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Verleger, Thilo Sarrazin, Matthias Matussek

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Mär vom Milliardenmarkt”
(blog.alvar-freude.de)
Gibt es einen “weltweiten Umsatz mit Kinderpornos” in der Höhe von 18 Milliarden US-Dollar, wie Spiegel.de vermutet? Und gibt es rund 100’000 kommerzielle Kinderporno-Websites? Alvar Freude findet dafür keine Anhaltspunkte.

2. “Ach ja, die Pressefreiheit”
(berliner-zeitung.de, Christian Bommarius)
Die Welt gewöhne sich an vieles, schreibt Christian Bommarius. “Und sie scheint sich nun auch daran zu gewöhnen, dass die Pressefreiheit an den Sonntagen der Demokratie in Parlamenten zwar pathetisch beschworen und mit rhetorischen Girlanden umrankt, von Montag bis Sonnabend aber von den Regierungen und deren Sicherheitsbehörden als Sicherheitsrisiko diffamiert und verfolgt wird.”

3. “Von DuMont zu Döpfner: Gedanken über das Verlegertum”
(meedia.de, Christian Meier)
Christian Meier zählt die vielfältigen Ansprüche auf, die deutsche Journalisten an ihre Verleger haben: “Verleger und solche, die es werden wollen, werden in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen, manchmal auch mit mehr als zwei.”

4. “Neues Buch über Medienmacht: Die Mär vom armen Opfer Sarrazin”
(spiegel.de, Jan Fleischhauer)
Jan Fleischhauer wundert sich, dass Thilo Sarrazin, der Bücher in Millionenauflage verkauft, behauptet, man dürfe seine Meinung nicht frei äußern. “Im Fall Sarrazin liegt eine Verwechslung vor. Nur weil einem eine bestimmte Elite die kalte Schulter zeigt, heißt das noch lange nicht, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährdet sei.”

5. “Being Matussek”
(pantelouris.de)
Michalis Pantelouris bespricht den Text “Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so” (welt.de, Matthias Matussek). “Wer Homophobie so rechtfertigt wie ‘Matussek’, den hat Matussek nach allen Regeln der Kunst geoutet. Er hat einfach Angst vor der Welt, die er nicht mehr versteht. Und das ist irgendwie okay.”

6. “Olympic poem (V): Deutschland einig Rodelland #Sochi2014”
(jensweinreich.de)

Hollande, Alliterationen, Wikipedia

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1. “5 Tipps, um Sensationsjournalismus vorzubeugen”
(journalist.de, Beth Winegarner)
Beth Winegarner liefert fünf Tipps, “die dabei helfen können, Sensationsjournalismus vorzubeugen – und gleichzeitig Geschichten zu erzählen, denen das Publikum nicht widerstehen kann”: “1. Halten Sie sich an die Fakten! 2. Vorsicht bei der Beschreibung und Identifizierung von Verdächtigen! 3. Bleiben Sie skeptisch – auch gegenüber ‘Experten’! 4. Sammeln Sie so viele Details wie möglich! 5. Erzählen Sie eine gute Geschichte!”

2. “Fakten-Check beim ‘Spiegel’: ‘Wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt'”
(derstandard.at, Oliver Mark)
Oliver Mark erinnert daran, dass beim “Spiegel” 70 Dokumentationsjournalisten daran arbeiten, die Fakten korrekt zu halten: “Über eine journalistische Ausbildung verfügen die wenigsten, die meisten sind Fachleute wie Mediziner, Sinologen, Techniker, Physiker, Juristen oder Historiker.”

3. “Wikipedia, die Pariser Kommune und ich”
(antjeschrupp.com)
“Wie soll man belegen, dass es etwas NICHT gegeben hat?”, fragt sich Antje Schrupp beim Editieren von Wikipedia.

4. “Content economics, part 5: news”
(blogs.reuters.com, Felix Salmon, englisch)
Felix Salmon fasst den jüngsten Medienwandel im Bereich News zusammen. “This might come as depressing news to high-minded editors who extol the wonders of investigative journalism and who disdain cat videos as being beneath them. But most news bundles have always included their fair share of fluff, and in a disaggregated world, there’s no need for the investigative journalists to work for the same employer as the people curating cat videos. (Although, they can.)”

