Suchergebnisse für ‘sport’

Gemartensteint, UEFA-Weichspüler, ForestFakeNews

1. Martenstein übernimmt den „Tagesspiegel“
(carta.info, Franz Sommerfeld)
“Carta”-Kolumnist Franz Sommerfeld sieht den “Tagesspiegel” durch ihren Kolumnisten Martenstein bedroht. Dieser wechsle zusehends ins Genre des politischen Leitartikels und gebe dem Blatt eine neue Farbe, die besonders AFD-Anhänger anspreche. Als Beispiel dient Martensteins jüngster Beitrag: “In seinem Leitartikel über die Flüchtlingsbewegung finden Krieg und Bombardements als Fluchtursache kaum noch statt, sondern die Fluchtursachen reduzieren sich auf die Sehnsucht, in unserem Wohlstand leben zu dürfen und uns damit, so Martenstein, „Armut und Bürgerkrieg“ zu bescheren.”

2. Nicht sauber, sondern rein
(taz.de, Jürn Kruse)
Szenen randalierender Fußball-Fans im Stadion blendet die Uefa einfach aus. Dadurch verkauft der Veranstalter die Zuschauer für dumm, findet “taz”-Reporter Jürn Kruse. “Auf den internationalen Fernsehbildern sind die Arenen immer voll, die Zuschauer immer jung und attraktiv und meistens weiblich. Das klinisch reine Fußballvergnügen. Wer diese Art der Präsentation mag, mag auch: Sagrotan Wäsche-Hygienespüler, 1,5 l, EUR 3,99 sowie 2er-Set Autofahne Deutschland Flagge, EUR 4,99.” Martin Schneider von der “SZ” sieht die Sache ähnlich und prognostiziert: “Es ist gut möglich, dass die Kommentatoren von ARD und ZDF bei der EM 2016 noch häufiger zum Radioreporter werden müssen.”

3. Die Zukunft des Radios wird gerade entschieden – und das klassische Radio hat kaum noch etwas damit zu tun
(marckrueger.tumblr.com, Marc Krüger)
“Rundfunkfritze” Marc Krüger hat vor kurzem aufgeschrieben, warum sich das Radio endlich auf den Weg in die Zukunft machen muss. Nun seien drei Dinge passiert, die zeigen würden, in welche Richtung die Reise ginge: Der Wechsel von Olli Schulz und Jan Böhmermann zu Spotify, der „Call-for-Papers“-Aufruf der Amazon-Tochter Audible und die Audio-Rechtevergabe der Fußball-Bundesliga-Spiele via Web/Mobile an Amazon. Krüger erklärt die Vorgänge und beschreibt die Auswirkungen auf die deutsche Radiolandschaft.

4. Nachgefragt: So will das Social-Media-Team von Bild.de das Internet für sich gewinnen
(t3n.de, Andreas Weck)
“Bild” setzt stark auf Social Media, das ist bekannt. Andreas Weck von “t3n” hat das Social-Media-Team in Berlin besucht und sich nach Projekten und Arbeitsweise erkundigt. Im Axel-Springer-Hochhaus würde ein Team von acht festen und bis zu sechs freien Social-Media-Redakteuren werkeln, zuzüglich einiger Studenten im Community-Management. Interessant: Die Inhalte werden nicht nur auf den Hauptkanälen veröffentlicht, sondern zusätzlich auf sage und schreibe 61 Facebook-Fanseiten verteilt. Außerdem teste man ständig die Verbreitung über neue Kanäle wie Whatsapp oder den Facebook-Messenger.

5. Stell dir vor, das russische Staatsfernsehen kommt
(faz.net, Friedrich Schmidt & Michael Hanfeld)
Hans-Joachim „Hajo“ Seppelt ist ein deutscher Journalist und Autor und gilt als Experte für die Dopingproblematik im deutschen und internationalen Sport. Nach seinem jüngsten Beitrag über systematisches und staatlich geschütztes Doping in Russland könnten sogar die russischen Athleten von den nächsten Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen werden. Seppelt hat dem russischen Staatsfernsehen ein Interview gegeben, das eskaliert ist und nun von russischen Medien gegen ihn verwendet wird.

6. Europameisterschaft wegen Gewaltausbrüchen abgesagt – oder die seltsame Geschichte um @ForestEchoNews
(joca.me, Jörgen Camrath)
Am Wochenende wurden auf Twitter unzählige Nachrichten über Gewaltexzesse beim Fußball verbreitet, die sich als Falschmeldungen erwiesen. Jörgen Camrath hat sich die Quelle angeschaut, die “ForestEchoNews”, ein (mittlerweile gelöschter) Fake-Account. “Es gibt kein „ForestEchoNews“. Es gibt keine Journalisten, die für solch eine Organisation arbeiten. Und auch die Vorfälle, die über die diversen damit assoziierten Twitter-Accounts verbreitet wurden, sind so nicht passiert. Und trotzdem wurden sie geteilt. Und vielleicht haben sie sogar dafür gesorgt, dass noch mehr Öl ins Feuer gegossen wurde. Denn es ist durchaus denkbar, dass einige der Idioten, die am Samstag und in der Nacht zu Sonntag in Marseille für Tumulte sorgten, sie für bare Münze genommen haben. So ist das heute.”

