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Bild.de, dpa  etc.

Die Sabberjournaille und der Sex von Reese Witherspoon

In vielen Medien ist heute vom neuen Kinofilm mit Reese Witherspoon zu lesen. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, der Zeitpunkt aber schon: Der Film startet hierzulande erst in vier Monaten, da ist es für Vorbesprechungen eigentlich noch viel zu früh.

Dass heute trotzdem schon intensiv darüber berichtet wird, liegt auch nicht am Film selbst, sondern an diesem Bild.de-Artikel von gestern Abend:

Darin heißt es:

Die brave Blondine rüttelt an ihrem Sweetheart-Image …

Reese Witherspoon (38) spricht im Interview mit der US-Zeitschrift „Vogue“ über ihren neuen Film „Wild“ (ab 5. Februar 2015 im Kino). Sie verrät, dass sie beim Dreh der Sexszenen auf echtem Sex bestand! (…)

Der Sex (…) war echt. „Ich wollte, dass es wahrhaftig und real ist“, sagt Witherspoon im „Vogue“-Interview.

Und das macht die Sache für die deutsche Sabberjournaille natürlich schon jetzt höchst interessant.

So dauerte es auch nicht lange, bis auch die dpa aufsprang und heute Morgen verkündete:

US-Schauspielerin Reese Witherspoon (38) wollte beim Dreh ihres neuen Films „Wild“ echten Leinwand-Sex und keine Schummelei. „Ich wollte, dass es wahrhaftig, dass es roh und dass es real ist“, sagte sie dem US-Magazin „Vogue“.

Inzwischen findet man die Story (mal im Newsticker, mal als redaktionell bearbeiteten Beitrag) unter anderem bei Stern.de, “Focus Online”, Welt.de, Tagesspiegel.de, “RP Online”, oe24.at, Bunte.de, den Online-Auftritten von n-tv, N24, der “Berliner Zeitung”, der “Passauer Neuen Presse”, den “Ruhrnachrichten”, des “Merkur”, des “Schwarzwälder Boten”, der “Intouch”, der “Augsburger Allgemeinen”, des “Kölner Stadt-Anzeigers” und der “Abendzeitung”.

Der Haken ist aber: Das stimmt alles gar nicht.

In dem “Vogue”-Interview, auf das sich Bild.de und die dpa berufen, sagt Witherspoon lediglich:

“I just didn’t want to hear, ‘Oh, we don’t want to see Reese have sex. . . . Oh, can we not have any profanity?’ ” says Witherspoon. “I wanted it to be truthful, I wanted it to be raw, I wanted it to be real.”

Das bedeutet aber keinesweg, dass sie echten Sex hatte. Es sollte nur auf der Leinwand echt wirken.

Allem Anschein nach wollte Witherspoon bloß ausdrücken, dass die Sexszenen in ihrer Härte und Deutlichkeit über das hinausgehen sollten, was sie bisher gemacht hat. Das wäre auch eine Erklärung dafür, warum ausschließlich deutschsprachige Medien über “echten Sex beim Filmdreh” schreiben. Englischsprachige Portale stürzen sich zwar auch auf das Zitat, aber nur, weil sie auf den Imagewechsel der Schauspielerin hinauswollen (“The girl next door is suddenly a girl gone Wild”). Von echtem Sex ist dort nicht mal ansatzweise die Rede.

Mit Dank an Björn S., Jonas G., Jan W., Markus, CL und Martin S.

Nachtrag, 15 Uhr: Die dpa hat schon vor Erscheinen unseres Eintrags eine korrigierte Version der Meldung verschickt, die inzwischen von stern.de, welt.de, pnp.de, ruhrnachrichten.de, schwarzwaelder-bote.de und merkur-online.de übernommen wurde. Die Online-Redaktion von n-tv.de hat (im Gegensatz zu den gerade genannten) auch darauf hingewiesen, dass sie ursprünglich falsch berichtet hatte. Bei allen anderen hat sich gar nichts getan.

Witwenschütteln, Computer Bild, Günther Oettinger

1. “Death knocks: the dark side of journalism”
(irishtimes.com, Anonymous, englisch)
Ein anonymer Autor erzählt von der im deutschen Sprachraum als Witwenschütteln bekannten Praxis des Belagerns von Angehörigen nach Unglücksfällen: “Welcome to the death knock, part of the secret life of a tabloid journalist. It’s a practice carried out by at least one Irish newspaper reporter every day of the week. After the death or serious injury of any Irish person, the same modus operandi applies in newsrooms across Dublin.”

