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How to: Klickfischen am rechten Rand

Sie wollen ein Medium mit riesiger Reichweite werden? Sie wollen viral gehen, Sie wollen geklickt werden, Sie wollen saumäßig viel Asche machen? Dann brauchen Sie eigentlich nur: Ausländer.

Ausländer funktionieren besser als Brüste, Fußball und Tiere zusammen. Da kommen die Likes und Shares und Werbeeinnahmen ganz von alleine, garantiert! Es gibt nur ein paar ganz einfache Regeln.

1. Nur bestimmte Ausländer sind schlimme Ausländer

Skandinavier zum Beispiel sind okay, Briten und Amerikaner auch, Niederländer eigentlich auch. Im Grunde sind alle in Ordnung, die keine Moslems sind. Und keinen zu dunklen Teint haben. Wenn also, sagen wir, eine japanische Hochzeitsgesellschaft irgendwo Randale macht, ist Ihnen das keine Schlagzeile wert.

Türkische Hochzeitsgesellschaft liefert sich illegales Autorennen auf A81

… allerdings schon.

2. Auch wenn nichts passiert, ist das eine Nachricht (solange Ausländer drin vorkommen)

Wenn zum Beispiel ein Café in Stuttgart ein paar Flüchtlingsheime dazu einlädt, doch mal zum gemeinsamen Singen vorbeizukommen, dann aber keiner kommt — ja lecko mio, Schlagzeile!

Flüchtlinge fehlen beim Singen mit Flüchtlingen

3. Weniger Fakten = Mehr Reichweite

Beispiel:

ABSCHIEBE-IRRSINN - Afghanen schicken uns diesen Terroristen zurück

Dass der Terrorist Deutscher ist, mit ihm also genau das passiert, was hier immer wieder für kriminelle Ausländer gefordert wird (Zurück in die Heimat!), sollten Sie in der Überschrift natürlich verschweigen.

Anderes Beispiel:

Bin-Laden-Leibwächter kassiert 1100 Euro Stütze

Was bloß nicht zu früh ersichtlich werden darf: Dass die „1100 Euro Stütze“ nicht nur für ihn, sondern auch für seine Frau und seine vier Kinder bestimmt sind. Und dass er nicht aus Spaß nicht abgeschoben wird, sondern weil ein deutsches Gericht ein „sehr hohes Risiko“ sieht, dass ihm in der Heimat „Folter und unmenschliche Behandlung“ drohen.

4. Noch weniger Fakten = Noch mehr Reichweite

Nehmen wir an, die Zahl der Terror-Hinweise von besorgten Bürgern an die Polizei nimmt stark zu. Es gibt also zum Beispiel mehr Nachbarn, die in ihrem Umfeld eine islamistische Radikalisierung wahrgenommen haben wollen. Die Polizei prüft diese Fälle, doch die meisten davon erweisen sich als „strafrechtlich nicht relevant“. Was schreiben Sie als Überschrift? „Verdacht auf Terror in den meisten Fällen unbegründet?“ Nee.

Zahl möglicher Terrorverdächtiger wächst stark – Kontrollverlust droht

Staatsschutz besorgt - Kontrollverlust droht: Zahl Terrorverdächtiger hat sich in NRW fast verdoppelt

STAATSSCHUTZ BEFÜRCHTET KONTROLLVERLUST - Zahl möglicher Terror-Verdächtiger steigt massiv

5. Kurz gesagt: Machen Sie es so wie „Bild“, „Welt“ und „Focus Online“

Das sind die absoluten Profis. Im Ernst jetzt. Alle oben gezeigten Artikel sind in einem dieser drei Medien erschienen. Sie wurden alle im letzten Monat veröffentlicht. Und sie gehörten allesamt zu den erfolgreichsten Artikeln in Sozialen Medien.

Wir wissen das, weil wir vier Wochen lang die Social-Media-Charts von 10000flies ausgewertet haben. Dort werden in einem täglichen Ranking die Artikel gelistet, die bei Facebook, Twitter und Google+ am häufigsten geteilt, geliked, verlinkt und kommentiert wurden.

Aus den Top 25 des Tages haben wir einen Monat lang die Artikel rausgesucht, die mit Ausländern/Flüchtlingen/Islam zu tun hatten. Und klar hatten wir damit gerechnet, dass es viele werden würden.

Damit hatten wir allerdings nicht gerechnet. Aus den Top 25 des jeweiligen Tages:

