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Sportteil von “Bild” rasselt durch den Realitäts-Check

Die Transferphase der Bundesliga neigt sich dem Ende entgegen — heißt: Die Medien geben nochmal Vollgas und spekulieren munter darüber, welcher Spieler wohl zu welchem Verein wechseln wird.

Wie wenig man auf solche Ratespielchen geben kann, zeigt schon das Beispiel von Andreas Bjelland. Die “Bild”-Zeitung behauptete vor zwei Tagen, der Spieler vom FC Twente sei beim FSV Mainz 05 im Gespräch — einen Tag später musste sie aber per Twitter einräumen: Stimmt gar nicht.

Interessant übrigens auch diese Fortsetzung:

Auf der heutigen Pressekonferenz des FSV wurde der Mainzer Manager Christian Heidel gefragt, was in Sachen Transfers denn jetzt eigentlich Fakt sei. Da werde ja momentan viel geschrieben.

Heidel antwortete:

Ich lese auch viele Dinge, teilweise sehr belustigt, muss ich sagen. Aber ich verstehe das ja: Wenn wir nichts sagen, wird einfach was geschrieben – teilweise an den Haaren herbeigezogen.

Also teilweise ist es wirklich unglaublich, manche Namen habe ich noch nie gehört, kannte ich gar nicht – aber es ist halt so, damit müssen wir leben. Und wer uns kennt, wer mich kennt, weiß, dass wir einen Transfer dann bekannt geben, wenn ein Transfer perfekt ist.

Ein Journalist wollte daraufhin wissen:

Wie schwer wiegt es denn, dass ein Wunschspieler dann durch den Medizin-Check fällt? Den hätten sie ja sonst verpflichtet.

Gemeint ist damit eine Geschichte, die die “Bild”-Zeitung heute in der Mainzer Ausgabe gebracht hat:

Manager Heidel antwortete:

Das habe ich heute auch gelesen, das habe ich genauso belustigt zur Kenntnis genommen. Deswegen: Selbst wenn es so wäre, würde ich mich zu solch einer Thematik nie äußern, auch nie äußern dürfen. Ich kann nur eines sagen: Dem Jungen geht’s ausgesprochen gut!

Daraufhin der Journalist:

Ich habe nicht nach dem Medizin-Check gefragt, sondern wie schwer das wiegt, dass kurz vor einer Verpflichtung jemand scheinbar nicht den Medizin-Check besteht und die Transferperiode ja jetzt abläuft.

Manager Heidel:

Und das entscheide Wort war: scheinbar. Ich hab ja gesagt: Wartet doch mal ein bisschen ab! Hab ich gesagt, dass wir einen Spieler aufgrund eines Medizin-Checks nicht verpflichten können? Glaub ich nicht. Das hab ich auch heute irgendwo gelesen – aber was soll ich denn dazu sagen? Wir haben das nie bekanntgegeben, wir haben das nie gesagt, und ich habe ja eben gesagt: Diesem besagten Spieler geht es ausgezeichnet.

Und siehe da: Wenige Stunden nach der Pressekonferenz gab Mainz 05 die Verpflichtung des Spielers bekannt — dessen Wechsel laut “Bild” eigentlich schon “geplatzt” war.

Mit Dank an Jessica.

Frontal21, AMSgate, Kriegsreporter

1. “Die Frontal21-Show: Das Munkel-Geschäft der Lerchenberg-Lords”
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer kritisiert die “Frontal21”-Dokumentation “Die große Samwer-Show: Die Milliardengeschäfte der Zalando-Boys” (zdf.de, Video, 43:30 Minuten) in aller Ausführlichkeit. “Und nur, um es noch einmal zu schreiben: Die Samwers sind nicht die guten. Doch trieft aus diesem Stück Fernsehen eine Voreingenommenheit und Wirtschaftsfeindlichkeit, die stellvertretend ist für vieles, was ich bei ARD und ZDF sehe. Selbst dubioseste Personen werden dazu Helden aufgebaut, nur weil es in die These passt.”

2. “Ein dubioses Hörproblem”
(taz.de, Sebastian Heiser)
Hat SPD-Politiker Raed Saleh besondere Mühe mit der Grammatik der deutschen Sprache, wie mehrere Medienberichte behaupten? Sebastian Heiser macht einen Vergleichstest.

3. “#AMSgate – eine Chronik”
(e-auto.tv)
Nutzer bezweifeln einen Elektroauto-Test in der Zeitschrift “auto motor und sport”.

