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Bosbach-TV, Süßes Geheimnis, Abgespannt

1. #failoftheweek: Wolfgang Bosbach zu Gast bei Verschwörungstheoretikern
(blog.br.de, Christian Schiffer)
Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach ist in den letzten Jahren zum Star der Talkshowszene geworden. Niemand saß öfter in Talkrunden als der altgediente Innenpolitiker. Nun hat Bosbach einem Verschwörungsportal ein Interview gegeben. Christian Schiffer findet: Dieses eine Mal hätte der CDU-Innenpolitiker nein sagen müssen.

2. “Ich vermisse Bo”
(zeit.de, Eike Kühl)
Pete Souza war seit 2008 Cheffotograf von Barack Obama, einige Zeit davor übte er diese Funktion für Ronald Reagan aus. Seit Donald Trumps Amtsübernahme ist er wieder Freiberufler und hat anscheinend wieder etwas mehr Zeit. Auf jeden Fall hat er Instagram für sich entdeckt – und scheint dort subtil Donald Trump zu trollen. Aufmerksamen Beobachtern sei nicht entgangen, dass einige der von Souza veröffentlichten Bilder auffällig nah an den aktuellen Entwicklungen im Weißen Haus seien. Eike Kühl stellt auf “Zeit Online” einige Beispiele vor und kommentiert den inhaltlichen Hintergrund.

3. Oben ohne
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Willi Winkler schreibt in der “SZ” über die Schwierigkeit der Humorbranche mit Trump. Der amerikanische Präsident sei schließlich sein eigener bester Parodist. Außerdem: “Die traurige Wahrheit aber ist, dass es den Comedians bei all dem Beifall, den sie mit ihren Trump-Travestien von den aufrechten Trump-Gegnern einheimsen, am wenigsten gelingt, Trump ernsthaft zuzusetzen. Sie verstärken nur die Marke Trump.”

4. Unbefriedigend
(djv.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband bedauert die Entscheidung des Landgerichts Hamburg, große Teile des Schmähgedichts von Jan Böhmermann weiterhin zu verbieten. Der DJV-Bundesvorsitzende kritisiert, dass “nur in Hamburg die Justiz Verständnis für die Ehrpusseligkeit des türkischen Präsidenten habe”, während andernorts erst gar keine Klage zugelassen worden sei.

5. Abspänne im TV: Zwischen Kundigen und Knalltüten
(dwdl.de, Hans Hoff)
Senta Berger trat vor kurzem vehement für längere Abspänne von Filmen im deutschen Fernsehen ein, aus Respekt vor den Beteiligten. Das ist eine löbliche Forderung, findet Hans Hoff und überträgt das Bergersche Verlangen auf andere Branchen: “Ich freue mich schon, wenn ich demnächst einen Cheeseburger bestelle, und der freundliche McDonald’s-Mitarbeiter reicht mir den Abspannzettel dazu: Am Grill: Heinz Piontke, Gurkenscheibchenaufleger: Petra Ludwig, Senfeinspritzer: Herbert Kasulske, Küchenreinigung: Ovo Malandrino.”

6. „Bunte“-Vize Tanja May: Da wölbt sich doch was!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz begegnet auf “Übermedien” dem Boulevard mit den Mittel des Boulevards: “Ist sie oder ist sie nicht? Dieses Foto heizt die Gerüchteküche an. Hat die fesche Färbblondine aus der “Bunte”-Chefredaktion ein süßes Geheimnis?”

Bild.de hat einen falschen Vogel

Das ist aber auch knifflig mit den Sportteams aus Atlanta. Da gibt es die Basketballer der Atlanta Hawks, die in der NBA spielen. Und dann gibt es die Footballer der Atlanta Falcons, die in der NFL spielen und gestern im Super Bowl gegen die New England Patriots verloren haben. Hawks, Falcons — so viele Vögel. Wer soll sich das denn alles merken können?

Also, noch einmal für alle: Die Hawks sind die Basketballer, die Falcons die Footballer. Hawks — Basketball. Falcons — Football. Verstanden?

Fragen wir doch mal die 7-jährige Lisa aus der 1b der Rolf-Töpperwien-Grundschule Barsinghausen: Wie heißt das Footballteam aus Atlanta, das in der NFL spielt?

Atlanta Falcons.