2. “Bendgate: Computer Bild bekommt keine Testmuster mehr nach iPhone-6-Video”
(macnotes.de, Alexander Trust)
Alexander Trust kommentiert einen offenen Brief des Chefredakteurs von “Computer Bild” an den CEO von Apple. Die Firma will der Zeitung künftig weder Testgeräte zur Verfügung stellen noch an offizielle Anlässe einladen.

3. “Das Geld reicht nicht für alle”
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Nick Lüthi rechnet aus, wie viel ein festangestellter NZZ-Redakteur schreiben müsste, wenn er mit Honoraren bezahlt würde, die freie Mitarbeiter im Feuilleton erhalten (116 Euro für 6000 Zeichen).

4. “‘Journalisten scheinen sich förmlich im Schützengraben einzubuddeln'”
(heise.de/tp, Marcus Klöckner)
Ein Interview mit Max Uthoff und Claus von Wagner von “Die Anstalt”. Uthoff: “Die Leser werden es sich nicht auf Dauer gefallen lassen, bei Kritik oder abweichenden Meinungen wahlweise ignoriert oder denunziert zu werden.”

5. “Die Hölle, das sind die anderen”
(sueddeutsche.de, Anant Agarwala)
Anant Agarwala berichtet vom “Kotzhügel” am Oktoberfest: “Selfie-Jäger grasen den ganzen Hügel nach Beute ab, legen sich neben alles, was bewusstlos scheint, und grinsen in die Kamera.”

6. ” Günther Oettingers Netzkompetenz: Der Digitalkommissar und die Dummheit”
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Christian Stöcker befasst sich mit Aussagen des designierten EU-Kommissars für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger: “Oettingers Einlassung belegt nicht nur, dass er keine Ahnung von aktuellen Ereignissen und Zusammenhängen hat, die in den Kernbereich seines künftigen Ressorts fallen. Sie reflektiert auch eine Grundeinstellung, die sich in etwa so zusammenfassen ließe: Wer das Internet benutzt, ist selbst schuld.”

Parallelwelten, The Falling Man, Bud Spencer

1. “Dann nimmt man sie halt nackt”
(taz.de, Margarete Stokowski)
Eine Liste von Themen, welche “Focus”, “Spiegel” und “Stern” mit Bildern von (“ziemlich nackten”) Frauen illustrieren.

2. “Einspruch unerwünscht – wie sich die Mainstream-Medien von ihren Lesern entfremden”
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Jens Berger thematisiert, dass in den Kommentarbereichen von Zeitungsportalen “zum allergrößten Teil eine diametral andere Position” zu lesen ist als in den Artikeln: “Wenn sich Journalisten und ihre Leser in Parallelwelten befinden, ist der Konflikt vorprogrammiert. Solange die Medien ihre Leser und Zuschauer nicht wirklich ernst nehmen, wird sich an diesem Konflikt auch nichts ändern.”

3. “Prowestlich und antirussisch? ARD und ZDF wehren sich… “
(publixphere.de)
ARD und ZDF antworten auf den Vorwurf, “in der Ukraine-Krise schablonenhaft und einseitig zu berichten”: “Ein wenig Kritik lässt der WDR gelten. ‘Grundsätzlich gilt aus unserer Sicht aber auch, dass es natürlich begründete Kritik an unserer Berichterstattung gibt’, heißt es in der Stellungnahme. Gerade die Gewichtung zwischen den revolutionären Vorgängen auf dem Maidan und der Stimmung im Osten des Landes in der frühen Phase der Krise habe man selbst kritisch diskutiert.”

4. “‘Dieses Bild strahlt Ruhe aus'”
(faz.net, Alfons Kaiser)
Das Foto The Falling Man von Richard Drew: “Im neuen ‘9/11 Museum’ an dem Ort, an dem einst die Türme standen, sind in einem mit Warnhinweis versehenen Raum mehrere Fotos mit Fallenden zu sehen. Aber der ‘Falling Man’, wie das Bild bald genannt wurde, ist am eindrücklichsten, wegen der fallenden Linien, der kühlen Konstruktion, man muss fast sagen: wegen der Ästhetik. ‘Und aus noch einem Grund’, meint Richard Drew: ‘Es strahlt Ruhe aus. Es ist kein brutales Foto.’ Seine weiteren sieben oder acht Bilder von diesem Fall zeigen allerdings, dass der Mann wie all die anderen in unkontrollierten Bewegungen stürzte.”

