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Indien, Simpsons, Geiseln

1. “Leistungsschutz­recht wirkt: Mehrere Suchmaschinen zeigen Verlagsseiten nicht mehr an”
(stefan-niggemeier.de)
Mehrere Suchmaschinen zeigen Inhalte jener Verlage, “die in der VG Media organisiert sind, um Ansprüche aus dem neuen Presse-Leistungsschutzrecht geltend zu machen”, nicht mehr in den Ergebnissen an: “Inhalte anderer Verlage, die nicht Geld für die Anzeige kurzer Ausschnitte ihrer Inhalte in Suchmaschinen oder Aggregatoren verlangen, werden nach wie vor angezeigt.”

2. “Bewusster Fake als Propaganda?”
(konradweber.ch)
Konrad Weber teilt ein Foto auf Twitter und versucht danach, es zu verifizieren.

3. “Propagandabilder: ein Schnitzel gegen lästige Fragen”
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler fragt die Redaktion des “Blick am Abend” auf Twitter nach dem Umgang mit einem Bild der exekutierten IS-Geisel David Haines. “Auf den Websites einzelner Medien sind Beiträge zu finden, in welchen die Gesichter der Gefangenen unkenntlich gemacht sind, in andern Berichten wiederum nicht. Offenbar hängt die Entscheidung davon ab, welcher Redaktor gerade den Schichtdienst erfüllt.”

4. “VISUM – don´t be a journalist!”
(ajlandgraf.wordpress.com)
Ein Journalist beantragt ein Visum für eine Privatreise nach Indien: “‘Publisher – this could cost me my job!’, rief er entsetzt und reichte mir den Antrag mit spitzen Fingern zurück. Ich müsste unbedingt eine Bescheinigung meines Arbeitgebers einreichen, aus der hervorginge, dass ich nichts, aber auch gar nichts mit Journalismus zu tun hätte..”

5. “‘Kommentarland’ – bei Lesern zu Besuch”
(srf.ch, Videos, Dialekt)
Das Schweizer Fernsehen besucht 16 Verfasser von Leserkommentaren zuhause, und fragt sie nach ihrer Motivation.

6. “‘Das Erzählmuster ähnelt der Ilias'”
(jetzt.sueddeutsche.de, Jan Stremmel)
Geschichtsprofessor Ben Schmidt wertet 25 Jahre Simpsons statistisch aus: “Zum Beispiel taucht der Begriff ‘Klimawandel’ in den Jahren 2006 bis 2008 ständig auf – und danach kaum noch. Der Boom dieses Themas endete mit der Finanzkrise. Dieses Verschwinden von Begriffen beobachte ich übrigens auch in anderen Medien. Als normaler Zuschauer oder Leser merkt man ja kaum, wenn ein Thema plötzlich nicht mehr erwähnt wird.”

Mach’s noch einmal, Meggle

Der neue Cheftrainer des FC St. Pauli hat der “Mopo” zu seinem Einstand am Mittwoch ein exklusives Interview gegeben:

Doch der Eindruck täuscht. In Wahrheit stammen die Antworten des Trainers aus einer Pressekonferenz, die am gleichen Tag stattfand (hier der Vergleich). Die Fragen kamen auch nicht nur vom “Mopo”-Reporter, sondern von verschiedenen Journalisten. Darum tauchen in anderen Medien auch genau die gleichen Meggle-Zitate auf.

Kurzum: Das Interview hat es so nie gegeben. Die Sportredaktion der “Mopo” führt ihre Leser — so wie “Bild” neulich — schlichtweg in die Irre.

Mit Dank an Carsten S.

Einmal Ente mit ohne Katze

Eine Nachricht schockiert die Welt.



Dieser “Aufreger” geht ursprünglich auf die L.A. Times zurück. Dort hatte eine Anthropologin vor zwei Tagen behauptet (Übersetzung von uns):

Mir wurde [von der Herstellerfirma] gesagt, dass Hello Kitty keine Katze ist. Sie ist eine Cartoon-Figur. Sie ist ein kleines Mädchen. Sie ist ein Freund. Aber sie ist keine Katze. Sie wurde nie auf allen Vieren gesehen. Sie geht und sitzt wie ein zweibeiniges Wesen. Sie hat selbst eine Katze als Haustier.

Okay. Nehmen wir mal an, das stimmt alles so. Aber was ist dann zum Beispiel mit Micky Maus? Der geht und sitzt schließlich auch auf zwei Beinen und hat sogar einen Hund als Haustier. Aber würde jemand bezweifeln, dass er eine Maus ist? Und was ist mit Donald Duck? Und Bugs Bunny? Und Tom & Jerry? Und Winnie Puuh?

Das englische Blog Kotaku wollte dem katzenfreien Braten auch nicht so recht trauen und hat bei Sanrio, der Herstellerfirma von Hello Kitty, nachgehakt.

Und plötzlich klang die Sache dann doch ganz anders:

Als wir in Sanrios Hauptquartier in Tokio fragten, ob Hello Kitty wirklich eine Katze sei, erklärte eine Sprecherin: “Hello Kitty wurde nach dem Vorbild einer Katze erschaffen. Es würde zu weit gehen zu sagen, dass Hello Kitty keine Katze ist. Hello Kitty ist eine personifizierte, eine vermenschlichte Katze.”

