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Frank A. Meyer, Karstadt, Oberhessische Presse

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Bei BILD im Angebot: Eine starke Kanzlerin und ihr schwacher Partner SPD”
(otto-brenner-stiftung.de)
Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz untersuchen 416 zwischen dem 15. Juni und dem 8. September 2013 zur Bundestagswahl erschienene “Bild”-Artikel und liefern eine Zwischenbilanz (PDF-Datei): “Mit optimalen personellen und finanziellen Ressourcen produzieren BILD und BamS ein Minimum an inhaltlichem Output mit einem Maximum an publizistisch-politischer Aufmerksamkeit.”

2. “Mediale Vorverurteilung – oder: Wenn Journalisten zu Richtern werden”
(eigenwach.wordpress.com)
Eigenwach stellt die Frage nach den Auswirkungen von medialen Vorverurteilungen auf Zeugenaussagen: “Wenn Zeugen sich zum Fall äussern, nachdem sie drei Tage nach der Tat im ‘Blick’ die vermeintlichen ‘Fakten’ gelesen oder diese von ‘Blick’-Lesern zugetragen bekommen haben – wie unabhängig sind die Aussagen dann noch?” Siehe dazu auch “Abt. Vorverurteilung – heute: Journaille vs. F.A.” (infam.antville.org, patpatpat).

3. “Abstieg des Einflüsterers”
(nzz.ch, Francesco Benini)
Der Ringier-Mann Frank A. Meyer: “Meyer schöpft seine Macht aus dem Einfluss, den er auf Michael Ringier ausübt. Dessen Treue zu ihm ist unverbrüchlich.” Siehe dazu auch “Ringiers Schlossgespenst” (tagesanzeiger.ch, Michèle Binswanger).

4. “Karstadt kämpft”
(derhandel.de, Hanno Bender)
Hanno Bender schreibt über die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens Karstadt: “In einem normalen Unternehmen hätte der Pressesprecher zunächst zum Telefonhörer gegriffen und um Richtigstellung gebeten. Nicht so bei Karstadt, dort wird die Öffentlichkeitsarbeit inzwischen offenbar vollständig von Anwälten erledigt, die sofort ‘strafbewehrte Unterlassungserklärungen’ einfordern.”

5. “‘In der taz kamen die Pädophilen selbst zu Wort'”
(blogs.taz.de, Nina Apin und Astrid Geisler)
“War die Blattlinie der taz damals pädophilenfreundlich?”, wird Stephan Klecha vom Göttinger Institut für Demokratieforschung gefragt, der im “taz”-Archiv pädophile Einflüsse auf die Grünen untersucht: “Es gab damals keine redaktionelle Linie im engeren Sinne. Die redaktionelle Linie bestand darin, alles zuzulassen. (…) Die taz war derart anarchisch strukturiert, dass sich neben den Pädophiliebefürwortern auch immer wieder die Gegenseite im Blatt fand. Beide Positionen standen relativ unkommentiert nebeneinander.”

6. “Aus der Reihe: erst denken, dann schreiben”
(extra3.blog.ndr.de)
Eine Schlagzeile aus der “Oberhessischen Presse”.

Debatten, Joiz, Margaret Sullivan

6 vor 9

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1. “Angst vor Abmahnungen”
(epd.de, Nils Glück)
Wie Internetdienste wie Rivva, Commentarist und 10000Flies auf das Leistungsschutzrecht für Presseverleger reagieren.

2. “In Friedrichshain-Kreuzberg wurden und werden keine Feste wegen ihres religiösen Charakters untersagt oder benachteiligt”
(berlin.de)
Das Berliner Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg teilt mit, es habe “entgegen verschiedener anders lautender Berichterstattungen nicht entschieden, Veranstaltungen mit religiösem Hintergrund auf öffentlichen Flächen zu versagen”.