4. “An der Front ist der Teufel los”
(tagesanzeiger.ch, Tomas Avenarius)
Tomas Avenarius widmet sich dem Kriegsreporter: “Nüchtern betrachtet hält sich die Notwendigkeit eines Frontbesuchs in Grenzen. Die Aussagen der meisten Kämpfer ähneln denen von Fussballern: Es wird hart, wir geben unser Bestes, sind bereit zu sterben. (…) Was die Krisenritter selten erzählen: Ohne einen fähigen Fixer ist fast jeder verloren, da kann er die Landessprache noch so gut sprechen.”

5. “Wie ich auf einen Hamas-Versteher hereinfiel”
(cicero.de, Petra Sorge)
Petra Sorge schreibt, sie habe den freien Journalisten Martin Lejeune “zu Unrecht” verteidigt: “Ich hätte früher auf meine Kritiker hören sollen.”

6. “Denn sie wissen nicht, was sie tun”
(juliane-wiedemeier.de)
Nach der Kündigung ihres “Time”-Abos erhält Juliane Wiedemeier einen “Express Letter” mit dem Aufdruck “Urgent response required to avoid interruption in service”.

Entführungen, Pimmel, Robbie Williams

1. “Entführung: Journalisten als lukrative Opfer”
(ndr.de, Video, 5:38 Minuten)
Während sich die USA und Großbritannien weigern, Lösegelder für entführte Journalisten an Terrororganisationen zu zahlen, überweisen europäische Regierungen Gelder in Millionenhöhe.

2. “Robbie Williams ‘sick and violated’ after claims paparazzi stalked family to take pictures of daughter on holiday”
(independent.co.uk, Jenn Selby, englisch)
Robbie Williams empört sich auf Twitter über Ausschnitte aus deutschen Zeitungen. “The former Take That star said he felt ‘sick and violated’ after finding that German newspapers had published images of himself, his wife Ayda Field and his 18-month-old daughter Teddy in swimwear.”

3. “In 8 Schritten zur viralen Überschrift”
(journalist.de, Roy Peter Clark)
Roy Peter Clark gibt Tipps zum Verfassen von Schlagzeilen mit viraler Durchschlagskraft: “1. Empören Sie sich über Ungerechtigkeiten, 2. Seien Sie überrascht oder begeistert, 3. Benutzen Sie einen Motor, 4. Verwenden Sie Zahlen, 5. Sex, Promis, Wunderheilungen: Keine Angst vor klassischen Reizen, 6. Spielen mit der Sprache, 7. Stellen Sie abwegige und interessante Dinge nebeneinander, 8. Erzählen Sie die Geschichte in der Überschrift.”

4. “Das Ende des Journalismus”
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler schreibt über den Artikel “Hier gibts die grössten Pimmel!” (blickamabend.ch): “Es folgt eine 13-teilige Fotoreihe, geordnet nach der durchschnittlichen Grösse der Penisse in den verschiedenen Ländern. (…) Versehen sind die Zahlenwerte mit den Bildern prominenter Personen aus den jeweiligen Staaten, die gerade eine Gestik machen, die in der Bildlegende als Andeuten der Grösse eines Penis umgewertet wird.”

5. “Unter Druck”
(zeit.de, Klaus Raab)
Klaus Raab betrachtet deutsche Wochentitel: “Auch Printmedien folgen einem Quotenprinzip, das gilt nun nicht nur für Focus, Spiegel und Stern. Die verkaufte Auflage ist eine der Währungen, in denen Qualität gemessen wird, weil es keine rein publizistische Währung gibt. Und das hat ähnliche Folgen wie bei den Öffentlich-Rechtlichen. Der schnelle Quotenerfolg wird überbewertet, die längerfristige Entwicklung einer eigenen Identität wird unterschätzt.”

6. “Deutsche! Wehrt Euch!”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de)
Wie “Focus Online” mit Bußgeldern für zu schnelles Fahren umgeht.

Doppelpass, Gerigate, Stinkefinger

1. “Journalismus von morgen – Die virtuelle Feder”
(arte.tv, Video, 89:37 Minuten)
Eine Dokumentation über die Zukunft der Zeitung: “Wie müssen sich Zeitungen verändern, um zu überleben? Oder ist es schon zu spät?”

2. “Exekution durch Hamas: ‘Sehr sozial abgelaufen'”
(ruhrbarone.de, Martin Niewendick)
Martin Niewendick befasst sich mit einem Blogbeitrag von Journalist Martin Lejeune: “Die Frage, die Lejeune hier elegant umschifft, lautet aber: Wie legal ist die Justiz einer Gruppierung, die als Terrororganisation eingestuft wird (und sich entsprechend verhält); die Menschen an Motorräder bindet und bis zum Tod durch die Straßen schleift; die die eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilder missbraucht? Fragen über Fragen, und Martin Lejeune stellt keine einzige davon.” Siehe dazu auch “Distanz als Lernprozess” (anlasslos.de, Tilo Jung) und “Stellungnahme zum taz-Vorwurf” (ruhrbarone.de).