Um sicherzugehen, fragte ich noch einmal: “Also würde es zu weit gehen zu sagen, dass Hello Kitty keine Katze ist?” Die Sprecherin antwortete: “Ja, das würde zu weit gehen”.

Dieser Blogeintrag ist heute Morgen unter dem schönen Titel “Seid nicht bescheuert, Hello Kitty ist eine Katze” erschienen und pflückt die Geschichte von der angeblichen Nicht-Katzen-Katze sehr schön auseinander, was Journalisten wie die von “Spiegel Online”, Stern.de, “Focus Online”, dpa und Süddeutsche.de aber nicht davon abgehalten hat, sie im Laufe des Tages trotzdem zu verbreiten. Letztere haben es immerhin geschafft, die neuesten Erkenntnisse in den Text einzubauen und die Überschrift (ursprünglich: “Hello Kitty ist keine Katze”) in “Mensch, Kätzchen!” zu ändern.

Na, wenigstens bei einem sollte es in Zukunft keine Missverständnisse mehr geben:

Mit Dank an den Hinweisgeber

Bullshit im Sekundentakt

FOCUS Online ist eines der erfolgreichsten Online-Nachrichtenmedien in Deutschland. Mit schnellen Nachrichten und präzisen Analysen ist das Portal eine feste Adresse für Qualitätsjournalismus im Netz. FOCUS Online steht für hervorragenden Nachrichtenjournalismus.

(Zitat der Tomorrow Focus AG.)

Mein persönlicher Rekord im Surfen auf “Focus Online” liegt bei etwa zehn Minuten. Länger halte ich es da nicht aus.

“Focus Online” ist der Ein-Euro-Laden des deutschen Journalismus. Die ramschige Resterampe, auf der man alles findet, was selbst Klickfängern wie Bild.de zu billig war. “Focus Online” haut alles raus. Raus, raus, raus, irgendwer wird schon draufklicken.

Gerade bei medialen Großereignissen setzt “Focus Online” — hartnäckig wie kaum ein Medium sonst — auf die So-viel-wie-geht-Taktik.

Anfang vergangenen Jahres, nach dem Amoklauf im US-amerikanischen Newtown, veröffentlichte “Focus Online” in der ersten Woche nach der Tat 45 Artikel — nicht mal Bild.de hatte mehr zu bieten. Und dann diese Schlagzeilen: “Mutter des Amokläufers hatte Angst vor dem Weltuntergang”. “Schulkrankenschwester sah den Killer auf sich zukommen”. “Amokläufer nannte seine Mutter nur ‘Excuse Me'”. Solcher Quatsch, permanent.

Oder dieser unfassbare Live-Ticker zum Gesundheitszustand von Michael Schumacher, in dem dann verkündet wurde, dass der Verkäufer des Krankenhauskiosks nichts dazu wisse. Niemand sonst blies so lange und so ambitioniert irgendwelche Schumacher-Gerüchtefetzen in die Welt wie “Focus Online”.

Oder auch jetzt, nach dem Tod von Robin Williams. Allein in den ersten vier Tagen hat das Portal über 70 (!) Artikel dazu veröffentlicht:

