1. “Ukraine-Konflikt: Kritik an Medienhäusern” (ndr.de, Video, 6:21 Minuten)
Die Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt: Rund 300 Menschen demonstrieren vor dem Redaktionsgebäude des “Spiegel” in Hamburg, die ARD-Tagesschau und die ARD-Tagesthemen erhalten täglich stapelweise kritische Post (ab 4:28 Minuten).
2. “Als-ob-Information” (demystifikation.wordpress.com)
Stefan Wagner misst eine von der ZDF-Sendung “Frontal21” in einem Beitrag (youtube.com, Video, ab 5:15 Minuten) verwendete Grafik nach.
3. “Kein Liebling der Massen” (wdr.de, Video, 8:35 Minuten)
Die WDR-Sendung “Sport Inside” beleuchtet die Abschottung von Fußballer Mario Götze durch PR und Werbung.
4. “Deshalb nervt PR” (blog.tagesanzeiger.ch/offtherecord, Christian Lüscher)
Christian Lüscher listet zehn Methoden auf, wie Öffentlichkeitsarbeiter versuchen, Journalisten für ihre Sache zu gewinnen.
5. “‘Diese professionelle Demutsheuchelei ist mir auf Dauer zu anstrengend'” (persoenlich.com, Matthias Ackeret)
Ein Interview mit Peter Wälty, Leiter Digitalentwicklung und stellvertretender Chefredaktor von “20 Minuten”: “Wir kriegen 5’000 Leserbilder im Monat, davon zeigen wir vielleicht 50. Dasselbe bei den Leserkommentaren. Wir kriegen täglich um die 5’000, aber nur deshalb, weil wir die Kommentarfunktion nach 24 Stunden schliessen. Würden wir das nicht tun, hätten wir doppelt so viele.”
6. “Helmut Markwort: ‘Ja, ich bin Moritz Rodach'” (newsroom.de, Bülend Ürük)
Helmut Markwort gibt zu, unter dem Pseudonym Moritz Rodach für “Focus Online” über den FC Bayern München geschrieben zu haben: “Ich bin ja nicht nur Fan, sondern auch Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern. Jeder weiß das. Natürlich auch die Kollegen von Online, als sie mich baten, ihnen ein paar Fakten von einer Reise mit den Bayern durchzugeben. Es war eine Gelegenheitsarbeit – und in meinem grundsätzlichen Bemühen, ein objektiver Journalist zu sein, meine subjektive Schwachstelle.”
2. “In eigener Sache” (dagmar-woehrl.de)
Die RTL-Sendung “Punkt 12” entschuldigt sich bei Dagmar Wöhrl, die falsch wiedergegeben wurde: “Wir möchten folgendes richtigstellen: Heute in der Sendung haben wir berichtet, die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl habe gefordert, jeder solle Flüchtlinge in seiner Wohnung aufnehmen. Wortwörtlich hat Frau Wöhrl aber gesagt: ‘Wenn hilfsbereite Mitmenschen ihre Türen für Flüchtlinge öffnen wollen, dann sollten wir diese nicht durch staatliche Schranken verschließen.'”
3. “Katz-und-Maus-Spiel mit dem Zensor” (nzz.ch, Mike S. Schäfer und Adrian Rauchfleisch)
Freiräume und Zensur in der chinesischen Medienlandschaft: “30 Prozent der als problematisch angesehenen Beiträge werden innerhalb von 30 Minuten gelöscht, 90 Prozent innerhalb eines Tages.”
4. “Taking the fight for #transparency to court” (blog.twitter.com, Ben Lee, englisch)
Twitter geht rechtlich vor gegen von der US-Regierung auferlegte Zensurmaßnahmen: “Our ability to speak has been restricted by laws that prohibit and even criminalize a service provider like us from disclosing the exact number of national security letters (‘NSLs’) and Foreign Intelligence Surveillance Act (‘FISA’) court orders received — even if that number is zero.”
5. “Google’s ‘In The News’ Box Now Lists More Than Traditional News Sites” (searchengineland.com, Danny Sullivan, englisch)
“Google News” scheint seine Quellen erweitern zu wollen: “Google has confirmed that new ‘In The News’ box appearing in some of its search results now lists content from more than just the traditional news sites. Discussions at Reddit, blog posts, videos and more from non-news sites may turn up.”
