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Zum Schämen

Der Text kommt mit persönlicher Empfehlung von “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann. Mit den Worten “Ich weiß, warum ich so gerne in den USA bin!” verlinkte er am Wochenende die aktuelle Kolumne “Wir Amis” von Eric T. Hansen auf “Zeit Online”:

Die gute Seite der “Bild”-Zeitung

Die deutsche Linke schimpft gern auf das größte Boulevardblatt des Landes. Unser Kolumnist hält das für überholtes Schubladendenken.

Wer neutral über die “Bild”-Zeitung nachdenke, schreibt Hansen, müsse zugeben, dass sie auch ihre guten Seiten hat. Und nennt dafür folgendes Beispiel:

Ich erinnere mich zum Beispiel an die Reaktion der Presse, als 1992 in Rostock-Lichtenhagen die Ausschreitungen gegen Ausländer losbrachen. Die meisten seriösen Zeitungen berichteten mehr oder weniger sachlich und neutral darüber. Bild aber druckte das Foto des “hässlichen Deutschen” ab: eines besoffenen Passanten, der in die Hose gepinkelt hatte und den Hitlergruß zeigt. Die Überschrift lautete, wenn ich mich nicht irre: “Deutschland, schäm dich.” Ich fand die Überschrift passend.

Hansens Erinnerung ist nicht so gut. Ja, die Schlagzeile lautete “Ihr müßt euch schämen”, aber abgebildet war nicht der besoffene Passant mit Hitlergruß. Abgebildet waren: Helmut Kohl, Oskar Lafontaine, Björn Engholm und weitere führende Politiker von CDU/CSU und SPD. Und über der Schlagzeile stand: “Deutsche sauer auf Bonner Politiker”.

Schämen sollten sich laut “Bild”-Schlagzeile vom 27. August 1992 für die Ausschreitungen nicht die Gewalttäter, sondern die Politiker, weil die immer noch nicht das Asylrecht eingeschränkt hatten, wie es die “Bild”-Zeitung und viele andere Medien schon lange forderten.

“Wenn ich mich nicht irre”, schrieb Eric T. Hansen, und vielleicht hätte die Redaktion von “Zeit Online” diese Formulierung ihres Kolumnisten zum Anlass nehmen können, das sicherheitshalber mal schnell nachzuschlagen. Vielleicht hätte es seine Einschätzung der “guten Seiten” der “Bild”-Zeitung verändert, wenn er erfahren hätte, dass er sich irrte, wer weiß.

Jedenfalls hätte er beim Blick ins Archiv viel herausfinden können über den Charakter der “Bild”-Zeitung.

Warum sich die Bonner Politiker “schämen müssen”, erklärt “Bild” an jenem Tag im Einzelnen. Wörtlich:

  • Helmut Kohl (CDU) verweist imer aufs Grundgesetz
  • Oskar Lafontaine (SPD) … ist im Urlaub
  • Björn Engholm (SPD) blockierte bis diese Woche
  • Heiner Geißler (CDU) will noch mehr Ausländer
  • Rudolf Seiters (CDU) viele, viele Konferenzen
  • Peter Gauweiler (CSU) Starke Sprüche, starke Sprüche
  • Otto Solms (FDP) Erst Nein, jetzt Jein
  • Gerhard Schröder (SPD) ist gegen Asylrecht-Änderung
  • Heidi Wieczorek-Zeul (SPD) Asyl muß bleiben wie es ist

Am selben Tag schreibt Peter Boenisch in “Bild” einen Kommentar zu den Rostocker Krawallen mit der Überschrift:

Darum sind wir [sic!] so wütend

Darin nimmt er die Zuschauer, die den Gewalttätern bei ihren Angriffen applaudierten, in Schutz:

Nicht nur zornig, sondern wütend sind viele Menschen in Rostock. Die Chaoten nützen das aus.

Die Randale beklatschen, sind keine Neonazis — manche von ihnen nicht einmal Ausländerfeinde.

Sie verstehen die Sprüche und Widersprüche unserer Politiker nicht. Wie soll auch ein Kranführer verstehen, daß bei 1,1 Mio. Arbeitslosen in den neuen Ländern in seiner Schicht von vier Kränen drei von Rumänen gesteuert werden — für Dumpinglöhne.

Drei Deutsche gehen stempeln und drei Rumänen arbeiten bei uns für ein Butterbrot.

So wird Ausländerfeindlichkeit nicht bekämpft, sondern gezüchtet.