1. April
Weniger Ostern, dafür mehr Islam? Tichys Einblick
Kein Ostergruß der Kanzlerin und des Bundespräsidenten zum wichtigsten Hochfest der Christen Philosophia Perennis
Autobahn blockiert – Türkische Hochzeitsgesellschaft liefert sich illegales Autorennen auf A81 Focus Online
“Sind Sie fassungslos? Ich auch…”: Einbahnstraße Integration Philosophia Perennis
2. April
Regierungschef Netanjahu teilt mit – Israel siedelt Migranten aus Afrika auch nach Deutschland um Focus Online
Israel will Migranten nach Deutschland umsiedeln – Berlin weiß nichts Welt
Einigung mit UNHCR – UN-Organisation siedelt 16.000 afrikanische Flüchtlinge aus Israel in Westen um Focus Online
Irre: Maas holt Tausende Afrikaner von Israel nach Deutschland! Compact
Neumünster: Ehemann von FDP-Kandidatin im Vorstand der von Ankara gelenkten DITIB-Moschee Epoch Times
Integration: CDU-Politiker Jens Spahn für deutsche Moschee-Gemeinden Berliner Morgenpost
Migranten aus Afrika werden von Israel nach Deutschland umgesiedelt Welt
Einigung mit UNHCR: Israel schickt Migranten nach Deutschland n-tv
3. April
Deutsches Kind, islamische Pflegefamilie – ist das Integration? Welt
Prozess des Jahres: Angst vor IS-Terror OE24
Zehntausende unterstützen Petition gegen illegale Einwanderung Junge Freiheit
Seehofer will Hartz-IV-Empfängern den Familiennachzug verwehren Welt
Gewalt an Deutschlands Schulen eskaliert – die Deutschenfeindlichkeit auch Epoch Times
4. April
Sebastian Kurz kündigt Kopftuchverbot für Kindergarten und Schule an Welt
ÖVP & FPÖ fixieren Kopftuchverbot in Kindergärten Kronen Zeitung
Mohrenkopfhersteller: „Solange ich lebe, bleibt der Name“ Journalistenwatch
Ösi-Kanzler – Kurz will Kopftuchverbot für Kleinkinder Bild
Zahl der Salafisten in Deutschland hat sich verdoppelt Tagesspiegel
Kopftuch-Verbot in Kindergärten: Ganz einfach Kronen Zeitung
Stadt Köln zahlt horrende Mieten für Flüchtlinge WDR
Persisches Neujahrsfest eskaliert – Schlägereien, Schüsse, stinksaure Anwohner Bild
Wende in der Asylpolitik: Schweiz will Tausende Eritreer zurückschicken 20 Minuten
„Ganz einfach“: Österreich beschließt Kopftuchverbot in Kindergärten und Volksschulen Epoch Times
Verdopplung in fünf Jahren: Salafisten-Szene wächst rasant n-tv
5. April
Polizisten attackiert: FPÖ streicht Asylwerber nach Tat Grundversorgung Heute.at
«Deutschland kapituliert vor dem Islam» NZZ
Bizarre Liebe in Sachsen – Flüchtling (16) schlägt Erzieherin– jetzt Hochzeit! Bild
Köln – Horror-Miete! Flüchtlinge leben in Kölns teuerstem Zimmer Focus Online
„Der politische Islam hat hier nichts verloren!“ Kronen Zeitung
Den Frauen reicht es jetzt! Demo gegen Asylanten-Gewalt in Wien Wochenblick.at
Sozialarbeiterin vergewaltigt? Gericht spricht Asylbewerber in diesem Punkt frei Tag24
Islamforscher attestiert Merkel und Seehofer „bemerkenswerte Ignoranz“ Welt
6. April
Die Partei „Islam“ fordert nach Geschlecht getrennten Nahverkehr Welt
Österreich: Groß angelegte Abschiebungs-Aktion läuft Kurier
Österreich: Groß angelegte Abschiebungs-Aktion im Laufen Kurier
Kölner Politikerin verdient kräftig an Flüchtlingshotel Focus Online
Ärger in der CDU: Kölner Politikerin verdient kräftig an Flüchtlingshotel Express
Forderung nach islamischer Geschlechterapartheid mitten in Europa Belgische Islampartei: “Unser Ziel ist ein 100%iger islamischer Staat“ PI News
An Brennpunktschule im Ruhrgebiet – Lehrerin: „Schüler bestanden darauf, dass Allah die Welt erschuf“ Focus Online
7. April
Auswärtiges Amt gesteht: Ja, Merkel finanziert Islamisten in Syrien – hier sind die Fakten! Compact
Islamismus: Hunderte Extremisten beantragten Asyl Spiegel Online
Laut Bundesregierung – Fast jeder vierte Extremist ist Asylbewerber Bild
NRW-Plan – Kopftuch-Verbot für junge Mädchen Bild
Partei „Islam“ will Geschlechtertrennung in Öffis Kronen Zeitung
Berlin Neukölln: 113 minderjährige Flüchtlinge verursachen Kosten von mehr als 3 Mio. Euro im Monat Philosophia Perennis
8. April
Tausende in EU anerkannte Flüchtlinge beantragen Asyl in Deutschland Welt
Vertrag im Oktober 2017 unterschrieben Köln: CDU-Frau verdient an Flüchtlingshotel 32.500 Euro/Monat PI News
„Wer hier leben will, muss sich an unsere Werte halten“ Welt
9. April
Tausende in EU anerkannte Flüchtlinge beantragen Asyl in Deutschland Welt
Vorfall in Weinheim – Stadt weist vollverschleierte Frau in Bürgerbüro ab – OB verteidigt Vorgehen Focus Online
Für Flüchtlings-Zimmer – CDU-Politikerin bekommt 32 550 Euro pro Monat Bild
Beim „Singen mit Flüchtlingen“ kam kein einziger Flüchtling Journalistenwatch
Dänemark zeigt wie es geht: 3 Mahlzeiten für Asylbewerber pro Tag – mehr nicht Politikstube
Bin Salman: Europa erkennt die islamistische Gefahr nicht – Der Westen feierte sogar bin Laden als Widerstandskämpfer Epoch Times
Wenn die Sonne scheint in Islam-Germanistan Journalistenwatch
10. April
Somalische Piraten leben weiter in Hamburg Welt
Stadt appelliert an Gesetzgeber – Amt weist Frau mit Vollschleier ab Bild
Flüchtlinge fehlen beim Singen mit Flüchtlingen Welt
Zweieinhalb Jahre nach Willkommenseuphorie – Pfarrer klagt an: Weil es zu wenige Helfer gibt, greifen Flüchtlinge zu Drogen Focus Online
Bürgermeister setzte sich für möglichst hohen Tagessatz pro „Flüchtling“ ein Köln: CDU-Affäre um „Flüchtlingshotel“ weitet sich aus PI News
Auf diese Fürsprecherin können Muslime gut verzichten Welt
Marokkaner sticht auf Passanten ein – zwei Frauen getötet – er wollte Opfer enthaupten Politikstube
11. April
„Ausgegrenzt, weil ich Deutscher bin“ Tagesspiegel
CDU-Kultusministerin Eisenmann: Grundschulkinder sollen Kopftuch tragen dürfen Journalistenwatch
„Keine Asylanträge mehr auf europäischem Boden“ Kronen Zeitung
Demos gegen Asylanten-Gewalt: Jetzt platzt den Frauen der Kragen! Wochenblick.at
12. April
Asylwerber sollen künftig für ihr Quartier zahlen Kronen Zeitung
Kein Familiennachzug – Syrer verlassen Deutschland wieder Bild
Stegner verspricht: Wir werden Deutschland weiter islamisieren! Journalistenwatch
Kindergeld-Betrug im großen Stil – totale Ahnungslosigkeit bei Merkel-Regierung Compact
Ditib-Moschee läßt Kinder in Kampfanzügen aufmarschieren Junge Freiheit
Kein Familiennachzug – Syrer verlassen Deutschland Welt
Antwort auf AfD-Anfrage Kindergeld-Betrug: Merkel-Regierung angeblich ahnungslos! PI News
Herford: Verstörendes Video: Kinder in Herford marschieren im Kampfanzug Neue Westfälische
Kriminelle Flüchtlinge in Mannheim: Intensivtäter aus dem Maghreb lügen bei Altersangabe Stuttgarter Nachrichten
13. April
„Randalierer“ greift Bäckerei und Polizisten an – 19-jähriger Afghane erschossen Osthessen News
AfD-Antrag zur Altersfeststellung durch CDU, FDP, SPD und Grünen abgelehnt Journalistenwatch
Staat zahlt 2,4 Mio. Euro – Politikerin kassiert auch für leeres Flüchtlings-Hotel Bild
14. April
Mut-Frauen von Wien: So lief die Demo gegen Asylanten-Gewalt! Wochenblick.at
Hunderte Menschen demonstriere gegen Flüchtlinge Tag24
15. April
Moslem: „Die Deutschen müssen den Islam annehmen!“ Journalistenwatch
„Ihr könnt in Euren Ländern f*****!“ Robert Geiss rastet auf Instagram aus Tag24
Kriminelle Großfamilien – Schutzgelderpressung, Raub, Mord: Die Macht der Libanesen-Clans wächst Focus Online
Hamed Abdel-Samad: Das Märchen von der gelungenen Integration Tichys Einblick
16. April
Kickl geht gegen „Asyl-Urlauber“ vor OE24
Fast alle ausländischen Straftäter bleiben im Land Welt
Linz: Schwarzer randaliert und prügelt Polizistin halbtot! Wochenblick.at
17. April
Täter gefasst – Straßenbahn-Schläger hatte sieben Identitäten Bild
Bielefeld: Bielefelder Polizei soll Bezeichnung „südländisch“ in Fahndungsaufrufen unterlassen Neue Westfälische
„Die junge afghanische Community ist sehr wütend“ Welt
Jetzt schlägt es 13! Gefühlvoller Umgang mit muslimischen Straftätern wird Pflicht Politikstube
Nach Todesschuss auf Afghanen: Party-Jugend von Fulda stellt sich demonstrativ hinter Polizei Philosophia Perennis
Flüchtlinge verkaufen deutsche Papiere im Internet Basler Zeitung
Handel mit Dokumenten: Warum Flüchtlinge ihre Identitäten verkaufen Spiegel Online
Handel in sozialen Netzwerken: Flüchtlinge verkaufen wohl deutsche Papiere n-tv
Kopftuchverbot: Kinder halten für Protest her Kronen Zeitung
18. April
Flüchtlinge protestieren für besseres Essen und mehr Taschengeld Welt
Asylbewerber demonstrieren vor Brucker Rathaus – Situation eskaliert Merkur
Kinder stellten Schlacht nach: Kurz droht Moscheeverein mit Auflösung n-tv
Er schrie „Christenschweine“ und bekam dafür vom Richter klare Ansage Tag24
Großeinsatz in Fürstenfeldbruck: Asylbewerber demonstrieren vor Rathaus – ein verletzter Polizist Epoch Times
Österreich plant, Bargeld von Flüchtlingen einzuziehen Welt
Bei Einreise – Österreich verschärft Asylrecht: Flüchtlingen werden bis zu 840 Euro abgenommen Focus Online
Asylbewerberin rastet aus und sticht auf einen Polizisten ein Tag24
19. April
EU-Umsiedlungsprogramm: Merkel bestellt Nachschlag von 10.000 Migranten Compact
Wir brauchen Rente mit 70 – oder 500.000 Zuwanderer im Jahr Welt
Österreich will Bargeld und Handys von Flüchtlingen einziehen T-Online
Deutschland nimmt 10.000 Umsiedlungsflüchtlinge auf Welt
EU-Programm – Deutschland nimmt 10 000 Flüchtlinge auf Bild
Tulln: Nach Freispruch folgt nun die sofortige Abschiebung Kurier
EU drängt auf baldiges Ende der Grenzkontrollen Kronen Zeitung
EU-Umsiedlungsprogramm: Deutschland nimmt 10.000 Flüchtlinge auf Tagesschau
Fürstenfeldbruck – „Druck erzeugt einen brodelnden Kessel“: Flüchtlinge legen bei Demo Stadt lahm Focus Online
Seehofer knickt mal wieder ein und fährt Grenzkontrollen zurück Journalistenwatch
Bundesregierung siedelt 10.000 Araber und Nordafrikaner nach Deutschland um Philosophia Perennis
20. April
Kurz: „Dulde keinen türkischen Wahlkampf bei uns!“ Kronen Zeitung
Wie ein Asylverfahren in Deutschland abläuft Sächsische Zeitung
Abschiebung, auch wenn Täter hier geboren sind Kronen Zeitung
Verdacht auf weitreichenden Korruptionsskandal im Bamf Süddeutsche Zeitung
Katholischer Kindergarten in Heidelberg: 16-jährige Praktikantin mit Kopftuch heimgeschickt Rhein-Neckar-Zeitung
Asylentscheide ohne rechtliche Grundlage positiv beschieden – Verdacht auf Korruptionsskandal im Bamf Focus Online
21. April
Österreich zeigt, wie’s geht: Mehr Netto für Familien, weniger Kohle für Asylanten Compact
Neu gebautes Wohnhaus für „Flüchtlinge“ – Tiefgarage, Fußbodenheizung, Hausmeisterservice Politikstube
Ali jammert: „Ich habe kein Vertrauen mehr in die Deutschen“ Politikstube
Man kann nicht Schutz erbitten und Juden angreifen Welt
Hört, hört: Seehofer will abgelehnten Asylbewerbern Geldleistung streichen Journalistenwatch
Randaliert und Kirche in Brand gesteckt: Polizei nimmt Somalier (28) fest Wize.Life
22. April
Islamdebatte: Die unerträgliche Waschlappigkeit der deutschen Politik Spiegel Online
Neues Wohnhaus mit Tiefgarage, Fußbodenheizung und Hausmeisterservice – Flüchtlinge ziehen im Juni ein Epoch Times
Merkel beklagt „neue Formen von Antisemitismus“ durch Flüchtlinge Welt
Wegen Ramadan: Abi-Büfett erst nach Sonnenuntergang Journalistenwatch
Staatsschutz ermittelt: Flüchtling randaliert in Kirche Tag24
Interview mit israselischem Sender – Merkel beklagt „neue Formen des Antisemitismus“ durch Flüchtlinge Focus Online
Polizeibekannte Flüchtlinge rauben Radfahrer im Tiergarten aus Tagesspiegel
23. April
Seit 1997 in Deutschland – So viel Stütze kassiert bin Ladens Leibwächter Bild
Beamte setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein – Protest gegen Abschiebung eskaliert: 60 Menschen umzingeln Streifenwagen Focus Online
Erneut stürmen Migranten eine europäische Grenze Kronen Zeitung
Weltbank: Überweisungen von Migranten in die Heimat nehmen stark zu Epoch Times
24. April
Intensivtäter kommt glimpflicher davon – Richter verkürzt Strafe wegen „Haftempfindlichkeit“ Bild
Sami A. aus Bochum – Ex-Leibwächter bin Ladens kann nicht abgeschoben werden – und kassiert weiter Hilfeleistungen Focus Online
Der nächste Tote: Merkels Killer-Islamisten berauben und ersäufen Jungen im Fluss Halle-Leaks.de
Ungarn nimmt keine illegalen Einwanderer auf – egal wie sehr sich EU und Soros bemühen Epoch Times
Pensionisten sollen mehr bekommen als Flüchtlinge Kronen Zeitung
Al-Qaida: Bin Ladens Ex-Leibwächter bezieht 1167 Euro monatlich WAZ
Italien: Flüchtlingshelfer „am Boden zerstört“ – sie bekommen ihr Schiff nicht zurück Journalistenwatch
Deutsche ISIS-Frauen – Warum kommen die zurück? Bild
Kriminologe: „Wer schlecht mit Flüchtlingen umgeht, kriegt’s zurück!“ Wochenblick.at
25. April
Richter verkürzt Strafe – „Haftempfindlich“, weil er kein Deutsch kann! Bild
Syrien: Deutschland gibt eine weitere Milliarde Euro Web.de
Flüchtlingshilfe – Deutschland gibt eine Milliarde Euro zusätzlich für Syrien Focus Online
26. April
Zwei IS-Frauen kehren mit Kindern nach Deutschland zurück Welt
Richter kürzt Haftstrafe – Wie kann so einer „haftempfindlich“ sein? Bild
Abschiebe-Irrsinn – Afghanen schicken uns diesen Terroristen zurück Bild
Senioren-Skatrunde muß moslemischen Frauen weichen Junge Freiheit
27. April
Gastbeitrag von Linda Teuteberg – Nach dem BAMF-Skandal: Einwanderung und Integration endlich neu ordnen Focus Online
Libanese tötete SEK-Mann – Polizisten-Mörder darf nicht abgeschoben werden Bild
Bundeskanzler Kurz, Österreich: „Flüchtlinge bekommen mehr als Rentner, das wollen wir jetzt ändern“ Epoch Times
Bundesregierung alarmiert – Assad plant Enteignung von Flüchtlingen Bild
Zahlen nicht gemeldet: Berlins Ausländerbehörde vergisst 200.000 EU-Bürger Berliner Morgenpost
28. April
„Mädchen mit Kopftüchern bereichern das Stadtbild“ Kronen Zeitung
Flüchtlinge, die Pfleger werden, sollen bleiben dürfen Welt
Jeder vierte Berliner ist ein Ausländer B.Z.
Nigerianer zwei Tage nach Abschiebung wieder in Deutschland Epoch Times
Köln – Flüchtlings-Unterkunft: Weiterer Fall bei Kölner CDU Focus Online
1750 Euro pro Tag: Flüchtlings-Unterkunft: Weiterer Fall bei Kölner CDU Express
Vilimsky betont: Wir müssen Illegale in ihre Heimat zurückführen Wochenblick.at
29. April
Jeder Zweite scheitert am Deutschtest FAZ
BILD macht den Test – Wie lange hängt eine Israel-Fahne? Bild
Will Muslime nicht verärgern: Würzburger Hochschulpfarrer kämpft gegen Kreuze in Bayerns Behörden Philosophia Perennis
„Deutschland verrecke“ in den Alltag integrieren – Bündnis 90/Die Irren: Wer Pfleger wird soll Bleiberecht erhalten PI News
Habeck lockt Flüchtlinge – »Wer Pfleger wird, soll bleiben dürfen Bild
30. April
Mann reißt elfjährigem Mädchen Kopftuch herunter Welt
Slowenische Regierung: 50.000 Asylwerber jetzt auf dem Weg Richtung EU! Wochenblick.at
Türkischer Wahlkampf in Deutschland – Grünen-Politikerin Roth kritisiert Auftrittsverbot für Erdogan Focus Online
„Kein Ausdruck starker Demokratie“: Claudia Roth kritisiert Wahlkampf-Verbot für ausländische Politiker Epoch Times

