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TTIP-Berichte, Lachen über Gewalt, Kritiker-Dinner beim “Spiegel”

1. War da was?
(cicero.de, Petra Sorge)
Zwischen 150.000 und 250.000 Menschen demonstrierten am Wochenende gegen TTIP, es könnte die meistbesuchte Protestkundgebung seit den Demonstrationen gegen den Irakkrieg gewesen sein. Für die Medien war das allerdings kaum ein Thema, selbst der “Tagesspiegel” als Berliner Regionalzeitung begnügte sich mit einem “mit dpa-Material” angereicherten Stimmungsbild im Wirtschaftsteil. Erst die gegen Sigmar Gabriel gerichtete Guillotine griffen Kommentatoren auf und stellten “den Protest gegen den Freihandel deswegen pauschal in die rechte Ecke”, kritisiert Petra Sorge. Dabei hätten sich die Veranstalter der Demonstration “eindeutig und sogar auf der Bühne von US-Feinden, der AfD und von rechten Gruppierungen” distanziert. Es sei falsch, wenn Journalisten den Protest gegen TTIP “nun braun anfärben statt neutral abzubilden, wenn sie sich der ernsthaften Debatte über das Handelsabkommens verweigern”.

2. Vorratsdatenspeicherung gefährdet Journalismus
(ndr.de, Carolin Ebner, Video, 3:43 Minuten)
Gestern ist der Entwurf erfolgreich durch den Rechtsausschuss gekommen, morgen ist er Thema im Parlament — das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wird aller Voraussicht nach kommen. “Zapp” erklärt, wie das “Anti-Whistleblower-Gesetz” Journalisten, Hinweisgeber, Blogger und Aktivisten in puncto Datenhehlerei in Schwierigkeiten bringen könnte.

3. “Lachen” über Gewalt gegen Schwulen: Presserat kritisiert bild.de
(queer.de, dk)
Der Presserat hat einen “Hinweis” gegen Bild.de ausgesprochen, weil unter einem Artikel über den Angriff auf einen schwulen Politiker das Moodtagging eingeschaltet war. Es schade dem Ansehen der Presse, so der Presserat, “wenn ein Medium bei einem Beitrag, der sich mit einer Gewalttat gegen einen Menschen beschäftigt, den Usern die Möglichkeit eröffnet, den Artikel mit einer Emotion wie ‘Lachen’ zu bewerten”.

4. Kritiker zu Gast beim Spiegel
(heise.de, Katrin McClean)
Ein “Spiegel”-Redakteur hat neulich mehrere Leser, die ihm kritische Mails geschrieben hatten, zum Dinner eingeladen. Unter den Auserwählten war auch Katrin McClean, die das Treffen im “Spiegel”-Haus für eine ganz bestimmte Mission nutzen wollte: Herauszufinden, warum das Magazin so sanft über die USA, aber so kritisch über Russland berichte. In ihrem Artikel lässt sie den Abend voller Tumulte, George W. Bush und Wein Revue passieren.

5. „Jugendportale“
(kraftfuttermischwerk.de, Ronny)
Die Debatte um Jugendportale wie “Bento”, “Ze.tt” und all die anderen zieht sich nun schon eine ganze Weile. Völlig unsinnig, meint Ronny vom “Kraftfuttermischwerk”, denn: “Die Jugendlichen, über die ihr immer schreibt, geben einen Scheiß auf all diese Jugendangebote! Sie haben mittlerweile ihr eigenes Netz gebaut, was großartig ist. Von dem wir halb und darüberhinausalten allerdings keine Ahnung mehr haben.”

6. Nach Bento und Ze.tt – Fünf Portale die wir unbedingt brauchen
(kotzendes-einhorn.de, Daniel)

Twitter-Kodex, “taff”, Gysi-Tricks

1. Auskunftsanspruch gegenüber Bundesbehörden: Netzwerk Recherche fordert schnelle gesetzliche Regelung
(netzwerkrecherche.org)
Anfragen von Journalisten haben Bundesbehörden immer mal wieder mit dem Argument unbeantwortet gelassen, dass die Landespressegesetze für sie nicht gelten. Gestern hat das Bundesverfassungsgericht bekanntgegeben, eine daran anknüpfende Beschwerde eines “Bild”-Reporters nicht anzunehmen; gleichzeitig sagt das Gericht aber, dass die Informationsrechte gegenüber Behörden des Bundes kein geringeres Niveau erreichen dürfen als auf Landesebene. Für Manfred Redels vom “Netzwerk Recherche” ist nun “der Gesetzgeber gefordert, schnell ‎eine Regelung auf den Weg zu bringen, die die Rechercherechte stärkt und auch bei Anfragen an Bundesbehörden für Klarheit sorgt”.

2. Twitter gibt sich einen Pressekodex
(konradlischka.info)
Mit seinem kürzlich gestarteten Angebot “Moments” hat sich Twitter endgültig von der reinen Plattform zum “Platisher” entwickelt und wildert jetzt im Geschäft der Publisher. Für den neuen Dienst wählen Redakteure Tweets aus und erstellen daraus kleine Geschichten. Dafür hat sich Twitter selbst Richtlinien auferlegt, die Konrad Lischka bekannt vorkommen: “Passagen dieses Dokuments lesen sich, als hätte Twitter den Pressekodex kopiert.” Für ihn ist das Vorgehen “ein Meilenstein”, da Suchmaschinen und soziale Netzwerke “als Publikumsverteiler ähnlich wie Medien” funktionierten. Allerdings seien die Richtlinien an einigen Stellen problematisch und könnten schon bald zu Problemen führen, etwa beim Schutz der Persönlichkeit und dem Umgang mit Richtigstellungen.

