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Banksy, Bundestag, Excel

1. “Zur rechtlichen Zulässigkeit satirischer Berichterstattung aus dem Bundestag”
(telemedicus.info, Jonas Kahl)
Eine rechtliche Einschätzung der Nicht-Akkreditierung der “heute-show” im Bundestag: “Beim Betrachter bleibt der Eindruck zurück, dass formale Gründe konstruiert wurden, um unerwünschte Satire zu unterbinden. Zu behaupten, es habe bei der Versagung kein Ermessensspielraum bestanden, ist bei einem grundsätzlich derart weit definierbaren Begriff, wie ‘politisch-parlamentarischer Berichterstattung’ geradezu absurd.”

2. “Proteste gegen Drehverbot”
(taz.de)
Inzwischen gibt es Proteste und Petitionen gegen nicht nicht erteilte Drehgenehmigung: “Dem Bundestag gehe es nicht um eine inhaltliche Einflussnahme, sagte der Sprecher. Auch künftig werde man Anträge der ‘heute show’ einzeln und sorgfältig prüfen, wie in jedem anderem Fall auch. Das ZDF teilte mit, die Satiresendung werde auch weiterhin versuchen, Drehgenehmigungen für den Bundestag zu erhalten.”

3. “Das nervt an Journalisten”
(blog.tagesanzeiger.ch/offtherecord, Christian Lüscher)
Christian Lüscher zählt 16 Punkte auf, die ihn an Journalisten nerven: “Eine Unsitte der Journalistenzunft ist es, sich gegenseitig nicht wehzutun. Man klopft sich lieber auf die Schultern, als dass man Kritik übt. Und wenn, dann drischt man gerne auf jene ein, die schon am Boden liegen.”

4. “Wirbel um Falschmeldung: Dieser Mann soll Banksy sein”
(berliner-zeitung.de, Corinne Plaga)
Die Identität des Künstlers Banksy soll enthüllt worden sein. “Die Nachricht über die wahre Identität von Banksy machte schon öfters die Runde und erwies sich jedesmal als klassischer ‘Hoax’, also als scherzhafte Falschmeldung.”

5. “BBC to publish ‘right to be forgotten’ removals list”
(bbc.com, Dave Lee, englisch)
Die BBC wird in den nächsten Wochen eine Liste der durch Google aufgrund des Recht auf Vergessenwerdens entfernten URLs veröffentlichen und sie aktuell halten.

6. “Excel Extrem”
(youtube.com, Video, 3:56 Minuten)

Bundestag, Doschd, Daniel Hürlimann

1. “Überall Ungereimtheiten”
(sueddeutsche.de)
Keine Drehgenehmigung für die “heute-show” im Bundestag: “Am Freitagabend verkündete Welke, dass der Bundestag über seinen Pressesprecher Ernst Hebeker habe ausrichten lassen, dass der ZDF-Show keine Genehmigung erteilt werden könne, in der Lobby des Bundestags zu drehen. Denn bei der heute show, so wird Hebeker in der Sendung zitiert, handele es sich um ‘keine politisch-parlamentarische Berichterstattung’.”

2. “Störsignal in Pink – der russische Sender Doschd”
(ostpol.de, Simone Brunner)
Der russische TV-Sender Doschd sendet für 10 Euro Monatsgebühr im Internet weiter, nachdem “alle großen Kabelbetreiber den Sender aus ihrem Programm” gestrichen hatten. “Doschd, auch TV Rain genannt, ist die erste Adresse, wenn Kreml-Kritiker zu Wort kommen – von Michail Chodorkowski bis Pussy Riot. ‘Es ist aber nicht so, dass wir uns als oppositionellen TV-Sender sehen’, sagt Online-Chef Ilja Klischin. Sie seien einfach nur die einzigen, die darüber berichteten.”

