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Wie gemein! Wer setzt solche Gerüchte in die Welt?

Über zwei Jahre ist es jetzt her, dass sich Formel-1-Fahrer Michael Schumacher bei einem Skiunfall schwer am Kopf verletzt hat und ins Koma fiel. Inzwischen befindet er sich in einer langwierigen Reha-Phase.

Viele Medien nehmen (abgesehen von den anfänglichen Ausrastern) inzwischen Rücksicht auf Schumacher und dessen Familie, berichten nur noch selten und beteiligen sich nicht an Spekulationen.

Einige lassen immer noch nicht locker und verletzen in routinierter Regelmäßigkeit die Persönlichkeitsrechte der Familie, setzen Gerüchte und Falschmeldungen in die Welt und versuchen auf perfide Weise, den Fall Schumacher zu Geld zu machen. In aller Regel bekommt man davon nichts mit, weil es in den düstersten Ecken des Zeitschriftenregals passiert: in „Freizeit Revue“, „Bunte“, „Gala“, „die aktuelle“, den Regenbogen- und „People“-Heften.

Sabine Kehm, Schumachers Managerin, die auch seine Familie in der Öffentlichkeit vertritt, hat sich seit dem Unfall einige Male öffentlich zu Wort gemeldet. Dabei hat sie grobe Angaben zu Schumachers Gesundheitszustand gemacht und immer wieder erklärt, dass der Genesungsprozess sehr lange dauern werde. Und dass sie medizinische Einzelheiten nicht diskutieren möchte, um Schumachers Privatsphäre zu schützen.

Von Anfang an hat sie versichert, dass sie „entscheidende Neuigkeiten im Gesundheitszustand Michaels weiterhin bekanntgeben“ werde. Man müsse „einfach Geduld haben“.

Doch Geduld füllt keine Titelseiten. Die Redaktionen der Knallpresse wollen Details. Sie wollen ganz genau wissen, was im Krankenzimmer vor sich geht. In allen Einzelheiten. Sie nennen das „Wahrheit“, weil „Wahrheit“ so klingt, als würde da irgendwas Wichtiges verheimlicht, und als hätte die Öffentlichkeit verdammt noch mal ein Recht darauf, endlich Genaueres zu erfahren.

So sieht die aktuelle „Gala“ aus, über die ihr Verlag Gruner & Jahr schreibt, sie schaffe „eine intime, aber immer respektvolle Nähe zu den Stars“.

Im Artikel („Das Ende der Stille“) schreibt das Blatt:

Zum Gesundheitszustand von Schumacher äußerten sich seine Familie und seine Managerin Sabine Kehm generell nur spärlich und vage. Der 47-Jährige mache „der Schwere seiner Verletzungen entsprechend Fortschritte“, die Reha-Phase werde sehr lange dauern, es sei „ein Kampf“. In diesem Duktus bleiben die Statements. Kein Wunder, dass es immer wieder wilde Spekulationen um Schumacher gibt, die für Schlagzeilen sorgen.

Schlagzeilen? Was denn für Schl…


(Ausgabe 11/2015. Hintergrund: Familie Schumacher soll ihr Ferienhaus verkauft haben.)

Nach der Logik der „Gala“ sind die Schumachers also selbst schuld an solchen Schlagzeilen. Nur ein „ehrliches Wort“, schreibt sie, würde „alle Spekulationen im Keim ersticken“. Anders gesagt: Das Blatt wird erst mit dem Gerüchteverbreiten aufhören, wenn die Familie genug Details ausgepackt hat.

Corinna Schumacher, 46, täte sich damit einen großen Gefallen.

Sich. Natürlich.

Auch die „Bunte“ will die Stille um Michael Schumacher einfach nicht ertragen und füllt sie lieber mit ein paar exklusiven Geschichten:

Viele davon musste sie, wie diese, in der digitalen Version nachträglich schwärzen, weil sie falsch waren oder sich die Familie juristisch dagegen gewehrt hat. Hier waren es Gerüchte über Schumachers Gesundheitszustand, die das Blatt „aus dem engsten Schweizer Umfeld der Familie“ erfahren haben wollte. Managerin Kehm erklärte später: Alles Quatsch.

