1. Erste Reaktionen auf die Vorschläge des Zukunftsrats (dwdl.de, Uwe Mantel)
Uwe Mantel fasst die Reaktionen auf die Vorschläge des Zukunftsrats zur Weiterentwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland zusammen: Sowohl ARD als auch ZDF begrüßen die Grundrichtung, betonen aber auch eigene Reformbemühungen. Kritisch äußert sich die Gewerkschaft Verdi, die eine zu geringe Beteiligung der Rundfunkmitarbeiter und -mitarbeiterinnen sowie mögliche negative Auswirkungen auf die Rundfunkfinanzierung bemängelt. Der Deutsche Journalisten-Verband betont die Wichtigkeit von Investitionen in Qualitätsjournalismus und warnt vor einer Fokussierung auf Einsparungen.
2. AfD-Politiker darf Spiegel-Redakteurin nicht Faschistin nennen (lto.de, Felix Zimmermann)
Stephan Brandner, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, meinte, “Spiegel”-Redakteurin Ann-Katrin Müller als “Faschistin” bezeichnen zu dürfen. Das durfte er jedoch nicht, wie nun das Landgericht Berlin entschieden hat. Trotz des Gerichtsurteils zeige sich Brandner uneinsichtig und habe seine Anhänger aufgefordert, Müller weiterhin als Faschistin zu bezeichnen, was möglicherweise gegen die gegen ihn erlassene einstweilige Verfügung verstößt.
3. Radio GPT – Rundfunk ohne Mitarbeiter (3sat.de, Carsten Walter, Video: 6:20 Minuten)
Der Mannheimer Radiosender BigFM sendet seit Kurzem ein Programm, das praktisch ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auskommt. Als Radiomoderatorin fungiert die KI-Figur “Big Layla”. Die Nachrichten werden automatisiert ausgewählt und getextet. Selbst die Musikauswahl erfolgt vollautomatisch und orientiert sich an den Charts diverser Dienste wie TikTok, Spotify und Youtube. Im gleichen Haus wird aber auch noch konventionell gearbeitet. Die Moderatorin der Morningshow sieht sich von der KI-Konkurrenz nicht bedroht.
4. Reddit bereitet angeblich Börsengang vor (spiegel.de)
Der bekannte Internetforen-Anbieter Reddit soll für März seinen lang erwarteten Börsengang planen. Das 2005 gegründete Unternehmen, das eine der meistbesuchten Websites der Welt betreibt, wolle rund zehn Prozent seiner Anteile verkaufen, nachdem es zuletzt mit einem Wert von zehn Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Trotz steigender Werbeeinnahmen und einem prognostizierten Umsatz von über 800 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 habe Reddit noch keinen Gewinn erzielt.
5. Rumänien: Unabhängige Berichterstattung unter schwierigen Bedingungen (de.ejo-online.eu, Christian Krüger)
In Rumänien, so Christian Krüger, stünden Medienschaffende und öffentlich-rechtliche Medien unter starkem Druck staatlicher Einflussnahme und finanzieller Abhängigkeit, was eine unabhängige Berichterstattung erschwere. Private und unabhängige Medien, unterstützt durch Spenden und ausländische Gelder, trügen jedoch wesentlich zum Erhalt des investigativen Journalismus bei.
6. Das Bild von Journalistinnen in der Geschichte des Kinos (journalistenfilme.de, Patrick Toma)
Patrick Toma erläutert die Entwicklung der Darstellung von Reporterinnen im Film. Er zeigt, wie sich das einst positive Bild der “sob sisters” in der Frühzeit des Kinos zu stereotypen und negativen Rollenbildern in den folgenden Jahrzehnten wandelte. Der Artikel umfasst eine historische Reise von den frühen Heldinnenrollen bis hin zu modernen, differenzierteren Darstellungen von Journalistinnen, die ein neues, emanzipatorisches Bild in der Filmwelt prägen.
1. Faktenlose Polemik bei Exxpress zum Thema Schneefall und Klimawandel (kobuk.at, Corinna Crestani)
Corinna Crestani kritisiert bei “Kobuk” einen Artikel des österreichischen “Exxpress”, der den Klimawandel im Zusammenhang mit Schneefällen diskutiert. Crestani wirft der “Exxpress”-Redaktion vor, ohne wissenschaftliche Grundlage zu argumentieren und Expertenmeinungen zu ignorieren oder falsch darzustellen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel würden falsch interpretiert oder verzerrt wiedergegeben.
2. Ende der PiS-Propaganda (taz.de, Gabriele Lesser)
Wie Gabriele Lesser in der “taz” berichtet, müsse sich die rechte PiS-Partei in Polen, die in den vergangenen Jahren die öffentlich-rechtlichen Medien zu Propagandazwecken umgebaut habe, von ihrem Hauptsender TVP trennen. Die neue Mitte-Links-Regierung, die im Oktober gewählt wurde, habe sich zum Ziel gesetzt, Objektivität und Ausgewogenheit im Rundfunk wiederherzustellen. Dies könnte massive Auswirkungen auf die PiS haben, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden Kommunal-, Regional- und Europawahlen, da die Partei ihre Medienmacht und damit ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung verliere.
