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Richtigstellung: Julian Reichelt ist für uns keine Koryphäe

Am Montag hatten wir einen kleinen Auftritt bei der Republica. Gleich zu Beginn (ab Minute 1:39), zu dieser Folie …

Screenshot unserer Präsentation bei der Republica - darauf zu lesen: Einer kann heute leider nicht dabei sein

… sagte unser “6 vor 9”-Kurator Lorenz Meyer:

Der Abend beginnt für uns mit einer kleinen Enttäuschung. Wir haben eigentlich auf den dritten wichtigen Mann gewartet. Eine Koryphäe, eine Lichtgestalt des Journalismus. Er kann heute leider nicht dabei sein. Er ist in der Sophienstraße und hält einen wichtigen Vortrag.

Dazu erschien diese Folie:

Screenshot unserer Präsentation bei der Republica - darauf zu sehen: Eine Ankündigung der Schwarzkopf-Stiftung zu einer Veranstaltung mit Bild-Chef Julian Reichelt zum Thema Verantwortung im Journalismus

BILDblog-Leiter Moritz Tschermak sagte anschließend noch:

Das ist ziemlich schade, denn auf der Bühne mit Julian Reichelt zusammen zu sitzen — ich hatte einmal das Vergnügen — ist ein großes Erlebnis.

Heute Nacht erreichte uns dazu eine E-Mail von “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt. Ihm sei berichtet worden, dass wir bei unserem Auftritt bedauert hätten, “dass ich keine Zeit hatte, mit Ihnen auf der Bühne zu sitzen”, wir sollen “enttäuscht” gewesen sein. Reichelt: “Jetzt frage ich mich, ob mir da Ihre Einladung durchgerutscht ist oder ob Sie nur den Eindruck erweckt haben, ich hätte mich nicht zu Ihnen getraut. Sollte das der Fall sein, wäre ich zwar nicht überrascht, aber doch betrübt und würde um öffentliche Richtigstellung bitten.” In einer weiteren E-Mail schreibt Reichelt: “Ich habe mir das angesehen und finde, dass Sie hier eindeutig einen falschen Eindruck erwecken.”

BILDblog-Ombudsfrau Erna Belitz sagt dazu:

Der “Bild”-Chef hat Recht! Eine Einladung für den Termin bei der Republica wurde an Julian Reichelt nie ausgesprochen. Außerdem müssen noch weitere glasklar falsche Fakten richtiggestellt werden, die das BILDblog-Team bei der Republica verbreitet hat: Julian Reichelt ist keine Koryphäe und auch keine Lichtgestalt des Journalismus. Solch gravierende Fehler dürfen sich nicht wiederholen!

KI-generierte Nachrichten, “Saure Froschfresse”, Herausgabebeschluss

1. Hilfe, die KI-generierten Nachrichtenseiten sind da
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Wie Andrea Gutschi berichtet, dringen KI-generierte Nachrichtenseiten wie “Weltstimme” oder “Brandaktuell” mit erfundenen Redaktionsprofilen auf den österreichischen Medienmarkt. Ihre täglich Dutzenden Artikel würden fast vollständig auf Plagiaten realer Medien basieren, deren Texte automatisiert umgeschrieben und deren Fotos ohne Hinweis übernommen würden. Bei der werbefreien “Weltstimme” würden falsche Impressumsangaben und unbelegte Berichte zum Ukraine-Krieg auf russische Einflussnahme hindeuten.

2. Echt jetzt!? KI in den Nachrichten
(ndr.de, Lisa Beusch, Video: 14:19 Minuten)
Ein versehentlich ausgestrahltes KI-Video in der ZDF-Nachrichtensendung “heute journal” habe bei dem öffentlich-rechtlichen Sender eine schwere Krise ausgelöst und zeige, wie verletzlich Redaktionen mittlerweile seien. Gegenüber dem NDR-Medienmagazin “Zapp” räumt ARD-aktuell-Chefredakteur Marcus Bornheim ein, dass ein solches Durchrutschen von Fake-Material jede Redaktion treffen könne. “Zapp”-Reporterin Lisa Beusch ist der Frage nachgegangen, was für Schlüsse daraus zu ziehen sind.

3. “Letzte-Gene­ra­tion”-Beschluss ist trotz Sorge vor Straf­ver­fol­gung her­aus­zu­geben
(lto.de, Markus Sehl)
Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein habe entschieden, dass das Landgericht Flensburg eine wichtige Entscheidung über die Klimagruppe “Letzte Generation” veröffentlichen müsse. Das Landgericht habe befürchtet, dass sich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter strafbar machen könnten, weil das Gerichtsverfahren noch laufe und es ein Gesetz gebe, das die Veröffentlichung von Dokumenten aus laufenden Verfahren verbiete. Das Verwaltungsgericht habe zudem kritisiert, dass es Journalistinnen und Journalisten in Deutschland oft zu schwer gemacht werde, direkt aus Gerichtsunterlagen zu zitieren.

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4. Kriegsbilder in sozialen Medien lösen bei Jugendlichen Belastungssymptome aus
(deutschlandfunk.de)
Bilder und Videos von Krieg und Gewalt in Sozialen Medien würden bei vielen jungen Menschen psychische Belastungssymptome auslösen. Dies sei das Ergebnis einer Studie der Universität Regensburg, für die 2.000 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 21 Jahren befragt worden seien. Demnach hätten 93 Prozent der Befragten solche Inhalte bereits online gesehen. Ein Viertel von ihnen berichte über Vermeidungsverhalten, 15 Prozent über erhöhte Anspannung und zehn Prozent über Schlafprobleme. Die Studienautorinnen und -autoren würden deshalb fordern, die Medienkompetenz junger Menschen zu stärken und die Verbreitung von Gewaltdarstellungen auf Plattformen strenger zu regulieren.

