Suchergebnisse für ‘richtigstellung’

Falsche Falschmeldungsmeldung

Falschmeldungen gibt es natürlich nicht nur in “Bild”. Auch im “Spiegel” stand vor knapp drei Wochen eine “fehlerhafte Meldung”. Und im Anschluss daran wurde andernorts eifrig spekuliert und/oder dementiert, wie es dazu kommen konnte, dass der “Spiegel” ein geplantes Treffen prominenter Medienleute, Künstler und Schriftsteller im Kanzleramt vermeldet hatte, zu dem die genannten Personen offenbar z.T. noch gar nicht eingeladen waren. Klaus Staeck etwa sagte als einer der Betroffenen zur “taz”:

“Das ist für mich Schmierenjournalismus allerschlimmster Güte, wie ich ihn vom ‘Spiegel’ nie erwartet hätte, von der ‘Bild’-Zeitung schon.”

Nun ja. Aber auch “Bild” und Bild.de berichteten in der Rubrik “Berlin vertraulich”. Dort hieß es am 23. Juni zu der “vorzeitig publik” gewordenen Einladung:

“Im Kanzleramt wird nach dem Schuldigen gesucht.”

Anschließend zitierte “Bild” den Journalisten Heiko Gebhardt (laut “Bild” ein “Schröder-Freund” und “einer der Verdächtigen”) mit den Worten:

“Ich war’s nicht. Hab’ gar keine Zeit, muss hier ein Blatt machen.”

Mit anderen Worten: Nach der “Bild”-Lektüre hätte man den Eindruck haben können, Gebhardt würde insbesondere vom Kanzleramt verdächtigt, die Information über das vom Kanzleramt geplante Treffen an den “Spiegel” lanciert zu haben. Und sah es nicht auch ganz so aus, als habe die “Bild”-Zeitung Gebhardt auf einen solchen Verdacht angesprochen und Gebhardt sich wie zitiert geäußert?

Aber so war’s wohl nicht. Im Anschluss an eine Gegendarstellung Gebhardts heißt es (bislang nur auf Bild.de, nicht in “Bild”) in einer “Richtigstellung” der Redaktion:

“Der erweckte Eindruck, Herr Gebhardt würde insbesondere vom Kanzleramt verdächtigt, die Information über ein vom Kanzleramt geplantes Treffen an den Spiegel lanciert zu haben, ist falsch. Herr Gebhardt wurde auf einen solchen Verdacht von uns auch nicht angesprochen. entsprechen hat sich Herr Gebhardt auch nicht wie zitiert geäußert.”
(Hervorhebungen von uns, Tippfehler nicht.)

Nachtrag, 14.7.2005:
Inzwischen wurde auch der Fehler in der Richtigstellung richtiggestellt.

  

Schwarze Tage für “Bild”

10.6.2005
“Bild” muss eine Gegendarstellung des Carlsen-Verlags veröffentlichen.
“Bild” hatte unter ein frei erfundenes Buchcover geschrieben, so solle der 6. “Harry Potter”-Band aussehen.

10.6.2005
Giovanni di Lorenzo erwirkt eine Einstweilige Verfügung gegen “Bild”.
“Bild” hatte gegen den Willen di Lorenzos über dessen Privatleben berichtet.

9.6.2005
Bild.de muss eine Gegendarstellung von Sven Martinek veröffentlichen.
Bild.de hatte den Eindruck erweckt, Martinek hätte seit 8 Monaten seine Alimente nicht gezahlt.

7.6.2005
Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherheit erwirkt eine Einstweilige Verfügung gegen “Bild”.
“Bild” hatte durch ihre Berichterstattung den Eindruck erweckt, dass die Entscheidung, 126 Mitarbeiter zu befördern, mit Blick auf die anstehenden Neuwahlen getroffen worden sei.

13.5.2005
Bild.de muss eine Gegendarstellung von Claudia Roth veröffentlichen.
“Bild” und Bild.de hatten den Eindruck erweckt, es gäbe eine Kausalität zwischen Roths Beziehung zu Volker Schäfer und dessen Beauftragung durch das Bundesamt für Strahlenschutz.

10.2.2005
Bild.de muss eine Gegendarstellung von Matthias Reim veröffentlichen.
“Bild” hatte Behauptungen über Reim aufgestellt, die, wie die Redaktion selbst zugab, jeglicher Grundlage entbehrten.

23.12.2004
Bild.de muss eine Gegendarstellung/Richtigstellung von Nadeshda Brennicke veröffentlichen.
Bild.de hatte ein Foto von Brennicke veröffentlicht, das sie, wie die Redaktion selbst zugab, nicht nach ihrer Busen-OP zeigte.

28.10.2004
“Bild” muss eine Gegendarstellung von Oliver Pocher drucken.
“Bild” hatte, wie die Redaktion selbst zugab, den falschen Eindruck erweckt, Pocher würde aktuell einen Kinderschänder schützen.