3. “In eigener Sache: Wo endet Toleranz, wo beginnt Zensur?”
(carta.info, Vera Bunse und Wolfgang Michal)
Ein Beitrag auf dem Debattenportal “Carta” löst Irritationen aus, die Redaktion findet, das sei in Ordnung so: “Carta-Beiträge müssen nicht per se sachlich sein, es sind viele Stilformen möglich, darunter polemische Einwürfe (die sich ihrerseits auf Polemiken beziehen können) – so lange persönliche Beleidigungen unterbleiben. Sowohl die Piraten als auch die AfD, sowohl die FDP als auch manche Buch-Autoren, Journalisten und Politiker wurden hier in Beiträgen und Kommentaren scharf (und manchmal übers Ziel hinausschießend) kritisiert. Wir halten die meisten unserer Leser für so erfahren, dass sie sehr wohl differenzieren können und nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.”

4. “‘Es gibt zu wenig junge Medienmarken'”
(meedia.de, Peer Schader)
Ein Interview mit Joiz-Gründer Alexander Mazzara: “Große amerikanische Unternehmen wie Facebook funktionieren ja darüber, dass sie Daten über ihre Nutzer sammeln und sie auswerten. Genau das wird auch fürs Fernsehen relevant. Apple und Yahoo interessieren sich für den Second-Screen-Markt. Google ist schon länger am Thema dran. Wir werden künftig, wenn unsere Zuschauer sich über Apps und soziale Medien am Programm beteiligen, auf die Sekunde genau messen können, wer eingeschaltet hat.”

5. “A Year in the Life of a Watchdog”
(nytimes.com, Margaret Sullivan, englisch)
Margaret Sullivan, Public editor der “New York Times”: “When I started as The Times’s fifth public editor almost exactly a year ago, I couldn’t have anticipated the intensity and breadth of the job. It is equal parts fun and horror — every day, all day.”

6. “Tip for Tatort”
(3quarksdaily.com, Brooks Riley, englisch)
Die deutsche und die englische Sprache.

Apropos misslungen

Neulich in Deutschland. Im größten Nachrichtenportal des Landes. In wenigen Augenblicken werden wir Zeuge des vielleicht misslungensten Videodiebstahls des Jahres.

[Video] Oh Gott! - Der misslungenste Hochzeitsantrag des Jahres

Der Offsprecher erklärt:

Neulich in Indien. In Bombays größtem Shoppingcenter. In wenigen Augenblicken werden wir Zeuge des vielleicht misslungensten Heiratsantrages des Jahres.

Das Video zeigt einen, nun ja, misslungenen Heiratsantrag im Shoppingcenter. Der Mann trägt seiner Freundin ein Gedicht vor, geht dann auf die Knie, doch statt eines Jaworts bekommt er eins übergebraten. Die Angebetete sucht das Weite, der Mann bleibt gekränkt zurück, den Blicken der Passanten ausgeliefert.

Aus dem Off kommentiert der Sprecher:

Und die Moral von der Geschicht’: Heirate heute besser mal nicht.

Ein klitzekleines Detail ist Bild.de allerdings entgangen: Das Video ist ein Fake. Ein Schokoladenhersteller hat den viralen Werbespot vor ein paar Tagen in Umlauf gebracht.

Und die Moral von der Geschicht’: Wenn du dir deine Inhalte schon zusammenklaust, dann guck wenigstens vorher nach, ob sie echt sind.

Mit Dank an Helge S.

Nachtrag, 28. August: Auch der “Blick” ist drauf reingefallen:Missglückter Hochzeits-Antrag - Statt "Ja" gabs "Aua" - Ein junger Mann in Dubai will seiner Angebeteten einen besonders originellen Hochzeits-Antrag machen. Das Unterfangen geht schmerzlich daneben.

Der (inzwischen gelöschte) Artikel endete mit den Worten:

Merke: Nicht immer ist gut gemeint auch gut gemacht.

Royal Baby, Chris Froome, Sommerloch

6 vor 9

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1. “Schmutzige Geschichten gibt’s gratis”
(taz.de, Mats Schönauer)
Mats Schönauer analysiert die ersten sechs Wochen von “Bild Plus”: “Titten, Tratsch und Trash. Dazu eine gute Ladung Fußball und irgendein Promi in irgendeinem Krisengebiet – im Kern hat sich also nichts geändert. Nur dass man jetzt dafür zahlen muss, wenn man die Zeichnungen aus den ‘Jammerbriefen’ von Beate Zschäpe sehen will. Oder das Video, in dem Polizisten einen Mann krankenhausreif prügeln.”