3. Juristisch falsche Berichterstattung des NDR zum Thema Identitätsdiebstahl
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Den NDR-Bericht “Wie Kriminelle Identitäten missbrauchen” findet Thomas Stadler alarmistisch und “juristisch falsch”. Schließlich hafte man grundsätzlich nur für sein eigenes Verhalten — und nicht dafür, dass sich jemand der Identität bemächtigt hat und im Namen eines anderen Geschäfte tätigt.

4. Mir geht eure Sensationsgeilheit auf den Sack! #taff
(lilies-diary.com, Christine)
Snapchat-Fan Christine hat ein Kamerateam von “taff” ins Haus gelassen und ärgert sich im Nachhinein. “Das habe ich jetzt davon. Es lief eine völlig bescheuerte, teilweise frei erfundene Geschichte auf taff.” Der ganze Beitrag sei “auf einer Lüge aufgebaut”, schreibt sie: “Weder ich bin süchtig, noch habe ich Zeit 6 Stunden vor Snapchat zu hängen, noch ist meine Beziehung gefährdet.” Allerdings, so Alexander Krei bei DWDL, sei die 30-Jährige nicht ganz unschuldig am entstandenen Eindruck, schließlich habe sie “in der Vergangenheit gleich mehrfach mit einer Snapchat-Sucht kokettiert.”

5. The growing problem of Internet “link rot” and best practices for media and online publishers
(journalistsresource.org, Leighton Walter Kille, englisch)
Ein Problem, über das sich Print-Journalisten garantiert nie Gedanken machen müssen: Wie verlinke ich meine Quellen richtig? Online-Journalisten können dabei aber eine Menge falsch machen. Klar ist: Gar keine Links sind unsauber, aber auch mit dem Gegenteil tut man seinen Lesern keinen Gefallen — zu viele, wahllose Verweise schaden dem Lesefluss und stiften unnötig Verwirrung. Leighton Walter Kille gibt zehn wirklich wertvolle Tipps zum richtigen Umgang mit Hyperlinks — nicht nur für Journalisten, sondern für alle Menschen, die ins Internet schreiben.

6. So hat uns Gregor Gysi ausgetrickst
(heute.de, Andreas Kynast)
Gestern hatte Gregor Gysi seinen letzten Tag als Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag. “Der politische Langzeit-Erfolg” des Politikers beruhe zu einem Großteil auf seiner Wirkung im TV, schreibt ZDF-Korrespondent Andreas Kynast. Er stellt “sieben typische Gysi-Tricks” vor, “um im Fernsehen gut auszusehen”.

Fehlalarm, Alternativmedien, Expertentum

1. Gefährliches Geschäft
(sueddeutsche.de, David Denk)
“Die Lage für Journalisten ist generell prekärer, gefährlicher geworden.” Das sagt Astrid Frohloff, die nach zwölf Jahren im Vorstand der deutschen Sektion von “Reporter ohne Grenzen” ihr Amt aufgibt. Während Journalisten in Ländern wie Syrien und dem Irak um ihr Leben fürchten müssten und auf Demonstrationen in Kiew oder Hongkong massiv in ihrer Arbeit behindert würden, zeuge der Fall von Netzpolitik.org auch hierzulande von einer “irritierenden Geringschätzung journalistischer Arbeit und des Stellenwerts der Presse durch die Politik”.

2. Terroristen unter Flüchtlingen? Wie man mit Fehlalarmen Alarm schlägt
(stefan-niggemeier.de, Stefan Niggemeier)
Viele Medien berichteten vergangene Woche besorgt über eine Aussage von Bundesinnenminister de Maizière. Der hatte in einem Interview gesagt, es gebe Hinweise, “dass sich Terroristen unter die Flüchtlinge mischen.” Was in den meisten Überschriften und Teasern allerdings nicht stand: Zwei Sätze später sagte de Maizère, dass sich “keiner dieser Hinweise” “irgendwie bewahrheitet” habe.

3. Richtig oder falsch gerechnet mit Flüchtlingen?
(scilogs.de, Markus Pössel)
“Nützt Deutschland die Migration? Manche Studien behaupten das. Aber manche Forscher wollen lieber gut als wahrhaftig sein”, kommentiert Winand von Petersdorff-Campen in der “FAS”. Markus Pössel wundert sich über dessen Kritik an den Studien von IWF, Weltbank und NGOs: “Um den Text zu verfassen, so, wie er da steht, hätte der Autor die Studien noch nicht einmal in die Hand nehmen, geschweige denn durcharbeiten müssen.”

