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ZDF, Hater, Aufreger

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Jürgen Klopp”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Fußball: Das ZDF-Interview mit Jürgen Klopp (youtube.com, Video, 1:51 Minuten) nach dem Spiel Real Madrid gegen Borussia Dortmund wird von vielen Medien als “Eklat” aufgefasst. “Das ist gängige Praxis: Kritik an ihrer eigenen Berichterstattung wenden Sportreporter immer gegen den Kritik Übenden. Sie wähnen sich dabei als Sprachrohr des Zuschauers oder des Fans. In Wahrheit sind sie auf der Suche nach dem Fettnäpfchen, dem Eklat, der einen Aussage, die eine Diskrepanz zwischen Mannschaft und Spieler X oder Kapitän Y dokumentiert. Kommt man ihnen auf die Schliche, argumentieren sie mit der Pflicht zur Berichterstattung.”

2. “Journalisten, die provozieren? Bäh!”
(taz.de, Jürn Kruse)
Das Gespräch war später auch noch Thema bei “Markus Lanz”: “Nur dass Jürgen Klopp mittlerweile arge Schwierigkeiten hat, seinen GesprächspartnerInnen (Béla Réthy, Claudia Neumann, Oliver Kahn und nun Breyer) den nötigen Respekt entgegenzubringen, oder dass langweilige FragenstellerInnen, die überhaupt nichts beim Gegenüber provozieren, eine Zumutung für den Zuschauer sind, das findet niemand in der Runde perfide. Schade.”

3. “FCB verurteilt Berichterstattung in zwei englischen Medien”
(fcbayern.de)
Der FC Bayern München meldet, die britischen Medien “Daily Mirror” und “The Sun” hätten “in respektloser, diskriminierender und persönlich beleidigender Form” über Bastian Schweinsteiger berichtet. Deshalb werde man ihren Vertretern “beim Rückspiel FC Bayern München gegen Manchester United (09.04.) in der Allianz Arena keine Medienakkreditierung zukommen lassen.”

4. “Hater, bleibt weg – hier immer nur lieb kommentieren!”
(horstson.de)
“Leser sind Kunden!”, schreibt Horstson zur Auseinandersetzung zwischen Autor und Kommentierer. “Und wenn Diskussionen mal aus dem Ruder laufen, kann man immer noch bitten, den Dialog via Mail weiter zu führen. Mit einem Quäntchen Humor, dem Wille zur Selbsterkenntnis und -kritik, bekommt man das hin, auch sehr kritischen Kommentaren angemessen zu begegnen.”

5. “Journalisten-Stalking: Bei Hoeneß Dahoam”
(ardmediathek.de, Video, 2:35 Minuten)
Über 150 Journalisten zu Besuch in der JVA Landsberg.

6. “Der 11FREUNDE-Aufreger”
(11freunde.de/aufreger)

Michael Schumacher, Hansa Rostock, Saarland

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1. “Genau wie bei Prinz Friso (4)”
(topfvollgold.de, Mats Schoenauer)
Wie die Klatschpresse mit dem im Koma liegenden Michael Schumacher umgeht: “Wenn Schumachers Managerin ein Statement zu Schumachers Zustand abgibt — Titelstory. Wenn jemand, der mal mit Schumacher gearbeitet hat, etwas über Schumacher erzählt — Titelstory. Wenn jemand, der vorgibt, mal mit Schumacher gearbeitet zu haben, vorgibt, etwas über Schumacher zu erzählen, oder wenn eine Imbissbudenbesitzerin, die weder mit Schumacher gearbeitet hat noch etwas über ihn erzählen kann, aber zufällig in der Nähe des Krankenhauses arbeitet, in dem Schumacher liegt, berichtet, wie ihr Tag so gelaufen ist — Titelstory.”