2. “Basiswissen Journalismus: Presserecht für Journalisten und Blogger”
(upload-magazin.de, Thomas Schwenke)
Rechtsanwalt Thomas Schwenke hat einen bereits 2007 veröffentlichten, langen Beitrag über das Presserecht überarbeitet.

3. “Royal baby frenzy: ‘I’ve never seen so many cameras'”
(guardian.co.uk, Peter Walker, englisch)
Vor dem St Mary’s Hospital in London hielten sich gestern Massen von Medienschaffenden auf: “In lieu of updates, the handful of union flag-bedecked, self-appointed royal superfans faced occasional queues to be interviewed.”

4. “Blenden Sie das Royal Baby aus”
(spiegel.de, ore)
Guardian.co.uk ermöglicht es seinen Lesern, die Berichterstattung über eine Geburt im britischen Königshaus auszublenden: “Auf der Startseite der linksliberalen Zeitung prangen ein Dutzend Artikel rund um die Geburt des potentiellen Thronfolgers. Doch mit einem Klick lässt sich die Hofberichterstattung abschalten – es bleiben Nachrichten für die Freunde von Demokratie und Aufklärung.”

5. “Stigma in Gelb”
(ad-sinistram.blogspot.de)
Die Medien über den Tour-de-France-Sieg von Chris Froome: “Kann sein, dass Froome gedopt hat. Nur warum spricht man schon jetzt von Doping, obgleich es keine Beweise außer die sportliche Leistung des Athleten dafür gibt? Die Unschuldsvermutung im Radsport erstickt an einem paranoiden Zeitgeist, der hinter jedem Parforceritt Doping wittert. Eine Presse, die kritischen Bericht mit der Bedienung von Spekulation und generellen Argwohn verwechselt, kommt über den Status gut bezahlter Tratsch- und Waschweiber nicht hinaus.” Siehe dazu auch ein Pro und Contra von TV-Kommentator Andreas Schulz: “Zu schön, um wahr zu sein?” (de.eurosport.yahoo.com).

6. “Endlich Sommerloch: Regierung setzt Krokodil im Rhein aus, um von Skandalen abzulenken”
(der-postillon.com)

Amanda Palmer, Sunil Chhetri, Bushido

6 vor 9

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1. “my open letter to the daily mail”
(amandapalmer.net, Video, 5:54 Minuten)
Sängerin Amanda Palmer antwortet mit einem Song auf den Artikel “Making a boob of herself! Amanda Palmer’s breast escapes her bra as she performs on stage at Glastonbury” der Boulevardzeitung “Daily Mail”. Siehe dazu auch die Übersetzung des Songtextes (fm4.orf.at).

2. “Der unerwartete Ruhm des Sunil Chhetri”
(reviersport.de, Stefan Schinken)
Fußball: Eine Passage in einem Text von Reviersport.de über eine mögliche Verpflichtung von Sunil Chhetri durch Borussia Dortmund führt zu vielen Tweets und Presseanfragen. Siehe dazu auch die Beiträge von Blogger Arunava Chaudhuri (arunfoot.blogspot.de, englisch) sowie ein Interview mit ihm (sportschau.de, Video, 2:56 Minuten).

3. “‘Gefallen an Gefälligkeiten’: Vorstellung einer Kurzstudie zu Journalismus und Korruption”
(netzwerkrecherche.de)
Das Netzwerk Recherche veröffentlicht die Studie “Gefallen an Gefälligkeiten – Journalismus und Korruption” (PDF-Datei). “Neben der Compliance-Untersuchung von Natascha Tschernoster von der TU Dortmund, enthält die Kurzstudie Beiträge von Netzwerk-Recherche-Mitglied Boris Kartheuser über den Einfluss der PR-Branche auf den Journalismus sowie Fallbeispiele wie die Luxusreisen von Journalisten mit ThyssenKrupp, Volkswagen und Mazda. Ein weiterer Beitrag deckt Schleichwerbung in Zeitschriften der WAZ-Women-Group auf.”