#AfDfrei, Ulfkottismus, Fußballmilliarden

1. Ulrich Wickert: “Journalisten betreiben Selbstzensur”
(kress.de, Frank Hauke-Steller )
Ulrich Wickert kann auf eine lange Karriere als Journalist zurückblicken, zunächst als Korrespondent in den USA und Frankreich, danach lange Jahre als Anchorman der Tagesthemen. Jüngst hat er den Essayband “Medien, Macht, Verantwortung” herausgebracht, in dem er eine Rückbesinnung auf die eigentliche Aufgabe des kritischen Journalismus fordert: Aufklärung. Im Interview mit “kress.de” erklärt Wickert, warum es um den Journalismus derzeit schlechter stehe als vor 30 bis 40 Jahren und welche politische Einflussnahme er für einen “Skandal” hält.

2. Kurs in Kapitalismus
(de.ejo-online.eu, Kurt W. Zimmermann)
Kolumnist Kurt W. Zimmermann hat sich die Bilanzen der fünf großen Schweizer Verlage angesehen und kommt zum Ergebnis: “Das einzige Medienunternehmen, das kapitalistischen Kriterien genügt, ist Tamedia. Hier macht das Bodenpersonal für die Besitzer wirklich Cash. Das Schlussfeld bewegt sich in Richtung unternehmerischen Hobbywesens. Warum beschäftigt man so viele Mitarbeiter, wenn die keine Kohle bringen? Das hat schon etwas leicht Resignatives.”

3. Inhaftierte Journalisten freilassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich des Deutschland-Besuchs von Präsident Ilcham Alijew fordert “Reporter ohne Grenzen” Aserbaidschan auf, alle inhaftierten Journalisten freizulassen. „So sehr sich Aserbaidschan auch als modernes, weltoffenes Land präsentieren will: Hinter der schönen Fassade unterdrückt das Regime von Präsident Alijew jede kritische Regung“, so der ROG-Geschäftsführer. Derzeit säßen in der Kaukasus-Republik mindestens drei professionelle Journalisten und vier Blogger wegen ihrer Tätigkeit im Gefängnis.

4. Medien und die AfD: Zeit für eine Pause?
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Mathias Meisner fragt im “Tagesspiegel”, ob die AfD in den Medien zu oft zu Wort kommen würde. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) hat die Frage mit einem “Weniger ist manchmal mehr” beantwortet: “Journalisten haben einen Informationsauftrag, der selbstverständlich die AfD mit einschließt. Journalisten haben aber auch die Aufgabe, Nachrichten auf ihren Informationswert hin abzuklopfen.” Für sich hat Meisner gestern auf Twitter einen #AfDfrei-en Tag ausgerufen und erhielt viele positive Reaktionen darauf.

5. Udo Ulfkotte & die Mutter, die ihren Sohn essen musste
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Udo Ulfkotte macht in vielerlei Hinsicht von sich reden, ob als Autor eines umstrittenen Bestsellers zum Thema Journalismus bei einem irrlichternden Verlag oder mit Artikeln auf der Webseite eben dieses Verlags. Stefan Niggemeier von “Übermedien” hat sich die jüngste “Enthüllung” Ulfkottes angeschaut: Eine unbelegte Geschichte, die als Klassiker der Schauermärchen in vielerlei Variationen existiere, von Shakespeare bis South Park.

6. Britisches Modell
(sueddeutsche.de, Raphael Honigstein)
Wer in England das Runde auf dem eckigen Bildschirm sehen will, zahlt viel und bekommt recht wenig, berichtet Raphael Honigstein in der “Süddeutschen Zeitung”. Sagenhafte 2,17 Milliarden Euro im Jahr habe Premier-League-Chef Richard Scudamore in der kommenden Saison allein aus den nationalen Rechten herausgeholt. (Wer jetzt denkt, davon seien wir Deutschen weit entfernt: Die “FAZ” berichtet aktuell vom Poker um die Bundesligaübertragung, bei dem es ebenfalls um astronomische Beträge geht.)

Comics, Gauland, Erpressung

1. Journalisten mit Feder und Tusche
(de.ejo-online.eu, Katja Engel)
Wissenschaftsjournalistin Katja Engel ist aufgefallen, dass in Comics zunehmend ernsthafte Geschichten erzählt würden, ob von Bootsflüchtlingen, die ihre Rettung in einer Fahrt übers Mittelmeer suchen oder Sportlerinnen in Somalia, die von der Terrormiliz drangsaliert werden oder der Nazi-Szene. Ernsthafte Geschichten über Kriege, Flucht und soziale Missstände im Format der Comic-Reportage. In ihrem Artikel stellt Engel exemplarisch zwei Werke vor.

2. “Frontal 21”-Chefin Ilka Brecht: “Investigation hilft in der Glaubwürdigkeits-Debatte”
(kress.de, Bülend Ürük)
Das vom “ZDF” wöchentlich ausgestrahlte politische Magazin “Frontal21” wurde 2001 als Nachfolger der Magazine “Frontal” und “Kennzeichen D” gestartet. Der Branchendienst “Kress” hat mit Ilka Brecht gesprochen, die das Magazin leitet und moderiert. Es geht um Gegenwind aus Wirtschaft und Politik, die Zusammenarbeit mit Medienpartnern, Satire und die wohl unvermeidlichen Themen Quote und Reichweite.