Die “Bild”-Zeitung hat in den Tagen zuvor auch die Ausschreitungen, die “Chaoten” und “neuen Nazis” kritisiert. “Seid ihr wahnsinnig!” titelt sie über den Beifall der Schaulustigen, als Rechtsradikale versuchen, das “Asylantenheim” zu stürmen. Die “Schuld” an den Angriffen aber sieht “Bild” allein bei der Politik.

“Bild” sorgt sich angesichts der Gewalt offenkundig weniger um die Ausländer als um das Bild Deutschlands in der Welt. Am Tag nach der “Ihr sollt euch schämen”-Schlagzeile macht das Blatt so auf:

Ausland schimpft: Ihr Deutschen seid Nazis

“Bild”-Mann Sven Gösmann, der es heute zum Chefredakteur der Nachrichtenagentur dpa geschafft hat, empört sich darin:

Jetzt prügeln sie auf uns rum: “Nazis”, “Kristallnacht”, “Ausländerfeinde”. Unsere europäischen Nachbarn beschimpfen uns alle nach den Rostocker Krawallen als die “Häßlichen Deutschen”. Wie sie schimpfen, und wie sie es selbst mit den Asylanten halten — Seite 2.

Gösmanns Artikel auf Seite 2, erschienen nach Monaten und Wochen mit Angriffen von Deutschen auf Ausländer, trägt die Überschrift:

Das Ausland prügelt wieder auf die Deutschen ein

Auch in den Tagen und Wochen nach den Ausschreitungen kämpft “Bild” gegen eine ausgeruhte Debatte und heizt die Stimmung weiter an:

“Bild”-Kommentator Boenisch legitimiert am 14. September schon vorauseilend mögliche weitere Ausschreitungen, wenn die Politik nicht unverzüglich im Sinne seines Blattes und des Mobs handele:

Die Wartezeit für Bonn ist um. Es ist Tatzeit.

Sonst wird die Straße zum Tatort.

So war sie damals, die Berichterstattung der “Bild”-Zeitung; das, was der amerikanische “Zeit Online”-Kolumnist Eric T. Hansen mit seinem schlechten Gedächtnis als die “gute Seite der ‘Bild’-Zeitung” erinnert, wenn er sich fragt, was die Linken mit ihrem Schubladendenken eigentlich bloß immer gegen dieses Blatt haben.

Stellvertretender Chefredakteur und verantwortlich für die Politik-Berichterstattung der “Bild”-Zeitung im August 1992 war übrigens: Kai Diekmann.

Nachtrag, 23. April. Eric T. Hansen hat in den Kommentaren unter seiner (unveränderten) Kolumne reagiert:

Die Bildblog.de hat mich zurecht darauf hingewiesen, dass ein Satz in meiner Kolumne von Sonntag, in der ich die Kritik der Bild Zeitung kritisiere, nicht stimmte: Ich hatte aus dem Gedächtnis eine Überschrift der 90er (wohlwollend) wiedergegeben, die es gar nicht gab. Ich war fahrlässig, es nicht vorher zu überprüfen, und jetzt ist es mir ziemlich peinlich.

Nachtrag, 24. April. “Zeit Online” hat dem Artikel eine Korrektur hinzugefügt.

Das Zeug kickt besser als Mehmet Scholl

Was hat der denn geraucht?!?

Irrer Vorstoß von Wil van Megen (58), dem Anwalt der internationalen Gewerkschaft für Fußball-Profis, kurz Fifpro: “Marihuana muss von der Doping-Liste verschwinden.”

Der Holländer – woher auch sonst? – fordert: Kiff-Erlaubnis für Fußball-Stars!

Hihi, “woher auch sonst”. Verstehen Sie? Weil er ja Holländer ist, und Holländer sind ja bekannt d…

Egal. Diese flotten Sprüche kommen – woher auch sonst? – von Bild.de. Ein gefundenes Fressen, dieser “irre Plan” des bekloppten Holländers.

Nur ist das alles überhaupt nichts Neues.

Fifpro setzt sich schon seit Jahren dafür ein, dass Cannabis von der Dopingliste verschwindet (übrigens auch mit Unterstützung usbekischer Spieler). Ebenso der niederländische Anti-Doping-Verband. Auch der Schweizer Anti-Doping-Verband plädierte bereits 2011 dafür,

dass Cannabis entweder von der Dopingliste gestrichen wird oder dass – aufgrund eigener Forschungsergebnisse – der Meldegrenzwert durch das Labor erhöht wird.

Der Meldegrenzwert wurde im Mai 2013 tatsächlich erhöht: Die Welt-Anti-Doping-Agentur verzehnfachte den erlaubten Richtwert.