3. 16. Goldener Günter: Die medialen Peinlichkeiten des Jahres 2023 (dwdl.de, Thomas Lückerath & Timo Niemeier)
Die Redaktion des Medienmagazins “DWDL” kürt regelmäßig die Peinlichkeiten des vergangenen Medienjahres mit einem Negativpreis: dem “Goldenen Günter”. Hintergrund der seit 2008 vergebenen Auszeichnung sei eine Aussage des damaligen ARD-Programmdirektors Günter Struve. Dieser habe eine Sendung mit der Künstlerin Lady Bitch Ray als “ziemlich ui-jui-jui” bezeichnet. Die Auswahl an Peinlichkeiten ist in diesem Jahr besonders groß und reicht von der Idee, Michael Wendler zurück ins TV-Geschäft zu holen, über das mit Künstlicher Intelligenz gefakte Michael-Schumacher-“Interview” der “Aktuellen” bis hin zu den schwurbelnden Aussagen von Richard David Precht im ZDF-Podcast “Lanz & Precht”.
4. Uns fehlen noch 225.903 Euro! (netzpolitik.org)
netzpolitik.org versteht sich als “Medium für digitale Freiheitsrechte”. Die Redaktion beschäftigt sich unter anderem mit staatlicher Überwachung, Open-Source-Software, Telekommunikationsgesetzen sowie kreativem Gemeingut und einer freien Wissensgesellschaft. Das Angebot von netzpolitik.org finanziert sich fast vollständig aus Spenden der Leserinnen und Leser. Zum Ende des Jahres wird das Geld knapp und die Redaktionen bittet um Unterstützung.
5. MDR-Fernsehen: Umschau am 12.12.2023 (mdr.de)
Gestern haben wir in den “6 vor 9” einen Artikel des “Volksverpetzers” empfohlen, in dem Gunnar Hamann einen Beitrag des MDR hinterfragt, mit dem sich der öffentlich-rechtliche Sender aus seiner Sicht zum Sprachrohr der “Querdenken”-Bewegung gemacht hat. Der MDR hat nun eine Richtigstellung veröffentlicht, in der er einräumt, dass die “publizistischen Sorgfaltskriterien” nicht eingehalten wurden. Man habe die Sendung bereits “depubliziert”.
6. So reich sind die McCallisters – und sieben weitere schräge Fakten über den Film (spiegel.de)
Im deutschen Fernsehen haben sich zu Weihnachten gewisse Traditionen herausgebildet. Dann holen die Sender die immer gleichen Filme aus dem Schrank, seien es “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”, “Sissi”, der Actionklassiker “Stirb langsam” oder der Weihnachtsfilm “Kevin allein zu Haus” aus den 90er-Jahren. Die “New York Times” ist nun der Frage nachgegangen, wie reich Kevins Filmfamilie wirklich ist, und der “Spiegel” hat das Thema aufgegriffen. Außerdem gibt es sieben weitere unterhaltsame Fun Facts für alle, die beim rituellen Fernsehgenuss mit Hintergrundwissen glänzen wollen.
1. “Jüdische Allgemeine” soll in neutralen Umschlägen geliefert werden (t-online.de, Martin Küper)
Die Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München haben die “Jüdische Allgemeine” gebeten, ihre abonnierten Zeitungen künftig in neutralen Umschlägen zu erhalten. Dahinter steht die Sorge, dass die sichtbare Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben zu Gewalt gegen die jeweilige Person führen könnte. Die Gemeinde habe ihre Mitglieder zudem aufgefordert, sich in der Öffentlichkeit nicht als Juden zu erkennen zu geben und Pro-Palästina-Demonstrationen zu meiden.
2. Springer soll 80.000 Euro wegen Fotos von Helene Fischer zahlen (dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” unter Berufung auf einen “Übermedien”-Artikel (nur mit Abo lesbar) berichtet, hat das Landgericht Berlin den Axel-Springer-Verlag zu einer Entschädigungszahlung von 80.000 Euro verurteilt, weil die Zeitungen “Bild” und “B.Z.” unerlaubt Fotos von Helene Fischer und deren Baby veröffentlicht hatten. Das Gericht sah in der Veröffentlichung eine schwere Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Sängerin, die zwei Tage lang von einem Fotografen verfolgt worden sei. Springer prüfe derzeit, ob mal gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen will.
3. Nach Interessenkonflikten: “Spiegel” plant nicht mehr mit seinem Autor (uebermedien.de, Lisa Kräher)
Ein Journalist und Männermodel steht in der Kritik, weil er für den “Spiegel” über Themen aus seiner Modeltätigkeit geschrieben hat, ohne dies transparent zu machen. Der “Spiegel” habe nach Prüfung der Texte festgestellt, dass bei sechs Reiseberichten Transparenzhinweise fehlten, und diese nachträglich ergänzt. Als Konsequenz plane das Magazin vorerst keine weitere Zusammenarbeit mit dem umtriebigen Journalisten: “Dass wir dem Hinweis auf Gefälligkeitsjournalismus nicht sofort nachgegangen sind, bedauern wir sehr”, so die Pressestelle des “Spiegel”.
4. Kritik an Menschenrechtslage in Deutschland (reporter-ohne-grenzen.de)
In der von Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit ist Deutschland innerhalb weniger Jahre um acht Plätze von Rang 13 auf Rang 21 abgerutscht. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr vermisst selbstkritische Töne der Bundesregierung und merkt an: “Auch bei der Aufnahme gefährdeter Journalistinnen und Journalisten aus Russland oder Afghanistan blieb die Bundesregierung hinter ihren Ankündigungen zurück, sich aktiv für Menschenrechte und Pressefreiheit einzusetzen. Das ist nicht konsistent mit dem eigenen Anspruch in Sachen Menschenrechte.”