4. Die Stimmen des digitalen Untergrunds
(nzz.ch, Markus Linden)
Im August veröffentlichte der Publizist Wolfgang Storz eine Kurzstudie über alternative Medien. Die “Querfront”-Studie ist derzeit wegen juristischer Auseinandersetzungen nicht abrufbar, unter anderem weil sich Albrecht Müller von den linken “Nachdenkseiten” zu Unrecht in einen Topf mit Jürgen Elsässer oder Ken Jebsen geworfen sah. Der Politikwissenschaftler Markus Linden analysiert die Szene in Deutschland und der Schweiz und erkennt “bei den fundamental systemkritischen Alternativmedien Überschneidungen”, die “die Links-Rechts-Unterteilung transzendieren.”

5. Mehr Grexpertise, bitte!
(ejo-online.eu, Hanno Beck)
Arturo da Silva gab sich als Berater der Uno und der Weltbank, als Professor am Milton College und als ehemaliger Berater des portugiesischen Präsidenten aus — und wurde zum gefeierten Experten und Medienstar in Portugal. Hanno Beck nimmt das zum Anlass, um die “mediale Expertenkultur zu studieren”, am Beispiel deutscher Talkshows. Sein Fazit: “Die Komplexitätsreduktionskompetenz ist das einigende Band, das alle Talkshow-Protagonisten eint: Kurze Sätze, knackige, polarisierende Statements — am besten unter 30 Sekunden.”

6. Körperliche Schmerzen: Übergeben will gelernt sein
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff hat manchmal Schmerzen, wenn er vor dem Fernseher sitzt. Immer dann, wenn ein ARD-Magazin wie “Panorama” zu den “Tagesthemen” überleitet (Stichwort: “Audience Flow”), ertrage er es nicht, wie die gute Absicht baden gehe: “Das ist so komplett sinnentleert, dass es mich stets aufs Neue graust.”

“Falsche Syrer”, Interviews, #aufschrei

1. “Falsche Syrer”: Wie der Innenminister Gerüchte schürt
(daserste.ndr.de, Robert Bongen & Stefan Buchen)
Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat behauptet, dass sich 30 Prozent der Asylsuchenden als Syrer ausgeben, aber eigentlich keine seien. “Panorama” kritisiert, dass für diese Zahl jeder Beleg fehlt. Auf Nachfrage bestätigt das Innenministerium, dass es dazu gar keine Statistiken gibt. Auch Bundeskanzlerin Merkel hat bei Anne Will eine Studie zu Flüchtlingen zitiert, die laut den Krautreportern “problematisch” ist.

2. Verfassungsgericht stärkt Rechte von Demonstrationsbeobachtern
(netzpolitik.org, Nikolai Schnarrenberger)
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, “dass die Dokumentation von polizeilichen Filmteams legal ist.” Wer die Arbeit der Polizei filmt oder fotografiert, dürfe dafür “nicht per se auch einer Identitätsfeststellung unterzogen werden”, schreibt Nikolai Schnarrenberger. Geklagt hatte ein Mitglied der Göttinger Gruppe „BürgerInnen beobachten Polizei und Justiz“.

3. Mit Müll zugeschüttet
(taz.de, Anne Wizorek)
Anfang 2013 verschickte Anne Wizorek den ersten Tweet mit dem Hashtag #aufschrei. Sie wollte ein Zeichen gegen Alltagssexismus setzen. Mittlerweile benutzen selbst Ulf Poschardt und Birgit Kelle den Hashtag. Wizorek fordert deshalb: „#schauhin wenn Rechtskonservative einen Hashtag wie #aufschrei kapern wollen, um ihren rassistischen Müll zu legitimieren.“

4. Das Gegenteil von Ambition: ze.tt und bento
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Byou, Bento, Ze.tt – die Jugendangebote der Verlage sprießen aus dem Boden, und nahezu täglich erscheinen neue Texte, die erklären, warum dies und jenes Portal toll/medioker/peinlich/katastrophal ist, bevorzugt aus Sicht „der Zielgruppe“ (s. Link Nr. 2). Die Kritik von Lorenz Matzat fällt weniger polemisch, dafür aber substantieller aus. Er fragt sich, warum derart schlagkräftige Verlagshäuser wie „Spiegel“ und „Zeit“ nicht mehr gewagt haben und sich auf „den abgegriffenen Mix aus Gifs, Youtube-Videos und Instagram-Bildern“ beschränken, anstatt in Datenjournalismus, mobile Reporting oder mehr Mulitmedia-Kompetenz zu investieren.

5. „Plastikwörter sind schlimme Quellen der Unbill“
(abzv.de, Mario Müller-Dofel)
Steffen Range, Wirtschaftsressortleiter und Digital-Chef bei der „Schwäbischen Zeitung“, hat in seinem Berufsleben nach eigenen Angaben bislang „weit über 1000“ Interview geführt und redigiert. Er sollte also ein Experte für Interviews sein, und dementsprechend folgerichtig erscheint es, mit ihm ein Interview über Interviews zu führen. Range gibt Tipps, wie man sich darauf vorbereitet, wie man langweilige Gespräche durch Redigieren retten kann – und lobt eine umstrittene deutsche Eigenart: „Ich verstehe die Aufregung um das Thema nicht. Die Autorisierungspraxis ist ganz vernünftig.“

6. Poschardts Kinder
(titanic-magazin.de, Oliver Maria Schmitt)
Oliver Maria Schmitt begleitet in Gedanken Ulf Poschardt durch die “Straßen von Großberlin”. Poschardt, “promovierter Polofahrer” und stellvertretender Chef der “Welt”-Gruppe, denkt über seine neusten Journalisteneinkäufe nach, die Mitglieder der “Poschardtjugend”, die “flink wie Schoßhunde, zäh wie Nappaleder und hart wie die Kronkorken von Club-Mate” sind; und über die absolute Story, für die sie ihn “endlasermäßig hart feiern” werden in Berlin.

