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Gefangenenaustausch, Streit um “Spiegel”-Abo, Brotzeit-Politik

1. Der größte Gefangenenaustausch seit dem Ende des Kalten Kriegs
(zeit.de, Anastasia Tikhomirova & Alexander Eydlin & Tilman Steffen )
Beim “größten Gefangenenaustausch zwischen dem Westen und Russland seit dem Mauerfall” sind mit “Wall-Street-Journal”-Reporter Evan Gershkovich, der russisch-amerikanischen Journalistin Alsu Kurmasheva und Oppositionspolitiker Wladimir Kara-Mursa auch aktuelle beziehungsweise frühere Medienschaffende freigekommen. “Zeit Online” gibt Antworten auf “die wichtigsten Fragen” rund um den Deal.
Weiterer Lesehinweis: Die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigt sich hinsichtlich der Freilassungen erleichtert: “Die Medienschaffenden wurden aufgrund absurder Vorwürfe verurteilt und hätten nicht einen Tag in Haft verbringen dürfen.” Allerdings gibt Geschäftsführerin Anja Osterhaus zu bedenken, dass der Austausch “ein problematisches Vorbild für künftige Erpressungsversuche durch Russland” schaffe: “Ausländische Medienschaffende können nun jederzeit zur Verhandlungsmasse Moskaus bei Verhandlungen mit dem Westen werden.”

2. Ste­phan Brandner muss 50.000 Euro Ord­nungs­geld zahlen
(lto.de, Kevin Japalak)
Wie gestern in den “6 vor 9” berichtet, wurde der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner erneut zu einem Ordnungsgeld verurteilt, weil er die “Spiegel”-Journalistin Ann-Katrin Müller als “Faschistin” bezeichnet hatte. “Legal Tribune Online” zeichnet den Fall und seine Vorgeschichte juristisch nach – mitsamt einiger Verweise auf die bisherige Berichterstattung und Kommentierung.

3. Streit um Pur-Abo des SPIEGEL eskaliert
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Wie netzpolitik.org berichtet, hat die Datenschutzorganisation noyb den Hamburgischen Datenschutzbeauftragten verklagt, weil dieser voreingenommen das Pur-Abo-Modell des “Spiegel” geprüft und dem Medienhaus preisgünstige Rechtsberatung angeboten haben soll, statt unabhängig einer Beschwerde nachzugehen. Die Behörde habe dem “Spiegel” grünes Licht für das Modell gegeben, bei dem die Nutzerinnen und Nutzer zwischen einem kostenlosen Zugang mit Tracking und einem kostenpflichtigen Zugang ohne Tracking wählen müssen. Die Klage richte sich gegen das Prüfverfahren und die angeblich unzureichende Kommunikation mit den Beschwerdeführern.

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4. Partizipative Propaganda auf TikTok
(verdi.de, Till Schmidt)
Im Interview mit dem Verdi-Medienmagazin “M” erklärt der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Marcus Bösch, wie die AfD in den Sozialen Medien junge Zielgruppen anspricht und warum sie damit erfolgreicher ist als andere Parteien. Bösch beschreibt das Phänomen der “partizipativen Propaganda”, bei der Botschaften nicht nur gesendet, sondern durch die Beteiligung der Anhängerinnen und Anhänger, insbesondere über Plattformen wie TikTok, verstärkt werden.

5. RSF prangert Straflosigkeit in Griechenland an
(reporter-ohne-grenzen.de)
Nach einem Freispruch zweier Brüder, die des Mordes an dem Kriminalreporter Giorgos Karaivaz angeklagt waren, wendet sich die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) an die griechischen Behörden: “Wir fordern die griechische Justiz und Politik auf, weiter nach den Schuldigen für den Mord an Giorgos Karaivaz zu suchen – im Namen seiner Angehörigen und im Namen der Pressefreiheit. Auch die Gerichtsentscheidung, welche den griechischen Geheimdienst im Predator-Spyware-Fall aus der Verantwortung entlässt, ist inakzeptabel”, kommentiert ROG-Geschäftsführerin Anja Osterhaus.

6. Bayrische Brotzeit-Politik
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Johannes Drosdowski kritisiert die Inszenierung von Politikerinnen und Politikern, die über Soziale Medien persönliche Einblicke geben, um Nähe herzustellen. Besonders steche dabei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit seinen Essensfotos hervor. Drosdowskis Fazit: “Bei uns daheim kommt Markus Söder übrigens nur am Essenstisch vor, wenn sich mal wieder jemand über ihn beschwert. Weil er mit seinem Trara um Tradition so tut, als wären alle Baye­r*in­nen diskriminierende, hinterwäldlerische Rechts­po­pu­lis­t*in­nen.”

“Compact” klagt, Talkshow-Kritik der EU-Politiker, Feinde und Deppen

1. Com­pact klagt vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt
(lto.de, Markus Sehl)
Nach dem Verbot des rechtsextremen “Compact”-Magazins durch das Bundesinnenministerium klagen nun die Betreiber vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen die Schließung und die Beschlagnahme ihres Vermögens. Das Ministerium argumentiere, die Zeitschrift habe eine verfassungsfeindliche Grundtendenz und rufe zum Kampf gegen die verfassungsmäßige Ordnung auf. Das Gericht werde zu entscheiden haben, inwieweit “die Bedeutung der Pressefreiheit gegenüber dem Totalverbot von Compact” zu bewerten ist, schreibt Markus Sehl bei “Legal Tribune Online”.