Fast 200 Ausländer-Artikel in einem einzigen Monat.

Tausendfach geteilt, geliked und kommentiert; von AfD, Pegida und Co. in die letzten Winkel der Sozialen Medien herumgereicht. Und auch wenn Medien wie „Compact“, „PI News“ und „Epoch Times“ große Teile des rechten Reichweitenmarktes bestimmen — noch erfolgreicher sind „Welt“ (24 Artikel), „Bild“ (21) und „Focus Online“ (19).

Schon vor einem Jahr wertete die „Süddeutsche Zeitung“ über eine Million Facebook-Likes aus. Unter den beliebtesten Medien von AfD-Anhängern: „Welt“ und „Focus Online“. Schon damals fiel der „SZ“ auf …

… dass insbesondere Focus Online häufig Kommentare, Gastbeiträge oder Interviews verlinkt, die sich – vorsichtig ausgedrückt – kritisch mit Flüchtlingen und Zuwanderern, dem Islam, der Türkei und anderen Themen beschäftigen, mit denen die AfD besonders stark mobilisiert.

Die Teaser der Beiträge sind gerne zugespitzt, Berichte über Straftaten nennen die Herkunft der Tatverdächtigen teils schon in der Überschrift. Dementsprechend regelmäßig sammeln die Facebook-Posts dann auch ein paar hundert oder tausend wütende Reaktionen und werden hundertfach geteilt und kommentiert. Auffallend oft finden sich diese Links in Timelines von AfD-Sympathisanten oder in offenen und geschlossenen Facebook-Gruppen mit eindeutig rechter bis rechtsextremer Ausrichtung.

