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Weimer sagt Verleihung ab, Schwere Zeiten beim “nd”, Familienministerin

1. Kulturstaatsminister Weimer sagt Verleihung des Buchhandlungspreises ab
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises abgesagt, da der Eklat um den Ausschluss dreier nominierter Buchläden die Veranstaltung zu überschatten drohe. Kai-Uwe Vogt kommentiert beim “Börsenblatt”, dem “Fachmagazin der Buchbranche”: “Damit entzieht sich Weimer einer höchst blamablen Situation: Kurz zuvor [haben] alle nominierten Buchhandlungen sich mit den von der Liste der Preisträger gestrichenen linken Buchläden solidarisch erklärt – in Leipzig war geplant, ein Zeichen zu setzen. Sieht so aus, als wolle Weimer sich diesem Gegendruck nicht aussetzen.” Die Jury des Deutschen Buchhandlungspreises hatte sich vom Ausschluss der drei Buchhandlungen bereits distanziert. Auf Bluesky merkt der “6-vor-9”-Kurator an: “Das Muster ist immer gleich: Autoritär handeln, maximalen Schaden anrichten, halbherzig zurückrudern, verbrannte Erde hinterlassen. Kurz nach seinem Amtsantritt schrieb Weimer, er wolle ‘die Korridore des Sagbaren und Darstellbaren weiten’. Was er wirklich tut: Er verengt sie systematisch.”
Nachtrag: Wie aus einer Erklärung des Rechtsanwalts Jasper Prigge, der einen der Buchläden vertritt, hervorgeht, soll Weimers Behörde die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen aktiv belogen haben. In einer Absage habe sie fälschlicherweise behauptet, die unabhängige Fachjury hätte sie nicht ausgewählt. Es habe sich jedoch durch Informationen eines Whistleblowers herausgestellt, dass die Läden sehr wohl prämiert werden sollten, zwei von ihnen sogar mit einem höher dotierten Sonderpreis für “besonders herausragende Buchhandlungen”. Man prüfe nun zusätzlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

2. So schwach argumentiert die Familienministerin
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck analysiert die lückenhafte Argumentation von Familienministerin Karin Prien, die sich im Bundestag nachdrücklich für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren ausgesprochen habe. Priens Behauptung, es gebe einen klaren wissenschaftlichen Konsens über dramatische Hirnschäden durch Soziale Medien, sei irreführend. Bisherige Studien würden lediglich geringe Korrelationen aufzeigen, die eigentliche Kausalität bleibe weiterhin ungeklärt.

3. “Neues Deutschland” erneut gestärkt – Beschäftigte sichern Zahlungsfähigkeit
(dju-berlinbb.verdi.de)
Um die drohende Zahlungsunfähigkeit der linken Tageszeitung “nd” im zweiten Quartal 2026 abzuwenden, habe die rund 70-köpfige Belegschaft erneut massiven Gehalts- und Arbeitszeitverzichten zugestimmt. Seit die Partei Die Linke sich aus dem Betrieb zurückgezogen habe, wirtschafte die heutige Verlagsgenossenschaft faktisch ohne nennenswertes Eigenkapital am Limit. Für ein dauerhaftes Überleben sei das kriselnde Medium dringend auf neue Genossenschaftsmitglieder, Abonnentinnen und Abonnenten angewiesen.

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4. Fernsehen SRF stellt Zuschauer bloss
(infosperber.ch, Marco Diener)
Das Schweizer Fernsehen SRF stehe massiv in der Kritik, da es bei der zeitversetzten Übertragung eines Fußballspiels einen Zuschauer in einer sekundenlangen Nahaufnahme gezeigt und durch einen spöttischen Kommentar gezielt bloßgestellt habe. Der Sender rechtfertige sein Vorgehen damit, dass Stadionbesucher beim Ticketkauf über die AGB automatisch in derartige Aufnahmen einwilligen würden. Der konkrete Fall widerspreche laut “Infosperber” jedoch den publizistischen Leitlinien des Hauses sowie den Vorgaben des Schweizer Presserats und Datenschützern.

5. RBB Media: “Betrieb eines Hotels keine Kernaufgabe”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
RBB Media, der Werbevermarkter des öffentlich-rechtlichen RBB, trenne sich von einer Immobilie am Berliner Kaiserdamm, die bislang unter anderem als Hotel, Bürofläche und Bowlingbahn genutzt worden sei. Der Betrieb eines Hotels gehöre ohnehin nicht zu den Kernaufgaben der RBB-Werbetochter; das Gebäude aus den 1960er-Jahren weise zudem einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Mit diesem Schritt beende RBB Media das eigene Immobilienmanagement nun vollständig, um den wirtschaftlichen Vorgaben der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten zu entsprechen.

6. GEMA klagt gegen Suno
(urheber.info)
Vor dem Landgericht München gehe die GEMA derzeit als europaweit erste Klägerin in einem wegweisenden Urheberrechtsstreit gegen den KI-Musikgenerator Suno vor. Dem Unternehmen werde vorgeworfen, geschützte Welthits für das Training seiner generativen Künstlichen Intelligenz unlizenziert genutzt, gespeichert und reproduziert zu haben. Das für den 12. Juni angekündigte Gerichtsurteil werde mit Spannung erwartet.

