Archiv für Oktober 5th, 2026

Unrühmliche Jagd, Verlagen gehen die Leser aus, Kein “Klima vor acht”

1. ARD Media lehnt Werbespot von Klima vor acht ab
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der öffentlich-rechtliche Werbevermarkter ARD Media habe einen geplanten 35-sekündigen Werbespot der Initiative “Klima vor acht” für das Vorabendprogramm des Ersten abgelehnt. Nach Angaben des Vereins begründe ARD Media die Entscheidung damit, dass der Spot weder der klassischen Produkt- noch der Imagewerbung diene und zudem gegen die EmpCo-Richtlinie für Umweltaussagen verstoße. Politische Werbung sei laut Medienstaatsvertrag unzulässig. Die Initiative halte die Ablehnung für unbegründet und prüfe juristische Schritte.

2. Zuhören ja – Antworten nein
(verdi.de, Danica Bensmail)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi kritisiert zwei geplante Gesetzesvorhaben, die den investigativen Journalismus und die demokratische Kontrolle massiv einschränken könnten. Einerseits drohe durch die Reform des BND-Gesetzes eine Aushöhlung des Quellenschutzes. Andererseits solle das Informationsfreiheitsgesetz durch die Hürde eines “berechtigten Interesses” beschnitten werden, wodurch das bisherige Jedermannsrecht faktisch abgeschafft und Medien sowie NGOs der Informationszugang verwehrt würde.

3. Vor der Frankfurter Buchmesse: Verlagen gehen die Leser aus
(t-online.de)
Kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse blicke die deutsche Buchbranche auf spürbare Einbußen. Sowohl Umsätze als auch die Zahl der Erstauflagen sowie der Käuferinnen und Käufer seien rückläufig. Besonders drastisch falle der Rückgang bei jüngeren Zielgruppen aus: Bei den 10- bis 15-Jährigen sei die Zahl der Buchkäufer 2025 um über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Neben Zuwächsen bei Hörbüchern und Genres wie Young Adult oder New Adult mache der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vor allem die schwindende Lesekompetenz für die Entwicklung verantwortlich.

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4. Fall Paal und die unrühmliche Jagd nach mehr Missbrauchsdetails
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Die mediale Aufarbeitung der Missbrauchs- und Erpressungscausa um den österreichischen Kabarettisten Günther Paal (“Gunkl”) verletze in weiten Teilen fundamentale Opferschutz- und Ethikstandards, kritisiert Andrea Gutschi. Österreichische Boulevardmedien wie “Krone”, “Oe24” und “Heute”, aber auch das Magazin “Falter”, seien in eine voyeuristische Täterzentrierung verfallen. Durch die Veröffentlichung intimer Details aus Ermittlungsakten, Fotos des Wohnumfelds sowie reißerische Begriffe werde das betroffene Kind zur Ware herabgewürdigt und identifizierbar gemacht.

5. Fakten benennen, statt sie als “umstritten” weichzuspülen
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 3:45 Minuten)
Die Publizistin Marina Weisband kritisiert den inflationären Einsatz des Begriffs “umstritten” in Medienüberschriften als fatale Scheinneutralität. Häufig handele es sich bei so verharmlosten Sachverhalten um wissenschaftlich widerlegte Behauptungen, rassistische Aussagen oder Rechtsbrüche. Aus Angst vor einem wütenden Mob und dessen Leserbriefen würden Redaktionen oft auf weichgespülte Formulierungen ausweichen. Weisbands Appell an Journalistinnen und Journalisten: “Mein Rat hier wäre die alte Maxime: Mit Terroristen verhandelt man nicht. Briefe an Redaktionen sind ein legitimes und auch wertvolles Mittel, um zusätzliche Perspektiven in eine Debatte zu bringen und auch Feedback zu geben. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass sie auch instrumentalisiert werden von Leuten, die die freie Presse am liebsten komplett abschaffen würden.”

6. Dem Zuschauer untertan
(taz.de, Karlotta Ehrenberg)
Die Drehbuchautorin Karlotta Ehrenberg kritisiert in einem Gastbeitrag die Quotenfixierung und den vorauseilenden Gehorsam in den Redaktionen von ARD und ZDF: “Bleibt ein Programm unter der Erwartung, fliegt es raus. Häufig sofort. Stimmt die Quote, führt man die Formate fort. Manche bis in alle Ewigkeit. Oder man macht dasselbe in Grün. Was erklärt, warum im ÖRR immer mehr Krimis laufen. Neuerdings hat der Zuschauer einen Second Screen in der Hand. Komplexen Geschichten kann er schlecht folgen, weil er gleichzeitig auf dem Handy wischt. Also muss man die Story simpel halten und immer wieder zusammenfassen. Ganz ehrlich: Auf den Zuschauer, der vor meinen Filmen bügelte, hab ich lieber geachtet.”