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Weltuntergang, iPhone, Luczak

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Meinungsmacher”?!
(kriminalakte.wordpress.com, Axel Bussmer)
Für Axel Bussmer ist “die journalistische Kaste” selbst verantwortlich für die Boulevardisierung und den damit verbundenen Qualitätsverfall: “Sie orientiert sich an Talkshows, die mehr Theater als politische Aufklärung sind. Sie entwickelt einen Herdentrieb, der eine eigenständige Analyse ersetzt. Denn die Hauptstadtjournalisten sehen sich, bei all ihren Unterschieden in Einkommen, Anstellung und Renommee, einerseits als Elite und folgen andererseits einfach dem lautesten Rufer, der oft zu der kleinen Gruppe der bundesweit bekannten Alpha-Journalisten und Leitmedien wie Spiegel Online gehört.”

2. “Weltuntergang 2012, die Deutsche Bahn und mieser Journalismus”
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Florian Freistetter liest in “mobil”, der Kundenzeitschrift der Deutschen Bahn, zwei kurze Spalten über den Weltuntergang und die Sonne: “Erstaunlich! Das sind nur 7 Sätze – und trotzdem so wahnsinnig viel Unsinn.”

3. “Gefangen zwischen Leistungsschutzrecht und Zensurdebatte”
(iphoneblog.de, alex olma)
Alexander Olma nervt das Gejammer der Verleger. Er kann nicht verstehen, warum sie sich mit Apple “hilflos in die Abhängigkeit eines einzelnen Anbieters begeben”. Sein Rat: “Macht was Eigenes, über das ihr Kontrolle habt, die kompletten Umsätze einfahrt und die registrierten Nutzerdaten ‘weiterverarbeiten’ könnt. Ein Anfang: Eine iPhone OS-freundliche Webseite, die nicht nervt!”

4. “Das iPhone unter der Lupe”
(abendzeitung.de, Richard Gutjahr)
Richard Gutjahr besucht die Präsentation des iPhone 4. Ein direktes Gespräch mit Steve Jobs ist nicht erlaubt: “Ein Raum voller Journalisten, aber keiner wagt es, den Mann, um den sich alles dreht, auch nur anzusprechen! So etwas erlebt man selten.”

5. Interview mit Hania Luczak
(mediummagazin.de, Daniel Kastner)
Die Gewinnerin des Henri-Nannen-Preises 2010 im Gespräch: “Schauen Sie sich an, welche Kollegen Preise gewinnen – das sind fast alles Festangestellte. Ich habe ein großes Privileg, glücklicherweise.”

6. “Tessiner TV-Kommentator darf nicht nach Südafrika”
(nzz.ch)
Armando Ceroni darf keine Fußball-WM-Spiele für das Fernsehen der italienischen Schweiz kommentieren. Ihm wird vorgeworfen, ein nicht autorisiertes Interview mit dem Schweizer Trainer, Ottmar Hitzfeld, geführt zu haben. “Damit habe er riskiert, ‘die delikaten Beziehungen zur Nationalmannschaft’ zu gefährden, schreibt die RSI in einem Communiqué.”

Computer Bild, Krise, Matthäus

6 vor 9

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1. “Gesundheitsportale: Das Geschäft mit Empfehlungen”
(aerzteblatt.de, Michael Hägele)
Michael Hägele prüft einen Test von “Computer Bild” zu Gesundheitsportalen und trifft auf “fragwürdige Experten und Methoden” (PDF-Version, 199 kb)

2. “Aufrütteln und abwiegeln”
(nzz.ch, Gerhard Schulze)
Soziologe Gerhard Schulze mit einem lesenswerten Text über die Krise als Dauerzustand und den dazu ausgetragenen Deutungskämpfen “zwischen Aufrüttlern und Abwieglern, Besorgten und Genervten, Rettern und Spöttern”.

3. “Marke werden – aber wie?”
(ejs.ituj-training.de, Jana Petersen und Adrian Pickshaus)
In fünf Schritten zum Journalist als Marke: 1. Schritt: Akquiriere klassisch! 2. Finde Deine Nische! 3. Werde Blogger! 4. Twittere was Du bloggst! 5. Schaffe Dir einen Finanzierungsmix!

4. “Das ewige Lamento”
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kommentiert die Geldforderungen von deutschen Verlegern an Facebook: “Seit Jahren hecheln viele Verlage den Entwicklungen im Netz hinterher — und wenn sie dann feststellen, dass sie in einer Sackgasse gelandet sind, schreien sie nach Umsatzbeteiligung, Leistungsschutz, Welpenschutz und Artenschutz.”