Als wir vor ein paar Tagen darüber berichteten, wie die “Bild”-Zeitung Stimmung gegenAsylbewerber macht, schrieb uns ein Leser, dass auch andere Medien gezielt Panik verbreiten würden:
apropos Angstmache vor “Flüchtlingsflut”:
da machen auch Blätter wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit, indem sie bspw. Statistiken manipulativ so ausschneiden, dass die aktuellen Zahlen herausstechen.
Konkret meint er eine Infografik, die vor gut drei Wochen bei Faz.net erschienen ist:
Ein ganz ähnliches Diagramm taucht derzeit auch in anderen Medien auf, etwa im aktuellen “Spiegel”* …
(Hier sind die Zahlen insgesamt niedriger, weil der “Spiegel” nur die Erstanträge zählt, Faz.net aber Erst- und Folgeanträge.)
… auf den Webseiten der “Welt” …
… oder der “Berliner Zeitung”* …
… und auch die dpa* hat eine Grafik im Angebot:
Sie alle bilden den Zeitraum von 1995 bis heute ab. Das ist zwar nicht falsch, aber: 1992 gab es mehr als doppelt so viele Asylanträge wie 1995. Auch 1991 und 1993 war die Zahl viel größer. In der Infografik werden diese Jahre aber weggelassen, wodurch der Balken für das aktuelle Jahr im Vergleich zu den anderen deutlich höher ist.
Wenn man die Grafik aber beispielsweise um fünf Jahre nach hinten ausdehnt, sieht sie nicht mehr so aus …
Dass die Medien nur den Ausschnitt ab 1995 zeigen, muss natürlich nicht gleich böse Absicht sein (wir vermuten eher, dass sie einfach auf die aktuelle Statistik des BAMF zurückgegriffen haben, dort werden nämlich ebenfalls nur die Zahlen ab 1995 aufgelistet), aber mit ein bisschen mehr Recherche und ein paar zusätzlichen Zahlen hätten sie erstens eine bessere Einordnung und zweitens weniger Futter für Manipulationsvorwürfe geliefert.
Mit Dank an Christian K.
Nachtrag/Korrektur, 19.05 Uhr: Einige Leser haben uns darauf hingewiesen, dass man in diesem Zusammenhang auch den “Asylkompromiss” beachten muss. Diese im Mai 1993 beschlossene Neuregelung des Asylrechts hatte unter anderem zur Folge, dass es schwieriger wurde, sich auf das Grundrecht auf Asyl zu berufen. *Wichtig ist außerdem: Bei Infografiken, die nur die Erstanträge abbilden, können die Jahre vor 1995 nicht als Vergleich herangezogen werden. Das BAMF differenziert in seiner Statistik nämlich erst seit 1995 zwischen Erst- und Folgeanträgen.
1. “Gerüchte-Check: Emergent enthüllt falsche Informationen im Internet” (t3n.de, Jörn Brien)
Jörn Brien stellt Emergent vor: “Die Website-Betreiber suchen nach aktuell hochgehandelten Gerüchten, sie tragen sie gemeinsam mit den verschiedenen Quellen in eine Datenbank ein. Dann wird unterschieden, welche Websites die Story als wahr beschreiben, welche das Gerücht als falsch entlarven und welche die Geschichte einfach übernommen haben.”
2. “Unnötiger Stress mit Google” (nzz.ch, Rainer Stadler)
Mit Verwunderung registriert Rainer Stadler “die etatistischen Verrenkungen, mit denen Deutschland den globalen Vorstoss der digitalen Kapitalisten aus dem kalifornischen Silicon Valley parieren will”: “Die deutschen Verlage verdrehen ein Win-win-Geschäft in ein Lose-lose-Geschäft.”
3. “Im rechtsfreien Raum” (internet-law.de, Thomas Stadler)
Thomas Stadler schreibt über Recherchen zum Projekt “Eikonal”: “Die Berichterstattung der SZ belegt also, dass beim BND ein organisierter und systematischer Rechtsbruch stattfindet und dies mit Genehmigung der Bundesregierung und teilweiser Billigung des Parlaments. Der BND bewegt sich faktisch im rechtsfreien Raum und schreckt auch vor einem offensichtlichen Rechts- und Verfassungsbruch nicht zurück.”
