Archiv für April 9th, 2020

Zum Würfeln: Musikkritiken im Feuilleton

Zeitknappheit, Personalmangel, begrenzte Ressourcen …

Wir kennen die Probleme der Redaktionen nur allzu gut und haben dafür die Lösung: Mit unserem neuen Würfelspiel „Kurz vor Redaktionsschluss“ lassen sich, jawoll, auch kurz vor Redaktionsschluss auf die Schnelle druckreife Teaser, kurze Artikel und ganze Besprechungen von neuen Songs und Alben erstellen.

Folge 5 unserer 16-teiligen Serie: Musikkritiken im Feuilleton.

Das neue BILDblog-Würfelspiel Kurz vor Redaktionsschluss - nur viermal würfeln, schon haben Sie eine komplette Musikkritik beisammen - Schritt 1: Würfeln Sie den Einleitungssatz - Schritt 2: Würfeln Sie das erste Kritikelement - Schritt 3: Würfeln Sie das zweite Kritikelement - Schritt 4: Würfeln Sie den Schlusssatz - Variante 1: Das apokalyptische Endzeitwerk paraphrasiert eine poetisch-nihilistische Eskapade und entwickelt eine Ästhetik der Durchlässigkeit: Die Musik zu einem Film, der nie gedreht wurde! Variante 2: Der dissonante No-Wave-Sound auf das Wiegenlied enthält Versatzstücke afroamerikanischer Musiktradition und oszilliert zwischen Eleganz und Quietschigkeit: ein Meisterwerk der Geschmackstransgression! Variante 3: Die ohrenbetäubend lapidare Soundlawine produziert ein dahintreibendes subsonisches, sinistres Rollen und trägt das ferne Echo einer dystopischen Welt: Zuckerwürfel-Pop am Ende des Regenbogens! Variante 4: Das fragrante und idiosynkratische Werk konstruiert düstere Tracks einer klerikalen Teufelsaustreibung und verweigert sich einer eindeutigen Genrezuschreibung: das in Musiknoten gegeossene Aufklärungsmanifest! Variante 5: Der Gattungs-Mix mit der modernen Klangästhetik erschafft futuristisch dahinwabernden Schaltkreis-Pop und verharrt zwischen Konstanz und Kontinuität: ein Schrei nach Liebe voller Wumms, Utopie und Eskapismus! Variante 6: Die groovende Selbstermächtigung für die Generation Z entfacht ein postfaktisches und redundantes Erhabenheitsgetöse und beschwört den Wunsch nach Katharsis herauf: ein aufgekratztes Sammelsurium von Ernst und Schäbigkeit!

Hier gibt es ein größeres JPG und hier ein größeres PDF zum Ausdrucken.

Am Mittwoch folgt Ausgabe 6.

Bisher erschienen:

Corona-Schub für Online-Angebote, Verbockt es nicht, Quarantäne-Keller

1. Hört auf mit den Stereotypen!
(journalist.de, Stella Männer)
„Während wir in Porträts über [Friedrich] Merz von seinem Hobby dem Fliegen erfuhren, lernten wir in Texten über [Annegret] Kramp-Karrenbauer, wie viele Kinder sie hat.“ Die freie Journalistin Stella Männer hat in ihrer Masterarbeit die geschlechtsstereotype Diskriminierung von Frauen in Spitzenpositionen untersucht. Aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen leitet sie acht konkrete Forderungen für einen besseren Journalismus ab.

2. Medien, verbockt es nicht!
(zeit.de, Rezo)
Der Youtuber Rezo beschäftigt sich in seiner aktuellen „Zeit“-Kolumne unter anderem mit dem Corona-Clickbait und erinnert die Medien an deren Verantwortung: „Wenn jemand auf etwas klickt, enttäuscht ist und es genervt wieder schließt, kommt nur eine Metrik an: ein Klick mehr. Wundervoll quantifizierbar, einheitlich vergleichbar, aber gerade deshalb oft völlig überbewertet und trügerisch. Den Verlust von Vertrauen und Respekt merkt man im Gegensatz dazu oft erst dann, wenn es zu spät ist. Und die Auswirkungen können drastisch sein, denn das Vertrauen, das man mit zehn guten Erfahrungen im Leser aufbaut, zerstört man mit einer schlechten wieder. ‚Wer einmal lügt‘ und so.“

3. Werbung für Geldspiele: Transparenz sieht anders aus
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Nick Lüthi kritisiert PR-getriebene Artikel über Schweizer Online-Casinos, die oftmals nicht klar als Werbung zu erkennen seien. Besonders auf Blick.ch würden immer wieder derartige grenzwertige Formate auftauchen. Lüthi plädiert für eine „Selbstverpflichtung auf klare Erkennbarkeit der Werbung“. Dies entspräche der liberalen Werbeordnung der Schweiz.

4. Ich bin immer ein bisschen unseriös.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre hat für „Planet Interview“ mit der Autorin und Moderatorin Laura Karasek gesprochen. Es geht unter anderem um ihre Sendung „Zart am Limit“, Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung von Frauen in den Medien, zweischneidige beziehungsweise vergiftete Komplimente und ihre frühere Autorenschaft für „Bild“.

5. Moderation aus dem Quarantäne-Keller: CNN-Starreporter Chris Cuomo kämpft vor Millionenpublikum mit Corona
(meedia.de, Nils Jacobsen)
CNN-Reporter Chris Cuomo ist an einer Corona-Infektion erkrankt. Seit einer Woche berichtet er aus der privaten Keller-Quarantäne über den Verlauf der Erkrankung und schildert, was diese mit ihm psychisch mache. Zugeschaltet ist ein Arzt, der die Symptome medizinisch einordnet. Das Format werde von manchen Journalisten wegen der familiären Verbandelung Cuomos kritisiert: Chris Cuomo ist der jüngere Bruder von New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.

6. Corona-Schub nicht nur im TV: n-tv.de überholt spiegel.de
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Dem aktuellen Geschehen geschuldet, sind die Besuchszahlen der großen Nachrichtenhäuser geradezu explodiert: Oft haben sich die Visits im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Leider konnten die spektakulären Online-Zuwächse viele Medienhäuser nicht vor der Kurzarbeit bewahren. Besonders eindrucksvoll hat sich übrigens n-tv.de entwickelt, das sich vor den „Spiegel“ und direkt hinter Bild.de geschoben hat.