5. ORF in der Krise: Der Fisch stinkt vom Kopf her
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der österreichische öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF befinde sich in der tiefsten Krise seiner Geschichte, wofür Medienberichten zufolge vor allem der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer verantwortlich gemacht werde. Bei “DWDL” kommentiert Timo Niemeier: “Heinz Lederer ist Teil des Problems. Das ist nach den vergangenen Wochen und Monaten allzu offensichtlich. Dass er trotz der für Österreich-Verhältnisse großen Kritik an seinem Sessel klebt und alles an ihm abperlt, passt aber irgendwie auf tragische Art und Weise. Denn auch das ist Österreich wie es leibt und lebt.”

6. »Berliner Zeitung« verliert gegen Böhmermann im Streit über »saure Froschfresse«
(spiegel.de)
Das Landgericht Köln habe der “Berliner Zeitung” per Versäumnisurteil untersagt, eine Falschbehauptung über den Satiriker Jan Böhmermann zu verbreiten. Das Blatt habe fälschlicherweise berichtet, Böhmermann habe in seinem Podcast “Fest und Flauschig” den Journalisten Ulf Poschardt als “saure Froschfresse” bezeichnet. Tatsächlich stamme die Äußerung jedoch von Böhmermanns Kollegen Olli Schulz, der damit Poschardts Mimik in einer Debatte mit der Journalistin Melanie Amann beschrieben habe. Da die “Berliner Zeitung” keinen Einspruch eingelegt habe, habe sie ihren Artikel um eine Richtigstellung ergänzen und an Böhmermann rund 600 Euro zahlen müssen.

Trump vs. BBC, AfD-Aussteiger Ahrens, “Servicemagazin”

1. Einlenken oder dagegenhalten?
(tagesschau.de, Gabi Biesinger)
Nach dem Rücktritt der gesamten Führungsspitze wegen einer irreführend geschnittenen Dokumentation über Donald Trump stecke die BBC in einer tiefen Krise. US-Präsident Trump drohe dem Sender nun mit einer Milliardenklage. Bis morgen Abend müsse zudem eine Richtigstellung und eine persönliche Entschuldigung erfolgen.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Die BBC sieht gerade nicht aus wie die würdigste Verteidigerin der Pressefreiheit. Deshalb hat sie etwas gutzumachen. Also nicht zahlen, liebe BBC, nicht einknicken. Um sich und allen anderen zu zeigen: Wir lassen uns nicht einschüchtern.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:18 Minuten)


2. So plante Erik Ahrens die TikTok-Strategie der AfD
(ndr.de, Tom Fugmann, Video: 26:16 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” beschäftigt sich mit Erik Ahrens, dem ehemaligen digitalen Vordenker der AfD und selbsternannten Aussteiger aus der rechtsextremen Szene. Der Beitrag zeigt Ahrens’ widersprüchlichen Weg vom linken Aktivisten zum rechtsextremen Strippenzieher, der AfD-Politiker Maximilian Krah auf TikTok groß gemacht habe. Ob es sich bei Erik Ahrens’ jüngster Wandlung um echte Reue, Selbstinszenierung oder Wichtigtuerei handele, bleibe jedoch offen.

3. Welche Rolle spielt Brandenburg?
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
In Brandenburg finde in wenigen Tagen die entscheidende Abstimmung über den Reformstaatsvertrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks statt. Der Vertrag, der bereits von den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten beschlossen wurde, sehe Einschnitte bei Programmen und strengere Regeln, zum Beispiel bei der “Presseähnlichkeit”, vor, müsse aber von allen 16 Landtagen bestätigt werden. “taz”-Redakteurin Ann-Kathrin Leclère hat die wichtigsten Fragen und Antworten dazu zusammengestellt.

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4. “Autofocus” – Wie das Werbeformat einer Industrielobby zum “Servicemagazin” im ORF wurde
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr kritisiert das ORF-Format “Autofocus” als getarnte PR-Sendung für die österreichische Automobilindustrie. Die Sendung, die als “Servicemagazin” bezeichnet werde, sei ursprünglich von der Autolobby initiiert und finanziert worden. Kirchmeyr belegt mit Beispielen, wie “Autofocus” kritiklos die Interessen der Industrie bedient.

5. Fokus auf die Timelines – Dokumentarfilm und Internetkultur
(54books.de, Lennart Rettler)
Der Autor Lennart Rettler lobt aktuelle deutsche Dokumentarfilme wie “Lord of the Toys”, “Goldhammer” und “Soldaten des Lichts” dafür, dass sie die Mechanismen und Abgründe der Internetkultur präzise abbilden. Die Filme würden auf einordnende Experten verzichten. Stattdessen würden sie auf reine Beobachtung setzen und zeigen, wie ihre problematischen Protagonisten (YouTuber, Influencer, Reichsbürger) rassistische oder verschwörungsideologische Inhalte als Geschäftsmodell nutzen.

