FAZ, Sexismus, Twitter-Timeline

1. „Sehr geehrte Frau Lühmann von der FAZ“
(kraftfuttermischwerk.de, Ronny Kraak)
„Eigentlich hoffte ich ja, diesen Blödsinn niemals kommentieren zu müssen.“ Doch weil der Vergleich, den Hannah Lühmann zwischen der amerikanischen „Vice“ und angeblich trashigen deutschen Blogs gezogen hat, gestern in sozialen Medien (und Blogs wie diesem) herumgereicht wurde, antwortet Ronny Kraak: „Sie haben sich keine drei Stunden Zeit genommen, um in den Archiven zu stöbern, sich einzulesen, beklagen aber den ’substanzlosen‘ Umgang mit dem journalistischen Gut und konterkarieren dieses im selben Absatz durch Ihr Geschriebenes.“ Auch Martin Giesler und Matze Hielscher können mit Lühmanns „wertkonservativer“ These nicht viel anfangen und sehen in ihrer Arroganz einen Grund für die Erfolglosigkeit der FAZ bei jungen Lesern.

2. „Am falschen Ort“
(anousch.de, Anousch Mueller)
Im Literaturbetrieb würden Autorinnen benachteiligt, deshalb sei auch dort ein #Aufschrei fällig, so bilanzierte Dana Buchzik in der „Welt“. Anousch Mueller sieht das anders: „[Es mag] Sexismus und Männerbünde geben, aber in den Sozialen Netzwerken herrscht mitunter eine spezifische Missgunst, die mindestens genauso beschissen ist.“

3. „Kampf um den intimsten Ort im Netz“
(sueddeutsche.de, Dirk von Gehlen)
Seit Twitter angekündigt hat, die Timeline künftig durch personalisierte Tweets zu erweitern (qz.com), auf deren Auswahl die Nutzer keinen direkten Einfluss haben, ist die Empörung groß (spiegel.de). Dirk von Gehlen nimmt das zum Anlass, über den von Michael Seemann geprägten Begriff der „Filtersouveränität“ nachzudenken und sieht in neuen Optionen zur Personalisierung sogar Vorteile. Auch Daniel Fiene versteht die Aufregung nicht: „Die Angst vor fremden Tweets in der eigenen Timeline ist mir unerklärlich. […] Manchmal macht mir das Kleinbürgertum der Netzgemeinde Angst.“

4. „Foleys Tod ist ein Grund mehr für mich, in dieses Gebiet zu reisen“
(watson.ch, Kian Ramezani)
Der Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda (twitter.com) berichtet seit mehreren Jahren aus Syrien und will sich von der Hinrichtung James Foleys nicht abschrecken lassen: „Die Terroristen wollen uns Journalisten Angst einflössen, damit wir nicht mehr nach Syrien oder Irak gehen. […] Ich aber weigere mich, mich von solchen Leuten terrorisieren zu lassen.“ Wie von Pelda und seinem Kollegen Daniel Etter (zeit.de) gefordert verzichten die meisten Medien (tagesschau.de) auf Bilder und Videos, um der IS-Propaganda keine Bühne zu geben.

5. „Warum ich den stern verlassen habe“
(erlerskibbetoensmann.com, Johannes Erler)
[Anmerkung: Johannes Erler hat den Blogpost inzwischen gelöscht, „aus freien Stücken“, wie er betont.]

6. „Meet AdDetector — The New Plug-In That Labels Native Advertising“
(wsj.de, Steven Perlberg, englisch)
Ein paar Tage nach Martin Brinkmann (ghacks.net) stellt auch das „Wall Street Journal“ AdDetector vor und verhilft dem Browserplugin (Chrome und Firefox) hoffentlich zu größerer Aufmerksamkeit. Die Open-Source-Erweiterung erkennt Sponsored Content auf vielen großen Nachrichtenseiten und warnt mit einem roten Banner vor Native Advertising. Auf reddit kann man dem Autor Feedback geben, GitHub-Nutzer können Filterregeln für deutsche Medien ergänzen.