5. “Homme Alone”
(thedailyshow.com, Video, 4:40 Minuten, englisch)
Wie US-Medien über einen Besuch von François Hollande bei US-Präsident Barack Obama berichten.

6. “Nie wieder ‘humorvolle Hüftgoldtrager’: Für ein Alliterationsverbot im deutschen Fernsehen!”
(blogs.stern.de/programmstoerer, Peer Schader)

Sag ja zur Recherche

Am Anfang des Videos geht eine junge Frau durch den Flur ihrer Schule. Traurige Klavierklänge untermalen die Szene. “Sie sagten, Heroin sei das beste High, das ich je hatte”, erzählt sie aus dem Off. Dann sieht man, wie sie zu Hause schreiend einen Fernseher an die Wand schmeißt, Regale umwirft, dann in der Stadt neue Drogen kauft, sich vor der Polizei versteckt und schließlich in den Armen ihrer Mutter zusammenbricht. “Erfahren Sie die Wahrheit über Heroin”, sagt sie am Ende in die Kamera, und eine Internetadresse wird eingeblendet.

Das Video ist ein Werbefilm für die Kampagne “Sag NEIN zu Drogen — Sag JA zum Leben”. Es ist vergangene Woche bei Bild.de erschienen, in einem Artikel über den steigenden Heroin-Konsum in den USA.

Auf den ersten Blick ist daran nichts auszusetzen, immerhin unterstützt Bild.de damit eine gemeinnützige Kampagne, die sich der Drogenaufklärung verschrieben hat.

So scheint es zumindest.

In Wahrheit steckt hinter der so gutmütig wirkenden Anti-Drogen-Organisation aber ein bisschen mehr. Sie gehört nämlich zu Scientology.

Schon vor einem Jahr warnte der Verfassungsschutz Baden-Württemberg davor, dass Scientology zunehmend versuche, über das Internet neue Mitglieder zu gewinnen. Rainhard Hoffmann vom Stuttgarter Landesamt für Verfassungsschutz sagte der dpa, in Deutschland könne man über 100 Webseiten Scientology oder nahestehenden Organisationen zurechnen. Über Nebenorganisationen wie “Jugend für Menschenrechte” oder “Sag NEIN zu Drogen — Sag JA zum Leben” versuche die Scientology-Organisation, junge Leute zu ködern.

Und Bild.de hat sie dabei unterstützt.

Ohne Absicht, vermutlich, denn normalerweise steht das Portal der Organisation eher kritisch gegenüber, bezeichnete sie unlängst als eine der “gefährlichsten Sekten der Welt”. Nichtsdestotrotz hätten die Bild.de-Leute wissen können, für wen sie da gerade Werbung machen. Denn erstens wird auf der Seite der Anti-Drogen-Kampagne (wenn auch etwas versteckt) auf die Verbindung zu Scientology hingewiesen. Zweitens steht es in der Wikipedia. Und drittens hat Bild.de vor einem Jahr selbst darüber berichtet:

“Soziale Netzwerke spielen [für Scientology] eine immer wichtigere Rolle, um Mitglieder zu gewinnen”, sagte [Rainhard Hoffmann vom Verfassungsschutz]. Über Nebenorganisationen wie “Jugend für Menschenrechte” oder “Sag nein zu Drogen, sag ja zum Leben” sollten junge Leute gebunden werden. “Das sind auf den ersten Blick harmlose Themen mit denen die jungen Menschen geködert werden. Da erwartet man auf den ersten Blick nichts schlimmes dahinter.” Die Werbung sei bewusst auf die junge Generation zugeschnitten, ohne dass einem zunächst bewusst werde, wer dahinter stecke.

Das alles hatten die Leute von Bild.de blöderweise schon wieder vergessen, als sie vergangene Woche das Video in den Artikel einbauten.

Und noch blödererweise haben sie auch bei den fünfzehn anderen Videos nicht mehr daran gedacht:

Screenshots: Bild.de

All diese Videos sind auf Bild.de erschienen, Rubrik “TOP-VIDEOS”. Am Ende jedes Clips erscheint die Internetadresse der Scientology-Organisation.

