Suchergebnisse für ‘sport’

Kaufjournalismus, Kinoflops, Kifferbombe

1. „Grundsätzlich geht alles“
(taz.de/Morgane Llanque)
“Vice” bietet sein Online-Frauenmagazin “Broadly” nun auch in Deutschland an. International will man sein und in Vice-typischer „junger“ Tonart über Tabuthemen wie Abtreibung und Menstruation schreiben. Morgane Llanque ordnet den Start des in den USA von erstaunlich vielen Männern gelesenen Angebots ein und kommt zum Schluss: “Wenn Broadly es schafft, auch in Deutschland mehr Männer für feministische Themen zu interessieren, wäre allein diese Tatsache ein Gewinn.”

2. Das eigentliche Problem mit dem Pressekodex
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Die „Tagesschau“ verbreitet Irreführendes von „Bild“-Chefin Tanit Koch, mancher Journalist ist offensichtlich überfordert, und die „Rhein-Zeitung“ ärgert sich in Wahrheit über die Polizei, so Ulrike Simon in ihrem Beitrag über die Entscheidung des Presserats in Sachen Herkunftsnennung. Am Ende kommt die Autorin zur ernüchternden Feststellung: “Die ganzen Debatten um Ziffer 12.1 hätte man sich sparen können. Sie haben das tatsächliche Problem weder erkannt noch gelöst.”

3. Ehemaliger NDR-Redakteur erhält Bewährungsstrafe
(dwdl.de, Andre Gärisch)
Ein EX-NDR-Journalist ist vom Landgericht Kiel wegen Bestechlichkeit in 77 Fällen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er soll Verbänden und Firmen vorgetäuscht haben, er könne ihre Interessen in Sendungen wie dem “Schleswig-Holstein-Magazin” geltend machen und Sendezeiten beschaffen. Das aufsummierte Schmiergeld soll sich auf 366.000 Euro belaufen.

4. Was macht einen Film zu einem Flop?
(netzpiloten.de, Suman Ghosh)
Die amerikanische Filmdozentin Suman Gosh plaudert über Kino-Flops und warum sie zu solchen geworden sind. Mit diversen Trailern angereicherter Streifzug durch diverse cineastische Investoren- und Produzenten-Alpträume. Von 1924 (“The Thief of Bagdad”) bis in die Neuzeit (“Lincoln” aus dem Jahr 2012).

5. In eigener Sache: SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent muss Türkei verlassen
(spiegel.de)
Der “Spiegel” mit einer Meldung in eigener Sache. Seit Jahren hätte Hasnain Kazim als Korrespondent für “Spiegel” und “Spiegel Online” aus Istanbul berichtet. Weil er von den türkischen Behörden keine Verlängerung seiner Presse-Akkreditierung bekommen hätte, müsse er das Land nun verlassen. Chefredakteur Florian Harms: “Das Verhalten der türkischen Behörden lässt für uns keinen anderen Schluss zu, als dass unser Korrespondent aufgrund seiner journalistischen Berichterstattung vor Ort nicht mehr erwünscht ist.”

6. Kiffer legt keine Rohrbombe vor Flüchtlingsheim
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Anfang der Woche kursierte die Meldung, in Eisenach sei eine “Rohrbombe” vor einem Flüchtlingsheim explodiert. Nun stellt sich heraus: Die vermeintliche Bombe war eine Wasserpfeife mit Cannabis-Resten – und nicht explosiv. Übermedien rekonstruiert, wie es zu der Falschmeldung kommen konnte.

Wenn die “Bild”-Zeitung erscheint, stirbt ein Promi

Vorgestern, am Sonntag, ist die frühere US-First-Lady Nancy Reagan gestorben. Und wer ist schuld daran? Ist doch klar: “Bild am Sonntag”. Denn am Todestag von Nancy Reagan erschien eben auch eine neue Ausgabe der “Bild am Sonntag”.

Und das ist nur der vorzeitige Höhepunkt eines gruseligen “Bild”-Fluchs: Immer dann, wenn ein Promi stirbt, ist am selben Tag eines der “Bild”-Printmedien erschienen. Am Todestag von Alan Rickman? Eine neue Ausgabe von “Bild”. Tod von David Bowie? “Bild am Sonntag”. Robin Williams? Paul Walker? Whitney Houston? Jedes Mal erschien am Tag des Promi-Todes auch ein “Bild”-Produkt. Das kann kein Zufall sein.

Wie? Die Theorie ist völliger Blödsinn? Ja, natürlich ist sie das. Und damit genau das Richtige für “Bild” und Bild.de:

Auf Fußballer Aaron Ramsey vom Premier-League-Klub Arsenal London soll laut Bild.de ein “unheimlicher Tor-Fluch” liegen. Ramsey sei “der gefährlichste Fußballer der Welt.” Die Redaktion bringt seine Tore mit dem Ableben der oben genannten und elf weiterer Personen in Verbindung.