5. “Falsche RTL.de-Meldung kursiert bei Facebook: Bud Spencer ist nicht tot!”
(rtl.de)
RTL distanziert sich von einer Nachricht, die auf Facebook den Tod von Bud Spencer meldet und sich dabei auf die Quelle RTL.de beruft.

6. “Ich weiß, was du, Heute, auf Wikipedia getan hast”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)

VG Media, Weltspiegel, Verschwörungstheorien

1. “Weshalb das Kartellamt die Google-Beschwerde der VG Media ablehnt”
(irights.info, Till Kreutzer)
Das Bundeskartellamt weist eine Beschwerde der VG Media gegen Google ab: “Die Entscheidung des Kartellamts ist ein deutlicher Rückschlag für die in der VG Media organisierten Presseverlage. Auch deshalb, weil das Bundeskartellamt sich im Schreiben nun seinerseits vorbehält, den Zusammenschluss der Verlage in der VG Media im Hinblick auf den EU-Binnenmarkt zu untersuchen.”

2. “Beckmann kann’s, der Weltspiegel nicht”
(tagesspiegel.de, Richard Weber)
Richard Weber schaut “Weltspiegel extra” zum Thema “IS-Terror”: “Der Beitrag dauert 15 Minuten. Dennoch gelingt ihm das Mirakel, alles, was wissenswert wäre – die Besonderheit des Jesidentums, der tödliche Hass zwischen Sunniten und Schiiten, die Finanzierung der Terrorgruppe – völlig unerklärt zu lassen. Nicht einmal die unterschiedlichen Bezeichnungen IS für ‘Islamischer Staat’ und ISIS für ‘Islamischer Staat im Irak und in Syrien’ werden aufgedröselt.”

3. “Ferguson: Die medialen Brandbeschleuniger”
(diepresse.com, Oliver Grimm)
Oliver Grimm berichtet über das Verhalten einiger Journalisten in Ferguson.

4. “Twitter: from free speech champion to selective censor?”
(theguardian.com, James Ball, englisch)
Was ist Twitter, Verleger oder Plattform? “Like many other major companies, Twitter has long insisted it is not a publisher but a platform. The distinction is an important one: publishers, such as the Guardian, bear a far greater degree of responsibility for what appears on their sites. By remaining a platform, Twitter is absolved of legal responsibility for most of the content of tweets. But by making what is in essence an editorial decision not to host a certain type of content, Twitter is rapidly blurring that line.”

5. “Muddis Pudding”
(wolfgangmichal.de)
“Traditionsunternehmen wie der Spiegel, der Suhrkamp Verlag oder die SPD” seien keine normalen Betriebe, glaubt Wolfgang Michal: “Sie fungieren als parteiische Anwälte, ja als treibende Kräfte des kulturellen und politischen Modernisierungswandels.”

6. “Was ist eine Verschwörungstheorie?”
(youtube.com, Video, 7:37 Minuten)

The Curious Case of John Doe

Mensch, dieser John Doe hat wirklich schon einiges erlebt.

Viele, viele Bücher hat er bereits geschrieben, ist in unzähligen Filmen und Serien aufgetreten, man hat Lieder über ihn komponiert und Kunstwerke nach ihm benannt.

Und jetzt auch noch das:

Der mittlerweile 25-jährige Brite John Doe verklagt [den Regisseur Bryan Singer und einen Produzenten] wegen sexuellen Missbrauchs. […] Doe war damals 14!

Die besten Freunde von John Doe — das erwähnt Bild.de nicht — sind übrigens Alan Smithee und Max Mustermann.

Mit Dank an Meik.

Die “Bild”-Theorie vom “Islam-Rabatt” (2)

Die Leute von “Bild” geben sich weiterhin Mühe, ihre QuatschTheorie vom “Islam-Rabatt” (BILDblog berichtete) aufrechtzuerhalten.

Heute benutzen sie dafür den Fall des verurteilten Mustafa Y., der vor einem Jahr seinen Nachbarn erschossen hatte und nun wegen Mordes für zwölf Jahre ins Gefängnis muss. Bild.de schreibt:

Eigentlich steht auf Mord eine lebenslange Haftstrafe, man sei bei dem Angeklagten aber von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen, sagte der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer.

“Der Ramadan setzte ihm körperlich zu, er war dehydriert, aber es kam zu keiner Bewusstseinseintrübung.” Er stellte aber klar: “Der Ramadan hatte nicht allein Einfluss auf seine verminderte Schuldfähigkeit. Mustafa Y. war auch psychisch und physisch instabil, litt unter Depression, Angstzuständen und Schlafstörungen.”