Wir haben beim Pressesprecher der Axel Springer AG nachgefragt, warum die Videos veröffentlicht wurden, obwohl sie bei Bild.de hätten wissen müssen, dass Scientology dahintersteckt. Wir haben auch gefragt, ob Bild.de Geld für die Videos gezahlt hat und wenn ja, an wen.

Antworten auf diese Fragen haben wir leider nicht bekommen. Aber immerhin hat sich der Sprecher im Namen der Redaktion “herzlich” bei uns für den Hinweis bedankt. Wie es zu der Einbindung kommen konnte, werde jetzt “redaktionsintern geprüft”. Kurz nach unserer Anfrage hat Bild.de sämtliche Videos gelöscht.

Mit Dank an Franzi, Lars und den anonymen Hinweisgeber.

Hans Leyendecker, Native Advertising, Blogger

6 vor 9

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1. “Die aufgewärmte Nachricht”
(berliner-zeitung.de, Steven Geyer)
Ein Investigativteam unter der Leitung von Georg Mascolo enthüllt eine bereits publizierte Nachricht, die von deutschen Medien bereitwillig als Neuigkeit akzeptiert und verbreitet wird. “So beweist der erste Scoop des neuen, mächtigen Recherche-Trios zunächst nur seine Marktmacht: Wer direkten Zugriff auf die Tagesschau und eine der größten Zeitungen hat, kann leicht sein Thema auf die Agenda setzen.”

2. “Ideale muss man sich erst leisten können”
(medienwoche.ch, Carmen Epp)
Carmen Epp reflektiert einen Besuch von Hans Leyendecker und Ulrik Haagerup an der Journalistenschule MAZ: “Sie leben und arbeiten auf der Sonnenseite des Berufs, verglichen mit der Situation der genannten Jungjournalisten. Sie können sich ihre Prinzipien leisten, ohne um ihre Anstellung bangen zu müssen. Und dann voller Überzeugung öffentlich darüber reden, wie der ideale Journalismus aussieht, auszusehen hätte – wenn denn nur alle so wären wie sie.” Siehe dazu auch das “Journalist Guest Speaker Cliché Bingo” (jimromenesko.com, englisch).

3. “Bundestag sperrt Blogger aus”
(taz.de, Kristiana Ludwig)
Blogger werden von der Pressestelle des Deutschen Bundestags nicht akkreditiert, weil sie keine Journalisten seien. Dabei sind weder Journalist noch Blogger geschützte Berufsbezeichnungen, wie Hendrik Zörner vom DJV erklärt.

5. “Darf Werbung Inhalt sein?”
(journalist.de, Kathi Preppner)
Eine Umfrage zum Thema Native Advertising. Rüdiger Ditz, Chefredakteur “Spiegel Online”: “Bei uns gibt es kein Native Advertising, und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern.”

5. “Das ‘Spiegel’-Porträt über Mathias Döpfner: ‘Die Angst, abgehängt zu werden'”
(newsroom.de, Günther Rager)
Günther Rager sieht im “Spiegel”-Porträt von Mathias Döpfner “eine rührende Systemkritik”. “Springer begehe einen Verrat am Journalismus, lautet der pauschale Vorwurf, der weder ernsthaft erörtert noch belegt wird. Das lässt entweder auf eine Rückwärtsgewandtheit des Spiegel-Autors schließen – oder auf die Furcht, abgehängt zu werden.”

6. “Als der Löwentrainer ging und keiner richtig hinsah”
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Trainerentlassungen in der Fußball-Bundesliga, damals und heute.

Griechenland, Glibber, Tonga

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1. “Warum die Griechen nicht reich sind”
(wsj.de, Hans Bentzien)
Wie Michalis Pantelouris (BILDblog berichtete) schreibt auch Hans Bentzien zur “Bild”-Titelschlagzeile “Griechen reicher als wir”: “Griechenland ist eine Volkswirtschaft, die seit 2008 knapp ein Viertel ihrer Wirtschaftskraft eingebüßt hat, während die deutsche um 3 Prozent zulegte. Die Arbeitslosenquote Griechenlands ist von 8 auf 27 Prozent gestiegen, die Deutschlands von 8 auf 7 Prozent gesunken. Die verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen der Griechen sind in dieser Zeit um knapp 20 Prozent zurückgegangen, die der Deutschen dagegen um 12 Prozent gestiegen.”