  • Robin Williams stirbt im Alter von 63 Jahren
  • Fans trauern in Hollywood
  • Tod von Robin Williams
  • Schock und Trauer in Hollywood
  • Die Welt trauert um einen ihrer größten Schauspieler: Robin Williams ist tot
  • Robin Williams ist tot
  • Hollywood-Star Robin Williams ist tot
  • Williams’ langer Kampf gegen Alkohol und Depressionen
  • So emotional nehmen Freunde und Kollegen Abschied von Robin Williams
  • “Wir haben dich geliebt”: So trauert Hollywood um Robin Williams
  • Islamisten verhöhnen toten Schauspieler Robin Williams
  • Seine Tochter Zelda schreibt den wohl berührendsten Tweet
  • Sein letzter Tweet galt seiner Tochter
  • Zelda Williams’ rührender Abschieds-Tweet an ihren Vater
  • Sah Robin Williams den Suizid als letzten Ausweg?
  • Oscar-Academy verabschiedet sich mit herzzerreißendem Tweet von Robin Williams
  • Zitate zum Tod von Robin Williams
  • Video: Hollywood trauert um Robin Williams
  • Robin Williams – “Erfolg schützt nicht vor Depressionen”
  • Fragen und Antworten: “Erfolg schützt nicht vor Depressionen”
  • Warum wollte Robin Williams nicht mehr leben?
  • Williams hinterließ vier unfertige Filmprojekte
  • Fernsehsender ändern zum Tod von Robin Williams ihr Programm
  • Mehrere Fernsehsender ändern ihr Programm
  • Der Clown, der uns zum Weinen brachte: Robin Williams
  • Hintergrund: Seine wichtigsten Rollen
  • Dieses Grimassen-Gesicht werden wir vermissen!
  • Auf Tischen stehend: So nimmt das Netz Abschied von Robin Williams
  • Robin Williams und seine Susan – Ende einer großen Liebe
  • Oscar-Preisträger Robin Williams ist tot
  • Robin Williams – sein großes Leben in Bildern
  • Internet-Verwechslung von Robin und Robbie Williams
  • Fans verwechseln Robin und Robbie Williams
  • Robin Williams hat […]
  • Tod von Robin Williams erschüttert Hollywood
  • Tod von Robin Williams – Polizei schließt Fremdverschulden aus
  • Tod von Robin Williams: Polizei sieht kein Fremdverschulden
  • “Tagesthemen” ehren Williams mit “Dichter”-Anmoderation
  • ‘Hannoversche Allgemeine Zeitung’ zu Robin Williams
  • So fand sein Assistent den toten Robin Williams
  • “Robin Williams hatte das Bedürfnis, alle in Schenkelklopf-Ekstase zu versetzen”
  • Jetzt sprechen Robin Williams’ Kinder
  • Matt Damon: “Ich werde Robin Williams nie vergessen”
  • “Auf meinem Grabstein wird 1951-2014 stehen”
  • So moderierte Miosga die “Tagesthemen” für Williams auf dem Tisch
  • “O Captain! My Captain!” wird zum Twitter-Trend
  • So sorgte Robin Williams für seine Kinder vor
  • Pharell Williams trauert um Robin Williams
  • Die ergreifende Trauer seiner Kinder
  • Antisemitische Posts zum Tod von Robin Williams: Verroht das Internet?
  • Weltweit Betroffenheit nach Tod von Robin Williams
  • Robin Williams wird in “World of Warcraft” verewigt
  • “Was schuldet man einem derartigen Menschen? Alles!”
  • Robin Williams war kurz vor seinem Tod bei der Suchtberatung
  • Michael Mittermeier: “Wir machen mit einem Bruchteil seiner Möglichkeiten Comedy”
  • Abschied von Robin Williams: “Der Soldat hat die Waffen niedergelegt”
  • Wie Robin Williams’ Gorilla-Freundin trauert
  • Wurde Robin Williams am Set von “The Crazy Ones” rückfällig?
  • Kurz vor seinem Tod war Williams bei der Suchtberatung
  • Was dann folgte, war einmalig in meiner Laufbahn…
  • Twitter will auf Belästigung von Williams’ Tochter reagieren
  • Das Netz diskutiert: Durfte Miosga auf den Tisch steigen?
  • Darum stieg Caren Miosga auf den “Tagesthemen”-Tisch
  • Video: Broadway knipst für Robin Williams Lichter aus
  • Robin Williams litt an Parkinson im Frühstadium
  • Ehefrau: Robin Williams litt an Parkinson
  • Ehefrau offenbart: Robin Williams hatte Parkinson
  • Robin Williams hatte Parkinson: Das emotionale Statement seiner Frau im Wortlaut
  • Warum zerbrechen so viele Stars am Ruhm?
  • Robin Williams litt an Parkinson
  • User zwingen Zelda Williams, Twitter-Account zu löschen
  • (Details zu den Begleitumständen haben wir rausgekürzt.)

    Vieles davon ist Agenturmaterial, oft zusammengeschwafelt von “Spot on”, der von der dapd gegründeten Promi-Klatsch-Agentur. Aber auch solche Artikel werden auf der Startseite von “Focus Online” mitunter angeteasert wie eigene Beiträge:

    Jetzt mal ehrlich. Ein Gorilla, der den Schauspieler vor 13 Jahren mal getroffen … Als Nachricht? Auf der Startseite?

    Aber das ist das redaktionelle Konzept von “Focus Online”. Und es scheint zu funktionieren — die Williams-Artikel, egal wie bescheuert, zählten in den vergangenen Tagen immer zu den meistgelesenen auf “Focus Online”.

    Da juckt es dann auch niemanden, dass einige “News” gleich doppelt und dreifach veröffentlicht werden. Etwa die, dass Williams an Parkinson gelitten haben soll: Dazu gab es bei “Focus Online” einen Artikel von der dpa, einen von “Spot on”, einen eigenen Beitrag, noch einen von der dpa, ein Video sowie “das emotionale Statement” von Williams’ Witwe im Wortlaut.

    Bei dieser Artikelflut verlieren selbst die, die sie verantworten, den Überblick. Da kann es dann auch mal passieren, dass es zuerst heißt, der Tweet von Williams’ Tochter sei der “wohl berührendste Tweet des Jahres” — und nur drei Stunden später wird der Tweet der Oscar-Academy zum “emotionalsten” und “wahrscheinlich herzzerreißensten” Tweet hochstilisiert. Ein banales Beispiel zwar, aber bezeichnend dafür, wie “Focus Online” mit der gedankenlosen Raushau-Taktik auch noch den Rest der eigenen Seriosität aufs Spiel setzt.

    Der Veröffentlichungswahn macht aber nicht nur anfällig für Widersprüche und Ungenauigkeiten. Gerade im aktuellen Fall widerspricht das Dauerfeuer der Berichterstattung eben genau dem, was Medienforscher bei Suiziden von Prominenten immer wieder fordern: Zurückhaltung.

