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KW 14/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wer füllt die Lücken, die der Lokaljournalismus hinterlässt?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:35 Minuten)
Holger Klein spricht im “Übermedien”-Podcast mit Thomas Schnedler vom Netzwerk Recherche über die weitreichenden Folgen aussterbender Lokalzeitungen im ländlichen Raum. Am Beispiel einer thüringischen Region diskutieren sie darüber, wie nach dem Wegfall der gedruckten Zeitung zunehmend pseudojournalistische oder politisch motivierte Portale die entstandenen Informationslücken füllen: “Es macht etwas mit dem Gemeinwesen vor Ort, wenn solche Stimmen in den Diskurs eingreifen”, sagt Schnedler.

2. Collien Fernandes – Was Medien aus dem Fall lernen können
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 26:55 Minuten)
Ausgehend von der “Spiegel”-Recherche (nur mit Abo lesbar) zu Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen, für den die Unschuldsvermutung gilt, diskutiert Sophie Morár mit ihren Gästen über die Herausforderungen der Verdachtsberichterstattung. Daniel Drepper, Investigativjournalist und Vorsitzender von Netzwerk Recherche, erklärt die Regeln der Verdachtsberichterstattung und die juristischen Hürden. Medienwissenschaftlerin Marlis Prinzing ordnet den Fall medienethisch ein und betont die gesellschaftliche Verantwortung von Medien: Die Debatte über sexualisierte Gewalt dürfe nicht nur auf prominente Einzelfälle verengt werden.
Weiterer Hörtipp: Der Fall Collien Fernandes: Rechtsdurchsetzungswüste Deutschland?: “Der Fall Collien Fernandes hat das Thema Deepfakes und digitale Gewalt in Deutschland in den Fokus gerückt. In dieser Folge analysieren David Gessner gemeinsam mit Wissenschaftlichem Mitarbeiter Felix Schimmel die aktuelle Rechtslage und zeigen, wo die größten Probleme in der Praxis liegen.” (podigee.io, Audio: 48:39 Minuten)

3. Die KI entscheidet bereits für dich (bevor du überhaupt fragst)
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 15:52 Minuten)
Martin Fehrensen vom “Social Media Watchblog” analysiert in seinem YouTube-Video, wie sich die Kontrolle über unsere Informationen grundlegend verändert hat. Er beschreibt die Entwicklung des “Gatekeepings” von klassischen Redaktionen über Plattform-Algorithmen bis hin zu modernen KI-Systemen und deren Folgen für die Gesellschaft: “Warum ist der organische Google-Traffic 2025 global um ein Drittel eingebrochen? Was bedeutet es für unsere Demokratie, wenn die ‘eine richtige Antwort’ der KI das Abwägen überflüssig macht? Diese Fragen beschäftigen gerade ein Drittel der deutschen Redaktionen in internen Strategiemeetings – doch öffentlich spricht kaum jemand darüber.”
Weiterer Hörtipp: Bei “Wind und Wurzeln” denkt Marina Weisband über Social Media und die Schwierigkeit, “wie wir gleichzeitig unsere Kinder und unsere Demokratie retten”, nach: “Marina, die selbst ein ‘Internetkind’ ist, spricht über reale Gefahren und echte Lösungen. Sie macht deutlich, dass Kinder Rechte haben: auf Schutz, auf Information, auf Teilhabe und Mitsprache bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen. Sie berichtet von der Umfrage #beyondthefeed, mit der Schüler:innen nach ihren Erfahrungen und Ideen zu Social Media und möglichen Altersbeschränkungen befragt werden, um ihre Perspektiven in die Politik zu tragen.” (Audio: 50:39 Minuten)

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4. Wie wir Journalisten 2026 ausbilden müssen
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 34:31 Minuten)
Christian Jakubetz und Julia Walker, Studienleiterin an der Katholischen Journalistenschule ifp, diskutieren darüber, wie Künstliche Intelligenz den Redaktionsalltag und die Ausbildung des journalistischen Nachwuchses grundlegend verändert. Beide sind sich einig, dass der sichere Umgang mit den neuen Technologien inzwischen zum unverzichtbaren journalistischen Handwerk gehört. Kernkompetenzen wie analytische Einordnung, investigatives Arbeiten und der Aufbau von Vertrauen müssten jedoch weiterhin in menschlicher Hand bleiben.

5. “Vielleicht war ich der Letzte” – Rudi Carrell, sein Leben für die Show
(deutschlandfunk.de, Herwig Katzer, Audio: 46:59 Minuten)
Während der Osterpause bietet der Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” ein Feature über Rudi Carrell. Eine Würdigung, die aber auch die Kritik an dem Showmaster nicht verschweigt: “Bis zu 30 Millionen Menschen saßen vor dem Fernseher, wenn er die Showbühne betrat. Mit Sendungen wie ‘Am laufenden Band’ oder der ‘Rudi Carrell Show’ prägte der Entertainer das deutsche Fernsehen. Vom Publikum verehrt, von Kollegen gefürchtet. Vor 20 Jahren starb Rudi Carrell.”

6. Oliver Welke: Nimmt die Politik Einfluss auf Satire-Shows?
(youtube.com, Bettina Böttinger, Video: 57:21 Minuten)
Bei “Zwischen den Zeilen” spricht Bettina Böttinger mit dem “heute-show”-Moderator Oliver Welke über die Grenzen und Herausforderungen von Satire in Zeiten ständiger politischer und gesellschaftlicher Krisen. Welke betont seinen großen Respekt vor der Arbeit von Politikerinnen und Politikern, kritisiert die zunehmende Verrohung des Diskurses und erklärt, warum er toxische Soziale Netzwerke wie X (ehemals Twitter) strikt meidet.
Weiterer Hörtipp: Wer noch mehr Oliver Welke will: Bei “Kalk und Welk” haben er und Oliver Kalkofe den TV-Moderator und Kabarettisten Christian Ehring zu Gast: “Es geht um gute und schlechte Gags, abgebrochene Studiengänge und ‘Bibi und Tina’-Traumata. Und im 50. Jubiläumsjahr geht es natürlich auch um den großen Geburtstag von extra3 im September.” (ardsounds.de, Audio: 57:38 Minuten)