2. “Fall Jolin S.: Wegen eines medial erfundenen ‘Islam-Rabatts’ stehen Richter am Pranger”
(wiesbadener-kurier.de, Wolfgang Degen)
Die Kontroverse über einen angeblichen “Islam-Rabatt” im Mordfall Jolin S. (BILDblog berichtete). “Der Fall ist alles andere als ein Armutszeugnis der deutschen Rechtssprechung: Die Religionszugehörigkeit des Angeklagten hat bei dessen Mordmotiven im gesamten Prozess einschließlich der mündlichen Urteilsbegründung überhaupt keine Rolle gespielt.”

3. “Fußball-Fans: Beschimpfungen gegen Reporter”
(ndr.de, Video, 4:20 Minuten)
Fans des FC Hansa Rostock wenden sich mit “Scheiß-NDR”-Rufen und -Plakaten gegen eine aus ihrer Sicht ungerechte und einseitige Berichterstattung.

4. “Leser würden deutlich toleranter freischalten”
(20min.ch, Eva Kamber)
20min.ch legt 18 200 Teilnehmern einer Umfrage problematische Leserkommentare vor und lässt sie darüber urteilen: “Aus den Resultaten geht aber auch hervor, dass die Leser eine lockerere Freischaltpolitik vertreten und mehr Kommentare freigeben würden, als 20 Minuten dies tut. Tatsächlich wären alle sieben vorgestellten Kommentare durch die Leser aufgeschaltet worden. Dennoch kristallisiert sich heraus, dass ein Grossteil der 20-Minuten-Community die Freischaltregeln nachvollziehen kann.”

5. “Drei Gründe, warum das Internet für Journalisten möglicherweise keine Verbesserung ist, für viele andere aber schon”
(antjeschrupp.com)
Wie Journalisten und Nicht-Journalisten die neuen Publikationsmöglichkeiten im Internet wahrnehmen.

6. “Recht & Ordnung – Iwwerzwersch”
(youtube.com, Video, 11:43 Minuten)
Wie “Breaking Bad” im Saarland aussehen könnte.

Aprilscherz, JVA Landsberg, Presseausweise

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1. “Tabu spielen im Knast”
(sueddeutsche.de, Stefan Mayr)
Mehr als 150 Journalisten drängen in die JVA Landsberg, um einen “Gefängnis-Rundgang mit anschließender Fragestunde” zu absolvieren. “Was folgt, ist ein einstündiger Frage-Antwort-Reigen, der an das lustige Gesellschaftsspiel ‘Tabu’ erinnert. Alle reden über Uli Hoeneß, aber keiner darf den Namen Uli Hoeneß nennen.”

2. “Facebook: Wenn dich die Kommentarflut überrollt…”
(freiepressevolontaere.wordpress.com, Cornelia Hennersdorf)
Cornelia Hennersdorf schildert, wie die Redaktion der “Freien Presse” mit Facebook-Kommentaren umgeht und fragt: “Wie soll es eine kleine Online-Redaktion mit wenigen Mitarbeitern schaffen, die Posts aller spannenden, kontroversen Themen rund um die Uhr zu kontrollieren?”

3. “Mehr als eine Rabattkarte”
(taz.de, Daniel Bouhs)
Presseausweise in Deutschland: “‘Jeder kann sich eine Karte drucken und darauf ‘Presseausweis’ schreiben’, skizziert Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) den Status quo, auch wenn in der Praxis noch immer eher die Ausweise akzeptiert werden, die sein DJV und fünf weitere Verbände ausgeben.”

4. “Konkurs von Radio 3fach: Mässiger Aprilscherz”
(werbewoche.ch)
Radio 3fach macht “in einer Medienmitteilung die Einstellung des Betriebs noch für den Montag” bekannt und stellt vorübergehend den Sendebetrieb ein. “Auf die ausdrückliche Frage, ob es sich um einen Aprilscherz handle, sagte Programmleiter Dani Glur gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, es handle sich um keinen Scherz.” Die Aktion stellt sich dennoch als Aprilscherz heraus, was die Verantwortlichen der Nachrichtenagentur erzürnt. Chefredakteur Bernard Maissen: “(…) in einer Zeit, in welcher der Journalismus ein grosses Glaubwürdigkeitsproblem hat, leistet ihr der Branche einen Bärendienst, wenn ihr Kollegen einfach anlügt.”

