z jedenfalls sind sehr angetan von dem kostenpflichtigen Abnehmangebot. Im Aufruf schrieb die Redaktion:
FLENSBURG | Sie fühlen sich zurzeit nicht wohl mit Ihrem Körper? Sie wollen die Frühjahrsmüdigkeit abschütteln und wieder fitter werden? Dann testen Sie fitmio. Das moderne Online-Trainingsprogramm begleitet Sie zwölf Wochen lang mit täglichen Trainingsanweisungen, Rezepten für eine optimale Ernährung und sorgt mit ständiger Motivation fürs Durchhalten.
Das Online-Fitnessprogramm “fitmio” macht den Frühling sportlich und gesund. (…)
Der Frühling beginnt und der Winterspeck muss weg. Dabei hilft das Online-Fitnessprogramm “fitmio”. (…) “fitmio” beruht auf den drei Säulen des Erfolgs — Ernährung, Bewegung und Motivation. Das “fitmio”-Programm wurde bewusst nicht als Diät konzipiert — damit das Durchhalten über die zwölf Wochen im Alltag leichter fällt.
fitmio begleitet die Testerinnen mit hochwertigen Rezepten, Workout- und Motivationsvideos wie auch Tipps für die Umsetzung im Alltag und wöchentlichen Erfolgsmessungen.
Verfolgen Sie hier, was unsere Testpersonen auf Ihrem Weg erleben, oder starten Sie gleich selbst Ihr 12 Wochen fitmio-Programm.
Tjaha, oder starten Sie das doch gleich selbst! Damit tun Sie auch dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag etwas Gutes, denn der bekommt dann, was da nicht steht, aber shz.de-Chefredakteur Joachim Dreykluft uns auf Nachfrage bestätigt, eine Provision von “fitmio”.
Die Aktion mit den Leser-Testern sei aber “von der Redaktion initiierter Inhalt”, der “inhaltlich nicht beeinflusst wird”. Der Geschäftspartner zahle “weder für den Test noch für Erwähnung” — aber eben für jeden auf diesem Weg gewonnenen Kunden.
Bis zur Anfrage von BILDblog gab es keine Kennzeichnung, die darauf hinwies, dass der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag ein kommerzielles Interesse daran hat, Bekanntheit und Attraktivität der Marke des Diätprogramms zu steigern. Die entsprechenden Texte waren als redaktionelle Berichte präsentiert.
Inzwischen steht über der Themen-Seite das Wort “Anzeige”; auch die Ankündigungs-Artikel wurden nachträglich entsprechend markiert. Dreykluft erklärt das damit, dass man in diesem Geschäftsfeld (“Native Advertising”) noch viel experimentiere: “Wichtig ist uns dabei, transparent zu halten, was bezahlter Inhalt ist und was redaktioneller.” Die Anfrage von BILDblog sei Anlass gewesen, “im konkreten Fall nachzusteuern”.
Alfred Draxler, der ehemalige Vize-ChefredakteurundOber-Sportchef der “Bild”-Zeitung, hat am Sonntag bei “Günther Jauch” mal erzählt, wie Journalismus funktioniert. Also nicht dieser Schweinepressejournalismus, sondern der richtige. Der verantwortungsvolle, penible, juristisch, moralisch und ethisch einwandfreie Journalismus. Der Journalismus also, den “Bild” pflegt — laut Alfred Draxler.
Leider hat er bei seinen Ausführungen die Beispiele ganz vergessen. Aber kein Problem, liefern wir sie eben jetzt nach. Beginnen wir mit …
Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 1
Das Interesse der Menschen [am Fall Schumacher] ist riesengroß. Als Journalist hat man dann halt die Aufgabe, zu filtern und zu entscheiden: Was kann man machen, was kann man nicht machen.
Ein Beispiel. Gerade in der ersten Zeit nach dem Unfall wurden die Angehörigen von Michael Schumacher jedes Mal von etlichen lauernden Fotografen umzingelt, sobald sie die Klinik betraten oder verließen. Schumachers Managerin Sabine Kehm berichtete bei “Günther Jauch”, dass die Familie sogar Sicherheitskräfte engagierte und alternative Zugangswege auskundschaftete, um sich nicht immer wieder durch den Pulk von Kameraleuten und Fotografen quälen zu müssen – ohne Erfolg.