Das reicht van Megen nicht!

… schreibt Bild.de.

Van Megen behauptet: “Cannabis ist als Substanz für Sportler nicht leistungsfördernd. Wir setzen uns ganz sicher nicht für den Konsum von Cannabis ein, aber der Stoff gehört nicht auf die Doping-Liste.”

Van Megen begründet: “Heutzutage kommen junge Spieler mit Marihuana genauso schnell in Kontakt wie mit Alkohol. Alkohol ist erlaubt, wegen Cannabis wird man verfolgt. Da stimmt die Relation nicht. Junge Sportler werden für etwas kriminalisiert, was mittlerweile fast normal ist.”

Oder anders:

Spielergewerkschafts-Anwalt fordert: Lasst Fußball-Stars kiffen!

Bis hierher typisch Bild.de.

Aber dann kommt Doping-Experte Prof. Fritz Sörgel:

Für Doping-Experte Prof. Fritz Sörgel eine “absurde Idee”: “Da könnte man auch gleich Ecstasy freigeben, das ist leider bei jungen Leuten auch verbreitet. Marihuana hat zwar eine Sonderstellung durch die Freigabe in einigen Staaten der USA – aber ist bei Dauergebrauch schädlich und führt zu Veränderungen im Gehirn.”

Es es hat allerdings auch niemand von schädlich gesprochen, sondern von leistungsfördernd. Alkohol, Koffein, Nikotin und andere Stoffe sind für Fußballer laut Dopingliste auch nicht verboten — obwohl auch sie “bei Dauergebrauch schädlich” und “bei jungen Leuten verbreitet” sind.

Aber der Experte ist noch nicht fertig.

Sörgel weiter: “Und wie sollte das überhaupt ablaufen? Bei uns ist der Handel ja strafbar. Wird das vom Mannschafts-Arzt verabreicht? Da hat einer nicht richtig nachgedacht, bevor er diese Idee in die Welt setzte.”

Na, vielleicht ja doch: Denn das wird natürlich nicht “vom Mannschafts-Arzt verabreicht”. Stattdessen geht’s vor jedem Spiel erst mal schön nach Holland. Alle Mann in den Bus und dann ab zum nächsten Coffeeshop. Die fegen ihre Gegner anschließend mit Leichtigkeit vom Platz, wetten? Und die niederländische Wirtschaft wird nebenbei auch noch angekurbelt. Ganz schön clever, dieser Holländer.

Aber ernsthaft: Wie kommt Sörgel eigentlich auf diese absurde Idee? Oder hat ihn Bild.de vielleicht einfach falsch zitiert? Nein, sagt er uns auf Nachfrage, die Zitate seien korrekt. Und er erklärt, das mit dem Cannabis sei im Prinzip so, als würde jemand fordern, das Tempolimit abzuschaffen. Das mache schließlich auch niemand, wenn er nicht das Ziel habe, schnell zu fahren.

Na ja. Nur weil man etwas machen darf, heißt das ja nicht, dass man es auch machen muss. Man darf auch “Schwiegertochter gesucht” gucken oder sich selbst eine reinhauen oder der “Bild”-Zeitung Experteninterviews geben — muss man aber nicht.

Mit Dank auch an Paul.

Diätenerhöhung bei M. DuMont Schauberg

“Man kann Alfred Neven DuMont glauben, dass ihn der Wunsch nach gutem Journalismus antreibt.”

(“Der Spiegel”, 5/2014)

Der Jahresanfang ist die Zeit, in der die Menschen sich ganz besonders für Diäten interessieren, und deshalb ist es auch die Zeit, in der die Medien ganz besonders viel über Diäten berichten. Die Zeitungen der Mediengruppe M. DuMont Schauberg tun es in diesem Jahr mit ganz besonderem Eifer.

Der “Kölner Stadt-Anzeiger” hat eine Serie “Los geht’s” gestartet. Darin überrascht er seine Leser unter anderem mit der These: “Wer abnehmen will, muss essen”, nennt Sport “Doping für die Zellen”, stellt spätberufene Extremsportler vor, interviewt Ingo Froböse, einen Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln — und empfiehlt jedesmal dessen kostenpflichtiges Abnehm-Programm “fitmio”.

Der Kölner “Express” hat auch eine Serie im Angebot, eine “große Stoffwechsel-Fibel” namens “Enorm in Form”, mit “Tipps vom Experten”, wie man sich schlankschläft und wie man den Jojo-Effekt vermeidet und der überraschenden These: “Wer abnehmen will, muss essen!” Der Experte ist in jedem Fall Ingo Froböse, ein Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln — und empfiehlt jedesmal dessen kostenpflichtiges Abnehm-Programm “fitmio”.