2. “Bild: Keine fünf Wahrheiten über Energiekosten”
(klima-luegendetektor.de)
Die “Bild”-Titelschlagzeile “Strom wird NOCH teurer!” vom 31. Januar in der Analyse.

3. “Durchgezappt”
(ndr.de, Video, 2:08 Minuten)
Ein Rodler aus Tonga nimmt den Namen eines Unterhosenherstellers an – so gerät die Marke in den redaktionellen Teil von “Bild” und “Hamburger Morgenpost”.

4. “Netznutzer entdecken ihre Liebe zu den guten Nachrichten”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Tagtäglich finden “konstruktiv-nachdenkliche, inspirierende und optimistische Botschaften enthaltende Texte, Clips und Fotos über das Social Web zu den Menschen”, bemerkt Martin Weigert, und erkennt darin eine “Antithese zur traditionellen Presse”, wo es oft um “Mord, Totschlag oder Skandale geht”.

5. “Plötzlich Glibber”
(jule-stinkesocke.blogspot.de)
Jule Stinkesocke denkt nach über den Umgang mit Sexualität in einem Wohnprojekt von Behinderten.

6. “Himmelblau ist die Hoffnung”
(neues-deutschland.de, Tobias Riegel)
Tobias Riegel malt sich in einem “überdrehten Gedankenspiel” aus, wie es wäre, wenn eine “Demokratie”-Bewegung die US-Regierung attackieren würde.

MoPo, Schwarzer, Lokalbabbler

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1. “‘Bitte kehren Sie um, aber tun sie es ohne mich…'”
(journalist.de, Jan Freitag)
In einem offenen Brief kündigt der freie Journalist seine weitere Mitarbeit bei der “Hamburger Morgenpost”. Sein Vorwurf: Kampagnenjournalismus zu den Demonstrationen rund um die Rote Flora in Hamburg. Chefredakteur Frank Niggemeier antwortet in den Kommentaren.

2. “Darf der Bundestag von Bloggern einen Presseausweis verlangen?”
(telemedicus.info, Jonas Kahl)
Nachdem die Pressestelle des Bundestages mehreren Bloggern die Akkreditierung verweigert hat, analysiert der Jurist die Zulassungsbedingungen. “Blogs sind keine Presse zweiter Klasse. Blogger sind genauso wie hauptberufliche Journalisten durch die Pressefreiheit geschützt. Unterschiede können nur einzelfallbezogen gemacht werden, nicht aber generell.”

3. “Wie Alice Schwarzer ihren Fall selbst zum Medienthema machte”
(vocer.org, Ralf Höcker)
Rechtsanwalt Ralf Höcker stellt die Frage, ob Medien über Alice Schwarzers Steuerhinterziehung berichten dürfen. Seine Fazit: Die “Spiegel”-Veröffentlichung war unzulässig. “Das sogenannte ‘Recht zum Gegenschlag’ steht nach deutschem Presserecht nur ihrem Opfer Jörg Kachelmann zu, nicht aber den Medien. Frau Schwarzer ist kein Boxsack für jedermann.” Über ihre eigenen Äußerungen zum Thema habe Schwarzer die breite Berichterstattung jedoch möglich gemacht.

4. “Von Schaffern und Babblern”
(geprothmannt.de, Hardy Prothmann)
Der Heddesheimblogger zieht Bilanz und verteilt Kritik: “Neben den Schaffern gibt es jede Menge Babbler. Die treiben sich bevorzugt auf Kongressen herum, pumpen heiße Luft in den Raum und reden meistens über was, was sie selbst weder können noch bieten: Journalismus. Vor allem Lokaljournalismus.”