    “Focus Online” hält sich nicht zurück. “Focus Online” arbeitet stattdessen, wie andere auch, eifrig daran, die Selbstmordrate in die Höhe zu treiben. Das Portal berichtet sehr prominent, sehr detailliert und sehr emotional über den Suizid und missachtet (nicht nur) damit die wichtigen Richtlinien zur Verhinderung von Nachahmungstaten.

    Dass “Focus Online” und andere Medien die Berichte um Williams’ Tod ganz selbstverständlich mit Werbung zuballern, ist dabei noch das geringste Übel:

    “Focus Online” setzt auf Masse. Auf Emotionalisierung, Skandalisierung und Buzzfeedisierung — und ähnelt immer mehr dem, was “Bild” und andere Schundmedien in ihren Online-Portalen veranstalten. Nur dass die Leute von “Focus Online” immer noch so tun, als gebe es bei ihnen “Qualitätsjournalismus im Sekundentakt”.

    Mit Dank auch an Karl-Heinz U.

Gaffen und gaffen lassen

Nach einem tödlichen Unfall auf der A3 haben sich am Sonntag nach Aussage des Passauer Stadtbrandinspektors “unbeschreibliche Szenen” abgespielt. Gegenüber der “Passauer Neuen Presse” (PNP) sagte er, dass einige Autofahrer auf der Überholspur plötzlich abgebremst hätten, um den Unfall, den Toten und die Verletzten zu fotografieren. Auch auf der Gegenfahrbahn und einer nahegelegenen Brücke hätten sich viele Schaulustige versammelt, zitiert die PNP einen Augenzeugen.

“Die Fahrer haben teilweise aus dem fahrenden Auto heraus gefilmt. Sie hatten die Hände gar nicht mehr am Steuer”, beschrieb [der Stadtbrandinspektor] das Verhalten der dreisten und sensationslüsternen Gaffer. “Das habe ich in dem Ausmaß noch nie erlebt”, betonte der erfahrene Feuerwehrmann.

Warum machen Menschen so etwas? Als schaurige Erinnerung fürs Fotoalbum? Damit sie im Freundeskreis damit angeben können? Oder einfach nur, weil es möglich ist?

Einige zücken ihre Kameras vermutlich nur deshalb, weil sie hoffen, ihre Horrorbilder später an die Medien verkaufen zu können. Manche Boulevardmedien belohnen solche Gaffer-Fotos auch mal mit mehreren Hundert Euro.

Aber auch Zeitungen wie die “Passauer Neue Presse” sollten sich überlegen, ob es der Sache unbedingt dienlich ist, wenn sie, wie in diesem Fall, zwar das Verhalten der Gaffer kritisieren — aber im selben Artikel eine Klickstrecke mit über einem Dutzend Fotos vom Unfallort zeigen und darüber hinaus ein Youtube-Video einbetten, das offenbar von genau der Brücke aus aufgenommen wurde, auf der sich die Schaulustigen versammelt hatten.

Hochgeladen wurde das Video von einem lokalen Radiosender. Auf Anfrage hieß es, ein Mitarbeiter habe das Video gemacht. Für die Leser ist das aber nicht ersichtlich; sie könnten annehmen, dass es von einem “Leserreporter” stammt — und sich im schlimmsten Fall beim nächsten Unglück auch auf irgendeine Brücke stellen und die Sache filmen, für alle Fälle.

Mit Dank an spotnik.

“NZZ” zieht blank

Jetzt hat auch die Schweiz ihren eigenen Sommerloch-Twitter-Porno-Skandal. Die “Neue Zürcher Zeitung” berichtete heute Morgen über …

Nach “Recherchen der NZZ”, heißt es dort, mache eine Sekretärin des Bundeshauses in ihrem Büro regelmäßig Nacktfotos von sich und veröffentliche diese auf ihrem Twitter-Profil.

Dass diese Bilder früher oder später jemand sehen könnte, mit dem sie beruflich zu tun hat, ist ihr bewusst. «Das Thema beschäftigt mich ständig», sagt die Frau, der auf Twitter über 11 000 Nutzer folgen, auf Anfrage. Da die Aufnahmen jedoch Teil ihres Privatlebens seien, sehe sie keinen Interessenkonflikt mit ihrer beruflichen Funktion.

Ob sie damit falschliegt, konnte die “NZZ” nicht sagen. Und auch sonst war sich die Zeitung offensichtlich nicht sicher, was sie der Frau nun eigentlich vorwerfen soll. Sie schreibt lediglich, dass “der Sachverhalt” nicht “ganz so einfach” sei — “immerhin sind auf den Bildern die Büroräumlichkeiten erkennbar”.

Das Eidgenössische Personalamt (EPA) wollte sich gegenüber der Zeitung nicht dazu äußern, weil jede Verwaltungseinheit die Regeln im Umgang mit den Sozialen Medien selbständig umsetze.