2. “Die Rechten sehen Medien als Feinde, aber auch als nützliche Deppen”
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Die Historikerin, Journalistin und USA-Expertin Annika Brockschmidt erklärt im Interview mit dem “journalist”, wie sich die Republikanische Partei in den USA über Jahrzehnte radikalisiert hat, und warnt vor der Übernahme rechter Narrative durch Medien: “Die amerikanische Rechte hat eigene Medienimperien geschaffen, die bei ihrem Aufstieg eine wichtige Rolle spielen. Aber Schuld tragen auch etablierte Medien. Die Aufmerksamkeitsökonomie belohnt Empörung. Leute regen sich gern auf oder jubeln jemandem zu. Medien inszenieren das, sie produzieren steile Schlagzeilen oder laden umstrittene Politiker*innen ein.”

3. Warum die Talkshow-Kritik der EU-Politiker etwas irreführend ist
(stefan-fries.com)
In einem parteiübergreifenden Brandbrief kritisieren Europaabgeordnete die geringe Präsenz von Europapolitikerinnen und -politikern in den Talkshows von ARD und ZDF nach der Europawahl. Der Brief liegt dem Medienjournalisten Stefan Fries vor. Er hat nachgezählt und nachgerechnet, was an den Vorwürfen dran ist. Sein Fazit: “Natürlich kann man beklagen, dass die Europawahl überhaupt so wenig Thema war, und sicherlich hätten da auch mehr EU-Politiker sitzen können/müssen. Auch, dass einige Talkshows nach einer letzten Ausgabe nach der Wahl in die Sommerpause gegangen ist, beklagen die Unterzeichner des Briefes zurecht. Und sie loben auch die Berichterstattung insgesamt. Aber ihre Rechnung ist einfach zu platt.”

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4. Föderl-Schmid kommt anders zurück
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Wie die “taz” berichtet, kehrt Alexandra Föderl-Schmid, bislang stellvertretende Chefredakteurin der “Süddeutschen Zeitung”, im September zur “SZ” zurück, scheidet aber aus der Chefredaktion aus und wird Nachrichtenchefin. Zuvor hatte Föderl-Schmid wegen (inzwischen von der Universität widerlegten) Plagiatsvorwürfen eine Auszeit genommen.

5. US-Schauspieler treten gegen Videospielbranche in den Streik
(zeit.de)
Die US-Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA habe einen Streik gegen die Videospielindustrie ausgerufen, nachdem Verhandlungen über bessere Arbeitsbedingungen gescheitert seien. Ein zentraler Streitpunkt sei der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, den die Schauspielerinnen und Schauspieler kontrolliert sehen wollen, um Missbrauch zu verhindern. Außerdem würden sie höhere Löhne für ihre Arbeit fordern, einschließlich Synchronisation und Motion Capturing, nachdem ein Streik in der Filmbranche bereits ähnliche Forderungen erhoben hatte.

6. »Darum werde ich meine Frau nicht zurückbringen in dieses Land«
(spiegel.de)
Prinz Harry hat in einer neuen Doku erklärt, dass Großbritannien wegen der aggressiven Berichterstattung der Boulevardpresse zu gefährlich für seine Frau Meghan geworden sei. Das Paar sei in den vergangenen vier Jahren stark von der Presse verfolgt worden, was auch zu einer Kluft zwischen ihm und der königlichen Familie geführt habe.

Vergütungspflicht gefordert, EU vs. TikTok, netzpolitik verlässt Twitter

1. Verleger: “Sehen gerade Versagen der Politik”
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster& Mike Herbstreuth)
Obwohl von der Ampelregierung ursprünglich im Koalitionsvertrag vorgesehen, spiele das Thema staatliche Presseförderung in Deutschland aktuell keine Rolle. Nun komme zu den sowieso schon bestehenden Sorgen vieler Verlage, etwa die hohen Druck- und Vertriebskosten und die begrenzte Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden, eine weitere Herausforderung hinzu: die Künstliche Intelligenz (KI) und deren Folgen. Dies lässt erneut den Ruf von Verlagsvertretern nach staatlicher Unterstützung laut werden.

2. Vergütungspflicht muss kommen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Mika Beuster, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, fordert den Gesetzgeber auf, eine Vergütungspflicht für die Nutzung von Inhalten durch Unternehmen, die im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) tätig sind, einzuführen: “Es kann nicht sein, dass ChatGPT und andere völlig legal zum Nulltarif mit Inhalten von Medienschaffenden trainiert werden und die KI-Unternehmen auf diese Weise Milliarden scheffeln. Der Gesetzgeber kann es nicht länger zulassen, dass die einen Inhalte produzieren, während die anderen die Gewinne abschöpfen.”