5. “Warum es Arno Schmidts Texte nicht als E-Book gibt”
(logbuch-suhrkamp.de, Friedrich Forssman)
Mit einer Tirade gegen E-Books und ihre Käufer sendet der Suhrkamp-Verlag ein Lebenszeichen: “Müssen sie einem nicht womöglich leid tun, die albernen Dateien, die gern Bücher wären, es aber niemals sein dürfen? Ja, das muß man, und nein, das müssen sie nicht, sie sind ein Unfug, ein Beschiß und ein Niedergang.” Johannes Haupt hält den Blogeintrag für bedenklich: “Das perfide am Text ist, dass durchaus berechtige Kritikpunkte an heutigen eBooks mit haltlosen Unterstellungen, wüsten Beschimpfungen und der Aufzeigung höchst zweifelhafter Zukunftsszenarien vermischt werden.”

6. “Bekenntnisse eines Aushilfshausmeisters”
(blogs.taz.de, Helmut Höge)
Der “taz”-Autor und Aushilfshausmeister reflektiert über seine Rolle: “Als man mir die Hausmeistervertretung antrug, dachte man, ich würde nun von ganz unten (aus dem Kellerlager sozusagen) einen selbstbewussten Blick auf die Kopfarbeiter da oben werfen. Ihnen hätte ich dann aber nicht mehr länger als Autor mit meinen Texten kommen dürfen.”

Ägypten, Anstalt, DDVG

6 vor 9

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1. “Die Medienmacht der SPD bröckelt: Die DDVG, ihre Zeitungen und Dietmar Nietan”
(blogs.faz.net/medienwirtschaft, Jan Hauser)
Jan Hauser beleuchtet die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG), das Medienbeteiligungsunternehmen der SPD. “Umstritten war und ist der Besitz, weil die Medien über die SPD berichten – und das unabhängig machen sollten.”

2. “Die Talkshow ist das Dschungelcamp der Mittelschicht”
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal denkt nach über Talkshows: “Weil die emotionale Anbindung der Zuschauer an eine Talkshow sowohl positiv als auch negativ funktioniert (Hauptsache Emotion!) sind die Moderatoren die Stargäste ihrer eigenen Shows. Die Moderatoren stehen im Mittelpunkt, und folgerichtig heißen die Talkshows wie sie. Die übrigen Gäste sind mehr oder weniger Staffage für die Performance des Moderators.”

3. “Die Hoffnungsträger der Öffentlich-Rechtlichen 2014”
(dwdl.de, Torsten Zarges)
Torsten Zarges identifiziert die “die sieben größten öffentlich-rechtlichen Hoffnungsträger 2014”: Bjarne Mädel, Christine Strobl, Daniel Fiedler, Bernhard Gleim, Stephan Denzer, Tom Buhrow und Jan Böhmermann.

4. “Claus von Wagner und Max Uthoff übernehmen die ‘Anstalt'”
(tagesspiegel.de, Jan Freitag)
Ein Interview mit den Nachfolgern von Frank-Markus Barwasser und Urban Priol bei “Neues aus der Anstalt”, Claus von Wagner und Max Uthoff.

5. “Kairos Regierung schüchtert Medienschaffende ein”
(derstandard.at, Astrid Frefel)
Astrid Frefel berichtet aus Ägypten: “Am vergangenen Wochenende waren zwei Online-Nachrichtenbüros in Kairo an der Reihe: Sie wurden von Sicherheitsbeamten überfallen; Kameras und Computer wurden konfisziert, die Mitarbeiter festgenommen und später wieder freigelassen.”

6. “‘Ich hab ihm öfter gesagt, dass er eine Niete ist'”
(theeuropean.de, Alexander Wallasch)
Ein Interview mit Matthias Matussek, der nach 25 Jahren den “Spiegel” verlässt und zur “Welt”-Gruppe wechselt.

Spiegel, Zeit, APO

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1. “Döpfner-Porträt”
(umblaetterer.de, Josik)
Der “überragende faktenorientierte Nachrichtenwert” des Mathias-Döpfner-Porträts im aktuellen “Spiegel” müsse “nachdrücklich verteidigt werden”, schreibt Josik.

2. “In eigener Sache: DER SPIEGEL hat Cornelius Gurlitt korrekt zitiert”
(spiegel.de)
Der “Spiegel” wehrt sich gegen Vorwürfe, nicht korrekt zitiert zu haben: “Cornelius Gurlitt hat im November gegenüber Özlem Gezer mehrfach in unterschiedlichen Formulierungen eine freiwillige Rückgabe abgelehnt. Auch der Vorwurf, das Zitat sei ‘verzerrend’ gewesen, ist falsch.”