Machen Sie es also wie Springer und Burda! Übertreiben Sie, wo Sie nur können. Unterschlagen Sie Fakten. Scheißen Sie konsequent auf journalistische Standards. Und die Klicks der Fremdenfeinde sind Ihnen gewiss.

Der Chef-Interviewer von „Welt“

Das Medienmagazin „Zapp“ fragte vor einer Weile: „Dürfen Journalisten Mitglied einer Partei sein?“ Holger Stark, zuständig für Investigatives bei der „Zeit“, und „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hatten eine ähnliche Meinung zu dem Thema.

Ich finde, wer wahrhaft unabhängig und frei berichten möchte, sollte sich nicht an eine Organisation binden, sondern sollte ungebunden sein und dementsprechend kein Parteimitglied.

… sagte Stark. Und Brinkbäumer:

Für mich ist das keine Option. Also ich möchte neutral sein, ich möchte Distanz zu alle Parteien, zu allen Politikern wahren und nicht einmal durchscheinen lassen, was ich wähle.

Schaut man sich die Berichterstattung der „Welt“ an, muss man wohl noch viel grundlegender ansetzen. Und etwa diese Frage hier stellen: Dürfen ehemalige Mitarbeiter eines Politikers diesen Politiker in ihrer Rolle als Journalist interviewen?

Vergangenen Mittwoch, zwei Tage nach der Bundestagswahl, erschien ein größeres Interview mit dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner in der „Welt“ (bei Welt.de hinter einer Paywall):

Ausriss der Welt - Interview mit Christian Lindner - Überschrift Ganz offensichtlich brodelt es im Land

Lindner darf dort über den Absturz von CDU und CSU reden, über die Situation bei den Grünen, über die SPD, er darf den Preis der FDP vor den anstehenden Koalitionsverhandlungen ein wenig hochtreiben. Die kritischste Frage an Christian Lindner im gesamten Gespräch: „Haben Sie Angst vor der eigenen Courage?“ Ansonsten eher solche Vorlagen: „2013 sind Sie mit dem Satz angetreten: Ab sofort muss die FDP neu aufgebaut werden. Ist der Neuaufbau jetzt abgeschlossen?“

Das Interview haben zwei „Welt“-Mitarbeiter geführt, Thorsten Jungholt und Adrian Arab. Arab sprach früher für die FDP im nordrhein-westfälischen Jugend-Landtag. Und er war 2016 studentischer Mitarbeiter von Christian Lindner. Weder das eine noch das andere erfahren die Leserinnen und Leser des „Welt“-Interviews.

Wir hatten Ende August hier im BILDblog kritisiert, dass die stellvertretende „Welt“-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld, die mit Christian Lindner verheiratet ist, in der „Welt“ und bei Welt.de einen Text veröffentlichte, in dem sie unter anderem Christian Lindner süffisant Stylingtipps gibt, und nirgends schreibt, dass es sich um ihren Ehemann handelt. Darauf gab es Kommentare, dass ein paar Stylingtipps wohl kaum den Wahlkampf entscheiden würden. Und dass das doch alles lustig gemeint sei. Das mag so sein. Uns ging es damals um die Intransparenz der „Welt“. Und so auch in diesem Fall: Natürlich kann eine Redaktion die Frage „Dürfen ehemalige Mitarbeiter eines Politikers diesen Politiker in ihrer Rolle als Journalist interviewen?“ mit „Ja“ beantworten. Gerade in Zeiten, in denen sich Menschen von Medien abwenden, auch weil sie das Gefühl haben, Journalisten und Politiker steckten unter einer Decke, wäre es aus unserer Sicht aber eine gute Idee, den Leuten offen mitzuteilen, wer da wen interviewt.

Meine Stylingtipps für meinen Ehemann und Co.

Als stellvertretende Chefredakteurin hat Dagmar Rosenfeld einiges mitzureden, wenn es darum geht, was bei Welt.de erscheint, und welche Themen in der „Welt“ landen. Da kommt dann zum Beispiel sowas hier zustande:

Screenshot Welt.de - Meinung - Bundestagswahl - Meine Stylingtipps für Christian Lindner und Co. - von Dagmar Rosenfeld

Das Ganze soll wohl recht lustig sein. Jedenfalls könnte man das meinen, wenn man sich den Artikeleinstieg bei Welt.de und in der „Welt“ anschaut:

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kann sich sehen lassen, ein Sahneschnittchen, wie man an Frauenstammtischen so sagt. Nun wurde bekannt, dass Macron in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit 26.000 Euro für eine Visagistin ausgegeben hat. Weil Angela Merkel und Martin Schulz derzeit so viele Fernsehauftritte haben, dass sie in der Maske der TV-Studios quasi ein Dauerabpuder-Abo haben, wollen wir an dieser Stelle die kleinen Parteien mit ein paar Stylingtricks unterstützen — kostenlos und wunderschön oberflächlich.

Der Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, verrät Rosenfeld solche „Stylingtricks“ („Leichtigkeit wagen, etwa durch eine Kombi aus Jackett und Jeans.“), genauso dem Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir („Koteletten wieder wachsen lassen, Haare mit Glitzerpomade zur Tolle formen, E-Bike in Cadillac Pink lackieren und während der Fahrt laut „Brumm, brumm“ rufen.“) und natürlich dem in der Titelzeile bereits erwähnten Christian Lindner von der FDP:

CHRISTIAN LINDNER (FDP)

Der Spitzenkandidat der FDP mit Haut und Haaren für den Wiedereinzug in den Bundestag, dafür zeigt er sich in Wahlwerbespots schon mal im Unterhemd. Liberalismus ist für ihn auch eine Kopfsache: Um liberales Wachstum zu generieren, ließ er sich erst einmal Haare transplantieren.

Stiltipp: Bei der Wahl der Oberbekleidung für Werbespots künftig vorher die Ehefrau fragen.

Duft: Comme des Garçons, Amazingreen (riecht nach schwarz-gelb-grüner Regierung).

Christian Lindners „Ehefrau“, die Dagmar Rosenfeld erwähnt, heißt Dagmar Rosenfeld-Lindner und ist stellvertretende Chefredakteurin der „Welt“. Für das klitzekleine Detail, dass die Autorin gerade über ihren eigenen Ehemann schreibt, der sich mitten im Wahlkampf befindet und der mit seiner Partei in wenigen Wochen in den Bundestag einziehen will, muss bei Welt.de und „Welt“ kein Platz mehr gewesen sein. Jedenfalls steht im Artikel nirgendwo etwas davon.

Gesehen bei @HATEMAGAZIN.

Axel Springer gibt sich neue alte Grundsätze

Wenn wir hier im BILDblog über „Bild“ oder die „Welt“ oder ein anderes Blatt aus dem Axel-Springer-Verlag schreiben, gibt es bei Facebook und Twitter häufiger mal Antworten wie „Ach, die müssen ja positiv über Israel schreiben“ oder „Die Mitarbeiter haben doch eh in ihren Verträgen stehen, dass sie die USA loben müssen“.

Ganz so ist es nicht. Es gibt aber die sogenannten „Unternehmensgrundsätze“ oder „Essentials“ im Axel-Springer-Verlag. Diesen sind die Mitarbeiter, also auch die Redakteure und Journalisten, verpflichtet. Gestern wurden die „Grundsätze der Unternehmensführung“ bei der Hauptversammlung des Konzern erneuert. Man habe sie „etwas grundsätzlicher formuliert, damit international nachvollziehbarer“, und sprachlich vereinfacht, sagte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner in seiner Rede (Videomitschnitt der Hauptversammlung, ab Minute 20:22).

Die Springer-„Unternehmensgrundsätze“, die Axel Springer 1967 eingeführt hat, wurden bereits mehrfach geändert. Nach der deutschen Wiedervereinigung zum Beispiel und nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 (die Döpfner in seiner Ansprache auf den „9. September“ umdatierte). Die erneute Änderung sei vor allem eine Folge der Internationalisierung des Konzern. So sei beispielsweise die Passage zu Israel und dem jüdischen Volk geändert worden, weil die bisherige Version „nicht ganz plausibel für Kollegen“ sein könnte, „die mit dem Holocaust entweder nichts zu tun haben oder ihn auf der Opferseite erlebt haben“.

Hier die Änderungen (PDF) im Überblick:

Bisherige Grundsätze Neue Grundsätze
Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas. Wir treten ein für Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie und ein vereinigtes Europa.
Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes. Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel.
Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft. Wir setzen uns für eine freie und soziale Marktwirtschaft ein.
Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus. Wir lehnen politischen und religiösen Extremismus ab.