5. Strengere EU-Regeln für politische Werbung im Netz (deutschlandfunk.de, Carolin Born)
Die EU hat neue Regeln für politische Werbung im Internet beschlossen, um Manipulationen zu verhindern und die Transparenz zu erhöhen. Künftig müssen politische Anzeigen klar gekennzeichnet sein, einschließlich der Angabe von Informationen über die Finanzierung und den Betrag, der für die Werbung bezahlt wurde. Außerdem plane die EU eine Datenbank, in der Auftraggeber und Finanzierung von Online-Anzeigen erfasst werden.
6. “Ein Katz-und-Maus-Spiel” (taz.de, Amira Klute)
Der Rundfunk in Deutschland feiert sein 100-jähriges Bestehen, und von Beginn an gab es Bestrebungen, das Medium unabhängig und selbstbestimmt zu nutzen. Amira Klute sprach mit Alex Körner, einem Kenner der Geschichte und der Gegenwart der Freien Radios. Bereits in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hätten sich Radiobegeisterte zusammengeschlossen: “Schon im April 1924 gründete sich der Arbeiter-Radio-Klub. Da traf man sich zum Basteln und Radiohören. Solche Werkstätten gab’s bald in über 150 Städten. Die Mitglieder haben schnell gemerkt, dass das Programm wenig mit ihrer Lebensrealität zu tun hatte. Man wollte selbst zu Wort kommen.”
1. Wegen TV-Recherchen: Polizei ermittelt gegen Böhmermann (dwdl.de, Alexander Krei)
Wie “DWDL” unter Verweis auf einen Beitrag von “Clap” berichtet, habe die Kölner Polizei ein Ermittlungsverfahren gegen Jan Böhmermann und das “ZDF Magazin Royale” eingeleitet. Hintergrund sei offenbar die verdeckte Teilnahme eines Mitarbeiters der Sendung an einem Seminar der Psychotherapeutin Michaela Huber. Das ZDF habe die Ermittlungen bestätigt, die Vorwürfe jedoch zurückgewiesen und betont, dass die Recherche allen journalistischen Standards entsprochen habe.
2. Der Kaiserin neue Kleider (taz.de, Steffen Grimberg)
Das Grimme-Institut, bekannt durch die Verleihung des renommierten Grimme-Preises, steht finanziell nicht gut da und verzeichnet für 2023 eine “Unterdeckung” von 323.000 Euro bei einem Gesamtetat von rund drei Millionen Euro. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten hat die Direktorin des Instituts, Frauke Gerlach, den Wunsch nach einer dritten Amtszeit geäußert. Steffen Grimberg, der 2015 selbst den Grimme-Preis leitete, wundert sich: “Es zeugt schon von einer gehörigen Chuzpe, sich angesichts dieser Bilanz als Kandidatin für eine weitere Amtszeit zu empfehlen.”
3. Berichterstattung im Visier des Strafrechts (verfassungsblog.de, Jens Puschke & Pascale Fett)
Im “Verfassungsblog” wird die Kritik an der Strafnorm des Paragrafen 353d des Strafgesetzbuches diskutiert, die Medienschaffende einer möglichen strafrechtlichen Verfolgung aussetzt, wenn sie Dokumente aus Strafverfahren veröffentlichen. Dies werde als “Kriminalisierung korrekter Berichterstattung” bezeichnet. Jens Puschke und Pascale Fett argumentieren, dass diese Norm die Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit beeinträchtige, und fordern ihre Streichung aus dem Strafgesetzbuch.
4. Was Journalismus von der Mediation lernen kann (journalist.de, Ellen Heinrichs)
In der Reihe “Mein Blick auf den Journalismus” hebt Ellen Heinrichs, Geschäftsführerin des Bonn Institute, die Bedeutung von Techniken aus der Mediation für den Journalismus hervor. Heinrichs argumentiert, dass Journalistinnen und Journalisten besser zuhören und mehr Empathie zeigen sollten, da dies der Schlüssel zu relevantem Journalismus sei. Sie betont, dass Mediation und Journalismus viele Gemeinsamkeiten hätten, insbesondere im Umgang mit Konflikten, und unterstreicht die Bedeutung von Empathie, professioneller Distanz und Unparteilichkeit in beiden Berufen.
5. Offener Brief an Baerbock: Prominente fordern Unterstützung für Assange (fr.de, Thomas Kaspar)
In einem offenen Brief fordern zahlreiche Prominente aus Politik, Kultur und Medien Außenministerin Annalena Baerbock auf, sich bei ihrem bevorstehenden USA-Besuch für Wikileaks-Gründer Julian Assange einzusetzen: “Wir teilen die Auffassung von Amnesty International, Reporter ohne Grenzen und nahezu allen Menschenrechtsorganisationen und Journalistenverbänden weltweit, dass die Verfolgung von Julian Assange einen schwerwiegenden Angriff auf die Medienfreiheit darstellt.” Auch der Chefredakteur der “Frankfurter Rundschau” gehört zu den Unterzeichnern des Briefes, der in dem Beitrag in voller Länge dokumentiert ist.
6. Die “Titanic” sendet SOS (tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Das bekannte deutsche Satiremagazin “Titanic” hat offenbar große finanzielle Schwierigkeiten. Grund seien unter anderem inflationsbedingte Kündigungen und stark gestiegene Papier- und Versandkosten. Um zumindest bis zum Jahresende weitermachen zu können, benötige der Verlag 5.000 neue Abonnements. Helfen soll nun eine Rettungs-Werbekampagne, die mit Maren Kroymann und Jan Böhmermann prominente Unterstützung hat.