Das EPA verwies jedoch auf den Verhaltenskodex der Bundesverwaltung, der vorsieht, dass Angestellte auch im Privatleben darauf achten sollten, den guten Ruf und das Ansehen des Bundes nicht zu beeinträchtigen. Ob dies durch Nacktaufnahmen am Arbeitsplatz geschieht, ist eine Interpretationssache.

Ein von der “NZZ” zitierter Arbeitsrechtler hegt jedoch starke Zweifel daran, dass die Frau mit einer Kündigung rechnen muss:

«Es sei denn, der Arbeitgeber stuft die Tätigkeit als Sicherheitsrisiko ein» (…). Dies könnte der Fall sein, wenn der Arbeitgeber zum Schluss kommt, die Angestellte könnte durch die Bilder erpressbar werden.

Die Schweizer Boulevardmedien jedenfalls fanden die Sache auch so skandalös genug und sprangen eifrig mit auf. Zum Beispiel die Online-Ausgabe des Gratisblatts “20 Minuten”:

Dass die Fotos “während ihrer Arbeit” veröffentlicht wurden, hatte die “NZZ” übrigens nie behauptet.

Und weil das Blatt auch weder den richtigen noch den Twitter-Namen noch sonst irgendwelche persönlichen Informationen der Sekretärin verraten hatte, begann sogleich die Jagd nach ihrer Identität — und natürlich: nach ihren Fotos.

Kleine Auswahl aus den Kommentaren bei “20min.ch”:

Auch die Journalisten wollten unbedingt mehr wissen, darum bat “20 Minuten” die Leser sogar um sachdienliche Hinweise:

Die “NZZ” versuchte zwar noch, die von ihr ausgelösten Wogen zu glätten…

… doch der Zwischenruf verhallte im tosenden Sturm der Sekretärinnenjäger.

Kurze Zeit später tauchten dann auch die ersten (halbherzig verpixelten) Fotos auf. Der Schweizer “Blick” zeigt sie online, inklusive abgekürztem Namen der Frau:

(Unkenntlichmachung von uns.)

Auch 20min.ch konnte nun endlich verkünden:

… und den Lesern in einer Klickstrecke die lang ersehnten Nacktfotos zeigen.

Inzwischen hat der “Skandal” einen eigenen Namen (natürlich: “Selfiegate”), der Account ist gelöscht, die Identität der “Porno-Sekretärin” weitestgehend bekannt, die ersten Politiker fordern die Kündigung der Dame und Journalisten wie Leser machen sich weiterhin empört aber sabbernd über die Fotos her. Und uns bleibt nur der Verweis auf den Schweizer Presserat, der mal geschrieben hat:

Auch Amtspersonen haben ein Recht darauf, dass ihre Privatsphäre respektiert wird. Wenn Medien darüber berichten, dass von einer solchen Personen Sexbilder im Internet abgerufen werden können, befriedigt das allenfalls die Neugier des Publikums. Ein schützenswertes öffentliches Interesse an solchen Informationen gibt es in der Regel nicht – selbst dann nicht, wenn die Amtsperson eine hohe Stellung hat oder prominent ist.

Mit Dank an Flavio F.

Josef Joffe, Antisemiten, Gaza

1. “Zeitungen oder Quelle – Dinos sterben langsam”
(rolandtichy.de)
Roland Tichy, noch Chefredakteur der “Wirtschaftswoche”, versucht im Urlaub deutschsprachige Zeitungen digital zu erwerben.

2. “Einstweilige Verfügung gegen “Die Anstalt”: Zeit-Journalisten wehren sich gegen ZDF-Satire”
(meedia.de, Julia Wadhawan)
Im Streit um eine ZDF-Satire melden sich “Zeit”-Journalisten zu Wort. Josef Joffe: “Betonen möchte ich: Um Satire oder Meinungsfreiheit ging es in dem Antrag auf einstweilige Verfügung nicht. Satire darf vieles, solange sie weder Fakten, noch Persönlichkeitsrechte verletzt. Meinungsfreiheit darf alles, was das Grundgesetz erlaubt. Das muss so bleiben; daran dürfen Journalisten als letzte rütteln.”

3. “Why the Sun’s ‘boy with the devil mark’ front page should make you uneasy”
(newstatesman.com, englisch)
Die “Sun”-Schlagzeile “Boy, 4, has mark of devil”.

4. “Glauben Sie das?”
(sueddeutsche.de, Johannes Boie und Tim Neshitov)
Der Propagandakrieg wird komplizierter, es gibt nicht nur Fälschungen, sondern auch Fälschungen von Fälschungen: “Und je länger ein Krieg andauert, desto mehr steigt bei Aktivisten die Bereitschaft, jeder Desinformation zu glauben, die das eigene Feindbild bestätigt.”

5. “Auch Linke können Juden hassen”
(tagesanzeiger.ch, Thomas Meyer)
Ist Antisemitismus eine Angelegenheit “rechtsextremer Kreise”? Thomas Meyer widerspricht: “Der linke Antisemit ist sich nicht bewusst, dass er ein Antisemit ist. Er hält sich für einen guten, vernünftigen, fairen und einfühlsamen Menschen. Er vergleicht morgens in der Zeitung die Opferzahlen und glaubt dann, den Nahostkonflikt in dessen Komplexität erfasst zu haben und ein moralisches Urteil darüber fällen zu können.”