5. “Ulli Potofski: ‘Die Pöbler tun mir leid'”
(dwdl.de, Manuel Schumann)
Fußball-Kommentator Ulrich Potofski glaubt die Fußballfans zu kennen: “Der gemeine Fußballfan kennt kein Grau, sondern nur Schwarz und Weiß. Daran orientieren sich folglich auch diejenigen, die die Konsumenten bedienen, also wir Sportjournalisten. Drei Punkte, Top-Tabellenplatz, alles geil, Trallala. Oder eben das Gegenteil: Derbypleite, Scheiß-Millionäre, Trainer raus! Profifußball ist nun mal ein stellvertretendes Element unserer Gesellschaft.”

6. “Schau! Mich! An!”
(diepresse.com, Julia Ortner)
Julia Ortner denkt nach über das Angesehenwerden im Fernsehen: “Das Nichts überwinden. Größer als die Wirklichkeit – das macht das Fernsehen aus jenen, die öfter auf dem Schirm zu sehen sind. Oder anders gesagt: Wer auf dem Bildschirm zu sehen ist, der spürt das Sein so richtig und überwindet das Nichts.”

TV Total, Autoflotte, Experten

6 vor 9

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1. “Von Content-Marketing (Y-Titty), Leserporträts (Handelsblatt) und Schleichwerbung”
(socialmediarecht.de, Nina Diercks)
Nina Diercks schreibt über Unternehmensporträts im “Handelsblatt”, die derzeit in der Diskussion stehen: “Meines Erachtens ist die Zahlung von ‘Lizenzgebühren’ für die Nutzungsrechte derartiger Unternehmensporträts nichts anderes als der Versuch mittels dieses vermeintlichen ‘Kniffs’ das Trennungsgebot von Werbung und Redaktion zu umgehen. Letztlich ist die Zahlung einer Lizenzgebühr in solch einem Fall in der Gesamtschau aus den vorgenannten Gründen als Zahlung eines Entgelts für eine redaktionelle Veröffentlichung zu werten.”

2. “Dr. Seltsam ist heute online”
(faz.net, Frank Schirrmacher)
Frank Schirrmacher beklagt einen rasch urteilenden und verurteilenden Echtzeitjournalismus. “Helmut Kohl, Helmut Schmidt und Henry Kissinger haben alle höchst abwägend und behutsam auf die aktuellen Ereignisse reagiert. Der Echtzeitdramaturg sagt: weil sie alt sind. Alter ist kein Kriterium für Rationalität. Entschleunigung aber ist es.”

3. “Eine kurze Expertise über die kurzen Expertisen”
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Roberto De Lapuente befasst sich mit dem Experten: “Die Experten in der Mediokratie sind Herolde der Sensationsmeldung, Verkündiger der Eskalation, Boten des schlimmsten anzunehmenden Vorfalls. Wenn irgendwo eine Bombe hochgeht, sagen sie, dass weitere Anschläge wahrscheinlich sind. Gibt es einen Virus, geben sie als Expertise ab, dass es sich wie eine Spanische Grippe auswirken könnte. Dass man beruhigt sein sollte, nichts so heiß gegessen wie gekocht wird, ‘Bleibm Se mal cool!’ hört man von ihnen eher nicht.”

4. “Gefälschte Wahlergebnisse: Autozeitschrift sagt Preisverleihung ab, Chefredakteur schon weg”
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Eine Preisverleihung der Fachzeitschrift “Autoflotte” wird abgesagt, weil es “Ungereimtheiten bei der Stimmenauszählung für den Autoflotten-Award gegeben” habe. “Der Verlag wirft einzig dem langjährigen Chefredakteur vor, die Zahlen manipuliert zu haben.”