Medien sprechen Reisewarnung für Ostdeutschland aus

Große Aufregung in der vergangenen Woche:

Die Regierung in Kanada hat eine Reisewarnung für Ostdeutschland herausgegeben. Darin ist die Rede von extremistischen Jugendbanden, die in Teilen Ostdeutschlands eine Bedrohung darstellten. Mitglieder solcher Gangs seien bekannt dafür, Personen wegen ihrer Rasse oder ihres ausländischen Aussehens zu belästigen oder direkt zu attackieren. Auch habe es schon Brandanschläge auf parkende Fahrzeuge gegeben.

Die „Warnung aus Kanada konkret für Ostdeutschland“ komme „nicht von ungefähr“, schreibt das „Handelsblatt“: “Die ausländerfeindliche Pegida-Bewegung verzeichnet in Dresden in Sachsen weiter Zulauf.”

Darauf habe die kanadische Regierung also reagiert. Und das schmeckt den hiesigen Politikern so gar nicht.

Die Sachsen-CDU reagiert empört auf die Reisewarnung. „Das entspricht nicht der Realität und ist extrem rufschädigend“, sagte der Generalsekretär der sächsischen CDU und Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer, dem Handelsblatt. „Deutschland muss dieser Beurteilung entschieden entgegen treten.“

Bevor Deutschland damit loslegt, würden wir ihm raten, sich ein bisschen besser zu informieren als das “Handelsblatt” oder der Herr Generalsekretär. Die Geschichte stimmt nämlich gar nicht.

Kanada hat keine Reisewarnung für Deutschland herausgegeben. Es gelten nach wie vor die „normalen Sicherheitsvorkehrungen“, also die niedrigste Sicherheitsstufe.

Auf der Internetseite der kanadischen Regierung gibt es lediglich einige Sicherheitshinweise für Deutschland. Da wird zum Beispiel vor Taschendieben „an Bahnhöfen, auf Flughäfen und Weihnachtsmärkten“ gewarnt. Oder davor, dass Demonstrationen ohne Vorwarnung in Gewalt umschlagen könnten. Oder eben vor extremistischen Jugendgruppen, die besonders „in einigen kleineren Städten und in Teilen des früheren Ostdeutschlands“ eine Bedrohung seien.

Das „Handelsblatt“ verdreht diesen Vermerk zu einer „Reisewarnung für Ostdeutschland“. Und erweckt den Eindruck, als reagiere die kanadische Regierung damit auf „Pegida“ & Co. – aber auch das ist falsch. Die Hinweise stehen nicht erst seit Neuestem auf der kanadischen Seite (wie auch ein Blick in die Wayback-Machine verraten hätte), sondern seit zehn Jahren.

Was sich vor dem Hintergrund der Angriffe auf Flüchtlingsheime vor allem im Osten der Republik wie eine aktuelle Zustandsbeschreibung liest, stammt allerdings schon aus dem Jahr 2005.

schreibt „Zeit Online“, eines der wenigen Medien, die nicht einfach blind vom “Handelsblatt” abgeschrieben haben.

Nur ein Hinweis zu gestiegenen Flüchtlingszahlen in Europa sei am 28. September neu hinzugekommen, sagt die Sprecherin der kanadischen Botschaft in Berlin, Jennifer Broadbridge ZEIT ONLINE. Dadurch könne es zu Verspätungen an Grenzübergängen und Bahnhöfen kommen, steht in dem Absatz.

Anders gesagt: Das einzig Neue an den der Geschichte ist, dass die kanadische Regierung vor Verzögerungen im Zugverkehr warnt. Alles andere ist entweder falsch oder mindestens zehn Jahre alt.

Das muss jetzt nur noch jemand dem “Handelsblatt” erklären. Und der “Thüringer Allgemeinen”:

Und “Spiegel Online”:

Und stern.de:

Und der “tz”:

Und der “Huffington Post”:

Und den vielen, vielen anderen.

Immerhin: Es gibt noch eine Handvoll Journalisten, die erkannt haben, dass das alles Unsinn ist. Bernhard Honnigfort etwa schreibt auf der Onlineseite der „Frankfurter Rundschau“:

Tatsache ist, Kanada hat nicht vor Reisen nach Ostdeutschland gewarnt, sondern bittet seine Landsleute nur darum, aufzupassen und wachsam zu sein.

Und:

Natürlich ist das lange bekannt und der kanadische Warnhinweis ist nicht neu, sondern nur aktualisiert.

Natürlich. Und dass er das Märchen zuvor selbst ganz empört verbreitet hatte, sowohl in der “FR”

… als auch in der „Berliner Zeitung“

… im „Express“

… im „Berliner Kurier“

… und in der „Mopo“

… das erwähnt Honnigfort – natürlich – nicht.