3. “Da platzt das Phrasenschwein”
(zeit.de, Christian Spiller)
Christian Spiller würdigt die Fußball-Talkshow “Doppelpass”: “Das ist die Qualität am Doppelpass: Man wird verschont von den großen Problemen der Fußballwelt, die das Ganze vielleicht mal zum Implodieren bringen könnten. Stattdessen lieber fünf Superzeitlupen von Jürgen Klopps Torjubel plus Interpretation allerseits. Leider ist Udo Lattek nicht mehr dabei.”

4. “‘Gerigate’ – Märchen für Erwachsene”
(suedostschweiz.ch, Dennis Bühler)
Dennis Bühler blickt zurück auf die ersten zehn Tage der “Nacktselfie-Affäre” um den Schweizer Nationalrat Geri Müller: “In vielem ist der Fall Müller ein Paradebeispiel eines Medienskandals – denn erst durch die Berichterstattung der ‘Schweiz am Sonntag’ wurden die Nacktselfies von Geri Müller zum Skandal, erst die Veröffentlichung und die darauf folgenden Recherchen und aufgedeckten politischen Verstrickungen schufen eine (Schein-)Relevanz.”

5. “Potsdams Linke-Chef zeigt Reporter den Stinkefinger”
(tagesspiegel.de, Henri Kramer)
Sascha Krämer, Kreisvorsitzender der Partei “Die Linke” in Potsdam, zeigt “einem Reporter der Boulevardzeitungen ‘Bild’ und ‘BZ'” den Stinkefinger: “Linke-Politiker und die Parteizentrale sahen sich genötigt, auf Distanz zu Krämer zu gehen, der in Potsdam als Direktkandidat zur Wahl antritt.”

6. “Is this the new iPhone 6?”
(youtube.com, Video, 2:20 Minuten, englisch)

Hinrichtungsbilder, Syrien, Klicks

1. “Wie Bilder inszeniert werden”
(deutschlandradiokultur.de, Stefan Maas)
Fernsehbilder als Kompromiss zwischen Politikern und Journalisten.

2. “Bitte nicht wieder Exekutionsbilder!”
(journal21.ch, Peter Studer)
Peter Studer erinnert sich, wie er im Schweizer Fernsehen Hinrichtungsbilder veröffentlicht hatte, und zu was das geführt hatte: “Man sah, wenn ich mich recht erinnere, das Stammesgericht über einen angeblichen Ehebrecher, dem zuguterletzt der Hals aufgeschlitzt wurde. Zwei, drei Sekunden davon samt Blutstrahl zeigte unser Sender. Kurz darauf gab es eine wahre Flut von Hinrichtungsbildern der Dschihad-Kämpfer im arabischen Raum: Kniendes Opfer, zum Beispiel eine britische Sozialarbeiterin oder ein gefangener amerikanischer Soldat, Exekution mit dem Schwert, am Boden rollender Kopf. Immer dieselbe Quelle: Der Jihad selber. Er wollte damit ein Allmachtgefühl seines Zugriffs, Schrecken bei den Gegnern erzeugen.”

3. “Journalisten in Syrien leben gefährlich, aber wir brauchen sie!”
(blog.amnesty.de, Geoffrey Mock)
Viele Nachrichtenagenturen und Medieneinrichtungen ziehen ihre Reporter aus Syrien zurück, “und diejenigen, die bleiben, sind auf ihren Reisen extrem vorsichtig”, berichtet Geoffrey Mock: “Wenn Reporter wie James Foley ihre Arbeit nicht machen können, verbreiten sich schnell wieder stereotype Einstellungen und Vorurteile über Gesellschaften, über die wir nichts wissen. Die Kommentare und Analysen bleiben dann denjenigen überlassen, die die Situation nur aus zweiter Hand kennen.”

4. “The New Editors of the Internet”
(theatlantic.com, Dan Gillmor, englisch)
Dan Gillmor fragt, nach welchen Grundsätzen Medienplattformen Inhalte entfernen: “What actual policies are at work? Are the policies being applied consistently? If it’s appropriate to take down these videos and pictures, why not the images of so many others who’ve been the victims of ISIS and other criminals?”

5. “News Feed FYI: Click-baiting”
(newsroom.fb.com, Khalid El-Arini und Joyce Tang, englisch)
Facebook reagiert mit zwei Updates auf klick-ködernde Schlagzeilen: “If people click on an article and spend time reading it, it suggests they clicked through to something valuable. If they click through to a link and then come straight back to Facebook, it suggests that they didn’t find something that they wanted. With this update we will start taking into account whether people tend to spend time away from Facebook after clicking a link, or whether they tend to come straight back to News Feed when we rank stories with links in them.”