Die Serie aus dem “Kölner Stadt-Anzeiger” findet sich mit demselben Experten und derselben Empfehlung auf den Online-Seiten von “Berliner Zeitung” , “Frankfurter Rundschau”, “Mitteldeutscher Zeitung” und “Kölnischer Rundschau”.

Und die Boulevard-Variante aus dem “Express” steht mit demselben Experten und derselben Empfehlung auf den Online-Seiten von “Berliner Kurier” und “Hamburger Morgenpost”.

In einer konzertierten Aktion werben die Medien von M. DuMont Schauburg in großen, scheinbar redaktionellen Serien für “fitmio”, das kostenpflichtige Abnehmprogramm von Professor Froböse, und verlinken praktischerweise auch direkt dorthin.

Das lässt sich leicht erklären, allerdings findet sich diese Erklärung nicht auf den Seiten dieser Zeitungen. Das kostenpflichtige Abnehmprogramm “fitmio” mit Prof. Dr. Ingo Froböse, dem “Experten an Ihrer Seite”, ist ein Unternehmen der DuMont Net GmbH & Co. KG, einer hundertprozentigen Tochter der Mediengruppe M. DuMont Schauberg.

Der Verlag M. DuMont Schauberg ist also mit seiner Internet-Tochter Betreiber eines Abnehmprogramms mit Ernährungs- und Bewegungsplan inklusive Motivationsvideos von Prof. Dr. Froböse, das immerhin 79 Euro kostet. Und nutzt seine Zeitungen und deren Online-Seiten, dieses Angebot im redaktionellen Teil und ohne Hinweis auf die wirtschaftliche Verquickung zu bewerben. Er lässt eine Leserin sogar scheinbar unabhängig das Angebot testen. Die 47-jährige TV-Programmplanerin aus Bergisch Gladbach ist, Überraschung, sehr angetan.

Auf den “fitmio”-Seiten lacht übrigens treuherzig folgender Hinweis:

“Ich bin der Spiritus Rector der Redakteure”, sagt Alfred Neven DuMont, der Patriarch des Verlages, dem “Spiegel”, der ihn als positives Gegenbeispiel zu Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer darstellt. “Man muss doch Leidenschaften haben. Das Schlimmste für mich wäre, Bankier zu sein und nur noch an das Geld denken zu müssen.”

Neven DuMont sagt: “Ich glaube an die Zeitung.” Zumindest weiß sein Verlag, wofür sie noch nützlich sein kann.

Mit Dank an Kai B.!

Nachtrag, 30. Januar. Aus dem Internetauftritt der “Frankfurter Rundschau” sind die Artikel mit der “fitmio”-Werbung plötzlich verschwunden.

NSU-Prozess, Schumacher, Postillon-Zeitmaschine

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wir sind immer bewaffnet”
(sueddeutsche.de)
Das “SZ-Magazin” hat sich den NSU-Prozess multimedial aufbereitet. Kernstück ist eine fast zweistündige Verfilmung der Wortprotokolle, die auch auf YouTube zu sehen ist. Publikative urteilt: “Selbst als Hörspiel (wenn das Video-Bild nach einiger Zeit einem anderen Browser-Fenster weicht) entfalten die Gerichtssaal-Dialoge eine atemberaubende Wirkung, die weit, weit, weit über die zahlreichen Gerichtsreportagen hinausgeht.”

2. “Michael Schumacher in der Tagesschau”
(tagesschau.de, Kai Gniffke)
Nach heftiger Kritik an der überaus prominenten Berichterstattung der ARD-Hauptnachrichtensendung zum Unfall des Ex-Formel1-Weltmeisters Michael Schumacher — unter anderem im Online-Magazin Telepolis — äußert sich der Chefredakteur: “Tatsächlich ist Michael Schumacher ein ehemaliger Rennfahrer und kein Staatsmann. Aber mein journalistischer Kompass sagt mir, dass er in eine Kategorie populärer Persönlichkeiten gehört, die eine umfangreiche Berichterstattung rechtfertigt, ohne dass wir damit Tagesschau-Grundsätze aufgeben.” Unterdessen hat die Klinik genug von den Reportern und sie auf einen Parkplatz verwiesen.

