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„Blick“ macht 15-Jährigen zum Dopingsünder

Der „Blick“ (die „Bild“-ähnliche Journalismusattrappe aus der Schweiz) hat in seiner Ausgabe vom vergangenen Sonntag mehrere Seiten zum Thema Doping gebracht. Darunter auch eine Liste mit den derzeit gesperrten Schweizer Sportlern, auf der auch ein gewisser Lukas Stettler vom FC EDO Simme steht (zwei Jahre Sperre wegen des Besitzes von Anabolika).

Schon kurz nach der Veröffentlichung meldete sich jener FC EDO Simme und erklärte, die Behauptung sei Quatsch:

Weder dem FC EDO Simme 1977 noch dem Spieler selbst, liegen solche Informationen vor. (…) Es handelt sich hierbei um eine Zeitungsente.

Wenig später erfuhr der Verein dann auch, wie es dazu gekommen war: Der Verfasser des „Blick“-Artikels gab an, er sei zunächst von der offiziellen Liste der gesperrten Sportler auf antidoping.ch ausgegangen.

Diese Liste gibt es tatsächlich. Allerdings gibt sie keinen Aufschluss über die Vereinszugehörigkeit:

Eintrag auf der Liste: Lukas Stettler, Verstoß: Besitz von Anabolika, Sperre: 16.07.2015-16.07.2017

Also was tat der „Blick“-Journalist? Er recherchierte. Heißt: Er googelte den Namen. In den Suchtreffern stieß er auf den FC EDO Simme. Zack, Recherche beendet.

Aus dem Blick-Artikel: 'Aktuell sind 15 Schweizer Sportler gesperrt' - darunter: 'Lukas Stettler (FC EDO Stimme), Besitz von Anabolika, 16.7.2015-16.7.2017'

Hätte er noch zehn Sekunden weitergesurft, wäre er allerdings darauf gestoßen, dass jener Lukas Stettler vom FC EDO Simme in der B-Jugend spielt und erst 15 Jahre alt ist, und vielleicht hätte er dann geahnt, dass er sich hier um den falschen Spieler handelt.

In Wahrheit trifft die Sperre nämlich den 22-jährigen Lucas Stettler von einem ganz anderen Verein.

Der Vorsitzende des FC EDO Simme erklärte uns, es sei „unannehmbar“, dass sein Verein mit Doping in Verbindung gebracht werde.

Dass aber ein 15-Jähriger, der aktuell auf Lehrstellensuche ist, dermaßen verunglimpft werden kann, ist eine Frechheit sondergleichen.

Immerhin hat der „Blick“ heute eine Korrektur abgedruckt.

Mit Dank an Samuel G.

Oh Gott! „Blick“ fällt auf Satire rein

Das Schweizer Rumms- und Bumsblatt „Blick“ hat heute einen schönen Aufreger aus den USA entdeckt:

Nun ist dem TV-Prediger John Hagee durchaus so mancher Schwachsinn zuzutrauen (er findet auch, der Holocaust sei gottgewollt) — die Orgasmus-Aussagen aber kommen in Wirklichkeit nicht von ihm, sondern von Newslo.com, einer, wie sich in drei Sekunden herausfinden lässt: Satireseite.

Immerhin sind sie beim „Blick“ nicht die einzigen, die auf den Fake reingefallen sind.

Mit Dank an @140_a_day.

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Verrückte Deals

Marc Walder, CEO des Ringier-Verlags für die Schweiz und Deutschland, erzählte der „Zeit“ kürzlich in einem Interview, dass die Medienwelt für Marketing-Manager unübersichtlich geworden sei. Die würden „gar nicht mehr wissen, wo und vor allem wie sie ihr Geld am effektbringendsten ausgeben sollen“:

Die fragen sich: Was mache ich mit meinen zwei Millionen Euro für die neue Biomilch? Mache ich ein Guerilla-Video für YouTube? Veranstalte ich eine witzige Castingshow? Suche ich das schönste Butter-Girl? Oder doch nur klassische Werbung wie früher? Da kommen sie gern zu uns und lassen sich ein Konzept entwickeln.

