Suchergebnisse für ‘the’

Ukraine, Abendzeitung, Sex

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Ukraine – Berichterstattung durch die West-Brille?”
(ndr.de, Video, 5:45 Minuten)
In der Berichterstattung deutscher Medien über die Krise in der Ukraine kam vor allem ein Teil der Opposition zu Wort.

2. “Motz-Mittwoch #21”
(malguckenwielangeichblogge.blog.de)
Der “Winsener Anzeiger” berichtet über einen Vorfall am Karneval: “Nur um es nochmal klarzustellen: es ist schrecklich, was passiert ist, es ist durch nichts zu rechtfertigen und den Unfallfahrer soll die volle Härte des Gesetzes treffen. Ich möchte ihn hier nicht verteidigen. Diesen ganzen Sachverhalt nun aber vorschnell mit Halbwahrheiten und Annahmen aufzublasen, nur damit sich Regionalzeitungsjournalisten auch mal auf Bild-Niveau austoben dürfen, das geht zu weit.”

3. “Das leider absehbare Aus der AZ”
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
“Aus betriebswirtschaftlicher Sicht war die Abendzeitung schon lange ein jeden Abend in den stummen Verkäufern auftauchender Zombie”, bemerkt Christian Jakubetz zum von der “Abendzeitung” gestellten Insolvenzantrag. “Wer zehn Jahre horrende Verluste einfährt und keinerlei Perspektive auf eine Trendwende hat, ist wirtschaftlich gesehen mausetot.”

4. “I’m Finally Revealing My Name and Face As the Duke Porn Star”
(xojane.com, Belle Knox, englisch)
Eine Pornodarstellerin schreibt zur Doppelmoral um Pornos. “Isn’t that always the way? The porn performer is to be shamed. The porn consumer is to be celebrated. (…) I stand for every woman who has ever been tormented for being sexual — for every woman who has been harassed, ostracized and called a slut for exerting her sexual autonomy — and for every woman who has been the victim of The Double Standard. You want to see me naked. And then you want to judge me for letting you see me naked.”

5. “Shalalalala, Erotica! (1) – Die sexuellen Aktivitäten der Wollmäuse”
(kleinerdrei.org, Lena)
Lena schreibt über Sex: “Gestern hat mir eine Frau gesagt, man müsse wegkommen von der Vorstellung, dass Sex einfach so passiere, und ihm gezielt einen Platz im eigenen Leben einräumen. Nun ist es aber so, dass in meinem Leben gerade ungefähr so viel Platz ist wie in meinem Bauch, wenn ich zwei Burger und einmal Pommes Schranke gegessen habe: gar keiner. Um Sex gezielt in mein Leben einräumen zu können, müsste ich außerdem wohl erst einmal etwas anderes um- oder ausräumen.”

6. “Little Loo of Horrors”
(sofia-berlin.blogspot.de)
Das Klo der Café Bar Sofia in Berlin Kreuzberg.

Werben mit den Opfern

In der vergangenen Woche sind bei einem Wohnungsbrand in Mannheim drei kleine Kinder gestorben. Bundesweit wurde über den traurigen Fall berichtet, natürlich auch in “Bild”, blatthoch in der Bundesausgabe:

Reporterin Janine Wollbrett schildert, wie “qualvoll” die Kinder ums Leben gekommen sind, lässt Zeugen, Feuerwehr und Oberbürgermeister zu Wort kommen und spekuliert über die Brandursache. Im Grunde tut sie also das, was auch andere Medien tun — mit einem Schuss mehr Sensationsgeilheit, versteht sich, und mit der Besonderheit, dass auch die Namen der Opfer genannt werden, das ist für das Blatt ja üblich in solchen Fällen und macht “Bild” nun mal zu “Bild”.

Genau wie das, was ein paar Tage später passierte. Gestern nämlich erschien in der “Bild”-Zeitung und bei Bild.de Folgendes:

Stolz präsentiert Janine Wollbrett “eines der letzten Fotos der 3 toten Kinder”, das sie offenbar im Verwandten- oder Freundeskreis der Familie aufgetrieben hat. “Witwenschütteln” hieß das früher mal, das Blatt selbst umschreibt es aber lieber so:

Jetzt sprach BILD erstmals mit der bulgarischen Familie über die Tragödie!