6. “Eine ganz normale Nacht in Gaza Stadt”
(martin-lejeune.tumblr.com)
Martin Lejeune berichtet aus Gaza: “Während ich diese Zeilen schreibe, um mich zu beruhigen, bin ich nicht im al-Deira Beach Hotel am Strand von Gaza, in dem die ausländischen Korrespondenten Schutz suchen. Ich bin im Wohnhaus einer muslimischen Familie im Zentrum von Gaza Stadt. Ich höre, wie in den Nachbarwohnungen unseres Hauses kleine Babys ohne Unterbrechung schreien, verängstigte Kinder in den Armen ihrer Mütter weinen, die Erwachsenen fluchen.” Siehe dazu auch diesen, aktuellen Beitrag.

Was macht eigentlich die “Bild-APO”?

Die Ansage war ziemlich eindeutig:


Das neu gewählte Parlament, schrieb Kai Diekmann in jener Ausgabe vor etwa einem halben Jahr, sei

zu schwach. Seine Opposition zu klein. Und zu links. Das ist nicht gut für Deutschland! […]

Deshalb geht BILD in die Opposition. Und wird Außerparlamentarische Opposition. APO!

Diekmann versprach:

BILD wird der neuen Regierung bei jeder Gelegenheit auf die Finger hauen! Hart. Schmerzvoll. Und ohne Gnade. Für Deutschland. Für seine Bürger.

(BILDblog berichtete.)

Die Arbeit der “Bild-APO” bestand daraufhin größtenteils darin, anzukündigen, was die “Bild-APO” in Zukunft so alles machen werde. Nämlich:

Ab heute haut BILD der Regierung munter auf die Finger

(17.12.2013, Seite 1)

Deshalb haut BILD der Großen Koalition von heute an ordentlich auf die Finger!

(17.12.2013, Seite 1)

Warum BILD der GroKo auf die Finger (sc)haut

(17.12.2013, Seite 4)

Deshalb macht BILD sich als Außerparlamentarische Opposition auf den langen Marsch durch mindestens vier Jahre GroKo.

VERSPROCHEN!

(17.12.2013, Seite 4)

BILD (sc)haut der Großen Koalition genau auf die Finger, wird z. B. Sogenannte “kleine Anfragen” und “große Anfragen” stellen – um Tricksereien, Steuergeld-Verschwendungen etc. aufzudecken! […] BILD schlägt Alarm, will von der Regierung wissen: Was hat der Stillstand bisher gekostet, wie hoch sind die monatlichen Ausgaben für Abgeordnetendiäten, Verwaltung, Büros etc.?

Die Antworten der Regierung – demnächst in BILD …

(18.12.2013)

BILD schaut der Großen Koalition genau auf die Finger, deckt Tricksereien, Steuergeld-Verschwendung etc. auf – und schlägt Alarm!

(19.12.2013)

Das Versprechen: Wir schauen der Regierung auf die Finger – und hauen notfalls kräftig drauf.

(30.12.2013)

Wir von BILD haben es uns auf die Fahne geschrieben: Wir werden der Großen Koalition auf die Finger gucken und kräftig draufhauen, wenn etwas schiefläuft. Als BILD-APO gegen die GroKo!

(30.12.2013)

Die BILD-APO (Außerparlamentarische Opposition) nimmt die Sorgen der Bevölkerung ernst […].

(9.1.2014)

Das Versprechen: Wir schauen der Regierung ganz genau auf die Finger – und hauen notfalls kräftig drauf.

(9.1.2014)

Die erste Haudrauf-Aktion inszenierte “Bild” am 30. Dezember vergangenen Jahres:


“Bild” überreichte die Anfrage noch am selben Tag persönlich:

Dass die Linke der Regierung ganz ähnliche Fragen schon einen Monat zuvor gestellt hatte, erwähnte das Blatt natürlich lieber nicht und präsentierte stattdessen ein paar Tage später stolz und unbeirrt — “Die Antwort”:

… mit zum Teil verblüffenden Erkenntnissen:

Im Klartext: Nichts Genaues weiß auch die Regierung nicht.

Äh, ja.

Jedenfalls:

Die BILD-APO bleibt weiter dran …

Und so folgte vier Tage später gleich die nächste “Große Anfrage”:

Das Übergabe-Fotoshooting musste diesmal allerdings ausfallen — denn am nächsten Tag hieß es plötzlich:

Statt Anfragen der BILD-APO wie erfolgt persönlich entgegenzunehmen, sollen sie künftig wie gewöhnliche Presseanfragen behandelt werden […].

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte die stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, Christiane Wirtz (43), vor der BILD-APO gewarnt, erfuhr BILD aus Koalitionskreisen! […] Die Kollegen sollten “sich nicht vor den Karren der BILD-Zeitung spannen lassen”, sagte Wirtz nach Angaben von Teilnehmern.

Doch selbst diesen Rückschlag verkaufte “Bild” — natürlich — als Erfolg:

Dennoch musste das Blatt den Karren fortan wieder alleine ziehen:

Wenn die Regierung die BILD-APO nicht entgegennehmen will, geht die BILD-APO zur Regierung!