3. “Immunität für Snowden? Warum wir die Rechte von Whisteblowern stärken sollten”
(berlinergazette.de, Yochai Benkler)
Yochai Benkler schreibt über Whistleblower: “Leaks und Leaker zu respektieren ist keine Beleidigung des Patriotismus der Mitarbeiter des nationalen Sicherheitssystems, Kongress oder den Justizbeamten, welche das Insider-Kontrollsystem bilden. Es ist ein Zugeständnis, dass es praktisch unmöglich ist, ein rein unabhängiges Überwachungsregime zu erschaffen.”

4. “Justitia wachrütteln”
(nzz.ch, Brigitte Hürlimann)
Brigitte Hürlimann stellt Daniel Hürlimann vor, den Gründer von sui-generis.ch vor, einer schranken- und kostenlosen Online-Zeitschrift zu Justizthemen: “Von engen Wissenschaftsbegriffen hält er ebenso wenig wie von unnötigen Kategorisierungen oder von Diskursen, die abgeschirmt im Elfenbeinturm stattfinden. ‘Open access’ und Interdisziplinarität, davon ist der Jurist überzeugt, führen zur Fortentwicklung der Wissenschaft, zu kreativen Ansätzen und zu Lösungen.”

5. “‘Die Schweiz hat mir viel gegeben'”
(tagesanzeiger.ch, Denise Marquard)
Ein Interview mit Journalist Abou Shoak Mohamed Osman, der seit 20 Jahren für die Hauspost bei Tamedia arbeitet.

6. “Die Rechercheure der Funke Women Group sind sich nicht so ganz einig”
(twitter.com/topfvollgold)

Peter Frey, Markus Somm, Berlin

1. “Manchmal muss man in Rollen schlüpfen”
(planet-interview.de, Laura Bähr und Jakob Buhre)
Ein Interview mit Peter Frey, Chefredakteur des ZDF: “Man darf sich nichts vormachen: Die Nähe zu den Mächtigen, dass man im Fernsehen mit Ihnen gesehen wird, wirkt sich auf das eigene Wichtigkeitsgen aus. Damit kühl umzugehen und davon irgendwann auch Abschied zu nehmen, ist notwendig, aber auch gar nicht so einfach.”

2. “Berlin ist ein klassischer ‘failed state'”
(welt.de, Christopher Lauer)
Christopher Lauer schreibt über den Zustand von Berlin: “Die wurstige politische Klasse Berlins kommt damit nur durch, weil sie die Öffentlichkeit, insbesondere die Medienöffentlichkeit, gewähren lässt. Was vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass Lokaljournalisten in Berlin gerne auch mal von Senatsverwaltungen oder Fraktionen des Abgeordnetenhauses als Moderatoren von Podien gebucht werden. Ein Schelm, wer sich denkt, das könnte sich in irgendeiner Form auf die Berichterstattung auswirken.”

3. “‘Ein Akt der Liebe'”
(taz.de, Jocelyn Gecker und Thanyarat Doksone)
Vergewaltigungen in Thai-TV-Soaps: “Mann trifft Frau, Mann vergewaltigt Frau, Mann heiratet Frau – das ist ein typischer Handlungsstrang in Thailands Seifenopern zur Hauptsendezeit am Abend. Aber die Rufe nach einer Änderung werden lauter.”

4. “Der gewandelte Intellektuelle”
(persoenlich.com, Matthias Ackeret)
Ein Interview mit Markus Somm, Chefredakteur der “Basler Zeitung”: “Ich habe in den letzten Jahren viele gute linke Journalisten verloren, weil sie den Gruppen­druck innerhalb unseres journalistischen Milieus, das mehrheitlich links von der Mitte steht, nicht mehr ertragen haben. Der Druck wird meistens subtil ausgeübt: Wie kannst du bloss für einen solchen Chefredaktor arbei­ten, der solche Ansichten vertritt? Dass sie selbst jederzeit schreiben durften, woran sie glaubten: Es half ihnen in solchen Gesprä­chen nichts.”