3. “Pofalla absurd: Wie der Postillon das Netz doppelt trollte”
(rhein-zeitung.de, Lars Wienand)
“Der Postillon” datiert eine Meldung zum erwarteten Wechsel des ehemaligen Kanzleramtsministers Ronald Pofalla in den Vorstand der Deutschen Bahn einen Tag vor — viele halten die Meldung in anderen Medien deshalb für eine Satire. Die “Rhein-Zeitung” und die “Ruhr Nachrichten” fassen die Ereignisse zusammen, auf Facebook veröffentlicht das Satire-Magazin Reaktionen.

4. “Edward Snowden, Whistle-Blower”
(nytimes.com)
In einem Aufsehen erregenden Kommentar fordert die “New York Times” Amnestie für NSA-Enthüller Edward Snowden. In einem weiteren Beitrag schildert Margaret Sullivan die Entstehungsgeschichte: “‘Sometimes,’ he added, ‘you have to go beyond what is realistic in an editorial recommendation, not necessarily saying what might happen but rather, ‘this is what should happen.’”

5. “Die Meinung der Anderen”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert meint, dass die Angst vor Shitstorms zu mehr Selbstzensur führt. Gunnar Sohn pflichtet dem bei, Julia Seeliger fordert mehr Belege.

6. “Ich bin ein Sender – Holt mich hier raus! “
(faz.net, Michael Hanfeld)
Zum 30. Jubiläum des Privatfernsehens in Deutschland stellt der Feuilleton-Redakteur den Sendern ein schlechtes Zeugnis aus: “Anarchischen Gestaltungswillen findet man bei den Privaten heute eher bei einem kleinen Sender wie Tele 5 und dessen Geschäftsführer Kai Blasberg denn bei den Monolithen. Und so fällt die Bilanz nach dreißig Jahren Privatfernsehen trotz stattlicher Gewinne der Konzerne negativ aus.” Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl sieht die Öffentlich-Rechtlichen Sender besonders im Online-Bereich als Innovationsbremse.

Karl Dall, Xaver, FTD

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘Ich Idiot'”
(zeit.de, Anita Blasberg)
Karl Dall wird vorgeworfen, eine Frau vergewaltigt zu haben, es steht auf den Titelseiten von Boulevardzeitungen. “Dall sagt, man habe nur geredet. Die Journalistin stellt die Nacht anders dar: Im Hotelzimmer sei der Entertainer über sie hergefallen. Jetzt steht Aussage gegen Aussage. Noch ermittelt die Staatsanwaltschaft.”

2. “Es tut auch kaum noch weh”
(opinion-club.com, Falk Heunemann)
Ex-Redakteur Falk Heunemann analysiert die Situation ein Jahr nach der Einstellung der “Financial Times Deutschland”.

3. “Sturmtief ‘Xaver’ – Medienhysterie erreicht Orkanstärke!”
(buchholzblog.wordpress.com, Kristian Stemmler)
Kristian Stemmler hält die Berichterstattung zum “stärksten Orkan seit Jahrzehnten”, Xaver, für etwas übertrieben. “Wenn die Medien nämlich jeden nennenswerten Sturm zum Riesenereignis aufblasen, interessiert das irgendwann keinen mehr – und die Warnungen verpuffen, wenn es wirklich ernst wird!” Siehe dazu auch “Der ‘Xaver’-Style von der Waterkant” (tagesschau.de, Video, 1:38 Minuten).

4. “Nachvertontes DLF-Interview löst Spekulationen aus”
(fair-radio.net, Daniel Meyer)
Aufgrund einer schlechten Tonqualität werden Fragen in einem Deutschlandfunk-Interview mit Ute Lemper nachsynchronisiert.

5. “Ringen mit dem Baby”
(taz.de, Tilman Baumgärtel)
Zugespitzte Überschriften bei der “Huffington Post Deutschland”: “Die chinesische Luftraumüberwachung im Ostchinesischen Meer wird zum ‘drohenden Krieg in Ostasien’ hochgejazzt. ‘Das endgültige Aus für den Islam’? In Angola könnten Moscheen geschlossen werden.”

6. “Aus versehen in die @bunte geguckt. Habe mich ganz schön erschreckt. #photoshopfail”
(twitter.com/johannesboie)

Süddeutsche Zeitung, Schweinefleisch, PR

6 vor 9

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1. “Kein Verbot von Schweinefleisch in Kantinen der Stadt Stuttgart”
(stuttgart.de)
Die Stadt Stuttgart dementiert einen “Bild”-Bericht: “Richtig ist, dass es keine zwingende Vorgabe gibt, auf Schweinefleisch zu verzichten. Ebenso wenig sind Pommes in städtischen Kantinen verboten, wie es die Zeitung vermeldete.”