Mit wem genau sie gesprochen hat, verrät die Reporterin nicht. Zitiert werden lediglich “eine Verwandte” und “eine Freundin” — mit der Mutter aber, die “Bild” ebenfalls im Foto zeigt, hat sie sich offenbar nicht unterhalten. Wie auch? Sie “steht bis heute unter Schock”, wie “Bild” selbst schreibt, “muss starke Medikamente nehmen” und liegt vermutlich noch im Krankenhaus. Es ist also sehr fraglich, ob die Mutter ihr Einverständnis für die Veröffentlichung der Fotos gegeben hat. Es ist ja sogar fraglich, ob sie überhaupt davon wusste.

Dabei gibt es, gerade in solchen Fällen, strenge Regeln für Journalisten. Erst im vergangenen Jahr hat der Presserat Ziffer 8 des Pressekodex (“Schutz der Persönlichkeit”) überarbeitet, um die Opfer von Straftaten und Unglücken besser vor identifizierender Berichterstattung zu schützen. Es wurde sogar extra eine neue Richtlinie (8.3) hinzugefügt, in der die Journalisten darauf hingewiesen werden, “dass insbesondere bei der Berichterstattung über Straftaten und Unglücksfälle Kinder und Jugendliche in der Regel nicht identifizierbar sein sollen”.

Generell gilt:

Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte Personen zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.

Ob “Bild” in diesem Fall die Erlaubnis hatte, die Namen und Fotos zu veröffentlichen, wissen wir nicht. Wir gehen aber — schon allein aus Erfahrung — eher nicht davon aus.

Mit den Fotos lässt sich dann, wenn man genügend wenig Skrupel hat, sogar für den Verkauf des eigenen Blattes werben, nämlich so:

via @KaeptnEmo.

@BonitoTV, 9/11, Meinungsfreiheit

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘Bild’ fällt erneut auf falschen Harald Schmidt herein”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Wieder einmal hält “Bild” @BonitoTV für das Twitter-Konto von Harald Schmidt: “Wie oft ein falscher Twitter-Account auch nach mehr als einem halben Jahrzehnt noch große Medien-Marken in die Irre führen kann, ist verblüffend und erschreckend zu gleich.”

2. “Jetzt amtlich – 89.0 RTL musste Gewinnspielbetrug zugeben”
(fair-radio.net, Sandra Müller)
Der Radiosender 89.0 RTL wird von der Landesmedienanstalt verpflichtet, öffentlich bekanntzugeben, “dass seine Aktion ‘Tankwahnsinn’ im vergangenen September gesetzeswidrig war”. Ausgestrahlt wurde die Bekanntgabe am 3.März, um 6:24 Uhr morgens, ohne Entschuldigung.

3. “‘Ich habe eine Meinung'”
(journalist.de, Stefan Niggemeier)
Dürfen Journalisten Aktivisten sein? Stefan Niggemeier schreibt: “Natürlich muss ein Journalist unabhängig sein, natürlich darf er sich nicht einem Verein, einem Unternehmen, einer Person verpflichtet fühlen, sondern nur einer Sache. Natürlich darf er kein Lobbyist sein. Aber er darf Überzeugungen haben und leidenschaftlich dafür kämpfen.”

4. “Einer von uns, irgendwie”
(sueddeutsche.de, Martin Wittmann)
Martin Wittmann zweifelt daran, dass US-Präsident Barack Obama Zeit findet, die Webserie “House Of Cards” zu schauen: “Wahrscheinlicher ist, dass hier ein paar PR-Profis nicht konsequent zu Ende gedacht haben, als sie Obama als volksnahen Hipster verkaufen wollten.”

5. “Verschwörungstheorie!”
(heise.de/tp, Paul Schreyer)
Journalist Paul Schreyer erlaubt sich, den Wikipedia-Artikel zu 9/11 zu editieren. Und berichtet, was dann passiert. “Meine Frage an die selbsternannten Gralshüter der Wahrheit, nach welchen spezifischen Kriterien denn ‘verschwörungstheoretische’ Texte von solchen unterschieden würden, die man als Quelle bei Wikipedia akzeptiert, blieb unbeantwortet. Man sei nicht da, um Auskünfte zu erteilen, hieß es dazu nur knapp. Die gesuchten Kriterien solle ich ‘durch eigene Lektüre herausfinden’.”