Wenn der Burda-Verlag seine „Bunte“ beschreibt, nennt er sie übrigens ohne einen erkennbaren Anflug von Ironie eine „journalistische Institution“, die für „einzigartigen People-Journalismus“ stehe und „der Garant für hochprofessionelle aktuelle Berichterstattung“ sei. Viele Menschen kaufen ihm das ab. Und (auch deswegen) seine Hefte.

Das gilt auch für Blätter wie „die aktuelle“.

Für alle, die sie nicht kennen, hier die Kurz-Charakterisierung vom Verlag (Funke):

Spannende und seriöse Reportagen über Showstars, VIPs und Königshäuser, ohne Sensationslust, sondern mit viel Gefühl, bestimmen das redaktionelle Angebot und prägen den „People-Magazin“ – Charakter.

Hach ja:

Das ist die aktuelle Ausgabe. Der „Insider“, von dem das Zitat auf der Titelseite stammt, ist ein französischer Rennfahrer, der angeblich mit Schumacher befreundet ist.

Gefunden hat „die aktuelle“ das Zitat in diesem französischen Magazin:

Familie Schumacher hat, wie uns ihr Anwalt bestätigte, bereits eine Verfügung gegen das „aktuelle“-Titelblatt erwirkt. Die ePaper-Ausgabe ist (wie die meisten Schumacher-Ausgaben, die bisher erschienen sind) nicht mehr erhältlich.

(Vor ungefähr einem Jahr gab es einen ähnlichen Fall: Irgendeine französische Postille hatte damals unter Berufung auf einen „Insider“ Dinge über Schumachers Gesundheitszustand behauptet. Der Informant sei ein enger Freund der Familie, hieß es, und er habe die Informationen von Schumachers Frau und dessen Arzt. Die Gerüchte verbreiteten sich auch hierzulande. Schumachers Managerin teilte daraufhin mit, die Informationen seien falsch. Der Mann sei nie mit Schumacher befreundet gewesen, er habe außerdem weder Kontakt zu Schumachers Frau noch zu Schumachers Arzt gehabt.)

Oft findet „die aktuelle“ ihre Geschichten auch im Internet. In einer der jüngsten Schumacher-Ausgaben schreibt sie:

Auf der Fan-Homepage von Michaels Sohn Mick, 16, fand man im Dezember 2014 rührende alte Familienbilder: Dreikäsehoch Mick mit seinem berühmten Papa. In diesem Jahr gibt es Bilder von Micks Karriere und Kollegen …

Und was schließen wir daraus? Genau:

Überall scheint der letzte Funken Hoffnung zu erlöschen. War alles Beten und Hoffen umsonst? Es macht unendlich traurig, dass immer mehr Menschen Schumi offenbar aufgegeben haben. Seine Familie wird das wohl auch schmerzlich spüren. Es wird immer schwerer, an Genesung zu glauben. Die Zeit der Entscheidung rückt näher, sich zu fragen, ob man selbst noch hoffen kann. Wenn die Kraft fehlt, noch an ein Wunder zu glauben, bleibt nur noch die Liebe und die Erinnerung.

Voilà:

So geht das seit zwei Jahren. Lieblingsthema, selbstverständlich: Schumis Gesundheitszustand.

Bei näherer Betrachtung wird schnell klar, mit welchen Tricks „die aktuelle“ sonst noch arbeitet.

„Aufgewacht!“ bezieht sich nicht auf Michael Schumacher, sondern (wie die Mini-Unterzeile verrät) auf irgendwelche Menschen, die schon mal aus dem Koma erwacht sind. Die angebliche „Lungenentzündung“ basiert auf einer unbestätigten „Bild“-Geschichte, die „Bild“ später korrigierte. Die „Traurige Weihnachten“-Story ist eine Collage aus alten Zitaten und Gerüchten. Bei „Er sitzt in der Sonne!“ steht ganz klein neben dem Foto: „St. Moritz, 26.1.2013“ – es wurde also ein Jahr vor dem Unfall aufgenommen.

Zweitliebstes Thema: Schumis Familie.