3. Wir verlassen Twitter
(netzpolitik.org)
Mit netzpolitik.org verlässt ein weiterer wichtiger Account die Plattform, die früher einmal als Twitter bekannt war und inzwischen X heißt: “Musks technische und inhaltliche Entscheidungen sowie der Exodus vieler demokratischer Accounts haben dazu geführt, dass ein pluraler und offener Diskurs auf der Plattform nicht mehr möglich ist – und stattdessen vorrangig Hass und Hetze stattfinden und verbreitet werden. Auch unter den Inhalten, die wir dort posteten.”

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4. Russisches Gericht verurteilt Meta-Sprecher zu sechs Jahren Straflager
(spiegel.de)
Laut der unabhängigen russischen Nachrichtenseite “Mediazona” wurde Andy Stone, Sprecher der Facebook-Muttergesellschaft Meta, von einem russischen Gericht in Abwesenheit zu sechs Jahren Straflager verurteilt. Stone lebt in den USA und somit außerhalb des Zugriffs russischer Behörden. Grund für Anklage und Verurteilung seien Stones Äußerungen zur Moderation von Beiträgen zum Ukraine-Krieg.

5. 7 Fragen an Johanna Rüdiger
(turi2.de)
“Die Social-Media Sprache ist viel authentischer und informeller als wir Journalist*innen es gewohnt sind”, findet Johanna Rüdiger, die als Social-Media-Koordinatorin bei der Deutschen Welle arbeitet. Sie bespielt außerdem erfolgreich eigene reichweitenstarke Kanäle. Im Gespräch mit Peter Turi geht es unter anderem um die Fragen, wie sie als Journalistin bei TikTok gelandet ist, was die Social-Media-Prominenz mit ihr gemacht hat und welche Social-Media-Tipps sie für ihre Kolleginnen und Kollegen hat.

6. TikTok wendet Strafzahlung vorerst ab
(zeit.de)
Gestern haben wir in den “6 vor 9” von einem Ultimatum der EU an das Unternehmen hinter TikTok berichtet, binnen 24 Stunden ein Risikoprofil für die neue App TikTok Lite vorzulegen. Dem sei TikTok nachgekommen und habe damit vorerst eine Geldstrafe verhindern können. Bei der Auseinandersetzung geht es um die Frage, ob die neue App die psychische Gesundheit von Minderjährigen gefährdet und damit gegen EU-Regeln verstößt.

Polizeiliche Kriminalstatistik, Tiktokstagram, Militär soll schützen

1. Über den medialen Umgang mit Zahlen und Begriffen
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 5:22 Minuten)
Wie kommt es, dass viele Medien bereits am Tag vor der offiziellen Bekanntgabe Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PDF) veröffentlichen können? Und wie sieht ein verantwortungsvoller Umgang von Redaktionen mit den Daten aus? Welche Einordnung ist für ein vollständiges Bild nötig? Darüber hat Sebastian Wellendorf mit seiner Deutschlandfunk-Kollegin Katharina Hamberger gesprochen.
Weitere Lesetipps: “Müssen bei sozialen Ursachen ansetzen” (tagesschau.de). Und bei netzpolitik.org kommentiert Markus Reuter: “Deutschland ist eines der sichersten Länder der Erde. Daran ändert auch die neue Kriminalstatistik nichts.”

2. Militär muss Journalisten schützen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert die israelischen Streitkräfte auf, Journalistinnen und Journalisten im Gaza-Streifen zu schützen, insbesondere während militärischer Offensiven. Schon jetzt sei der Gaza-Krieg für Berichterstattende einer der gefährlichsten Konflikte der vergangenen Jahrzehnte. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster appelliert: “Wir erwarten vom israelischen Militär, dass es kein Blutbad unter den Korrespondenten gibt.”

3. TikTok arbeitet an eigenständiger Foto-App
(spiegel.de)
TikTok plane die Einführung einer eigenen Foto-App namens “TikTok Notes”, die in direkter Konkurrenz zu Instagram stehen und den Nutzern das Teilen von Fotos und Texten ermöglichen soll. Darüber hinaus arbeite das Unternehmen an einer Belohnungs-App namens “TikTok Lite”, die Nutzer für das Ansehen von Videos und das Einladen von Freunden belohnen soll. Ziel sei es, die Nutzerzahlen insbesondere in der EU zu steigern.

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4. Nur Krisen, Kriege, Katastrophen?
(journalist.de, Sara Maria Manzo)
Um der Nachrichtenmüdigkeit entgegenzuwirken, entwickele das “Innovationslabor” von ARD-aktuell neue Strategien und Formate, die speziell auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten seien – unter anderem mit einem stärkeren Fokus auf Hintergründe, Erklärungen und positiver Berichterstattung. In “Mein Blick auf den Journalismus” erklärt Sara Maria Manzo, Co-Leiterin des “Innovationslabors”, wie die Redaktion dabei vorgeht.

