Archiv für März 25th, 2020

Für Sie geklickt (Corona-Ausgabe) (2)

Teil 2 unserer Corona-Clickbait-Spezial-Serie! Auch diesmal wieder „Für Sie geklickt“: „DerWesten“, das Klopapier-Portal der Funke-Mediengruppe.

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… noch eine Weile in seiner Heimat Madeira bleibt.

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… bei ihrer Hochzeit auf den Empfang im Garten des Buckingham Palace verzichten.

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In Kliniken.

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„Wie sollen sie von ihrem monatlichen Regelsatz von rund 150 Euro einen großen Vorrat [an Lebensmitteln] anlegen?“

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„… weiterhin Blut gespendet wird.“

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Menschengruppen auf dem Münchner Viktualienmarkt.

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Bis September.

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Spülmittel.

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… verschoben.

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Geschäftsschließungen.

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Cannabis.

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Falsche Mediziner, die bei älteren Menschen klingeln und unter dem Vorwand, einen Coronavirus-Test durchzuführen, in die Wohnung gelangen wollen.

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„… uns beleidigen lassen, weil alles nicht schnell genug geht und uns die Ware ausgeht.“

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„… ist zehn Mal so hoch wie bei einem Influenzafall.“

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„An dieser Stelle noch einmal die Bitte an alle Mitarbeiter von Durstexpress.de, die sich momentan krankgeschrieben haben, oder nicht zum Dienst erscheinen wollen. Wir brauchen euch gerade mehr denn je und ihr tut uns einen riesigen Gefallen, wenn ihr die Getränke bis an unsere Haustür liefert. Deswegen versucht, zur Arbeit zu erscheinen. Wenn es euch gut geht und ihr nicht krank seid, dann kommt zur Arbeit. Wir brauchen euch. Habt Mut!“

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Dass einige Haushaltsgegenstände nicht mehr im Lager vorrätig sind.

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„Der Instagram-Post zeigt Michael Wendler und seine Laura, die sich nach der Show einen Kuss geben. Keinesfalls unbedenklich, wie einige Fans behaupten. In einer Zeit, in der sogar vom alltäglichen Händeschütteln abgeraten wird.“

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Aldi UK spendete 250.000 britische Pfund an eine Hilfsorganisation, die ältere Menschen unterstützt.

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„Das wird davon abhängen, welche Stornierungsbedingungen Sie festgelegt haben.“

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„(Um 17:00 Uhr gehe ich ins Styling! Und draußen fangen die Menschen an Partys zu feiern … sie stehen eng an eng, liegen sich in den Armen. Mehrere Menschen trinken aus einer Flasche Bier. Nuckeln alle NACHEINANDER an einer shisha…. Hup-Konzerte, Autorennen. Irgendwann schmeißt einer den Grill an und legt Bratwürste darauf. Wisst ihr was? Ich finde das sowas von zum kotzen. Wie viele Egoisten sind eigentlich unterwegs? Wie viele haben nicht die geringste Spur von Solidarität in sich? Wie viele haben NULL gesellschaftliche Verantwortung??? Was glauben diese Menschen ???“

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Bitteschön. Keine Ursache.

Bild.de verlinkt Facebook-Profil einer Verstorbenen

In Großbritannien ist eine 21-Jährige, die keinerlei Vorerkrankungen gehabt haben soll, am Coronavirus gestorben. Dass die „Bild“-Redaktion in so einem Fall loszieht, Soziale Netzwerke nach Fotos der Frau durchsucht und die zusammengeklaubten Bilder dann ohne Skrupel und Verpixelung veröffentlicht, ist zwar erbärmlich, aber nichts Neues. Dass sie dabei den vollen Namen der Person nennt, überrascht uns auch nicht mehr.

Dass sie aber auch einen Link zum Facebook-Profil der Verstorbenen setzt, das kannten selbst wir bisher nicht:

Screenshot einer Meldung aus dem Bild-Corona-Liveticker zu dem Todesfall in Großbritannien. Dabei auch zu sehen: Dass die Bild-Redaktion das Facebook-Profil der Verstorbenen verlinkt hat
(Alle Unkenntlichmachungen durch uns.)

Mit Dank an Christian für den Hinweis!

Angst und Geld machen in Zeiten von Corona

Es ist nur ein Beispiel, aber dafür ein recht typisches, das zeigt, wie die „Bild“-Redaktion in diesen unsicheren Tagen a) Angst verbreitet und b) versucht, mit dieser Angst der Menschen Kohle zu machen:

Screenshot Bild.de - Italien schließt Zapfsäulen - Machen auch bei uns die Tankstellen dicht?

Jeder, der bisher nicht daran gedacht hat, dass ja vielleicht „auch bei uns die Tankstellen dicht“ machen könnten, kann nun denken: Oh Gott, machen auch bei uns die Tankstellen dicht?

Wenn man kein „Bild plus“-Abo hat, erfährt man dazu nur:

In Italien schließen demnächst die ersten Tankstellen, kündigen die Betreiberverbände an. Ab Mittwochabend sollen demnach zunächst die Zapfstellen an Autobahnen dichtmachen, dann sollen nach und nach andere Tankstellen folgen.

Tankstellen dicht — ist das auch bei uns möglich?

Lesen Sie mit BILDplus, wie die Mineralöl-Industrie die Versorgungslage in Deutschland einschätzt!