6. Reality-TV: Von wegen Unterschichtenfernsehen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Entgegen dem weit verbreiteten Mythos des “Unterschichtenfernsehens” seien Reality-TV-Formate längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und würden alle Bildungsschichten erreichen. Daten der AGF Videoforschung sollen zeigen, dass das Publikum der Top-10-Reality-Shows im Schnitt sogar einen höheren Bildungsabschluss habe. Sender wie RTL würden betonen, dass sich diese Formate vom “Guilty Pleasure” zum “Talk of Town” gewandelt hätten, weil sie Eskapismus, soziale Erlebnisse und Diskussionsstoff bieten.

Tausende Euro für Auskunft, Problematische Nähe, Wallraff

1. Wirtschaftsministerium will Tausende Euro für Lobby-Unterlagen zu Katherina Reiche
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche habe in diesem Sommer mehrere Lobbyakteure getroffen, darunter Vertreter ihres früheren Arbeitgebers, dem Verband kommunaler Unternehmen. Die Gesprächsinhalte seien nicht offengelegt worden. Die Plattform “abgeordnetenwatch” habe “auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) Einsicht in die Unterlagen zu den acht Terminen beantragt”. Doch Reiches Ministerium habe mit bis zu 4.000 Euro Gebühren gedroht, indem es den Antrag in acht Teile aufgeteilt habe. Kritiker würden darauf verweisen, dass solche abschreckenden Gebühren vom Bundesverwaltungsgericht bereits 2016 für rechtswidrig erklärt worden seien.

2. Portal von Reichelt und Gotthardt: Was ist “Nius” – und was wird den Machern vorgeworfen?
(tagesspiegel.de, Sven Lemkemeyer)
Beim “Tagesspiegel” geht es noch einmal um das rechtsgerichtete Krawallportal “Nius”. Dem von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und Geldgeber Frank Gotthardt betriebenen Portal werde vorgeworfen, rechtspopulistische Inhalte zu verbreiten, Fakten zu verzerren und als Sprachrohr der Partei “Werteunion” um den früheren Chef des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen zu dienen. Laut dem Medienwissenschaftler Markus Linden überschreite “Nius” gezielt Grenzen und nutze Praktiken der Desinformation.

3. Die problematische Nähe zwischen Kultur und Journalismus in Österreich
(kobuk.at, Philipp Wohltmann)
Bei “Kobuk” macht Philipp Wohltmann auf einen Missstand in der österreichischen Presselandschaft aufmerksam: “In der Kulturberichterstattung von Standard und Presse verschwimmen die Grenzen zwischen Werbung und Redaktion. Dieselben Autor:innen bewerben Kulturveranstaltungen in bezahlten Anzeigen – und rezensieren diese danach im redaktionellen Kulturteil.”

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4. Solidarität mit inhaftierten Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) und mehrere Exilmedien starten eine Postkartenkampagne für die in Aserbaidschan inhaftierte Journalistin Sevinj Vagifgizi, der selbst an heißen Tagen im Gefängnis ein Ventilator verweigert werde. Die Aktion soll auf unmenschliche Haftbedingungen und die zunehmende Repression gegen unabhängige Medien in Aserbaidschan aufmerksam machen. RSF fordert internationalen Druck, damit inhaftierte Medienschaffende freigelassen werden und um die Unterdrückung kritischer Stimmen zu beenden.

5. “Team Wallraff”: RTL muss nichts öffentlich richtigstellen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Hanseatische Oberlandesgericht habe im Streit zwischen den MK-Kliniken und RTL über eine acht Jahre alte Ausgabe von “Team Wallraff” überwiegend zugunsten des Senders entschieden. Eine öffentliche Richtigstellung müsse RTL demnach nicht veröffentlichen, da viele der von den MK-Kliniken kritisierten Passagen als zulässige Meinungsäußerungen oder wahre Tatsachen gewertet worden seien.

6. Lachende Fliegen und kippelnde Beine. Zum Ende der täglichen gedruckten taz
(czyslansky.net, Michael Kausch)
Michael Kausch erinnert in seiner persönlichen Glosse daran, wie sehr gedruckte Tageszeitungen einst zu seinem Alltag gehörten: vom Sportteil in der Kindheit bis zum eigenen Abo im Studium. Er blickt nostalgisch auf die Rolle der “taz” und anderer Blätter zurück, die es bald vorwiegend digital geben wird: “Mit wird etwas fehlen. Ich will gar nicht daran denken.”

KW 17/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Warum ist der Tod des Papstes so ein Medienspektakel?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:35 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Moderator Holger Klein mit der Journalistin Christiane Florin darüber, warum der Tod von Papst Franziskus trotz der seit Jahren sinkenden Relevanz der Kirche zu einem großen Medienspektakel wurde. Florin erklärt, dass die katholische Kirche meisterhaft Inszenierungen beherrsche, kritische Themen wie Missbrauch in der Berichterstattung jedoch oft untergehen würden. Darüber hinaus erörtern die beiden, warum religiöse Themen journalistisch anspruchsvoll sind und wie gute, kritische Religionsberichterstattung aussehen kann.

2. Politikpodcasts – Trend oder nur Strohfeuer?
(br.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 29:04 Minuten)
Jonathan Schulenburg unterhält sich bei “BR24 Medien” mit Jasmin Brock, Moderatorin des BR-Politikpodcasts „Die Entscheidung“, über den aktuellen Boom politischer Podcasts, der besonders rund um die Bundestagswahl zu beobachten war. Gemeinsam reflektieren sie, ob dieser Trend nachhaltig ist oder nur kurzfristig durch das politische Großereignis befeuert wurde. Außerdem diskutiert Schulenburg mit Constanze Kainz, Ressortleiterin Podcast bei „Zeit Online“, über das Erfolgsrezept der populären Politikformate und deren Konkurrenzfähigkeit zu erfolgreichen Genres wie True Crime.