5. “‘Ich glaub, das steht irgendwo im Koran'” (sz-magazin.sueddeutsche.de, Frederik Obermaier und Marie Delhaes)
Ein Interview mit Erhan A. aus Kempten, einem Anhänger der Organisation Islamischer Staat: “Wir haben uns Nachrichten angeschaut, ARD und ZDF und so, aber uns war schnell klar: Da wird nur Scheiße berichtet. Da haben wir uns dann im Internet Videos angeguckt. (…) Ich würde sogar meine Familie töten, wenn sie sich gegen den Islamischen Staat stellt.”
6. “Kunstaktion stellt Schwule bloß” (berliner-zeitung.de, Patrick Schirmer Sastre)
Ein Kunstprojekt eines Berliner Theaters zeigt über eine Dating-App geführte Gespräche auf einer LED-Wand. “Cornelius Puschke vom Projektteam des Veranstalters erklärte am Freitag, man habe mit heftigen Reaktionen gerechnet. ‘Wir haben gehofft, dass es niemanden verletzt, was wir auf der LED-Wand zeigen. Inzwischen haben wir festgestellt, dass es das doch tut.'”
Seit einigen Tagen schwirren viele Fotos durchs Internet, auf denen zu sehen sein soll, mit was für selbstgebauten Panzerfahrzeugen die Kurden gegen die Terrormiliz “Islamischer Staat” kämpfen. Ob die Fotos echt sind oder vielmehr: ob sie das zeigen, was behauptet wird, lässt sich nur schwer überprüfen — was Bild.de gestern allerdings nicht davon abgehalten hat, ohne große Zweifel die “Panzer-Parade der Kurden-Kämpfer” zu veröffentlichen:
Zehn Fotos sind dort zu sehen, darunter auch dieses hier:
Nun ist die Karre zwar kein Baufahrzeug, sondern (wie man sieht) ein Tankwagen, aber gut. Viel wichtiger scheint uns da eher die Tatsache, dass der Truck ganz bestimmt kein “selbstgebastelter Panzer” der kurdischen Kämpfer sein kann. Er stammt nämlich aus dem Film “Mad Max 2”:
Nachdem wir gestern Abend auf den Fehler hingewiesen hatten, wurde die Bildunterschrift schnell geändert. Jetzt steht dort:
Einige Leser haben vermutet, dass diese Bildunterschrift schon immer dort stand und wir uns nur einen Scherz erlaubt hätten, denn so dämlich seien ja nicht mal die Leute von “Bild”. Aber: doch. Sindsie.
Übrigens stammt die “Panzer-Parade” gar nicht von Bild.de selbst. Das Portal hat sie von der britischen “Dailymail” übernommen, die zwei Tage zuvor exakt die gleichen Fotos präsentiert hatte. Auch das Mad-Max-Bild war dabei, unter dem die “Dailymail” schreibt:
Strong resemblance: The converted Kurdish vehicles look similar to the heavily-armoured lorries in the 1979 dystopian action film Mad Max (pictured)
Aber das hat der zuständige Artikel-Kopierer von Bild.de wohl leider übersehen.
Mit Dank an Heiko W., Dominik von R. und Christoph L.
1. “News zu News bei Google” (google-produkte.blogspot.de, Philipp Justus)
Nach einer via der Verwertungsgesellschaft VG Media von deutschen Printverlegern eingereichten Klage kündigt Google an, “Snippets und Thumbnails einiger bekannter Webseiten wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzeigen, also jener Verlage, die in der VG Media organisiert sind. Für diese Seiten werden wir nur noch den Link zum Artikel sowie dessen Überschrift anzeigen.”
2. “Verlage empört: Jetzt will Google nicht mal mehr ihr Recht verletzen!” (stefan-niggemeier.de)
VG Media reagiert mit einer Pressemitteilung unter dem Titel “Google erpresst Rechteinhaber” (vg-media.de, PDF-Datei) auf die Nachricht. Stefan Niggemeier schreibt dazu: “Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt. Man kann den Irrsinn kaum noch angemessen kommentieren.”
3. “Mutig: Reporter bringen die Welt nach Nordkorea” (ndr.de, Video, 8:55 Minuten)
Journalisten, die Bilder aus der Welt nach Nordkorea schmuggeln. Und Journalisten, die Bilder aus Nordkorea herausholen und der Welt zeigen.
