Wie gestern bekannt wurde, ist der rassistische Geheimbund Ku-Klux-Klan auch in Nordrhein-Westfalen aktiv.
Darüber berichtet auch das Internetportal der WAZ-Gruppe, “Der Westen”:
Nun ist in den USA ja vieles denkbar. Aber dass Mitglieder des Klans dort im Fernsehen “auftreten” – und dabei … nun ja: tanzen – sollte doch zu Denken geben.
Die Bildbeschreibung bei AFP lautet dann auch entsprechend:
Mitglieder des Ku-Klux-Klan-Tanz-Ensembles proben für “Jerry Springer The Opera” im Sydney Opera House am 21. April 2009. Nach Erfolgen in London und New York eröffnet die erfolgreiche, preisgekrönte Produktion mit einer achtköpfigen Band und 21 Tänzern, die auf der Talkshow von Jerry Springer basiert, ihre australische Spielzeit vom 21. bis zum 26. April.
(Übersetzung von uns.)
Mit Dank an Johannes K. und Stefan M.
Nachtrag, 15.15 Uhr: Der “Westen” hat sich transparent korrigiert und das Foto ausgetauscht.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “100 Jahre Riepl’sches Gesetz” (journal21.ch, Urs Meier)
“Etliche Veränderungen in der Medienwelt” setzen das Rieplsche Gesetz ins Unrecht, findet Urs Meier, der sich mit dem 1913 erschienenen Werk “Das Nachrichtenwesen des Altertums” (digitalis.uni-koeln.de, PDF-Dateien) von Wolfgang Riepl beschäftigt. “So gibt es (ausser in folkloristischem Gebrauch) keine Boten und Ausrufer mehr, Telegraphen haben ausgedient, die frühen Online-Medien Videotex/Bildschirmtext/Minitel sind verschwunden. Die hoch gegriffene Bezeichnung ‘Gesetz’ ist eigentlich nicht zu halten.”
2. “Warum ich blogge” (blog.zeit.de/joerglau)
Als Blog-Betreiber ist man sehr exponiert, schreibt Jörg Lau. “Fehler, Meinungsumschwünge, Inkonsistenzen werden einem gnadenlos vorgehalten. Ist schon in Ordnung: Es schärft die Selbstwahrnehmung. Man muss sich dann öfter entscheiden, auch gegen den Mainstream bei einer Position zu bleiben. Oder aber einzuräumen, dass man sich getäuscht hat, oder von einem Eindruck aus der Kurve getragen wurde. Lernen auf offener Bühne ist schmerzhaft und greift die natürliche Eitelkeit an, ohne die sich niemand derart exponieren würde.”
5. “Hiddensee – Drohungen gegen Reporter” (ndr.de, Video, 5:18 Minuten)
Eine 16-jährige Journalistin einer Schülerzeitung wird telefonisch bedroht, nachdem sie ein Interview mit einem Bürgermeister veröffentlicht.
Der Suchmaschinenkonzern Google hat mehrere Listen der meistbenutzten Suchbegriffe des Jahres 2012 veröffentlicht.
Für Bild.de eine willkommene Gelegenheit, eine Klickstrecke mit den “häufigsten Suchanfragen 2012” zu bauen.
Mit dabei:
Bei der Beschriftung ist Bild.de leider ein kleiner Fehler unterlaufen, denn das Bild zeigt nicht “Xavier Naidoo, Boss Hoss, Nena und Rea (v.l.n.r.)”, sondern Max Giermann, Michael Müller & Peter Nottmeier, Susanne Pätzold und Michael Kessler (v.l.n.r.).
Oder anders: Das Foto zeigt nicht die Jury von “The Voice of Germany”, sondern die dazugehörige Parodie bei “Switch reloaded”, über die Bild.de im Oktober noch geschrieben hatte, sie sei “so genial, dass man sie kaum vom Original unterscheiden kann”.
Was damit bewiesen wäre. Und das nicht zum erstenMal.
Mit Dank an Marcel G.
Nachtrag, 16.24 Uhr: Bild.de hat das Foto der falschen Jury gegen eines der echten ausgetauscht.
Wenn Bild.de über die Porno-Plattform YouPorn berichtet, ist immer ein gewisser Elternstolz dabei. Denn es waren die Redakteure des Schmuddelportals, die YouPorn kurz nach Gründung so eindringlich beschrieben, dass die Server der Schmuddelseite für mehrere Tage nicht erreichbar waren.