13.7.2004
“Bild” druckt eine (zuvor schon bei Bild.de veröffentlichte) Richtigstellung zu Jürgen Trittin.
“Bild” hatte, wie die Redaktion selbst zugab, fälschlicherweise behauptet, es werde gegen Trittin wegen der nicht ordnungsgemäßen Entsorgung eines verseuchten Dachgebälks ermittelt.

14.6.2004
Bild.de muss eine Richtigstellung zu Jürgen Trittin veröffentlichen.
Bild.de hatte, wie die Redaktion selbst zugab, fälschlicherweise behauptet, es werde gegen Trittin wegen der nicht ordnungsgemäßen Entsorgung eines verseuchten Dachgebälks ermittelt.

28.5.2004
“Bild” muss eine Gegendarstellung von Jürgen Trittin veröffentlichen.
“Bild” hatte behauptet, es werde gegen Trittin wegen der nicht ordnungsgemäßen Entsorgung eines verseuchten Dachgebälks ermittelt.

(Nicht vollständig, wird aber fortlaufend aktualisiert.)

“Bild” mischt heimlich Diesel mit Benzin

Diese ziemlich dämliche Frage stellt “Bild” heute auf Seite eins:

Und auch davon abgesehen verwirrt der Text dazu ein wenig. Dort heißt es nämlich eingangs:

Die Mineralöl-Multis Aral, Shell und Total mischen heimlich Bio-Kraftstoff aus Raps und Weizen in ihren Sprit: Bei Diesel und Normalbenzin sind es bis zu 5 Prozent pro Liter!

Und etwas später wird dann ein Sprecher von Total zitiert:

“Wir haben erhebliche Qualitätsprobleme, da sich in den Transport- und Lagertanks Wasser absetzt.”

Da wundert man sich schon, dass sich Total so offen zur heimlichen Rapsöl-Beimischung bekennt. Außerdem fragt man sich, warum die überhaupt Rapsöl verwenden, wenn sie doch finden, dass es damit Probleme gibt. Und eine Antwort könnte diese Pressemitteilung von Total geben, die die Überschrift trägt, “Richtigstellung zu fehlerhaftem Bericht der BILD Zeitung”. Da steht u.a. dies hier:

An keiner der rund 1200 Tankstellen von TOTAL in Deutschland wird Benzin mit Ethanol-Beimischung verkauft. (…) Insofern ist das Zitat in der BILD Zeitung zwar formal richtig, aber im falschen Zusammenhang: Es ist die Begründung, weshalb TOTAL kein Ethanol beimischt.

Und wer will, mag sich auch noch diese Pressemitteilung des Mineralölwirtschaftsverbands durchlesen, oder diese des Deutschen Bauernverbands. In allen Mitteilungen kann man auch erfahren, dass die Mineralölgesellschaften gar keinen Hehl daraus machen, dass sie dem Diesel, anders als dem Ottokraftstoff, durchaus Bioethanol Biokomponenten beimischen.

Natürlich muss man das nicht glauben, aber immerhin ergibt es Sinn — im Gegensatz zum “Bild”-Artikel.

Mit Dank für die sachdienlichen Hinweise an Jan M. und Stefan.

Amokfahrt revisited

Heute berichtet die “Bild am Sonntag” über die Amokfahrt in Kassel, über die am Montag bereits Bild.de einen Artikel veröffentlicht hat.

“Bild” behauptet nun nicht mehr, der Amokfahrer habe sich den Weg freigeschossen (er war unbewaffnet). “Bild” behauptet nicht mehr, der Amokfahrer habe vor der Fahrt einer Frau eine Flasche auf dem Kopf zertrümmert (was auch nach letzten Informationen nicht sicher ist). Und “Bild” behauptet nicht mehr, die Polizei habe ihn mit einem Schuss in die Schulter gestoppt (eine Kugel traf den Kopf, wie andere Medien schon länger wussten).

Info: Amokfahrer schießt sich den Weg freiDer Artikel ist, de facto, eine Korrektur des Bild.de-Artikels vom Montag. Er enthält allerdings nicht das Wort “Korrektur” oder “Richtigstellung”, sondern, im Gegenteil, online sogar einen Link zu dem alten dreifach fehlerhaften Bild.de-Artikel mit seiner grotesk falschen Überschrift.

Nachtrag, 10.50 Uhr. Schon am frühen Sonntagmorgen surfen Bild.de-Mitarbeiter hier vorbei. Der “Info”-Link ist inzwischen entfernt worden.

Exklusiv in “Bild”: Alles wie gehabt

Wenn “Bild” falsche Informationen korrigiert, die zuvor exklusiv im eigenen Blatt standen — was schreibt “Bild” dann oben drüber?