5. “Liebe ARD”
(almostsw.de, Johannes Eber)
Johannes Eber schaut mit seinem Sohn “Frag doch mal die Maus – Die große Familienshow” und wird den Eindruck nicht los, dass die ARD genau das beibehalten hat, was sich überholt hat: “Der große Auftritt des Showmasters im tosenden Applaus. Auswändig gelernte Witze. Absehbarkeit. Blitzendes Licht und laute Musik, statt tatsächlicher Aufregung.”

6. “‘Blamielen odel Kassielen’ oder ‘TV Total vs. NEO MAGAZIN mit Jan Böhmermann'”
(youtube.com, Video, 10:13 Minuten)
Jan Böhmermann lässt die Macher von “TV Total” glauben, ihre Sendung werde in China kopiert.

Am Undercut herbeigezogen

So ganz sicher sind sich die Medien ja nicht, ob es wirklich stimmt, was da gerade wieder Verrücktes über Nordkorea berichtet wird. Die dpa hat am Ende ihrer Meldung sogar extra geschrieben:

Es ist sehr schwierig, Angaben aus Nordkorea zu überprüfen.

Aber wie immer in solchen Fällen, hält das die Journalisten natürlich auch diesmal nicht davon ab, die Geschichte trotzdem zu verbreiten.

Und wie!

Screenshots: diverse

In fast allen Überschriften und Teasern wird der angebliche “Frisurenzwang” kurzerhand zur Tatsache erklärt, auch in einigen Artikeln ist kaum ein Zweifel an der Story zu spüren.

Als erstes großes Medium hatte die BBC über die Geschichte berichtet, aufgeschnappt hatte die sie wiederum bei “Radio Free Asia”. In Deutschland war “Focus Online” zuerst darauf angesprungen, später dann dpa und Dutzende andere Medien.

Wie aber die Seite “NK News” bereits gestern berichtet hat, ist auch an dieser Story offensichtlich nicht allzu viel dran. Das in den USA ansässige Nachrichtenportal hat sich auf Nordkorea spezialisiert; Quellen sind oftmals NGO-Mitarbeiter, im Ausland lebende Nordkoreaner oder Menschen, die erst kürzlich von einer Nordkorea-Reise zurückgekehrt sind. So wie auch in diesem Fall:

“Ich bin mir ziemlich sicher, dass [die Geschichte vom Frisurenzwang] Quatsch ist. Letzte Woche hatten alle noch typische Haarschnitte”, sagte Andray Abrahamian, Executive Director der NGO “Choson Exchange” in Singapur, der regelmäßig mit jungen Nordkoreanern arbeitet.

Gareth Johnson, General Manager der “Young Pioneer Tours” in Peking, sagt NK News ebenfalls, dass — Stand: letzte Woche — keiner seiner Kollegen Beweise für die neue Frisurenverordnung entdeckt habe. “Wir waren letzte Woche in Nordkorea und haben niemanden mit besagtem Haarschnitt gesehen. Es scheint, als müsse die BBC jede Woche eine neue Nordkorea-Geschichte finden”, sagte Johnson […].

(Übersetzung von uns.)

Das Portal zitiert noch weitere Quellen, die in Nordkorea leben oder arbeiten und ebenfalls davon ausgehen, dass an der Meldung nichts dran ist. Zwar habe sich der Staat in der Vergangenheit bei diesem Thema tatsächlich eingemischt, indem er bestimmte Haarschnitte empfohlen habe, doch inzwischen seien die Mode-Richtlinien gelockert worden. Außerdem würden Verstöße gegen solche Richtlinien nur selten geahndet.