5. “Tabloid treatment of asylum seekers under fire”
(guardian.co.uk, Paul Kenyon, englisch)
Wie englische Tabloid-Zeitungen über Asylsuchende berichten.

6. “Wir waren Helden”
(zeit.de, Henning Sußebach)
Was ist aus den Fußball-Weltmeistern von 1990 geworden? Ein Besuch bei Andi Brehme, Rudi Völler, Klaus Augenthaler, Bodo Illgner und Lothar Matthäus. Warum letzterer keinen Trainer-Job in Deutschland erhält? “Wer ihn einstellt, hätte sofort Bild und Bunte im Clubhaus. Dabei ist er womöglich kein schlechter Trainer.”

… musst Du die Tabelle dreh’n

Am Freitag startet die Fußball-WM und da darf man sich natürlich schon mal die Frage stellen, wer eigentlich für Deutschland stürmen soll.

Zur Auswahl steht unter anderem:

Als vierter Kandidat hofft Stefan Kießling (26) noch. Der erfolgreichste deutsche Bundesliga-Stürmer (nach Kevin Kuranyi) der abgelaufenen Saison, spielte zwar in den letzten beiden WM-Test nicht eine Minute, dennoch gibt er im Kampf um den Platz in der Startelf nicht auf.

Nun ist jemand, der “nach” einem anderen in einer Rangliste steht, in der Regel schon nur der “zweiterfolgreichste”. In diesem Fall sind die Klammer und der Verweis auf Kuranyi aber völlig sinnlos — es sei denn, man verwendet “nach” im sonst eher ungebräuchlichen Sinne von “vor”:

2. Kießling, Stefan; Bayer Leverkusen; 33 Spiele, 21 Tore; [...] 4. Kuranyi, Kevin; FC Schalke 04; 33 Spiele, 18 Tore

Mit Dank an Eric M.

Nachtrag, 16.28 Uhr: Bild.de hat “(nach Kevin Kuranyi)” durch “(21 Tore)” ersetzt.

GEZ, Gauck, Schmidt

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1. “Pauschale für alle!”
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg verfügt über Informationen, dass die Ministerpräsidenten am Mittwoch “mit großer Sicherheit” das Ende der “GEZ-Gebühr” beschließen werden: “Danach soll ab 2013 nicht mehr pro Gerät, sondern pro Haushalt bzw. bei Unternehmen gestaffelt nach Mitarbeiterzahl gezahlt werden.”

2. “Werde auch Du NWZ-Handyscout!”
(newzblog.de, Florian Schuster)
Florian Schuster denkt nach über ein in der “Nordwest-Zeitung” erschienenes Foto, “das Deutschlands teuerster Handy-Scout, NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim, höchstpersönlich ‘geschossen’ hat”.

3. Interview mit Dominik Graf
(sueddeutsche.de, Christopher Keil)
Regisseur Dominik Graf über die Inszenierung von Live-Fußball: “Es fällt einem schwer, sich heute eine Fußballübertragung von 1966 in ihrer unglaublichen Gelassenheit und Sachlichkeit anzuschauen. Auf der anderen Seite ergreift einen tiefe Sehnsucht, dass das wieder einmal so werden möge anstelle des hektischen Auftriebs mit 37 Kameras.”

4. “Medienspekulanten lassen Merkelblase platzen”
(mspr0.de, Michael Seemann)
Michael Seemann stellt fest, dass sich Zeitungen übergreifend für den Bundespräsident-Kandidat Joachim Gauck aussprechen. “Die Trias von Springer, SPIEGEL und FAZ hat sich schon häufiger als extrem kampagnenfähig erwiesen. Egal ob Angst vorm demographischen Wandel, Front gegen die Rechtschreibreform oder Nacktbilder von Günter Verheugen, die Zusammenarbeit klappte stets recht gut. Wenn die drei in trauter Einigkeit zuschlagen, dann hat das etwas zu bedeuten.”

5. “Does the Internet Make You Smarter?”
(online.wsj.com, Clay Shirky, englisch)
Clay Shirky sieht im Internet Wurzeln einer neue Lese- und Schreibkultur. Die Gegenthese “Does the Internet Make You Dumber?” vertritt Nicholas Carr, der befürchtet, dass wir durch das Netz zu oberflächlichen Denkern werden.

6. “Ludwig-Börne-Preis an Reich-Ranicki”
(zdf.de, Video, 75:18 Minuten)
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wurde in der Frankfurter Paulskirche der Ludwig-Börne-Preis verliehen. Statt einer Laudatio singt Harald Schmidt das Brecht-Gedicht “Erinnerung an die Marie A.” (ab 12:45 Minuten).