Die Redaktionen bekamen täglich Dutzende solcher Fotos geliefert und mussten entscheiden: Kann man oder kann man nicht machen?
“Bild” meinte: Kann man.
Die Kliniktür-Klickstrecken endeten erst, nachdem ein Absperrgitter zum Schutz der Angehörigen aufgebaut worden war. Heißt: Zum “verantwortungsvollen” Journalismus der “Bild”-Zeitung gehört auch die Veröffentlichung solcher Fotos. Solange sie nicht massivst daran gehindert wird.
Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 2
[Im Fall Schumacher] strömen auf die Redaktionen unglaublich viele Informationen ein – angebliche Informationen. Sei es der Kollege Alesi von Schumacher, seien es Ärzte, die eine Ferndiagnose machen. Und es ist unsere Aufgabe, damit verantwortungsvoll umzugehen, und ich glaube, das gelingt uns.
Sabine Kehm hatte zuvor erzählt, dass es jedes Mal eine Belastung für die Familie sei, wenn Äußerungen wie die von Alesi oder Ferndiagnosen unbeteiligter Ärzte von den Medien verbreitet würden.
Und so “verantwortungsvoll” ist “Bild” mit den Äußerungen von Alesi umgegangen:
Und so “verantwortungsvoll” ist “Bild” mit den Ferndiagnosen von Ärzten umgegangen:
Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 3
Ich kann da nur für “Bild” und “Sport Bild” und andere Springer-Medien sprechen: Wir prüfen das wirklich – sowohl juristisch als auch moralisch als auch ethisch –, ob wir das überhaupt bringen können. Also: Wir nehmen nicht jede Information und stellen sie ungeprüft in die Öffentlichkeit, sondern das wird schon sehr, sehr, sehr verantwortungsvoll geprüft.
Und erst wenn “Bild” eine Information sowohl juristisch als auch moralisch als auch ethisch als auch sehr, sehr, sehr verantwortungsvoll geprüft hat, wird sie zu einer solchen Titelgeschichte verarbeitet:
JETZT MÜSSEN SICH DIE FANS NEUE SORGEN MACHEN: Bei Schumi wurde nach BILD-Informationen in der vergangenen Woche eine Lungenentzündung diagnostiziert! Die Folgen sind noch nicht absehbar.
Die Meldung wurde sofort vonanderenMedienaufgegriffen — und auch wenn einige der Abschreiber durchaus Zweifel hegten und Schumachers Managerin Sabine Kehm die Meldung nicht hatte kommentieren wollen: die “Neue Sorge um Schumi” war in der Welt.
Die Reporter bezogen erneut Stellung vorm Krankenhaus, die internationale Presse bombardierte Kehm erneut mit Anfragen, die “Experten” ferndiagnostizierten erneut drauf los, die Fans machten sich erneut Sorgen, die Freunde und Angehörigen wurden erneut aufgeschreckt.
Dabei stimmten die “BILD-Informationen” gar nicht. Zwei Tage später schrieb das Blatt im vorletzten Absatz eines weiteren Schumi-Artikels:
BILD hatte berichtet, dass in der vergangenen Woche eine Lungenentzündung diagnostiziert worden war. Die Erkrankung liegt aber schon weiter zurück und stellte in dieser Woche nach neuesten Erkenntnissen keine akute Gefahr mehr da.
So viel zum Punkt juristisch als auch moralisch als auch ethisch als auch sehr, sehr, sehr verantwortungsvoll geprüfte Informationen.
Die ganze unnötige Panik wäre nicht ausgelöst worden, wenn “Bild” sich an den Wunsch von Schumachers Managerin gehalten hätte, die immer und immer wieder ausdrücklich und nachdrücklich darum gebeten hat,
das Arztgeheimnis zu respektieren und sich ausschließlich an die Informationen des zuständigen Ärzte-Teams oder Managements zu halten, die die einzigen gültigen Informationen sind.
Aber “Bild” ignorierte diese Bitte.