1. Journalistenverband rät von Türkeireisen ab (spiegel.de)
Gökay Akbulut, Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, wurde kürzlich bei ihrer Einreise in die Türkei für mehrere Stunden festgenommen. Vier Jahre alte Social-Media-Posts sollen ihr als “Terrorpropaganda” vorgehalten worden sein. “Wenn selbst die parlamentarische Immunität einer Abgeordneten nicht vor der Festnahme schützt, sei die Gefahr für Journalistinnen und Journalisten umso größer”, warnt der Deutsche Journalisten-Verband. Dessen Bundesvorsitzender Frank Überall sagt: “Wer sich als Journalist schon einmal kritisch in den eigenen Beträgen und in den sozialen Netzwerken über die Türkei, ihren Präsidenten oder die Regierungspartei AKP geäußert hat, sollte sich von dem Land fernhalten.”
2. Wenn mit Lügen Politik gemacht wird (zeit.de, Kai Biermann)
“Irgendjemand hat es auf sie abgesehen und verbreitet im Internet Lügen. Sie ist das Opfer einer breit angelegten Desinformationskampagne. Steckt dahinter die Führung eines Landes, das sie als Politikerin kritisiert hat?” Kai Biermann schreibt über die EU-Parlamentarierin Hannah Neumann und rekonstruiert dabei sehr lesenswert die Kampagne, die gegen die Politikerin läuft: vom ersten Text mit haltlosen Vorwürfen über offensichtlich extra für dessen Verbreitung geschaffene Twitter-Accounts bis zu vermeintlich seriösen Websites, die die Vorwürfe aufgreifen. Biermann hat mit Expertinnen und Experten für Desinformation über den Fall gesprochen und auch den Urheber des Ausgangstextes per Telefon erreicht.
3. Berliner Sumpf oder BRD-Mief? (taz.de, Caspar Shaller)
Gut ein Jahr ist es her, dass RBB-Intendantin Patricia Schlesinger fristlos entlassen wurde. Caspar Shaller fasst die damaligen Vorgänge noch einmal zusammen und blickt auf die aktuelle Situation beim öffentlich-rechtlichen Sender. “Doch die Affäre rbb ist weder eine Lokalposse noch eine Geschichte über die dysfunktionale Hauptstadt”, so Shaller, sondern “ein typisches Problem der miefigen BRD”.
4. Journalist Lutz Mükke beklagt die mediale Vernachlässigung des Sahel (deutschlandfunk.de, Antje Allroggen, Audio: 8:23 Minuten)
Lutz Mükke forscht und publiziert schon viele Jahre zur Afrika-Berichterstattung deutscher Medien. Im Interview mit dem Deutschlandfunk spricht er speziell über die Sahelzone, die nach dem Putsch im Niger wieder in den medialen Fokus gerückt ist. Deutsche Redaktionen hätten sich bisher “ganz wenig, leider Gottes ganz wenig” für den Sahelraum interessiert, “und das schon seit vielen Jahren”, so Mükke. Man habe sich schon länger nicht mehr “um tiefgreifende Berichterstattung bemüht.” Mükke nennt verschiedene Gründe, die aus seiner Sicht dazu beigetragen haben.
5. Blackbox-Reporting: Wie Journalist*innen über KI und Algorithmen berichten können (medium.com, Katharina Brunner & Rebecca Ciesielski & Uli Köppen & Cécile Schneider)
Künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen spielen eine immer größere Rolle, auch als Objekt der Berichterstattung. Aber wie können Journalistinnen und Journalisten fachkundig und angemessen kritisch über KI berichten? Ein Team des Bayerischen Rundfunks, das schon länger in dem Themenfeld recherchiert, hat dazu ein sogenanntes Whitepaper veröffentlicht. Es bietet “vier Ansätze für KI-Recherche”: 1. “Wichtig ist, was rauskommt: Recherche mit Experimenten”, 2. “Software auf dem Prüfstand: Recherche mit technischen Analysen”, 3. “Recht auf Einblick: Recherche mit juristischen Mitteln” und 4. “Erklär mir den Algorithmus: Interviews und Anfragen”. Der oben verlinkte Beitrag bietet eine Zusammenfassung, das 19-seitige Whitepaper (PDF) einen ausführlicheren Einblick.
6. Wo Hafer und Korn verloren sind (coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Über den Auftritt der Medienpersönlichkeiten Markus Lanz und Richard David Precht beim Kongress “Zukunft Handwerk” wurde schon an verschiedenen Stellen geschrieben. Aber so wütend wie der Text von BILDblog-Mitarbeiter Lukas Heinser dürfte kein anderer gewesen sein. Wer sich auch über das Lanz-Precht-Geschwafel von “Hafermilch-Gesellschaft” und über das Mokieren über “Work-Life-Balance”-suchende junge Leute geärgert hat, sollte klicken. Und alle anderen auch.
1. Berichterstattung über Till Lindemann: Niederlage für den “Spiegel” (dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie bei “DWDL” zu lesen ist, hat der “Spiegel” eine empfindliche juristische Niederlage erlitten, was die Berichterstattung über den Rammstein-Sänger Till Lindemann anbelangt. Das Landgericht Hamburg habe dem “Spiegel” untersagt, “den Verdacht zu erwecken, Till Lindemann habe Frauen bei Konzerten der Gruppe ‘Rammstein’ mithilfe von K.O.-Tropfen/Drogen/Alkohol betäubt oder betäuben lassen, um ihm zu ermöglichen, sexuelle Handlungen an den Frauen vornehmen zu können”, heißt es in einer Pressemitteilung der Lindemann vertretenden Kanzlei.