3. Nach diesen Regeln arbeiten Journalisten
(tagesschau.de, Julian Heißler)
AfD-Vize Gauland beklagt die Arbeitsweise der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Julian Heißler von “tagesschau.de” fragt, ob die Redakteure – wie von Gauland behauptet – gegen Regeln der Berichterstattung verstoßen haben und liefert eine Übersicht, was im politischen Journalismus üblich ist. In diesem Zusammenhang beachtenswert auch der ausführliche Beitrag von Hardy Prothmann, der sich im Rheinneckarblog mit der “Causa Nachbar” auseinandersetzt.

4. Dudelfunk nicht bekämpfen, sondern anpassen! Zur Kritik am Formatradio.
(zebrabutter.net, Theo Wurth)
Theo Wurth rechnet mit dem “Dudelfunk” ab: Radiosender würden kaum noch unterscheidbare Klangfarben haben, mindestens alle vier Stunden gemäß Durchschnitts-Verweildauer ihre “aktuellen Hits” wiederholen, den Hörer mit leeren Superlativ-Claims bombardieren, Content auf unter 1:30 Min. herunterbrechen und das gesamte immergleiche 24/7-Programm in einen streng geführten Sendeablauf stopfen. Derartiges Radio sei allenfalls seichtes Begleitmedium und vom Scheitern bedroht.

5. Philippinen: Duterte rechtfertigt Morde an Journalisten
(spiegel.de)
“Nur weil du ein Journalist bist, bist du von Attentaten nicht ausgenommen, wenn du ein Hurensohn bist”, so die Worte des neuen Präsidenten der Philippinen, mit denen er Anschläge auf Journalisten verteidigte. Journalisten, die die Wahrheit berichteten, werde nichts passieren. Korrupte Journalisten rette das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht. Die Journalistengewerkschaft der Philippinen reagierte entsetzt und auch die Organisation Reporter ohne Grenzen hat sich zu Wort gemeldet.

6. Uefa greift ins TV-Programm ein
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Wer die Fußballspiele der Euro 2016 zeigen will, muss vorproduzierten Uefa-Content ausstrahlen. Der Leiter der Schweizer “Medienwoche” dazu: “Letztlich lassen sich die Sender erpressen von der Uefa, die ihr begehrtes Produkt Euro 2016 als Einfallstor nutzt für die Platzierung von Content Marketing.”

Adblock-Krieg, Gerichts-Satire, Talkshow-Blindflug

1. OLG Köln: Schlechte Karten für Adblock Plus
(heise.de, Torsten Kleinz)
Durch Adblocker gehen den Medienhäusern riesige Werbeeinnahmen verloren. Kein Wunder, dass man sich da wehrt, auch mit juristischen Mitteln. Nachdem Werbeblocker “Adblock Plus” bislang fünf Prozesse für sich entscheiden konnte, zeichnet sich im Berufungsverfahren vor dem OLG Köln eine Niederlage ab. Ein Verbot des Werbeblockers steht im Raum. Und Schadensersatz. Doch Köln wird aller Voraussicht nach nur eine Zwischenstation sein. Zur endgültigen Klärung wird man sich wohl vor dem Bundesgerichtshof wiedersehen.

2. Journalismus aus der Vogelperspektive
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Das Geschäft mit Drohnen boomt wie nie zuvor und auch im Journalismus werden immer öfter kamerabewehrte Drohnen als fliegende Beobachter eingesetzt, ob bei Sportveranstaltungen oder zur Recherche und Verifizierung. Doch der Einsatz ist im journalistischen Umfeld nicht frei von Problemen. Es geht im Wesentlichen um Sicherheitsaspekte und Persönlichkeitsrechte. Lobe erzählt, wie es die Kollegen des BBC machen und kommt angesichts der Gesamtproblematik zum Schluss: “Es ist ein schmaler Grat.”

3. Böhmermann – Satire geht weiter
(diekolumnisten.de, Heinrich Schmitz)
Heinrich Schmitz ist nicht nur Kolumnist, sondern auch Strafverteidiger. In einer Mischung aus beiden Funktionen arbeitet er die umstrittene Entscheidung des Landgerichts Hamburg in der Causa Böhmermann auf. “Die Frage sei erlaubt, ob die Pressestelle des OLG Hamburg auf ihrer Homepage eine eigene Satirerubrik unterhält. Sie macht in ihrer Mitteilung über die Entscheidung des Landgerichts Hamburg nämlich ziemlich genau dasselbe wie Jan Böhmermann. Sie erklärt – genau wie dieser – dass das in Rahmen der Böhmermann-Performance vorgetragene Schmähgedicht ein Schmähgedicht ist. Dazu hätte es nun keines Gerichtes bedurft. Das wussten wir schon.”

4. Lohnt sich die “Frankfurter Allgemeine Woche”?
(dwdl.de, Nora Jakob)
Seit einigen Wochen gibt es die “Frankfurter Allgemeine Woche”. DWDL-Autorin Nora Jakob wagt sich an eine Zwischenbilanz. Richtig festlegen will sie sich nach der kurzen Zeit noch nicht, findet aber trotz einiger Kritikpunkte überwiegend positive Worte für das wöchentlich erscheinende Heft.

5. radioeins Medienmagazin PodCast
(radioeins.de, Jörg Wagner, Audio 1:39:19)
In der aktuellen Ausgabe des radioeins-Medienmagazins mit Jörg Wagner ist Medienanwalt Prof. Dr. Christian Schertz zu Besuch. In der kurzweiligen Sendung, die auch zum Download bereitsteht, geht es um die Themen: Schmähgedicht / Junge Konkurrenz für “heute Show” und “Extra 3” / rbb intern: Ist Autorisierung = Zensur? / Ein Jahr im ZDF: heute+ und “#rpten: @heuteplus oder wie wir Journalisten lernen, den Shitstorm zu lieben”.