Springer kauft “Telegraph”, Jimmy Lai, Eisschnelllaufverband vs. ARD

1. Springer kauft Telegraph
(taz.de)
Der Axel-Springer-Konzern habe die traditionsreiche britische Zeitung “The Telegraph” in letzter Minute für 575 Millionen Pfund erworben, also etwa 660 Millionen Euro. Wie Springer-Chef Mathias Döpfner mitgeteilt habe, gehe damit ein über 20 Jahre alter Traum in Erfüllung, das Blatt künftig zum führenden bürgerlich-konservativen Medium der englischsprachigen Welt auszubauen. Durch diesen überraschenden Schritt habe Springer den direkten britischen Konkurrenten DMGT (“Daily Mail”) aus dem Rennen gedrängt.

2. Jimmy Lai legt keine Berufung gegen Verurteilung zu 20 Jahren Haft ein
(spiegel.de)
Der inhaftierte Hongkonger Verleger und Demokratieaktivist Jimmy Lai werde laut Angaben seiner Anwälte keine Berufung gegen seine drakonische Verurteilung zu 20 Jahren Gefängnis einlegen. Der 78-jährige Gründer der inzwischen eingestellten Zeitung “Apple Daily” sei zuvor auf Basis des umstrittenen chinesischen “Sicherheitsgesetzes” wegen angeblicher “Kollaboration mit ausländischen Kräften” und “Aufruhrs” schuldig gesprochen worden.

3. Wer hat Angst vorm kritischen Bürger?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bei “Übermedien” lobt Stefan Niggemeier eine Reihe des ARD-“Mittagsmagazins”, in der die Spitzenkandidaten der baden-württembergischen Landtagswahl gezielt mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern aus deren jeweiligem Fachgebiet konfrontiert worden seien. Anstatt die übliche, weichgespülte Wahlkampf-Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen, habe das gute Casting der widerborstigen Gesprächspartner zu pointierten und teils entlarvenden Momenten geführt.

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4. NIUS & OAZ: Gleiche Autoren, gleiche Interviewpartner, gleiche Propaganda?
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert die auffälligen personellen und thematischen Überschneidungen zwischen dem rechten Krawallportal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und der neu gegründeten “Ostdeutschen Allgemeinen” des Verlegers Holger Friedrich. Beide Medien böten bevorzugt denselben Akteuren vom rechten Rand eine unwidersprochene Bühne. Das dahinterstehende Ziel sei es, gezielt gegen die “Brandmauer” zur AfD zu agitieren und rechte Narrative zu normalisieren.

5. Lokaljournalismus – “Das Frühwarnsystem vor Ort”
(belltower.news, Shila Samanthi)
Der Lokaljournalist Alexander Roth betont im Interview, dass regionalen und lokalen Medien bei der frühzeitigen Aufdeckung rechtsextremer Netzwerke eine unverzichtbare Rolle zukomme. Der von der AfD oftmals strategisch instrumentalisierte Vorwurf der mangelnden Neutralität dürfe Redaktionen nicht zu einer unkritischen Gleichbehandlung verleiten. Demokratiefeindliche Positionen müssten zwingend fachlich eingeordnet werden.

6. Eisschnelllauf-Wirbel: Das sagt die ARD zu einer Abmahnung
(digitalfernsehen.de)
Die ARD weigere sich, eine vom Eisschnelllaufverband (DESG) geforderte Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Man halte die eigene kritische Berichterstattung über angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten zulasten der Sportlerinnen und Sportler für wahrheitsgemäß und gerichtlich belegbar. Der Verbandspräsident Matthias Große weise die Vorwürfe vehement zurück. Die der “Sportschau” vorliegenden Dokumente widersprächen der Darstellung jedoch.

KW 10/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Stirbt in Köln gerade die Medienvielfalt?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 25:21 Minuten)
Holger Klein spricht mit dem Medienjournalisten Steffen Grimberg über die schwindende Medienvielfalt in Köln, wo die “Kölnische Rundschau” künftig vom DuMont-Verlag produziert werde, also im selben Haus wie das einstige Konkurrenzblatt “Kölner Stadt-Anzeiger”: “Warum ist das ein Problem? Was passiert jetzt mit den Mitarbeitern der ‘Kölnischen Rundschau’? In welcher Stadt gibt es eigentlich noch mehr als eine Lokalzeitung? Und könnte die Politik auch etwas tun, um die Vielfalt im Lokaljournalismus zu retten?”

2. Abschied vom Radio für Andreas Flügge – Hausverbot für Seppelt
(youtube.com, Jörg Wagner & Philipp Nitzsche, Video: 2:01:03 Stunden)
In der “Medienhölle” diskutieren Jörg Wagner und Philipp Nitzsche journalistische Fehltritte und kritisieren dabei insbesondere irreführende Bildmontagen in den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF. Zudem berichtet der Investigativjournalist Hajo Seppelt von einem beispiellosen Vorfall, bei dem ihm der Präsident des deutschen Eisschnelllauf-Verbandes kurzerhand Hausverbot für eine Pressekonferenz erteilt habe.

3. Privat und/oder politisch – Wie geht “Kolumne”?
(sr-audiothek.de, Michael Meyer & Thomas Bimesdörfer, Audio: 18:04 Minuten)
Als erfahrener Autor, der bereits in unterschiedlichsten Medien und Formaten publiziert hat, gilt Hajo Schumacher als Experte für das Kolumnen-Handwerk. Im Gespräch bei “Medien – Cross und Quer” ergründet er, was eine pointierte Kolumne auszeichnet und warum sich diese kompakten Meinungsbeiträge solch anhaltender Beliebtheit erfreuen.