6. “Der Wolfgang-Büchner-Preis 2014 geht an den Branchendienst meedia.de”
(blog.borrowfield.de, twschneider)

Sachsen, Trolle, Mindestlohn

1. “Im Krieg der Worte und der Bilder”
(falter.at, Ruth Eisenreich)
Die Reporter Richard C. Schneider, Cathrin Kahlweit und Wolfgang Bauer erzählen, wie sie damit umgehen, wenn sie mit drastischen Bildern konfrontiert werden. “Die Dinge sind oft schwierig. Auch sorgfältig recherchierende Journalisten sind nicht davor gefeit, durch Propaganda instrumentalisiert zu werden.”

2. “Live is life”
(kreuzer-leipzig.de, Juliane Streich)
Juliane Streich besucht “Die Wahl-Debatte”, ein Rededuell zwischen Stanislaw Tillich (CDU) und Rico Gebhardt (Die Linke) im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen: “Zwischen den beiden Politikern stehen die Chefredakteure der drei sächsischen Tageszeitungen und sind stolz, dass sie schaffen, was der Heimatsender MDR nicht hinbekam. Schließlich hatte sich Tillich immer geweigert, an einem TV-Duell teilzunehmen, so dass der Fernsehsender einknickte und jetzt ein Format sendet, bei dem Tillich von irgendwo, wo er es schön findet, zugeschaltet wird. (…) Ausverkauft, 450 Leser sollen hier sein. Doch wer sich umschaut, entdeckt in fast jeder Reihe leer gebliebene Plätze. Ein Großteil der Anwesenden scheinen Journalisten, Pressesprecher und Funktionäre der Dresdner Oberschicht zu sein.”

3. “Was bei Verleger Ippen als ‘grob illoyal’ gilt”
(zeitungszusteller.verdi.de)
Der Redaktionsleiter eines Anzeigenblattes wird fristlos entlassen, nachdem er ein Foto veröffentlicht, das ein Transparent mit der Aufschrift “Mindestlohn – auch für Zeitungszusteller” zeigt. Siehe dazu auch “Pressefreiheit in Witzenhausen ein Witz” (verdi.de, 12. August).

4. “Die Berichterstattung über Kai Diekmanns Tweets”
(mobilerocketscience.com, Mario Havanna)
Mario Havanna wertet aus, welche Tweets von “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann welche Storys ausgelöst haben.

5. “Lasst die Trolle verhungern”
(zeit.de, Jochen Wegner)
“Die Freiheit im Netz ist auch immer die Freiheit der Trolle”, bemerkt Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit.de: “Die Trolle in Schach zu halten, ohne die Freiheit zu opfern, ist so einfach wie mühsam: Wir müssen uns täglich selbst einmischen. Millionen von Menschen, die zivilisiert debattieren, die falschen Informationen richtige entgegensetzen, die Störer gelassen übergehen und bei seltsamen Spam-Wellen aufmerksam werden, sind unbesiegbar. Einem aufgeklärten digitalen Bürgertum ist keine Troll-Armee gewachsen.”

6. “Behind the Best Pictures From Ferguson, With Getty Photographer Scott Olson”
(nymag.com, Joe Coscarelli, englisch)
Fotograf Scott Olson gibt Auskunft über Fotos, die während der Unruhen in Ferguson entstanden sind.

FAZ, Sexismus, Twitter-Timeline

1. “Sehr geehrte Frau Lühmann von der FAZ”
(kraftfuttermischwerk.de, Ronny Kraak)
“Eigentlich hoffte ich ja, diesen Blödsinn niemals kommentieren zu müssen.” Doch weil der Vergleich, den Hannah Lühmann zwischen der amerikanischen “Vice” und angeblich trashigen deutschen Blogs gezogen hat, gestern in sozialen Medien (und Blogs wie diesem) herumgereicht wurde, antwortet Ronny Kraak: “Sie haben sich keine drei Stunden Zeit genommen, um in den Archiven zu stöbern, sich einzulesen, beklagen aber den ‘substanzlosen’ Umgang mit dem journalistischen Gut und konterkarieren dieses im selben Absatz durch Ihr Geschriebenes.” Auch Martin Giesler und Matze Hielscher können mit Lühmanns “wertkonservativer” These nicht viel anfangen und sehen in ihrer Arroganz einen Grund für die Erfolglosigkeit der FAZ bei jungen Lesern.

2. “Am falschen Ort”
(anousch.de, Anousch Mueller)
Im Literaturbetrieb würden Autorinnen benachteiligt, deshalb sei auch dort ein #Aufschrei fällig, so bilanzierte Dana Buchzik in der “Welt”. Anousch Mueller sieht das anders: “[Es mag] Sexismus und Männerbünde geben, aber in den Sozialen Netzwerken herrscht mitunter eine spezifische Missgunst, die mindestens genauso beschissen ist.”