Genau. Und wie heißt das Basketballteam aus Atlanta, das in der NBA spielt?

Atlanta Hawks.

Korrekt.

Und jetzt noch mal dieselbe Frage an Julian Reichelt und sein Bild.de-Team: Wie heißt das Footballteam aus Atlanta, das in der NFL spielt?

Nee.

Die Hawks/Falcons-Verwechslung von Reichelts Team stammt aus einem Artikel, in dem es vor allem um US-Präsident Donald Trump geht. Der hatte dem US-TV-Sender “Fox” ein Interview gegeben, das kurz vor der Super-Bowl-Übertragung ausgestrahlt wurde. Und in diesem Interview ging es eben auch um Football.

Vier Zeilen später direkt der nächste Klops von Bild.de:

Trump glaubt, dass die Patriots, die letztes Jahr den Super Bowl gewonnen haben, einen Vorteil haben.

Das ist Quatsch. Die New England Patriots haben 2016 nicht den Super Bowl gewonnen. Sie haben nicht mal mitgespielt. Die Denver Broncos haben vergangenes Jahr die Carolina Panthers besiegt und den Titel geholt.

Das falsche Team aus Atlanta, der falsche Super-Bowl-Sieger — das hätte Reichelts Redaktion mit zwei Zehn-Sekunden-Google-Recherchen alles verhindern können. Einen anderen Fehler zum Super Bowl hätte Bild.de vermeiden können, wenn der für den Live-Ticker zuständige Mitarbeiter wenigstens ordentlich hingeschaut hätte:

Das würde ja bedeuten, dass George W. Bush inzwischen mit seiner Mutter verheiratet ist. Er war es natürlich nicht, der zusammen mit Barbara Bush “auf den Rasen geführt wurde”, sondern sein Vater George H. W. Bush.

Mit Dank an Alexander L., Jan H., @simpsons3 und @macerarius für die Hinweise!

waz.de  

Ganz schlechte Idee (Symbolbild)

Ein Säugling, der Anfang Januar mit schweren Verletzungen in eine Klinik gebracht wurde, ist am vergangenen Montag gestorben.

Die Redaktion der “WAZ” berichtet heute online über den Tod des zehn Wochen alten Jungen. Und hielt es für eine gute Idee, dieses Symbolfoto für den Artikel zu nehmen:

Nach empörten Leserkommentaren (“Das ist nicht Ihr Ernst …”) hat die Redaktion eingesehen, dass die Wahl vielleicht doch nicht ganz angemessen war, und das Bild ausgetauscht:

Mit Dank an Daniel für den Hinweis!

BILDblog dankt

Schon wieder ist ein Monat rum — höchste Zeit also, dass wir uns bei all denen bedanken, die mit ihren Überweisungen dazu beitragen, dass es das BILDblog überhaupt gibt. Wir schaffen es leider zeitlich nicht, jeden Einzelnen bei StudiVZ zu suchen, zu finden und zu gruscheln. Dafür gibt es hier aber jeden Monat ein großes SammelDankeschön.

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Sehen alle gleich aus (13)

Manchmal schreiben Fußballreporter ja, dass Abwehrspieler XY “auf der Auswechselbank versauert”. Oder dass er dort “schmort”. “Abwehrspieler XY ist auf der Auswechselbank ein Bart gewachsen und er ist acht Zentimeter größer geworden” liest man hingegen nicht so häufig. Ist jetzt aber gerade erst passiert, beim FC St. Pauli, laut Bild.de:

Die “Höchststrafe” für Pauli-Profi Marc Hornschuh soll darin bestanden haben, dass er am Sonntag beim Zweitligaspiel gegen den VfB Stuttgart die gesamte Zeit auf der Bank sitzen musste, und Trainer Ewald Lienen ihn nicht einwechselte.

Und so ereignete sich dann im Millerntor-Stadion diese beachtliche Metamorphose: Da setzt sich Hornschuh ohne nennenswerten Bart und 1,88 Meter groß vor dem Spiel auf die Auswechselbank. Und nach 90 Minuten hat er einen Vollbart, ist 1,96 Meter groß und sieht aus wie sein Teamkollege Lasse Sobiech:

Gut, zugegeben: Marc Hornschuh hat sich durch seinen Bankaufenthalt gar nicht verändert. Es handelt sich schlicht um eine Verwechslung durch Bild.de.