2. Die erfundene Debatte, ob Frauen in der Öffentlichkeit Eis essen dürfen (uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier befasst sich bei “Übermedien” mit den Reaktionen auf eine Kolumne (nur mit Abo lesbar) eines Journalisten aus Syrien in der “Süddeutschen Zeitung”, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist und der seine Anpassung an deutsche Normen und Gewohnheiten beschreibt. Niggemeier kritisiert, dass rechte und rechtsextreme Akteure die Kolumne missinterpretieren und als Argument gegen die Aufnahme von Geflüchteten verwenden. Sein Fazit: “Schlimm ist, dass wir es hinnehmen, dass ein Kolumnist, der vor Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen ist und eine sehr ehrlich wirkende Kolumne über seine Integration schreibt und darüber, von welchen früheren Überzeugungen und Gewohnheiten er sich verabschiedet hat, nun dargestellt wird wie das Paradebeispiel für einen der vielen bösen Ausländer, die angeblich unser Land kaputt machen mit ihrer Taliban-Kultur.”
3. “Politico Deutschland”: Springer kündigt baldigen Start an (tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Wie Kurt Sagatz im “Tagesspiegel” berichtet, will Springers Politik-Informationsdienst “Politico” noch in diesem Jahr in Deutschland starten. Die Redaktion werde mit Gabor Steingarts Medienmarke “Media Pioneer”, an der Springer beteiligt ist, zusammenarbeiten und neben Politik auch die Bereiche Energie und Technologie abdecken. Springer-Chef Mathias Döpfner hoffe, dass “Politico” zur “Vielfalt, Unberechenbarkeit und Qualität des politischen Journalismus in Deutschland” beitrage.
4. Freie machen Urlaub (taz.de, Erica Zingher)
Erica Zingher berichtet in der “taz” über die gescheiterten Tarifgespräche der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RBB. Rund 350 der 1.500 Freien des Senders hätten sich für einen Spontanurlaub abgemeldet. Die Aktion unter dem Titel “Wir sind nicht da” könne in den nächsten Tagen zu Lücken und nötigen Wiederholungen im Programm führen, da weniger Reporter und Reporterinnen unterwegs seien.
5. Klimajournalistin: Medien müssen Wetter und Klimakrise zusammen denken (deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 23:13 Minuten)
Leonie Sontheimer, Mitbegründerin des “Netzwerks Klimajournalismus”, fordert im Deutschlandfunk eine klarere mediale Darstellung des Zusammenhangs zwischen Extremwetter und Klimakrise. Sie kritisiert eine oft irreführende Bebilderung von Hitzemeldungen und plädiert für eine optische Umsetzung, die die Auswirkungen der Hitze realistisch zeigen soll. Darüber hinaus sieht Sontheimer das Klima als eine Dimension, die in der Berichterstattung immer berücksichtigt werden müsse, ähnlich wie Menschenrechte oder Demokratie.
6. Innenministerium prüft Bußgeldverfahren gegen Telegram (spiegel.de, Max Hoppenstedt & Marcel Rosenbach)
Wie der “Spiegel” berichtet, prüft das Bundesinnenministerium ein Bußgeldverfahren gegen den Messengerdienst Telegram, weil dieser sich weigere, Bestandsdaten verdächtiger Nutzer und Nutzerinnen an deutsche Sicherheitsbehörden herauszugeben. Die Bundesregierung plane nun, sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene gegen Telegram vorzugehen. Der Streit zwischen Bundesregierung und Messengerdienst dauere seit Beginn der Ampelregierung an. Trotz anfänglicher Anzeichen der Zusammenarbeit habe Telegram laut der Analyseorganisation Cemas die Bemühungen, extremistische Kanäle zu löschen, deutlich reduziert.
1. Eine Whistleblowing Policy für die Zivilgesellschaft (freiheitsrechte.org)
Verschiedene NGOs wie die Gesellschaft für Freiheitsrechte, Transparency International Deutschland, das Whistleblower-Netzwerk, LobbyControl und Foodwatch haben sich eine gemeinsame Whistleblowing Policy (PDF) gegeben, um Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber besser zu schützen: “Wir rufen alle zivilgesellschaftliche Organisationen auf, sich zu beteiligen.”
2. Weshalb arbeiten so viele Journalist:innen frei? (uebermedien.de, Pia Pentzlin)
Viele Menschen können sich nicht vorstellen, wie freie Medienschaffende ihr berufliches Leben ohne Festanstellung und ohne Netz und doppelten Boden meistern. Entscheiden sie sich aktiv dafür? Oder geht es einfach nicht anders? “Übermedien” hat darüber mit Sigrid März gesprochen, der Vorsitzenden von Freischreiber, dem Berufsverband freier Journalisten und Journalistinnen.
3. Desinformationen ohne Lizenz? (tagesschau.de, Carla Reveland & Pascal Siggelkow)
“Der österreichische Sender AUF1 verbreitet Falschmeldungen und Verschwörungsmythen – und erreicht dabei auch in Deutschland viele Menschen. Die österreichische Medienbehörde hat nun ein Verfahren gegen AUF1 eingeleitet.” Die ARD-“Faktenfinder” Carla Reveland und Pascal Siggelkow erklären den Fall, bei dem auch die politischen Hintergründe der Senderleitung interessant sind.