2. “Wozu sachlich, wenn es auch emotional geht: Mit der ‘Süddeutschen Zeitung’ im Prenzlauer Berg”
(blogs.taz.de/reptilienfonds, Jakob Hein)
Die “Süddeutsche Zeitung” vom 22. November berichtet auf ihrer “Seite 3” über Ereignisse im (von vielen Journalisten bewohnten) Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

3. “Die SZ: Verlaufen im Elfenbeinturm der Klimapolitik”
(climatechaos.tumblr.com)
“Vor uns die Sintflut”, ein “ratloser und planloser Leitartikel zum Klimawandel” in der “Süddeutschen Zeitung”: “Wie kann es sein, dass im Meinungs- und Politikressort der SZ ein Politikverständnis herrscht, bei dem Politik etwas ist, was irgendwo im Abstrakten passiert. Wo aber Subjekte bennenen, Orte sichtbar machen, Konsequenzen aufzeigen und Konsequenzen durchsetzen tabu ist.”

4. “Eine Medienhysterie”
(nzz.ch, Eberhard W. Kornfeld)
Wie der Galerist Eberhard W. Kornfeld den durch die “Focus”-Titelgeschichte “Der Nazi-Schatz” ausgelösten Rummel um den Kunstfund in München erlebt: “Der Artikel löste eine Medienhysterie von seltenem Ausmass aus; der Fall wurde international breit übernommen: Ich war plötzlich der ganz grosse Bösewicht. Jede Zeitung stürzte sich auf das Thema ohne jegliche Rücksicht auf präzise Information. ”

5. “Sonneborn und die Deutsche Bank: Lachen wir über die Richtigen?”
(fair-radio.net, Jonathan Hadem)
Das Interview, das Martin Sonneborn mit Stefan Georgi von der Deutschen Bank geführt hat: “Alle Welt diskutiert über das ‘richtig oder falsch’ von Sonneborns Methode. Die Kritik müsste aber eigentlich an all jene Journalisten gerichtet werden, die diese vorgefertigten Interviews und PR-Angebote tagtäglich annehmen und als richtigen Journalismus verkaufen.”

6. “Pressesprecher Bullshit-Pingpong”
(geprothmannt.de)
Ein Dialog zwischen einem Journalist und einem Pressesprecher.

Schneeberg, Siegener Zeitung, Scripted Reality

6 vor 9

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1. “In Schneeberg gingen Nazis auf Journalistenjagd—und die Polizei tat nichts”
(vice.com, Matern Boeselager)
Journalisten werden angegriffen, als sie sich in Schneeberg in einen Demonstrationszug “gegen Asylmißbrauch” mischen. “Wir waren keine fünf Minuten unterwegs, da kam die Tarnfleckjacke schon wieder angerannt, zeigte auf mich und schrie: ‘Das ist ein Journalist! Achtung, alle Mann, das ist ein Journalist!’ Die Leute um mich herum johlten, buhten und riefen ‘Lügenpresse, Lügenpresse!'”

2. “Wenn eine Zeitung das Maß verliert”
(schreiben-als-beruf.de, Birte Vogel)
Birte Vogel beschäftigt sich mit dem Artikel “Eine Entwicklung mit Zündstoff” in der “Siegener Zeitung”: “Ein Artikel wie jeder andere in einer Lokalzeitung, scheint es. Doch wer genau hinschaut, stellt fest, dass hier eine halbe Zeitungsseite darauf verwendet wurde, aus sieben Ladendiebstählen und einem Ehestreit ein Schreckensszenario zu konstruieren.”

3. “Diskussionskultur: Der dumme Konservative!”
(novo-argumente.com, Frank Furedi)
Wer den politischen Gegner der “Dummheit” bezichtigt, untergräbt die Kultur der offenen Diskussion, findet Frank Furedi. “Es ist natürlich durchaus legitim die Auffassung zu vertreten, konservative Vorstellungen seien dumm. Aber die Taktik, das geistige Vermögen Konservativer abzuwerten, stellt die Kultur der offenen Diskussion und der freien Meinungsäußerung in Frage. Warum die Ansichten derer, die geistig unterlegen sind, überhaupt ernst nehmen oder diskutieren?”