Die Medien wollen so viele Details wie möglich. Schumachers Familie will aber so wenige wie möglich rausgeben. Die Lücke wird geschlossen mit Spekulationen, Ferndiagnosen, Übertreibungen und Wiederholungen. Oder mit Berichten darüber, dass es nichts zu berichten gibt.
Und damit zu …
Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 4
Jauch: “Was machen Sie denn, wenn Sie so ein riesiges Interesse feststellen und müssen sagen: ‘Es gibt nichts Neues, wir haben nichts’?”
Draxler: “Dann machen wir’s auch nicht.”
Nun ja …
Bild.de, 4. Januar:
Zu seinem aktuellen Zustand gibt es keine Neuigkeiten.
Bild.de, 16. März:
Weiterhin keine Neuigkeiten bei Schumi!
Bild.de, 10. April:
Unterdessen gibt es zu Schumis gesundheitlichen Zustand keine Neuigkeiten.
Bild.de, 2. Januar:
Aber es gibt ja auch noch genug anderen Quatsch, mit dem “Bild” die Seiten füllen kann:
So hat “Bild” seit dem Unfall bereits über 40 Artikel veröffentlicht. Viele davon bestehen aus nicht viel mehr als Gerüchten, Fragen, Wiedergekäutem und Geschwafel.
Am 4. April schien es dann aber, als hätte Bild.de tatsächlich etwas Neues zu berichten. Auf der Startseite jubelte das Portal riesengroß:
Grund für die “neue Hoffnung” war eine Aussage von Schumachers Managerin Kehm gegenüber “Bild”:
Managerin Sabine Kehm gegenüber BILD: “Ich kann nur noch einmal sagen: Es gibt Anzeichen, die uns Mut machen.”
Dieser Artikel war ziemlich genau drei Wochen zuvor bei Bild.de erschienen. Er bezog sich auf eine Pressemitteilung von Sabine Kehm, in der es hieß:
Es gibt immer wieder kleine Anzeichen, die uns Mut machen.
Genau das, was sie per Pressemitteilung allen gesagt hatte, hat sie drei Wochen später der “Bild”-Zeitung also noch einmal gesagt. Und die bastelt daraus eine große Neuigkeit.
Andere Medien (und zwar viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, vieleandereMedien) rannten erwartungsgemäß blind hinterher und verkündeten, Schumacher gehe es “besser”, obwohl einige von ihnen sogar selbst feststellten, dass Kehm genau das Gleiche schon in ihrem letzten Statement gesagt hatte.
“Bild” hatte den alten Stand kurzerhand als neuen verkauft (und alle anderen nahmen es ihr ab). Wenn Alfred Draxler also sagt: “Machen wir nicht”, meint er “nicht” im Sinne von: “doch”.
Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 5
Da ist kein Journalismus, das ist Schweinepresse!
Die womöglich zutreffendste Aussage Draxlers in der gesamten Sendung. Er meinte die billigen, bunten Klatschblätter. Mit denen will er unter keinen Umständen auf eine Stufe gestellt werden. Schon am Anfang der Sendung hatte er darauf bestanden, dass man “sehr differenzieren” müsse, “was die Art der Medien anbelangt”, denn da gebe es durchaus “Abstufungen”.
Es kommt ihm freilich sehr entgegen, dass es da noch einen Bereich in der Presselandschaft gibt, der noch mieser, noch krawalliger und noch skrupelloser zur Sache geht als die “Bild”-Zeitung. Gegen die Regenbogenpresse wirkt sein Ex-Blatt ja auch in der Tat nicht mehr ganz so schlimm. Zumindest auf der ersten Blick.
Rein inhaltlich haben “Bild” und die Regenbogenblätter in den vergangenen Wochen aber durchaus Parallelen gezeigt. Natürlich: Im Wahrheit-Verzerren sind die Klatschblätter ungeschlagen. Aus einer banalen Kleinigkeit wird auf derm Cover schnell mal eine riesige Schocktränentragödie. Oder aber ein “Zeichen der Hoffnung”, wie in diesem Fall:
Das Blatt suggeriert, Schumachers Zustand habe sich gebessert — dabei steckt hinter der Schlagzeile lediglich das Gerücht, dass Schumachers Glücksarmband angeblich wiedergefunden wurde.