6. Wie man eine Talkshow bespricht, ohne sie gucken zu müssen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Sascha Lobo ist bei Maybrit Illner zu Besuch und Bild.de berichtet darüber. Sie ahnen, was dabei herauskommt… (Sascha Lobo hat auf Facebook eine Art einordnende Gegendarstellung veröffentlicht). Vollends aberwitzig wird es, wenn nun noch “Focus Online” und ein Autor der “Huffington Post” mit Morbus Guttenberg dazukommen, der augenscheinlich Fernsehsendungen bespricht, ohne sie gesehen zu haben. Stefan Niggemeier dröselt den Fall auf.

Berufsbild, Druckstellen, Beigeschmack

1. Der neue „Unternehmensjournalismus“ oder: Die Umdeutung eines Berufsbildes
(get.torial.com, Lutz Frühbrodt)
Die Vermischung von Werbung und Marketig und Journalismus geht in die nächste Runde. Nun wollen die sogenannten “Content Marketer” als reinrassige Journalisten angesehen werden. Mit schwerwiegenden Folgen für den Journalismus insgesamt, wie Lutz Frühboldt schreibt: “Er würde in erster Linie nur noch über seine äußere Hülle und sein Handwerkszeug definiert und nicht mehr über seine Funktionen, nämlich Kritik und Kontrolle. Die Folgen für die Meinungsbildung werden nicht ausbleiben: Es drängt mehr interessengeleitete Information in den öffentlichen Raum, Aufklärung und Einordnung geraten dagegen ins Hintertreffen.”

2. Wenn Algorithmen Journalismus machen
(de.ejo-online.eu, Andreas Graefe & Mario Haim)
Der automatisierte Journalismus bleibt ein umstrittenes Thema. Einerseits funktioniert er in bestimmten Ressorts wie Sport und Finanzen gut und bietet den Medienhäusern wirtschaftliche Vorteile, andererseits wollen die Leser laut Umfragen lieber von Menschen geschriebene Texte. Die Autoren des Beitrags berichten über die sachlichen und emotionalen Aspekte der Technologie. Außerdem haben sie ein Forschungsvorhaben angeschoben, das anhand eines Beispiels herausfinden will, wie automatisierte Nachrichten beim Leser ankommen.

3. Druckstelle
(Frank Nienhuysen, sueddeutsche.de)
Die “RBK”-Mediengruppe wurde bislang als eine der wenigen kritischen, unabhängigen Stimmen Russlands genannt. Nun wurde die Chefredaktion entlassen mit einer schwammigen Begründung (“unterschiedliche Meinungen über Fragen der Entwicklung”). Viele sehen darin den Versuch des Kremls, Druck auf das unbequeme Blatt und den Eigentümer der Medienholding auszuüben.

4. Finnland droht Journalisten
(Reinhard Wolff, taz.de)
Finnland rangiert auf der aktuellen Pressefreiheits-Rangliste von “Reporter ohne Grenzen” auf Platz eins. Ausgerechnet dort wird derzeit Druck auf Journalisten ausgeübt: Die finnischen Finanzbehörden bestehen auf Herausgabe der sogenannten “Panama Papers”, was von Journalistenseite mit Hinweis auf den Quellenschutz verweigert wird. Die Behörden drohen daraufhin mit Polizei, Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen.

5. Eine Versöhnung mit Beigeschmack
(faz.net)
Megyn Kelly gilt als eine der smartesten und schärfsten politischen Journalistinnen Amerikas, die mit ihrer Sendung auf Fox News für Furore sorgte und sogar Donald Trump Angst machte. Dieser hatte als Reaktion für Kellys inhaltliche Konfrontationen und direkte Fragen einen Monate anhaltenden Kleinkrieg gegen die Moderatorin angezettelt und sie mit allerlei hässlichen Beleidigungen bedacht. Der Fox-News Chef hat die Moderatorin zur öffentlichen Versöhnung beordert. Einer Versöhnung mit Beigeschmack…

6. Radio Gaga: Der beste Mix auf den dümmsten Wellen
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff redet sich den Frust über das heutige Radio von der Seele: “Heute ist Radio gaga. Endgültig. Es ist vorbei, das Medium liegt im Sterben. Und das beste Zeichen fürs Siechtum ist, wenn jemand „Der beste Mix“ sagt. Dann kann man sehr sicher davon ausgehen, dass jene, die da am Mikrofon stehen, ihre Hörer für dümmer als Brot halten.”

Parteitag, Teletext, Rugbyfoul

1. Trübe Quellen
(de.ejo-online.eu, Klaus Beck)
Ein Forscherteam ist der Frage nachgegangen, ob und wie Journalisten in fünf europäischen Ländern Social-Media-Informationen praktisch überprüfen. Publizistik- und Kommunikationswissenschaftler Klaus Beck von der Uni Berlin
fasst die Ergebnisse zusammen und weist auf die Existenz spezieller Online-Werkzeuge wie “TinEye” und “Exif Viewer” (Quelle, Geschichte und Veränderung von Fotos) sowie “SocialMention” und “Trackur” (Social-Media-Suche) hin. Das Fazit des Wissenschaftlers: “Onlinemedien können also bei der Lösung der Probleme helfen, die sie schaffen.”