3. “Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine Bringschuld”
(youtube.com, Markus Trantow, Video: 43:41 Minuten)
Im „turi2“-Videointerview kritisiert Zeitverlag-Chef Rainer Esser, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) eine Bringschuld gegenüber den Qualitätsmedien habe und mehr Initiative bei der Zusammenarbeit mit den Verlagen zeigen müsse. Esser fordert außerdem einen Umbau des ÖRR, um interne Strukturen abzubauen, statt höhere Gebühren zu fordern oder das Angebot zu reduzieren. Außerdem betont er die Bedeutung der Sozialen Medien für die “Zeit” und deren Rolle als Gegengewicht zu populistischen Kräften.

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4. 2. Gothaer Mediengespräch
(youtube.com, Oscar am Freitag-TV, Video: 1:11:10 Stunden und 1:19:23 Stunden)
Beim 2. Gothaer Mediengespräch berichtet der Journalist Sergej Lochthofen im Dialog mit Yvonne Backhaus-Arnold („Hanauer Anzeiger“) und Maik Schulz („Oscar am Freitag TV – Gothaer Lokalfernsehen“) von seinen Erinnerungen an die Transformation der ehemaligen SED-Zeitung “Das Volk” in die “Thüringer Allgemeine”. Weiterer Gucktipp: Der zweite Teil des Gesprächs mit Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, dem MDR-Journalisten Lars Sänger, dem Altenburger Lokal-TV-Macher Mike Langer, dem Funke-Politikjournalisten Fabian Klaus sowie Sebastian Scholz, dem Geschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbands Thüringen.

5. Das neue “KLAR”-Format & Richtigstellung der BILD im Fall Judy S
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 40:04 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin „Töne, Texte, Bilder“ geht es unter anderem um die kritische Auseinandersetzung mit Medienpraktiken und deren gesellschaftlichen Auswirkungen, beispielsweise im neuen öffentlich-rechtlichen TV-Format “KLAR”, das kontroverse Debatten ausgelöst habe und den Migrationsdiskurs negativ beeinflussen könnte. Außerdem werden Fälle von medialer Falschberichterstattung wie etwa bei der “Bild”-Zeitung aufgegriffen. Auf dieser Grundlage wird diskutiert, wie Betroffene gegen Diffamierungen im Internet vorgehen können.

6. YouTube-Stars, die (noch) kaum jemand kennt
(youtube.com, Annette Zinkant, Video: 58:57 Minuten)
In den vergangenen 20 Jahren sind immer mehr Menschen zu begeisterten Youtubern und Youtuberinnen geworden. Die WDR-Doku von Annette Zinkant begleitet verschiedene Menschen, darunter Rudi, der nach dem Verlust seiner Frau in seinem Gartenkanal Halt findet, Birgit, deren Dohle Gunna das Familienleben unterhaltsam bereichert, und die Freunde Raje und Besard, die davon träumen, mit ihrem humorvollen Podcast eines Tages Geld zu verdienen.

Rekordentschädigung, Gefahr von innen, Von Finnland lernen

1. Hier läuft etwas schief
(taz.de, Dirk Knipphals)
Wie Dirk Knipphals in der “taz” schreibt, komme die größte Gefahr für die öffentlich-rechtlichen Sender nicht von außen, sondern von innen. Intendanz und Leitungsebenen würden zunehmend rechte Narrative aufgreifen und journalistische Qualität zugunsten von populistischen Formaten und gefälligen Botschaften zurückstellen. Statt die Gesellschaft zusammenzuhalten, wie es ihr Auftrag wäre, könnten ARD und ZDF ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Knipphals’ Fazit: “Was ihre Legitimation tatsächlich bedroht, ist nicht das bröckelnde ‘für alle’, sondern der Zynismus eines populistischen Programms.”

2. Wie rechtspopulistisch will die ARD eigentlich noch werden?
(stern.de, Stephan Maus)
Stephan Maus kritisiert in seinem Meinungsbeitrag, dass die ARD zunehmend rechtspopulistischen Tendenzen Raum gebe, indem sie TV-Persönlichkeiten wie Dieter Hallervorden, Dieter Nuhr oder Serdar Somuncu Sendezeit einräume. Statt Haltung gegen Hassrede und populistische Narrative zu zeigen, versuche der Sender offenbar, sich gegen den Vorwurf der woken Einseitigkeit abzusichern, und verliere dabei seinen demokratischen Auftrag aus den Augen. Auf diese Weise, warnt Maus, entwickle sich die ARD von einer Brandmauer der Demokratie zu einem Brandbeschleuniger.

3. Rekordentschädigung für Berliner Polizistin
(tagesspiegel.de, Alexander Fröhlich)
Die “Bild”-Redaktion habe in ihrer Berichterstattung eine Berliner Polizistin mit erfundenen und falschen Vorwürfen diffamiert, was zu einer Richtigstellung und einer Rekordentschädigung in Höhe von 150.000 Euro geführt habe. Die Artikel hätten der Frau zu Unrecht sexuellen Missbrauch unter Drogeneinfluss vorgeworfen. Die “Bild”-Zeitung habe die Fehler öffentlich eingeräumt, um Entschuldigung gebeten und eine Richtigstellung prominent auf der Titelseite veröffentlicht.