Auch hier immer die gleichen Muster: Bei „Eine neue Liebe macht sie glücklich!“ geht es nicht um Corinna Schumacher, sondern um ihre Tochter, die angeblich einen neuen Freund hat. Der „neue ‚Papa‘ für Schumis Sohn“ ist Formel-1-Pilot Sebastian Vettel, also „Papa“ im Sinne von „Ziehvater“, weil er ihm ja bestimmt gute Formel-1-Tipps geben kann und so. Bei „’Sie standen vor der Trennung!’“ steht in der kleinen Unterzeile: „Wer setzt solche Gerüchte in die Welt? Es geht um die Zeit vor dem Unfall…“ Und: „Wie gemein!“

Das alles ist nur ein winziges Abbild des alltäglichen Irrsinns, nur ein Tropfen aus dieser gewaltigen Schlagzeilenflut.

Allein die Ausgaben, die in diesem Eintrag abgebildet sind (das französische Blatt und die erst kürzlich erschienenen Ausgaben ausgenommen), sind insgesamt über 12 Millionen mal verkauft worden. Rechnet man alle verkauften Frauen-Freizeit-Titel zusammen, kommt man in die Hunderte Millionen. Jedes Jahr.

Hunderte Millionen Zeitschriften voller hochprofessioneller Berichterstattung. Ohne Sensationslust. Sondern mit viel Gefühl.

Mit Dank an Micky B. und Dominik H.

Gala  

Grenzüberschreitung mit Kleinwagen

Für ihre vorige Ausgabe hatte die „Gala“ — das Gruner+Jahr-People-Magazin, das gerne mit seinen „ehrlichen Interviews“ wirbt — zwei „Top-Stars in Film und Fernsehen“ zum Gespräch gebeten. Mit Nadja Uhl und Karoline Herfurth plauderte das Blatt über „falsche Klischees und echte Wahrheiten, über kleine Zicken und große Gefühle“. Und über Opel. Insbesondere über Opel.

Denn der Anlass für das Interview war nicht etwa ein neuer Kinofilm, sondern

die neue Image-Kampagne „Umparken im Kopf“ des Autokonzerns Opel, in der Uhl und Herfurth an der Seite von weiteren deutschen Stars mitwirken.

Passend zum Slogan unterhalten sich „Gala“, Uhl und Herfurth also erst mal über Vorurteile („Nadja, Sie sind blond und haben blaue Augen, sehen toll aus. Da ist man doch prädestiniert für bestimmte Vorurteile, oder?“), um dann elegant zum PR-Teil überzuleiten:

Nun sind Sie beide in der Opel-Kampagne „Umparken im Kopf“ zu sehen. Hatten Sie denn selbst auch Vorurteile gegen diese Automarke?

Und so erfahren wir, dass Karoline Herfurth es bis heute „doof“ findet, dass sie sich nie einen Opel Corsa gekauft hat. Und dass sie ja gar nicht wusste, dass der Manta auch von Opel ist. Und dass sie „total überrascht“ war, als sie zum ersten Mal einen Opel Ampera gefahren ist, der übrigens „keinen Lärm“ macht und „die Umwelt nicht“ verschmutzt, und wussten Sie eigentlich schon, dass Opel „den ersten alltagsgebräuchlichen E-Wagen auf den Markt gebracht“ hat?

Nadja Uhl hingegen war sich angeblich „bis vor Kurzem“ gar nicht im Klaren darüber, „dass es Opel überhaupt noch gibt!“ Inzwischen weiß sie es und findet „den Adam sehr süß“, also den Opel Adam. „Vor allem die ‚Rocks‘-Version, die im Herbst rauskommt“. Ein Fahrzeug übrigens, das sich Uhl „auch privat kaufen würde! Es ist für mich authentisch, weil man es sich leisten kann.“

Wir halten also fest: Weil die beiden Schauspielerinnen gerade überall Werbung für Opel machen, dürfen sie auch in der „Gala“ Werbung für Opel machen. Und später im Blatt darf Opel selbst auch noch mal Werbung für Opel machen:
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Das riecht doch … Aber nein, es handele sich „natürlich nicht um Schleichwerbung“, sagte „Gala“-Chefredakteur Christian Krug gegenüber dem „Tagesspiegel“. Und warum? Weil „wir schon im ersten Absatz den Lesern erklären, dass der Anlass des Gesprächs mit den beiden Schauspielerinnen ihr ungewöhnliches Engagement für einen Autohersteller ist“. Aha.