4. “Fakten, Fakten, Fakten” (zeit.de, René Martens)
Helmut Markwort, Mitglied des Aufsichtsrats des FC Bayern München, steht unter Verdacht, in seiner Zeit als “Focus”-Chefredakteur unter dem Pseudonym Moritz Rodach “Focus”-Texte über den Fußballverein verfasst zu haben.
5. “Nicolaus Fest verlässt die ‘Bams’-Chefredaktion” (dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie die Axel Springer AG mitteilt, verlässt Nicolaus Fest “das Unternehmen auf eigenen Wunsch, um in Zukunft als freier Journalist zu arbeiten”. Uwe Mantel schreibt: “Zuletzt fiel Nicolaus Fest, seit 2013 stellvertretender Chefredakteur der ‘Bild am Sonntag’, mit seinem Kommentar ‘Islam als Integrationshindernis’ auf, für den die ‘BamS’ auch eine Rüge durch den Presserat kassierte.” (BILDblogberichtete).
6. “Here’s The Unfortunate Math That Will Likely Force The New York Times To Make Even More Cuts…” (businessinsider.com, Henry Blodget, englisch)
Henry Blodget rechnet aus, wie viele Journalisten die “New York Times” im digitalen Zeitalter beschäftigen könnte: “So the New York Times might eventually be able to support a newsroom budget of $140 million as compared to the ~$200 million budget it has today. Using the same $150,000-per-journalist all-in estimate, this budget would support ~930 top-notch journalists. (…) But 930 journalists is about 300 fewer than the New York Times will employ after this latest round of cuts.”
1. “Bürgerlotto statt Pöstchenschachern bei der Kontrolle des ZDF” (heise.de/tp, Timo Rieg)
Zur Reduzierung des zu hohen Politik-Anteils im ZDF-Fernsehrat schlägt Timo Rieg das Losverfahren vor: “Lotterie ist wunderbar unbestechlich und damit brutalst gerecht. Ohne Ansehen der Person kann das Los jedem Bürger zufallen. Er muss nichts dafür tun und kann sich andererseits auch nicht darum bewerben. (…) Die Idee, Bürger als Stellvertreter auszulosen, ist so alt, so erprobt und so gut, dass nur mit erheblicher Arroganz ein Versuch für den Rundfunk abgelehnt werden kann.”
2. “Zwischenbilanz: Der Ukraine-Konflikt in der Tagesschau” (blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Der Ukraine-Konflikt: ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke formuliert Selbstkritik (“Möglicherweise sind wir zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt”) und fragt, was in Zukunft besser gemacht werden kann (“Wir sollten noch klarer offenlegen, wenn wir etwas nicht (!) wissen”).
3. “‘Die Säulen des Journalismus sind bedroht'” (futurezone.at, Claudia Zettel)
Ein Interview mit Stefan Niggemeier. Über Bildblog.de sagt er: “Ich glaube, was handwerkliche Fehler angeht, haben wir – auch weil wir einfach genervt haben – durchaus etwas angestoßen. Aber ich fürchte, was das große Ganze, die gewollten Gemeinheiten und Verdrehungen betrifft, können wir nur darauf zielen, die Wahrnehmung der Bildzeitung zu verändern, nicht die Zeitung selbst. Wir wollen ein Ort sein für Menschen, die sagen, sie lehnen die Bild ab, aber nicht aus einem Vorurteil, sondern weil man es eben belegen kann.”
4. “Und täglich grüßt das Murmeltier…” (outtheblueblog.wordpress.com, Hannah)
Die Bild.de-Schlagzeile “Nächster Klopp-Schock – Kehl fällt aus”: “Oh ja, ein Riesenschock! Wo Kehl doch schon seit dem Spiel gegen Arsenal, also seit dem 16.09., also seit 11 Tagen und zweieinhalb Spielen, verletzt ist und schon für die letzten beiden BuLi-Spiele ausgefallen war. Wer diese Überschrift liest, denkt doch automatisch an eine Verletzung im Training oder an ein Wiederaufbrechen der Verletzung, an irgendetwas, das jetzt gerade aktuell und akut passiert ist. Ähm, ne.”