3. “Kampf um den intimsten Ort im Netz”
(sueddeutsche.de, Dirk von Gehlen)
Seit Twitter angekündigt hat, die Timeline künftig durch personalisierte Tweets zu erweitern (qz.com), auf deren Auswahl die Nutzer keinen direkten Einfluss haben, ist die Empörung groß (spiegel.de). Dirk von Gehlen nimmt das zum Anlass, über den von Michael Seemann geprägten Begriff der “Filtersouveränität” nachzudenken und sieht in neuen Optionen zur Personalisierung sogar Vorteile. Auch Daniel Fiene versteht die Aufregung nicht: “Die Angst vor fremden Tweets in der eigenen Timeline ist mir unerklärlich. […] Manchmal macht mir das Kleinbürgertum der Netzgemeinde Angst.”

4. “Foleys Tod ist ein Grund mehr für mich, in dieses Gebiet zu reisen”
(watson.ch, Kian Ramezani)
Der Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda (twitter.com) berichtet seit mehreren Jahren aus Syrien und will sich von der Hinrichtung James Foleys nicht abschrecken lassen: “Die Terroristen wollen uns Journalisten Angst einflössen, damit wir nicht mehr nach Syrien oder Irak gehen. […] Ich aber weigere mich, mich von solchen Leuten terrorisieren zu lassen.” Wie von Pelda und seinem Kollegen Daniel Etter (zeit.de) gefordert verzichten die meisten Medien (tagesschau.de) auf Bilder und Videos, um der IS-Propaganda keine Bühne zu geben.

5. “Warum ich den stern verlassen habe”
(erlerskibbetoensmann.com, Johannes Erler)
[Anmerkung: Johannes Erler hat den Blogpost inzwischen gelöscht, “aus freien Stücken”, wie er betont.]

6. “Meet AdDetector — The New Plug-In That Labels Native Advertising”
(wsj.de, Steven Perlberg, englisch)
Ein paar Tage nach Martin Brinkmann (ghacks.net) stellt auch das “Wall Street Journal” AdDetector vor und verhilft dem Browserplugin (Chrome und Firefox) hoffentlich zu größerer Aufmerksamkeit. Die Open-Source-Erweiterung erkennt Sponsored Content auf vielen großen Nachrichtenseiten und warnt mit einem roten Banner vor Native Advertising. Auf reddit kann man dem Autor Feedback geben, GitHub-Nutzer können Filterregeln für deutsche Medien ergänzen.

Zum Killer gemacht

Vorgestern begann der Prozess gegen den mutmaßlichen “Manga-Killer” (“Bild”), der im Verdacht steht, ein 14-jähriges Mädchen erstochen zu haben (BILDblog berichtete).

Und so sieht der Verdächtige laut “Bild am Sonntag” aus:

(Unkenntlichmachung von uns. Im Original liegt ein Alibi-Balken über seinen Augen.)

Das Foto hat die “BamS” kurzerhand bei Facebook besorgt:

Allerdings: Sie hat sich im falschen Profil bedient. Das Foto zeigt gar nicht den Verdächtigen. Die beiden heißen nur gleich.

Auf Anfrage erklärte uns der Abgebildete, nennen wir ihn Paul, dass er am Sonntag von vielen Leuten darauf hingewiesen worden sei, dass die “BamS” sein Foto zeige. Sofort teilte er bei Facebook mit, dass er nichts mit der Tat zu tun habe und ging zur Polizei.

Er habe sich nicht nur geärgert, sondern auch Angst bekommen, sagt Paul, allein wenn er daran denke, was in Emden passiert sei. Dort hatte sich vor zwei Jahren ein Mob versammelt, um sich an einem Verdächtigen zu rächen, den “Bild” zuvor ebenfalls abgebildet und als (mutmaßlichen) Täter bezeichnet hatte. Später stellte er sich als unschuldig heraus (BILDblog berichtete).

Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich die Fotobeschaffer von “Bild” im falschen Facebook-Profil bedienen: 2012 schrieb das Blatt über den Mord an Hanna K. — und druckte ein Foto von Hannah W., die quicklebendig war und nichts mit der Sache zu tun hatte (BILDblog berichtete auch hier).

Um wenigstens im Umkreis von Pauls Wohnorts klarzumachen, dass er nicht der “Manga-Killer” ist, soll in der Lokalzeitung ein entsprechender Hinweis erscheinen. Gegen die “Bild am Sonntag” (verfasst wurde der Artikel übrigens von den Pietäts-Experten Nils Mertens und Bastian Schlüter) hat Paul rechtliche Schritte eingeleitet.