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4. Alarmismus: “Heute” missbraucht Kindergarten-Studie
(kobuk.at, Jakob Klawatsch)
Wie Jakob Klawatsch bei “Kobuk” berichtet, stelle die österreichische Zeitung “Heute” unbelegte Behauptungen über den Sprachverlust deutschsprachiger Kinder in Kindergärten auf und berufe sich dabei in irreführender Weise auf eine Studie. Diese habe jedoch keine Sprachtests durchgeführt, sondern lediglich Einschätzungen von Kindergartenleitungen eingeholt. Laut einem der Studienautoren zeige die Untersuchung vor allem, dass das Bildungsniveau der Eltern für die Sprachentwicklung entscheidend sei. Ein tatsächlicher Sprachverlust sei nicht belegt.

5. Medienkompetenz: Von Finnland lernen
(verdi.de, Sarah Schaefer)
Desinformation stelle in Deutschland ein wachsendes Problem dar, dem viele Menschen mangels Medienkompetenz kaum gewachsen seien. Als Vorbild im Umgang mit “Fake News” gelte Finnland, wo die Schulung der Medienkompetenz bereits früh im Bildungssystem verankert sei und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werde. Dies führe zu einem hohen Vertrauen der Bevölkerung in Staat, Medien und Bildung, was Menschen widerstandsfähiger gegen Desinformation mache.

6. Das hatte sich Google anders vorgestellt
(zeit.de)
Wie Pauline Schinkels bei “Zeit Online” schreibt, drohe neben Meta auch Google in den USA juristisches Ungemach. Das US-Justizministerium fordere, dass der Konzern seinen Browser Chrome verkauft, was einer Zerschlagung gleichkäme. Obwohl die Techkonzerne auf Rückendeckung durch die wirtschaftsfreundliche Trump-Regierung gehofft hätten, setze diese die Verfahren weiter fort – offenbar weil führende Republikaner dem Silicon Valley weiterhin misstrauen.

Googles Attraktivitätstest, Detox für Debatten, Politikerinszenierung

1. Google-Test schränkt journalistische Inhalte ein
(reporter-ohne-grenzen.de)
Google testet in neun EU-Ländern, journalistische Inhalte aus seinen Suchergebnissen auszuschließen, um die Auswirkungen auf die Attraktivität der eigenen Marke zu untersuchen. Der Versuch betrifft etwa 2,6 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Organisationen wie Reporter ohne Grenzen kritisieren den Test als Bedrohung für die finanzielle Nachhaltigkeit der europäischen Medien und für die demokratische Informationsfreiheit. Sie fordern Google auf, das Experiment sofort zu beenden, da es den Zugang der Bürgerinnen und Bürger zu unabhängigen journalistischen Informationen gefährde.

2. Detox für Debatten
(kontextwochenzeitung.de, Jürgen Lessat)
Jürgen Lessat hat mit dem Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider über den Umgang mit Desinformation in Wahlsendungen und die Herausforderungen bei der Richtigstellung von Falschaussagen gesprochen. Brettschneider betont die Bedeutung von Echtzeit-Faktenchecks, gut vorbereiteter Redaktionen und eines methodischen Umgangs mit Desinformation, sieht aber die praktische Umsetzung in Live-Sendungen als schwierig an.

3. Wir decken Systemfehler auf: Ein Interview mit Investigativjournalistin Jelena Cosic
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Im Interview mit Johanna Mack spricht Jelena Cosic, Investigativjournalistin und Ausbildungsleiterin beim International Consortium for Investigative Journalists, über ihre Arbeit bei großen globalen Rechercheprojekten wie den Pandora Papers und den FinCEN Files. Cosic erklärt, wie grenzüberschreitende Recherchen systematische Missstände aufdecken und Verbindungen zwischen globalen Akteuren sichtbar machen können. Außerdem betont sie die Bedeutung von Teamarbeit, Sicherheit und investigativen Fähigkeiten sowie die Notwendigkeit, angehende Journalistinnen und Journalisten in diesen Disziplinen auszubilden.

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4. SZ-Streik macht sich bemerkbar
(verdi.de, Berit Kruse & Lea Weinmann)
Wie das Verdi-Medienmagazin “M” berichtet, streikt die Redaktion der “Süddeutschen Zeitung” für bessere Gehälter, fairere Bedingungen für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger sowie eine Beteiligung an Effizienzerlösen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der Arbeitskampf führe zu gravierenden Einschränkungen in der Berichterstattung und mache die schwierige finanzielle Lage des Berufs, besonders für junge Journalistinnen und Journalisten, deutlich.

5. Was, wenn uns die Realität nicht mehr reicht?
(journalist.de, Richard Gutjahr)
Beim “journalist” beschreibt Richard Gutjahr, wie technologische Entwicklungen wie Smartbrillen und KI unsere Wahrnehmung der Realität verändern und zunehmend eine Verschmelzung von digitaler und physischer Welt ermöglichen. Er warnt vor den gesellschaftlichen Folgen, wenn Tech-Konzerne die Kontrolle über persönliche Daten und Wahrnehmungen übernehmen, und stellt die Frage, ob in einer solchen Zukunft eine gemeinsame Realität noch möglich ist.