Und tatsächlich: Als der Mittelfeldspieler am 1. Mai 2011 in der Liga gegen Manchester United trifft, wird einen Tag später Osama bin Laden erschossen. Einen Tag nach Ramseys Champions-League-Tor gegen Olympique Marseille stirbt Muammar al-Gaddafi. Seit Oktober 2009 soll das schon so gehen, wenn Ramsey für Arsenal London oder die walisische Nationalmannschaft trifft:

Spiel Datum Prominenter Todestag
Liechtenstein – Wales 14.10.2009 Andrés Montes 16.10.2009
Wales – Schottland 14.11.2009 Antonio de Nigris 16.11.2009
Arsenal – Manchester United 01.05.2011 Osama bin Laden 02.05.2011
Tottenham Hotspurs – Arsenal 02.10.2011 Steve Jobs 05.10.2011
Olympique Marseille – Arsenal 19.10.2011 Muammar al-Gaddafi 20.10.2011
AFC Sunderland – Arsenal 11.02.2012 Whitney Houston 11.02.2012
Großbritannien – Südkorea 04.08.2012 Chavela Vargas 05.08.2012
Schottland – Wales 22.03.2013 Bebo Valdés 22.03.2013
Arsenal – Wigan Athletic 14.05.2013 Jorge Rafael Videla 17.05.2013
Olympique Marseille – Arsenal 18.09.2013 Ken Norton 18.09.2013
Cardiff City – Arsenal 30.11.2013 Paul Walker 30.11.2013
Hull City – Arsenal 20.04.2014 Rubin “Hurricane” Carter 20.04.2014
Norwich City – Arsenal 11.05.2014 HR Giger 12.05.2014
Arsenal – Manchester City 10.08.2014 Robin Williams 11.08.2014
Arsenal – AFC Sunderland 09.01.2016 David Bowie 10.01.2016
FC Liverpool – Arsenal 13.01.2016 Alan Rickman 14.01.2016
Tottenham Hotspurs – Arsenal 05.03.2016 Nancy Reagan 06.03.2016

“Bild” und Bild.de haben schon früher über die “UNDHEIMLICHE ENGLAND-SERIE VON AARON RAMSEY” berichtet. Der Tod von Robin Williams im August 2014 war ein Anlass, genauso der “Doppelschlag mit Bowie und Rickman” im Januar dieses Jahres:



Und gestern dann Nancy Reagan, nachdem Aaron Ramsey am Samstag in der Premier League gegen die Tottenham Hotspurs getroffen hatte.

Damit der irre Ramsey-Fluch überhaupt hinhaut, erweitert die Redaktion hier und da auch das Verständnis von Prominenz und Unmittelbarkeit: Als “Prominente” gelten nicht nur Leute wie Osama bin Laden oder Robin Williams, sondern auch spanische Sportjournalisten oder kubanische Musiker. Und manche bekannten Persönlichkeiten — beispielsweise Apple-Gründer Steve Jobs oder der frühere argentinische Diktator Jorge Rafael Videla — starben erst mehrere Tage nach Ramseys Toren. Es wackelt und knirscht an allen Enden.

Trotzdem bleibt Bild.de bei der knackigen Formel:

Immer wenn der Waliser trifft, stirbt ein Prominenter!

An dieser Stelle ist die Berichterstattung des Portals dann nicht mehr nur dämlich, sondern schlicht falsch. Denn nach der Mehrzahl von Aaron Ramseys Toren seit dem Start des vermeintlichen Fluchs im Oktober 2009 passierte — wenig überraschend — rein gar nichts:

Spiel Datum Prominenter Todestag
Liechtenstein – Wales 14.10.2009 Andrés Montes 16.10.2009
Wales – Schottland 14.11.2009 Antonio de Nigris 16.11.2009
Arsenal – Stoke City 05.12.2009
FC Portsmouth – Arsenal 30.12.2009
West Ham United – Arsenal 03.01.2010
Cardiff City – Leicester City 22.02.2011 (als Leihspieler für Cardiff City)
Arsenal – Manchester United 01.05.2011 Osama bin Laden 02.05.2011
Nordirland – Wales 27.05.2011
Wales – Montenegro 02.09.2011
Tottenham Hotspurs – Arsenal 02.10.2011 Steve Jobs 05.10.2011
Wales – Schweiz 07.10.2011
Olympique Marseille – Arsenal 19.10.2011 Muammar al-Gaddafi 20.10.2011
AFC Sunderland – Arsenal 11.02.2012 Whitney Houston 11.02.2012
Großbritannien – Südkorea 04.08.2012 Chavela Vargas 05.08.2012
Arsenal – Olympiakos Piräus 03.10.2012
Schottland – Wales 22.03.2013 Bebo Valdés 22.03.2013
Arsenal – Wigan Athletic 14.05.2013 Jorge Rafael Videla 17.05.2013
Fenerbahce Istanbul – Arsenal 21.08.2013
Arsenal – Fenerbahce Istanbul 27.08.2013
Mazedonien – Wales 06.09.2013
AFC Sunderland – Arsenal 14.09.2013
Olympique Marseille – Arsenal 18.09.2013 Ken Norton 18.09.2013
Arsenal – Stoke City 22.09.2013
Swansea City – Arsenal 28.09.2013
Belgien – Wales 15.10.2013
Arsenal – Norwich City 19.10.2013
Arsenal – Liverpool 02.11.2013
Borussia Dortmund – Arsenal 06.11.2013
Cardiff City – Arsenal 30.11.2013 Paul Walker 30.11.2013
Hull City – Arsenal 20.04.2014 Rubin “Hurricane” Carter 20.04.2014
Norwich City – Arsenal 11.05.2014 HR Giger 12.05.2014
Arsenal – Hull City 17.05.2014
Arsenal – Manchester City 10.08.2014 Robin Williams 11.08.2014
Arsenal – Crystal Palace 16.08.2014
FC Everton – Arsenal 23.08.2014
Stoke City – Arsenal 06.12.2014
Galatasaray Istanbul – Arsenal 09.12.2014
Arsenal – West Ham United 14.03.2015
AS Monaco – Arsenal 17.03.2015
Israel – Wales 28.03.2015
FC Burnley – Arsenal 11.04.2015
Hull City – Arsenal 04.05.2015
Wales – Andorra 13.10.2015
FC Watford – Arsenal 17.10.2015
Arsenal – AFC Sunderland 05.12.2015
Aston Villa – Arsenal 13.12.2015
Arsenal – AFC Sunderland 09.01.2016 David Bowie 10.01.2016
FC Liverpool – Arsenal 13.01.2016 Alan Rickman 14.01.2016
Tottenham Hotspurs – Arsenal 05.03.2016 Nancy Reagan 06.03.2016

Ramseys folgenlose Treffer lässt Bild.de einfach aus.