Mit Dank an Kai L.

Nachtrag, 21. August: Heute Abend hat sich die “BamS” per Facebook entschuldigt:

Danke an @vierzueinser für den Hinweis!

Fortsetzung: hier.

Ferguson, James Foley, “menschliche Katastrophen”

1. “Der Tag, an dem die US-Polizei mein Feind wurde”
(welt.de, Ansgar Graw)
Die Ereignisse überschlagen sich, etliche Journalisten wurden bedroht und festgenommen. In Gaza? In der Ukraine? In Russland? Nein, in den USA! (© Alf Frommer, @siegstyle). Neben “Welt”-Korrespondent Ansgar Graw ist Frank Herrmann in Ferguson verhaftet worden (schwaebische.de), zwischenzeitlich war auch “Bild”-Reporter Lukas Hermsmeier in Arrest (meedia.de). Laut CNN wurden damit insgesamt elf Journalisten festgenommen, Ryan Devereaux berichtet bei “The Intercept” über seine Erfahrungen. Die Polizei Ein ehemaliger Polizist zeigt sich indes unbeeindruckt: “I’m a cop. If you don’t want to get hurt, don’t challenge me” (washingtonpost.com).

2. “Virale Propaganda der Terroristen”
(sueddeutsche.de, Hakan Tanriverdi)
Vor laufender Kamera hat die IS-Miliz den amerikanischen Fotojournalisten James Foley enthauptet (tagesschau.de). Das Video haben die Terroristen auf YouTube veröffentlicht, nun kursiert es in den sozialen Netzwerken. Wegen mangelnder Filtermöglichkeiten hat insbesondere Twitter Probleme, solch grausame Propaganda sofort zu löschen. Nutzer rufen deshalb mit dem Hashtag #ISISMediablackout dazu auf, das Video nicht weiter zu verbreiten. Wer mehr über James Foley erfahren will: Die “Vanity Fair” hat bereits im Mai 2014 ein ausführliches Portrait veröffentlicht.

3. “Schwache Argumente für eine Veröffentlichung”
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Schweizer Medien haben offensichtlich nicht allzu viel aus den Persönlichkeitsverletzungen bei der sensationsheischenden Berichterstattung (watson.ch) über die “Porno-Sekretärin” gelernt. Zwei Wochen später skandalisiert die “Schweiz am Sonntag” die “Nackt-Selfies” des Nationalrats Geri Müller; sogar Chefredakteure wie Roger Köppel, sonst nicht unbedingt als vehementer Privatsphäre-Verfechter bekannt, wundern sich über die “unappetitliche Story” (persoenlich.com).

4. “Die Ironie macht alle gleich”
(faz.net, Hannah Lühmann)
Deutsche Blogs wie Amy & Pink, Schlecky Silberstein oder Das Kraftfuttermischwerk orientieren sich angeblich am “Vice”-Magazin – eine schlechte Idee, findet zumindest Hannah Lühmann: “Der Versuch aber, schnoddrig und cool wie das Vorbild zu sein, lässt sie alle gleich werden, die Blogs, die über Musik, Partys und Mode informieren wollen. […] Alles wird eingemeindet in eine fröhliche Welt der lässigen Redundanz, von Menschen, die sich selbst dabei wohl ziemlich lässig vorkommen.”

5. “Last Call – The end of the printed newspaper.”
(medium.com, Clay Shirky, englisch)
“Have a look at this chart. Do you see anything unclear about the trend line?”, fragt Clay Shirky angesichts der Entwicklung der Werbeerlöse US-amerikanischer Zeitungen. “If you are a journalist at a print publication, your job is in danger. Period. Time to do something about it.”

6. “Eine ‘menschliche’ Katastrophe?”
(udostiehl.wordpress.com)
Irak, Syrien, Gaza, Ukraine – die Nachrichten sind derzeit voll von Gewalt und Krieg. “In der Berichterstattung bahnt sich in solchen Fällen eine ‘menschliche Katastrophe’ an”, beschreibt Udo Stiehl die Praxis seiner Kollegen und warnt: “So ausgedrückt jedoch handelt es sich leider um eine ‘sprachliche Katastrophe’.”

Bullshit im Sekundentakt

FOCUS Online ist eines der erfolgreichsten Online-Nachrichtenmedien in Deutschland. Mit schnellen Nachrichten und präzisen Analysen ist das Portal eine feste Adresse für Qualitätsjournalismus im Netz. FOCUS Online steht für hervorragenden Nachrichtenjournalismus.

(Zitat der Tomorrow Focus AG.)

Mein persönlicher Rekord im Surfen auf “Focus Online” liegt bei etwa zehn Minuten. Länger halte ich es da nicht aus.