5. “Advisory on Ebola coverage”
(blog.ap.org, englisch)
Die Nachrichtenagentur AP rät zur Vorsicht bezüglich der Berichterstattung zu Ebola-Verdachtsfällen in Europa und den USA: “Most of these suspected cases turn out to be negative. Our bureaus monitor them, but we have not been moving stories or imagery simply because a doctor suspects Ebola and routine precautions are taken while the patient is tested. To report such a case, we look for a solid source saying Ebola is suspected and some sense the case has caused serious disruption or reaction.”

6. “‘Heftig’-Schlagzeilenredakteur mit emotionaler Erschöpfung in Psychiatrie eingeliefert”
(der-postillon.com)

Ebola, Dave Winer, Livebloggen

1. “Panik, Schlagzeilen und Leichenbeschau”
(cicero.de, Petra Sorge)
Die Berichterstattung über Ebola, zum Beispiel von “Bild”: “Die Boulevardzeitung schickte eigene Reporter in die Seuchenregion und titelte am 4. Oktober: ‘Bild in der Ebola-Hölle’. Nicht die Toten, nicht die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen und Gesundheitshelfer vor Ort waren die Nachricht, sondern die Tatsache, dass Bild vor Ort war.”

2. “Unter dem Deckmantel des Journalismus”
(alexandervonbeyme.net)
Alexander von Beyme beschäftigt sich mit dem Text “Unter dem Deckmantel der Vielfalt” (faz.net, Antje Schmelcher): “Der Artikel lässt nicht nur wesentliches weg, sondern reißt Zitate manipulativ aus dem Zusammenhang und enthält böswillige Verkürzungen.”

3. “Happy Blog”
(freitag.de, John Naughton)
John Naughton schreibt über Blogger Dave Winer: “In den zwei Jahrzehnten, seit Dave Winer das Genre mehr oder weniger erfunden hat, hat das Bloggen den üblichen Internet-Hype-Kreislauf durchgemacht: Atemlose Lobpreisungen als das nächste große Ding, rasant schnelle Verbreitung, dann das Einsetzen von Langeweile und der Beginn der Suche nach dem nächsten großen Ding.” Siehe dazu auch “20 years of blogging” (scripting.com, englisch).

4. “Internet ohne Pressefreiheit”
(faz.net, Jürg Altwegg)
Jürg Altwegg stellt Gesetzvorlagen in Frankreich vor: “In der vorbereitenden Kommission wurde noch ein zusätzlicher Paragraph in den Gesetzesentwurf genommen: Die Pressefreiheit gilt hier demnach in vollem Umfang nur für die ‘traditionelle Presse’, nicht aber für ausschließlich im Internet präsente Info-Portale (wie etwa Rue.89, Slate, Médiapart oder auch die Huff-Po). Wenn Letztere auf Terror-Seiten verlinken oder diese zitieren, können sie bestraft werden; und Journalisten dieser Portale, die für ihre Recherchen diese Seiten besuchen, können gegen Strafandrohungen nicht die Pressefreiheit geltend machen, so wie das ihren Kollegen in den Printmedien möglich ist. Bis zu sieben Jahren Gefängnis und 100 000 Euro Strafgeld sollen verhängt werden können.”

5. “7 Regeln, damit ein Liveblog gelingt”
(journalist.de, Hannah Beitzer)
Sieben Tipps von Hannah Beitzer zum Livebloggen – eine Aufgabe, die “dem Job eines Fernseh- oder Radiokommentators” ähnelt.

6. “Mama Leaks”
(dasnuf.de)

Jaron Lanier, Oliver Pocher, Rankings

1. “RTL spaltet Katalonien ungewollt von Spanien ab”
(dwdl.de, Alexander Krei)
RTL zeigt eine Karte von Spanien ohne Katalonien. Gegenüber dpa sagt ein RTL-Sprecher: “Eine studentische Aushilfe hatte für den Landesumriss Spaniens in der Grafik eine falsche Vorlage aus dem Archiv verwendet.”