Wobei: Die Quelle des Fehlers liegt in diesem Fall hauptsächlich gar nicht mal bei der Redaktion. Der “Getty”-Fotograf Stuart Franklin, von dem das Foto von Lasse Sobiech stammt, hat es mit “Marc Hornschuh” verschlagwortet. Und auch Franklin kann man keinen allzu großen Vorwurf machen. Denn wenn man sich das komplette Foto anschaut, sieht man, dass das linke Bein der Trainingshose von Sobiech mit der Nummer 16 beflockt ist. Und das ist die Rückennummer von Marc Hornschuh.

Inzwischen hat auch die Bild.de-Redaktion den Fehler bemerkt und das Foto ausgetauscht.

Mit Dank an @tmigge und @stammtischphilo für Hinweis und Hilfe!

Ganz dünnes Eis

Also neee, ihhhh, bäääh, ist ja eklig. Gaffer. Damit wollen die Online-Redakteure des Münchner Boulevardblatts “tz” nichts zu tun haben:

Vergangenen Freitag ist ein Touristenpaar in den Olympiasee in München eingebrochen. Sie hatten die Eisschicht dicker eingeschätzt als sie tatsächlich war. Am Ende ist alles einigermaßen gut ausgegangen: Die 39-jährige Frau und der 40-jährige Mann kamen zwar in eine Klinik, passiert ist ihnen aber nichts Schlimmeres. Ihr Kind, das ebenfalls übers Eis lief, war gar nicht erst eingebrochen.

Und dann waren da noch die Gaffer, über die sich die “tz”-Mitarbeiter so ärgern: Ein Mann und eine Frau standen am gegenüberliegenden Ufer des Sees, filmten das Geschehen und ließen einige Holzkopf-Aussagen ab. Die Frau fragt zum Beispiel: “Meinst du, die krachen dort ein?” Und der Mann antwortet: “Vielleicht, ich hoff’s, haha.” Und die Frau sagt: “Ich hoff’s gerade auch.” Und der Mann sagt: “Sonst würde ich es nicht filmen.” Und als die zwei Touristen dann tatsächlich “einkrachen”, jubelt der Mann: “Haha, hahaha, und ich hab’s drauf. Haha, ich hab’s drauf. Hörst du, wie sie schreien? Haha.”

Das ist alles ziemlich erbärmlich. Das “tz”-Team findet auch, dass die Videoaufnahmen für “Kopfschütteln” sorgen:

Unfassbarer Vorfall am Olympiasee: Zwei Gaffer hofften, dass Personen ins Eis einbrechen. So kam es dann auch — und sie lachten darüber. Wir zeigen das Video.

Ja, richtig gelesen: Die “tz”-Mitarbeiter finden es zwar ganz “Unfassbar!”, dass da Leute filmen und ätzende Kommentare abgeben, anstatt zu helfen, zeigen das 1:16 Minuten lange Video aber trotzdem. Und nicht nur das. Sie haben es extra mit einem “tz”-Logo versehen und zwischendurch — im Sinne der Dramaturgie — Texttafeln eingebaut:




Ganz zum Schluss erklärt die Redaktion dann auch noch mal, warum sie die Aufnahmen überhaupt zeigt:

Na klar, Ehrensache.

Mit Dank an Michel K. für den Hinweis!

BILDblog dankt

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#Pizzagate, Neues aus dem Glashaus, “Bild”-Sexismus

1. Wie Trumps Berater Fake News verbreiten
(sueddeutsche.de, Matthias Kolb)
Am Sonntag betritt ein 28-jähriger US-Amerikaner eine Pizzeria in Washington, er ist mit einer Pistole und einem Sturmgewehr bewaffnet. Sein Verdacht: Vertraute von Hillary Clinton betreiben dort ein Pädophilie-Netzwerk. Seine Mission: minderjährige Sexsklaven retten. Seine Quelle: #Pizzagate, eine Fake-News-Kampagne, betrieben von Trump-Anhängern. Matthias Kolb erklärt, wie die Ente in die Welt gekommen ist, wer dazu beigetragen hat und warum es so schwer ist, die Lügen wieder einzufangen, sobald sie sich einmal im Netz verbreiten.