Hauptstadtjournalismus, Nationalhymnen

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1. Über die Verwahrlosung des Hauptstadt-Journalismus-Journalismus”
(visdp.de, PDF, 1.9 MB, Sebastian Esser)
Sebastian Esser zum Lamento über die Hauptstadtjournalisten. “Es stimmt immer irgendwie, dass Polit-Journalisten in Berlin eitel und oberflächlich, gleichgeschaltet und unkritisch sind. Aber irgendwie auch nicht: Es gibt so viele Journalisten dort, dass eine wenig differenzierte Bewertung unter einer fetten Überschrift sich verbietet.”

2. “Lautsprecher, Leisetreter”
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Sonja Pohlmann befasst sich mit den Sprechern der Politiker: “Fast alle Sprecher von Spitzenpolitikern haben vorher als Journalisten gearbeitet. Sie kennen den Alltag in den Redaktionen und der Bundespressekonferenz, sind deshalb darauf gefasst, dass ihre Ex-Kollegen nach dem Seitenwechsel stets versuchen werden, mehr aus ihnen herauszulocken, als sie sagen dürfen.”

3. “Ist er von einem Blogger gestürzt worden?”
(faz.net, Michael Hanfeld)
Ein Beitrag im “heute journal” (zdf.de, Video, 3:11 Minuten) “vertritt die steile These, ein Blogger habe Köhlers Sturz erzwungen. Es lässt dabei alle anderen Faktoren außer Acht.”

4. “Das Elend der Medienkritik in der Schweiz”
(persoenlich.com, Roger Blum)
Medienwissenschaftler Roger Blum beschreibt den Zustand der Medienkritik in der Schweiz als “ganz elendiglich”, als “abwesend oder schwach”. “Medienjournalisten müssten die Hofnarren des Unternehmens sein, die dem Fürsten alles ins Gesicht sagen dürfen. Wenn sie hingegen für das eigene Unternehmen Public Relations betreiben müssen, dann schafft man sie klüger ab.”

5. “Die deutschen Spieler müssen die Nationalhymne singen!”
(malte-welding.com)
Malte Welding über den von Bild.de inszenierten “Hymnen-Streit”, der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aufteilt in Sänger und Schweiger. “Das hat man nun davon, wenn man Spieler für Deutschland spielen lässt, bloß weil sie in Stuttgart (Khedira) oder Gelsenkirchen (Özil) geboren sind. Am Ende singen sie nicht mal die Hymne und was kann dabei schon rauskommen? Zum Beispiel der Weltmeistertitel.”

6. “The Wilhelm Times”
(fuenf-filmfreunde.de, Renington Steele)
“Offensichtlich geht es den Produzenten von TV-Serien seit Jahren dermaßen schlecht, dass sie zur Ausstattung immer dieselbe Zeitung benutzen müssen.”

Somalia, Köhler, Public Viewing

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1. “Deutsche Kämpfer für Somalia: Überforderte Medien”
(weblog-sicherheitspolitik.info)
Das Weblog Sicherheitspolitik hält die Berichte über deutsche Söldner, die von der Firma Asgaard nach Somalia geschickt werden sollen, für einen “inszenierten Skandal”. “Alle stellen die Geschichte weiterhin so dar, als gäbe es keinerlei Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Meldung.”

2. “Fahnenflucht!?”
(magda.de, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal anlässlich des Rücktritts von Horst Köhler zur unseligen Tradition des Schmähworts “Fahnenflucht”.

3. “Köhler und ich: Eine Klarstellung”
(beim-wort-genommen.de, Jonas Schaible)
Jonas Schaible reflektiert seinen eigenen Anteil am Rücktritt von Horst Köhler: “Ein Blogger mit gut 1000 Lesern im Monat hat den Bundespräsidenten gestürzt? Klingt gut, ja, aber bitte – wer glaubt denn das?”. Siehe dazu auch merkur-online.de: “Wahrscheinlich ist Jonas Schaible schuld an dem ganzen Salat. Er und ein paar seiner Kollegen aus dem Internet.”

4. “Journalismus: Vierte Gewalt oder Rowdytruppe?”
(community.zeit.de/user/seriousguy)
“Haben wir eigentlich an unserer Führung nichts anderes mehr zu kommentieren als deren Handbewegungen, Gesichtsausdruck, Kleidung, sexuelle Orientierung, Wortwahl, rhetorische Fähigkeit, oder Einstufung auf der nach oben offenen Macho-Skala? Wollen wir eigentlich fähige, charakterstarke Persönlichkeiten in der Verantwortung für unser Gemeinwohl sehen oder skrupellose Ehrgeizroboter, denen menschliche Züge oder Regungen ebenso fremd sind wie Fachwissen?”