Scheues Reh, Deepfake-Software, Angriff von Rechtsextremen

1. Resonanz ist wie ein scheues Reh
(mdr.de, Ralf Heimann)
In seiner aktuellen Kolumne analysiert Ralf Heimann, warum eine achtjährige und extrem aufwendige “Correctiv”-Recherche zur systematischen Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche (nur mit kostenloser Anmeldung lesbar) medial fast völlig verpufft sei. Obwohl das Medienhaus geheime Dokumente ausgewertet habe, die eine direkte Verstrickung des späteren Papstes Joseph Ratzinger belegen würden, sei die große gesellschaftliche Empörung ausgeblieben. Heimann erklärt dieses Phänomen mit einem fehlenden Überraschungseffekt sowie einer allgemeinen gesellschaftlichen Ermüdung beim Thema Kirchenmissbrauch. Außerdem sei die öffentliche Aufmerksamkeit von der parallel erschienenen “Spiegel”-Recherche zu digitaler Gewalt (nur mit Abo lesbar) aufgesogen worden.

2. Rechtsextreme schlagen erneut in Fretterode zu
(taz.de, David Muschenich)
Die “taz” berichtet über einen erneuten gewaltsamen Angriff auf Medienschaffende im thüringischen Fretterode. Vor dem Anwesen eines Neonazis seien zwei Journalisten von “Spiegel TV” durch Pfefferspray und Schläge verletzt worden. Als Tatverdächtige gälten der Neonazi selbst sowie einer seiner Söhne. Brisant sei der Vorfall vor allem auch deshalb, weil das TV-Team just an diesem Ort eine Dokumentation über eine nahezu identische, von einem weiteren Sohn des Rechtsextremisten verübte Attacke aus dem Jahr 2018 gedreht habe, die bis heute juristisch nicht abschließend geahndet worden sei.

3. EU-Parlament stimmt für Verbot von bestimmter Deepfake-Software
(spiegel.de)
Das EU-Parlament habe für ein striktes Verbot von KI-Software gestimmt, mit der sich ohne Einwilligung sexualisierte Deepfakes von Personen erstellen lassen. Während die deutsche Justizministerin Stefanie Hubig mit ihren aktuellen Vorstößen auf die Strafbarkeit der Anwender abziele, wolle die EU direkt die Verbreitung der zugrundeliegenden Technologie und entsprechender Apps unterbinden.
Weiterer Lesetipp: Niederländisches Gericht verbietet von Grok generierte Nacktbilder: “Es ist eines der ersten Urteile dieser Art: Die KI Grok darf ihre ‘Auszieh-Funktion’ in den Niederlanden nicht mehr anbieten. Bei Verstößen drohen hohe Strafen.” (spiegel.de)

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4. 95 Prozent von der KI
(woz.ch, Renato Beck)
Die “WOZ” berichtet über den drastischen Strukturwandel bei Schweizer Medienkonzernen wie Tamedia, die den publizistischen Kernprozess des Schreibens zunehmend an Künstliche Intelligenzen auslagern würden. Laut internen Vorgaben dürfe KI dort bis zu 95 Prozent eines Artikels verfassen, ohne dass dies für die Leserschaft transparent als KI-generiert gekennzeichnet werde. Gleichzeitig würden die Verlage versuchen, sich in einer Art Grauzone abzusichern, indem sie bereits die bloße Befehlseingabe, das sogenannte Prompten, als urheberrechtliche Eigenleistung deklarieren würden.

5. “Ohne Haltung wären wir keine Journalisten, sondern Maschinen”
(dwdl.de, Jan Freitag)
Georg Restle hat gestern seine letzte Ausgabe des WDR-Politmagazins “Monitor” moderiert, für das er mehrere Jahrzehnte tätig war, viele Jahre als Redaktionsleiter und Gesicht der Sendung. Nun beginne für Restle eine neue berufliche Phase, er wechsle als ARD-Korrespondent in die kenianische Hauptstadt Nairobi. Im Interview mit “DWDL” wehrt sich Restle gegen Gerüchte einer “Strafversetzung” und betont seinen langjährigen Wunsch, wieder dauerhaft aus dem Ausland zu berichten.

6. Alexander Kluge: Filmemacher und Autor ist tot
(zdfheute.de)
Wie der Suhrkamp Verlag mitgeteilt habe, sei der einflussreiche Filmemacher, Autor und Intellektuelle Alexander Kluge im Alter von 94 Jahren in München gestorben. Kluge gelte als einer der einflussreichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films und habe sich als Schriftsteller sowie als Fernsehunternehmer einen Namen gemacht, unter anderem mit seiner Produktionsfirma dctp.

Verdacht ist nicht Gleichsetzung, Klarnamenpflicht, Strafrechtsfalle

1. Verdacht ist nicht Gleichsetzung
(taz.de, Johannes Eisenberg)
Der Medienanwalt Johannes Eisenberg verteidigt in seinem Beitrag die umfassende Berichterstattung im Fall von Collien Fernandes und Christian Ulmen. Er betont, dass sich dieser Fall deutlich von früheren Skandalen unterscheide, da hier handfeste Belege wie Zeugenaussagen, E-Mails und mutmaßliche Tonaufnahmen vorlägen, die den Verdacht massiv stützen würden. Andere Medien dürfen laut Eisenberg die Recherchen des “Spiegel” übernehmen, solange sie sachlich bleiben, nicht vorverurteilen und dem Beschuldigten stets selbst die Chance zu einer eigenen Stellungnahme geben.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Berichterstattung: “‘Es gilt die Unschuldsvermutung.’ Das sind die vier Wörter, die in den letzten Tagen in fast jedem Artikel über den Fall Fernandes/Ulmen stehen. Und dieser Satz sei ja nicht falsch, sagt Lorenz Meyer. Er sei das Fundament unseres Rechtsstaats. Aber er sei oft eingebettet in einen Text, der das genaue Gegenteil transportiere.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:48 Minuten)