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4. Toxische Männlichkeit: wie Social Media unser Bild von Geschlechtern prägt
(br.de, Sophie Morár, Audio: 25:16 Minuten)
In der aktuellen Folge von “BR24 Medien” widmet sich Moderatorin Sophie Morár der Frage, wie Plattformen wie TikTok und Instagram zunehmend toxische Männlichkeitsideale propagieren. Laut einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen zeige bereits ein Viertel der männlichen Jugendlichen reale Konsequenzen dieses Konsums, darunter ein Weltbild voller männlicher Dominanz, politischer Rechtsorientierung und LGBTQ+-Ablehnung.

5. Die Social Media Redaktion als Kampfmittelräumdienst
(youtube.com, Christian Bollert, Audio: 24:12 Minuten)
Die Social-Media-Redakteurin Naya Bindzus berichtet im “brand-eins”-Podcast von einem entlarvenden Experiment, bei dem der unverfängliche Begriff “Gemüsesuppe” eine massiv höhere Reichweite erzielt habe als das vom Algorithmus als politisch und riskant eingestufte Wort “Demokratie”. Die Algorithmen Sozialer Netzwerke würden laut Bindzus zunehmend wie umsatzgetriebene Einkaufszentren fungieren, die tiefgründige, komplexe Themen aus Gründen der sogenannten “Brand Safety” systematisch aussortieren würden. Journalistinnen und Journalisten müssten daher notgedrungen zu “algorithmischen Schmugglern” werden.

6. “Widerstand ist zwecklos”
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 54:08 Minuten)
Benjamin Hartwich vom österreichischen Sender Life Radio erklärt im Gespräch mit “This is Media Now”, dass Radiosender Künstliche Intelligenz gezielt als Werkzeug nutzen sollten, um lästige Routineaufgaben zu automatisieren und so wieder mehr Zeit für kreativen Journalismus zu gewinnen. Ein eigenes Experiment mit einer geklonten KI-Moderationsstimme habe zudem gezeigt, dass das Publikum solchen neuen Technologien durchaus entspannt begegne, solange der Kontext transparent kommuniziert werde.

Lügengeschichte bei Ronzheimer, Buchläden, Krieg als Computerspiel

1. Sat.1 fällt bei “Ronzheimer” auf Lügengeschichte rein
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die Sat.1-Reportagereihe “Ronzheimer” mit dem stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer in der namensgebenden Hauptrolle sei auf einen Hochstapler hereingefallen, der sich mithilfe gefälschter Dokumente erfolgreich als “Sozialschmarotzer” inszeniert habe. Nachdem der Schwindel aufgeflogen sei, habe der Sender die Folge um die entsprechenden Szenen gekürzt und prüfe nun rechtliche Schritte. Außerdem habe man beim unverschuldet in die Kritik geratenen Jobcenter Hannover um Entschuldigung gebeten.

2. So wollen sich die Buch­läden gegen Minister Weimer wehren
(lto.de)
Nach ihrem umstrittenen Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hätten die drei betroffenen linken Buchhandlungen nun rechtliche Schritte angekündigt, um die zugedachte Auszeichnung gerichtlich einzufordern. Weimer rechtfertige die Streichung von der Gewinnerliste mit vagen “verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen”, die durch das rechtlich zweifelhafte und für die Betroffenen intransparente “Haber-Verfahren” übermittelt worden seien.

3. Das Weiße Haus inszeniert den Krieg gegen Iran als Computerspiel
(spiegel.de)
Der offizielle X-Account des Weißen Hauses habe ein Video veröffentlicht, in dem reale, tödliche Angriffe des US-israelischen Krieges gegen den Iran in der Ästhetik des Videospiels “Call of Duty” inszeniert worden seien. Der Clip reihe sich in eine umstrittene Social-Media-Strategie der Trump-Regierung ein, die gezielt teils brutale Kriegsszenen in gewaltverherrlichende Memes verwandle.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Wenn ein Krieg in der Sprache von Technik und Strategie erzählt wird, normalisiert er sich. Dann ist ein Angriff ein ‘Präventivschlag’, eine Bombardierung eine ‘Operation’, und Bomben sind ‘ins Ziel gebracht’ worden. Und irgendwann liest sich das Ganze wie ein Bundesligabericht: Ballbesitz, gelbe Karten, Torschüsse. Nur dass es hier nicht um Fußball geht.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)

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4. “Ohne das Geld müssen wir viele Aktivitäten einstellen”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Der feministische Verein ProQuote Medien stehe nach dem überraschenden Stopp der jahrelangen Bundesförderung vor massiven finanziellen Problemen. Ohne die fehlenden 600.000 Euro müsse man voraussichtlich Kernprojekte wie die Leitmedienzählung einstellen. Carolina Schwarz hat mit Vorstandsmitglied Olga Herschel über die schwierige Situation für den Verein gesprochen.

5. Vor den Landtagswahlen: Tipps für Lokaljournalist:innen aus der Praxis
(netzwerkrecherche.org, Maria-​Mercedes Hering)
Bei einer neuen Gesprächsreihe von Netzwerk Recherche habe sich eine Gruppe von über 40 Lokaljournalistinnen und -journalisten intensiv über die massiven Herausforderungen, zunehmenden Anfeindungen und Sicherheitsbedenken bei der Berichterstattung im Vorfeld von Landtagswahlen ausgetauscht. Um Parteien wie der AfD professionell begegnen zu können, rate die Runde unter anderem zu proaktiven Vor-Ort-Recherchen, zum Einsatz divers besetzter Redaktionsteams sowie zur Festlegung von Leitlinien für die Wahlberichterstattung.