6. “Wie man die Demokratie ruiniert”
(cicero.de, Alexander Marguier)
Alexander Marguier greift den Abbruch einer Podiumsdiskussion mit Thilo Sarrazin auf: “Eine Diskussion über Meinungsfreiheit zu verhindern, weil einem die Meinung eines der Beteiligten nicht passt, darauf muss man erst einmal kommen. Ob die Randalierer jetzt zufrieden sind? Der Sieg, den sie nach Abbruch der Veranstaltung gestern vor dem Berliner Ensemble feierten, war ein Triumph der Denkfaulheit, der Intoleranz, der Sprechverbote. So ruiniert man eine Demokratie.” Siehe dazu auch ein Interview mit Claus Peymann (welt.de, Lucas Wiegelmann).

Antisemitismus, Vermarktung, Rebekah Brooks

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Keine Antisemiten, nirgends!”
(fr-online.de, Hanning Voigts)
Medien würden regelmäßig zögern, Antisemitismus als solchen zu benennen, glaubt Hanning Voigts: “Der Gedanke, dass es ihn immer noch gibt, auch bei Linken und gebildeten Bürgern, ist offenbar schwer auszuhalten. Sogar dann, wenn es in der Sache selbst wenig zu diskutieren gibt.”

2. “Eine Lüge, ein Geheimnis und eine Tragödie”
(journalist.de, Hakan Tanriverdi)
Hakan Tanriverdi schildert eine Recherche, an deren Ende eine Selbsttötung steht: “Den Suizid von Essay Anne Vanderbilt hätte niemand voraussehen können. Aber was es für einen Menschen bedeutet, fürchten zu müssen, dass sein persönliches Lebensgeheimnis öffentlich gemacht wird, das hätten sich die beteiligten Personen fragen müssen.”

3. “‘Größtmögliche Vielfalt statt kleinster gemeinsamer Nenner'”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Ein Interview mit Guido Reinhardt von UFA Serial Drama zu Fernsehserien: “Sie kennen die langen Entwicklungsvorläufe und auch die nicht immer mutigen Entscheidungsfindungen, die durch das finanzielle Risiko entstehen, das Sender bei der Produktion einer Serie eingehen. Keiner möchte einen Fehler machen und es hat in den letzten Jahren viele Formate gegeben, die nicht funktioniert haben. Ich kann die Verunsicherung auf allen Seiten verstehen.”

4. “Gefallene Königin des Boulevards”
(tagesanzeiger.ch, Peter Nonnenmacher)
Peter Nonnenmacher beobachtet den Prozess gegen Rebekah Brooks, Ex-Chefredakteurin von “News of the World”, und fragt, ob es denn sein könne, dass sie nichts wusste von dem, was ihr vorgeworfen wird. “30 Millionen Pfund Gewinn im Jahr spielte allein ‘News of the World’ zu jenen Zeiten ein. Entsprechende Summen wurden aufgewendet, um Celebrities (oder ihre Partner) zum Reden bringen. Wenn sie nicht reden wollten, wurden die Mülleimer und Papierkörbe durchschnüffelt. Und irgendwann eben auch Mobiltelefone und Maileingänge angezapft, wie drei Nachrichtenchefs der ‘News of the World’ gestanden haben.”

5. “Unser Vermarktungsdilemma”
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Markus Beckedahl fragt die Leser, wie Netzpolitik.org am Besten weitermachen soll mit der Vermarktung.

6. “13 Fakten, die Buzzfeed über (Medien-) Deutschland wissen muss”
(blog.rebellen.info)

Süddeutsche Zeitung, Upworthy, Thilo Sarrazin

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “SZ macht Facebook zu Jewbook”
(publikative.org, Patrick Gensing)
Die “Süddeutsche Zeitung” wird aufgrund einer Karikatur, die Mark Zuckerberg zeigt, kritisiert, siehe dazu “German cartoon of Facebook CEO Zuckerberg sparks anti-Semitism row” (jpost.com, Benjamin Weinthal, englisch) oder auch “Krake Juda” (titanic-magazin.de, Stefan Gärtner).