2. “Was unser Leben bislang ausmacht”
(ueberschaubarerelevanz.com, Muriel)
Muriel befasst sich mit dem Artikel “Der Mensch als Schöpfung” (faz.net, Michael Hanfeld) zur Verleihung des Friedenspreis des deutschen Buchhandels an Jaron Lanier. Siehe dazu auch “Die Phase des Aufräumens” (perlentaucher.de, Thierry Chervel).

3. “Why I stopped reading/hearing/watching the news”
(medium.com/@thehandsomepig, Alejandra Quintero, englisch)
Alejandra Quintero stellt Fragen zum Nutzen von News: “I know, you might be thinking that news is necessary because it keeps us informed about the world, but first ask yourself these questions. Does it really improve your life in any way? Does it affect you personally? Your family, your businesses or your career? Is it a true representation of our world? Does it encourage thinking? Does it encourage acting? Think about it. In the last year, has any piece of news changed your life? In a way that if you hadn’t read it, your personal or professional life would have be different?”

4. “Miese Zahlenspiele”
(nzz.ch, Urs Hafner)
Urs Hafner schaut sich “schlicht absurde” Rankings von Städten, Hochschulen und Ökonomen an: “Ihr Aussagewert ist gleich null. Von den undurchsichtigen Zahlenspielen profitieren einzig ihre Produzenten und die beteiligten Medien, welche die Ergebnisse als ‘Primeurs’ veröffentlichen.”

5. “Oliver Pocher verdient sein Geld jetzt als DJ”
(welt.de, Kathrin Spoerr)
Oliver Pocher habe bisher “fast alles eigentlich” gemacht, “was im Unterhaltungsprogramm der deutschen Fernsehsender vorkommt”, schreibt Kathrin Spoerr: “Kleine Shows, große Shows, eigene Shows, fremde Shows, auch Ausflüge in die Schauspielerei. Er war Hauptdarsteller und Sidekick, 14 Jahre lang geht das jetzt und irgendwie hört es nicht auf, obwohl es seit Jahren immerzu so aussieht, als würde es bald aufhören.”

6. “Glenn Greenwald: Why privacy matters”
(youtube.com, Video, 20:41 Minuten)
Siehe dazu auch “These Are the Emails Snowden Sent to First Introduce His Epic NSA Leaks” (wired.com, Andy Greenberg, englisch).

Quassel-Imam, Ebola, Stephanie Nannen

1. “Wie Medien Wörter machen”
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Die Erfindung und Verbreitung von Wortschöpfungen wie “Döner-Morde” oder “Quassel-Imam”.

2. “Wie der Mindestlohn tatsächlich die Pressefreiheit gefährdet”
(surfguard.wordpress.com)
SurfGuard erzählt von einer Begegnung mit dem Auslieferer seiner Zeitung: “Menschen, die sich für niedrig qualifizierte Arbeit interessieren, machen einen Bogen um Zeitungsboten-Jobs, weil sie anderswo den Mindestlohn bekommen, dort aber nicht.”

3. “Verehrte Verleger”
(welt.de, Stephanie Nannen)
Stephanie Nannen, Enkelin von Henri Nannen, vermisst die Verleger: “Ein guter Verleger stellt sich in der Not vor seine Redaktionen und lässt ihnen ansonsten Freiheit. John Jahr war so einer. ‘Ihr könnt über alles schreiben’, hat er gesagt. ‘Es muss nur stimmen.’ Jahr war Verleger, nicht nur einfach jemand, der seine Arbeit liebte – er war, was er tat.”

4. “Geächtet aus Angst vor Ebola”
(berliner-zeitung.de, Johannes Dieterich)
Johannes Dieterich kehrt aus Liberia zurück, und wird gemieden: “In den folgenden Tagen und Wochen werde ich auf der Straße umgangen, vom Zahnarzt und Friseur nach Hause geschickt und zu Festen wieder ausgeladen. ‘Wegen der Kinder’ will eine Cousine meiner Frau das jüdische Neujahrsfest lieber alleine feiern. Da helfen auch sämtliche Erläuterungen über die tatsächlichen Infektionswege nicht weiter – die Angst wird als irrational und damit als vernunftresistent erklärt. Selbst meine Frau wird zur Einschränkung ihrer Sozialkontakte gezwungen, schließlich könnte auch sie inzwischen kontaminiert sein.”

