Archiv für April 7th, 2020

Zum Würfeln: Autotests und Fahrberichte

Zeitknappheit, Personalmangel, begrenzte Ressourcen …

Wir kennen die Probleme der Redaktionen nur allzu gut und haben dafür die Lösung: Mit unserem neuen Würfelspiel „Kurz vor Redaktionsschluss“ lassen sich, jawoll, auch kurz vor Redaktionsschluss auf die Schnelle druckreife Teaser, kurze Artikel und ganze Testberichte über die wichtigsten Neuzugänge in der Motorwelt erstellen.

Folge 4 unserer 16-teiligen Serie: Autotests und Fahrberichte.

Das neue BILDblog-Würfelspiel Kurz vor Redaktionsschluss - nur viermal würfeln, schon haben Sie einen kompletten Autotest beziehungsweise Fahrbericht beisammen - Schritt 1: Würfeln Sie die Oben-Drüber-Zeile! Schritt 2: Würfeln Sie das Fahrzeug! Schritt 3: Würfeln Sie die Fahreigenschaft! Schritt 4: Würfeln Sie den Lese-Verstärker! - Variante 1: Rückkehr einer Legende! Der bärenstarke Brachial-Bolide bietet Laufkultur und Fahrspaß und bildet die Krone des Modellprogramms! - Variante 2: Bewährungsprobe für den Klassenprimus! Das vom Kult-Designer gefaceliftete Cabrio ist mehr Schönling als Packesel und stürmt die automobile Bühne! - Variante 3: Schöner Wohnen made in Bavaria! Das testosteron-geschwängerte Coupe schlenzt die Gänge beim Cruisen nur so rein und bietet britische Clubatmosphäre! - Variante 4: Muskelprotz zum kleinen Preis! Der US-Boy mit dem Italo-Charme krakeelt inbrünstig seine Potenz hinaus und ist nichts für Anfänger oder Sänften-Fans! - Variante 5: Spaß-Offroader mit Hinguck-Garantie! Das Power-Paket mit Formel-1-Technik stürmt den Fahrdynamikgipfel und rollt von Erfolg zu Erfolg! - Variante 6: Rampensau oder Mauerblümchen? Das Genügsamkeitswunder aus Fernost rangiert zwischen hart und zart und rast an der Konkurrenz vorbei!

Hier gibt es ein größeres JPG und hier ein größeres PDF zum Ausdrucken.

Am Donnerstag folgt Ausgabe 5.

Bisher erschienen:

Schwarz-Weiß-Denken bei „Bild“

Sitzen Weiße auf einer Parkbank, sind das laut „Bild“ und Bild.de „friedliche Parkbesucher“:

Screenshot Bild.de - Bei friedlichen Parkbesuchern greift die Berliner Polizei durch

Sitzen Schwarze auf einer Parkbank, sind das laut „Bild“ und Bild.de „Drogendealer“:

Screenshot Bild.de - Bei Drogendealern im Park nicht

Die Fotos und die dazugehörigen Bildunterschriften stammen aus einem Artikel, der heute in der „Bild“-Zeitung und bei Bild.de erschienen ist:

Screenshot Bild.de - Es kann doch nicht sein, dass ... sechs Corona-Regeln, die wir nicht verstehen

Eine Sache, die laut „Bild“-Redaktion „DOCH NICHT SEIN“ kann: Dass …

… die Polizei jahrelang Drogendealer ungeschoren lässt, JETZT aber jeden aufschreibt, der sich im Park sonnt!

Dazu zeigen die „Bild“-Medien dann eben die zwei Fotos von oben, auf denen niemand beim Dealen zu sehen ist, aber eine Gruppe zu „Drogendealern“ erklärt wird.

Und es soll jetzt niemand kommen und sagen: „Ja, aber schaut doch mal in die Parks — wer vertickt da denn Drogen? Und wie sehen die aus?“ Das ist genau das rassistische Kennst-Du-einen-kennst-Du-alle-Vorurteil, das die „Bild“-Redaktion mit ihrer Fotoauswahl bedient.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Bild.de ist auf der Suche nach einem Antibiotikum gegen das Coronavirus

Es ist ja allein schon bedenklich, dass zwischen der Kombination aus Dachzeile und Überschrift …

Screenshot Bild.de - Hoffnung für Corona-Patienten - Deutsche Forscher entwickeln Antikörper-Therapie

… und dem vierten Absatz des Bild.de-Artikels

Der Frankfurter Wissenschaftler Professor Erhard Seifried arbeitet mit seinem Team und anderen Zentren unter Hochdruck daran, eine Studie zu starten, die genauere Ergebnisse zur Wirksamkeit liefern soll. Kann die Antikörper-Therapie schwere Verläufe abmildern? Kann sie Todesfälle verhindern? Das alles muss noch herausgefunden werden.