6. Bundestagswahl: So inszenieren sich die Politiker
(ndr.de, Mirko Drotschmann, Video: 18:40 Minuten)
“Die Politikerinnen und Politiker nutzen kurz vor der anstehenden Bundestagswahl jede Möglichkeit, um sich in Szene zu setzen. Wem gelingt’s am besten?” Darüber hat das Medienmagazin “Zapp” mit der Porträtfotografin Anne Hufnagl und dem Kommunikationsberater Hendrik Wieduwilt gesprochen: “Auf welche Bildsprache setzen die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten von SPD, CDU und Co.? Wer hat das Spiel mit den Bildern verstanden, wer langweilt seine Zuschauer?”

Springer wird aufgespalten, Herbe Niederlage, Befeuerter Nicht-Skandal

1. Medienkonzern Axel Springer wird aufgespalten
(tagesschau.de)
Der Axel-Springer-Konzern teilt sein Geschäft auf: Der Medienbereich (unter anderem “Bild”, “Welt”, “Politico”) bleibe unter vollständiger Kontrolle von Mathias Döpfner und der Familie Springer. Das lukrativere Kleinanzeigengeschäft (unter anderem “Stepstone”, Immobilienportale) werde als eigenständiges Joint Venture mit Mehrheitsbeteiligung der Investoren von KKR und CPP Investments geführt. Die Pläne stünden jedoch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.
Weiterer Lesetipp mit Informationen zu den Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Springer-Führungsspitze: Springer kündigt nach Aufspaltung Umbau der Unternehmensführung an (turi2.de, Björn Czieslik).

2. Wie (soziale) Medien einen Nicht-Skandal befeuern
(dwdl.de, Alexander Krei)
“Seit Tagen wird ein Mann mit Hassnachrichten überschüttet, nachdem er die AfD in der ARD-Show ‘Die 100’ als ‘Wolf im Schafspelz’ bezeichnete. Dabei ist der auch von seriösen Medien verbreitete Vorwurf, er sei für den Auftritt bezahlt worden, völlig aus der Luft gegriffen.” Alexander Krei ist dem Fall nachgegangen und hat mit dem Betroffenen gesprochen.

3. Wahlberichterstattung: Tierschutzpartei gewinnt gegen RBB
(msn.com, Jochen Zenthöfer)
Jochen Zenthöfer nennt es eine “herbe Niederlage für den RBB”: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg habe entschieden, dass der öffentlich-rechtliche Sender nicht in seiner Rundfunkfreiheit verletzt sei, wenn er die Wahlergebnisse kleinerer Parteien wie der Tierschutzpartei gesondert nenne. Der RBB habe einen diesbezüglichen Rechtsstreit verloren und müsse die Kosten beider Instanzen tragen. Der Beschluss des Gerichts sei unanfechtbar.

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4. Peinlich: “WELT”-Chef teilt gefälschte ÖRR-Grafik
(volksverpetzer.de)
“Welt”-Chefredakteur Ulf Poschardt habe laut “Volksverpetzer” bei X/Twitter eine gefälschte Grafik geteilt, die vermeintlich die ideologische Ausrichtung von Gästen des ARD-“Presseclubs” zeige. Dabei sei die Grafik bereits zuvor als Manipulation entlarvt worden. Sie basiere auf einer Studie, die zeige, dass die öffentlich-rechtlichen Sender genauso ausgewogen berichten wie andere Medien, sei aber vom “ÖRR Blog” bewusst verfälscht worden. Poschardt habe den Tweet nach Kritik kommentarlos gelöscht, ohne eine Richtigstellung zu veröffentlichen, was sein problematisches Verhältnis zu Fakten unterstreiche, so der “Volksverpetzer”.

5. Mangel an Vielfalt? Die deutschen Medien und die Migration
(ardaudiothek.de, Marie-Christine Werner, Audio: 44:32 Minuten)
Bilden Medien das Thema Einwanderungspolitik angemessen ab? Wie kann man sprachlich berichten, ohne Klischees zu bedienen? Und wie gelingt es, mehr Menschen mit Migrationsgeschichte in die Redaktionen zu bekommen? Darüber spricht Marie-Christine Werner mit Karim Fereidooni von der Ruhr-Universität Bochum, Kai Gniffke, Intendant des Südwestrundfunks, und der Kommunikationswissenschaftlerin Nadja Zaboura.

6. Luxuskonzern LVMH verbietet Beschäftigten offenbar Kontakt zu Medien
(spiegel.de)
Bernard Arnault, Chef des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH, habe seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Kontakt zu bestimmten Medien strikt untersagt, wie aus einem veröffentlichten Dokument hervorgehe. Verstöße gegen das Redeverbot, das unter anderem für “Mediapart” und “Le Canard enchaîné” gelte, würden als schweres Fehlverhalten gewertet und mit Konsequenzen wie Entlassung geahndet.

“Bild” lässt Olaf Scholz Erholungsgärten plattmachen

Was kaum jemand weiß …

Was kaum jemand weiß: Auch Erholungsgärten werden hier plattgemacht, damit das Kanzleramt größer wird.

Das berichtete die Berlin-Ausgabe der “Bild”-Zeitung am vergangenen Dienstag. Plattmach-Überschrift:

Ausriss Bild-Zeitung - Weil der Kanzler mehr Platz braucht - 200 Garagen und Gärten werden plattgemacht

Das Bundeskanzleramt wird kräftig erweitert. Die Bauarbeiten laufen, Flächen in Berlin-Mitte werden dadurch versiegelt. Dieser ökologische Eingriff muss nach dem Bundesnaturschutzgesetz andernorts ausgeglichen werden, in diesem Fall im rund 14 Kilometer entfernten Berliner Ortsteil Karlshorst. Das erklärt auch die “Bild”-Autorin:

Der gesetzlich vorgeschriebene Grün-Ausgleich für die Mega-Baustelle wird woanders vollzogen.