4. “Fünf Sterne auf Bestellung”
(dradio.de, Thomas Otto)
Gefälschte und gekaufte Rezensionen zu Produkten, die im Netz angeboten werden.

5. “Mit Pinocchio online Fakten checken”
(de.ejo-online.eu, Federico Guerrini)
Federico Guerrini stellt verschiedene Portale vor, auf denen Fakten geprüft werden. “Auch die Art und Weise, wie Medien über Politik berichten (insbesondere über amerikanische Politik) hat sich durch die Organisationen in den vergangenen Jahren stark verändert. (…) Selbst die Politiker begannen, Faktenchecks selbst als Waffen gegen ihre Kontrahenten einzusetzen, oder als Instrument, um ihre eigenen Aussagen zu bewerben.”

6. “500. Medienbericht kritisiert Bushidos plumpen Versuch, in die Medien zu kommen”
(der-postillon.com)

Krokodil, Überwachung, Daniel Ellsberg

6 vor 9

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1. “Das Krokodil im Sommerloch”
(ejz.de, rg)
Ein “Bild”-Artikel über ein Foto mit einem präparierten Krokodil. “Niemals habe er behauptet, das Krokodil in der Elbe geschossen zu haben, sagt Michael Manke. ‘Und erst recht habe ich mich nicht als Held aufgespielt, der Badegäste vor solch einer Bestie schützen wollte’, stellt er heraus. Dass er nun als Lügner, als Aufschneider und ‘Großmaul’ dargestellt wird, ärgere ihn, und daher habe er auch seinen Anwalt damit beauftragt, rechtliche Schritte gegen die Bild-Zeitung zu prüfen.”

2. “Vater tötete Tochter und setzt sich als Opfer ins Bild”
(rhein-zeitung.de, Ulf Steffenfauseweh)
Angehörige eines von “Bild” porträtierten Mannes melden sich zu Wort: “Dabei sind die beiden nicht sicher, was sie schlimmer finden: Die Dreistigkeit, mit der sich L. auch vor die Kameras von Bild-TV und RTL (‘Extra’) stellt und ‘seine Lügen’ erzählt, oder die Art, wie die Zeitung reagiert.”

3. “Der Super-GAU für den Wirtschaftsstandort Deutschland”
(neunetz.com, Marcel Weiß)
Marcel Weiß vernimmt nach den Enthülllungen zum Überwachungsprogramm PRISM “einen kollektiven Seufzer der Beruhigung aus den konservativen Redaktionen Deutschlands”. “Das Internet, endlich hat es einen Makel. Einen systemischen noch dazu. Welch Glück! Die NSA kann nicht einfach über Ihre Schulter schauen, während Sie Texte in der papiernen Zeitung lesen. Also besser nicht das Abo abbestellen! Im Internet dagegen, da haben Sie keine Privatsphäre.”

4. “Sollten sich ‘anständige Bürger’ wegen der Überwachung sorgen? – Ein Erfahrungsbericht aus den Schattenkriegen”
(scilogs.de, Michael Blume)
Michael Blume erzählt ein Erlebnis von vor zehn Jahren mit “‘Kollegen’ der Sicherheit”: “Hätten die selbsternannten Jäger damals Erfolg gehabt, so hätte ich meine Anstellung verloren und wir wären noch dazu ein Leben lang beruflich und öffentlich gebrandmarkt gewesen – ohne jedes faire Gerichtsverfahren, ohne jede rechtsstaatliche Verurteilung und gezeichnet für das gesamte, restliche Leben. Und es war den Jägern völlig egal. Aus ihrer Sicht hatte ich mich für die falschen Themen engagiert, die falsche Frau geheiratet und vor allem das falsche Stellenangebot angenommen. Das reichte schon.”