Eingebildete Lauchschmerzen

Porree und Lauch werden neuerdings gern genommen, wenn es darum geht, die vermeintliche Regulierungswut der EU zu dokumentieren. Vorher war es jahrelang die Gurke gewesen. Gurken der Extra-Klasse durften (übrigens auf Wunsch des Handels) nicht mehr als zehn Millimeter auf zehn Zentimeter gekrümmt sein. Doch dass diese Norm abgeschafft wurde (übrigens unter Protesten des Deutschen Bauernverbandes), hat sich selbst unter Journalisten inzwischen herumgesprochen.

Aber der Porree!

Hans Magnus Enzensberger hat ihn vor einigen Jahren zu einem Symbol der Überregulierung gemacht. Wenn die „Welt“ Europa als „Herrscherin über unseren Alltag“ bezeichnet und die angeblich „absurdesten Gesetze“ der EU-Kommission auflistet, darf er nicht fehlen:

Noch viel bizarrer als die mittlerweile revidierten Vorschriften zum Krümmungsgrad von Gurken sind die Vermarktungsnormen für Porree/Lauch: Die Färbung des Naturprodukts ist genauestens vorgeschrieben.

In der Verordnung der Brüsseler Beamten heißt es: „Mindestens ein Drittel der Gesamtlänge oder die Hälfte des umhüllten Teils muss von weißer bis grünlich-weißer Färbung sein. Jedoch muss bei Frühlauch/Frühporree der weiße oder grünlich-weiße Teil mindestens ein Viertel der Gesamtlänge oder ein Drittel des umhüllten Teils ausmachen.“

Nun ist es natürlich keineswegs so, dass Porree anderer Färbung nicht als Porree gilt — er darf nur nicht als „Klasse I“ vermarktet werden. Warum es „absurd“ sein soll, für unterschiedliche Handelsklassen bestimmte Qualitäts-Merkmale vorzuschreiben, lässt die „Welt“ offen.

Vor allem aber: Die Norm gibt es gar nicht mehr. Sie wurde im Sommer 2009 aufgehoben, um dem Wunsch nach weniger Regeln und weniger Bürokratie nachzukommen. Und zwar gleichzeitig — mit den Krümmungsregeln für Gurken.

Nachtrag, 6. Mai. Die „Welt“ hat ihren Fehler korrigiert.

WM-Maskottchen Fuleco verarscht

Mensch, diese Fifa schon wieder. Kaum steht die Fußball-WM vor der Tür, leistet sie sich die nächste „Blamage“ (Welt.de). Einen „peinlichen Fehlgriff“ (stern.de). Einen „Fauxpas“ (oe24.at). Eine „unnötige“ (mopo.de) und „verheerende“ („RP Online“) „Panne“.

Es geht um den Namen des Maskottchens. „Fuleco“ heißt das Vieh Gürteltier, wie seit November 2012 bekannt ist. In einer mehrmonatigen Abstimmung hatten zuvor fast zwei Millionen Brasilianer über den Namen abgestimmt. „Fuleco“ setzte sich als klarer Sieger gegen die beiden anderen Vorschläge durch. Laut offizieller Fifa-Erklärung ist das Wort „eine Verschmelzung von ‚futebol‘ (Fussball) und ‚ecologia“ (Umweltschutz)“.

Die „Welt“ weiß es aber besser:

Außerdem – und das mag die Fifa nicht gewusst haben – existiert das Wort „Fuleco“ in der brasilianischen Umgangssprache bereits und heißt nichts anderes als … Arsch. Tja, nun ist es raus.

Fifa-Blamage - Das Maskottchen der Fußball-WM 2014 heißt "Arsch"

Das ließen sich die anderen nicht zweimal sagen:
Gürteltier "Fuleco" - Namenspanne! Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"(mopo.de)

Kugelgürteltier "Fuleco" - Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"(stern.de)

Fauxpas - Peinlich! WM-Maskottchen heißt "Arsch"(oe24.at)

WM 2014 - Peinliche Panne: WM-Maskottchen Fuleco heißt „Arsch“(tt.com)

Fußball / WM 2014 - WM-Maskottchen heißt "Arsch"(sport1.de)

Fussball-WM 2014 - Maskottchen „Fuleco“ – der „Arsch“(shz.de)

Gürteltier "Fuleco" - Namenspanne! Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"
(express.de)

Peinliche Panne in Brasilien - "Arsch" ist das Aushängeschild der Fußball–WM(„RP Online“)

Peinliche FIFA-Panne - Brasiliens WM-Maskottchen heißt "Arsch"(n24.de)

Wir machen es kurz: Das ist alles Unsinn. „Fuleco“ heißt nicht „Arsch“. Bis vor Kurzem existierte das Wort im Sprachgebrauch nicht einmal.

Der Journalist Dietmar Lang, der seit zehn Jahren in Brasilien lebt und laut eigenen Angaben weder im beruflichen noch im privaten Umfeld „jemals nur im entferntesten“ gehört hat, „dass der Name ‚Fuleco‘ negativ besetzt ist oder sein könnte“, hat das in einem Blogeintrag ausführlich erläutert. Ein anderer Journalist aus Brasilien hat uns unabhängig davon das Gleiche geschildert: Das Wort bedeute keineswegs „Arsch“ und tauche — wenn überhaupt — erst seit der Vorstellung des Maskottchens hin und wieder auf.

Auch in den Kommentaren bei Welt.de regte sich gleich Widerspruch:meine Frau ist Brasilianerin, sie meinte das stimmt nicht, Fuleco bedeutet gar nichts, ist kein Wort aus Brasilien...und sie muss es ja wissen... Als Brasilianerin finde ich äußerst peinlich, dass ein solcher Text ohne Recherche veröffentlicht wird. Fuleco existierte bis 2012 nicht in unserer Sprache, damit meine ich auch die Umgangssprache. Ich bin Brasilianer und kenne das Wort "Fuleco" nicht. Falls es "Arsch" bedeuten sollte, muss es regional sein, denn viele von uns kennen es nicht.

Wie kommt die „Welt“-Autorin also darauf, dass die Vokabel „im Brasilianischen schon besetzt“ war (ergo: peinliche Blamage für die Fifa)? Eine Quelle für diese Behauptung gibt sie nicht an.

Vielleicht hat dieser Eintrag in einem portugiesischen „Urban Dictionary“ etwas damit zu tun. Dort ist nämlich in der Tat zu lesen, „Fuleco“ bedeute „Arsch“. Doch der Eintrag wurde exakt an dem Tag veröffentlicht, an dem auch die Namenswahl verkündet wurde. Dietmar Lang schreibt:

Ein schlechter Scherz, ein Hoax, den im Land des fünffachen Weltmeisters keiner ernst genommen hat – zumal auf besagter Seite weitere 53 zweifelhafte Definitionen nachzulesen sind. Auch die brasilianischen Medien haben eine mögliche Zweideutigkeit nie aufgegriffen.

Inzwischen sind auch einige deutschen Medien nicht mehr ganz so überzeugt von dem, was sie zuvor noch munter nachgeplappert hatten. Die „Huffington Post“ hat unter ihrem Artikel einen Nachtrag veröffentlicht, in dem sie mit Verweis auf Langs Blogeintrag einräumt, dass „Fuleco“ „offenbar doch nicht ‚Arsch'“ bedeute. Bei Bild.de haben sie ihren ursprünglichen Artikel („Au, Backe! WM-Maskottchen heißt ‚A….'“) lieber gleich ganz gelöscht. In einem neuen Artikel („Wirbel um Namen von WM-Maskottchen“) stellen sie nun fest, dass „ziemlich viel Verwirrung“ geherrscht habe, freilich ohne zu erwähnen, dass auch sie ziemlich viel verwirrt waren.

Die „Welt“-Autorin wehrt sich jedoch gegen die Kritik und beharrt weiterhin auf ihrer Version:

Das Wort „Fuleco“ hatte schon zu Zeiten der afrikanischen Sklaven in Brasilien eine Bedeutung. Weil sie das R zwischen Vokalen nur schwer aussprechen konnten, sprachen sie es wie L (s.g. lambdacismo). Deshalb wurde aus dem Wort Furo (Loch) das gesprochene Wort Fulo. Das Suffix „eco“ wird in der brasilianisch/portugiesischen Sprache auch als Verkleinerungsform genutzt. Aus Fulo + eco wurde Fuleco, um „kleines Loch“ zu sagen. Das war mir als Erklärung in der Kolumne aber zu viel des Guten, weswegen ich es nur wie im veröffentlichten Text beschrieben habe.