5. “Das Viele-Augen-Prinzip”
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Public Viewing wird auch abseits von Fußball “immer beliebter”, ist aber nicht ohne Tücken: “Dutzende Gäste haben sich vor der Beamerleinwand versammelt, der ‘Tatort’ aus Bremen läuft, und ganz hinten in der letzten Reihe rührt eine Frau ihren Minztee zu laut um. Der Löffel klirrt am Glas. Es würde wohl nicht weiter stören, hätte sie vorher nicht schon auf Nüssen gekaut und mehrfach ihre Nachbarin beschwatzt.”

6. “Eine Erfolgsgeschichte in eigener Sache”
(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)
Kurt W. Zimmermann erklärt den Erfolg des Nachrichtenmagazins “ff”, für das er als “Direktor” verantwortlich ist, mit der ungewöhnlichen Internetstrategie des Blatts: “Es gibt kein Internet. Die Artikel der ff gibt es nicht im Netz. Es gibt nur etwas Kurzfutter und das Inhaltsverzeichnis. Es gibt nicht einmal News und Wetter.”

B.Z.  

Verkaufe Mutter für Schlagzeile

Auf fifa.com, der Website des Weltfußballverbands, findet sich ein Interview mit Kevin-Prince Boateng, in dem er sich zum Foul äußert, das Michael Ballack die Teilnahme an der WM verwehrt. Unter anderem sagt er:

Ich möchte erst einmal sagen, dass es mir sehr leid tut, dass Michael die WM nicht spielen kann. Es war nie mein Ziel, ihn zu verletzen. Ich habe mich bei ihm noch auf dem Platz entschuldigt. Ich bin bei der Aktion einfach zu spät gekommen.

Diese Aussage sucht man in der kurzen Zusammenfassung des Gesprächs in der “B.Z.” vergebens. Sie würde auch nicht zum fleißig durch die Boulevardmedien kultivierten Bad-Boy-Image von Boateng passen. Abgedruckt hingegen wurde dieses Zitat:

Die Partie gegen Deutschland ist natürlich etwas Besonderes für mich. Ich spiele, um zu gewinnen, egal ob mein Gegner mein Bruder, mein Vater oder meine Mutter ist.

Es braucht schon ein ungesundes Maß an Böswilligkeit, um darüber eine solche Schlagzeile zu setzen:

Boateng würde sogar seine Eltern schlagen

Mit Dank an Dirk O.

Das falsche “Ghetto-Kind”

Wie mag es einem gehen, wenn man lesen muss, es sei “angenehm ruhig” um einen geworden? Wenn man als “rücksichtsloser Grobmotoriker” mit “derben Fußball-Tischmanieren”, als “Rüpel”, der “auch am Rande des Rasens rustikalen Umgang” pflegt, als “Ghetto-Kind” bezeichnet wird?

So beschrieben wird Kevin-Prince Boateng, der mit einem unglücklichen Foul die Teilnahme des Kapitäns der Nationalmannschaft, Michael Ballack, an der Fußball-WM verhinderte.

Dumm nur, dass das Foto neben dem Artikel Jérôme Boateng zeigt. Der hat zwar immerhin denselben Nachnamen wie sein für Ghana spielender Halbbruder Kevin-Prince, als Nationalmannschaftskollege Ballacks mit der Sache aber nichts zu tun.

Screenshot swp.de

Wenn das so weitergeht, können wir bald ein Sammelalbum zusammenstellen.

Mit Dank an Bader

Nachtrag, 25. Mai: Swp.de hat das Bild von Jérôme mit einem von Kevin-Prince Boateng ausgetauscht.

Drittklassige Leistungen

Der Text von Frank Pergande, den FAZ.net gestern über Hansa Rostock veröffentlicht hat, ist nicht ganz neu: So ähnlich war er schon in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” vom 2. Mai zu lesen gewesen, nur der erste Absatz musste ein wenig angepasst werden, nachdem der Abstieg in die dritte Liga nicht mehr “droht”, sondern seit Montagabend feststeht.

Ansonsten hat sich in den zweieinhalb Wochen nicht viel verändert — zumindest nicht an den Fehlern:

Die Gewalttätigen sind vor allem in einem der Fanklubs auszumachen – bei den “Ultras”, die sich in Rostock “Subtras” nennen.

Naja, die heißen “Suptras”, aber das könnte ja fast noch als Tippfehler durchgehen.

So wandten sie sich Anfang des Jahres gegen den Sicherheitsverantwortlichen Rainer Friedrich, dem sie auch seine Vergangenheit bei der Stasi vorwarfen; er wurde prompt abgelöst.