Auch eine andere haarige Geschichte, über die in diesem Zusammenhang (auch von deutschen Medien) gerne berichtet wird, entspricht laut “NK News” nicht der Wahrheit: Seit einiger Zeit geistere der Mythos umher, dass

Frauen aus einer bestimmten Palette von zugelassenen Haarschnitten auswählen müssen. Doch die Fotos, die in der Regel genutzt werden, um diese Behauptung zu untermauern, zeigen oft Poster mit einer Auswahl von Haarschnitten, die in Friseurläden in Pjöngjang hängen — und die den Kunden in Wirklichkeit nur eine Idee von den möglichen Optionen geben sollen, keine verpflichtende Auswahl.

Aber wie das nun mal so ist:

Gerüchte über Nordkorea, die auf anonymen Quellen basieren, tauchen oft in den Maintream-Medien auf — und führen zu einem “echo chamber effect”.

Mit Dank an Stefan S., Marvin S. und Christoph A.

Scotusblog, Daniel Bröckerhoff, Webradio

6 vor 9

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1. “Warum die NASA nicht sagt, dass die Welt untergeht”
(scilogs.de, Thomas Grüter)
Eine Studie, die angeblich von der NASA stammt, soll gemäß Medienberichten den Untergang der Menschheit prophezeien. “Nach einigen Recherchen wurde mir klar, dass in den meisten Berichten kaum etwas stimmt.”

2. “Die Erfüllung muss das Honorar ersetzen”
(faz.net, Patrick Bahners)
Patrick Bahners berichtet über das Scotusblog: “Scotusblog ist für alle Interessierten und Beteiligten die wichtigste Informationsquelle über den Supreme Court of the United States (Scotus) – für alle, das heißt: auch für die Anwälte, für die Zuarbeiter der Richter und mutmaßlich auch für die Richter selbst.”

3. “ZDF: Mehr Staatsferne für die Gremien”
(ndr.de, Video, 6:28 Minuten)
Ein “Zapp”-Beitrag zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den ZDF-Staatsvertrag: “Dass überhaupt Staatsvertreter über das ZDF wachen, im Verwaltungsrat sogar amtierende oder Ex-Ministerpräsidenten, störte das Gericht aber nicht. Die Politik sei halt Teil des Gemeinwesens.”

4. “Daniel Bröckerhoff: Der Selbstvermarkter”
(vocer.org, Philipp Löwe)
Ein Interview mit “Zapp”-Mitarbeiter Daniel Bröckerhoff: “(…) wenn du vom privaten Fernsehen ins öffentlich-rechtliche wechselst, ist sehr, sehr viel sehr, sehr anders.”

5. “Die neue Webradio-Quote”
(sebastian-pertsch.de)
Die AGMA veröffentlicht erstmals eine Webradio-Quote. Sebastian Pertsch schreibt dazu: “Mit der ma IP Audio hat die agma einen Meilenstein gelegt, der künftig nicht mehr wegzudenken sein wird. Bleibt zu hoffen, dass sich bald deutlich mehr Radios an der Webradio-Quote beteiligen, die Metriken facettenreicher sind, die Quoten vereint werden und endlich die Mobilfunkdaten in die Statistik mit einfließen.”

6. “Eine schrecklich private Familie”
(sueddeutsche.de, Ekkehard Müller-Jentsch)
Die Familie Geiss – bekannt aus “Die Geissens” – streitet sich mit Klatschzeitschriften vor Gericht: “In gleich fünf Prozessen haben sich Robert sowie Carmen Geiss samt ihrer Töchter Davina Shakira und Shania Tyra Maria am Mittwoch vor dem Landgericht München I gegen Berichte von zwei Klatschblättern gewandt, die sich mit vermeintlich dunklen Seiten der Geissens befassten.”

Focus  

“Vorwürfe gegen Tebartz-van Elst ausgeräumt”

Für Leser des “Focus” brachte der Mittwoch überraschende Neuigkeiten. Der Abschlussbericht einer Prüfungskommission für die Deutsche Bischofskonferenz stellte fest, dass Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst beim Bauprojekt auf dem Limburger Domberg systematisch zu niedrige Kosten angegeben, Kontrollen verhindert und kirchliche Vorschriften umgangen habe. Papst Franziskus nahm daraufhin den Amtsverzicht des Bischofs an.