Klingt wegen der Entfernung merkwürdig, ist aber bei vielen Bauprojekten so.

Doch jetzt wird es laut “Bild”-Artikel “absurd”:

Absurd: Für das neue Grün muss altes Grün weg.

Ein Biotop, das als Ausgleich in Karlshorst angelegt werden soll, soll laut “Bild” auf einer Fläche entstehen, auf der sich aktuell noch “Erholungsgärten” von Nachbarn befinden: “Ende des Jahres müssen sie ihre gepachteten Paradiese räumen”, schreibt “Bild”. Oder eben knackig zusammengefasst:

Was kaum jemand weiß: Auch Erholungsgärten werden hier plattgemacht, damit das Kanzleramt größer wird.

Dass das “kaum jemand weiß”, dürfte vor allem daran liegen, dass es nicht stimmt.

In der Tat müssen die Kleingärtner ihre Anlagen zum Ende des Jahres räumen, wie zum Beispiel der “Berliner Kurier” berichtet. Aber das hat nichts mit der Erweiterung des Bundeskanzleramts zu tun, sondern mit einem davon völlig unabhängigen, größeren Wohnungsbau in Karlshorst.

Und so musste die “Bild”-Redaktion am Mittwoch eine Richtigstellung veröffentlichen:

Ausriss Bild-Zeitung - Richtigstellung - Im Zusammenhang mit Öko-Ausgleichsflächen in Karlshorst für die Erweiterung des Kanzleramts müssen 197 Garagen weichen - aber nicht Erholungsgärten wie BILD berichtete. Eine Regierungssprecherin: Die erwähnten Erholungsgärten befinden sich nicht auf Grundstücken des Bundes und müssen so nicht zu Ausgleichszwecken geräumt werden. Dies ist richtig.

Und damit zu den 197 Garagen. Die sollen tatsächlich abgerissen werden, und das hat auch tatsächlich mit dem Biotop zu tun, das in Karlshorst als Ausgleich für die Erweiterung des Bundeskanzleramts entstehen soll. Doch die Darstellung des Sachverhalts in den “Bild”-Medien ist etwas unvollständig. Schon der reportagige Einstieg wirft mehr Fragen auf als er beantwortet:

So wie das Ehepaar Monika (80) und Wolfgang (83) [S.]. Weil Olaf Scholz mehr Platz braucht, weil das Bundeskanzleramt im Bezirk Mitte erweitert wird, fehlt ihnen in Karlshorst bald die Garage für ihren kleinen roten Renault. Wie geht denn das?

BILD trifft Rentner Wolfgang [S.] (83), als er gerade seinen Renault in eine enge Parklücke zwängt – geschafft!

“Wie geht denn das?”, fragen wir uns auch: Den beiden wird laut “Bild”-Darstellung “bald” die Garage fehlen, aber sie “zwängen” sich und ihren roten Renault schon jetzt “in eine enge Parklücke”? Die Lösung zu diesem Rätsel gibt es nicht bei “Bild”, dafür aber in einer recht aktuellen Antwort (PDF) des Berliner Abgeordnetenhauses auf eine Anfrage der Abgeordneten Lilia Usik von der CDU:

Frage 3:
Gibt es bereits Garagen, die leer stehen? Falls ja, wie viele und seit wann?

Antwort zu 3:
Die Garagen sind seit dem 31.08.2022 geräumt.

“Bild” kommt mit dieser Geschichte also gerade mal zwei Jahre zu spät und spricht einfach von “bald”. Bereits im Juli 2021 hat die “Berliner Zeitung” über die Garagen in Karlshorst berichtet, im Dezember 2021 der “Tagesspiegel”. Die Garagen haben es sogar in ein FAQ der Bundesregierung geschafft, laut “Internet Archive” mindestens seit April 2022.

Das alles macht das Reinzwängen in Parklücken nicht angenehmer, aber die “Bild”-Story noch fragwürdiger.

Zumal sich die Redaktion regelrecht abmüht, den sicherlich ärgerlichen Wegfall der Garagen direkt Olaf Scholz zuzuschreiben. Es ist für ein Boulevardblatt ja auch eine verlockende Erzählung: Der mächtige Kanzler, der in seinem bald noch größeren Riesenbau sitzt und die kleinen Garagen der kleinen Leute, die diese teils schon zu DDR-Zeiten genutzt haben, “plattmacht”.

Nun könnte eine Redaktion ihrer Leserschaft natürlich erklären, dass Olaf Scholz seit Dezember 2021 Bundeskanzler ist, die Überlegung, das Kanzleramt zu erweitern, allerdings schon im Januar 2019 präsentiert wurde, und der Planungsbeginn 2020 war. Oder dass die Fertigstellung für 2028 geplant ist, und dass zumindest nach aktuellen Umfragewerten nicht viel dafür spricht, dass Olaf Scholz dann noch im Bundeskanzleramt sitzt. Oder wenigstens, dass es nicht Olaf Scholz ist, der durch Berlin fährt und nach geeigneten Ausgleichsflächen sucht, sondern die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dieser Suche betraut ist.

Die “Bild”-Redaktion hat auf all diese Informationen verzichtet und stattdessen diese – nennen wir es mal – Zuspitzung für die Bild.de-Startseite gewählt:

Screenshot Bild.de - Der Kanzler braucht mehr Platz - Wegen Scholz haben wir keine Garage mehr
(Jegliche Unkenntlichmachungen von Namen und Fotos in diesem Beitrag stammen von uns. Das Rentner-Ehepaar soll hier nicht zur Schau gestellt werden.)