2. “Stellungnahme des Zeichners”
(sueddeutsche.de)
Der Zeichner dieser Karikatur, Burkhard Mohr, gibt zu den öffentlichen Reaktionen eine Stellungnahme ab: “Dass die Karikatur zur WhatsApp-Übernahme durch Facebook, bei der ich eine überspitzte Zeichnung Mark Zuckerbergs in Kombination mit der Krake aus dem Film ‘Fluch der Karibik’ dargestellt habe, wie eine antijüdische Hetz-Zeichnung aussieht, ist mir nicht aufgefallen.”

3. ” Why We Fact-Check Every Post On Upworthy”
(blog.upworthy.com, Matt Savener, englisch)
Upworthy.com setzt Ressourcen ein in der Fakten-Kontrolle. “My team scrutinizes everything that goes up on the site before we post it — a rarity at a time when even print magazines are laying off fact-checkers. All facts asserted in our content have to be backed up by reliable sources such as major trustworthy media outlets, government agencies and reports, scientific experts, and authoritative nongovernmental organizations.”

4. “Wie Wulff ohne ‘Bild’ nach Afghanistan reiste und so vielleicht einen ‘Krieg’ auslöste”
(stefan-niggemeier.de)
Der Wortlaut der Nachricht, die der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann im Dezember 2011 auf die Mailbox gesprochen hatte, wurde gestern auf Bild.de veröffentlicht.

5. “Gift und Gegengift”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig liest das Buch “Der neue Tugendterror” von Thilo Sarrazin und stösst darin auf “rein gar nichts Neues”: “Es gibt keinen frischen Gedanken zum medialen Phänomen der Verschlag­wortung von Sachverhalten. Nichts über den Populismus der Medien, die selber jedem Vereinfacher Populismus attestieren. Die zahlreichen Versuche mit paternalistischen Sprachregelungen einen Uniformismus zu erzeugen, werden vom Autor bejammert statt analysiert.”

6. “Thilo Sarrazin entgeht tugendterroristischem Anschlag nur knapp”
(der-postillon.com)

Kai Wiesinger, Digitalnomade, Buzzfeed

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Matthias Matussek schlägt spontan auf einen Schwulen ein”
(vetaro.wordpress.com)
Vetaro fügt dem Beitrag “Notwendige letzte Worte” (theeuropean.de, Matthias Matussek) weitere Worte hinzu: “Hallo! Das bin ich. Ich lese seit ich 13 bin den Bildblog, das ist zehn Jahre her. Meine Überzeugung, dass Wahrheit die wichtigste Tugend für mich ist, habe ich von ihm. Manchmal kommentiere ich auch, und oft freue ich mich über die Kommentare der gebildeten, mit klarem Menschenverstand schreibenden Leute, die oft erkennbar älter sind als ich und es schaffen, über 100+ Kommentare zu schreiben, ohne Schimpfworte zu nutzen oder die Identität eines anderen zu beleidigen.”

2. “Es gibt Situationen, da wird man erpresst”
(planet-interview.de, Jakob Buhre und Paula Emilia Huppertz)
Schauspieler Kai Wiesinger erklärt, warum er 2012 in “Bild” Auskünfte über sein Privatleben gegeben hatte: “Weil es eine Situation in meinem Leben gab, wo man so anfällig ist und so labil, dass man erpresst werden kann. Außerdem können Überschriften und Texte durch Kürzungen so verändert werden, dass eine Wirkung erzielt wird, die nie beabsichtigt war. Und es können Wahrheiten im Netz kursieren, die nichts mit der Realität zu tun haben.”

3. “How to hoax the international sports media with nothing more than a red circle”
(onlinejournalismblog.com, englisch)
Fußball: Ein Tweet lässt Sportjournalisten glauben, Mesut Özil und Manuel Neuer hätten als Junioren gemeinsam in einer Mannschaft gespielt. “It was not true. According to various biographies, Neuer had played for Schalke since the age of 5 – not Ozil’s Westfalia.” Siehe dazu auch “The tweet that tricked 3 news outlets into printing a lie” (dailydot.com, Fernando Alfonso III, englisch).

4. “Spiegel Online: Immer auf die Erneuerbaren!?”
(klima-luegendetektor.de)
Der Klima-Lügendetektor stört sich daran, dass “Spiegel Online” den Artikel “Kostenexplosion bei Strom, Öl, Gas: Energiearmut in Deutschland nimmt drastisch zu” mit einem Windrad illustriert.