2. Stefanie Hubig lehnt Klarnamenpflicht im Internet ab
(zeit.de)
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) erteile den im Zuge des Falls von Collien Fernandes laut gewordenen Forderungen nach einer gesetzlichen Klarnamenpflicht im Internet eine klare Absage. Sie betone, dass Anonymität im Netz aus vielen legitimen Gründen unerlässlich bleibe. Um Täter bei digitaler Gewalt dennoch konsequent zur Rechenschaft ziehen zu können, setze die Ministerin stattdessen auf eine nachträgliche Identifizierung durch die dreimonatige Speicherung von IP-Adressen. Parallel dazu wolle ihr Ministerium noch in dieser Woche einen neuen Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen, der unter anderem die Erstellung sexualisierter Deepfakes gezielt unter Strafe stelle.

3. Deepfakes und die Strafrechtsfalle
(verfassungsblog.de, Aziz Epik)
Strafrechtsprofessor Aziz Epik warnt davor, das Problem sexualisierter Deepfakes ausschließlich durch schnelle Verschärfungen des Strafrechts lösen zu wollen. Zwar räumt er ein, dass es unbestreitbare rechtliche Schutzlücken gebe, doch hastig formulierte Gesetze seien fehleranfällig und würden der juristischen Komplexität des Themas nicht gerecht. Epik argumentiert, dass digitale Gewalt tief in strukturellen, patriarchalen Problemen verwurzelt sei, die sich nicht allein durch die strafrechtliche Verfolgung von Einzeltätern beheben lassen würden.

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4. Strapazierter Journalismus: Anfeindungen und strukturelle Belastungen von Journalist:innen in Deutschland
(ecpmf.eu, Patrick Peltz & Yann Rees)
Eine neue Studie des European Centre for Press and Media Freedom und der Universität Bielefeld befasst sich mit der Belastung von Journalistinnen und Journalisten in Deutschland. Die Ergebnisse würden zeigen, dass wiederkehrende Anfeindungen und Drohungen im Berufsalltag vermehrt zu redaktioneller Selbstzensur führen. Gleichzeitig würden Medienschaffende unter einem massiven strukturellen und ökonomischen Druck leiden. Die Folgen: Arbeitsverdichtung, Qualitätsverlust und Abwanderungsgedanken.

5. Terrorpropaganda und Gewaltvideos auf Knopfdruck – OpenAI macht Sora dicht
(ohje-internet.de, Karolin Schwarz)
Karolin Schwarz kommentiert die Entscheidung der ChatGPT-Mutter OpenAI, ein Tool zur Generierung von KI-Videos einzustellen: “Wer solche Inhalte erzeugen will, wird auch bei anderen Slop-Fabriken auf dem Markt fündig. Dass einer der Marktführer sein Tool nun einstellt, ist unter den beschriebenen Gesichtspunkten und insbesondere mit Blick auf die mangelhaften Moderationspraktiken allerdings kein Verlust.”

6. Meta und YouTube sollen einer Social-Media-Süchtigen drei Millionen Dollar zahlen
(spiegel.de)
In einem wegweisenden Prozess in den USA seien die Tech-Giganten Meta und Google zu Schadensersatz in Millionenhöhe verurteilt worden. Die Konzerne hätten fahrlässig gehandelt und nicht ausreichend über das immense Suchtpotenzial ihrer Plattformen wie Instagram und YouTube aufgeklärt. Geklagt habe eine 20-jährige Frau, die ihre schweren Depressionen und Angstzustände auf die bewusst suchtsteigernde Gestaltung der Netzwerke, etwa durch endloses Scrollen, zurückführe.

Weimer und der Chilling Effekt, Autokratie leben!, Presserat rügt

1. Weimer macht genau das, wofür er ins Amt berufen wurde
(taz.de, Pauline Jäckels)
In der “taz” kommentiert Pauline Jäckels das Vorgehen des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer: “Weimer mag an der ein oder anderen Stelle wie ein Stümper gehandelt haben – aber er erreicht, was ganz im Sinne der Merz-Regierung ist: Trotz Widerstand der Kulturschaffenden werden all jene Institutionen, die von staatlichen Geldern abhängig sind, künftig genau abwägen, wie sie sich äußern. Etwa, ob sie sich bei kritischen Themen offen gegen die Politik der Bundesregierung stellen. Jede neue Weimer-Schlagzeile befördert Selbstzensur. Man nennt das ‘Chilling Effect’. Dafür reicht schon das ständige Androhen von Sanktionen.”

2. Kulturförderung unter rechten Bedingungen
(verdi.de, Gisela Wehrl)
Kulturstaatsminister Weimer werde weiterhin für den Ausschluss von drei Buchläden vom Buchhandlungspreis wegen angeblicher “verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse” kritisiert. Auf der Leipziger Buchmesse hätten Branchenvertreter große Solidarität mit den betroffenen Läden geäußert und vor politischer Einflussnahme sowie einer drohenden “Schere im Kopf” im gesamten Kulturbetrieb gewarnt. Der Vorfall werde von Kritikerinnen und Kritikern als Teil eines größeren konservativen Kulturkampfes gewertet, der zunehmend auch andere Bildungs- und Demokratieprojekte bedrohe.

3. Autokratie leben!
(mdr.de, René Martens)
René Martens behandelt in seiner Kolumne die kontroverse Entscheidung von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), die Fördermittel für 200 zivilgesellschaftliche Projekte des Programms “Demokratie leben!” zu streichen. Er kritisiert die offizielle Begründung der mangelnden Wirksamkeit als haltlos. Es handele sich um eine gezielte politische Agenda gegen vermeintlich “linksaktivistische” Organisationen wie HateAid, “Correctiv” oder die Amadeu Antonio Stiftung. Martens zeigt zudem auf, wie diese Entscheidung durch vorangegangene, teils fehlerhafte Medienberichterstattung, insbesondere durch die “Welt”, befeuert und legitimiert worden sei.