5. Freunde und Helfer
(kontextwochenzeitung.de)
Als “Kontext”-Chefin Anna Hunger erfuhr, dass sie bei einer Talk-Runde der Medientage Mitteldeutschland auf den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt, heute Kopf des Hetz- und Krawall-Kanals “Nius”, treffen soll, hat sie abgesagt. Im “Kontext”-Editorial heißt es dazu: Hunger “möchte nicht Sparringspartnerin für einen Typen sein, der in seiner Zeit bei ‘Bild’ so viele junge Frauen gedemütigt hat, was mittlerweile unter dem nichtssagenden Begriff ‘Machtmissbrauch’ firmiert. Und in keiner Form dazu beitragen, ‘Nius’ als irgendwie diskussionswürdiges Medium erscheinen zu lassen.”

6. ESC-Revolution: Was Raab & Rosemann wirklich planen
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Wie Thomas Lückerath bei “DWDL” berichtet, hat Stefan Raabs Firma mehreren TV-Sendern ein “Rettungskonzept” für den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest vorgestellt: “Das Rettungskonzept der Raab Entertainment ist bisher ein unabhängiger Vorstoß zweier erfahrener und in der Branche sehr geschätzter TV-Macher, aber keine beauftragte Entwicklung. Raab und Rosemann sondieren den Markt.”

Politischer Journalismus, Aus für den Officer, “Royaler Clusterfuck”

1. Journalisten haben nicht den Auftrag, die AfD zu bekämpfen
(deutschlandfunk.de, Friedbert Meurer, Audio: 4:44 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommentiert Friedbert Meurer, dass Journalistinnen und Journalisten nicht gegen die AfD kämpfen, sondern alle Positionen neutral hinterfragen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchten sollten; sie sollten “genau beschreiben, ob und wie gefährlich die Partei ist, aber nicht ihr Publikum vor unerfreulichen Sichtweisen abschirmen”: “Ein subjektiver Journalismus hat durchaus seine Berechtigung, oft packt er die Hörerinnen und Hörer mehr als die kühle Analyse. Aber eine Agenda ist dem Publikum suspekt. Der politische Journalismus sollte sich gerade jetzt auf seine Kernaufgabe besinnen, zu berichten und eine Sache von möglichst vielen Seiten zu beleuchten. Das Meinungsspektrum zu öffnen, statt es einzuengen.”

2. Stirbt der Lokaljournalismus schon wieder?
(journalist.de, Maximilian Münster)
Ende vergangenen Jahres musste “karla”, ein lokaljournalistisches Onlineprojekt aus Konstanz, den Betrieb einstellen. Dem digitalen Stadtmagazin war es nicht gelungen, die notwendigen finanziellen Mittel für den Weiterbetrieb zu akquirieren. Das Fachmagazin “journalist” hat mit dem Gründer und ehemaligen Redaktionsleiter Michael Lünstroth darüber gesprochen, was für ihn mit etwas zeitlichem Abstand die weiteren Gründe für das Aus von “karla” sind.

3. Was in der Islam-Berichterstattung schief läuft
(neuemedienmacher.de)
Die “Neuen deutschen Medienmacher*innen” haben sich den 400-seitigen Bericht des “Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit” angesehen, der viele Ergebnisse zur Berichterstattung über den Islam enthalte: “Zum Internationalen Tag gegen Islamfeindlichkeit vergangen Freitag haben wir uns den Bericht ‘Muslimfeindlichkeit – Eine Deutsche Bilanz’ aufmerksam durchgelesen und für Medienschaffende sechs Vorschläge formuliert, was sich an der Islam-Berichterstattung in Deutschland ändern muss.”

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4. Entlarven und kontern auf TikTok
(verdi.de, Grace Pönitz)
Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft haben in einem Projekt den Erfolg der Neuen Rechten analysiert und Fakten überprüft. Dazu haben sie eine eigene kurze Videoreihe auf TikTok und Instagram erstellt, in der Begriffe wie Desinformation, Rechtspopulismus oder Deepfakes erklärt werden. Grace Pönitz wollte von ihnen wissen, wie die Resonanz war und was die Rechten in den Sozialen Medien anders machen.

5. Es bleibt beim Tiktok-Aus für “Officer Denny”
(lto.de, Charlotte Hoppen)
Wie “Legal Tribune Online” berichtet, hat das Verwaltungsgericht Berlin im Hauptsacheverfahren entschieden, dass der Berliner Polizeibeamte “Officer Denny” seinen privaten TikTok-Account, auf dem er über seinen Polizeialltag berichtete, nicht weiter betreiben darf. Kritisiert wurde insbesondere ein Interview mit Arafat Abou-Chaker, den “Officer Denny” im Rahmen eines Livestreams geduzt habe. Sowohl das Verwaltungsgericht als auch das Oberverwaltungsgericht Berlin hätten bereits im Eilverfahren zugunsten des Dienstherrn entschieden, dass der TikTok-Auftritt dienstliche Interessen beeinträchtige.

6. Was ist das für ein royales Kommunikations-Desaster?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:53 Minuten)
Das dilettantisch bearbeitete Foto von Prinzessin Kate und ihren Kindern habe zu einem “PR-Desaster” und einem “royalen Clusterfuck” für das britische Königshaus geführt, meint ARD-Korrespondentin Annette Dittert im “Übermedien”-Podcast. Holger Klein hat die Expertin gefragt, wie der Informationsfluss zwischen Königshaus und britischer Presse funktioniert, und wie viel Kontrolle die Royals über die Medien haben.