6. Wir haben die “Ostdeutsche Allgemeine” gefaktencheckt, damit du es nicht tun musst
(volksverpetzer.de, Philip Kreißel & Thomas Laschyk)
In einem ausführlichen Faktencheck kritisieren Philip Kreißel und Thomas Laschyk, dass die erste Ausgabe der neu gegründeten “Ostdeutschen Allgemeinen” von Herausgeber Holger Friedrich massiv mit längst widerlegten “Fake News” und kremltreuer Propaganda durchsetzt sei. Um sich an eine Zielgruppe aus “Querdenkern” und Rechtsextremen anzubiedern, reproduziere das Blatt unter anderem alte Falschbehauptungen über angebliche Gesundheitsgefahren durch Corona-Masken sowie unwirksame PCR-Tests.

ARD-Sender werden eingestellt, Drei Buchhandlungen, Kirchliche Kritik

1. Diese Fernsehsender werden eingestellt
(verdi.de)
Gemäß den Vorgaben des neuen Reformstaatsvertrags stelle die ARD zum Jahresende die drei linearen Fernsehsender tagesschau24, One und ARD-alpha ein. Sie sollen teilweise mit ZDF-Sendern zusammengelet werden. Die Gewerkschaft Verdi betrachtet diesen Schritt mit großer Skepsis und warnt angesichts der Einstellung des jungen Senders One vor einem drohenden Generationenabriss beim öffentlich-rechtlichen Publikum. Um diese Zielgruppe künftig besser über digitale Wege zu erreichen, fordert Verdi von der Medienpolitik mehr Handlungsspielraum für die Öffentlich-Rechtlichen sowie eine zeitnahe Aufhebung des umstrittenen Verbots presseähnlicher Onlinetexte.
Weiterer Lesetipp: “Unser Konklave war intensiv”: Wie ARD & ZDF ihre Sender neu sortieren: “ARD und ZDF haben sich, wie von der Politik verlangt, auf Einsparungen bei den Spartensendern geeinigt. Drei Angebote werden gebündelt, drei Sender noch 2026 eingestellt, wie der ARD-Vorsitzende Florian Hager und ZDF-Intendant Norbert Himmler im Doppel-Interview mit DWDL.de erläutern.” (dwdl.de, Thomas Lückerath)

2. Drei Buchhandlungen oder schnelle Ausschlüsse in verdachtsprüffauler Zeit
(54books.de, Niels Penke)
Niels Penke kritisiert in seinem Kommentar den überraschenden Ausschluss dreier linker Buchhandlungen von der diesjährigen Vergabe des Deutschen Buchhandlungspreises durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Penke wertet das staatliche Vorgehen als alarmierendes Zeichen einer gefährlichen politischen Verschiebung und wirft Weimer vor, sich mit solch repressiven Maßnahmen zum Vollstreckungsgehilfen eines autoritären Kulturkampfes zu machen.

3. Kompetenz wird zum Problem
(taz.de, Antonia Augsbach)
In ihrem Beitrag beschreibt Antonia Augsbach, wie sich eine neue Generation weiblicher Fußball-Influencerinnen durch authentische Einblicke und meinungsstarke Analysen zunehmend von rein ästhetischen Hochglanz-Profilen abgrenzen würden. Sobald diese Creatorinnen jedoch mit echter fachlicher Kompetenz in traditionell männlich geprägten Themenfeldern aufträten, seien sie massiven sexistischen Anfeindungen ausgesetzt.

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4. Kritik aus der Kirche am Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Führende evangelische und katholische Jugendverbände würden die unter anderem von Bundeskanzler Friedrich Merz geforderten Social-Media-Verbote für Minderjährige scharf als Kapitulation vor dem eigentlichen Problem kritisieren. Ein pauschaler Ausschluss beraube junge Menschen eines essenziellen digitalen Orientierungsraums für ihre Identitäts- und Glaubensfindung. Er greife massiv in ihr Grundrecht auf freie Religionsausübung ein. Stattdessen fordere man einen konsequenten Jugendmedienschutz, strengere Vorgaben für die Plattformbetreiber sowie eine gezielte Förderung der Medienkompetenz.

5. “Wachstum ist für uns kein Selbstzweck” – Agrar- und Lebens­mittel­fach­medien im Wandel
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
Im Interview mit Ulrike Bremm betont der Medienmanager Olaf Holzhäuser, dass Fachmedien im Agrar- und Lebensmittelsektor durch fundierte Einordnung und echten Mehrwert überzeugen müssten, anstatt reines Umsatzwachstum als Selbstzweck zu verfolgen. Künftig müssten Fachjournalistinnen und -journalisten laut Holzhäuser zunehmend zu einer Art Übersetzer werden: “Das Rad dreht sich immer schneller und wilder, was Technik, Regulatorik, Umwelt und vor allem Markteinflüsse betrifft. Donald Trump hat mit seiner wilden Zollpolitik das Schwungrad noch beschleunigt. Da müssen wir einen Anker setzen und Orientierung geben.”