Bei “Focus Online”, wo ebenfalls eindringlich über den Fall berichtet wird …

… haben sie sich nicht bloß auf die falschen Fakten der Kollegen verlassen, sondern selbst welche erfunden. Das Portal schreibt:

Auch vor in Brand gesteckten geparkten Autos wird gewarnt – das betreffe vor allem Berlin.

Berlin wird in den Hinweisen an keiner Stelle erwähnt.

So zieht die Geschichte munter ihre Kreise und wird mit jedem Mal ein bisschen weniger wahr.

Man will sich gar nicht vorstellen, was die kanadische Botschaft inzwischen denkt. Auf Anfrage gibt sie sich aber, klar: diplomatisch. Dem Evangelischen Pressedienst sagte die Sprecherin, man könne die ganze Aufregung zwar nicht nachvollziehen, jedoch würde die Ostdeutschland-Passage „angesichts der aktuellen Debatte” nun “geprüft und möglicherweise in den kommenden Tagen geändert“.

In den Sicherheitshinweisen schreibt die Regierung übrigens, dass man, wenn man in Deutschland unterwegs sei, „die lokalen Medien verfolgen“ solle. Auch ein Ratschlag, über den man mal nachdenken könnte.

Mit Dank an Holger S.

“Fan Run”, Kundendienst, Weihnachtsmärchen

1. Fans machen Stimmung gegen “Fan Run”
(sueddeutsche.de, Sebastian Krass)
Nach dem “Wir helfen”-Badge auf den Trikots der Bundesligisten steht in drei Tagen die nächste “Bild”-Aktion in Kooperation mit einem Fußballverein an: der “FC Bayern Fan Run”. Das Bayern-Blog “Miasanrot” hatte bereits im September über die Merkwürdigkeiten bei der Hilfsaktion berichtet, jetzt hat die “SZ” noch einmal bei der veranstaltenden Firma nachgehakt. Und festgestellt: Inzwischen haben sich in den Teilnahmebedingungen einige kritisierte Stellen geändert.

2. Die Sache mit der Berufsjugend
(blogs.taz.de, Daniél Kretschmar)
Menschen über 25 tun sich bisweilen schwer damit, diese Jugend zu verstehen. Wenn man wissen will, was sie denkt, fragt man gerne einen einzelnen Jugendlichen nach seiner Meinung – zu einer neuen Messaging-App (“Das wird das nächste große Ding!”), Facebook (“Facebook ist plötzlich uncool!”) oder einem neu gestarteten Medien-Angebot. Wenn das Testimonial, das sich zufällig im selben Alter befindet wie ein paar Millionen andere Lebewesen aus “der Zielgruppe”, dann mit deftigen Worten zum Verriss ansetzt, wird die Einzelmeinung zur Generalkritik erklärt und Verlagsmanager reiben sich die Hände, da die Konkurrenz offensichtlich immer noch nicht die Zauberformel für die allseits umgarnte Generation Y/Z/Hashtag gefunden hat. Da schreiben bei “Ze.tt” dann “peinlich bemühte Berufsjugendliche”, und aus “Bento” wird das “Portal für junge Babos”. Daniél Kretschmar wundert sich darüber.

3. Das Krone-Weihnachtsmärchen mit der gekündigten Pädagogin
(kobuk.at, Helge Fahrnberger)
Eine Boulevardzeitung behauptet irgendeinen Blödsinn, und ein Politiker argumentiert in einer TV-Talkrunde mit genau dieser falschen Story — das gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich. In der “Elefantenrunde” kurz vor der Wahl in Wien haben Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Manfred Juraczka (ÖVP) einen Bericht der “Kronen Zeitung” für ihre Zwecke eingesetzt: Eine Wiener Kindergärtnerin soll gefeuert worden sein, weil sie den Kindern Weihnachten nähergebracht hatte. “Kobuk”-Autor Helge Fahrnberger klärt auf, dass das Boulevardblatt ein völlig verzerrtes Bild der Geschichte gezeichnet hat.

4. Bauer-Verlag erleidet Niederlage: Gericht weist Klage gegen Pressegroßhandel ab
(blogs.faz.net, Jan Hauser)
Bislang verhandeln Verleger zentral mit dem Grosso-Verband, zu welchen Konditionen sie ihre Produkte an die Großhändler weitergeben. Der Bauer-Verlag wollte Einzelverhandlung durchsetzen, klagte und bekam in allen Vorinstanzen Recht. Doch der BGH sagt nun: “Das zentrale Verhandlungsmandat ist geeignet, einen flächendeckenden und diskriminierungsfreien Pressevertrieb zu gewährleisten”.

5. „Wenn Kunden mit einem Anwalt drohen, wird das oft ziemlich witzig“
(basicthinking.de, Tobias Gillen)
Der “Kundendienst” wildert im Kommentarbereich großer Firmen auf Facebook und stiftet dort immer wieder Verwirrung bei den Kunden und sorgt ab und an auch für Verzweiflung unter den Social-Media-Mitarbeitern. Dahinter steckt ein 24 Jahre alter Student. Tobias Gillen hat ihn interviewt.