“Focus Online” ist der Ein-Euro-Laden des deutschen Journalismus. Die ramschige Resterampe, auf der man alles findet, was selbst Klickfängern wie Bild.de zu billig war. “Focus Online” haut alles raus. Raus, raus, raus, irgendwer wird schon draufklicken.

Gerade bei medialen Großereignissen setzt “Focus Online” — hartnäckig wie kaum ein Medium sonst — auf die So-viel-wie-geht-Taktik.

Anfang vergangenen Jahres, nach dem Amoklauf im US-amerikanischen Newtown, veröffentlichte “Focus Online” in der ersten Woche nach der Tat 45 Artikel — nicht mal Bild.de hatte mehr zu bieten. Und dann diese Schlagzeilen: “Mutter des Amokläufers hatte Angst vor dem Weltuntergang”. “Schulkrankenschwester sah den Killer auf sich zukommen”. “Amokläufer nannte seine Mutter nur ‘Excuse Me'”. Solcher Quatsch, permanent.

Oder dieser unfassbare Live-Ticker zum Gesundheitszustand von Michael Schumacher, in dem dann verkündet wurde, dass der Verkäufer des Krankenhauskiosks nichts dazu wisse. Niemand sonst blies so lange und so ambitioniert irgendwelche Schumacher-Gerüchtefetzen in die Welt wie “Focus Online”.

Oder auch jetzt, nach dem Tod von Robin Williams. Allein in den ersten vier Tagen hat das Portal über 70 (!) Artikel dazu veröffentlicht:

  • Robin Williams stirbt im Alter von 63 Jahren
  • Fans trauern in Hollywood
  • Tod von Robin Williams
  • Schock und Trauer in Hollywood
  • Die Welt trauert um einen ihrer größten Schauspieler: Robin Williams ist tot
  • Robin Williams ist tot
  • Hollywood-Star Robin Williams ist tot
  • Williams’ langer Kampf gegen Alkohol und Depressionen
  • So emotional nehmen Freunde und Kollegen Abschied von Robin Williams
  • “Wir haben dich geliebt”: So trauert Hollywood um Robin Williams
  • Islamisten verhöhnen toten Schauspieler Robin Williams
  • Seine Tochter Zelda schreibt den wohl berührendsten Tweet
  • Sein letzter Tweet galt seiner Tochter
  • Zelda Williams’ rührender Abschieds-Tweet an ihren Vater
  • Sah Robin Williams den Suizid als letzten Ausweg?
  • Oscar-Academy verabschiedet sich mit herzzerreißendem Tweet von Robin Williams
  • Zitate zum Tod von Robin Williams
  • Video: Hollywood trauert um Robin Williams
  • Robin Williams – “Erfolg schützt nicht vor Depressionen”
  • Fragen und Antworten: “Erfolg schützt nicht vor Depressionen”
  • Warum wollte Robin Williams nicht mehr leben?
  • Williams hinterließ vier unfertige Filmprojekte
  • Fernsehsender ändern zum Tod von Robin Williams ihr Programm
  • Mehrere Fernsehsender ändern ihr Programm
  • Der Clown, der uns zum Weinen brachte: Robin Williams
  • Hintergrund: Seine wichtigsten Rollen
  • Dieses Grimassen-Gesicht werden wir vermissen!
  • Auf Tischen stehend: So nimmt das Netz Abschied von Robin Williams
  • Robin Williams und seine Susan – Ende einer großen Liebe
  • Oscar-Preisträger Robin Williams ist tot
  • Robin Williams – sein großes Leben in Bildern
  • Internet-Verwechslung von Robin und Robbie Williams
  • Fans verwechseln Robin und Robbie Williams
  • Robin Williams hat […]
  • Tod von Robin Williams erschüttert Hollywood
  • Tod von Robin Williams – Polizei schließt Fremdverschulden aus
  • Tod von Robin Williams: Polizei sieht kein Fremdverschulden
  • “Tagesthemen” ehren Williams mit “Dichter”-Anmoderation
  • ‘Hannoversche Allgemeine Zeitung’ zu Robin Williams
  • So fand sein Assistent den toten Robin Williams
  • “Robin Williams hatte das Bedürfnis, alle in Schenkelklopf-Ekstase zu versetzen”
  • Jetzt sprechen Robin Williams’ Kinder
  • Matt Damon: “Ich werde Robin Williams nie vergessen”
  • “Auf meinem Grabstein wird 1951-2014 stehen”
  • So moderierte Miosga die “Tagesthemen” für Williams auf dem Tisch
  • “O Captain! My Captain!” wird zum Twitter-Trend
  • So sorgte Robin Williams für seine Kinder vor
  • Pharell Williams trauert um Robin Williams
  • Die ergreifende Trauer seiner Kinder
  • Antisemitische Posts zum Tod von Robin Williams: Verroht das Internet?
  • Weltweit Betroffenheit nach Tod von Robin Williams
  • Robin Williams wird in “World of Warcraft” verewigt
  • “Was schuldet man einem derartigen Menschen? Alles!”
  • Robin Williams war kurz vor seinem Tod bei der Suchtberatung
  • Michael Mittermeier: “Wir machen mit einem Bruchteil seiner Möglichkeiten Comedy”
  • Abschied von Robin Williams: “Der Soldat hat die Waffen niedergelegt”
  • Wie Robin Williams’ Gorilla-Freundin trauert
  • Wurde Robin Williams am Set von “The Crazy Ones” rückfällig?
  • Kurz vor seinem Tod war Williams bei der Suchtberatung
  • Was dann folgte, war einmalig in meiner Laufbahn…
  • Twitter will auf Belästigung von Williams’ Tochter reagieren
  • Das Netz diskutiert: Durfte Miosga auf den Tisch steigen?
  • Darum stieg Caren Miosga auf den “Tagesthemen”-Tisch
  • Video: Broadway knipst für Robin Williams Lichter aus
  • Robin Williams litt an Parkinson im Frühstadium
  • Ehefrau: Robin Williams litt an Parkinson
  • Ehefrau offenbart: Robin Williams hatte Parkinson
  • Robin Williams hatte Parkinson: Das emotionale Statement seiner Frau im Wortlaut
  • Warum zerbrechen so viele Stars am Ruhm?
  • Robin Williams litt an Parkinson
  • User zwingen Zelda Williams, Twitter-Account zu löschen
  • (Details zu den Begleitumständen haben wir rausgekürzt.)