Dass die Wenn-dann-Kausalität totaler Murks ist, hält andere Redaktionen natürlich nicht davon ab, den “Todes-Fluch” weiterzutragen:


(mopo.de)

(stern.de)

(“Focus Online”)

(krone.at)

(kurier.at)

(oe24.at)

Mit Dank an Jannis C.!

Sehen alle gleich aus (12)

Aber auf welches nur?

Es kämen nämlich zwei Eggesteins in Frage: Einer heißt Maximilian, einer heißt Johannes. Sie sind Brüder und spielen beide Fußball beim SV Werder Bremen. Der eine, Maximilian, ist 19 Jahre alt und Teil des Profikaders, der andere, Johannes, ist 17 und stürmt bei der U19.

Das ist bereits zu viel Komplexität für den durchschnittlichen Bild.de-Mitarbeiter. Für das Teaserbild hat die Redaktion zwar ein Foto von Maximilian Eggestein gewählt. Aber bevor der sich jetzt fürs Probetraining schon mal ein Flugticket nach Manchester kauft oder eine Bleibe in Englands Nordwesten mietet: Gemeint ist eigentlich Johannes, der jüngere Eggestein. Das schreiben die Bild.de-Transferexperten zumindest in dem Artikel (“Wie lange kickt Johannes Eggestein (17) noch für Werder?”).

Dass es sich bei dem gewählten Foto nicht um den richtigen der Brüder Eggestein handelt, hätte die Redaktion durchaus rausfinden können. Zum Beispiel mit einem Blick auf die eigene Seite: Vor einem halben Jahr hat sie das Bild schon einmal verwendet — in einem Text über Maximilian Eggestein:

Mit Dank an Arnd Z.!

Persönlichkeitsrechte? Ehrensache!

Bei „Bild“ arbeiten noch Journalisten mit Anstand.

Als zum Beispiel der 1. FC Union Berlin vorgestern mitteilte, dass Trainer Sascha Lewandowski aufgrund einer nicht näher benannten Erkrankung drei Wochen lang ausfallen werde, schrieb „Bild“ nur:


Selbstverständlich. Journalisten mit Anstand eben.

Noch ein Beispiel? Hier: Über Justizminister Heiko Maas und dessen Frau, die sich kürzlich getrennt haben, schreibt „Bild“ heute:

Der SPD-Politiker und die Lehrerin bitten, ihre Privatsphäre strikt zu respektieren.

Den respektlosen Rest des Artikels mit den privaten Details und den ganzen Spekulationen über eine angebliche Affäre …

… muss die Redaktionskatze geschrieben haben, da kann „Bild“ selbstverständlich nichts für.

Auch diese beiden Damen, die vor ein paar Tagen vor Gericht standen und ganz offensichtlich nicht fotografiert werden wollten …


(Unkenntlichmachung durch den BR.)

… hat „Bild“ am Dienstag bestimmt bloß aus Versehen in Nahaufnahme und unverpixelt im Blatt gezeigt:


(Unkenntlichmachung durch uns.)

Denn Persönlichkeitsrechte zu respektieren, das ist für die Leute von „Bild“ — selbstverständlich.

Mit Dank an Pascal S.

Blick  

“Blick” macht 15-Jährigen zum Dopingsünder

Der “Blick” (die “Bild”-ähnliche Journalismusattrappe aus der Schweiz) hat in seiner Ausgabe vom vergangenen Sonntag mehrere Seiten zum Thema Doping gebracht. Darunter auch eine Liste mit den derzeit gesperrten Schweizer Sportlern, auf der auch ein gewisser Lukas Stettler vom FC EDO Simme steht (zwei Jahre Sperre wegen des Besitzes von Anabolika).

Schon kurz nach der Veröffentlichung meldete sich jener FC EDO Simme und erklärte, die Behauptung sei Quatsch:

Weder dem FC EDO Simme 1977 noch dem Spieler selbst, liegen solche Informationen vor. (…) Es handelt sich hierbei um eine Zeitungsente.

Wenig später erfuhr der Verein dann auch, wie es dazu gekommen war: Der Verfasser des “Blick”-Artikels gab an, er sei zunächst von der offiziellen Liste der gesperrten Sportler auf antidoping.ch ausgegangen.

Diese Liste gibt es tatsächlich. Allerdings gibt sie keinen Aufschluss über die Vereinszugehörigkeit:

Eintrag auf der Liste: Lukas Stettler, Verstoß: Besitz von Anabolika, Sperre: 16.07.2015-16.07.2017

Also was tat der „Blick“-Journalist? Er recherchierte. Heißt: Er googelte den Namen. In den Suchtreffern stieß er auf den FC EDO Simme. Zack, Recherche beendet.