… die „HOFFNUNG FÜR CORONA-PATIENTEN“ auf „Das alles muss noch herausgefunden werden“ zusammenschnurrt. So schreibt auch der Deutsche Presserat in Ziffer 14 seines Pressekodex:

Bei Berichten über medizinische Themen ist eine unangemessen sensationelle Darstellung zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken könnte.

Was die medizinische Expertise der „Bild“-Redaktion angeht, wird es etwas weiter hinten im Text aber noch bedenklicher. Zur Frage, ob die Antikörper-Therapie, die die Forscher entwickeln, „Covid-19 heilen“ kann, schreibt die Bild.de-Autorin:

Nein. Bei der Antikörper-Therapie geht es nicht um Heilung, sondern um die Verhinderung schlimmer Verläufe. „Die Idee ist, dass möglichst viele Viren abgefangen werden und sich nicht mehr vermehren können“, erklärt Seifried.

Aber: Die Antikörper-Therapie ist nicht vergleichbar mit einem Antibiotikum. Der Wissenschaftler sieht die Therapie eher als Überbrückung, bis ein solches Mittel gegen die Viren gefunden ist.

Das wäre wirklich eine ganz besondere medizinische Sensation: Die Entdeckung eines Antibiotikums, das nicht, wie sonst üblich, nur gegen Bakterien wirkt, sondern auch „gegen die Viren“.

Mit Dank an Florian B. und @loutum1 für die Hinweise!

Nachtrag, 16:15 Uhr: Bild.de hat die Stelle im Artikel geändert. Dort steht nun:

Der Wissenschaftler sieht die Therapie eher als Überbrückung, bis ein Heilmittel gegen das Corona-Virus gefunden ist.

Das Wort „Antibiotikum“ taucht im Beitrag nun nicht mehr auf.

Am Ende des Artikels gibt es einen transparenten Korrekturhinweis der Redaktion:

Nachtrag: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir den Eindruck erweckt, Antibiotika würden auch gegen Viren helfen. Dem ist natürlich nicht so, Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infektionen.

Dünnbartbohrer, Heimliches Strategiepapier, Falscher Tod

1. Exklusiv: Deutschlands beste Corona-Ticker
(kress.de, Christian Lindner)
Medienberater Christian Lindner stellt 15 beispielhafte Corona-Ticker vor. Sein Überraschungssieger: Der Corona-Feed der „Hamburger Morgenpost“. „Total regional, stimmig, kraftvoll, nüchtern im Sound und optisch perfekt.“
Wie es um Europas Presse in Zeiten der Pandemie steht, berichten „SZ“-Korrespondenten aus sechs Ländern. Angenehm kurze Infohäppchen der Auslandsreporterinnen und -reporter.
Doch wie wirkt sich die Corona-Krise im Inland aus? Gregory Lipinski hat sich für „Meedia“ bei den großen Verlagshäusern umgeschaut. Nach Bertelsmann, Funke, SWMH und „Zeit“-Verlag wolle jetzt auch Axel Springer zumindest partielle Kurzarbeit anmelden. Und auch beim „Tagesspiegel“ werde es wegen massiver Anzeigenrückgänge bald Kurzarbeit geben.
Im Podcast „Unter Zwei“ von Levin Kubeth geht es ebenfalls um Die Herausforderungen der Coronakrise. Kubeth hat, wie so oft, hochkarätige Interviewgäste aus der Medienbranche in der Sendung.
Die „taz“ plant eine Sonderausgabe für und gefüllt durch freie Fotografen und Fotografinnen: „Die taz wird am Donnerstag, Gründonnerstag Dokumente dieser Zeit aufbereiten — Dokumente, die uns unsere Fotograf:innen selbst bereitstellen, als visuelle Zeitzeug:innen.“
Beim „Fachjournalist“ gibt es ein Interview mit dem Datenjournalisten Marcel Pauly vom „Spiegel“: „Die Coronakrise dominiert den Arbeitsalltag aller Datenteams“.
Lesenswert ist zudem Dennis Horns Einordnung der Medienkritik des Virologen Christian Drosten.
Und wer nach all den Corona-News etwas Abstand und Ablenkung braucht: Die „Süddeutsche“ hat eine tolle Zusammenstellung von Kulturlinks: Konzerte, Lesungen und Kunst von zu Hause erleben.