5. “Snowden made the right call when he fled the U.S.”
(washingtonpost.com, Daniel Ellsberg, englisch)
Daniel Ellsberg, der 1971 die Pentagon-Papiere kopierte, kann die Flucht von Edward Snowden nachvollziehen: “Many people compare Edward Snowden to me unfavorably for leaving the country and seeking asylum, rather than facing trial as I did. I don’t agree. The country I stayed in was a different America, a long time ago.”

6. “Hohlspiegel?”
(twitter.com/ruhrpoet, Foto)

Focus Online, Adblock Plus, Reichsbahnbunker

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1. “Ich bin raus: Ein Abschiedsbrief an das Fernsehen”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi schreibt dem Fernsehen einen Abschiedsbrief: “Ja klar, WM ging immer. Eurovision Song Contest auch. Dann und wann mal eine Doku im BR, ein Themenabend auf arte. Aber auch das hat nachgelassen, da müssen wir uns nichts vormachen. Den ganzen Rest hast du mir nach und nach vergällt: mit schlechten Synchros und immer penetranteren Werbepausen, mit willkürlichen Sendeplatz-Änderungen und vor allem mit immer unsäglicheren ‘Formaten’, die mittlerweile vom Mittag bis in die Primetime das Programm verseuchen.”

2. “PR einfach selbst gemacht bei Focus Online”
(haupt.it, Johannes Haupt)
Johannes Haupt beschäftigt sich mit der “Gastkolumne” von Tahssin Asfour auf Focus.de: “Man kann Asfour das Dropping seiner Kunden in seiner Kolumne kaum vorwerfen, genau genommen macht er hier schlicht seinen Job. Mindestens verwunderlich aber ist, warum ein journalistisches Medium mit einem gewissen Qualitätsanspruch wie Focus Online einen PR-Menschen eine Kolumne zu Verbraucherthemen schreiben lässt und die Artikel offensichtlich ohne einen auch nur oberflächlichen Check von Interessenkonflikten publiziert.”

3. “Dreiste Einmischung in redaktionelle Angelegenheiten”
(blog.persoenlich.com, Michael Hug)
Michael Hug, Chefredakteur der “Berner Zeitung”, erzählt ein Erlebnis mit der Kommunikationsabteilung der Schweizer Post: “Zu weiten Teilen sind die Redaktionen selbst schuld, wenn sie sich von Medienbeauftragten und PR-Leuten ködern, anfüttern und dann subtil steuern lassen.”

4. “Deutsch-russischer Streit: Putins Staatsfernsehen greift das ZDF an”
(spiegel.de, Benjamin Bidder)
Die Abendnachrichten im ersten Kanal des russischen Staatsfernsehens werfen dem ZDF vor, “deutsche Intellektuelle bestochen zu haben. Diese hätten ‘Briefumschläge’ mit Geld bekommen, damit sie Kritik übten an Kreml-Chef Wladimir Putin und der Verurteilung der russischen Punk-Gruppe Pussy Riot im August 2012.”

5. “Adblock Plus Undercover – Einblicke in ein mafioeses Werbenetzwerk”
(mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
Sascha Pallenberg recherchiert zum Werbeblocker Adblock Plus: “Seit Ende 2011 verfuegt das Add-on nach der Installation oder Aktualisierung ueber eine standardmaessig aktivierte Option namens ‘Acceptable Ads’. Dahinter verbergen sich – so stellen es jedenfalls die Eyos GmbH und ihre Geschaeftsfuehrer dar – ausschliesslich Werbeanzeigen, die von einer angeblich hochaktiven ‘Community’ in einem oeffentlich zugaenglichen Forum als vergleichsweise unaufdringlich und somit akzeptabel eingestuft wurden. Diese – in einem angeblich pseudo-demokratischen Verfahren auserwaehlten Werbeanzeigen werden dann trotz aktiviertem Adblocker angezeigt.”

6. “Karen & Christian Boros”
(freundevonfreunden.com)
Ein Besuch bei Karen und Christian Boros, die in einem Penthouse über dem Reichsbahnbunker Friedrichstraße in Berlin Mitte wohnen.