2. “Die bewachen uns Tag und Nacht auf jedem Schritt”
(deutschlandfunk.de, Jürgen Hanefeld im Gespräch mit Doris Simon)
“Zum ersten Parteitag der Arbeiterpartei seit 36 Jahren hat Nordkorea auch Journalisten aus aller Welt eingeladen. Ernsthaft berichten können sie aber nicht, erzählt ARD-Korrespondent Jürgen Hanefeld aus Pjöngjang. In die Kongresshalle kommen sie nicht, und wenn sie mit Nordkoreanern auf der Straße sprechen, steht ein Aufpasser daneben.” Jürgen Hanefeld berichtet per Telefonschalte aus Pjöngjang, wo er mit 130 Journalisten aus aller Welt in bewachten Gruppen herumgeführt wird.

3. Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen
(medienwoche.ch, Ronnie Grob)
Um an ihrer medialen Wirkung zu feilen, lassen sich manch Schweizer Behördenmitarbeiter von Journalisten schulen und buchen teilweise teure Medientrainings. Ronnie Grob hat einige Medienvertreter gefragt, ob es berufsethisch vertretbar sei, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber den kritischen Fragen der Medien besser dastehen. Der Artikel wartet mit konkreten Fallbeispielen und Zahlen auf und zeigt, wo die Problematik liegt.

4. “Die Teletext-Seite 100 sagt einem, ob die Welt noch steht.”
(get.torial.com, Stefan Mey)
In Diskussionen über Medien geht der antiquiert wirkende “Teletext” oft unter, dabei würden in Deutschland etwa elf Millionen Menschen täglich Inhalte abrufen, vier Millionen die des Marktführers ARD. Frauke Langguth führt ein zehnköpfiges Team an, das im Schichtbetrieb die Inhalte von ARD-Text erstellt. Im Interview erklärt sie sowohl die Vorteile des Dienstes als auch die Bedrohungslage: “Das Web hat dem Teletext gar nicht so sehr zu schaffen gemacht. Es ist eher der Medienwandel durch Smartphones. Immer mehr Leute haben keinen Fernseher mehr.”

5. Nur in „Österreich“ werfen sich Flüchtlinge vor Autos
(kobuk.at, Gabriele Scherndl)
Das Gratisblatt „Österreich“ behauptet, in Klagenfurt würden sich Flüchtlinge gezielt vor Autos werfen, um anschließend Schmerzensgeld zu fordern. Das von Journalismus-Studierenden betriebene Medienwatchblog “Kobuk” ist der Sache nachgegangen und hat mit Justiz und Polizei gesprochen. Nach derzeitigem Kenntnisstand stellt sich die Meldung als wilde und reißerische Spekulation dar.

6. Kommentar zur Rugby-Berichterstattung in der Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung
(totalrugby.de, Matthias Hase)
Die Sportberichterstattung der “Rhein-Neckar-Zeitung” sorgt derzeit für Kopfschütteln in der Rugby-Szene. (“Wie sehr sich Simbas freuen können, wenn sie weiße Männer fertig gemacht haben, kennt man aus dem Filmklassiker “Die Wildgänse kommen”, in dem Richard Harris und Hardy Krüger verhäckselt werden, Roger Moore und Richard Burton überleben nur knapp.”)
Ein Gastkommentar eines Online-Rugby-Magazins hält dagegen.

Verlegertreff, Schweizer Käse, Ruthe-Apell

1. “Jetzt hilft nur noch ein Nobelpreis”
(boersenblatt.net, Holger Heimann)
Unter dem Motto “Verlage (in) der Zukunft” haben sich drei Verleger Gedanken über die Planbarkeit des Erfolgs und das Bild von Verlagen in der Öffentlichkeit gemacht: Felicitas von Lovenberg, seit etwa 50 Tagen Verlegerin des Piper-Verlags, Hanser-Verleger Jo Lendle und Jonathan Beck vom Verlag C.H. Beck. Letzterer klagte: “In den letzten Jahren hat es eine ganze Reihe von Entscheidungen gegeben, die ein Bild von Verlagen als bloße Verwerter transportieren, die Manuskripte lediglich an Druckereien weitergeben und arme Autoren dazu zwingen, für sie ungünstige Verträge zu unterschreiben”. Was für ein Wunder möchte man hinterherrufen, wenn man liest, wie unsouverän die anwesende Kulturstaatsministerin mit der höchstrichterlichen Entscheidung umgeht, der nichterlaubten Selbstbedienung der Verlage an den VG-Wort-Einnahmen (Ministerdeutsch: “bewährte Praxis”) endlich ein Ende zu bereiten.

2. Niederländer sollen mit Kritik an Erdogan vorsichtig sein
(faz.net)
Der türkische Ministerpräsident weitet seine Zensurzone auf immer mehr Länder aus und wertet anscheinend soziale Netze aus. Nun hat der niederländische Außenminister Bert Koenders seine Landsleute zur Vorsicht ermahnt. Es gebe „keine Garantien“ für Niederländer, die sich etwa in sozialen Netzwerken kritisch zur türkischen Führung geäußert hätten und dann in die Türkei reisten, sagte Koenders bei einer Parlamentsdebatte am Dienstag.