Aus dem Blick-Artikel: 'Aktuell sind 15 Schweizer Sportler gesperrt' - darunter: 'Lukas Stettler (FC EDO Stimme), Besitz von Anabolika, 16.7.2015-16.7.2017'

Hätte er noch zehn Sekunden weitergesurft, wäre er allerdings darauf gestoßen, dass jener Lukas Stettler vom FC EDO Simme in der B-Jugend spielt und erst 15 Jahre alt ist, und vielleicht hätte er dann geahnt, dass er sich hier um den falschen Spieler handelt.

In Wahrheit trifft die Sperre nämlich den 22-jährigen Lucas Stettler von einem ganz anderen Verein.

Der Vorsitzende des FC EDO Simme erklärte uns, es sei „unannehmbar“, dass sein Verein mit Doping in Verbindung gebracht werde.

Dass aber ein 15-Jähriger, der aktuell auf Lehrstellensuche ist, dermaßen verunglimpft werden kann, ist eine Frechheit sondergleichen.

Immerhin hat der “Blick” heute eine Korrektur abgedruckt.

Mit Dank an Samuel G.

Wie gemein! Wer setzt solche Gerüchte in die Welt?

Über zwei Jahre ist es jetzt her, dass sich Formel-1-Fahrer Michael Schumacher bei einem Skiunfall schwer am Kopf verletzt hat und ins Koma fiel. Inzwischen befindet er sich in einer langwierigen Reha-Phase.

Viele Medien nehmen (abgesehen von den anfänglichen Ausrastern) inzwischen Rücksicht auf Schumacher und dessen Familie, berichten nur noch selten und beteiligen sich nicht an Spekulationen.

Einige lassen immer noch nicht locker und verletzen in routinierter Regelmäßigkeit die Persönlichkeitsrechte der Familie, setzen Gerüchte und Falschmeldungen in die Welt und versuchen auf perfide Weise, den Fall Schumacher zu Geld zu machen. In aller Regel bekommt man davon nichts mit, weil es in den düstersten Ecken des Zeitschriftenregals passiert: in “Freizeit Revue”, “Bunte”, “Gala”, “die aktuelle”, den Regenbogen- und “People”-Heften.

Sabine Kehm, Schumachers Managerin, die auch seine Familie in der Öffentlichkeit vertritt, hat sich seit dem Unfall einige Male öffentlich zu Wort gemeldet. Dabei hat sie grobe Angaben zu Schumachers Gesundheitszustand gemacht und immer wieder erklärt, dass der Genesungsprozess sehr lange dauern werde. Und dass sie medizinische Einzelheiten nicht diskutieren möchte, um Schumachers Privatsphäre zu schützen.

Von Anfang an hat sie versichert, dass sie „entscheidende Neuigkeiten im Gesundheitszustand Michaels weiterhin bekanntgeben“ werde. Man müsse „einfach Geduld haben“.

Doch Geduld füllt keine Titelseiten. Die Redaktionen der Knallpresse wollen Details. Sie wollen ganz genau wissen, was im Krankenzimmer vor sich geht. In allen Einzelheiten. Sie nennen das “Wahrheit”, weil “Wahrheit” so klingt, als würde da irgendwas Wichtiges verheimlicht, und als hätte die Öffentlichkeit verdammt noch mal ein Recht darauf, endlich Genaueres zu erfahren.

So sieht die aktuelle “Gala” aus, über die ihr Verlag Gruner & Jahr schreibt, sie schaffe “eine intime, aber immer respektvolle Nähe zu den Stars”.

Im Artikel (“Das Ende der Stille”) schreibt das Blatt:

Zum Gesundheitszustand von Schumacher äußerten sich seine Familie und seine Managerin Sabine Kehm generell nur spärlich und vage. Der 47-Jährige mache “der Schwere seiner Verletzungen entsprechend Fortschritte”, die Reha-Phase werde sehr lange dauern, es sei “ein Kampf”. In diesem Duktus bleiben die Statements. Kein Wunder, dass es immer wieder wilde Spekulationen um Schumacher gibt, die für Schlagzeilen sorgen.

Schlagzeilen? Was denn für Schl…


(Ausgabe 11/2015. Hintergrund: Familie Schumacher soll ihr Ferienhaus verkauft haben.)

Nach der Logik der “Gala” sind die Schumachers also selbst schuld an solchen Schlagzeilen. Nur ein “ehrliches Wort”, schreibt sie, würde “alle Spekulationen im Keim ersticken”. Anders gesagt: Das Blatt wird erst mit dem Gerüchteverbreiten aufhören, wenn die Familie genug Details ausgepackt hat.

Corinna Schumacher, 46, täte sich damit einen großen Gefallen.

Sich. Natürlich.

Auch die “Bunte” will die Stille um Michael Schumacher einfach nicht ertragen und füllt sie lieber mit ein paar exklusiven Geschichten:

Viele davon musste sie, wie diese, in der digitalen Version nachträglich schwärzen, weil sie falsch waren oder sich die Familie juristisch dagegen gewehrt hat. Hier waren es Gerüchte über Schumachers Gesundheitszustand, die das Blatt “aus dem engsten Schweizer Umfeld der Familie” erfahren haben wollte. Managerin Kehm erklärte später: Alles Quatsch.

Wenn der Burda-Verlag seine “Bunte” beschreibt, nennt er sie übrigens ohne einen erkennbaren Anflug von Ironie eine “journalistische Institution”, die für “einzigartigen People-Journalismus” stehe und “der Garant für hochprofessionelle aktuelle Berichterstattung” sei. Viele Menschen kaufen ihm das ab. Und (auch deswegen) seine Hefte.