Bildschirmreihenfolge, Liebeserklärungen, Magie

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1. “Second Screen first”
(carta.de, Hermann Rotermund)
Hermann Rotermund glaubt, dass der sogenannte “Second Screen” eigentlich der erste sei und dass die Online-Medien “in unserem Medien-Universum die Funktion des Leitmediums übernommen” haben: “Wir erleben […] die fortschreitende Erosion des Leitmediums Fernsehen, dessen Relevanz sich weder durch Quotenkalkulationen noch durch pathetische Qualitätsbehauptungen glaubwürdig stützen lässt.”

2. “Liebeserklärung von Armin Wolf an den Journalismus “
(youtube.com, Vortrag von Armin Wolf, Video, 20:11 Minuten)
Armin Wolf auf der Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche über Journalismus und warum es seiner Meinung nach wenig Berufe gibt, “in denen die Chance, jeden Tag klüger zu werden und was zu lernen, so groß ist.” Nachlesen kann man den Text hier.

3. “Magie”
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Auch Constantin Seibt hat eine Art “Liebeserklärung” an den Journalismus verfasst: “Die Unberechenbarkeit der Welt – und die Unberechenbarkeit des Schreibens – macht Journalismus zu einem romantischen Beruf.”

4. “So viel ‘Bild’ muss nun wirklich nicht sein”
(blogmedien.de, Horst Müller)
Horst Müller bezweifelt dass die vom Springer Verlag eingeführte Bezahlvariante künftig als erfolgreiches “Geschäftsmodell der Onlinemedien” gelten wird. Neben etlichen anderen Problemen, sei vor allem die Bedienbarkeit zu kompliziert und unzeitgemäss: “Alle Abonnements sind nach Angaben bei ‘BILD.de’ monatlich kündbar. Wer genauer nachliest stellt jedoch fest, dass dabei eine Kündigungsfrist von ‘7 Tagen vor Ende der laufenden Vertragsperiode’ einzuhalten ist.” Siehe dazu auch “Bezahlen im Netz” (nicobruenjes.de, Nico Brünjes) und “‘BildPlus’: Der Rohrkrepierer” (timoniemeier.wordpress.com, Timo Niemeier).

5. “Can BuzzFeed Be Stopped?”
(techcrunch.com, Jon Evans, englisch)
Jon Evans prüft die Behauptung des Buzzfeed-Chefredakteurs Ben Smith, dass am Tag der Boston-Attentate, die Top 5 Buzzfeed-Artikel aus serösen Nachrichten bestanden (“hard news”). Siehe auch “Was Medien von Buzzfeed lernen können” (meedia.de, Stefan Winterbauer).

6. “Jung & Naiv – Folge 63: Der Bundesregierungsprecher”
(netzpolitik.org, Tilo Jung, Video, 21:06 Minuten)
Tilo Jung spricht mit dem Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert. Seibert sagt, er mache auf Twitter alles selber. Ausser Links, die könne er sich “immer noch nicht” selbst machen.

Wenn Sprache die Wirklichkeit besiegt

Am Montag haben wir gezeigt, dass die Ansprache “Herr Professorin”, die angeblich an der Uni Leipzig eingeführt werden soll, einzig und allein eine Erfindung von “Spiegel Online” ist – und nichts mit der tatsächlichen Entscheidung der Uni zu tun hat.

Einige Medien haben es aber immer noch nicht kapiert.

Die “Aachener Zeitung” schrieb am Mittwoch unter der Überschrift “Guten Tag, Herr Bürgermeisterin”:

An der Universität Leipzig müssen sich männliche Dozenten künftig “Herr Professorin” schimpfen. Kein Scherz.

Auch kein Scherz: Im ZDF-morgenmagazin wurde am Dienstag im “richtig oder falsch”-Gewinnspiel die Frage gestellt, ob sich die Ansprache an der Uni Leipzig in “Herr Professorin” ändern werde. Die “moma”-Tassen gab es dann für die Antwort “richtig”.

Und in einem Blogeintrag der “Leipziger Volkszeitung” findet sich dieser schöne Schlusssatz:

Putzende Jungs wären auf jeden Fall ein stärkeres Zeichen für Geschlechtergerechtigkeit im Alltag als ein Wissenschaftler, der sich mit “Herr Professorin” ansprechen lassen muss.