Das hatte das vermeintliche “Nachrichtenmagazin” nicht kommen sehen. Am 26. Januar 2014 hatte es exklusiv gemeldet, der Abschlussbericht der Prüfkommission werde Tebartz-van Elst entlasten: Die Vorwürfe gegen ihn seien weitgehend ausgeräumt.

Verbreitet wurde die Ente nicht nur vom “Focus” selbst und seiner Schwesterpublikation, der “Huffington Post”. Die Nachrichtenagenturen AFP und epd übernahmen die Nachricht, wie bei solchen Vorabmeldungen üblich, ungeprüft unter Berufung auf die Zeitschrift.

AFP:

Kommission sieht Vorwürfe gegen Tebartz laut Bericht ausgeräumt

München, 26. Januar (AFP) – Eine von der Bischofskonferenz eingesetzte Kommission betrachtet die Vorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbar als weitgehend ausgeräumt. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass dem umstrittenen Bischof beim 31 Millionen Euro teuren Bau seiner Residenz weder Geldverschwendung noch das Übergehen von Kontrollgremien vorzuhalten sei, berichtet das Magazin “Focus” in seiner neuen Ausgabe. Angeblich werde in dem aus drei Geistlichen und zwei Wirtschaftsprüfern bestehenden Gremium noch um abschließende Formulierungen gerungen.

epd:

“Focus”: Bischof Tebartz-van Elst angeblich entlastet

Limburg/München (epd). Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist offenbar weitgehend entlastet. Nach einem Bericht des Münchner Nachrichtenmagazins “Focus” hat eine Prüfkommission die Vorwürfe gegen ihn weitgehend ausgeräumt. Die von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Kommission ist nach diesen Informationen zu dem Ergebnis gekommen, dass dem Bischof beim Bau seiner Residenz weder Geldverschwendung noch das Übergehen von Kontrollgremien vorzuhalten sei.

Die Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur epd an jenem Sonntag war von 16:56 Uhr — zwei bis drei Stunden vorher hatten dpa und die katholische Nachrichtenagentur KNA bereits berichtet, dass einen Sprecher der Bischofskonferenz der “Focus”-Meldung widersprach.

Im gedruckten “Focus” stand von dem Dementi bis heute nichts.

Ebola, MH370, Staatsferne

6 vor 9

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1. “Ebola löst Panik-Epidemie in Redaktionen aus”
(udostiehl.wordpress.com)
Wie Medien mit einem Verdachtsfall einer Ebola-Infektion in Kanada umgehen. Siehe dazu auch “Entwarnung in Kanada: Erkrankter hatte kein Ebola” (tagesschau.de).

2. “Kämpfen Konzerne mit unsauberen Mitteln um jugendliche Kunden?”
(mediathek.daserste.de, Video, 6:06 Minuten)
“Report Mainz” recherchiert am Beispiel von Y-Titty zur gebotenen Trennung zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten bei YouTube-Videos.

3. “Flight MH370: the relatives should have been told the worst in private”
(theguardian.com, Joanna Moorhead, englisch)
Die Hinterbliebenen der Passagiere des nun von den Behörden als abgestürzt deklarierten Flugs MH370. “As the 10 O’Clock News beamed all this into my sitting room last night, there was only one thought in my mind: we shouldn’t be seeing this. No reporter, no camera, no prying eyes, no public should have been allowed into the room through which the grieving relatives, who had just been told the Malaysian plane has definitely been lost with no survivors, had to walk.”