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4. Presserat rügt “Jüdische Allgemeine” wegen Vorverurteilung
(evangelische-zeitung.de)
Der Deutsche Presserat habe insgesamt 19 Rügen an verschiedene deutsche Medienhäuser ausgesprochen. Eine Rüge sei an die “Jüdische Allgemeine” gegangen, die einen im Gazastreifen getöteten Al-Dschasira-Journalisten ohne eigene objektive Belege als Terroristen vorverurteilt und damit dessen Ehre verletzt habe. Daneben listet der Text zahlreiche weitere journalistische Fehltritte auf. Dazu gehören ein als echter Erfahrungsbericht getarnter KI-Artikel bei “Business Insider”, unzulässige Identifizierungen durch die “Bild”-Medien sowie falsche oder ehrverletzende Behauptungen in Titeln der Ippen-Gruppe.

5. Bericht von der 233. Sitzung des MDR-Rundfunkrat
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Peter Stawowy berichtet von der vergangenen Sitzung des MDR-Rundfunkrats. Dort sei es um die massiven finanziellen und strukturellen Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Senders gegangen. Die Sparzwänge würden intern zu großen Spannungen führen, da es bereits einen Einstellungsstopp gebe und vor allem freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über drastische, unangekündigte Auftragsrückgänge klagen würden. Zu den weiteren Schwerpunkten der Sitzung hätten die bevorstehende Zusammenlegung von Programmdirektionen, die Umwandlung der “Schlagerwelt” in ein reines Webradio sowie der vom MDR initiierte “Leipziger Appell” zur Verteidigung der Medienfreiheit gehört.

6. ARD Kultur sucht KI-Formate für “neue Perspektiven”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die digitale Kulturplattform ARD Kultur habe eine Ausschreibung für innovative, non-fiktionale Medienformate gestartet, die Künstliche Intelligenz kreativ in der Produktion einsetzen. Gesucht würden Video- und Audioprojekte für die ARD Mediathek und ARD Sounds, die kulturelle Themen für die Zielgruppe der 20- bis 49-Jährigen aus neuen und gesellschaftsrelevanten Perspektiven erzählen. Medienschaffende, Podcaster und junge Talente mit nachweisbarer KI-Erfahrung könnten ihre Konzepte noch bis Ende Mai einreichen.

Frage des Risikos, Ist das schon Zensur?, Kursmanipulation

1. “Das ist eine Frage des Risikos”
(taz.de, Lotte Laloire)
In einem aktuellen Interview der “taz” spricht Lotte Laloire mit dem Medienrechtsanwalt Jasper Prigge. Thema des Gesprächs ist die juristisch heikle Verdachtsberichterstattung bei Vorwürfen sexualisierter Gewalt. Prigge erklärt, warum kleinere Medien entsprechende Berichte größerer Leitmedien nicht einfach abschreiben dürfen. Jede Redaktion sei gesetzlich zu einer eigenen, detaillierten Beweisprüfung verpflichtet. Andernfalls würden wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten teure Klagen drohen.

2. Verfassungsfeindlich, aber nicht verboten
(netzpolitik.org, David Werdermann)
Der Rechtsanwalt David Werdermann analysiert in seinem Gastbeitrag für netzpolitik.org das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Sommer 2025, welches das Verbot des rechtsextremen “Compact”-Magazins wieder aufgehoben habe. Er erklärt, warum das Gericht das Magazin und den dahinterstehenden Kreis um Chefredakteur Jürgen Elsässer zwar inhaltlich als verfassungs- und demokratiefeindlich einstufe, ein komplettes Verbot aber als unverhältnismäßig bewerte. Abschließend ordnet Werdermann ein, was diese Entscheidung grundsätzlich für die Pressefreiheit bedeutet.

3. Ist das schon Zensur? Wie sich die Medien- und Meinungslandschaft in den USA verändert
(sr.de, Kai Schmieding & Michael Meyer, Audio: 18:25 Minuten)
In der aktuellen Folge von “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Kai Schmieding mit dem ehemaligen ARD-Korrespondenten Arthur Landwehr über die wachsende Bedrohung der Pressefreiheit in den USA. Gut ein Jahr nach Donald Trumps erneuter Amtsübernahme ziehen sie eine alarmierende Bilanz zur dortigen Medienlandschaft, die zunehmend durch staatliche Klagen und gezielte Einschüchterungen von regierungskritischen Redaktionen sowie Satirikern wie Jimmy Kimmel geprägt sei.

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4. Geschworene sehen Kursmanipulation bei Twitter-Übernahme
(spiegel.de)
Ein Geschworenengericht in San Francisco habe entschieden, dass Elon Musk im Jahr 2022 durch irreführende Aussagen den Twitter-Aktienkurs künstlich gedrückt und damit gegen Wertpapiergesetze verstoßen habe. Damalige Aktionäre hätten ihn deshalb verklagt. Nun könnten Musk Entschädigungszahlungen in Millionen- bis Milliardenhöhe drohen, was für ihn angesichts seines geschätzten Vermögens von über 640 Milliarden US-Dollar finanziell jedoch leicht zu verschmerzen sein dürfte.

5. Social-Media-Verbot: Was in der Debatte untergeht
(br.de, Sophie Morár, Audio: 27:45 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “BR24 Medien” spricht Moderatorin Sophie Morár mit drei Experten über die vieldiskutierte Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren. Ihre Gäste sind der ARD-Korrespondent Florian Bahrdt, der netzpolitik.org-Journalist Sebastian Meineck und der Medienpädagoge Niels Brüggen. Sie schauen sich das australische Modell an, diskutieren die Folgen strenger Alterskontrollen für den Datenschutz und erörtern, wie Tech-Konzerne stärker in die Verantwortung genommen werden können.