4. Was die Öffentlich-Rechtlichen löschen müssen (sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Vor vier Jahren habe sich ein Facebook-Nutzer ein regelrechtes Scharmützel mit dem MDR geliefert, weil einige seiner Kommentare gelöscht worden waren. Er sah sich als ein Opfer von Zensur. Nun hat das Bundesverwaltungsgericht über den Fall entschieden: “Danach haben ARD und ZDF nicht nur das Recht, bestimmte Beiträge zu löschen, sondern sogar die Pflicht. Denn Kommentare von Nutzern sozialer Netzwerke müssen sich auf Sendungen aus dem Programm beziehen.”
5. Betty kommt nicht mehr (kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Die Insolvenz der “Sozialistischen Verlagsauslieferung” habe Auswirkungen auf die gesamte linke Buchbranche, berichtet Josef-Otto Freudenreich: Durch die Pleite des Auslieferers falle “ihr Herzstück weg”. Freudenreich hat mit einem der 75 betroffenen Verlage gesprochen, der sich trotz des empfindlichen Schlags nicht unterkriegen lassen will.
6. Radio mit besonderem Anstrich (deutschlandfunk.de, Christoph Sterz)
Das Digitalradio DAB+, der digitalen Nachfolger von UKW, lebt von seiner Programmvielfalt mit rund 300 Sendern. Zwischen all den Angeboten taucht auch das Brillux Radio auf, das vom gleichnamigen Farbenhersteller betrieben und finanziert wird. Das wirft Fragen auf, über die auch die zuständige Landesmedienanstalt nachdenkt.
“Alle Zahlen auf den Tisch!”, forderte gestern “Bild”-Autor Frank Schneider in seinem Kommentar. Es geht ihm um die Zahlen der illegalen Einreisen nach Deutschland, und Schneider meint, dass das Bundesinnenministerium und Ministerin Nancy Faeser versuchen, “Zahlen zu schönen, zu verschleiern. Oder kleinzurechnen.”
Ja, “alle Zahlen auf den Tisch” ist tatsächlich eine gute Idee im Sinne der Transparenz und Aufklärung, wenn man vorher nicht Statistiken durcheinander mischt, die nicht vergleichbar sind, unergründliche Zahlen dazwischenwirft und das fehlerhafte Ergebnis dann der eigenen Leserschaft als potenziellen Skandal verkauft:
Das ist die “Bild”-Berichterstattung, die gestern neben Schneiders Kommentar erschienen ist. Zusammen mit Zara Riffler und Peter Tiede schreibt Schneider:
Die Zahl der Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, rast seit Monaten rauf! […]
Doch die zuständige Innenministerin ignoriert die hohen Zahlen der Bundespolizei offenbar. BILD erfuhr: Nancy Faeser (52, SPD) weist intern viel weniger aufgegriffene illegal-eingereiste Migranten aus.
► Laut “Migrationsanalyse-Bericht” ihres Ressorts wurden im September 12 701 illegal Eingereiste von Bundespolizisten aufgegriffen. Die Bundespolizei hat dagegen andere Zahlen: 20 000. […]
Fest steht: Seit Januar sind laut Faeser-Statistik insgesamt rund 57 000 Migranten eingereist. Laut Bundespolizei gut 100 000. Beim zuständigen Flüchtlingsamt BAMF stellten bis Ende September offiziell sogar 154 557 Personen einen Asylantrag.
Es handelt sich also um drei verschiedene Statistiken, die “Bild” nennt: Da wäre einmal eine aus Nancy Faesers Innenministerium, eine, die von der Bundespolizei stammen soll, und eine vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). “Bild” verrührt alle zu einem schnaubenden Aufreger.
Am ehesten passen noch die Statistiken zusammen, die “Bild” dem Innenministerium und der Bundespolizei zuschreibt. In beiden soll es um von der Bundespolizei aufgegriffene illegal Eingereiste gehen. Schneider, Riffler und Tiede nehmen sich schlicht die eine und die andere Zahl und rechnen sie gegeneinander auf: Statistik der Bundespolizei (“gut 100 000”) minus Statistik des Innenministeriums (“57 000”) gleich “Bild”-Schlagzeile (“Rund 40 000 illegale Einreisende weggeschummelt?”).
Das Problem dabei: Die Zahlen, die “Bild” der Bundespolizei zuschreibt, sollen nicht von der Bundespolizei stammen. Eine Sprecherin des Innenministeriums, dem die Bundespolizei untergeordnet ist, teilte uns gestern auf Nachfrage mit:
Die heute von der BILD-Zeitung genannten Zahlen, welche dort der Bundespolizei zugeordnet werden, stammen nicht von der Bundespolizei und sind nicht nachvollziehbar. Wir können diese Zahlen ausdrücklich nicht bestätigen.
57.647 sei die korrekte von der Bundespolizei festgestellte Gesamtzahl unerlaubter Einreisen von Januar bis einschließlich September 2022, so die Sprecherin.
Die Bundespolizei sah sich gestern genötigt, eine Pressemitteilung mit der Überschrift “Unerlaubte Einreisen – Bundespolizei ordnet öffentlich kursierende Zahlenangaben ein” zu veröffentlichten. Auch sie nennt 57.647 illegale Einreisen von Januar bis September 2022 (beziehungsweise 71.011, wenn man die gerade veröffentlichte, aber noch nicht qualitätsgesicherte Zahl aus dem Oktober dieses Jahres hinzunimmt). Bundespolizeipräsident Dieter Romann sagt in der Mitteilung mit Blick auf die Arbeit der Beamtinnen und Beamten:
Nicht dienlich ist dabei, die Lauterkeit und Transparenz ihrer Arbeit in Zweifel zu ziehen. Auch die Zahlentransparenz bleibt selbstverständlich unverändert bestehen.