Und so gibt es immer noch Journalisten (und Journalistinnen), die sich über etwas lustig machen, das niemand (!) jemals (!) in Erwägung gezogen hat.

Besonders bescheuert aber sind jene Geschichten, in denen die Journalisten das Kunststück vollbringen, den Sachverhalt sowohl richtig als auch falsch wiederzugeben.

So heißt es im Feuilleton der aktuellen “Zeit”:

[…] das generische Femininum soll in der neuen Verfassung der Alma Mater verankert werden. Damit seien, so versichern Fußnoten, alle gemeint, Frauen wie Männer.

Das stimmt. Endlich mal. Und doch schafft es die “Zeit”, noch im selben Satz wieder alles kaputt zu machen:

In Leipzig wird es bald “Herr Professorin” heißen […].

Ein paar Sätze später heißt es:

In Leipzig etwa, wo es bald “Herr Professorin” heißt […].

Die “Rheinische Post” machte es nicht besser und schrieb am Montag:

[…] in der Grundordnung der Universität soll künftig nur noch die weibliche Personenbezeichnung stehen. Eine Fußnote ergänzt, dass diese Bezeichnung sowohl für Personen männlichen als auch weiblichen Geschlechts gilt.

Das ist korrekt. Im Gegensatz zu dem Unsinn, der im nächsten Satz folgt:

In Leipzig lehrt also der Herr Professorin den Herrn Studentin demnächst die Germanistik.

Die “Bunte” haut derweil mal richtig auf den Putz:DIE SPINNEN, DIE SACHSEN! - Die Uni Leipzig hat die Einführung der einhitlichen Bezeichnung für Professoren beider Geschlechter beschlossen - und die neue Hochschulverfassung sieht nur noch weibliche Bezeichnungen vor! "Herr Professorin" heißen dann offiziell auch Männer. Die Leipziger Hochschuldirektorin Beate Schücking geht aber davon aus, dass Studenten ihren Professor auch in Zukunft mit "Herr Professor" anreden. Ja, was soll das Ganze dann?

Und auch die “Stuttgarter Zeitung” schafft es in einer verschwurbelten Kolumne, Realität und Fiktion bedenkenlos zu verquicken:

[An der Leipziger Universität] hat ein Senatsbeschluss für die neue Verfassung den Professoren männlichen Geschlechts zumindest sprachlich den Garaus gemacht. Sie werden nun alle als Professorinnen geführt, auch wenn das, wie die Rektorin jetzt verkündet, keine Auswirkung im alltäglichen Umgang haben wird. Trotzdem gilt: So besiegt man mit Sprache die Wirklichkeit.

Die Kolumne trägt den Titel: “Grüß Gott, Herr Professorin”. Tja – so besiegt man mit Sprache die Wirklichkeit.

Wir haben am Donnerstag bei “Spiegel Online” nachgefragt, warum die irreführende Überschrift, auf der dieser ganze “Herr Professorin”-Quatsch beruht, immer noch nicht geändert wurde.

“Spiegel Online” antwortete uns:

[…] die Zeile “Guten Tag, Herr Professorin” ist keine Nachrichtenüberschrift, sondern lediglich unser Versuch, humorvoll mit dem Thema der verweiblichten Grundordnung der Universität Leipzig umzugehen. Als Überschrift ist sie eine Anspielung auf die häufig verwendete Formulierung “Frau Professor”. Ähnlich wie die Uni Leipzig in ihrer neuen Grundordnung haben wir die Geschlechterrollen für die Überschrift spielerisch vertauscht und eine Zeile gewählt, die leider mehrfach missverstanden und abgeschrieben wurde. Ein Grund, die Überschrift zu ändern, ist das nicht. Darüber hinaus wurde im Text sowohl das Verfahren als auch die künftige Verwendung der Begriffe genau beschrieben.

Soso.