Das gilt auch für Blätter wie “die aktuelle”.

Für alle, die sie nicht kennen, hier die Kurz-Charakterisierung vom Verlag (Funke):

Spannende und seriöse Reportagen über Showstars, VIPs und Königshäuser, ohne Sensationslust, sondern mit viel Gefühl, bestimmen das redaktionelle Angebot und prägen den „People-Magazin“ – Charakter.

Hach ja:

Das ist die aktuelle Ausgabe. Der “Insider”, von dem das Zitat auf der Titelseite stammt, ist ein französischer Rennfahrer, der angeblich mit Schumacher befreundet ist.

Gefunden hat “die aktuelle” das Zitat in diesem französischen Magazin:

Familie Schumacher hat, wie uns ihr Anwalt bestätigte, bereits eine Verfügung gegen das “aktuelle”-Titelblatt erwirkt. Die ePaper-Ausgabe ist (wie die meisten Schumacher-Ausgaben, die bisher erschienen sind) nicht mehr erhältlich.

(Vor ungefähr einem Jahr gab es einen ähnlichen Fall: Irgendeine französische Postille hatte damals unter Berufung auf einen „Insider” Dinge über Schumachers Gesundheitszustand behauptet. Der Informant sei ein enger Freund der Familie, hieß es, und er habe die Informationen von Schumachers Frau und dessen Arzt. Die Gerüchte verbreiteten sich auch hierzulande. Schumachers Managerin teilte daraufhin mit, die Informationen seien falsch. Der Mann sei nie mit Schumacher befreundet gewesen, er habe außerdem weder Kontakt zu Schumachers Frau noch zu Schumachers Arzt gehabt.)

Oft findet “die aktuelle” ihre Geschichten auch im Internet. In einer der jüngsten Schumacher-Ausgaben schreibt sie:

Auf der Fan-Homepage von Michaels Sohn Mick, 16, fand man im Dezember 2014 rührende alte Familienbilder: Dreikäsehoch Mick mit seinem berühmten Papa. In diesem Jahr gibt es Bilder von Micks Karriere und Kollegen …

Und was schließen wir daraus? Genau:

Überall scheint der letzte Funken Hoffnung zu erlöschen. War alles Beten und Hoffen umsonst? Es macht unendlich traurig, dass immer mehr Menschen Schumi offenbar aufgegeben haben. Seine Familie wird das wohl auch schmerzlich spüren. Es wird immer schwerer, an Genesung zu glauben. Die Zeit der Entscheidung rückt näher, sich zu fragen, ob man selbst noch hoffen kann. Wenn die Kraft fehlt, noch an ein Wunder zu glauben, bleibt nur noch die Liebe und die Erinnerung.

Voilà:

So geht das seit zwei Jahren. Lieblingsthema, selbstverständlich: Schumis Gesundheitszustand.

Bei näherer Betrachtung wird schnell klar, mit welchen Tricks “die aktuelle” sonst noch arbeitet.

„Aufgewacht!“ bezieht sich nicht auf Michael Schumacher, sondern (wie die Mini-Unterzeile verrät) auf irgendwelche Menschen, die schon mal aus dem Koma erwacht sind. Die angebliche „Lungenentzündung“ basiert auf einer unbestätigten „Bild“-Geschichte, die „Bild“ später korrigierte. Die „Traurige Weihnachten“-Story ist eine Collage aus alten Zitaten und Gerüchten. Bei „Er sitzt in der Sonne!“ steht ganz klein neben dem Foto: „St. Moritz, 26.1.2013“ – es wurde also ein Jahr vor dem Unfall aufgenommen.

Zweitliebstes Thema: Schumis Familie.


Auch hier immer die gleichen Muster: Bei „Eine neue Liebe macht sie glücklich!“ geht es nicht um Corinna Schumacher, sondern um ihre Tochter, die angeblich einen neuen Freund hat. Der “neue ‘Papa’ für Schumis Sohn“ ist Formel-1-Pilot Sebastian Vettel, also “Papa” im Sinne von “Ziehvater”, weil er ihm ja bestimmt gute Formel-1-Tipps geben kann und so. Bei „’Sie standen vor der Trennung!’“ steht in der kleinen Unterzeile: „Wer setzt solche Gerüchte in die Welt? Es geht um die Zeit vor dem Unfall…“ Und: „Wie gemein!“

Das alles ist nur ein winziges Abbild des alltäglichen Irrsinns, nur ein Tropfen aus dieser gewaltigen Schlagzeilenflut.

Allein die Ausgaben, die in diesem Eintrag abgebildet sind (das französische Blatt und die erst kürzlich erschienenen Ausgaben ausgenommen), sind insgesamt über 12 Millionen mal verkauft worden. Rechnet man alle verkauften Frauen-Freizeit-Titel zusammen, kommt man in die Hunderte Millionen. Jedes Jahr.

Hunderte Millionen Zeitschriften voller hochprofessioneller Berichterstattung. Ohne Sensationslust. Sondern mit viel Gefühl.

Mit Dank an Micky B. und Dominik H.

