Archiv für Juni 12th, 2026

“Nein” zu Social-Media-Verbot, Leuchtturm, Alltägliche Gefahr

1. Deutscher Ethikrat sagt “Nein” zu Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck fasst die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet zusammen. Der Ethikrat spreche sich klar gegen ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige nach australischem Vorbild aus. Besonders kritisch bewerte der Rat Alterskontrollen, wenn dabei Daten das Gerät der Nutzerinnen und Nutzer verlassen. Die geplante EU-“Mini-Wallet” lehne er wegen Sicherheits- und Datenschutzproblemen ab.

2. Zukunftsoffensive für COSMO
(verdi.de)
Mehr als 500 migrantische Organisationen sowie Unterstützerinnen und Unterstützer aus Kultur, Wissenschaft, Medien und Politik fordern in einem offenen Brief (PDF) an die ARD, die Pläne hinsichtlich der Radiowelle Cosmo zu stoppen. Statt das einzige interkulturelle und mehrsprachige ARD-Radioprogramm faktisch abzuwickeln, solle Cosmo zu einem bundesweiten, starken Gemeinschaftsprogramm ausgebaut werden, so der Vorschlag. Das Bündnis argumentiert, Cosmo sei gerade in Zeiten von Rechtsextremismus, Polarisierung und Desinformation ein unverzichtbarer Raum für diverse Perspektiven.

3. Leuchtturm 2026 für Spiegel-​Recherche zu digitaler sexualisierter Gewalt
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche (NR) verleiht seinen Leuchtturm-Preis in diesem Jahr an ein “Spiegel”-Team für dessen Recherche zu digitaler sexualisierter Gewalt im Fall Collien Fernandes (nur mit Abo lesbar). Die Titelgeschichte habe anhand der Vorwürfe gegen Christian Ulmen sichtbar gemacht, wie belastend manipulierte oder irreführend verbreitete intime Bilder für Betroffene sein können und wie lückenhaft der rechtliche Schutz ist. Das Netzwerk würdigt die Arbeit als sorgfältige, unbequeme Recherche mit großer gesellschaftlicher Wirkung. Die Preisverleihung findet am 13. Juni bei der NR-Jahreskonferenz in Hamburg statt.

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4. Kritik ist unerwünscht
(taz.de, Serena Bilanceri)
Serena Bilanceri beschreibt eine deutliche Verschlechterung der Pressefreiheit in Israel seit Beginn des Gaza-Kriegs. Im Mittelpunkt steht der italienische Journalist Alessandro Stefanelli, dem wegen angeblich einseitiger und israelkritischer Berichterstattung die Einreise verweigert worden sei. Dokumente würden nahelegen, dass israelische Behörden Artikel auswerten und daraus politische oder sicherheitsrelevante Verdachtsmomente gegen ausländische Journalistinnen und Journalisten ableiten. Israel gefährde damit genau jene Pressefreiheit, auf die sich eine Demokratie berufen müsse.

5. Wie viel “rassistische Fake News-Schleuder” wirklich im Exxpress steckt
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Der Beitrag von Andrea Gutschi prüft den Vorwurf des bekannten Moderators Armin Wolf, der österreichische “Exxpress” sei eine “rechte, rassistische Fake News-Schleuder”. Anlass ist die ORF-Kandidatur von “Exxpress”-Herausgeberin Eva Schütz. Gutschis Text dokumentiert zahlreiche irreführende oder falsche “Exxpress”-Berichte. Besonders auffällig sei, dass Falschinformationen und selektive Darstellungen häufig mit Asyl, Migration und rassistisch aufgeladenen Narrativen verbunden seien.

6. Was tun gegen die alltägliche Gefahr?
(journalist.de, Volker Lilienthal & Viviane Schönbächler & Jannis Frech)
Das Problembewusstsein für Cybersicherheit sei bei deutschen Redaktionen vorhanden, die praktische Sicherheit aber oft nur “mäßig bis überwiegend solide”. Das Autorenteam der Universität Hamburg fordert daher mehr Schulungen, klare Notfallpläne und eine bessere Kommunikation zwischen Redaktion, IT und Management. Außerdem sei eine Debatte über Abhängigkeiten von US-Clouds sowie neue Risiken durch KI-gestützte Überwachung nötig.