4. “Kapitulation des Gerichts vor der Politik”
(berliner-zeitung.de, Christian Bommarius)
Christian Bommarius kommentiert das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ZDF-Staatsvertrag: “Natürlich, wer es als Erfolg betrachtet, wenn ein Vier-Zentner-Mann nach mehrmonatiger Diät zwei Pfund verliert, wer dem Alkoholiker gratuliert, dem es endlich gelingt, von dem Kasten Bier, den er gewöhnlich an jedem Tage zu trinken pflegt, einmal in der Woche eine Flasche ungeleert zu lassen, der wird auch das 14. Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts als Meilenstein auf dem Weg zur verfassungsrechtlich verlangten Staatsferne des Senders beklatschen.” Siehe dazu auch “Triumph des Staatsfunks” (cicero.de, Alexander Kissler).

5. “Alters-Schwäche”
(theeuropean.de, Thore Barfuss)
Der Graben im Journalismus verlaufe nicht so sehr zwischen Online und Print als zwischen jüngeren und älteren Journalisten: “Aus Sicht der alten Hasen gehört Plöchinger mit seinen 37 Jahren einfach noch zu den jungen Hüpfern.” Siehe dazu auch “Hoodie-Journalisten rudern lachend die Galeeren” (jensrehlaender.tumblr.com) und “Es war Sonntag. Und es regnete” (medium.com, Simon Hurtz).

6. “Ein halbes Jahrhundert lang Doktorand”
(zeit.de, Hans-Dieter Eberhard)

Uli Hoeneß, taz, Equal Pay Day

6 vor 9

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1. “Der Medienfall des Ulrich Hoeneß”
(funkkorrespondenz.kim-info.de, Dietrich Leder)
Mit Verwunderung blickt Dietrich Leder zurück auf jene “bizarre Fernsehwoche”, in der in deutschen Medien so über den Prozess gegen Uli Hoeneß berichtet wurde, “als geschehe nichts anderes auf der Welt und in der Bundesrepublik Deutschland”. “Erst das Fernsehen machte aus Ulrich Hoeneß jene Medienmarke, jenen Medienakteur und jenen Medienprofiteur, der spätestens seit den 1990er Jahren zur Spitze der bundesrepublikanischen Gesellschaft zählte. Was dazu führte, dass ihn das Fernsehen seither auch außerhalb des Sports hofierte und ihn zu jedem und allem befragte. Hoeneß gehörte zum Stammpersonal der Talkshows, in denen er als Marke und Akteur gleichermaßen saß, um seinen Ruf weiter zu pflegen und gleichzeitig zu vermarkten. (…) Die eigene Rolle hat das Fernsehen in diesen Tagen des Hoeneß-Hypes nicht angesprochen, geschweige denn kritisch aufgearbeitet.”

2. “Künstlicher Name für eine Kunstfigur”
(faz.net)
Die neue Frankfurter “Tatort”-Kommissarin wird nun doch nicht nach dem Holocaust-Opfer Selma Jacobi benannt: “Die Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks, Liane Jessen, sagte: ‘Die Diskussion um die Namensgebung unserer Kommissarin hat uns überrascht. Der Rollenname war als eine kleine Geste gegen das Vergessen gemeint. Uns tut es leid, mit der angestoßenen Diskussion die Gefühle einzelner verletzt zu haben’. Nach dieser Diskussion ist die Namensänderung aber auch aus künstlerischer Sicht notwendig geworden: ‘Die Rolle wäre immer mit dem Holocaust-Opfer Selma Jacobi in Verbindung gebracht worden. Eine freie Weiterentwicklung der Figur wäre unter diesem Aspekt nicht mehr möglich.'”

3. “Der Equal Pay Day und die 22 Prozent”
(heise.de/tp, Alexander Durin)
Hat es mit Diskriminierung zu tun, dass “Frauen 22 Prozent weniger als Männer verdienen”? Alexander Durin hält das für Unsinn: “Die statistischen Untersuchungen zeigten, dass Frauen eine wesentlich engere Berufswahl als Männer bevorzugten und konsequent in Berufen tätig sind, die geringer entlohnt sind als die von Männern. Nicht das Geschlecht per se, sondern die Berufswahl der Vertreter des Geschlechts ist ausschlaggebend.”