Der Leser werde nicht in die Irre geführt, sondern „von uns im Gegenteil darüber aufgeklärt, warum die Schauspielerinnen bei dieser Kampagne mitwirken. Denn das wird sich der ein oder andere Leser von uns gefragt haben. Wir geben Antworten auf diese Frage.“ Und diese Antworten lauten nun mal (zusammengefasst): Opel ist supertoll.

Aber natürlich hat der Konzern „in keiner Weise Einfluss auf die Gesprächsführung genommen“, wie Krug beteuert. Solche Kooperationen habe die „Gala“ auch nicht nötig, schließlich stehe sie „wirtschaftlich sehr gut“ da.

Der Presserat sieht die Sache aber kritisch. Sprecherin Edda Kremer sagte dem „Tagesspiegel“: „Wenn Prominente für ein Produkt werben, darf darüber durchaus berichtet werden. Problematisch ist es allerdings, wenn sie ausgiebig über die Produktpalette schwärmen dürfen, für die sie selbst werben“. Das „Gala“-Interview sei also „sehr kritikwürdig“ und verstoße möglicherweise gegen den Pressekodex (Ziffer 7: Trennung von Werbung und Redaktion). Mindestens eine Beschwerde liegt dem Presserat bereits vor.

Ironischerweise lautet die Überschrift des kritisierten Artikels:
opel_titel
Ein bisschen ehrlicher scheint uns da doch die Artikel-Ankündigung im Inhaltsverzeichnis der „Gala“, wo es heißt:

„Wir sind mit Grenzüberschreitungen vertraut!“

Klingelingeling, hier kommt die Riemann

Es gibt schon irre Zufälle:

KLINGELING! VORSICHT LILLY, DA KOMMT EIN KINO-STAR. Berlin -Gemütlich schlendert Lilly Becker (35), Frau von Boris Becker (44), gestern mit Söhnchen Amadeus (2) und Kindermädchen durch Berlin. Leider auf dem Radweg! Irrer Zufall: Ausgerechnet Kino-Star Katja Riemann (48) düste auf ihrem Drahtesel haarscharf an ihnen vorbei! Klingeling! "AUS DEM WEEEG!" Da hat sich Lilly erst mal ordentlich erschreckt. Lilly Becker, Söhnchen Amadeus und Nanny gehen spazieren, als Katja Riemann vorbeibraust

Da fotografiert irgendsoein Paparazzo Boris Beckers Ehefrau und Sohn, als Katja Riemann vorbeikommt!

In ihrer Berliner Ausgabe (der Ausriss oben stammt aus der Bundesausgabe) führte „Bild“ gestern aus:

Achtung, hier komm ich! Schauspielerin Katja Riemann (48, „Die Apothekerin“) ist mit dem Rad unterwegs. Offenbar in Eile. Und trifft dabei prompt auf Lilly Becker (35).

Dass sich die Promis so in die Quere kommen, gibt es nur in Berlin. […]

Lilly zu BILD: „Wir stiegen gerade aus dem Taxi.“ Lilly und Nanny haben den Kleinen an der Hand. Da brüllt von hinten eine Stimme: „AUS DEM WEG! RADWEG, MANN!!!“

Lilly: „Ich habe sie nicht gesehen, aber gehört.“ Die beiden Frauen weichen mit dem Kind zur Seite aus, die Riemann kurvt mit grimmigem Blick links vorbei. Weiß Lilly eigentlich, wer da an ihr vorbeigerauscht ist? „Ich habe von ihr gehört. Mein Mann mag ihre Darstellungs-Kunst sehr.“

Die „Berliner Morgenpost“ konnte mit zahlreichen, wenn auch wenig sachdienlichen Hintergrundinformationen aufwarten:

Lilly Becker (34) ist mit Ehemann Boris Becker (44) angereist, um bei der European Poker Tour im Grand Hyatt, wo vor zwei Jahren der spektakuläre Raub stattfand, teilzunehmen. Während der Ex-Tennisprofi pokerte, ging Lilly mit Söhnchen Amadeus (2) und Nanny ins „Sea Life“-Aquarium. Kaum dem Taxi entstiegen, spazierte das Touristen-Trio auf dem Fahrradstreifen, ohne an den Verkehr auf zwei Rädern zu denken, der in Form von Katja Riemann naht. Die Schauspielerin strampelte mit blauer Mütze und Schal heran und verscheucht das prominente Hindernis. Gerade noch rechtzeitig wird der Nachwuchs zur Seite gehoben und somit eine Promi-Kollision abseits des roten Teppichs verhindert.