6. “‘Wäre eigentlich Aufgabe der Öffentlich-rechtlichen'” (deutschlandfunk.de, Bettina Schmieding)
Warum ist der Undercover-Journalismus von Günter Wallraff mit “Team Wallraff” bei RTL gelandet? “Ich bin auf die zugegangen, um eine jüngere Zuschauergruppe zu erreichen, die ich bei öffentlich-rechtlichen leider nicht erreiche. Und ich muss sagen, ich bin da offene Türen eingelaufen.”
1. “mögliche folgen von blog-professionalisierung: haltungsschäden und merkbefreiung” (wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel denkt über Blogger nach, die gestohlene Nacktbilder von Prominenten bearbeitet veröffentlichen: “nach ein paar tagen des nachdenkens, halte ich es tatsächlich für möglich, dass manche blogger glauben, dass ein paar pinselstriche aus etwas verletzendem, übergriffigen und für die betreffenden extrem unangenehmen etwas schönes, angenehmes und wohliges machen könnten.”
2. “Den Medien die Totenglocke läuten” (nzz.ch, Veit Dengler)
Veit Dengler, CEO der NZZ-Mediengruppe, wendet sich, “flankierende Massnahmen” und “indirekte Förderung” ausschließend, gegen staatliche Presseförderung: “Internet und Co. haben nicht nur die Zeitungen vor radikal neue Aufgaben und Probleme gestellt, sie sind dabei, unsere gesamte Gesellschaft, so gut wie alle Wirtschaftszweige, unser Wissen und unser Denken völlig umzukrempeln. Alle und alles muss die Herausforderungen der neuen Medien bewältigen, um bestehen zu können. Warum sollen gerade journalistische Medien in diesem Prozess staatlich gefördert werden? Warum nicht die Buchbinder, Strassenmusikanten oder Reisebüros?”
3. “Josef Joffe, Jochen Bittner ./. ZDF – Die Anstalt” (heise.de/tp, Markus Kompa)
Markus Kompa besucht eine Verhandlung vor dem Landgericht Hamburg: “Im Termin am Freitag hatten die Pressejuristen gewisse Probleme, die satirischen Äußerungen auszulegen. Satire ist als Unterfall der Meinungsfreiheit grundsätzlich von Meinungsfreiheit geschützt, wobei allerdings Lügen nicht durch taktische Formgebung von Satire ‘legalisiert’ werden können. Nach Ansicht des Bittner/Joffe-Anwalts handelte es sich um falsche Tatsachenbehauptungen.” Siehe dazu auch “ZEIT-Journalisten verstehen keinen Spaß” (kanzleikompa.de).
4. “Wie die taz durch die Medienkrise kommt” (blogs.taz.de/hausblog, Karl-Heinz Ruch)
Karl-Heinz Ruch schreibt zur Krise der Zeitungen: “Die Erwartung, dass die Zukunft des Journalismus nicht mehr bei Print, sondern bei Online liegt, hat in vielen Redaktionen zu Verwerfungen geführt, die vor allem eines gezeigt haben: Es stehen viele Besitzstände auf dem Spiel. Inzwischen lichtet sich vielerorts der Nebel und es wächst die Erkenntnis, dass nicht die unterschiedlichen Publikationswege das Problem darstellen, sondern dass tradierte Geschäftsmodelle nicht mehr und neue Geschäftsmodelle noch nicht funktionieren.”
Das Blatt hatte in der Dresdner Ausgabe behauptet:
(Unkenntlichmachung von uns.)
In dem Artikel hieß es:
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Bautzen kaufte dem Rettungsdienst stich- und schusssichere Westen. (…) Offenbar geht es vor allem um Einsätze im Spreehotel – der Vier-Sterne-Herberge, wo neuerdings Asylbewerber untergebracht sind.
Die Polizei, das DRK und der Betreiber des Heims haben allerdings mehrfach klargestellt, dass diese Darstellung falsch ist.
Zunächst mal: Das Heim ist gar keine “Vier-Sterne-Herberge” mehr. Der Hotelbetrieb wurde schon vor geraumer Zeit eingestellt, das Gebäude dient jetzt ausschließlich als Unterkunft für die Asylbewerber. Und die Westen, die sich das DRK tatsächlich besorgt hat, sind auch nicht schusssicher, sondern schützen “nur” gegen Schläge und Stiche.