5. “US-Website: Wie ‘BuzzFeed’ in Deutschland erfolgreich sein will”
(spiegel.de, Ole Reißmann)
Wird Buzzfeed in Deutschland Probleme mit Bildrechten haben? Gründer Jonah Peretti glaubt das nicht, man gebe “im Jahr mehrere Millionen Dollar für Bildrechte aus, stelle Fotografen ein und setze auf eigene Illustrationen”.

6. “1 Jahr Digitalnomade”
(medium.com, Jan Tißler)

Zum Täter gemacht

In einem Dorf in Nordrhein-Westfalen ist vor zwei Wochen eine 61-jährige Frau getötet worden.

Für die Kölner “Bild”-Ausgabe stand der Täter schnell fest:Patensohn schlägt liebe Oma (†61) tot

(Die Gesichter und Namen haben wir unkenntlich gemacht.)

Selbst ein mögliches Motiv lieferte das Blatt:Sie soll ihn auf frischer Tat beim Klauen erwischt haben

Gegen den Patensohn war zwar tatsächlich ein Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden; er selbst schwieg aber zunächst und wies die Vorwürfe dann zurück.

Jetzt stellte sich heraus: Er ist offenbar unschuldig. Vergangene Woche wurde nämlich ein anderer Mann verhaftet, der die Tat gestanden hat.

Der Patensohn ist inzwischen freigelassen worden. Bei Bild.de wird er — samt Foto, abgekürztem Namen und Motiv — aber immer noch als Täter präsentiert.

Mit Dank an Eva.

Nachtrag: “Bild” und Bild.de sind für die Berichterstattung vom Presserat gerügt worden.

Chart of Doom, Christian Rach, Quellenschutz

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Fragwürdiger Recherche-Multi”
(cicero.de, Petra Sorge)
Petra Sorge zeigt Probleme des Rechercheverbunds auf, den NDR, WDR und die “Süddeutsche Zeitung” bilden. “Die Süddeutsche profitiert natürlich auch von nicht-monetären Vorteilen – etwa Recherchekapazitäten oder dem Zugriff auf den öffentlich-rechtlichen Korrespondentenpool.”

2. “Christian Rach in der ZDF-Verwertungskette: Abräumen, bitte!”
(blogs.stern.de, Peer Schader)
Peer Schader ist enttäuscht über den Wandel von Christian Rach “vom RTL-Umkrempler zum ZDF-Showfuzzi”.

3. “Wer hat Angst vorm ‘Schwarzen Freitag’?”
(handelsblatt.com, Jörg Hackhausen)
Ein “Chart of Doom” wird im Netz und in den Medien verbreitet, so fragt etwa Focus.de: “‘Chart of Doom’: Kommt heute der große Börsen-Crash?”. Jörg Hackhausen bemerkt dazu: “Anders als der ‘Chart of Doom’ suggeriert, verlief die Rally in den 1920er-Jahren ganz anders als heute, und zwar deutlich steiler. Das erkennt man aber erst, wenn man die Skalierung ins richtige Verhältnis setzt.”

4. “Quellenschutz: Fatales Signal des Bundesgerichts”
(dominiquestrebel.wordpress.com)
Das Schweizer Bundesgericht zwingt eine Journalistin, den Namen eines von ihr porträtierten Cannabishändlers offenzulegen. “Dieser Entscheid des Bundesgerichts führt zu grosser Rechtsunsicherheit und wird weit über diesen Einzelfall hinaus Wirkung haben: Die Medien werden sich zwei Mal überlegen, Recherchen auch nur in der Nähe solcher Themenbereiche anzustellen.” Siehe dazu auch “‘Basler Zeitung’ geht nach Strassburg” (nzz.ch, ras.).

5. “Wegen Facebook/Whatsapp ein Blick ins Archiv auf Google/Youtube 2006”
(bastianbrinkmann.wordpress.com)
Wie deutsche Medien 2006 die Übernahme von YouTube durch Google einstuften.