Und der „Berliner Kurier“ fabulierte:

Riemann wie ein Radrambo unterwegs

Mitte – Spandauer Straße am Vormittag: Lilly Becker (l.), Frau von unserem Tennis-Hero Boris, ist mit Nanny und Söhnchen Amadeus (2) auf dem Weg zum Sea Life. Dabei vergessen sie alles um sich rum, sind in Gedanken, genießen einfach das herrliche Wetter. Sie bemerken dabei auch nicht, dass sie über den Radweg schlendern. Darauf aufmerksam macht sie dann aber ganz schnell eine leicht genervte Katja Riemann. Die Schauspielerin kam nämlich plötzlich mit ihrem Drahtesel angerauscht und fand keinen Platz. Augenzeugen berichten, dass die Riemann gebrüllt habe: „Aus dem Weg. Das ist ein Radweg.“ Erschrocken zuckten die drei „Berlin-Touristen“ zusammen, machten Platz und Riemann konnte weiterfahren. Lilly, Nanny und Amadeus schauten aber nur kurz irritiert und dann ging’s weiter ins Sea Life. Hier schalteten sie ganz schnell ab und konnten Berlins Rad-Rambos vergessen. Boris war nicht dabei. Der Hobby-Kartenspieler tummelt sich dieser Tage beim Poker-Turnier im Hyatt.

O-Ton RTL

„Als Boris Becker am Morgen gut gelaunt lächelnd in Berlin-Tegel landet, ahnt er noch gar nicht, in welcher Gefahr nur wenige Stunden später seine Frau Lilly schwebt, während sie mit Sohn Amadeus und der Nanny spazieren geht. Mitten auf dem Bürgersteig passiert es. Eine rabiate Radfahrerin klingelt die Becker-Familie aggressiv zur Seite. Und diese Verkehrsteilnehmerin ist, schauen Sie mal ganz genau hin, das ist tatsächlich Schauspielerin Katja Riemann. Fotograf Andreas Meyer hat die gemeine Rad-Attacke hautnah miterlebt. (…)

Prominente Berlin-Ur-Einwohnerin nietet Promi-Touristin um. Ja, wo sind wir denn hier? Boris Becker bekommt davon gar nichts mit. Er mischt seit heute morgen bei einem lukrativen Poker-Spiel mit. (…) Und während Boris die Haushaltskasse auffüllt, machen sich Lilly und Amadeus einen fröhlichen Nachmittag. (…)
Vor einer Stunde haben wir Lilly noch erwischt. Hat sie gemerkt, wer die dreiste Radfahrerin war? — „Nein, ich hab das gar nicht gemerkt. Aber zum Glück ist ja nichts passiert.“ —

Na, dann hoffen wir ja, dass Boris mindestens genau so viel Glück beim Pokern hat wie Lilly und Amadeus heute Mittag während ihrer Sight-Seeing-Tour.

Bereits am Dienstag war der Zwischenfall dem RTL-Boulevardmagazin „Exclusiv“ einen zweiminütigen Beitrag wert gewesen (siehe Kasten rechts). Lilly Becker sei „auf offener Straße“ „von einem Filmstar beschimpft“ worden, erklärte Moderatorin Frauke Ludowig bedeutungsschwer, bevor immer wieder die gleichen Fotos der Begegnung gezeigt wurden (verwirrenderweise unterlegt mit lustigen Hupgeräuschen). Sogar der Fotograf und Lilly Becker selbst kamen zu Wort.

Und gala.de hatte tagesaktuell berichtet:

Dieser Ausflug begann mit einem Schreck: Lilly Becker und Söhnchen Amadeus wollten sich am Dienstag (17. April) im Berliner „Sealife“-Aquarium Meerestiere anschauen. Auf dem Weg dorthin blockierten sie allerdings kurz den Radweg und störten damit keine Geringere als die Schauspielerin Katja Riemann, die gerade auf ihrem Fahrrad heranrauschte.