    Vieles davon ist Agenturmaterial, oft zusammengeschwafelt von “Spot on”, der von der dapd gegründeten Promi-Klatsch-Agentur. Aber auch solche Artikel werden auf der Startseite von “Focus Online” mitunter angeteasert wie eigene Beiträge:

    Jetzt mal ehrlich. Ein Gorilla, der den Schauspieler vor 13 Jahren mal getroffen … Als Nachricht? Auf der Startseite?

    Aber das ist das redaktionelle Konzept von “Focus Online”. Und es scheint zu funktionieren — die Williams-Artikel, egal wie bescheuert, zählten in den vergangenen Tagen immer zu den meistgelesenen auf “Focus Online”.

    Da juckt es dann auch niemanden, dass einige “News” gleich doppelt und dreifach veröffentlicht werden. Etwa die, dass Williams an Parkinson gelitten haben soll: Dazu gab es bei “Focus Online” einen Artikel von der dpa, einen von “Spot on”, einen eigenen Beitrag, noch einen von der dpa, ein Video sowie “das emotionale Statement” von Williams’ Witwe im Wortlaut.

    Bei dieser Artikelflut verlieren selbst die, die sie verantworten, den Überblick. Da kann es dann auch mal passieren, dass es zuerst heißt, der Tweet von Williams’ Tochter sei der “wohl berührendste Tweet des Jahres” — und nur drei Stunden später wird der Tweet der Oscar-Academy zum “emotionalsten” und “wahrscheinlich herzzerreißensten” Tweet hochstilisiert. Ein banales Beispiel zwar, aber bezeichnend dafür, wie “Focus Online” mit der gedankenlosen Raushau-Taktik auch noch den Rest der eigenen Seriosität aufs Spiel setzt.

    Der Veröffentlichungswahn macht aber nicht nur anfällig für Widersprüche und Ungenauigkeiten. Gerade im aktuellen Fall widerspricht das Dauerfeuer der Berichterstattung eben genau dem, was Medienforscher bei Suiziden von Prominenten immer wieder fordern: Zurückhaltung.

    “Focus Online” hält sich nicht zurück. “Focus Online” arbeitet stattdessen, wie andere auch, eifrig daran, die Selbstmordrate in die Höhe zu treiben. Das Portal berichtet sehr prominent, sehr detailliert und sehr emotional über den Suizid und missachtet (nicht nur) damit die wichtigen Richtlinien zur Verhinderung von Nachahmungstaten.

    Dass “Focus Online” und andere Medien die Berichte um Williams’ Tod ganz selbstverständlich mit Werbung zuballern, ist dabei noch das geringste Übel:

    “Focus Online” setzt auf Masse. Auf Emotionalisierung, Skandalisierung und Buzzfeedisierung — und ähnelt immer mehr dem, was “Bild” und andere Schundmedien in ihren Online-Portalen veranstalten. Nur dass die Leute von “Focus Online” immer noch so tun, als gebe es bei ihnen “Qualitätsjournalismus im Sekundentakt”.

    Mit Dank auch an Karl-Heinz U.

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