Krawallportal verrechnet sich, TikTok soll verkaufen, Politikerphrasen

1. Fake Nius: Julian Reichelt verrechnet sich bei Ausländerkriminalität
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Das Krawallportal “Nius” des von “Bild” geschassten Ex-Chefredakteurs Julian Reichelt zeichnet sich offenbar nicht nur durch eine heftige Rechtslastigkeit aus, sondern auch durch eine bedenkliche Rechenschwäche. Medienkritiker Stefan Niggemeier hat sich die Mühe gemacht, der “Nius”-Redaktion den Rechenstoff der Sekundarstufe 1 näher zu bringen: die Prozentrechnung.

2. Verbot wird wahrscheinlicher
(taz.de)
Viele Jahre wurde darüber diskutiert, jetzt ist es soweit: Das US-Repräsentantenhaus habe gestern ein Gesetz verabschiedet, “das zum Verbot der populären Videoplattform Tiktok in den USA führen könnte. Die Abgeordneten stimmten an Mittwoch mit großer Mehrheit für die Vorlage, in der dem chinesischen Mutterunternehmen Bytedance mit einem Verbot der App in den Vereinigten Staaten gedroht wird, wenn es diese nicht innerhalb von 180 Tagen veräußert.” Hintergrund seien Vorwürfe wegen angeblicher oder möglicher Datenspionage und Propaganda.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Für mich stellt sich die Frage, was die USA machen, wenn TikTok dieser Forderung nicht nachkommt. Wie wollen sie das durchsetzen? Diese Frage stellt sich dann auch bei der nächsten Eskalationsstufe: einem möglichen Verbot von TikTok. Das dürfte technisch schwierig werden.” (Audio: 3:51 Minuten)
Und noch ein Hörtipp in eigener Sache: Um das Thema und viele weitere Social-Media-Themen geht es auch in der aktuellen Folge des Podcasts “Haken dran”: Schreianfall (spotify.com, Gavin Karlmeier, Audio: 33:42 Minuten).

3. Demokratie braucht weniger “Politikerphrasen” und mediale Dramatisierung
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 4:24 Minuten)
Marina Weisband geht in ihrer “Deutschlandfunk”-Kolumne einer weit verbreiteten medialen Ausgangssituation und deren Folgen nach: “Der Interviewer sitzt da und denkt: Wie kann ich die Politikerin jetzt auf eine Aussage festnageln? Wie lande ich einen Coup? Und die Politikerin denkt: Wie kann ich meine vom Ressort geplante Message platzieren? Wie kann ich vermeiden, dass aus irgendeinem Nebensatz eine Sensation gemacht wird?” Weisband fände folgende Fragen bedeutender: “Was ist eigentlich gerade die Lage? Was müssen die Leute verstehen? Welche Grundlagen haben wir für unsere Entscheidungen?”

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4. “Die Arbeitsbedingungen sind erbärmlich”
(netzpolitik.org, Constanze Kurz)
Die kenianischen Arbeiter, die für weniger als zwei US-Dollar pro Stunde Trainingsdaten für Firmen wie OpenAI bereinigen, leiden offenbar immer noch unter miserablen Arbeitsbedingungen. Das geht aus einem Interview hervor, das Constanze Kurz mit Mophat Okinyi geführt hat, der selbst als Content-Moderator gearbeitet hat und sich heute als Menschenrechtsaktivist und Gewerkschafter für die faire Behandlung und die Rechte von Tech-Mitarbeitern und Datentrainern einsetzt.

5. Weiterbildung für Lokaljournalist*innen
(verdi.de)
Das Programm für Lokaljournalistinnen und -journalisten der Bundeszentrale für politische Bildung und das “Vocer Institut für Digitale Resilienz” bieten ein kostenloses Weiterbildungsprogramm für Personen in lokalredaktionellen Schlüssel- und Führungspositionen an. Wer dabei sein will, muss sich beeilen: Am heutigen Donnerstag endet die Bewerbungsfrist.

6. X stampft Sendung von Ex-CNN-Moderator ein – nach Interview mit Elon Musk
(spiegel.de)
Kaum hat Elon Musk den ehemaligen CNN-Journalisten Don Lemon überredet, ein Talkformat auf X/Twitter zu starten, ist die Zusammenarbeit auch schon wieder vorbei. In der Pilotfolge war Musk zu Gast, und dem Verfechter der Meinungsfreiheit gefielen die Fragen des Journalisten offenbar nicht. Um welche Fragen es sich genau handelte, sei nicht bekannt. Lemon wolle das Video nun auf Youtube hochladen.

Streik bei der ARD, Politische Pressereisen, Influencer-Werbung

1. Es hagelt Ohrfeigen
(taz.de, Livio Koppe)
Die EU-Richtlinie zum Schutz vor missbräuchlichen Einschüchterungsklagen, bekannt als Anti-SLAPP-Richtlinie, die unter anderem die Positionen von Journalistinnen und Journalisten stärken soll, steht kurz vor dem Inkrafttreten. Livio Koppe ist skeptisch, was ihre Wirksamkeit angeht: “Letztendlich wird sich noch zeigen müssen, ob die neue EU-Direktive das Zeug dazu hat, die Tendenz zu SLAPP-Klagen einzudämmen.”