5. “‘Liebe ist kein Algorithmus'”
(jungewelt.de, Thomas Wagner)
Der Konzerngeschäftsführer “Public Affairs” bei der Axel Springer AG, Christoph Keese, befasst sich in einem Interview mit dem ehemaligen Zentralorgan der FDJ, der “jungen Welt”, mit dem “verlockenden und nachvollziehbaren” Gedanken der demokratischen Planwirtschaft: “Es könnte tatsächlich sein, dass die sozialistische Planwirtschaft an der damals noch nicht vorhandenen Technologie gescheitert ist und dass eine neue Planwirtschaft unter digitalen Vorzeichen möglich wäre. Die Cloud und das Internet sind die besten Instrumente dafür, denn sie würden die zentrale Planungsbehörde, die das Problem vieler sozialistischer Staaten war, überflüssig machen.”

6. “10 Top Tips For PRs Considering Whether To Phone The Register”
(theregister.co.uk, Gareth Corfield, englisch)

Vier Gramm Heroin und ein paar Kilo Bullshit

In den USA hat eine Vierjährige in der Kita Heroin verteilt, weil sie dachte, in den Tütchen seien Süßigkeiten.

Klingt schon irgendwie faul, aber laut Angaben der Delaware State Police soll sich die Geschichte tatsächlich so abgespielt haben. Zusammengefasst: Mutter gibt Kind falschen Rucksack mit, Kind verteilt Heroin, nix passiert, alle wohlauf, Mutter festgenommen.

Wo man diese Geschichte auch liest, sie klingt immer gleich. Nur an einer Stelle gehen die Angaben der deutschen Medien seltsam auseinander: Wenn es darum geht, wie viel Heroin in dem Rucksack war.

Die “Huffington Post” und die “Yahoo Nachrichten” meinen, es seien …

insgesamt 4 Gramm

gewesen.

Die AFP hingegen schreibt:

Insgesamt wurden 249 Päckchen mit jeweils 3,735 Gramm Heroin im Rucksack des Mädchens gefunden.

Das berichten unter anderem auch T-Online.de, Faz.net, und “RP Online”. 249 mal 3,735, macht knapp über 900 Gramm.

Wer bietet mehr?

Bild.de.

Fast vier Kilogramm des schweren Rauschgifts hatte das Mädchen verteilt.

“Fast vier Kilogramm”. So viel ist es auch bei n-tv.de und in der Online-Ausgabe des “Berliner Kurier”.

Vier Kilo. Also das Tausendfache von dem, was andere Medien berichten. Und die 900 Gramm sind auch noch im Rennen.

Zumindest für den Ursprung der verschiedenen Versionen haben wir eine mögliche Erklärung gefunden. In der Pressemitteilung der Ermittler und in einigen US-Medien steht nämlich:

A total of 249 bags of heroin weighing 3.735 grams was located in the backpack.

Das ist natürlich ein bisschen knifflig. Aber es hilft schon mal sehr, wenn man weiß, dass im Englischen der Punkt in der Regel als Dezimaltrennzeichen eingesetzt wird und nicht, wie hierzulande, als Tausendertrennzeichen. Anders gesagt: “3.000 grams”, liebe Medien, heißt eben nicht dreitausend Gramm.

3,7 Kilo waren es also mit Sicherheit nicht. Und was die 249 Tütchen angeht: Gemeint ist nicht, dass jedes davon 3,7 Gramm wiegt, sondern das Gesamtgewicht. Das wird auch deutlich, wenn man sich andere Artikel in US-Medien dazu anschaut:

the backpack contained 3.375 grams of heroin

police say a total of 3.735 grams of heroin were found

Oder hier, sogar ohne die doofe Schreibweise:

the backpack contained nearly 250 packets of heroin, totalling nearly four grams

Fast vier Gramm. Nicht weniger, nicht mehr, und erst recht keine vier Kilo. Das hat uns auch die zuständige Lokalreporterin von “Delaware Online” nochmal bestätigt.