Und trotzdem titelt Bild.de:Wieder Islam-Rabatt für einen Mörder - Nachbar erschossen. Aber nur 12 Jahre Haft, weil er wegen Ramadan so hungrig und „körperlich angeschlagen“ war

Der Staatsanwalt hatte übrigens dreizehn Jahre gefordert.

Mit Dank an P. S., Thure und Manfred S.

Die “Bild”-Theorie vom “Islam-Rabatt”

Im Februar 2013 ist in Wiesbaden eine schwangere Frau von ihrem Ex-Freund niedergestochen worden. Die Frau und das ungeborene Kind starben, und der Mann musste sich vor Gericht verantworten. Vergangene Woche wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Eine “besondere Schwere der Schuld” erkannte das Landgericht aber nicht, damit besteht nach 15 Jahren die Chance auf Haftentlassung. Die Entscheidung begründete der Richter angeblich damit, dass der Täter, ein Deutsch-Afghane, sich “aufgrund seiner kulturellen und religiösen Herkunft in einer Zwangslage befunden” habe.

Und genau das ist für die Leute von “Bild” ein Skandal.

“Keine Scharia in Deutschland!”, schrie Bild.de-Chef Julian Reichelt, und seine Print-Kollegen fragten:

Straf-Rabatt wegen religiöser Herkunft?

Drei Tage später war das Fragezeichen plötzlich verschwunden:

Ausriss: "Bild am Sonntag" vom 30. März 2014

Da waren selbst hartgesottene Islamhasser beeindruckt. Das Hetz-Portal “Politically Incorrect” schrieb:

Ja was ist denn in die BILD am SONNTAG (BamS) gefahren? […] Gleich zwei mal packt das Springer-Blatt das heiße Thema Islam an – und zwar in einer Deutlichkeit, die es in sich hat.

Schon auf dem Titelblatt prangt die unmissverständliche Headline: “Islam-Rabatt für Jolins Mörder”. Ohne Fragezeichen!

(Der andere Islam-Artikel, über den sich “PI” mindestens genauso doll freut, ist ein “Bams”-Interview mit einem deutsch-türkischen Schriftsteller – Überschrift: “‘Islam gehört zu uns wie die Reeperbahn nach Mekka'”.)

Und ohne Fragezeichen geht es bei Bild.de auch heute weiter:

Der große Report - ISLAM-RABATT - So urteilen deutsche Gerichte

… obwohl es in der Print-Ausgabe noch da war:

Geben unsere Gerichte ISLAM-RABATT? - Jolins Mörder bekam wegen seiner Religion eine mildere Strafe. Kein Einzelfall!

Die Antwort auf die Frage ist für “Bild” natürlich eindeutig:

tatsächlich bekommen Angklagte immer wieder Islam-Rabatt!

Als Beleg listet “Bild” zahlreiche einige ein paar genau zwei Fälle auf. Einer davon ist Ayhan S., der 2005 seine Schwester erschossen hatte und “gerade mal zu neun Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt” wurde.

Der Richter: “Eine Mischung aus fest verankerten Vorstellungen von Familien-Ehre und eigenem Islam-Verständnis trieb ihn zur Tat.”

… schreibt “Bild”, lässt aber offen, was das mit welchem Rabatt auch immer zu tun haben soll.

Der zweite Fall besitzt sogar noch weniger Aussagekraft: Dort ist nicht mal das Urteil gesprochen worden.

Daneben führt die “Bild”-Zeitung noch eine Studie des Max-Planck-Instituts an, offenbar zur wissenschaftlichen Untermauerung ihrer “Rabatt”-Theorie. Die Untersuchung habe nämlich ergeben, schreibt “Bild”, dass sich der “kulturelle Hintergrund” der Täter in “12 Prozent der Fälle […] strafmildernd” ausgewirkt habe.

Die Macher der Studie selbst kommen jedoch zu einem völlig anderen Schluss, wie im aktuellen “Spiegel” zu lesen ist:

Deutsche Strafgerichte behandeln sogenannte Ehrenmörder nicht milder als andere Beziehungstäter, sondern sogar strenger. Das ergibt eine Studie des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg, die demnächst erscheint. Die Forscherin Julia Kasselt hat 78 Fälle zwischen 1996 und 2005 ausgewertet, bei denen die Täter Partner oder Verwandte wegen kultureller “Ehrencodices” angegriffen hatten. [..] Das Fazit der Forscherin: “Die Justiz gibt Ehrenmördern keinen ‘kulturellen Rabatt’.”