Nur, um das noch einmal zu verdeutlichen: “Die hohen Zahlen der Bundespolizei”, die Innenministerin Nancy Faeser laut “Bild”-Artikel “offenbar” ignoriere und die sie laut “Bild”-Kommentator Frank Schneider schöne, verschleiere oder kleinrechne, stammen laut Bundespolizei gar nicht von der Bundpolizei.
Aber woher dann? Woher haben Schneider, Riffler und Tiede die Zahlen? Unsere Anfrage dazu beim “Bild”-Sprecher blieb bislang unbeantwortet.*
Was im Zusammenhang mit den Zahlen zu illegal Eingereisten übrigens nicht unwesentlich ist: 1. Menschen können illegal nach Deutschland einreisen, von der Polizei aufgegriffen werden und damit in die Statistik eingehen, ohne die Absicht zu haben, einen Asylantrag zu stellen. 2. Kann es zu einer Mehrfachersfassung derselben illegal eingereisten Person kommen, weil die entsprechende Polizei-Statistik keine personenbezogenen Daten umfasst. Aber das nur nebenbei.
Es gibt dann ja noch eine weitere Statistik, die der “Bild”-Artikel ins Verwirrspiel bringt:
Beim zuständigen Flüchtlingsamt BAMF stellten bis Ende September offiziell sogar 154 557 Personen einen Asylantrag.
Diese Zahl ist im Zusammenhang mit der illegalen Einreise nach Deutschland ziemlich ungeeignet. Zuallererst ist sie zu hoch, wenn es um Personen gehen soll, die dieses Jahr nach Deutschland gekommen sind: Bei den 154.557 Anträgen 2022 handelt es sich nämlich um Erst- und Folgeanträge. Nimmt man nur die Erstanträge in diesem Jahr (bis einschließlich September), sind es laut BAMF 134.908 (PDF). Was “Bild” darüber hinaus nicht erläutert: Auch Menschen, die legal nach Deutschland eingereist sind, können einen Asylantrag stellen und damit in der Statistik landen. Und: Bekommt eine Asylbewerberin in Deutschland ein Kind, landet auch dieses mit einem Asylantrag in der Statistik – ganz ohne legale oder illegale Einreise. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schreibt dazu:
Reist ein minderjähriges lediges Kind nachträglich ins Bundesgebiet ein oder wird es nach der Asylantragstellung der Eltern hier geboren, haben die Eltern, von denen noch mindestens ein Elternteil im Asylverfahren ist, oder die Ausländerbehörde das Bundesamt von der Geburt zu informieren. Damit gilt der Asylantrag des Kindes ebenfalls als gestellt. […]
Ist der Antrag der Eltern bereits entschieden, wenn ihr Kind geboren wird oder nachträglich einreist, müssen sie für das Kind einen gesonderten Asylantrag stellen.
Das Durcheinanderwerfen von Statistiken, das Hinzuziehen von Zahlen, bei denen niemand weiß, woher sie stammen, das falsche Skandalisieren zeigt Wirkung. Gestern Nachmittag schrieb die AfD bei Twitter:
#Faeser rechnet sich die alarmierenden Zahlen der nach #Deutschland strömenden #Zuwanderer schön. So gibt ihr Ministerium viel geringere Zahlen an, als tatsächlich gezählt werden.
Die “Bild”-Redaktion hat mit ihrem Artikel offenbar die Zielgruppe erreicht.
*Nachtrag, 18:40 Uhr: Der “Bild”-Sprecher hat inzwischen auf unsere Anfrage, woher die Zahlen stammen, geantwortet:
Es handelt sich bei den von BILD genannten Vergleichszahlen um Daten der Bundespolizei. Diese hat BILD unter Beachtung des Quellenschutzes öffentlich gemacht. Diese beinhalten nicht nur die offiziell genannten Zahlen der Bundespolizeiinspektionen direkt an der Grenze, sondern auch die illegalen Migranten, die später in den Zügen und/oder im Inland aufgegriffen werden. Die offizielle Meldung der Bundespolizei wie auch die offiziellen Zahlen des BAMF bestätigen diese kleingerechnete Diskrepanz nur.
1. “Fake News”: Welt-Reporter scheitert vor Gericht gegen Kritiker (volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Für den “Volksverpetzer” berichtet Matthias Meisner über die juristische Niederlage des “Welt”-Chefreporters Tim Röhn: “Die Schlappe Röhns vor dem Landgericht Hamburg ist auch deshalb bemerkenswert, weil Röhn immer wieder juristisch gegen Kritiker:innen seiner Corona-Berichterstattung vorgeht.”
2. Bund bezuschusst Hate Aid mit 497.000 Euro (spiegel.de)
Eine finanzielle Unterstützung von rund einer halben Million Euro ist dem Bundestag die Arbeit der gemeinnützigen Organisation “HateAid” wert, die Opfern von Hass und Hetze im Internet zur Seite steht. Das “HateAid”-Team hatte vor einigen Tagen für mediale Beachtung gesorgt, als es das Konto des rechtspopulistischen Autors Akif Pirinçci pfänden ließ. Weil Pirinçci die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer beleidigt hatte, war er zu einer Entschädigungszahlung verurteilt worden, dieser aber nicht nachgekommen (siehe “6 vor 9” vom 15.09.2022).