3. Regelwerk mit Lücken an den entscheidenden Stellen
(de.ejo-online.eu, Silke Fürst & Mike Meißner)
Wie groß die Angst vor sinkenden Werbeerlösen in der Zeitungsbranche sein muss, kann man derzeit in der Schweiz sehen. Da fordert der Chef der “Basler Zeitung” die Anzeigenkunden auf, gegen missliebige Berichterstattung vorzugehen und verteidigt sogar einen Boykott: Inserierende Unternehmen müssten sich nicht „auf der Nase rumtanzen“ lassen. Und der Verlegerpräsident Lebrument verstieg sich in der “NZZ” sogar zu der Aussage, dass die saubere Trennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung heute nicht mehr funktioniere und “Kompromisse” notwendig seien. Im Artikel kommen verschiedene Stimmen zu Wort, auch jene, die diese Aussagen problematisieren.

4. Wie man Leser verhohnepipelt
(bilanz.de, Wolf Schneider)
Journalistenlegende Wolf Schneider (u.a. Korrespondent der “Süddeutschen Zeitung” in Washington, Chefredakteur der “Welt”, Moderator der NDR-Talkshow, Gründer und Leiter der Henri-Nannen-Schule) meldet sich auch noch mit 90 regelmäßig zu Wort. In seinem neuen Artikel nimmt er einen Brockhaus-Eintrag auseinander und seziert ein verzwirbeltes Satzmonstrum aus der „Frankfurter Allgemeinen Woche“. Schneider macht Texte verständlicher, indem er sprachlichen Ballast abwirft und die Lesbarkeit verbessert. Das ist nicht nur für Journalisten interessant, sondern für jeden Schreibenden.

5. Ruthe zum Tag des geistigen Eigentums
(facebook.com/ruthe.de)
Cartoonist Ralph Ruthe gehört zu den meistbestohlenen Comic-Künstlern im Netz. Anlässlich des “Tags des geistigen Eigentums” schreibt er, mit welchen Übernahmen er leben kann und mit welchen nicht. Und er geht mit viel Geduld und Höflichkeit auf all die gängigen Argumente der Kopierbefürworter ein (“Das ist doch Werbung für dich!”).

6. “sanft & sorgfältig” jetzt bei Spotify | NDR
(Daniel Bouhs, Video, 7:35)
Hinter dem Erfolg einer Radiosendung steht auch immer ein Programmchef, der diese mitverantwortet. Im Fall von Deutschlands beliebtester Radiosendung “sanft & sorgfältig” mit Jan Böhmermann und Olli Schultz ist es RadioEins-Chef Robert Skuppin. Im Interview zum Wechsel von Böhmermann und Schulz zu Spotify erklärt er auf sympathisch gelassene Art, warum er auf den privaten Streamingdienst richtig sauer ist, auf Jan Böhmermann und Oli Schulz dagegen nicht.

“Eigentlich ist es noch viel krasser”

BILDblog wird analog — für einen Abend, am 3. Mai im Heimathafen Neukölln. Unter anderem mit dabei: das Theaterstück „Seite Eins“. Wir haben dem Autor des Stücks, Johannes Kram, vorab schon mal ein paar Fragen gestellt.

Herr Kram, ein Theaterstück mit Ingolf Lück und einem Smartphone, was erwartet uns?
Das Stück ist lustig, hoffe ich, aber es ist auch böse. Und da wo es lustig ist, ist es auch am meisten böse. Das heißt, es versucht natürlich Dinge zu behandeln, die eigentlich nicht lustig sind. Ingolf schafft es wunderbar, den Wahnsinn und die Abgründe des Themas in einer sehr ambivalenten Figur zu transportieren, bei der man nie genau weiß, woran man ist. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum “Seite Eins” in der Lück-Inszenierung so erfolgreich ist.

Also ein kritisches Stück?
Es geht nicht nur gegen „die bösen Medien“, es versucht nicht, eine simple Medienkritik zu machen, sondern eine Diskussion darüber zu provozieren, wer welchen Anteil woran trägt. Also: Welche Ziele und welche Verantwortung haben Medien und die Menschen, die in ihnen arbeiten? Aber auch: Welche Möglichkeiten und welche Verantwortung haben wir alle als Medienkonsumenten?


(Foto: Volker Zimmermann)

Wie viel BILDblog steckt in dem Stück?
Ich glaube, dass ich das Stück auch ohne BILDblog geschrieben hätte, aber dann wäre es garantiert anders geworden. Und von meinen Begegnungen nach den Aufführungen weiß ich, dass BILDblog-Leser ein besonderes Vergnügen daran haben, weil sie natürlich viele Geschichten kennen, auf die es sich bezieht, und weil sie ganz anders im Thema sind. Insofern wird der 3. Mai auch eine ganz besondere Aufführung für das Stück, weil es auf die trifft, die sich dem gleichen Thema von der ganz anderen Seite nähern. Und noch was: BILDblog wird ja gerne vorgeworfen, dass es sich oft kleinkariert an reinen Form- und Stilsachen abarbeitet. Ich glaube, für ein digitales sich selbst dauernd fortschreibendes Blogformat ist es sehr mühsam, immer wieder von Neuem darzustellen, wie oft hinter diesen vermeintlichen Kleinigkeiten methodische und oft sehr problematische Nachlässigkeiten und Grenzüberschreitungen stehen. Ein Theaterstück kann das bündeln, daraus ein Narrativ formen und so zu einem gemeinsam Erlebbaren machen. Insofern feiert „Seite Eins“ auch die BILDblog-Macher und -Leser dafür, dass sie sich schon so lange und so hartnäckig auch um all das kümmern, was so lästig und doch so wichtig ist.