Vor allem aber wurden sie nicht “aus Angst vor Attacken aus dem Asyl-Hotel” besorgt, wie “Bild” behauptet, sondern um die Rettungskräfte ganz allgemein und bei allen Einsätzen zu schützen. Ganz unabhängig vom Einsatzort. Der Polizei ist in dem Heim auch “kein Übergriff auf Rettungspersonal bekannt”.
Wir kommen nochmal auf diese Geschichte zurück, weil vorgestern der Betreiber des Heims bei Maybrit Illner zu Gast war (Sendung in der Mediathek, ab ca. 19:10). Dort erzählte er, dass es “natürlich” auch “ein paar vielleicht nicht so freundliche Bewohner” gebe, aber der Großteil sei vollkommen friedlich:
In diesen drei Monaten [seit die Asylbewerber in dem Heim wohnen], ist bei mir eine Sache vorgefallen, die wirklich nachweislich kriminell war, die war nicht in Ordnung, und die wird auch dementsprechend verfolgt. Es ist sonst nachweislich nichts passiert. Das einzige, was die Asylbewerber leider Gottes machen: Sie atmen die Luft der Bautzner. Und ich glaube, das ist wirklich nicht schlimm. Also es gibt nun gar keinen Grund, gegen diese Menschen zu sein. Sie tun niemandem was, und sie wollen sich integrieren.
Auch die Polizei und das DRK appellieren an die Bürger, …
nicht alle der 150 Asylbewerber zu verurteilen. Meist handelt es sich nur um vereinzelte Personen, die mit einem deutlichen Fehlverhalten alle Einwohner in ein schlechtes Licht rücken.
Über dieses Fehlverhalten haben sich einige Bautzner auch vor ein paar Tagen in einer “Sicherheitskonferenz” beschwert (nachzulesen etwa hier), doch sowohl die Polizei als auch die Stadt weisen immer wieder darauf hin, dass man nicht alle Bewohner über einen Kamm scheren dürfe und die Anzahl der Fälle verhältnismäßig gering sei.
Eine wachsende Anzahl Straftaten – wie von einigen Bautznern befürchtet – verzeichnete die Polizei indessen nicht. Laut Sprecher Thomas Knaup sind der Polizei seit dem Einzug der ersten Asylbewerber in das Spreehotel [im Juli, Anm.] 15 Fälle gemeldet worden. Im Vergleich zu den insgesamt 3.700 Straftaten, die sich 2013 in der Region ereignet hätten, sei der Anteil damit verschwindend gering, so Knaup.
Im “Bild”-Artikel heißt es allerdings nur, dass “das Miteinander der Nationalitäten” “nicht problemlos” ablaufe und die Polizei zu mehreren Einsätzen ausrücken musste. Eingeordnet werden diese Fälle nicht.
Ebenso wenig erwähnt “Bild”, dass es auch mindestens einen Übergriff gegen die Bewohner des Asylbewerberheims gegeben hat. Vor drei Wochen schrieb der Oberbürgermeister von Bautzen auf der Facebook-Seite der Stadt:
Liebe Bautzenerinnen und Bautzener!
Es sollte ein ganz besonderer Tag für das Kind einer tunesischen Asylbewerberfamilie werden. Doch am Morgen des ersten Schultages sah sich die junge Mutter dem Fremdenhass eines bislang unbekannten Mannes ausgeliefert. Die junge Frau wurde beschimpft und durch einen Schlag verletzt. Dieser Vorfall am hellen Tag, mitten in der Stadt Bautzen, ist widerlich. Ich bin zutiefst entsetzt darüber und entschuldige mich im Namen der Stadt und der friedliebenden toleranten Menschen ausdrücklich bei der jungen Familie für dieses Verhalten.
Über diesen Vorfall verliert der “Bild”-Reporter kein Wort. Auch nicht darüber, dass das Heim mit einem zwei Meter hohen Zaun umzogen worden ist — nicht, um die Leute zu kasernieren, “sondern um die Gefahr von außen abzuwenden”, wie der Betreiber des Heims bei Maybrit Illner erklärte.
Er fügte aber auch hinzu, dass viele Bautzner sehr hilfsbereit seien. Grundsätzlich sei Bautzen “ein guter Ort”:
Ich möchte nicht, dass die Idee entsteht, dass Bautzen eine völlig rechte Ecke Deutschlands ist. Es gibt aber leider Gottes eben einen ganzen Haufen rechtgesinnte Menschen, auch NPD-Mitglieder, die mir das Leben sehr schwer gemacht haben.