Im Gegensatz zu den deutschen Journalisten haben viele Leser den Fehler bemerkt und in den Kommentaren darauf hingeweisen, doch die meisten Redaktionen haben nicht darauf reagiert.

Ein Positiv-Beispiel gibt es aber doch: Die Online-Ausgabe der “Welt” hat ihren Artikel nach einem Leser-Hinweis geändert. In der ersten Version hieß es, die Beamten hätten …

mehr als 3,7 Kilogramm Heroin in dem Rucksack gefunden.

Inzwischen steht dort aber:

In den Tütchen befanden sich nach Polizeiangaben jeweils 3,7 Gramm Heroin, insgesamt befanden sich also knapp über 900 Gramm Rauschgift in dem Rucksack.

Naja. Aber versucht haben sie’s.

Mit Dank an Johannes S.

Nachtrag, 13. Oktober: Wir haben zur Sicherheit auch noch bei der Delaware State Police nachgefragt. Sergeant Paul G. Shavack, Leiter der Presseabteilung, bestätigte uns, dass die 249 Tütchen insgesamt 3,7 Gramm enthielten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten, Fehlerkultur, Trefferzahlen

1. “8 Gründe, warum ich ‘Deutsche Wirtschafts Nachrichten’ nicht lese”
(youtube.com, Video, 9:17 Minuten)
Rayk Anders analysiert die Deutschen Wirtschafts Nachrichten‎.

2. “Vom Gate-Keeper zum Sense-Maker”
(journalism-reloaded.ch, Alexandra Stark)
Journalisten, Daten, Experten und das Publikum: “Die technologische Entwicklung, einfachere Tools und eine bessere Zugänglichkeit zu Daten haben dazu geführt, dass die Journalisten theoretisch selber mit Daten arbeiten und so die Abhängigkeit von Experten und Institutionen, die eine eigene Agenda haben, verringern können. Und dennoch tun das nur ganz wenige Kolleginnen und Kollegen. Warum?”

3. “Ein Text aus purem Gold”
(tomhillenbrand.de)
Tom Hillenbrand denkt nach über Rechte, die beim Verkauf eines Texts abgetreten werden sollen.

4. “Macht mehr Fehler!”
(spiegel.de, Pauline Schinkels)
Pauline Schinkels schreibt über den Umgang mit Fehlern: “Meistens passieren uns Fehler schneller und häufiger als uns lieb ist. Auf dem Weg zur Arbeit, im Büro, auf dem Weg nach Hause. Es folgt betretenes Schweigen, Blick nach unten, Rapport beim Chef. Aber was wäre, wenn wir einfach einmal aufstehen und laut rufen würden: ‘Faszinierend, ich habe einen Fehler gemacht!'”

5. “google-trefferzahlen zur häufigkeitsbestimmung?”
(lexikographieblog.wordpress.com)
Michael Mann wertet über über 18 Monate hinweg Google-Trefferzahlen für bestimmte Suchbegriffe aus und findet heraus: “Man sollte Google-Trefferzahlen wirklich nicht verwenden, um Aussagen über die Verwendungshäufigkeit sprachlicher Ausdrücke zu geben — und wenn schon, dann sollte man im Abstand mehrerer Tage mehrere Trefferzahlen einholen und prüfen, ob die Häufigkeitsaussage nicht auf Ausreißern basiert.”