Die ganze Aufregung um die Entscheidung der Leipziger Uni wirkt noch viel absurder, wenn man sieht, dass an der Universität Karlsruhe schon vor einigen Jahren das generische Femininum eingeführt wurde. Dort ist seither nicht von “Studenten” die Rede, sondern ausschließlich von “Studentinnen”. Zumindest in der Studien- und Prüfungsordnung (PDF) des Studiengangs Maschinenbau.

Übrigens: Auch die Entscheidung aus Leipzig ist eigentlich keine Neuigkeit mehr. Schon im Dezember 2011 berichteten die “Leipziger Volkszeitung” (PDF) und die Leipziger Hochschulzeitung “student!” über die Pläne des Senats. Einen Aufschrei gab es damals nicht.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 16. Juni: Wie uns einige Leser mitgeteilt haben, hat das “Morgenmagazin” seinen Fehler am nächsten Tag richtiggestellt. Und “Spiegel Online” hat den Teaser schon vor der Veröffentlichung unseres Eintrags geändert. Statt “setzt [die Uni Leipzig] nur noch auf weibliche Bezeichnungen” heißt es jetzt: “setzt [die Uni Leipzig] in ihrer Grundordnung nur noch auf weibliche Bezeichnungen”.

Manche haben es aber immer noch nicht kapiert.

Blog-Marketing, Terrorbotschaften, E-Bikes

6 vor 9

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1. “Die @Welt, wie es ihr gefällt”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Ein Artikel auf Welt.de verwechselt, welchem Sportler (Lindsey Vonn, Roger Federer, Rafael Nadal) was gefällt auf Facebook.

2. “Das London-Video in der Tagesschau”
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Kai Gniffke erklärt in fünf Punkten, warum die ARD-Tagesschau “eine kurze Sequenz” aus dem mit einem Mobiltelfon aufgenommenen Video zeigte, das in Folge des Mordanschlags in London am 22. Mai 2013 aufgezeichnet wurde.

3. “Zu Diensten, Herr Mörder”
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler schreibt zum gleichen Video: “Laut Berichten sollen sie die Passanten aufgefordert haben, die Kameras zu zücken. Für die Terroristen ging die Rechnung auf. Sie haben sich innert Kürze die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verschafft und ihrer Terrorbotschaft mit radikalen Bildern eine hohe Durchschlagskraft verschafft. Die Tat zehrt von der Propaganda, der Verbreitung von Angst und Schrecken. Zahlreiche Medien dienten ihnen als rückgratlose Gehilfen.”

4. “Teuflisches Angebot”
(zuspieler.de, Sebastian Wenzel)
Via die Blog-Marketing-Agentur Hallimash sucht der Verlag Franckh-Kosmos Blogger, die gegen Geld ein Gesellschaftsspiel besprechen. “Wer im Internet nach ‘Dice Devils’ und ‘Hallimash’ sucht, findet schnell Blogs, die bei der Aktion mitgemacht haben. Wir haben auf diesem Weg zwölf Seiten entdeckt, die über das Spiel berichtet haben. Darunter sind vor allem Blogger, die sonst eher nicht über Spiele berichten.”

5. “Todesfalle E-Bike”
(porcupine.ch, Iwan Schenker)
Ein Bericht über eine Vervierfachung der tödlichen Unfälle mit E-Bikes in der Schweiz (von 2 auf 8): “Fakt ist, dass bei einer korrekten Betrachtung der Zahlen und insbesondere unter Berücksichtigung aller relevanten Zahlen aus statistischer Sicht kein signifikanter Anstieg der Anzahl E-Bike-Unfälle nachgewiesen werden kann, weder mit noch ohne Todesopfer.”

6. “Die Berichterstattung der Rösler-Reise – ein Armutszeugnis”
(handelsblatt.com, Video, 1:58 Minuten)
Jessica Springfeld findet die Berichterstattung über die Silicon-Valley-Reise von Wirtschaftsminister Philipp Rösler “lächerlich” und “ein Armutszeugnis”: “Es sind keine peinlichen Möchtegern-Fotos, die uns erreichen. Röslers lockere Art wirkt authentisch, eher entspannt. Und die mitgeflogenen Startup-Gründer bestätigen: Die Reise war ein voller Erfolg.”

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