3. “Über die Kunst und Technik des Interviews”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Harald Martenstein “lästert über die Medienbranche”: “Es gibt Leute, die keinen einzigen geraden Satz schreiben können und vom Schreiben leben, echt. Wenn die mit ähnlicher Kompetenz in der Leberwurstbranche tätig wären, gäbe es jede Woche unter den Wurstessern ein Massensterben.”

4. “Anti-Lanz-Petition erinnert die ‘Zeit’ an Anti-Juden-Kampagne der Nazis”
(stefan-niggemeier.de)
Josef Joffe stellt eine Satire als Realität dar, erkennt eine digitale “Verwünschungskultur” und vergleicht diese mit dem Satz “Kauft nicht beim Juden!”.

5. “Germany and America is Paradise”
(andrewhammel.typepad.com, englisch)
Andrew Hammel widmet sich der Liebeserklärung von Frank Schmiechen an die USA: “So sure, the people Herr Schmiechen met seemed relaxed, friendly, unpretentious go-getters, but he was, whether he knew it or not, hobnobbing with the American elite. To broaden his perspective, he might want to spend four months among the 40% of working Americans who make less than $20,000 per year. I think he’d be surprised just how much less a $20,000 salary buys you in the United States than it would in Germany, and he’d find all the surliness, misery, and envy he could handle.”

6. “Auf einmal wollen alle APO sein”
(heise.de/tp, Alexander Dill)
Der Wunsch, eine Außerparlamentarische Opposition (APO) zu verkörpern, erfasse immer mehr Gruppen, konstatiert Alexander Dill. “Nun fehlt nur noch, dass sich Merkel und Gabriel selbst als APO bezeichnen.”

NDR, Zehenmassagen, Christiane F.

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1. “Salzburger Schauspielchef kommt nicht nach Düsseldorf”
(rp-online.de, Annette Bosetti)
Die Landeshauptstadt Düsseldorf und das nordrhein-westfälische Kulturministerium dementieren einen Bericht von “Bild” zur Besetzung des Intendanten am Düsseldorfer Schauspielhaus.

2. “Ich verabschiede mich!”
(christiane-f.com)
Christiane F. zieht sich erstmal zurück aus der Öffentlichkeit. “Ich pendle zwischen dem Glamour der TV-Studios in Hamburg und Paris und dem Gammel im Berliner Obdachlosenheim, wo Freunde von mir leben, die ich dort auch besuche. (…) Ich bin eine kranke Frau Anfang 50. Ich kann nicht einmal längere Strecken mit der Bahn fahren, ohne dass ich drei Mal aussteigen muss. Es ist mir zu voll da drin, zu laut, zu warm. Ach, ich bin einfach kein Promi, wie ihr ihn sonst so kennt. Viele Erwartungen kann ich einfach nicht erfüllen.”

3. “Bedrohte Pressefreiheit”
(zdf.de, Video, 8:30 Minuten)
Frontal 21 berichtet über den Zustand der Pressefreiheit in Deutschland und den USA.

4. “Selektiv: Medien-Echo auf Snowden-Interview”
(ndr.de, Video, 5:02 Minuten)
Das Medienmagazin des NDR holt Stellungnahmen ein zu einem von einer NDR-Tochter produzierten und vermarkteten und auf ARD ausgestrahlten Interview mit Edward Snowden, das “in die Mühlen von Kollegenneid, Quotenkalkül und Vermarktungsdruck geraten” sei.

5. “Zehenmassage”
(medienspiegel.ch, Andrea Masüger)
Andrea Masüger verfolgt einen “Lichtbildvortrag” von Christoph Keese: “Während zwei Dritteln seines Vortrags zeigte der Referent vor allem Fotos aus dem Familienalbum. Unternehmer A mit Springermann B beim Koteletten braten, Berater C mit Springer-Forscher D beim Cola saufen, Entwickler E mit Springer-Techniker F beim Popcorn naschen. Alles natürlich unglaublich locker und familiär, was bei Amerikanern ja eine Neuheit ist.”

