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„WAZ“ verbreitet Corona-Angst mit Clickbait-Paywall-Kombination

Wie man es nicht machen sollte, hat die „WAZ“-Redaktion diese Woche gezeigt. Am Mittwoch veröffentlichte sie diesen Artikel:

Screenshot WAZ.de - Coronavirus - Corona in Bochum: Uniklinik Bergmannsheil schickt Hilferuf

Im Teaser steht:

Die Bochumer Universitätsklinik Bergmannsheil hat einen Hilferuf an Ministerien in Bund und Land geschickt. Sie benötigt mehr Beatmungsgeräte.

Dann ist Schluss für alle ohne Abo, denn dann startet die „WAZ plus“-Paywall.

Bei Facebook postete die Redaktion den Artikel auch. Dort heißt es ebenfalls:

Screenshot eines Facebook-Posts der WAZ-Redaktion - Die Bochumer Universitätsklinik Bergmannsheil hat einen Hilferuf an Ministerien in Bund und Land geschickt. Sie benötigt mehr Beatmungsgeräte. - Überschrift des geposteten Artikel Corona in Bochum: Uniklinik Bergmannsheil schickt Hilferuf

Genauso auf der „WAZ Bochum“-Facebookseite.

Das klingt ziemlich bedrohlich: Eine Uniklinik mit einem Hilferuf nach mehr Beatmungsgeräten. Die Auflösung hinter der Paywall ist allerdings das komplette Gegenteil. Eine hoffnungsvolle Geschichte in der Corona-Krise: Nicht nur, dass die Klinik es in den vergangenen Wochen hinbekommen hat, ihre Kapazitäten von 42 auf 77 Intensivbetten aufzustocken; sie könnte diese Zahl sogar noch weiter erhöhen auf rund 100 Betten — dafür wären allerdings mehr Beatmungsgeräte nötig. Deswegen der „Hilferuf“.

Der klingt in einer Pressemitteilung der Uniklinik so:

„Aufgrund unserer vorhandenen baulichen Infrastruktur wären wir — je nach personeller Besetzung — in der Lage, insgesamt rund 100 intensivmedizinische Behandlungsplätze für die Versorgung dieser Patienten zur Verfügung zu stellen“, sagt Dr. Tina Groll, Geschäftsführerin des Bergmannsheils. „Dafür ist es jedoch zwingend erforderlich, dass wir zusätzliche Beatmungsgeräte erhalten. Dazu haben wir bereits alle verfügbaren Beschaffungswege aktiviert und hoffen jetzt auf Unterstützung von staatlicher Seite.“

Das, was die „WAZ“-Redaktion macht, ist nicht nur Clickbait auf Kosten der Angst der Leserinnen und Leser. Sie löst das Ganze auch nur für jene auf, die ein Abo haben. Alle anderen müssen weiterhin glauben, dass in der Bochumer Klinik die Versorgung nicht mehr gewährleistet ist.

Sowas zeigt Wirkung. Bei Facebook schreibt eine Userin:

Ich dachte es wäre alles so super organisiert bei uns?!

Und eine andere:

Warum verlegt man nicht? Es gibt in Nrw und direkter Nähe zu Bochum definitiv freie Beatmungskapazitäten!!!

Die Aufklärung übernehmen unterdessen die Leserinnen und Leser, die hinter die Paywall schauen konnten. Während Facebook-Userin A von ihren Befürchtungen schreibt …

finde es traurig das es schon los geht mit den Beatmungsgeräten . es erschreckt mich zu tiefst und lässt meine Befürchtungen war werden ich hoffe nicht.

… antwortet Userin B:

Das Bergmannsheil hat diesen „Hilferuf“ geschickt, weil es Platz hat, um dieAnzahl an Intensivbetten noch weiter auszubauen. Der Bedarf ist dafür aktuell nicht da.Es geht darum für eine eventuellen Bedarf in der Zukunft gewappnet zu sein.
Aber so eine panikmachende Schlagzeile seitens WAZ verkauft sich besser.