2. Wann, wenn nicht jetzt …
(journalist.de, Volkmar Kah)
Volkmar Kah, beim Deutschen Journalisten-Verband Geschäftsführer des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, betont in seinem Beitrag die Bedeutung von Tarifverträgen und kollektiven Arbeitskämpfen in der deutschen Medienbranche. Dies gelte insbesondere mit Blick auf die aktuellen Bewegungen in den Belegschaften von Radio NRW, der “Frankfurter Rundschau” und der Funke-Medien: “Tarifverträge sind vor allem in Krisenzeiten wie diesen ein ganz wichtiger Baustein, um unsere Branche für potenzielle junge Fachkräfte attraktiv zu machen.”

3. Beschäftigte von ARD-Sendern streiken
(verdi.de)
Beschäftigte der ARD-Sender, darunter WDR, NDR, SWR und BR, haben gestern für bessere Gehälter und Honorare gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi fordert rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres eine Erhöhung um 10,5 Prozent, mindestens jedoch 500 Euro monatlich, sowie spezifische Aufbesserungen für Volontärinnen und Volontäre und Auszubildende. Der ausgelaufenen Tarifvertrag habe lediglich eine Erhöhung von 2,8 Prozent sowie eine einmalige Teuerungszulage in Höhe von 3.000 Euro vorgesehen.

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4. Kaum Transparenz: Welche Medien die Politik am liebsten auf Reisen einlädt
(kobuk.at, Johanna Höpflinger)
Johanna Höpflinger beleuchtet in ihrem Artikel die mangelnde Transparenz österreichischer Medien in der Berichterstattung, die auf Grundlage von Pressereisen entstanden ist, die die Politik finanziert hat. Eine Auswertung des Medienwatchblogs “Kobuk” zeige, dass trotz Ethikrichtlinien und der Einführung von Compliance-Regeln durch einzelne Medienhäuser in der überwiegenden Mehrheit der Berichte keine Angaben zur Finanzierung der Reise durch politische Institutionen gemacht wurden.

5. Gehen öffentlichen Debatten die Grautöne verloren?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 45:33 Minuten)
Im Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. In der Folge zur Polarisierung in den Medien befürchtet ein Hörer den Verlust der gemeinsamen Debattenbasis. Mit ihm diskutieren Georg Restle, Redaktionsleiter des ARD-Magazins “Monitor”, und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen von der Uni Tübingen.

6. Grüne wollen Influencern Werbung für Finanzprodukte verbieten
(handelsblatt.de, Dietmar Neuerer)
Wie beim “Handelsblatt” zu lesen ist, setzen sich die Grünen für ein europaweites Werbeverbot für Influencer ein, das Finanzprodukte, medizinische Produkte, Glücksspiel und ungesunde Lebensmittel betreffe. Das gehe aus einem noch unveröffentlichten Papier der Bundestagsfraktion der Grünen mit Empfehlungen an die EU-Kommission hervor, das dem “Handelsblatt” vorliege. Die Ampel-Partner SPD und FDP sähen den Vorstoß kritisch.

AfD hängt auf TikTok alle ab, Falscher Fokus, Metas Politik-Angst

1. AfD hängt alle anderen Parteien auf TikTok ab
(zdf.de, Nils Metzger)
Eine Analyse des Politikberaters Johannes Hillje zeige, dass die AfD in verschiedenen Sozialen Medien deutlich erfolgreicher sei als andere politische Parteien, mit durchschnittlich höheren Impressionen pro Video auf TikTok und einer stärkeren Präsenz auf Plattformen wie Facebook und Youtube. Die Strategie hinter dem Erfolg der AfD beinhalte emotionale und polarisierende Botschaften, was die Partei besonders bei der jungen Wählerschaft beliebt mache und ihre Reichweite im digitalen Raum erhöhe.

2. Völlig falscher Fokus
(taz.de, Livio Koppe)
Das österreichische Nachrichtenmagazin “Profil” hat dem rechtsextremen Aktivisten und Wortführer der Identitären Bewegung Martin Sellner sein Titelbild gewidmet. Livio Koppe kritisiert die Entscheidung der Redaktion: “Nicht nur bei profil wird also eine einzelne Person unverhältnismäßig hochstilisiert. Für seine Anhänger zementiert das Sellners Kultstatus, für den Rest der Gesellschaft wird er größer gemacht, als er es ist.”

3. Instagram soll unpolitisch werden: Community enttäuscht
(wdr.de, Gavin Karlmeier)
Gavin Karlmeier kommentiert die Entscheidung von Instagram und Threads, politische Inhalte nicht mehr algorithmisch fördern zu wollen und damit die Sichtbarkeit solcher Inhalte einzuschränken. Die Definition dessen, was als “politisch” gilt, bleibe vage und umfasse Themen von Regierungen über Wahlen bis hin zu gesellschaftlich relevanten Themen: “Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen in Europa und den USA könnte die eingeschränkte Verbreitung von politischen Inhalten auch eine faktenbasierte Meinungsbildung erschweren – und stattdessen Effekte der gegenseitigen Bestätigung sogar noch beflügeln.”