6. “Nach Kontakt mit Heute-Zeitung: Wienerin (72) steckt sich mit Ebola-Panik an”
(dietagespresse.com)

Kurz korrigiert (503)

In einem Artikel über den Milliardär Carl Icahn schreibt n-tv.de:

Was für einen gewaltigen Einfluss Icahn hat, demonstrierte er eindrucksvoll Mitte der Woche. Er kündigte auf Twitter lediglich an, dass er einen interessanten Brief an Cook schreiben werde. Sofort stieg die Aktie um mehr als zwei Prozent. Icahn ist an Apple mit 0,9 Prozent beteiligt. Sein Aktienpaket von etwa 53 Millionen Dollar war somit rund 100 Millionen Dollar wertvoller als zuvor.

Logisch! Denn wenn 0,9 Prozent 53 Millionen Dollar wert sind und das Ding um zwei Prozent steigt, macht das insgesamt also … drei im Sinn … 153 Millionen!

Nein?

Nein.

Aber bevor Sie jetzt groß rumrechnen: Mit den Zahlen hat der Fehler (vermutlich) gar nichts zu tun.

Das Aktienpaket von Icahn umfasst nämlich nicht 53 Millionen Dollar, sondern 53 Millionen Aktien — mit einem Gesamtwert von etwa 5,3 Milliarden Dollar. Und zwei Prozent von 5,3 Milliarden sind tatsächlich rund 100 Millionen. Kurzum: Wenn man im zitierten Absatz das erste “Dollar” durch “Aktien” ersetzt, dann stimmt’s. Anscheinend hat sich n-tv.de also nicht verrechnet, sondern verschrieben. Macht die Sache zwar nicht richtiger, aber zumindest weniger peinlich.

Mit Dank an Yannick.

Nachtrag, 11. Oktober: n-tv.de hat den Fehler transparent korrigiert.

Frontal21, Mario Götze, Peter Wälty

1. “Ukraine-Konflikt: Kritik an Medienhäusern”
(ndr.de, Video, 6:21 Minuten)
Die Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt: Rund 300 Menschen demonstrieren vor dem Redaktionsgebäude des “Spiegel” in Hamburg, die ARD-Tagesschau und die ARD-Tagesthemen erhalten täglich stapelweise kritische Post (ab 4:28 Minuten).

2. “Als-ob-Information”
(demystifikation.wordpress.com)
Stefan Wagner misst eine von der ZDF-Sendung “Frontal21” in einem Beitrag (youtube.com, Video, ab 5:15 Minuten) verwendete Grafik nach.

3. “Kein Liebling der Massen”
(wdr.de, Video, 8:35 Minuten)
Die WDR-Sendung “Sport Inside” beleuchtet die Abschottung von Fußballer Mario Götze durch PR und Werbung.

4. “Deshalb nervt PR”
(blog.tagesanzeiger.ch/offtherecord, Christian Lüscher)
Christian Lüscher listet zehn Methoden auf, wie Öffentlichkeitsarbeiter versuchen, Journalisten für ihre Sache zu gewinnen.

5. “‘Diese professionelle Demutsheuchelei ist mir auf Dauer zu anstrengend'”
(persoenlich.com, Matthias Ackeret)
Ein Interview mit Peter Wälty, Leiter Digitalentwicklung und stellvertretender Chefredaktor von “20 Minuten”: “Wir kriegen 5’000 Leserbilder im Monat, davon zeigen wir vielleicht 50. Dasselbe bei den Leserkommentaren. Wir kriegen täglich um die 5’000, aber nur deshalb, weil wir die Kommentarfunktion nach 24 Stunden schliessen. Würden wir das nicht tun, hätten wir doppelt so viele.”

6. “Helmut Markwort: ‘Ja, ich bin Moritz Rodach'”
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Helmut Markwort gibt zu, unter dem Pseudonym Moritz Rodach für “Focus Online” über den FC Bayern München geschrieben zu haben: “Ich bin ja nicht nur Fan, sondern auch Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern. Jeder weiß das. Natürlich auch die Kollegen von Online, als sie mich baten, ihnen ein paar Fakten von einer Reise mit den Bayern durchzugeben. Es war eine Gelegenheitsarbeit – und in meinem grundsätzlichen Bemühen, ein objektiver Journalist zu sein, meine subjektive Schwachstelle.”

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