Sicherheitschef bei Hansa Rostock war Jörg Hübner, der im vergangenen November aus ganz anderen Gründen zurückgetreten ist. Rainer Friedrich hingegen ist Geschäftsführer des Stadions von Hansa Rostock. Der Verein hat im Januar angekündigt, die Vorwürfe gegen ihn sorgfältig zu prüfen, aber im Moment ist Friedrich noch im Amt.

Erst seit 1965 trägt der Fußballklub den Namen Hansa. In der Oberliga der DDR spielte er immer mit. Aber erst 1989 schaffte er endlich einmal den Doppelerfolg: Fußballmeister und Pokalsieger. Das berechtigte die Mannschaft, in der Bundesliga zu spielen. Der Verein stieg nach der ersten Saison gleich wieder ab, schaffte aber 1995 abermals den Aufstieg.

Das ist jetzt ein heißer Favorit für Auszeichnungen in der Kategorie “Wie viele Fehler passen in einen einzigen Absatz?”: Hansa Rostock ist zwischen 1965 und 1991 insgesamt vier Mal aus der Oberliga abgestiegen (1975, 1977, 1979 und 1986). In der Saison 1988/89 schied Hansa Rostock im Pokal in der zweiten Runde aus, Meister wurde damals Dynamo Dresden. Und natürlich berechtigte der Gewinn der DDR-Meisterschaft 1989 auch nicht zur Teilnahme an der Bundesliga, weil die Saison im Juni 1989 endete, mehr als fünf Monate vor dem Mauerfall. Den “Doppelerfolg” wirklich erzielt hat Hansa Rostock 1990/91, als sie die Oberliga und den Pokal im Bereich des Nordostdeutschen Fußballverbandes gewannen (die DDR gab es da, anders als zu Beginn der Saison nicht mehr). In der Saison 1991/92 wurden Hansa Rostock und Dynamo Dresden als Zweitplatzierter der Oberliga dann tatsächlich in die Bundesliga aufgenommen.

Bis heute fehlt ein Hauptsponsor.

Das ist allenfalls teilrichtig, weil Ende April ein neuer Hauptsponsor für die kommende Saison vorgestellt wurde — ausgerechnet für die Saison des FC Hansa Rostock in der dritten Liga.

Mit Dank an Martin K.

Nachtrag, 20. Mai: Unser Leser Wilko S. weist darauf hin, dass Hansa Rostock doch noch eine theoretische Chance hat, in der kommen den Saison in der zweiten Liga zu spielen: Sollte die in akuten Finanzproblemen steckende Arminia aus Bielefeld keine Lizenz für die kommende Saison erhalten, dürfte Rostock statt Bielefeld in der zweiten Bundesliga spielen (s.a. hier, letzter Absatz).

Die Aktuelle, Neon, Assange

6 vor 9

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1. “Wahrheits-Schock! ‘Die Aktuelle’ weint!”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier über den Wahrheitsgehalt der Zeitschrift “Die Aktuelle” der WAZ Women Group GmbH. “Eine unendliche Ahnungslosigkeit durchströmt das Blatt, aber alle Energie, die bei der Produktion gespart wird, fließt in die kreative Titelgestaltung.”

2. “Generation Neon”
(brodnig.org, Ingrid Brodnig)
Ingrid Brodnig über die Zeitschrift “Neon” und ihre Käufer. “Neon ist der Beweis, dass junge Erwachsene sehr wohl noch Zeitungen kaufen.”

3. “Taylor Momsen Did Not Write This Headline”
(nytimes.com, David Carr, englisch)
Die Suchmaschinenoptimierung wirkt sich vermehrt auf Schlagzeilen aus: “Headlines in newspapers and magazines were once written with readers in mind, to be clever or catchy or evocative. Now headlines are just there to get the search engines to notice.”

4. “Investigativer Journalismus”
(das-blaettchen.de, Ulrike Steglich)
Die Journalistin Ulrike Steglich erzählt, wie sie durch investigativen Journalismus zur Stadtsoziologin wurde.

5. “Australian Wikileak founder’s passport confiscated”
(theage.com.au, Tom Arup, englisch)
“Julian Assange, the Australian founder of the whistleblower website Wikileaks, says he had his passport taken away from him at Melbourne Airport and was later told by customs officials that it was about to be cancelled.”

6. “Falschmeldung kostet Daum den Meistertitel”
(welt.de, Udo Muras)
Anhand eines aktuellen Beispiels aus der türkischen Meisterschaft beschreibt Udo Muras, wie Falschmeldungen den Fußball beeinflussen können.

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