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4. “Plagiate sind kein flächendeckendes Phänomen in den deutschen Medien”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Im Interview mit dem “Tagesspiegel” rät Mika Beuster, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, zu mehr Gelassenheit in der Plagiatsdebatte: “Plagiate sind kein flächendeckendes Phänomen in der deutschen Medienlandschaft. Dazu tragen Institutionen wie die funktionierende Selbstkontrolle des Presserats, knallhart recherchierende Medienjournalisten, ein ausgeprägtes Berufsethos sowie ein kritisches Publikum bei.”

5. EU dreht Beweislast um
(djv.de, Hendrik Zörner)
Die EU habe einen Kompromiss für die Richtlinie zur Plattformarbeit beschlossen, der vorsehe, dass digitale Plattformen ihre freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie festangestellte Beschäftigte behandeln müssen, wenn Anzeichen für Scheinselbständigkeit vorliegen, wobei die Beweispflicht bei den Unternehmen liege. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) begrüßt diese Entwicklung: “Es wurde Zeit, dass sich Europa mehr um die Rechte von Mitarbeitenden in digitalen Geschäftsmodellen kümmert”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster.

6. Tägliche Fernsehnutzung geht etwas zurück, Wachstum online
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier unter Berufung auf eine Mediennutzungsanalyse des Verbands Privater Medien VAUNET berichtet, ist die tägliche Nutzung von Bewegtbild-Inhalten in Deutschland vor allem aufgrund des Wachstums bei Online-Videos leicht gestiegen, während die Fernsehnutzung leicht zurückgegangen ist. Trotz des Rückgangs bleibe das lineare Fernsehen die wichtigste Quelle für die tägliche Mediennutzung.

Kritik an Mariupol-Beitrag, Berichte über Demos, Walulis-Comeback

1. Heftige Kritik an Beitrag aus Mariupol: “Was zum Teufel soll das, ZDF?”
(ksta.de, David Schmitz)
Ein ZDF-Bericht aus der von Russland besetzten ukrainischen Stadt Mariupol hat heftige Kritik ausgelöst. Korrespondent Armin Coerper berichtete über den Wiederaufbau Mariupols durch Russland und erwähnte Infrastrukturmaßnahmen wie neue Schulen und ein Krankenhaus, was zu den Vorwürfen führte, der Beitrag normalisiere die russische Besatzung. Kritiker bemängelten auch, dass der Bericht wichtige Kontextinformationen wie die brutale Unterdrückung pro-ukrainischer Äußerungen und die ethnischen Säuberungen durch Russland ausgespart habe.

2. Werden “Tagesschau” und “Heute” der Größe der Demos gegen Rechts gerecht?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Medienkritiker Stefan Niggemeier geht der Frage nach, ob die Nachrichtensendungen “Tagesschau” und “Heute” angemessen über die aktuellen Großdemonstrationen gegen Rechts berichten. Es gebe Kritik, dass diese Proteste, an denen Hunderttausende teilnehmen, in den Nachrichten nicht die ihnen gebührende Priorität erhalten, und Forderungen nach einer intensiveren und prominenteren Berichterstattung. Niggemeiers Fazit: “ARD und ZDF dürfen, sollen und müssen demokratische Werte verteidigen. Die Frage, wie sie das am besten tun, ist in diesem Jahr dringlicher denn je.”

3. Ich hatte einen Traum
(journalist.de, Sebastian Esser)
In der aktuellen Folge von “Mein Blick auf den Journalismus” erzählt Sebastian Esser von seinem Weg in den Journalismus, der in seinem Fall auch ein Weg ins Unternehmertum war: Esser ist Mitgründer der “Krautreporter” und der Bezahlplattform “Steady” (Transparenzhinweis: Wir vom BILDblog nutzen Steady).

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4. Die Rückführung verbessern?
(verdi.de, Günter Herkel)
Das “Rückführungsverbesserungsgesetz” sieht Maßnahmen wie verschärfte Abschiebehaft und Kürzungen von Leistungen für Asylbewerberinnen und -bewerber vor, was von einigen Fachleuten als verfassungswidrig angesehen werde. Günter Herkel kritisiert die Verwendung beschönigender Begriffe in der Politik, die unangenehme Maßnahmen verharmlosen sollen, und zeigt auf, wie Medien diese Begriffe oft unkritisch übernehmen.

5. Neue Clickbait-Opfer
(taz.de, Martin Seng)
Die renommierten Gaming-Magazine “Games Aktuell” und “GamePro” werden eingestellt, was die Krise der gedruckten Spielemagazine in Zeiten des dominierenden Online-Journalismus widerspiegele. Martin Seng macht sich Sorgen um das gesamte Genre: “Die große Herausforderung an den Spielejournalismus ist, dass er sich in den kommenden Jahren nicht weiter verwässert. Er muss sein Sichtfeld erweitern, investigativer und seriöser werden. Sonst läuft er Gefahr, sich nur auf Tech-News zu beschränken. Im schlimmsten Falle wird er sich so selbst abschaffen.”