Danach wurde es dann still um die “Bild-APO”. Zwei Wochen später verwurstete das Blatt noch die Antworten auf die zweite Anfrage als bemühte Titelgeschichte (“Strom wird NOCH teurer!” – oha!), kurz darauf empörte es sich über “Milliardenausgaben”, die in Wirklichkeit allerdings nur knapp eine Million betrugen, und zwischendurch kam noch der österreichische Außenminister zum Krawattenvergleich vorbei.

Die letzte Regung der “Bild-APO” liegt inzwischen fast fünf Monate zurück. Damals kündigte das Blatt lauthals an, die Große Koalition wegen “Renten-Klaus” verklagen zu wollen. Was daraus geworden ist? Keine Ahnung. Bis heute haben wir weder davon noch sonst von der “Bild-APO” je wieder etwas gehört.

Dabei hatte sich “Bild”-Mann Dirk Hoeren damals noch kämpferisch gegeben:

Was weiterhin fehlt, ist die bürgerliche Opposition.

Gerade deshalb ist es so wichtig, dass BILD der Großen Koalition die Stirn bietet. Wir lassen uns nicht mit Geschäftsordnungstricks plattmachen. Die wahre Opposition ist die BILD-APO!

Bleibt die Frage: Was macht sie heute, die “wahre Opposition”?

Nun …

WIR SINGEN DER KANZLERIN EIN LIED!

Das Lied, so verriet es Angela Merkel im Mai in Stralsund, gehört zu ihren Lieblingsliedern. BILD meint: „Wir lieben die Stürme…“ passt perfekt zur Regierungschefin, die seit ihrem Amtsantritt einen Krisenherd nach dem anderen löschen musste – und dabei ihren Humor und ihre Zuversicht nie verloren hat.

Statt Kloppe gibt’s also jetzt Lieder, Bilder und Streicheleinheiten für die “Übermutti”.

Derweil berichtet “BILD-APO-Experte” Ralf Schuler (der dem Wirtschaftsministerium vor einigen Monaten noch die zweite “APO”-Anfrage aufgenötigt hat) so über die China-Reise von Angela Merkel:

33 Grad Celsius, Smog, eine unsichtbare Sonne brütet über der Dunstglocke Pekings. Mein Hemd fühlt sich an wie ein nasses Handtuch.

Nur eine wirkt cool: Angela Merkel (59, CDU).

Ralf Schuler, Verzeihung, Lalf Schulel schaut der Kanzlerin jetzt nicht (mehr) auf die Finger, sondern auf die Klamotten:

Als die Kanzlerin kommt, wirkt sie unbeschwert in ihrem lindgrünen Blazer; Premier Li trägt ein Kurzarmhemd, keine Krawatte. Dafür, dass Angela Merkel tadellos aussieht, sorgt auch ihre Stylistin Petra Keller. Sie ist auf Reisen mit dabei, wohnt im Nachbarzimmer der Kanzlerin.

Und CSU-Mann Alexander Dobrindt darf heute im größten Nicht-Fußball-Artikel der gesamten Ausgabe hoch und heilig versprechen, dass seine ersehnte Pkw-Maut keinen Bundesbürger finanziell mehrbelasten werde:

Die “Bild”-Zeitung widmet dem “Maut-Macher” und seinen Plänen fast die gesamte Politik-Seite und inszeniert sich selbst dabei als Beschützerin des Volkes. Klassische Win-Win-Situation. Und von “APO” keine Spur.

Offenbar lebt es sich als außerparlamentarischer Verbündeter dann doch irgendwie besser.

Vice Media, Mindestlohn, Heftig

1. “‘Das Internet ist für die Verlage ein Segen'”
(medienpolitik.net)
Ein Interview mit dem Präsident des BDZV, Helmut Heinen, der gute Gründe sieht, gegen einen Mindestlohn von 8,50 Euro zu klagen. “Die Staatsrechtler Prof. Dr. Degenhardt, Universität Leipzig, und Prof. Dr. Dr. Di Fabio, Universität Bonn und ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, kommen in ihren Gutachten übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Einführung des Mindestlohns in Höhe von 8,50 Euro einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Pressefreiheit, Art. 5 Grundgesetz, bedeuten würde.”

2. “Kommentare null: Das langsame Sterben des Spiegel-Blogs”
(meedia.de, Alexander Becker)
Das Spiegelblog ist “zur Abladestelle für Eigenwerbungstexte zum aktuellen Heft verkommen”.

3. “‘Vice’ liebt das Wilde und Waghalsige”
(nzz.ch, Martin Hitz)
Vice Media hat sich in den letzten Jahren zu “einem breit diversifizierten Imperium mit 1100 festen und 4000 freien Mitarbeitern entwickelt”, stellt Martin Hitz fest. “So ist Vice auch ein Musiklabel, ein Buchverlag, ein Event-Veranstalter, eine Filmproduktionsfirma, eine Werbeagentur und ein Werbenetzwerk; selbst ein Pub im Londoner East End nennt die Firma ihr eigen.”