Statt anzuhalten, brüllte Riemann die menschlichen Hindernisse aus dem Weg – Lilly Becker und ihre Cousine zogen Klein-Amadeus schnell an den Armen aus der Gefahrenzone. Wahrscheinlich hat Boris Beckers Ehefrau gar nicht erkannt, wer sich da auf dem Herrenrad hinter Brille und unter blaugrauer Mütze versteckt hat. […]

Das ist insofern lustig, als auch gala.de, der „Berliner Kurier“, die „Berliner Morgenpost“, „Bild“ und die verbreitenden Fotoagenturen gar nicht erkannt haben, wer sich da auf dem Herrenrad hinter Brille und unter blaugrauer Mütze versteckt hat — Katja Riemann zumindest war es nicht, wie sie über ihren Anwalt mitteilen ließ.

Und so schreibt „Bild“ heute in der Berliner Regionalausgabe:

Katja Riemann stellt klar „Ich bin nicht die Frau auf dem Foto“

Mitte – Das Foto, das BILD gestern druckte, sorgte für Verwirrung: Eine Radfahrerin, die wir für Katja Riemann hielten, überholt Boris-Ehefrau Lilly Becker mit Söhnchen Amadeus und Kindermädchen auf dem Weg ins Sea Life. Jetzt hat sich Film-Star Katja Riemann zu Wort gemeldet. Die Schauspielerin legt Wert auf die Feststellung, dass sie nicht die Frau auf dem Fahrrad ist.

Das hält „Bild“ allerdings nicht davon ab, noch einmal ein Foto der nunmehr nicht-prominenten Radfahrerin zu drucken.

Der „Berliner Kurier“ geht bei seiner Richtigstellung (die er nicht so nennt) noch einen Schritt weiter:

Lilly Becker & der Fahrrad-Rambo: Die Riemann war

Er schreibt neben das Foto der Frau:

Aber wer war dann die erzürnte Ruferin, die die Berlin-Touristin Lilly Becker und ihren Anhang so erschreckte? Irgendwo in dieser großen Stadt muss es eine Frau geben, die der Schauspielerin Katja Riemann zum Verwechseln ähnlich sieht.

Blaue Augen, Lachfältchen, unter der Mütze blonde Ringellocken – die unheimliche Doppelgängerin radelt durch Berlin und klingelt genervt, wenn ihr Passanten vors Rad trotten. Melden Sie sich beim KURIER, wenn Sie wissen, wer die Riemann-Doppelgängerin ist. Und gehen Sie besser vom Radweg runter.

Mit Dank an Petra O.

Gala  

Til Schweigers Achselhaare des Bösen

Es ist an der Zeit, dass endlich einmal über die wirklich wichtigen Themen gesprochen wird: Sollten sich Männer die Achselhaare rasieren? Zu welcher Zeit trugen Frauen wie viel Intimbehaarung? Tut Haarentfernung mit Wachs wirklich so weh, wie alle sagen?

Das People-Magazin „Gala“ war so frei, sie mit dem Schauspieler und Brusthaarrasierer Til Schweiger zu diskutieren.

Zum Beispiel so:

Kommen wir zur Enthaarung bei Frauen. Eine Frau mit Achselhaaren hätte bei Ihnen vermutlich wenig Chancen, oder?
Achselhaare bei einer Frau finde ich jetzt nicht so prickelnd.Aber wenn ich die Frau total lieben würde und sie die lustigste und tollste Person wäre, die mir je begegnet ist, dann würde ich auch eine Zeitlang über die Achselhaare hinwegsehen. Irgendwann würde ich sie dann wahrscheinlich heimlich nachts im Bett abschneiden …(lacht)

Das etwas unmotiviert wirkende Interview ist mit dieser schwer unmotiviert wirkenden Fotomontage bebildert:

Zwei scharfe Superhelden: Schauspieler Til Schweiger und der "Braun Bodycruzer" (ca. 70 Euro).

Andererseits ist Schweiger Testimonial von Braun, was das ganze Interview in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt.

Und weil „Gala“ ein paar Krumen aus dem Gespräch vorab von dapd weiterverteilen ließ, berichten auch „Spiegel Online“, abendblatt.de oder „Focus Online“ davon, dass sich Schweiger seine Brusthaare entferne — „mit dem Rasierer“.

Mit Dank an Marcel Sch. und an Jeannine J. für den Ausriss.