2. Der Dünnbartbohrer
(neues-deutschland.de, Christian Y. Schmidt)
Christian Y. Schmidt ärgert sich über die journalistische Begleitung der Corona-Krise durch den Wirtschaftsjournalisten Gabor Steingart in dessen Newsletter: „Seit 2018 verschickt er per E-Mail ein sogenanntes ‚Morning Briefing‘, eine Art ‚Breitbart light‘ für Wirtschaftsliberale, das stilistisch den schmalen Grat zwischen Claas Relotius und Franz Josef Wagner auslotet. ‚Dünnbart‘ wäre kein schlechter Name. Für den Verfasser aber müsste man aufgrund seiner Corona-Verlautbarungen ebenfalls eine neue Bezeichnung finden. Am besten würde eine passen, die ich hier nicht hinschreibe, denn ich habe keine Lust, mich von Steingart verklagen zu lassen.“

3. Veröffentlicht die Dokumente!
(uebermedien.de, Arne Semsrott)
In der Presselandschaft zirkuliert ein vertrauliches Strategiepapier des Bundesinnenministeriums zum Umgang mit der Corona-Pandemie. Viele Medien hätten sich aus dem 17-seitigen Papier unterschiedliche Aspekte herausgepickt und würden daraus zitieren. Obwohl das Strategiepapier bereits in der Branche kreise, weigere sich das Innenministerium, es auch anderen Journalistinnen und Journalisten auf Basis des Pressegesetzes herauszugeben. Arne Semsrott ist deshalb initiativ geworden: „Es über das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) zu bekommen, würde sich einen Monat hinziehen, viel zu lange. Und auch kein Sender, kein Verlag hat das Papier bisher veröffentlicht. Deshalb haben wir von ‚FragDenStaat‘ das gemacht.“

4. Umstrukturierung als Mentalitätswandel
(deutschlandfunk.de, Daniel Bouhs, Audio: 5:21 Minuten)
Der Hessische Rundfunk befindet sich mitten in der Transformation. Das betrifft sowohl die Personalstruktur als auch die Inhalte und Ausspielwege. Es ist eine gewaltige Herausforderung, denn die Änderungen finden an vielen Stellen gleichzeitig statt, und die Corona-Krise verlangt dem Sender Weiteres ab. Daniel Bouhs hat sich die Reformanstrengungen näher angeschaut.

5. Konkurrenz mit Sonntags-Talks
(sueddeutsche.de)
Neulich lagen ARD und ZDF im Clinch wegen zeitgleich laufender Nachrichtensendungen, nun sollen parallel angesetzte Polit-Talkshows für Unmut sorgen. Spezial-Talkshowausgaben rund um das Coronavirus mit Maybrit Illner (ZDF) kollidierten mit dem festen Sendetermin ihrer ARD-Kollegin Anne Will.

6. Korrektur: Meldung zum Tod von Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger war falsch
(nzz.ch)
Die „Neue Zürcher Zeitung“ („NZZ“) ist offenbar auf einen berühmt-berüchtigten Twitter-Hoaxer hereingefallen, der sich als „Suhrkamp Verlag“ ausgegeben und den angeblichen Tod des Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger verkündet hatte.
Weiterer Lesehinweis: Felix Neumann hat mit dem Mann Kontakt aufgenommen, der sich als Politiker, Bischof und Künstler ausgebe: Tommasso Debenedetti – „Meisterfälscher“ und Papst-Serienmörder (katholisch.de).
PS: Die „NZZ“-Redaktion wäre besser gefahren, wenn sie Neumanns 4 Strategien gegen Twitter-Fakes gelesen hätte, bevor sie die Falschnachricht ungeprüft weiterverbreitete. Ein Artikel für den digitalen Handwerkskoffer und die ewige Bookmarkliste.