6. Marie Lina Smyrek: “Ich bin kein One-Trick-Pony. Ich kann mehr als nur Filter.”
(dwdl.de, Senta Krasser)
Senta Krasser wirft einen Blick auf die Karriere der Moderatorin und Comedy-Autorin Marie Lina Smyrek. Die bald 28-Jährige, die für ihre “funk”-Formate (“smypathisch”) bereits zum zweiten Mal mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden sei, verbinde die Leichtigkeit von Social Media mit der Produktionsqualität des klassischen Fernsehens. Krasser zeichnet Smyreks Weg von der TikTok-Creatorin hin zur gefragten Moderatorin und Schauspielerin nach. Dabei geht es auch um die Gründe, warum Smyrek ihr wöchentliches “funk”-Nachrichtenformat kürzlich eingestellt hat.

7. Es gilt die Arschlochvermutung
(hakendran.podigee.io, Gavin Karlmeier, Audio: 1:00:46 Stunden)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In der aktuellen Folge des Social-Media-Podcasts “Haken dran” diskutiert Gavin Karlmeier mit dem “6-vor-9”-Kurator über die wachsende Gefahr durch KI-generierte Deepfakes. Sie schauen dabei auf den aktuellen Fall von Collien Fernandes und kritisieren die fehlende rechtliche Plattformhaftung sowie das Versagen der Politik beim digitalen Opferschutz. Weitere Schwerpunkte der Sendung sind Metas unzureichende Inhaltsmoderation im Wahlkampf und die millionenschweren juristischen Niederlagen von Elon Musk rund um seine Twitter-Übernahme.

KW 12/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Haben Medien im Kampf gegen KI-Fakes schon verloren?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:45 Minuten)
In der aktuellen Podcast-Folge von “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit der Deepfake-Expertin Anika Gruner, Mitgründerin des Start-ups Neuramancer AI Solutions, über die wachsende Gefahr durch unerkannte KI-Fakes im Journalismus. Anhand aktueller Fehler großer Medienhäuser wie dem “Spiegel” und dem ZDF gehen die beiden der Frage nach, warum Fälschungen zunehmend schwerer zu enttarnen sind. Zudem geht es in dem Gespräch darum, wie Erkennungs-Software Redaktionen künftig dabei helfen kann, manipulierte Bilder und Videos rechtzeitig zu identifizieren.
Weiterer Hörtipp: Beim österreichischen “Falter” erklärt ORF-Faktencheckerin Eva Wackenreuther, “wie man Bilder in Zeiten von KI auf ihre Echtheit prüft”: Kriegsfotos: Fact-Checking als Katz- und Mausspiel (falter.at, Eva Konzett, Audio: 29:37 Minuten).
Weiterer Gucktipp: Auf YouTube verkündet Chan-jo Jun: “Wir haben es geschafft: Herstellung von DeepFakes wird verboten!”: “Seit mehr als einem Jahr kämpfen HateAid, Marc-Uwe Kling, Eckart von Hirschhausen und über 400.000 Unterstützer dafür, dass es endlich wirksamen Schutz vor Deepfakes gibt. Die Bundesregierung war erst zögerlich und hatte uns dann immer wieder vertröstet, aber durch Collien Fernandes und die vorangegangenen Eskapaden von Musk wurde das Thema so dringend, dass es jetzt doch noch schnell auf die Agenda kam.” (youtube.com, Chan-jo Jun & Jessica Flint, Video: 10:41 Minuten)

2. Synchronsprecher packt aus: KI wird unsere Jobs zerstören?!
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 59:24 Minuten)
Bei “Hollywoodgeflüster” hat der Gastgeber und Synchronregisseur Charles Rettinghaus den Nachwuchsschauspieler und Synchronsprecher Oliver Szerkus zu Gast. Die beiden diskutieren intensiv über die wachsende Bedrohung für Sprecherinnen und Sprecher durch KI-Technologien sowie über veränderte mediale Konsumgewohnheiten durch Plattformen wie TikTok. Außerdem geht es um die Frage, wie die emotionale, menschliche Komponente in der Kunst zukünftig ihren Wert behalten kann.

3. Weimers Republik: Wie der Staatsminister Kultur zur Gesinnungsfrage macht – und warum der Staat auch extreme Kunst fördern sollte
(lagedernation.org, Philip Banse & Ulf Buermeyer, Audio: 1:56:15 Stunden)
Im Politik-Podcast “Lage der Nation” tauschen sich Philip Banse und Ulf Buermeyer wöchentlich über die wichtigsten politischen Geschehnisse aus. Dabei geht es auch um die diversen Skandale rund um Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und die Frage: Wie kann und wie darf der Staat Kultur fördern? (siehe die entsprechenden Kapitelmarken)
Weiterer Gucktipp: 3sat-“Kulturzeit”: Eklat um Buchhandlungspreis: Greift Kulturstaatsminister Weimer die Demokratie an? (youtube.com, Lotar Schüler & Jochen Werner & Vivian Perkovic, Video: 9:07 Minuten)

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4. Zwischen Klischee und Klassismus – wie Medien über Armut berichten
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 44:56 Minuten)
Im Gespräch zwischen Lukas Schöne und der freien Journalistin und Autorin Brigitte Theißl aus Österreich geht es um die Darstellung von Armut in Medien. Die beiden diskutieren darüber, warum armutsbetroffene Menschen im Journalismus häufig stereotypisiert oder auf klischeehafte Aufsteigergeschichten reduziert werden, anstatt die strukturellen Ursachen von Armut zu beleuchten. Theißl gibt zudem konkrete Tipps für eine sensiblere Berichterstattung.

5. Seine Abrechnung mit ZDF ging schief
(youtube.com, Rezo, Video: 1:00:53 Stunden)
Rezo hat sich mit dem YouTuber Ben (Kanal “{ungeskriptet} by Ben”) und dessen Aussagen nach einem Auftritt im ZDF-Format “13 Fragen” auseinandergesetzt. Er analysiert Bens Argumentationsweise und wirft ihm systematische Widersprüche sowie die Nutzung von Strohmann-Argumenten vor. Außerdem erkenne Ben wissenschaftliche Fakten nur dann an, wenn sie in sein Weltbild passen würden, und biete Extremisten unkritisch eine Plattform.