6. 10 ultimative Tipps für bessere Listen
(wuv.de, Peter Breuer)

Bedrohte Journalisten, Merkel mit Kopftuch, Reporterleben in den 80ern

1. Was hinter der Zahl von 1,5 Millionen steckt
(sueddeutsche.de, Robert Roßmann)
Am Montag sorgte “Bild” für Aufregung bei Politikern und anderen Medien. Genauer gesagt eine Zahl, die in der “Bild”-Zeitung zu lesen war: 1.500.000 — so viele Flüchtlinge sollen “Geheimpapieren deutscher Behörden” zufolge in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Zumindest im Innenministerium scheint besagtes Papier nicht bekannt, dort kann man die genannten Zahlen “nicht bestätigen”. Robert Roßmann erklärt, warum zuverlässige Prognosen derzeit so schwierig sind.

2. Bericht aus Berlin: Was soll das?
(falk-steiner.de)
Falk Steiner beschreibt die “Bericht aus Berlin”-Sendung, in der Angela Merkel im Tschador und der Reichstag mit Minaretten gezeigt wurde. Die Erklärung der “BaB”-Redaktion auf Facebook will Steiner nicht gelten lassen: “‘Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Gleichstellung’ sollten diese beiden Grafiken symbolisieren, schreiben die BaB’ler. Nur wo sich das darin gefunden haben soll, ist das Geheimnis der Macher geblieben — schleierhaft, könnte man sagen.” Die “taz” schreibt, dass die ARD “von den Besten” kopiere, den “Pegida”-Mitmarschierern, die Merkel ähnlich abbildeten. Und der “Tagesspiegel” beobachtet, dass sich Moderator Rainald Becker nicht zur Kritik äußert, seine Redaktion allerdings schon.

3. Pressefreiheit ja – solange es die eigene Meinung deckt
(mdr.de, Uta Deckow)
Uta Deckow schreibt darüber, wie Journalisten von “Pegida”-Anhängern bedroht werden. “Jeder Kollege der berichtet, kann solche Geschichten erzählen — bis hin zu denen, die Zettel im Briefkasten fanden mit den Worten ‘Wir wissen wo Du und Deine Kinder wohnen’.” In den letzten Wochen habe sich die Bedrohungslage für Berichterstatter “erheblich verschärft”. Auch sie selbst habe solche Erfahrungen gemacht: Bei einer Demo habe sich ein “Pegida”-Ordner vor ihr aufgebaut und erklärt, “er habe noch nie eine Frau geschlagen, für mich mache er gern eine Ausnahme.”

4. Wie gut waren “die guten alten Zeiten”?
(medienwoche.ch, Nik Niethammer)
Früher war alles besser! Journalisten erinnern sich gerne an die “guten, alten Zeiten”. Nik Niethammer gesteht zu, dass das Reportleben Ende der 80er-Jahre “spassig” war, “unbeschwerter, weniger atemlos”, mit größeren Redaktonsbudgets und mehr Zeit für Recherche. Doch führt das zwangsläufig zu besserem Journalismus? “Fehlanzeige. In meinen Texten von damals knirscht und ächzt es an vielen Ecken. Viele von uns waren satt, selbstzufrieden.” Im Gegenteil: “So seriös, nachhaltig und kompetent wie der Journalismus in der Schweiz heute ist, war er nie. Finde ich!”

5. “Ich bin nicht der Typ, der jedem Reporter die Hand schütteln und sich nach seinem Wohlbefinden erkundigen muss”
(nachbern.ch, Ronnie Grob)
Laut “Sonntagsblick” ist Ulf Schläfli — nomen est omen — der “größte Hinterbänkler” unter den Schweizer Parlamentariern. Im Interview mit “Nachbern.ch” spricht er über den Umgang mit Journalisten, seinen Kontakt zu Lobbyisten und die Teilnahme am Medientraining.

6. Wer Österreichs BloggerInnen sind: Die Ergebnisse 2015
(digitalschmankerl.at, Petra Köstinger)
Weiblich, jung, “professionelle Hobbyisten”: Die beiden Blogger Petra Köstinger und Tom Schaffer haben ihre Kollegen in Österreich vermessen. “Trending Topics” fasst unter ökonomischen Gesichtspunkten zusammen: “64 Prozent verdienen überhaupt kein Geld mit dem Bloggen, 15 Prozent verdienen pro Monat mehr als 1.000 Euro (8 Prozent mehr als 2000 Euro).” Zum Vergleich: Konrad Lischka hat berechnet, welchen Umsatz “Medienfirmen je Mitarbeiter” erlösen.

Flüchtlinge, Ladezeiten, Datenhehlerei

1. Flüchtlinge plötzlich verschwunden
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler ist irritiert, wie abrupt die “laute Berichterstattung über die Flüchtlinge” verstummt ist: “Allenfalls gibt es noch kürzere Meldungen dazu. Auf den Titelseiten und in den Nachrichtensendungen herrscht wieder Alltagsroutine.” Kathrin Hollmer sieht das anders und stellt bei sueddeutsche.de Magazine vor, die Geflüchtete selbst zu Wort kommen lassen. Das “Mindener Tageblatt” erklärt im Redaktions-Blog, “warum das MT nicht ungefiltert aus der Häverstädter Notunterkunft berichten kann”.