Und so überrascht es nicht, dass die Bild.de-Redakteure etwas aus dem Häuschen sind, nachdem der Betreiber von YouPorn und zahlreichen weiteren pornografischen Webseiten wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung verhaftet wurde. So schreiben sie:
Es stimmt zwar, dass die “Financial Times Deutschland” vom Betreiber im Oktober diese Zahl erfahren hatte — eine Zahl, die man dem Unternehmer glauben kann oder auch nicht. Der Vergleich mit Wikipedia ist jedoch offensichtlich falsch, wie man ohne weiteres in den öffentlichen Zugriffsstatistiken der Wikipedia nachschlagen kann: Selbst ohne Mobilnutzer kommt die Enzyklopädie auf 16,9 Milliarden Pageviews pro Monat und schlägt damit knapp die angeblichen Abrufszahlen des Porno-Netzwerks.
Doch nicht genug der Superlative. Im Infokasten behauptet Bild.de:
Das mag sich gut anhören, mehr aber auch nicht. YouPorn ist noch nicht einmal die populärste Porno-Webseite im Firmenverbund des YouPorn-Betreibers. Zu dem gehört nämlich zum Beispiel auch die Plattform Pornhub, die beim Statistik-Dienstleister Alexa.com auf Platz 70 geführt wird. YouPorn kommt hier gerade einmal auf Platz 104.
Jetzt wird es für die Bild.de-Redakteure richtig schwer, ihre Statistik-Erektion zu verbergen:
Mehr Bandbreite als alle anderen Internetseiten zusammen? Dies wäre nun wirklich ein enormer Vorsprung. Und es ist enormer Blödsinn. Eine Billion (sic!) Bytes sind gerade einmal ein Terabyte — ein lächerlicher Wert, der YouPorn nicht Mal einen Platz unter den 1.000 trafficreichsten Seiten sichern würde. Laut einer Schätzung der Seite ExtremeTech kam YouPorn bereits im April 2012 auf 950 Terabyte pro Tag — also knapp eine Billiarde Bytes. Und selbst das reichte nicht für Platz 1 auf der Traffic-Rangliste der Porno-Seiten.
Größe ist halt doch nicht alles.
Mit Dank an Karsten H., Nils V., Jörn H. und Alex.
Update 20:23 Uhr: In der ersten Version des Artikels haben wir den vollen Namen des Verhafteten Betreibers von YouPorn genannt. Wir haben ihn nun entfernt.
Wenn Sie in den letzten Tagen im Internet unterwegs waren, kennen Sie dieses Video vermutlich schon:
Auch bei Bild.de stellten sie ihren Lesern das “witzige Web-Video” schon am Freitag vor.
Und schrieben dazu:
“Now the tables have turnt” – Die Vorzeichen haben sich geändert
Das ist die Botschaft eines viralen Videos passend zur Weihnachtszeit. Schwarze Musiker singen darin im Chor einen Charity-Song wie einst Michael Jackson, Springsteen & Co. bei Band Aid mit ihrem “Heal the World”.
Na ja, fast. Bei “Band Aid”, dem ersten Benefiz-Projekt dieser Art, hatten 1984 überwiegend britische Musiker den Song “Do They Know It’s Christmas?” aufgenommen. “Michael Jackson, Springsteen & Co.” waren aber nicht dabei, sie sangen 1985 bei “USA for Africa” mit. Und ihr Song war auch nicht (Michael Jacksons Solo-Hit) “Heal the World”, sondern “We Are The World”.
Andererseits sind sie bei Bild.de ja nicht mal in der Lage, die Untertitel des Videos korrekt abzutippen:
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1. “Weltuntergang 2012: Ein Leitfaden für Journalisten” (scienceblogs.de, Florian Freistetter)
Im Vorfeld des 21. Dezembers 2012 will Florian Freistetter als “kleinen Service für die Journalisten” einiges klarstellen: “Der Maya-Kalender endet nicht! Es gibt keine Maya-Prophezeiung! Es gibt keine besondere Konstellation am Himmel! Wissenschaftler haben keine Katastrophen vorhergesagt! 2012 ist kein besonderes Jahr! Wir müssen nicht abwarten!”
2. “Roma, Romands, Rätoromanen” (blog.persoenlich.com, Alex Baur)
“Weltwoche”-Redakteur Alex Baur stellt fest, dass verschiedene wegen Rassismusverdacht angestrengte Strafverfahren von den Medien größer vermeldet werden als deren Einstellung. “Das Muster ist immer dasselbe: Die Übung erschöpft sich im grossartigen Verkünden der Strafanzeige und der Eröffnung einer Untersuchung, die später irgendwann stillschweigend eingestellt wird.”