4. “Wenn das Leid noch nicht ausreicht”
(faz.net, Christian Füller und Friederike Haupt)
Der Taifun Haiyan habe mehr als 10.000 Opfer und 25 Millionen Betroffene gefordert, war zu lesen: “Das schienen gesicherte Zahlen zu sein. Es waren aber Behauptungen. Jetzt, eine Woche später, nennen die Vereinten Nationen ganz andere Zahlen – niedrigere. Etwa 3600 Tote und 12,9 Millionen Betroffene. Man muss befürchten, dass noch mehr Tote gezählt werden, weil viele Leichname noch nicht geborgen sind. Aber woher hatten die Hilfsorganisationen so früh ihre Zahlen? Und warum gaben sie diese als Fakten aus?” Siehe dazu auch “Die Taifun-Katastrophe auf den Philippinen und das Verhalten der Journalisten” (funkkorrespondenz.kim-info.de, Rupert Neudeck).

5. “Achtung: Alles erfunden”
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
Die Landesmedienanstalten und die Kommission für Jugendmedienschutz fordern eine bessere Kennzeichnung von Scripted-Reality-Formaten. “Zum ersten Mal haben sie sich jetzt in Berlin mit Senderverantwortlichen von RTL 2 und Sat 1 sowie Vertretern des Privatsenderverbands VPRT getroffen, um die Möglichkeiten für ein einheitliches Kennzeichnungssystem auszuloten.”

6. “Hey @kaidiekmann, wieso hast Du so viele Fake-Follower?”
(danielbroeckerhoff.de)

TF1, Tacloban, Sex im Amt

6 vor 9

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1. “Schmutzkampagne gegen Landrat”
(buergerblick.de)
Hintergründe zur gestrigen Titelschlagzeile “Bayerischer Landrat: Sex im Amt” der “Bild am Sonntag”, inklusive einer Stellungnahme des betreffenden Landrats.

2. “Lessons in life from the hell of Haiyan”
(blogs.afp.com, Agnes Bun, englisch)
Agnes Bun berichtet über die Verwüstungen durch Taifun Haiyan in Tacloban: “Often people asked me to film them in the mad hope that I would help them to pass on their personal messages. ‘Mother, I am alive,’ they would say in front of my camera. Of course, it was not possible for me to pass on dozens of desperate messages. But how could I get them to understand this? How could I refuse their pleading? How could I quash the only glimpse of hope that they could see amid this complete destruction? Impossible. So I complied — I filmed them, although I knew I would never use these images. They thanked me profusely. It broke my heart to be doing this. I felt guilty and weak. But I also saw that this sad charade seemed to really lift their spirits.”

3. “Hollande hué le 11 novembre : TF1 admet une erreur de manipulation”
(lemonde.fr, inklusive Video, 2:17 Minuten, französisch)
Der französische TV-Sender TF1 räumt ein, in einem Bericht des “Le journal de 20 heures” über den Besuch von Präsident François Hollande in Oyonnax Tonaufnahmen von Buhrufen versetzt zu haben: “Il s’agit ‘d’une erreur regrettable sans volonté de déformation de la réalité’, a ajouté Mme Nayl.”

4. “Nach 150 Jahren: US-Zeitung entschuldigt sich für Kritik an Lincoln”
(spiegel.de)
“The Patriot News” entschuldigen sich für einen 1863 publizierten Kommentar zur Gettysburg-Rede von Abraham Lincoln.

5. “Unsere Antwort an die ÖFB-Fußballer”
(österreich.at)
“Österreich” reagiert auf den offenen Brief des österreichischen Fußball-Nationalteams: “Wir verwahren uns ausdrücklich gegen den Vorwurf, Interviews abgedruckt zu haben, die nicht stattgefunden haben. Wir können belegen, dass jedes ÖSTERREICH-Interview auch geführt wurde, und meinen: Wenn man etwas behauptet, sollte man es auch konkret belegen können.”

6. “Beziehungsdrama im Vorderhaus – Der neue Serienkracher aus Deutschland”
(schleckysilberstein.com)

Tages-Anzeiger, Ismaning, Reddit

6 vor 9

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1. “Protestschreiben der Tagi-Redaktion zur Konvergenz”
(infosperber.ch, Kurt Marti)
121 Redakteure der Schweizer Tageszeitung “Tages-Anzeiger” wenden sich mit einem Protestschreiben (PDF-Datei) an Chefredaktion und Verlag. Bei den Bemühungen, die Print- und die Online-Redaktion zusammenzuführen, laufe einiges schief, was detailiert in fünf Punkten aufgelistet wird: “Das Tagesgeschäft ist nervös, klickgetrieben und damit auch anfällig für nicht hinterfragtes Mitwirken in boulevardesken Übertreibungen und Kampagnen. (…) Anderes als diese vermeintlichen Quotenbringer interessiert im Tagesgeschäft oft nur noch am Rande.” Eine Reaktion von Chefredakteur Res Strehle auf das Schreiben findet sich auf Kleinreport.ch.