3. Journalist verklagt Polizei wegen Geheimnisverrats (t-online.de, Andreas Raabe)
Der Leipziger Journalist Aiko Kempen hat das Landeskriminalamt Sachsen verklagt: “Er geht dabei einem Verdacht nach, der, sollte er sich bestätigen, Auswirkungen auf viele spektakuläre Ermittlungen und Prozesse in Deutschland haben könnte: Manipuliert die Polizei mit Durchstechereien gezielt die Öffentlichkeit – und beeinflusst damit sogar die Rechtsprechung eigentlich unabhängiger Gerichte?”
5. Qantara.de erhalten (djv.de, Hendrik Zörner) Qantara.de ist ein Projekt der Deutschen Welle, an dem auch das Goethe-Institut und das Institut für Auslandsbeziehungen als beratende Mitglieder im Projektbeirat beteiligt sind. Es will zum Dialog mit der islamischen Welt beitragen und wurde bislang vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Doch nun droht dem Portal das Aus – das Auswärtige Amt wolle die zum Weiterbetrieb erforderlichen Mittel streichen. Der Deutsche Journalisten-Verband setzt sich für einen Erhalt der Plattform ein. Sie sei ein wichtiges Medium gegen die Herrscherpropaganda in einigen islamischen Ländern. Das gelte es zu bewahren.
6. Überleben der Öffentlich-Rechtlichen – Jugend an die Macht! (tagesspiegel.de, Bendix Lippe)
Bendix Lippe wurde 2020 vom Landesjugendring Brandenburg als jüngestes Mitglied in den ZDF-Fernsehrat berufen, inzwischen ist der 25-Jährige wieder aus dem Gremium ausgeschieden. Er kennt den Programmbetrieb also auch aus dem Blickwinkel des Kontrollierenden. Angesichts der heute bevorstehenden Fernsehratssitzung hat Lippe aufgeschrieben, welche Themen ihm besonders am Herzen liegen.
1. Aufmerksamkeitssuche mit Apokalypse (belltower.news, de:hate)
“Belltower.News”, das Internetportal der Amadeu Antonio Stiftung, analysiert, mit welchen Mitteln Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt auf Youtube operiert. Bei Reichelts Videos handele es sich um “geistige Brandstiftung mit aggressiver Rhetorik”, wie man sie aus den USA kenne: “Sein neues YouTube-Format ‘Achtung, Reichelt!’ ist dabei nicht innovativ, sondern stark am rechtspopulistischen Meinungsjournalismus des amerikanischen Nachrichtensenders Fox News angelehnt. Insbesondere die rhetorischen Mittel des verrufenen Fox News Talkers Tucker Carlson scheinen den Ex-BILD-Chef überzeugt zu haben.”
2. Frankreich schafft Rundfunkgebühren ab (tagesschau.de)
In Frankreich rücke das Ende der Rundfunkgebühren näher: Nach der französischen Nationalversammlung habe nun der Senat für die Abschaffung der Rundfunkgebühren gestimmt. Künftig solle der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch den Staat finanziert werden. Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert die Entwicklung: “Zum einen ist die Höhe der staatlichen Finanzierung unklar, zum anderen gerät die journalistische Unabhängigkeit unter die Räder, wenn der Staat die Finanzierung übernimmt.”
3. Deshalb habe ich meinen Twitter Account deaktiviert (youtube.com, Anwalt Jun, Video: 20:55 Minuten)
Nach dem Tod der österreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr, der im Netz viel Hass entgegengeschlagen war (BILDblog berichtete), haben sich einige prominente Stimmen von Twitter verabschiedet, darunter der Anwalt Chan-jo Jun. Auf Youtube erklärt Jun noch einmal ausführlich die Beweggründe für seine Entscheidung.
Weiterer Lesehinweis: Nach dem Tod von Lisa-Maria Kellermayr “stehen Polizei, Justiz und die Plattformen in der Pflicht”, findet Tanja Tricarico in der “taz”.
4. DJV fordert Schutzkonzepte (djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband fordert von den Polizeibehörden des Bundes und der Länder Schutzkonzepte für Medienschaffende, die über Protestkundgebungen berichten: “Es ist höchste Zeit, dass die Polizeiführungen festlegen, wie sie uns schützen wollen.” Wenn der von Impfgegnern und “Querdenkern” angekündigte heiße Herbst erst begonnen habe, sei es für vorausschauende Maßnahmen zu spät.
5. Dem Kreml glaubt fast niemand (faz.net, Lara Kirschbaum)
Gemäß einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom verfange die russische Staatspropaganda in Deutschland nicht: “Von den 1004 befragten Bürgern ab 16 Jahren, die Teil der Studie waren, gab die Mehrheit von 87 Prozent zum Thema an, sie misstraue der russischen Regierung, 80 Prozent sagten dies mit Blick auf die russischen Medien. Nur vier Prozent gaben an, sie mäßen russischen Medien Wahrheitsgehalt zu, der Rest der Befragten enthielt sich.”
6. Polizei Essen bittet nach Twitter-Panne um Entschuldigung (spiegel.de)
“Fürs Biertasting am Freitag im Café Kram in Bottrop sind noch Plätze frei”, verkündete die Polizei Essen auf Twitter und sorgte damit für größere Verwirrung, offenbar auch in den eigenen Reihen: “Wir können uns nicht erklären, wie dieser Beitrag in unser Profil gelangen konnte, Nachforschungen diesbezüglich laufen.” Mittlerweile sind diese “Nachforschungen” abgeschlossen, die Polizei konnte den Täter ermitteln.