3. “Politisch und gefühlsecht sollt ihr sein” (welt.de, Marc Reichwein)
Marc Reichwein liest die Zeitschrift “The Germans”: “Schon seit einigen Jahren wandert die Gefühlsduseligkeit des Fernsehens immer stärker auch in die Printmedien ein, die sich einstmals ausschließlich rational gaben. Selbst eine Wochenzeitung wie die ‘Zeit’ gestaltet seit einigen Jahren emotional kuschelige Titelseiten à la ‘Bücher gegen die Kälte’.”
4. “Anatomy Of A Hoax” (anatomyofahoax.tumblr.com, englisch)
Das Hochladen einiger Bilder, auf denen vorgeblich das neue Sony Nexus X zu sehen sein soll, löst über 500 Berichte aus. “Not sure who fired the first shot, but after the post on XperiaBlog was published, dozens of articles popped up within 15 minutes time. Many of these outlets did the right thing and alluded to the possibility that the images were fake.”
5. “Der ‘Du-darfst-nicht’-Antirassismus” (taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel findet, die Nichtnennung der Herkunft von Tätern habe sich zu “einem Verschleierungsinstrument verselbstständigt; zu einer Ansammlung von ‘Du-darfst-nicht’-Sätzen, die die Glaubwürdigkeit von Medien erschüttern, aber jede Erkenntnis verhindern. (…) Besser: Man sagt, wie es ist.”
Am Donnerstagabend fand im New Yorker Waldorf Astoria Hotel das “Alfred E. Smith Memorial Foundation Dinner” statt, bei dem Spenden für die katholische Kirche gesammelt werden und in Wahljahren die Bewerber für das Amt des US-Präsidenten mit humorvollen Reden aufeinandertreffen.
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) – und mit ihr zahlreiche deutschsprachige Online-Medien – schreibt:
Bei dem Abendessen waren unter anderem die ehemaligen Außenminister Henry Kissinger und Cyrus Vance dabei.
Das hätte den feierlichen Rahmen dann womöglich doch etwas gesprengt, denn Cyrus Vance ist seit zehn Jahren tot. Anwesend war sein Sohn gleichen Namens (offiziell mit angehängtem “Jr.”), der aber kein “ehemaliger Außenminister” ist, sondern Staatsanwalt.
Mit Dank an Norman J.
Nachtrag, 15.45 Uhr: dpa hat die beiden fehlerhaften Meldungen berichtigt:
Im letzten Absatz heißt es richtig: … und der New Yorker Bezirksstaatsanwalt (nicht Ex-Außenminister) Cyrus Vance. Er ist der Sohn des 2002 gestorbenen US-Außenministers.
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1. “Nachgeplapperte Lügen” (spiegel.de, Stefan Niggemeier)
Der vom Vorwurf der “schweren Vergewaltigung und der gefährlichen Körperverletzung” freigesprocheneJörg Kachelmann und seine Frau Miriam zu Gast bei “Günther Jauch”: “Dass jemand bis zum Beweis des Gegenteils als unschuldig zu gelten hat und dass der Beweis der Schuld im Fall Kachelmann in keiner Weise erbracht wurde, das erschien in der Sendung wie eine weltfremde Absonderlichkeit von Juristen, ohne lebenspraktische Relevanz.” Siehe dazu auch “Freispruch aufgehoben” (taz.de, Ulrike Winkelmann). Die ARD und die Produktionsfirma “weisen die Kritik von sich”.
2. “Wir nennen Menschen nicht ‘Monster'” (horizont.net, Roland Pimpl) Peter Huth, Chefredakteur der Boulevardzeitung “B.Z.”, im Interview: “Wir bei der ‘B.Z.’ behandeln die Objekte unserer Berichterstattung – und das sind in erster Linie Menschen – mit großer Empathie. Wir fühlen mehr mit den Opfern, als dass wir uns über Täter ereifern oder Taten darstellen, ob es sich nun um Verbrechen handelt oder um soziale Themen, etwa Mieterhöhungen. Und ganz grundsätzlich nennen wir Menschen nicht ‘Monster’, auch Mörder nicht.”