Vielleicht:
Richtigstellung
(Vorschlag: Bildblog.de)

Oder:
Korrektur
(Vorschlag: Bildblog.de)

In der Mainzer Lokalausgabe von “Bild” hat man sich für folgende Überschrift entschieden:

Gott sei Dank! Lehmann bleibt Meenzer

Im Text steht:

“Eine Stadt atmet auf! Der Mainzer Kardinal Karl Lehmenn [sic!] geht nicht nach Rom. Er bleibt in Mainz. Auf einer Pressekonferenz stellte der Mainzer Oberhirte klar: ‘Ich habe mit niemandem über ein Amt in der Kurie gesprochen. Auch nicht mit dem Papst. Besonders geärgert hatte ihn der Hinweis, daß er sich gegenüber dem Papst-Angebot ‘Bedenkzeit’ ausgebeten habe.”

Dass der Grund für Lehmanns Ärger “BILD-Informationen” vom vergangenen Samstag waren, bleibt für “Bild”-Leser allerdings ein göttliches Geheimnis.

Allgemein  

Der falsche “Vergewaltiger”

Machen wir es kurz, denn wir wollen uns gar nicht lange ausmalen, was in einem vorgeht, wenn man plötzlich ein Foto von sich in der Zeitung entdeckt, das einen als mutmaßlichen Vergewaltiger zeigt:

Aber so stand es am 1. März in “Bild”. Und die Antwort auf die gestellte Frage könnte eindeutiger kaum ausfallen. Sie lautet: Nein! Der Mann auf dem Foto (das von uns zusätzlich verfremdet wurde, weil die von “Bild” vorgenommene Verfremdung uns etwas dürftig erschien) ist nicht der “Vergewaltiger aus der Jungfernheide”! Er ist auch nicht der “mutmaßliche Täter”, der per DNA-Test “überführt” wurde, wie “Bild” schrieb. Der abgebildete Mann hat überhaupt nichts mit den Vergewaltigungen, die laut “Bild” “immer gewalttätiger” wurden, zu tun. “Bild” hat vielmehr, und leider nicht zum ersten Mal, ein falsches Foto veröffentlicht, weshalb sie heute eine Richtigstellung abdrucken musste:

Bei der Veröffentlichung kam es bedauerlicherweise zu einer Fotoverwechslung. Das Bild zeigt nicht den mutmaßlichen Vergewaltiger. Wir entschuldigen uns bei dem fälschlicherweise abgebildeten Mann.

Und vielleicht sollte man sich bei “Bild” mal darüber Gedanken machen, ob es nicht möglich ist, solche “bedauerlichen Fotoverwechslungen” von vorne herein zu verhindern – zum Beispiel, indem man ein klitzekleines bisschen gewissenhafter arbeitet.

Allgemein  

Nachrichtenvergrößerung (Nachtrag)

Aus aktuellem Anlass möchten wir noch einmal kurz auf diese (hoppla, dann eben auf diese) “Erster TV-Star bereut Busen-OP”-Sache mit Nadeshda Brennicke zurückkommen, auch wenn wir dem nichts, aber auch gar nichts hinzuzufügen haben – außer vielleicht den folgenden Bild.de-Satz, mit dem Brennickes Gegendarstellung / Richtigstellung endet:

Die Redaktion stellt hierzu fest: Frau Brennicke hat Recht. Das Bild zeigt Frau Nadesha nicht nach ihrer Busen-OP.”

Denn darüber wird sich “Frau Nadesha” bestimmt freuen – zumal sie das Foto sehr wohl nach ihrer Busen-OP zeigt. (Der ARD-“Tatort”, aus dem das Bild stammt, wurde am 26.05.2002 erstausgestrahlt, während der Untergang der Kursk, dessenwegen Brennicke offenbar unmittelbar nach ihrer Busen-OP hatte weinen müssen, bekanntlich am 12. August 2000 stattfand.)

Naja, ist’s eben eher eine Falschstellung” geworden, was nicht verwundert: Schließlich hatte “die Redaktion” die Sache ja schon bei der ursprünglichen Bild.de-Veröffentlichung nicht begriffen.

Nicht nicht ordnungsgemäß

Jürgen Trittin hat, soviel steht inzwischen definitiv fest, kein “verseuchtes Dachgebälk” aus einer neu erworbenen Wohnung “nicht ordnungsgemäß entsorgt”, weshalb auch die “Umweltkripo” nicht gegen ihn ermittelt. Trittin war im Mai deswegen auch nie “Verlierer des Tages” in “Bild”. Merkwürdig also, dass das Blatt nach der Seite-1-Gegendarstellung von Trittin am 28. Mai nun noch einmal eine Richtigstellung auf Seite 2 druckt, die bei bild.t-online schon seit einem Monat online steht, oder?

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