Die “Bild”-Zeitung hatte bei der Überschrift allerdings eine ganz ähnliche Idee…
… ließ ihre Leser aber immerhin nicht im Unklaren über den Kern der, äh, “Nachricht”:
Einige Journalisten scheinen fest davon überzeugt zu sein, sie hätten Anspruch auf eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit neuen Einzelheiten; manche drehen sogar dermaßen am Rad, wenn Schumachers Managerin “nichts zu berichten” hat, dass man ihnen am liebsten die Tastatur wegnehmen möchte.
Und so werden die Zeitungs- und Internetseiten — und zwar sowohl in den Boulevard- als auch den Regenbogen- als auch den seriösen Medien — mit Nachrichten gefüllt, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient haben und statt dem Informationsinteresse nur einer Sache dienen: der Gier der Leute, irgendetwas über Michael Schumacher zu lesen. Dass die “Bild”-Zeitung sich dabei nicht ganz so weit aus dem Fenster lehnt wie die Regenbogenpresse, ist klar. Und es kam ihr sehr zugute, dass diese Unterscheidung auch bei Jauch so stark betont wurde, vor allem von Draxler selbst. Guck mal, was die da machen, dagegen sind wir ja nun wirklich nicht schlimm.
Ohnehin profitierte “Bild” in Jauchs Runde enorm von den Vergleichen mit anderen Medien. Auch Schumachers Managerin Kehm sagte, dass sich das Blatt “im Großen und Ganzen fair” verhalten habe und dass sie andere Boulevardmedien als “sehr viel grenzwertiger” empfunden habe. Und natürlich wirkt “Bild” im direkten Vergleich nicht ganz so schlimm wie etwa der unsägliche “News”-Ticker von “Focus Online” oder die Knallblätter der deutschen oder englischen Regenbogenpresse. Aber nur weil die “Bild”-Zeitung noch genug Restskrupel hat, auf der Titelseite nicht einfach zu lügen, Schumacher sei “aufgewacht” oder es gebe ein “Wunder”, und nur weil sie nicht jedes Gerücht aufgreift, sondern auch mal eins auslässt, heißt das ja nicht automatisch, dass sie guten Journalismus macht. Es ist lediglich das kleinere Übel.
Es gibt darüber hinaus noch einen bedeutenden Unterschied zwischen “Bild” und der Regenbogenpresse, der bei solchen Vergleichen schnell unter den Tisch fällt. Dieser Unterschied wird gerade am Beispiel der rumgereichten “Bild”-Panikmache wegen der angeblichen Lungenentzündung deutlich.
Wenn die “Bild”-Zeitung etwas schreibt, dauert es nämlich nicht lange, bis andere, auch seriöse und internationale Medien aufspringen, so groß deren Zweifel auch sein mögen. Die Spekulationen der “Freizeit X” werden dagegen allenfalls von der “Freizeit Y” und der “Z für die Frau” aufgegriffen, sie verbleiben im Paralleluniversum der Regenbogenwelt und dringen nur selten ans Licht der breiten Öffentlichkeit. Auch wenn die Auflagenzahlen in diesem Segment riesig sind, erreicht ein Gerücht der Regenbogenpresse nur selten so viele Meinungsmacher wie eines, das von der “Bild”-Zeitung in die Welt gesetzt wurde.
So zieht jede große “Bild”-Schlagzeile ein riesiges Echo nach sich, das selbst dann noch hallt, wenn die ursprüngliche Meldung längst korrigiert oder widerlegt wurde.
Im Fall Schumacher klang dieses Echo unter anderem so:
Dahinter steckt nichts anderes als die Falschmeldung der “Bild”-Zeitung. “die aktuelle” schreibt:
Der Feind in seinem Körper — er macht alles kaputt. Die schreckliche Schock-Nachricht aus Grenoble: Schwere Lungenentzündung. Ausgerechnet jetzt! Das Leben von Michael Schumacher, 45, steht auf Messers Schneide. Sein Schicksal liegt nun allein in Gottes Hand. Dabei hatte es doch schon so gut ausgesehen …
Diesen Artikel hätte es ohne “Bild” nicht gegeben. Viele andere Schumi-Artikel in den Regenbogenbogenblättern auch nicht. Klar: Die Redaktionen hätten sicherlich auch andere Quellen für ihre Schock-Wunder-Dramen gefunden. Aber in vielen Fällen lieferte die “Bild”-Zeitung schon genug Futter für die “Schweinepresse”.