6. “Techniktagebuch: Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in zwanzig Jahren!”
(techniktagebuch.tumblr.com)

Die Olympischen Ehe-Ringe

Die Reporter der “Bild”-Zeitung haben am Rande der Olympischen Spiele in der Bilddatenbank von “Getty Images” eine erstaunliche Entdeckung gemacht:

Bei einem Sport-Event in Nizhnekamsk (Tatarstan) hielt die Sportgymnastik-Olympiasiegerin (2 Mal Gold) am Wochenende stolz ihren Ehering in die Kameras. Putin trug gestern bei der Skilanglauf-Staffel der Herren auf der Ehrentribüne in Sotchi das gleiche Modell.​

Na sowas! Und wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass diese Dame laut “Bild” seit fünf Jahren “die angebliche Geliebte von Russlands Präsident” ist, stellt sich natürlich ruckzuck die Frage:Liebesgrüße aus Moskau - Hat Putin seine Olympia-Siegerin geheiratet?Das fragen sich — angestachelt von “Bild” — inzwischen auch einige andere Medien. Der Grund für die Spekulationen ist ein ganz bestimmtes Foto, das “Bild” als Beleg für die Theorie auch groß über dem Artikel abgedruckt hat:Bildunterschrift: "BLING! Wladimir Putin trägt in Sotchi Goldring" Kleiner Haken an der Geschichte: Das ist gar nicht Putins Ring. Das ist nicht mal seine Hand. Sie gehört dem Mann, der neben ihm sitzt. Putin selbst hat gar keinen Ring getragen.

Mit Dank an Philipp und **Kiki**

Nachtrag, 24. Februar: Bild.de hat das Foto gelöscht, den Rest des Artikels aber so gelassen.

Basler Zeitung, Spießerblätter, Venezuela

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Limburger Enten”
(faz.net, Daniel Deckers)
Daniel Deckers listet Ungereimtheiten und Fehler auf in der Berichterstattung von “Spiegel”, “Focus” und “Süddeutscher Zeitung” über den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

2. “Schleichwerbeverdacht in der ‘Bunten'”
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
“Im schönsten Werbesprech” berichtet die “Bunte”, dass Julia Klöckner mit Hilfe von Weight Watchers an Gewicht verloren habe. “‘Hätte Frau Klöckner mit Gemüsesuppe abgenommen, hätten wir auch das geschrieben – und sogar das ganze Rezept abgedruckt’, teilt ‘Bunte’-Chefredakteurin Patricia Riekel mit, die offensichtlich nicht zwischen Suppen und werbenden Unternehmen unterscheiden will.”

3. “Das Bau- und Verkehrsdepartement stellt Falschaussagen der Basler Zeitung richtig”
(medienmitteilungen.bs.ch)
Mit einer Auflistung von Fakten (PDF-Datei) reagiert das Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt auf einen Bericht der “Basler Zeitung”. Die Redaktion “hält an ihrer Darstellung fest”.

4. “Warum ich mich gegen PR abgrenze”
(ottohostettler.wordpress.com)
Soll ein Lobbyist an einem Recherchetag von Journalisten teilnehmen? Otto Hostettler ist dagegen: “Lobbyisten sind wichtige Input-Geber für Journalisten. Aber meiner Meinung nach gibt es keine ‘guten’ oder ‘bösen’ Lobbyisten. Deshalb sollten wir auch eine gesunde Distanz zu dieser Branche wahren. Die Lobbyisten machen es genauso.”

5. “Eine riesige klaffende Wunde”
(schneeschmelze.wordpress.com, Jürgen Fenn)
Jürgen Fenn antwortet auf den Beitrag “Braucht es uns noch?” (carta.info, Wolfgang Michal): “Ich brauche keine der von Wolfgang Michal benannten Spießerblätter zu zitieren, um mein Blog zu füllen. Das mag an meiner Art zu bloggen liegen. Das mag daran liegen, daß mich der professionelle Journalismus immer weniger interessiert und ich insoweit wählerischer geworden bin, indem ich Debatten und Themen verfolge, statt Zeitungen zu abonnieren.”

6. “Constructing ‘Venezuela’ protests: a photo gallery”
(drdawgsblawg.ca, englisch)
Um die Repression in Venezuela zu beschreiben, werden auch aus anderen Ländern stammende Fotos verwendet.

Blättern:  1 ... 336 337 338 ... 614