Und wie viel steckt von der anderen Seite drin? Haben Sie mit „Bild“-Redakteuren gesprochen, eine Redaktion besucht? Oder anders gefragt: Wie nah ist das Stück an der Realität?
Es geht ja nicht nur um „Bild“, auch wenn „Bild“ natürlich der größte Machtfaktor im Boulevard ist. Es geht um Mechanismen und Haltungen, die ich selbst tatsächlich schon so erlebt oder von Betroffenen so erzählt bekommen habe. Es passiert mir jedes Mal nach Premieren, dass Journalisten auf mich zukommen und sagen: „Eigentlich ist es noch viel krasser.“ Das ist den Leuten, die nicht aus der Medienbranche kommen, oft gar nicht so klar. Für die gibt es bei dem Stück also einen großen Aha-Effekt, die sagen: „Echt, so läuft das da ab?“ Und bei Medienleuten gibt es den Effekt, dass manche sagen: „Das wussten wir schon, aber es ist schon krass, das mal so gezeigt zu bekommen“.

Im Stück geht es um den hinterhältigen Journalisten Marco, der eine junge Musikerin ausnutzt. Sie haben selbst lange Zeit als Manager von Musikern gearbeitet — sind aus dieser Zeit auch Erfahrungen eingeflossen?
Ja, auch, aber das ist auch eine dramatische Näherung an den Stoff. Vieles in dem Stück habe ich von Boulevardjournalisten tatsächlich genau so gehört. Es ist auch einiges aus dem Buch von Kai Diekmann drin, auch von Sarrazin, und vieles über den Machtanspruch gerade der Spinger-Leute. Vieles, was ich selbst erlebt oder von anderen erzählt bekommen habe. Aber es ist eben auch eine Geschichte. Kein Vortrag, sondern im besten Fall spannendes Theater, das die Leute auf verschiedene Weise packt und mehrmals in eine andere Richtung führt, als sie es erwartet hätten.

Nach dem Stück werden wir uns mit Johannes Kram und Ingolf Lück auch über das Stück unterhalten und Fragen aus dem Publikum beantworten — Tickets für den BILDblog-Abend gibt es hier.

Kommentare, Kronenzeitung, Kuppelshow

1. Guardian hat 70 Millionen Leserkommentare untersucht
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Der “Guardian” hat die Leserkommentare der letzten zehn Jahre untersucht, eine Datenbasis von immerhin 70 Millionen Stück. Eines der Ergebnisse: Journalistinnen sind besonders von Hasskommentaren betroffen. “Dabei kam heraus, dass unter den Top10 der Autorinnen und Autoren mit den meisten geblockten Kommentaren acht Frauen waren und nur zwei Männer. Die beiden betroffenen Männer waren schwarz. Zwei der Autorinnen und ein Autor in der Top10 waren homosexuell. Von den acht Frauen war eine Muslima und eine Jüdin.”

2. Ejaculatio praecox: Wenn Medienprofis erst teilen und dann denken
(http://blog.ronniegrob.com)
Ronnie Grob über das von Kai Diekmann auf Facebook lancierte Interview mit Jan Böhmermann, das sich später als falsch herausstellte. Unzählige Medienprofis hätten das Interview verbreitet, ohne die Echtheit zu überprüfen. Dabei hätte bereits die Fotomontage Zweifel aufkommen lassen müssen. “Lernt man heute nicht schon in der Schule, dass man genau prüfen sollte, was man teilt, um nicht betrogen zu werden? Und sollten nicht gerade Journalisten etwas genauer hinsehen, bevor sie offensichtlichen Quatsch als echt verkaufen?”

3. Drohen, wünschen, hoffen
(sprachlos-blog.de)
Das Sprachlos-Blog über eine kleine Meldung der “Thüringer Allgemeinen”, die zeige, wie schnell man mit falscher beziehungsweise auslassender Kontextualisierung einen völlig gegensätzlichen Eindruck erwecken kann. Die Zeitung suggeriere, Antifa-Aktivisten hätten den Thüringer Ministerpräsidenten mit Mord bedroht, weil er sie mit Nazis verglich. Die Drohung sei aber aus der völlig anderen Richtung gekommen.

4. Kronenzeitung verbreitet Falschinfos zur Einbürgerung von Flüchtlingen
(sosmitmensch.at)
Die österreichische Menschenrechtsorganisation “SOS Mitmensch” übt scharfe Kritik an der “Kronenzeitung”, die Falschinformationen zur Einbürgerung von anerkannten Flüchtlingen verbreiten würde. Mit irreführenden Angaben und falschen Zahlen werde der Leserschaft der Eindruck vermittelt, dass nahezu alle Asylberechtigten nach 6 Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten würden. Davon sei Österreich mit seinen restriktiven Einbürgerungsbestimmungen jedoch meilenweit entfernt.