6. Vergessen Medien das Völkerrecht?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 28:49 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Medien selektiv das Völkerrecht “vergessen” wie zum Beispiel beim Angriff auf den Iran. Es diskutieren DLF-Hörer Wolfram Friedrichs, DLF-Nachrichtenchef Marco Bertolaso und Medienforscherin Carola Richter von der FU Berlin.

Weltkugel gegen Weimer, “Nius” und Frauenhass, Kaum Reichweite auf X

1. “Zur Schwan­kenden Welt­kugel” mahnt Weimer wegen Inter­view ab
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Inhaberinnen der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” würden sich nun juristisch gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wehren und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern. Grund dafür sei ein aktuelles Zeitungsinterview, in dem Weimer die vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden öffentlich als “politische Extremisten” bezeichnet habe. Der Anwalt der Buchhandlung kritisiere diese Wortwahl als rechtswidrige und stigmatisierende Diffamierung, die der Kulturstaatsminister im Falle einer Weigerung vor Gericht mit konkreten Fakten belegen müsse.

2. Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
(taz.de, Erik Peter)
Das neu gegründete “Edelweiß Netzwerk” habe den “Nius”-Macher Julian Reichelt mit einer fahrbaren Großbildleinwand im Berliner Regierungsviertel gezielt provoziert. Auf der Leinwand seien Schmähzitate gegen ihn präsentiert worden. Reichelt und seine Anhängerschaft hätten sich online sofort lautstark über den vermeintlichen linken Hass empört. Die verwendeten Zitate seien in Wahrheit jedoch aus “Nius”-Kommentarspalten entnommen worden und hätten sich ursprünglich gegen prominente Frauen gerichtet.

3. Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Das Portal “Nius” habe laut “Volksverpetzer” eine gezielte Falschmeldung über ein angeblich steuerfinanziertes “Ramadan-Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” in der Dortmunder Arbeitsagentur verbreitet. Recherchen von t-online.de hätten den Vorfall jedoch rasch aufgeklärt: Die neue, selbst nicht muslimische Kantinenpächterin habe die rein weltliche Eröffnungsfeier als Werbeaktion komplett aus eigener Tasche bezahlt.

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4. Wenig Reichweite, viel Hass
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Eine aktuelle Analyse des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie zeige, dass deutsche Bundesministerien und Behörden auf der Plattform X (ehemals Twitter) kaum noch nennenswerte Reichweiten erzielen. Viele staatliche Stellen würden ihre Präsenz mit ihrem verfassungsrechtlichen Informationsauftrag begründen. In der Realität würden ihre Beiträge jedoch nur minimale Interaktionsraten im einstelligen Prozentbereich verzeichnen: “Die meisten untersuchten Accounts der Bundesministerien haben unter 200.000 Follower:innen und erzeugen kaum Resonanz.”

5. “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien”
(mdr.de)
Der öffentlich-rechtliche MDR habe gemeinsam mit zahlreichen Institutionen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur einen “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” veröffentlicht. Die Initiative wolle ein starkes Signal für den uneingeschränkten Zugang zu Informationen setzen und betonen, dass jeder Angriff auf die Informationsfreiheit unweigerlich auch das demokratische Gemeinwesen angreife.

6. Facts and Fantasy
(journalist.de, Hilmar Poganatz)
Der Journalist Hilmar Poganatz berichtet, dass immer mehr öffentliche-rechtliche Medienhäuser wie BR und SWR sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele als innovatives, auch journalistisches Format entdecken. Durch diese live auf Plattformen wie Twitch und YouTube gestreamten Spielrunden würden sich komplexe oder historische Themen stark emotionalisieren lassen. Dadurch erreiche man gezielt jene “Digital Natives”, die klassische Nachrichtenangebote mittlerweile oft meiden.

Weimer sagt ab, Steingarts Vorwurf, TikTok statt Lokalzeitung

1. Kulturstaatsminister Weimer sagt Termine auf Leipziger Buchmesse ab
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe seinen Besuch auf der Leipziger Buchmesse drastisch verkürzt und alle Termine für den ersten regulären Messetag abgesagt. Er werde lediglich beim feierlichen Eröffnungsakt am heutigen Mittwochabend sprechen. Der traditionelle Messerundgang sowie eine Diskussionsrunde zur Meinungsfreiheit seien gestrichen worden. Hintergrund des Rückziehers sei massive Kritik aus der Kulturbranche an den jüngsten Entscheidungen Weimers.
Weiterer Lesetipp: Tomaten für Wolfram Weimer: “Gibt es ‘verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse’ zu einer Buchhandlung im Bergischen Land südlich von Köln? Wie das skandalöse Vorgehen des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer landauf, landab Kreise zieht.” (campact.de, Matthias Meisner). In der “taz” kommentiert Steffen Grimberg die Entscheidung des Kulturstaatsministers, den Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek zu stoppen: Bücher-, ähhh, Bürokratieabbau à la Weimer (taz.de).
Und noch ein Gucktipp: Bei YouTube widmet sich Kabarettist und Satiriker Florian Schroeder dem Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer – der Killer der Kunstfreiheit?! (youtube.com, Video, 11:42 Minuten)

2. Cor­rectiv ver­liert Streit um Kernaus­sage in Potsdam-Bericht
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) berichtet, habe die AfD-Politikerin Gerrit Huy mit ihrer Klage gegen “Correctiv” Erfolg gehabt. Das Landgericht Berlin habe unter anderem die Aussage verboten, es sei auf dem Potsdamer Treffen um einen “Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger” gegangen. “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann schreibt dazu: “Das Urteil des LG Berlin II ist ein harter Schlag für Correctiv, aber nicht das Ende des Rechtsstreits. Ein Gang zum Kammergericht in Berlin durch Correctiv ist genauso sicher wie umgekehrt eine Berufungsentscheidung in Hamburg im Fall Vosgerau. Ob die Passagen letztlich verboten werden oder nicht, ist völlig offen.”