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Kunstkritik und Hundekot, Reichelt muss nachliefern, Väterrechtler

1. Dürfen Medien Leute, die Nazi-Parolen singen, an den Pranger stellen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 28:40 Minuten)
Seit einigen Tagen kursieren im Internet Videoaufnahmen von feiernden, jungen Menschen auf Sylt, die fremdenfeindliche Parolen skandieren und teilweise einen verkappten Hitlergruß zeigen. Diese Aufnahmen oder Teile davon wurden in Medien vielfach unverpixelt gezeigt, so dass die Identität der Beteiligten und deren persönlicher Hintergrund ermittelt und publiziert werden konnte. Holger Klein hat den Juristen Felix Damm gefragt: “Ist das in Ordnung? Dürfen Medien Menschen, die so eine Parole öffentlich skandieren, dann auch öffentlich vorführen? Wo verlaufen die Grenzen? Und können die Betroffenen womöglich Persönlichkeitsrechte geltend machen, also juristisch gegen Medien vorgehen?” Damm hält einen großen Teil der Veröffentlichungen für “gravierend rechtsverletzend”.

2. Reichelt verdonnert: Gericht fordert nach Lüge neues Video
(t-online.de, Lars Wienand)
Der ehemalige “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt hat falsche Behauptungen über die Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline verbreitet und muss nun auf Anordnung des Berliner Kammergerichts ein Richtigstellungsvideo auf seinem Kanal veröffentlichen. Das Gericht habe ein Zwangsgeld in Höhe von 5.000 Euro verhängt, weil Reichelt eine frühere gerichtliche Entscheidung missachtet habe, und drohe mit weiteren Strafen, falls er nicht nachbessert. Lars Wienand kommentiert bei t-online.de: “Das sture Verhalten von Julian Reichelt trägt dazu bei, dass die Vorgaben für Gegendarstellungen bei YouTube-Videos klarer werden.”

3. Wie “Stern” auf Väterrechtler-Propaganda hereinfiel
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Beim “Volksverpetzer” kritisiert Matthias Meisner eine Titelgeschichte des “Stern” über Trennungskinder. Der Beitrag stelle einseitig die Perspektive von Väterrechtlern dar, insbesondere durch den Psychologen Stefan Rücker, der den umstrittenen Begriff der “Eltern-Kind-Entfremdung” propagiere. Der “Stern”-Artikel überbetone die negativen Folgen von Trennungen und ignoriere den Gewaltaspekt, was zu einer verzerrten Darstellung beitrage.

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4. Immer mehr Internetsperren weltweit
(netzpolitik.org, Nora Nemitz)
Wie Nora Nemitz bei netzpolitik.org berichtet, zeigt der “KeepItOn”-Bericht (PDF), dass es im Jahr 2023 weltweit mindestens 283 Internetsperren in 39 Ländern gab, oft während Konflikten oder politischer Instabilität. Die meisten Sperrungen habe es – zum sechsten Mal in Folge – in Indien gegeben. Marginalisierte Gruppen wie die LGBTQ+-Gemeinschaft seien besonders betroffen, da die Sperren oft auf ihre Kommunikationsplattformen abzielen.

5. Wie uns Russland in die Netzwerke funkt
(zeit.de, Pauline Schinkels)
Pauline Schinkels berichtet von russischen Desinformationskampagnen in Sozialen Netzwerken. Dort würden gefälschte Inhalte verbreitet, die seriösen deutschen Medien ähneln. In der sogenannten “Doppelgänger-Kampagne” seien beispielsweise gefälschte Tweets und Artikel prominent genutzt worden, um Verwirrung zu stiften und Misstrauen zu säen. Es sei zu befürchten, dass diese Aktionen insbesondere im Wahljahr 2024 darauf abzielen, politische Wahlen in Deutschland und Europa zu beeinflussen.

6. Wie das Kunstsystem sich das Kunsturteil vom Hals schafft
(faz.net, Johannes Franzen)
Johannes Franzen schreibt in der “FAZ” über den Fall des Choreografen Marco Goecke, der eine Ballettkritikerin mit Hundekot attackiert hatte und anderthalb Jahre später zum Ballettdirektor in Basel ernannt wurde. Der Fall mache den Statusverlust der Kritik deutlich, so Franzen: “Der Skandal fällt in eine Zeit, in der professionelle Kritik an vielen Fronten geschwächt dasteht. Kulturjournalistische Formate werden eingespart. Die wirtschaftliche Infrastruktur, die das professionelle Schreiben über Kunst und Kultur möglich macht, schrumpft zusammen. Die Reaktion auf den Fall Goecke kann vor diesem Hintergrund auch als höhnische Geste des Triumphs eines Milieus gedeutet werden, das davon überzeugt ist, die professionelle Kritik nicht mehr zu brauchen.

7. Die CDU und ihre Online-Umfrage zum Verbrennungsmotor
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:00 Minuten)
Als siebter und zusätzlicher Link, weil in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator eine abgebrochene Online-Umfrage der CDU zum Verbrennungsmotor: “Digitale Beteiligung kann nur funktionieren, wenn die Verantwortlichen mit der nötigen Sorgfalt und Kompetenz vorgehen. Ich sag’s mal so: Die CDU hat hier gleich mehrfach versagt.”

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