Sie fügt noch eine Textstelle auf Portugiesisch als „Quelle“ an, die aber lediglich erklärt, warum aus „furo“ „fulo“ wurde („Lambdazismus“). Alle anderen Behauptungen belegt sie nicht.

Und selbst wenn die Geschichte stimmt: Wie aus dem „kleinen Loch“ der „Arsch“ und letztlich die große „Fifa-Blamage“ wurde, hat sie damit immer noch nicht erklärt.

Mit Dank an Marcelo S.

Was wir nicht alle ein bisschen sind

Im Jahr 1995 fragte der Limonadenhersteller Bluna in seiner Werbung: „Sind wir nicht alle ein bißchen Bluna?“. Im Jahr 2013 zeigte sich, dass viele Journalisten, wenn schon nicht Bluna, dann zumindest ein bisschen bekloppt sind.

3.1., „Neue Osnabrücker Zeitung“:

Sind wir nicht alle ein bisschen genial?

4.1., „Badische Zeitung“:

Sind wir nicht alle ein bisschen narzisstisch?

10.1., Tagesanzeiger.ch:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hipster?

10.1., „The European“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Betty?

13.1., „Sonntag aktuell“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hugo?

18.1., „Manager Magazin“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Chuck Norris?

19.1., „Rhein-Zeitung“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Landrat?

21.1., FM4:

Sind wir nicht alle ein bisschen Tarantino?

28.1., „Cicero“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Brüderle?

30.1., „Fränkischer Tag“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Wüstling?

5.2., „Taunus Zeitung“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Mutti?

14.2., Blick.ch:

Sind wir nicht alle ein bisschen neon?

19.2., SWR.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Linksfraktion?

20.2., Elle.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Mademoiselle?

28.2., taz.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Clown?

28.2., „Christ & Welt“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Merkel?

5.3., „Gelnhäuser Tagblatt“:

Sind wir nicht alle ein bisschen taubstumm?

6.3., „Stuttgarter Nachrichten“:

Sind wir nicht alle ein bisschen italienisch?

9.3., „Tauber-Zeitung“:

Sind wir nicht alle ein bisschen kommunikationssüchtig?

17.3., „Hamburger Feuilleton“:

Sind wir nicht alle ein biß­chen Yoga?

27.3., Heute.at:

Sind wir nicht alle ein bisschen gaga?

5.4., „DerWesten“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Aldi?

12.4., „RP Online“:

Sind wir nicht alle ein bisschen hormongesteuert?

13.4., „Nürnberger Nachrichten“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Kaspar Hauser?

20.4., „Thüringische Landeszeitung“:

Sind wir nicht alle ein bisschen korrupt?

23.4., Bild.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hoeneß?

23.4., Stern.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hoeneß?

24.4., „Rhein Main Presse“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hoeneß?

27.4., „Wirtschafts Woche“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hoeneß?

29.4., „Berliner Kurier“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hoeneß?“

8.5., „Tagesspiegel“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Schwabe?

12.5., „Focus Online“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Kate?

13.5., Stern.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Schlager?

24.5., „Nürnberger Zeitung“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hoeneß?

25.5., „Allgemeine Zeitung“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Zeitung?!

6.6., „Darmstädter Echo“

Sind wir nicht alle ein bisschen Büchner?

7.6., ZDF.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Zombie?

12.6., „Schwäbische Zeitung“

Sind wir nicht alle ein bisschen Bulli?

15.6., „Stuttgarter Zeitung“

Sind wir nicht alle ein bisschen Fußball?

17.6., „Saarkurier Online“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Psycho?

25.6., „Südkurier“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Indie?

28.6., „Nürnberger Nachrichten“

Sind wir nicht alle ein bisschen Monster?

9.7., „Main Post“:

Sind wir nicht alle ein bisschen U-Bahn?

15.7., Krone.at:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hippie?

22.7., BR.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Papst?

13.8., Deutschlandfunk.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Romeo?

20.8., „Blickpunkt Brandenburg“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Elfenwald?

22.8., „B.Z.“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Seeed?

23.8., „Allgemeine Zeitung“

Sind wir nicht alle ein bisschen bling-bling?

24.8., „Saarbrücker Zeitung“

Sind wir nicht alle ein bisschen Bauer?

6.10., „Sonntag aktuell“

Sind wir nicht alle ein bisschen flexitarisch?

7.10., „Nürnberger Nachrichten“

Sind wir nicht alle ein bisschen schizo?

14.10., „Die Welt“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Tonio Kröger?

17.10., BR.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen zahlungsunfähig?

23.10., „104.6 RTL“:

Sind wir nicht alle ein bisschen BER?

25.10., „Südwest Presse“

Sind wir nicht alle ein bisschen Gaudi?

27.10., „Sonntag aktuell“

Sind wir nicht alle ein bisschen Vettel?

8.11., „Stuttgarter Nachrichten“

Sind wir nicht alle ein bisschen Pop?

11.11., Stern.de:

Sind wir nicht alle ein bisschen Wookiee?

18.11., „Tagesspiegel“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Reihenhaus?

28.11., dpa:

Sind wir nicht alle ein bisschen Beethoven?

2.12., Woman.at:

Sind wir nicht alle ein bisschen Tussi?

11.12., „Stuttgarter Nachrichten“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Hobbit?

14.12., „Heilbronner Stimme“

Sind wir nicht alle ein bisschen Truppe?

31.12., „Frankfurter Rundschau“

Sind wir nicht alle ein bisschen Tebartz?

31.12., „Die Welt“:

Sind wir nicht alle ein bisschen Porno?

Der Kita-Krieg und die Ökofaschisten

Das Online-Gästebuch des Delingsdorfer Kindergartens war lange Zeit ein Ort des Friedens. Da bedankte sich „Miss Schmidt“ herzlich für das „tolle Laternenfest“, und „Henrys Mama“ zeigte sich „beeindruckt“ von der großartigen „Cats-Aufführung“. Wie gesagt: ein Ort des Friedens. Doch dann kam der 26. März. Und mit ihm der „Kita-Krieg“.

Seitdem füllt sich das Gästebuch des Kindergartens plötzlich mit Einträgen, in denen Begriffe wie „Öko-Diktatur“ vorkommen und „Kinderfeindlichkeit“, in denen von den „verschrobenen Vorstellungen“ einiger „Gutmenschinnen“ die Rede ist, von „Körperverletzung“, „dusseligem Ökogefasel“ und „linksextremem Ökoterror“. Auch in vielen anderen Ecken des Internets wird auf das Kita-Personal eingedroschen. Die Erzieherinnen werden als „Ökofaschisten“ beschimpft, als „hartherzige“, „kalte“, „machtgeile“ und „hirnkranke“ Frauen.

Ins Rollen gebracht wurde diese Empörungswelle von einem Artikel, der am Dienstag in der „Welt“, dem „Hamburger Abendblatt“ und der „Berliner Morgenpost“ erschienen ist. Darin berichten die Eltern eines vierjährigen Jungen aus Delingsdorf bei Hamburg, dass man ihnen den Kita-Platz gekündigt habe. Vorausgegangen war ein Streit mit der Kita-Leitung und dem Bürgermeister, weil die Eltern ihrem Sohn statt Butterbroten ein paar Kekse mit in die Kita gegeben hatten. Die Kita hatte dem Sohn die Kekse wieder mit nach Hause gegeben – versehen mit einem Zettel, auf dem stand: „Bitte denken Sie daran, dass wir ein zuckerarmer Kindergarten sind.“ Die Eltern beschwerten sich beim Bürgermeister, es entwickelte sich ein Streit, und am Ende stand die Kündigung des Kita-Vertrages. So weit die etwas verkürzte Darstellung der Ereignisse.

Das „Hamburger Abendblatt“ drückte es so aus:

Kita wirft Vierjährigen nach Streit um Kekse raus

Während in der Überschrift lediglich ein zeitlicher Zusammenhang festgestellt wird, klingt das im Artikel schon deutlich anders. Und in „Bild“ erst recht:

Kita wird Kind (4) raus - Weil es Kekse in der Brotdose hatte
Dies ist die unglaubliche Geschichte über einen kleinen Jungen, seine Kita – und einen Butterkeks!