Handball-Konter, Kalter Krieg, Fasten-App

1. Weltanschauung: Versenkt im Sehnsuchtsloch oder Kabinenpredigt für Eilenberger
(handball-world.com, Christian Ciemalla)
Der “ZEIT”-Kolumnist und Chefredakteur des “Philosophie Magazins” Wolfram Eilenberger hat für einigen Wirbel gesorgt, als er in seiner Kolumne die deutsche Handball-Nationalmannschaft dem rechten Spektrum zuordnete. Sie bediene “eine kartoffeldeutsche Sehnsucht”. Der einzige Ausländer des Teams sei der aus Island stammende Trainer, was perfekt ins “nordisch-arisierte Bild” passe. Vollends im Kolumnisten-Rausch verstieg er sich schließlich noch zu der Gaga-Aussage: “Wenn Fußball Merkel ist, ist Handball Petry.” Der Chefredakteur der “Handball-World” hat dem ZEIT-Kolumnisten nun geantwortet und die Schmähung Punkt für Punkt auseinandergenommen. Auch den Vorwurf der vielen deutschen Namen: “Schau mal in Euer Impressum und wiederhole Deine eigenen Worte “Alle Achtung! Das muss man 2016 in diesem Land erst einmal hinbekommen.” Oder anders: Wenn Fußball Merkel ist, ist “Die Zeit” Petry.”

2. Redet Russland den “Kalten Krieg” herbei?
(fr-online.de, Victor Funk)
Der russische Premierministers Dmitri Medwedew soll auf der Münchner Sicherheitskonferenz die jetzige politische Situation als “Kalten Krieg” bezeichnet oder diesen herbeigeredet haben. Diesen Eindruck muss man zumindest gewinnen, wenn man einer dpa-Meldung und den Äußerungen von ARD und ZDF Glauben schenkt. Dass man Medwedews Äußerung auch ganz anders sehen kann bzw. muss, wird nach der Lektüre dieses Artikels klar, an dessen Ende steht: “Ohne feste Freund-Feind-Bilder, ohne die fertige Story vor der Recherche würden wir, Journalisten, der Welt, so wie sie ist, vielleicht etwas näher kommen. Nur: Die Komplexität würde nicht in knackige schnelle Nachrichten und nicht in den klassischen 2-Minuten-TV-Bericht hineinpassen.”

3. Focus Online: Journalistischer Untergang des Abendlandes
(mobilegeeks.de, Carsten Drees )
Am Sonntag konnte man auf “Focus Online” von einer sich dramatisch anhörenden Zahl lesen. Die Schlagzeile lautete: “Vertraulicher Lagebericht: Diebstahl und Körperverletzung: 78.000 Polizeieinsätze in Asylunterkünften in NRW in 2015”. Natürlich ist dies Wasser auf die Mühlen der Asyl-Gegner und Flüchtlings-Phobiker, doch die monströse Zahl ist böswillig falsch. “90 Prozent dieser 78.000 Fälle betreffen Präsenz, Aufklärung und Information und haben weder mit Diebstahl noch mit Körperverletzung auch nur im Ansatz irgendwas zu tun!” Autor Drees sieht in der Vorgehensweise des “Focus” ein “kalkuliertes
Brandstiften”.

4. Warum sich die “Welt” von Günther Lachmann trennt
(welt.de, Stefan Aust)
“Welt”-Chef Stefan Aust meldet sich zur Causa AfD/Lachmann zu Wort. In dem Beitrag “in eigener Sache” begründet er, warum man sich von dem Redakteur getrennt habe, der sich auf eine sehr zweifelhafte Weise mit Politikern der AfD eingelassen habe. Das Verhalten Lachmanns habe nicht nur der “Welt” sondern der gesamten Publizistik geschadet. Von Seiten der “Welt” wolle man den Vorgang nicht nur aufklären und offenlegen, sondern Lachmanns Berichterstattung über die AfD nachträglich kritisch hinterfragen. Ein respektables Verhalten, obwohl man dies auch hätte früher machen können, wie einige vielleicht einwenden werden.

5. Netzneutralität: Wie es jetzt weitergeht
(netzpolitik.org, Thomas Lohninger)
Die Bundesnetzagentur hat am 12. Februar 2016 einen Workshop veranstaltet, in dem es um die Zukunft der Netzneutralität in Europa ging. Im neuen EU-Rechtsrahmen in der Telekom-Binnenmarkt-Verordnung fänden sich zum ersten Mal Regeln zur Netzneutralität, die den Regulierungsbehörden ermöglichen würden, gegen Provider vorzugehen, die “Wegegeld” verlangen. Der Artikel arbeitet die zentralen Punkte der Debatte auf, an deren Ende stehen wird, welches Internet wir zukünftig in Europa haben werden.

6. Eine katholische Gemeinde will Fasten wieder hip machen – mit einer App
(ze.tt, Philip Buchen)
Die Fastenzeit hat begonnen, und die “Katholische junge Gemeinde” (KjG) des Kölner Erzbistums wartet mit einer hippen Fasten-App auf. Statt 40 Tage Dauer-Verzicht auf Fleisch, Bier oder Zigaretten zu predigen, verfolge man einen anderen Ansatz. Die App vermittle eine Mischung aus Fitness, Spiritualität und Politik und würde u.a. Yoga-Übungen anbieten (Sonntags Ruhetag). Nun fehlen eigentlich nur noch Apps für´s Zölibat. Aber Stopp, die gibts ja schon. Sie heißen nur anders und bieten zum Ausgleich eines zölibatsbedingten Hormonüberhangs allerlei Bewegtbildmaterial von unkeusch handelnden Sündern und Sünderinnen.

Katastrophen-Journalismus heute – eine Anleitung

Sie sind ein deutsches Medium und fragen sich, wie Sie nach einem schweren Unglück trotz der Undurchsichtigkeit und Hektik in kurzer Zeit möglichst viele relevante Informationen liefern Klicks abstauben?