5. Putins “Untergrund-Truppe”, die von einem “Putin-Experten” aufgedeckt wurde
(heise.de, Florian Rötzer)
Florian Rötzer berichtet auf “Telepolis” über die Meldungen von “Bild” und “Focus”, ein direkt von Putin gesteuertes “Elite-Kämpfer-Netzwerk” habe sich in deutschen Kampfsportschulen angesiedelt. Dieses weltweit bereitstehende angebliche Schläfer-Netzwerk von Putin-Kämpfern würde sich auf den Einsatz nicht in Terroristencamps vorbereitet, sondern in sogenannten “Systema-Kampfschulen”. Hinter den Meldungen stünde der langjährige Leiter des Moskauer Focus-Büros, der Experte darin sei, den russischen Präsidenten Putin zu dämonisieren.

6. Illustrer Infrarotsaunagänger sucht kokette Kurzhaarträgerin
(uebermedien.de)
“Übermedien” weist auf die sprachlichen Spitzenleistungen von RTLs Erfolgssendung „Schwiegertochter gesucht“ hin. Bei der als Kuppelshow getarnten Sendung handele es sich in Wahrheit um ein “Festival der albernen Alliteration und des stupiden Stabreims”. Eine konzentrierte Kompilation, die ohne die lästigen Handlungsstränge auskommt, zeigt, was gemeint ist.

Innovationsreport, analoge Tracker, Podcast-Einstieg

1. Mitarbeiter fordern Revolution von unten
(swr.de, Thomas Leif und Thomas Meyer)
22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des “Spiegel” haben ein halbes Jahr lang alles zusammengetragen, was beim Magazin schiefläuft — und dem “Innovationsreport” dementsprechend weitsichtig eine Präambel vorangestellt: “Einige Kollegen werden wahrscheinlich versuchen, unsere gesamte Arbeit zu diskreditieren”. Das Papier wurde dem SWR und Kress zugespielt, die ausgiebig daraus zitieren und wenig Zweifel an der notwendigen Selbstkritik der Autorinnen und Autoren lassen: In beiden Analysen taucht das Wort “schonungslos” insgesamt zehnmal auf. Der “Spiegel”-Verlag ist übrigens nicht das erste deutsche Medienhaus, das sich von der “New York Times” inspirieren lässt: Vor einem Jahr hatten bereit “Zeit” und “Zeit Online” einen gemeinsamen Innovationsreport vorgelegt — dessen Inhalte sind allerdings bislang geheim geblieben.

2. “Landgericht Hamburg traut Nutzern wenig zu”
(golem.de, Friedhelm Greis)
Der Adblocker-Streit wird kompliziert: Das Landgericht Hamburg soll nicht einfach darüber entscheiden, ob Ablock Plus, die Software der Eyeo GmbH, legal ist — sondern beurteilen, ob Eyeo eine Anleitung veröffentlichen darf, die zeigt, wie man die Werbeblockersperre umgehen kann, die Bild.de in Reaktion auf die Anzeigeverluste durch Adblocker eingeführt hatte. Bislang sieht es so aus, als könnte zum ersten Mal ein deutscher Verlag vor Gericht gegen Eyeo gewinnen, nachdem alle fünf vorgehenden Entscheidungen zu Gunsten Eyeos ausgefallen waren. Die Richter begründen das unter anderem mit diesem schönen Satz: “Dem durchschnittlichen Nutzer ist es – wie die Kammer aus eigener Sachkunde beurteilen kann, da sie selbst zum Kreis der durchschnittlichen Internetnutzer gehört – nicht möglich, die Adblocker-Sperre der Antragstellerin zu umgehen.” Der Rechtsanwalt Thomas Stadler ist allerdings skeptisch, ob das Urteil Bestand haben wird.

3. “Ich hatte nichts gegen Werbung, aber dagegen, überallhin verfolgt zu werden”
(irights.info, Jacques Mattheij)
Wie sähe es aus, wenn wir im analogen Leben genauso verfolgt würden, wie im Internet? Wenn uns jedes Mal, wenn wir einen Laden betreten, ein “Tracker” zugewiesen würde, der sich in einem kleinen schwarzen Buch ganz genau notiert, wo wir entlanglaufen und was wir uns ansehen? Jacques Mattheij hat es sich ausgemalt.

4. “SXSW-Trends: Achtung, jetzt wird’s persönlich!”
(blmplus.de, Lina Timm)
Die „South by Southwest“ (SXSW) in Texas ist eine der größten Film-, Musik- und Digitalmessen und „auch für die Medienbranche regelmäßig ein Gradmesser“, schreibt Lina Timm. Sie schaut sich an, welche Themen dort in diesem Jahr diskutiert wurden — und was aus denen des vergangenen Jahres geworden ist.

5. “Abseitsfalle für Sportjournalisten?”
(de.ejo-online.eu, Julia Wellmann)
Ist es in der zunehmend ökonomisierten und medialisierten Sportlandschaft überhaupt noch möglich, unabhängig zu berichten? Wie groß ist die Macht der PR-Abteilungen? Julia Wellmann ist diesen Fragen nachgegangen und hat dafür mehrere deutsche Sportjournalisten interviewt.

6. “A Beginners Guide To Podcasts”
(markheywinkel.de)
„Seit ein paar Monaten begleiten mich Podcasts zur Arbeit und zurück, manchmal wiegen sie mich in den Schlaf. Und ich finde immer mehr tolle Serien und Folgen, an denen ich hängen bleibe“, schreibt Mark Heywinkel. Um seine „Erkundungsreise durch die schöne neue Podcast-Welt zu ordnen und euch womöglich anzufixen“, stellt er besonders hörens- und lesenswerte Podcasts, Plattformen und Texte vor.

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