Egal. Für die “Bild”-Zeitung ist und bleibt die Sache ein Skandal. Und die ersten empörten Politiker-Zitate hat sie auch schon aufgetrieben, was bedeutet, dass spätestens jetzt auch andere Medien aufspringen:Nach Urteil gegen Isa S. - Politiker empört über "Islambonus" für Täter
(bz-berlin.de)

Politiker gegen «Islam-Rabatt» für Straftäter
(kath.net)

Nach Urteil gegen Deutsch-Afghanen - Keine Milde für „Ehrenmörder“ - Politiker lehnen „Islam-Rabatt“ für Straftäter ab
(“Focus Online”)

Anders gesagt: Politiker und Journalisten empören sich über etwas, das nach neuesten Erkenntnissen überhaupt nicht existiert, das von der “Bild”-Zeitung aber mühsam herbei- und von anderen Medien blindlings abgeschrieben wird. Und als Beleg dient ihnen ausgerechnet die Studie, die eigentlich das genaue Gegenteil aussagt, was sie aber verschweigen.

Über so viel Entgegenkommen kann man sich als Moslemhasser natürlich nur freuen. “Politically Incorrect” schreibt:

“Zum Regieren brauche ich BILD, BamS und Glotze”, sagte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zehn Jahren. Wenn die oben erwähnten Artikel eine intensive und schnörkellose Debatte über die Gefahren des Islam in Deutschland auslösen, könnte die BamS vom heutigen 30. März 2014 eine nicht zu unterschätzende Katalysator-Funktion gehabt haben.

Mit Dank an Werner H. und G.K.

Nachtrag, 8. April: Siehe auch hier, hier und hier.

Hardy Krüger, Günther Jauch, Pressetexte

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Eine sehr exklusive Meldung”
(effzeh.com, David Schmitz)
In der Kölner Ausgabe von “Bild” wird Schauspieler Hardy Krüger mit dem Satz “FC-Fans von Neonazis unterwandert” zitiert. Im Gespräch mit dem 1. FC Köln dementiert dessen Agent die zitierten Äußerungen.

2. “‘Die Regenbogenpresse schränkt meine Freiheit ein'”
(topfvollgold.de)
Ein Gespräch mit Günther Jauch, das aber nicht in voller Länge die Öffentlichkeit finden kann, weil es dann heissen würde, dass Jauch “ja selber sein Privates nach außen getragen” habe. “Und das vielleicht Traurigste an der Sache ist, dass sich Günther Jauch nicht einmal richtig darüber äußern kann, dass er sich nicht äußern kann.”

3. “Wie die Werbung vor 20 Uhr der Verjüngung des ZDF schadet”
(ulmen.tv, Peer Schader)
Der am häufigsten im ZDF-Vorabendprogramm fallende Satz lautet: “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker”: “Im Grunde sabotiert die politisch (noch) gewollte Erlaubnis, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Werbung laufen zu lassen, die Bestrebungen des ZDF, sein Hauptprogramm zu verjüngen. Und der einzige, dem das nützt, ist: die Pharmaindustrie.”

4. “European auditors point to errors but sign off EU’s accounts – some UK media decline to listen to what the auditors say”
(blogs.ec.europa.eu/ECintheUK, englisch)
“Newspapers throwing incorrect figures around to kindle public outrage”, stellt das Blog der European Commission Representation in the UK fest: “UK media – for example the Daily Mail, Daily Express and the Times – yet again reported that the European Court of Auditors (ECA) has not signed off the EU accounts. Some media -this time including the Daily Telegraph – claim that UK taxpayers will be liable to pay back GBP 800 million. Both statements are simply false.”

5. “Pressetexte? Nein, danke!”
(janoschtroehler.com)
Die viel diskutierte Verschmelzung von PR und Journalismus sei nirgendwo so weit fortgeschritten wie im Kulturbereich, schreibt Janosch Tröhler: “Dabei verlieren die Medien komplett die Distanz zur Veranstaltung selber. Irgendwann haben sie den Karren soweit in den Schlamm gefahren, dass sie jegliche Bewegungsfreiheit verloren haben.”

6. “lieber franz josef wagner”
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel schreibt an Franz Josef Wagner, der seinerseits an Edward Snowden geschrieben hatte.