6. “Uns erreichte heute Nacht eine ungewöhnliche Anfrage”
(facebook.com/handelsblatt)

Diätenerhöhung bei M. DuMont Schauberg

“Man kann Alfred Neven DuMont glauben, dass ihn der Wunsch nach gutem Journalismus antreibt.”

(“Der Spiegel”, 5/2014)

Der Jahresanfang ist die Zeit, in der die Menschen sich ganz besonders für Diäten interessieren, und deshalb ist es auch die Zeit, in der die Medien ganz besonders viel über Diäten berichten. Die Zeitungen der Mediengruppe M. DuMont Schauberg tun es in diesem Jahr mit ganz besonderem Eifer.

Der “Kölner Stadt-Anzeiger” hat eine Serie “Los geht’s” gestartet. Darin überrascht er seine Leser unter anderem mit der These: “Wer abnehmen will, muss essen”, nennt Sport “Doping für die Zellen”, stellt spätberufene Extremsportler vor, interviewt Ingo Froböse, einen Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln — und empfiehlt jedesmal dessen kostenpflichtiges Abnehm-Programm “fitmio”.

Der Kölner “Express” hat auch eine Serie im Angebot, eine “große Stoffwechsel-Fibel” namens “Enorm in Form”, mit “Tipps vom Experten”, wie man sich schlankschläft und wie man den Jojo-Effekt vermeidet und der überraschenden These: “Wer abnehmen will, muss essen!” Der Experte ist in jedem Fall Ingo Froböse, ein Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln — und empfiehlt jedesmal dessen kostenpflichtiges Abnehm-Programm “fitmio”.

Die Serie aus dem “Kölner Stadt-Anzeiger” findet sich mit demselben Experten und derselben Empfehlung auf den Online-Seiten von “Berliner Zeitung” , “Frankfurter Rundschau”, “Mitteldeutscher Zeitung” und “Kölnischer Rundschau”.

Und die Boulevard-Variante aus dem “Express” steht mit demselben Experten und derselben Empfehlung auf den Online-Seiten von “Berliner Kurier” und “Hamburger Morgenpost”.

In einer konzertierten Aktion werben die Medien von M. DuMont Schauburg in großen, scheinbar redaktionellen Serien für “fitmio”, das kostenpflichtige Abnehmprogramm von Professor Froböse, und verlinken praktischerweise auch direkt dorthin.

Das lässt sich leicht erklären, allerdings findet sich diese Erklärung nicht auf den Seiten dieser Zeitungen. Das kostenpflichtige Abnehmprogramm “fitmio” mit Prof. Dr. Ingo Froböse, dem “Experten an Ihrer Seite”, ist ein Unternehmen der DuMont Net GmbH & Co. KG, einer hundertprozentigen Tochter der Mediengruppe M. DuMont Schauberg.

Der Verlag M. DuMont Schauberg ist also mit seiner Internet-Tochter Betreiber eines Abnehmprogramms mit Ernährungs- und Bewegungsplan inklusive Motivationsvideos von Prof. Dr. Froböse, das immerhin 79 Euro kostet. Und nutzt seine Zeitungen und deren Online-Seiten, dieses Angebot im redaktionellen Teil und ohne Hinweis auf die wirtschaftliche Verquickung zu bewerben. Er lässt eine Leserin sogar scheinbar unabhängig das Angebot testen. Die 47-jährige TV-Programmplanerin aus Bergisch Gladbach ist, Überraschung, sehr angetan.

Auf den “fitmio”-Seiten lacht übrigens treuherzig folgender Hinweis:

“Ich bin der Spiritus Rector der Redakteure”, sagt Alfred Neven DuMont, der Patriarch des Verlages, dem “Spiegel”, der ihn als positives Gegenbeispiel zu Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer darstellt. “Man muss doch Leidenschaften haben. Das Schlimmste für mich wäre, Bankier zu sein und nur noch an das Geld denken zu müssen.”

Neven DuMont sagt: “Ich glaube an die Zeitung.” Zumindest weiß sein Verlag, wofür sie noch nützlich sein kann.

Mit Dank an Kai B.!

Nachtrag, 30. Januar. Aus dem Internetauftritt der “Frankfurter Rundschau” sind die Artikel mit der “fitmio”-Werbung plötzlich verschwunden.

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