Archiv für März 24th, 2020

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe)

Unsere Taskforce hat sich mal wieder durch den Clickbaitdschungel gekämpft, damit Ihr nicht selber klicken müsst, aber trotzdem immer auf dem neuesten Stand bleibt!

Und weil sich „DerWesten“, das Onlineportal der Funke-Mediengruppe, in diesen Tagen ganz besonders viel Mühe gibt, wollen wir diese Anstrengungen auch angemessen würdigen. Darum widmen wir ihm ab heute eine Serie — das Für-Sie-geklickt-„DerWesten“-Corona-Spezial! Legen wir gleich los mit DIESEN krassen Geschichten …

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Michaelle Hunziker in Corona-Quarantäne: Du ahnst nicht, was sie vorhat

Sich Beauty-Gesichtsmasken machen.

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Helene Fischer: Coronavirus-Schock! Die Sängerin muss jetzt...

… ein Konzert absagen.

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Coronavirus - kann sich mein Haustier anstecken?

Nein.

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Coronavirus in NRW: Familie ist zwei Wochen in Quarantäne  Vater hat DIESE große Angst

Dass er seinen Job verliert.

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NRW: Wegen Coronavirus - Deutsche Bahn sieht diese drastische Veränderung

„Um bis zu 20 Prozent sei der Verbrauch von Seife und Desinfektionsmitteln in den vergangenen Tagen und Wochen an Bord der Züge gestiegen, heißt es.“

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München: Frau will sich auf Corona testen lassen und wird bitter enttäuscht: Es ist schon absurd

Sie musste über eine Stunde in einer Schlange warten, weil die Zimmer nach jedem Test penibel gereinigt wurden.

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Teuer weiterverkaufen.

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„… dann würde das System vermutlich explodieren.“ [Wenn in Essen eine drei- bis vierstellige Zahl von Fällen auftreten würde.]

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„… sehen Sie nichts :) Toilettenpapier momentan leider nicht lieferbar!“

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… Termine absagen.

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Nein.

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… zuhause in Quarantäne bleiben, weil sein Trainer positiv getestet wurde.

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Tische auseinanderrücken.

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Nein.

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… ist, „die Verbreitung des Virus einzudämmen.“

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„… nicht im Stich.“ Die Tafeln seien auch nicht von den Hamsterkäufen betroffen, das sei „absoluter Quatsch“.

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Mark Uth, Leihspieler beim 1. FC Köln, sollte nach der Saison eigentlich verkauft werden.

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31,40 Euro.

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Nö. Nicht Sex wurde verboten, sondern der Betrieb in Bordellen pausiert.

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… nichts. Der „Coronavirus-Schock“ ist, dass er eventuell von einem Ausreiseverbot betroffen gewesen wäre, dann aber doch ausreisen konnte.

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Bitteschön. Keine Ursache.

Heute anonym XXVII

Redaktionen bekommen es ja bekanntermaßen nicht immer hin, eine Anonymisierung von Personen, über die sie berichten, nicht nur anzufangen, sondern auch konsequent durchzuziehen. Das gilt leider auch für Mopo.de:

Screenshot Mopo.de - Horst N. (55) ist ... - Dazu zeigt die Redaktion eine Foto des uniformierten Polizisten, auf dem das Namensschild des Mannes zu erkennen ist
(Verpixelungen durch uns.)

Wäre es nicht vielleicht eine gute Idee, auch das Schild mit dem Nachnamen des Mannes unkenntlich zu machen, wenn man den Nachnamen des Mannes in der Bildunterschrift schon extra abkürzt? Sollte die Redaktion möglicherweise, wenn sie sowieso schon dabei ist, dann nicht auch die öffentliche Position des Polizisten, die ziemlich flott Rückschlüsse auf seinen Namen zulässt, aus dem Beitrag streichen (folgt in der Bildunterschrift nach „Horst N. (55) ist“)? Und wie wäre es, auch gleich noch das Gesicht zu verpixeln, das bisher nicht verpixelt ist, sollte das Ziel des abgekürzten Nachnamens tatsächlich Anonymität gewesen sein?

Mit Dank an @yeboah17 für den Hinweis!

Nachtrag, 15:03 Uhr: Vielleicht waren wir mit unserem Vorwurf etwas vorschnell: Der Artikel ist Teil einer „Mopo“-Serie über „Hamburgs Helden in der Corona-Krise“. Zum Konzept dieser Serie scheint zu gehören, dass die Nachnamen der interviewten Personen immer abgekürzt werden — ob nun beim Busfahrer, beim Chefarzt oder bei der Friseurin. Alle diese Personen sind im Foto (unverpixelt) zu sehen. Im Gegensatz zum Polizisten ist bei den anderen allerdings nie ein Namensschild mit dem vollen Nachnamen erkennbar.