4. “Emotionen für Millionen: Heftig.co und der Durchmarsch der Content-Katapulte”
(get.torial.com, Tobias Lenartz)
Tobias Lenartz beschäftigt sich mit der Website Heftig.co: “Dass die ‘Inhalte’ von Heftig nahezu alle aufgewärmt sind, stört die aktuell über 920.000 Facebook-Fans offenbar ebenso wenig wie der Umstand, dass die Videos und Storys nur bedingt mit den hochgejazzten Erwartungen mithalten können. Der Trick: Heftig wärmt fast ausschließlich Geschichten auf, die sich bereits viral bewährt haben.”

5. “‘Ich dachte zuerst, es ist ein Scherz'”
(sueddeutsche.de, Jonathan Fischer)
Ein Interview mit Schauspieler Marius Jung, dem Studentenvertreter Rassismus vorwerfen – er ist Autor des Buchs “Singen können die alle! Handbuch für Negerfreunde”: “Tabus führen doch nur zu noch mehr Ausgrenzung. Es hilft niemandem, wenn Menschen stammelnd vor mir stehen und nicht wissen, wie sie mich nennen sollen. Dann ist es besser, man spricht offen und angstfrei über Begriffe.”

6. “Die Stunde der Idioten”
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt nachts unterwegs in Zürich: “Die Stunde der Idioten ist uralt. Nur ihre Zeit variiert: ‘Vor 30 Jahren war die wildeste Zeit an der Langstrasse um sechs Uhr abends. Gruppen von Geschäftsherren zogen, schon stockbetrunken, von Striplokal zu Striplokal’, so ein erfahrener Clubbetreiber. ‘Später in den 80er-Jahren lagen die Schnapsleichen um 1 Uhr im Niederdorf. Die Nutzniesser waren die uralten Prostituierten, die wie Muränen aus ihren Löchern kamen und mit einem ‘Komm, Schatzi’ die Betrunkenen in den Hauseingang zogen.'”

Sven Lau, Jakob Augstein, Win-Win-Situationen

1. “Künstliche Aufregung um etablierte Praxis”
(medienwoche.ch, Karin Müller)
“Wir alle müssen uns von einem Journalismus verabschieden, der aus zwei Werten bestand: Qualität und Unabhängigkeit”, schreibt Ex-Journalistin Karin Müller. “Auch ich bin abgewandert und versuche nun für meine Mandanten Win-Win-Situationen bei den Verlagen herauszuholen. Im Lifestyle-Bereich ist die Sache ziemlich korrupt. Wer eine bestimmte Anzahl Inserate bucht, bekommt Zusagen über redaktionelle Beiträge.”

2. “Vor- und Nachruf auf Frank Schirrmacher”
(umblaetterer.de, Josik)
Für den “Spiegel”-Nachruf auf Frank Schirrmacher verwendet Jakob Augstein Sätze, die er bereits 2012 so ähnlich im “Freitag” veröffentlicht hatte.

3. “Der ‘Hilfspolizist'”
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Wie zwei verschiedene Journalisten reagieren auf Auskunftsbegehren der Behörden zu Sven Lau. “Noch immer haben Pressemenschen ein Zeugnisverweigerungsrecht, noch immer haben sie ihre Informanten zu schützen, noch immer ist es nicht ihre Aufgabe, Beschuldigte zu belasten.”

4. “eBook Reader Test der Computerbild sieht Tolino Vision vorne”
(lesen.net, Johannes Haupt)
Ein E-Book-Reader-Test in der “Computer Bild”. “Test-Sieger darf sich der Tolino Vision nennen, Preis-Leistungs-Sieger ist der Kindle (49 Euro). (…) Gewissermaßen prämiert die Computerbild hier ihr eigenes Gerät. Denn der Axel-Springer-Verlag ist über seine Beteiligung an Tolino-Partner buecher.de selbst ein Teil der Allianz, auf ebook.bild.de sind Tolino Vision und Tolino Shine mit voreingestelltem Bild eBook Store erhältlich.”

5. “Das böse, böse Amazon”
(buggisch.wordpress.com)
Christian Buggisch liest im Feuilleton der “Süddeutschen Zeitung” einen Text über Amazon: “‘Der Tag muss kommen, da Amazon seine Macht einsetzen wird, um Geld zu verdienen; der Tag, da hinter den lächelnden Pappschachteln Amazons wahres Gesicht zum Vorschein kommt.’ Himmel hilf! Rette sich, wer kann, vor einem Unternehmen, das Geld verdienen will!”

6. “Verliebt am Pool”
(11freunde.de, Dirk Gieselmann)
Dirk Gieselmann notiert eine “Hofberichterstattung” und einen “distanzlosen Ranschmeißjournalismus” in der Berichterstattung von ARD und ZDF zur Fußball-Weltmeisterschaft. “Sportlich läuft es gut, und das ist auch durchaus wünschenswert. Aber es ist kein Grund für die Sender, derart affirmativ zu Werke zugehen, dass man glauben könnte, sie seien der verlängerte Arm der DFB-Pressestelle.”

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