2. What It’s Like To Report on Mass Shootings Routinely
(medium.com, Polly Mosendz, englisch)
Nach dem Amoklauf am Umpqua Community College in Roseburg erzählt Polly Mosendz, wie routiniert sie und ihr “Newsweek”-Team inzwischen auf Schießereien reagieren: “It’s so routine that we have an entire assembly line in place, complete with prewritten and predictable stories.” Dazu auch: “The Concourse” über das Ranwanzen an Augenzeugen durch Reporter bei Twitter und “Poynter” über die Reaktion der Medien auf Barack Obamas Bitte, US-Opfer von Terroranschlägen und von Amokläufen ins Verhältnis zu setzen.

3. Maas und die Datenhehlerei
(sueddeutsche.de, Ulf Buermeyer)
In diesem Herbst wird der Bundestag aller Voraussicht nach die Vorratsdatenspeicherung verabschieden. Für Ulf Buermeyer gibt es viele Gründe, warum man das Gesetz ablehnen könnte — einen besonders wichtigen sieht er bislang nicht ausreichend beleuchtet. Der Paragraf gegen Datenhehlerei könnte “unvorhersehbare Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche” haben, “in denen der Umgang mit Daten eine Rolle spielt — ganz besonders auch auf den investigativen Journalismus.” Buermeyer sieht darin “den eindeutigen Versuch, den Umgang mit Daten, wie sogenannte Whistleblower ihn pflegen, möglichst weitgehend zu kriminalisieren.”

4. Braune Biobauern: Vegane Nazis bauen sich ihr Bullerbü
(spiegel.de, Anja Reiter)
Die Umweltzeitschrift “Umwelt & Aktiv” kümmert sich nicht nur um Umwelt- und Tierschutz, sondern auch um den “Heimatschutz”: Das Öko-Magazin gehört zu einer rechten Gruppe, die zum Teil aus ehemaligen NPD-Mitgliedern besteht. Für Anja Reiter nicht abwegig, denn Umweltschutz passe gut zu “völkisch-nationalen Idealen”.

5. Mobile Ads und die Geschwindigkeit deutscher Nachrichtenseiten
(datenkritik.de, Steffen Kühne)
Vergangene Woche visualisierte die “New York Times” Ladezeiten und Datenverbrauch der 50 größten US-News-Seiten — einmal mit Adblocker, einmal ohne. Steffen Kühne hat nun das Gleiche mit deutschen Medien gemacht — und musste zwischen 3,2 Sekunden (“Bild”) und 16,5 Sekunden (“Hamburger Abendblatt”) warten. In diesem Zusammenhang ebenfalls interessant: Mobilfunk-Kunden zahlen durchschnittlich 16,6-mal mehr für ihr Datenvolumen, als Verlage an ihren Klicks und Visits verdienen.

6. So würden Medien berichten, wenn die Mauer heute erst gefallen wäre
(buzzfeed.com, Sebastian Fiebrig)

Türkei, Werbeblocker, Indiemags

1. “Die Meinungsfreiheit ist am Ende”
(zeit.de, Mehveş Evin)
Mehveş Evin sagt, sie wusste, “dass dieser Tag früher oder später kommen würde”, an dem sie gefeuert wird. Inzwischen ist es soweit, Evin habe ihren Job bei der Zeitung “Milliyet” verloren, weil sie für die Regierung zu unbequem gewesen sei. Bei “Zeit Online” schreibt sie über den Zustand des Journalismus in der Türkei und über den des Landes.

2. Reform Advertising … before it is too late
(medium.com, Jeff Jarvis, englisch)
Seit dem Erscheinen von Apples iOS 9 diskutiert die halbe Medienbranche über die sogenannten Content Blocker, die es erstmals ermöglichen, mit dem Browser “Safari” ohne Anzeigen und Tracking im Internet zu surfen. Jeff Jarvis sagt: “Werbung ist kaputt, und wir Journalisten und Medien-Menschen müssen jetzt Verantwortung übernehmen und sie neu erfinden.” Wenn das nicht gelinge, drohe das Ende des (werbefinanzierten) Online-Journalismus. Passend dazu: Die “Financial Times” setzt künftig auch auf Sponsored Content; Margaret Sullivan, Public Editor der “New York Times”, erklärt die Bedeutung von absoluter Transparenz beim Einsatz von Native Advertising. Nichtsdestotrotz können viele Leser redaktionelle und werbliche Inhalte nicht voneinander unterscheiden.

3. Viel mehr als nur Katzenbilder
(taz.de, Daniel Bouhs)
Listicles, Quizze und viele, viele Katzen. Dafür steht Buzzfeed — so zumindest ein weit verbreitetes Klischee. Doch während die Redakteure in Deutschland tatsächlich die Aufgabe haben, in erster Linie witzige Inhalte zusammenzutragen (das Ziel: Reichweiten-Steigerung), sieht das in den USA und Großbritannien ganz anders aus. Dort wirbt Buzzfeed einige der profiliertesten investigativen Reporter von klassischen Medien ab und investiert Millionen in aufwändige Recherchen. Und nicht nur das: Aus Nordengland, Schottland und Wales sollen Buzzfeed-Mitarbeiter in Zukunft auch über den “regionalen Beat” berichten.