Thore (4) aus Delingsdorf bei Hamburg darf nicht mehr in den Kindergarten, weil seine Eltern das falsche Essen in die Brotdose packten! Die Gemeinde kündigte jetzt den Kita-Vertrag mit Thores Eltern. Aus wichtigem Grund, heißt es. Der wichtige Grund: Butterkekse!

Nun ist aus dem zeitlichen Zusammenhang also endgültig ein kausaler geworden. Auch im „Express“ heißt es, der Junge müsse „alleine zu Hause spielen, weil seine Eltern Süßigkeiten in die Frühstücksdose gepackt hatten“. Laut „Hamburger Morgenpost“ wurde er rausgeworfen, „nur weil er Süßigkeiten dabei hatte“.

Und schon ist es so weit:

Ganz Deutschland diskutiert über die unglaubliche Geschichte des kleinen Thore (4) aus Delingsdorf bei Hamburg.

„Ganz Deutschland“ heißt bekanntlich: „Bild“ und Bild.de. Und konkret sieht das so aus:Der Irra Kita-Keks-Streit - Das sagen die BILD.de-Leser - "ist das ein Kindergarten oder eine Sekte?"

Bild.de, 27. März:Rausschmiss wegen Keksen in der Brotdose - "Erzieherinnen entlassen" oder "Fehlverhalten der Eltern"? - Die große Kita-Diskussion: Das sagen BILD.de-Leser

Bild.de, 27. März:Rechte in Kindertagesstätte -- Keks in der Kita - kann mein Kind dafür fliegen?

Bild.de, 28. März:Eltern oder Erzieher - Wer bestimmt, was Kinder in der Kita essen?

Bild.de, 28. März:6

Bild.de, 29. März:BILD.de fragt bei Eltern nach - Was halten SIE vom irren Kita-Keks-Streit?

„Bild“-Titelseite, 28. März:

Kita-Krieg! Eltern gegen Erzieher, Erzieher gegen Eltern - und die Leidtragenden sind die Kinder

Weil sich ihre Eltern beschwert hatten, dürfen Oda (3) und Thore (4) nicht mer in ihre Kitas. Was ist nur los in deutschen Kindergärten? Eltern und Erzieher berichten über den täglichen Kita-Krieg. Der große BILD-Report.

Das andere Beispiel, das „Bild“ hier rausgekramt hat, betrifft übrigens einen Fall, der aus dem November 2012 stammt. Schon damals hatte „Bild“ darüber berichtet. Und schon damals hatte der Trägerverein die Vorwürfe zurückgewiesen.

Was die „unglaubliche Geschichte des kleinen Thore“ angeht, behauptet „Bild“ auch in diesem Artikel, die Kita habe ihn rausgeworfen, weil er die Kekse dabeihatte. Auf shz.de, dem Internetauftritt des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags, kann man derweil eine ganz andere Version der Geschichte lesen. Dort heißt es:

Differenzen zwischen der Gemeinde und den Eltern von Thore gibt es bereits seit längerer Zeit. Karola und Christian [P.], beide berufstätig, prangern seit zwei Jahren vermeintliche Mängel in der Kindertagesstätte „Lütte Lüüd“ an.

(…) Am 25. Januar kommt es dann zum Keks-Konflikt.

(…) Der Streit eskaliert. Schließlich nimmt sich der Jugend-, Sport- und Kulturausschuss des Themas an. „Um die Persönlichkeitsrechte der Eltern zu schützen, war die Sitzung zu diesem Punkt natürlich nicht öffentlich“, erklärt der Bürgermeister. Das habe er Karola und Christian [P.] verdeutlicht. Die Eltern empfinden den Hinweis als Rauswurf. „Wir wurden als Querulanten dargestellt und gingen“, sagt Christian [P.]. Er kritisiert das Vorgehen des Bürgermeisters, der lautstark und aggressiv agiert habe. Darüber habe er sich bei der Kommunalaufsicht beschwert.

Fünf Tage später liegt die Kündigung des Kindergartenplatzes zum 25. März auf dem Tisch, „aus wichtigem Grund“. Das Vertrauensverhältnis sei nachhaltig gestört, begründet das Amt Bargteheide-Land. Die Eltern sollten sich eine andere Einrichtung suchen.

Nach dem Aufschrei der Medien nahm der Bürgermeister auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz Stellung zur Entscheidung der Gemeinde:

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, Experten der Kreisverwaltung hinzugezogen“, sagt Bürgermeister Knudsen. Ihr Fazit sei gewesen, dass es dem Kindeswohl dienlicher sei, wenn Thore den Kindergarten verlasse. Der Bürgermeister: „Das Kind spürt den Konflikt, zumindest unter bewusst. Es spürt, dass seine Eltern diesen Kindergarten, in den es gehen soll, eigentlich ablehnen. Das schadet ihm mehr als ein Wechsel.“

Die Eltern legten Widerspruch gegen die Kündigung ein, doch der wurde zurückgewiesen. Schließlich suchten sie den Weg in die Medien.

In dieser Version der Geschichte ist also nicht der Keks der Grund für den Rausschmiss, sondern die Auseinandersetzung darüber – ein kleiner, aber bedeutender Unterschied. Denn in dieser Version geht der Konflikt von zwei Parteien aus. In der „Bild“-Version nur von einer.

Der Bürgermeister erklärte daher schon am Donnerstag, die Schlagzeilen der Boulevardmedien träfen nicht „den Kern der Wahrheit“. Auf shz.de heißt es:

[Bürgermeister Knudsen:] „Der Keks war nicht der Grund für die Kündigung.“ Allerdings ist er sich nicht sicher, ob das noch irgendjemand hören möchte. Längst hat der Fall eine gewaltige Eigendynamik entwickelt. „Die Mitarbeiter des Kindergartens werden mittlerweile bedroht und als Öko-Faschisten bepöbelt.“

Das „Abendblatt“ ruderte Mitte der Woche immerhin zurück und widmete dem „Machtwort“ des Bürgermeisters einen eigenen Artikel. Für „Bild“ hingegen sind diese Aussagen nicht der Rede wert. Ebenso wie die Stellungnahme der Elternvertreter, die mittlerweile herausgegeben wurde. Darin schreiben sie, sie seien „überrascht über die aktuelle Berichterstattung unseres Kindergartens“:

Wir sind sprachlos und auch ohnmächtig, da wir nicht wissen, wie wir auf diese Medienberichte reagieren sollen.

Fakt ist: Nein, hier wurde niemandem wegen einem Butterkeks gekündigt. Seit 2 Jahren gibt es Differenzen zwischen der Familie und dem Kindergarten.

(…) Auf die weiteren Vorwürfe können wir leider nicht eingehen. Das laufende Verfahren wird hier hoffentlich bald auch der Gegendarstellung Gehör verschaffen. Wir bitten Euch, die Medien sorgfältig zu prüfen. (…) Wir bedauern den Medienrummel, der auf den Kindergarten, den Erziehern und vor allem auf den kleinen Thore und seiner Familie hereinprasselt.

Die Eltern des Jungen haben sich unterdessen selbst mit einem Brief gemeldet. Laut shz.de heißt es darin:

Wir wurden von zwei Elternvertretern in Kenntnis gesetzt, dass nach dieser gewaltigen Presse-Lawine bezüglich der Kündigung des Betreuungsverhältnisses in der Kindertagesstätte Delingsdorf über die Betreuung unseres Sohnes Thore eine Welle von Hass auf die Gemeinde, die Kindertagesstätte und den Bürgermeister einschlägt. Wir distanzieren uns von diesem Hass und den Drohungen.

„Kein Bürger der Gemeinde“ dürfe „darunter leiden oder bedroht werden“, zitiert shz.de die Eltern. „Zerstören Sie nicht den Dorffrieden und das Miteinander innerhalb der Gemeinde durch Androhungen und Hass.“

Doch „Bild“ befindet sich immer noch im „Kita-Krieg“ (der offenbar so etwas ist wie der inoffizielle Nachfolger des „Schnitzel-Krieges“). In einem Artikel über den „täglichen Kita-Ärger“ empören sich in der heutigen Ausgabe erneut Eltern über die „Unverschämtheiten“ in den deutschen Kindergärten. Und von „Thore (4) aus der Nähe von Hamburg“ behauptet „Bild“ immer noch, er sei „aus seiner ‚zuckerfreien‘ Kita geworfen [worden], weil er Butterkekse in der Brotdose hatte“. Munition für die Kämpfer gegen den Ökoterror.