User C schaltet sich ein:

Aber das ist doch gut.

Und Userin A bedankt sich bei Userin B:

danke für info

Die Furcht, die die „WAZ“-Redaktion mit ihrer Clickbait-Paywall-Kombination verbreitet hat, muss die Leserschaft wieder einfangen. Das ist eigentlich nicht die Idee hinter dem Konzept „Journalismus“.

Mit Dank an Claudio G. für den Hinweis!

WAZ, waz.de  

Den bot zum Gärtner machen

Wirklich sicher sind wir auch nicht, was Donald Trump meinte, als er gestern in einer Rede im US-Bundesstaat Florida sagte: „You look at what happened last night in Sweden“. Mit irgendeinem Vorfall in Schweden wollte Trump seinen Zuhörern klarmachen, wie wichtig seine verschärften Einwanderungsgesetze seien, und wie schnell unkontrollierte Einwanderung zu Terroranschlägen führen könne. Nur: In Schweden ist „last night“ nichts Dramatisches passiert, das im Zusammenhang mit der Einwanderungspolitik des Landes steht.

Es gibt die Vermutung, dass der US-Präsident Schweden mit dem pakistanischen Sehwan verwechselt haben könnte, wo es tatsächlich gerade erst einen Selbstmordanschlag mit vielen Toten gab.

Wir haben aber noch eine andere Theorie, wie Donald Trump auf die Schreckensmeldung aus Schweden gekommen sein könnte: Zwischen zwei Hasstiraden gegen die US-Medien hat er sich einmal durch Twitter geklickt und ist auf den Account der „WAZ“ gestoßen.

Dort steht seit gestern morgen:

Und auch wenn man dem Link folgt und nur die Überschrift des Artikels liest, denkt man noch, es sei in irgendeinem schwedischen Supermarkt etwas Schlimmes passiert:

Wir können Sie aber beruhigen: Es gab kein „Geiseldrama im schwedischen Supermarkt“, also nicht in echt. Samstagabend lief im „ZDF“ bloß ein neuer Krimi mit Walter Sittler. Der spielt in Schweden. Und in der Folge von gestern gab es auch eine Geiselnahme im Supermarkt. Das ist alles.

Was erstmal nach ganz dämlichem Clickbaiting aussieht, dürfte an der Automatisierung der „WAZ“-Twitterei liegen. Denn die Redaktion aus Essen schreibt ihre Tweets in der Regel nicht selbst — ein Auto-Twitterer („(bot)“) übernimmt die Arbeit. Und der greift sich immer nur die Überschrift eines Artikels und schickt diese dann samt Link an die 213.000 Follower.

So wirkt ein Filmplot dann schnell wie eine ernste Nachricht. Und landet in einer Rede von Donald Trump. Oder auch nicht.

Mit Dank an @Amoebication für den Hinweis!

Nachtrag, 20. Februar: Vielleicht lagen wir mit unserer „WAZ“-Twitter-Theorie doch daneben. Donald Trump hat sich inzwischen dazu geäußert, was er mit „You look at what happened last night in Sweden“ meinte — er schreibt, er habe sich dabei auf eine Sendung von „Fox News“ bezogen.

Mit Dank an Sebastian für den Hinweis!

waz.de  

Ganz schlechte Idee (Symbolbild)

Ein Säugling, der Anfang Januar mit schweren Verletzungen in eine Klinik gebracht wurde, ist am vergangenen Montag gestorben.

Die Redaktion der „WAZ“ berichtet heute online über den Tod des zehn Wochen alten Jungen. Und hielt es für eine gute Idee, dieses Symbolfoto für den Artikel zu nehmen:

Nach empörten Leserkommentaren („Das ist nicht Ihr Ernst …“) hat die Redaktion eingesehen, dass die Wahl vielleicht doch nicht ganz angemessen war, und das Bild ausgetauscht:

Mit Dank an Daniel für den Hinweis!