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Dabeisein ist alles

BILD-Leser entscheiden!”

Oh, toll! Was denn?

“Jetzt können BILD-Leser Fußball-Geschichte schreiben.”

Auch gut! Aber wie das denn?

BILD-Leser entscheiden, wie das offizielle WM-Poster 2006 aussehen wird!”

Echt? Da haben sich die 45 Cent ja mal richtig gelohnt, oder?

Nun ja: Quasi eine ganze Zeitungsseite hatte “Bild” am Donnerstag für die Wahl des “offiziellen WM-Posters 2006” geopfert, hat die insgesamt fünf verschiedenen Alternativen abgebildet, die dazugehörigen 0137-Nummern und SMS-Kurzwahlen angegeben – und überall in großen Buchstaben BILD-Leser entscheiden!” drübergeschrieben.

Aber das ist natürlich Unsinn: Obwohl es in der “Bild” so aussieht, hat die Aktion mit “Bild” gar nichts zu tun. Der “Gestaltungs-Wettbewerb” wird von der FIFA veranstaltet, die Preise (50 x 2 Eintrittskarten) von der FIFA gestellt, weshalb also beileibe nicht nur “Bild”-Leser entscheiden, sondern jeder, wirklich jeder, der irgendwie irgendwo auf die Aktion aufmerksam geworden ist. Und: “Interessierte Redaktionen können die fünf Postermotive zum Abdruck am 22. und 23. September 2004 bei der FIFA per e-mail (..) anfordern”, heißt es in der dazugehörigen FIFA-Pressemitteilung

Ein Hartz für Kinder

Mit traurigen Kinderaugen und süßen Sparschweinen kämpft “Bild” seit Tagen gegen die Ungerechtigkeit der sogenannten Hartz-IV-Reformen. Die Botschaft ist klar: Kinder von Langzeitarbeitslosen können sich in Zukunft ihr kleines Glück abschminken. “Fünf Kinder sagen: Mein Sparbuch kriegt ihr nicht”, schreibt “Bild”. Die Frage ist nur: Will überhaupt jemand (Herr Eichel? Herr Hartz?) ihre Sparbücher? Gehen wir die Fälle einmal durch:

Der 4-jährige Cedric will einen Fußball und ein Trikot von Rot-Weiß-Erfurt haben. Zugegeben, RWE hat sein erstes Spiel der Saison gewonnen, trotzdem ist zu bezweifeln, dass die Trikots jetzt zu Preisen von über 750 Euro gehandelt werden – und darunter ist dem Staat Cedrics quietschgelbes Spartier egal. (Wenn da mal überhaupt 750 Euro reingehen…).

Nicole will ein Mountain Bike, ein teures, sie spart schon zweieinhalb Jahre. Da Mutter Bärbel laut Text nicht mal so viel Geld wie ihre Tochter auf dem Konto hat, spricht nichts dagegen, das Geld einfach auf Mamas Konto zu überweisen – Sie hat nämlich als 42-jährige einen Vermögensfreibetrag von 8400 Euro. Aber dann hätte man ja nichts, worüber man sich bei der “Bild” beklagen könnte.

Die 4-jährige Laura umklammert ihr grünes Sparschwein ganz fest und sagt: “Ich habe schon 400 Euro auf meinem Sparbuch. Das Geld gebe ich nicht her!” Liebe Laura, hör auf, so eine Schnute zu ziehen! Erstens: Keiner will dein Sparbuch! Zweitens: Selbst wenn du mehr als 750 Euro hättest, würde Mutti immer noch Arbeitslosengeld II bekommen, nur der Kinderzuschlag würde reduziert.

Schließlich die Brüder Kevin (8) und Mario (?). In ihrem gemeinsamen Sparschwein stecken 25 Euro. Kevin spart auf ein Fußball-Trainingslager, Mario auf einen Gameboy. Sagen wir es so, Kevin: Kein Problem, solange du nicht tatsächlich ein eigenes Fußball-Trainingslager haben willst. Sowas ist dann wohl doch teurer als 750 Euro.

Fassen wir zusammen: Ja es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, völlig irreführende Mitleidstexte zu drucken und dafür unschuldige Kinder zu missbrauchen.

Dank an Konrad A. für diesen sachdienlichen Hinweis!

Bananenrepublik

Soweit ist es schon gekommen. “Muß uns jetzt ein Ausländer retten?” fragt “Bild”, und meint mit “uns” die Fußballnationalmannschaft, aber natürlich nicht nur. Sogar der Optimismus von Franz Beckenbauer bekommt eine schale Note. Die “Bild”-Zeitung zitiert ihn: „Wir werden in den nächsten Wochen, und wenn die Zeit nicht reicht in den nächsten Monaten, den richtigen Mann finden“ und fragt rhetorisch am Schluss: “Im Ausland?” und man hört fast, wie es sie schüttelt. Dann ist alles denkbar. “Vielleicht sollten wir die WM 2006 zurückgeben”, kommentiert der Sportchef. Jene WM in zwei Jahren (die verwirrenderweise “das größte Sportereignis der letzten 30 Jahre” ist, aber lassen wir das), die Franz Beckenbauer mit einem Sieg “für Deutschland” in “unser Land” holte, das sich nun als “Bananen-Republik” herausstellt.

Komisch. Für die Griechen war “ein Ausländer” als Trainer irgendwie gut genug.

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