Die Medienwelt ist aber auch für den Ringier-Verlag unübersichtlich geworden. So verdient das Unternehmen nicht nur Geld mit Boulevardzeitungen wie dem „Blick“, sondern hält auch Beteiligungen an den verschiedensten Unternehmen, so zum Beispiel seit diesem Sommer 60% an DeinDeal.ch, einem Gutschein-Discounter.

Wie genau die Konzepte aussehen, die Ringier für seine Werbepartner entwickelt, wissen wir nicht. Wir können aber einfach mal einen Blick in den „Blick“ werfen.

Am 1. Dezember 2011:

IWC zum halben Preis!

Am 2. Dezember 2011:

10 IWC bei DeinDeal.ch

Und am 3. Dezember 2011 gab es noch eine gute Nachricht auf der Titelseite, ganz ohne weiterführenden Artikel. Vermeldet wurde, dass der CEO von IWC Schaffhausen „ein neues Produktionsgebäude sowie den Ausbau der Büroräumlichkeiten“ (stadt-schaffhausen.ch) plant.

IWC baut neue Uhrenfabrik!

Selbstmord in U-Haft: feige, aber praktisch

Der Schweizer Verleger Michael Ringier hat den deutschen Zeitschriftenverlegern in der vergangenen Woche empfohlen, sich auf journalistische Qualität zurückzubesinnen. Die Zukunft des Zeitschriftengeschäfts bestehe darin, den Journalismus mit den ältesten Regeln des Handwerks zu achten und mit den neuesten Technologien zu fördern, sagte er auf den „Zeitschriftentagen“ des Verbandes der Zeitschriftenverleger (VDZ). „Wir brauchen journalistisches Edelmetall“, meinte er — als Abgrenzung zum Internet, in dem es den „Schrott“ gebe. In Bezug auf Online-Amateurinhalte sagte er: „Es gibt keine Schwarmintelligenz, dafür haben wir den digitalen Mob.“

Es ist nicht ganz klar, was Ringier zum Experten für journalistische Qualität macht. In der Schweiz gibt er die Boulevardzeitung „Blick“ heraus. Die berichtet über die Selbsttötung eines Mannes, der in Untersuchungshaft war, weil er seine Tochter missbraucht und ihren Lehrer erschossen haben soll, unter der Überschrift:

Feiger Lehrermörder Gecaj: Selbstmord aus Angst vor den Aussagen seiner Tochter

Passend dazu stellt der „Blick“ seinen Lesern die Frage:

(via Infamy)

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Barack Obama in der Gerüchte-Aufwärm-Küche

Es gibt einige Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass eine Story totaler Quatsch ist:

  • Die Story gab es vor anderthalb Jahren schon mal, mit den genau gleichen Vorwürfen und Protagonisten.
  • Die Story wird nur auf Papier, nicht aber online veröffentlicht.
  • Kein Journalist steht mit seinem Namen zur Story, sie wird also sozusagen anonym veröffentlicht.
  • Von Wahrheit spricht niemand, die Story ist gespickt mit den Worten „angeblich“ und „soll“.
  • Kein anderes Medium berichtet über die Story, die, wenn sie wahr wäre, ungeahnte Folgen haben könnte.
  • Die einzige Quelle der Story ist ein berühmt-berüchtigtes Boulevardblatt.
  • Die Quelle der Story ist (vorübergehend?) nicht zugänglich („Page unavailable/under construction“).

All diese Punkte treffen auf eine Geschichte im heutigen „Blick“ zu.

Es geht darin um Vera Baker, die Barack Obama 2004 bei der Wahlkampagne für den Senat von Illinois als Finanzchefin unterstützte. Von der „Mail on Sunday“ auf den Vorwurf angesprochen, sie habe eine Affäre mit dem späteren US-Präsidenten gehabt, sagte sie im Oktober 2008: „Nichts passierte.“

Neu ist nur das – ausschließlich vom „Globe Magazine“ verbreitete – Gerücht, dass die beiden gemeinsam in einem Hotel gesichtet wurden, was ein Augenzeugenbericht und ein Video beweisen sollen. Alles andere ist seit 2008 bekannt und dementiert. Darum gehört die Story in ihrer jetzigen Sachlage in den Papierkorb.

Oder auf das Titelblatt:

Hat Obama seine Michelle betrogen?

Seite 12:

"Obama im Hotel erwischt

Mit Dank an Jonas A. für den Hinweis und Klartext für die Scans.