3. Rosenfeld sagt sich nach Prostitutionsvorwurf von Steingart los
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach scharfer Kritik von “The-Pioneer”-Chef Gabor Steingart an sogenannten “Host-Read”-Werbespots habe die Journalistin Dagmar Rosenfeld ihre Tätigkeit als Kolumnistin für Steingarts Portal per sofort beendet. Dieser habe die Werbeform, bei der Journalistinnen und Journalisten bezahlte Reklametexte in Podcasts selbst vorlesen, zuvor öffentlich mit Prostitution verglichen. Steingart habe seine Wortwahl daraufhin verteidigt und argumentiert, er greife niemanden persönlich an, halte die gezielte Vermischung von Redaktion und Werbung jedoch für unehrenhaft und “klebrig”. Rosenfelds Podcast-Partner Robin Alexander sei ihr online beigesprungen und habe Steingart im Gegenzug mangelnden Stil und fehlenden Anstand vorgeworfen.

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4. US-Sender wegen Iran-Berichterstattung unter Druck
(tagesschau.de)
Die US-Medienaufsichtsbehörde drohe US-Sendern im Zusammenhang mit deren Berichterstattung über den Iran-Krieg offen mit dem Entzug ihrer Lizenzen. Behördenchef Brendan Carr habe erklärt, dass Sender, die angebliche Falschmeldungen verbreiten, nicht im öffentlichen Interesse handeln würden und ihren Kurs vor anstehenden Lizenzverlängerungen zwingend korrigieren müssten. Medienhäuser und Menschenrechtsorganisationen hätten sich alarmiert gezeigt und die Drohungen verurteilt.

5. TikTok statt Lokalzeitung
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Die Medienberaterin Pauline Tillmann warne davor, dass Lokalzeitungen eine ganze Generation verlieren könnten, wenn sie die Plattform TikTok ignorieren. Da junge Menschen ihre Informationen primär aus Sozialen Netzwerken bezögen und kaum noch klassische Zeitungswebsites besuchen würden, sei eine Social-Media-Präsenz für Medienhäuser heutzutage unverzichtbar. Viele Lokalzeitungen hätten auf TikTok jedoch nur mäßigen Erfolg, was oft an zu schwach besetzten Social-Media-Teams liege. Es gebe jedoch auch Erfolgsbeispiele aus der Praxis.

6. Kleine Unternehmen, großes Engagement: Wie unabhängige Verlage auf dem angespannten Buchmarkt überleben
(tagesspiegel.de, Nadia Gering)
Kleine und unabhängige Buchverlage in Deutschland stünden unter massivem wirtschaftlichem Druck. Die ökonomischen Rahmenbedingungen hätten sich durch stark gestiegene Druck- und Produktionskosten drastisch verschlechtert. Laut Heiko Hartmann, Professor für Publishing Management, fehle großen Buchhandelsketten oft das Interesse an kleinen Nischenanbietern. Daher beziehe deren Zentraleinkauf primär Mainstream-Titel bei großen Konzernverlagen. Die Arbeit der unabhängigen Verlage sei allerdings kulturell unverzichtbar.

Doku über Natascha Kampusch, Der Hassanzeiger, Verantwortungslücke

1. ORF nimmt Kampusch-Doku nach Protesten aus dem Programm
(spiegel.de)
Der österreichische Rundfunk ORF habe eine für den heutigen Montag geplante Fernsehdokumentation über das frühere Entführungsopfer Natascha Kampusch nach massiven Protesten vorerst aus dem Programm genommen. Als Grund für die kurzfristige Absetzung nenne der öffentlich-rechtliche Sender noch ungeklärte Fragen bezüglich der Persönlichkeitsrechte der heute 38-Jährigen. Zuvor hätten unter anderem Medienanwälte, behandelnde Ärzte sowie die Opferhilfeorganisation Weißer Ring scharf gegen die Doku protestiert.

2. Der Hassanzeiger
(taz.de, Jost Maurin)
Der 25-jährige Fabian F. durchforste in seiner Freizeit Soziale Netzwerke nach rechtsextremer Hetze und zeige gezielt strafbare Inhalte wie NS-Symbole oder Mordaufrufe an. Es gehe ihm darum, die demokratische Debattenkultur zu schützen und zu verhindern, dass aus hasserfüllten Worten reale Taten würden. Um nicht als bloßer Denunziant zu gelten, habe er sich bei seinen rund 300 erstatteten Anzeigen bewusst auf schwere Vergehen und notorische Wiederholungstäter konzentriert.

3. Vom Incel-Forum zum TikTok-Trend – Wie Incel-Sprache Mainstream wurde
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Toxische Vokabeln wie “Looksmaxxing” aus frauenfeindlichen Incel-Foren seien mittlerweile zu einem viralen, scheinbar harmlosen TikTok-Trend für Jugendliche avanciert. Hinter diesem Hype um extreme körperliche Selbstoptimierung verberge sich ein zutiefst misogynes Weltbild, das den Wert von Menschen auf einen rein optischen Marktwert reduziere, schreibt Kira Ayyadi. Dieser Lifestyle werde gezielt von rechtsextremen Influencern genutzt, um junge Männer für rassistische und antidemokratische Ideologien zu rekrutieren.

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4. Iran-Krieg aus 3 Perspektiven: Vor Ort, in den USA, für Kinder
(br.de, Linus Lüring, Audio: 28:44 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” diskutiert Moderator Linus Lüring mit drei Medienschaffenden über die massiven Herausforderungen aktueller Kriegs- und Krisenberichterstattung. Katharina Willinger, Leiterin des ARD-Studios in Istanbul, spricht über die schwierige Aufgabe, über einen Krieg zu berichten, ohne in das Land des Geschehens reisen zu können. Christian Fahrenbach, Journalist in New York, ordnet die Kommunikation der Trump-Administration und den medialen Umgang mit den Epstein-Akten ein. Und “logo!”-Redaktionsleiterin Constanze Knöchel erläutert, wie man Kindern ein komplexes Kriegsgeschehen verantwortungsvoll und teils sogar humorvoll vermittelt.