Dass wir zu doof waren, dieses Konzept zu verstehen — dafür möchten wir um Entschuldigung bitten. Die Diskrepanz zwischen Bildunterschrift mit abgekürztem Nachnamen und Bild mit vollem Nachnamen im Falle des Polizisten halten wir aber immer noch für eine merkwürdige Lösung.

Mit Dank an @noplacetohide für den Hinweis!

„Zeit“ im Homeoffice, Schweiß der Vergangenheit, „Quarantäne-WG“

1. Journalismus in Zeiten einer Pandemie
(zeit.de, Jochen Wegener)
Wir wirkt sich das Kontaktverbot auf eine Redaktion wie „Zeit Online“ aus, bei der fast 200 Kolleginnen und Kollegen ins Homeoffice geschickt wurden? Wie stark leidet Recherche in Zeiten körperlicher Distanz? Geht kreativer Journalismus ohne Redaktionsräume? Chefredakteur Jochen Wegner erzählt, wie seine Redaktion auf die derzeitigen Herausforderungen reagiert. Man habe Wege zu kollaborativer Arbeit gefunden, doch: „Dass wir die neue Heimarbeit Wochen oder gar Monate durchhalten, während wir gleichzeitig unsere Kinder betreuen und uns um Angehörige und Nachbarn kümmern, können wir uns allerdings schwer vorstellen — wie derzeit sicher die meisten neuen Heimarbeiter in Deutschland.“

2. Männer, die in Kameras starren: Warum die „Quarantäne-WG“ bei RTL bestürzender Blödsinn ist
(rnd.de, Imre Grimm)
„Wenn bisher noch Restzweifel bestanden haben sollten, dass die Coronakrise auch eine Krise der Kultur ist, dann dürfte spätestens mit der Premierensendung der ‚Quarantäne-WG‘ Klarheit herrschen.“ Imre Grimm hat sich das neue Primetime-Format bei RTL angeschaut, eine Art abgefilmtes Skype-Gespräch zwischen Unterhaltungsgrößen wie Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Oliver Pocher. Nach einem lesenswerten Rant konstatiert Grimm: „Das passiert halt, wenn erfahrene Medienmacher, zu denen niemand mehr ‚Nein‘ sagt, in die Midlife Crisis kommen. Manche gründen Social-Media-Agenturen. Manche mieten Schiffe. Manche machen Skype-Fernsehen.“

3. Schweiß der Vergangenheit
(taz.de, Alina Schwermer)
Sportsender betrifft die Corona-Krise besonders heftig, da alle Live-Events gestrichen sind. Die Sender verfallen daher auf das Ausstrahlen von Dokus und alten Sporthighlights, doch wird das die Zuschauer und Zuschauerinnen dauerhaft bei der Stange halten? Alina Schwermer hat sich bei den Pay-TV-Sendern Sky, Dazn und Magenta Sport sowie anderen Anbietern wie Eurosport und Sport1 nach deren Umgang mit der Krise umgehört.

4. Radio machen unter der Bettdecke
(srf.ch)
Auch beim Schweizer Radiosender Radio SRF werkeln derzeit viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Homeoffice aus und müssen dabei die unterschiedlichsten Hürden überwinden. In der Fotostrecke kann man sich die Arbeitsbedingungen der SRF-Moderatoren und -Moderatorinnen anschauen: vom Auto als schallisoliertem Arbeitsplatz bis hin zur Küche mit Bettdecke über dem Kopf.

5. Bitte keine Appelle!
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 3:52 Minuten)
Medienjournalist Christoph Sterz versteht die derzeitige Fokussierung der Medien auf das Thema Corona, kritisiert jedoch die seiner Meinung nach oft fehlende Distanz. Manche Journalistinnen und Journalisten würden sich darauf beschränken, die Statements der Politik eins zu eins und ohne kritische Nachfragen wiederzugeben: Sie „sollten sich keiner Corona-Kampagne anschließen, sondern einfach ihren Job machen.“

6. Dieser verdammte Schlagzeilen-Virus
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Mats Schönauer ist der offizielle Regenbogenpressebeauftragte des medienkritischen Portals „Übermedien“. Dort ruft er regelmäßig zum „Schlagzeilenbasteln“ auf: „Hätten Sie das Zeug, Redakteurin oder Redakteur bei der Regenbogenpresse zu werden? Finden Sie es heraus! Wir geben Ihnen eine Nachricht, und Sie versuchen, eine titelseitentaugliche Schlagzeile daraus zu basteln.“ Diesmal geht es um Nachrichten, die — mal mehr, mal weniger — mit dem Coronavirus zu tun haben.