4. “FAZ und Bund der ‘Steuerzahler’: Mit Zahlentricks gegen Steinbrück und gegen höhere Steuern” (annotazioni.de, Patrick Schreiner)
Patrick Schreiner bemängelt “unterschiedliche Skalen/Maßstäbe” im FAS-Artikel “So teuer wird es mit Steinbrück”: “Korrigiert man diese Darstellung und verwendet eine einheitliche Skala, wie es seriös wäre, so wird deutlich, wen die Steinbrückschen Steuerpläne wirklich treffen würden. Es ist vor allem Person 4 – und damit ein Mitglied jener kleinen Bevölkerungsgruppe, die über genug Einkommen und Vermögen verfügt, um finanziell deutlich mehr zum Gemeinwesen beizutragen.”
5. “Der größte Marketing-Stunt aller Zeiten” (georgholzer.at)
Georg Holzer listet auf, wie viele Medien der “Marketing-Aktion” von Felix Baumgartner höchste Aufmerksamkeit zumessen: “Auch aus Mangel an anderen großen Themen brachten 13 von 14 Blätter den Sprung auf ihr Titelblatt, lediglich das Wirtschaftsblatt hatte Baumgartner nicht auf der Einser. Durch den späten Sprung sprachen hier womöglich produktionstechnische Gründe dagegen.”
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1. “Warum Islamisten keine Pyramiden sprengen” (theeuropean.de, Martin Eiermann)
Martin Eiermann thematisiert eine Falschmeldung aus Ägypten: “Islamisten, so konnte man lesen, wollten die ägyptischen Pyramiden sprengen, diese heidnischen Monumente, genauso wie auch bereits die afghanischen Buddha-Statuen von den Taliban in die Luft geblasen wurden.”
2. “Schießen Sie nicht auf den Pappkameraden” (freitag.de, Matthias Dell und Marc Fabian Erdl)
Eine Untersuchung der Politischen Korrektheit: “Vor 1990 sucht man den Begriff ‘Politische Korrektheit’ in Pressedatenbanken vergeblich. Das Ergebnis ist: null. Im Laufe des Jahres 1990 ändert sich das, und Anfang der neunziger Jahre steigt die Verbreitung rasant, ‘PC’ ist der Darling der Debatten dieser Zeit. Der adjektivische Gebrauch ist schon etwas früher belegt, affirmiert wird die Wendung aber auch da nie.”
4. “How journalists can do a better job of correcting errors on social media” (poynter.org, Craig Silverman, englisch)
Craig Silverman erinnert an das Jahr 1972: “That’s the year The New York Times decided to start publishing all corrections on page A2, using the same style of language and headlines. That was a moment when a lot of American newspapers started to do the same, rather than scatter corrections throughout their editions. This helped standardize corrections.”
5. “‘Der Staat hat im Schlafzimmer nichts verloren'” (zeit.de, Jessica Braun)
Ein Interview mit Hugh Hefner, Gründer und Chefredakteur des Playboy: “Ich glaube, was Photoshop im Playboy angeht, herrscht eine falsche Wahrnehmung. Wir bearbeiten die Bilder für die US-Ausgabe nur sehr wenig – viel weniger zum Beispiel als Modemagazine oder Frauenzeitschriften es tun.”
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1. “Batman und der Massenmörder” (sonntagonline.ch, Marc Bodmer)
Bei der Berichterstattung zum Massenmord in Aurora, Colorado sind die Medien in der Zwickmühle zwischen Informationspflicht und Zurückhaltung. Die Berichterstattung ist gehalten, “weniger auf den Täter zu fokussieren als auf die Konsequenzen für die Opfer. (…) Auf die Darstellung von Details der Kleidung oder Bewaffnung sollte verzichtet werden, haben doch Präzedenzfälle der letzten Jahre gezeigt, dass spezifische Kleidungsstücke, Haarstile und Vorgehensweisen in späteren Taten imitiert werden.” Siehe dazu auch “How the media shouldn’t cover a mass murder” (newstatesman.com, Helen Lewis, englisch)
2. “Die Falschmeldung” (faz.net, Peter Sturm)
Am 21. Juli 1944 veröffentlichte die BBC gezielt eine Falschmeldung: “Greene wies also seine Redakteure an, die Hörer darüber zu ‘informieren’, dass ‘in Deutschland der Bürgerkrieg ausgebrochen’ sei. Das Selbstbewusstsein der Radiomacher im Londoner Funkhaus war also offenbar zu diesem Zeitpunkt groß genug, um sie hoffen zu lassen, mit dieser Falschmeldung eine nachhaltige Wirkung erzielen zu können. Gelungen ist die Operation jedenfalls nicht.”