5. Die Verantwortungslücke
(npj.news, Leif Kramp & Stephan Weichert)
In einem aktuellen Debattenbeitrag vertreten Leif Kramp und Stefan Weichert die These, dass sich die Bühne des Journalismus massiv verschoben habe. Texte müssten künftig zwingend maschinenlesbar für KI-Assistenten aufbereitet werden, um in den digitalen Informationsströmen überhaupt noch sichtbar zu bleiben. Weitreichende neue Finanzierungsmodelle seien nötig. Denkbar seien etwa API-Lizenzzahlungen von Tech-Konzernen, direkte Community-Unterstützung oder gar eine Öffnung des Rundfunkbeitrags für jeglichen gemeinwohlorientierten Journalismus.

6. Werbung muss klar erkennbar sein
(verbraucherzentrale-bawue.de)
Das Landgericht Bamberg habe nach einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geurteilt, dass die Werbekennzeichnung auf YouTube deutlich transparenter und dauerhafter erfolgen müsse. Es reiche keinesfalls aus, wenn bei einem minutenlangen Video eines Finanz-Influencers lediglich in den ersten zehn Sekunden ein Werbehinweis eingeblendet werde und der eigentliche Sponsor unklar bleibe. Auch das Onlineportal des “Handelsblatts” stehe wegen unzureichender Transparenz massiv in der Kritik.

KW 11/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Klima, Kriege, Demokratie: Die thematische Lücke der Grimme-Preise
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 25:40 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Läuft” diskutiert Moderator Alexander Matzkeit mit der Grimme-Preis-Leiterin Lucia Eskes und der Grimme-Preis-Jurorin Anna-Barbara Kurek über die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger sowie über eine auffällige inhaltliche Leerstelle: Eskes und Kurek kritisieren, dass in den ausgezeichneten Fernsehproduktionen drängende politische Themen wie der Ukraine-Krieg, der Nahostkonflikt oder die Klimakrise nahezu komplett fehlen würden. Die Expertinnen vermuten, dass Sender und Produktionsfirmen aus Angst vor zunehmenden Anfeindungen und toxischen Kommentaren im Netz kontroverse Themen meiden.

2. Woran krankt die Debatte über das Social-Media-Verbot?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:19 Minuten)
In der neuen Folge des “Übermedien”-Podcasts “Holger ruft an” beschreibt der Tech-Journalist Sebastian Meineck die aktuelle Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche als plump und wenig fachlich fundiert. Die Berichterstattung über das Thema trage daran eine Mitschuld. Sie verenge das komplexe Thema oft auf eine simple Ja-Nein-Frage und suggeriere fälschlicherweise zwei starre Lager. Zudem blende die öffentliche Diskussion häufig aus, dass für die Durchsetzung eines solchen Verbots weitreichende Alterskontrollen nötig wären.

3. Welche Wirklichkeit soll das sein?
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 40:31 Minuten)
In der Diskussionsrunde des Deutschlandfunk-Podcasts “Nach Redaktionsschluss” bemängelt die Hörerin Corinna Dorn, dass TV-Sender beim Reality-TV gezielt extreme Streitsituationen und psychische Gewalt fördern würden, ohne diese für das Publikum kritisch einzuordnen. Laut der Journalistin Anja Rützel liege dies vor allem an einer bedenklichen Professionalisierung des Genres: Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Sendungen würden absichtlich toxisch agieren, um sich als Berufs-Trash-Stars lukrative Folgeaufträge zu sichern. Als Ausweg aus der ständigen Eskalationsspirale fordert die Runde eine Neuausrichtung der Formate. Diese müsse deutlich mehr Transparenz bei den Produktionsbedingungen und konsequente Casting-Sperren für extremes Fehlverhalten beinhalten.

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4. “Meine Stimme gehört mir”
(thisismedianow.podigee.io, Lucas Schöne, Audio: 52:00 Minuten)
Anna-Sophia Lumpe, Vorsitzende des Verbands Deutscher Sprecher:innen, kritisiert das Vorgehen des Streaminganbieters Netflix. Der Konzern verlange von deutschen Synchronsprecherinnen und -sprechern, über neue Standardverträge weitreichende Rechte an ihren Sprachaufnahmen für KI-Trainingszwecke abzutreten. Eine zusätzliche Vergütung sei dafür nicht vorgesehen. Dieser Schritt bedrohe weit mehr als nur Arbeitsplätze, er greife den Kern der menschlichen Kunst an, so Lumpe.

5. Was GOOGLE mit AI in Berlin will
(youtube.com, Jörg Wagner, Video: 1:44:39 Minuten)
In der neuesten Folge des “Medienhölle”-Podcasts besprechen die Hosts Jörg Wagner und Philipp Nitzsche zunächst die anstehende Umstrukturierung der öffentlich-rechtlichen Sender. Ab 2027 sollen die Spartenkanäle ARD Alpha und tagesschau24 komplett eingestellt und deren Inhalte teilweise in das Programm von Phoenix integriert werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Episode ist ein exklusiver Einblick in das Archiv des Deutschlandfunk Kultur anlässlich des landesweiten Tags der Archive. Außerdem geht es um die dänische Polit-Serie “Borgen” als Lehrstück über die oft toxische Verflechtung von Politik und Medienlandschaft.

6. Dumm, dümmer, Dubai – Influencer & warum gerade alle dasselbe posten
(youtube.com, Sashka, Video: 19:53 Minuten)
YouTuberin “Sashka” kritisiert das Verhalten vieler deutscher “Dubai-Influencer”. Diese würden die Gefahr trotz jüngster Raketenangriffe auf die Region massiv herunterspielen; stattdessen würfen sie westlichen Medien “Fake News” vor. Die demonstrative Gelassenheit und die ständigen Lobeshymnen auf das Emirat seien allerdings reiner Selbstschutz: Die ausgewanderten Content-Creator würden nämlich eine staatliche Influencer-Lizenz benötigen, die sie streng zu einer ausschließlich positiven Darstellung der Steueroase verpflichte.

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