Da können wir helfen.

Wir haben uns die Berichterstattung nach dem Zugunglück in Bad Aibling genauer angeschaut und daraus ein paar hilfreiche Regeln abgeleitet. Wenn also das nächste Mal eine Katastrophe eintritt:

1. Atmen Sie auf keinen Fall tief durch. Beeilen Sie sich. Hauen Sie sofort alles raus, was Sie in die Finger kriegen. Alles. Sofort!


(maz-online.de, Dienstag)


(maz-online.de, Mittwoch)

***

2. Schildern Sie immer wieder ganz ausführlich und in riesiger Aufmachung die grausamen Details.

Wenn der Polizeisprecher sagt:


(n24.de)

… dann besorgen Sie sie woanders.


(“Focus Online”)


(n24.de)


(ovb-online.de)


(tz.de)

***

3. Sie sind ein Fachmedium, das thematisch eigentlich nichts mit der Sache zu tun hat? Egal.


(“Sport 1”)


(“Focus Money”)

***

4. Fangen Sie möglichst früh an, über die Ursachen und Hintergründe zu spekulieren. Raten Sie einfach drauflos.


(Bild.de)


(stuttgarter-zeitung.de)


(Bild.de)

***

5. Benutzen Sie die Spekulationen über die Ursache als Clickbait.

***

6. Benutzen Sie alles als Clickbait.


(“Focus Online”)


(“Huffington Post”)


(“Huffington Post”)

***

7. Ein Augenzeugenvideo vom Unglück taucht auf? Clickbait!


(Bild.de)


(abendzeitung-muenchen.de)


(express.de)

***

8. Ausschnitte! Zeigen Sie Ausschnitte!


(mopo24.de, Unkenntlichmachung von uns)


(“Tagesschau”, Unkenntlichmachung von uns)


(RTL, Unkenntlichmachung von uns)


(“Bild”, Unkenntlichmachung von uns)

Pro-Tipp: Laden Sie das Video auf ihre eigene Seite hoch und schalten Sie Werbung davor. So verdienen Sie jedes Mal mit, wenn sich jemand das Schock-Video angucken will.


(welt.de)

Um die Nörgler wegen des Videos zu besänftigen, schwurbeln Sie sich eine Rechtfertigung zusammen oder denken Sie sich irgendeinen Vorwand aus, warum Sie die Bilder zeigen.


(merkur.de, Unkenntlichmachung von uns)


(Unkenntlichmachung von uns)

***

9. Empören Sie sich über Medien, die die Bilder gezeigt haben. Ignorieren Sie die Tatsache, dass Sie sie selbst gezeigt haben.

***

10. Lassen Sie Beinahe-Opfer zu Wort kommen, die zwar überhaupt nicht dabei waren, aber fast.


(tz.de, Unkenntlichmachung von uns)

***

11. Fotografieren Sie Trauernde.


(Bild.de, Unkenntlichmachung von uns)

***

12. Wühlen Sie im Privatleben der Opfer und veröffentlichen Sie alles, was Sie finden können.


(tz.de)


(merkur.de, Unkenntlichmachung von uns)


(“Focus Online”)


(“Bild”, Unkenntlichmachung von uns)


(Bild.de, Unkenntlichmachung von uns)


(Bild.de, Unkenntlichmachung von uns)


(Bild.de, Unkenntlichmachung von uns)


(Bild.de, Unkenntlichmachung von uns)


(Bild.de, Unkenntlichmachung von uns)


(“Bild am Sonntag”, Unkenntlichmachung von uns)

***

13. Bedrängen Sie die Angehörigen, Freunde, Nachbarn und Kollegen der Opfer. Nehmen Sie keine Rücksicht.


(“Bild am Sonntag”, Unkenntlichmachung von uns)


(Bild.de, Unkenntlichmachung von uns)

***

Alles beherzigt? Glückwunsch! Damit dürften Sie Ihre Reichweite erheblich vergrößert haben. Und das Leid vieler Menschen. Aber so ist das eben.

Mit Dank auch an Matthias K. und Michael H.

Gegenlesen, Autorisierung, VR-Reportagen

1. Gegenlesen? Nein danke!
(meta-magazin.org, Alexander Mäder)
Der Wissenschaftsjournalist Alexander Mäder (“Stuttgarter Zeitung”) schreibt in einem längeren Fachbeitrag über das “Gegenlesen”. Ist es ein Verstoß gegen die Berufsehre, oder dient es der Qualitätssicherung, wenn man als Journalist seinen Artikel der Gegenseite zur Kontrolle vorlegt? Zu diesem Thema hat Mäder eine nicht-repräsentative Umfrage unter Wissenschaftlern, Pressesprechern und Journalisten gestartet und berichtet von den Ergebnissen. Am Ende spricht er sich für die Errichtung von “Rechercheclubs” aus, die eine neue Form von gesellschaftlich relevantem Wissen hervorbringen könnten.

2. “Im Zweifel nicht drucken”
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der “Deutsche Journalisten-Verband” hat einen aktuellen Fall (Konflikt zwischen Frauke Petry, AfD und dem “Mannheimer Morgen”) zum Anlass genommen, auf die von ihm beschlossenen Leitlinien zur Autorisierung von Interviews hinzuweisen. Nachträgliche Änderungen des Interviewten seien nur in beschränktem Rahmen möglich. Änderungen, die die Authentizität des Interviews oder einen wesentlichen Aussagengehalt konterkarieren würden, könnten von der Redaktion abgelehnt werden. Der DJV rät den Journalistinnen und Journalisten, standhaft zu bleiben und im Zweifelsfall auf die Veröffentlichung eines Interviews zu verzichten.