6. “Wir haben jedes Mal die Möglichkeit, dass ein Video total durch die Decke geht oder dass es total bombt.” Friederike Schiller erklärt die TikTok-Strategie der “Zeit”
(turi2.de, Markus Trantow, Audio: 46:31 Minuten)
Friederike Schiller, Leiterin des “Hochkant”-Ressorts der Wochenzeitung “Die Zeit”, spricht in einem gut 45-minütigen Podcast-Interview mit Markus Trantow, Chefredakteur des Medien-Branchendienstes “turi2”, über die TikTok-Strategie der “Zeit”. Allein im Januar habe die Redaktion 96 Millionen Views dort generieren können. Schiller erklärt, dass man die umstrittene Plattform ganz bewusst bespiele, um junge Menschen an die eigene Marke heranzuführen und das Feld nicht populistischen Akteuren wie der AfD zu überlassen.

Mehrheit für Social-Media-Verbot, Analoger Abstieg, Affenbaby “Punch”

1. Mehrheit der Deutschen für Social-Media-Verbot bei Kindern
(spiegel.de)
Laut einer aktuellen Umfrage des ZDF befürworte eine deutliche Mehrheit von 81 Prozent der Menschen in Deutschland ein gesetzliches Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren, wobei die Zustimmung ausgerechnet bei jungen Erwachsenen am höchsten ausfalle. Die Regierungsparteien CDU und SPD sowie Bundeskanzler Friedrich Merz würden eine solche Regelung nach australischem Vorbild aktiv vorantreiben. Die Bundesschülerkonferenz spreche sich hingegen strikt gegen eine derartige Altersgrenze aus.

2. Journalisten-Verbände üben Kritik
(taz.de)
Der Kölner Verlag DuMont übernehme die Herausgeberschaft der “Kölnischen Rundschau”, da diese für den bisherigen Herausgeber, den Heinen-Verlag, nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben gewesen sei. Sowohl die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union als auch der Deutsche Journalisten-Verband NRW würden trotz Dementis einen drohenden Stellenabbau von bis zu 50 Arbeitsplätzen befürchten und eindringlich vor dem Verlust einer zweiten unabhängigen Lokalredaktion in Köln warnen.

3. #trending: der kleine Affe Punch, die Parallelwelt “X”, der “European Tree of the Year”
(meedia.de, Jens Schröder)
In seiner aktuellen “#trending”-Analyse berichtet “Meedia”-Chefredakteur Jens Schröder zunächst von dem globalen Social-Media-Hype um das Affenbaby “Punch”. Des Weiteren zeige eine Datenauswertung, dass die Plattform X in Deutschland inzwischen massiv zu einer rechtspopulistischen Parallelwelt verkommen sei. Der gesellschaftliche Mainstream sowie die traditionellen Leitmedien hätten sich stattdessen längst auf Instagram verlagert.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 254
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Silja Kummer)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Silja Kummer, die die Wichtigkeit des Lokaljournalismus hervorhebt. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Analoger Abstieg ins Archiv (1): Erst-, Sonder-, Jubiläumsausgaben
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
In einem nostalgischen Rückblick präsentiert Torsten Dewi ausgewählte Erst-, Sonder- und Jubiläumsausgaben diverser Zeitschriften aus seinem umfangreichen privaten Printarchiv. Anhand historischer Exemplare von etablierten Blättern wie dem “Spiegel” und der “Hörzu” oder auch ehemals angesagten Magazinen wie “Tempo” reflektiert er über deren Konzepte und die massiv veränderten Marktbedingungen.

6. TikTok-News-Charts bei DWDL.de: Die Publisher-Übersicht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Der Autor Simon Pycha wertet für das Medienmagazin “DWDL” jeden Monat systematisch den Erfolg deutscher Medienhäuser auf der Plattform TikTok aus. Die zugehörige, fortlaufend aktualisierte Übersicht umfasst dabei insgesamt 142 verschiedene Accounts, die einen klaren journalistischen Nachrichtenfokus aufweisen würden. Hier präsentiert er die lange Account-Liste.

KW 09/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Alle links?! Wie Journalisten politisch ticken
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 43:17 Minuten)
Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer besprechen die häufig geäußerte These, dass der deutsche Journalismus von einer starken linken Schlagseite geprägt sei. Empirische Studien würden im Branchendurchschnitt zwar tatsächlich eine leichte politische Linkstendenz belegen, diese nehme jedoch auf den einflussreichen redaktionellen Führungsebenen wieder spürbar ab. Das pauschale Narrativ einer rein linken Medienlandschaft sei falsch, zumal der Diskurs maßgeblich von starken konservativ-liberalen Verlagen geprägt werde.

2. Was macht man, wenn der eigene Reporter in der Türkei verhaftet wird?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 18:15 Minuten)
Vergangene Woche wurde der Deutsche-Welle-Journalist Alican Uludağ in der Türkei festgenommen. Holger Klein hat mit Erkan Arıkan, dem Leiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle, über die aktuelle Situation in der Türkei gesprochen: “Wie hat sich die Lage in den vergangenen Jahren verändert? Was bedeutet das für die Arbeit von Medien? Und gibt es Hoffnung, dass sich irgendwann etwas ändert?”

3. Der Fall Michel Friedman: Die Wahrheit hinter dem Skandal von Klütz
(ardmediathek.de, Daniel Batel, Video: 20:26 Minuten)
Der jüdische Publizist Michel Friedman hätte auf einer Kulturveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern auftreten sollen, sei jedoch wieder ausgeladen worden: “Zapp-Reporter Daniel Batel fährt nach Klütz und geht den Fragen nach, welche Gründe wirklich hinter der Ausladung stecken, wie eine Kleinstadt mit medialer Entrüstung umgeht und wie sie versucht, ihren Ruf zwischen echter Neonazi-Präsenz und ungerechtfertigter Stigmatisierung zurückzugewinnen.”

