Fehlalarm, Alternativmedien, Expertentum

1. Gefährliches Geschäft
(sueddeutsche.de, David Denk)
„Die Lage für Journalisten ist generell prekärer, gefährlicher geworden.“ Das sagt Astrid Frohloff, die nach zwölf Jahren im Vorstand der deutschen Sektion von „Reporter ohne Grenzen“ ihr Amt aufgibt. Während Journalisten in Ländern wie Syrien und dem Irak um ihr Leben fürchten müssten und auf Demonstrationen in Kiew oder Hongkong massiv in ihrer Arbeit behindert würden, zeuge der Fall von Netzpolitik.org auch hierzulande von einer „irritierenden Geringschätzung journalistischer Arbeit und des Stellenwerts der Presse durch die Politik“.

2. Terroristen unter Flüchtlingen? Wie man mit Fehlalarmen Alarm schlägt
(stefan-niggemeier.de, Stefan Niggemeier)
Viele Medien berichteten vergangene Woche besorgt über eine Aussage von Bundesinnenminister de Maizière. Der hatte in einem Interview gesagt, es gebe Hinweise, „dass sich Terroristen unter die Flüchtlinge mischen.“ Was in den meisten Überschriften und Teasern allerdings nicht stand: Zwei Sätze später sagte de Maizère, dass sich „keiner dieser Hinweise“ „irgendwie bewahrheitet“ habe.

3. Richtig oder falsch gerechnet mit Flüchtlingen?
(scilogs.de, Markus Pössel)
„Nützt Deutschland die Migration? Manche Studien behaupten das. Aber manche Forscher wollen lieber gut als wahrhaftig sein“, kommentiert Winand von Petersdorff-Campen in der „FAS“. Markus Pössel wundert sich über dessen Kritik an den Studien von IWF, Weltbank und NGOs: „Um den Text zu verfassen, so, wie er da steht, hätte der Autor die Studien noch nicht einmal in die Hand nehmen, geschweige denn durcharbeiten müssen.“

4. Die Stimmen des digitalen Untergrunds
(nzz.ch, Markus Linden)
Im August veröffentlichte der Publizist Wolfgang Storz eine Kurzstudie über alternative Medien. Die „Querfront“-Studie ist derzeit wegen juristischer Auseinandersetzungen nicht abrufbar, unter anderem weil sich Albrecht Müller von den linken „Nachdenkseiten“ zu Unrecht in einen Topf mit Jürgen Elsässer oder Ken Jebsen geworfen sah. Der Politikwissenschaftler Markus Linden analysiert die Szene in Deutschland und der Schweiz und erkennt „bei den fundamental systemkritischen Alternativmedien Überschneidungen“, die „die Links-Rechts-Unterteilung transzendieren.“

5. Mehr Grexpertise, bitte!
(ejo-online.eu, Hanno Beck)
Arturo da Silva gab sich als Berater der Uno und der Weltbank, als Professor am Milton College und als ehemaliger Berater des portugiesischen Präsidenten aus — und wurde zum gefeierten Experten und Medienstar in Portugal. Hanno Beck nimmt das zum Anlass, um die „mediale Expertenkultur zu studieren“, am Beispiel deutscher Talkshows. Sein Fazit: „Die Komplexitätsreduktionskompetenz ist das einigende Band, das alle Talkshow-Protagonisten eint: Kurze Sätze, knackige, polarisierende Statements — am besten unter 30 Sekunden.“

6. Körperliche Schmerzen: Übergeben will gelernt sein
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff hat manchmal Schmerzen, wenn er vor dem Fernseher sitzt. Immer dann, wenn ein ARD-Magazin wie „Panorama“ zu den „Tagesthemen“ überleitet (Stichwort: „Audience Flow“), ertrage er es nicht, wie die gute Absicht baden gehe: „Das ist so komplett sinnentleert, dass es mich stets aufs Neue graust.“