Flüchtlinge, Ladezeiten, Datenhehlerei

1. Flüchtlinge plötzlich verschwunden
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler ist irritiert, wie abrupt die „laute Berichterstattung über die Flüchtlinge“ verstummt ist: „Allenfalls gibt es noch kürzere Meldungen dazu. Auf den Titelseiten und in den Nachrichtensendungen herrscht wieder Alltagsroutine.“ Kathrin Hollmer sieht das anders und stellt bei sueddeutsche.de Magazine vor, die Geflüchtete selbst zu Wort kommen lassen. Das „Mindener Tageblatt“ erklärt im Redaktions-Blog, „warum das MT nicht ungefiltert aus der Häverstädter Notunterkunft berichten kann“.

2. What It’s Like To Report on Mass Shootings Routinely
(medium.com, Polly Mosendz, englisch)
Nach dem Amoklauf am Umpqua Community College in Roseburg erzählt Polly Mosendz, wie routiniert sie und ihr „Newsweek“-Team inzwischen auf Schießereien reagieren: „It’s so routine that we have an entire assembly line in place, complete with prewritten and predictable stories.“ Dazu auch: „The Concourse“ über das Ranwanzen an Augenzeugen durch Reporter bei Twitter und „Poynter“ über die Reaktion der Medien auf Barack Obamas Bitte, US-Opfer von Terroranschlägen und von Amokläufen ins Verhältnis zu setzen.

3. Maas und die Datenhehlerei
(sueddeutsche.de, Ulf Buermeyer)
In diesem Herbst wird der Bundestag aller Voraussicht nach die Vorratsdatenspeicherung verabschieden. Für Ulf Buermeyer gibt es viele Gründe, warum man das Gesetz ablehnen könnte — einen besonders wichtigen sieht er bislang nicht ausreichend beleuchtet. Der Paragraf gegen Datenhehlerei könnte „unvorhersehbare Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche“ haben, „in denen der Umgang mit Daten eine Rolle spielt — ganz besonders auch auf den investigativen Journalismus.“ Buermeyer sieht darin „den eindeutigen Versuch, den Umgang mit Daten, wie sogenannte Whistleblower ihn pflegen, möglichst weitgehend zu kriminalisieren.“

4. Braune Biobauern: Vegane Nazis bauen sich ihr Bullerbü
(spiegel.de, Anja Reiter)
Die Umweltzeitschrift „Umwelt & Aktiv“ kümmert sich nicht nur um Umwelt- und Tierschutz, sondern auch um den „Heimatschutz“: Das Öko-Magazin gehört zu einer rechten Gruppe, die zum Teil aus ehemaligen NPD-Mitgliedern besteht. Für Anja Reiter nicht abwegig, denn Umweltschutz passe gut zu „völkisch-nationalen Idealen“.

5. Mobile Ads und die Geschwindigkeit deutscher Nachrichtenseiten
(datenkritik.de, Steffen Kühne)
Vergangene Woche visualisierte die „New York Times“ Ladezeiten und Datenverbrauch der 50 größten US-News-Seiten — einmal mit Adblocker, einmal ohne. Steffen Kühne hat nun das Gleiche mit deutschen Medien gemacht — und musste zwischen 3,2 Sekunden („Bild“) und 16,5 Sekunden („Hamburger Abendblatt“) warten. In diesem Zusammenhang ebenfalls interessant: Mobilfunk-Kunden zahlen durchschnittlich 16,6-mal mehr für ihr Datenvolumen, als Verlage an ihren Klicks und Visits verdienen.

6. So würden Medien berichten, wenn die Mauer heute erst gefallen wäre
(buzzfeed.com, Sebastian Fiebrig)