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4. Das dunkle Imperium von MrBeast
(youtube.com, Klengan, Video: 25:37 Minuten)
YouTuber “Klengan” analysiert das gigantische Firmenimperium von “MrBeast”, dem größten und erfolgreichsten YouTuber der Welt. Dessen extrem teure YouTube-Videos würden eigentlich massive Verluste einfahren, sollen jedoch als gigantische Marketingmaschine dienen. Mit seiner enormen Reichweite verkaufe “MrBeast” im Hintergrund äußerst profitabel eigene Konsumgüter wie Schokolade und Fertig-Snacks. Der neueste und lukrativste Coup könnte eine Finanz-App werden. Über diese könne der YouTuber seine überwiegend junge Zielgruppe künftig mit Krediten, Versicherungen und spekulativen Krypto-Produkten versorgen.

5. 80. Geburtstag der Zeit: Die Erfolgsstrategie der Wochenzeitung mit Podcasts und Politik
(omr.com, Philipp Westermeyer, Audio: 1:43:55 Stunden)
Anlässlich des 80. Geburtstags der “Zeit” erklärt Chefredakteur Jochen Wegner im Podcast-Gespräch mit Philipp Westermeyer, wie die “Zeit” trotz der allgemeinen Branchenkrise durch digitale Abos, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und reichweitenstarke TikTok-Formate kontinuierlich wachse. Ein zentraler Erfolgsfaktor sei die traditionelle Meinungsvielfalt des Blattes, das bewusst diametral unterschiedliche politische Standpunkte abbilde. Außerdem diskutieren die beiden über die bedenkliche Entwicklung des Tech-Milliardärs Elon Musk und die grundsätzliche Unvorhersehbarkeit der medialen Zukunft.

6. Studio Babelsberg: Europas ältestes Filmstudio von innen
(youtube.com, Clara Böhm, Video: 13:46 Minuten)
Studioleiter Eike Wolf führt durch das traditionsreiche Studio Babelsberg und präsentiert die enormen Dimensionen des ältesten Filmstudios der Welt. Das eröffnet exklusive Einblicke in Europas größten Requisiten- und Kostümfundus sowie in das kreative Art Department, in dem täuschend echte Kulissen für internationale Blockbuster wie “Matrix” oder “Grand Budapest Hotel” gebaut werden.

Ehrenlose Staaten, ARD muss Bericht korrigieren, Zulässiger “Pinocchio”

1. Ehrenlose Staaten
(taz.de, Christian Rath)
Der Bundesgerichtshof habe in einem Grundsatzurteil entschieden, dass ein Staat keine persönliche Ehre und keine Persönlichkeitsrechte besitze und daher nicht auf Unterlassung gegen Medienberichte klagen könne. Folglich sei Marokko mit seinen Klagen gegen die “Süddeutsche Zeitung” und “Zeit Online” gescheitert. Die Redaktionen hätten dem Land in ihrer Berichterstattung den mutmaßlichen Einsatz der Spionagesoftware Pegasus vorgeworfen.

2. Auch ARD korrigiert Bericht nachträglich und entschuldigt sich
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die ARD habe für einen Fehler im “Bericht aus Berlin” um Entschuldigung gebeten. Durch einen Zusammenschnitt von Aufnahmen des CDU-Parteitags sei fälschlicherweise der Eindruck erweckt worden, Angela Merkel habe nach der Wiederwahl von Friedrich Merz zum CDU-Parteichef im Saal applaudiert. Tatsächlich sei Merkel zum Zeitpunkt der Ergebnis-Bekanntgabe gar nicht mehr vor Ort gewesen. Der Sender habe den Beitrag in der Mediathek umgehend korrigiert und auf den zeitlichen Zuordnungsfehler des an sich authentischen Bildmaterials hingewiesen.

3. Staats­an­walt­schaft sieht “Pinoc­chio” als zuläs­sige Kritik an Merz
(lto.de)
Die Staatsanwaltschaft Heilbronn habe ein Ermittlungsverfahren gegen einen Facebook-Nutzer eingestellt, der Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Online-Kommentar als “Pinocchio” bezeichnet habe. Laut den Behörden handele es sich bei diesem Vergleich nicht um eine strafbare Beleidigung, sondern “um eine von der Meinungsfreiheit gedeckte und damit zulässige Machtkritik”.

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4. ZDF: Neue Regeln für Programmbeschwerden
(verdi.de, Volker Nünning)
Das ZDF habe seine Beschwerdeordnung novelliert, um mit strengeren Regularien auf die stark gestiegene Zahl von Programmbeschwerden und auf gezielte digitale Beschwerdekampagnen zu reagieren. Künftig müssten Eingaben an den Fernsehrat neun klare Kriterien erfüllen, darunter vollständige Kontaktdaten. Außerdem müssten “Beschwerden respektvoll und angemessen formuliert sein, insbesondere dürfen sie ‘keinen beleidigenden, erpresserischen oder nötigenden Charakter’ haben.”

5. So navigieren Verlage durch die kritische Phase
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Laut einer aktuellen Branchenumfrage befinde sich die Verlagslandschaft in einer kritischen Transformationsphase, in der ein kontrollierter Abschied vom schrumpfenden Printgeschäft durch wachsende Digitalerlöse abgefedert werden müsse. Parallel dazu steige der Konsolidierungsdruck. Viele Medienhäuser seien nach wie vor existenziell vom Traffic der großen Tech-Plattformen abhängig. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz werde zwar branchenweit als notwendig betrachtet, erfordere jedoch dringend neue Standards und EU-Regulierungen.