2. Lieber Herr Broder
(medium.com, Gerald Hensel)
“Guten Tag, Herr Broder, ich möchte mich kurz vorstellen: mein Name ist Gerald Hensel, ich bin 41 Jahre alt, ich lebe in Berlin und ich hatte mal Achtung vor Ihnen.” So beginnt ein offener Brief an den streitbaren und streitlustigen Publizisten Henryk M. Broder. Gerald Hensel hält ihn für eine “Fleischwerdung der postfaktischen Scheiße, in der diese Welt gerade steckt”. Dafür nennt er drei Gründe:
“1. Sie lügen.”
“2. Wer zuerst Faschist sagt, ist zuletzt Rassist.”
“3. Sie wollen keine inhaltliche Auseinandersetzung. Sie suchen maximalen persönlichen Kollateralschaden.”

3. Willkommen im Glashaus
(blog.zeit.de, Jochen Wegner)
“Zeit Online” setzt um, was Chefredakteur Jochen Wegner schon vor eine Woche in einem “Meedia”-Interview angekündigt hatte: Das “Glashaus” soll dazu dienen, redaktionelle Abläufe und Entscheidungsprozesse transparent zu machen — aber auch, um Fehler einzugestehen: “Im Glashaus sammeln wir ab sofort auch unsere Fehler: alle Fälle, in denen wir uns gravierend korrigieren mussten — bisher werden Korrekturen nur in den Beiträgen selbst kenntlich gemacht.” Der erste inhaltliche Blogeintrag ist bereits erschienen. Markus Horeld erklärt, “Warum wir fast nie über Straftaten berichten”.

4. Wer im Glashaus sitzt
(taz.de, Diana Pieper)
Am Mittwochmorgen titelte die “Bild”-Zeitung: “Ist das Frauenbild der Flüchtlinge ein Problem?” Ausgerechnet die “Bild”-Zeitung, wundert sich Diana Pieper: “Doch ist jetzt neuerdings die ‘Bild’-Zeitung die Verteidigerin der emanzipierten, gleichberechtigten Frau? Wohl kaum, fällt sie doch eher durch ihre oft sexistische und voyeuristische Berichterstattung auf.” Zum gleichen Thema aus diesem Blog: “‘Bild’ der Frau”.

5. Unis starten in die Post-Urheberrecht-Ära
(golem.de, Sebastian Grüner)
Zum neuen Jahr tritt ein neuer Rahmenvertrag der VG Wort in Kraft, der die Nutzung wissenschaftlicher Werke an Hochschulen regeln soll — obwohl ihn etliche Universitäten vehement ablehnen. Damit werde “vollkommen unübersichtlich, welche Werke Universitäten überhaupt noch über digitale Semesterapparate verteilen dürfen”, schreibt Sebastian Grüner. Er prognostiziert großes Chaos und geht davon aus, “dass die Wissensvermittlung künftig schlicht nicht ganz legal ablaufen wird.” Anders sieht das Leonhard Dobusch bei Netzpolitik.org, der den auslaufenden Vertrag für einen “Fortschritt” hält: “Denn es zeigt, dass die Hochschulen und ihre Verbände untragbare Zustände in digitaler Forschung und Lehre nicht mehr einfach hinzunehmen bereit sind.”

6. Anspruch auf Gegendarstellung wegen Äußerungen in einem Blog
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Lauer vs. Lange: Ein ehemaliger Pirat verklagt ein aktuelles Parteimitglied der Piraten auf eine Gegendarstellung. Die Details des Streits zwischen Christopher Lauer und Simon Lange sind nebensächlich, interessant ist die Schlussfolgerung, die Rechtsanwalt Thomas Stadler aus dem juristischen Sieg Lauers zieht: “Die Entscheidung des Kammergerichts führt also dazu, dass selbst Gelegenheitsblogger (…) als journalistisch-redaktionelle Anbieter gelten, mit der Folge, dass sie der erweiterten Impressum spflicht (…) und der Gegendarstellungspflicht unterliegen. Ob dies tatsächlich dem Sinn und Zweck des Gesetzes entspricht, darf man bezweifeln. Es ließe sich dann auch nicht mehr nachvollziehbar erklären, warum nicht jeder, der auf Facebook oder Twitter vorwiegend Meinung postet, ebenfalls erfasst wäre.”

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