Massenmedien, ZDF-Staatsvertrag, Thesen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Thesen zur Zukunft des Journalismus – Was bisher geschah”
(sebastian-langer.net)
Sebastian Langer zählt einige bisher veröffentlichte “Thesen zur Zukunft des Journalismus” zusammen: “Vorhang auf für insgesamt 273 Thesen.”

2. “Facebook zensiert Berichterstattung über MDR-Doku”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Der bei Facebook geteilte Artikel “‘Make Love’: Sex-Doku bringt MDR zum Höhepunkt” wird von Facebook entfernt.

3. “Are newspapers losing ‘mass media’ mojo?”
(newsosaur.blogspot.ch, Alan D. Mutter, englisch)
Sind Zeitungen noch Massenmedien? Alan D. Mutter hält fest: “With aggregate revenues this year likely to remain comfortably north of $20 billion, the newspaper industry remains a substantial business. But it is less than half as substantial as it was a scant seven years ago.”

4. “Google kann sich mit Springer schmücken”
(faz.net, Michael Hanfeld)
Axel Springer Media Impact verkündet “eine technologische Zusammenarbeit in der automatisierten Vermarktung digitaler Werbeflächen” mit Google. Michael Hanfeld schreibt dazu: “Die Verlage müssen sich fragen, ob sie ihre eigenen Marken nicht dem Verfall preisgeben. Nebenbei rätselt man natürlich auch, was Springer eigentlich mit dem Feldzug für das Leistungsschutzrecht für journalistische Inhalte wollte, bei dem alle anderen brav hinterhergetrottet sind.”

5. “Zu viele Freunde”
(sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Die Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen “ZDF-Staatsvertrag”: “40 Prozent der 77 Fernsehrats-Mitglieder sind direkt von Bund, Ländern oder Parteien benannt, hinzu kommen drei Vertreter der kommunalen Spitzenverbände – ein Quantum Staat, das beispielsweise zur Verhinderung eines Intendanten genügt. Auch bei der Auswahl der übrigen Mitglieder hat der Staat irgendwie die Finger drin: Die Vertreter der Verbände dürfen sich die Ministerpräsidenten aus einer von der jeweiligen Organisation vorgelegten Dreierliste aussuchen. Und wer für bestimmte gesellschaftlich relevante Bereiche steht, entscheiden die Landesregenten freihändig.”

6. “NSA files decoded – What the revelations mean for you”
(theguardian.com, englisch)

Paul Ronzheimer, News of the World, CNN

6 vor 9

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1. “Fast-Food-Wissenschaft”
(nzz.ch, Michael Furger)
Michael Furger widmet sich der “Fast-Food-Wissenschaft”: “‘Junge Biertrinker sind häufig Rauschtrinker’, wusste die Uni Zürich jüngst zu berichten. Wer hätte das gedacht?”

2. “How many men in Asia admit to rape?”
(bbc.co.uk, Ruth Alexander, englisch)
Die Studie “Why do some men use violence against women and how can we prevent it?” (unwomen-asiapacific.org, PDF-Datei) und welche Schlagzeilen sie ausgelöst hat.

3. “BILD-Reporter gehen dahin, wo es weh tut. Anderen weh tut”
(pantelouris.de)
“Bild”-Reporter Paul Ronzheimer weigert sich, mit Michalis Pantelouris zu diskutieren: “Er hat seine Teilnahme an der Veranstaltung wieder abgesagt, als er hörte, dass er mit mir diskutieren soll. Er würde zwar kommen, aber nur wenn jemand anderes da säße als ich.”

4. “Die Grenze zwischen Journalismus und Politaktivismus verschwimmt”
(diepresse.com, Michael Fleischhacker)
“Das Problem des aktivistischen Journalismus ist nicht seine jeweilige ideologische Ausrichtung”, schreibt Michael Fleischhacker, “sondern seine Tendenz zur Kampagne. Aktivisten sind nicht auf der Suche nach einem möglichst realistischen Bild der gegenwärtigen und/oder früheren Geschehnisse, sondern nach möglichst vielen Beweisen für ihre Anklage.”

5. “The front pages on Coulson and Brooks: spot the odd one out”
(newstatesman.com, englisch)
Rebekah Brooks und Andy Coulson von “News of the World” sollen ein Liebespaar gewesen sein, wie auf Zeit.de und den Titelseiten vieler britische Zeitungen zu lesen ist.

6. “Auweia #CNN! Erst #Ströbele nicht buchstabieren können und ihn dann zum #Außenminister machen!!!”
(twitter.com/SNiemannARD)

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