6. Britische Datenschützer verhängen Millionenstrafe gegen Reddit
(spiegel.de)
Die britische Datenschutzbehörde ICO habe eine Strafe von umgerechnet rund 16,5 Millionen Euro gegen Reddit verhängt. Die Plattform habe Minderjährige nicht ausreichend geschützt, da sie ihrer gesetzlichen Pflicht zur besonderen Absicherung von Kindern nicht nachgekommen sei. Laut ICO reiche eine einfache Selbstauskunft der Nutzerinnen und Nutzer nicht aus. Reddit habe Widerspruch gegen die Entscheidung angekündigt.

Wie umgehen mit Social Media?, Kuschelblatt, Satz für die Ewigkeit

1. Tolerieren, regulieren oder verbieten: Wie umgehen mit Social Media?
(wdr.de, Susan Link, Video: 57:13 Minuten)
Im “Presseclub” geht es um die Frage, ob nach australischem Vorbild ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren eingeführt werden soll, um junge Menschen vor Suchtgefahren zu schützen: “Wie gefährlich sind die sozialen Netzwerke für unsere Demokratie und welche Möglichkeiten gibt es, sich aus der Abhängigkeit der großen Tech-Konzerne in den USA und China zu lösen?” Es diskutieren Jakob Hanke Vela (Büroleiter des “Handelsblatt” in Brüssel), Laura Hertreiter (Feuilletonchefin der “Zeit”), Gavin Karlmeier (freier Journalist und Digitalexperte) sowie Katharina Nocun (freie Journalistin, Autorin und Podcasterin).
Weitere Lesetipps: Social-Media-Sucht: Wie Schwarz-Rot die Verantwortung auf Nutzer schiebt (volksverpetzer.de, Patrick Gensing). Bei netzpolitik.org hat Sebastian Meineck die allgemeine Stimmungslage zusammengefasst: So breit ist die Kritik am Social-Media-Verbot: “Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) findet ein Social-Media-Verbot bis 16 Jahre sympathisch. Viele Organisationen aus Kinderschutz, Wissenschaft und Pädagogik lehnen das Verbot allerdings ab – und warnen vor Schäden für Kinder und Jugendliche. Die Übersicht.” (netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
 Die Union ist sich bei dem Thema anscheinend nicht einig. Die CSU widerspreche ihrer großen Schwester: CSU stellt sich gegen Altersgrenze für Social Media (spiegel.de).

2. ZDF zieht New-York-Korrespondentin Nicola Abrecht ab
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das ZDF berufe seine New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht ab, da sie in einem Bericht für das “heute journal” ungekennzeichnete KI-Bilder und thematisch falsches Videomaterial verwendet habe. Chefredakteurin Bettina Schausten spreche von einem schweren Verstoß gegen interne Richtlinien. Dies habe die journalistische Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders massiv beschädigt.
Weiterer Lesetipp: Unterstützung habe Albrecht vom langjährigen “heute-journal”-Moderator Claus Kleber erhalten: “Es gilt, den Rücken breit zu machen und dafür zu sorgen, dass professionelle Journalisten furchtlos ihrer Arbeit weitermachen können. Wie Nicola Albrecht.” (dwdl.de, Uwe Mantel)

3. Kuschelblatt für klasse Leute
(taz.de, Anne Fromm & David Muschenich)
Der Verleger Holger Friedrich habe mit der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” (“OAZ”) eine neue Wochenzeitung auf den Markt gebracht, die gezielt ostdeutsche Identitätsgefühle und Befindlichkeiten bedienen wolle. Anne Fromm und David Muschenich haben sich die erste Ausgabe der “OAZ” angeschaut. Diese fokussiere sich auf das Narrativ einer angeblich bedrohten Meinungsfreiheit und falle durch unkritische Beiträge auf, darunter ein schmeichelhaftes Porträt des AfD-Chefs Tino Chrupalla sowie russlandfreundliche Forderungen.
Weiterer Lesetipp: Für t-online.de hat Medienexperte Volker Lilienthal die “Ostdeutsche Allgemeine Zeitung” rezensiert. Ihm ist neben vielem Großen auch eine in ihrer Widersprüchlichkeit bezeichnende Kleinigkeit aufgefallen: “Reden müssen wir noch über eine ganz merkwürdige Losung in kleiner Schrift auf Seite eins ganz unten: ‘Unabhängig. Mutig. Gewaltfrei.’ Was soll das? Wie könnte eine Zeitung je gewalttätig sein? Was wären ihre Instrumente? Oder sind die anderen gewalttätig, die ‘OAZ’ aber nicht? Im Impressum findet sich ganz unten noch ein Hinweis: ‘Unsere Waffe ist das Wort. Es kann, wenn nötig, geschliffen sein.’ Also doch nicht so ganz gewaltfrei?” (t-online.de, Volker Lilienthal)

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4. Von Trumps Gnaden
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Der US-Sender CBS beuge sich zunehmend dem politischen Druck der Trump-Administration. So habe man in vorauseilendem Gehorsam ein Interview des Satirikers Stephen Colbert zensiert. Zudem sei die Unabhängigkeit der Nachrichtenredaktion massiv eingeschränkt. Der neue, Trump-freundliche CBS-Eigentümer David Ellison baue den Sender ideologisch um und lasse kritische Berichte unterdrücken. Tomas Rudl hat die Entwicklung für netzpolitik.org zusammengefasst.