3. Als Zuschauer mittendrin: Der 360-Grad-Journalismus
(boris-haenssler.de)
Hinter “StoryUp” verbirgt sich ein Team von Virtual-Reality-Reportern, die beeindruckende Videoreportagen in 360-Grad-Technik erstellen. Gründerin Sarah Hill erzählt im Interview von ihren Reportage-Ausflügen in die virtuelle Realität und spricht über den technischen Wandel und die Besonderheiten und Risiken (zum Beispiel drohende Übelkeit bei empfindlichen Zuschauern). Im Beitrag verlinkt sind faszinierende Beispiele, in denen man sich bei laufendem Video via Maus um die eigene Achse drehen kann, und das gesamte Umfeld zu Gesicht bekommt.

4. Funkturm: „Soll jetzt Lutz Bachmann ein Praktikum bei uns machen?“
(flurfunk-dresden.de, Nicole Kirchner & Peter Stawowy)
Langfassung eines Gesprächs, in dem drei Medien-Fachleute aus Sachsen nach Lösungen ringen, wie man das Bild der Presse in der Bevölkerung verbessern kann und mit der Wut auf die Medien umgehen soll. Man merkt den Gesprächspartnern das Bemühen an, die “Lügenpresse”-Rufer zu erreichen. Andererseits wird die komplizierte und verfahrene gesellschaftspolitische Gemengelage deutlich, und an manchen Stellen schimmern Hilf- und Ratlosigkeit durch. Ein Gespräch, das auch außerhalb von Sachsen seine Bedeutung hat.

5. Die Journalisten-Rausbilder
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kennt den Medienbetrieb aus vielen Blickwinkeln. Er bekleidete führende Positionen bei Presse und Fernsehen, ist Autor verschiedener Fachpublikationen und war lange Zeit an der privatwirtschaftlichen und universitären Ausbildung von Journalisten beteiligt. Im Sommer geht nun sein Lehrauftrag in Passau zu Ende; ein Anlass, ein paar deutliche Worte über die Journalistenausbildung an den deutschen Hochschulen zu verlieren. Interessant für alle, die etwas über den Beruf als solches erfahren oder gar selbst Journalismus studieren wollen.

6. Man darf grundsätzlich alle Fragen stellen.
(planet-interview.de, Kaspar Heinrich)
Katrin Müller-Hohenstein moderiert seit zehn Jahren “Das aktuelle Sportstudio” (ZDF). Im Interview erzählt sie von ihren Anfängen als “Quotenfrau” und was sich im Lauf der letzten zehn Jahre alles geändert hat. Zum Beispiel das Verhalten der Gesprächspartner, die im Verlauf der Zeit vorsichtiger geworden seien: “Den Profi-Fußballern, die heute ja einen unglaublichen Kultstatus genießen, fliegt ein falscher Nebensatz innerhalb kürzester Zeit so dermaßen um die Ohren, dass sie gut beraten sind, sich zurückzuhalten.” Auf die Einbindung von Social Media in ihrer Sendung angesprochen, äußert sie sich eher lakonisch. Und: Sie selbst “mache da nicht mit”.

“Ebenso böswillig wie falsch”

Jetzt, wo sich “Sport Bild”-Chef Alfred Draxler ohnehin keine Sorgen mehr um seine “REPUTATION ALS JOURNALIST” machen muss, geben sich er und sein Blatt beim Skandalbasteln wieder mit weit weniger zufrieden als einer Intensivrecherche.

Jetzt reichen — Gerüchte.

“Nach SPORT BILD-Informationen” soll Bayern-Fußballer Arturo Vidal nämlich während des Trainingslagers in Katar …

das Mannschaftsquartier mehrmals verlassen und bei seiner Rückkehr alkoholisiert gewirkt haben.

Die Zeitschrift beruft sich dabei auf einen „anonymen Spieler“, der jetzt “ausgepackt” habe.

Gestern erklärte FC-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer auf einer Pressekonferenz, die Geschichte sei „frei erfunden“.

Ich war sehr überrascht über das, was ich jetzt gelesen habe. Das stimmt nicht und ist die Unwahrheit – dass das klar ist. Wir haben mit Arturo [Vidal] ein absolut enges Verhältnis. Natürlich sprechen wir ihn auch auf gewisse Themen an. Er selbst hat gesagt, dass da nichts dran ist – unabhängig von Katar, sondern insgesamt. Dagegen werden wir als Klub auch vorgehen – das ist ganz klar. Man versucht vielleicht mit allen Mitteln gegenüber dem FC Bayern, die Liga spannend zu machen. Aber ich kann nur sagen: Sie erreichen das Gegenteil. Wir werden noch enger zusammenrücken, das werden wir nicht zulassen. Im Fall Vidal werden wir mit allen rechtlichen Mitteln vorgehen.

Auch Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, erklärte in einer Stellungnahme im Namen des Vereins:

„Beide Behauptungen sind ebenso böswillig wie falsch.”

(Er meint die Alkohol-Geschichte und das ebenfalls von der “Sport Bild” verbreitete Gerücht, Vidal beziehe 8 Mio. Euro netto im Jahr.)

Und Arturo Vidal selbst teilte auf seiner Instagram-Seite mit:

Die “Sport Bild” erklärte auf Anfrage der dpa, sie bleibe bei ihrer Darstellung.

Mit Dank an Jan H. und @StrohhutPirat.

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