Der neueste Eintrag im Online-Gästebuch des Kindergartens (Stand heute Morgen) stammt übrigens von „Mama aus Delingsdorf“. Sie schreibt:

(…) Glaubt der Rest der Republik wirklich, dass ein ganzes Dorf seine Kinder in diesen Kindergarten geben würde, wenn die Umstände so wären, wie ihn manche Zeitungen beschreiben? Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man einer ganzen Gemeinde unterstellt, sich nicht für das Wohl seiner Kinder zu interessieren und bei der Kindergartenwahl keine Sorgfalt walten zu lassen. (…) Ich nehme das beinahe persönlich.

(…) Unser Sohn geht gern in diesen Kindergarten. Die Menschen dort haben Lob und Anerkennung verdient und nicht Schimpf und Schande!

Liebe Kommentatoren: Es ist nicht immer alles so, WIE es in der Zeitung steht, nur WEIL es in der Zeitung steht.

Mit Dank an Robert G. und Martin.

Nachtrag, 1. April: Zwei Stunden nach Erscheinen unseres Eintrags sind auch die Leute von Bild.de zurückgerudert – oder sagen wir: Sie haben die Richtung gewechselt. Unter der Überschrift „Jetzt rollt eine Wutwelle durch das Dorf“ heißt es:

Auf der Homepage des Kindergartens ist ein heftiger Streit entbrannt. Eltern wettern gegen Eltern, Unbekannte gegen Dorfbewohner, von „Öko-Terror“ und Machtdemonstration ist die Rede. „Einem kleinen Kind den Keks zu verweigern, ist widerlich“, schreibt jemand.

Dass diese „Wutwelle“ erst aufgrund der Springer-Medien losgerollt ist, erwähnt Bild.de natürlich nicht. Und natürlich zitieren sie auch keine jener Beschimpfungen, die nur deshalb geschrieben wurden, weil deren Verfasser im Glauben standen, der alleinige Kündigungsgrund sei der Keks gewesen.

Immerhin rückt Bild.de jetzt von dieser falschen Darstellung ab — und stellt statt eines kausalen nur noch einen zeitlichen Zusammenhang fest:

Thore hatte Butterkekse in seiner Brotdose, die Kita legt aber Wert auf die „zuckerarme“ Ernährung im Haus. In der Folge gab es Streit und die Gemeinde kündigte den Vertrag mit Thores Eltern.

Auf der Internetseite des Kindergartens ist derweil folgender Hinweis veröffentlicht worden:

Leider haben sich in den letzten Tagen viele Menschen dazu berufen gefühlt, dieses Gästebuch für Beleidigungen und Bedrohungen zu missbrauchen.

Da sich hieraus auch polizeiliche Ermittlungen ergeben haben, sehen wir uns leider gezwungen, das Gästebuch vorübergehend zu schliessen.

Habemus tumultum

Als der weiße Rauch am gestrigen Abend, kurz nach 19 Uhr, den Schornstein der Sixtinischen Kapelle verließ, war klar: Die Katholische Kirche hat einen neuen Papst. Rund eine Stunde spekulierten die Kommentatoren der Fernsehanstalten darüber, wen die Wahl getroffen haben könnte, dann trat Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran auf den Balkon des Petersdoms und sprach folgende Worte:

Annuntio vobis gaudium magnum; habemus Papam:

Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Dominum Georgium Marium Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Bergoglio qui sibi nomen imposuit Franciscum

Nicht gesagt hat Tauran „Franciscum primum“, was „Franziskus der Erste“ gewesen wäre. Der neue Papst trägt also – anders als Johannes Paul I., der sich als erster Papst überhaupt direkt für die Ordnungszahl in seinem Papstnamen entschieden hatte – „nur“ den Namen Franziskus. Und das bist zu dem Tag, an dem vielleicht irgendwann einmal ein Papst Franziskus II. gewählt werden sollte, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi noch einmal klarstellte.

Und das war offenbar auch bitter nötig:


(„Süddeutsche Zeitung“)


(„Frankfurter Allgemeine Zeitung“)


(„Die Welt“)


(„Handelsblatt“)


(„Berliner Zeitung“)


(„Hamburger Abendblatt“)


(„Hamburger Morgenpost“)


(„Express“)

Aber gut: Das kann im Eifer des Gefechts schon mal passieren. Die letzte Wahl eines Papstes ohne Ordnungszahl liegt 1100 Jahre zurück, da waren die Zeitungspressen noch nicht erfunden.

Noch etwas länger liegt das 8. Jahrhundert zurück, in das die Pontifikate von Johannes V., Sisinnius, Konstantin und Gregor III. fallen. Sie alle stammten aus Syrien, was insofern entscheidend ist, weil Syrien nicht zu Europa gehört und der Agentinier Jorge Mario Bergoglio damit nicht mehr der „erste nicht-europäische Papst“ sein kann.

Außer in den Medien, natürlich:

  • Zum ersten Mal ein Papst, der nicht aus Europa stammt!
    („Die Welt“)
  • Ein historischer Moment: Zum ersten Mal ist ein Nichteuropäer zum Papst gewählt worden.
    („Hamburger Abendblatt“)
  • Die katholische Kirche beschreitet mit Franziskus I. – dem argentinischen Kardinal Jorge Bergoglio – neue Wege. Unter 265 Nachfolgern des Heiligen Petrus ist er der erste Nicht-Europäer.
    („Stuttgarter Nachrichten“)
  • Und er ist der erste Papst, der nicht aus Europa kommt, ihn wollten die Kardinäle[.]
    („Süddeutsche Zeitung“)
  • Der erste Papst in der Geschichte der katholischen Kirche, der nicht aus Europa kommt, ist auch der erste, der sich nach dem Heiligen Franz von Assisi benannt hat, dem Heiligen der Armen.
    („Frankfurter Rundschau“)
  • Zum ersten Mal in der Geschichte haben die Katholiken einen Papst, der nicht aus Europa stammt. Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, wurde zum 266. Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt.
    („Frankfurter Rundschau“)
  • Der neue Papst ist nicht nur der erste Nicht-Europäer auf dem Heiligen Stuhl – er wählte auch einen Papstnamen, den keiner seiner Vorgänger trug. Der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio heißt künftig Franziskus I.
    (AFP)
  • Historische Entscheidung im Vatikan: Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist am Mittwoch zum neuen Papst Franziskus I. gewählt worden. Damit steht erstmals in der Geschichte ein Nicht-Europäer an der Spitze der römisch-katholischen Kirche.
    (AFP)
  • Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erwartet neue Impulse durch das erste nicht-europäische Oberhaupt der Kirche.
    (hr-online.de)
  • Er ist der erste Nicht-Europäer auf dem Stuhl Petri.
    (n-tv.de)
  • Es ist das erste Mal, dass der Papst nicht aus Europa kommt.
    (AFP, Bild.de, abendblatt.de, mdr.de, derwesten.de, stern.de, …)

Wobei sich auch die katholischen Würdenträger offenbar nicht ganz in der Frühgeschichte ihrer Kirche auszukennen scheinen:

  • Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte: „Der lateinamerikanische Kontinent darf stolz sein, erstmals in der Geschichte der Kirche einen Nichteuropäer als Papst zu stellen.“
    (Evangelischer Pressedienst)
  • [Der Münchner Kardinal] Marx sagte, dass der bisherige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, ein Papst der „vielen ersten Male“ sei: der erste Jesuit, der erste Nicht-Europäer und der erste Franziskus.
    (Evangelischer Pressedienst)

Die Katholische Nachrichtenagentur KNA, der man bei diesem Thema wohl eine gewisse Kompetenz unterstellen darf, verbreitete heute extra eine eigene Meldung:

Papst Franziskus ist der erste Nichteuropäer auf dem Stuhle Petri seit 1.272 Jahren. Damals war mit Gregor III. (731- 741) ein aus Syrien stammender Papst Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

Die KNA erwähnt unter anderem noch die Päpste Victor I. und Miltiades, die aus Afrika stammten, und zählt zusammen:

So gab es bis Mitte des 8. Jahrhunderts acht in Asien und zwei in Afrika geborene Päpste. Mit Petrus und Evaristus waren zwei Päpste Juden. Fünf – und noch dazu ein Gegenpapst – stammten aus Syrien.

Mit Dank an Jonathan K., Fuchs, Marcus H., Matthias M. und Laszlo J.

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