5. Nostalgie in Hof: Radiogeschichte zum 80. Jubiläum von RIAS Berlin
(radiowoche.de, Stephan Wunder)
Der 80. Geburtstag des Rundfunksenders RIAS sei vom offiziellen Nachfolgesender in Berlin weitgehend ignoriert worden, doch in der oberfränkischen Stadt Hof hätten sich über 120 ehemalige Hörerinnen und Hörer, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter zusammengefunden. Die Stadt Hof pflege eine besonders enge emotionale Verbindung zu dem Sender. Dieser habe über viele Jahre als “mediales Schaufenster” mit zahlreichen Live-Übertragungen fungiert.

6. Ein rätselhafter Todesfall – und ein erster Satz für die Ewigkeit
(spiegel.de, Hauke Goos)
Hauke Goos analysiert humorvoll eine kuriose Lokalnachricht aus dem Jahr 1979 über einen rätselhaften Todesfall. Dabei nimmt er die unbeholfenen, aber charmanten Phrasen des damaligen Reporters detailliert unter die Lupe, wie etwa den angesichts der Leiche “nicht schlecht staunenden” Briefträger. Am Ende feiert Goos diese eigenwillige Wortwahl als unfreiwillig komische Prosa-Miniatur und würdigt den kuriosen Einleitungssatz als Meisterwerk für die Ewigkeit.

KW 08/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie einsam ist die Arbeit als Auslandsreporterin?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 26:34 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast unterhält sich Holger Klein mit der “Spiegel”-Auslandsreporterin Alexandra Berlin: “Warum braucht es eigentlich Auslandsreporterinnen, wenn es doch Korrespondenten gibt? Wie bereitet sie sich auf ihre Reisen vor? Was entgegnet sie, wenn jemand sagt, sie mache Fallschirmjournalismus – sei also nur kurz vor Ort und reise dann wieder ab?”

2. Die Epstein-Überforderung – Medien am Limit und die Lehren daraus
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 36:03 Minuten)
Beim Deutschlandfunk analysieren die Journalistin Annelie Naumann und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen den medialen Umgang mit den sogenannten Epstein-Files. Obwohl die Dokumente das Potenzial hätten, Straftaten und komplexe Machtstrukturen aufzudecken, herrsche aktuell ein regelrechtes Informationschaos. Welche Lehren können aus dem Fall abgeleitet werden?

3. Hier spricht die KI – Aus für menschliche Synchronstimmen?
(sr.de, Katja Hackmann & Christoph Borgans, Audio: 19:57 Minuten)
Der Streamingdienst Netflix wolle sich das Recht einräumen lassen, Synchronstimmen für KI-Zwecke zu nutzen. Dies sorge in der Synchronbranche für Sorgen und Widerstand: “Ist das Handwerk der Synchronisation noch zu retten, wenn sich die Technik immer weiterentwickelt? Was kann die KI, was kann nur ein Mensch? Und brauchen wir neue Regeln für das Recht an der eigenen Stimme?”

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4. Der geklaute Animationsfilm: Wie zwei Berliner Filmstudenten einen Hochstapler in den USA stellen
(spotify.com, Christine van den Berg & Lars Petersen, Audio: 1:11:44 Stunden)
In der aktuellen Episode des Podcasts “Macht und Millionen” steht ein filmreifer Fall von Urheberrechtsdiebstahl im Fokus: Die Berliner Studenten Julius Drost und Moritz Henneberg seien Opfer des US-amerikanischen Hochstaplers Samuel Felinton geworden, der ihren Animationsfilm “Butty” als sein eigenes Werk ausgegeben und damit Festivalpreise abgeräumt habe. Gemeinsam mit Dokumentarfilmer Igor Plischke sprechen die Podcast-Hosts über die rechtlichen Hürden sowie die psychologischen Abgründe und Motive dieses bizarren Betrugs.
Der passende Gucktipp dazu: Die hinreißend umgesetzte Doku von Igor Plischke: Der talentierte Mr. F. (ardmediathek.de, Video: 1:17:25 Stunden).

5. Zukunftswerkstatt: Öffentlich-rechtliche Medien und gesellschaftlicher Dialog
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 42:17 Minuten)
Im “BredowCast” sprechen Magdalena Stratmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Medienregulierung am Hans-Bredow-Institut, und Zukunftsforscherin Rosa Berndt über die künftige Dialogfunktion öffentlich-rechtlicher Medien in einer digitalen Welt. Grundlage des Gesprächs ist eine Veranstaltung aus dem Herbst 2025, in der Strategien für den gesellschaftlichen Austausch in einer zunehmend fragmentierten Öffentlichkeit entwickelt wurden.

6. Wenn Biene Maja streamt – Kinderfernsehen im Umbruch
(br.de, Linus Lühring, Audio: 27:35 Minuten)
Linus Lüring spricht mit der Reporterin Alina Hanss über die Umstellung des Kinderkanals KiKA auf ein rein digitales Angebot ab 2033. Die jungen Experten Kai, Oskar und Simon berichten dabei direkt von ihren eigenen, veränderten Sehgewohnheiten. Ergänzend ordnet die Medienforscherin Saskia Weisser den heutigen Stellenwert des klassischen, linearen Fernsehens für Kinder ein.

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