6. Wendler Comeback – so plant er “Die Rückkehr des Königs”
(youtube.com, Walulis, Video: 47:26 Minuten)
Mediensatiriker Philipp Walulis und dessen Co-Host Marcus Müller melden sich nach einer mehrmonatigen Pause wieder mit einem Video zurück. Nicht mehr unter dem Dach des öffentlich-rechtlichen Netzwerks “Funk”, sondern offenbar eigenständig. In der ersten Sendung geht es um das eigene Comeback, aber auch um das Comeback des Schlagersängers und Verschwörungsverbreiters Michael Wendler.

Rechte Influencer, “Rage Bait”, Eskalation in Polen?

1. Braune IT und rechte Influencer
(netzpolitik.org, Tomas Rudl & Markus Reuter)
Eine Recherche von netzpolitik.org und “Correctiv” beleuchtet die Verbindungen eines IT-Unternehmers zur rechtsextremen Szene in Deutschland. Dieser sei früher im Umfeld der NPD aktiv gewesen und immer noch in rechtsextremen Kreisen vernetzt, wie seine Teilnahme an einem Geheimtreffen in Potsdam zeige. Der Artikel enthüllt auch die Pläne des Sohnes des Gastgebers des Treffens, eine rechte Influencer-Agentur zu gründen, um Kampagnen und finanzielle Unterstützung für rechtsextreme Inhalte zu organisieren.

2. Eskalation in Polen? Erbitterter Kampf um öffentlich-rechtliche Medien
(ndr.de, Tom Fugmann, Video: 11:27 Minuten)
In Polen gibt es einen heftigen Konflikt um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, insbesondere um den Fernsehsender TVP. Nach dem Machtwechsel zu einer Mitte-Links-Regierung unter Donald Tusk wurde die von der nationalkonservativen PiS-Partei eingesetzte TVP-Führung abgesetzt, was zu Protesten und einer vorübergehenden Besetzung des TVP-Gebäudes in Warschau durch PiS-Politiker und Medienschaffende führte.

3. “Ich bin sowieso ein ruhiger Typ”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Interview mit dem “journalist” spricht die langjährige Fernsehmoderatorin Anne Will über ihre Karriere und die Bedeutung ihrer journalistischen Herangehensweise. Sie betont die Wichtigkeit von Ruhe und Gelassenheit in ihrer Rolle, insbesondere in Krisensituationen wie den Anschlägen vom 11. September 2001. Will spricht auch über ihre Entscheidung, sich von der Moderation ihrer Sonntagabend-Talkshow zurückzuziehen, um wieder verstärkt journalistisch arbeiten zu können. Außerdem geht es in dem Gespräch um die Herausforderungen und die Verantwortung, die die Moderation einer Talkshow mit großer Reichweite mit sich bringt, sowie um die Auswirkungen von Talkshows auf die öffentliche Meinung und politische Debatten.

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4. Rechtsextreme Politiker*Innen feiern Erfolge auf TikTok
(belltower.news, Federico Battaglia, Visualising Democracy)
Eine beliebte Strategie für hohe Interaktionsraten in Sozialen Netzwerken sei das sogenannte “Rage Bait”, schreibt Federico Battaglia mit Blick auf einen AfD-Politiker: “Dabei werden Inhalte verbreitet, die vor allem Wut auslösen sollen, polarisieren und damit große Reichweite erlangen. Mit dieser Strategie, bekannt unter anderem aus dem Präsidentschaftswahlkampf Donald Trumps, ist Ulrich Siegmund zum erfolgreichsten deutschen Politiker auf TikTok avanciert.”

5. Elf Investigativjournalisten in Untersuchungshaft
(reporter-ohne-grenzen.de)
Als “größte Verhaftungswelle der letzten Jahre” bezeichnet Reporter ohne Grenzen (ROG) das, was sich derzeit in Kirgisistan abspielt: “Mit den Verhaftungen sollen zwei unbequeme Medien endgültig zum Verstummen gebracht werden, deren Beiträge die Regierenden kritisieren. Doch Berichte über Korruption und Amtsmissbrauch sind kein Verbrechen”, so Katja Gloger, ROG-Vorstandssprecherin: “Wir verurteilen die Festnahmen und fordern die kirgisischen Behörden auf, die Medienschaffenden freizulassen”.

6. Der Abschied vom Pressebüro
(verdi.de, Rudolf Stumberger)
Rudolf Stumberger beschreibt die Entwicklung eines in den 1980er-Jahren gegründeten Journalistenbüros in der Münchner Fliegenstraße, das im vergangenen Jahr seine Räume verlassen musste und sich aufgelöst habe. Die heute üblichen Pressebüros würden den gesellschaftlichen und journalistischen Wandel widerspiegeln: “Vom sich als gesellschaftskritisch verstehenden Journalistenkollektiv mit gemeinsamem Auftritt hin zu einer pragmatischen Bürogemeinschaft einzelner Kolleg*innen. Von der Dominanz des Politischen hin zur Dominanz des Wirtschaftlichen.”

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