Er habe zwei Morddrohungen erhalten, werde — ebenso wie die Bewohner — häufig beleidigt, und in drei Geschäften sei ihm angetragen worden, dort bitte nicht mehr einzukaufen, weil es schlecht für ihr Image wäre.
Das alles sei Ausdruck einer …
Hysterie, die ich nicht nachvollziehen kann. Wenn die Asylbewerber nachweislich Ungedeih gemacht hätten, dann würde ich sagen: okay, verständlich. Aber es ist nichts passiert! Die reine Anwesenheit. Es ist die Angst vor dem Fremden.
Und diese Angst schürt auch die “Bild”-Zeitung, indem sie lügt, Fakten verschweigt und einseitig berichtet. Obwohl längst klar ist, dass der Artikel einen völlig falschen Eindruck erweckt und obwohl der Redaktion bekannt ist, dass sie damit Menschen gegen die Asylbewerber aufhetzt, ist bislang keinerlei Korrektur erschienen.
1. “22.9.2014: Verleihung der Staatspreise” (wissenschaftsjournalisten.at)
Verena Ahne hält eine “Rede anlässlich der Verleihung des ‘Sonderpreises zur Unterstützung der wissenschaftsjournalistischen Vielfalt’”: “Für eine Doppelseite wie diese, die ich im Sommer geliefert habe, gibt es ein Honorar von 544 Euro und 32 Cent. Davon muss ich – neben Steuern und Abgaben – meine Bürokosten zahlen. ‘Unproduktive’ Zeiten abdecken wie Urlaub und Feiertage, Krankenstand und Arztbesuche. Auch die Zeiten, in denen ich nicht sitze und schreibe – und niemand sitzt die ganze Zeit und tippt Artikel. Es müssen neue Themen gesucht und Aufträge hereingebracht werden. Ich muss mit Redaktionen verhandeln. Administratives erledigen. Zu Veranstaltungen gehen. Kontakte pflegen. Usw, usf. All diese Dinge sollten in einem Honorar enthalten sein. Sind sie aber nicht. Denn dafür sind die schlicht zu niedrig. Es bräuchte mindestens 16 Ganzseiter wie die gezeigten pro Monat – und ohne Unterbrechung (geliefert) –, um auf das Einstiegsgehalt eines angestellten Journalisten zu kommen. Das ist schlicht nicht machbar.”
3. ” … und man vergisst sie nie” (sueddeutsche.de, Andrian Kreye)
Früher hatte die Macht der Bilder einen positiven Effekt, glaubt Andrian Kreye: “Es waren die Bilder der Massaker und Morde in Vietnam, welche die Amerikaner gegen den Krieg aufbrachten und Präsident Nixon zwangen, ihn zu beenden. Das aber hat sich gewandelt. Nun lösen die Bilder Kriege aus.”
4. “Durch Rundfunkgebühren finanziert, bei Netflix, Watchever und Amazon zu mieten” (rheinauenschreiber.de, Sebastian Eckert)
Sebastian Eckert schreibt zu öffentlich-rechtlichen Inhalten im Angebot von Netflix oder Amazon Prime: “Hatten sich das unsere Politiker so vorgestellt, als sie das Privatfernsehen vor der bösen ‘Krake’ ÖR schützen wollten? Dass der Bürger jetzt neben den 18 Euro für die ÖR-Inhalte auch noch sieben bis zwölf Euro im Monat abdrückt, um bereits von Bürgergeld produzierten Content längerfristig mit weiterem Bürgergeld abzurufen?”
5. “Von Netflix den Spiegel vorgehalten” (genrefilm.net, Mark Wachholz, 19. September)
Können deutsche Autoren die Qualität erreichen, die Netflix erwartet? “Selbst abseits von den täglichen Soap-Welten schreiben Serien-Autoren in Deutschland vor allem schematische Krimi-Episoden in Kreuzworträtsel-Dramaturgie, seichte Nonnen- und Krankenhaus-Banalitäten oder verschämt-lustige Alltagskomödien, die niemandem wehtun. Immer wieder fällt der Begriff der ‘Schere im Kopf’, die durch die Konditionierung ob solcher Anforderungen inzwischen so stark sei, dass man sie immer wieder aktiv in seinem Kopf entfernen muss, um auf internationalem Niveau zu denken.”