4. Die ChefInnen sind die MacherInnen
(br.de, Günter Herkel, Audio, 8:19 Minuten)
Neben riesigen Redaktionen und den ganz großen Verlagen gibt es in der Printbranche auch Magazine, die von kleinen Teams in Eigenregie gestemmt werden. Malte Brenneisen und Urs Spindler haben für diese Macher ein Forum geschaffen, die “Indiecon”, ein “Festival für unabhängige Magazine”. Was wirklich indie ist und dass Heftpreise jenseits von zehn Euro Sinn machen können, erklären sie bei BR.de.

5. Schritt für Schritt zur Webreportage: StoryMap
(torial.com, Michael Penke)
Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte — egal, ob man sie auf Papier, im Radio oder als Film erzählt. Webreportagen verbinden diese Elemente und bieten Journalisten neue Möglichkeiten. Michael Penke hat ein Programm getestet, das multimediale Wisch-Reportagen ermöglicht. Und ist begeistert: “StoryMap JS ist ganz großes Kino — und das selbst auf kleinen Displays.”

6. Der Mann, der die Titelseite von “20 Minuten” kaufen will
(watson.ch, Rafaela Roth)
Ein Student will per Crowdfunding die Titelseite der “20 Minuten” kaufen, um auf die “Amerikanisierung des Wahlkampfs” in der Schweiz aufmerksam zu machen. Über 67.000 Schweizer Franken hat er schon zusammen, knapp die Hälfte ist damit geschafft. Im Interview mit Watson.ch erklärt Donat Kaufmann, warum das Ganze.

“Auto Bild”, vergesslicher “Spiegel”, Nachfolge von Hans Leyendecker

1. Bild-Kampagne “Wir helfen”: Flüchtlingshilfe als PR-Instrument?
(wdr.de, Philipp Jahn und Andreas Maus, Video, 5:00 Minuten)
Im August startete die “Bild”-Zeitung die Aktion “Wir helfen”. Zahlreiche Fußballvereine wollten sich nicht für die Kampagne einspannen lassen, viele Spitzenpolitiker hatten damit offenbar weniger Probleme. Was brachte Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel und sogar Gregor Gysi dazu, gemeinsame Sache mit “Bild” zu machen? Ging es dabei wirklich um Flüchtlingshilfe, oder steckte nicht auch und vor allem ein geschicktes PR-Kalkül dahinter?

2. Diesel-Skandal: Auto Bild rudert bezüglich BMW-Abgasen zurück
(bimmertoday.de, Benny)
“Auto Bild” meldete gestern exklusiv, beim BMW-Modell X3 gebe es ebenfalls Probleme mit einer Abgasnorm. Zwangsläufig sei der Eindruck entstanden, “dass auch BMW bei Abgastests betrogen habe”, schreibt das Autoportal “BimmerToday”. Der Aktienkurs des Konzerns litt unter der Meldung, in einer Stellungnahme musste BMW gegen die Nachricht anarbeiten. Und “Auto Bild” zurückrudern: “Hieß es am Morgen noch ‘Exklusiv: BMW-Diesel überschreitet Abgasgrenzwerte deutlich’, lautet die Überschrift inzwischen ‘Kein Indiz für Manipulation bei BMW’.”

3. Der “Spiegel” vergisst sich
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Nach dem Germanwings-Unglück stand für den “Spiegel” fest: Der Co-Pilot “tötete, per Knopfdruck, vielleicht nur, weil er es […] konnte; ein größenwahnsinniger Narzisst und Nihilist.” Ziemlich genau ein halbes Jahr später klingt das geringfügig anders: “In der Ermittlungsakte von [L.] findet sich keine Spur von krankhafter Selbstliebe.” Die Rolle der Medien beschreibt der “Spiegel” dabei so: “Nach der Tat vermuteten viele übersteigerten Narzissmus.” Die Redaktion versuche, “pfeifend im Getümmel zu verschwinden”, schreibt Boris Rosenkranz.

4. Die Nischenreporter
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz, der das Crowdfunding der “Krautreporter” im vergangenen Jahr schon einmal etwas vorschnell für gescheitert und das Projekt im Juni für “belanglos” erklärte, übt nun erneut Kritik. Außerhalb der digital-medialen Filterblase habe niemand Notiz genommen, eine wirklich herausragende Geschichte sei nicht in Erinnerung geblieben. Für die Zukunft ist Jakubetz wenig optimistisch: “Dass es das Projekt doch noch in eine breite öffentliche Wahrnehmung schafft, glauben sie vermutlich nicht mal mehr selbst.”

5. Investigativ-Chef: “Süddeutsche Zeitung” klärt Nachfolge von Leyendecker
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Im Sommer, beim Jahrestreffen des “netzwerk recherche”, hat Hans Leyendecker angekündigt, in absehbarer Zeit in Rente gehen zu wollen. Seitdem gibt es die Frage, wer seine Nachfolge als Leiter des Investigativressorts der “Süddeutschen Zeitung” antritt. Ulrike Simon hätte da jemanden: “SZ”-Washingtonkorrespondent Nicolas Richter.

6. Online-Kommentator, der gutes Argument vorbringt, durch Schreibfehler als Idiot entlarvt
(der-postillon.com)

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