2. “Ismaninger Online ist gescheitert”
(ismaninger.de, Mark Lubkowitz)
Aufgrund fehlender Werbeeinnahmen wird das hyperlokale Projekt “Ismaninger Online” nach zwei Jahren wieder eingestellt. “Nicht die vermeintlich geringe Reichweite ist das Problem, die passt. Die Relevanz ist es. Ein Medium, das nicht als relevant erachtet wird, findet auch keine Anzeigenkunden. So einfach ist das.”

3. “Ein Prozess auch gegen die Medien”
(cicero.de, Michael Götschenberg)
Nicht nur “Bild” betrieb eine Skandalisierung im Fall Christian Wulff, schreibt Michael Götschenberg: “Die gesamte Medienlandschaft beteiligte sich im Laufe der Affäre daran, das Bild vom Schnäppchenjäger, Trickser und Betrüger im Bellevue zu zeichnen. Alles, was sich skandalisieren ließ, wurde skandalisiert.”

4. “‘Du hast keine Kontrolle – und das ist gut so'”
(tageswoche.ch, David Bauer und Philipp Loser)
Ein Interview mit Erik Martin, dem Geschäftsführer von Reddit: “20 Millionen Mal wird gevotet pro Tag, wir haben pro Tag eine Million Kommentare. Und gleichzeitig sind unsere 200 Top-Subreddits nur für die Hälfte des gesamten Traffics verantwortlich.”

5. “‘Mein Berlin'”
(tvthek.orf.at, Video, 31:10 Minuten)
Hauptstadtjournalisten beantworten die Frage, was es bringt, Politikern zuzuschauen, wie sie kommentarlos an ihnen vorbeilaufen (ab Minute 2).

6. “Erste Ladung Facebook-Likes erreicht die Philippinen”
(dietagespresse.com)

Fische, Frost, Grindelwald

6 vor 9

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1. “Tote Fische in den Briefkästen von ‘Blick’-Journalisten”
(tagesanzeiger.ch, Stefan Hohler)
Ein Student war vor dem Bezirksgericht Zürich angeklagt, er habe eine Hetzkampagne gegen vier “Blick”-Journalisten mitveranstaltet. “Laut Anklageschrift soll der Schweizer die Journalisten ‘durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt haben’. Dies gilt vor allem für den Journalisten, der als ‘stadtbekannter Kinderschänder’ tituliert wurde. Der Mann habe sich zu Tode gefürchtet und sei deswegen für zwei Wochen in die Ferien gefahren.” Inzwischen wurde der Angeklagte verurteilt, siehe dazu “26-jähriger FCZ-Fan verurteilt” (nzz.ch, Michael Baumann).

2. “Mit dem Zweihänder gegen eine Unbequeme”
(oeffentlichkeitsgesetz.ch, Martin Stoll)
Der Pressesprecher des Schweizer Bundesamts für Landwirtschaft will der Journalistin Eveline Dudda keine Fragen mehr beantworten, sie solle sich zukünftig “direkt an den Rechtsdienst des BLW richten”. “Dass die Landwirtschaftsbeamten Dudda als Spezialfall behandeln, hat einen einfachen Grund. Journalistin Dudda ist in der Schweizer Landwirtschaftspresse eine der wenigen, die hartnäckig nachfragt.”

3. “Huffington Post: So schauen die ersten Daten zum Traffic aus”
(youdaz.com, Andreas Grieß)
Mehr als vergleichbare Portale erhält die “Huffington Post” ihre Leser über Links, glaubt Andreas Grieß: “Dieser Wert spricht aber nicht dafür, dass huffingtonpost.de im Netz fleißig verlinkt wird, sondern offenbart viel mehr, dass die Seite extrem abhängig von anderen ist. Genauer gesagt: von zwei anderen Seiten, wie ein Blick auf die Top-Referrer zeigt. Mit großem Abstand sind hier nämlich AOL.de und Focus.de zu finden.”

4. “Kachelmann-Wetter: Wochenende, Winter, Gefahr durch Scheibenkratzen und fiese Friede”
(youtube.com, Video, 4:26 Minuten)
Jörg Kachelmann liest den “Bild”-Artikel “Regen! Schnee! Frost! Das Restjahr im Wetter-Check” (ab 4:15 Minuten).

5. “Grindelwald”
(begleitschreiben.net, Lothar Struck)
Lothar Struck schreibt über seinen vor 100 Jahren geborenen Vater.

6. “An Opinion Piece On A Controversial Topic”
(junkee.com, Edward Sharp-Paul, englisch)

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