4. “Warum die taz sich ein neues Haus baut”
(blogs.taz.de/hausblog, Sebastian Heiser)
Aufgrund “stabiler Werbeeinnahmen”, “neuer Angebote” und einem “einzigartigen Geschäftsmodell” steigen die Einnahmen der “taz” kontinuierlich: “In den letzten 20 Jahren um 110 Prozent (und damit deutlich überhalb des inflationsbedingten Preisanstiegs von 42 Prozent in diesem Zeitraum). Derzeit nehmen wir rund 26 Millionen Euro pro Jahr ein.”

5. “Warum ich um CC-NC einen großen Bogen mache”
(kaffeeringe.de, Stef­fen Voß)
Warum Stef­fen Voß die Creative-Commons-Lizenz “Non-Commercial” meidet.

6. “Was passiert eigentlich, wenn man einen Mörder und Vergewaltiger foult? Zu Besuch im Strafraum der JVA Lenzburg”
(watson.ch, Alex Dutler)

Sie lieben es!

Kiffer in der Schweiz, aufgepasst! Es gibt zwei tolle Neuigkeiten:Titelschlagzeile 1: "Bergbauern sollen Drogenhanf anbauen" - Titelschlagzeile Nr. 2: "Premium-Bruerg bei fast-Food-Kette"

Demnächst kann man sich das Zeug also frisch von der Alm holen — und den anschließenden Heißhunger gleich mit dem neuen Superburger bekämpfen.

Na gut, ob das mit den Hanf-Plänen tatsächlich was wird, sei mal dahingestellt (unterstützt wird die Idee bisher lediglich von einem “Experten”, und der hat sie selbst vorgeschlagen). Aber den Burger wird es auf jeden Fall geben, wie die Gratiszeitung “20 Minuten” verkündet:

Seit heute hat McDonald’s eine Luxus-Linie im Angebot. Der Fast-Food-Riese will so neue Kunden fangen.

Und um den “Fast-Food-Riesen” dabei ein wenig zu unterstützen, wird den Lesern die neue Produktpalette im Wirtschafts-Ressort ausführlich vorgestellt:

McDonald’s Schweiz betritt neue Wege und bietet dem Kunden unter dem Namen “Signature Line” eine Premiumkarte an. Das Aushängeschild ist der Burger “The Prime”. Dieser enthält neben einer 180-Gramm-Scheibe Rindfleisch auch Berner Bergkäse, Speck, Coleslaw und Rucola. […]

Ebenfalls zur Premium-Linie gehören Chips aus Schweizer Kartoffeln (Fr. 4.50) und drei neue Salate mit Kohlstreifen, Ebly oder Kartoffeln (4.30 bis Fr. 4.90).

Zwar geht das Blatt auch auf die gepfefferten Preise ein (“Diese Zutaten haben aber ihren Preis”), doch das bleibt die einzige Stelle im gesamten Text, an der zumindest ein kleiner Hauch von journalistischer Distanz zu spüren ist. Ansonsten darf die McDonald’s-Sprecherin noch erzählen, dass “grosse strukturelle Umstellungen” nötig waren, dass die Arbeitsabläufe “im Vorfeld im McDonald’s-eigenen Innovationscenter in Chicago optimiert” wurden und dass deshalb “keine längere Wartezeit” für die Kunden entsteht — und das war sie auch schon, die große Titelstory der “20 Minuten”.

Die Bebilderung kommt übrigens direkt von McDonald’s selbst. Und wer jetzt glaubt, dass der Konzern auch auf andere Weise seine fettigen Finger im Spiel haben könnte, der irrt. Denn natürlich beruht der Text (wie man in der Online-Version nachlesen kann) nicht einfach nur auf PR-Material, sondern auf akribischer journalistischer Recherche:

Die 20 Minuten-Redaktion konnte den neuen Burger bereits im Vorfeld verköstigen. Das Urteil der Redakteure: “Es schmeckt.”

Mit Dank an Pascal W.

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