All das erwähnte Alfred Draxler in seiner Lehrstunde über verantwortungsvollen Journalismus natürlich mit keinem einzigen Wort.
Irrer Vorstoß von Wil van Megen (58), dem Anwalt der internationalen Gewerkschaft für Fußball-Profis, kurz Fifpro: “Marihuana muss von der Doping-Liste verschwinden.”
Der Holländer – woher auch sonst? – fordert: Kiff-Erlaubnis für Fußball-Stars!
Hihi, “woher auch sonst”. Verstehen Sie? Weil er ja Holländer ist, und Holländer sind ja bekannt d…
Egal. Diese flotten Sprüche kommen – woher auch sonst? – von Bild.de. Ein gefundenes Fressen, dieser “irre Plan” des bekloppten Holländers.
dass Cannabis entweder von der Dopingliste gestrichen wird oder dass – aufgrund eigener Forschungsergebnisse – der Meldegrenzwert durch das Labor erhöht wird.
Van Megen behauptet: “Cannabis ist als Substanz für Sportler nicht leistungsfördernd. Wir setzen uns ganz sicher nicht für den Konsum von Cannabis ein, aber der Stoff gehört nicht auf die Doping-Liste.”
Van Megen begründet: “Heutzutage kommen junge Spieler mit Marihuana genauso schnell in Kontakt wie mit Alkohol. Alkohol ist erlaubt, wegen Cannabis wird man verfolgt. Da stimmt die Relation nicht. Junge Sportler werden für etwas kriminalisiert, was mittlerweile fast normal ist.”
Oder anders:
Bis hierher typisch Bild.de.
Aber dann kommt Doping-Experte Prof. Fritz Sörgel:
Für Doping-Experte Prof. Fritz Sörgel eine “absurde Idee”: “Da könnte man auch gleich Ecstasy freigeben, das ist leider bei jungen Leuten auch verbreitet. Marihuana hat zwar eine Sonderstellung durch die Freigabe in einigen Staaten der USA – aber ist bei Dauergebrauch schädlich und führt zu Veränderungen im Gehirn.”
Es es hat allerdings auch niemand von schädlich gesprochen, sondern von leistungsfördernd. Alkohol, Koffein, Nikotin und andere Stoffe sind für Fußballer laut Dopingliste auch nicht verboten — obwohl auch sie “bei Dauergebrauch schädlich” und “bei jungen Leuten verbreitet” sind.
Aber der Experte ist noch nicht fertig.
Sörgel weiter: “Und wie sollte das überhaupt ablaufen? Bei uns ist der Handel ja strafbar. Wird das vom Mannschafts-Arzt verabreicht? Da hat einer nicht richtig nachgedacht, bevor er diese Idee in die Welt setzte.”
Na, vielleicht ja doch: Denn das wird natürlich nicht “vom Mannschafts-Arzt verabreicht”. Stattdessen geht’s vor jedem Spiel erst mal schön nach Holland. Alle Mann in den Bus und dann ab zum nächsten Coffeeshop. Die fegen ihre Gegner anschließend mit Leichtigkeit vom Platz, wetten? Und die niederländische Wirtschaft wird nebenbei auch noch angekurbelt. Ganz schön clever, dieser Holländer.
Aber ernsthaft: Wie kommt Sörgel eigentlich auf diese absurde Idee? Oder hat ihn Bild.de vielleicht einfach falsch zitiert? Nein, sagt er uns auf Nachfrage, die Zitate seien korrekt. Und er erklärt, das mit dem Cannabis sei im Prinzip so, als würde jemand fordern, das Tempolimit abzuschaffen. Das mache schließlich auch niemand, wenn er nicht das Ziel habe, schnell zu fahren.
Na ja. Nur weil man etwas machen darf, heißt das ja nicht, dass man es auch machen muss. Man darf auch “Schwiegertochter gesucht” gucken oder sich selbst eine reinhauen oder der “Bild”-Zeitung Experteninterviews geben — muss man aber nicht.