Die Antwort auf die „Bild“-Überschrift lautet, wie so oft, wenn dort ein Fragezeichen am Ende steht: nein. In Deutschland sei es „offenbar nicht der Fall“, dass Tankstellen bald schließen müssen, steht im Artikel. Ein Sprecher des Mineralöl-Wirtschaftsverbands sagt, „bei uns“ sehe es gut aus. Und der Hauptgeschäftsführer des Verbands antwortet auf die Frage, ob die Versorgung aufrechterhalten werden kann:

„Eindeutig ja, Benzin und Diesel sind jederzeit verfügbar.“

Die durchaus wichtige Info, dass an der Tankstellenfront alles in Ordnung ist, gibt es nur gegen Bezahlung.

Klar, auch die „Bild“-Redaktion muss zusehen, wie sie ihre Arbeit finanziert. Aber muss sie dafür wirklich die Notlage von Menschen ausnutzen, wie in diesem Fall?

Screenshot Bild.de - Diesen Artikel lesen Sie nur mit Bild plus - Was gestrandete Urlauber jetzt wissen müssen - So kriegen Sie einen Platz im Rettungsflieger

Zumal gestrandete Urlauberinnen und Urlauber die Antworten auf ihre wichtigsten Fragen sowieso beim Auswärtigen Amt bekommen — ohne vorher ein Abo abschließen zu müssen.

Wir würden gar nicht soweit gehen, dass alle Artikel zum Coronavirus, egal von welcher Redaktion, kostenfrei abrufbar sein sollten. Aber die grundlegenden. Die, die Menschen zum Beispiel bei der drängenden Frage helfen, ob sie sich „jetzt testen lassen“ sollen. Die „Bild“-Redaktion will mit der „ANGST VOR CORONA-INFEKTION“ aber lieber Geld machen:

Screenshot Bild.de - Angst vor Corona-Infektion - Soll ich mich jetzt testen lassen?

Eine kostenlose Antwort darauf gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Mit Dank an Bloodtrain für den Hinweis!

Corona-WG, Döpfners Achse des Guten, Postel-Einsteller Wodarg

1. Wegen Corona: ORF-Mitarbeiter wohnen im Fernsehsender
(rnd.de)
Um den Sendebetrieb aufrechterhalten zu können, werden mehr als 150 Menschen beim ORF einziehen und dort eine „Corona-WG“ bilden (Zitat Armin Wolf). Essen, schlafen, arbeiten — all das werde für die betreffenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks nun in sogenannten Isolationsbereichen direkt im Sender stattfinden.

2. Land des Lächelns
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der Vorstandsvorsitzende des Springer-Konzerns Mathias Döpfner hat einen längeren Text über die Corona-Krise geschrieben (erster Satz: „Seit Tagen zögere ich, etwas zu schreiben“). Was für einige Irritation sorgte: Döpfners Aufsatz erschien nicht nur bei der Springer-Tochter „Welt“, sondern auch im neokonservativen Rechtsaußen-Blog „Achse des Guten“. Steffen Grimberg kommentiert: „Warum der Springer-Chef seinen Beitrag jetzt ausgerechnet dort für eine Zweitveröffentlichung freigegeben hat, fragt er sich hoffentlich mittlerweile selbst.“

3. Warum dieser Mann die Epidemie kleinredet
(welt.de, Nike Heinen)
Weil das Video immer noch zirkuliert, der folgende Lesetipp: Wissenschaftsjournalistin Nike Heinen hat sich mit dem Lungenarzt Wolfgang Wodarg beschäftigt, dessen vielfach geteiltes Verschwörungsvideo zu Covid-19 immer noch für Verunsicherung und Verwirrung in Teilen der Bevölkerung sorgt. Nach der inhaltlichen Aufarbeitung hat Heinen eine schöne Schlusspointe zu dem fragwürdigen Mediziner parat: „In den 1980er-Jahren übernahm er die Leitung am Gesundheitsamt Flensburg. Einem größeren Publikum bekannt wurde er, weil er dort den Medizin-Hochstapler und gelernten Postboten Gert Postel als stellvertretenden Amtsarzt einstellte.“
Weiterer Lesetipp: Die gefährlichen Falschinformationen des Wolfgang Wodarg (spiegel.de, Julia Merlot).
Bei den „Riffreportern“ hat sich Marcus Anhäuser dem Thema gewidmet, ergänzt um eine umfangreiche Liste mit Faktenchecks und Einordnungen. Eine fantastische Fundgrube für alle, die sich weiter in das Thema einlesen wollen. Wodarg, Bhakdi und Co.: Die Besserwisser in Zeiten der Coronakrise

4. Wie das Coronavirus den Journalismus verändert
(anchor.fm, Levin Kubeth, Audio: 57:39 Minuten)
Für seinen Medienpodcast „Unter Zwei“ hat sich Levin Kubeth mit Susanne Amann, Managing Editor beim „Spiegel“, unterhalten. Wie geht das Nachrichtenmagazin mit der Pandemie um? Wie wirkt sich die derzeitige Lage auf das Miteinander im Haus aus? Welche technischen und administrativen Folgen erfordert die neue Situation?

5. Gegenläufig
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Medienunternehmen reagieren ganz unterschiedlich auf das Coronavirus: Manche schicken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Homeoffice, manche verfallen auf das Arbeitsmarkt-Instrument der Kurzarbeit. Caspar Busse hat sich angeschaut, wie Mediengrößen wie Bertelsmann, Axel Springer und ProSiebenSat.1 derzeit agieren.

6. 9 Pandemie-Filme, in denen Journalisten eine Rolle spielen
(journalistenfilme.de, Patrick Torma)
Patrick Torma sammelt auf journalistenfilme.de Kinofilme und Fernsehproduktionen, in denen Journalisten und Journalistinnen eine Rolle spielen. In einer Sonderausgabe stellt er neun Pandemie-Filme vor, in denen Medienschaffende auftauchen.